555. Der Name der Stadt Sonnenberg.

Richtig ist wohl, daß die Stadt ihren Namen dem Sebastian von Weitmühl verdankt. Von demselben wurde Sebastiansberg des Bergbaues wegen, aber keinesfalls vor 1519 gegründet; er erbaute daselbst auch eine kleine Kirche, die auf Wunsch seiner Unterthanen nach seinem Namenspatron zu St. Sebastian benannt wurde. Von der Kirche ging der Name auch auf die ganze Ansiedelung über.

Richtig ist wohl, daß die Stadt ihren Namen dem Sebastian von Weitmühl verdankt. Von demselben wurde Sebastiansberg des Bergbaues wegen, aber keinesfalls vor 1519 gegründet; er erbaute daselbst auch eine kleine Kirche, die auf Wunsch seiner Unterthanen nach seinem Namenspatron zu St. Sebastian benannt wurde. Von der Kirche ging der Name auch auf die ganze Ansiedelung über.

(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 71.)

Die Veranlassung zur Gründung der Stadt Sonnenberg gab der in dortiger Gegend einst stark betriebene Bergbau auf Silber, Kupfer, Zinn und Blei. An einem nebligen Morgen, in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, so erzählt die Sage, sandte der Grundherr, der ein Lobkowitz auf Hassenstein war, einige seiner erfahrenen Bergleute auf die Höhen mit dem Auftrage, dort, wo die Sonne am ersten durch das trübe Gewölk brechen würde, einzuschlagen und das Bergglück zu suchen. An dem Orte nun, wo jetzt Sonnenberg steht, erschien sie ihnen zuerst. Es wurde gleich mit Schlägel und Eisen Hand an die Arbeit gelegt, und die Mühe belohnte sich reichlich. Man baute dann einzelne Hütten für die Bergleute. Mit dem wachsenden Bergglück vermehrten sich beide. Die Sonne gab diesem Orte den Namen, und aus dem wüsten Waldorte wurde in kurzem ein Bergflecken. Durch spätere Begnadigung erwuchs er endlich zu einer Bergstadt.

(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 169.)

Die Stadt Falkenau soll ihren Namen dadurch erhalten haben, daß ein Bürger aus Eger einen Falkenhof erbaut und dadurch eine Ansiedelung hervorgerufen hat, die sich allmählig zu einem Dorfe undschließlich zu einer Stadt emporhob. Die über dem Röhrbrunnen am Marktplatze in Falkenau sich erhebende Bildsäule stellt einen Falkner dar, der ein Hüfthorn am Schulterbande und einen Hund zur Seite hat. Es soll dies die Statue jenes Falkners sein, der als Gründer der Stadt gilt und dessen Name im Volksmunde »Wastel« (Sebastian) heißt.

Fr. Bernau (Comotovia 4, S. 98) hält es zwar für nicht unmöglich, daß auf dem am rechten Egerufer sich hinziehenden Wiesenlande vielleicht im 12. Jahrhunderte, da sich in Böhmen nicht bloß Edelleute, sondern auch selbst Geistliche dem Jagdvergnügen mit Leidenschaft hingaben, eine Falkenbeize errichtet war, doch hält er mehr dafür, daß zu obiger Sage bloß der Ortsname den Stoff geliefert habe. In dem Stadtwappen von Falkenau wurde seit ältester Zeit ein Falke geführt und es ist daher jedenfalls die in der Stadt in jetziger Gestalt erst 1724 errichtete Falknerstatue nur eine Ausschmückung des Stadtwappens.Vom »Falken« abgeleitete Ortsnamen treten überhaupt häufig sowohl in deutschen, als auch slavischen Gebieten auf; der historische Ursprung dieser Benennungen ist aber wohl immer unbekannt. Nur von dem DorfeSokolec(Sokol= Falke) bei Podiebrad wird erzählt, daß man daselbst noch im 16. Jahrhundert für die Podiebrader Jäger Falken abgerichtet habe. Dieses slavische Dorf besitzt also zu seinem Namen eine gleiche Sage wie unser im deutschen Gebiete liegendes Falkenau.

Fr. Bernau (Comotovia 4, S. 98) hält es zwar für nicht unmöglich, daß auf dem am rechten Egerufer sich hinziehenden Wiesenlande vielleicht im 12. Jahrhunderte, da sich in Böhmen nicht bloß Edelleute, sondern auch selbst Geistliche dem Jagdvergnügen mit Leidenschaft hingaben, eine Falkenbeize errichtet war, doch hält er mehr dafür, daß zu obiger Sage bloß der Ortsname den Stoff geliefert habe. In dem Stadtwappen von Falkenau wurde seit ältester Zeit ein Falke geführt und es ist daher jedenfalls die in der Stadt in jetziger Gestalt erst 1724 errichtete Falknerstatue nur eine Ausschmückung des Stadtwappens.

Vom »Falken« abgeleitete Ortsnamen treten überhaupt häufig sowohl in deutschen, als auch slavischen Gebieten auf; der historische Ursprung dieser Benennungen ist aber wohl immer unbekannt. Nur von dem DorfeSokolec(Sokol= Falke) bei Podiebrad wird erzählt, daß man daselbst noch im 16. Jahrhundert für die Podiebrader Jäger Falken abgerichtet habe. Dieses slavische Dorf besitzt also zu seinem Namen eine gleiche Sage wie unser im deutschen Gebiete liegendes Falkenau.

(Ed. Wenisch in der Erzgebirgs-Zeitung, 2. Jahrg., S. 4.)

In der sehr industriellen, am Rohlauflüßchen gelegenen Stadt Neudeck zieht der sogenannte Turmbergfels unsere Aufmerksamkeit auf sich. Er besteht aus mehreren über einander liegenden Granitblöcken. Auf diesem Felsen steht ein uralter Glockenturm, der ehedem zu einer Burg gehört haben soll, welche von einem Raubritter bewohnt wurde. Diesem Turme verdankt Neudeck, wie folgende Sage berichtet, seinen Namen.

Einstmals verirrte sich auf der Jagd ein Jäger im dichten Walde und wußte nicht, wo ein und aus. Schon viele Stunden hatte er im Waldesdunkel nach einem rettenden Pfade gespäht, da kam er auf den Hochtannenberg und stieg dort, um sich in der Gegend zurecht zu finden, auf eine hohe Tanne. Hocherfreut sah er östlich im Thale ein Gebäude stehen, welches neu eingedeckt war. Darauf ging der ermüdete Waidmann zu und fand daselbst den alten Turm, neben dem ein Häuschen stand, welches ein Schmied, namens Waldesel, bewohnte. Er trat in die Schmiedewerkstätte. »Lieber Waldesel«, redete er den alten Meister an, »dem neugedeckten Turme da verdanke ichden Ausweg aus dem Walde; deshalb heiße er samt den andern Gebäuden von jetzt an »Neudeckt!« Und des Jägers Wunsch ging in Erfüllung; denn noch heute trägt der Ort, der nach und nach zu einer gewerbfleißigen Stadt anwuchs, den Namen Neudeck.

(Mündlich.)

Frühbuß ist ein altes Bergstädtchen im böhmischen Gebirge, das einst weiter oben und zwar da lag, wo sich heute der Kranichsee ausbreitet. In diesem Moore ist es eines Tages versunken. Da haben sich die Bewohner tiefer angebaut, weil ihnen hier die vielen Zinnerze, welche aus dem Gebirgsschutte durch die Seifenarbeit gewonnen werden konnten, reichen Unterhalt versprachen. Die Gewinnung der Erze nahm sie auch so in Anspruch, daß sie den Bau ihrer Hütten und ihre häuslichen Arbeiten nur vor der Seifenarbeit vornehmen konnten, um bei dieser selbst keine Zeit zu versäumen. Solche Früharbeit aber nannte und nennt man noch jetzt in der Gegend »Frühbuß«, und von ihr erhielt in der Folge die Ansiedelung ihren Namen.

Bezüglich des ersten Teiles der Sage wird noch auf »die unterirdischen Glocken im Kranichsee« verwiesen.Das Wort »Frühbuß« erinnert an das in manchen Gegenden, z. B. in Geringswalde und in der Oberlausitz gebräuchliche »herumbusseln« = geschäftig da und dort in der Arbeit nachhelfen, und das davon abgeleitete »Hausbussel«, womit ein auf diese Weise thätiger Mensch bezeichnet wird.

Bezüglich des ersten Teiles der Sage wird noch auf »die unterirdischen Glocken im Kranichsee« verwiesen.

Das Wort »Frühbuß« erinnert an das in manchen Gegenden, z. B. in Geringswalde und in der Oberlausitz gebräuchliche »herumbusseln« = geschäftig da und dort in der Arbeit nachhelfen, und das davon abgeleitete »Hausbussel«, womit ein auf diese Weise thätiger Mensch bezeichnet wird.

(Mündlich.)

Oberhalb Karlsfeld nahe am Kranichsee, durch welchen sich die sächsisch-böhmische Grenze zieht, liegt auf einer Meereshöhe von ca. 900 Mtr. das böhmische Dorf Sauersack.

M.Christoph Gottlob Grundig macht in den »Neuen Versuchen nützlicher Sammlungen zu der Natur- und Kunstgeschichte, sonderlich von Ober-Sachsen, 2. B., (Schneeberg, 1752,)« bei diesem Orte und seinem Namen folgende Bemerkungen: »Sauersack, ein fast auf dem höchsten Gipfel derer Gebirge, welche Böhmen und Meißen auf dieser Seite von einander scheiden, sehr zerstreut liegender Bergort, welcher auf dem kahlen Boden derer abgetriebenen Holzungen an einem ausNordwest nach Südost streichenden Gehänge sich als der Rest des ruinirten Waldes vom Grunde bis auf die Giebel der Häuser hölzern erhebt, – – hat wohl den Namen mit der That, weil sowohl denen Reisenden die hier vorübergehende Straße, sonderlich bei üblem Wetter, äußerst sauer werden, als auch denen armen Einwohnern des Ortes, welche wie die Vögel des Himmels weder säen, ernten, noch etwas in ihre Scheuern sammeln können, – – nicht weniger ihr mühseliges Leben sehr sauer und unangenehm fallen muß.« Und: »Es ist unter diesem Gehänge, zunächst gegen Westen, eine lange, schmale und sumpfige saure Wiese, welche die gebirgischen Bauern ein »Geseer« (Gesäuer?) zu nennen pflegen und die vermutlich zu dem Namen der Gegend und des Ortes Anlaß gegeben hat.«

Eine Sage erzählt nun über die Entstehung des Ortsnamens Sauersack folgendes:

In jener Zeit als der Zinnreichtum des dortigen Gebirges, welcher hauptsächlich in Seifenwerken ausgebeutet wurde, die ersten Ansiedler anlockte, gebot die unwirtliche Gegend, daß alle Nahrungsbedürfnisse aus dem fruchtbaren Egerthale geholt wurden. Diese Arbeit hatten hauptsächlich die Frauen der Seifner zu verrichten. Da geschah es nun, daß die Frau des ersten Ansiedlers einen schweren Sack mit Nahrungsmitteln (die Volkssage spricht von Kartoffeln) geholt hatte und bei ihrer Ankunft in der Hütte sprach: »Ei, das ist ein saurer Sack!« So wurde die Hütte und später die gesamte Ansiedelung »Sauersack« genannt, welchen Namen sie bis zum heutigen Tage behalten hat.

(Mündlich.)

Sorgenthal bei Jöhstadt ist ein Ortsteil des böhmischen Dorfes Pleil. Wo derselbe jetzt liegt, war einst ein finsteres Waldthal, durch welches früher die Straße von Weipert nach Preßnitz führte. Wenn nun die Reisenden durch das Waldthal kamen, befiel sie große Sorge, denn hier lauerten ihnen vielfach Räuber auf, die in dem sogenannten Blechhammer zwischen Weipert und dem »weißen Hirsch« ihre Herberge hatten. Sie führten die Gefangenen aus dem Thale mit sich nach genanntem Blechhammer, wo viele Mordthaten geschehen sind. In dem Thale aber, wo anfangs nur einige Köhlerhütten standen, wurde nach Lichtung des Waldes ein Ort gegründet, welcher den Namen Sorgenthal erhielt.

(Geschichte der Stadt Weipert von C. Schmidl und Joseph Pohl, Chemnitz, 1874, S. 10 und 17.)

Die Stadt Weipert wurde früher auch Weiberg oder Weinberg genannt. Dieser Name schreibt sich daher: Als die Bergbaulustigen die reichen Silberanbrüche der »Milde-Hand-Gotteszeche« auffanden, riefen sie freudig aus: »Das ist ein fruchtbringender Weinberg!« Davon ist dann der Ort genannt worden.

Der Ursprung von Weipert ist jedenfalls unmittelbar an der heutigen Grenzbrücke und wahrscheinlich an der Stelle zu suchen, wo jetzt die Fabrik des Julius Schmidt steht. Hier am Bache ist die tiefste Thaleinsenkung, welche der uralte Paß von Preßnitz nach Schlettau zu überwinden hatte, und hier hatte der Frachtfuhrmann, mochte er kommen, von welcher Seite er wollte, einen steilen Berg vor sich, so daß er seinen Tieren Ruhe gönnen mußte. Es entstand daher an dieser Stelle die erste Niederlassung, die eine Herberge war. Die Sage erzählt, daß dieses Wirtshaus später eine Räuberhöhle war, in welcher Reisende durch eine Fallthüre in einen Keller stürzten und dort ermordet und begraben wurden, bis es endlich durch eine Dienstmagd, die einen jungen Mann warnte, verraten wurde, worauf Soldaten aus Kaaden das Haus umringten und samt den Bewohnern niederbrannten. Man hat auch unter späteren Besitzern des Hauses, das jedenfalls bald wieder aufgebaut wurde, bei Umbauten Totengebeine im Keller gefunden.

Als dann im 12. Jahrhunderte mit dem in der Gegend aufblühenden Eisensteinbergbau auch die ersten Eisenschmelzen in Sorgenthal und bei Pleil entstanden, bildete sich oberhalb des Passes dort, wo jetzt der Gasthof zur Stadt Leipzig steht, eine zweite Ansiedelung. Ein unternehmender Mann mit Namen Weyperth, von dem Erzreichtum der Gegend angelockt und mit der Erz- und Eisengewinnung vertraut, erbaute hier das erste Haus und ein Hammerwerk, dem seine Angehörigen und Arbeitsleute den Namen ihres Werkherrn gaben.

Wir haben nach obiger Überlieferung zwei sagenhafte Deutungen des Namens Weipert. Die erste widerspricht insofern der Geschichte, als schon im Jahre 1533 der Name Weiberg (Weinberg), demnach in einer Zeit, zu welcher der Silberbergbau in der Gegend noch nicht begonnen hatte, in den Gerichtsbüchern des Ortes vorkommt. Vielleicht wurde auch der Name eines Bergwerks, das man dem heiligen Wigbert geweiht hatte, auf den entstehenden Ort übertragen.Von Interesse ist es, daß die Sagen von der Entstehung Weiperts und Sorgenthals des uralten Passes gedenken, welcher über den Höhenzug zwischen Preßnitzund Pleil, das sogenannte Kremsiger und Bremsiger Gebirge, nach Pleil und Sorgenthal und weiter über das Pleilwasser und Kreuziger Gebirge zwischen Weipert und Pleil nach dem weißen Hirsch führte. Derselbe ging beim Blechhammer über den Pöhlbach und sodann über Kuhberg, Sehma, Schlettau, Elterlein und Zwönitz nach Leipzig und Halle, von woher die Böhmen schon in den ältesten Zeiten ihr Salz bezogen. Eine alte Straße, auf welcher Fuhrleute Salz nach Böhmen holten, führte auch über die Gegend, wo jetzt Freiberg steht, und solche Fuhrleute waren es nach der Sage auch, welche in einem Wagengleise daselbst die ersten Silbererze fanden und so die Gründung Freibergs veranlaßten.Der alte Weiperter Paß hat noch deutliche Spuren von Weipert bis zum Blechhammer und in Kuhberg hinterlassen, wo tiefe Hohlwege, zum Teil selbst in festem Gestein vorhanden sind.Christian Lehmann leitet im Hist. Schauplatz (S. 42) den Namen des Ortes Kuhberg von einem czechischen Worteküweribi, welches er mit »ausspannen« verdeutscht, ab. Wenn dies richtig ist, so würde dieser Name zur Bestätigung von einer uralten Herberge am Pöhl- oder Grenzbache dienen.Erwähnt mag hierbei werden, daß der zwischen Weipert und Kuhberg gelegene sächsische Grenzort Bärenstein früher »Kuhzahl«, d. h. Kuhschwanz geheißen haben soll. Seinen jetzigen Namen führt er nach dem Archiv für sächs. Geschichte (12. B., S. 95) erst seit dem Jahre 1526 nach dem basaltischen Bärensteine, an dessen Fuße er liegt.

Wir haben nach obiger Überlieferung zwei sagenhafte Deutungen des Namens Weipert. Die erste widerspricht insofern der Geschichte, als schon im Jahre 1533 der Name Weiberg (Weinberg), demnach in einer Zeit, zu welcher der Silberbergbau in der Gegend noch nicht begonnen hatte, in den Gerichtsbüchern des Ortes vorkommt. Vielleicht wurde auch der Name eines Bergwerks, das man dem heiligen Wigbert geweiht hatte, auf den entstehenden Ort übertragen.

Von Interesse ist es, daß die Sagen von der Entstehung Weiperts und Sorgenthals des uralten Passes gedenken, welcher über den Höhenzug zwischen Preßnitzund Pleil, das sogenannte Kremsiger und Bremsiger Gebirge, nach Pleil und Sorgenthal und weiter über das Pleilwasser und Kreuziger Gebirge zwischen Weipert und Pleil nach dem weißen Hirsch führte. Derselbe ging beim Blechhammer über den Pöhlbach und sodann über Kuhberg, Sehma, Schlettau, Elterlein und Zwönitz nach Leipzig und Halle, von woher die Böhmen schon in den ältesten Zeiten ihr Salz bezogen. Eine alte Straße, auf welcher Fuhrleute Salz nach Böhmen holten, führte auch über die Gegend, wo jetzt Freiberg steht, und solche Fuhrleute waren es nach der Sage auch, welche in einem Wagengleise daselbst die ersten Silbererze fanden und so die Gründung Freibergs veranlaßten.

Der alte Weiperter Paß hat noch deutliche Spuren von Weipert bis zum Blechhammer und in Kuhberg hinterlassen, wo tiefe Hohlwege, zum Teil selbst in festem Gestein vorhanden sind.

Christian Lehmann leitet im Hist. Schauplatz (S. 42) den Namen des Ortes Kuhberg von einem czechischen Worteküweribi, welches er mit »ausspannen« verdeutscht, ab. Wenn dies richtig ist, so würde dieser Name zur Bestätigung von einer uralten Herberge am Pöhl- oder Grenzbache dienen.

Erwähnt mag hierbei werden, daß der zwischen Weipert und Kuhberg gelegene sächsische Grenzort Bärenstein früher »Kuhzahl«, d. h. Kuhschwanz geheißen haben soll. Seinen jetzigen Namen führt er nach dem Archiv für sächs. Geschichte (12. B., S. 95) erst seit dem Jahre 1526 nach dem basaltischen Bärensteine, an dessen Fuße er liegt.

(Aus einer handschriftlichen Chronik von Böhmisch-Wiesenthal, mitgeteilt vom Pfarrer H. Friedlein in Ober-Wiesenthal.)

Bei dem Städtchen Böhmisch-Wiesenthal liegt der Ort Stolzenhahn, auch Stolzenhain und Stolzenhann, in alten Kirchenbüchern »der Stoltze Hayn« genannt.

In alten Zeiten stand in der Gegend des jetzigen Dorfes im dichten Walde eine Schmelzhütte. Als eines Morgens zwei Arbeiter vor die Thür traten, erblickte der eine von ihnen einen schönen Auerhahn, der auf einem nahen Baume saß. Da rief er aus: »Sieh, welch ein stolzer Hahn!« und von diesem Ausrufe hat der Ort später seinen Namen bekommen.

(Aug. Kießling, Das Mineralbad zu Einsiedel, 1881, S. 8. Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 72.)

Nach einer alten geschriebenen Chronik, welche im Pfarramts-Archive zu Neuhausen aufbewahrt wird, hat der Ort Einsiedel bei Sayda seinen Namen von drei Brüdern bekommen, welche sich vor langer, langer Zeit als Einsiedler dort aufhielten. Auch die zu Einsiedelgehörige Ortschaft Brüderwiese soll ihren Namen diesen drei Brüdern verdanken. Man vermutet, daß sich daselbst ihre Einsiedelei befand, denn in der Kirche zu Seiffen zeigt man eine alte Glocke, welche in der Brüderwiese aufgefunden worden sein soll und die möglicherweise der Klause der drei Einsiedler einst angehörte.

Auch das Dorf Einsiedel bei Chemnitz soll seine Entstehung einem Einsiedler verdanken, der in frühesten Zeiten dort gehaust hat.

Bei der früheren Unsicherheit des Reisens auf den alten Verkehrsstraßen durch unwirtliche Gebirge nahm die Kirche derartige Straßen vielfach unter ihren Schutz. Klosterbrüder bauten sich an ihnen in der Wildnis Klausen, um die Reisenden mit geistlichem Troste zu versehen und ihnen wohl auch leibliche Pflege angedeihen zu lassen. Die Namen von Dörfern, welche an den Plätzen solcher Einsiedeleien, an denen sich vielleicht auch Kapellen befanden, später entstanden sind, ebenso wie die Namen von Brunnen oder Anhöhen u. s. w., haben die Erinnerung an derartige Stationen erhalten. Es ist wohl möglich, daß auch der Ursprung unserer beiden Ortschaften auf die Niederlassung solcher Klosterbrüder zurückzuführen ist. Eine der alten Handelsstraßen führte von Sayda über Purschenstein und das jetzige Einsiedel nach Böhmen. (S. auchDr.Alfr. Moschkau, Oybin-Chronik, S. 197.)

Bei der früheren Unsicherheit des Reisens auf den alten Verkehrsstraßen durch unwirtliche Gebirge nahm die Kirche derartige Straßen vielfach unter ihren Schutz. Klosterbrüder bauten sich an ihnen in der Wildnis Klausen, um die Reisenden mit geistlichem Troste zu versehen und ihnen wohl auch leibliche Pflege angedeihen zu lassen. Die Namen von Dörfern, welche an den Plätzen solcher Einsiedeleien, an denen sich vielleicht auch Kapellen befanden, später entstanden sind, ebenso wie die Namen von Brunnen oder Anhöhen u. s. w., haben die Erinnerung an derartige Stationen erhalten. Es ist wohl möglich, daß auch der Ursprung unserer beiden Ortschaften auf die Niederlassung solcher Klosterbrüder zurückzuführen ist. Eine der alten Handelsstraßen führte von Sayda über Purschenstein und das jetzige Einsiedel nach Böhmen. (S. auchDr.Alfr. Moschkau, Oybin-Chronik, S. 197.)

(Gräße, Sagenschatz d. K. S., N. 294.)

In der Nähe der Dörfer Rothenfurth und Halsbrücke bei Freiberg führt eine Brücke über die Mulde, welche man die Halsbrücke nennt. Die Sage erzählt, sie habe ihren Namen davon erhalten, daß der Bote, welcher Kunzens von Kauffungen Begnadigung vom Kurfürsten überbringen sollte, hier, weil die Brücke von den Fluten der sehr angeschwollenen Mulde weggerissen worden war, aufgehalten ward, also nicht zu rechter Zeit eintreffen konnte und so Kunz seinen Hals hergeben mußte.

(Mitgeteilt vom Lehrer R. Schlegel aus Hartenstein.)

Als in früheren Zeiten im jetzigen Ortmannsdorf, Mülsen St. Niklas und St. Jakob eine furchtbare Pest wütete, sollen in diesen Dörfern, welche damals andere Namen hatten, nur drei Männer, Ortmann, Niklas und Jakob, am Leben geblieben sein, nach deren Namen später die Dörfer benannt wurden.

(Nach der metr. Bearbeitung eines Lichtenbergers.)

Bei dem Dorfe Lichtenberg erhebt sich der bewaldete und die ganze Umgegend beherrschende Burgberg. Man erzählt, daß einst auf ihm ein Schloß stand, welches als gefürchtetes Raubnest weit und breit bekannt war. Wenn der Herr dieser Burg mit seinen Knappen durch das Land zog, so bezeichneten Mord und Brand die Stätten, welche er heimsuchte. Kehrte er dann von seinem blutigen Zuge wieder nach dem Schlosse auf dem Burgberge zurück, so kreisten in wilder Lust daselbst die Becher und die geängstigten Bewohner des Thales sahen dann in der Nacht die Fenster des Schlosses hell erleuchtet. Da sprachen sie zu einander: »Es wird wieder Licht auf unserm Berge!« Dabei verwünschten sie die Bösewichter und baten Gott, daß er sie doch von dieser Plage befreien wolle. Und die Zeit kam endlich auch, daß die Burg zerfiel, und nur einen alten Steinwall bezeichnet man als deren Reste. An dem Fuße des Berges konnte man wieder ruhig wohnen, es bauten sich daselbst mehr und mehr an, und die zerstreuten Ansiedelungen wurden später zu einem Dorfe vereinigt, dem man zur Erinnerung an das Licht, welches einst nach jedem Raubzuge der Ritter auf der Spitze des Burgberges zu sehen gewesen war, den Namen »Lichtenberg« gab.

(Mündlich. Wilisch, Kirchenhist. v. Freiberg etc. II., S. 293. Kirchengalerie, 12. B., S. 115.)

Das Dorf Dörnthal bei Sayda hieß früher Dorothenthal nach einer des heiligen Dorothea gewidmeten Kapelle, welche im 30jährigen Kriege zerstört worden sein soll. Diese Kapelle soll zum Kloster Ossegg gehört haben und sind zu derselben viel Wallfahrten geschehen. Man sagt, daß von ihr noch eine zerschossene Wetterfahne vorhanden sei, welche sich jetzt auf dem dermalen dem Kramer Keilig in Dörnthal gehörigen Hause befindet. Auch zeigt man noch die eingefriedigte Stelle, wo jene Kapelle gestanden haben soll. Von zwei Glocken, die auf der Kapelle gehangen haben, soll die eine nach Annaberg und die andere nach Großhartmannsdorf gekommen sein.

(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.)

Das nur aus wenigen Waldhäusern bestehende Örtchen Weiters-Wiese bei Karlsfeld soll ehemals »Weidewiese« geheißen haben. Es war an dieser Stelle mitten im Walde eine nach Auerbach gehörige Wiese vorhanden, auf welche während des Sommers von den Fleischern genannter Stadt das Vieh zur Weide getrieben wurde.

(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, 1847, S. 13.)

Auf dem Schellenberge, wo sich jetzt Augustusburg erhebt, trieb in ihrem Raubschlosse eine starke Zahl Räuber besonders heillos ihr Wesen. Ein ähnliches Raubschloß befand sich kaum 2 Stunden davon entfernt, jenseits der Chemnitzer Straße auf einem Waldhügel. Durch Signale standen sie in enger Verbindung. Wenn nämlich von Freiberg her jenseits der Oederaner Gegend Reisende mit Handelsgütern sich zeigten, so zogen die Räuber des Schellenberges eine Glocke an – daher der Name Schellenberg –, was für die jenseitigen Räuber das Zeichen war, sich an der Straße zur Plünderung bereit zu machen. Wenn hingegen von Chemnitz her sich die Reisenden sehen ließen, zündeten jene ein Feuer an, um dem Schellenberger ein gleiches Zeichen zu geben; daher der Name; denn der Wächter rief dann: »Licht im Walde!« Länger als 300 Jahre trieben die Räuber ungestraft dies Wesen; man weiß jedoch nicht, wer und wann es endigte.

(Oesfeld, Hist. Beschr. von Lößnitz, 1776, S. 2.)

Es wird gesagt, daß bei Streitwald ein Treffen vorgefallen sei, man darauf in Beutha die Beute geteilet habe, in Affalter der Feind sei abgehalten und Lößnitz durch einen Nebel den Feinden unsichtbar und also aus ihrer Hand sei erlöset worden.

Eine andere Tradition meldet nichts von einem Streite, erzählt aber mit der vorigen Sage übereinstimmend, daß die Stadt Lößnitz durch einen Nebel verdeckt und so von dem Kriegsheere »erlöset« worden sei. Es sei nämlich der Feind einst früh aufgebrochen und habe seinen Weg auf Lößnitz genommen. Ein starker Nebel aber habe die Stadt, welche im Grunde liegt, den Augen des Feindes entzogen, deralsdann den Weg verfehlt habe und nach Zwönitz und dem Chemnitzwasser entlang bis an die Stadt Chemnitz gekommen sei. (Peck, Beschreibung des Chursächsischen Erzgebirges, 1. B., 1795, S. 4.)

Eine andere Tradition meldet nichts von einem Streite, erzählt aber mit der vorigen Sage übereinstimmend, daß die Stadt Lößnitz durch einen Nebel verdeckt und so von dem Kriegsheere »erlöset« worden sei. Es sei nämlich der Feind einst früh aufgebrochen und habe seinen Weg auf Lößnitz genommen. Ein starker Nebel aber habe die Stadt, welche im Grunde liegt, den Augen des Feindes entzogen, deralsdann den Weg verfehlt habe und nach Zwönitz und dem Chemnitzwasser entlang bis an die Stadt Chemnitz gekommen sei. (Peck, Beschreibung des Chursächsischen Erzgebirges, 1. B., 1795, S. 4.)

(Beschreibung über die Kirche zu Oberlungwitz, St. Martin genannt etc. von dem dortigen Schulmeister aufgezeichnet 1766, Manuskript.)

In den älteren Zeiten soll in der Gegend, wo jetzt Lichtenstein steht, ein sehr finsterer und dicker Wald gewesen sein, da denn die wenigen Häuser, welche anfänglich erbaut gewesen, den Namen »Finsterstein« bekommen haben. Darnach aber, als der Wald durch Erbauung mehrerer Häuser immer lichter geworden, so daß man den Ort zu einer Stadt bestimmte, hätte er den Namen Lichtenstein bekommen.

(Glückauf 2. Jahrg. No. 7. undDr.Hasse im Glückauf 3. Jahrg. No. 3., Bahn, Das Amt, Schloß und Städtchen Frauenstein, 1748, S. 34.)

Hinter der Ruine des Schlosses Frauenstein ragt ein mit einem Pavillon versehener Felsen hervor, genannt der Zeisigstein. Der Name soll von einem Hauptmann der meißnischen Burggrafen, Zeisig, herrühren. Erzählt wird darüber folgendes: In der Fehde zwischen dem Kurfürsten Friedrich dem Sanftmütigen und dem Meißner Burggrafen Heinrich Reuß-Plauen, worin ersterer dessen Burg Frauenstein im Jahre 1438 erstürmen und brechen ließ, soll ein sie verteidigender Schloßhauptmann, mit Namen Zeisig, als Rebell auf dem obengenannten Felsen enthauptet worden sein. Noch heutigen Tages zeigt man in der Ringmauer der Burgruine die Thür, durch welche jener burggräfliche Lehnsmann zur Hinrichtung geführt worden sein soll. Ein gleicher und gleichzeitiger Vorgang soll einem weiter nördlich jetzt in den »Bürgerfichten« versteckten Felsen den Namen »Storch« gegeben haben. Die Sage meldet überhaupt von drei Vögeln: Finke, Storch und Zeisig, die auf dem Frauenstein genistet, oder deutlicher zu reden, des Burggrafen zu Meißen Hauptleute gewesen sind.

(Mitgeteilt vom Dir. Ludw. Lamer in Hainsberg.)

Als sich im dreißigjährigen Kriege die Bewohner von Rabenau in die nahen Wälder flüchteten, hielten sie Gottesdienst im Freien,und es heißt der Felsen, von dem herab der Pfarrer predigte, noch jetzt der Predigtstuhl oder die Kanzel. Rabenau aber, welches damals bis auf wenige Häuser niedergebrannt wurde, soll weiter auf der Höhe, in der Gegend des jetzigen neuen Kirchhofs gestanden haben. Nachdem die Kriegsfurie vorbeigezogen war, bauten sich die übrig gebliebenen Einwohner näher der Kirche wieder an.

(Mitgeteilt von. Dir. Ludw. Lamer in Hainsberg.)

Die Tochter des letzten Herrn von Rabenau verliebte sich sterblich in den Junker Jeschke (Jesico) von Dohna. Der harte Vater verwehrte sie ihm aber und schlug seine Werbung rundweg ab. Rasch entschlossen raubte sie der edle Junker und feierte die Brautnacht und das Beilager gleich im Walde an der Stelle, die noch heute das Brautbette genannt wird.

Übrigens soll in den Hainleiten zwischen dem Predigtstuhl und Brautbette, welche vormals zum Schlosse gehört haben sollen, eine ganze Braupfanne voll Gold vergraben sein. Näheres ist darüber aber nicht bekannt geworden.

(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, 4. Aufl., Prosaischer Anhang, No. 1.)

Um das Jahr 1651 war Agnes Katharina von Bünau, geb. von Ponikau, Besitzerin von Lauenstein. Ihr Gemahl war auf einer Reise nach Mainz gestorben und hatte sie in Mutterhoffnungen zurückgelassen. Im dritten Monat ihres Wittums gebar sie einen Sohn, der unter der sorgsamen Pflege der Mutter und einer Amme wohl gedieh. Der Knabe war wenig über das zweite Jahr alt, als einst an einem schönen Sommertage Frau Katharina mit der Amme ohnweit des Schlosses auf jenem Hügel lustwandelte, welcher jetzt der Pavillon heißt. Als der Knabe in den Armen der Amme entschlummert war, sprach die Mutter: »Laß uns Blumen pflücken, damit wir ihn dann mit einem Kranze schmücken.« Die Amme bettete das Kind an der Höhe des Hügels in das weiche Gras und half sodann der Herrin die Blumen zu dem Kranze pflücken. Da schoß plötzlich aus der Höhe über dem nahen Forste ein gewaltiger Raubvogel herab auf das schlummernde Kind, faßte es mit den Klauen und schwang sich damit in die Höhe. Doch schien des Knaben Last seinem Fluge hinderlich,denn kaum achtzig Fuß hoch flog er langsam nach den Felsklüften und Wäldern jenseits des Schlosses. Jetzt gewahrten die beiden Frauen den Raub des Kindes. Zum Tode erschrocken schlug die arme Mutter die Hände vor das Gesicht und sank ohnmächtig nieder; die Amme aber verfolgte schreiend und händeringend den über ihr fliegenden Räuber. Schon schwebte derselbe über dem hohen und felsigen Hügel, der im oberen Teile des unmittelbar vor dem Schlosse liegenden Städtchens Lauenstein sich erhebt, – da fiel ein Schuß. Ein Jäger, welcher, aus dem nahen Forste zurückkommend, die Gefahr sah, hatte den Schuß gethan und gut getroffen. Der Vogel stürzte tot zur Erde und lebend und wohlbehalten hing das geraubte Kind an den Klauen des erschossenen Vogels.

Zum Andenken an diese wunderbare Rettung ihres Söhnchens ließ Frau Katharina auf dem Hügel, wo der Vogel tot niederstürzte, einen Turm erbauen und später auch eine Glocke darin aufhängen. Dieser Turm ist zur Ruine geworden und die Glocke hängt jetzt auf dem Turme der Lauensteiner Kirche; der Hügel aber heißt heute noch der Katharinenstein.

(Erzgeb. Bote, 1809, No. 2. Desgl. bei Ziehnert a. a. O., Anhang, No. 35.)

Ein Grünhainer Pater empfand auf dem Wege zur Kapelle, wo er seines Amtes warten wollte, große Hitze und setzte sich im Walde nieder, um zu verkühlen und auszuruhen; aber im Niedersetzen berührte ihn etwas von hinten so unsanft, daß er vor Schmerz laut aufschrie. Er untersuchte den Boden und fand einen starken Zacken gewachsenen Silbers, der drei Zoll lang aus der Erde hervorstand. Um die Stelle sicher zu bezeichnen, zog er seine Kutte aus und legte sie darüber. Dann eilte er in vollem Laufe nach Grünhain zurück und erzählte von seinem Funde voller Freude dem Abte. Bald darauf ward an der mit der Kutte bezeichneten Stelle ein regelmäßiges Berggebäude angelegt, welches lange Zeit gute Ausbeute gab und noch jetzt die Kutte heißt.

(Ziehnert, Sachsen Volkssagen, Anhang, No. 37.)

Im Jahre 1632, als kaiserliche Truppen von der Burg Scharfenstein die ganze Umgegend durchreisten und plünderten, war es einem Trupp herzhafter Burschen aus Elterlein und Zwönitz gelungen,in der Nähe von Scharfenstein sechs Österreicher, welche im dichten Walde schliefen, zu überfallen und gefangen zu nehmen. Was nun mit den Gefangenen zu beginnen sei, darüber entstand bei den Siegern heftiger Streit. Die von Elterlein meinten, daß es das beste sei, sie sämtlich tot zu schlagen; die von Zwönitz wollten nichts davon wissen und brachten es dahin, daß man zuletzt beschloß, sie zur Armee zu bringen. So zogen sie fort. Als sie in die Nähe von Geyer kamen, erhob sich der Streit von neuem, und weil die Elterleiner mit Gewalt drohten, so wurden die Zwönitzer voll Ärger und schieden von ihnen, die Gefangenen ihrem Schicksale überlassend. Dieses war ein trauriges. Denn kaum waren die Zwönitzer im Walde verschwunden, so fielen die mordlustigen Elterleiner über die wehrlosen Opfer ihrer Wut her und ermordeten fünf Österreicher auf die grausamste Weise; den sechsten aber warfen sie in ein tiefes Loch, in welchem ihn die Vorübergehenden noch am andern Tage jammern hörten.

Zum Gedächtnis dieser Greuelthat heißt jene Stelle der Wiesen bei Geyer noch jetzt »sechs Brüder,« ohne daß man bestimmen kann, ob wirklich die sechs unglücklichen Österreicher Brüder gewesen sind.

(Mündlich.)

An der Straße von Marienberg nach Wolkenstein, ungefähr eine halbe Stunde von ersterer Stadt entfernt, erhebt sich die Dreibrüderhöhe, welche jetzt mit dem Prinzeß-Marienturme geschmückt ist. Über den Namen dieses Berges wird folgendes erzählt: Es geschah, daß einst drei Brüder mit einander in den Wald nach Holz fuhren. Da fanden sie einen zu Tage gehenden Silbergang. Sie bauten denselben alsobald ab und legten hierauf, um auch die Erze aus der Tiefe zu holen, ein Bergwerk an, in welchem sie große Reichtümer gewannen. So entstand zuerst die Grube »Alte Brüder«, und später, als auch weiter abwärts Silbererze gefunden wurden, die Zeche »Neue Brüder«. Die Anhöhe aber wurde zur Erinnerung an jene Brüder die Dreibrüderhöhe genannt.

(Fickenwirth, Chronik von Lengenfeld, S. 275.)

Nach einer Nachricht ist die in Waldkirchner Flur und nahe der Grenze des ehemaligen erzgebirgischen Kreises befindliche Waldung,»Reue« genannt, nebst ein paar über der Pammlersmühle gelegenen Feldparzellen einst in der Teurung für 50 Meißner Gulden verkauft worden. Weil nun der Verkäufer es später bitter bereut hat, die Grundstücke so billig verkauft zu haben, so hat man der Waldung den Namen »Reue« beigelegt, welchen sie noch heute führt.

(Mündlich.)

Von Sosa herab kommt das Bärbächel, welches sich etwas unterhalb Blauenthal in die Mulde ergießt. Der auf beiden Seiten von Wald eingeschlossene Grund, durch welchen es fließt, wird der »Bär« genannt. Der Name soll sich von folgender Begebenheit herschreiben: In dem dortigen, einst noch ausgedehnteren Walde sollen sich die letzten Bären aufgehalten haben. Dieselben kamen einst von der gegenüberliegenden Spitzleite und mußten dabei über die Mulde. Ein kleiner Bär wollte nicht mit hinüber, da gab ihm ein alter einen Schlag, daß er sofort tot war. Die übrigen zogen weiter nach ihrem Lager. Von dem getöteten Bären nun soll der Name des Grundes herrühren.

(Mitgeteilt vom Prof.Dr.Friedrich Polle in Dresden.)

An der Müglitz erhebt sich dem Schlosse Bärenstein gegenüber eine schöne, schroff abfallende Felswand, welche ebenfalls der Bärenstein heißt. Sie hat ihren Namen daher, daß auf dem Felsen einst ein Jäger mit einem Bären kämpfte und den Sieg dadurch errang, daß er den Bären die Felswand hinunter warf.

(Ed. Haller, Kurzgefaßte Volkssagen über den Mückenberg. Mückenberg, 1880. Grohmann, Sagenbuch aus Böhmen, S. 246. Karl Müller, die Natur, 1882, No. 24.)

I. Der Volkssage nach soll im 9ten Jahrhundert auf dem Mückenberge bei Graupen, dort, wo sich jetzt bei der Restauration die Pinge befindet, eine Art Turm von Zinngraupen zu Tage gestanden unddurch den Schein der Sonne sowohl wie des Mondes einen solchen Glanz verbreitet haben, daß die Ritter der Festen Geiersburg und Lauenstein, welche in jener Zeit diese Gegend allein beherrschten, bei ihrem gegenseitigen Verkehre, welcher meistens auf der Strecke zwischen dem jetzt dort befindlichen sogenannten »Goldammer-« und »Schänkerkreuz« nächst dem Kesselgrund stattfand, diesem Berge mit seinem Zinngraupenturme auswichen, weil dieselben den weithinsichtbaren Schein als einen Spuk ansahen, daher der Berg »Spukberg« oder »Muckberg«, woraus später »Mückenberg« ward, genannt wurde. – Auf derselben Stelle am Mückenberg, wo gegenwärtig das St. Wolfgangs-Kirchlein steht, hatte um jene Zeit ein Einsiedler, mit Namen Wolfgang, seine Klause aufgeschlagen, und bei einem Fehdezug der alten Ritter hatten sich in einer sehr finsteren und furchtbar stürmischen Nacht zwei Knappen in der Richtung von der Geiersburg bis zu der Klause verirrt und waren ob des schlechten Wetters, der dabei ausgestandenen Lebensgefahr und des immerwährenden Spukes so erzürnt, daß sie den alten Einsiedler verdächtigten und ihm als alleinigen Bewohner des Berges alles Unangenehme und Überstandene sowie auch den Spuk zur Last legten. Sie erfaßten endlich den ehrwürdigen Greis, banden ihn und drohten mit Todesqualen, wenn er nicht ein aufrichtiges und reumütiges Geständnis über den teuflischen Spuk und das höllische Wetter, woran er nur allein Schuld sein könne, ablege. Der fromme Einsiedler fiel vor Schreck auf die Knie und bat bei Gott und allen Heiligen, man möchte ihm nur bis Tagesanbruch Lebensfrist gewähren, dann würden ihre Herren Ritter die reichsten Menschen auf Erden sein. Als dies die Knappen hörten, versprachen sie die Bitte zu gewähren. Da nun der Tag graute, war in der Natur Stille eingetreten, kein Lüftchen regte sich, die Lerchen erhoben sich zum Gesange und der alte Einsiedler Wolfgang führte die beiden Knappen den Hügel empor, wo jetzt die Restauration Mückenturm steht, zeigte mit seiner Rechten gegen Osten und siehe da – majestätisch ging die Sonne auf, sodaß die Knappen wie versteinert dastanden. Sodann sprach der Einsiedler mit feierlicher Stimme: »Sehet ihr Rittersknappen! Derjenige Gott, der jetzt die Sonne aufgehen läßt, welche ihre wunderbaren Strahlen auf diesen Zinnturm wirft und immer den Glanz und Schein verbreitet, vor dem ihr euch fürchtet, der läßt auch finstere Nächte, große Stürme und Regen werden; darum gehet hin zu euren Rittern und verkündet ihnen, daß dies kein Spuk, sondern ein mir bekanntes, gewinnreiches Erz ist und daß ich die nächtigen Unbillen von euch unschuldig ertragen mußte, euch aber doch verziehen sei!« Hierauf verließen die beiden Knappen erstaunt und vergnügt über die Schönheitdes Sonnenaufganges, aber mehr noch über die glänzenden Zinngraupen, den Muckberg und begaben sich durch den Kesselgrund nach der Geiersburg, wo sie alles verkündeten, was sie erlebt und gesehen hatten. Von dieser Zeit an wurde der Einsiedler oft von den Rittern der Geiersburg und Lauenstein besucht, die auch angefangen haben sollen, daselbst die Zinngraupen zu brechen.

II. In der Nähe von Teplitz hauste einst ein gottvergessener Räuber, dessen weittragendes Gewehr alle Hühner und Gänse in der Nachbarschaft erlegte. Obendrein stahl er den Leuten ihre Haustiere. Mit dem Raube eilte er immer auf den Berg, und so rasch, daß ihn der schnellste und gewandeste Mann nicht einzuholen vermochte. Einst hatte der Bösewicht auch einer armen, alten Frau ihre Kuh gestohlen. Das Mütterchen aber, froh des Besitzes einer Wünschelrute, schwang diese, sobald sie den Raub entdeckt, und rief im höchsten Ingrimme die Worte aus: »Du sollst zerstochen sein, bevor du den Gipfel des Berges erreichst!« Diese Verwünschung ging sofort in Erfüllung. Ein ungeheurer Mückenschwarm tauchte auf und zerstach den Jägersmann, bis er entseelt am Boden lag. An der Stelle, wo ihn die Strafe für seine Unthaten ereilte, errichtete man später ein Denkmal, das als Mückentürmchen noch heute ein beliebter Ort für die Ausflüge der Badegäste von Teplitz ist.

Die wunderbaren Angaben einzelner Sagen lassen sich auf wirkliche Naturerscheinungen zurückführen. Der Turm von Zinngraupen, welcher sich an der Stelle der jetzigen Pinge bei der Restauration erhob, ist z. B. eine Erinnerung an den großen Reichtum genannten Erzes, dessen auch Albinus mit den Worten gedenkt: Der Mückenberg ist vor Zeiten berufen gewesen; zu unsern Zeiten hat ein Zinngraup allda so groß als ein Menschenhaupt gebrochen. (Meißnische Bergk-Chronika. 1590. S. 131.) Ebenso mag die zweite Sage auf einer Thatsache beruhen. Ungeheure Mückenschwärme sind gewiß dann und wann im Erzgebirge aufgetreten; so schreibt Lehmann in seinem Hist. Schauplatz (S. 646), daß am 1. Mai 1648 auf dem Markte zu Scheibenberg ein großes Heer seltsamer Mücken eingefallen sei und an den Häusern eine halbe Stunde geruht habe, um darauf seinen Flug nach dem böhmischen Walde fortzusetzen.

Die wunderbaren Angaben einzelner Sagen lassen sich auf wirkliche Naturerscheinungen zurückführen. Der Turm von Zinngraupen, welcher sich an der Stelle der jetzigen Pinge bei der Restauration erhob, ist z. B. eine Erinnerung an den großen Reichtum genannten Erzes, dessen auch Albinus mit den Worten gedenkt: Der Mückenberg ist vor Zeiten berufen gewesen; zu unsern Zeiten hat ein Zinngraup allda so groß als ein Menschenhaupt gebrochen. (Meißnische Bergk-Chronika. 1590. S. 131.) Ebenso mag die zweite Sage auf einer Thatsache beruhen. Ungeheure Mückenschwärme sind gewiß dann und wann im Erzgebirge aufgetreten; so schreibt Lehmann in seinem Hist. Schauplatz (S. 646), daß am 1. Mai 1648 auf dem Markte zu Scheibenberg ein großes Heer seltsamer Mücken eingefallen sei und an den Häusern eine halbe Stunde geruht habe, um darauf seinen Flug nach dem böhmischen Walde fortzusetzen.

(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt. Leipzig, 1723, S. 11.)

Der Name des Fastenberges, worauf jetzt Johanngeorgenstadt steht, soll davon herrühren, daß einst bei einer Jagd auf diesem Bergeeine Kurfürstin starken Hunger empfand, und daß sie darauf, nachdem nichts oder nur wenig Speise sich vorgefunden, gesagt habe: »Das mag mir wohl ein rechter Fastenberg sein!«

(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, 1847, S. 84.)

Im Jahre 1429 zog Procopius mit 300 der edelsten Hussiten aus der Lausitz nach Basel zu einem Friedensversuche. Unangefochten zog dabei der Furchtbare, vor dem die Kinder auf der Gasse davon liefen, über Dresden und Freiberg durch Oederan. Einer von seinem Gefolge, Bodowin von Horomirz wird er genannt, welcher sich verspätet hatte, kam zwei Tage nachher ganz allein durch Oederan. Da wurde er sogleich von den Oederanern ergriffen, hinaus an das Weichbild an der Nossener Straße geschleppt, dort lebendig gespießt und ihm sein silberner Helm oben auf den Pfahl genagelt, an dem der Unglückliche verblutete. Weithin schimmerte in der Sonne diese Silberkappe, an der sich niemand zu vergreifen wagte, und erst zur Zeit der Reformation verschwand sie zugleich mit dem daneben errichteten Heiligenbilde. Von dieser Begebenheit wurde die Stelle und Anhöhe der weiße Helm genannt.

(Weymann, Führer durch das böhm. Erzgebirge, S. 132.)

Nördlich von dem Städtchen Platz auf dem böhmischen Abhange des Gebirges erhebt sich die »Schweiger-Höhe« oder der »Schweiger«. Nördlich und nordöstlich ansteigend und fast bis zum Scheitel urbar, fällt diese Höhe südlich und westlich jäh ab, nach allen Seiten hin die schönste Fernsicht gewährend. Der Name »Schweiger« soll daher kommen, daß der Sage nach hier einst ein Sprosse der Hassensteiner als Einsiedler seine Zelle hatte und »schweigend« seine Lebenstage zubrachte.

(Mündlich.)

Auf dem Hausberge bei Graslitz i. B. stand einst ein Schloß, welches erstürmt und zerstört wurde. Dabei stürzte der silberne Knopfdes Turmes in den unten im Thale fließenden Bach, worauf dieser fernerhin der Silberbach genannt wurde.

(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, 1847, S. 14.)

Kurz vor Entstehung von Oederan veranstalteten die reich gewordenen Bewohner Freibergs eine Wallfahrt nach Ebersdorf bei Frankenberg, um daselbst am Marienbilde zu beten und reiche Geschenke darzubringen. Sie kamen glücklich durch die ausgedehnten Waldungen bis an den jetzigen Schieferbach bei Falkenau. Hier wurden sie plötzlich von den Räubern des Schellenbergs angefallen. Aber die Wallfahrer hatten sich eine starke Bedeckung von kampffähigen Männern mitgenommen, denen die Räuber unterlagen. Ihre Flucht über das Eis der Flöha, welches brach, mißlang gänzlich und sie suchten deshalb ihre Rettung in dem Walde. Doch auch hier ereilte sie das Verderben; sie wurden umzingelt, mit Feuerbränden hinausgetrieben und größtenteils erschlagen. Das Versteck der Räuber aber führt seit dieser Zeit zur Erinnerung an den teilweisen Feuertod der Räuber den Namen »Höllengrund.«

(Mündlich.)

Das Schulmeisterbächel ist ein kleines Bergwässerchen, welches sich von Westen her in den aus der Gegend von Weiters Glashütte herabkommenden Glashüttenbach ergießt. Zu Zeiten, da die Schulmeister in dem nahen Karlsfeld noch sehr gering besoldet waren, soll sich ein solcher aus Nahrungssorgen in einem kleinen Teiche, welcher früher die Zuflüsse für das genannte Wässerchen vereinigte, das Leben genommen haben.

(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 51.)

Bei dem Dorfe Pfaffengrün steigt ein Basaltkegel empor, der gleichsam ein von dem Bergesheer des Erzgebirges hinausgeschobener Vorposten ist. Er führt seines scharf zugespitzten Gipfels wegen den Namen Spitzberg, wird aber auch Kreuzberg genannt, weil seine äußerste Spitze ein Kreuz aus Fichtenholz ziert.

Die Sage berichtet, daß die Pfaffengrüner, als sie einstmals am Spitzberge das erste Kreuz aufgerichtet hatten, ein fröhliches Fest feierten und sich auf dem Dudelsack eines aufspielen ließen, als ob Kirmes gewesen wäre. Aber dieses Gedudel der Sackpfeifer war dem Herrn im Himmel nicht wohlgefällig, insonderheit, weil die Pfaffengrüner dabei tanzten, denn er ließ mitten in Spiel und Tanz ein Wetter heraufziehen. Während nun der Himmel ihnen mit seinen Posaunen gehörig aufspielte, daß es eine Art hatte, als ob es die Berge aufreißen wollte, fuhr plötzlich der Blitz in das Kreuz. Die Pfaffengrüner sahen alsbald ihr Unrecht ein, sie krochen ganz mäuschenstille auf den Spitzberg und errichteten dort beim Rosenkranzbeten ein neues Kreuz.

(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 48.)

Gegenüber dem zwischen Schlackenwerth und Joachimsthal sich erhebenden Braunsteine liegt der Dreimännerberg, allwo drei Männer bis an die letzten Lebenstage getrachtet hätten, nach der Anleitung des Eremiten »Jabes« (Johannes Niavis oder Schneevogel) den schwarzen Erzgang über dem Wolfsberge aufzumachen. Alle drei schlugen die Schächte über dem Herrnackerberge nieder, weil sie den schwarzen Gang so aufzuschließen im Sinne hatten, aber es blieb bei dem »Glückauf!« Und wenn sie hineinriefen in die Schächte, durch die Stollen und mit dem Hammer und Schlegel frugen, der schwarze Gang gab keinen Bescheid mit seinem tauben Gestein.

(Lindner, Wanderungen durch die interessantesten Gegenden des sächs. Erzgebirges, II. H. Annaberg, 1847, S. 30.)

Dicht an der Straße von Eibenstock nach Schönheiderhammer erhebt sich in der Nähe des letztgenannten Ortes ein zerklüfteter, hoher Granitfels, der Rockenstein genannt. Die Sage erzählt, daß einst ein tugendhaftes Mädchen mit ihrem Spinnrocken dem zudringlichen Gelüst eines rohen Jünglings entflohen und Sicherheit auf diesem in Wald gehüllten Granitfelsen gesucht, hier aber von ihrem Verfolger entdeckt und von dem Felsen herabgestürzt worden, indem nur der Rocken zurückgeblieben sei.


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