Huftiere.
Die Huftiere weisen einen großen Formenreichtum auf und machen im ganzen durchaus den Eindruck vonmodernenGeschöpfen, doch sind darunter auch einige altertümliche Typen, nämlich die Nashörner, Tapire und Flußpferde. Die alte Einteilung in Einhufer, Zweihufer und Vielhufer hat sich als unnatürlich und daher unbrauchbar erwiesen, denn sie steht mit der Entwicklung der Ordnung, soweit dieselbe zur Stunde bekannt ist, im Widerspruch. Die aufgefundenen fossilen Huftiere beweisen nämlich, daß der ganze Stamm in zwei nebeneinander her gehende Zweige sich gabelte, in solche mit gerader und solche mit ungerader Hufzahl. Zu den Paarhufern oder Paarzehern gehören die Schweine, Flußpferde und Wiederkäuer, zu den Unpaarhufern die Tapire, Nashörner und Pferde.
Abb. 24. Ausgestorbenes Riesengürteltier.
Abb. 24. Ausgestorbenes Riesengürteltier.
Unter den ausgestorbenen Vorfahren derselben finden wir einige originelle Gesellen, die wohl der Erwähnung wert sind. Besonders schöne Funde wurden in Nordamerika gemacht, wo ähnlich den „Katakomben“ der Pampasformation und den berühmten Saurierfriedhöfen förmliche Knochenlager entdeckt worden sind.
Im nordwestlichen Teil der Union sind Binnenseeablagerungen bekannt, welche die erstaunliche Mächtigkeit von 10000 Fuß erreichen und stellenweise einen ungeheuren Reichtum an seltsamen Säugetierresten bergen. Besonders berühmt sind dieMauvaises Terres(schlechte Erde), sprich mowäs tär, ein Wüstengebiet in Wyoming, wo Auswaschung und Abtragung durch Wasser aus den Tertiärschichten die abenteuerlichsten Formen, Klippen, Obelisken, Säulen, Burgruinen und dergleichen herausmodelliert haben, so daß man glaubt, die Ruinen einer großen Festung vor sich zu sehen. Dem Bericht einiger amerikanischer Geologen entnehme ich folgendes:
„Diese Region ist von der eigentümlichsten geologischen Beschaffenheit, die wohl nirgends auf Erden ihresgleichen hat. Die Karawane zog gegen Südwesten in den zwei ersten Tagen über einförmige, leicht gewellte Ebenen, deren Boden mit Salpeter geschwängert war. So weit das Auge reichte, sah man keinen Baum oder Busch, wohl aber manchen blühenden Kaktus und in den Niederungen sogenannte Milchpflanzen. Da und dort traf man eine Kolonie von Präriehamstern, sonst kein lebendes Wesen in dieser wasserarmen Gegend. Am sechsten Tage kamen dieMauvaises Terresin Sicht, die einen wahrhaft überraschenden, unbegreiflichen Anblick bieten. Im Hintergrund einer weit ausgedehnten Ebene fielen die Strahlen der Abendsonne auf eine gewaltige Trümmerstadt, die eben mit rosenfarbigem Lichte übergossen war. In ihr erhoben sich Mauern und Bastionen, große Paläste mit mächtigen Kuppeln und andere Bauten von wunderbaren, seltsamen Gestalten. Das Ganze machte einen überwältigenden Eindruck, als über alle Maßen phantastisch. In Abständen von verschiedener Entfernung erhoben sich über dem schneeweißen Boden backsteinrötliche Burgen mit Zinnen und Pyramiden, auf deren Spitzen die mächtigsten Blöcke lagen, die scheinbar vom Winde hin und her geschaukelt wurden. Mitten in diesem Chaos geologischer Ruinen erhebt sich, einem Leuchtturm vergleichbar, eine bei 300 Fuß hohe Felsensäule. Der Indianer nennt es die verwünschte Stadt, darin namentlich auch ein großes Amphitheater auffällt, mit ockerfarbigen, ausgezackten Mauern umgeben. Der Boden besteht vielfach aus einer dicken Lage fossiler Knochen, von denen manche aufs vortrefflichste erhalten sind, und an vielen Orten lag eine ganze Beinstätte von Zähnen, zerbrochenen Kinnladen, Knochen und Wirbeln in Ton oder fleischfarbigen Mergel eingebettet.“
„Diese Region ist von der eigentümlichsten geologischen Beschaffenheit, die wohl nirgends auf Erden ihresgleichen hat. Die Karawane zog gegen Südwesten in den zwei ersten Tagen über einförmige, leicht gewellte Ebenen, deren Boden mit Salpeter geschwängert war. So weit das Auge reichte, sah man keinen Baum oder Busch, wohl aber manchen blühenden Kaktus und in den Niederungen sogenannte Milchpflanzen. Da und dort traf man eine Kolonie von Präriehamstern, sonst kein lebendes Wesen in dieser wasserarmen Gegend. Am sechsten Tage kamen dieMauvaises Terresin Sicht, die einen wahrhaft überraschenden, unbegreiflichen Anblick bieten. Im Hintergrund einer weit ausgedehnten Ebene fielen die Strahlen der Abendsonne auf eine gewaltige Trümmerstadt, die eben mit rosenfarbigem Lichte übergossen war. In ihr erhoben sich Mauern und Bastionen, große Paläste mit mächtigen Kuppeln und andere Bauten von wunderbaren, seltsamen Gestalten. Das Ganze machte einen überwältigenden Eindruck, als über alle Maßen phantastisch. In Abständen von verschiedener Entfernung erhoben sich über dem schneeweißen Boden backsteinrötliche Burgen mit Zinnen und Pyramiden, auf deren Spitzen die mächtigsten Blöcke lagen, die scheinbar vom Winde hin und her geschaukelt wurden. Mitten in diesem Chaos geologischer Ruinen erhebt sich, einem Leuchtturm vergleichbar, eine bei 300 Fuß hohe Felsensäule. Der Indianer nennt es die verwünschte Stadt, darin namentlich auch ein großes Amphitheater auffällt, mit ockerfarbigen, ausgezackten Mauern umgeben. Der Boden besteht vielfach aus einer dicken Lage fossiler Knochen, von denen manche aufs vortrefflichste erhalten sind, und an vielen Orten lag eine ganze Beinstätte von Zähnen, zerbrochenen Kinnladen, Knochen und Wirbeln in Ton oder fleischfarbigen Mergel eingebettet.“
Von der überaus individuen- und artenreichen Tierwelt mögen nur zwei Formen Erwähnung finden, dasKoryphodonunddasDinozeras, von welchen ersteres auch in Europa vorkommt, letzteres aber auf Amerika beschränkt ist. DasKoryphodon(der Name stammt von der Beschaffenheit der Unterkieferzähne,korypheheißt die Spitze) vereinigt die Merkmale der verschiedenen Huftiere und wurde deshalb von einigen als Stammvater derselben oder doch wenigstens als derjenige der Elefanten betrachtet. Beides ist unmöglich, denn jene Ausgangs- oder Urformen müssen schon in der Kreide gelebt haben. Wahrscheinlich bilden sie einen Seitenzweig jener noch unbekannten Stammformen. Im höchsten Grade auffallend ist der im Verhältnis zu heutigen Säugern geringe Inhalt der Schädelkapsel. Der amerikanische Paläontologe Cope schildert das Tier folgendermaßen:
„Nach dem Skelett glich Koryphodon in der allgemeinen Erscheinung wahrscheinlich einem Bären mehr als irgendeinem anderen lebenden Tiere, nur mit dem Unterschied, daß seine Füße ganz wie die eines Elefanten waren, und zu den Körperverhältnissen eines Bären müssen wir noch einen Schweif von mittlerer Länge fügen. Ob sie behaart waren, wissen wir nicht, denn von ihren Verwandten, den Elefanten, sind einige behaart (Mammut), andere nackt. Der Scheitel war ohne Zweifel kahl und mag bei alten Tieren nur mit einer dünnen Oberhaut wie bei Krokodilen bedeckt gewesen sein, so daß sie dem Feinde eine rauhe, undurchdringliche Stirne entgegenstellen konnten. In seinen Bewegungen glich Koryphodon ohne Zweifel dem Elefanten mit seinem schwankenden Paßgange. Als Ersatz für den Mangel an Geschwindigkeit kann die furchtbare Bewaffnung mit mächtig vorspringenden Eckzähnen gelten, welche namentlich im Oberkiefer stärker und länger waren als bei Raubtieren. Die Größe der einzelnen Arten schwankt zwischen derjenigen eines Ochsen und der eines Tapirs. Die Hauptnahrung von Koryphodon war vermutlich vorwiegend pflanzlicher Natur, aber ohne strenge Beschränkung auf ein bestimmtes Futter; ohne Zweifel waren sie, wie die jetzigen Schweine, bis zu einem bedeutenden Grade Allesfresser.“
„Nach dem Skelett glich Koryphodon in der allgemeinen Erscheinung wahrscheinlich einem Bären mehr als irgendeinem anderen lebenden Tiere, nur mit dem Unterschied, daß seine Füße ganz wie die eines Elefanten waren, und zu den Körperverhältnissen eines Bären müssen wir noch einen Schweif von mittlerer Länge fügen. Ob sie behaart waren, wissen wir nicht, denn von ihren Verwandten, den Elefanten, sind einige behaart (Mammut), andere nackt. Der Scheitel war ohne Zweifel kahl und mag bei alten Tieren nur mit einer dünnen Oberhaut wie bei Krokodilen bedeckt gewesen sein, so daß sie dem Feinde eine rauhe, undurchdringliche Stirne entgegenstellen konnten. In seinen Bewegungen glich Koryphodon ohne Zweifel dem Elefanten mit seinem schwankenden Paßgange. Als Ersatz für den Mangel an Geschwindigkeit kann die furchtbare Bewaffnung mit mächtig vorspringenden Eckzähnen gelten, welche namentlich im Oberkiefer stärker und länger waren als bei Raubtieren. Die Größe der einzelnen Arten schwankt zwischen derjenigen eines Ochsen und der eines Tapirs. Die Hauptnahrung von Koryphodon war vermutlich vorwiegend pflanzlicher Natur, aber ohne strenge Beschränkung auf ein bestimmtes Futter; ohne Zweifel waren sie, wie die jetzigen Schweine, bis zu einem bedeutenden Grade Allesfresser.“
Die Koryphodonten scheinen nur dem unteren Eozän anzugehören und schon im Anfang der Tertiärzeit ausgestorben zu sein, jedoch nicht, ohne würdige Nachkommen hinterlassen zu haben. Ihnen folgten nämlich die Dinozeraten oder Schreckhörner (vondeinosoderdinos: schrecklich undkeras: Horn), gewaltige, plumpe Kolosse, die im Fußbau mit den Koryphodonten übereinstimmen und deren äußere Erscheinung zwischen Elefant und Nashorn ungefähr die Mitte hielt. Nach dem einstimmigen Urteil der Gelehrten gehören dieselben zu den absonderlichsten Typen, die je gelebt haben. Ihre Reste kommen nur in denMauvaises Terresvor, dort aber in solcher Menge, daß der Amerikaner Marsh allein über 200 Exemplare in seiner Sammlung zusammenbrachte. Der am seltsamsten geformte Körperteil beim Dinozeras ist der Schädel, ein Monstrum, „das unter allen Tieren seinesgleichen nicht findet“. Der Unterkiefer trägt einen breiten, abwärts gerichteten Fortsatz des Knochens, der fast wie eine Axt aussieht. Im Oberkiefer fehlen die Schneidezähne, dafür sind aber die Eckzähne zu gewaltigen Hauern vergrößert, welche wie beim Walroß weit nach unten ragen. Auf der Oberseite des Schädels sitzen drei Paar Knochenwülste, die von vorn nach hinten an Größe zunehmen und höchstwahrscheinlich Hörner getragen haben, von denen die hinteren eine kolossale Größe erreicht haben dürften. Ein Tier mit sechs Hörnern, das ist etwas so Absonderliches, Ungeheuerliches, daß der Naturforscher stutzt und nach einer anderen Deutung sucht. Man hat denn auch die Hörner niemals gefunden; allein Horn ist sehr schlecht erhaltungsfähig und findet sich selten fossil, und es scheint keine Möglichkeit vorhanden, jene Stirnzapfen anders zu erklären.
Abb. 25. Schädel des Dinozeras.
Abb. 25. Schädel des Dinozeras.
Als dritter im Bunde reiht sich den genannten würdig an dasTitanotherium(Riesentier), auchBrontotherium, dasheißtDonnertiergenannt, ein Vetter der Nashörner. Hinsichtlich der Gestalt mochte es zwischen Tapir und Rhinozeros die Mitte halten, stand aber einem Elefanten an Größe wenig nach (4 Meter lang, 2,3 Meter hoch). Der lange niedrige Schädel mit lächerlich kleiner Hirnhöhle zeigt über den Nasenbeinen zwei stumpfe Knochenzapfen, die offenbar große Hörner trugen. Das kräftige Gebiß und die dicken Beine, von denen die vorderen vier, die hinteren drei Hufe trugen, scheinen dafür zu sprechen, daß wir es hier mit einem sumpfbewohnenden Pflanzenfresser zu tun haben.
Die Sippe der Titanotherien war im älteren Tertiär (ältere Braunkohlenformation) Nordamerikas sehr zahlreich vertreten; kennt man doch zur Stunde nicht weniger als 15 verschiedene Gattungen mit zirka 20 Arten. Neben ihnen lebten zahlreiche Rhinozerosse — man kennt über 50 Arten —, von denen die ältesten Formen noch keine Hörner hatten und daherAzeratherien, das heißtOhnhorntieregetauft wurden; allmählich wurden die Nasenbeine kräftiger und wurden gar durch eine knöcherne Nasenscheidewand gestützt, um eine solide Unterlage für die mächtigen Hörner zu bilden. Damit geht parallel eine Verlängerung des Schädels und die Verkümmerung der Schneide- und Eckzähne, wie denn stets die Änderung eines Organs diejenige eines anderen nach sich zieht. (Die gleiche Entwicklung haben übrigens auch die Titanotherien durchgemacht.)
Die Nashörner (mit und ohne Horn) waren nicht nur sehr arten- und individuenreich, sondern hatten auch eine sehr große Verbreitung; sie bewohnten Nordamerika, Afrika, Europa und ganz Asien bis zum Eismeer.
Die nordamerikanischen Fundstätten sind außer durch ihre zahlreichen phantastischen Biester noch besonders berühmt durch die ans Wunderbare grenzende Vollkommenheit der Entwicklungsreihen desPferdestammes. Sie haben die unbestreitbaren Beweise für die überraschende Tatsache geliefert, daß unsere heutigen Einhufer (Pferd, Esel, Zebra) vonfünfzehigen Tieren der älteren Braunkohlenzeit(Eozän) abstammen und daß sie mit Nashorn und Tapir blutsverwandt sind.
Als Ausgangspunkt des amerikanischen Stammbaums wird die GattungPhenakodusgenannt. Dieselbe lebte in der ältesten Tertiärzeit und stellte einen ausgezeichneten Sammeltypus dar, indem das Skelett typische Merkmale von Raubtieren, Elefanten und Huftieren in seltsamem Gemisch vereinigt. Die Glieder endigen in fünf Zehen, von denen jedoch die erste und fünfte den Boden nicht berühren. Die mittlere oder dritte Zehe ist die stärkste und bildet den Hauptpfeiler des Fußes, worin ein hervorstechendes Charakteristikum der Unpaarzeher liegt. Auf Phenakodus folgt die GattungEohippus, die am Vorderfuß vier Zehen und von der fünften nur noch einen verkümmerten Rest, am Hinterfuß dagegen bloß drei Zehen besitzt. Von da leiten die Gattungen in schönster Weise bis zu den heutigen Einhufern herauf:Orohippus, vorn mit vier Zehen, wovon die eine stark zurücktritt;Mesohippus, etwa dem europäischen Paläotherium entsprechend, mit drei Zehen, am Ende des Eozän;Miohippus(Anchitherium) im Miozän, gleichfalls mit drei Zehen; die beiden letzten Gattungen noch mit schwachen Andeutungen (Rudimenten) einer vierten Zehe;ProtohippusoderHippotheriumim unteren Pliozän, mit drei Zehen, nämlich der zweiten, dritten und vierten, wovon nur die mittlere den Boden berührt;Pliohippusund endlich dasPferd, mit einer einzigen, sehr starken, nämlich nur mit der dritten Zehe; erste und fünfte sind vollständig verschwunden, zweite und vierte als die rudimentären Griffelbeine nur noch angedeutet.
Einige Mittelformen sind schon frühzeitig auf den damals noch vorhandenen Landbrücken nach Europa und Asien ausgewandert, so besonders dasPaläotherium,Alttier, das durch die klassischen Untersuchungen des großen Cuvier Berühmtheit erlangt hat. Merkwürdigerweise ist der Pferdestamm in seinem Ursprungsland, in Amerika gänzlich ausgestorben, während er sich bei uns lebenskräftig und entwicklungsfähig erhalten hat. Zur Zeit der Entdeckung der „Neuen Welt“ besaß letztere nämlich keinerlei Einhufer; fast die ganze riesenhafte, vielgestaltige und merkwürdige Säugetierwelt der Braunkohlen- und der Eiszeit war verschwunden; die heutigen Pferde Amerikas stammen von eingeführten europäischen ab.
DieZweihufer(Wiederkäuer) haben ebenfalls eine lange und interessante Geschichte hinter sich, doch weisen ihre Entwicklungsreihen noch große Lücken auf. Indessen fördern die Paläontologen, speziell diejenigen Nordamerikas, denen großartige Hilfsmittel zu Gebote stehen, Jahr um Jahr neue überraschende Funde zutage, so daß man fast mit Sicherheit voraussagen kann: in absehbarer Zeit werden die fehlenden Glieder gefunden und die Abstammungsreihen geschlossen sein.
Abb. 26. Irischer Riesenhirsch.
Abb. 26. Irischer Riesenhirsch.
Von den zahlreichen fossilen Wiederkäuern mag hier nur eine einzige Art Erwähnung finden, nämlich derirische Riesenhirsch, dessen Geweihenden über 3 Meter auseinander liegen. Besonders schön erhaltene Skelette finden sich in den Torfmooren Irlands. Der Riesenhirsch lebte noch mit dem Menschen zusammen; ja es ist sogar vermutet worden, daß er in Deutschland erst im Mittelalter ausgestorben sei. Das Nibelungenlied, dessen Entstehung ins zwölfte Jahrhundert angesetzt wird, führt nämlich unter der Jagdbeute des „hörnenen Siegfried“ auch einen „Schelch“ an, welchen Namen man von schelchen, dasheißt schief oder schwankend laufen, abgeleitet hat. Der schwankende Gang sollte seine Ursache in der Schwere des Tieres und der Größe des Geweihs haben. Die betreffende Stelle lautet:
Drauf nun schlug er schiere einen Wisent und einen Elch,Starker Ure viere und einen grimmen Schelch.
Drauf nun schlug er schiere einen Wisent und einen Elch,Starker Ure viere und einen grimmen Schelch.
Drauf nun schlug er schiere einen Wisent und einen Elch,
Starker Ure viere und einen grimmen Schelch.
Demgegenüber wird behauptet, daß der Schelch nichts anderes sei als der männliche Elch (Elentier).
Der Riesenhirsch ist in Europa offenbar schon am Ende der Gletscherzeit, als sich die Steppen und Bergeshöhen wieder zu bewalden begannen, ausgestorben; nur in Irland mit seinen ausgedehnten Wiesenflächen und Mooren hat er sich noch etwas länger halten können.
Den riesigen Pflanzenfressern der Diluvialzeit standen auch gewaltige Fleischfresser gegenüber. Das häufigste Raubtier war derHöhlenbär, größer als der Eisbär und der graue Bär Nordamerikas; er erreichte eine Länge von 10 Fuß und eine Höhe von 4 bis 4½ Fuß.
Abb. 27. Skelett des Höhlenbären.❏GRÖSSERES BILD
Abb. 27. Skelett des Höhlenbären.
❏GRÖSSERES BILD
„Wie heutzutage der Bär am liebsten in Höhlen und Felsklüften sich aufhält,“ berichtet O. Fraas in seinem Werke „Vor der Sintflut“, „so waren auch die Höhlen, die zur Diluvialzeit schon zugänglich waren, der Wohnort dieser nächtlichen Räuber. Lange Zeiten hindurch wohnten sie ausschließlich in den Höhlen, jedes andere Tier als Eindringling zurückweisend. Lange Zeiten hindurch blühte das Geschlecht; Jahrtausende verflossen, in denen eine Höhle die Wiege und das Grab von Generationen war. Im Hohlenstein (auf der Schwäbischen Alb) lagen auf einem Raum von wenigen Quadratklaftern in einer Tiefe von 6 Fuß 110 Schädel, 275 Unterkiefer usw., kurz eine Menge von Skelettstücken, die zum mindesten 400 Individuen angehörten. Unter ihnen sind alle Altersstufen vertreten, alle Knochen, alle Zähne, vom Milchzahn bis zu vollständig abgenutzten Zahnstumpen, beide Geschlechter, dazu eine Reihe kranker und verletzter Knochen. Die Knochenbrüche waren so häufig, daß man zur Genüge ersehen konnte, wie der Höhlenbär zu jener Zeit schon um seine Existenz zu kämpfen hatte, ob es gleich die Paradieszeit der Räuber war. Wer dem Höhlenbär ohne Zweifel am meisten Rippen einschlug und Knochen zerschmetterte, war wohl das Pferd, das, der Menge von Knochen nach zu urteilen, die Lieblingsnahrung des Meisters Petz bildete. Doch verschmähte er auch nicht Ochsen, Elen, Hirsch, Schaf und Elefant, die zerbissen und abgenagt jetzt mit den Knochen ihrer Sieger und Meister ruhig im Lehme liegen. Großartige Höhlen und Grotten, die heutzutage durchihren imposanten Anblick überraschen, verschmähte er, ein kleiner Schlupf, ein sicherer Winkel war ihm lieber, am liebsten Höhlen, deren Eingang gerade so weit war, daß ein Individuum, mit dem Hinterteil voraus einfahrend, den Gang ausfüllte. Das ist noch die Gewohnheit der Bären, daß sie, hinter sich gehend, den Rücken gedeckt halten, um dem Feinde, der allenfalls ihn verfolgte oder in einer Höhle angriffe, Zähne und Tatzen weisen zu können. Fast an allen Bärenhöhlen kann man deshalb da, wo der Schlupf sich verengt, eine Glättung und Politur der Felsen wahrnehmen, beziehungsweise eine inkrustierte glatte Schichte beobachten, die im Laufe der Zeit vom durchgezwängten Bärenfell aufgetragen wurde, so etwa wie sich Felssteine glätten, die, weil irgend von religiöser Bedeutung, den Küssen andächtiger Gläubigen ausgesetzt sind.“
„Wie heutzutage der Bär am liebsten in Höhlen und Felsklüften sich aufhält,“ berichtet O. Fraas in seinem Werke „Vor der Sintflut“, „so waren auch die Höhlen, die zur Diluvialzeit schon zugänglich waren, der Wohnort dieser nächtlichen Räuber. Lange Zeiten hindurch wohnten sie ausschließlich in den Höhlen, jedes andere Tier als Eindringling zurückweisend. Lange Zeiten hindurch blühte das Geschlecht; Jahrtausende verflossen, in denen eine Höhle die Wiege und das Grab von Generationen war. Im Hohlenstein (auf der Schwäbischen Alb) lagen auf einem Raum von wenigen Quadratklaftern in einer Tiefe von 6 Fuß 110 Schädel, 275 Unterkiefer usw., kurz eine Menge von Skelettstücken, die zum mindesten 400 Individuen angehörten. Unter ihnen sind alle Altersstufen vertreten, alle Knochen, alle Zähne, vom Milchzahn bis zu vollständig abgenutzten Zahnstumpen, beide Geschlechter, dazu eine Reihe kranker und verletzter Knochen. Die Knochenbrüche waren so häufig, daß man zur Genüge ersehen konnte, wie der Höhlenbär zu jener Zeit schon um seine Existenz zu kämpfen hatte, ob es gleich die Paradieszeit der Räuber war. Wer dem Höhlenbär ohne Zweifel am meisten Rippen einschlug und Knochen zerschmetterte, war wohl das Pferd, das, der Menge von Knochen nach zu urteilen, die Lieblingsnahrung des Meisters Petz bildete. Doch verschmähte er auch nicht Ochsen, Elen, Hirsch, Schaf und Elefant, die zerbissen und abgenagt jetzt mit den Knochen ihrer Sieger und Meister ruhig im Lehme liegen. Großartige Höhlen und Grotten, die heutzutage durchihren imposanten Anblick überraschen, verschmähte er, ein kleiner Schlupf, ein sicherer Winkel war ihm lieber, am liebsten Höhlen, deren Eingang gerade so weit war, daß ein Individuum, mit dem Hinterteil voraus einfahrend, den Gang ausfüllte. Das ist noch die Gewohnheit der Bären, daß sie, hinter sich gehend, den Rücken gedeckt halten, um dem Feinde, der allenfalls ihn verfolgte oder in einer Höhle angriffe, Zähne und Tatzen weisen zu können. Fast an allen Bärenhöhlen kann man deshalb da, wo der Schlupf sich verengt, eine Glättung und Politur der Felsen wahrnehmen, beziehungsweise eine inkrustierte glatte Schichte beobachten, die im Laufe der Zeit vom durchgezwängten Bärenfell aufgetragen wurde, so etwa wie sich Felssteine glätten, die, weil irgend von religiöser Bedeutung, den Küssen andächtiger Gläubigen ausgesetzt sind.“
Abb. 28. Schädel des Machairodus.
Abb. 28. Schädel des Machairodus.
In Italien, Frankreich und England tritt der Höhlenbär zurück vor derHöhlenhyäne, die in Deutschland ziemlich selten ist. Hyäne und Bär scheinen sich also gemieden zu haben. Wie die lebenden Verwandten, so hatte die Höhlenhyäne die Gewohnheit, die Knochen der Beutetiere zu zermalmen, wozu sie durch die Stärke ihres furchtbaren Gebisses und die mächtige Entwicklung der Kaumuskulatur besonders befähigt war. Man wird also schon aus der Art und Weise, in welcher die Knochen bearbeitet sind, auf die Existenz der einen oder anderen Raubtiergattung schließen können.
DieKatzenfamiliestellt mehrere Vertreter, darunter einenmesserzähnigen Tiger(Machairodus), einen nahen Verwandten der tertiären Machairodusarten, und den gewaltigenHöhlenlöwen, der über einen großen Teil von Europa verbreitet, jedoch nicht in solcher Anzahl vorhanden war wie Bär und Hyäne. In Spanien und Frankreich kommen zudem zwei große Pantherarten vor, so daß Europa damals eine an Artenzahl wie an Riesenhaftigkeit der Formen großartigere Raubtierfauna besaß als irgend ein Kontinent heutzutage, selbst Afrika und Asien nicht ausgenommen.