Sechstes Kapitel.Robinson als Handwerker und Ackersmann.

Robinson vor seinem Kalender.Sechstes Kapitel.Robinson als Handwerker und Ackersmann.

Robinson vor seinem Kalender.

Robinson vor seinem Kalender.

Robinson vor seinem Kalender.

Robinson säet Getreide. – Korbflechterei. – Töpferarbeiten. – Weitere Entdeckungsreisen auf der Insel. – Tierreicher Küstenstrich. – Robinson bringt einen Papagei sowie eine Ziege nach Hause. – Tröstliche Gedanken über Sonst und Jetzt. – Tageseinteilung. – Verheerung des Getreidefeldes. – Exekution an den Kornplünderern. – Kleine Ernte.

Robinson säet Getreide. – Korbflechterei. – Töpferarbeiten. – Weitere Entdeckungsreisen auf der Insel. – Tierreicher Küstenstrich. – Robinson bringt einen Papagei sowie eine Ziege nach Hause. – Tröstliche Gedanken über Sonst und Jetzt. – Tageseinteilung. – Verheerung des Getreidefeldes. – Exekution an den Kornplünderern. – Kleine Ernte.

Mit Anfang November ließ der Regen nach, und es lockte mich an dem ersten schönen Tage nach dem Innern der Insel zu meinem Lusthause. Hier fand ich noch alles so unversehrt, wie ich es wenige Monate vorher verlassen hatte. Die Hecke, welche ichum meine Villa gezogen, war wohl erhalten, nur der »lebendige« Zaun war mit einem Wäldchen grüner frischer Reiser geschmückt, die in wilder Unordnung sich ineinander schlangen. Diese verschnitt ich und suchte in das ganze Gewirr einige Ordnung zu bringen. In der That versprach die Fenz schon nach wenigen Jahren ein dichtes und schattiges Laubdach zu bilden. Eine gleiche grüne Mauer zog ich auch um mein festeres Haus am Strande, und die Folgezeit lehrte, welchen Vorteil mir diese Pflanzung bei Verteidigung meiner Stammburg brachte.

Da mein ohnehin kleiner Vorrat von Tinte durch die tägliche und umständliche Aufzeichnung der gewöhnlichen Begebenheiten und Beschäftigungen sehr auf die Neige ging, so mußte ich ernstlich auf möglichste Beschränkung meiner Schreibseligkeit Bedacht nehmen, und nur die merkwürdigsten Ereignisse wurden fortan noch aufgezeichnet.

Schon früher erwähnte ich der mir unerwartet zugekommenen Getreidehalme. Ich glaubte nun gut zu thun, wenn ich die gewonnenen Körner nach der Regenzeit säete. Deshalb grub ich ein Stück Land, so schwer es mir auch wurde, mit einem hölzernen Spaten um, teilte es in zwei Hälften und übergab die Körner der ernährenden Mutter Erde; den dritten Teil derselben behielt ich indes aus Vorsorge zurück, falls ich die Jahreszeit nicht richtig gewählt haben sollte. Der folgende Monat war ein außerordentlich trockener und ließ meine Saat kaum zum Aufkeimen kommen; ja, ich mußte ganz auf eine Ernte verzichten, da sich die Keime vor der wiederkehrenden Regenzeit nicht bis zur Reife entwickeln konnten. Ich suchte nun einen feuchteren Boden auf, grub ihn um und säete den zurückbehaltenen Rest der Körner im Februar, kurz vor dem Eintritt der nassen Jahreszeit. Die regnerischen Monate März und April waren meiner Pflanzung, auf die ich meine letzten Hoffnungen gegründet hatte, so günstig, daß ich etwa ein Liter von jeder Gattung erntete.

Die Jahreszeiten wechselten unter dem Himmel meiner Insel nicht mit so angenehmen Übergängen wie in der Heimat, sondern sie schieden sich nur in zwei Perioden, in eine trockene und einenasse: von Mitte Februar bis Mitte April Regen, von Mitte April bis Mitte August trockene Zeit; von Mitte August bis Mitte Oktober Regen, von Mitte Oktober bis Mitte Februar Trockenheit.

Die gezwungene Zurückgezogenheit in den Regenmonaten benutzte ich zu allerhand nützlichen Beschäftigungen. So versuchte ich unter anderm auch, einen Korb zu flechten, und wurde in dieser Arbeit durch Erinnerungen aus frühester Kindheit unterstützt. Wie hätte ich vorher ahnen können, daß die Besuche bei unserm Nachbar Korbflechter, in dessen Werkstatt ich ein täglicher Gast gewesen, mir später nützlich sein würden? Die ersten Zweige, mit denen ich meine Arbeit beginnen wollte, zeigten sich freilich recht spröde. Meine Blicke lenkten sich unwillkürlich auf die jungen Stecklinge um die Hütte; diese versprachen besseres Flechtmaterial. Ich fand sie wirklich so geschmeidig wie Weidenruten, und es ward meinen Künstlerhänden nicht schwer, die verschiedensten Körbe zu mannigfachen Zwecken herzustellen.

Meine häuslichen Verhältnisse hatten sich immer behaglicher gestaltet, nur noch ein einziges Gerät vermißte ich schmerzlich: ein Kochgeschirr. Zwar besaß ich einen Kessel; allein dieser war von so bedeutender Größe, daß ich darin weder ein kleines Stück Fleisch kochen, noch weniger mir Fleischbrühe bereiten konnte. Wie ließ sich diesem Übelstand abhelfen? Ich dachte so: wenn es mir gelänge, Thonerde zu finden, so könnte wohl die Glut der tropischen Sonne meine Töpferarbeiten trocknen. Ach! – meine Töpferarbeiten! Ich will hier nicht erzählen, wie viel ungeschickte Versuche ich machte, welche ungeheuerlichen Formen sich die Mutter Erde unter meinen Händen gefallen lassen mußte, wie oft meine Gefäße in der großen Sonnenhitze zerbröckelten oder beim Fortschaffen zerbrachen. Erst nach zwei Monaten hatte ich endlich zwei Erzeugnisse zusammengebracht, die nicht einmal mit den schlechtesten Schiffskrügen nur annähernd verglichen werden konnten. Weniger mißlangen meine Versuche im Anfertigen kleinerer Gefäße, z. B. der Teller, Töpfe, Krüge, kurz aller Gerätschaften, die sich mit der Hand formen ließen. Dabei kam mir auch die günstige Witterung zu statten; die Sonne meinte es in diesenTagen überaus gut, so daß mein Töpfergeschirr in erwünschter Weise Härte gewann.

Mittels meiner fortschreitenden Töpferkünste hatte ich mir Gefäße zum Aufbewahren von allerlei Lebensmitteln beschafft, aber noch immer fehlten mir solche, welche auch das Feuer auszuhalten vermochten. Da ich weder einen Begriff von der Einrichtung eines Ofens, noch von der Glasur hatte, mit der die Töpfer ihre Waren überziehen, so beschränkte ich mich darauf, drei Krüge dicht nebeneinander zu stellen; auf diese setzte ich kleinere Geschirre, und um die so aufgetürmte Pyramide zündete ich dann ein tüchtiges Feuer an, welches die Sandbestandteile der Thonerde schmelzen sollte. Die Töpfe nahmen nach Verlauf von fünf bis sechs Stunden eine hochrote Farbe an. So wurde ich schließlich der glückliche Besitzer von drei leidlichen Krügen nebst zwei irdenen Töpfen, die sich auch als feuerfest erwiesen.

Von meiner Insel blieb noch mancher Teil zu durchstreifen übrig. Deshalb nahm ich eines Tages meine Flinte samt der nötigen Munition, ein Beil, zwei Zwiebäcke sowie ein Päckchen Rosinen mit und machte mich in Begleitung meines Hundes auf den Weg. Am Ende des Thales angelangt, in welchem meine Villa lag, sah ich westwärts auf das Meer und, da die Luft äußerst rein und durchsichtig war, fern am Horizont einen nebligen Streifen, der von West nach West-Süd-West verlief und eine Ausdehnung von fünf bis sechs Stunden haben mochte. Zwar wußte ich nicht, ob ich die Küste einer Insel oder die des amerikanischen Festlandes erblickte; vielleicht war ich auf dem rechten Wege, als ich vermutete, daß die spanischen Kolonien nicht allzu entfernt von jenem Küstenstriche lägen, und daß sich doch wohl ein Schiff in diesen Gewässern sehen lassen müsse. Möglicherweise konnten aber auch dort jene wilden, menschenfressenden Völkerschaften hausen, die unter dem Namen »Kannibalen« weithin gefürchtet sind.

Unter solcherlei Gedanken schritt ich über Ebenen und Wiesen, die mit Pflanzen und Blumen prächtig geschmückt und auch mit Sträuchern besetzt waren. Auf den Bäumen hatten sich Scharen von Tauben niedergelassen, deren Gegirr von dem schrillen Geschreibuntgefiederter Papageien übertönt ward. Solch einen schmucken Papagei mußte ich haben, und in der That gelang es mir, einen jungen Vogel dieser Art zu fangen, indem ich ihn durch einen Wurf mit meinem Wanderstab so gut traf, daß er betäubt vom Aste herabfiel. Ich hob ihn auf, er kam allmählich wieder zu sich, und ich nahm ihn mit mir.

In den Niederungen sah ich außerdem Tiere, welche ich für Hasen hielt; wieder andere mochten Füchse sein; aber ich ließ meine Flinte in Ruhe, denn Ziegen, Tauben und Schildkröten lieferten so leckeres Fleisch, und ich besaß an Rosinen eine so schmackhafteZukost, daß selbst der beste Markt von London nichts Besseres geliefert haben würde.

Auf meiner Entdeckungsreise durch die Insel rückte ich täglich nur zwei bis drei Meilen vor, doch machte ich nach links und rechts manche Abstecher, bis ich ermüdet an einem solchen Platze anlangte, welcher mir zum Nachtlager geeignet schien. Zum Bett mußten entweder die breiten Äste eines Baumes oder der harte Boden der Erde dienen. Als ich an das Ufer des Meeres kam, sah ich zu meiner Überraschung, daß die Küste meines Königreichs viel angenehmer und von Tieren mehr bevölkert war als der entgegengesetzte Strand. Zahlreiche Schildkröten sonnten sich hier im Sande, und Seevögel marschierten mit stolzer Würde umher.

Schildkröten und Fetttaucher auf der Insel.

Schildkröten und Fetttaucher auf der Insel.

Schildkröten und Fetttaucher auf der Insel.

Trotz alledem verspürte ich keine Lust, meine Wohnung in diese Gegend zu verlegen. Indessen setzte ich meine Reise noch etwa zwölf Stunden gegen Osten weiter fort. Den äußersten Grenzpunkt meiner Wanderungen bezeichnete ein eingerammter Pfahl, der mir später einmal als Erkennungszeichen dienen sollte. Dann wandte ich mich gegen Westen, um auf einem andern Wege nach Hause zurückzukehren. Nachdem ich etwa drei Meilen zurückgelegt hatte, befand ich mich in einem Thalkessel, der rings von hohen, dicht mit Waldung gekrönten Bergen umsäumt war, so daß ich mich beim weiteren Fortschreiten, um mich zurecht zu finden, nach dem Stande der Sonne richten mußte.

Während der drei Tage, die ich in diesem Thale verweilte, hing aber der Himmel voll trüber Wolken, und ich wußte oft nicht, wohin ich mich wenden sollte, ob nach Ost, West, Süd oder Nord. So sah ich mich denn genötigt, nach meinem Pfahl zurückzukehren und von da aus den Heimweg anzutreten.

Unterwegs fing mein Hund eine junge Ziege ein. Eiligst sprang ich hinzu, um sie seinem scharfen Gebiß zu entreißen, was mir auch glückte. Bald war dem Tiere ein Halsband übergeworfen, ein Strick durchgezogen, und weiter ging nun die Wanderung, bis wir endlich, jedoch erst nach mehreren Tagemärschen, durch die sengende Sonnenglut aufs äußerste ermattet, in meinem Wohnsitze ankamen. Ich empfand wirklich eine große Freude, wieder daheimzu sein! Wie sanft schlief ich nach einer Abwesenheit von mehr als einem Monate zum erstenmal wieder in meiner Hängematte.

Das nächste, wofür ich Sorge zu tragen hatte, war, meinem Papagei, welcher sich an mich bereits etwas gewöhnt hatte, einen Käfig zu bauen, sowie die Ziege, welcher ich einstweilen in meinem Lusthause ihren Aufenthalt angewiesen, nach Hause zu schaffen, um das ausgehungerte Tierchen mit frischem Futter zu versorgen.

Ich fand es angebunden an derselben Stelle, wo ich es verlassen hatte, und es folgte mir wie ein zahmes Haustier Schritt für Schritt, indem es fortwährend aus meiner Hand das Futter fraß, mit dem ich es lockte.

Wieder war der 30. September gekommen, und wieder hatte ich unter inbrünstigem Gebet den Jahrestag meiner Strandung begangen. Zwei Jahre lebte ich nun schon auf dem Eilande als dessen alleiniger Bewohner, mein eigner König und mein einziger Unterthan; – zwei Jahre reich an Prüfungen und Erfahrungen! Und doch hatte sich mir nicht einmal ein Strahl von Hoffnung gezeigt, diese einsame Insel verlassen zu können. Indessen dankte ich Gott für die unendliche Güte, mit welcher er mein armseliges Dasein fristete und meine Einsamkeit mir erträglich erscheinen ließ.

Wenn ich in der ersten Zeit meines Verlassenseins hinausstreifte auf die Ebenen und Berge, sei es, um ein Tier auf der Jagd zu erlegen, oder sei es, um auf Entdeckungen auszugehen, da begleitete mich der stete Gedanke an mein Unglück und meine oft trostarme Lage. Ich kam mir vor wie ein Gefangener, der, eingeschlossen durch die endlosen Riegel und riesigen Schlösser des Ozeans, in einer Wüstenei, ohne Hoffnung auf Befreiung, ein erbärmliches Dasein fristet, und aufgelöst in Schmerz und Betrübnis rang ich die Hände und weinte bitterlich.

Jetzt war es anders! Neue Gedanken, geschöpft aus der Heiligen Schrift, dem Buche der Bücher, gaben meinem Geiste eine heilsame Richtung, und ich gewann meine ganze Seelenstärke wieder, wenn meine Augen auf die Worte des Trostes fielen. Ich fandBeruhigung in dem Gedanken, daß ich in meinem gegenwärtigen Zustande der Vereinsamung glücklicher sein könnte, als ich es vielleicht in irgend einer andern Lebensstellung geworden wäre. Ich dankte dann Gott dafür, daß er mich auf dieses Eiland geführt hatte. Dann wieder schien mir jener Gedanke zu weitgehend. »Solltest du wirklich so zwiespältig im Gemüte sein«, sagte ich zu mir selbst, »Gott für die Versetzung in eine Lage zu danken, aus welcher erlöst zu werden ein verzeihlicher und natürlicher Wunsch ist?« Jedenfalls dankte ich Gott doch innig dafür, daß ich jetzt endlich zur Selbsterkenntnis hinsichtlich der begangenen Fehler gelangt war.

Nun trat ich in das dritte Jahr meines Insellebens. In meine täglichen Beschäftigungen hatte ich eine gewisse Regelmäßigkeit gebracht. Zunächst verwandte ich auf die Erfüllung meiner religiösen Pflichten, insbesondere auf das Lesen in der Bibel täglich eine bestimmte Zeit; dann jagte ich, wenn das Wetter schön war, ungefähr drei Stunden des Morgens. Kam ich nach Hause zurück, so hatte ich die mitgebrachten Lebensmittel wohl aufzubewahren oder zuzubereiten. Die Hitze während der mittleren Tageszeit gestattete keinen Ausflug, und ich überließ mich dann gewöhnlich der Ruhe. Manchmal arbeitete ich auch des Morgens und ging des Abends auf die Jagd.

Ende November war herangekommen, und ich konnte bereits meiner Gersten- und Reisernte entgegensehen. Aber wie groß war mein Schrecken, als ich bei einer Besichtigung meines kleinen Ackerfeldes gewahr wurde, daß die Ziegen alle jungen saftigen Halme abgefressen hatten. Es galt nun, schleunigst weiteren Verwüstungen vorzubeugen. Ich umgab mein Zelt mit einer dichten Umzäunung, worüber ich nahe an drei Wochen zubrachte. Ferner schoß ich auf die Tiere, welche sich am Tage heranwagten, und ließ während der Nacht meinen Hund Wache halten, so daß sich endlich die abgeschreckten Eindringlinge fern hielten.

Gleichwie die behaarten Vierfüßler sich zu den kräftig emporsprossenden Halmen hingezogen fühlten, hatten es die gefiederten Zweifüßler auf die Körner abgesehen. Als ich eines Tages nach dem Stande meiner Feldfrüchte sah, wimmelte die ganze Umgebungvon zahlreichen verschiedenartigen Vögeln. Ich schoß unter den dicksten Haufen, und sofort erhob sich mit wirrem Schreien mitten aus dem Kornfeld eine wahre Wolke von Vögeln, die ich vorher gar nicht bemerkt hatte.

Meine Ernteaussichten schienen nach solchen Betrachtungen trostloser Natur zu sein; doch durfte ich um keinen Preis den Rest meines Getreides der Vernichtung überlassen.

Während ich nun neben meinem Felde stand und die Flinte von neuem lud, saßen die durch meinen ersten Schuß aufgescheuchten Vögel auf den nächsten Bäumen und schienen nur auf meine Entfernung zu harren. Als ich mich etwas entfernte, fielen die gefräßigen Tiere von neuem über die Körner her. Ihre für mich so verderbliche Eilfertigkeit versetzte mich derart in einen unverständigen Zorn, daß ich nicht einmal wartete, bis alle herangekommen sein würden, sondern sogleich unter die ersten schoß, wodurch drei der kleinen Räuber getötet wurden. Dann vollführte ich an ihnen eine Art Strafgericht; gleichwie man anderwärts die Diebe aufhängt, so hing ich auch die Vögel auf, damit sie ihren lüsternen Genossen als warnendes Beispiel dienten.

Die Wirkung war auffallend: keines der Tiere wagte sich mehr auf mein Feld, ja sie verließen sogar allesamt jenen Teil der Insel, auf dem es ihnen nicht mehr geheuer zu sein schien. Nach diesem Säuberungszug hatte ich die Freude, gegen das Ende des Dezember, zur Zeit der zweiten Reife, mein Korn einernten zu können. Ich sammelte die abgemähten Ähren in einen großen Korb und körnte sie einzeln mit den Händen aus. Das Liter Samen hatte mir nach oberflächlicher Schätzung zwei Scheffel Reis sowie einen halben Scheffel Gerste eingetragen, und ich beschloß, den ganzen Ertrag an Körnern für die nächste Aussaat aufzubewahren. Inzwischen versuchte ich, zur passenden Umgrabung des Ackerbodens mir einen Spaten zu fertigen, was mich eine ganze Woche Zeit kostete. Ein besonderes Meisterwerk war mir mit diesem Spaten allerdings nicht gelungen, denn er wurde mir vermöge seiner Schwerfälligkeit oft recht unbequem; indes empfand ich doch ein Gefühl der Befriedigung darüber, daß sich meine Einrichtungen abermals um einen Schrittweiter vervollkommnet hatten. Die Getreidekörner wurden auf den geräumigen Feldern ganz nahe an meiner Wohnung in die Erde gebracht, wobei ich für den Reis die feuchteste Stelle aussuchte, da, wie ich bemerkt hatte, derselbe nur auf nassem Boden eine einträgliche Ernte versprach.

Ich umzäunte die Felder mit einem starken Gehege und durfte nun hoffen, am Ende des Jahres eine grüne und schattige Hecke zu haben, welche nur hier und da einmal ausgeputzt zu werden brauchte.

Während der inzwischen eingetretenen Regenzeit hielt ich mich meist im Innern meiner Hütte auf und beschäftigte mich mit mancherlei häuslichen Verrichtungen. Empfand ich hin und wieder das Bedürfnis, mich von meinen anstrengenden Arbeiten zu erholen, dann unterhielt ich mich mit meinem munteren Hausgenossen, dem Papagei, und lehrte diesen sprechen; bald konnte das gelehrige Tier seinen Namen nachplappern und wiederholte mit deutlicher Stimme: »Poll! Poll!« Das war der erste artikulierte, wie von einer Menschenstimme kommende Laut, den ich auf dem Eilande in meiner Einsamkeit, fern von allen menschlichen Wesen, vernahm.


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