Das vierte Kapitel.

Abschnitt 2, Kapitel 4, KopfstückDas vierte Kapitel.

Abschnitt 2, Kapitel 4, Kopfstück

Von den Unbequemlichkeiten, welchevon der Bemühung, der Haut eine Zärtlichkeitzuwege zu bringen, ihren wesentlichenUrsprung haben.

§. 52.

Wo ich mich recht besinne, so habe ich schon im35stenAbsatze erweislich gemacht, daß die Zärtlichkeit der Haut ein wesentliches, und zur Schönheit des Angesichts nothwendiges Stücke sey, und daß sich diejenigen allerdings glücklich zu schätzen Ursache haben, welche die wohlthätige Natur mit dieser Schönheitsgabe versehen hat. Diejenigen aber dürfen nur über die Ungerechtigkeit der Natur Beschwerde führen, denen sie diese Zärtlichkeit der Haut zu versagen vor dienlich befunden hat. Solche unglückselige Frauenzimmer mögen alles anwenden, was nur immer in ihren Kräften ist, so werden sie doch nimmermehr so glücklich werden, durch alle ihre natürliche Hexerey sich dasjenige zu verschaffen, was ihnen die Natur wohlbedächtig nicht hat wollen mittheilen. Ich gebe ganz gerne zu, daß die Zärtlichkeit der Haut vermöge gewisser Hülfsmittel erhalten, solche aber, wenn sie vorher nicht da gewesen ist, niemals zuwege gebracht werden könne: Gesetzt auch, es wollte sich ein Frauenzimmer, wenn solches anders ohne Lebensgefahr verrichtet werden könnte, die ganze Haut abziehen lassen, so würde sie doch keine andere Haut erhalten, als die abgezogene gewesen wäre. Die Schönen dürfen es mir nicht etwa zur Ungnade halten, wenn ich ihnen offenherzig, ohne meinen Busen entblößt zu tragen, die bloße Wahrheit sage: daß sie eher einem Mohre eine weiße Farbe, als sich eine zarte Haut zu machen vermögend seyn werden.

§. 53. Gleichwohl aber giebt es solche unartige Frauenzimmer, die sich durch keine vernunftmäßige Vorstellung lenken lassen, sondern lieber bey ihren zwey Augen verbleiben wollen, und die sich feste im Kopf gesetzt haben, sie müßten ihre Absicht erhalten, wenn sie sich mit Merzschneewasser, Mayenthaue, Ziegenmilchmolken, Kühmilchmolken, Froschlaichwasser, Harne, oder gar mit Tausendblumenwasser,unter welchem einige den Kühharn, den die Kühe des Frühlings auf der Weide von sich lassen, andere aber dasjenige überzogene Wasser verstehen, welches man von demjenigen Kühkothe zu verfertigen gewohnt ist, welchen die Kühe zur Frühjahrszeit auf die Wiesen fallen lassen, wünschen. Einige stehen völlig in den Gedanken, sie würden eine zarte Haut bekommen, wenn sie geschlagenes Eiweiß in Rosenwasser aufgelöset, oder weißen aufgelösten Vitriol, oder Kalkwasser mit oder ohne besonders hierzu verfertigtem Quecksilber oder Schledorn- Pomeranzen- Bohnen- Weißlilien- Holunder- Rosen- und Lindenblütwasser, statt ihres gewöhnlichen Waschwassers brauchten. Andere bedienen sich in eben dieser Absicht, und Hoffnung, ihres Wunsches gewährt zu werden, das Zimmet- Erdbeer- Petersilien- Wegebreit- oder Weißwurzelwassers (Sigilli Salomonis) ja sie setzen noch wohl gar, zum Ueberflusse zu allen diesen Dingen Ochsengallenessenz oder Myrrhentinktur, Zuckeralaune, Potaschenlauge, Markasiten, Bleyzucker, Talk, zerflossenes Weinsteinöl, Quittenkörnschleim, Benzoestinktur, und ich weis selbst nicht was noch mehr. Zuweilen brauchen sie auch diese Sachen vor sich, und ohne Zumischung anderer Mittel. Andere aber legen sich gar zur Nachtszeit, wenn sie zu Bette gehen, eine Larve über das Angesichte, welche sie sich mit weißen Wachse, Walrath, süßen Mandelöle und Rhodiseröle, welches alles wohl über einem gelinden Feuer mit einander vermischt werden muß, überziehen lassen. Und wiederum andere, die es besser getroffen zu habenmeynen, nehmen venetischen Talk und Kampfer, und lassen solches zusammen in dem sogenannten Meerbade oder Marienbade so lange stehen, bis es wie ein Schnee so weiß geworden ist, und dieses gebrauchen sie in der Hoffnung, eine zarte Haut dadurch zu erlangen: Aber weit gefehlt, sie betrügen sich allerseits in ihrer Hoffnung, und ich versichre ihnen nochmals, daß sie in Ewigkeit eine grobe Haut behalten werden, wenn ihnen die Natur sonst keine andere gegeben hat. Doch so viel ist wahr, daß sie durch diese Mittel ihre Zärtlichkeit der Haut lange Jahre durch zu erhalten fähig seyn werden.

§. 54. Diejenigen Frauenspersonen handeln eben so abgeschmackt nicht, die sich, um ihre zarte Haut zu erhalten, mit süßen oder bittern Mandelkleyen zu waschen gewohnt sind. Wenn sie aber glauben, daß sie sich damit eine klare Haut verschaffen könnten, so mögen sie lange warten, bis sie ihren Wunsch erreichen werden. Denjenigen aber möchte man eine Stelle im Tollhause anweisen, die so leichtgläubig sind, und sich überreden lassen, daß sie ganz unfehlbar eine Zartigkeit der Haut erhalten würden, wenn sie ihr Angesichte mit Scheidewasser oder Wolfsmilche (Esula) überstreichen. Aber was für Marter müssen sie statt einer zarten Haut ausstehen. Das Angesicht fängt an aufzulaufen, dicke zu werden und Hitze zu bekommen, die Augen werden entzündet, und verschwällen, sie empfinden unaussprechliche Schmerzen, ja sind nicht nur in Gefahr ihre Augen einzubüßen, sondern auch gar krebsartige und fressende Schäden im Angesichte zu bekommen, vermöge deren sie sich dem Tode zu überlassen gezwungen sehen. Solchen eiteln Schönen gebe ich aus guter Meynung den Rath, daß sie fleißig ein Decoct von Christwurzel trinken, oder eine Wallfahrt nach Anticera anstellen möchten, um sich daselbst einen gesündern Verstand zu holen. Denn ich kann ihnen die Versicherung geben, daß sie dadurch einzig und allein fähig gemacht werden, sich mehr Liebe und Hochachtung bey meinem Geschlechte zu erwerben, als sie durch die feinste Zärtlichkeit der Haut vielleicht nimmermehr zu erlangen hoffen dürfen.

§. 55.

Die sich aber derjenigen Mittel, um eine zarte Haut zu bekommen, bedienen, deren ich im46stenAbsatze gedacht habe, die müssen es sich auch gefallen lassen, wenn ihnen diejenigen Krankheiten zum Verdrusse werden, welche aus diesem fruchtbaren Saamen hervor zu käumen pflegen, und die ich im49stenAbsatze fast bis zum Ekel angeführt habe.

Abschnitt 2, Kapitel 4, Ende


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