Die Linde, der Nationalbaum der Deutschen, galt unsern Vorfahren als heilig; sie war besonders der Göttin Frigg geweiht, an deren Stelle später Maria getreten ist, die nun zur Beschützerin der Linden wurde. Auch das Bild der heiligen Maria von Rosenthal wurde in einer Linde gefunden. (Haupt, Sagenbuch II, Nr. 287.) Als ein aus Holz geschnitztes Marienbild von den Rastenburgern von seinem Platze, einer Linde, welche immer grün blieb, geholt und nach der Kirche getragen wurde, stand es doch am andern Morgen wieder in der Linde, weshalb man unter derselben eine Kapelle baute. So entstand der Wallfahrtsort »Heiligenlinde«. (Reling und Bohnhorst, unsere Pflanzen, S. 17.)
Die Linde, der Nationalbaum der Deutschen, galt unsern Vorfahren als heilig; sie war besonders der Göttin Frigg geweiht, an deren Stelle später Maria getreten ist, die nun zur Beschützerin der Linden wurde. Auch das Bild der heiligen Maria von Rosenthal wurde in einer Linde gefunden. (Haupt, Sagenbuch II, Nr. 287.) Als ein aus Holz geschnitztes Marienbild von den Rastenburgern von seinem Platze, einer Linde, welche immer grün blieb, geholt und nach der Kirche getragen wurde, stand es doch am andern Morgen wieder in der Linde, weshalb man unter derselben eine Kapelle baute. So entstand der Wallfahrtsort »Heiligenlinde«. (Reling und Bohnhorst, unsere Pflanzen, S. 17.)
(Th. Schäfer, Führer durch Nordböhmen, 3. Aufl., S. 65.)
Von Teplitz 1½ Stunde entfernt und in der Nähe des Bergstädtchens Graupen liegt das Jesuitenkloster Mariaschein. Die große Kirche desselben ist rings von prächtigen Linden umgeben, sowie von Säulenhallen, in denen Beichtstühle aufgestellt sind; Freskobilder stellen die wunderbaren Wirkungen des Gnadenbildes dar. Dieses selbst, ein Marienbild, »die schmerzhafte Mutter Gottes«, wird in der Mitte des Hochaltars unter Glas in goldener Hülle aufbewahrt; es ist aus Thon, etwa 12 cm hoch, und soll zur Zeit der Hussitenkriege nach der Zerstörung des Nonnenklosters zu Schwatz von einer Nonne in einer Lindean der Stelle der jetzigen Kirche versteckt worden sein, wo es seine Kraft durch die wunderbare Errettung eines Mädchens von einer Schlange bewies. Als die Bürger des Städtchens Graupen dasselbe in feierlichem Zuge in ihre Kirche gebracht hatten, kehrte es auf wunderbare Weise in die Linde zurück. Deshalb baute man an dieser Stelle zuerst eine Kapelle, dann die Kirche. Bei Wallfahrten wird das Bild gezeigt und von den Gläubigen geküßt.
S. die Bemerkung zur vorhergehenden Sage.
S. die Bemerkung zur vorhergehenden Sage.
(Joh. Böhm in der Erzgebirgs-Zeitung, 1881, S. 134.)
Betritt man die Pfarrkirche des am Hohen Steine gelegenen Dorfes Stein, so fällt einem in der Vorhalle, oberhalb des Weihwasserbeckens, ein Ölgemälde auf, Diebe darstellend, wie sie eben die wertvollsten Gegenstände vom Altar der Steiner Pfarrkirche zusammenraffen und davontragen. Die fromme Sage erzählt weiter: Die Verbrecher flohen mit dem gestohlenen Kirchengute nach Sachsen zu und in der Nähe des Hohen Steines entleerten sie die Monstranze und das Ciborium der consecrierten Hostien. Das geschah im Herbste. Das Jahr darauf, im Frühlinge, weidete eine Rinderherde in dieser Gegend. Da hörte der Hirte ein anhaltendes Röhren einiger der ihm anvertrauten Kühe, und als er nach der Ursache forschte, sah er zu seinem Erstaunen mehrere Rinder um eine Wachholderstaude stehen, an der noch einige der von den Dieben hier verschütteten Hostien hingen, während die andern, ebenfalls unbeschädigt, unter dem Strauche am Boden lagen. Eilig lief der Hirte, seine Heerde im Stiche lassend nach Hause und verkündete, was er gesehen. Viele Leute gingen mit ihm und fanden seine anfangs bezweifelten Aussagen bestätigt, sahen auch zu ihrer Verwunderung die Rinder, immer noch laut röhrend, um den »Kronawittstrauch« herumstehen. Geistliche, von einer großen Volksmenge begleitet, welcher das merkwürdige Ereignis kund geworden, kamen bald an den Ort, unter Absingung heiliger Lieder faßten sie die Hostien in den Kelch und übertrugen sie in feierlicher Prozession in die Pfarrkirche, aus der sie so freventlich entwendet worden waren.
Auf der Stelle aber, wo das Wunder geschehen, erhob sich bald eine einfache Kapelle, welche in ihrem Innern außer anderm ein Gemälde aufweist, welches auf das Auffinden der Hostien Bezug hat undan deren Stufen das bedrängte Herz Trost und Linderung seiner Leiden findet, wenn es sich zum Urquell aller Dinge erhebt.
(Die Ruinen von Tarant. Ein Beitrag zur Kunde der Vorzeit etc. Dresden, Joh. Sam. Gerlach, 1795, S. 20.)
Im Jahre 1190 erlitt die Burg Tharand das Unglück, daß sie in Feuer aufging, wobei sich noch obendrein ein großes Wunder ereignete. Es flog die daselbst seit einiger Zeit aufbewahrte heilige Georgenfahne, die im Kriege wider die Ungläubigen viele Wunder gethan hatte, während des Brandes vor aller Augen zum Fenster unversehrt hinaus, und niemand wußte anzugeben, wohin sie gekommen war.
Von dieser heiligen Georgenfahne wird erzählt, daß sich dieselbe Ludwig der Fromme, Landgraf zu Thüringen, im Kriege gegen die Sarazenen vortragen ließ. Als er bei Akkon blieb, ward die Fahne erst auf die Wartburg und später nach Tharand geschafft. (Merkels und Engelhardts Erdbeschr. v. Kursachsen, 2. B., S. 103.)
Von dieser heiligen Georgenfahne wird erzählt, daß sich dieselbe Ludwig der Fromme, Landgraf zu Thüringen, im Kriege gegen die Sarazenen vortragen ließ. Als er bei Akkon blieb, ward die Fahne erst auf die Wartburg und später nach Tharand geschafft. (Merkels und Engelhardts Erdbeschr. v. Kursachsen, 2. B., S. 103.)
(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 205.)
Bevor die Eisenbahnen aufkamen, vermittelten die Reischdorfer Fuhrleute den Handel zwischen Böhmen und den übrigen Ländern. So fuhr auch einmal ein Reischdorfer nach Nürnberg. Eines Tages, da ein großer Sturm und Regen herrschte, geschah es, daß unser Fuhrmann mit seinem Wagen in einen Abgrund fiel, wo Wagen und Pferde zerschmetterten. Er fluchte und jammerte, allein alles vergebens. Plötzlich fühlte er, daß ihm jemand auf die Achseln klopfte. Er schaute sich um und sah einen sonderbar gekleideten Mann vor sich, der ihn fragte, weshalb er so jammere. Der Fuhrmann zeigte auf seinen Wagen und erzählte sein Unglück. Da zog der Fremde ein Fläschchen aus der Tasche, in welchem sich ein Ding hin und her bewegte, und sagte zum Fuhrmann, er solle ihm dafür zwei Thaler geben; wenn er das Fläschchen rüttle und sich dabei etwas wünsche, so werde sein Wunsch augenblicklich in Erfüllung gehen; nur müsse er das Fläschchen billiger verkaufen, als er es eingehandelt habe. Der Fuhrmann zahlte voll Freuden das Geld, rüttelte das Fläschchen und wünschte sich das schönste Haus in Nürnberg. Dort lebte er in Hülle und Fülle. Eines Tages aber, als er wiederum im Wirtshaus saß und mit Geld um sich warf, sah er einen schwarz gekleideten Herrn, der ihn ganz seltsamanblickte. Der Fuhrmann ging auf ihn zu und fragte ihn, warum er ihn so betrachte. Der Fremde antwortete, daß ihm seine Verschwendung auffalle. »Ja,« sagte der Reischdörfer, »ich hab' da ein Fläschchen, damit kann ich mir alles wünschen, was ich will. Um einen Thaler jedoch will ich's Euch verkaufen.« Der Fremde nahm das Fläschchen, sprach einen Spruch darüber, so daß es in tausend Stücke zersprang; das darin befindliche Ding aber ward eine Schlange, die so stank, daß der Bauer in Ohnmacht fiel. Als er erwachte, befand er sich auf der nämlichen Stelle, wo sein Gespann zu Grunde gegangen war. Er ging nach Nürnberg, um zu sehen, was aus seinen Reichtümern geworden sei. Da sah er auf dem Balkon des Hauses, das ihm gehört hatte, seine eigene Gestalt, die ihm zuwinkte. Er trat ins Haus, allein alle Leute darin waren ihm fremd und die Gestalt war verschwunden. So kehrte er ebenso arm nach Hause zurück, als er ausgezogen war.
(J. Mann in der Erzgebirgs-Zeitung, 1882, S. 15.)
Über die Entstehung der Tempiskapelle am obern Wege von Komotau nach Görkau erzählt die Sage:
In Rothenhaus war Herr Tempis Kastellan, der seine Arbeitsleute und Herrschaftsangehörige sehr hart und grausam behandelte. Einmal kehrte er auf seinem Rosse von Komotau nach Hause zurück. Es war eine finstere, rabenschwarze Nacht, und dazu hatte er noch etwas zu viel von geistigen Getränken genossen. Anfangs ging sein Roß ganz gut, dann aber sauste es im rasenden Galopp dahin. In der Ferne bemerkte Herr Tempis ein Licht und glaubte schon bei Rothenhaus zu sein. Da auf einmal fing sein Pferd an zu sinken, und je weiter er ritt, desto tiefer sank es. Trotz aller seiner und seines Pferdes Anstrengung gelang es nicht, aus diesem Moraste heranzukommen. Herr Tempis sah schon seine letzte Stunde gekommen, da eine Rettung hier nicht möglich war. In diesem qualvollen und entsetzlichen Augenblicke that er das Gelübde, im Falle er gerettet werde, eine Kapelle zu Ehren der Mutter Gottes an dieser Stelle zu erbauen. Er trieb jetzt sein Pferd noch einmal an. Dieses bot seine letzten Kräfte auf und siehe, Roß und Reiter waren gerettet. Herr Tempis erfüllte nun auch gewissenhaft sein Gelübde.
(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 274.)
Bei Komotau gegen das Gebirge hin liegen auf einem Berge mehrere große Steine, die Katzen ähnlich sind. Das sollen sieben Jungfrauen sein, welche ein schlechtes Leben führten und deshalb in diese katzenähnlichen Steine verwandelt worden sind.
(T. Schmidt,Chronica CygneaI., S. 78.)
Als auf dem Turme der Marienkirche zu Zwickau die große Glocke am 12. Juli 1512 sprang, weil man von 8 Uhr des Abends bis den andern Morgen früh um Vier eines schrecklichen Gewitters halber nach damaliger Gewohnheit geläutet hatte, so fragte der Glockengießer, der sie umzugießen hatte, als das Metall schon geschmolzen war, und er das Werk selbst beginnen sollte, die dabei stehenden Ratsherren, was für einen Ton er der Glocke geben solle? Da nun diese verlangten, er solle derselben das Chormaß nach der Orgel, also das bloßeCgeben, hat er ein Pulver von Kräutern zugerichtet und in das Metall geworfen, und davon hat die Glocke den gewünschten Ton bekommen.
(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, Nr. 290.)
Ist einst ein Bischof, namens Wolfgang, aus dem Geschlechte derer von Schleinitz zu Freiberg gewesen. Wie der nun einmal in vollem Ornate zum Dienste des Herrn in den Dom geht, da stürzt sich ein Bettler vor seine Füße nieder, der Gliederreißen oder das böse Wesen zu haben schien. Mitleidsvoll blickten den Unglücklichen alle Anwesende an, nur der Bischof machte eine Ausnahme, er sprach zu ihm: »Tobt wirklich eine Krankheit in Dir, so möge sich Gott Deiner erbarmen und Dich gesund machen, hast Du sie aber zum Frevel erlogen, um Almosen zu erlangen, soll sie von jetzt an Deine Strafe sein.« Kaum war aber der gottlose Heuchler, welcher der ernsten Mahnung des Bischofs nicht ungehorsam zu sein wagte, vom Boden aufgestanden, als er auch mit jämmerlichem Geschrei wieder niederfiel und niemand mehr an der Erfüllung des göttlichen Strafgerichts zweifeln konnte. Da hat das Volk den frommen Bischof alsHeiligen verehrt und die Begleiter haben seitdem den St. Wolfgang zu ihrem Schutzpatron angenommen.
(Nach der poet. Bearbeitung von Ziehnert bei Gräße, Sagenschatz etc., Nr. 511.)
Am 26. Juli des Jahres 1519 ward die St. Annenkirche in der Stadt Annaberg durch den Bischof von Meißen, Johann VI., geweiht und bei dieser Gelegenheit ereignete sich folgende wunderbare Begebenheit, welche durch ein, wahrscheinlich von Lucas Cranach gemaltes Bild, das sich am Grabmonumente L. Pflocks, eines reichen Bergherrn, der bei diesem Vorgange zugegen war, befindet, noch heute im Andenken erhalten wird. Als nämlich die Prozession, bei der sich auch Herzog Georg von Sachsen befand, an der Pforte der Kirche angelangt war und der Bischof sich anschickte, dieselbe einzuweihen, sah er plötzlich einen zerlumpten Bettler, der sich in epileptischen Zuckungen auf der Erde herumwälzte, vor sich. Da erhob sich in der Seele des geistlichen Herrn der Verdacht, die Krankheit dieses Elenden sei nur eine verstellte und derselbe benutze dieselbe bloß, um bei dem heutigen hohen Feste das Mitleid der Anwesenden zu erregen. Er hob also die Rechte zur Benediktion, schlug ein Kreuz über den Bettler und sprach mit laut erhobener Stimme: »Bist Du wirklich krank, so helfe Dir der Herr, verstellest Du Dich aber, so strafe er Dich!« Kaum hatte er diese Worte gesprochen, so geschah es, daß die von dem Bettler vorgegebene Krankheit zur Wirklichkeit ward, ein fürchterliches Geschrei verkündete ihr Dasein und mehrere starke Männer waren jetzt kaum im Stande, den Unseligen in seinen Zuckungen zu bändigen und auf die Seite zu bringen.
(Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, S. 572.)
Vor einer Reihe von Jahren lebte in Schöneck ein Pfarrer Merz, welchem ein Kind von 2 Jahren starb. Nach 14 Tagen rief eine Kinderstimme bei diesem Pfarrer Merz des Abends nach 10 Uhr beim Schlafstubenfenster: »Mein Händchen und mein Füßchen!« und dies einigemale. Der letzte Ruf lautete: »Vater, mein Händchen und mein Füßchen fehlt mir!« Darauf ließ der Pfarrer Merz sein Kind wieder ausgraben, und wirklich fehlten auch diese Glieder. Es wurde nachgeforschtund man hatte auf einen Bewohner der Birkenhäuser bei Schöneck, welcher einen Schatz hatte heben wollen, Verdacht. Am nächsten Sonntage erblickte der Pfarrer den bezeichneten Mann in der Kirche; er leitete seine Predigt auf den Vorfall und rief, indem er auf den Verdächtigen hinzeigte, laut aus: »Du Schalksknecht, Du Übelthäter, verschaffe die Glieder meines Kindes wieder!« Darauf soll der Mann wie tot umgefallen sein.
(Tob. Schmidt,Chron. CygneaI., S. 63.)
Früher ward in der gewölbten Sakristei in der Marienkirche zu Zwickau ein in arabisch Gold gefaßtes Stücklein vom Kreuze Christi verwahrt, welches der Hauptmann Martin Römer im Jahre 1479 der Kapelle geschenkt hatte. Nun war aber in die Einfassung mit Cyrillischen Buchstaben und in serbischer Sprache eine Inschrift gegraben, welche also lautete: »Dieses ehrwürdige Crucifix ist auf der Königin … (der Name war nicht mehr zu lesen) Befehl gemacht und in die Kirche der h. Dreifaltigkeit bei der Grube (zu Konstantinopel) gesetzt worden; es sind in demselben fünf ganze Stücklein vom h. Kreuz und vier Edelsteine, die hölzernen Stücklein sind für 2000 Gulden gekauft, das Gold aber und die Edelsteine kosten 1000. Wer ein Stücklein von diesem Holze des Kreuzes mit Gewalt aus der Kirche der h. Dreifaltigkeit nehmen wird, der sei verflucht und das h. Kreuz bringe ihn um, wer es etwa an einem andern Orte antrifft, der schaffe es wieder in die Kirche zur h. Dreifaltigkeit, wer es nicht thut, den bringe Gott und das h. Kreuz um.« Trotz dieses Fluches hat aber, als die Türken Konstantinopel eingenommen, ein Grieche dieses Heiligtum, damit es nicht in unheilige Hände komme, errettet und hernach M. Römern in Zwickau verkauft, der auch von dem darauf geschriebenen Fluch nichts zu befürchten gehabt, weil er es nicht mutwillig entwendet, sondern nur vor denen, die es ohnedem zerschlagen und beschimpft hätten, bewahrt hat. Nun hat aber der Herzog von Friedland, insgemein der Wallenstein genannt, am 1. September 1632 dieses Kleinod durch seine Vettern Graf Maximilian von Wallenstein und Graf Paul von Lichtenstein abholen und hernach auf der Post durch genannten Grafen von Wallenstein dem Kaiser anbieten lassen, als verehre die Stadt Zwickau und die geistliche Behörde solches demselben freiwillig; allein es war hierbei wenig Willigkeit, sondern nur Gewalt zu finden, und es hießvielmehr: willst du nicht, so mußt du. Nun ist aber der besagte Fluch an allen diesen Personen ausgegangen. Nachdem dies nämlich hier am 14. September geschehen, hat der Wallenstein am 6. November die große Schlacht bei Lützen verloren und seit dieser Zeit kein Glück mehr gehabt, also daß er bald darauf zu Eger ein blutiges Ende nahm; die beiden Grafen aber sind noch in demselben Jahre umgekommen und ist keiner von ihnen eines natürlichen Todes gestorben.
(Brandner, Lauenstein, seine Vorzeit, frühere Schicksale und jetzige Beschaffenheit. Lauenstein, 1845. S. 297.)
Eine geschichtliche Merkwürdigkeit besitzt das in einem der rauhesten Teile des Erzgebirges liegende Dorf Fürstenau in seiner Kirche, welche eine Filiale von Fürstenwalde und die älteste Kirche der ganzen Umgegend ist. Denn schon lange vor der Reformation war die Kapelle in Fürstenau eine Tochter der Hauptkirche zu Graupen; sie führte den Namen »Zur unbefleckten Empfängnis Mariä« und ward 1424 mit einer Glocke beehrt. Das am Altar dieser Kirche befindliche Marienbild, von nicht ganz schlechter Bildhauerarbeit und reicher Vergoldung, stellt den Besuch Marias bei ihrer Schwester Elisabeth vor. Zu diesem Marienbilde zog der fromme Glaube eine Menge Wallfahrer, und mehrere dem Kirchlein verehrte Geschenke, sowie daselbst aufgestellte und bewahrte, von geheilten Kranken zurückgelassene Gegenstände sollen die gnadenreiche Wirkung bezeugen. Auch noch jetzt findet alljährlich am Sonntage nach Mariä Heimsuchung eine Wallfahrt der Katholiken aus dem benachbarten Böhmen unter Gesang zur Fürstenauer protestantischen Kirche statt. Sie verrichten dort vor dem Bilde knieend ihre Andacht und ziehen dann singend wieder über die Grenze zurück.
Zur Zeit der hussitischen Unruhen (um 1419 bis 1436) wurde das genannte Marienbild des Nachts von Dieben entwendet; diese aber sollen sich im Walde verlaufen und sodann, um den Weg aufzusuchen, das Bild einstweilen in einem Strauche versteckt haben. Kaum sei aber das Bild aus ihren Händen gewesen, so hätten sie auch den Weg wiedergefunden. Als nun einer der Diebe wieder zurückgegangen, um das Bild nachzuholen, sei dasselbe nirgends aufzufinden gewesen, so hätten die Diebe unverrichteter Sache wieder abziehen müssen. Das Bild aber ist tags darauf wieder an seinem Platze in der Kirche zu Fürstenau gewesen. Einer der Diebe soll dies seinem Beichtvater noch auf dem Sterbebette entdeckt haben.
Bei einem zweiten Entwendungsversuche sollen die Diebe mit dem Marienbilde des Nachts in der Gegend von Teplitz von unbekannten Männern angefallen, das Bild ihnen wieder abgenommen und solches an den Prior des Klosters Mariaschein abgeliefert worden sein. Der Prior jedoch habe das Bild seiner Schönheit und reichen Vergoldung halber für sich behalten, oder solches einer anderen Kirche verehren, nicht aber nach Fürstenau zurückgeben wollen. Allein dasselbe sei hierauf bei ihm auf einmal verschwunden und wieder an seinem Platze in der Kirche zu Fürstenau gewesen. Diese Begebenheit ist auf Befehl des Priors in allen Kirchen der Umgegend öffentlich bekannt gemacht worden, seitdem aber sei nie wieder ein Versuch zur Entwendung des Bildes vorgekommen.
(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 306.)
Zwischen dem Hausberge bei Graslitz und dem Holzhaue ist die Räumer, ein Thal, das mit großen Granitblöcken besäet ist. Dort liegt auch ein Stein, auf welchem der Abdruck eines Fußes sichtbar ist. Als die heilige Jungfrau übers Gebirge ging zu ihrer Base Elisabeth, soll sie hier gestrauchelt sein und den Fuß in den Stein eingetreten haben. Die Fußtapfe hat deshalb auch die merkwürdige Eigenschaft, daß jeder Fuß in dieselbe paßt. – Nach einer anderen Sage soll hier ein Mädchen ermordet worden sein und im Todeskampf das Mal in den Stein getreten haben.
(Nach der metrischen Bearbeitung von Ludw. Bowitsch bei Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 105.)
Ein armes Mädchen mußte durch Klöppeln für sich und die alte Mutter das kärgliche tägliche Brod erwerben. Da wurde ihm einst von der reichen Edelfrau, der Besitzerin ausgedehnter Güter und ihrer Herrin, der Auftrag erteilt, für sie in einer bestimmten kurzen Frist ein reiches Spitzenkleid zu fertigen. Wenn die arme Klöpplerin ihre Aufgabe pünktlich und zur Zufriedenheit ihrer Herrin löste, sollte ihr reicher Lohn werden; beim Gegenteile erwartete sie dagegen Spott und bitt'rer Hohn. Die arme Klöpplerin saß Tag und Nacht bei ihrer Arbeit, doch als die sechste Nacht kam, da konnte sie sich nicht mehr des Schlafes erwehren und sie wankte todesmüde ans Bett derMutter hin. Aber wunderbare Träume zogen jetzt wie ein Frühlingshauch durch ihre Seele; die ärmliche Stube erglühte in rosenrotem Scheine und leise trat eine holde Frau ein, mit einer goldenen Krone auf dem Haupte. Es war die Himmelskönigin Maria. Dieselbe setzte sich an das Klöppelkissen und die Klöppeln flogen so zauberhaft, wie es dem Mädchen nie gelungen war, so daß vor Anbruch des Tages das reichste Spitzenkleid vollendet da lag. Als das also träumende Mädchen aus dem Schlafe erwachte, stand bereits die Sonne hoch am Himmel. In Wirklichkeit aber, wie der Traum es gezeigt hatte, war das Spitzenkleid fertig und die Klöpplerin trug es frohen Mutes hinauf zum Schlosse. Da freute sich die stolze Herrin und belohnte die Arbeit so reichlich wie nie zuvor. In dem Kleide jedoch war Gottes Segen eingewoben, welcher in der Folge nicht nur der strengen Edelfrau, sondern auch der armen Klöpplerin zu teil wurde.
(Nach Vernaleken bei Henne-Am-Rhyn, Die deutsche Volkssage, 1879, S. 424.)
Bei einem alten Manne, einem Schmied in Eisenberg bei Komotau, kehrte einst der heilige Petrus ein, blieb über Nacht und gab ihm am Morgen drei Wünsche frei. Der Schmied wünschte sich: 1. einen Stuhl, von dem keiner ohne seinen Willen aufstehen könne, 2. einen Kirschbaum, von dem kein Hinaufgestiegener ohne seinen Willen wieder herab könne, und 3. daß er bei jedem Spiele gewinne. Das Letztere machte den Schmied zum reichen Manne. Endlich wollte niemand mehr mit ihm spielen, da kam der Tod und wollte ihn holen. Der Schmied schlug auch ihm ein Spiel vor und gewann noch zehn Jahre Leben. Als der Tod wieder erschien, bot er ihm den Stuhl und der Tod saß und durfte nur um zehn neue Jahre frei fort. Als auch die um waren, ließ er ihn auf den Baum steigen, dessen Kirschen ihm in die Augen stachen, und ließ ihn erst wieder herab, als er verhieß, nie wieder zu kommen.
(Jos. Schwarzer in der Erzgebirgszeitung, 5. Jahrg., S. 162.)
Noch vor wenigen Jahrzehnten zeigte man in einem Felsen oberhalb des Bergstädtchens Graupen eine Fußspur, welche von dem heiligen Wolfgang herrühren sollte. Dieser Heilige und spätere Bischof von Regensburg soll vor Antritt seiner Mission nach Pannonien hierin einer Höhle gewohnt und dabei die Spur seines Fußes zurückgelassen haben.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirk, S. 76.)
In dem Hengstberge bei Abertham arbeiteten einmal fünf Bergleute, die wegen ihrer Frömmigkeit und Gottesfurcht weit und breit bekannt waren. Sie fuhren nie an, ohne den kräftigen Bergmannssegen gesprochen zu haben:
In Gottes Namen setzenWir unser Erz jetzt ein;Laß uns von Deinen SchätzenAuf's neu beschenket sein!Wir sehn auf Deine Hände,Wem Du es giebst, dem glückt's,Vom Anfang bis ans EndeHerr benedei! so blickt's!
In Gottes Namen setzenWir unser Erz jetzt ein;Laß uns von Deinen SchätzenAuf's neu beschenket sein!Wir sehn auf Deine Hände,Wem Du es giebst, dem glückt's,Vom Anfang bis ans EndeHerr benedei! so blickt's!
Die Grube aber, in welcher sie arbeiteten, war ein Bau auf Zinn. Unverdrossen und mit treuem Sinn verrichteten sie ihre Schicht. Der Herr segnete auch ihrer Hände Fleiß; denn wo sie mit ihrem Gezähe einschlugen, arbeiteten sie große Mengen Erzes heraus, und daher kam es auch, daß die Strecken schon tief in den Berg hineinreichten. – Eines Tages versammelten sie sich wie gewöhnlich im Grubenhause. Immer pflegten sie heitern Angesichts zu sein, heute hingegen war in ihren Mienen Traurigkeit und Besorgnis zu lesen. »Freunde,« hub der älteste an, »mir scheint, daß Ihr heute sehr ernsthaft gestimmt seid. Ich bin es auch und zwar, weil ich einen bösen Traum gehabt, in welchem ich mich in einer großen Gefahr befand.« – »Uns ist es auch nicht besser gegangen,« sprachen die Viere. Da sie aber fromm waren und feste Zuversicht auf Gott hatten, blieb ihr Gemüt ruhig, sie sangen ohne Furcht und mit Ergebung den Bergmannssegen und fuhren ein. Als sie vor Ort gekommen, falteten sie nochmals die Hände und beteten:
Jesu! Du reicher Schöpfer mein,Thu kräftig sprechenAuf allen ZechenDen Segen Dein.Bescher mit Freud'Reiche Ausbeut'!Wend' allen Schaden,Thu uns in GnadenBehüten fein!Schicht! Schicht!
Jesu! Du reicher Schöpfer mein,Thu kräftig sprechenAuf allen ZechenDen Segen Dein.Bescher mit Freud'Reiche Ausbeut'!Wend' allen Schaden,Thu uns in GnadenBehüten fein!Schicht! Schicht!
Da ward plötzlich die ganze Strecke sonnenhell erleuchtet, und die erschrockenen Bergleute wußten nicht, wie ihnen geschah. Sie hörten aber eine Stimme: »Fürchtet Euch nicht, Ihr frommen Männer! Blicket auf zu mir, ich bin der Engel des Herrn, der Euer Gebet erhört! Gehet eilends aus der Grube, denn diese findet heute ihren Untergang!«
Die Fünf blickten auf und sahen freilich nur auf einen einzigen kurzen Augenblick das milde Antlitz des Himmelsboten, und als sie ihm danken wollten, war er verschwunden. Heiliger Schauer durchrieselte ihre Glieder, lautlos fuhren sie zu Tage, eilten zu den Ihrigen und dankten Gott für alle Gnaden mit Rührung und Andacht. Da krachte es auf einmal wie ungeheueres Gewitter vom Hengstenberge her, – der Bau war und blieb verschüttet.
(Nach der poet. Bearbeitung von Ziehnert in Gräße, Sagenschatz etc. Nr. 525.)
An der östlichen Außenseite der Kirche zu Schlettau befindet sich etwa 8 Ellen von der Erde ein Stein in der Mauer, der angeblich, ohne von Menschenhänden bearbeitet zu sein, einem Mönchgesichte täuschend ähnlich ist. Das Volk erzählt sich von demselben folgende wunderbare Geschichte: Um das Jahr 1520 war Johannes Küttner (oder Kottne), ein Bruder des Grünhainer Abtes Georg Küttner, Pfarrer zu Schlettau. Da begab es sich, daß einst in stiller Mitternacht, als dieser noch eifrig in den Kirchenvätern studierte, ein bleicher Schatten vor ihn hintrat und also sprach: »Fürchte Dich nicht, ich bin der Geist eines Deiner Vorgänger, der vor nunmehr 100 Jahren, als die Hussiten in der Nähe waren, ein silbernes Crucifix um Mitternacht in die Kirchmauer vergrub, wo es noch ist; ich ward am nächsten Morgen von den wilden Ketzern erschlagen und bin jetzt gekommen, um Dich aufzufordern, das heilige Kreuz wieder an seinen frühern Ort auf den Altar zu stellen; Du wirst den Fleck, wo es vermauert ist, leicht erkennen, denn es wird sich Deinem Auge ein Lichtschein zeigen und da, wo derselbe erglänzt, schlage ein, und Du wirst es sogleich entdecken!« Damit verschwand der Geist, der fromme Pfarrer aber eilte in die Kapelle, wo der Sakristan ihn bereits zur Messe erwartete. Diesem teilte er das Erlebte mit und hieß ihn am folgenden Mittag mit Hammer undSpitzhaue zur Hand sein, um das Crucifix aus seinem Verstecke herauszunehmen. Kaum war aber der Pfarrer wieder weggegangen, da versuchte der Böse das dem Geize an sich schon zugewendete Herz des Sakristans, er beschloß auf der Stelle den Versuch zu machen, das Crucifix zu entdecken, den Raub auf die Seite zu schaffen und dann den Fleck möglichst gut wieder auszubessern, damit man von dem geschehenen Diebstahl nichts gewahren möge. Nach kurzem Suchen fand er auch das Lichtlein, und als er an der Stelle, die hohl klang, einschlug, blinkte ihm auch das Silber entgegen; allein er hatte bei dem Schlage das eherne Bildnis des Heilandes mit zerschlagen. Da fuhr auf einmal ein Donnerschlag vom Himmel herab und die Kirchenglocken fingen von selbst an Sturm zu läuten. Der Pfarrer fuhr aus dem Schlummer empor, er eilte herab und fand schon eine Menge Volk um die Kirche versammelt, weil man glaubte, dieselbe stehe in Flammen. Als die Thüren geöffnet wurden, fand man dieselbe zwar ganz hell, aber nirgends sah man Feuer, wohl aber lag der Tempelräuber zerschmettert neben dem herabgestürzten Crucifix am Boden, doch war sein Kopf vom Rumpf wie abgehauen, und als man nach demselben suchte, fand man ihn an derselben Stelle in der Mauer, wo das Crucifix eingemauert gewesen war. Der tiefbetrübte Pfarrer ließ nun das zerschlagene Bild des Heilands aus seinen Trümmern zusammensuchen, den Körper des Verbrechers aus der Kirche fortschaffen und befahl, den Kopf desselben nach Morgen zu in der Mauer zum ewigen Gedächtnis einzumauern. Als aber der Tag anbrach, da sah man das bleiche Gesicht des Sakristans von selbst zum Stein geworden aus der Mauer heraussehen, und dort steht es noch, denn es läßt sich weder übertünchen noch vermauern, ja man erzählt, daß es oft Thränen vergieße und allemal, wenn dem Städtchen Gefahren drohen, in gelbem Lichte leuchte.
(Nach Ziehnert, Sachsens Volkssagen, 4. Auflage, Nr. 53 bei Gräße, Sagenschatz etc., Nr. 521.)
Als im Jahre 1730 der Totengräber auf dem Kirchhofe zu Buchholz ein Grab machen wollte, fand er im Sande noch eine ganz unverweste Totenhand, der aber der Gold- und kleine Finger wie abgehackt waren. Er zeigte dieselbe dem Pastor Melzer daselbst und dieser schlug nun im Kirchenbuche nach, wem dieselbe gehört haben möge, da er sich erinnerte, daß schon am 14. Juni des Jahres 1704 ihm vondem damaligen Totengräber dieselbe Meldung gemacht worden sei, er aber demselben den Bescheid gegeben, die Hand wieder einzuscharren, weil sie wahrscheinlich an einer Wasserkluft gelegen und deshalb nicht habe verwesen können. Jetzt fand sich's, daß die Hand dem im Jahre 1669 begrabenen Sohne des Stadtrichters von Buchholz, Andreas Müller, gehörte, der, weil er seine alte Mutter, die er bestohlen und die ihm den Diebstahl vorgeworfen, gemißhandelt und mit Ermordung bedroht, von dieser verflucht worden war. Dadurch war denn jene alte Sage bewiesen, daß dem, der sich an seinen Eltern vergeht, die Hand aus dem Grabe wächst.
Auch Temme erzählt in den Sagen der Altmark (Nr. 56.) von einem ungeratenen Sohne im Dorfe Groß-Redensleben, welcher seinen Vater schlug, als ihn derselbe wegen seines sündhaften Wandels ermahnte. Darauf ereilte den Sohn sogleich die Strafe des Himmels; er stürzte tot nieder. Als man ihn aber begrub, wuchs seine eine Hand aus dem Grabe heraus und man mußte sie abhauen, da sie sich nicht mit vergraben ließ. Zur Erinnerung wurde sie in der Kirche aufgehangen und darüber an einer schwarzen Tafel folgendes geschrieben:Sieh, sieh Du böses Kind,Was man hier merklich find't,Eine Hand, die nicht verwest,Weil der, deß sie gewest,War ein ungeratenes Kind,Wie man auch jetzt noch find't.Den Vater schlug der Sohn,Drum hat er dies zum Lohn,Daß hier hängt seine Hand;Hüt' Dich für solche Schand'.
Auch Temme erzählt in den Sagen der Altmark (Nr. 56.) von einem ungeratenen Sohne im Dorfe Groß-Redensleben, welcher seinen Vater schlug, als ihn derselbe wegen seines sündhaften Wandels ermahnte. Darauf ereilte den Sohn sogleich die Strafe des Himmels; er stürzte tot nieder. Als man ihn aber begrub, wuchs seine eine Hand aus dem Grabe heraus und man mußte sie abhauen, da sie sich nicht mit vergraben ließ. Zur Erinnerung wurde sie in der Kirche aufgehangen und darüber an einer schwarzen Tafel folgendes geschrieben:
Sieh, sieh Du böses Kind,Was man hier merklich find't,Eine Hand, die nicht verwest,Weil der, deß sie gewest,War ein ungeratenes Kind,Wie man auch jetzt noch find't.Den Vater schlug der Sohn,Drum hat er dies zum Lohn,Daß hier hängt seine Hand;Hüt' Dich für solche Schand'.
Sieh, sieh Du böses Kind,Was man hier merklich find't,Eine Hand, die nicht verwest,Weil der, deß sie gewest,War ein ungeratenes Kind,Wie man auch jetzt noch find't.Den Vater schlug der Sohn,Drum hat er dies zum Lohn,Daß hier hängt seine Hand;Hüt' Dich für solche Schand'.
(Flader, Wiesenthalisches Ehrengedächtniß, 1719, S. 108. Darnach Gräße, Sagenschatz d. K. S., Nr. 500.)
Im Jahre 1709 ist ein kurfürstlicher Geleitseinnehmer, mit Namen A. L., in gewissen Angelegenheiten verreist; da er nun wenigstens zwanzig Meilen entfernt ist, so sieht sein damaliges Hausmädchen, da sie am Abend gegen 5 Uhr von ihrer Frau in ihre Schlafkammer geschickt wird, ihn von ohngefähr in seinem Bette liegen und meint, er sei ohne ihr Wissen nach Hause zurückgekehrt. Sie fragte also die Frau: »Ist der Herr nach Hause gekommen?« Diese antwortet aber: »Du wirst ihn ja sehen.« Daher hat sie sich weiter nicht darum gekümmert. Nachdem nun die Frau selbst des Nachts gegen 12 Uhr schlafen geht, erblickt diese ihn ebenfalls in ihrem Bette, da er sichdenn gerührt, daß es davon geknistert und das Bett ein wenig von sich geschlagen. Welches sie bewegt, daß sie unten um das Bett herumgegangen und ihn angeredet hat: »Ei, mein Kind, wie bist Du denn hier? Hast Du mich doch erschreckt!« Da er denn die Beine hinausgeschlagen, aus dem Bette gefahren und unter das Dach, so sich in der Schlafkammer findet, gekrochen, auch daselbst plötzlich verschwunden ist. Die Frau hat sich nun zwar ins Bett gelegt, aber vor großem Schreck die ganze Nacht nicht schlafen können, weil sie nicht gewußt, wie es zugehe, daß sie ihren Mann, der so viele Meilen entfernt war, habe sehen können. Sie hat aber fleißig gebetet, der Herr wolle sie vor Anfechtung bewahren. Als ihr Mann nun wieder nach Hause gekommen, hat er erzählt, er sei an jenem Tage gerade bei einem Jäger gewesen, der ihn sehr wohl traktiert und mit Braten, Kuchen und Wein bestens bewirtet, da habe er immer an seine Frau gedacht und gewünscht, daß sie solches auch mit genießen möge.
(Curiosa Saxon., 1738, S. 269. Darnach Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, Nr. 229.)
Als Gott am heiligen Abende vor dem Johannistage des Jahres 1738 Tuttendorf bei Freiberg mit einem heftigen Donnerwetter heimsuchte und der Strahl des Bergmanns J. D. Schieffels Wohnhaus im Oberdorfe entzündete, hat zwar die wütende Feuersglut alles verzehrt, allein alle im Hause befindliche Personen sind mit dem Leben davon gekommen, und was das Sonderbarste ist, die schon zu mehreren Malen überDr.Joh. Arndts berühmtes Gebetbuch, Paradiesgärtlein betitelt, in Feuersgefahr waltende Fürsorge Gottes hat sich auch hier wiederum bethätigt. Denn da sich unter dem geistlichen Büchervorrat dieser armen Verunglückten auch gedachtes Buch in der von Chr. Weinmann, Buchhändler zu Erfurt, in länglich Duodez 1725 besorgten Auflage befunden, so hat man dasselbe am anderen Tage unter der Asche dergestalt angetroffen, daß, obwohl der Einband desselben gänzlich zu Kohlen verbrannt, dennoch kein Buchstabe in dem Buche selbst verletzt war, sondern dasselbe ganz unversehrt im Feuer geblieben ist. Es ist solches dem Pastor des Ortes von den Abgebrannten zum ewigen Andenken überlassen worden, bei dem man es noch lange hat sehen können.
(I. Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 168. II. Die Natur von Müller, 1878, Nr. 45.)
I. Es war seinerzeit in Elbogen ein Burggraf von Wülfenfels unter der Oberherrschaft der Rohenburger als berüchtigter, mordlustiger und raubgieriger Burgherr und wegen seiner grausamen Handlungen gefürchtet und bekannt. Seine Leibeigenen pflegte er oft ohne besonderen Anlaß in den Sprudel-Teufelsweiher zu werfen, um sie zu versteinern. Als er sogar seine eigene Tochter im Burghofe anketten ließ und im Begriff war, den Todespfeil auf sie zu schleudern, da grollte plötzlich der Himmel, ein Donnerschlag ertönte und ein Blitz lähmte seinen Arm. Das Kind war gerettet, denn soeben hielt der edle Rohburger seinen Einzug in Elbogen. Da ihm Mitteilung von den Schandthaten des Burgherrn gemacht wurde, befahl er, denselben sofort festzunehmen und zu züchtigen. Wülfenfels, der dies hörte, verschwand. Das letztemal sah man ihn mit drohenden Gebärden, seine Armbrust gegen den Himmel haltend, auf dem Schloßbalkon stehen und hörte ihn lästern über den Donner und Blitz, die Schuld trugen, daß sein Kind noch lebte. Vergeblich suchte man nach ihm; doch bald sollte sich das Ganze aufklären; am Balkon fand man einen großen, zur Eisenschlacke zusammengeschmolzenen Stein, mit den Resten einer halbverbrannten Armbrust auf einem Klumpen liegen. Der Markgraf ließ diesen Stein im Schlosse aufbewahren; die Franzosen aber warfen ihn bei ihren Kriegszügen im Jahre 1776 in den tiefen Schloßbrunnen, aus dem er später wieder herausgehoben wurde, um auf das Rathaus gebracht zu werden. Dieser Stein, von den Naturforschern als Meteor bezeichnet, war ursprünglich 192 Pfund schwer; ein Teil davon kam in das Naturalienkabinet nach Wien, ein Teil in jenes nach Prag, und der Rest im Gewichte von 43 Pfund wird auf dem Rathause zu Elbogen vorgezeigt.
II. Auf dem Schlosse zu Elbogen lebte vor Jahrhunderten ein böser Burggraf, welcher seine Unterthanen hart drückte. Einst läutete derselbe während eines Gewitters eigenhändig auf dem Turme die Glocke, um damit seine Leute zum Frohndienste zusammenzurufen. Da schlug plötzlich der Blitz ein und schmolz den Grafen und die Glocke in einen Guß zusammen. Das ist nun jener Eisenklumpen, von welchem man noch heute in der Stadt einen Teil zeigt. Man hat die Masse schon oft in einen Brunnen versenkt, aber immer ist dieselbe von selbst wieder herausgekommen. Sie soll bald zentnerschwer, bald ganz leicht sein, letzteres aber nur für Menschen, welche noch nicht gesündigt haben.
(Metrisch von Hager, Vogtl. Volkssagen, 1839, II., S. 13. Darnach bei Gräße a. a. O., Nr. 640.)
Vom Kirchhofe zu Klingenthal bis an den naheliegenden Wald geht jede Nacht um die zwölfte Stunde ein gespenstiger Schatten, eine Leuchte in der Hand. Das Volk erzählt sich hierüber folgende Geschichte: Es soll einst in Klingenthal ein Köhler gewohnt haben, der jede Nacht von der Seite seiner getreuen Hausfrau aufstand, um angeblich im Walde nach seinem Meiler zu sehen. Die wahre Ursache war aber, daß er im Busche zu einer dort wohnenden Concubine schlich. Einst ging er auch in finsterer Nacht, die Leuchte in der Hand, den wohlbekannten Weg, da folgte ihm sein Weib, das er schlafend glaubte, und warf ihm geradezu sein Vergehen vor. Er wollte es zwar anfangs leugnen, aber bald gab ein Wort das andere, er ward heftig, schlug seine rechtschaffene Frau nieder und begab sich zu seinem Kebsweibe. Als er mit diesem im besten Kosen begriffen war, öffnete sich plötzlich die Thür und sein Weib stürzte herein und traf die Schuldigen auf offner That. Jetzt halfen keine Verstellungen mehr, er mißhandelte sie abermals und warf sie zur Thür hinaus mit der Drohung, sie in den brennenden Meiler zu schleudern, wenn sie ihm wieder zu nahe komme. Sie aber verfluchte ihn und rief: »Der Meiler werde Dir selbst zum Grab, mögest Du lebendig verbrennen!« Des lachte der Köhler; als er aber nach seiner Gewohnheit den Meiler erklomm, um sich umzuschauen, stürzte dieser plötzlich zusammen und der Frevler versank in seinen feurigen Schlund.
(Gießler, Sächs. Volkssagen, Stolpen o. J., S. 289.)
An der südlichen Grenze des meißnischen Erzgebirges lebte vor alter Zeit ein wohledler Ritter, mit Namen Kurt von Rechenberg, auf seinem Stammschlosse Rechenberg an der Mulde, von welchem sich noch jetzt Ruinen auf einem Felskegel am rechten Thalgehänge inmitten des freundlichen Fleckens Rechenberg vorfinden.
Hochbegütert und vom Glanze einer zahlreichen Dienerschaft umgeben, lebte der fromme Edelmann gar glückliche Tage dahin. Seine Diener hielt er gleich eigenen Kindern wert, und er wurde darum von allen auch wieder geliebt wie ein Vater.
Da geschah es eines Tages, daß ein junger, dürftig gekleideter Bursche aus fremden Landen zum Ritter kam und ihm seine Diensteanbot. Das treuherzige Wesen des jungen Mannes, der erzählte, wie viel Elend er schon habe ertragen müssen, gefiel dem Herrn von Rechenberg und er nahm ihn in seinen Dienst.
Georg – so hieß der junge Bursche – war munter und flink auf den Füßen, er flog gleichsam wie ein Pfeil, wenn ihn sein Herr irgendwo hinsandte, und seiner thätigen, willfährigen und geschickten Hand glückte alles wunderbar, ja, es schien ordentlich, als wenn ein besonderer Segen auf seinem Thun ruhte. Ein außerordentliches Ereignis sollte seine Verdienste um das Haus Rechenberg noch mehr ins Licht stellen.
Einst versetzten Flüchtlinge aus der nahen böhmischen Pflege die Bewohner der Burg Rechenberg in lebhafte Aufregung, denn sie meldeten, daß einige bekannte böhmische Raubritter mit ihren Mannen sich der Grenze näherten und mordend und sengend das Land verwüsteten. Darüber ward Kurt von Rechenberg sehr betrübt und er beschloß nach Rücksprache mit seinem Vogte einen Kundschafter auszusenden, um zu erfahren, wie stark die Zahl der Feinde sei. Niemand erschien ihm dazu geeigneter als sein flinker Diener Georg. Derselbe dankte für den ihn ehrenden Auftrag und wenige Minuten später jagte er auf flüchtigem Rosse hinaus zum Burgthore, dem Feinde entgegen. Bereits am andern Morgen kehrte der Knappe in das Schloß zurück. Zum Erstaunen der Burgbewohner befanden sich zwei gefüllte Säcke, einer hinten und einer vorn, auf dem Gaule. Ritter Kurt stand unter dem Thor, und befremdet wegen des seltsamen Aufzuges fragte er: »Was klirrt denn so um Deinen Sattel?« Georg antwortete wohlgemut: »Seid getrost, Herr Ritter, alles hat gute Wege. Das sind Hufeisen, die ich den Pferden abgerissen habe, während die Feinde schliefen. Vorsichtig und dennoch sonder Hast eilte ich den Raubgesellen entgegen, immer der Grenze entlang, bis ich sie in der Nähe des Dorfes Einsiedel erblickte. Es war schon finstere Nacht und alle hatten sich sorglos dem Schlafe überlassen. Deshalb machte ich mich unverweilt an die Arbeit und glaube damit unsern Feinden einen recht üblen guten Morgen geboten zu haben, denn ohne Hufeisen sind die Spitzbuben nicht imstande, die Gebirgspfade zu bereiten, und noch viel weniger möchte es gelingen, hier herum so viel Eisen aufzutreiben, als ihnen fehlen. Damit ihr aber, gestrenger Herr, die Anzahl der Feinde schätzen möget, bracht' ich die Eisen gleich mit, da die Dunkelheit der Nacht mich hinderte, die Feinde zu überzählen. Nun ist es wohl mit uns bestellt, und ruhig können wir uns rüsten, bevor sie sich uns nahen.« Der Burgherr lächelte zufrieden und sagte: »Du bist, traun, ein seltsamer, aber vortrefflicher Bursche!« Dann setzte er, zu dem Vogtegewendet, hinzu: »Entweder war das Begebnis ein Wunder, oder der Knecht Georg ist verwegen bis zur Tollkühnheit. Nun, wir wollen die Raubgesellen gehörig empfangen!«
Die Worte Georgs erfüllten sich; die Feinde nahten erst, nachdem alle Vorbereitungen zu deren nachdrücklichem Empfange getroffen waren. Sie wurden über die Grenze zurückgetrieben und dabei zeichnete sich Georg durch persönliche Tapferkeit aus, so daß er sich noch mehr die Liebe seines Herrn gewann.
Später zeigte sich die Treue und Liebe Georgs noch auf eine andere Art. Sein Herr gab ihm einst ein Schreiben, welches nach dem Rittersitze Grünau bei Marienberg bestimmt war, mit dem Bemerken, bei der Bestellung zu eilen, dieweil es Not habe, der Ort, wohin der Brief solle, fern liege und die Sonne schon tief stehe. Georg versprachs und rühmte sich, die drei Meilen bis nach dem Orte Grünau mit der Schnelle eines Vogels zurücklegen zu wollen. Nach Verlauf einer Stunde aber kam der Ritter von ungefähr in den Stall. Wie erstaunte er da, als er seinen Knecht, den er weit fort glaubte, in einer Ecke des Stalles, auf Stroh gebettet, sanft schlafend fand. Da ward der Ritter unwillig und weckte den Knecht auf, indem seine Augen in aufsteigendem Zorne funkelten, doch bezwang er sich, denn sein Herz war gut und sein Gemüt lauter und fromm. Erschrocken vor seines Herrn plötzlicher Umwandlung fuhr Georg auf und sprach: »Da, lieber Herr, – o zürnt mir nur nicht! – da ist ja schon die Antwort!« Unter diesen Worten überreichte er das Gegenschreiben. »Bei allen Heiligen!« rief der Ritter aus, dessen Angesicht erbleicht war, »es ist die Wahrheit! Sage, Georg, wie wäre das wohl möglich? Du müßtest schneller als der Sturm, flüchtiger als der Raubvogel gewesen sein, um das zu vollbringen. Du warst also wirklich in Grünau?« Und als Georg diese Frage bejahte, verfinsterten sich des frommen Rechenbergers Züge; mit stillem Grausen erbrach er zitternd das Schreiben und taumelte mit Entsetzen zurück, als er wirklich die ihm wohlbekannte Handschrift des weitentfernten Freundes in Grünau erblickte.
Nachdem er die Antwort gelesen hatte, hob er also an: »So ist es denn wahr, was ich nimmermehr für möglich gehalten hätte! Dies zu vollbringen, reicht die Menschenkraft nicht aus. Entweder bist Du, seltsames Wesen, ein Bote Gottes, oder ein Abgesandter der Teufels! Die Weise Deines Thuns, wie auch Dein Thun selber ist unheimlich und verschlossen, und Du scheinst mir unmöglich ein Sterblicher zu sein!« Da verwandelte sich schnell, wie durch Zauberkraft, der rätselhafte Jüngling vor den Augen des Ritters und eine von Licht umflossene Engelsgestalt stand da, welche sprach: »Der Herr der Herren,welcher mich zu Dir gesandt hat, Dir zu dienen, hat mich auch zugleich befähigt, Dir also thun zu können, wie ich that; sein Auge ruhte schon lange auf Deinem Haupte, Dir zum Schutze. Durch mich läßt Dir der Herr verkünden, wie wohl es ihm gefalle, wenn Herrscher gegen ihre Untergebenen Milde und Geduld üben! Diese hast Du mir erwiesen und auch den andern Knechten. Der Herr wird Dir dafür lohnen, wenn Du die Menschen stets wie Deine Brüder liebst!« Darauf verschwand der Engel wie das Rot eines Sommermorgens, den Ritter aber durchwehte Gottesfrieden, und es zog ihn in die Burgkapelle, wo er Gott für seine unendliche Gnade dankte. Er gelobte, seinen Untergebenen stets ein Vater sein zu wollen und bis an sein Lebensende hat er dieses Gelöbnis treu gehalten.
(Lotti Cori in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs, 1885, S. 126.)
Seitwärts vom Eisenberger Forsthause befindet sich auf einer malerisch schön gelegenen Waldlichtung eine niemals vollendet gewesene und teilweise wieder verfallene Kapelle in romanischem Stil. Behauene Steine und Säulen liegen rings umher, von Gesträuch und Epheu überwuchert, die Stufen sind mit Moos überkleidet, und im Innern der Kapelle grünt und blüht es. Die Vögel üben hier nun ungestört ihre Baukunst, denn die Gebirgsbewohner meiden voll Scheu jenen Unglücksort. Die Sage giebt nämlich die Kunde, daß ein Graf Lobkowitz, als das Geschlecht noch nicht gefürstet war, hier einst eine Kapelle für den heiligen Dorn erbauen wollte, um einen Wallfahrtsort zu gründen; doch der edle Graf fand beim Bau, den er oft besichtigte, durch einen herabstürzenden Stein den Tod. Ein Nachkomme, ein Fürst Lobkowitz, wollte später das begonnene Werk vollenden, doch ihn erschlug eine riesige Eiche, die man zum Bau fällte. Dieses abermalige Unglück wurde als Fingerzeig Gottes aufgefaßt, daß der heilige Dorn in der Schloßkapelle verbleiben solle, und die Kapelle, deren Kuppel sich schon zu wölben begann, blieb unvollendet. Aus jener Eiche wurde ein großes Crucifix geschnitzt, das man an der Unglücksstelle mit einer kleinen Kapelle überbaute. Jetzt aber ist dieses Kreuz, welches einen nicht unbedeutenden Kunstwert besitzen soll, in der renovierten Schloßkapelle aufgestellt.