Anhang.

Anhang.

Das Bild der im letzten Jahrhundert am meisten begangenen Karawanenstrassen zwischen dem Mittelmeere und den Saharaländern stellt sich wie folgt dar:

Im fernen Westen eine Strasse, die aus Marokko nach Timbuktu und weiter führt.

Dann von Tripolis fächerartig ausgehend eine Reihe von Strassen, nämlich:

1. von Tripolis nach Ghadames und südwestwärts nach den Oasen im Süden von Algerien und nach Timbuktu;

2. von Tripolis über Ghadames und Ghat nach Zinder und von hier aus südwestwärts nach Sokoto, südwärts nach Kano und südostwärts nach Bornu;

3. von Tripolis direkt südwärts über Murzuk nach dem Tschadsee und Bornu;

4. von Tripolis südostwärts über Tibesti und Borku nach Wadai und Darfur;

5. von Tripolis bezw. Benghazi nach der im Süden von Benghazi gelegenen Oase von Djalo und alsdann direkt südwärts durch die Libysche Wüste über Kufra nach Wadai u. s. w.

Endlich weit im Osten der Darb el Arbain, die „Strasse der 40“ (Tagesmärsche)[92], die bei Siut[93]den Nil verliess, um über die Oase Chargeh südwärts eine dem Nil parallel laufende Oasenkette, deren südlichstes Glied die Oase Selime südwestlich von Wadi Halfa ist, zu passieren und dann in südsüdwestlicher Richtung quer durch den östlichen Teil der Libyschen Wüste nach Kobeh in Darfur und nach Wadai zu führen. Diese des Wassermangels wegen stellenweise sehr gefährliche Strasse ist seit dem Ausbruch der mahdistischen Unruhen vollständig ausser Verkehr gekommen. Ihre Erbschaft werden jetzt ohne Frage der Nil selbst mit seinen Dampfern und die an seinen Ufern laufenden Eisenbahnen übernehmen.

Im Folgenden seien die Itinerare der aus den Tschadseeländern nach dem Meere führenden Karawanenstrassen, welche in jüngster Zeit am häufigsten begangen wurden, wiedergegeben; nämlich:

I. nach Mitteilungen eines Fulbe-Mannes: dieRoute von Sokoto nach Kano und sodann über Zinder nach Agades, Ghat, Ghadames und Tripolis;

II. nach Mitteilungen eines Pilgers aus Mandara, der seine Mekkafahrt zur Zeit, als die Derwische noch im egyptischen Sudan herrschten, angetreten hat, die Route von Mandara im Süden des Tschadsees über Wadai und Darfur nach Omdurman, Berber, Suakin und Djedda;

III. nach Mitteilungen eines Mudjberi aus Djalo, dessen Vater sich im Lager Rabehs in Dikoa befand: die Route von Benghazi und Djalo über Goru durch Kanem nach dem Süden des Tschadsees;

IV. nach Mitteilungen eines Mannes aus Wadai: Die Route von Benghazi nach Abeschr, der Hauptstadt von Wadai.

V. nach Mitteilungen eines Mannes aus Darfur: die Verbindungslinie von der Hauptstadt von Wadai nach Kuka, der alten Hauptstadt von Bornu.

[92]40 ist eine der Ziffern, mit welcher die Araber eine grosse Zahl ausdrücken wollen, ohne diese genauer anzugeben.[93]Zahlreiche Ruinen des muhammedanischen Mittelalters sprechen für die Bedeutung von Siut als Handelsstapelplatz in früheren Jahrhunderten.

[92]40 ist eine der Ziffern, mit welcher die Araber eine grosse Zahl ausdrücken wollen, ohne diese genauer anzugeben.

[92]40 ist eine der Ziffern, mit welcher die Araber eine grosse Zahl ausdrücken wollen, ohne diese genauer anzugeben.

[93]Zahlreiche Ruinen des muhammedanischen Mittelalters sprechen für die Bedeutung von Siut als Handelsstapelplatz in früheren Jahrhunderten.

[93]Zahlreiche Ruinen des muhammedanischen Mittelalters sprechen für die Bedeutung von Siut als Handelsstapelplatz in früheren Jahrhunderten.

1. Sokoto; 2. Malamaua; 3. Ghāra; 4. Gaudi; 5. Dambo; 6. Gora; 7. Kaula; 8. Kamaui; 9. Umadau; 10. Wurma; 11. Karōfi; 12. Djaza; 13. Rattā; 14. Kameï; 15. Dumbulum; 16. Jōfa; 17. Bagueï; 18.Kăno; 19. Daumfami; 20. Garungodinja; 21. Djigāmā Āba; 22. Bābūră; 23. Djingāz; 24. Gusāu; 25. Schanschandi; 26.Zinder; 27. Sangīlō; 28. Waufī; 29. Kojāubaua; 30. Damargu; 31. Fāuārī; 32. Dogŏndāzi; 33. Bōdŭnga; 34. Egĭdo; 35. Tumba; 36. Tīgără; 37. Nogarāua; 38. Āgădes; 39. Ghat; 40. Ghadāmes; 41. Tripolis.

1. Rukāmi in Mandăra-Dungāmi (5 Tage zu Fuss); 2. Dungami-Djīna (5 Tage), gehört zu Logon; 3. Djīna-Logon (3 Tage); 4. Logon-Massenja (7 Tage); 5. Massenja-Moï̄to (3 Tage), gehört zu Baghirmi; 6. Moï̄to-Bulāla (5 Tage), Sultan: Baikŭm, gehört zu Baghirmi; 7. Bulāla-Mudagō (3 Tage), Sultan: Djebrīn, gehört zu Wadai; 8. Mudagō-Borku (Abeschr) (15 Tage), damals Sultan: Jusuf; 9. Borku-Turdja (15 Tage), dort Grenze von Wadai gegen Tāma, Sultan: Muhammed; 10. Turdja nach Tāma (7 Tage), unabhängig; 11 Tāma-Masālīt (12 Tage), unabhängig, Sultan: Abu Bekr, gehörte früher zu Fōr; 12. Masālīt-Fāscher (13 Tage), (damals unter dem Derwisch-Emir: Mahmūd) Fāscher-el Obeid (25 Tage, weil Gewährsmann von den Derwischen als Gefangener herumgeschleppt wurde); 14. el Obeid-Djebel Hille (8 Tage), gehörte dem Chalifa; 15. Djebel Hille-Omdurman (23 Tage); 16. Omdurman-Berber (13 Tage); 17. Berber-Suākin (9 Tage); 18. Suākin-Djedda (7 Tage). — Die Marschzeiten insbesondere nach Abeschr sind nicht kritisch zu nehmen.

Benghazi-Djalo (8 Tage). Djalo-Bir Bu Tafal (1 Tag). Bir Bu Tafal-Sighen (7 Tage ohne Wasser). Sighen-Kufra (4 Tage ohne Wasser). Im grossen Oasenbezirk von Kufra ist der nördlichste Brunnen Hauari. Hauari-Djōf (6 Stunden). Eine halbe Stunde im Nordosten von Djōf liegt et Tadj, die frühere Senussi-Residenz, auf einem Berge. Die Zauija el Ustad mit einer grossen Medrese befindet sich in Djōf selbst. Djōf-Bir Tulāb (6 Stunden). Bir Tulāb-Bir Bischre (3 Tage ohne Wasser). Bir Bischre-Tekro (8 Tage ohne Wasser). Hier beginnt das Gebiet der Tibbu (Gura‘ān). Die Gegend von Tekro ist gebirgig. Der Ort hat etwa 200 Tibbu-Häuser. Es wird hier Salz gewonnen. Nunmehr wird die grosse, südwärts nach Abeschr, der Hauptstadt von Wadai, führende Strasse verlassen. Man wendet sich südwestwärts nach Goru (4 Tage). Der Ort liegt bereits in dem zu Wadai im Tributverhältnis stehenden Gebiete Borku und zwar in gebirgigem Gebiet, das hauptsächlich von Tibbu (Gura‘ān), aber auch von nomadisierenden Arabern bewohnt wird. Goru ist gegenwärtig der Centralsitz des Oberschechs der Senussi. Goru-Enguri im W. (3 Tage), 50 Gura‘ān. Enguri-Tiki Bidi im S.W. (1 Tag). Tiki Bidi-Kėrdimēl im S.W. (1 Tag).Kėrdimēl-‘Aīn Kalaka (1 Tag), fliessendes Wasser, warme Quelle, Dattelanpflanzungen, zahlreiche Äcker, neue grosse Senussi-Zauija.

Immer weiter W.S.W. führt der Weg darauf über welliges Gebiet, das dem Hamād der syrischen Wüstensteppe nicht unähnlich sein muss. Nach 3 Tagen wird die Wasserstelle ed Dōma erreicht mit reichlichem Kamelfutter. Darauf marschiert man 6 Tage lang durch eine Ebene mit vorzüglichem Kamelfutter nach Wādī ‘Agai. Das grosse wasserreiche Gebiet des Wādī ‘Agai wird von Gura‘ān bewohnt. Es beginnt schon etwa am zweiten Tagemarsche nach ed Dōma. Dann folgen 3 Tagemärsche ohne Wasser, bis im Gebiete von Kanem die erste Wasserstelle: Abū Fumēn (2 Brunnen)[94]erreicht wird. Auch hier finden sich noch zahlreiche Gura‘ān neben den Waled Solimān-Arabern, welche die Vorherrschaft haben. Das Land Kanem ist eine Ebene von vielen Wadis (im Sommer ausgetrockneten Bachläufen) durchzogen. Von ed Dōma hatte sich der Weg südwestlich gewendet. Am ersten Tage nach Abu Fumēn gelangt man nach Nīre, wo der Oberschech der Waled Solimān, Rēt, der Sohn des ‘Abd el djelīl, welch letzterer vor zwei Jahren gestorben ist, sich befand. Dann 1 Tag bis Wādī Nahl, dann 1 Tag bis Māo, einer grossen, dauernden Niederlassung, wo ein Unterschech von Rētresidiert. Südwärts und nach 3 Tagen kam mein Gewährsmann in das Hauptlager der Dekena, eines von Wadai abhängigen, dunkelfarbigen arabischen Stammes. Von hier sollte es nur mehr 2 Tage bis zum Schari nach Gulfeï sein. Der Tschadsee wurde auf dieser Route nicht berührt. Bemerkenswert ist, dass in Māo eine Medrese der Senussi im Entstehen begriffen war. Sowohl Gura‘ān wie Waled Solimān leben gegenwärtig in Behausungen, die Buschije genannt werden, Hütten aus Palmenblättern, welche wie Zelte abgeschlagen und transportiert werden können. Die Region mit solchen Hütten beginnt auf der beschriebenen Strasse bei Tekro.

[94]Das Killari bei Nachtigal Bd. II, S. 314.

[94]Das Killari bei Nachtigal Bd. II, S. 314.

[94]Das Killari bei Nachtigal Bd. II, S. 314.

Von Benghazi, wie auf vorhergehender Route, über Djalo durch die Libysche Wüste nach Tekro. Im Süden von Tekro beginnen bald zahlreiche Wadis, Wasserläufe, die im Sommer meist trocken sind, in denen aber Ziehbrunnen überall genügendes Wasser geben. Infolge dessen giebt es mehrere Karawanenstrassen von Tekro nach Wadai. Eine vielbenutzte geht über el Obeid-Wadjanka-Badadi (grosser Ort) nach den Salzgebieten von Fanfan und Wete und dann über Hawasch und Umm esch Schu‘lūba nach Arādah. Zwischen Badadi und Arādah streift der mächtige Stamm der Maḥamīd, hellfarbige,typische Araber. Ihr Schech in dieser Gegend ist Muhammed ibn el Hakkar. Sein Sitz ist im Sommer Arādah, im Winter lebt er in Mattenzelten mehr nördlich.

Von Arādah führt die Strasse weiter nach Wara, der alten Hauptstadt von Wadai und nach Abeschr. Die Marschzeit beträgt von Benghazi nach Djalo etwa acht Tage, von Djalo nach Kufra zwölf Tage, von Kufra nach Tekro gleichfalls etwa zwölf Tage und von Tekro nach Abeschr etwa 18 Tage.

1. Abeschr (1 Tag); 2. Nimro (1 Tag); 3. Kaltaki (2 Tage); 4. Batha (4 Tage); 5. Fitri (2 Tage); 6. el Ḥodjār (2 Tage); 7. ed-Deḳenā (1 Tag); 8. Baḥr schārī (Tschad) (1 Tag Bootfahrt); 9. G̣ulfeï (1 Tag); 10. Makări (2 Tage); 11. Zeïe (2 Tage); 12. Kūka.

Gedruckt bei Julius Sittenfeld in Berlin W.

Verlag, Lithogr. u. Druck v. Dietrich Reimer [Ernst Vohsen] BerlinDiegrünunterstrichenen Ortschaften in den Territoires-militaires haben gegenwärtig französische Garnisonen.BadjiboundForkadossind französische Enklaven in englischem Gebiet laut Artikel 8 des Vertrages vom 8. Juni 98.❏GRÖSSERES BILD

Verlag, Lithogr. u. Druck v. Dietrich Reimer [Ernst Vohsen] Berlin

Diegrünunterstrichenen Ortschaften in den Territoires-militaires haben gegenwärtig französische Garnisonen.BadjiboundForkadossind französische Enklaven in englischem Gebiet laut Artikel 8 des Vertrages vom 8. Juni 98.

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[Kartenausschnitt, linker Teil]

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[Kartenausschnitt, mittlerer Teil]

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[Kartenausschnitt, rechter Teil]

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