Befiederte Giganten.

Befiederte Giganten.

Auch die Klasse der Vögel hatte ihre Heroenzeit, ihre Giganten und Titanen. In Patagonien (Südamerika) entdeckte man in alttertiären Schichten (ältere Braunkohlenzeit) die Reste eines ungeheuren Vogels,Brontornis, das heißtDonnervogelgenannt. Derselbe erreichte die Höhe von 4 Meter und ist wohl der größte aller lebenden und fossilen Vögel. Die Mittelzehen waren etwa 30 Zentimeter (1 Fuß) lang und sehr dick, die Nagelglieder 5,5 Zentimeter lang und 5 Zentimeter breit; das ganze Bein hatte eine Länge von 162 Zentimeter.

Etwas kleiner als dieser Riese der Riesen war die GattungPhororhakos, die sehr genau bekannt ist. Der Schädel der größten Art ist 65 Zentimeter lang, also länger als der Kopf eines großen Pferdes. Der hohe, seitlich stark zusammengedrückte Schnabel ist hakenförmig gekrümmt wie bei den Raubvögeln. Die Flügel waren wie bei Brontornis und bei den heutigen Straußen verkümmert, daher zum Fliegen unbrauchbar. Wegen der großen, sehr stark gekrümmten Krallen waren die patagonischen Riesenvögel wahrscheinlich auch zu Fuß schlecht bestellt und jedenfalls keine so gewandten Läufer wie die lebenden Strauße. Die Schädel zeigen oft Knochenwucherungen, die unzweifelhaft von schweren Verletzungen herrühren. Vielleicht lieferten die Männchen untereinander heftige Kämpfe um die Weibchen. Über die Art der Ernährung wissen wir nichts Sicheres; es ist aber wahrscheinlich, daß jene Riesen nach Art der Geier die Leichen gefallener größerer Tiere verzehrten, vielleicht auch Jagd auf junge Reptilien machten (ähnlich wie der Schuhschnabelvogel am Weißen Nil, welcher den jungen Krokodilen nachstellt) oder gar ausgewachsene angriffen, wieunser Bildauf Seite 65 darstellt. Wir sehen dort im Vordergrund einen Donnervogel, der einen Hadrosaurus angreift. Im Hintergrund erblicken wir rechts einen zweiten Dinosaurier, links einen Phororhakos. Wie die neuesten Funde wahrscheinlich machen, sind die iguanodonähnlichen Hadrosaurier erst in der älteren Braunkohlenzeit gänzlich verschwunden.

Abb. 19. Brontornis und Hadrosaurus.❏GRÖSSERES BILD

Abb. 19. Brontornis und Hadrosaurus.

❏GRÖSSERES BILD

Auch in der sogenannten Eiszeit, die der Braunkohlenzeit folgte und der Gegenwart unmittelbar vorausging, waren die südlichen Teile der Erde von zahlreichen Riesenvögeln bewohnt, so besonders Australien. Wundervolle Reste solcher Riesenstrauße wurden auf Neuseeland gefunden. Derelefantenfüßige Schreckensvogel(Dinornis elephantopus) stand an Größe dem patagonischen Donnervogel nicht viel nach und einige Vettern desselben (man kennt heute 20 verschiedene Arten!) scheinen ihm ebenbürtig gewesen zu sein.Die Riesenstrauße, dieMoasder Neuseeländer, haben sich in einzelnen Arten bis in die Gegenwart erhalten und sind allem Anschein nach erst im achtzehnten Jahrhundert ausgestorben, besser gesagt, von den Eingeborenen ausgerottet worden. Nach verschiedenen Berichten wurde noch in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts von europäischen Seefahrern auf Neuseeland ein riesiger Vogel erblickt, der die Größe eines Moa besessen haben mag, und die Heldenlieder der Eingeborenen erzählen noch von den Kämpfen mit jenen Riesen. Ein alter Häuptling, der um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts starb, behauptete, daß er in seiner Jugend noch Moafleisch gegessen habe. Der ausgezeichnete Naturforscher Hochstetter, der uns so viel Interessantes von der merkwürdigen Doppelinsel berichtet, bringt die unter den dortigen Eingeborenen, den Maori, übliche Menschenfresserei in Zusammenhang mit dem Verschwinden der Moas. Diese müssen zur Zeit, als die Maori einwanderten, ungemein zahlreich gewesen sein und die wichtigste Nahrungsquelle des Volkes gebildet haben, da die Insel außerdem sehr wenig bot. Als die Moas ausgerottet waren, kehrte die Not ein, die Menschen fingen an, aus Mangel an anderweitiger genügender Nahrung sich gegenseitig aufzuzehren, und daher der furchtbare Kannibalismus, dem erst durch die Einführung von Schweinen und Kartoffeln durch die Europäer ernsthaft gesteuert werden konnte.

Eine auffallende und mit allen Erfahrungen über die tierische Bevölkerung isolierter Inseln im Widerspruch stehende Erscheinung ist die große Individuen- und Artenzahl riesiger Laufvögel, die sich auf einem so kleinen Gebiet wie Neuseeland anhäufen konnten. Man hat deshalb angenommen, daß in jener Gegend vor kurzem noch weit größere Festlandsmassen existiert hätten und durch teilweises Versinken derselben die zahlreichen Arten auf die übriggebliebene Insel zusammengedrängt worden seien.

Auch auf Madagaskar hat man Reste eines Riesenvogels gefunden, unter anderen eine große Zahl von Eiern, von denen eines dem Rauminhalt nach etwa 150 Hühnereiern gleichkommt. Nach den Aussagen der Eingeborenen soll jener Vogel heute noch existieren.[4]Das alles weist auf ehemalige größere Landanhäufungen auf der südlichen Halbkugel, denn niemals bringenisolierte Inseln so gewaltige Tiere hervor wie die Moas und die madagassischen Riesenstrauße.

Daß diese nicht fliegen konnten, ist wohl selbstverständlich; sie scheinen aber nicht einmal gute Läufer gewesen zu sein. Da ist es erklärlich, daß sie von den Insulanern ausgerottet wurden. Die Moas zählt man zu den Scharrvögeln; sie sollen mit ihren ungemein kräftigen Füßen die Erde nach allerlei Wurzeln aufgewühlt haben. Daneben verzehrten sie wohl auch Reptilien und Insekten.

[4]Die Hoffnung, im Innern der Insel solche zu finden, ist indes nicht in Erfüllung gegangen.

[4]Die Hoffnung, im Innern der Insel solche zu finden, ist indes nicht in Erfüllung gegangen.

[4]Die Hoffnung, im Innern der Insel solche zu finden, ist indes nicht in Erfüllung gegangen.


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