Und so kam der Tag, da er sich wieder von Dornburg trennen mußte … auch den Greis rief noch die Pflicht.
Es war mittlerweile Herbst geworden, die Rosen waren verblüht, und auf die geliebte Bacchantin im Garten hinter dem kleinen Schloß sanken schon die ersten welken Blätter. Das Wetter war auch nicht mehr recht beständig, und das Tagebuch meldet immer häufiger Nebel und Regen. Trotzdem ist ihm der Abschied schwer geworden. Denn die Tage, die er in Dornburg verlebt hat, gehören zu den innerlich reichsten seines Alters. Das Abschiedsdistichon, das er dem lateinischen Portalspruch von 1608 nachempfunden hat, deutet ergreifend den Zustand seines Innern:
»Schmerzlich trat ich hinein, getrost entfern' ich mich wieder;Gönne dem Herren der Burg alles Erfreuliche Gott.«
»Schmerzlich trat ich hinein, getrost entfern' ich mich wieder;Gönne dem Herren der Burg alles Erfreuliche Gott.«
Tagelang wird gepackt. »Versuchte mich immer wieder abzulösen,« seufzt er im Tagebuch noch einen Tag vor der Abreise. Am 11. September verläßt er dann endlich Dornburg. Am gleichen Tage noch ist er in Weimar eingetroffen, »rüstig und ganz braun von der Sonne«, auch heiter und freien Gemüts, erzählt Eckermann; »blickte man aber tiefer, so konnte man eine gewisse Befangenheit nicht verkennen, wie sie derjenige empfindet, der in einen alten Zustand zurückkehrt, der durch mancherlei Verhältnisse, Rücksichten und Anforderungen bedingt ist.«
Noch zweimal war Goethe in Dornburg, 1829 und 1830. Beide Male im August. Fremde begleiteten ihn. Das letztemal mußte der Hofgärtner Sckell wieder für ein Mittagsmahl im kleinen Schlößchen sorgen, es gab sogar Sekt. Beim Abschiedhielt Goethe lange die Hand des treuen Mannes, mit dem ihn Erinnerung an schönste Zeit verband … trübe Ahnung bedrängte beider Herz. »Dort oben sehen wir uns wieder!« waren Goethes letzte Worte.
Noch einmal umfing das große strahlende Auge, rückwärts gewandt, die geliebte Landschaft, als der Wagen die Landstraße auf Jena zurollte, dann nahm eine Wegbiegung den Blick. Als Traum nahm Goethe mit in die Ewigkeit hinüber, was so oft ihm Entzücken im Leben gewesen.