Vorrede.

Vorrede.

Vorreden werden gewöhnlich geschrieben, um böse Nachreden von Seiten der Leser zu verhüten. Indeß wird dieser Zweck hierdurch selten, oder auch nie erreicht; und wozu auch? Werden ja doch des allgütigen Schöpfers Werke auf das allerheftigste getadelt, wie soll also ein menschliches Werk dem Tadel entgehen. Der Verfasser unterfängt sich nicht, dem Publikum etwas Untadelhaftes bieten zu wollen, deshalb wollte er auch alles Vorreden unterlassen, da er ohnedies im Buche selbst hinreichend auf Zweck und Endziel desselben aufmerksam gemacht hat. Nicht also um Kritiker sanfter zu stimmen, sondern zur vorläufigen Orientirung der Leser, und um sich gegen Mißdeutungen zu schützen, erlaubt er sich einige Bemerkungen.

Die erste ist die, daß er hier nichts mittheilt, als was er selbst erfahren, oder was er durch einiges Nachdenken gefunden hat; das Büchermachen aus andern Büchern, wie es auch bei Reisebeschreibungen gebräuchlich ist, will er Andern überlassen. Als Kaufmann hat er vorzugsweise für praktische Kaufleute geschrieben, hofft jedoch, daß Manches in seinem Buche auch von Andern nicht uninteressant dürfte gefunden werden. Systematische Ordnung hielt er in solchen Mittheilungen für überflüssig, er hat die Beobachtungen und Betrachtungen, wie sie sich ihm theils auf der Reise, theils von selbst darboten, dem Leser vorgelegt; wenn er daher im Verlauf der Erzählung auf einen Gegenstand zurückkommt, so geschieht es nur dann, wenn die frühere Bekanntschaft mit dem Gegenstande durch die spätere bedeutend vermehrt und wirklich ergänzt wird.

Die zweite Bemerkung betrifft die Betrügerei der Commissionaire, mit deren Enthüllung ein ziemlicher Theil dieses Buches sich beschäftigt. Möchte es dem Verfasser gelungen sein, einen tüchtigen Stich in dieses Wespennest zu thun, denn eine böse Gattung von Wespen sind die von demselben bezeichneten, die schon manchen Bienenstock um ihren Honig gebracht haben. Daß der Verfasser nichtalleCommissionaire zu jenem Wespengeschlecht zählt, wird wohl jedem Vernünftigen von selbst einleuchten. Auch die Johann und Cosmus von Medici, so wie die Fuggers in Augsburg, waren einst Commissionaire, aber zugleich was für treffliche, hochgesinnte Männer! Auch die Rothschild’s sind durch den höchsten Grad der Rechtlichkeit zu der hohen Stellung gelangt, die sie jetzt einnehmen. Daß der Verfasser ähnliche Commissionaire, wenn sie auch nicht so angesehen und reich sind, nicht in seinen Tadel einschließt, versteht sich von selbst. Daß er aber die Mysterien jenes Wespengeschlechts schonungslos zur Publicität bringt, so jedoch, daß er alles Gesagte mit schriftlichen Documenten belegen kann, dafür wird der Verfasser wohl keinerlei Entschuldigung bedürfen, er glaubt vielmehr, auf den Dank einsichtiger Geschäftsleute rechnen zu dürfen, und dies um so mehr, da er hauptsächlich, um diesen zu nützen, seine Erfahrungen mittheilte.

Selten erscheinen praktische Kaufleute in der Reihe der Autoren, denn haben sie gute Geschäfte gemacht, so haben sie Gründe, dies nicht der Welt bekannt zu machen, im umgekehrten Falle schämen oder scheuen sie sich wohl gar. Der Verfasser hat sich von jenen zwei Ursachen der Verheimlichung nie beherrschen lassen, und da er als Kaufmann nicht länger zu praktiziren gesonnen ist, weil kaufmännische Geschäfte jetzt nichts Erfreuendes darbieten, so wünscht er, daß die zum Nutzen für angehende Kaufleute gestreute Saat gesegnet aufgehen möge.

Julius Ries.


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