IX.Ortssagen.
Was in diesem letzten Abschnitte unter dem Begriffe der Ortssagen zusammengefaßt wurde, besteht einerseits aus bloßen chronikalischen Mitteilungen über Orte oder über Begebenheiten, welche sich an bestimmte Plätze knüpfen. Diese Erzählungen, und dies gilt besonders auch von einigen alten Gebräuchen, gehören demnach nicht dem eigentlichen Sagengebiete an; doch möchte ich sie nach dem Vorgange Carl Haupts in dessen Sagenbuche der Lausitz nicht unberücksichtigt lassen, und zwar umsomehr nicht, als sich bei manchen derselben ein schwacher Schimmer der dichterischen Gestaltungskraft des Volkes zeigt. Andererseits haben einige dieser Ortssagen wieder etwas vom mythischen Charakter an sich, so daß sie vielleicht auch in einer der vorhergehenden Abteilungen, besonders bei den Wundersagen, hätten untergebracht werden können. Hierhin gehören z. B. manche der Mitteilungen über die Gründung von Ortschaften und die Entdeckung reicher Erzgänge. Häufig hat die dichterische Phantasie des Volkes die Namen von Orten, Bergen und Felsen, sowie von Ortssiegeln und Wappen erfaßt, und solche Überlieferungen mußten deshalb in diesem Abschnitte, ebenso wie diejenigen von den Wahrzeichen der Städte, eine Stelle finden. Letztere können bloße Zeichen der Gewahrsame d. h. Umgrenzung der Orte, oder Symbole der Bürgerschaft und mißverstandene Wappen und Bilder sein; oder sie sind auch nur Andenken einer Sache, Sitte, oder Begebenheit aus früherer Zeit. Verwandt mit solchen Wahrzeichen sind alle die sprichwörtlichen Redensarten und Scherze, welche sich auf die Lage oder Eigentümlichkeit eines Ortes oder den Charakter und die Beschäftigung seiner Bewohner beziehen; manche derselben müssen auch auf eine bestimmte Begebenheit oder die That eines Einzelnen zurückgeführt werden. Anhangsweise wurden den sprichwörtlichen Redensarten auch eigentliche Sprichwörter (und Rätsel) beigefügt, insofern dieselben der Beschäftigung der Bewohner oder gewissen Beobachtungen an denselben entsprungen sind.
(Petrus Albinus, Meißnische Bergk-Chronika. Dreßden, 1590. S. 10.)
Auf eine Zeit ist ein Goslarischer, oder wie etliche bloß setzen, sonst ein sächsischer Fuhrmann zu Hall durchgefahren und hat Salz ins Land zu Böhmen führen wollen, weil dasselbe Land auf den heutigen Tag aller Ding die Fülle, allein kein Salz hat. Dieser Salzführer, als er fast an die Grenzen des böhmischen Gebirges, gleich um die Gegend, da jetzo Freiberg stehet, kommen, hat er ohngefähr ein Geschiebe von einem gediegenen Glanz oder Bleierz in einem Wagengleis gefunden, dasselbe, weil es schön gleißende und schwer gewesen, auf den Wagen geworfen und im Wiederkehren mit sich gen Goslar gebracht. Daselbst, nachdem es von den Bergleuten probiert und im Silber viel reicher als der Goslarische Glanz und Bleischweif befunden worden, haben sich die Sachsen alsbald aufgemacht, sind dahin auf Nachrichtung des Fuhrmannes gezogen, da er das Geschiebe gefunden hatte, haben Gänge ausgerichtet, eingeschlagen und geschürft, und da es ein gut Ansehen genommen, folgend getrost Kübel und Seil eingeworfen, in Eil etliche Röschen getrieben, damit sie die Gebirge etwas verstollet, und das Wasser verschroten, auf daß sie ohne Hindernis bauen mögen, und haben also in Summa die Sachsen das Bergwerk im Lande Meißen rechtschaffen rege gemacht.
(Moller,Theatrum Freibergense Chronicum. II. 1653, S. 3.)
Im Jahre 1169 hat der Bergmeister mit den Bergleuten auf dem Zellerfeld in Sachsen, verschiedener Unbilligkeiten wegen, die ihnen widerfahren, einen Aufstand gemacht und hat sich dann mit den Bergleuten nach Meißen zum neuen Bergwerk, welches bereits in hohen Ruf gekommen war, begeben. Zwei Jahre darauf aber haben die eingewanderten Sachsen das Dorf Christiansdorf am jetzigen Münzbach im Baue gebessert und also zugerichtet, daß es einer neuen Stadt glich, wie auch hernach dieser Ort die Sachsenstadt genannt wurde. Etliche rechnen deshalb den Anfang der Stadt Freiberg vom Jahre 1171 an.
Die Entdeckung der reichen Freiberger Silbergänge erfolgte wahrscheinlich zwischen 1162 und 1170. Nach Aufzeichnungen des Klosters Zelle vom Ende des 13. Jahrh. wurde die Stadt Freiberg im Jahre 1181 gegründet; wahrscheinlich aber fällt die Gründung zwischen die Jahre 1185 und 1190. Urkundlich wird derFreiberger Bergbau zuerst 1185 erwähnt. (Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des K. Sachsen, III. S. 8.)
Die Entdeckung der reichen Freiberger Silbergänge erfolgte wahrscheinlich zwischen 1162 und 1170. Nach Aufzeichnungen des Klosters Zelle vom Ende des 13. Jahrh. wurde die Stadt Freiberg im Jahre 1181 gegründet; wahrscheinlich aber fällt die Gründung zwischen die Jahre 1185 und 1190. Urkundlich wird derFreiberger Bergbau zuerst 1185 erwähnt. (Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des K. Sachsen, III. S. 8.)
(Benseler, Berggeschichten vom Aufkommen des sächs. Silberbergbaues. Freiberg, o. J. S. 12.)
Wo das Rathaus in Freiberg steht, soll der erste Silberfund geschehen sein, und in einem Kreuze, welches in einer Ecke desselben eingemauert ist, soll man noch heute die erste Art Freiberger Erze sehen. Gegenüber an der Ecke der Petersstraße, da, wo das Bild des Bergmannes an dem Hause steht, soll sich die erste Zeche befunden haben. Die bedeutenderen älteren Gruben waren im alten Loßnitz- oder Münzbachthale. In Christiansdorf, welches seinen Anfang in der Nähe vom Vorwerk Langerinne nahm und sich bis an die Loßnitz erstreckte, war eine sehr alte Grube der Stubenberg, von dem erzählt wird, daß eine Köchin aus dem Kloster Zelle das erste Grubengebäude hier gebaut habe und sehr reich davon geworden sei.
(Ursprung der Bergwerke in Sachsen. Chemnitz, 1764. S. 110.)
Es wird erzählt, daß die Bergwerke an der Mulde gegen Nossen lange vor den Freiberger Silbergruben gangbar gewesen seien. Das Gersdorfische Bergwerk soll unter diesen das älteste und bei folgender Gelegenheit aufgekommen sein. Im Jahre 733, am Tage Simonis und Judä, hätte ein Mönch, der Kappenmönch genannt, einen auf der alten, jetzt gänzlich verfallenen Wunderburg bei Roßwein gesessenen Räuber, mit Namen Martin Griechen, besuchet. Darauf habe ihn letzterer nebst seiner Buhlerin, welche Gertraut geheißen, beim Abschiede ein Stück Weges begleitet, bei welcher Gelegenheit sie unterwegs reiche Erze entdeckt hätten. Der Mönch habe infolgedessen seine Kutte für immer abgelegt und der Räuber von seinem Räuberhandwerk gelassen. Dafür hätten sie ein Bergwerk angelegt und reichhaltige Erze gefunden und nun an dem Orte einen Flecken gegründet, den sie nach des ehemaligen Räubers Buhlerin Gertraut Gersdorf benannt hätten. Das Bergwerk wäre hierauf bis zum Jahre 887 angebauet worden, von dieser Zeit an aber zwei Jahre lang, einer sich entsponnenen Räuberei halber, liegen geblieben, mit welchem Schicksale auch ein anderesBergwerk, der Goppisch genannt, dessen Lage man nicht mehr wüßte, heimgesucht worden. Nach einer anderweiten Niederlage von drei Jahren, wovon die eigentliche Zeit nicht angegeben werden könnte, hätte man endlich angefangen, zu Erzdorf ein ganz neues Bergwerk vorzurichten, wozu bei Ermangelung der Bergarbeiter ein jeder Bauer zwei Leute schicken müssen, und wäre das Bergamt damals auf dem jetzigen Schafhofe gewesen.
(Albinus, Meißnische Bergk-Chronica etc. Dreßden, 1590. S. 28. Meltzer,Hist. Schneeberg., S. 33–35.)
Es hat sich von ungefähr zugetragen, daß ein Bergmann oder Arbeiter, welcher zu dem in Schlema vor Zeiten befindlichen Hammer gehörte, nach Eisenstein schürfte. Dabei kam er auch an den Schneeberg, wo er einen besseren Eisenstein zu finden vermeinte, als er am Wolfsberge, Hasenberge und anderen Orten gefunden hatte. Als er nun etliche Schürfe geworfen, wobei es ihm aber nach seinem Sinne nicht gegangen, hat sich nicht lange darnach an dem Orte, wo später die St. Georgenzeche und die zugehörenden, als die alte und neue Fundgrube u. s. w. aufkamen, ein Bürger von Zwickau (die Sage nennt ihn Romner oder Römer), welcher mit einer Würzlade auf dem Lande umherging und sich dadurch seine Nahrung suchte, in einem alten Schurf, darin eine schöne Gilb und Bräun alsbald in der Dammerde gewesen, eingelegt und zwei Arbeiter daselbst gehalten, denen er alle vier Wochen abgelohnt, und unterdeß alleweg mit seinem Kram wieder ausgelaufen. Bald nachher ließ er einen Schacht sinken, und die Arbeiter trafen endlich eine »gänßkötige« Bergart, samt einer Bräun und Gilben, welche der ersten Bergart im Schurf ähnlich war, wovon sie ihrem Herrn an dem Lohntage etliche Handsteine nach Zwickau brachten. Derselbe ließ sie bei einem Goldschmiede probieren und erhielt darauf die Antwort, wenn er dieses Dinges noch mehr habe, solle er's ihm bringen, er wolle ihm schöne silberne Becher daraus machen. Dieses soll ungefähr im Jahr 1470 geschehen sein. Nach dieser Zeit sollen sich bald mehr Bürger von Zwickau und von anderen Orten, edel und unedel, zusammengeschlagen, fortgebauet und endlich ein mächtig Erz angetroffen haben. Im Jahre 1472 hat man allererst den rechten Putzen, wie die Bergleute reden, angetroffen, worauf das Schneebergische Bergwerk so in Schwank gekommen, daß seinesgleichen nie gewesen, also daß man damals das Silber nichtalles vermünzen können, sondern kuchenweise oder in ganzen »Plicken« hat austeilen müssen.
Nach einer anderen Erzählung habe sich ein Schustergerätträger mit Namen Sebastian Romner, welcher von Krembs an der Donau gebürtig, aber zu Görkau in Böhmen wohnhaft gewesen sei und der seine Nahrung zu Zwickau gesucht, in der Gegend von Schneeberg verirrt. Dabei sei er an eine Eisenzeche gekommen und habe den Steiger heraus gerufen, um ihn nach dem rechten Wege und um einen Trunk Wasser zu bitten. Der Steiger habe ihm im Verlaufe des Gesprächs geklagt, daß die Gewerken nicht mehr verlegen wollten, weil man aus dem Eisensteine nichts machen könne; es sei ein Gang dazu gekommen und derselbe mache das Eisen so flüssig, daß man kein Stabeisen mehr schmieden könne, weil alles zerfahre. Romner nahm darauf einige Stücke des Erzes mit nach Görkau und Nürnberg, um sie untersuchen zu lassen und es fand sich, daß sie reichlich Silber enthielten. Als er später wieder nach Zwickau zurückkehrte, wurde er infolge eines Streites vor den Hauptmann geführt. Als der etwas berauschte Romner vor diesem Worte fallen ließ, daß er in der Nähe einen Schatz wisse, ließ der Hauptmann nicht nach, bis ihm Romner versprach, ihn nach diesem Orte zu führen. Und als sie am andern Tage zu der Eisenzeche gelangten, fand sichs, daß der Hauptmann bei dieser durch Kuxe beteiligt war. Beide begannen jetzt in Gemeinschaft den Silberbau, und da der Hauptmann erkundete, daß Romner ehrlichen Stammes sei, gab er ihm eine Muhme, Anna von Bünau, zur Ehefrau. Romner hielt sich darauf zu Neumark auf, genoß des Bergsegens und wandelte, indem er das Geschlecht derer von Römer begründete, seinen Namen in Römer um.
Als gegen Ende des 15. Jahrhunderts die Silbererze des Schneeberges entdeckt wurden, war die Gegend umher nicht mehr so unwirtlich, wie angenommen wird. Von Lößnitz führte bereits durch das Schlemathal über Neustädtel eine Straße nach Böhmen; im genannten Thale pochten Eisenhämmer und im hohen Forste, sowie in der Gegend der über die Mulde führenden Eisenbrücke gab es schon Silbergruben. Der erste Fund auf dem Schneeberge geschah am Ende des Jahres 1470 und bald darauf, am 6. Febr. 1471 folgte ein neuer reicher Anbruch.Als die junge Ansiedelung auf dem Berge 1481 den Stadtbrief empfing, hatte man daselbst schon Gruben von 200 M. Tiefe. (H. Jacobi, Schneeberg. Ein Gedenkblatt zur 400jährigen Jubelfeier, S. 3–7).Der in der zweiten sagenhaften Erzählung genannte Hauptmann war der Amtshauptmann von Zwickau, Martin von Römer, dessen Epitaph noch jetzt in der dortigen Marienkirche vorhanden ist. Derselbe gehörte mit zu den bedeutendsten Fundgrübnern jener Zeit, unter denen uns noch Angehörige der adeligen Familien von Starschedel, von Spiegel und von Schönberg, sowie die Zwickauer BürgerHans Federangel, Clemens Schicker, Andreas Gaulnhöfer und Peter Polner genannt werden.Martin Römer soll nicht allein durch die Schneeberger Silberausbeute, sondern auch durch den ihm zufließenden Segen aus anderen Fundgruben so reich geworden sein, daß er z. B. für den Neubau der Zwickauer Marienkirche allein 72000 Gulden beitragen konnte.Sebastian Romner, dem er die Kenntnis der Schneeberger reichen Gänge verdankte, soll dann später in Venedig große Geschäfte mit Silberkuchen, welche er daselbst verkaufte, gemacht haben.
Als gegen Ende des 15. Jahrhunderts die Silbererze des Schneeberges entdeckt wurden, war die Gegend umher nicht mehr so unwirtlich, wie angenommen wird. Von Lößnitz führte bereits durch das Schlemathal über Neustädtel eine Straße nach Böhmen; im genannten Thale pochten Eisenhämmer und im hohen Forste, sowie in der Gegend der über die Mulde führenden Eisenbrücke gab es schon Silbergruben. Der erste Fund auf dem Schneeberge geschah am Ende des Jahres 1470 und bald darauf, am 6. Febr. 1471 folgte ein neuer reicher Anbruch.
Als die junge Ansiedelung auf dem Berge 1481 den Stadtbrief empfing, hatte man daselbst schon Gruben von 200 M. Tiefe. (H. Jacobi, Schneeberg. Ein Gedenkblatt zur 400jährigen Jubelfeier, S. 3–7).
Der in der zweiten sagenhaften Erzählung genannte Hauptmann war der Amtshauptmann von Zwickau, Martin von Römer, dessen Epitaph noch jetzt in der dortigen Marienkirche vorhanden ist. Derselbe gehörte mit zu den bedeutendsten Fundgrübnern jener Zeit, unter denen uns noch Angehörige der adeligen Familien von Starschedel, von Spiegel und von Schönberg, sowie die Zwickauer BürgerHans Federangel, Clemens Schicker, Andreas Gaulnhöfer und Peter Polner genannt werden.
Martin Römer soll nicht allein durch die Schneeberger Silberausbeute, sondern auch durch den ihm zufließenden Segen aus anderen Fundgruben so reich geworden sein, daß er z. B. für den Neubau der Zwickauer Marienkirche allein 72000 Gulden beitragen konnte.
Sebastian Romner, dem er die Kenntnis der Schneeberger reichen Gänge verdankte, soll dann später in Venedig große Geschäfte mit Silberkuchen, welche er daselbst verkaufte, gemacht haben.
(Meißner, Umständliche Begebenheit von der Bergstadt Altenberg. Dreßden und Leipzig, 1747, S. 2.)
Als Anno 1458 in dem ehemaligen Walde, welcher dem Herrn Walzig von Bärenstein eigentümlich zugestanden, ein Köhler einen Meiler auf einem mächtigen flachen Gange, welcher jetzt die alte Fundgrube genannt wird, zugerichtet hatte, traf er im Ausstoßen Zinn an. Denn die am Tage gelegenen Zwitter, welche der Köhler zu seinem Kohlenbrennen lange Zeit hindurch zum Unterlegen gebraucht hatte, waren durch die heftige Hitze nach und nach zermalmt und mürbe gebrannt worden, so daß endlich »berglauter Zinn« zum Vorschein kam. Auf diese Art ist der so berufene Zwitterstock zum Altenberge unvermutet fündig geworden. Nachdem nun hierauf das Gerücht von diesem reichen Zinnbergwerke durchs Land erschollen, haben sich viele ausländische Bergleute an dem Platze niedergelassen und die Stadt Altenberg gegründet.
Historisch ist, daß bereits in den letzten vierziger Jahren des 15. Jahrh. auf dem Schlosse zu Bärenstein die Anfänge zu einer Bergordnung neben einem förmlichen Bauplane für die Stadt Altenberg festgesetzt wurden. Kurfürst Friedrich der Weise aber verlieh bereits 1451 »dem Czynnern off dem Geusinge« (worunter mit ziemlicher Sicherheit Altenberg zu verstehen ist) einen freien Markt und auch Stadtrechte. (Darstellung der Bau- und Kunstdenkmäler v. Sachsen, II. S. 1.)
Historisch ist, daß bereits in den letzten vierziger Jahren des 15. Jahrh. auf dem Schlosse zu Bärenstein die Anfänge zu einer Bergordnung neben einem förmlichen Bauplane für die Stadt Altenberg festgesetzt wurden. Kurfürst Friedrich der Weise aber verlieh bereits 1451 »dem Czynnern off dem Geusinge« (worunter mit ziemlicher Sicherheit Altenberg zu verstehen ist) einen freien Markt und auch Stadtrechte. (Darstellung der Bau- und Kunstdenkmäler v. Sachsen, II. S. 1.)
(Brandner, Lauenstein, seine Vorzeit, früheren Schicksale und jetzige Beschaffenheit. Lauenstein, 1845, S. 272. Erzgebirgszeitung, 5. Jahrgang, S. 162.)
Die Königin Judith, Gemahlin des Herzogs Wladislaus I. von Böhmen, gründete in Teplitz ein Kloster der Benediktinerinnen. Esgeschah dies in einem der Jahre 1153 bis 1173. Im Jahre dieser Gründung aber war es, so berichtet der böhmische Geschichtsschreiber Hajek, da ging ein Mann, mit Namen Wnadeck, aus dem Dorfe Cloditze, auf dem Gebirge, welches fast eine Meile Weges von Teplitz gegen Mitternacht gelegen, und fand einen langen und lichten, aus der Erde herausgewachsenen Stab. Er vermeinte, derselbe wäre Silber, brach ihn ab und brachte ihn der Herzogin Gertrud (Königin Judith) gen Teplitz. Diese aber übergab den Stab bergverständigen Männern zum Probieren, welche im Feuer befanden, daß es Zinn war. Hierauf befahl die Herzogin, dem Wnadeck 3 Mark Silber zu geben, doch sollte derselbe den Ort zeigen, wo er den Stab gefunden habe. Als dieses geschehen, grub man nach, und wurde eine gar große Menge Zwitter gefunden, darum die Herzogin und alles böhmische Volk unserm Herrgott mit Herz und Mund großen Dank sagten.
Auch erzählt die Sage: Als Libusa das Czechenvolk beherrschte, eine weise Seherin, die das Glück und Unglück ihres Landes in der Nähe und in der Zukunft schaute, da geschah es auch (d. h. im Jahre 733), daß die Herzogin, von der Höhe des Wyschehrad aus, weissagend sich nach Nordwesten gewendet und dem Volke in blühenden Worten von dem übermäßigen Zinnreichtum des einstigen Graupens gepredigt habe.
(Richter, Chronica der freyen Bergstadt Annaberg. 1746. S. 17.)
In dem Dorfe Frohnau wohnte ein Bergmann, welchen die alte geschriebene Stadt-Chronica von Annaberg Caspar Nietzel oder Nitzelt nennt. Dieser schürfte an dem Schreckenberge und entdeckte daselbst den 27. Oct. 1492 in der Dammerde einen lettigen Gang, welcher im Centner 2 Loth Silber hielt. Dieser Bergmann nahm den Letten, trug denselben am Abende Simonis Judä nach Geyer zu einem Schmelzer, welcher Martin Pflugk oder Pfennig geheißen, und ließ es probieren. Als aber der Schmelzer diesem Nietzel es nicht glauben wollte, daß er zu Tage aus einen solchen herrlichen Gang gefunden, so gab er ihm etliche verständige Bergleute mit, welche die Sache sollten in Augenschein nehmen, und diese, als sie den Gang wirklich so gefunden, hatten auch dem Nietzel hernach geraten, daß er solchen Gang von Herrn Johann Fischern, Bergmeistern zu Freiberg, aufnehmen sollte. Das allerälteste geschriebene Chronikon aber, welches noch vorhanden ist, sagt, daß Hans Heintze und Martin Pflugk, derSchmelzer in Geyer, das Lehngeld geleget, und solchen Gang bei Hans Fischern, Bergmeistern in Freiberg, aufnehmen lassen. Als sich nun beim Abteufen der Gang veredelt, der Gehalt gebessert, und das Geschrei ins Oberamt nach Freiberg geschollen, so hat der Bergmeister daselbst etliche abgeordnet, das neue Gebäude zu befahren und an dem nahe dabei liegenden Schottenberge einen Stollen zu treiben anfangen lassen. Dies ist also Anno 1492 geschehen, als in welchem Jahre dieser wüste und wilde Ort das Glück hatte, daß er bekannt geworden. Von diesem Jahre an rechnen nun etliche den Anfang der Stadt St. Annaberg.
(Meltzer,Hist. Schneeberg.1716, S. 32.)
Als noch der Schneeberg mit Wald bedeckt war, befand sich daselbst eine Försterei. Hier wurde den Umwohnenden, besonders in den Mühlen gegen Griesbach, sowie den Hammerleuten in Schlema Holz angewiesen. Dabei soll ein Pferd, welches man an einen Baum gebunden hatte, gescharrt und in der Dammerde eine »Gilbe« entblößt haben. Das war der Anfang zum Fündigwerden des St. Georg, an dessen Zechenhause sich vor Zeiten zur Erinnerung ein aufgenietetes Hufeisen befand.
Auch auf dem Rammelsberge im Harz soll nach der Sage ein Bleierzgang durch das scharrende Pferd eines adeligen Herrn, mit Namen Ramm, nach welchem später der Rammelsberg benannt wurde, aufgefunden worden sein. Ist vielleicht die Schneeberger Sage derjenigen vom Rammelsberge nachgebildet worden? Hingewiesen mag darauf werden, daß Wuotan der Herr der Schätze ist und daß sein Roß dieselben hervorstampft, indem es Erzadern ausscharrt.
Auch auf dem Rammelsberge im Harz soll nach der Sage ein Bleierzgang durch das scharrende Pferd eines adeligen Herrn, mit Namen Ramm, nach welchem später der Rammelsberg benannt wurde, aufgefunden worden sein. Ist vielleicht die Schneeberger Sage derjenigen vom Rammelsberge nachgebildet worden? Hingewiesen mag darauf werden, daß Wuotan der Herr der Schätze ist und daß sein Roß dieselben hervorstampft, indem es Erzadern ausscharrt.
(Meltzer, Bergkläufftige Beschreibung der löbl. Bergk-Stadt Schneebergk. 1684, S. 42. Wrubel, Sammlung bergmännischer Sagen. 1883. S. 22.)
Der Freudensteiner Gang wurde 1526 von einer Magd entdeckt, als sie auf dem hinteren Gleeßberge in einem Waldraum auf Neustädter Feldern Gras holte und dabei einen Silberzahn mit der Sichel abhieb und nach Hause brachte. Glaublicher wird gesagt, daß das gediegene Silber daselbst von einer Kuh ausgetreten und vom Hirten gefunden und nachgehends mit großem Nutzen gehauen worden ist,deswegen hier die Bergleute ein Rätsel gemacht und einander zu raten aufgegeben haben: Wo das Erz über den Haspel gewachsen? welches sodann mit dieser Zeche aufgelöst worden.
(Wrubel a. a. O., S. 23.)
In der Gegend von Joachimsthal trafen Bergleute vom Geyer den ersten Gang an der Wurzel eines Baumes, den der Wind an einem Bache umgeworfen hatte.
(Albinus, Meißnische Bergk-Chronica. 1590, S. 125.)
Bei Joachimsthal, nicht weit von Arlsgrün (Arletzgrün) hinter dem Galgenberge ist ein Zain Goldes mit dem Getreide abgeschnitten worden.
(Albinus, Meißnische Bergk-Chronica, 1590, S. 79.)
Das Bergwerk St. Lorenz oder Gottesgab bei Abertham ist also aufgekommen: Nachdem eine Zeitlang an diesem Orte gebaut worden war, ist im Jahre 1528 ein gar armer, jedoch verständiger und guter Bergmann gewesen, welcher im dichten Walde fast allein in seinem Hüttlein wohnte und sich von Viehzucht, obschon nicht alles sein Eigen war, ernährte. Als dieser einstmals (es soll am 20. Februar gewesen sein) bei seinem Weiler eine andere Milchgrube, wie solche gebräuchlich waren, graben wollte, hat er eine reiche Sicherung von gediegen Silber, welche der Brunnenquell vom Gange geröhret hatte, angetroffen. Darauf ist er mit großen Freuden zu seinem Herrn gelaufen und hat ihm und anderen solches anvertraut. Bald ist er auch zum Bergmeister gegangen und hat eine Fundgrube gemutet, welche er Gottesgabe nannte. Nachdem er geschürft und gesunken, hat er schöne Bergarten und noch mehr gediegen Silber gefunden. Später hat man auf dieser Zeche so viel gediegen Silber gebrochen, wie auf keiner andern seit Mannes Gedenken, ausgenommen St. Georgen auf dem Schneeberge.
(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, 1746, S. 18.)
Derselbe hat sich von ohngefähr einem Fischer entblößet; denn als dieser unter Buchholz fischte und mit dem »Stirreln« an dem Ufer das Wasser trübe machen wollte, so brach ein Stück vom Ufer ein und entblößte einen reichen und nutzbaren Gang, darauf hernach viel Erz gebrochen und viel Silber gewonnen worden. Solches geschah am heiligen Abende des Fronleichnams-Tages, davon der Stollen also den Namen bekommen hat.
(I. Nach der poet. Bearbeit. Ziehnerts bei Gräße a. a. O., Nr. 633. II. Nach mündlicher Überlieferung.)
I. Das Städtchen Schöneck soll seinen Namen folgender Ursache verdanken: Einst soll der kaiserliche Landvogt Heinrich Reuß (der Reiche von 1140–1150?) auf der Jagd von seinem Gefolge getrennt worden und auf ein Bärenlager gestoßen sein. Die für ihre Jungen besorgte Bärin sprang auf sein Roß los, dasselbe stürzte von ihrem wütenden Angriffe zu Boden, und es würde um den Landvogt geschehen gewesen sein, da sein Schwert beim Sturze zerbrach, wäre nicht ein junger Köhler auf sein Hülferufen herbeigeeilt und hätte das wütende Tier von hinten mit seinem Schürbaum erschlagen. Der Vogt erlaubte nun seinem Retter sich eine Gnade auszubitten, und derselbe gestand ihm, er habe eine Geliebte, die er aber nicht heiraten könne, weil er zu arm sei; er bitte nur um einen Platz, wo er sich ein Häuschen bauen könne, und um Holz dazu. Da lachte der Reuß und sagte ihm, er möge in seinem Lande sich aussuchen, welchen Platz er wolle, wo er sich ein Haus bauen möge, Holz möge er aus dem nächsten Walde nehmen und Steine brechen, so viele er brauche, und so ihn jemand nach seinem Rechte fragen werde, dem solle er diesen seinen Ring und sein zerbrochenes Schwert, welches er ihm einhändigte, vorzeigen. Darauf zog der Köhler lange mit seinem Liebchen im Vogtlande herum und nirgends wollte denselben ein Ort passend erscheinen; endlich kamen sie auf einen hohen Berg voll Wald und üppigem Graswuchs, da rief sie: »Das ist ein gar schön Eckchen, da kann man weit ausschauen, da wollen wir bauen!« Und so geschah es auch; der Köhler baute sich ein Häuschen und brannte einen Meiler an, und nach und nach zogen auch andere Leute dahin und bauten sich um das Häuschen herum an, und so entstandnach und nach ein Flecken, den hieß man zum Andenken Schöneck.
II. Emigranten aus Böhmen kamen einst in die Gegend von Schöneck. Da gefiel es ihnen so wohl, daß sie ausriefen: »Das ist eine schöne Eck'! hier wollen wir uns anbauen!« Und sie gründeten einen Ort, aus dem später eine Stadt wurde, und nannten ihn wegen der Schönheit des Platzes, auf dem er gegründet wurde, Schöneck.
NachDr.Ulrich Schneider (Wissenschaftliche Beilage der Leipziger Zeitung, 1883, Nr. 31) befand sich an der Südseite des in der Stadt sich erhebenden Friedrichsteines eine jedenfalls zur Zügelung der Slaven erbaute Burg, welche schon um 1225 Schöneck hieß, denn um diese Zeit wird ein Ritter von Schonegge genannt. Später siedelten sich um die Burg Deutsche an, und die aus diesen Ansiedelungen entstandene Stadt hieß anfänglich, wie z. B. 1370 in dem Freibriefe des Kaisers Karl IV., die Stadt »Unter Schöneck«. Die Stadt Schöneck nahm also ihren Namen von der weit älteren Burg an. Der Name der Burg aber ist, wie solches zuerst von Limmer angenommen wurde, kein slavischer, sondern rein deutsch, und als »schöne (d. h. passende) Ecke« zu deuten. Das Wort »Ecke« aber ist eine seit alter Zeit gebräuchliche Bezeichnung für »Vorsprung«. Darnach bezieht sich »schön« auf den für Anlage einer Burg geeigneten Platz und nicht auf die durch die Sage hervorgehobene Aussicht, von welcher bei Gründung des Ortes mitten in den damals hohen Wäldern wohl keine Rede sein konnte.
NachDr.Ulrich Schneider (Wissenschaftliche Beilage der Leipziger Zeitung, 1883, Nr. 31) befand sich an der Südseite des in der Stadt sich erhebenden Friedrichsteines eine jedenfalls zur Zügelung der Slaven erbaute Burg, welche schon um 1225 Schöneck hieß, denn um diese Zeit wird ein Ritter von Schonegge genannt. Später siedelten sich um die Burg Deutsche an, und die aus diesen Ansiedelungen entstandene Stadt hieß anfänglich, wie z. B. 1370 in dem Freibriefe des Kaisers Karl IV., die Stadt »Unter Schöneck«. Die Stadt Schöneck nahm also ihren Namen von der weit älteren Burg an. Der Name der Burg aber ist, wie solches zuerst von Limmer angenommen wurde, kein slavischer, sondern rein deutsch, und als »schöne (d. h. passende) Ecke« zu deuten. Das Wort »Ecke« aber ist eine seit alter Zeit gebräuchliche Bezeichnung für »Vorsprung«. Darnach bezieht sich »schön« auf den für Anlage einer Burg geeigneten Platz und nicht auf die durch die Sage hervorgehobene Aussicht, von welcher bei Gründung des Ortes mitten in den damals hohen Wäldern wohl keine Rede sein konnte.
(Peccenstein,Theatrum Sax.I, S. 89. Darnach Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, Nr. 243.)
Da, wo jetzt das Schloß Bärenstein liegt, war vor grauen Jahren eine rauhe Wildnis, und es hat einmal einer aus dem Geschlechte derer von Bärenstein mit einem seiner Söhne auf dem Felsen, den jetzt das genannte Schloß krönt, zwei wilde Bären angetroffen. Nachdem diese zum Stehen gebracht worden, ist der Sohn vor dem Vater niedergefallen, willens, den einen abzufangen, allein es ist ihm dies mißlungen, indem ihm der Bär den Spieß zerbrach und ihn den Felsen hinuntergeworfen hat. Hierauf hat die ganze Gefahr den Vater bedroht, allein dieser, über den Fall seines Sohnes, den er tot vermeinte, hart ergrimmt, hat den Bären heftig zugesetzt, sie mit seinem Spieße durchbohrt und den Felsen hinabgestürzt, dann ist er aber zu seinem Sohne hingeeilt und hat diesen wider alles Erwarten noch lebendig gefunden. Von dieser Geschichte hat der Ort den Namen Bärenstein erhalten und ist derselbe nachmals auch auf das Schloß übertragen worden.
(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, Nr. 357. Merkel und Engelhardt, Erdbeschr. von Kursachsen, 2. B., S. 111.)
Einst ist der heilige Benno über Land gereist, und da er an einem öden Orte viele Tauben sitzen sah, prophezeite er, es werde in Kurzem ein neuer Orden dorthin kommen, durch dessen Gebete viele könnten selig werden. Darnach hat Otto, ein Markgraf zu Meißen, dem Cisterzienserorden hier ein Kloster, Zelle genannt, bauen lassen, herrlich begabt und ihnen eingegeben. Ein wunderthätiges Kreuzbild in der Mitte der Klosterkirche, sowie eine Menge Reliquien machten das Kloster bald zu dem berühmtesten und reichsten im Markgraftume Meißen, und ein alter sächsischer Geschichtsschreiber erzählt von den Reliquien, es wären ihrer so viel gewesen, daß er zweifele, ob St. Petrus an der Himmelspforte sie alle namentlich in seinem langen Thorzettel beisammen haben möge.
(I. Rüger, Beiträge zur älteren Geschichte der Stadt Dippoldiswalde, 1863, S. 4. Lessing, Bemerkungen zu der Frage: Ist der Ursprung und erste Anbau von Dippoldisw. mit histor. Gewißheit nachzuweisen? 1863, S. 6, 7. II. Nach einer handschriftl. Nachricht, welche sich einem der Stadtgemeinde Dippoldiswalde gehörigen Manuskripte: »Der Churfürstl. Sächs. Stadt Dippoldiswalde Statuta und Stadt-Recht etc. Anno 1678« beigelegt findet.)
I. Um das Jahr 930 soll in der Dippoldiswalder Heide ein Einsiedler mit Namen Dippold aus dem Geschlechte derer von Clumme oder Lohmen gelebt haben, um Gott in dieser Abgeschiedenheit mit Beten und Fasten zu dienen und die heidnischen Bewohner zum Christentume zu bekehren. Zu dieser Zeit soll auch die ganze Gegend noch böhmisch gewesen sein. Nun hatte aber der Herzog Wratislaw von Böhmen zwei Söhne, Wenzel und Boleslaw, von denen der erstere durch seine bereits christliche Großmutter Ludomilla ebenfalls zum Christentume erzogen wurde. Darüber entstand zwischen beiden Brüdern Feindschaft, welche so weit ging, daß eines Tages Boleslaw seinen Bruder bei der Taufe eines seiner Kinder meuchlings umbringen ließ. Aber der Brudermörder fand nun keine Ruhe mehr, und um seine Gewissensbisse zu betäuben, suchte er Zerstreuung in der Jagd. Dabei kam er auch in die mit dichtem Walde bedeckte Gegend von Dippoldiswalde, wo er Kunde von dem Einsiedler Dippold erhielt. Er suchteihn auf und wurde von seiner Frömmigkeit und seinem Zuspruche so ergriffen, daß er sich entschloß, Christ zu werden und sich taufen ließ. Nach empfangener Taufe soll dann Boleslaw nicht weit von Dippolds Klause, am Weißeritzflusse, an der Seite gegen Morgen, wo jetzt die Stadtkirche steht, eine Kapelle gebaut und den Ort zu Ehren des heiligen MannesSancti Dippoldi Silvam, d. h. des heiligen Dippolds Wald, genannt und den Ort mit vielen Freiheiten begnadigt haben. Dieser Kirche soll Dippold acht Jahre lang als Priester vorgestanden und viel von den ungläubigen Sorben, welche die angrenzende Landschaft bewohnten, zu leiden gehabt haben. Nach seinem Tode soll er vom Papste Johann X. oder Leo VII. heilig gesprochen worden sein, und weil man angenommen, er thäte nach seinem Tode viel Wunder, soll eine große Wallfahrt nach dem Orte erfolgt und dadurch Dippoldiswalde in Aufnahme gekommen sein.
Noch sieht man in der Heide am Fußwege nach Wendischcarsdorf die Wohnung Dippolds, den Einsiedlerstein, und man zeigt dabei die Küche, sowie im Grunde eine Quelle, den Brunnen des Einsiedlers, und auf der Höhe im Walde zusammengeschichtete Steine, welche einer früheren Kapelle angehört haben sollen. Ebenso war vor Jahren noch der Eingang zu einer Höhle zu sehen, welche sich als Gang bis unter die Totenkirche in Dippoldiswalde fortgesetzt haben soll.
II. Die Stadt Dippoldiswalde hat daher ihren Ursprung und Anfang genommen: Es ist einer mit NamenDippoldusdes Geschlechts derClomengewesen, welcher sich in seinem Alter in die Wildnis begeben und darinnen etliche Zeit als Einsiedler mit Fasten und Beten Gott gedienet. Seine Klause war in der Dippoldiswalder Heide nahe am Dresdner Steige in einem großen Steine zu finden, und dabei befand sich eine kleine Kapelle, ein Obstgarten und ein Brunnen, was aber alles, bis auf den Brunnen, zerstört worden ist. Als einst der Herzog Wenzel von Böhmen, wohin diese Landschaft ehemals gehörte, auf der Jagd gewesen und den Einsiedler angetroffen, hat er sich mit ihm in seine Klause begeben, und sich nicht allein über des Mannes Heiligkeit und Andacht verwundert, sondern er hat auch nicht weit davon ihm eine Kapelle zu Ehren erbauet, die er nach seinem NamenSancti Dippoldi Silvamgenannt. Es ist diese Kapelle an dem Flusse Weißeritz, an der Seite gegen Morgen, da jetzt die Stadtkirche stehet, erbaut worden. Der Herzog aber hat diesen Ort mit vielen Freiheiten begnadet und dem heiligen Manne vermacht. Derselbe hat darauf der Kirche acht Jahre lang als ein Priester vorgestanden, das Volk treulich belehret, auch viele von dem Unglauben zum christlichen Glauben gebracht. Wegen seiner Heiligkeit ist er vom Papste canonisieret undvon allem Volke verehrt worden, und weil man dafür gehalten, er thäte nach seinem Tode noch viele Wunder, ist eine große Wallfahrt nach dem Platze gehalten worden. Dabei hat nun die Stadt Dippoldiswalde den Anfang genommen und viele Jahre lang als ein offener Flecken bestanden. Als derselbe aber unverhofft von Jahr zu Jahr zugenommen, die Hölzer zum Teil ausgerodet, das dadurch gewonnene Feld bebauet und gute Silberbergwerke angelegt worden waren, aber als ein Grenzflecken bei den Kriegszeiten, da die Herzöge und Regenten in Böhmen und Markgrafen zu Meißen einander oft bekriegt, großen Schaden hat leiden müssen, so hat man zum Schutze gegen die eine oder andere feindliche Partei die Stadt zusammengezogen, ordentliche Gassen und den Markt abgeteilet, und diese mit einer starken Mauer und hohen Türmen, auch mit einer Zwingermauer und tiefem Stadtgraben in der Runde umgeben. Solches ist zu der Zeit geschehen, da der Ort unter die Markgrafen zu Meißen gehörte.
(Staberoh, Chronik der St. Oederan. 1847. S. 15–17.)
In früherer Zeit wurde die von Freiberg nach Chemnitz führende Straße, besonders in der Gegend, wo jetzt Oederan liegt, von den Rittern des Schellenberges und anderen Räubern vielfach beunruhigt.
Im Jahre 1210 reiste ein Handelsmann aus Uffenheim im Frankenlande, mit Namen Sebald Ranius, begleitet von seinem Diener nach der Stadt Julin (Wollin) in Pommern. Als beide von Chemnitz aus glücklich durch die unsicheren Waldungen bis in die Gegend des Wolfsthales gelangt waren, wurden sie von den Räubern des Schellenberges überfallen. Nach heftigem Widerstande blieben sie auf dem Platze in ihrem Blute liegen, während der Wagen mit den Maultieren von den Räubern mitgenommen wurde. Einige herbeikommende Mönche vom Orden der schwarzen Brüder, welche am Ausgange des Wolfsthales, in der Gegend des jetzigen Hospitales bei Oederan, eine Kapelle erbaut hatten und für die Klöster zu Flöha und Chemnitz Almosen sammelten, kamen bald darauf an die Stelle und fanden den Herrn tot, den halbtoten Diener jedoch nahmen sie mit und verpflegten ihn. Als derselbe nach einigen Monaten geheilt war, reiste er wieder nach Uffenheim zurück. Im folgenden Jahre kam die Witwe des erschlagenen Ranius mit dem Diener an den Unglücksort, denn sie trug das Verlangen, den Platz zu besuchen, wo ihr Eheherr gestorben und begraben war. Sie beschenkte die schwarzenBrüder reichlich, ließ in der Kapelle Seelenmessen lesen und verordnete, daß an dem Platze des Überfalls ein Denkstein errichtet werde. Treulich befolgten dies die Brüder, fertigten ein Denkmal, und weil der Erschlagene Ranius, dessen Witwe aber Edda geheißen, so schrieben sie darauf:Edda Ranio, d. h. Edda dem Ranius. Das Denkmal stand an der Stelle, wo sich jetzt der Gasthof zu den drei Schwanen befindet. Der Diener baute daneben ein Gasthaus, um die Pilger mit Speise und Trank zu erquicken. Auch die schwarzen Brüder benutzten diese Gelegenheit, verließen ihre Wohnung bei der Kapelle und bauten sich bei dem Denkmale an, an welchem sie nun ihre Almosen einsammelten. Von der Inschrift des Denkmals aber wurde diese kleine Ansiedelung »Edda Ranio«, genannt, woraus sich mit der Zeit der Name »Eddaran« und »Oederan« bildete. Die Ansiedelung vergrößerte sich, denn es entstand bald darauf eine Schmiede neben dem Gasthofe und später auch ein Kloster, das bald eine größere Menge von Ansiedlern herbeizog. Von diesen Ansiedlern lebt der Name eines einzigen fort, welcher gleich anfangs hier eine Mühle (die Kirschbaummühle) anlegte, und dessen Name sich bis auf unsere Zeiten erhalten hat.
(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., S. 234.)
Der Sage nach ist der Anbau von Mittel- mit Ober- und Niedersayda in der Zeit des Hussitenkrieges unter Ziska und Prokopius zwischen 1419 und 1435 geschehen, da viele der bedrängten Hussiten abwanderten und sich in den waldigen Gegenden des Erzgebirges anbauten. Noch in diesem Jahrhunderte lebten in Obersayda zwei Familien, die Seyfert'sche und Zimmermann'sche, deren Vorfahren zu den Ausgewanderten gehörten.
(E. H. Müller, Beschr. der Bergstadt Brand, 1858, S. 28.)
In einem tiefen, fruchtbaren, mit Laubholz bewachsenen Thale bei Erbisdorf entdeckten einige Mönche aus Zelle ein klares rieselndes Quellwasser. Einem alten, im blutigen Kriegshandwerke ergrauten Ritter, welcher des rohen, wilden Lebens müde war, gefiel die abgelegene friedliche, von Grün umgebene Gegend so sehr, daß er hier sein Schwert niederlegte, eine Hütte erbaute und ein beschauliches Einsiedlerlebenführte. Viele Menschen aus der Umgegend besuchten bald darauf den stillen, frommen und zugleich erfahrenen Mann und fragten ihn in besonders schwierigen Lebensfällen um Rat. Vorzugsweise galt er für einen guten Arzt und seine Arten von Thee sollen große Heilkuren bewirkt haben. Das klare Wasser seiner Quelle kam bald in den Ruf, daß es wunderbare Heilkräfte besitze und wider viele Gebrechen und Übel gute Dienste leiste. Später baute man, angeblich ums Jahr 1430, eine kleine Kapelle in der Nähe der Quelle, und der Abt zu Zelle widmete sie dem Erzengel Michael. An der Kapelle zu St. Michael dienten anfangs zwei, später nur ein Priester, der daselbst Messe las und Beichte hörte. Über dem geweihten Altare hing ein uraltes schwarzes, aber wunderthätiges Heiligenbild, von dem man aber völlig im Unklaren blieb, ob es den Erzengel Michael oder die Jungfrau Maria vorstellen sollte.
Die Kapelle, welche später mit dem Heiligenbilde durch einen Brand vernichtet wurde, war der Anfang des Dorfes St. Michaelis.
(Nach der Kirchengalerie von Sachsen, 2. B. S. 216.)
Schon zu Zeiten der Kreuzzüge gab es in Niederschönau eine berühmte Wallfahrtskapelle, die Hundskapelle genannt, welche man aus weiter Entfernung besuchte. Die jetzige Kirche soll durch einen Ritter von Mergenheim oder Mergenthal gegründet worden sein. Derselbe hatte sich das Kreuz angeheftet und war zur Wiedergewinnung des heiligen Landes fortgezogen. Dabei that er das Gelübde, wenn er glücklich wieder in die Heimat zurückkehre, wolle er eine Kirche und Pfarrei begründen. So geschah es auch. Für die Pfarrstelle gab er ein ansehnliches Stück Land und eine nicht unbedeutende Waldung her; später aber sollen leider einige Priester ihren Haushälterinnen von dem Pfarrgrundstücke einige Parzellen zu verschaffen gewußt haben, jedenfalls dieselben, welche gegenwärtig mit einem sehr geringen Erbzins für den Pfarrer des Ortes belegt sind.
(Oesfeld, Hist. Beschreibung einiger merkwürd. Städte im Erzgebirge. II. 1777. S. 68. Lindner, Wanderungen durch die interessantesten Gegenden des Erzgebirges, I. H., Annaberg, 1844. S. 13.)
In dem Dörfchen Waschleute (Waschleite) hatten sich zu der frommen Klosterzeit in Grünhain Leute angesiedelt, die das Waschenund Scheuern im Kloster versahen; man hatte sich nicht die Mühe genommen, ihrem Ansiedelungsplatze einen Namen zu geben, denn waren sie nötig, so wußte jedermann, wo die Waschleute zu suchen waren. – Das Gerichtssiegel des Ortes führt ein Waschfaß, an welchem zwei weibliche Personen mit Wäsche beschäftigt sind.
Historisch ist wohl, daß der Ort seine Entstehung und seinen Namen von Erzwäschereien erhielt, welche der reiche Hammerherr Kaspar Klinger 1500 nebst einer Schmelzhütte am Oswaldsbache anlegte. Das Dorf entstand auf einem Teile der Glaßberger Fluren. Das Dorf Glaßberg, welches im Hussitenkriege zerstört wurde, lag am Fuße des Glaßberges (Schatzensteins) und entlang am oberen Teile des Oswaldbaches. (Archiv f. sächs. Geschichte, 12. B., S. 91.)
Historisch ist wohl, daß der Ort seine Entstehung und seinen Namen von Erzwäschereien erhielt, welche der reiche Hammerherr Kaspar Klinger 1500 nebst einer Schmelzhütte am Oswaldsbache anlegte. Das Dorf entstand auf einem Teile der Glaßberger Fluren. Das Dorf Glaßberg, welches im Hussitenkriege zerstört wurde, lag am Fuße des Glaßberges (Schatzensteins) und entlang am oberen Teile des Oswaldbaches. (Archiv f. sächs. Geschichte, 12. B., S. 91.)
(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, 1746. S. 15.)
Daß lange vor der Erbauung von Annaberg schon Bergbau in der dortigen Gegend getrieben worden, erhellet daraus, daß das Dorf Geyersdorf, ¾ Stunde von der genannten Stadt entfernt, schon vor Gründung derselben angebaut gewesen und eigentlich Häuersdorf geheißen hat. Viele Bergleute von Geyer sind hierher gezogen und haben dem Dorfe den Namen gegeben, indem damals nichts als Häuer und andere Bergleute darinnen gewohnet. Auch hat an dem Pöhlberge ehemals ein Dorf gelegen, darinnen vielleicht auch Bergleute mögen gewohnt haben, welche hernach nach Geyersdorf gezogen sind, und welches Dorf damals, als St. Annaberg erbauet worden, schon wieder wüste gelegen und von seinen Einwohnern vielleicht wegen der gefährlichen Gewitter am Pöhlberge verlassen worden ist.
Dr.E. Herzog nennt einen Ort Witzdorf, welcher ehedem zwischen Annaberg und dem Pöhlberge gelegen haben soll. (Archiv für sächs. Gesch. 10. B., S. 84.)
Dr.E. Herzog nennt einen Ort Witzdorf, welcher ehedem zwischen Annaberg und dem Pöhlberge gelegen haben soll. (Archiv für sächs. Gesch. 10. B., S. 84.)
(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, II. 1748. S. 17.)
Buchholz heißt eigentlich Catharinenberg, und weil auch ein Catharinen- oder Catharberg in Böhmen gelegen, in der Gegend des heutigen Annaberg und Buchholz aber ein Buchenwäldlein oder sogenanntes Buchholz vorhanden gewesen, so ist dieser, durch Erregung des Bergwerks angebaute Ort nach selbiger Zeiten Brauch der heiligenCatharina, als einer vermeinten Schutzpatronin, geeignet, dann aber zum Unterschied des Catharinenberg in Böhmen, St. Catharinenberg im Buchholz genannt worden; doch hat es meistens, nur der Kürze willen, den Namen Buchholz behalten.
(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, II. 1748, S. 25.)
Grünstädtel bei Schwarzenberg wird in Schriften »Dorff-Städtlein« genannt. Von Annaberg aus wurden nach seiner kleinen, der heiligen Anna geweihten Kirche große Wallfahrten unternommen. »Maßen denn auf dem Altar noch das Bildnis der St. Anna stehet, die in der einen HandSalvatorem mundimit der Erdkugel hält, und in der anderen Hand den heiligen Johannes; unter dem Bildnisse aber stehet in Holz eingeschnitten: ›O heilige Anna, hilf selb dritt!‹« Das Dorf hatte einen Jahrmarkt samt Brauen und freien Bierschenken, nebst Fleischbank, und darum wurde es »Städtel« genannt, bis nachgehends etliche Häuser nach Pöhla zu angebaut wurden, die man »die Grün« geheißen; so habe man's endlich zusammengesetzt und es sei »Grünstädtel« daraus geworden.
Die Verehrung der h. Anna, Maria's Mutter, war die Veranlassung zur Benennung Annabergs. Herzog Georg hatte bereits 1498 zu Ehren der h. Anna eine Kapelle für die Bergleute auf dem Schreckenberge erbauen lassen, da man von ihrer Verehrung Reichtum erhoffte. Die Inschrift unter ihrem Bildnisse in Grünstädtel: »O heilige Anna, hilf selb dritt«, bezieht sich auf die damalige Vorstellung, daß Anna, Maria und Jesus ganz unzertrennt von einander wären, und man nannte sie daher die erschaffene Dreieinigkeit. In der 1794 geschriebenen Geschichte des Pleißengrundes erzählt der Diaconus Gottlieb Göpfert, daß sich am Kirchthore zu Crimmitschau die Worte eingehauen finden: »Hilf St. Anna selb dritt uns allen Amen!« und er verweist dabei auf eine ähnliche Inschrift in der St. Annenkapelle in Freiberg, welche lautet: »Hilf St. Anna Du Gerechte mit alle Deinem Geschlechte!« Sind diese Inschriften noch vorhanden?
Die Verehrung der h. Anna, Maria's Mutter, war die Veranlassung zur Benennung Annabergs. Herzog Georg hatte bereits 1498 zu Ehren der h. Anna eine Kapelle für die Bergleute auf dem Schreckenberge erbauen lassen, da man von ihrer Verehrung Reichtum erhoffte. Die Inschrift unter ihrem Bildnisse in Grünstädtel: »O heilige Anna, hilf selb dritt«, bezieht sich auf die damalige Vorstellung, daß Anna, Maria und Jesus ganz unzertrennt von einander wären, und man nannte sie daher die erschaffene Dreieinigkeit. In der 1794 geschriebenen Geschichte des Pleißengrundes erzählt der Diaconus Gottlieb Göpfert, daß sich am Kirchthore zu Crimmitschau die Worte eingehauen finden: »Hilf St. Anna selb dritt uns allen Amen!« und er verweist dabei auf eine ähnliche Inschrift in der St. Annenkapelle in Freiberg, welche lautet: »Hilf St. Anna Du Gerechte mit alle Deinem Geschlechte!« Sind diese Inschriften noch vorhanden?
(Nach Mitteilung des Lehrers E. Schlegel aus Zschorlau.)
Als einst die Sorben immer weiter nach Süden ins Gebirge gedrängt wurden, kamen sie auch in die Gegend, wo jetzt Zschorlau liegt. In dem dichten Walde, welcher die Gegend bedeckte, gelangten sie an eine frische, sprudelnde Quelle, an der sie ihr Mittagsmahlhielten. Das Thal gefiel ihnen so, daß sie beschlossen, sich hier niederzulassen. Die Quelle nannten sie eine »Zschorle«, aus welchem Worte nach und nach Zschorlau geworden ist. Noch heute wird jener Brunnen gezeigt, derselbe befindet sich im obersten Teile des Dorfes. Früher floß der Quell in einen Wasserkasten, später wurde ein kleines Häuschen darüber gebaut und jetzt fördert eine Pumpe das Wasser zu Tage.
Urkundlich wird das Dorf Zschorlau »Schorl, Schorel, Zschorl« genannt. Nach Immisch ist der Name von dem wendischenZorlo, die Quelle, abzuleiten.
Urkundlich wird das Dorf Zschorlau »Schorl, Schorel, Zschorl« genannt. Nach Immisch ist der Name von dem wendischenZorlo, die Quelle, abzuleiten.
(Albinus, Meißnische Bergk-Chronika, 1590, S. 191.)
Im Jahre 1370 ist Kaiser Karl IV. in der Gegend, da jetzt Karlsbad liegt, auf der Jagd gewesen. Nachdem aber ein Hund einem Wild etwas zu sehr nachgefolget und also in das heiße Wasser geraten, hat er alsbald ein großes Heulen und Geschrei angefangen. Als dies die Jäger vernommen und gedacht, der Hund hätte etwas angetroffen und gestellet, sind sie dem Geschrei nachgefolget und haben den Hund in dem heißen Pfuhl oder Moder gefunden. Wie solches dem Kaiser angezeigt worden, ist er mit vielen der Seinen hinunter geritten, und als er und seine Medici nachmals befunden, daß dies Wasser eine heilsame Art an sich hätte, auch solches an seinem eigenen Leib, weil er einen bösen Schenkel gehabt, probiert, hat er befohlen, daß man den Ort säubern, bebauen und bewohnen solle. Er ist auch in willens gewesen, alsbald eine große Stadt zu bauen und dieselbe mit Mauern zu umgeben, wie etliche Stück Mauern am Hirschenstein ausweisen. Daselbst ist noch zu sehen, daß Keller allda gewesen, denn der Kaiser wollte an diesem Orte ein Schloß bauen; weshalb dies aber unterblieben, weiß niemand zu sagen. Nur das wird auch von den Alten gesagt, daß der Ort, da gedachter Kaiser Karl seinen Schenkel gebadet, an der Stelle gewesen, wo jetzt das Rathaus stehet, wie denn noch ein Brunn drunter ist, nicht allzu heiß, sondern etwas laulicht. Daselbst soll man vor Zeiten einen Sessel, in Stein ausgehauen, gezeiget haben.