349. Die Goldstampe am Borlasbache.

In den Vorbemerkungen zu diesem Abschnitte unserer Sagen wurde bereits darauf hingewiesen, daß sich die Überlieferungen von Gold suchenden Venetianern außer im Erzgebirge auch in anderen deutschen Gebirgen vorfinden. Das Volk verlegt ihre Heimat fast durchgängig nach Venedig, wo sie prachtvolle Paläste besitzen und von wo sie in gewissen Zeiträumen wiederholt kommen, um die deutschen Gebirge zu durchstreifen.ImZlatorogvon Rudolf Baumbach wird ihr Treiben folgendermaßen geschildert:Der alte Jaka lacht ganz eigentümlich,Wenn Venetianer kommen in das Thal.Er weiß recht wohl, warum die klugen WälschenVerlassen ihre schönen MarmorhäuserAlljährlich, um die Berge zu durchstreifen. (Er spricht:)– – – Was –, frag' ich, treibenDie Venetianer denn bis in den Spätherbst?Warum denn kriechen sie durch alle SchluchtenDer Berge mit dem Hammer und dem Gürtel?Warum denn schleichen sie durch alle BächeGleichwie die Otter, der verschmitzte Fischdieb?Warum sie's thun? Sie suchen Gold und finden's,Denn Gold in Menge liegt in unsern Bergen,Nur weiß es nicht ein jeder aufzuspürenSo gut wie jene klugen Venetianer.Sie wühlen aus der Erde und sie schmelzenAus Kieselstein und waschen aus dem BachsandDas gelbe Gold und schleppen's in die Heimat.

In den Vorbemerkungen zu diesem Abschnitte unserer Sagen wurde bereits darauf hingewiesen, daß sich die Überlieferungen von Gold suchenden Venetianern außer im Erzgebirge auch in anderen deutschen Gebirgen vorfinden. Das Volk verlegt ihre Heimat fast durchgängig nach Venedig, wo sie prachtvolle Paläste besitzen und von wo sie in gewissen Zeiträumen wiederholt kommen, um die deutschen Gebirge zu durchstreifen.

ImZlatorogvon Rudolf Baumbach wird ihr Treiben folgendermaßen geschildert:

Der alte Jaka lacht ganz eigentümlich,Wenn Venetianer kommen in das Thal.Er weiß recht wohl, warum die klugen WälschenVerlassen ihre schönen MarmorhäuserAlljährlich, um die Berge zu durchstreifen. (Er spricht:)– – – Was –, frag' ich, treibenDie Venetianer denn bis in den Spätherbst?Warum denn kriechen sie durch alle SchluchtenDer Berge mit dem Hammer und dem Gürtel?Warum denn schleichen sie durch alle BächeGleichwie die Otter, der verschmitzte Fischdieb?Warum sie's thun? Sie suchen Gold und finden's,Denn Gold in Menge liegt in unsern Bergen,Nur weiß es nicht ein jeder aufzuspürenSo gut wie jene klugen Venetianer.Sie wühlen aus der Erde und sie schmelzenAus Kieselstein und waschen aus dem BachsandDas gelbe Gold und schleppen's in die Heimat.

Der alte Jaka lacht ganz eigentümlich,Wenn Venetianer kommen in das Thal.Er weiß recht wohl, warum die klugen WälschenVerlassen ihre schönen MarmorhäuserAlljährlich, um die Berge zu durchstreifen. (Er spricht:)– – – Was –, frag' ich, treibenDie Venetianer denn bis in den Spätherbst?Warum denn kriechen sie durch alle SchluchtenDer Berge mit dem Hammer und dem Gürtel?Warum denn schleichen sie durch alle BächeGleichwie die Otter, der verschmitzte Fischdieb?Warum sie's thun? Sie suchen Gold und finden's,Denn Gold in Menge liegt in unsern Bergen,Nur weiß es nicht ein jeder aufzuspürenSo gut wie jene klugen Venetianer.Sie wühlen aus der Erde und sie schmelzenAus Kieselstein und waschen aus dem BachsandDas gelbe Gold und schleppen's in die Heimat.

(Ludwig Lamer im Glückauf 1882, S. 105.)

Wenn man vom Weißeritzwehre an der großen Rabenauer Mühle den Fluß aufwärts geht, gelangt man bald an ein munteres Bächlein, das von Borlas herabkommt und sich in die Weißeritz ergießt, und abermals wenige Schritte flußaufwärts steht ein großer Felskegel künstlich abgetrennt von seinem Mutterfelsen, um der Eisenbahn einen Durchgang zu schaffen.

An der Spitze des Kegels kann man bei aufmerksamer Beobachtung den Rest einer Aushöhlung erkennen, die nicht das Werk der Natur, sondern fleißiger Hände ist.

Vor viel hundert Jahren kamen in Zwischenräumen, wenn die Goldkörner in der nahen Weißeritz reif geworden, Wahlen aus dem fernen Wälschlande, deren Zunge man nicht verstand und die sich nur notdürftig verständlich machen konnten, und schafften den Sand aus dem am Fuße des Felsens befindlichen Weißeritzheger hinauf auf diesen Felsen und stampften ihn in diesem Loche mit Wasser, bis die Goldkörner sich vom Sande sonderten und von ihnen ausgelesen werden konnten.

So hatte sich nach und nach ein Loch gestampft, in dem ein Mann wohl bis an den Gürtel stehen konnte, und noch jetzt zeugen die einzigen zwei Seitenwände, die von der Goldstampe übrig geblieben sind, von der rührigen Arbeit der Wahlen.

Und auch jetzt noch führt die Weißeritz Goldkörner an dieser Stelle, sie sehen aber dem Sande gleich aus, denn sie sind noch nicht reif.

(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg, S. 62.)

Der ehemals so ergiebige Bergbau auf edle Erze lockte Bergleute aus weiter Ferne, darunter auch aus dem Venetianischen, sogenannte Venediger, ins Erzgebirge. Einer derselben kam Sommer für Sommer auf den Spitzberg bei Preßnitz. Man wußte lange nicht, was er hier wollte und er selbst sagte niemandem ein Sterbenswörtchen davon. Endlich aber ward er doch einmal beobachtet, wie er andächtig kniend zum Himmel betete und sodann aus einer vorüberrieselnden Quelle viele funkelnde Goldkörner in seinen Spitzhut raffte. Nachher sah man den Venediger nie wieder, sei es, daß er sein Glück wo anders versuchte, sei es, daß er, der Schätze schon genug besitzend, für immer in seine Heimat gezogen war.

(Brandner, Lauenstein, seine Vorzeit etc. 1845, S. 324–26.)

Im Dorfe Fürstenwalde lebte in früherer Zeit ein Häusler, namens Bär, bei welchem seit vielen Jahren ein schlichter Fremder, angeblich ein Italiener, alljährlich einkehrte, sich mehrere Wochen daselbst aufhielt, und die dasige Gegend bloß deshalb besuchte, um in dem Flußbette der Müglitz Goldkörner und edle Steine zu suchen. Erstere soll er in der Gegend vom Kratzhammer abwärts bis an das sogenannte Löwenbrückchen, letztere hingegen außer in der Müglitz auch im Schlotteritzer Grunde gefunden haben. Seine Bemühungen wurden jedesmal mit dem besten Erfolge gekrönt, und er lohnte daher seinem Wirte Kost und Herberge zur völligen Zufriedenheit. Nach mehr als zwanzigmaligem Wiederkehren eröffnete der Fremde endlich seinem Wirte, daß er nun nicht mehr nach Sachsen kommen, sondern seine Reisen einstellen werde, und bat ihn zugleich, ihn einmal in seiner Heimat zu besuchen, wozu er, der Fremde, die nötigen Anstalten schontreffen wolle. Bär sagte zu. Nach länger als Jahresfrist erhält nun Bär von seinem frühern Gaste die Nachricht, daß er kommen solle, daß er nur bis Teplitz zu gehen und dort auf der Post sich zu melden brauche, indem das Übrige wegen seines Fortkommens und seiner Beköstigung schon besorgt sei. Halbgezwungen macht sich also Bär auf den Weg, findet alles so, wie die Nachricht es ihm gemeldet, und langt wohlbehalten in der ihm beschriebenen Stadt an. Hier geht nun Bär, die Adresse seines Freundes, welche den Namen der Gasse und die Nummer des Hauses enthielt, in der Hand, im schlichten ländlichen Anzuge die Gassen mehrmals auf und ab, ohne das Ziel seiner Reise gefunden zu haben, da er der dortigen Sprache nicht kundig ist und mithin auch sich niemandem mitteilen kann. Nach langem Suchen findet er endlich das mit der ihm angegebenen Nummer bezeichnete Haus, jedoch weit größer und prächtiger, als er sich das Haus seines Freundes gedacht. Er tritt aber demohngeachtet in dasselbe ein, um sich nach dem Namen des Besitzers zu erkundigen, wird aber von einem prachtvoll gekleideten Bedienten, der ihn für einen gewöhnlichen Bettler hält und dessen Sprache er nicht versteht, mit Gewalt wieder zum Hause hinausgebracht. In dieser Bedrängnis ruft ihm eine Stimme aus dem Hause zu: »Vater Bär, bist Du's?« und gleich darauf erscheint zu Bärs großer Freude sein Freund, um ihn bei sich einzuführen. Bär, ganz erstaunt über die große Pracht, welche ihn auf einmal umgiebt, verlebte mehrere Tage in seliger Trunkenheit. Sein Freund bot alles auf, ihm den Aufenthalt so viel wie möglich zu verschönern, und als Bär sich endlich zur Rückreise anschickte, führte ihn sein Freund noch in ein Kabinet, welches seine Schätze enthielt. Hier bat er ihn, unter mehreren dort aufgestellten, aus dem reinsten Gold gegossenen Figuren sich als Andenken eine mitzunehmen, da sie aus den Goldkörnern seien, welche er in Bärs Heimat gesammelt habe. Bär wählte nach langem Zaudern ein goldenes Lamm, und langte damit, sowie mit einer kleinen Summe Geldes, welche ihm sein Freund noch aufgedrungen, glücklich in seiner Heimat wieder an. Die Kunde von dem goldenen Lamme verbreitete sich bald in der Umgegend und kam endlich auch vor den Besitzer von Lauenstein, der am sächsischen Hofe eine Stelle bekleidete. Auf seine Veranlassung brachte Bär sein goldenes Lamm diesem aufs Schloß Lauenstein, und der Herr fand solches so kunst- und wertvoll, daß er den Vorschlag that, dieses Lamm dem Kurfürsten zu zeigen. Auch dieser fand großen Gefallen an dem goldenen Lamme und suchte Bären endlich dahin zu bestimmen, daß er dasselbe gegen eine ihm zugesicherte lebenslängliche Rente dem Fürsten überließ. Das goldne Lamm soll sich noch heute im KöniglichenKunstkabinet zu Dresden befinden; aber auch Bärs Nachkommen leben heute noch im Dorfe Fürstenwalde.

Eine thüringische Sage erzählt, wie einst ein Hirte von einem Venetianer, welcher ihm die Schätze im großen Wartberge zeigte, nachdem er die Schlangenkönigin getötet und ihre Krone an sich genommen hatte, ein Wunschtüchlein und die Einladung erhielt, ihn einmal in Venedig zu besuchen. Wirklich wünschte sich der Hirte einst zu dem Venetianer hin und plötzlich schwebte er über den Türmen Venedigs und fand seinen Bekannten in einem schönen Palaste. Er wurde gut aufgenommen und beim Abschiede mit einer kleinen Kutsche und 6 Pferden von gediegenem Golde beschenkt. Dies Geschenk hat der Hirte und seine Familie lange aufbewahrt; später ist es in die Kunstkammer zu Gotha gekommen. (Richter, Deutscher Sagenschatz, II. No. 50.)Ebenso erzählt eine fichtelgebirgische Sage, daß ein Mann aus Wilfersdorf einen Goldsucher, den er in seinem Hause beherbergt hatte, in dessen Heimat Venedig besuchte und dort gut aufgenommen und reichlich beschenkt wurde. (Zapf, Der Sagenkreis des Fichtelgebirges, S. 102.)

Eine thüringische Sage erzählt, wie einst ein Hirte von einem Venetianer, welcher ihm die Schätze im großen Wartberge zeigte, nachdem er die Schlangenkönigin getötet und ihre Krone an sich genommen hatte, ein Wunschtüchlein und die Einladung erhielt, ihn einmal in Venedig zu besuchen. Wirklich wünschte sich der Hirte einst zu dem Venetianer hin und plötzlich schwebte er über den Türmen Venedigs und fand seinen Bekannten in einem schönen Palaste. Er wurde gut aufgenommen und beim Abschiede mit einer kleinen Kutsche und 6 Pferden von gediegenem Golde beschenkt. Dies Geschenk hat der Hirte und seine Familie lange aufbewahrt; später ist es in die Kunstkammer zu Gotha gekommen. (Richter, Deutscher Sagenschatz, II. No. 50.)

Ebenso erzählt eine fichtelgebirgische Sage, daß ein Mann aus Wilfersdorf einen Goldsucher, den er in seinem Hause beherbergt hatte, in dessen Heimat Venedig besuchte und dort gut aufgenommen und reichlich beschenkt wurde. (Zapf, Der Sagenkreis des Fichtelgebirges, S. 102.)

(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg i. B., S. 62.)

Unterhalb des Ortes Schmiedeberg, auf Pleiler Gemeindegebiet, befindet sich ein großer Schlackenhaufen, welcher das alte Schloß genannt wird. Zweifellos ist dies eine uralte Ansiedelungstätte des Schwarzwasserthales, die aus einem großen Eisenschmelzfeuer mit Hammerwerk bestanden haben mag. Mancherlei Sagen knüpfen sich an diese öde Schlackenhalde. Unter andern soll hier auch ein Schatz, ein kupferner Kessel mit Silber gefüllt, vergraben liegen. Oft schon haben Geldgierige am Palmsonntage oder in den Tagen der Karwoche, doch immer vergebens, darnach gesucht. Um den Schatz zu heben ist eine gute Wünschelrute von nöten.

Einst fischten beim alten Schloß einige Knaben im Schwarzwasser. Einer derselben, der sich von seinen Kameraden zufällig entfernt hatte, findet auf einmal eine große, thorähnliche Öffnung im Berge, geht dreist in die sich mehr und mehr erweiternde Höhle hinein und kann sich vor Staunen kaum fassen, denn eine solche Pracht haben seine hellen Augen noch nicht gesehen. Rings krystallene Wände, daran in Regenbogenfarben glitzernde Edelsteine und funkelnde Erze und in der Ferne ein wunderbar strahlendes Licht. Von diesem zauberhaft übergossen aber standen im Hintergrunde große Krystallvasen, gefüllt mit eitel gediegen Gold und Silber. Lange stand der Knabe, versunken in diesen herrlichen Anblick. Da plötzlich erinnert er sich seinerGenossen; auch sie sollen dies alles sehen, denkt er und eilt hinweg, sie zu verständigen. Allein da die Knaben alle kamen, konnten sie trotz des eifrigsten Suchens die Wunderhöhle nicht mehr finden. Der Berg hatte sich geschlossen und zeigte wieder sein gewöhnliches Aussehen. Alle Jahre aber, am Karfreitag Punkt 3 Uhr soll er, wie man erzählt, eine Zeit lang geöffnet und samt all seinen Schätzen für jedermann zugänglich sein.

(Joh. Falke, Geschichte der Bergstadt Geyer. Dresden, 1866. S. 84.)

Vor etwa 60 Jahren ist noch an dem hintern Teile der Kirche zu Geyer auf der Südseite ein gemaltes Fenster zu sehen gewesen, das einen buntfarbigen Bauer von ½ Elle Höhe mit zwei Dreschflegeln darstellte. Dieser Bauer war der Sage nach aus Geyersdorf, das vor Annabergs Erbauung nach Geyer eingepfarrt gewesen sein soll, und derselbe ließ den hintern Teil der Kirche auf seine Kosten bauen. Unter diesem Fenster war ein Gemälde auf Leinwand mit einem Bauer in größerer Figur, zu dessen Füßen ein Leichenstein. Nach der Sage soll jener Bauer auf dem Rückwege von Geyer nach Geyersdorf, von der Nacht oder einem Schneegestöber überrascht, seine Zuflucht auf einem Baume genommen und dort geträumt haben, unter diesem Baume seien Erzgänge. Er suchte und fand so reiche Erze, daß er durch den nun begonnenen Bau in kurzem zum reichen Manne wurde und aus Dankbarkeit diesen Teil der Kirche bauen ließ. Auf dem Gemälde war er abgebildet, wie er im Begriff stand, mit einer lang gespitzten Keilhaue einzuschlagen.

(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt. Leipzig, 1723, S. 28.)

Im Jahre 1713 soll in der Nähe von Johanngeorgenstadt bei einem Vogelherde, an welcher Stelle man hierauf das Bergwerk »Glockenklang und Vogelgesang« erschürfte, drei Tage nach einander von früh bis gegen Mittag Geläute gehört worden sein, was von etlichen Personen gewissenhaft an Eidesstatt ausgesagt wurde. Wie nun die Gründung der Stadt Johanngeorgenstadt durch Glockengeläute angezeigt wurde, so deutete man auch jenes Läuten als ein Anzeichen für die Erweiterung des Bergbaus in dortiger Gegend.

(Richter, Umständliche Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg. Annaberg, 1746. S. 6.)

Anno 1471 hat Peter Rosenkranz, ein Mönch im Kloster Grünhain, dem Herrn Abt von vielen und mancherlei Sachen gesagt, auch wie ein Bergwerk am Bärenstein aufkommen würde; dasselbe würde einen langen Bestand haben und viel Ausbeute geben. Denn es läge ein ganzer Stock Erz davor hinter dem Stein, hinab gegen das Wasser zu, ein Gang eines Wagens breit im Streichen, gegen halb Mittag und halb Abend, führte solch großes Erz, daß er nicht auszusagen wüßte. Und wenn es die Zeit geben würde, daß es sollte aufkommen und offenbar werden, so würde eine Zeche an der andern stehen, bis über die Waschleite hinauf, und wer nur einen Kux davon hätte, da würde er und seine Kinder und Kindeskinder Nahrung davon haben. Auch würde ein Bergwerk aufkommen zwischen dem Pöhlberg und Bärenstein, das würde einen guten Bestand haben und viele Ausbeute geben, und eine schöne Stadt dahin gebauet werden. Aber dieses Bergwerk wäre nur eine Ader vom Bärenstein. Und es läge auch auf den Raschauer Gütern viel Eisenstein, welcher auch bald gefunden, und gar gut Eisen daraus gemacht worden. Aber die Zeit wäre noch nicht vorhanden, daß der Bärenstein aufkommen sollte, denn es würde durch einen Aufruhr das Kloster ganz zerstöret werden, und kein Mönch darinnen sein, ja es würde so zerstöret werden, daß das Erdbeerkräutig auf denen Mauern und die Bäume über die Mauern hinauswachsen und gar miteinander an die Fürsten von Sachsen kommen würde.

Dasselbe prophezeiten später mit denselben Worten drei fahrende Schüler, die den Abt von Grünhain Johann Gottfried Küttner um Herberge und Beförderung angesprochen. Auf ihre Rede hat der Abt eine Hirsch- und Bärenjagd am Bärenstein angestellt und die drei fahrenden Schüler mit hinüber geschickt. Als man sie an Ort und Stelle fragte, welche Zeit und Jahr es sollte offenbar werden, sind sie ein wenig von dannen und unter einen Ulmenbaum getreten, und haben miteinander geredet und gesagt: Ungefähr 50 Jahre nach dem Bauerkrieg und Aufruhr würde das Kloster so wüste werden, daß das Erdbeerkräutig auf den Mauern wachsen würde, und werden die Bergstädte teils zu Grunde gehen, alsdann wird der Bärenstein angehen und aufgenommen, allein man müßte mit dem Stollen die Gänge überfahren.

(Nach Ed. Wenisch in der Erzgebirgs-Zeitung, 4. Jahrgang 2. und 3. Heft.)

Die Gegend, wo jetzt Mariasorg liegt, war bis zum Anfange des 16. Jahrhunderts eine mit Wald bedeckte Einöde. Hier wohnte damals in einer einfachen Klause »um Sanct Albrecht unten am Wolfsberg, wo der Schwarzgang hinabstreicht,« der fromme Einsiedler Johannes Niavis (Schneevogel). Seine Andacht verrichtete er in einer kleinen Kapelle, an deren Stelle sich heute die Mariasorger Kirche befindet. Dieser Johannes Niavis hat samt der alten Gräfin Kaspar Schlick deutlich von dem Thal, da jetzt die Stadt Joachimsthal liegt, geweissagt, daß allhie ein großes Gut liege und eine mächtige Stadt hierher solle erbauet werden. Es werde zwar das Bergwerk in sehr großen Abfall geraten, aber doch hernach wieder florieren und in größere Aufnahmen kommen, als es je gewesen.

Diese Prophezeiung gab Veranlassung, daß im Jahre 1515 Graf Stephan Schlick, Graf Alexander von Leisnick, Wolf von Schönberg und Hans Tommeshirn sich zu der ersten Gewerkschaft vereinigten, die alte Fundgrube am Schottenberge wieder belegten und so »mit Gewalt das Bergwerk aufbrachten.«

Die Kapelle des Einsiedlers Niavis war bei Einbürgerung der lutherischen Lehre in Joachimsthal zerstört worden, und als man 1691, da das Bergwerk infolge des dreißigjährigen Krieges und der Gegenreformation in Verfall gekommen war, an dem Platze, wo sie gestanden hatte, ein Kirchlein erbauen, und den sogenannten schwarzen Gang entblößen wollte, fand man endlich einen Stein mit einem eingehauenen Kreuze. Die Stelle, wo er lag, sollte der gesuchte Platz sein. Hier wurde nun die Mariasorger Kirche gebaut, über deren Thüre man jenen noch heute daselbst zu sehenden Stein einmauerte. Die Einweihung erfolgte 1699. Der Ort selbst erhielt nach einem wunderthätigen Marienbilde, das in der Kirche aufgestellt wurde und viel Wallfahrer anzog, den Namen Mariasorg. Später wurde an die Kirche das Kloster mit einer besondern Ordenskirche angebaut und im Jahre 1765 vollendet. In der darauf bezüglichen, von der Kaiserin Maria Theresia unter dem 16. November 1752 ausgestellten Urkunde heißt es unter anderem, daß dies auch geschähe »aus dankmütiger Erkenntlichkeit für den bisher von Gott verliehenen und ferners zu erbittenden Berg-Segen.« So war die Prophezeiung des Einsiedlers Johannes Niavis nicht nur die Veranlassung zur Gründung der BergstadtJoachimsthal, sondern auch zu derjenigen der Kirche und des Klosters zu Mariasorg.

(Richter, Umständliche Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg. Annaberg, 1746, S. 11–13.)

1. Es soll ein Bergmann des Nachts im Traum eine göttliche Erscheinung gehabt haben; dem habe geträumt, es komme ein Engel zu ihm, der sagte, er solle in den Wald zu einem gewissen Baume gehen, den ihm auch der Engel im Traum bezeichnet, da würde er ein Nest mit goldenen Eiern finden. Darauf sei der Bergmann, als es Tag geworden, aufgestanden und habe den ihm im Traume gezeigten Baum gesucht und auch gefunden. Als er nun vermittelst einer Fahrt auf solchen Baum gestiegen, so habe er das Nest mit den güldenen Eiern zwar gesucht, aber nichts angetroffen. Da er wieder herunter gestiegen, sei der im Traum ihm vorher erschienene Engel alsbald zu ihm gekommen und habe ihm befohlen, er solle bei diesem Baum einschlagen, so würde er das Nest mit denen güldenen Eiern antreffen. Als der Bergmann diesem Befehle des Engels gefolgt und zu schürfen angefangen, so habe er auch wirklich einen reichen Silbergang entblößet, darauf alsdann der Bergbau allhier angegangen. Es ist diese Geschichte in der Hauptkirche zu St. Annaberg an dem hintern Teile des kleinen Altars, welchen die Knappschaft 1521 erbauen ließ, abgebildet. Auch lieget in der alten Sakristei der Hauptkirche ein großer runder Stein, auf welchem dieselbe Geschichte ausgehauen steht.

2.Dr.Barth, welcher 1584 als Professor in Leipzig starb, erzählt dagegen: Einem Bergmanne, mit Namen Daniel, habe geträumt, er sollte in den finstern Wald gehen, da würde das Feuer vom Himmel fallen, dem sollte er alsbald nachgehen und an dem Orte suchen, so würde er daselbst in der Erde einen großen Schatz finden, davon er sich unterhalten und in seiner Armut leben könnte. Sobald es nun Tag geworden, wäre der Bergmann aufgestanden, hätte Gott im Gebete angerufen, daß er ihm gnädig sein und den Traum erfüllen wolle. Hernach wäre er in den Wald gegangen, hätte den ganzen Wald durchsucht, bald auf die Erde, bald gen Himmel gesehen und nicht ohne große Hoffnung zu Gott gebetet, um das ihm im Traume versprochene Feuer sehen zu lassen. Wider Vermuten wäre hernach ein Gewitter am Himmel aufgestiegen, daß es mit einem starken Donner in den Wald geschlagen. Da wäre dann der Bergmann geschwind gegangenund hätte alles durchsuchet, um zu sehen, wo es hingeschlagen. Da er den Ort gefunden, habe er alsbald die Wünschelrute genommen und sie feste in die Höhe gehalten, die Rute hätte sich aber in der Hand so sehr gewendet, daß er solche fast nicht erhalten können, und also gezeiget, daß der Schatz des Silbers hier an diesem Orte in der Erde verborgen liege. Hierauf habe der Bergmann nachgegraben und auch wirklich einen reichen Gang entdeckt. Dieser glückliche Finder wäre hernach zu den Bauersleuten gegangen, hätte ihnen sein Glück angezeigt, viele von denselben zu Gehülfen in seiner Arbeit genommen und dieselben seines Schatzes teilhaftig gemacht, worauf sie dann viele Erze gewonnen und schmelzen lassen. Da sich nun der Ruf davon allenthalben ausgebreitet, so wären von allen Orten und Enden viele Fremde hierher gekommen, das neu von Gott bescherte Glück zu sehen; viele hätten auch hernach unten gegen Abend, wo der Berg abfällt, noch viele andere reiche Gänge durch die Rutengänger entdecket, und auf solche Art wäre also zuerst durch die Gnade des großen Gottes das Bergwerk daselbst entdecket worden.

(I. Mündlich. II. Ziehnert a. a. O. Anhang No. 21.)

I. Zur Zeit Friedrich des Weisen lebte im obern Erzgebirge nicht weit vom Schreckenberge ein alter, schlichter Bergmann mit Namen Daniel Knapp. Nach alter frommer Sitte beugte er jeden Abend seine Knie vor dem Muttergottesbilde. Als er dies eines Abends wieder gethan hatte, legte er sich nieder. Da erschien ihm im Traume die heilige Mutter Anna und befahl ihm, an der Stelle, welche sie ihm im Traume zeigte, einzuschlagen. Verwundert über den seltsamen Traum, machte sich der Bergmann auf und wanderte nach Wittenberg, wo damals der Kurfürst weilte. Zagend trat Daniel Knapp vor denselben hin und bat ihn, daß er ihm seinen Traum erzählen dürfe. Der Kurfürst hörte verwundert dem Bergmanne zu, und als er geendet hatte, folgte er ihm mit seinem Kanzler und begleitet von Rittern und anderen Herren. Am Fuße des Schreckenberges, an der Stelle, welche ihm im Traume geoffenbart worden war, schlug darauf der Bergmann kräftig ein und bald strahlte dem Kurfürsten und seinen Begleitern heller Silberglanz entgegen. Darauf ließ der Kurfürst zur Erinnerung an den wunderbaren Fund die sogenannten Engelsgroschen prägen und wenig Jahre später entwickelte sich aus den Ansiedelungen, welche in der Nähe des silberreichen Schreckenberges gegründetwurden, die Stadt Annaberg. Von dem Bergmanne Knapp aber sollen seit jener Zeit alle Bergleute den Namen »Knappen« führen.

II. Als noch dicke Waldung den Pöhlberg und seine Nachbarn deckte, lebte im Dorfe Frohnau ein Bergmann, Daniel Knappe, fromm und brav, aber blutarm. Große Teuerung und Hungersnot war im Lande, und Knappe hatte sieben Kinder und ein krankes Weib in seiner Hütte. Er wußte seiner Not kein Ende und war nahe daran, zu verzweifeln an der göttlichen Hülfe. Da erschien ihm einst im Traum ein Engel Gottes und sprach zu ihm: »Gehe morgen in den Wald am Fuße des Schreckenberges. Dort ragt eine Tanne hoch über alle Bäume des Waldes hervor. In ihren Zweigen wirst du ein Nest mit goldenen Eiern finden; dies ist dein, brauche es wohl!« Als Knappe am Morgen erwachte, erinnerte er sich des Traumes und ging hinaus in den Wald, das Nest mit den goldenen Eiern auszunehmen. Bald hatte er die Tanne in der Nähe der Wolfshöhle gefunden und kletterte rasch in ihren Ästen bis in den höchsten Wipfel hinauf, fand aber nichts. Traurig, daß ihn der Traum getäuscht habe, stieg er wieder herab und setzte sich auf die Wurzeln des Baumes nieder, um auszuruhen. Er sann hin und her, und dabei fiel ihm ein, daß unter den Zweigen wohl auch die Wurzeln der Tanne zu verstehen sein könnten. Die Vermutung ward bald zum festen Glauben, und eilig lief er und holte aus seiner Hütte das Gezäh zum Schürfen. Eifrig begann er den Schurf, und kaum hatte er die Dammerde durchbrochen, als mächtige, nach allen Seiten streichende Silbergänge ihm entgegen blickten. Er sank auf seine Kniee und dankte Gott.

Bald war die Kunde von dem neuentdeckten Bergreichtum in alle Lande verbreitet, und Tausende zogen herzu, um sich in der bisher so wilden Gegend anzusiedeln. Dies veranlaßte den Herzog Georg den Bärtigen, eine neue Bergstadt zu gründen. Am 21. Sept. 1496 wurde der Grundstein zu dem ersten Hause gelegt, und die neue Stadt Neustadt am Schreckenberge, später aber Annaberg genannt. – Zum Andenken an Daniel Knappe aber heißen noch heute die Bergleute im allgemeinen die Knappen und ihre Gemeinschaft die Knappschaft.

(Jenisii Hist. Annaberg.II., S. 2. Darnach Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen. No. 514.)

Im Jahre 1502 ist ein gewisser angesehener und würdiger Mann namens Lorenz Pflock gen Annaberg gekommen; als ihm nun seineGemahlin in kurzer Frist auf einem Wagen folgte, kam es ihr, als sie etwas über das Dorf Frohnau hinaus war, vor, als wenn die Erde in dieser Gegend erschüttert werde. Nicht lange darauf legte ihr Mann an diesem Orte ein Bergwerk an, das überreiche Ausbeute gab, und ließ, weil er überzeugt war, daß durch jenes Gesicht das Vorhandensein einer reichen Silberader angedeutet worden sei, mitten im Dorfe Frohnau einen kostbaren Altar nebst Kirche erbauen.

(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, 1882, S. 5.)

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts lebte in der Schweiz ein verarmter Kaufmann, der einmal den höchst sonderbaren Traum hatte, er werde auf der steinernen Karlsbrücke zu Prag sein Glück finden. Ohne sich lange zu besinnen, bestieg er sein Rößlein und ritt nach der Hauptstadt Böhmens, dem hunderttürmigen Prag. Daselbst angelangt, ging er in froher Erwartung der Dinge, die da kommen sollten, auf der Moldaubrücke auf und ab. Durch sein seltsames Benehmen zog der Schweizer bald die Aufmerksamkeit des auf der Brücke aufgestellten Wachsoldaten auf sich, welcher ihn endlich fragte, was er hier suche. »Mir hat geträumt«, erwiderte der Angesprochene, »daß ich auf dieser Brücke mein Glück finden werde. Nun gehe ich aber hier schon mehrere Stunden hin und her, ohne nur eine Spur des erhofften Glückes zu finden.« »Sonderbar«, sagte der Wachposten, »mir träumte auch einmal von meinem künftigen Glücke, das ich in den westlichen Bergen erst suchen gehen soll, aber ich lege den Träumen keine Bedeutung bei, denn Träume sind Schäume!« Kaum hatte dies der Schweizer vernommen, so eilte er in seine Herberge zurück, ließ sein Pferd satteln und ritt, seinem Sterne folgend, immer dem Westen zu, um zu dem geistreichen, durch seine Prophezeiungen bekannten Johannes Niavis (Schneevogel), dem Einsiedler am Wolfsberge, wo heute das Dorf Mariasorg liegt, zu gelangen und dann seine Reise nach »Conradisgrün« (Konradsgrün), der ersten Ansiedelung von Joachimsthal, fortzusetzen. Nach mehrtägigem Ritt kam er in die Gegend von Lichtenstadt. Wie er immer weiter trabte, blieb des Rosses Huf an etwas hängen, und das Hufeisen wurde abgesprengt. Er stieg ab, um nach der Ursache dieses Unfalles zu sehen. Da bemerkte er, daß ein Zapfen von Silbererz das Hufeisen abgerissen und freute sich, sein zwischen den Schweizerbergen geträumtes Glück gefunden zu haben. Der Schweizer kehrte, nachdem sein Pferd in dernächsten Schmiedewerkstatt wieder beschlagen worden war, in die Heimat zurück, traf aber bald in Konradsgrün mit einem Zuge Schweizer Bergleute ein. Diese durchforschten die Gegend und gruben untertags mit bestem Erfolge nach Silbererzen. So wurde der Kaufmann aus der Schweiz, der in der That auf der Prager Moldaubrücke sein Glück gefunden hatte, ein grundreicher Mann, und noch heute führt ein langer Haldenzug, der damals eine sehr ergiebige Ausbeute gab, den Namen »der Schweizerzug«.

Eine im Wesentlichen gleiche Sage finden wir in den deutschen Sagen der Brüder Grimm (2. Aufl., I. B., No. 212). Hier wird aber jemandem auf der Brücke zu Regensburg die Mitteilung, daß unter einem gewissen Baume ein großer Kessel mit Geld vergraben sei, was sich auch bestätigte.

Eine im Wesentlichen gleiche Sage finden wir in den deutschen Sagen der Brüder Grimm (2. Aufl., I. B., No. 212). Hier wird aber jemandem auf der Brücke zu Regensburg die Mitteilung, daß unter einem gewissen Baume ein großer Kessel mit Geld vergraben sei, was sich auch bestätigte.

(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, 1882, S. 7.)

Vor vielen Jahren lebte in der alten Bergstadt Joachimsthal ein gottesfürchtiger Gewerke, mit Namen Basler. Er besaß nebst Haus und Acker eine Grube, welche eine gute Ausbeute an Silber gab und sein Vermögen beträchtlich vermehrte. Plötzlich aber blieb das blinkende Silbererz in den harten Felsadern aus, und er traf auf lauter taubes Gestein. Basler, der ein sehr unternehmender Mann war, stellte jedoch seinen nunmehr kostspieligen Bau nicht ein, sondern ließ rühriger denn je mit Fäustel und Bohrer weiter arbeiten, da er in Bälde in eine silberhaltige Teufe zu kommen hoffte. Schon war aber Schrank und Beutel leer, Haus und Acker verpfändet, und noch immer leuchtete ihm kein Hoffnungsschein in der Grube. Seine Lage gestaltete sich vielmehr von Tag zu Tag trauriger, denn er wurde von seiner Freunde Schwarm nun gemieden, und einen Bergknappen nach dem andern mußte er aus seinem Dienste entlassen. Zuletzt war er auf seine Kräfte allein angewiesen; doch ließ er auch jetzt voll Zuversicht, daß Gott ihm helfen werde, den Mut nicht sinken und baute unverdrossen und emsig im harten Gestein fort, – leider ohne allen Erfolg. Dadurch geriet seine Familie, die ehemals in guten Verhältnissen gelebt hatte, in die bitterste Not. Um die Seinigen zu ernähren, sah sich der arme Basler, dem niemand mehr Geld vorstrecken mochte, sogar genötiget, nicht bloß Hausgeräte, sondern auch halbwegs entbehrliche Kleidungsstücke zu verkaufen.

Als eines Tages die Not aufs Höchste gestiegen war, und er sich weder zu raten noch zu helfen wußte, nahm seine Frau ihr teuerstesKleinod, einen feingestickten Schleier, der noch von all ihren Habseligkeiten übrig geblieben war, in die Hand. Ihn hatte am Hochzeitsfeste die gute Mutter ihr ins Haar geknüpft und gesegnet, darum war der Schleier ihr so lieb und wert. Sie betrachtete denselben unter tiefem Seufzen lange mit thränenfeuchten Blicken; denn zentnerschwer drückte ihr Herz der schreckliche Gedanke, ihr kostbarstes Pfand mütterlicher Liebe zu veräußern. Endlich entschloß sie sich, freilich schweren Herzens, zum Verkaufe des Brautschleiers. Aus dem gelösten Gelde kaufte Basler, nachdem er für das nötige Brot gesorgt hatte, Unschlitt ein, um sein Geleucht aufschütten zu können. Er wollte nämlich, um sein Glück zu versuchen, noch einmal anfahren, dann aber, falls auch dieser Versuch mißglückte, den Bergbau, der ihn zum Bettler gemacht, aufgeben. – Als sich nun Basler zur Fahrt nach der Grube gerüstet hatte, sprach er, treu seinem gewohnten Spruche: »Bete und arbeite!« ein herzinniges Bergmannsgebet, fuhr hierauf ein und schritt an's Tagewerk. »Herr«, sprach er zu sich selbst, Du kennest mein ehrliches Sinnen und Trachten, sowie meinen und der Meinigen Jammer und Gram; erbarme Dich unser und segne heute meiner Hände Arbeit, damit ich viel, recht viel zur Verherrlichung Deines Hauses beitragen kann!« – Es gingen nämlich gerade zu derselben Zeit – es war im Jahr 1536 – die Grafen Hieronymus und Laurenz Schlick daran, in Joachimsthal, dem rasch aufgeblühten und zu den schönsten Hoffnungen berechtigenden Bergorte, eine neue, stattliche Kirche zu bauen. Wie sehr mochte sich wohl unser frommer Basler, der früher so reiche Bergherr, gekränkt haben, daß er jetzt in seiner größten Armut gar nichts zum Baue des Gotteshauses beisteuern konnte! Er ergriff, gestärkt durch sein unerschütterliches, festes Gottvertrauen, sein Gezäh und arbeitete mit solcher Kraft, daß das Gestein weit umhersprang. Da bemerkte er auf einmal, daß das Unschlitt in seiner Lampe zu Ende ging; er wollte nun sein Geleucht wieder auffüllen, allein das Unschlitt war verschwunden. Bestürzt und unmutig, daß ihm auch seine letzte Hoffnung vereitelt sei, suchte er nach dem Unschlitt und sah eine Maus mit demselben ihrem sicheren Verstecke zueilen. Über das mutwillige Tierchen erzürnt, erfaßte Basler seinen Schlägel und warf nach dem Mäuschen. Aber nicht dieses zerschmetterte sein wuchtiger Wurf, sondern das Felsgestein an der Öffnung der Wand, in der das Mäuschen verschwunden war. Doch siehe, was schimmert da unserm Basler entgegen? Ists bloß blendender Schein oder Wirklichkeit? Er prüft und findet, daß eine Silberader sich vor ihm geöffnet hat. So wurde mit einemmale Basler auf höchst merkwürdige und überraschende Weise wieder in den Stand gesetzt, den Bergbau mit vielen Knappenzu betreiben. Er ward gar bald ein reicher Mann, der aber auch als solcher seinem früheren einfachen und frommen Lebenswandel treu blieb. Sein Gelübde erfüllte er treulich. Er spendete für die Kirche zu Joachimsthal ein silbernes Kreuz und ließ überdies einen Predigtstuhl verfertigen, dessen Stütze ihn selbst im Bilde in Wams und Bergkappe darstellte.

Noch bis zum furchtbaren Brande des 31. März 1873 konnte man diese interessante Bergmannsfigur in der reichen und geschichtlich merkwürdigen Dekanatkirche zu Joachimsthal, die an dem genannten Tage ebenfalls zerstört wurde, unter dem Predigtstuhle sehen.

Baslers Frau, vom ungewöhnlichen Glücke berauscht, vergaß Tugend und Frömmigkeit und wurde über alle Maßen stolz und hochmütig. Als ihr Mann auf der Totenbahre lag und die Bergknappen beim Einsegnen vor dem Hausthore standen und nach ortsüblicher Weise das Trauerlied mit den Worten beendigten:

»Du bist, Herr, stark in Deinem Arm,Du machst bald reich und machst bald arm«,

»Du bist, Herr, stark in Deinem Arm,Du machst bald reich und machst bald arm«,

da sprang die Übermütige, prangend im kostbaren Kleide und strahlend im Diamanten- und Perlenschmucke, zum offenen Fenster und rief voll Zorn und Hohn hinab: »Frau Basler kann und wird niemals verarmen!«

Noch in erhöhterem Grade gab sich Frau Basler von jetzt an der Verschwendung hin; sie lebte in Saus und Braus, so daß ganz unbemerkt die Silberschätze in ihren Kästen und Truhen gleich einer Seifenblase zerrannen. Eines Tages stand sie auf der Prager Brücke. Da zog die Prahlerin einen prächtigen Siegelring vom Finger, warf ihn in die Moldau und rief:

»So wahr, als mein Ring nicht kehrt nach Haus,So wahr schöpf' ich meine Schätze nicht aus!«

»So wahr, als mein Ring nicht kehrt nach Haus,So wahr schöpf' ich meine Schätze nicht aus!«

Ein Fisch aber hörte die übermütigen Worte der frevelnden Baslerin und sah das kostbare, blitzende Ringlein; da dachte er bei sich: »Ohnedies harrt der Tod mein, es soll auch für Dich der Tod sein!« Bald ließ der Lachs, der den Ring verschlungen hatte, sich fangen. Und siehe da! Des andern Tages brachte ein Fischer einen Fisch, in dessen Bauche sich der Ring befand, der zur Frau Baslerin heimgekehrt war; und wie der Ring kam zurückgeschwommen, so ist sie hülflos auch verkommen. – Die Maus hat Baslern zum Reichtume verholfen, der Fisch der Baslerin zur Armut.

Einzelne Züge dieser Sage haben große Ähnlichkeit mit solchen in der folgenden Sage von den Tellerhäusern bei Oberwiesenthal.

Einzelne Züge dieser Sage haben große Ähnlichkeit mit solchen in der folgenden Sage von den Tellerhäusern bei Oberwiesenthal.

(Nach Ziehnerts poet. Beh. in Gräße, Sagenschatz etc. No. 502.)

Um das Jahr 1570 lebte zu Wiesenthal ein blutarmer, aber frommer und fleißiger Bergmann, namens Teller, der bei einer Grube beschäftigt war, die auf einmal keine Ausbeute mehr gab und deshalb von ihrem Besitzer, einem reichen Geizhals, nicht mehr bebaut ward. Ebenso vergebens wie er von Letzterem seinen rückständigen Lohn zu bekommen gesucht hatte, sah er sich nach neuer Arbeit um; er hatte eine kranke Frau und drei Söhne zu Hause, allein er hatte kein Brot für sie und so mußte er nach und nach alles, was er besaß, verkaufen. So kam der Ostermorgen heran und das letzte, was noch zu Gelde gemacht werden konnte, war bereits weggegeben. Siehe, da zog es ihn nach der Kirche, und als er traurig an den Eingang derselben getreten war, kam es ihm vor, als sehe er sich im Festtagsgewande, eine Stufe glänzenden Silbers auf der Schulter, an der Kanzel stehen. Er rieb sich die Augen, wendete sein Gesicht weg, aber sobald er wieder auf jenen Punkt schaute, stand auch sein Doppelgänger wieder da. Er verließ endlich die Kirche, und auf dem Wege nach seinem Hause begegnete ihm ein wohlgekleideter Unbekannter, der ihm, als er von ihm befragt, warum er so traurig aussehe, seine Not geklagt hatte, ein großes Geldstück schenkte. Damit kaufte er die notwendigsten Bedürfnisse und begab sich nach Hause. Hier hatte er aber keine Ruhe, denn überall sah er das gehabte Gesicht vor sich, und es kam ihm vor, als ziehe ihn sein Doppelgänger nach jener eben aufgegebenen Grube hin. Endlich konnte er nicht mehr diesem innern Drängen widerstehen, daher kaufte er sich von dem noch übrig gebliebenen Gelde von dem Bergmeister die Erlaubnis, in der auflässigen Grube zu bauen, und fing eifrig an einzuschlagen. Allein seine zwei Hände brachten wenig vorwärts, der Tag verfloß und er war auf kein edles Metall gestoßen; schon war der zweite halb zu Ende und er machte eben Anstalt, sein letztes Stücklein Brot zum Mittagsmahl zu sich zu nehmen, als aus einem Loche im Gestein ein Mäuschen herauskroch und ungescheut die heruntergefallenen Brosamen auflas. Er ließ dasselbe ruhig gewähren, als es aber anfing auch sein Grubenlicht zu beknabbern, warf er sein Fäustel nach demselben. Statt daß aber die Maus davon getroffen ward, sprengte er ein starkes Stück Gestein los, und siehe, hinter demselben lag ein reicher Gang gediegenen Silbers zu Tage. Kaum wollte er seinen Augen trauen, allein er konnte nicht zweifeln; er eilte nach Hause, um seine Familie mit der frohen Kunde zu erfreuen, und so ward er in wenigen Tagen aus einem armen Häuer ein reicher Bergwerksbesitzer.Allein er vergaß darum seine früheren Leiden nicht, er blieb bis an seinen Tod einer der frömmsten und mildthätigsten Männer in der ganzen Gegend. Seinen drei Söhnen erbaute er von seinem Reichtum drei kleine Güter in einer wildromantischen Gegend zwischen Wiesenthal und Rittersgrün, die heute noch die Tellerhäuser genannt werden, sich selbst ließ er ganz so, wie er sich an jenem Ostermorgen in der Kirche gesehen hatte, im Sonntagsputze des Häuers in Holz aushauen und dies Bild zum Andenken in jener Kirche aufstellen, wo es noch zu sehen ist.

(Ed. Wenisch in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg., S. 2.)

Unweit der Bergstadt Preßnitz steht an der Straße, welche von Dörnsdorf dahin führt, eine Marienstatue. Dieselbe stellt die Mutter Gottes mit dem Jesuskindlein dar, welches die Erdkugel und das Scepter in seinen Händchen hält. Neben dem Gnadenbilde stand vor vielen, vielen Jahren eine unansehnliche, kleine Berghütte mit einer ergiebigen Grube. Im Volksmunde lebt noch die Sage fort, welche sich an die Statue und die Berghütte knüpft. Zur Zeit einer großen Teuerung lebte in einer windschiefen, halbverfallenen Hütte des Erzgebirgs eine arme, brave Bergmannsfamilie. Schlecht und recht, wie es eben bei einem Bergmanne möglich ist, hatte der arbeitsame Vater in bessern Tagen sein Weib und seine vier Kinder im Schweiße seines Angesichts ernährt. Heute aber saß er gar tiefbekümmert, das Haupt gebeugt, die schwieligen Hände gefaltet, im Kämmerlein, denn weder ein Bissen Brot noch ein roter Pfennig war in der Hütte. Als er sein Weib vor Not heiße Thränen weinen sah, und seine sterbenskranken Kinder vor Hunger schrieen, da wollte dem Vater vor Gram und Kummer schier das Herz zerspringen. Nicht länger litt es ihn unter seinem Dache. Viel Schönes hatte er ja von der Mildthätigkeit der Menschen erzählen hören, warum sollte er dieselbe nicht auch in seiner hartbedrängten Lage in Anspruch nehmen? Und er ergriff, den seinigen Trost zusprechend, den Wanderstab, um in den benachbarten Dörfern wohlthätige Mitmenschen um Gaben für seine hungernde Familie anzuflehen. Wo er anklopfte, ward ihm zwar aufgethan, allein überall traten ihm bleiche, darbende Gestalten entgegen, die selbst bittere Not litten und darüber klagten; denn schwerer als jeder andere Landesteil war diesmal das blutarme Erzgebirge von der ausgebrochenen Teuerung heimgesucht. So kam unser Bergmann ganz hoffnungslos vor Preßnitz an. Der schreckliche Gedanke, daß seine Familienun dem Hungertode zum Opfer fallen müsse, brachte ihn zur Verzweiflung. Ermattet brach der Lebensmüde auf dem Wege zusammen und wollte, da er gerade einen Strick bei sich hatte, Hand an sich legen, um so allem Elende mit einemmale zu entgehen. Doch von neuem erwachte in ihm sein echt christlicher Sinn und verscheuchte das wahnsinnige Hirngespinst; er nahm seine Zuflucht zur gnadenreichen Gottesmutter, sank auf die Knie und verrichtete ein kräftiges Gebet, das lindernden Balsam in sein wundes Herz träufelte, so daß alsbald Friede in dasselbe einkehrte. Vom Schlaf überwältigt, legte der Hungrige sein müdes Haupt auf den Rasen und schlief ein. Da klang es um ihn her wie himmlischer Engelschor, und im strahlenden Lichtglanze erschien Maria, die Himmelskönigin, mit dem holden Jesuskindlein auf dem Arme. Mit wundermilden Blicken näherte sie sich dem Bergmann und sprach: »Wach' auf, öffne die Erde unter deinem Haupte und vertraue fest auf Gott!«

Der Bergmann erwachte; heiliger Schauer durchrieselte seine Glieder, da er noch immer die überirdischen Klänge zu vernehmen meinte. Neu gestärkt sprang er auf, ergriff, um sich zu überzeugen, ob er geträumt oder gewacht habe, seinen wuchtigen Wanderstab und wühlte an jener Stelle, wo er geschlafen, die Erde auf. Kaum hatte er diese einige Zoll aufgeschürft, da sank er plötzlich in die Knie, hob seine Hände gen Himmel und rief aus: »Gepriesen sei der allmächtige Gott und die seligste Jungfrau Maria, ich bin gerettet!« Ein Klumpen Gold lag zu seinen Füßen, der nun aller Not ein Ende machte. Mit beflügelten Schritten eilte der Bergmann zu den Seinigen heim und verkündigte ihnen mit freudestrahlendem Gesichte das wunderbare, rettende Ereignis. Wer beschreibt wohl den Jubel der armen Familie, die auf überaus seltsame Weise in die Lage kam, sich die lange entbehrten Nahrungsmittel anzuschaffen und so ihre Gesundheit bald wieder herzustellen? Gottes reicher Segen aber begleitete auch fernerhin die Unternehmungen des Bergmanns, der von jetzt an auf eigene Faust den Bergbau an jener wunderbaren Stelle betrieb und daselbst viel edles Erz zu Tage förderte.

Zur bleibenden Erinnerung an die glückliche Errettung seiner Familie ließ der Bergmann aus tiefer Religiosität und Dankbarkeit neben der kleine Berghütte eine Statue der heiligen Jungfrau Maria errichten und lebte mit den Seinen noch viele Jahre glücklich und zufrieden.

(Mündlich.)

Es wird erzählt, daß man anfangs beabsichtigt habe, die St. Wolfgangskirche in Schneeberg auf dem Platze zu erbauen, wo gegenwärtig die Bürgerschule steht. Als man aber daselbst den Grundstein legte, verschwand derselbe zweimal nach einander. Da erschien einem Bergmanne im Traum ein Grubenmännchen, welches ihm die Stelle zeigte, auf welcher die neue Kirche erbaut werden sollte. Als man daselbst den Grundstein legte, blieb er liegen. Darauf führte das Männchen den Bergmann in die Tiefe und zeigte ihm unter dem Platze die reichen Silbererze.

(Mitgeteilt vom Lehrer Ludwig in Stützengrün.)

Man erzählt sich, daß auf dem Kuhberge bei Stützengrün, links von dem Fahrwege, welcher von genanntem Orte auf den Berg führt, in einer mit Heidekraut überwachsenen grubenartigen Vertiefung ein goldener Hirsch vergraben liege. Wenn der Hirsch aufgefunden wird, was bestimmt geschehen soll, wird der Kuhberg zur Stadt werden. Einen Brunnen auf dem Kuhberge heißt man Goldbrunnen.

Nach altüberlieferten Vorstellungen, welche besonders in deutschen Volksmärchen einen Nachklang haben (als z. B. das Marienkind ein wenig an den Glanz der Dreieinigkeit rührte, wurde ihm der Finger golden), war nicht nur der Götterhimmel golden, sondern auch der Leib der Götter selbst und ihrer Lieblingstiere von einem Geblüt durchronnen, welche reines Gold ist. Golden ist der Hirsch, weil er der Leben nährenden Sonne angehört. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch, I. S. 4–7.)

Nach altüberlieferten Vorstellungen, welche besonders in deutschen Volksmärchen einen Nachklang haben (als z. B. das Marienkind ein wenig an den Glanz der Dreieinigkeit rührte, wurde ihm der Finger golden), war nicht nur der Götterhimmel golden, sondern auch der Leib der Götter selbst und ihrer Lieblingstiere von einem Geblüt durchronnen, welche reines Gold ist. Golden ist der Hirsch, weil er der Leben nährenden Sonne angehört. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch, I. S. 4–7.)

(Nach der poetischen Bearbeitung Ziehnerts bei Gräße a. a. O. No. 610; z. T. mündlich.)

Südlich von Zwickau liegt eine Wiese, die man Eselswiese nennt. Diese Wiese soll einst von einem Zauberer bezaubert worden sein, der auf ihr einen gefährlichen Fall gethan, so daß, obschon schönes Gras und Klee darauf wuchs, sie doch von ihrem Besitzer durchaus nicht benutzt werden konnte, weil die Milch des Viehes, das von demselben fraß, so blau wie Indigo ward. Nun hatte aber nicht weit von der Wiese ein armer Holzmacher seine ärmliche Hütte gebaut; derselbewurde, da er drei Esel besaß, der Eselsgürge genannt, und er war allgemein wegen seiner Gutherzigkeit beliebt und gern gesehen. Der zog sich das Gras dieser Wiese zu Nutze und seine Esel wurden dick und fett davon.

Einst, bei einem heftigen Gewitter, pochte es des Nachts an seine Hütte, und als er die Thür öffnete, da trat eine wunderschöne Jungfrau, die trotz des Unwetters ganz trocken war, weiß verschleiert herein, rosenfarbene Sandalen an den Füßen und einen goldenen, mit Diamanten gezierten Kranz auf dem Haupte. Sie setzte sich an seinen Tisch, als er ihr aber Essen und Trinken, sowie sein armseliges Binsenlager zum Schlafe anbot, wies sie beides zurück und sagte, sie bedürfe dieser irdischen Erholung niemals, und auf sein Befragen, wohin sie wolle, entgegnete sie: »Nach oben, wo ich herkomme«. Der arme Gürge legte sich hierauf verwundert wieder nieder, als aber der Morgen anbrach, weckte sie ihn auf, um Abschied zu nehmen, und als er sie ein Stück Weges begleitete, fragte er sie, ob sie nicht die heilige Jungfrau selbst sei, sie gleiche gar zu sehr dem Bilde derselben, wie er es in den Kirchen so oft gesehen. Darauf antwortete sie: »Ja, ich bin es; Du aber, guter Gürge, sollst den Lohn für Deine Gastfreundschaft heute Abend erhalten, wenn Deine Esel von der Weide zurückkehren«. Damit verschwand sie. Als nun die Sonne im Untergehen war, da ging Gürge voll Neugier seinen Eseln entgegen, allein er konnte nichts an ihnen wahrnehmen, als daß ihre Mäuler blutig waren. Da es nun auf der Wiese weder Dornen noch scharfe Gräser gab, solche die Esel auch bekanntlich wegen ihrer Hartmäulichkeit nicht verwunden können, so begab er sich an Ort und Stelle und trat plötzlich auf etwas Spitzes. Er griff darnach und zog einen Goldbarren aus der Erde, ja er fand ohne viel Mühe eine Menge davon; er holte darauf seine Esel, die sich davon blutig gefressen, und trieb sie schwerbeladen in sein Hüttchen zurück. Am andern Morgen aber, wie er seinen Reichtum beschaute, beschloß er davon eine Kirche zu bauen. Dies soll die Marienkirche sein. Das Volk aber hält noch heute die hölzerne Statue des Obristwachtmeisters von Heldreich († 1674), welche sich über der Thür zur sogenannten Götzenkammer in der erwähnten Kirche befindet, für das Bild des armen Eselgürge, den man auch zum Stammvater der Herren von Römer gemacht hat.

Nach einer andern mündlichen Überlieferung soll das gefundene Gold eine zapfenähnliche Form gehabt haben. Die Menge desselben betrug zehn Scheffel.

(Heger und Lienert, Ortskunde von Schmiedeberg, 1879, S. 62.)

Das oben genannte Loch befindet sich unweit des »alten Schlosses«, eines Schlackenhügels auf Pleiler Gemeindegebiet, und ist ein alter verfallener Stollen, welcher von einem Irrsinnigen (Albernen) in den Berg getrieben worden sein soll. Nach einem in der Nähe befindlichen großen Schlackenhaufen, in welchem er oft herumwühlte, erhielt der Alberne auch den Namen Schlackenmann. Der Schlackenmann soll Silbererze gesucht und in Menge gefunden haben. Er verbarg sie aber so gut in seinem Loche, daß sie bisher niemand aufzufinden vermochte. Da er für seinen Schatz fürchtete, vermied er ängstlich jeden Umgang mit Menschen und kroch stets in das Bergloch, sobald jemand sich näherte. Hier ist er auch einsam verstorben. Sein Name und Andenken aber sind im Volksmunde noch lebendig.

Ein ähnlicher verfallener Bergstollen befindet sich auch hinter der Bogmühle. Er wird das Türkenloch genannt, nach einem Manne türkischer Abstammung, der hier gleichfalls Bergbau auf edles Erz getrieben haben soll. Der Türke hatte es jedoch nicht auf den Gewinn abgesehen, legte auch keinen Schatz an, wie der geizige Schlackenmann, sondern holte sich von dem Silbererz immer nur nach Maßgabe seiner leiblichen Bedürfnisse.

(Novellistisch von Textor in »Die romantischen Sagen des Erzgebirgs«, I. 1882, S. 225 etc. Darnach bei Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 523.)

Einst lebte in der Gegend des heutigen Annabergs ein armer Bergmann, mit Namen Daniel, der reich mit Kindern, aber nicht mit zeitlichen Gütern gesegnet war, und sich, weil seine Frau schwer erkrankt war, in großer Not befand. Denn die Grube am südlichen Abhange des Pöhlberges, wo er arbeitete, war unergiebig. Wie er nun mit seinem Gevatter, dem Steiger, lange vergeblich gearbeitet hatte, fiel auf einmal ein Teil des Gesteins von selbst herab und sie sahen einen mächtigen Gang reichen Erzes vor sich; eine Stimme aber rief: »Daniel! Ich bin der Fürst der Berge! Was Du in diesem Schachte gewinnst, ist Dein, ich schenke es Dir!« Jener aber sprach: »Ich kann nicht annehmen, denn es gehört den Gewerken«. Als nun der Berggeist ihn noch mehrmals aufgefordert hatte, das Gefundene zu nehmen und an seine Frau und Kinder zu denken, er aber sich weigerte, verschwandauf einmal der ganze Erzgang wieder. Daniel ging traurig nach Hause, als er aber dort ankam, kam ihm seine Frau völlig gesund entgegen und sagte, es sei ein fremder Bergmann dagewesen, habe ihr Brot, Fleisch und Wein für ihre Kinder gebracht, und sie aus einem kleinen Fläschchen trinken lassen, und seitdem seien alle ihre Schmerzen verschwunden, jener aber habe gesagt, ihre Not werde bald aufhören, das lasse ihr der Fürst der Berge sagen. In der Nacht träumte aber der fromme Bergmann, der Berggeist stehe vor ihm und sage ihm, zum Lohn für seine Redlichkeit wolle er ihn glücklich machen, er solle früh auf den Schreckenberg gehen, dort werde er Feuer vom Himmel fallen sehen, und an dieser Stelle solle er einschlagen. Wie gedacht, so geschehen, er ging in den Wald; plötzlich fuhr aus heiterem Himmel ein Blitz in eine hohe Fichte, und als jener die bergmännische Rute an den Wurzeln des Baumes schlagen ließ, da entdeckte er beim Nachgraben einen reichen Silbergang. Diesen mutete er und sein Gevatter Steiger und beide wurden schnell reich; die Grube aber nannte man das himmlische Heer.

(Fr. Hübler in der Comotovia. 4. Jahrg., S. 76 etc.)

Eine Viertelstunde nordöstlich von Komotau liegt an der Straße und nächst dem Fußwege, welcher nach dem benachbarten Görkau führt, die Alaun- oder Schweizerhütte, eine Restauration im Schweizerstile, welche wegen ihrer reizenden Lage für die Bewohner Komotau's einen beliebten Ausflugsort bildet. Sie liegt in einem Kessel, welcher gegen Westen von einem schönen Eichenwäldchen, dem sogenannten Hüttenbusche, im Nordosten und Süden von Obstgärten eingesäumt ist, welche den in der Mitte des Kessels liegenden Hütten- oder Alaunsee einschließen. Auf dem Platze nun, den jetzt die spiegelglatte Fläche des Sees bedeckt, befand sich vor 300 Jahren ein Alaunbergwerk, von dessen Dasein noch rote Hügel an seinem Ufer zeugen. Bevor noch die Gewässer des Sees aus der Tiefe der Erde hervorquollen, befand sich dort ebenfalls ein Eichenwäldchen, wohin an Sonn- und Feiertagen die ehrsamen Bürgersleute Komotau's mit Weib und Kind hinauszogen, um sich zwischen den Bäumen und auf dem Rasen zu erlustigen und besonders an den milden Frühlingsabenden im Mai dem Gesange der Nachtigallen zu lauschen, welche sich sonst dort, wie in der Gegend überhaupt, in viel größerer Anzahl aufgehalten haben sollen, als jetzt. Noch heutzutage sieht man an dem Ufer des Sees die mitunter mächtigen Baumstrünke der abgesägten oder umgeschlagenenEichenstämme wie Klippen aus dem Wasser hervorstehen, und schon mancher Lustfahrende hat mit ihrer Tücke Bekanntschaft gemacht, saß auf und konnte nur mit Mühe sein Fahrzeug wieder flott machen. – Über die Auffindung des Alaunbergwerkes und den Ursprung des Sees erzählt nun die Sage folgendes:

Um die Mitte des 16. Jahrhunderts lebte in Komotau ein Mann, der »dürre Merten« genannt, welcher im Besitze der schwarzen Kunst und als Prophet in der Stadt eine bedeutende Rolle spielte, und welcher allgemein wegen seiner Weisheit geehrt, aber auch wegen seiner Prophetengabe und übernatürlichen Geheimmittel gescheut wurde. Er erreichte ein Alter von 118 Jahren, lebte am Ende seiner Tage im Komotauer Spitale und fand schließlich einen gewaltsamen Tod durch Mörderhand. Er erließ viele Prophezeiungen, die lange im Volksmunde blieben und jetzt noch nicht völlig verwischt sind. Seine größte Prophezeiung bezog sich auf den 30jährigen Krieg und dessen Grund, auf das Erscheinen der Jesuiten in Komotau, und auf das tragische Ende des Georg Popel von Lobkowitz, des ehemaligen Herrn von Komotau. Außerdem prophezeite er einst: »Auf einer Wiese, welche von drei Seiten ein Kessel einschließt, ist ein großer Schatz verborgen, der durch Jahrhunderte Menschen und Geschlechter ernähren wird.«

Viele Leute von Geldgier getrieben, suchten emsig solche Plätze, welche mit der Prophezeiung übereinstimmten, auf und gruben, mit Schaufel und Haue bewaffnet, zur Nachtzeit nach dem verborgenen Schatze, erschreckten sich wohl oft gegenseitig, konnten jedoch nichts auffinden.

Einmal ging nun ein Fleischhauer aus Komotau, namens Lazarus Drohmann, der sich und seine alte gebrechliche Mutter durch sein Handwerk schlecht und recht ernährte, nach Rothenhaus bei Görkau, um Schlachtvieh einzukaufen. Er verspätete sich daselbst, da er nichts Passendes hatte finden können, und begab sich bei schon hereingebrochener Nacht nach Görkau, wo er Speise und Trank zu sich nahm und dann den Heimweg nach Komotau einschlug, als gerade der Türmer 11 Uhr blies. Er bemerkte es nicht, wie vom Milleschauer her schwarze, dichte Gewitterwolken herzogen. Bald brauste der Sturmwind einher, grelle Blitze beleuchteten auf Augenblicke den Weg und die ganze Gegend bis zu den Gipfeln des Erzgebirgs, und der Donner kam prasselnd und krachend im Gefolge. Lazarus beflügelte seine Schritte, um noch die Stadt vor dem völligen Ausbruch des Unwetters zu erreichen, aber vergeblich; gerade noch eine Viertelstunde war er von derselben entfernt und er hatte eben den Eichenwald betreten, dessen Platz jetzt der See einnimmt, als das Gewitter mit aller Macht entfesselt wurde. Ersuchte vor dem herabströmenden Regen und dem wütenden Sturme hinter einem dichten Eichengestrüppe notdürftigen Schutz und verfiel bald, von der Müdigkeit übermannt, trotz Sturm und Wetter in einen festen Schlaf. Plötzlich, es schlug gerade 12 Uhr auf dem Komotauer Turme, fuhr, wenige Schritte von ihm entfernt, ein greller Blitz in die Erde und erleuchtete Gras, Gestrüpp und Bäume tageshell. Der grelle Lichtschein und der damit verbundene Donnerschlag erweckten ihn gewaltsam und er fuhr entsetzt in die Höhe. Da sah er, betäubt und staunend, wie der Blitzstrahl einige Sekunden auf einer Stelle wie festgebannt haften blieb, dann sich aber teilte, indem ein Teil des Strahles in die Höhe ging, der andere jedoch in der Erde verschwand. Lazarus war voll Schreck und Staunen einige Zeit sitzen geblieben. Endlich, nachdem er sich von seiner Betäubung erholt hatte, sprang er auf und setzte, da auch das Unwetter bereits weiter gezogen war, den Rückweg fort, im Herzen Gott dankend, daß ihn der Blitzstrahl nicht getroffen, und erreichte glücklich seine Hütte.

Nach acht Tagen wanderte Lazarus abermals Geschäfte halber nach Rothenhaus. Auch diesmal schlug er den Rückweg bei vorgerückter Nacht ein. Seinen Weg beleuchtete jedoch der freundliche Mond und wohlgemut trat er in den Schatten des Eichenwäldchens, wo er vor wenigen Tagen dem Tode, wie er glaubte, nur durch ein Wunder entronnen war. Wie er so sinnend auf dem weichen Rasen dahinschritt, stand plötzlich ein Mädchen in hellstrahlender Schönheit vor ihm.

Der Mond beschien durch die Zweige der Eichen ihre freundlich lieblichen Züge, und von ihrem weißen Gewande schien selbst ein heller Schimmer abzugehen. Sie grüßte ihn und reichte ihm ihre Hand. Er fragte verwundert: »Woher kommst Du und was willst Du?« »Ich komme weither aus schönen Landen und gehe dorthin, wo mich meine innere Stimme ruft. Ich fliehe die Nähe böser Menschen, aber gute suche ich auf und beglücke sie. Du hast ein gutes Herz, ich will Dich daher glücklich machen, komm' und folge mir.« Die holde Erscheinung schritt voran, so leicht, daß sie kaum den Boden zu berühren schien, freudig und beklommen zugleich folgte ihr Drohmann. Nach einigen hundert Schritten machte sie halt und zwar merkwürdigerweise auf derselben Stelle, wo er sich vor acht Tagen vor dem Ungewitter verborgen hatte. Kein Laut, kein Ton war zu vernehmen, selbst das Heimchen schlief, überall herrschte die Stille des Grabes. Da ertönten von der Stadt her die ernsten, tiefen Töne der Mitternachtsstunde und wie auf einen Zauberschlag begann es sich überall im Wäldchen auf dem Grase, zwischen den mächtigen Baumstämmen und dem niedrigen Gebüsche zu regen und zu bewegen; kleine Männlein mit Schurzleder undKappe angethan, mit Hauen und Schaufeln versehen, eilten geschäftig herbei und begannen genau an dem Punkte, wo der eine Blitzstrahl sich in die Erde gesenkt hatte, zu graben, zu schaufeln und die Erde in winzigen Karren wegzufahren, daß es eine Lust war, ihnen zuzusehen. Im Umsehen war ein Stollen in die Erde getrieben und schon kamen daraus Männchen zum Vorschein, welche winzige Fäßlein pustend und schnaufend heraufrollten, die wiederum von anderen auf Wägelchen geladen und fortgeschafft wurden. Lazarus sah schweigend und verwundert dem geschäftigen Treiben der Gnomen zu, da schlug es 1 Uhr und wie mit einem Schlage war alles verschwunden, die Zwerge, der Stollen, die Fäßchen und Wägelchen, und Stille herrschte wieder ringsum. Er glaubte aus einem Traume erwacht zu sein. Wie er sich jedoch umsah, stand noch neben ihm das schöne Mädchen. Dasselbe sah ihn mit ernster Milde an und sprach: »Du sahest hier das Bild künftigen Fleißes. Die Erde, worauf wir stehen, birgt in ihrem Schoße Alaun und Schwefel. Ihr Gewinn gehört Dir. Gehe morgen wieder hierher, aber allein, und grabe um die zwölfte Stunde auf dem bestimmten Platze; wenn Du drei Schuh tief gegraben hast, wirst Du das Gesuchte finden. Dann erst können andere Dir helfen. Der Schatz, der in der Erde schlummert, ist groß, hebe ihn zu Deinem und der Mitmenschen Frommen. Wehe aber,« fuhr sie in noch ernsterem Tone fort, »wenn das Werk gierig und hastig, oder lässig und unachtsam betrieben wird, dann werden die Erdgeister den Schatz der Mutter Erde den Lässigen und Unachtsamen entrücken und sein Segen wird dem Lande für immer verschwunden sein. Lebe wohl!« Damit reichte sie ihm die Hand und ging schwebenden Ganges zwischen den Eichen dahin und je weiter sie ging, desto mehr schien es, als ob es ein heller Nebelstreif wäre, der sich am Waldesrasen dahinzog und der in der Ferne endlich verschwand. – In der folgenden Nacht verließ Lazarus heimlich seine Hütte, ohne der alten Mutter etwas von dem Erlebten mitgeteilt zu haben, und mit Spitzhaue und Schaufel versehen eilte er dem bekannten Wäldchen zu. Wiederum ballten sich über dem Erzgebirge Gewitterwolken zusammen, er aber ließ sich dadurch nicht in seinem Vorhaben zurückschrecken, glaubte er ja sicher und fest an die ihm gewordene Verheißung. Um 12 Uhr war er am Platze angelangt. Da brach aber auch mit furchtbarer Gewalt das Gewitter los und unter betäubendem Donner fuhr ein Blitz herab und senkte sich in geringer Entfernung von ihm in die Erde, alle Gegenstände ringsum grell beleuchtend. Dort erkannte er auch die Stelle, an welcher tags vorher die Zwerge gearbeitet, und nun begab er sich herzhaft ans Werk. Kaum hatte er mehrere Schuh tief gegraben, so stieß er auchauf das verheißene Alaun- und Schwefelerz. Frohlockend verließ er den Platz und eilte, da es Tag geworden, nach Sebastiansberg, um der Bergobrigkeit seinen großen Fund anzuzeigen. Er erhielt hierauf vom Erbherrn von Komotau, Johann von der Weitmühl, die Rechte und Privilegien, welche zum Betriebe des Bergwerkes notwendig waren, und nun begann ein reges Leben im stillen Eichenwäldchen, so wie er es früher schon erschaut. Er wurde ein reicher Mann und sein altes Mütterchen erlebte noch frohe Tage.

Und die armen Bewohner der Stadt, des Landes und Gebirges genossen mit an dem Segen der Erde, und derselbe schien bei fleißigem und verständigem Betriebe eher zu- als abzunehmen, denn – wie der dürre Merten prophezeit hatte – »das Alaunerz wuchs unter der Stadt mit Gewalt.« Aber die ausgesprochene Drohung der weißen Jungfrau sollte ebenfalls in Erfüllung gehen. So lange das Werk mit Fleiß und Sorgfalt betrieben wurde, trug es reichlichen Gewinn und war ein Segen für Stadt und Land. Da kam es jedoch in habsüchtige Hände, es sollte rasch und viel gefördert werden, die Gänge und Stollen wurden nicht mit der alten Sorgfalt getrieben und erhalten, weil die Kosten der Erhaltung gescheut wurden. Da stieß man eines Tages in einem neu angelegten Stollen auf ungewöhnlich reiche Alaungänge, aber auch beim Weitergraben auf eine Quelle, deren Wasser lustig hervorsprudelte. Ein erfahrner alter Bergmann riet dem Bergwerksvorsteher, hier nicht weiter graben zu lassen, sondern den Stollen zu verbauen; aber sein Rat wurde verworfen, der prophezeiten Gefahr durch die kleine Quelle gespottet, winkte ja in dem neuen Stollen reicher Gewinn. Aber siehe, je weiter man arbeitete, desto mächtiger sprudelte die Quelle hervor, alle Versuche, sie zu verstopfen, mißlangen, das Wasser füllte den neuen Stollen, es stieg in die alten und stieg von Stunde zu Stunde immer höher, so daß die Bergleute eilig die Schächte verlassen mußten und keiner mehr in die Tiefe hinab fahren konnte. Endlich stieg es im mächtigen Schwalle bis zum Ausgange und füllte schließlich die Tiefe des ganzen Kessels und beherrschte als Sieger den ganzen Raum, wo früher viele zufriedene Menschen thätig gewesen waren. So entstand der jetzige Hütten- oder Alaunsee aus einer kleinen Quelle, und so war die Drohung in Erfüllung gegangen. Die Erdgeister hatten den Schatz wieder hinabgesenkt in die Erde, und die Wassergeister hüten ihn mit zähem Neide bis an den heutigen Tag. Selbst auf dem Wasser des Sees scheint noch der alte Fluch zu liegen, denn nichts lebendes kommt darin vor, kein Fisch schnellt über dem Spiegel nach spielenden Mücken empor, kein Wasserkäfer rudert darin emsig hin und her, sein Ufer bedeckt kein rauschendesSchilf, in welchem der Rohrsperling sein Unwesen treibt oder der Rohrsänger seinen schönen Gesang ertönen läßt und das Wasserhuhn scheu sich birgt, nur selten lassen sich im Fluge, von seinem Spiegel gelockt, Wasservögel darauf nieder, um ihn enttäuscht nach kurzer Rast wieder zu verlassen; es herrscht auf ihm die Stille und der Friede eines Kirchhofes. Die Quelle, welchedenSee geschaffen, sprudelt noch fort. Wenn im Winter der Frost seine Decke darüber spannt, friert die Stelle am spätesten zu und sie birgt gebrechliches Eis. Schon manches Opfer der Unvorsichtigkeit hat sie in ihre Tiefe gezogen.


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