Vorwort

Vorwort

Unter den Orten, die für Schillers Leben bedeutsam waren, nimmt Rudolstadt eine besondere Stellung ein. Hat doch hier sein Dichten und Trachten eine Richtung eingeschlagen, die für seine ganze Lebensbahn entscheidend werden sollte. Der Fürstenhof und seine Umgebung war empfänglich gestimmt für seine Gedankenwelt. Aus dem geistigen Geben und Nehmen entstand dem bis dahin ruhelosen Flüchtling die Aussicht auf eine bleibende Stätte. Charlotte von Lengefeld, das Kind der Rudolstädter Heimat, fühlte sich dem Schwaben und seiner Eigenart nahe. Der Lengefeldsche Familienkreis vermittelte ihm die Begegnung mit Goethe, die bald darauf zu dem geistigen Austausch führte, an dem beide gleiche Freude empfanden. In die Landschaft um Rudolstadt rettete sich Schiller, anfangs in Wirklichkeit, später in Gedanken, wenn ihm »des Zimmers Gefängnis« zu enge wurde.

Schillershöhe

Schillershöhe

Die Schillerliteratur erwähnt oft die Häuser, wo er in Rudolstadt verkehrte, unterscheidet sie jedoch nicht immer deutlich. Dichtung und Wahrheit fließen dann durcheinander. Schriftliche Berichte von glaubhaften Augenzeugen sind vorhanden, liegen aber zerstreut in Lebensbeschreibungen und Briefsammlungen. Mündliche Überlieferung brauchtdaneben nicht wertlos zu erscheinen, ist doch in jeder Sage leicht ein geschichtlicher Kern zu erkennen.

Die älteren Rudolstädter Gelegenheitsschriften und Aufsätze führen ein verborgenes Dasein in Bibliotheken und werden nur noch selten aufgeschlagen. Die anerkannten Quellenwerke von Urlichs, Hase, Karoline von Wolzogen, Fielitz und Karl Schmidt habe ich benutzt. Schriftliche und mündliche Nachrichten übermittelten mir Augustin Regensburger und Emilie Schreck aus ihrem Verkehr mit Karoline von Schiller. Archiv und Schloßmuseum boten manche Ergänzung. Mit besonderem Dank führe ich die Rudolstädter Häuserchronik von Hugo Trinckler an, sie ist die Frucht jahrzehntelanger liebevollster Heimatforschung, die hoffentlich bald im Druck erscheinen kann.

Das Haus Schillerstraße 25 ist mir in seinen Räumen vertraut, da ich sieben Jahre dort gewohnt habe. Liebevolle Ehrfurcht seiner Besitzer hat das ganze Anwesen vor entstellender Neuerung bewahrt.

Auch für räumliche Erinnerungen einer Heimatstadt gilt das Wort: »Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen!«

Wenn der Lenz beginnt, ziehen sehlustige Wanderer gern bei uns durch Flur und Stadt. Gehen sie auf Schillers Pfaden, dann möchte ihnen ebenfalls mein Büchlein als Führer dienen.

Rudolstadt, Ostern 1925.Dr. Berthold Rein.


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