IV.Teufelssagen.

IV.Teufelssagen.

Als die christliche Bekehrungsarbeit bei den Deutschen und später den Slaven begann, war es Klugheit, das Vorhandensein der heidnischen Götter nicht in Frage zu stellen. Die christlichen Bekehrer bequemten sich vielmehr der festgewurzelten Überzeugung an, daß jene Wesen wirklich existierten, nur lehrten sie, daß dieselben Unholde und teuflische Gewalten seien, welche dem Gott der Christen widerstrebten und die Menschen irre führten. Die alten heidnischen Götter und Dämonen sind demnach im Volksglauben zu Teufeln geworden. Der aus der griechischen Sprache entlehnte NameDiabolosging in die lateinische und später auch alsDiufal,Tiuvel,Tüvelu. s. w. in die deutsche, sowie alsdjabelin die slavische Sprache über; in letzterer wurde er später durch das Wortczert, welches den Begriff eines schwarzen Wesens in sich schließt, ersetzt.

Daß die Neubekehrten dem Teufel und allen Unholden entsagen mußten, ersehen wir aus fränkischen Taufgelöbnissen des 8. und 9. Jahrhunderts, welche bei den Sachsen und Thüringern in Anwendung kamen und worin es heißt: »Forsachistu diabole? Ec forsacho diabole«, oder: »Forsahhistu unholdun? Ih forsahu.«

Dem Teufel, der in verschiedenen Gestalten den Menschen entgegentrat, wurde später alles Ungewöhnliche und Unheimliche zugeschrieben. Verbreitet war der Glaube, daß der einzelne Mensch mit ihm ein Bündnis eingehen könne, um dann mit seiner Hülfe gewisse irdische Vorteile zu erlangen. Dafür mußte er sich jedoch dem Teufel mit Leib und Seele ergeben, und zum Zeichen, daß er dies gethan, sich ihm mit seinem Blute verschreiben. Zur Erklärung dieses mit dem Blute Verschreibens weist Rochholz (Deutscher Glaube und Brauch, I., S. 55.) darauf hin, daß nach dem früheren Volksglauben nicht nur alle verstorbenen Menschen, sondern auch die entthronten Götter und der Teufel, als ein gestürzter Engel, an Blutmangel leiden, und daß deshalb besonders der letztere geizig auf ein Tröpflein Bluts desjenigen Menschen besteht, der sich zu ihm in ein Schutzverhältnis begeben will. – Wenn der Teufel einem Menschen dienstbar geworden ist, so erscheint er vielfach nach dem slavischen Volksglauben als Drache. – Zahlreich sind die späteren Sagen, nach denen er sich inseiner Ohnmacht und Kraftlosigkeit darstellt, so daß er von menschlicher List überflügelt wird. Dies geschieht z. B., wenn er junge Mädchen, wie auch im Erzgebirge erzählt wird, heimsuchen will.[4]Ein gläubiges Bekenntnis Christi jedoch vertreibt ihn; gottlosen Säufern und Fluchern aber dreht er die Hälse um; hier hat er Macht über den Menschen. Obschon der Teufel ein natürlicher Feind der Menschen und unter diesen besonders der Müller ist, vielleicht weil diese das ernährende Mehl liefern, so baut er auch wieder unter gewissen Bedingungen Mühlen auf. Bei Wehrau in der Oberlausitz wurde er von einem Müller betrogen, so daß er in seinem Zorne dessen Mühle, von welcher nur noch ein Wehr, »das Teufelswehr« vorhanden ist, zerschmetterte. Ein »Teufelswehr« giebt es auch in der Mulde oberhalb Auerhammer; doch scheint eine dazu gehörige Sage verloren gegangen zu sein. – Teuflische Tiere sind Katze, Kuckuck, Rabe u. a.; über dieselben werden noch einige Bemerkungen bei den einzelnen Sagen folgen.

Felsen, welche gegenwärtig die Bezeichnungen »Teufelsstein« und »Teufelskanzel« tragen, waren vielleicht heidnische Opferplätze. Einen Teufelsstein, mit welchem eine Wundersage verknüpft ist, giebt es bei Lauter. Teufelskanzeln kennt man an der Göltzsch zwischen Auerbach und Mühlgrün und zwischen Waldkirchen und Grün bei Lengenfeld. Denselben Namen führt auch der obere Teil des Friedrich-August-Steins in Schöneck.

[4]In Böhmen sagt man, wenn der Wirbelwind dahin fährt, darin fahre die Braut, welche sich der Teufel von der Erde holt. (Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren, S. 35.)

[4]In Böhmen sagt man, wenn der Wirbelwind dahin fährt, darin fahre die Braut, welche sich der Teufel von der Erde holt. (Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren, S. 35.)

[4]In Böhmen sagt man, wenn der Wirbelwind dahin fährt, darin fahre die Braut, welche sich der Teufel von der Erde holt. (Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren, S. 35.)

(Meltzer,Historia Schneebergensis, S. 1148–1153.)

Im Jahre 1559 hat sich zu Platten, der Schneebergischen Kolonie, wo damals noch alles evangelisch gewesen, ein Teufelsspiel geäußert, da der Satan eines Schmieds Tochter, mit Namen Anna, leibhaftig besessen und sie grausam gequälet, bis er wieder ausgetrieben worden. Bemeldete Schmieds Tochter hat sonst ein gutes Zeugnis gehabt, wie sie christlich, keusch und züchtig gelebt, zur Kirche gegangen, das heilige Sakrament oft gebraucht und die Evangelien mehrenteils auswendig gelernt; aber doch wäre sie zu Fastnacht aus Verhängnis Gottes vom bösen Geiste besessen und darauf krank niedergeworfen worden. ZuOstern habe man die leibliche Besitzung des Teufels verstanden, nachdem der Satan aus der Jungfrau leibhaftig zu reden angefangen und in der Stube in der Gestalt eines Kuckucks, Rabens und einer Hummel sich sehen und mit solcher Vogelstimme sich hören lassen und je länger je mehr von Tag zu Tag wunderliche Dinge geredet, sonderlich bei dem großen Zulauf des Volkes von Einheimischen und Fremden. Und wenn der Name Jesus genannt worden, habe er sich in der Jungfrau Augen gesetzt und ihr dieselben wie große Henneneier aus dem Kopfe herausgetrieben, daneben die Zunge einer Spanne lang wie eine zusammengeflochtene Wiede zum Mund herausgestreckt und ihr das Angesicht auf den Rücken gewendet. Wenn sie einmal Ruhe gehabt und gefragt worden, wie es ihr ginge, habe sie kurz geantwortet, es dünke sie, als wenn sie stets auf einem Wasser läge und ertrinken solle, aber es kämen noch allewege fromme Leute und hülfen ihr davon. Einstmals habe der Teufel bekannt, daß die Jungfrau ihn zu Fastnachten in einem Trunk Bier unter einer Fliege Gestalt getrunken, nachdem er ihr zwei Jahre nachgegangen wäre. Ein frommer Mann, mit Namen Elias Hirsch, ist alle Nacht bei der Jungfrau gewesen, hat ihr vorgebetet und sie getröstet. Einstens habe der böse Geist zu ihm gesprochen: »Elias, thue einen Reihen oder Tanz mit mir, tanz vor oder tanz nach!« Und da Elias geantwortet: »Du Schelm, Du gehörest nicht unter die Menschen, mit ihnen zu tanzen, tanze in das höllische Feuer!« so habe er wieder geantwortet: »So gehe hinweg, Du wirst einen feinen Tanz sehen.« Und indem er angefangen zu pfeifen, wäre eine Katze zur Stube herein, und ein Hund unter dem Tische hervorgelaufen, und diese hätten miteinander einen langen Tanz gethan, bis die Katze wieder zur Stubenthüre hinaus, und der Hund sich auch wieder verlaufen. Dergleichen seltsame Possen hätte der Teufel noch mehr angerichtet. Endlich aber ist er aus der Jungfrau durch der Priester und vieler frommen Christen Gebet und Seufzen getrieben worden und wie ein Fliegenschwarm zum Fenster hinausgefahren, nachdem er vorher von der Jungfrau ein Glied, dann einen Nagel vom Finger und zuletzt nur ein Haar begehret, gleichwohl aber nichts erhalten. Dabei hat er gesagt: »Alle, die nicht gern zur Kirche gehen wollen, selbst daheim lesen, zum Sakramente nicht gehen, im Fressen, Saufen und Wucher liegen, sind alle mein mit Leib und Seele. Und sofern diese Buße thun wollen, so will ich ausfahren.« Zu dem mit anwesenden Geistlichen von Schlackenwerthe sagte er noch: »Und Du Pfaff von Schlackenwerthe, vermahne die Deinen zur Buße, dahin fahre ich!« Welches denn dieser Pfarrer seiner Gemeinde öffentlich auf der Kanzel auch angesagt mit Vermahnung zur Buße.

Der Teufel läßt sich hier in Gestalt eines Kuckucks, Raben, oder einer Hummel sehen und schließlich fährt er wie ein Fliegenschwarm zum Fenster hinaus.Daß der sonst als Frühlingsbote erscheinende Kuckuck auch ein Teufelstier ist und als Teufel selbst auftritt, beweisen die Redensarten: »Das weiß der Kuckuck! Des Kuckucks werden! Der Kuckuck hat ihn hergebracht!« Jedoch findet sich diese Vorstellung nur bei den Deutschen; bei den Slaven hat der Vogel nichts teuflisches (Grimm, Deutsche Myth., S. 393.) Auch der Rabe, einst dem Odhin dienstbar und ein prophetischer Vogel, ist zum Höllentiere geworden; die Seelen der Verwünschten und bösen Geister nahmen oft Rabengestalt an. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch, I. S. 156. Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren, S. 65.)Daß der Teufel auch die Gestalt einer Hummel annimmt, erzählt uns ebenfalls eine Sage aus Thüringen. Da gingen Mann und Frau, Bruder und Schwester zu Hauf heimlich in ein Haus und beteten den Teufel in einem Keller an; der kam in einer Hummel-Gestalt und flog jedem in den Mund. Und wer sich vor der Hummel neigte, dem ward viel Gutes. (Größler, Sagen der Grafschaft Mansfeld, S. 159). Eine andere Sage erzählt, daß auch der Kobold in Gestalt einer Hummel erschienen ist. (Größler, a. a. O., No. 87.) Der Teufel (Beelzebub) heißt Fliegengott. Märchen erzählen von teuflischen Geistern, die als Fliegen in einem Glase verschlossen sind. Der dem Bösen sich hinneigende nordische Gott des Feuers, Loki, verwandelt sich in eine Fliege. (Jac. Grimm, a. a. O., S. 559.)Die nach unserer Sage einen langen Tanz aufführenden Hund und Katze sind hier ebenfalls bedeutsam. Die Katze, besonders die schwarze, gilt bald als Hexentier, bald als Hexe selbst oder ein verwünschter, böser Geist. Der anfänglich den Göttern geweihte Hund aber, dem auch die Gabe der Weissagung verliehen ist, wurde Bote und Hüter der Schatten in der Unterwelt. (Rochholz, a. a. O., I., S. 158.)

Der Teufel läßt sich hier in Gestalt eines Kuckucks, Raben, oder einer Hummel sehen und schließlich fährt er wie ein Fliegenschwarm zum Fenster hinaus.

Daß der sonst als Frühlingsbote erscheinende Kuckuck auch ein Teufelstier ist und als Teufel selbst auftritt, beweisen die Redensarten: »Das weiß der Kuckuck! Des Kuckucks werden! Der Kuckuck hat ihn hergebracht!« Jedoch findet sich diese Vorstellung nur bei den Deutschen; bei den Slaven hat der Vogel nichts teuflisches (Grimm, Deutsche Myth., S. 393.) Auch der Rabe, einst dem Odhin dienstbar und ein prophetischer Vogel, ist zum Höllentiere geworden; die Seelen der Verwünschten und bösen Geister nahmen oft Rabengestalt an. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch, I. S. 156. Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren, S. 65.)

Daß der Teufel auch die Gestalt einer Hummel annimmt, erzählt uns ebenfalls eine Sage aus Thüringen. Da gingen Mann und Frau, Bruder und Schwester zu Hauf heimlich in ein Haus und beteten den Teufel in einem Keller an; der kam in einer Hummel-Gestalt und flog jedem in den Mund. Und wer sich vor der Hummel neigte, dem ward viel Gutes. (Größler, Sagen der Grafschaft Mansfeld, S. 159). Eine andere Sage erzählt, daß auch der Kobold in Gestalt einer Hummel erschienen ist. (Größler, a. a. O., No. 87.) Der Teufel (Beelzebub) heißt Fliegengott. Märchen erzählen von teuflischen Geistern, die als Fliegen in einem Glase verschlossen sind. Der dem Bösen sich hinneigende nordische Gott des Feuers, Loki, verwandelt sich in eine Fliege. (Jac. Grimm, a. a. O., S. 559.)

Die nach unserer Sage einen langen Tanz aufführenden Hund und Katze sind hier ebenfalls bedeutsam. Die Katze, besonders die schwarze, gilt bald als Hexentier, bald als Hexe selbst oder ein verwünschter, böser Geist. Der anfänglich den Göttern geweihte Hund aber, dem auch die Gabe der Weissagung verliehen ist, wurde Bote und Hüter der Schatten in der Unterwelt. (Rochholz, a. a. O., I., S. 158.)

(T. Schmidt,Chron. Cygnea. II., S. 692.)

Im Jahre 1645 ist ein Soldat von der schwedischen Besatzung zu Chemnitz nach Zwickau gekommen, hat aber bald darauf seine Frau und Kinder wieder böslich verlassen und ist wieder zu den Schweden gelaufen. Als nun dessen Weib in höchster Armut lebte und sich sehr bekümmerte, wie sie sich und ihre Kinder nähren solle, ist der Teufel etlichemale zu ihr gekommen, hat ihr ein Säcklein mit Geld vorgehalten und gesagt, wenn sie sich ihm ergeben wolle, werde er ihr dieses geben, und so dies verzehrt, noch mehr bringen. Die Frau hat sich aber des allezeit durch's Gebet erwehrt und es endlich so weit gebracht, daß er sie ganz in Frieden gelassen.

(Moller,Theatr. Freiberg.S. 425 etc. Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 284.)

Im Jahre 1600 ist Anna Stephan Fiedlerin zu Freiberg eines Kindes genesen, und als ihr Mann bei ihr am Bette gesessen und der Gevatterschaft halber sich mit ihr unterredet, ist dieser plötzlich krank geworden, worüber sie sich dermaßen entsetzt, daß ihr Blut über sich gestiegen und ihr Schmerzen über Schmerzen zugezogen. Von da an hat sie immer abscheuliche Convulsionen und Gesichte gehabt, ist ihr auch der Teufel mehrmals, das eine Mal in Gestalt der Hebamme erschienen und hat sein Spiel mit ihr getrieben. So hat er sie einmal aus dem Bette gerissen und oben auf die Dachrinne zwischen ihrem und ihres Nachbars Hause gesetzt, ein anderes Mal hat man sie um drei Uhr des Morgens auf dem Ofen, ein andermal vor dem Fenster auf einem Stein gefunden, endlich ist sie einmal in Gegenwart zweier Zeugen im Bette mit dem ganzen Leibe, Händen und Füßen aufgehoben worden, und ohne daß sie irgendwo angestoßen, hat sie so frei geschwebt, also daß man geglaubt, sie wolle zum Fenster hinaussehen etc.; in der Kirche ist der Teufel wie eine Katze oder Hund ihr um die Beine gekrochen, dann hat sie aber zum öftern einen weißen hellen Glanz gesehen, der sie getröstet und in die Zukunft hat sehen lassen, worauf sie vielerlei wunderbare Sachen, unter andern die Drangsale Freibergs im 30jährigen Kriege, prophezeit hat. Endlich, nachdem weder Beschwörungen noch Zureden und Ermahnungen der Geistlichkeit, noch Arzneimittel geholfen, sondern ihr Zustand an die 20 Jahre angedauert, also daß sie zuletzt drei ganze Jahre verschlossenen Leibes gewesen, ist sie den 10. Oktober 1620 selig verstorben.

(Gräße, Sagenschatz d. K. S., No. 363.)

Im Kloster Zelle befand sich im Jahre 1630 eine Magd, welche dem abergläubischen Brauche nach in der heiligen Christnacht hinterrücks durch die Stubenthüre hinausgriff. Sie ist aber durch göttliches Verhängnis von einem höllischen Gespenst gar hinausgezogen und sehr übel traktiert worden, also daß sie ihr Lebtage hat hinsiechen müssen.

(Moller,Theatrum Freib. Chron.II., S. 203.)

Zu Anfang der Reformation lag zu Freiberg ein ehrlicher Bergmann, namens Benedix Reisiger, sehr krank darnieder. Zu diesem ist der Teufel mit einem langen Papier, fast einer Kuhhaut gleich, gekommen und hat gesagt, er wäre als Notar abgefertigt, alle Sünden, die er begangen, aufzuzeichnen. Dabei hat er sich beim Bette niedergesetzt, Feder und Tinte zur Hand genommen und den Bergmann ernstlich vermahnt, ihm die Sünden aufzuzählen. Wiewohl nun der Bergmann etwas darüber erschrocken, so hat er doch wieder Mut gefaßt, sich des Herrn Christi getröstet und geantwortet: »Ich bin ein armer Sünder, das bekenne ich; willst Du meine Sünden ja aufschreiben, und bist Du deswegen hergekommen, so schreib oben an: Des Weibes Samen Jesus Christus hat der Schlange den Kopf zertreten.« Wie solches der Teufel gehöret, ist er alsbald mit Papier und Tinte verschwunden, daß nichts als ein übler und abscheulicher Gestank von ihm übrig geblieben. Der Bergmann aber ist im festen Glauben an das Verdienst Christi kurz darauf sanft und selig verstorben.

(Moller,Theatrum Freibergense. II., S. 393.)

Es geschahe im Jahre 1609, daß ein Bergmann, welcher sonst seines stillen und eingezogenen Wandels wegen gutes Lob gehabt, in der Fastnachtszeche von einem andern zu Üppigkeit und etlichen leichten Reden über Gott und göttliche Dinge verleitet wurde. Unter andern meinte er, daß er schon gute Gesellen genug in der Hölle antreffen würde, für den Fall er einmal dahin käme. Diesem Bergmanne nun ist eines Abends auf dem Heimwege der Teufel in schrecklicher Gestalt erschienen, hat ihm gedroht und gesagt, daß, wenn er erst rechte Macht über ihn habe, wolle er ihn an den Ort führen, wo er seine guten Gesellen fände. Der Teufel ist auch eine Zeit lang neben ihm in die Grube und aus derselben wieder herausgefahren, so daß der Bergmann nirgends Ruhe fand. Endlich suchte er Trost bei seinem Beichtvater, nahm das heilige Abendmahl, mied böse Gesellschaften und begann wieder ein gottesfürchtiges Leben. Darauf hat sich der Teufel nicht wieder bei ihm sehen lassen.

(Meltzer,Hist. Schneebergensis, S. 1267.)

An der böhmischen Grenze soll sich zugetragen haben, daß einst sechs berufene Säufer in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntage bis zum Morgen bestialisch gesoffen und dem Gemälde des Teufels an der Wand etliche Mal zugetrunken haben. Da einer von ihnen wegen empfundenen Schreckens zeitlich davon gegangen, sind die andern fünf des Morgens um sechs Uhr mit schlotternden und gebrochenen Hälsen tot gefunden worden. So haben sie zum Schrecken anderer bis an den dritten Tag gelegen.

Im Wesentlichen damit übereinstimmend, erzählt auch eine Oberlausitzer Sage von fünf wüsten Gesellen bei Zittau, welche gar sehr miteinander geflucht hatten, so daß ihnen der böse Geist die Hälse so jämmerlich verdrehte, als wenn ihnen der Diebeshenker dieselben mit einem Rade zerstoßen hätte. Andern zum Abscheu ließ man die häßlichen Leichname ebenfalls drei Tage lang liegen. (Haupt, Sagenbuch der Lausitz, No. 126.)

Im Wesentlichen damit übereinstimmend, erzählt auch eine Oberlausitzer Sage von fünf wüsten Gesellen bei Zittau, welche gar sehr miteinander geflucht hatten, so daß ihnen der böse Geist die Hälse so jämmerlich verdrehte, als wenn ihnen der Diebeshenker dieselben mit einem Rade zerstoßen hätte. Andern zum Abscheu ließ man die häßlichen Leichname ebenfalls drei Tage lang liegen. (Haupt, Sagenbuch der Lausitz, No. 126.)

(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 553.)

Zur Stadt Chemnitz gehört ein altes, im gotischen Stile gebautes Schloß, und hier zeichnet sich besonders die Schloßkirche aus, deren prächtiges Portal von der Kunst der Vorfahren deutlichen Beweis liefert. Das Schloß selbst war früher ein Kloster, das wegen der Sittenverderbnis seiner Mönche im ganzen Lande weit und breit verrufen war. Mit der Erbauung des Schlosses war aber der Teufel keineswegs zufrieden. Er beschloß daher ein ewiges Zeichen seiner Mißbilligung der Mit- und Nachwelt zu hinterlassen. Kaum war die Kirche des neuen Mönchsklosters vollendet, als er in einer Nacht die Treppen herauf schritt und dem Altare und der Kanzel gegenüber noch eine Kanzel zu bauen begann. Rasch, mit höhnischem Lächeln vollendete er seine Arbeit. Um aber den Mißmut der geistlichen Brüder zu vergrößern, vermauerte er die Kanzel, damit niemand sie betreten und benutzen könnte. Der Tag begann zu dämmern, als er mit seiner Arbeit zustande gekommen war, und er ging, um seinen Heimweg anzutreten. Zuvor aber trabte er in das Schiff der Kirche, beschaute sich sein Werk und befand es für gut. Dann entfernte er sich eiligst. Am Morgen aber, als die Brüder zu beten kamen, erstaunten sie nicht wenig über die neue Kanzel und stiegen die Treppe aufwärts, um zur Kanzel zu gelangen. Siehe, sie war vermauert. VollEntsetzen fanden sie aber auch die Spur eines eingedrückten Pferdehufes. Sogleich erkannten sie den Schöpfer dieses Werkes und zugleich seinen bösen Willen. – Noch jetzt sieht man die Kanzel unbeschädigt und kennt sie in der ganzen Gegend unter dem Namen der Teufelskanzel.

(F. A. Türke im Glückauf, 2. Jahrg., No. 3.)

Von der alten, kleinen Katzenmühle bei Buchholz erzählt die Sage, daß einst in einem zu derselben gehörigen Stalle der Teufel sein Wesen getrieben und einige Zeit darauf ein Bärenführer seine zwei Bären nach einigen Bedenken des Müllers die Nacht über darin eingestellt habe, die den Teufel nach großem Lärm vertrieben hätten. Mehrere Tage darauf sei der Teufel im Walde zu dem Müller gekommen und habe ihn gefragt, ob er seine großen Katzen noch habe. Diese Frage sei vom Müller bejaht worden, worauf der Teufel sich schnell entfernt hätte und nie wiedergekehrt wäre.

Der Bär war ein Bild des Winters, der Vernichtung und des Todes. In der Schweiz erscheint er als neckendes Nachtgespenst und in Tirol als Ungetüm, das einen geisterhaften See bewohnt. Die nordischen Sagenhelden Dietrich und Artus erscheinen als Bären (Henne-Am-Rhyn, die deutsche Volkssage, S. 150); der Bär vertreibt Gespenster und beschützt, wenn er im Stalle ist, das Vieh vor Behexung. Ein Bär besiegt Unholde, welche einen Bauer beunruhigen; er ist dem Dämonenüberwinder Donar, vielleicht weil er wie dieser im Winter schläft, geheiligt. Nach einer Lausitzer Sage wird in der Ölmühle bei Frauendorf nicht der Teufel, sondern ein lästiger Wassernix von einem Bären vertrieben, und wie in der Katzenmühle bei Buchholz fragt er später den Müller, ob er seine große Katze noch habe, um nicht wieder zu kommen, als er auf diese Frage eine bejahende Antwort erhält. – In einer norwegischen Sage nennt ein Unhold den Bären ebenfalls große Katze. (Haupt, Sagenbuch d. Laus., No. 49. Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 195.)

Der Bär war ein Bild des Winters, der Vernichtung und des Todes. In der Schweiz erscheint er als neckendes Nachtgespenst und in Tirol als Ungetüm, das einen geisterhaften See bewohnt. Die nordischen Sagenhelden Dietrich und Artus erscheinen als Bären (Henne-Am-Rhyn, die deutsche Volkssage, S. 150); der Bär vertreibt Gespenster und beschützt, wenn er im Stalle ist, das Vieh vor Behexung. Ein Bär besiegt Unholde, welche einen Bauer beunruhigen; er ist dem Dämonenüberwinder Donar, vielleicht weil er wie dieser im Winter schläft, geheiligt. Nach einer Lausitzer Sage wird in der Ölmühle bei Frauendorf nicht der Teufel, sondern ein lästiger Wassernix von einem Bären vertrieben, und wie in der Katzenmühle bei Buchholz fragt er später den Müller, ob er seine große Katze noch habe, um nicht wieder zu kommen, als er auf diese Frage eine bejahende Antwort erhält. – In einer norwegischen Sage nennt ein Unhold den Bären ebenfalls große Katze. (Haupt, Sagenbuch d. Laus., No. 49. Veckenstedt, Wendische Sagen, S. 195.)

(Nach K. Winter in Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 209.)

Auf dem Wilischberge bei Glashütte, einem der letzten Ausläufer des Erzgebirgs, erblickt man noch einige wenige Trümmer von dem Schlosse des Raubritters Wittig, der eigentlich Dietrich von Bern geheißen haben soll; aber unten am Fuße des Berges, im Teufelsgrunde, wohnte seine Mutter, eine schreckliche Zauberin, in einer Mühle, die der Teufel erbaut hatte. Sie hatte dieselbe vom Teufel in Pacht, durfte aber nur auf zwei Gängen mahlen, den dritten hatte sich der Teufel als Auszugvorbehalten; da konnte er mahlen, was er wollte. Niemand kam der Mühle zu nahe, und wenn sich jemand im Walde verirret hatte und das Klappern der Teufelsmühle hörte, welches ganz anders wie bei einer gewöhnlichen Mühle klang, schlug er ein Kreuz und rannte, was er konnte, davon.

Beim Baue der großen Mühle in Bautzen hatte ebenfalls der Teufel geholfen; dafür mußte ihm der Müller den 16. Gang überlassen. Auf diesem dem Teufel verschriebenen Gange mahlte derselbe (als Beelzebub oder Kotgott) Pferdeäpfel (Haupt, Sagenbuch etc. No. 98 und 109). Vielleicht that er dies auch auf dem dritten Gange der Teufelsmühle am Wilischberge, wenigstens deutet die Bemerkung, daß es dort ganz anders wie bei den gewöhnlichen Mühlen geklungen habe, darauf hin. – Es giebt auch eine Teufelsmühle zwischen Querfurt und Obhausen, welche mit Hülfe des Teufels erbaut wurde; dafür sollte letzterem zwischen 12 und 1 Uhr nachts die Mühle allein zur Verfügung stehen. (Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld, No. 283.)

Beim Baue der großen Mühle in Bautzen hatte ebenfalls der Teufel geholfen; dafür mußte ihm der Müller den 16. Gang überlassen. Auf diesem dem Teufel verschriebenen Gange mahlte derselbe (als Beelzebub oder Kotgott) Pferdeäpfel (Haupt, Sagenbuch etc. No. 98 und 109). Vielleicht that er dies auch auf dem dritten Gange der Teufelsmühle am Wilischberge, wenigstens deutet die Bemerkung, daß es dort ganz anders wie bei den gewöhnlichen Mühlen geklungen habe, darauf hin. – Es giebt auch eine Teufelsmühle zwischen Querfurt und Obhausen, welche mit Hülfe des Teufels erbaut wurde; dafür sollte letzterem zwischen 12 und 1 Uhr nachts die Mühle allein zur Verfügung stehen. (Größler, Sagen der Grafschaft Mannsfeld, No. 283.)

(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 519.)

Im Dorfe Frohnau bei Annaberg lebte vor alter Zeit ein Steiger, Namens Günzer, ein frommer und redlicher Mann. Einst kehrte er zur Winterszeit von seinem Tagewerke in der Grube nach seiner Wohnung mitten durch den Wald zurück, da trat plötzlich ein Mann aus dem Dickicht vor ihn hin und bat ihn, er möge ihm doch gestatten mit in sein Haus zu gehen und daselbst die Nacht hinzubringen, weil er sich nicht getraue im tiefen Schnee und der herrschenden Finsternis den Weg weiter zu finden. Zwar gefiel dem Steiger weder die Stimme noch das Aussehen des Bittenden, allein er hatte Mitleid mit ihm und gewährte ihm also seinen Wunsch. Sie schritten nun stumm neben einander bis ins Dorf, als sie aber an das Haus Günzers gekommen waren und ihnen die Tochter desselben, Katharina, die Thür geöffnet hatte, stieß diese bei dem Anblicke des fremden Gastes ein furchtbares Wehegeschrei aus, ließ vor Schreck die Lampe fallen, welche sie in der Hand trug, und als der bekümmerte Vater dieselbe wieder angezündet und seine in Ohnmacht gefallene Tochter wieder zum Leben gebracht hatte, sah er erst, daß jener verschwunden war. Er hatte nun nichts Eiligeres zu thun, als seine Tochter zu fragen, warum sie so erschrocken sei, allein diese antwortete, es sei der Teufel gewesen, der sie als Braut heimführen wolle; sie habe nämlich vergangene Nacht geträumt, sie liege im Walde und es komme ein Mann, ganz so wie der eben verschwundene Fremde, auf sie zu und nenne sie seineBraut, küsse sie und lasse dann bei seinem Weggehen sich durch seine Hörner, Schwanz und Pferdefuß als den Teufel erkennen. Der alte Günzer war eben daran, sie zu trösten, da erblickte er auf dem Tische ein Blatt Papier, auf welchem geschrieben stand: In 9 Wochen werde ich um Mitternacht an's Fenster pochen und meine Braut heimführen! Nun war kein Zweifel mehr, daß der Traum in Erfüllung gegangen war. – Vater und Tochter verlebten nun 9 Wochen in Angst und Sorgen, sie beteten zwar von früh bis abends, gingen auch zum Abendmahl, allein eine innere Stimme sagte ihnen, daß der Böse nicht so leicht von ihnen lassen werde. Und so war es auch; als die Mitternachtsstunde des letzten Tages jener Frist verstrichen war, da pochte es ans Fenster und schrie mit schrecklicher Stimme: »Braut heraus, Braut heraus!« Günzer aber rief laut Gott um Beistand an und der Gottseibeiuns verschwand unter Donner und Blitz mit den Worten: »Noch 9 Tage Frist, dann bist Du meine Braut, oder Eure Hütte steht in Flammen!« So verstrichen abermals 9 Tage unter Angst und Sorgen; wieder kam die gefürchtete Mitternachtsstunde heran und mit dem zwölften Schlage klopfte es an das Fenster und rief: »Heraus die Braut, sonst brennt das Haus!« Aber der alte Günzer schloß seine besinnungslose Tochter in seine Arme und sprach: »Um Christi Wunden hebe Dich weg von uns, Satanas!« Da brüllte der Teufel: »Braut, das Haus steht in Flammen! Nochmals 9 Wochen Frist, und bist Du dann noch nicht mein, so wird Dein Vater elendiglich enden!« Mit diesen Worten verschwand er zwar, allein auch das ganze Haus stand in Feuer und nur mit der größten Mühe retteten beide ihr Leben. – Sie flohen nun zuerst zu Verwandten, allein bald bauten ihnen mitleidige Menschen eine andere Hütte am Rande des Waldes, denn ihre frühere war zu einem stinkenden Schwefelpfuhl geworden. Allein auch hier ward es nicht besser; schon kam wieder die neunte Woche heran, da übermannte einst am hellen Mittag Käthchen der Schlaf und es träumte ihr, der Teufel mit seinem Gefolge schaue zu ihrem Fenster herein und wolle sie in seine höllische Residenz entführen, und als sie unter einem furchtbaren Schrei aus dem Schlafe auffuhr, da that sich auf einmal die Thüre auf und ein Engel, umstrahlt von Rosenlicht, schwebte herein, ein Crucifix hoch in der Hand tragend, winkte ihr und sprach: »Folge mir, ich bringe Dir Frieden!« Er führte sie nun mitten durch den Wald auf einem ihr gänzlich unbekannten Wege, bis sie an einen Felsen kamen, der öffnete sich, als der Engel ihn mit dem Kreuze berührte, und nun schritten sie durch eine Felsenspalte, bis sie an ein hohes Thor kamen, was wie Silber glänzte; vor diesem saßen sieben Greise mit spitzenMützen und langen Bärten. Als sie aber das Crucifix erblickten, da neigten sie sich tief und der Engel und die Jungfrau traten in einen hohen Saal, der mit lauter Edelsteinen verziert war und durch deren Glanz sein Licht empfing; in diesem lag auf kostbarem Lager unter einem prächtigen Baldachin eine wunderschöne Frau, umstrahlt von einem Sternenkranz und zu ihren Füßen lagen sieben Zwerge betend auf den Knieen. Als diese den Engel erblickte, fragte sie ihn, was ihn herführe, dieser aber erzählte ihr die furchtbare Gefahr des unglücklichen Mägdleins und bat sie um Hülfe. Hierauf gebot die Fürstin der Berge – denn das war sie – einem der Zwerge, ihr eine Urne von Sardonyx aus einem Krystallschränkchen zu bringen, nahm daraus ein Kreuz von blitzenden Diamanten und sprach: »Käthchen, trage dieses Kreuz stets auf Deiner Brust und der Böse wird Dir nichts anhaben können!« Bei diesen Worten nahm der Zwerg eine Schnur Perlen aus der Urne, knüpfte daran das Kreuz und hing es ihr um den Nacken. Damit nahm der Engel Käthchen wieder bei der Hand und führte sie denselben Weg wieder zurück, den sie gekommen waren, und als er den Felsen wieder mit Hülfe des Crucifixes geöffnet, da nahm er Abschied von ihr und sprach, sie solle ruhig sein, denn sie stehe in Gottes Schutz. Als Käthchen nach Hause kam, fand sie ihren Vater daheim und erzählte ihm, was ihr begegnet war, zeigte ihm auch das Kreuz als Beweis der Wahrheit ihrer Erzählung. Da erwiderte ihr derselbe, daß auch ihm etwas Ähnliches widerfahren, denn er habe im Schachte beim Graben ein goldenes Jesuskreuz gefunden. Als sie es näher betrachteten, um vielleicht ein Merkmal zu finden, an welchem sie den rechten Besitzer erkennen könnten, sahen sie den Namen des Steigers darauf geschnitten, mit den Worten: »Dem Gläubigen hilf Jesus Christus.«

So erwarteten sie voll guten Mutes das Ende der Woche und die früher so gefürchtete Mitternachtsstunde. Endlich schlug sie, und kaum war der letzte Schlag verklungen, da pochte es an das Fenster und brüllte: »Heraus die Braut, heraus die Braut!« Da öffnete Käthchen selbst das Fenster und hielt dem Bösen ihr schimmerndes Kreuz entgegen und unter furchtbarem Wehgeschrei wich er zurück, zuvor aber rief er: »Käthchen, Dich schützt Gottes Macht, ich habe keinen Teil an Dir, aber jetzt ist die Reihe an Dir, Günzer, mir in die Hölle zu folgen; komm heraus, daß ich Dich packen kann!« Allein auch hier mußte er weichen, denn Günzer hielt ihm sein goldenes Jesuskreuz entgegen. Aber diesmal verschwand er nicht so ruhig, wie die frühern Male. Ein furchtbares Gewitter begann sich zu entladen, ein Orkan warf die stärksten Bäume nieder und erschütterte das Häuschen inseinen Grundfesten, der zum Strom angeschwollene Waldbach drohte dasselbe wegzureißen, allein kaum schlug es Eins, so war alles wieder still und der Mond leuchtete silberhell durch die finstern Wolken.

So ward nun Käthchen ihres höllischen Bräutigams ledig, und nach zwei Jahren ehelichte sie ein wackerer Bergmann aus Frohnau, der ihr schon längst sein Herz geschenkt hatte, der Bergmeister aber verlieh demselben die Stelle des alten Günzer, der sich nunmehr zur Ruhe setzte und den Rest seines Lebens bei seinen Kindern zu verleben gedachte. Noch schenkte ihm Gott zehn Jahre und er hatte die Freude, innerhalb dieser Zeit drei Enkel auf seinen Armen zu wiegen.

Als ihn aber Gott abrief, da vergaß sein Käthchen nicht, welches Los er mit ihr geteilt und wie die Fürstin der Berge sie herrlich geführt hatte. Darum ließ sie ihren Vater an jener Stelle am Felsen bestatten, wo der Engel denselben gespalten hatte, und nun ging sie jeden Tag hin, um dort für das Seelenheil des geliebten Verstorbenen zu beten. Dies that sie lange Jahre, bis sie selbst eine Greisin war. Einst aber ging sie auch, um an dem Grabe ihres Vaters zu beten, und kehrte nicht zurück, und als ihr Mann und ihre Kinder hinausgingen, um sie zu suchen, da fanden sie nur ihre Leiche; aus dem Felsen trat aber ein Engel im Rosenlicht, küßte die Entseelte auf die Stirne, nahm ihr das Demantkreuz ab und schwang sich damit zum Himmel auf. Der tiefbetrübte Gatte aber rief einige seiner Kameraden herbei und brach ihr ein Grab in den Felsen ein, und als Raum genug vorhanden war, um den Sarg hineinzusetzen, und die Leidtragen eben damit beschäftigt waren, denselben an seinen Ort zu stellen, da schwebten zwei Engel herab, hoben ihn von der Bahre, stellten ihn in den Felsen und schlossen denselben wieder mit einem großen Quadersteine so geschickt, daß niemand mehr sehen konnte, wo die Öffnung gewesen war. Seit jener Zeit aber nennt man jenen Felsen, wo Käthchen den ewigen Schlaf schläft, den Käthelstein.

(Deutsche Volkssagen. Herausgegeben von den Brüdern Grimm. 2. Aufl. 1. B., No. 329.)

An der Eger, dem Dorfe Aich gegenüber, ragen seltsame Felsen empor, die das Volk »Hans Heilings-Felsen« nennt und wovon es heißt, vor alten Zeiten habe ein gewisser Mann, namens Hans Heiling, im Lande gelebt, der genug Geld und Gut besessen, aber sich jeden Freitag in sein Haus verschlossen und diesen Tag über unsichtbar gebliebensei. Dieser Heiling stand mit dem Bösen im Bunde und floh, wo er ein Kreuz sah. Einst soll er sich in ein schönes Mädchen verliebt haben, die ihm auch anfangs zugesagt, hernach aber wieder verweigert worden war. Als diese mit ihrem Bräutigam und vielen Gästen Hochzeit hielt, erschien mitternachts 12 Uhr Heiling plötzlich unter ihnen und rief laut: »Teufel, ich lösche Dir Deine Dienstzeit, wenn Du mir diese vernichtest!« Der Teufel antwortete: »So bist Du mein!« und verwandelte alle Hochzeitsleute in Felsensteine. Braut und Bräutigam stehen da, wie sie sich umarmen, die übrigen mit gefalteten Händen. Hans Heiling stürzte vom Felsen in die Eger hinab, die ihn zischend verschlang und kein Auge hat ihn wieder gesehen. Noch jetzt zeigt man die Steinbilder, die Liebenden, den Brautvater und die Gäste, auch die Stelle, wo Heiling hinabstürzte.

(Mitgeteilt vom Dir. Röder im Glückauf, 3. Jahrg., S. 21.)

Der wilde Graf Iso von Isenburg saß noch in mitternächtiger Stunde in seiner Burg beim Weinkrug. Er langweilte sich und meinte, wenn er nur einen Genossen hätte, derselbe könnte selbst der Teufel sein. Da erschien der Teufel und forderte den Grafen zum Würfelspiel auf. Dem kam diese Aufforderung gerade recht; denn das Würfelspiel liebte und trieb er leidenschaftlich. Mancher Wurf ward gemacht, doch der Graf verlor fortwährend und hatte schon alle seine Knechte und Mägde und zuletzt sich selbst verspielt. Da gelüstete es dem Teufel nach Isa, der einzigen Tochter des Grafen. Dieser liebte aber seine Tochter über alles und hätte für sie sein Leben jederzeit geopfert; denn sie war in seinem rohen und wüsten Leben der einzige Stern, zu dem er mit aufrichtiger Ehrfurcht emporblickte. Ihre Schönheit und sittliche Reinheit hatte schon manchen Rittersmann bezaubert, doch nur dem edlen Kuno von Stein hatte sie ihre Liebe mit jungfräulicher Schüchternheit erwidert. Der Graf wollte seine geliebte Tochter Isa nicht auf den Wurf setzen. Doch der Teufel bot ihm die Freiheit für sich und seine Knechte und Mägde und noch so viel Geld, als er mit seinem gewaltigen Streitrosse wiege, wenn er gewönne. Der Graf zögerte trotz der Versprechung und wollte den verhängnisvollen Wurf nicht thun. Der Teufel drängte, denn in kurzer Zeit war die Mitternachtsstunde vorüber und seine Macht zu Ende. Da that der Graf einen gewaltigen Zug aus seinem Humpen, ergriff die beiden Würfel und warf – jubelnd sprang er auf – er hatte12 geworfen. Unter Hohngelächter forderte er den Teufel auf, mehr zu werfen. »Soll geschehen!« sprach dieser, schüttelte die Würfel und mit einem gewaltigen Donnerschlag rollten diese auf den eichenen Tisch und zeigten – 13. Da riß der Graf in furchtbarem Zorn sein Schwert heraus und wollte den betrügerischen Teufel erwürgen. Doch dieser hauchte seinen schwefeligen Odem aus – und kraftlos sank der Graf auf seinen Stuhl zurück. »Wehe, wehe! Niemals sollst Du meinen Engel, meine Isa haben!« murmelte der zerknirschte Graf und sah mit ängstlich stierem Blick auf seinen schrecklichen Spielgesellen. Da schien der Teufel Erbarmen zu fühlen und machte dem Grafen den Vorschlag, er solle seine Isa entweder seinem Todfeinde Riedhard von Eisenbrück zum Weibe, oder dem Kloster Grünhain als Nonne übergeben. Der Graf war aufs tiefste empört und wollte nichts von dem Vorschlage wissen; denn der fürchterliche Riedhard war ihm ebenso verhaßt, wie seiner lieben Isa das Lebendigbegrabensein hinter Klostermauern. Der Teufel drängte zur Entscheidung, da die Mitternachtsstunde zu Ende ging, und drohte, den Grafen mit sich fortzunehmen. Dieser gelobte, Isa dem Kloster zu übergeben. In einer blauen Wolke verschwand der Satan. Der Graf aber gedachte den Teufel zu betrügen und seine Isa dem Kloster wieder zu entführen. – Die schweren Thore des Klosters Grünhain schlossen sich hinter der jammernden Isa. Weder die tröstenden Worte der Oberin, noch die freundlichen Zusprachen der Klosterschwestern vermochten die arme Isa zu beruhigen. Ein unbezwinglicher Gram zerstörte das blühende Leben. – Nach einigen Monaten stand an der westlichen Klostermauer allabendlich im Dunkel eine vermummte Gestalt, die stets mit dem frühesten Morgengrauen wieder verschwand, während im Kloster ein einziges Fensterlein matt erleuchtet war. In der siebenten Nacht nach der Mitternachtsmesse durcheilte flüchtigen Laufs eine Nonne den baumreichen Klostergarten und gelangte mit Hülfe des Vermummten über die Mauer. Beide verschwanden im Dunkel und eilten dem nahen Walde zu. Als das Glöcklein zur Frühmesse rief, kam Schwester Barbara (das war der Klostername Isa's) nicht aus der Zelle – sie war verschwunden. – Alle Räume des Klosters wurden durchforscht, jedoch vergeblich. Da entsandte die Oberin Klosterknechte mit Spürhunden in die umliegenden Wälder, doch die Flüchtigen hatten einen großen Vorsprung nach dem dichtbewaldeten Gebirge zu gewonnen. Als am 3. Tage die Sonne sich neigen wollte, standen die Flüchtigen auf einer hohen Felswand, an deren Fuß das Schwarzwasser rauschte. Da verkündete Hundegebell die Nähe der Verfolger und zwischen den uralten Fichtenstämmen zeigten sich die Klosterknechte. Schon sind dieHunde heran, die Fliehenden hören den Zuruf der Klosterknechte – da ertönt ein markdurchdringender Schrei – der jähe Sprung in die schauerliche Tiefe erfolgt. – Hunde und Häscher finden weder in den Wellen noch im Walde eine Spur der Flüchtigen. Der Felsen bedeckte sich mit schwefeligem Gelb und wird heute noch der Nonnenfelsen genannt.

Der um einen Einsatz mit dem Menschen würfelnde Teufel kommt in mehreren Sagen vor. Nach einer Lausitzer Sage (Haupt, a. a. O., No. 103), wird jedoch dabei der Teufel, welcher 6 Augen warf, betrogen, da sein Gegner ein Auge mehr hatte; eins war nämlich beim Werfen herausgesprungen und lag neben dem Würfel.

Der um einen Einsatz mit dem Menschen würfelnde Teufel kommt in mehreren Sagen vor. Nach einer Lausitzer Sage (Haupt, a. a. O., No. 103), wird jedoch dabei der Teufel, welcher 6 Augen warf, betrogen, da sein Gegner ein Auge mehr hatte; eins war nämlich beim Werfen herausgesprungen und lag neben dem Würfel.

(Gießler, Sächs. Volkssagen. Stolpen o. J., S. 282.)

Hinter dem Gute Turmhof vor der Stadt Freiberg bemerkt man die Überbleibsel eines ehemaligen bedeutenden Bergbaues. Dort war vor mehr als drei Jahrhunderten das Berggebäude »Turmhof« gangbar, welches zu den hervorragendsten der damaligen Zeit gehörte und in seinen Anfängen vielleicht bis in die Zeit der Gründung Freibergs zurückreichte. Wie aber alles in der Welt der Vergänglichkeit zum Opfer fällt, so waren auch die Tage dieser Grube gezählt, denn schon vor Jahrhunderten kam sie zum Erliegen, wie manche ihrer Genossinnen, und die Ausbeute der Gewerken verwandelte sich in Zubuße. Wodurch nun der Turmhof zum Erliegen gekommen, darüber giebt folgende Sage Aufschluß.

Eine wichtige Person bei der Grube war der Kunststeiger Heinrich; er verstand das Maschinenwesen seiner Zeit wie keiner, das aber wußte er auch und ließ sich deshalb von niemand in sein Fach hineinreden, nicht einmal vom Obersteiger, der doch sein Vorgesetzter war. Deshalb gab es auch mancherlei Zwiespalt zwischen den beiden, und mit der Zeit hatte sich eine Feindschaft herausgebildet, die namentlich dem Obersteiger seine Stellung sehr verleidete. Der Kunststeiger war bekannt und gefürchtet wegen seines abstoßenden Charakters. Neid, Habsucht, Rachetrieb, Streitsucht, namentlich beim Kartenspiel, dem er absonderlich zugethan war, und sonstige üble Eigenschaften hafteten an ihm und brachten ihn fortwährend in Händel mit seiner Umgebung. Auch erzählte man sich von ihm, daß er einen Pakt mit dem Teufel geschlossen habe. Dieser Kunststeiger hatte nun einen Sohn mit Namen Veit, einen muntern, freundlichen und friedliebenden Jüngling mit bravem, rechtschaffenem Herzen, der ebenfalls dem Bergmannsstandeangehörte und auf dem Turmhofe anfuhr. Sein Vater, obschon ein rauher und harter Mann, war ihm doch mit wahrhaft abgöttischer Liebe zugethan.

Auch der Obersteiger Gebhardt vom Turmhof hatte ein Kind und zwar ein vielumworbenes hübsches Töchterchen, welches Johanna hieß. Alle Bemühungen um ihre Hand wurden aber von Johanna zurückgewiesen, denn sie hatte sich bereits mit des Kunststeigers Sohn Veit heimlich verlobt, und wenn letzterer die ihm bereits verheißene Anstellung als Untersteiger erhalten haben würde, wollten sie Hochzeit machen, falls ihre Väter (die Mütter waren bereits gestorben) nichts dagegen hätten. Der Obersteiger erfuhr auch sehr bald aus dem Munde seiner Tochter, wie die Sache stand, und seine Bedenken wurden durch die Thränen und Bitten der Tochter und im Hinblick auf Veits bergmännische Tüchtigkeit und untadelhafte Aufführung endlich beseitigt.

Anders war es bei dem alten Kunststeiger. Derselbe grollte mit dem Obersteiger fort und trachtete darnach, demselben Schaden zuzufügen. Dazu sollte ihm das unlängst geschlossene Bündnis mit dem Teufel helfen. Für die Dienste, welche ihm letzterer zu gewähren versprochen hatte, sollte ihm der Kunststeiger Heinrich alljährlich die Seele eines Menschen liefern, und zwar sollte es jederzeit derjenige sein, welcher am letzten Tage des Jahres der letzte beim Ausfahren aus der Grube Turmhof wäre. – Wieder war der letzte Tag des Jahres erschienen, an welchem nach dem Vertrage der Plan des bösen Kunststeigers zur Ausführung kommen mußte. Die Schichtzeit war abgelaufen, die Zeit zum Ausfahren gekommen. Die sämtliche Mannschaft befand sich auf der Fahrt; der Obersteiger war vom Kunststeiger durch irgend einen Vorwand in der Grube zurückgehalten worden. Jetzt kamen sie zum Schachte; da bestieg der Kunststeiger schnell die Fahrt und gab vor, dem Obersteiger beim Hinausfahren das Öffnen des Schachtdeckels ersparen zu wollen. So gelangte der Obersteiger als der letzte zum Ausfahren.

Der Himmel aber fügte es, daß der Kunststeiger dennoch eine falsche Rechnung gemacht hatte. Sein eigener Sohn Veit war, unbemerkt von ihm, noch in der Grube zurückgeblieben. So wurde dieser nun derjenige, der zuletzt zum Ausfahren kam; – aber er hat das Tageslicht nicht mehr gesehen und keines Menschen Auge erblickte den Unglücklichen jemals wieder. Der Teufel lauerte seinem Opfer auf und stürzte es rücklings in die grausige Tiefe. Als der Kunststeiger seinen Feind, den Obersteiger Gebhardt, rüstig und ohne Fährlichkeit Sprosse um Sprosse hinter sich nachfahren sah, mochte er sich wohl wundern, daß der Satan sich nicht des letzteren bemächtigte. Mit Unwillen und Staunen bemerkte er, daß sein Widersacher unbeschädigt nach ihm dieSchachtkaue betrat. Als er aber mit düster forschendem Blicke die Mannschaft überschaute, und unter ihr seinen Sohn Veit vermißte, da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen; der Teufel hatte ihn um das liebste, für welches sein verknöchertes Herz noch Gefühl gehegt, betrogen. Bewußtlos sank er zusammen.

Die Abwesenheit Veits war bald bemerkt worden; man wunderte sich über sein Außenbleiben. Da erhob sich der endlich zum Bewußtsein gekommene Kunststeiger mit irrem Blicke. Hastig schrie er: »Ich will sehen, wo mein Sohn geblieben ist!« Dann fuhr er zurück in die Grube. »Niemand folge mir, dem sein Leben lieb ist!« herrschte er den Knappen zu, die sich erbötig zeigten, den bekümmerten Vater zu begleiten.

Die Berghäuer gehorchten und lauschten nur hinab in die Tiefe.

Da erscholl es drunten wie von mächtigen Axthieben und man vernahm bald darauf ein entsetzliches Geprassel. Erschrocken flohen die Leute, denn sie befürchteten des Schachtes baldigen Einbruch und hatten sich nicht getäuscht. Der Kunststeiger zerhieb mit furchtbaren Axtschlägen die Kunstgestänge und zerstörte die Gerinne, in welchen das starke Aufschlagwasser zum Umtriebe des Kunstrades über den Schacht geleitet war, so daß die ganze Wassermasse sich in die Tiefbaue ergoß und bald die ganze Grube ersoff. In den wild hereinstürzenden Gewässern hat der Kunststeiger seinen Tod gefunden. Der Teufel verpaßte seine Zeit nicht: er hatte ihn drunten geholt.

Des Obersteigers Tochter Johanna verfiel infolge jenes trübseligen Ereignisses in ein hitziges Fieber, an welchem sie lange in Lebensgefahr darniederlag. Die Jugend half ihr die Krankheit überwinden, aber sie war und blieb für immer tiefsinnig. So trat sie in das in der Sächsstadt zu Freiberg gelegene Jungfrauenkloster zur heiligen Maria Magdalena ein. Erst später verließ sie es wieder, als dasselbe bei der Reformation gänzlich aufgelöst wurde, und kehrte in die Welt zurück. Die Grube Turmhof kam nach jenem unglücklichen Ereignisse zum Erliegen, denn wo der Teufel gehaust hat, kann kein Segen aufkommen.

(Fr. Bernau: Comotovia 1877, S. 80.)

In einem friedlichen Thale bei Neudeck lebte ein Bauersmann still und zufrieden mit seiner Familie; nur seine älteste Tochter, bereits zur blühenden Jungfrau herangewachsen, machte ihm manche Sorge.Sie unterhielt nämlich ein Liebesverhältnis mit einem armen Burschen aus der Umgebung des Dorfes, der als Bergknappe im Schoße der Erde sein Brot verdiente. Schon lange wurde von den Liebenden eine Verbindung angestrebt, allein der Vater versagte die Einwilligung, so sehr auch das Mädchen darum bat. Da beschloß der Knappe, sich noch auf einige Jahre in eine andere Gegend zu wenden, dort fleißig zu arbeiten und nach seiner Rückkehr wieder um die Hand der Geliebten anzuhalten. Diese gelobte ihm beim Abschiede ewige Treue, und dadurch getröstet zog er von dannen.

Anfangs schien der Schmerz des Mädchens über die Entfernung des Geliebten sehr groß; doch nach und nach mäßigte sich die Sehnsucht, und Zeit und Arbeit brachten es dahin, daß sie den Geliebten allmählich vergaß. Da gelang es denn einem andern Dorfburschen ohne Mühe, sich ihre Gegenliebe zu erwerben, und da er reich war, erhielt er auch die Einwilligung des Vaters. Es wurden Vorbereitungen zur Hochzeit getroffen, und der Tag der Trauung war nicht mehr fern. Da kehrte plötzlich der Bergknappe zurück. Er hatte sich in der Fremde manches erspart und hoffte nun, bald im Besitze des geliebten Mädchens zu sein. Abends, als es schon im Thale zu dämmern begann, ging er an das Haus seiner Geliebten und hoffte sie zu sehen; er sah sie auch – aber in den Armen eines andern. Wie ein Blitzstrahl durchfuhr es seine Glieder, er wollte vorwärts, doch sein Fuß war wie angewurzelt; einen Fluch zwischen den Zähnen murmelnd, stürzte er hinweg. Von diesem Tage an war er fahrlässiger in seinen Arbeiten und siechte vor Gram immer mehr dahin. Oft sah man ihn spät abends seine Hütte verlassen und einem Platze zuwandern, welchen selten ein Mensch betrat, da, wie es hieß, die bösen Geister dort ihr Wesen trieben. Hier schloß er nun ein Bündnis mit dem Bösen, um die treulose Geliebte und ihren Bräutigam zu verderben. Acht Tage vor der Hochzeit begab er sich in die Wohnung der Braut. Obschon von seiner Ankunft unterrichtet, erschrak sie doch sehr über sein verstörtes Aussehen; er dagegen gab sich den Anschein, als wüßte er nichts von ihrer Treulosigkeit. Vor Schreck war sie keines Wortes mächtig; da er hieraus nur zu deutlich ersah, daß sie wirklich treulos an ihm gehandelt, kündigte er ihr mit kurzen Worten seine Rache an; er werde mit Hülfe des Teufels alles das, was sie vom Hause aus mit bekäme, verderben, weil es ihr Reichtum war, der ihren Vater von der Einwilligung zur Verbindung mit einem armen Burschen abgehalten hatte. Und auch sie selbst werde den Folgen seiner Rache erliegen zur Strafe für ihre Treulosigkeit. Und so geschah es. Die Hochzeit wurde gehalten und das Ehepaar begab sich in die neueHeimat; der hochbepackte Kammerwagen folgte. Eben passierten sie eine Höhe, von welcher sie die Hütte des Bergknappen erblicken konnten. Da erbebte von einem dumpfen Donner der Boden, der Kammerwagen ward umgestürzt, die Betten und alle sonstigen Geräte lagen am Boden und wurden in demselben Momente zu Stein. Die vor den Wagen gespannten Tiere wurden scheu und stürzten wie wütend den Berg hinab, den Kammerwagen gänzlich zertrümmernd. Die Braut aber warf der Schreck aufs Krankenlager, und dies, sowie die Reue über die begangene Treulosigkeit, brachten ihr einen schnellen Tod. Dieses war nach der Sage die Rache des Bergknappen; er selbst war nach diesem Vorfalle aus der Gegend verschwunden und nie hat man ihn wieder gesehen. Aufgehäufte Steinmassen bezeichnen noch heute die Stelle seiner Rache.

(Mündlich.)

Man hat eine Redensart, womit man die Bewohner des langgestreckten, aus zerstreut liegenden Häusern bestehenden Dorfes Schellerhau neckt: »Euch Schellerhauer hat der Teufel im Sack verloren!« Dies rührt davon her: Der Teufel fuhr einmal durch die Luft und hatte ganz Schellerhau in einem Sacke. Der Sack jedoch hatte ein Loch, so daß ein Haus nach dem andern herab zur Erde fiel. Wie nun der Teufel merkte, daß der Sack so leicht geworden war, weil er fast ganz Schellerhau verloren hatte, da warf er ihn im Ärger hin und rief: »Zum Schinder!« Da wurde dort, wo der Sack ganz am Ende des Dorfes nieder gefallen war, die »Schinderei«, wie man allgemein die Abdeckerei nannte; und in diese »Schinderei« mußte jedes gefallene Stück Vieh abgeliefert werden.


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