Leben und Gut verpflicht ich Euch gern zu Eurem Behufe,Sagte der Dachs, und Reineke sprach: Ich will es gedenken;Leb ich lange, so soll es Euch frommen! Der andre versetzte:Tretet immer getrost vor die Herren und wahret zum bestenEure Sache, sie werden Euch hören; auch stimmte LupardusSchon dahin, man sollt Euch nicht strafen, bevor Ihr genugsamEuch verteidigt; es meinte das gleiche die Königin selber.Merket den Umstand und sucht ihn zu nutzen! Doch Reineke sagte:Seid nur gelassen, es findet sich alles. Der zornige König,Wenn er mich hört, verändert den Sinn, es frommt mir am Ende.
Und so gingen sie beide hinein und wurden gefälligVon der Hausfrau empfangen; sie brachte, was sie nur hatte.Und man teilte die Tauben, man fand sie schmackhaft, und jedesSpeiste sein Teil; sie wurden nicht satt und hätten gewißlichEin halb Dutzend verzehrt, wofern sie zu haben gewesen.
Reineke sagte zum Dachse: Bekennt mir, Oheim, ich habeKinder trefflicher Art, sie müssen jedem gefallen.Sagt mir, wie Euch Rossel behagt und Reinhart, der Kleine?Sie vermehren einst unser Geschlecht und fangen allmählichAn, sich zu bilden, sie machen mir Freude von Morgen bis Abend.Einer fängt sich ein Huhn, der andre hascht sich ein Küchlein;Auch ins Wasser ducken sie brav, die Ente zu holenUnd den Kiebitz. Ich schickte sie gern noch öfter zu jagen;Aber Klugheit muß ich vor allem sie lehren und Vorsicht,Wie sie vor Strick und Jäger und Hunden sich weise bewahren.Und verstehen sie dann das rechte Wesen und sind sieAbgerichtet, wie sichs gehört, dann sollen sie täglichSpeise holen und bringen und soll im Hause nichts fehlen,Denn sie schlagen mir nach und spielen grimmige Spiele.Wenn sies beginnen, so ziehn den kürzern die übrigen Tiere,An der Kehle fühlt sie der Gegner und zappelt nicht lange:Das ist Reinekens Art und Spiel. Auch greifen sie hastig,Und ihr Sprung ist gewiß; das dünkt mich eben das Rechte!
Grimbart sprach: Es gereichet zur Ehre, und mag man sich freuen,Kinder zu haben, wie man sie wünscht, und die zum GewerbeBald sich gewöhnen, den Eltern zu helfen. Ich freue mich herzlich,Sie von meinem Geschlechte zu wissen, und hoffe das Beste.Mag es für heute bewenden, versetzte Reineke: gehn wirSchlafen, denn alle sind müd und Grimbart besonders ermattet.Und sie legten sich nieder im Saale, der über und überWar mit Heu und Blättern bedeckt, und schliefen zusammen.
Aber Reineke wachte vor Angst; es schien ihm die SacheGuten Rats zu bedürfen, und sinnend fand ihn der Morgen.Und er hub vom Lager sich auf und sagte zu seinemWeibe: Betrübt Euch nicht! es hat mich Grimbart gebeten,Mit nach Hofe zu gehn; Ihr bleibet ruhig zu Hause.Redet jemand von mir, so kehret es immer zum bestenUnd verwahret die Burg, so ist uns allen geraten.
Und Frau Ermelyn sprach: Ich find es seltsam! Ihr wagt esWieder nach Hofe zu gehn, wo Eurer so übel gedacht wird.Seid Ihr genötigt? Ich seh es nicht ein, bedenkt das Vergangne!
Freilich, sagte Reineke drauf: es war nicht zu scherzen!Viele wollten mir übel, ich kam in große Bedrängnis;Aber mancherlei Dinge begegnen unter der Sonne.Wider alles Vermuten erfährt man dieses und jenes,Und wer was zu haben vermeint, vermißt es auf einmal.Also laßt mich nur gehn, ich habe dort manches zu schaffen.Bleibet ruhig, das bitt ich Euch sehr, Ihr habet nicht nötig,Euch zu ängstigen. Wartet es ab! Ihr sehet, mein Liebchen,Ist es mir immer nur möglich, in fünf, sechs Tagen mich wieder.Und so schied er von dannen, begleitet von Grimbart, dem Dachse.
Achter Gesang
Weiter gingen sie nun zusammen über die Heide,Grimbart und Reineke, grade den Weg zum Schlosse des Königs.Aber Reineke sprach: Es falle, wie es auch wolle,Diesmal ahndet es mir, die Reise führet zum besten.Lieber Oheim, höret mich nun! Seitdem ich zum letztenEuch gebeichtet, verging ich mich wieder in sündigem Wesen;Höret Großes und Kleines, und was ich damals vergessen.
Von dem Leibe des Bären und seinem Felle verschafft ichMir ein tüchtiges Stück; es ließen der Wolf und die WölfinIhre Schuhe mir ab; so hab ich mein Mütchen gekühlet.Meine Lüge verschaffte mir das, ich wußte den KönigAufzubringen und hab ihn dabei entsetzlich betrogen:Denn ich erzählt ihm ein Märchen, und Schätze wußt ich zu dichten.Ja, ich hatte daran nicht genug, ich tötete Lampen,Ich bepackte Bellyn mit dem Haupt des Ermordeten; grimmigSah der König auf ihn, er mußte die Zeche bezahlen.Und das Kaninchen, ich drückt es gewaltig hinter die Ohren,Daß es beinah das Leben verlor, und war mir verdrießlich,Daß es entkam. Auch muß ich bekennen, die Krähe beklagt sichNicht mit Unrecht, ich habe Frau Scharfenebbe, sein Weibchen,Aufgegessen. Das hab ich begangen, seitdem ich gebeichtet.Aber damals vergaß ich nur eines, ich will es erzählen,Eine Schalkheit, die ich beging, Ihr müßt sie erfahren,Denn ich möchte nicht gern so etwas tragen; ich lud esDamals dem Wolf auf den Rücken. Wir gingen nämlich zusammenZwischen Kackyß und Elverdingen, da sahn wir von weitemEine Stute mit ihrem Fohlen, und eins wie das andreWie ein Rabe so schwarz; vier Monat mochte das FohlenAlt sein. Und Isegrim war vom Hunger gepeinigt, da bat er:Fraget mir doch, verkauft uns die Stute nicht etwa das Fohlen?Und wie teuer? Da ging ich zu ihr und wagte das Stückchen.Liebe Frau Mähre, sagt ich zu ihr: das Fohlen ist Euer,Wie ich weiß; verkauft Ihr es wohl? Das möcht ich erfahren.Sie versetzte: Bezahlt Ihr es gut, so kann ich es missen,Und die Summe, für die es mir feil ist, Ihr werdet sie lesen,Hinten steht sie geschrieben an meinem Fuße. Da merkt ich,Was sie wollte, versetzte darauf: Ich muß Euch bekennen,Lesen und Schreiben gelingt mir nicht eben so, wie ich es wünschte.Auch begehr ich des Kindes nicht selbst: denn Isegrim möchteDas Verhältnis eigentlich wissen; er hat mich gesendet.
Laßt ihn kommen! versetzte sie drauf. er soll es erfahren.Und ich ging, und Isegrim stand und wartete meiner.Wollt Ihr Euch sättigen, sagt ich zu ihm: so geht nur, die MähreGibt Euch das Fohlen, es steht der Preis am hinteren FußeUnten geschrieben; ich möchte nur, sagte sie, selber da nachsehn.Aber zu meinem Verdruß mußt ich schon manches versäumen,Weil ich nicht lesen und schreiben gelernt. Versucht es, mein Oheim,Und beschauet die Schrift, Ihr werdet vielleicht sie verstehen.
Isegrim sagte: Was sollt ich nicht lesen! das wäre mir seltsam!Deutsch, Latein und Welsch, sogar Französisch versteh ich:Denn in Erfurt hab ich mich wohl zur Schule gehalten,Bei den Weisen, Gelahrten, und mit den Meistern des RechtesFragen und Urteil gestellt; ich habe meine LizenzenFörmlich genommen, und was für Skripturen man immer auch findet,Les ich, als wär es mein Name. Drum wird es mir heute nicht fehlen.Bleibet, ich geh und lese die Schrift, wir wollen doch sehen!
Und er ging und fragte die Frau: Wie teuer das Fohlen?Macht es billig! Sie sagte darauf: Ihr dürft nur die SummeLesen, sie stehet geschrieben an meinem hinteren Fuße.Laßt mich sehen! versetzte der Wolf. Sie sagte: Das tu ich!Und sie hub den Fuß empor aus dem Grase, der war erstMit sechs Nägeln beschlagen; sie schlug gar richtig und fehlteNicht ein Härchen, sie traf ihm den Kopf, er stürzte zur Erden,Lag betäubt wie tot. Sie aber eilte von dannen,Was sie konnte. So lag er verwundet, es dauerte lange.
Eine Stunde verging, da regt' er sich wieder und heulteWie ein Hund. Ich trat ihm zur Seite und sagte: Herr Oheim,Wo ist die Stute? Wie schmeckte das Fohlen? Ihr habt Euch gesättigt,Habt mich vergessen! Ihr tatet nicht wohl: ich brachte die Botschaft!Nach der Mahlzeit schmeckte das Schläfchen. Wie lautete, sagt mir,Unter dem Fuße die Schrift? Ihr seid ein großer Gelehrter.
Ach, versetzt' er: spottet Ihr noch? Wie bin ich so übelDiesmal gefahren! Es sollte fürwahr ein Stein sich erbarmen.Die langbeinige Mähre! Der Henker mags ihr bezahlen!Denn der Fuß war mit Eisen beschlagen, das waren die Schriften!Neue Nägel! Ich habe davon sechs Wunden im Kopfe.
Kaum behielt er sein Leben. Ich habe nun alles gebeichtet.Lieber Neffe! vergebet mir nun die sündigen Werke!Wie es bei Hofe gerät, ist mißlich; aber ich habeMein Gewissen befreit und mich von Sünden gereinigt.Saget nun, wie ich mich beßre, damit ich zu Gnaden gelänge.
Grimbart sprach: Ich find Euch von neuem mit Sünden beladen.Doch es werden die Toten nicht wieder lebendig; es wäreFreilich besser, wenn sie noch lebten. So will ich, mein Oheim,In Betrachtung der schrecklichen Stunde, der Nähe des Todes,Der Euch droht, die Sünde vergeben als Diener des Herren:Denn sie streben Euch nach mit Gewalt, ich fürchte das Schlimmste,Und man wird Euch vor allem das Haupt des Hasen gedenken!Große Dreistigkeit war es, gestehts, den König zu reizen,Und es schadet Euch mehr, als Euer Leichtsinn gedacht hat.
Nicht ein Haar! versetzte der Schelm: und daß ich Euch sage,Durch die Welt sich zu helfen, ist ganz was Eignes; man kann sichNicht so heilig bewahren als wie im Kloster, das wißt Ihr.Handelt einer mit Honig, er leckt zuweilen die Finger.Lampe reizte mich sehr; er sprang herüber, hinüber,Mir vor den Augen herum, sein fettes Wesen gefiel mir,Und ich setzte die Liebe beiseite. So gönnt ich BellynenWenig Gutes. Sie haben den Schaden; ich habe die Sünde.Aber sie sind zum Teil auch so plump, in jeglichen DingenGrob und stumpf. Ich sollte noch viel Zeremonien machen?Wenig Lust behielt ich dazu. Ich hatte von HofeMich mit ängsten gerettet und lehrte sie dieses und jenes,Aber es wollte nicht fort. Zwar jeder sollte den NächstenLieben, das muß ich gestehn; indessen achtet ich dieseWenig, und tot ist tot, so sagt Ihr selber. Doch laßt unsAndre Dinge besprechen; es sind gefährliche Zeiten.Denn wie geht es von oben herab? Man soll ja nicht reden;Doch wir andern merken darauf und denken das Unsre.
Raubt der König ja selbst so gut als einer, wir wissens;Was er selber nicht nimmt, das läßt er Bären und WölfeHolen und glaubt, es geschähe mit Recht. Da findet sich keiner,Der sich getraut, ihm die Wahrheit zu sagen—so weit hinein ist esBöse—kein Beichtiger, kein Kaplan; sie schweigen! Warum das?Sie genießen es mit, und wär nur ein Rock zu gewinnen.Komme dann einer und klage! der haschte mit gleichem GewinneNach der Luft, er tötet die Zeit und beschäftigte besserSich mit neuem Erwerb. Denn fort ist fort, und was einmalDir ein Mächtiger nimmt, das hast du besessen. Der KlageGibt man wenig Gehör, und sie ermüdet am Ende.Unser Herr ist der Löwe, und alles an sich zu reißen,Hält er seiner Würde gemäß. Er nennt uns gewöhnlichSeine Leute: fürwahr, das Unsre, scheint es, gehört ihm!
Darf ich reden, mein Oheim? Der edle König, er liebt sichGanz besonders Leute, die bringen und die nach der Weise,Die er singt, zu tanzen verstehn. Man sieht es zu deutlich.Daß der Wolf und der Bär zum Rate wieder gelangen,Schadet noch manchem. Sie stehlen und rauben, es liebt sie der König;Jeglicher sieht es und schweigt: er denkt, an die Reihe zu kommen.Mehr als vier befinden sich so zur Seite des Herren,Ausgezeichnet vor allen, sie sind die Größten am Hofe.Nimmt ein armer Teufel, wie Reineke, irgendein Hühnchen,Wollen sie alle gleich über ihn her, ihn suchen und fangen,Und verdammen ihn laut mit Einer Stimme zum Tode.Kleine Diebe hängt man so weg, es haben die großenStarken Vorsprung, mögen das Land und die Schlösser verwalten.Sehet, Oheim, bemerk ich nun das und sinne darüber,Nun, so spiel ich halt auch mein Spiel und denke danebenÖfters bei mir: es muß ja wohl recht sein, tuns doch so viele!Freilich regt sich dann auch das Gewissen und zeigt mir von ferneGottes Zorn und Gericht und läßt mich das Ende bedenken.Ungerecht Gut, so klein es auch sei, man muß es erstatten.Und da fühl ich denn Reu im Herzen; doch währt es nicht lange.Ja, was hilft dichs, der Beste zu sein, es bleiben die BestenDoch nicht unberedet in diesen Zeiten vom Volke.Denn es weiß die Menge genau nach allem zu forschen,Niemand vergessen sie leicht, erfinden dieses und jenes;Wenig Gutes ist in der Gemeine, und wirklich verdienenWenige drunter auch gute, gerechte Herren zu haben.Denn sie singen und sagen vom Bösen immer und immer;Auch das Gute wissen sie zwar von großen und kleinenHerren, doch schweigt man davon, und selten kommt es zur Sprache.Doch das Schlimmste find ich den Dünkel des irrigen Wahnes,Der die Menschen ergreift: es könne jeder im TaumelSeines heftigen Wollens die Welt beherrschen und richten.Hielte doch jeder sein Weib und seine Kinder in Ordnung,Wüßte sein trotzig Gesinde zu bändigen, könnte sich stille,Wenn die Toren verschwenden, in mäßigem Leben erfreuen!Aber wie sollte die Welt sich verbessern? Es läßt sich ein jederAlles zu und will mit Gewalt die andern bezwingen.Und so sinken wir tiefer und immer tiefer ins Arge.Afterreden, Lug und Verrat und Diebstahl und falscherEidschwur, Rauben und Morden, man hört nichts anders erzählen.Falsche Propheten und Heuchler betrügen schändlich die Menschen.
Jeder lebt nur so hin! und will man sie treulich ermahnen,Nehmen sies leicht und sagen auch wohl: Ei, wäre die SündeGroß und schwer, wie hier und dort uns manche GelehrtePredigen, würde der Pfaffe die Sünde selber vermeiden.Sie entschuldigen sich mit bösem Exempel und gleichenGänzlich dem Affengeschlecht, das, nachzuahmen geboren,Weil es nicht denket und wählt, empfindlichen Schaden erduldet.
Freilich sollten die geistlichen Herren sich besser betragen!Manches könnten sie tun, wofern sie es heimlich vollbrächten:Aber sie schonen uns nicht, uns andre Laien, und treibenAlles, was ihnen beliebt, vor unsern Augen, als wärenWir mit Blindheit geschlagen; allein wir sehen zu deutlich,Ihre Gelübde gefallen den guten Herren so wenig,Als sie dem sündigen Freunde der weltlichen Werke behagen.
Denn so haben über den Alpen die Pfaffen gewöhnlichEigens ein Liebchen; nicht weniger sind in diesen Provinzen,Die sich sündlich vergehn. Man will mir sagen, sie habenKinder wie andre verehlichte Leute; und sie zu versorgen,Sind sie eifrig bemüht und bringen sie hoch in die Höhe.Diese denken hernach nicht weiter, woher sie gekommen,Lassen niemand den Rang und gehen stolz und gerade,Eben als wären sie edlen Geschlechts, und bleiben der Meinung,Ihre Sache sei richtig. So pflegte man aber vor diesemPfaffenkinder so hoch nicht zu halten; nun heißen sie alleHerren und Frauen. Das Geld ist freilich alles vermögend.
Selten findet man fürstliche Lande, worin nicht die PfaffenZölle und Zinsen erhüben und Dörfer und Mühlen benutzten.Diese verkehren die Welt, es lernt die Gemeine das Böse:Denn man sieht, so hält es der Pfaffe, da sündiget jeder,Und vom Guten leitet hinweg ein Blinder den andern.Ja, wer merkte denn wohl die guten Werke der frommenPriester, und wie sie die heilige Kirche mit gutem ExempelAuferbauen? Wer lebt nun darnach? Man stärkt sich im Bösen.So geschieht es im Volke, wie sollte die Welt sich verbessern?
Aber höret mich weiter. Ist einer unecht geboren,Sei er ruhig darüber, was kann er weiter zur Sache?Denn ich meine nur so, versteht mich. Wird sich ein solcherNur mit Demut betragen und nicht durch eitles BenehmenAndre reizen, so fällt es nicht auf, und hätte man unrecht,Über dergleichen Leute zu reden. Es macht die Geburt unsWeder edel noch gut, noch kann sie zur Schande gereichen.Aber Tugend und Laster, sie unterscheiden die Menschen.Gute, gelehrte geistliche Männer, man hält sie, wie billig,Hoch in Ehren, doch geben die bösen ein böses Exempel.Predigt so einer das Beste, so sagen doch endlich die Laien:Spricht er das Gute und tut er das Böse, was soll man erwählen?Auch der Kirche tut er nichts Gutes, er prediget jedem:Leget nur aus und bauet die Kirche; das rat ich, ihr Lieben,Wollt ihr Gnade verdienen und Ablaß! so schließt er die Rede,Und er legt wohl wenig dazu, ja gar nichts, und fieleSeinetwegen die Kirche zusammen. So hält er denn weiterFür die beste Weise zu leben, sich köstlich zu kleiden,Lecker zu essen. Und hat sich so einer um weltliche SachenÜbermäßig bekümmert, wie will er beten und singen?Gute Priester sind täglich und stündlich im Dienste des HerrenFleißig begriffen und üben das Gute; der heiligen KircheSind sie nütze, sie wissen die Laien durch gutes ExempelAuf dem Wege des Heils zur rechten Pforte zu leiten.
Aber ich kenne denn auch die Bekappten; sie plärren und plappernImmer zum Scheine so fort und suchen immer die Reichen,Wissen den Leuten zu schmeicheln und gehn am liebsten zu Gaste.Bittet man einen, so kommt auch der zweite; da finden sich weiterNoch zu diesen zwei oder drei. Und wer in dem KlosterGut zu schwatzen versteht, der wird im Orden erhoben,Wird zum Lesemeister, zum Kustos oder zum Prior.Andere stehen beiseite. Die Schüsseln werden gar ungleichAufgetragen. Denn einige müssen des Nachts in dem ChoreSingen, lesen, die Gräber umgehn; die anderen habenGuten Vorteil und Ruh und essen die köstlichen Bissen.
Und die Legaten des Papstes, die äbte, Pröpste, Prälaten,Die Beguinen und Nonnen, da wäre vieles zu sagen!Überall heißt es: Gebt mir das Eure und laßt mir das Meine.Wenige finden sich wahrlich, nicht sieben, welche der VorschriftIhres Ordens gemäß ein heiliges Leben beweisen.Und so ist der geistliche Stand gar schwach und gebrechlich.
Oheim! sagte der Dachs: ich find es besonders, Ihr beichtetFremde Sünden. Was will es Euch helfen? Mich dünket, es wärenEurer eignen genug. Und sagt mir, Oheim, was habt IhrUm die Geistlichkeit Euch zu bekümmern, und dieses und jenes?Seine Bürde mag jeglicher tragen, und jeglicher gebeRed und Antwort, wie er in seinem Stande die PflichtenZu erfüllen strebt; dem soll sich niemand entziehen,Weder Alte noch Junge, hier außen oder im Kloster.Doch Ihr redet zu viel von allerlei Dingen und könntetMich zuletzt zum Irrtum verleiten. Ihr kennet vortrefflich,Wie die Welt nun besteht und alle Dinge sich fügen;Niemand schickte sich besser zum Pfaffen. Ich käme mit andernSchafen, zu beichten bei Euch und Eurer Lehre zu horchen,Eure Weisheit zu lernen; denn freilich muß ich gestehen:Stumpf und grob sind die meisten von uns und hättens vonnöten.
Also hatten sie sich dem Hofe des Königs genähert.Reineke sagte: So ist es gewagt! und nahm sich zusammen.Und sie begegneten Martin, dem Affen, der hatte sich ebenAufgemacht und wollte nach Rom; er grüßte die beiden.Lieber Oheim, fasset ein Herz! so sprach er zum Fuchse,Fragt' ihn dieses und jenes, obschon ihm die Sache bekannt war.Ach, wie ist mir das Glück in diesen Tagen entgegen!Sagte Reineke drauf da haben mich etliche DiebeWieder beschuldigt, wer sie auch sind, besonders die KräheMit dem Kaninchen; sein Weib verlor das eine, dem andernFehlt ein Ohr. Was kümmert mich das? Und könnt ich nur selberMit dem Könige reden, sie beide solltens empfinden.Aber mich hindert am meisten, daß ich im Banne des PapstesLeider noch bin. Nun hat in der Sache der Dompropst die Vollmacht,Der beim Könige gilt. Und in dem Banne befind ichMich um Isegrims willen, der einst ein Klausner geworden,Aber dem Kloster entlief, von Elkmar, wo er gewohnet.Und er schwur, so könnt er nicht leben, man halt ihn zu strenge,Lange könn er nicht fasten und könne nicht immer so lesen.Damals half ich ihm fort. Es reut mich; denn er verleumdetMich beim Könige nun und sucht mir immer zu schaden.Soll ich nach Rom? Wie werden indes zu Hause die MeinenIn Verlegenheit sein! Denn Isegrim kann es nicht lassen,Wo er sie findet, beschädigt er sie. Auch sind noch so viele,Die mir übels gedenken und sich an die Meinigen halten.Wär ich aus dem Banne gelöst, so hätt ich es besser,Könnte gemächlich mein Glück bei Hofe wieder versuchen.
Martin versetzte: Da kann ich Euch helfen, es trifft sich! SoebenGeh ich nach Rom und nütz Euch daselbst mit künstlichen Stücken.Unterdrücken laß ich Euch nicht! Als Schreiber des Bischofs,Dünkt mich, versteh ich das Werk. Ich schaffe, daß man den DompropstGrade nach Rom zitiert, da will ich gegen ihn fechten.Seht nur, Oheim, ich treibe die Sache und weiß sie zu leiten;Exequieren laß ich das Urteil, Ihr werdet mir sicherAbsolviert, ich bring es Euch mit; es sollen die FeindeÜbel sich freun und ihr Geld zusamt der Mühe verlieren:Denn ich kenne den Gang der Dinge zu Rom und verstehe,Was zu tun und zu lassen. Da ist Herr Simon, mein Oheim,Angesehn und mächtig; er hilft den guten Bezahlern.Schalkefund, das ist ein Herr! und Doktor Greifzu und andre,Wendemantel und Losefund hab ich alle zu Freunden.Meine Gelder schickt ich voraus; denn, seht nur, so wird manDort am besten bekannt. Sie reden wohl von Zitieren:Aber das Geld begehren sie nur. Und wäre die SacheNoch so krumm, ich mache sie grad mit guter Bezahlung.Bringst du Geld, so findest du Gnade; sobald es dir mangelt,Schließen die Türen sich zu. Ihr bleibet ruhig im Lande;Eurer Sache nehm ich mich an, ich löse den Knoten.Geht nur nach Hofe, Ihr werdet daselbst Frau Rückenau finden,Meine Gattin; es liebt sie der König, unser Gebieter,Und die Königin auch, sie ist behenden Verstandes.Sprecht sie an, sie ist klug, verwendet sich gerne für Freunde.Viele Verwandte findet Ihr da. Es hilft nicht immer,Recht zu haben. Ihr findet bei ihr zwei Schwestern, und meinerKinder sind drei, daneben noch manche von Eurem Geschlechte,Euch zu dienen bereit, wie Ihr es immer begehret.Und versagte man Euch das Recht, so sollt Ihr erfahren,Was ich vermag. Und wenn man Euch druckt, berichtet mirs eilig!Und ich lasse das Land in Bann tun, den König und alleWeiber und Männer und Kinder. Ein Interdikt will ich senden,Singen soll man nicht mehr, noch Messe lesen, noch taufen,Noch begraben, was es auch sei. Des tröstet Euch, Neffe!
Denn der Papst ist alt und krank und nimmt sich der DingeWeiter nicht an, man achtet ihn wenig. Auch hat nun am HofeKardinal Ohnegenüge die ganze Gewalt, der ein jungerRüstiger Mann ist, ein feuriger Mann von schnellem Entschlusse.Dieser liebt ein Weib, das ich kenne; sie soll ihm ein SchreibenBringen, und was sie begehrt, das weiß sie trefflich zu machen.Und sein Schreiber Johannes Partey, der kennt aufs genausteAlte und neue Münze; dann Horchegenau, sein Geselle,Ist ein Hofmann; Schleifenundwenden ist Notarius.Bakkalaureus beider Rechte, und bleibt er nur etwaNoch ein Jahr, so ist er vollkommen in praktischen Schriften.Dann sind noch zwei Richter daselbst, die heißen MonetaUnd Donarius; sprechen sie ab, so bleibt es gesprochen.
So verübt man in Rom gar manche Listen und Tücken,Die der Papst nicht erfährt. Man muß sich Freunde verschaffen!Denn durch sie vergibt man die Sünden und löset die VölkerAus dem Banne. Verlaßt Euch darauf, mein wertester Oheim!Denn es weiß der König schon lang, ich laß Euch nicht fallen;Eure Sache führ ich hinaus und bin es vermögend.Ferner mag er bedenken, es sind gar viele den AffenUnd den Füchsen verwandt, die ihn am besten beraten,Und das hilft Euch gewiß, es gehe, wie es auch wolle.
Reineke sprach: Das tröstet mich sehr; ich denk es Euch wieder,Komm ich diesmal nur los. Und einer empfahl sich dem andern.Ohne Geleit ging Reineke nun mit Grimbart, dem Dachse,Nach dem Hofe des Königs, wo man ihm übel gesinnt war.
Neunter Gesang
Reineke war nach Hofe gelangt, er dachte die KlagenAbzuwenden, die ihn bedrohten. Doch als er die vielenFeinde beisammen erblickte, wie alle standen und alleSich zu rächen begehrten und ihn am Leben zu strafen,Fiel ihm der Mut; er zweifelte nun, doch ging er mit KühnheitGrade durch alle Baronen, und Grimbart ging ihm zur Seite.Sie gelangten zum Throne des Königs, da lispelte Grimbart:Seid nicht furchtsam Reineke, diesmal; gedenket: dem BlödenWird das Glück nicht zuteil, der Kühne sucht die Gefahr aufUnd erfreut sich mit ihr; sie hilft ihm wieder entkommen.Reineke sprach: Ihr sagt mir die Wahrheit, ich danke zum schönstenFür den herrlichen Trost, und komm ich wieder in Freiheit,Werd ichs gedenken. Er sah nun umher, und viele VerwandteFanden sich unter der Schar, doch wenige Gönner, den meistenPflegt' er übel zu dienen; ja, unter den Ottern und Bibern,Unter Großen und Kleinen trieb er sein schelmisches Wesen.Doch entdeckt' er noch Freunde genug im Saale des Königs.
Reineke kniete vorm Throne zur Erden und sagte bedächtig:Gott, dem alles bekannt ist und der in Ewigkeit mächtigBleibt, bewähr Euch, mein Herr und König, bewahre nicht minderMeine Frau, die Königin, immer, und beiden zusammenGeb er Weisheit und gute Gedanken, damit sie besonnenRecht und Unrecht erkennen; denn viele Falschheit ist jetzoUnter den Menschen im Gange. Da scheinen viele von außen,Was sie nicht sind. O hätte doch jeder am Vorhaupt geschrieben,Wie er gedenkt, und säh es der König! da würde sich zeigen,Daß ich nicht lüge und daß ich Euch immer zu dienen bereit bin.Zwar verklagen die Bösen mich heftig; sie möchten mir gerneSchaden und Eurer Huld mich berauben, als wär ich derselbenUnwert. Aber ich kenne die strenge GerechtigkeitsliebeMeines Königs und Herrn, denn ihn verleitete keinerJe, die Wege des Rechtes zu schmälern; so wird es auch bleiben.
Alles kam und drängte sich nun, ein jeglicher mußteReinekens Kühnheit bewundern, es wünscht' ihn jeder zu hören;Seine Verbrechen waren bekannt, wie wollt er entrinnen?
Reineke, Bösewicht! sagte der König: für diesmal errettenDeine losen Worte dich nicht, sie helfen nicht längerLügen und Trug zu verkleiden, nun bist du ans Ende gekommen.Denn du hast die Treue zu mir, ich glaube, bewiesenAm Kaninchen und an der Krähe! Das wäre genugsam.Aber du übest Verrat an allen Orten und Enden;Deine Streiche sind falsch und behende, doch werden sie nicht mehrLange dauern, denn voll ist das Maß, ich schelte nicht länger.
Reineke dachte: Wie wird es mir gehn? O hätt ich nur wiederMeine Behausung erreicht! Wo will ich Mittel ersinnen?Wie es auch geht, ich muß nun hindurch, versuchen wir alles.
Mächtiger König, edelster Fürst! so ließ er sich hören:Meint Ihr, ich habe den Tod verdient, so habt Ihr die SacheNicht von der rechten Seite betrachtet; drum bitt ich, Ihr wolletErst mich hören. Ich habe ja sonst Euch nützlich geraten,In der Not bin ich bei Euch geblieben, wenn etliche wichen,Die sich zwischen uns beide nun stellen zu meinem VerderbenUnd die Gelegenheit nützen, wenn ich entfernt bin. Ihr möget,Edler König, hab ich gesprochen, die Sache dann schlichten;Werd ich schuldig befunden, so muß ich es freilich ertragen.Wenig habt Ihr meiner gedacht, indes ich im LandeVieler Orten und Enden die sorglichste Wache gehalten.Meint Ihr, ich wäre nach Hofe gekommen, wofern ich mich schuldigWußte groß- oder kleiner Vergehn? Ich würde bedächtigEure Gegenwart fliehn und meine Feinde vermeiden.Nein, mich hätten gewiß aus meiner Feste nicht sollenAlle Schätze der Welt hierher verleiten; da war ichFrei auf eigenem Grund und Boden. Nun bin ich mir aberKeines übels bewußt, und also bin ich gekommen.Eben stand ich, Wache zu halten; da brachte mein OheimMir die Zeitung, ich solle nach Hof. Ich hatte von neuem,Wie ich dem Bann mich entzöge, gedacht, darüber mit MartinVieles gesprochen, und er gelobte mir heilig, er wolleMich von dieser Bürde befrein. Ich werde nach Rom gehn,Sagt' er, und nehme die Sache von nun an völlig auf meineSchultern, geht nur nach Hofe, des Bannes werdet Ihr ledig.Sehet, so hat mir Martin geraten, er muß es verstehen:Denn der vortreffliche Bischof, Herr Ohnegrund, braucht ihn beständig;Schon fünf Jahre dient er demselben in rechtlichen Sachen.Und so kam ich hieher und finde Klagen auf Klagen.Das Kaninchen, der äugler, verleumdet mich; aber es steht nunReineke hier: so tret er hervor mir unter die Augen!Denn es ist freilich was leichtes, sich über Entfernte beklagenAber man soll den Gegenteil hören, bevor man ihn richtet.Diese falschen Gesellen, bei meiner Treue! sie habenGutes genossen von mir, die Krähe mit dem Kaninchen:Denn vorgestern am Morgen in aller Frühe begegnet'Mir das Kaninchen und grüßte mich schön; ich hatte soebenVor mein Schloß mich gestellt und las die Gebete des Morgens.Und er zeigte mir an, er gehe nach Hofe; da sagt ich:Gott begleit Euch! Er klagte darauf. Wie hungrig und müdeBin ich geworden! Da fragt ich ihn freundlich: Begehrt Ihr zu essen?Dankbar nehm ich es an, versetzt' er. Aber ich sagte:Geb ichs doch gerne. So ging ich mit ihm und bracht ihm behendeKirschen und Butter: ich pflege kein Fleisch am Mittwoch zu essen.Und er sättigte sich mit Brot und Butter und Früchten.Aber es trat mein Söhnchen, das jüngste, zum Tische, zu sehen,Ob was übriggeblieben: denn Kinder lieben das Essen;Und der Knabe haschte darnach. Da schlug das KaninchenHastig ihn über das Maul, es bluteten Lippen und Zähne.Reinhart, mein andrer, sah die Begegnung und faßte den äuglerGrad an der Kehle, spielte sein Spiel und rächte den Bruder.Das geschah, nicht mehr und nicht minder. Ich säumte nicht lange,Lief und strafte die Knaben und brachte mit Mühe die beidenAuseinander. Kriegt er was ab, so mag er es tragen,Denn er hatte noch mehr verdient; auch wären die Jungen,Hätt ich es übel gemeint, mit ihm wohl fertig geworden.Und so dankt er mir nun! Ich riß ihm, sagt er, ein Ohr ab;Ehre hat er genossen und hat ein Zeichen behalten.
Ferner kam die Krähe zu mir und klagte: die GattinHab er verloren, sie habe sich leider zu Tode gegessen,Einen ziemlichen Fisch mit allen Gräten verschlungen;Wo es geschah, das weiß er am besten. Nun sagt er: ich habeSie gemordet; er tat es wohl selbst, und würde man ernstlichIhn verhören, dürft ich es tun, er spräche wohl anders.Denn sie fliegen, es reichet kein Sprung so hoch, in die Lüfte.
Will nun solcher verbotenen Taten mich jemand bezüchten,Tu ers mit redlichen, gültigen Zeugen: denn also gehört sichs,Gegen edle Männer zu rechten; ich müßt es erwarten.Aber finden sich keine, so gibts ein anderes Mittel.Hier! Ich bin zum Kampfe bereit! Man setze den Tag anUnd den Ort. Es zeige sich dann ein würdiger Gegner,Gleich mit mir von Geburt, ein jeder führe sein Recht aus.Wer dann Ehre gewinnt, dem mag sie bleiben. So hat esImmer zu Rechte gegolten, und ich verlang es nicht besser.
Alle standen und hörten und waren über die WorteReinekens höchlich verwundert, die er so trotzig gesprochen.Und es erschraken die beiden, die Krähe mit dem Kaninchen,Räumten den Hof und trauten nicht weiter ein Wörtchen zu sprechen,Gingen und sagten untereinander: Es wäre nicht ratsam,Gegen ihn weiter zu rechten. Wir möchten alles versuchen,Und wir kämen nicht aus. Wer hats gesehen? Wir warenGanz allein mit dem Schelm; wer sollte zeugen? Am EndeBleibt der Schaden uns doch. Für alle seine VerbrechenWarte der Henker ihm auf und lohn ihm, wie ers verdiente!Kämpfen will er mit uns? das möcht uns übel bekommen.Nein, fürwahr, wir lassen es lieber. Denn falsch und behende,Lose und tückisch kennen wir ihn. Es wären ihm wahrlichUnser fünfe zu wenig, wir müßten es teuer bezahlen.
Isegrim aber und Braunen war übel zumute; sie sahenUngern die beiden von Hofe sich schleichen. Da sagte der König:Hat noch jemand zu klagen, der komme! Laßt uns vernehmen!Gestern drohten so viele, hier steht der Beklagte! wo sind sie?
Reineke sagte: So pflegt es zu gehn, man klagt und beschuldigtDiesen und jenen; doch stünde er dabei, man bliebe zu Hause.Diese losen Verräter, die Krähe mit dem Kaninchen,Hätten mich gern in Schande gebracht und Schaden und Strafe,Aber sie bitten mirs ab, und ich vergebe; denn freilich,Da ich komme, bedenken sie sich und weichen zur Seite.Wie beschämt ich sie nicht! Ihr sehet, wie es gefährlichIst, die losen Verleumder entfernter Diener zu hören;Sie verdrehen das Rechte und sind den Besten gehässig.Andre dauern mich nur, an mir ist wenig gelegen.
Höre mich, sagte der König darauf: du loser Verräter!Sage, was trieb dich dazu, daß du mir Lampen, den treuen,Der mir die Briefe zu tragen pflegte, so schmählich getötet?Hatt ich nicht alles vergeben, so viel du immer verbrochen?Ränzel und Stab empfingst du von mir, so warst du versehen,Solltest nach Rom und über das Meer; ich gönnte dir alles,Und ich hoffte Beßrung von dir. Nun seh ich zum Anfang,Wie du Lampen gemordet; es mußte Bellyn dir zum BotenDienen, der brachte das Haupt im Ränzel getragen und sagteÖffentlich aus, er bringe mir Briefe, die ihr zusammenAusgedacht und geschrieben, er habe das Beste geraten.Und im Ränzel fand sich das Haupt, nicht mehr und nicht minder.Mir zum Hohne tatet ihr das. Bellynen behielt ichGleich zum Pfande, sein Leben verlor er; nun geht es an deines.
Reineke sagte: Was hör ich? Ist Lampe tot? und BellynenFind ich nicht mehr? Was wird nun aus mir? O wär ich gestorben!Ach, mit beiden geht mir ein Schatz, der größte, verloren!Denn ich sandt Euch durch sie Kleinode, welche nicht besserÜber der Erde sich finden. Wer sollte glauben, der WidderWürde Lampen ermorden und Euch der Schätze berauben?Hüte sich einer, wo niemand Gefahr und Tücke vermutet.
Zornig hörte der König nicht aus, was Reineke sagte,Wandte sich weg nach seinem Gemach und hatte nicht deutlichReinekens Rede vernommen, er dacht ihn am Leben zu strafen;Und er fand die Königin eben in seinem GemacheMit Frau Rückenau stehn. Es war die äffin besondersKönig und Königin lieb. Das sollte Reineken helfen.Unterrichtet war sie und klug und wußte zu reden;Wo sie erschien, sah jeder auf sie und ehrte sie höchlich.Diese merkte des Königs Verdruß und sprach mit BedachteWenn Ihr, gnädiger Herr, auf meine Bitte zuweilenHörtet, gereut' es Euch nie, und Ihr vergabt mir die Kühnheit,Wenn Ihr zürntet, ein Wort gelinder Meinung zu sagen.Seid auch diesmal geneigt, mich anzuhören, betrifft esDoch mein eignes Geschlecht! Wer kann die Seinen verleugnen?Reineke, wie er auch sei, ist mein Verwandter, und soll ich,Wie sein Betragen mir scheint, aufrichtig bekennen: ich denke,Da er zu Rechte sich stellt, von seiner Sache das Beste.Mußte sein Vater doch auch, den Euer Vater begünstigt,Viel von losen Mäulern erdulden und falschen Verklägern!Doch beschämt' er sie stets. Sobald man die Sache genauerUntersuchte, fand es sich klar: die tückischen NeiderSuchten Verdienste sogar als schwere Verbrechen zu deuten.So erhielt er sich immer in größerem Ansehn bei Hof, alsBraun und Isegrim jetzt: denn diesen wäre zu wünschen,Daß sie alle Beschwerden auch zu beseitigen wüßten,Die man häufig über sie hört; allein sie verstehenWenig vom Rechte, so zeigt es ihr Rat, so zeigt es ihr Leben.
Doch der König versetzte darauf: Wie kann es Euch wundern,Daß ich Reineken gram bin, dem Diebe, der mir vor kurzemLampen getötet, Bellynen verführt und frecher als jemalsAlles leugnet und sich als treuen und redlichen DienerAnzupreisen erkühnt, indessen alle zusammenLaute Klagen erheben und nur zu deutlich beweisen,Wie er mein sicher Geleite verletzt und wie er mit Stehlen,Rauben und Morden das Land und meine Getreuen beschädigt.Nein! ich duld es nicht länger! Dagegen sagte die äffin:Freilich ists nicht vielen gegeben, in jeglichen FällenKlug zu handeln und klug zu raten, und wem es gelinget,Der erwirbt sich Vertrauen; allein es suchen die NeiderIhm dagegen heimlich zu schaden, und werden sie zahlreich,Treten sie öffentlich auf. So ist es Reineken mehrmalsSchon ergangen; doch werden sie nicht die Erinnrung vertilgen,Wie er in Fällen Euch weise geraten, wenn alle verstummten.Wißt Ihr noch? vor kurzem geschahs. Der Mann und die SchlangeKamen vor Euch, und niemand verstund die Sache zu schlichten;Aber Reineke fands, Ihr lobtet ihn damals vor allen.
Und der König versetzte nach kurzem Bedenken dagegen:Ich erinnre der Sache mich wohl, doch hab ich vergessen,Wie sie zusammenhing; sie war verworren, so dünkt mich.Wißt Ihr sie noch, so laßt sie mich hören, es macht mir Vergnügen.Und sie sagte: Befiehlt es mein Herr, so soll es geschehen.
Eben sinds zwei Jahre, da kam ein Lindwurm und klagteStürmisch, gnädiger Herr, vor Euch: es woll ihm ein BauerNicht im Rechte sich fügen, ein Mann, den zweimal das UrteilNicht begünstigt. Er brachte den Bauer, vor Euern GerichtshofUnd erzählte die Sache mit vielen heftigen Worten.
Durch ein Loch im Zaune zu kriechen, gedachte die Schlange,Fing sich aber im Stricke, der vor die öffnung gelegt war,Fester zog die Schlinge sich zu, sie hätte das LebenDort gelassen, da kam ihr zum Glück ein Wandrer gegangen.Ängstlich rief sie: Erbarme dich meiner und mache mich ledig!Laß dich erbitten! Da sagte der Mann: Ich will dich erlösen,Denn mich jammert dein Elend; allein erst sollst du mir schwören,Mir nichts Leides zu tun. Die Schlange fand sich erbötig,Schwur den teuersten Eid: sie wolle auf keinerlei WeiseIhren Befreier verletzen, und so erlöste der Mann sie.
Und sie gingen ein Weilchen zusammen, da fühlte die SchlangeSchmerzlichen Hunger, sie schoß auf den Mann und wollt ihn erwürgen,Ihn verzehren; mit Angst und Not entsprang ihr der Arme.Das ist dein Dank? Das hab ich verdient? so rief er: und hast duNicht geschworen den teuersten Eid? Da sagte die Schlange:Leider nötiget mich der Hunger, ich kann mir nicht helfen;Not erkennt kein Gebot, und so besteht es zu Rechte.
Da versetzte der Mann: So schone nur meiner so lange,Bis wir zu Leuten kommen, die unparteiisch uns richten.Und es sagte der Wurm: Ich will mich so lange gedulden.
Also gingen sie weiter und fanden über dem WasserPflückebeutel, den Raben, mit seinem Sohne; man nennt ihnQuackeler. Und die Schlange berief sie zu sich und sagte:Kommt und höret! Es hörte die Sache der Rabe bedächtig,Und er richtete gleich: den Mann zu essen. Er hoffte,Selbst ein Stück zu gewinnen. Da freute die Schlange sich höchlich:Nun, ich habe gesiegt! es kann mirs niemand verdenken.Nein, versetzte der Mann: ich habe nicht völlig verloren;Sollt ein Räuber zum Tode verdammen? und sollte nur EinerRichten? ich fordere ferner Gehör, im Gange des Rechtes;Laßt uns vor vier, vor zehn die Sache bringen und hören.
Gehn wir! sagte die Schlange. Sie gingen, und es begegnet'Ihnen der Wolf und der Bär, und alle traten zusammen.Alles befürchtete nun der Mann: denn zwischen den fünfenWar es gefährlich zu stehn und zwischen solchen Gesellen;Ihn umringten die Schlange, der Wolf, der Bär und die Raben.Bange war ihm genug: denn bald verglichen sich beide,Wolf und Bär, das Urteil in dieser Maße zu fällen:Töten dürfe die Schlange den Mann; der leidige HungerKenne keine Gesetze, die Not entbinde vom Eidschwur.Sorgen und Angst befielen den Wandrer, denn alle zusammenWollten sein Leben. Da schoß die Schlange mit grimmigem Zischen,Spritzte Geifer auf ihn, und ängstlich sprang er zur Seite.Großes Unrecht, rief er: begehst du! Wer hat dich zum HerrenÜber mein Leben gemacht? Sie sprach: Du hast es vernommen;Zweimal sprachen die Richter, und zweimal hast du verloren.Ihr versetzte der Mann: Sie rauben selber und stehlen;Ich erkenne sie nicht, wir wollen zum Könige gehen.Mag er sprechen, ich füge mich drein; und wenn ich verliere,Hab ich noch übels genug, allein ich will es ertragen.Spottend sagte der Wolf und der Bär: Du magst es versuchen,Aber die Schlange gewinnt, sie wirds nicht besser begehren.Denn sie dachten, es würden die sämtlichen Herren des HofesSprechen wie sie, und gingen getrost und führten den Wandrer,Kamen vor Euch, die Schlange, der Wolf, der Bär und die Raben.Ja, selbdritt erschien der Wolf, er hatte zwei Kinder,Eitelbauch hieß der eine, der andre Nimmersatt, beideMachten dem Mann am meisten zu schaffen; sie waren gekommen,Auch ihr Teil zu verzehren, denn sie sind immer begierig,Heulten damals vor Euch mit unerträglicher Grobheit.Ihr verbotet den Hof den beiden plumpen Gesellen.Da berief sich der Mann auf Eure Gnaden, erzählte,Wie ihn die Schlange zu töten gedenke, sie habe der WohltatVöllig vergessen, sie breche den Eid! So fleht' er um Rettung.Aber die Schlange leugnete nicht: Es zwingt mich des HungersAllgewaltige Not, sie kennet keine Gesetze.
Gnädiger Herr, da wart Ihr bekümmert; es schien Euch die SacheGar bedenklich zu sein und rechtlich schwer zu entscheiden.Denn es schien Euch hart, den guten Mann zu verdammen,Der sich hilfreich bewiesen; allein Ihr dachtet dagegenAuch des schmählichen Hungers. Und so berieft Ihr die Räte.Leider war die Meinung der meisten dem Manne zum Nachteil;Denn sie wünschten die Mahlzeit und dachten der Schlange zu helfen.Doch Ihr sendetet Boten nach Reineken: alle die andernSprachen gar manches und konnten die Sache zu Rechte nicht scheiden.Reineke kam und hörte den Vortrag, Ihr legtet das UrteilIhm in die Hände, und wie er es spräche, so sollt es geschehen.
Reineke sprach mit gutem Bedacht: Ich finde vor allemNötig, den Ort zu besuchen, und seh ich die Schlange gebunden,Wie der Bauer sie fand, so wird das Urteil sich geben.Und man band die Schlange von neuem an selbiger Stätte,In der Maße, wie sie der Bauer im Zaune gefunden.
Reineke sagte darauf: Hier ist nun jedes von beidenWieder im vorigen Stand, und keines hat weder gewonnen,Noch verloren; jetzt zeigt sich das Recht, so scheint mirs, von selber.Denn beliebt es dem Manne, so mag er die Schlange noch einmalAus der Schlinge befrein; wo nicht, so läßt er sie hängen,Frei, mit Ehren geht er die Straße nach seinen Geschäften.Da sie untreu geworden, als sie die Wohltat empfangen,Hat der Mann nun billig die Wahl. Das scheint mir des RechtesWahrer Sinn; wers besser versteht, der laß es uns hören.
Damals gefiel Euch das Urteil und Euren Räten zusammen;Reineke wurde gepriesen, der Bauer dankt' Euch, und jederRühmte Reinekens Klugheit, ihn rühmte die Königin selber.Vieles wurde gesprochen: im Kriege wären noch eherIsegrim und Braun zu gebrauchen, man fürchte sie beideWeit und breit, sie fänden sich gern, wo alles verzehrt wird.Groß und stark und kühn sei jeder, man könn es nicht leugnen;Doch im Rate fehle gar oft die nötige Klugheit:Denn sie pflegen zu sehr auf ihre Stärke zu trotzen,Kommt man ins Feld und naht sich dem Werke, da hinkt es gewaltig.Mutiger kann man nichts sehn, als sie zu Hause sich zeigen;Draußen liegen sie gern im Hinterhalt. Setzt es denn einmalTüchtige Schläge, so nimmt man sie mit, so gut als ein andrer.Bären und Wölfe verderben das Land; es kümmert sie wenig,Wessen Haus die Flamme verzehrt, sie pflegen sich immerAn den Kohlen zu wärmen, und sie erbarmen sich keines,Wenn ihr Kropf sich nur füllt. Man schlürft die Eier hinunter,Läßt den Armen die Schalen und glaubt noch redlich zu teilen.Reineke Fuchs mit seinem Geschlecht versteht sich dagegenWohl auf Weisheit und Rat, und hat er nun etwas versehen,Gnädiger Herr, so ist er kein Stein. Doch wird Euch ein andrerNiemals besser beraten. Darum verzeiht ihm, ich bitte!
Da versetzte der König: Ich will es bedenken. Das UrteilWard gesprochen, wie Ihr erzählt, es büßte die Schlange.Doch von Grund aus bleibt er ein Schalk, wie sollt er sich bessern?Macht man ein Bündnis mit ihm, so bleibt man am Ende betrogen;Denn er dreht sich so listig heraus, wer ist ihm gewachsen?Wolf und Bär und Kater, Kaninchen und Krähe, sie sind ihmNicht behende genug, er bringt sie in Schaden und Schande.Diesem behielt er ein Ohr, dem andern das Auge, das LebenRaubt' er dem dritten! Fürwahr, ich weiß nicht, wie Ihr dem BösenSo zugunsten sprecht und seine Sache verteidigt.Gnädiger Herr, versetzte die äffin: ich kann es nicht bergen,Sein Geschlecht ist edel und groß, Ihr mögt es bedenken.
Da erhub sich der König, herauszutreten, es stundenAlle zusammen und warteten sein. Er sah in dem KreiseViele von Reinekens nächsten Verwandten, sie waren gekommen,Ihren Vetter zu schützen, sie wären schwerlich zu nennen.Und er sah das große Geschlecht, er sah auf der andernSeite Reinekens Feinde: es schien der Hof sich zu teilen.
Da begann der König: So höre mich, Reineke! Kannst duSolchen Frevel entschuldigen, daß du mit Hilfe BellynensMeinen frommen Lampe getötet? und daß Ihr VerwegnenMir sein Haupt ins Ränzel gesteckt, als wären es Briefe?Mich zu höhnen, tatet ihr das! ich habe den einenSchon bestraft, es büßte Bellyn; erwarte das gleiche.
Weh mir! sagte Reineke drauf: o wär ich gestorben!Höret mich an, und wie es sich findet, so mag es geschehen:Bin ich schuldig, so tötet mich gleich, ich werde doch nimmerAus der Not und Sorge mich retten, ich bleibe verloren.Denn der Verräter Bellyn, er unterschlug mir die größtenSchätze, kein Sterblicher hat dergleichen jemals gesehen.Ach, sie kosten Lampen das Leben! Ich hatte sie beidenAnvertraut, nun raubte Bellyn die köstlichen Sachen.Ließen sie sich doch wieder erforschen! Allein ich befürchte,Niemand findet sie mehr, sie bleiben auf immer verloren.
Aber die äffin versetzte darauf: Wer wollte verzweifeln?Sind sie nur über der Erde, so ist noch Hoffnung zu schöpfen.Früh und späte wollen wir gehn und Laien und PfaffenEmsig fragen; doch zeiget uns an, wie waren die Schätze?
Reineke sagte: sie waren so köstlich, wir finden sie nimmer;Wer sie besitzt, verwahrt sie gewiß. Wie wird sich darüberNicht Frau Ermelyn quälen! sie wird mirs niemals verzeihen.Denn sie mißriet mir, den beiden das köstliche Kleinod zu geben.Nun erfindet man Lügen auf mich und will mich verklagen!Doch ich verfechte mein Recht, erwarte das Urteil, und werd ichLosgesprochen, so reis ich umher durch Länder und Reiche,Suche die Schätze zu schaffen, und sollt ich mein Leben verlieren.
Zehnter Gesang
O mein König! sagte darauf der listige Redner:Laßt mich, edelster Fürst, vor meinen Freunden erzählen,Was Euch alles von mir an köstlichen Dingen bestimmt war.Habt Ihr sie gleich nicht erhalten, so war mein Wille doch löblich.Sage nur an, versetzte der König: und kürze die Worte.
Glück und Ehre sind hin! Ihr werdet alles erfahren,Sagte Reineke traurig. Das erste köstliche KleinodWar ein Ring; ich gab ihn Bellynen, er sollt ihn dem KönigÜberliefern. Es war auf wunderbarliche WeiseDieser Ring zusammengesetzt und würdig, im SchatzeMeines Fürsten zu glänzen, aus feinem Golde gebildet.Auf der inneren Seite, die nach dem Finger sich kehret,Standen Lettern gegraben und eingeschmolzen; es warenDrei hebräische Worte von ganz besonderer Deutung.Niemand erklärte so leicht in diesen Landen die Züge,Meister Abryon nur von Trier, der konnte sie lesen.Es ist ein Jude, gelehrt, und alle Zungen und SprachenKennt er, die von Poitou bis Lüneburg werden gesprochen;Und auf Kräuter und Steine versteht sich der Jude besonders.
Als ich den Ring ihm gezeigt, da sagt' er: Köstliche DingeSind hierinnen verborgen. Die drei gegrabenen NamenBrachte Seth, der Fromme, vom Paradiese hernieder,Als er das öl der Barmherzigkeit suchte; und wer ihn am FingerTrägt, der findet sich frei von allen Gefahren: es werdenWeder Donner, noch Blitz, noch Zauberei ihn verletzen.Ferner sagte der Meister: er habe gelesen, es könneWer den Ring am Finger bewahrt, in grimmiger KälteNicht erfrieren; er lebe gewiß ein ruhiges Alter.Außen stand ein Edelgestein, ein heller Karfunkel,Dieser leuchtete nachts und zeigte deutlich die Sachen.Viele Kräfte hatte der Stein: er heilte die Kranken,Wer ihn berührte, fühlte sich frei von allen Gebrechen,Aller Bedrängnis, nur ließ sich der Tod allein nicht bezwingen.Weiter entdeckte der Meister des Steines herrliche Kräfte:Glücklich reist der Besitzer durch alle Lande, ihm schadetWeder Wasser, noch Feuer; gefangen oder verratenKann er nicht werden, und jeder Gewalt des Feindes entgeht er.Und besieht er nüchtern den Stein, so wird er im KampfeHundert überwinden und mehr. Die Tugend des SteinesNimmt dem Gifte die Wirkung und allen schädlichen Säften.Ebenso vertilgt sie den Haß, und sollte gleich mancherDen Besitzer nicht lieben, er fühlt sich in kurzem verändert.
Wer vermöchte die Kräfte des Steines alle zu zählen,Den ich im Schatze des Vaters gefunden und den ich dem KönigNun zu senden gedachte? Denn solches köstlichen RingesWar ich nicht wert, ich wußt es recht wohl; er sollte dem Einen,Der von allen der Edelste bleibt, so dacht ich, gehören:Unser Wohl beruht nur auf ihm und unser Vermögen,Und ich hoffte, sein Leben vor allem übel zu schützen.
Ferner sollte Widder Bellyn der Königin gleichfallsKamm und Spiegel verehren, damit sie meiner gedächte.Diese hatt ich einmal zur Lust vom Schatze des VatersZu mir genommen, es fand sich auf Erden kein schöneres Kunstwerk.O wie oft versucht' es mein Weib und wollte sie haben!Sie verlangte nichts weiter von allen Gütern der Erde,Und wir stritten darum; sie konnte mich niemals bewegen,Doch nun sendet ich Spiegel und Kamm mit gutem BedachteMeiner gnädigen Frauen, der Königin, welche mir immerGroße Wohltat erwies und mich vor übel beschirmte;Öfters hat sie für mich ein günstiges Wörtchen gesprochen,Edel ist sie, von hoher Geburt, es ziert sie die Tugend,Und ihr altes Geschlecht bewährt sich in Worten und Werken;Würdig war sie des Spiegels und Kammes! die hat sie nun leiderNicht mit Augen gesehn, sie bleiben auf immer verloren.
Nun vom Kamme zu reden. Zu diesem hatte der KünstlerPantherknochen genommen, die Reste des edlen Geschöpfes;Zwischen Indien wohnt es und zwischen dem Paradiese,Allerlei Farben zieren sein Fell, und süße GerücheBreiten sich aus, wohin es sich wendet, darum auch die TiereSeine Fährte so gern auf allen Wegen verfolgen;Denn sie werden gesund von diesem Geruche, das fühlenUnd bekennen sie alle. Von solchen Knochen und BeinenWar der zierliche Kamm mit vielem Fleiße gebildet,Klar wie Silber und weiß, von unaussprechlicher Reinheit,Und des Kammes Geruch ging über Nelken und Zimmet.Stirbt das Tier, so fährt der Geruch in alle Gebeine,Bleibt beständig darin und läßt sie nimmer verwesen,Alle Seuche treibt er hinweg und alle Vergiftung.
Ferner sah man die köstlichsten Bilder am Rücken des KammesHocherhaben, durchflochten mit goldenen zierlichen RankenUnd mit rot- und blauer Lasur. Im mittelsten FeldeWar die Geschichte künstlich gebildet, wie Paris von TrojaEines Tages am Brunnen saß, drei göttliche FrauenVor sich sah, man nannte sie Pallas und Juno und Venus.Lange stritten sie erst, denn jegliche wollte den ApfelGerne besitzen, der ihnen bisher zusammen gehörte;Endlich verglichen sie sich: es solle den goldenen ApfelParis der Schönsten bestimmen, sie sollt allein ihn behalten.
Und der Jüngling beschaute sie wohl mit gutem Bedachte.Juno sagte zu ihm: Erhalt ich den Apfel, erkennst duMich für die Schönste, so wirst du der erste vor allen an Reichtum.Pallas versetzte: Bedenke dich wohl und gib mir den Apfel,Und du wirst der mächtigste Mann; es fürchten dich alle,Wird dein Name genannt, so Feind als Freunde zusammen.Venus sprach: Was soll die Gewalt? was sollen die Schätze?Ist dein Vater nicht König Priamus? deine Gebrüder,Hektor und andre, sind sie nicht reich und mächtig im Lande?Ist nicht Troja geschützt von seinem Heere? und habt ihrNicht umher das Land bezwungen und fernere Völker?Wirst du die Schönste mich preisen und mir den Apfel erteilen,Sollst du des herrlichsten Schatzes auf dieser Erde dich freuen.Dieser Schatz ist ein treffliches Weib, die Schönste von allen,Tugendsam, edel und weise, wer könnte würdig sie loben?Gib mir den Apfel, du sollst des griechischen Königs Gemahlin,Helena mein ich, die schöne, den Schatz der Schätze besitzen.
Und er gab ihr den Apfel und pries sie von allen die Schönste.Aber sie half ihm dagegen die schöne Königin rauben,Menelaus' Gemahlin, sie ward in Troja die Seine.Diese Geschichte sah man erhaben im mittelsten Felde.Und es waren Schilder umher mit künstlichen Schriften;Jeder durfte nur lesen, und so verstand er die Fabel.
Höret nun weiter vom Spiegel! daran die Stelle des GlasesEin Beryll vertrat von großer Klarheit und Schönheit;Alles zeigte sich drin, und wenn es meilenweit vorging,War es Tag oder Nacht. Und hatte jemand im AntlitzEinen Fehler, wie er auch war, ein Fleckchen im Auge,Durft er sich nur im Spiegel besehn, so gingen von Stund anAlle Mängel hinweg und alle fremden Gebrechen.Ists ein Wunder, daß mich es verdrießt, den Spiegel zu missen?Und es war ein köstliches Holz zur Fassung der Tafel,Sethym heißt es, genommen, von festem, glänzendem Wuchse;Keine Würmer stechen es an und wird auch, wie billig,Höher gehalten als Gold, nur Ebenholz kommt ihm am nächsten.Denn aus diesem verfertigt' einmal ein trefflicher KünstlerUnter König Krompardes ein Pferd von seltnem Vermögen:Eine Stunde brauchte der Reiter und mehr nicht zu hundertMeilen. Ich könnte die Sache für jetzt nicht gründlich erzählen,Denn es fand sich kein ähnliches Roß, solange die Welt steht.
Anderthalb Fuß war rings die ganze Breite des RahmensUm die Tafel herum, geziert mit künstlichem Schnitzwerk,Und mit goldenen Lettern stand unter jeglichem Bilde,Wie sichs gehört, die Bedeutung geschrieben. Ich will die GeschichtenKürzlich erzählen. Die erste war von dem neidischen Pferde:Um die Wette gedacht es mit einem Hirsche zu laufen,Aber hinter ihm blieb es zurück, das schmerzte gewaltig;Und es eilte darauf, mit einem Hirten zu reden,Sprach: Du findest dein Glück, wenn du mir eilig gehorchest.Setze dich auf, ich bringe dich hin, es hat sich vor kurzemDort ein Hirsch im Walde verborgen, den sollst du gewinnen;Fleisch und Haut und Geweih, du magst sie teuer verkaufen,Setze dich auf, wir wollen ihm nach!—Das will ich wohl wagen!Sagte der Hirt und setzte sich auf, sie eilten von dannen.Und sie erblickten den Hirsch in kurzem, folgten behendeSeiner Spur und jagten ihm nach. Er hatte den Vorsprung,Und es ward dem Pferde zu sauer, da sagt' es zum Manne:Sitze was ab, ich bin müde geworden, der Ruhe bedarf ich.Nein! wahrhaftig, versetzte der Mann: du sollst mir gehorchen,Meine Sporen sollst du empfinden, du hast mich ja selberZu dem Ritte gebracht; und so bezwang es der Reiter.Seht, so lohnet sich der mit vielem Bösen, der, andernSchaden zu bringen, sich selbst mit Pein und übel beladet.
Ferner zeig ich Euch an, was auf dem Spiegel gebildetStand: Wie ein Esel und Hund bei einem Reichen in DienstenBeide gewesen! so war denn der Hund nun freilich der Liebling,Denn er saß beim Tische des Herrn und aß mit demselbenFisch und Fleisch und ruhte wohl auch im Schoße des Gönners,Der ihm das beste Brot zu reichen pflegte; dagegenWedelte mit dem Schwanze der Hund und leckte den Herren.
Boldewyn sah des Glück des Hundes, und traurig im HerzenWard der Esel und sagte bei sich: Wo denkt doch der Herr hin,Daß er dem faulen Geschöpfe so äußerst freundlich begegnet?Springt das Tier nicht auf ihm herum und leckt ihn am Barte!Und ich muß die Arbeit verrichten und schleppe die Säcke.Er probier es einmal und tu mit fünf, ja mit zehenHunden im Jahre so viel, als ich des Monats verrichte!Und doch wird ihm das Beste gereicht, mich speist man mit Stroh ab,Läßt auf der harten Erde mich liegen, und wo man mich hintreibtOder reitet, spottet man meiner. Ich kann und ich will esLänger nicht dulden, will auch des Herren Gunst mir erwerben.
Als er so sprach, kam eben sein Herr die Straße gegangen;Da erhub der Esel den Schwanz und bäumte sich springendÜber den Herren und schrie und sang und plärrte gewaltig,Leckt' ihm den Bart und wollte nach Art und Weise des HundesAn die Wange sich schmiegen und stieß ihm einige Beulen.Ängstlich entsprang ihm der Herr und rief. O! fangt mir den Esel,Schlagt ihn tot! Es kamen die Knechte, da regnet' es Prügel,Nach dem Stalle trieb man ihn fort: da blieb er ein Esel.
Mancher findet sich noch von seinem Geschlechte, der andernIhre Wohlfahrt mißgönnt und sich nicht besser befindet.Kommt dann aber einmal so einer in reichlichen Zustand,Schickt sichs grad, als äße das Schwein mit Löffeln die Suppe,Nicht viel besser fürwahr. Der Esel trage die Säcke,Habe Stroh zum Lager und finde Disteln zur Nahrung.Will man ihn anders behandeln, so bleibt es doch immer beim alten.Wo ein Esel zur Herrschaft gelangt, kanns wenig gedeihen,Ihren Vorteil suchen sie wohl, was kümmert sie weiter?
Ferner sollt Ihr erfahren, mein König, und laßt Euch die RedeNicht verdrießen, es stand noch auf dem Rahmen des SpiegelsSchön gebildet und deutlich beschrieben, wie ehmals mein VaterSich mit Hinzen verbündet, auf Abenteuer zu ziehen,Und wie beide heilig geschworen, in allen GefahrenTapfer zusammenzuhalten und jede Beute zu teilen.Als sie nun vorwärtszogen, bemerkten sie Jäger und HundeNicht gar ferne vom Wege; da sagte Hinze, der Kater:Guter Rat scheint teuer zu werden! Mein Alter versetzte:Wunderlich sieht es wohl aus, doch hab ich mit herrlichem RateMeinen Sack noch gefüllt, und wir gedenken des Eides,Halten wacker zusammen, das bleibt vor allem das erste.Hinze sagte dagegen: Es gehe, wie es auch wolle,Bleibt mir doch ein Mittel bekannt, das denk ich zu brauchen.Und so sprang er behend auf einen Baum, sich zu rettenVor der Hunde Gewalt, und so verließ er den Oheim.Ängstlich stand mein Vater nun da; es kamen die Jäger.Hinze sprach: Nun, Oheim? Wie stehts? so öffnet den Sack doch!Ist er voll Rates, so braucht ihn doch jetzt, die Zeit ist gekommen.Und die Jäger bliesen das Horn und riefen einander.Lief mein Vater, so liefen die Hunde, sie folgten mit Bellen,Und er schwitzte vor Angst, und häufige Losung entfiel ihm;Leichter fand er sich da, und so entging er den Feinden.
Schändlich, Ihr habt es gehört, verriet ihn der nächste Verwandte,Dem er sich doch am meisten vertraut. Es ging ihm ans Leben,Denn die Hunde waren zu schnell, und hätt er nicht eiligEiner Höhle sich wieder erinnert, so war es geschehen;Aber da schlupft' er hinein, und ihn verloren die Feinde.Solcher Bursche gibt es noch viel, wie Hinze sich damalsGegen den Vater bewies: wie sollt ich ihn lieben und ehren?Halb zwar hab ichs vergeben, doch bleibt noch etwas zurücke.All dies war auf dem Spiegel geschnitten mit Bildern und Worten.
Ferner sah man daselbst ein eignes Stückchen vom Wolfe,Wie er zu danken bereit ist für Gutes, das er empfangen.Auf dem Anger fand er ein Pferd, woran nur die KnochenÜbrig waren; doch hungert' ihn sehr, er nagte sie gierig,Und es kam ihm ein spitziges Bein die Quer in den Kragen;Ängstlich stellt' er sich an, es war ihm übel geraten.Boten auf Boten sendet' er fort, die ärzte zu rufen;Niemand vermochte zu helfen, wiewohl er große BelohnungAllen geboten. Da meldete sich am Ende der Kranich,Mit dem roten Barett auf dem Haupt. Ihm flehte der Kranke:Doktor, helft mir geschwind von diesen Nöten! ich geb Euch,Bringt Ihr den Knochen heraus, soviel Ihr immer begehret.
Also glaubte der Kranich den Worten und steckte den SchnabelMit dem Haupt in den Rachen des Wolfes und holte den Knochen.Weh mir! heulte der Wolf: du tust mir Schaden! es schmerzet!Laß es nicht wieder geschehn! Für heute sei es vergeben.Wär es ein andrer, ich hätte das nicht geduldig gelitten.Gebt Euch zufrieden, versetzte der Kranich: Ihr seid nun genesen;Gebt mir den Lohn, ich hab ihn verdient, ich hab Euch geholfen.Höret den Gecken! sagte der Wolf. ich habe das übel,Er verlangt die Belohnung und hat die Gnade vergessen,Die ich ihm eben erwies. Hab ich ihm Schnabel und Schädel,Den ich im Munde gefühlt, nicht unbeschädigt entlassen?Hat mir der Schäker nicht Schmerzen gemacht? Ich könnte wahrhaftig,Ist von Belohnung die Rede, sie selbst am ersten verlangen.Also pflegen die Schälke mit ihren Knechten zu handeln.
Diese Geschichten und mehr verzierten, künstlich geschnitten,Rings die Fassung des Spiegels und mancher gegrabene Zierat,Manche goldene Schrift. Ich hielt des köstlichen KleinodsMich nicht wert, ich bin zu gering, und sandt es deswegenMeiner Frauen, der Königin, zu. Ich dachte durch solchesIhr und ihrem Gemahl mich ehrerbietig zu zeigen.Meine Kinder betrübten sich sehr, die artigen Knaben,Als ich den Spiegel dahingab. Sie sprangen gewöhnlich und spieltenVor dem Glase, beschauten sich gern, sie sahen die SchwänzchenHängen vom Rücken herab und lachten den eigenen Mäulchen.Leider vermutet ich nicht den Tod des ehrlichen Lampe,Da ich ihm und Bellyn auf Treu und Glauben die SchätzeHeilig empfahl; ich hielt sie beide für redliche Leute,Keine besseren Freunde gedacht ich jemals zu haben.Wehe sei über den Mörder gerufen! Ich will es erfahren,Wer die Schätze verborgen, es bleibt kein Mörder verhohlen.Wüßte doch ein und andrer vielleicht im Kreis hier zu sagen,Wo die Schätze geblieben und wie man Lampen getötet!
Seht, mein gnädiger König, es kommen täglich so vieleWichtige Sachen vor Euch, Ihr könnt nicht alles behalten;Doch vielleicht gedenket Ihr noch des herrlichen Dienstes,Den mein Vater dem Euren an dieser Stätte bewiesen.Krank lag Euer Vater, sein Leben rettete meiner,Und doch sagt Ihr, ich habe noch nie, es habe mein VaterEuch nichts Gutes erzeigt. Beliebt, mich weiter zu hören.Sei es mit Eurer Erlaubnis gesagt: es fand sich am HofeEures Vaters der meine bei großen Würden und EhrenAls erfahrener Arzt. Er wußte das Wasser des KrankenKlug zu besehn; er half der Natur; was immer den Augen,Was den edelsten Gliedern gebrach, gelang ihm zu heilen;Kannte wohl die emetischen Kräfte, verstand auch danebenAuf die Zähne sich gut und holte die schmerzenden spielend.Gerne glaub ich, Ihr habt es vergessen; es wäre kein Wunder,Denn drei Jahre hattet Ihr nur. Es legte sich damalsEuer Vater im Winter mit großen Schmerzen zu Bette,Ja, man mußt ihn heben und tragen. Da ließ er die ärzteZwischen hier und Rom zusammenberufen, und alleGaben ihn auf; er schickte zuletzt, man holte den Alten;Dieser hörte die Not und sah die gefährliche Krankheit.
Meinen Vater jammert' es sehr, er sagte: Mein König,Gnädiger Herr, ich setzte, wie gern! mein eigenes Leben,Könnt ich Euch retten, daran! Doch laßt im Glase mich EuerWasser besehn. Der König befolgte die Worte des Vaters,Aber klagte dabei, es werde je länger, je schlimmer.Auf dem Spiegel war es gebildet, wie glücklich zur StundeEuer Vater genesen. Denn meiner sagte bedächtig:Wenn Ihr Gesundheit verlangt, entschließt Euch ohne Versäumnis,Eines Wolfes Leber zu speisen, doch sollte derselbeSieben Jahre zum wenigsten haben; die müßt Ihr verzehren.Sparen dürft Ihr mir nicht, denn Euer Leben betrifft es.Euer Wasser zeuget nur Blut, entschließt Euch geschwinde!
In dem Kreise befand sich der Wolf und hört' es nicht gerne.Euer Vater sagte darauf. Ihr habt es vernommen,Höret, Herr Wolf, Ihr werdet mir nicht zu meiner GenesungEure Leber verweigern. Der Wolf versetzte dagegen:Nicht fünf Jahre bin ich geboren! was kann sie Euch nutzen?Eitles Geschwätz! versetzte mein Vater: es soll uns nicht hindern,An der Leber seh ich das gleich. Es mußte zur StelleNach der Küche der Wolf, und brauchbar fand sich die Leber.Euer Vater verzehrte sie stracks. Zur selbigen StundeWar er von aller Krankheit befreit und allen Gebrechen.Meinem Vater dankt' er genug, es mußt ihn ein jederDoktor heißen am Hofe, man durft es niemals vergessen.
Also ging mein Vater beständig dem König zur Rechten.Euer Vater verehrt' ihm hernach, ich weiß es am besten,Eine goldene Spange mit einem roten Barette,Sie vor allen Herren zu tragen; so haben ihn alleHoch in Ehren gehalten. Es hat sich aber mit seinemSohne leider geändert, und an die Tugend des VatersWird nicht weiter gedacht. Die allergierigsten SchälkeWerden erhoben, und Nutz und Gewinn bedenkt man alleine,Recht und Weisheit stehen zurück. Es werden die DienerGroße Herren, das muß der Arme gewöhnlich entgelten.Hat ein solcher Macht und Gewalt, so schlägt er nur blindlingsUnter die Leute, gedenket nicht mehr, woher er gekommen;Seinen Vorteil gedenkt er aus allem Spiele zu nehmen.Um die Großen finden sich viele von diesem Gelichter.Keine Bitte hören sie je, wozu nicht die GabeGleich sich reichlich gesellt, und wenn sie die Leute bescheiden,Heißt es: Bringt nur! und bringt! zum ersten, zweiten und dritten.
Solche gierige Wölfe behalten köstliche BissenGerne für sich, und wär es zu tun, mit kleinem VerlusteIhres Herren Leben zu retten, sie trügen Bedenken.Wollte der Wolf doch die Leber nicht lassen, dem König zu dienen!Und was Leber! Ich sag es heraus! Es möchten auch zwanzigWölfe das Leben verlieren, behielte der König und seineTeure Gemahlin das ihre, so wär es weniger schade.Denn ein schlechter Same, was kann er Gutes erzeugen?Was in Eurer Jugend geschah, Ihr habt es vergessen;Aber ich weiß es genau, als wär es gestern geschehen.Auf dem Spiegel stand die Geschichte, so wollt es mein Vater;Edelsteine zierten das Werk und goldene Ranken.Könnt ich den Spiegel erfragen, ich wagte Vermögen und Leben.