Die Maasechsen oder Seeschlangen.

Die Maasechsen oder Seeschlangen.

Alljährlich um die Zeit der sauren Gurke pflegt die berühmte Seeschlange aufzutauchen, die irgend ein forscher Kapitän in irgend einem Gewässer gesehen haben will. Sie führt ein sehr kurzfristiges Dasein, nicht in den Fluten des Ozeans, sondern im Blätterwald. Etwas anderes war es mit den Seeschlangen der Kreidezeit; jene machten wirklich die Meere unsicher; aber keines Menschen Auge hat sie geschaut. Schon gewisse Meerkrokodile der Jurazeit sind von so schlankem Bau, daß sie ein schlangenähnliches Aussehen haben, so der schwäbischeGeosaurus, der die Umformung des Schreitfußes zum Ruder sehr schön erkennen läßt und uns zeigt, wie aus einem Landkrokodil ein Seekrokodil geworden ist. DieMaasechsenoderMosasaurierzeigen in noch höherem Grade schlangenähnlichen Habitus. Es sind langgestreckte Eidechsen mit Schwimmfüßen und großem Ruderschwanz. Die langen kräftigen Kiefer zeigen ein starkes Raubtiergebiß. Man kennt über fünfzig Arten, die sich auf Europa, Amerika und Australien verteilen. Der Körperwar mit Schuppen bedeckt. Ihre Entdeckung fällt in eine sehr bewegte Zeit, nämlich ins Ende des achtzehnten Jahrhunderts.

Die ersten Reste eines Maassauriers, nämlich bedeutende Teile eines Schädels, wurden in einem Steinbruch bei Mastricht an der Maas aufgefunden, woher denn auch diese Riesengattung den Namen erhalten hat. Darüber wird berichtet:

EinDr.Hoffmann ließ das Stück mit vieler Mühe und Kosten heben und ausarbeiten. Der Fund machte Aufsehen und erregte den Neid des Steinbruchbesitzers, des Domherrn Godin, der das Stück reklamierte, und dem es auch vom Gericht zugesprochen wurde. Als im Jahre 1795 die Truppen der französischen Republik das Fort St. Pierre bombardierten, befahl der General, der um den wissenschaftlichen Schatz im nahen Hause des Domherrn wußte, dasselbe zu schonen. Dieser, nicht weniger um seinen Schatz besorgt als der General und wenig erbaut von dessen rücksichtsvoller Aufmerksamkeit, ließ es bei Nacht in der Stadt verstecken und hoffte so nach der Übergabe des Platzes sein Stück zu retten. Vergeblich! Der Volksrepräsentant Freycinet verstand hinter das Geheimnis des Geistlichen zu kommen und ließ öffentlich den zweiten Entdeckern des Sauriers 600 Flaschen Wein zusichern. Das wirkte unwiderstehlich; schon am nächsten Morgen brachten zwölf Grenadiere im Triumph das Stück, um ihren Lohn zu empfangen.

EinDr.Hoffmann ließ das Stück mit vieler Mühe und Kosten heben und ausarbeiten. Der Fund machte Aufsehen und erregte den Neid des Steinbruchbesitzers, des Domherrn Godin, der das Stück reklamierte, und dem es auch vom Gericht zugesprochen wurde. Als im Jahre 1795 die Truppen der französischen Republik das Fort St. Pierre bombardierten, befahl der General, der um den wissenschaftlichen Schatz im nahen Hause des Domherrn wußte, dasselbe zu schonen. Dieser, nicht weniger um seinen Schatz besorgt als der General und wenig erbaut von dessen rücksichtsvoller Aufmerksamkeit, ließ es bei Nacht in der Stadt verstecken und hoffte so nach der Übergabe des Platzes sein Stück zu retten. Vergeblich! Der Volksrepräsentant Freycinet verstand hinter das Geheimnis des Geistlichen zu kommen und ließ öffentlich den zweiten Entdeckern des Sauriers 600 Flaschen Wein zusichern. Das wirkte unwiderstehlich; schon am nächsten Morgen brachten zwölf Grenadiere im Triumph das Stück, um ihren Lohn zu empfangen.

Jener Maassaurier, zu Ehren des EntdeckersMosasaurus Hoffmannigetauft, mag eine Länge von 7 bis 8 Metern erreicht haben; es sind aber seitdem Riesen von drei- und vierfacher Länge mit 1 bis 1½ Meter langen Kiefern gefunden worden. (Die berühmten Riesenschlangen Südamerikas: Abgottschlange oder Boa, Anakonda und Tigerschlange werden etwa 7 Meter lang.) Daß die Maassaurier von Landeidechsen abstammen, ist zweifellos, denn ältere Formen, die in Dalmatien gefunden wurden, haben noch Schreitbeine und gleichen den Varanen, das sind Eidechsen von erstaunlicher Größe. Vertreter derselben in der heutigen Lebewelt sind die sogenannten Warneidechsen Afrikas, Südasiens und Australiens. Die bekannteste Art ist dieNileidechse, 2 Meter lang, sehr räuberisch, von den alten Ägyptern als Vertilgerin der Krokodileier und junger Krokodile gefeiert.


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