Bemerkungen.

Das Gouvernement wählte sodann aus ihrer Mitte ein Oberhaupt, sowie auch mehrere Capitäne und es hielt unter ihnen einen Weissen als Posthalter, der Pässe nach Paramaribo ausfertigen und etwaige Befehle des Gouvernements ihnen verständlich machen musste, weil sie natürlich nicht lesen konnten. Dagegen gaben sie einige aus ihrer Mitte als Unterpfänder des Friedens nach Paramaribo, lieferten alle, nach Schluss des Vertrags zu ihnen übergegangenen Sklaven aus und verpflichteten sich, im Falle eines Aufruhrs auf Seiten der Kolonisten zu seyn.

Die Buschneger theilen sich in drei Stämme, welche nicht auf einmal, sondern zu verschiedenen Zeiten, doch alle im Laufe des vergangenen Jahrhunderts Frieden schlossen und den Namen: befriedigte Buschneger (bevreedigde Boschnegers) führen. Alle Bewohner des innern Landes über den Pflanzungen theilen sich in Aukaner, Saramaccaner und Bekou Moesinga- oder Matuari-Neger. Der Stamm der Aukaner ist der bedeutendste von allen. Er bewohnt das Land oberhalb der Zusammenflüsse der Lava und des Tapanahoni am oberen Marowyne, zwischendem dritten und vierten Grad nördlicher Breite und etwa zwischen dem 54.-55.° östlicher Länge von Greenwich. Ein Theil dieses Stammes hat sich aber in der Sarakreek am Surinamflusse unter dem 5.° festgesetzt, während ein anderer Theil die Ländereien am oberen Cottika und Coermotiba unter 5-40° und 3-30° bewohnt. Der ganze Stamm wird nicht viel über 3000 Köpfe zählen. Sie sind in 14 Dörfer eingetheilt, deren jedes unter einem Oberhaupte oder Capitän steht, dessen Rangzeichen ein blaues, mit silbernen Borten besetztes Wamms, ein Hut mit silberner Tresse und Orangecocarde, ein Stock mit grossem, silbernem Knopfe, eine Kette mit einem silbernen Halsschild, der mit dem holländischen Wappen verziert ist, besteht. Das Oberhaupt über alle nennt man Granmann. Diess ist ein alter, bei feierlichen Gelegenheiten mit einer Generalsuniform behangener Neger, der aber in seinem Dorfe eben so nackt läuft und auf derselben Bildungsstufe steht, wie seine Untergebenen.

Die Saramaccaner sind am obern Surinam verbreitet und an Zahl den Aucanern ungefähr gleich. Sie stehen ebenfalls unter einem Oberhaupte und Capitäns und haben theilweise den christlichen Glauben angenommen, in dem sie von zwei Herrnhuter-Missionären, die bei ihnen wohnen, unterrichtet werden. Die Kirche, welche aus gehauenen Cedernbrettern gebaut ist, steht auf dem ersten Dorfe Jinjeh und wird ziemlich regelmässig von den Bekehrten besucht. Nur darf ihnen diess nicht viele Mühe machen; denn eifrig sind sie in ihrem Christenthum nicht. Es wurde im Jahre 1850 vom Gouvernement der Versuch gemacht, den Herrnhuter-Missionären Eingang bei den Aucaner-Buschnegern zu verschaffen, aber das Oberhaupt derselben widersetzte sich mit allen seinen Capitäns dieser Neuerung und die Missionäre mussten unverrichteter Sache wieder zurückkehren.

Der dritte Stamm sind die Matuari- oder Bekumusinga-Buschneger, deren Zahl zu 600-700 geschätzt wird und die den obern Saramacca-Fluss bewohnen.

Die Buschneger, meistens ganz schwarz von Farbe, unterscheiden sich von den Plantagenegern durch einen kräftigerenKörperbau und brutalere Manieren. In ihren Dörfern gehen sie immer nackt mit einer um den Leib gebundenen Binde (Camis). In der Stadt aber haben sie auch kurze Wämschen von farbigem Cattun an; Hosen tragen sie dagegen selten und Schuhe gar nie. Ihre wolligen Haare binden sie gerne in kleine Zöpfchen, die wie Hörner in die Höhe stehen. Um Fuss und Handknöchel tragen sie meistens Ringe von starkem Eisen oder Messingdrath und an den Fingern eine Menge Gardinenringe. Ueberdiess sind bei den meisten Knie, Knöchel, Arme und Hals mit Fetischen, hier Obias genannt, behangen, die ihre besondere Bedeutung haben und sie vor dem einen oder andern Unfall schützen müssen. Diese Obias werden aus allen möglichen Dingen zusammengestellt, z. B. aus Glasperlen, Käferhörnern, Tigerzähnen, Papageyenfedern, Schnecken oder selbst hölzernen Puppen und je toller die Zusammenstellung ist, desto kräftiger wirkt der Obia.

So roh und ungesittet dieses Volk auch ist, so kann man ihm doch gesunden Verstand und Urtheil nicht absprechen und eifrige Versuche, sie der Civilisation näher zu bringen, würden wohl gelingen. Aber dazu gehörte ein Mann mit eiserner Geduld, grosser Menschenliebe und Selbstaufopferung, der, aufs kräftigste vom Gouvernement unterstützt, mit Feuereifer ihre heidnischen Vorurtheile bekämpfte; ihnen sanftere Sitten einprägte, ohne dabei ihr physisches Wohl aus dem Auge zu verlieren und, unabhängig von einer handeltreibenden Congregation, nicht genöthigt wäre, auf deren materiellen Vortheile bedacht zu seyn, wodurch er in den Augen seiner Anvertrauten für eigennützig gelten könnte. Hiezu wäre wohl ein katholischer Priester die tauglichste Person, ein Mann mit den Grundsätzen desLas Casas. Auch die Ceremonien, Reliquien und Heiligenbilder der katholischen Kirche würden bei den Buschnegern willigeren Eingang finden, als der von allem äusseren Schmuck entblöste Herrnhuter Gottesdienst. Sie wären einigermasen in ihren Augen (man verzeihe mir das Wort) ihren eigenen Gebräuchen analog und würden mehr Vertrauen einflössen, alsreiner intellectueller Unterricht. Die Buschneger haben keinen wahren Begriff von der Gottheit, obwohl sie ein höchstes Wesen anerkennen, das sie Gran Gado nennen. Neben dieser Gottheit bestehen zwar noch eine Menge anderer als: Ampoekoa, Buschgott, Toni, Wassergott und Geister oder Dämonen: Cromanti, Wintin, Tigri Wintin, Wauwaen u. s. w. – Sie lassen sich aber über die Natur und das Bestehen ihrer Götter nicht viel ins Philosophiren ein, sondern überlassen diess ihren Lukumans oder Sehern, die in grossem Ansehen bei ihnen stehen und bei jeder Gelegenheit um Rath gefragt werden. Diese sind auch die Verfertiger der Obias oder Fetische, welche gegen Krankheit, Gift, Schlangen und dergl. schützen und Glück im Handel und auf der Jagd verschaffen müssen. Auch Jagdhunde bekommen dergleichen Obias um Hals und Füsse und sind alsdann probat. Ausser diesen Talismanen bereiten diese Loekoemanns auch ein weisses Pulver zu demselben Zweck, das in Einschnitte der Haut eingerieben werden muss. Sie sind natürlicherweise ebenfalls Doctoren und ihre aus Kräutern, Wurzeln und Rinden zusammengesetzten und unter Beschwörungsformeln zubereiteten Medicinen werden vor den Weissen sehr geheim gehalten. Uebrigens setzen die Buschneger grosses Vertrauen in die Heilmittel der Weissen und scheuen bei gefährlichen Krankheiten die Reise nach Paramaribo nicht, wo sie auf Landeskosten verpflegt und geheilt werden. Wird der Buschneger von seinem Loekoemann behandelt, so muss er denselben vorausbezahlen. Ihre Krankheiten bestehen meist in syphilitischen Hautausschlägen, Fiebern u. s. w., auch richtet die Lepra bedeutende Verheerungen unter ihnen an.

So frei und unabhängig sie leben und so gering die Mühe auch ist, sich ihren Lebensunterhalt zu verschaffen, nehmen sie dennoch bedeutend ab, anstatt sich zu vermehren, was wohl eine Folge ihrer vielen Ausschweifungen seyn wird.

Beinahe jede Familie hat eine Pflanze vor ihrer Wohnung, die sie ehrt und anbetet und sorgfältig verpflegt, um ihr Wachsthum zu fördern. Im Allgemeinen ist diess der Seidenwollenbaum.In jedem Dorfe sind auch Hütten zum Aufenthaltsort ihrer Götter bestimmt. Man findet darin Figuren von Schlangen, Schildkröten, Kaimans und dgl., die aus einem weissen Thon (Pimpa) roh verfertigt sind. Grosse Kaimans, wie man sie im Innern findet und Papa- oder Abgottschlangen (Boa canina) werden ebenfalls verehrt und nie getödtet. Niemand unternimmt eine Reise, ohne vorher einen Kandu oder Schildwache vor sein Haus gesetzt zu haben. Dieser Kandu besteht meistens aus dem Blüthentrosse einer Palmenart, dem Horn einer Kuh, dem Stachel eines Rochen, einem Termitennest oder einer Papageyenfeder, kurz, was sie für gut finden, welche Stücke, an einem Stock befestigt, ihr Haus, Felder oder sonstiges Eigenthum, da, wo der Kandu steht, sichern müssen. Die Uebrigen, welche eine solche künstliche Schildwache sehen, werden es nie wagen, den ihnen dadurch verbotenen Platz zu betreten oder an demselben gar zu stehlen. Die am meisten gefürchteten Kandu's sind eine eiserne Schaufel, deren Stiel recht im Boden steckt, Hobelspäne von einem Sarge und ein roth gefärbtes Kuhhorn. Der Eigenthümer des Kandu glaubt, obgleich er denselben aus den unbedeutendsten Sachen selbst zusammenstellte, so fest an den Zauber, als die Uebrigen, und würde, wenn Jemand den Muth hätte, bei seinem Kandu noch eine Kleinigkeit, als todte Käfer, Schildkrötenschaalen u. s. w. als zweiten Kandu aufzuhängen, gewiss keinen Fuss mehr auf seinen eigenen Acker setzen, aus Furcht vor dem mächtigeren.

Von einem Leben nach dem Tode haben sie keinen Begriff; doch glauben sie an Gespenster von Menschen und Thieren, welche man Jorka nennt, und denen Opfer gebracht werden. Im Besitze einer beinahe uneingeschränkten Freiheit und im Genusse aller Erzeugnisse, welche der fruchtbare Boden des obern Landes bei geringer Arbeit hervorbringt, sollte man meinen, dass ihre Lage nichts zu wünschen übrig lasse. Aber Hass, Neid, Eifersucht und Misstrauen herrschen auf jedem Dorfe und Vergiftungen und Todtschläge kommen sehr häufig vor. Jeder etwas ungewöhnliche Todesfall wird dem Gift eines Feindes zugeschrieben und wehe dann der verdächtigen Person!

In einem aus gut gehobelten Pinalatten verfertigten Sarge wird die Leiche in schnellem Trab durchs ganze Dorf getragen und vor dem Hause, wo die Träger in Folge des Einflusses eines Geistes stille halten, wird der Bewohner desselben als der Thäter angesehen und des Mords beschuldigt. Ein solcher wirklicher oder bloss vermeintlicher Giftmischer wird auf furchtbare Weise misshandelt oder verbrannt. Der Verdächtige, dessen Missethat nicht bewiesen werden kann, muss einen fürchterlichen Eid, Leba, schwören, und wird, wenn er sich weigert, von den Aeltesten seines Dorfes auf ein Brett gebunden, in den Wald gebracht und mit den Füssen an ein Feuer gehalten, dessen Hitze ihm schnell das Geständniss auspresst oder ihn auf immer zum Krüppel macht. Ist die Missethat bewiesen, so wird er lebend von unten auf verbrannt oder, wenn man gnädig verfahren will, ihm mit einem Beil oder einer Keule (Apatu) die Hirnschale zerschmettert.

Von dem Augenblick an, dass Jemand der Giftmischerei (Wisi) beschuldigt ist, bis zum Tag der Bestrafung, an welchem es an Dram nicht fehlen darf, bleibt der Beschuldigte in seinem Dorf auf freien Füssen und es würde, im Fall er entflöhe, seine Familie für ihn büssen müssen. Offener Streit wird nie bestraft, auch wenn einer auf dem Platze bleibt.

Ihre Heirathen gehen ohne weitere Ceremonien vor sich. Sind die Aeltern und das Mädchen zufrieden, so ist die Sache abgemacht und die junge Frau zieht zu ihrem Mann. Die Mädchen sind bereits im dreizehnten Jahre heirathslustig und hängen sodann einen Lappen Kattun, den man Kwejo nennt, um, vorher aber laufen sie nackt.

Vielweiberei ist gebräuchlich; die Meisten haben mehrere Weiber, sind aber manchmal nicht damit zufrieden und verführen die Frauen Anderer, was entsetzliche Händel zur Folge hat.

Die Frauen führen allein die Haushaltung, pflanzen die Aecker und säubern dieselben. In ihrem Hauswesen sind sie sehr reinlich, waschen und putzen den ganzen Tag, sind somit in diesem Stück ganz das Gegentheil der Indianerinnen. Untergewissen Umständen dürfen sie sich der Wohnung des Mannes nicht nähern, sondern müssen ihre Wohnungen verlassen und eigene Hütten beziehen, deren man in jedem Dorfe eine oder einige findet. Ein besonderer Weg führt von diesen Hütten, welche man Kaaihäuser nennt, nach dem Flusse, bloss um die Begegnung mit Männern zu verhüten, wodurch die Obias an Kraft verlieren würden.

Ihre Staatswirthschaft ist sehr einfach; Gesetze und Advokaten sind ihnen ganz fremd. Ueber jede Kleinigkeit, die sie nicht begreifen, über jeden neuen Vorfall in der bewohnten Colonie werden Palavers oder sogenannte Gruttus gehalten, zu welchen die Aeltesten und Kapitäne sich bei dem Oberhaupte versammeln, wo man um die Wette streitet und schreit, so dass man am Ende so weise nach Hause geht, als man gekommen ist.

In ihrem Umgange sind sie gegenseitig sehr höflich und tituliren einander mit Herr und Madame, äffen überhaupt in Allem die Weissen nach. Unter sich sind sie sehr gastfrei und geht einer in ein anderes Dorf, so findet er überall freie Kost und Wohnung; doch bestehlen und betrügen sie einander bei jeder Gelegenheit und sind eben so argwöhnisch gegen sich, als gegen die Blanken.

Obgleich Faulheit ein Hauptzug ihres Charakters ist, in dem sie den Indianern ziemlich gleichen, so haben sie doch bedeutend mehr Bedürfnisse, als jene, und sind daher genöthigt, zu deren Anschaffung Dinge zu pflanzen oder zu suchen, welche sie bei den Weissen austauschen können. Diese Handelsartikel sind bei denen, welche weit im Innern wohnen und auf ihren Reisen viele Wasserfälle zu passiren haben, meistens Tonkabohnen, die Früchte der Dipterix odorata, Reis, Schildkröten oder Jagdhunde, welche letztere sie von den Taruma- oder Barokotto-Indianern eintauschen, die zwischen dem 56.-57. Längengrade in der Nähe des Aequators wohnen. Diese Jagdhunde sind von mittlerer Grösse, kurzhaarig, meist weiss und schwarz oder roth gefleckt. Sie haben einen langen Schwanz und stehende Ohren und sind auf die verschiedenen Wildarten, als Tapire,Pingos, Pakire und Pakas abgerichtet und werden sehr theuer bezahlt. Sie sind bissig und falsch, vielen Krankheiten unterworfen und leben im niedern Lande nicht lang. Der Haupterwerb der Buschneger aber ist der Holzhandel. Sie fällen und behauen Bauholz in den unterhalb der Wasserfälle gelegenen Waldungen und bringen dieses in sogenannten Kokrokos zum Verkaufe nach der Stadt oder den Pflanzungen. Da die meisten Hölzer schwerer als das Wasser sind und in demselben sinken, so werden die Balken mittelst zweier Querhölzer, die über die Corjaal liegen, mit Lianen daran befestigt und auf diese Weise geflösst, wobei die Corjaal also den Gewichtsunterschied des Holzes im Wasser trägt. Da sie im Behauen des Holzes sehr geschickt und behend sind, dasselbe nichts kostet und sie überdiess ans Land keine Abgaben bezahlen, so kann man das Holz bedeutend wohlfeiler von ihnen bekommen, als es die Holzgründe liefern können. Sie sind also für diese gefährliche Concurrenten. Auf die Pflanzungen liefern sie ihr Holz gegen Dram, Melassin, Zucker und Bananen und die Quantität dieser Produkte, welche sie auf diese Weise jährlich ausführen, ist sehr beträchtlich.

Am Cottica beschäftigen sich schon seit vielen Jahren ungefähr 700 Aucaner-Buschneger allein mit diesem Holzhandel. Sie bauen keine Feldfrüchte, weil sie einen Theil ihres Holzes gegen Bananen auf den Pflanzungen austauschen, somit auf Kosten dieser leben, und wenn Misswachs oder Theurung eintritt, eine sehr fühlbare Last für die Colonie sind. Die Buschneger, welche den Landbau als ein erniedrigendes Geschäft ansehen und ihn nur dann treiben, wenn ihnen kein anderes Mittel zur Gewinnung ihres Unterhalts übrig bleibt, können an einem Tage durch Fällen und Bearbeiten des Holzes so viel verdienen, dass sie auf 3-4 Wochen Lebensmittel auf den Pflanzungen dafür erhalten können.

Ein Buschneger fällt und behaut ohne Mühe täglich 30 Cubikfuss, wodurch er à 25 C. 7 fl. 50 kr. verdient. Mehrentheils arbeiten aber verschiedene zusammen und helfen einander beimUmwälzen des Blockes und dessen Herausziehen an das Wasser. Von diesem so leicht Erworbenen leben sie unthätig so lange, bis neuer Mangel sie wieder zur Arbeit zwingt. Bietet sich aber die Gelegenheit dar, einzeln oder im Einverständniss mit den Plantagenegern Bananen oder andere Erdfrüchte oder überhaupt Brauchbares zu stehlen, so ziehen sie diess der Arbeit vor; denn ein Hang zum Stehlen ist dem Neger angeboren, wie den Katzen das Mausen, und weder Dankbarkeit und Strafe, noch die liberalste Behandlung hält sie davon ab.

Haben sie ihre Bedürfnisse in Paramaribo oder auf den Pflanzungen eingetauscht, so ziehen sie auf möglichst langsame Weise nach ihren Dörfern zurück, wo dann die Manieren der Blanken und die unterwegs erlebten Abentheuer reichlichen Stoff zu ihren Abendunterhaltungen geben.

Unter sich auf ihren Dörfern haben sie so wenig wie die Indianer Gewicht, Maase oder Münzen. In der Colonie aber wird ihnen ihr Holz nach dem allgemein üblichen rheinischen Fusse abgekauft. Sie berechnen ihre verkauften Waaren nach dem vor längerer Zeit hier gebräuchlichen surinamischen Kartengeld, von welchem der Gulden 32 Cents galt. Zehn solcher Gulden, also 3 fl. 20 kr., machen eine Biggi Kaarte (grosse Karte); 8 Cents oder der vierte Theil eines solchen Guldens heisst Schilling. Es ist besonders bei grossen Rechnungen äusserst schwierig, ihnen Alles begreiflich zu machen und ihr Misstrauen mag freilich manchmal nicht ungegründet seyn.

Ihre Zeitbestimmungen gehen wie bei den Indianern nach Nächten, d. h. wenn man z. B. fragt, wie weit man etwa von Paramaribo entfernt sey, so erhält man zur Antwort: man schläft 8, 12, 14 Nächte, ehe man dort ankommt. Ebenso geben sie, wenn sie auf Reisen gehen, den Zurückbleibenden eine Schnur mit so viel Knöpfen, als sie abwesend zu seyn gedenken. Man öffnet daran jede Nacht einen Knopf und ist keiner mehr da, so erwartet man den Reisenden zurück. Da sie aber ihre Zeit so gering anschlagen, so dehnen sie manchmal die Reisen über dengegebenen Termin aus und wenn Hunger oder andere Umstände sie nicht zur Heimreise nöthigen, so kommt es ihnen auf Wochen, ja Monate nicht an.

Eine Leiche bleibt gewöhnlich drei bis sechs Tage über der Erde, während welcher Zeit beständig Dram getrunken und geschossen wird. Ja manchmal wird der Körper erst begraben, wenn die Fäulniss bereits so überhand genommen hat, dass die faulende Jauche zum Sarge herausläuft.

So war denn meine Dienstzeit bis auf zwei Monate geschwunden und ich hatte in den verschiedenen Theilen der Colonie und unter verschiedenen Verhältnissen stets einer guten Gesundheit mich erfreut. Das Fieber, welches so häufig und unter so manchen Formen die Bewohner Surinams heimsucht, hatte ich bis jetzt nur dem Namen nach gekannt und hielt es für Weichlichkeit und Uebertreibung, wenn meine Kameraden, manchmal von ihm gerüttelt, sich unter wollene Decken und Mäntel verkrochen. Aber kaum war ich einige Tage von meiner Reise zurückgekommen, so erfasste mich der schlimme Gast mit seiner ganzen Stärke und alle gebrauchten Hülfsmittel konnten ihn nicht gänzlich vertreiben. Als um die Mitte Octobers die Lebensmittel nach dem Posten Nickerie gebracht werden mussten, erbat ich mir den Transport derselben, um auf der kleinen Seereise und dem mir so bekannten Beschermer durch die Seekrankheit mich besser auspurgiren zu lassen, als diess durch die Pillen und Tränke des militärischen Hospitals geschah.

Scheinbar gesund kam ich am 9. November wieder in Paramaribo, gerade an dem Tage, an welchem meine sechsjährige Dienstzeit beendigt war, an, und ich hatte nun wie Herkules am Scheidewege zu wählen, ob ich meine militärische Laufbahn fortwandeln oder in den Civilstand zurückkehren wolle. – Ich war lange unentschlossen, denn Surinam war mir theuer geworden und im Vaterlande hatte ich keine Aussichten mehr. – Im Militär-Stande, der mir nicht missfiel, hatte ich Aussichten aufBeförderung und im Civilleben hätte ich durch Einsammeln von Naturalien reichliches Auskommen finden können. – Ich beschloss endlich vorerst nach Europa zurückzukehren und erhielt, durch die Gunst des General-Gouverneurs, einen Urlaub, nach welchem es mir freistand, in Holland entweder mich aufs Neue zu engagiren oder den Dienst zu verlassen.

Ich hatte eine hübsche Sammlung Schmetterlinge im Laufe verschiedener Jahre zusammengebracht und gab dieselbe einem Kauffartheischiffe nach Amsterdam mit, wo ich dieselben bei meiner Ankunft zu finden hoffte und verliess nun am 25. November 1841 auf dem königlichen Dampfboote Curaçao, das uns an Bord des Transportschiffes, welches in der Coppename Schiffsbauholz einnahm, bringen sollte, Paramaribo. Zwölf Soldaten und ein Bataillonsschneider aus Curaçao, die ihre Dienstzeit ebenfalls beendigt hatten, machten die Reise mit. Der letztere, ein altes kränkliches Männchen, hatte seine Frau und zwei erwachsene Töchter bei sich. Es regnete am Tage unserer Abreise beständig, denn die kleine Regenzeit hatte sich mit Heftigkeit eingestellt. – Ich hatte bis tief in die Nacht geschrieben, gepackt und die Schreibereien der Compagnie meinem Nachfolger übergeben und mich dadurch zu sehr angestrengt; so kam es auch, dass, als ich kaum das Dampfboot betreten hatte, mich ein heftiges Fieber überfiel, das bei der Seekrankheit, die sich ebenfalls einstellte, und der Reue, Surinam zu verlassen, mich in einen mitleidwerthen Zustand versetzte. Man umhüllte mich mit Decken und ich lag die ganze Nacht abwechselnd in Frost und Hitze. Den 26. kamen wir an Bord des Transportschiffes, zufälligerweise derselbe Prinz Willem Frederik Hendrik, der mich vor sechs Jahren nach Surinam gebracht hatte. Den 28. gingen wir unter Segel, und der Doctor, ein für seine Kranken besorgter, menschenfreundlicher Mann, der seinem Stande Ehre machte, nahm mich in seine Behandlung. Die Seekrankheit und das Fieber setzten mir die ersten acht Tage sehr zu, doch erholte ich mich bald so weit, dass ich wenigstens die Universalkost, Erbsen, Speck und Fleisch, wieder schmackhaft fand.Der Schneider hatte mit seiner Familie ein kleines abgesondertes Kajütchen, und ich lebte mit ihm in der besten Freundschaft. Der Tag, den ich mit Lesen durchbrachte, wurde, wenn die See nicht zu unruhig war, mit Lotto oder Domino beschlossen. – Das Leben an Bord eines Kriegsschiffes habe ich schon am Anfange erwähnt, nur war der Unterschied mit meiner früheren Ueberfahrt der, dass Matrosen und Soldaten in der besten Einigkeit lebten und es nie Streitigkeiten gab.

Die Hitze verminderte sich, je nördlicher wir kamen, und die Kälte war um so empfindlicher für uns, da Keiner sich mit den für den Winter passenden Kleidern versehen hatte, denn solche in Surinam zu bekommen, hält schwer, da sie Niemand braucht. So liefen wir, als wir die Höhe Madeiras erreicht hatten, schon frostig und zitternd herum und sahen mit Schaudern dem europäischen Klima entgegen. Um diese Zeit hatte mir der Kommandant des Schiffes verschiedene Schreibereien aufgetragen und ich arbeitete desshalb den ganzen Tag im Longeroom, bis die Kälte das Schreiben im ungeheizten Zimmer nicht mehr zuliess und der Kommandant mich in seine warme Kajüte nahm.

Mein Fieber hatte sich auch wieder eingestellt, und obgleich ich genug Pulver verschluckte, so verliess es mich doch nicht wieder.

Unsere Reise ging ziemlich schnell, denn schon am 2. Januar waren wir vor dem Canal. Das Wetter war eisig kalt und obgleich ich mir ein wollenes Hemd an Bord gekauft hatte und in zwei wollenen Decken eingewickelt des Nachts in meiner Hängematte lag, so konnte ich doch vor Kälte keine Nacht vor 12 Uhr einschlafen und lag wie ein Igel zusammengeballt, nur beschäftigt, meine eiskalten Füsse durch Reiben und Drücken zu erwärmen. – Ebenso ging es den Soldaten, die noch weniger als ich hatten, aber gesund waren. – Man blieb meistens unter dem Verdecke, wo zur Ventilation den ganzen Tag ein Windsack uns mit so kaltem Hauche erfrischte, dass wir trotz des Verbotes ihn verschiedene Male zuknöpften. Das Aergstebei der Kälte war aber, ein gewisses natürliches Bedürfniss zu befriedigen. Der Ort dazu ist neben dem Bugspriet, wo aller Wind sich versammelt und die Bewegung des Schiffes am stärksten ist. – Da hinaufzuklimmen und entblösst der ganzen Gewalt des Windes preisgegeben, vom eiskalten Wasser bespritzt zu werden, war eine Affaire, der sich selbst die Matrosen nicht gerne unterzogen und die wir um so mehr fürchteten, als wir, wenn wir von den Wellen durchnässt waren, keine anderen Kleider zum Wechseln hatten.

Die Frauen, welche sich seit der Kälte in ihrem Kajütchen eingeschlossen hatten, mussten freilich diese Manöver nicht mitmachen, sondern hatten einen dazu bestimmten Topf, den eine von ihnen jeden Abend zur grossen Belustigung der Matrosen, die es dabei nicht an Glossen fehlen liessen, über Bord ausleerten.

Nun war eines Morgens dieser Topf, bei einer starken Bewegung des Schiffes, umgefallen, und hatte solch einen infernalischen Geruch zwischen der Decke verbreitet, dass jedes sich beeilte, ungeachtet die Grütze auf der Tafel stand, aufs Verdeck zu kommen, wo es dann ans Schimpfen und Fluchen ging. Es war eine grosse Verlegenheit für die armen Frauenzimmer, die sich den ganzen Tag nicht sehen liessen und also in der Atmosphäre ihres Topfes beinahe erstickten.

Der Wind, der uns bis an den Canal immer günstig gewesen war, verliess uns plötzlich und eine totale Windstille hielt uns 9 Tage lang wie angefesselt. Eine Menge Schiffe von allen Nationen war hier zusammengekommen und harrte, wie wir, auf günstigen Wind. – Mit gutem Westwinde erblickten wir am 12. Januar die englischen Küsten und pfeilschnell segelten wir durch den Canal. Am 16. Januar ankerten wir im Nieuwe Diep, nach fünfzigtägiger Fahrt. Wie öde und traurig zeigt sich im Winter die holländische Küste den aus dem Süden Kommenden, wie verfroren sehen ihre Einwohner aus und wie kahl seine Bäume.

Kaum war das Schiff im Hafen befestigt, als wir bestürmtwurden von Neugierigen: Fleischer und Bäcker kamen an Bord, um sich in die Gunst des Kommandanten zu empfehlen, Wirthe überreichten ihre Adressen, Waschweiber holten schmutzige Wäsche und Juden handelten um Affen und Papageyen.

Ich ging mit meiner Marschordre nach dem Heldos (einem Flecken, der stark befestigt ist), um die Befehle zur weiteren Reise abzuholen. Wir sollten in kleinen Tagereisen auf Wägen nach dem Orte unserer Bestimmung, dem langweiligen Harderwyk gebracht werden, da die Südersee und der nord-holländische Canal noch dicht befroren waren.

Den 18. Januar verliessen wir auf zwei Wägen, die mit dem Hausrathe der Schneiderfamilie vollgepackt waren, das Nieuwe Diep. – Wir waren auf eine Weise bekleidet, dass alle Leute uns neugierig anschauten. Bei jeder Station, wo man die Pferde wechselte oder Nachtquartier bestellte, wurden unsere Wägen von den Einwohnern umringt und wir wie fremde Thiere staunend begafft. Zu unserer leichten Uniform und weissen Hosen stachen unsere bleichen Gesichter wunderbar ab, und die Frauenzimmer, in grossblumigen Zitz gekleidet und mit leichten Strohhüten auf dem Kopfe, zitterten vor Kälte während dem Gelächter und den lieblosen Kritiken der Umstehenden. Zwei Papageyen und ein indianischer Rabe gehörten ebenfalls zu unserer Gesellschaft und zwei Töpfe mit rauchendem Torfe mussten unsere erstarrten Füsse der Reihe nach erwärmen. Nach sieben sehr kleinen Tagereisen, wo wir in Schagew, Alkmar, Haarlem, Amsterdam, Naarden und Amersford übernachtet hatten, langten wir den 24. Januar wohlbehalten in Harderwyk an. – Die meisten meines Detachements schützten Krankheiten vor, um bis zum Frühjahr im Hospital der Ruhe pflegen zu können; ich aber, wiewohl ich eine ärztliche Behandlung höchst nöthig hatte, that meinen Dienst, der freilich nicht sehr mühsam war. – Ich erwartete immer das Schiff, mit dem ich meine Insekten abgeschickt hatte, um dieselben sodann selbst nach Deutschlandmitnehmen zu können, aber statt derselben kam die traurige Nachricht vom Stranden des Schiffes bei Dover an und meine schöne Sammlung war für mich verloren. Ich hatte nach reiflicher Ueberlegung beschlossen, den Militärdienst zu verlassen und mein Glück im Civilstand in Surinam zu suchen, und krank an Körper, und traurig über meinen Verlust, verliess ich am 1. März 1842 Holland, um vorerst meine Familie in Stuttgart zu besuchen.

[1]: Matrosenponten oder Ponten nennt man viereckige, etwa 60' lange und 15' breite Fahrzeuge mit plattem Boden und einem Dache von Palmblättern. Es werden damit von den Pflanzungen die Produkte, als: Zucker, Kaffee, Melassin u. s. w. abgeholt und an Bord der Schiffe gebracht. Die Eigenthümer dieser Ponten sind meistens Juden, die in der Stadt ansässig sind. Die Miethe eines solchen Fahrzeuges mit 4 Rudernegern ist 10 fl. per Tag. Ein Weisser oder freier Farbiger, die ihren Lebensunterhalt auf keine andere Weise mehr verdienen können, führt darüber die Aufsicht und hat seine Wohnung in einem kleinen Verschlage im Fahrzeug. Ausser dem kärglichen Lohne, den er von dem Eigenthümer der Pont empfängt, lebt er hauptsächlich von den Geschenken, die man ihm aus Mitleiden auf den Pflanzungen reicht und vom Schleichhandel, den er mit den Negern treibt.

[2]: Das Auffallende, dass eine Stadt von höchstens 16,000 Einwohnern 8 Kirchhöfe hat, lässt sich dadurch erklären, dass jede Confession ihren eigenen Ruheplatz besitzt. Der Orangers-Kirchhof, »Niemde Oranjetuin«, ist nur für wohlhabende Protestanten, ein zweiter für weniger vermögende. Die Katholiken haben einen, die Juden zwei, die Soldaten, Neger und Herrnhuter jeder einen, die, die zwei ersten in der Stadt selbst befindlichen ausgenommen, alle im Umkreise derselben liegen, wodurch bei der Auferstehung kein Rangstreit vorkommen kann.

[3]: Die Bevölkerung Paramaribo's besteht aus etwa 2000 Weissen und 4500 freien Farbigen, also etwa 6000 freien Personen und die Sklaven aus etwa 9000, zusammen gegen 15,000 Menschen; durch den Abgang nach und die Ankunft von den Pflanzungen wechselt diese Bevölkerung beständig.

[4]: Dass man sich in Surinam nicht nach dem Range, sondern nach dem Vermögen einrichtet, ist sehr in die Augen fallend, und der Unterschied besonders zwischen hier und Deutschland sehr gross.

Der Bürger und Handwerker in Europa, wenn er auch grosses Vermögen besitzt, wird doch stets eine bürgerliche Haushaltung führen, die in keinem Vergleiche steht zu der eines höheren Beamten, der blos von seinem Gehalte leben kann. Hier findet unter den Reichen kein Unterschied statt. Ich kannte einen Handwerker in Paramaribo, der, als er nach Europa abreiste, zur Versteigerung seines Hausrathes ein Inventarium anfertigen liess, wo blos sein Silberzeug mehrere Blattseiten füllte.

[5]: Die Vertheilung der Pflanzungen besteht in 8 Divisionen, die nach den Flüssen, an welchen sie liegen, benannt sind. In jeder Division befindet sich ein Hauptmann, Offiziere und Unteroffiziere, die entweder Eigenthümer, Directoren oder Blankoffiziere sind und auf den Pflanzungen in ihren Divisionen wohnen. – Es sind blos zeitliche und unbesoldete Aemter, die sie verlieren, wenn sie von den Pflanzungen abgehen oder nach anderen ausserhalb ihres Distrikts liegenden versetzt werden. Der Hauptmann ist vom Gouvernement beauftragt, alle vorkommenden Fälle, als Geburten, Todesfälle, Weglaufen von Negern u. s. w. in seiner Division den betreffenden Behörden in Paramaribo mitzuteilen. Auf den Nickerie-Distrikten werden diese Beamten Landdroste genannt und beziehen, da sie in keinem particulären Dienste stehen, einen lebenslänglichen Gehalt von der Regierung.

Die Sklavenbevölkerung der Pflanzungen wird nicht viel über 40,000 betragen, während die Weissen oder Freien, welche auf den Pflanzungen wohnen, auf etwa 1000 Personen angeschlagen werden können.

[6]: Effect nennt man Alles, was zu einer Pflanzung, als: Boden, Gebäude, Sklaven, Revenüen u. s. w. gehört.

[7]: Der giftige Saft der bittern Cassavewurzel (Jatropha Maniok) hat, wenn er zu einem Syrop eingekocht ist, die Eigenschaft, das darein Gelegte, als Fleisch und Fisch, zu conserviren. Es werden desshalb die Ueberreste der Mahlzeit in einem irdenen Topfe in diesen Syrop »Cassiripo« genannt, gethan, und mit spanischem Pfeffer (Copsicum) stark gewürzt. Vor jeder Mahlzeit wird dieser Pfeffertopf auf das Feuer gesetzt und aufgewärmt. Gereinigt oder geleert wird derselbe nie und man hat Beispiele von Veteranen solcher Pfeffertöpfe, die zehn Jahre lang täglich auf die Tafel kamen und nie leer wurden.

[8]: Man nennt diese Barken Tentboote und wenn sie kleiner sindTentcorjaalen. Die grösseren sind etwa 40 Fuss lang und 7 Fuss breit und werden durch acht Neger gerudert. Zwei Drittheile der Länge werden durch die Ruderneger eingenommen, auf dem letzten Drittheil befindet sich eine bedeckte, mit Jalousien und Fenstern versehene Kajüte, in der sich an beiden Seiten breite Bänke befinden, die mit Matrazzen bedeckt werden, auf denen man sitzt oder liegt. Die Barken sind von innen und aussen hübsch angestrichen und gefirnisst, manchmal mit Schnitzwerk und Vergoldungen verziert und kosten nicht selten bei 3000 fl. Die Ruderer derselben sind, besonders wenn sie höhere Beamte oder Eigenthümer von Pflanzungen führen, meistens in Livrée gekleidet und eine grosse holländische Flagge weht vom Hintertheil der Barke.

[9]: Die Kostäcker der Pflanzungen werden meistens blos von einem alten Neger bewacht, der am Eingang in dieselben eine Hütte von Palmblättern bewohnt. Einige Hühner sind sein ganzer Reichthum. Da nun häufig vorkommt, dass fremde Neger der benachbarten Pflanzungen des Nachts in seinen ihm zur Bewachung übergebenen Aeckern Bananen und Erdfrüchte stehlen, er selbst aber zu alt ist, um dagegen etwas zu thun, so bedient sich mancher dieser Wächter einer List, die den Dieben sehr übel bekommt. Er schnitzt aus hartem Holze 3-4 Zoll lange Stifte, die sehr spitzig in ein Brettchen eingeschlagen werden, so dass die Spitze etwa 3 Zoll hervorragt. Auf einem Brettchen befinden sich manchmal zwanzig solcher Spitzen. Diese Brettchen werden nun überall im Grase und an den Gräben versteckt, wo die Diebe vorbeigehen oder darein springen müssen. In diesem Falle durchstechen sie den Fuss, brechen ab und verursachen, besonders wenn nicht schnelle Hülfe angewendet wird, meistens den Brand. Die weggelaufenen Sklaven verstecken diese »Pennen« überall im Umkreise ihrer Schlupfwinkel, als Vertheidigungsmittel vor Ueberfällen der Buschpatrouillen.

[10]: Wie gross die Dieberei der Neger ist, will ich blos durch Folgendes zeigen. Eine Pflanzung in der Matappica-Kreek lieferte die jede Woche nöthigen Bananen für den Posten Gouverneurslust, was etwa 80 bis 100 Busche betrug und die in einer kleinen Pont durch drei Neger und einen Guiden auf jener Pflanzung abgeholt wurden. Die Lieferungszeit war zu Ende und ich wurde vom Kommandanten beauftragt, irgendwo auf einer andern Pflanzung wieder einen neuen Akkord einzugehen. Es war im Monat Mai 1838, als ich von Gouverneurslust nach der Matappica-Kreek reiste und auf der Pflanzung Constantia, woher wir unsere Bananen bisher bezogen hatten, mich nach andern Lieferanten erkundigte. Es befand sich da gerade ein Director, der in der Nähe wohnte und mir versprach, denAkkord mit dem Posten einzugehen. Er schickte auch sogleich durch seinen Voeteboy Befehl an den Bastian seiner Pflanzung, die nöthige Anzahl Bananen abhauen zu lassen, bis wir am Abende selbst kommen würden. Da ich nun den Mittag über auf Constantia blieb, so liess ich meine Pont voraus nach jener Pflanzung Bruinendaal gehen, um am Abend selbst zu Fusse mit dem Director dahin zu kommen. Bei unserer Ankunft lag die benöthigte Anzahl Bananen bereits am Landungsplatze, um, nachdem der Director sie nachgesehen hatte, in meine Pont geladen zu werden. Als ich aber in dieses mit einem Pinadache bedeckte Fahrzeug trat, fand ich bereits über hundert Busche Bananen, die, wie mir der Guide offenherzig gestand, er von den Plantagenegern eingehandelt hatte und mich um Gotteswillen bat, dem Director nichts davon zu sagen. Ich unterliess es auch, weil ich befürchtete, dass mein eingegangener Akkord dadurch zu Nichte gehen könne. Mit diesen Bananen wird dann auf den höher gelegenen Pflanzungen wieder Handel getrieben und von den Sklaven der Zuckereffecte Zucker, Likker oder Dram eingetauscht und letzteres auf dem Posten zu Geld gemacht.

[11]: Die Hauptgemeinde der Herrnhuter ist aber in Paramaribo, wo in dem grossen Bethause dieser Missionäre jeden Tag Schule gehalten und jeden Freitag gepredigt wird. Wenn es ihnen auch nicht gelingt, allen Aberglauben und heidnische Begriffe unter ihrer Gemeinde zu vertilgen, so muss man doch bekennen, dass sie eifrig bemüht sind, denselben, die aus dem grössten Theil der freien Neger und Farbigen, und einem grossen Theil der Sklaven Paramaribo's besteht, Ordnung und häusliche Tugenden beizubringen und ihre Sitten zu verbessern. Es sitzt im Neger leider zu wenig Geist und Energie, um eine Religion anzunehmen, die er nicht begreifen kann; wenn ihm dieselbe nicht dazu nützt, dass ihm seine Arbeit erleichtert wird, so wird er trotz allen Belehrungen nie einen Werth auf sie legen. Dasselbe flaue Christenthum findet man auch unter den französischen Negern, wo die katholischen Priester dieselben mit dem grössten Eifer unterrichten und keine noch so ekelhafte Krankheit scheuen, um sie zu besuchen und zu unterrichten, und welchen Dank sie haben, wird man im Laufe dieser Skizzen sehen.

Vernunft und gute Eigenschaften, wie sie der Weisse besitzt, kommen beim Neger beinahe nie vor und Charaktere, wie der gute Onkel Tom, sind Chimären. Man sehe die Neger in den nördlichen Staaten der Union, wo sie schon seit Generationen frei sind und eben den Unterricht sich verschaffen können, den der Weisse geniesst. Schwingen sie sich je über den Rang eines Bedienten?

[12]: Und es ist nicht allein Gefahr, seine Gesundheit zu verlierenund ein Opfer der Lepra zu werden, es ist der schlechte Charakter der Neger selbst, der ihm am meisten droht. Erst im October 1851 wurde der Priester des Etablissements Batavia, ein Mann, der auf diesem so abgesonderten Platze unermüdet und eifrig in ihren physischen und moralischen Leiden ihnen beistand, von einem dieser Elenden, weil er ihm, um der Trunkenheit vorzubeugen, einen Krug Dram abgenommen hatte, aus Rache vergiftet.

[1]: Paramaribo wurde in der Mitte des 17. Jahrhunderts durch Engländer angelegt und bestand bei der Uebernahme der Colonie durch die Holländer nur aus wenigen Häusern. Ueber den Ursprung ihres Namens ist man noch nicht im Reinen. Man meint aber, dass ihm dieser zu Ehren des LordPorham, der unter König Karl dem Ersten von England Besitzungen hier hatte, gegeben wurde. Die Indianer nennen die Stadt Pramorbo, was in ihrer Sprache Blumenplatz bedeuten soll.

[2]: An den Ufern des Tapanahoni wohnen die Aucaner Buschneger, von denen ich später reden werde. Wenn man ihren Aussagen Vertrauen schenken darf, so kann man diesen Fluss noch vierzehn Tagereisen aufwärts fahren, worauf man ihn verlässt und über Berge und Savannen zieht, deren Boden aus spitzigen Steinen besteht, wesshalb sie sich mit aus Moos geflochtenen Schuhen versehen. Nach einem dreitägigen Marsche kommen sie an die Dörfer der Indianer, von welchen sie gegen Messer, Beile, Glasperlen u. s. w. künstlich geflochtene Hängematten und vortreffliche Jagdhunde mitbringen, welche letztere sie auf den Pflanzungen theuer verkaufen. Ich habe durch Buschneger Arbeiten von diesen Indianern bekommen, deren Geschmack und Schönheit ich bewunderte. Es waren Kronen und Schürzen von Federn, meist des Tukans, der Arras und Cassicus und eines hier ganz unbekannten gelben Papageyen. Haben die Buschneger ihre Waaren vertauscht, so helfen die Indianer ihnen das Gekaufte bis an den Tapanahoni tragen, wobei die Buschneger die Stärke dieser Indianer besonders rühmen. Sie sollen, versichern die Buschneger, wenn sie ermattet sind, sich mit einer Schneckenschale die Haut aufritzen und in das Blut ein weisses Pulver reiben, wodurch ihre Kräfte sich sogleich wieder erneuern und sie ihre Reise wieder fortsetzen können. (Etwas Aehnliches fandSchomburgkauf seinen Reisen im britischen Guyana.) Diese Indianer, welche die Buschneger Acouri und Trio nennen, stehen wieder mit den weiter aufwärts wohnenden Salmoës in Verbindung, welche letztere diePflanzungen der Portugiesen am Amazonenstrome besuchen. Es ist höchst wahrscheinlich, dass die Indianer, mit welchen die Buschneger Handel treiben, die Taruma oder Barokotos sind, die unterm Aequator und zwischen dem 57.-58. Längengrade von Greenwich wohnen. Die Länge des Weges erklärt dieses, denn obwohl die Buschneger sehr langsam reisen, wobei theilweise die Wasserfälle und Strömungen der inneren Gewässer schuld sind, so müsste doch in kürzerer Zeit in jeder anderen Richtung ein französisches oder portugiesisches Etablissement erreicht werden.

[3]: Vor mehreren Jahren, ich glaube im Jahr 1832, ehe man einen Communikationsweg nach dem Posten Armina aus der oberen Comowyne angelegt hatte, ging jeden Monat regelmässig eine Patrouille, welche die militärischen Papiere zu besorgen hatte, vom Posten Prinz Willem Frederik nach Oranje. Es waren jedesmal drei Soldaten, die auf den Sandbänken längs der Küste liefen, bis etwa halbwegs die schlammigen Ufer anfingen, die bis zu dem Posten Oranje sich ausdehnen. Man schlug, wenn man an diese Schlammbänke kam, den Weg landeinwärts ein, um eine Sandritze zu finden, die ebenfalls bis an diesen Posten sich hinzieht. Dabei schlief man eine Nacht im Walde und erreichte am andern Tage den Posten. Im Jahr 1832 nun machte ein erst vor Kurzem aus Europa gekommener Korporal die Reise mit und blieb, um ein natürliches Bedürfniss zu befriedigen, hinter seinen Begleitern zurück. Da er nicht nachfolgte, so kehrten seine Kameraden um, ihn zu suchen, fanden aber keine Spur mehr von ihm, und da sie keinen Vorrath an Wasser hatten, so konnten sie ihre Nachforschungen nicht weiter ausdehnen. – Obwohl man sogleich von Oranje Soldaten aussandte, ihn aufzusuchen, so war doch alle Mühe fruchtlos und man nahm an, dass er verirrt und dem Durste erlegen sey. Ein Jahr darauf landeten Caraiben, die aus Paramaribo nach der Marowyne zurückkehrten, bei stillem Wetter am Seestrande und liessen, während sie Krabben fingen, ihre Weiber im Boote. Plötzlich wurden die Weiber von Wegläufern überfallen, die ihnen ein junges zehnjähriges Mädchen raubten, und ehe die Männer auf das Hülfegeschrei der Weiber herbeieilen konnten, mit ihrer Beute flüchteten. Es kehrten nun sogleich alle Indianer nach Paramaribo zurück und baten den Gouverneur, eine Militär-Patrouille in diese Gegend machen zu lassen, wozu sie ihre Hülfe anboten. Es wurde nun sogleich mit den Indianern eine starke Militär-Patrouille ausgesandt, um das geraubte Kind zu finden und die Dörfer der Wegläufer zu zerstören. Man fand auch ein bedeutendes, und es glückte, mehrere Neger und Negerinnen lebend zu fangen. In einer der Hütten fand man die Uniform des vermissten Korporals, sein Gewehr unddie Ueberbleibsel seiner goldenen Uhr, aus deren Gehäuse die Neger Ringe gemacht hatten. Die Gefangenen erzählten auch ohne Scheue, dass sie den unglücklichen Verirrten nahe bei ihren Dörfern gefunden, ihn geschlachtet und gegessen hätten.

[1]: Die Kordonwege sollten die Kolonie gegen die Ueberfälle von weggelaufenen Sklaven und Buschnegern, die die Pflanzungen immer beunruhigten, beschützen. Sie zogen sich, der rechte Flügel vom Surinam bis an den Comowyne, der linke von da bis zur See. Die Wege waren ungefähr 80 Fuss breit und hatten, wenn sie durch Waldungen sich zogen, an beiden Seiten 4 Fuss tiefe und 10 Fuss breite Gräben, in denen die Waldwasser sich sammelten und die einen Abzug nach den Flüssen oder Kreeken hatten. Alle Viertelstunden waren Wachthäuser und Pikete, die theils vom Hauptposten besetzt wurden, theils eine bleibende Besatzung hatten. Das Feldgeschrei durchlief in wenigen Minuten den Cordonweg von einem Ende bis zum andern. Der Unterhalt der Wege, Gebäude und Besatzungen verursachte grosse Kosten. Seit dem Frieden mit den Buschnegern wurden die Posten vermindert und kamen immermehr in Verfall, bis endlich im Jahr 1844 beide Cordonwege verlassen wurden und man jetzt beinahe die Spur nicht mehr davon entdecken kann.

[2]: Maschoas sind etwa 5 Fuss lange, aus Palmblattstielen gemachte und mit Lianen verflochtene, spitz zulaufende Körbe oder vielmehr Schläuche, deren Oeffnung etwa 9 Zoll Durchmesser hat. Die Palmstäbe stehen etwa ½ Zoll von einander, so dass das Wasser durchlaufen kann. Um sie zu gebrauchen, dämmt man mit Palmblättern und Stöcken ein Waldwasser oder den Abfluss eines Sumpfes ab, so dass kein Fisch durchdringen kann. In diesen Damm werden nun so viele Abzuglöcher gemacht, als man Maschoas setzen will und diese in die Löcher gesteckt, so dass die weite Oeffnung des Maschoas dem Laufe des Wassers entgegensteht. Fische, kleine Wasserschildkröten und dgl. gerathen nun in diese Körbe, in deren spitz zulaufendem Ende sie stecken bleiben. Jeden Morgen und Abend untersucht man dieselben und kann sich auf diese Weise das ganze Jahr über mit Fischen versorgen.

[3]: Diese Schlange bekam ich im August 1842 lebendig und hatte sie mehrere Wochen lang wohlverwahrt in einem Käfig. Sie frass durchaus nicht und wie man sie auch plagte, so gebrauchte sie doch nie ihre tödtlichen Waffen. Als ich eine Reise zu machen hatte, wollte Niemand dieses gefährliche Thier in Bewahrung nehmen; ich tödtete es desshalb. Ein Neger packte sie beim Kopfe, worauf ich ihr den Bauchaufschnitt. Sie wendete alle Kraft und Mühe, um sich loszuringen und drehte ihre giftigen Zähne hin und her; als sie sich nicht mehr zu helfen wusste, entledigte sie sich ihres Giftes, das wie ein feiner Strahl aus den Rinnen ihrer Zähne auf meine Hand fiel. Das Gift war hell und farblos.

[4]: In der Mitte der trockenen Zeit flogen wenigstens 6 Wochen lang eine solche Menge gelber Tagschmetterlinge von der Grösse der Zitronfalter längs des etwa 80 Fuss breiten Cordonweges, dass ich manchmal drei auf einen Schlag mit dem Netze in der Luft fing. Der Schwarm kam etwa um 10 Uhr des Vormittags an und dauerte ununterbrochen bis 3 Uhr Nachmittags. Sie flogen in einem fort, ohne sich zu setzen, immer von Osten nach Westen, sowohl dicht über der Erde, als bis auf eine Höhe von 50 Fuss. In den Waldungen und über dieselben flogen nur wenige. Der Hauptschwarm blieb im Wege selbst. Wo sie herkamen und hinzogen weiss ich nicht; die Raupen so vieler Millionen aber müssen ganze Waldungen abgefressen haben. Ich habe noch mehrere Male ähnliche Wanderzüge bemerkt. Man betrachtet sie als Vorzeichen einer grossen Trockenzeit.

[1]: Drei Tage vor und nach neuem und vollem Monde steigt die Meeresfluth bedeutend höher als in den Zwischenzeiten und während der Unterschied zwischen hohem und niederem Wasser an den Flussmündungen bei den gewöhnlichen (todten) Fluthen 6-7 Fuss beträgt, so steigt er in jenen auf 9-10. Die Fluth läuft dann gewöhnlich viel rascher und man wählt meistens zum Reisen diese Zeit. Auch auf den Zuckerpflanzungen, welche keine Dampfmaschinen haben, wird das Rohr in dieser Zeit gemahlen. Man öffnet bei der Fluth die Schleusse des Mühlgrabens, durch welchen das Wasser des Flusses diesen füllt. Hat das Wasser seine höchste Höhe erreicht, so wird die Schleusse niedergelassen. Ist das Wasser im Flusse etwa 3 Fuss gefallen, so öffnet man eine andere Schleusse, die vom Mühlgraben in die Mühle führt, wodurch das ausströmende Wasser ein grosses, unterschlächtiges Rad treibt, das die Walzen, welche das Rohr zerquetschen, in Bewegung bringt. Die höchsten Springfluthen sind am Anfang April und September, wenn die Sonne den Meridian, unter dem die Seeküste liegt, (6° nördl. Breite) durchschneidet. Das Wasser steigt dann noch um 2 oder 3 Fuss höher und setzt manchmal die halbe Stadt Paramaribo unter Wasser und überströmt schlecht eingedämmte Pflanzungen.

[2]: Der Zitteraal (Gymnotus electricus) kommt im innern Lande, wo das Wasser durch das Seewasser nicht mehr getrübt wird, häufig vor. Er erreicht manchmal eine Länge von 7 Fuss und die Dickeeines Mannesarmes. Seine elektrische Eigenschaft ist hinlänglich bekannt. Die Indianer schiessen ihn mit Pfeilen und fangen ihn häufig mit Stinkholz (siehe Lebensweise der Caraiben). Dieser Aal, der aus beinahe nichts, als Schwanz besteht, ist sehr fett, sein Fleisch locker und wird bloss von den Eingebornen gegessen. Sie werden leicht zahm und man kann sie dann in die Hand nehmen, ohne dass sie Schläge ertheilen.

[3]: Ein gegohrenes Bier aus gekochten Erdfrüchten, dem man noch den Saft von Ananas oder indianischen Pflaumen beimischt.

[4]: Pagaien nennt man schaufelförmige, etwa 5 Fuss hohe, aus hartem Holze geschnitzte Ruder, die man in schmalen Kreeken oder engen Plätzen gebraucht.

[5]: Hr.James B., der Eigenthümer dieser Pflanzung, ist im August 1841 auf derselben gestorben. Seinen Reichthum hatte er in vielen Legaten theilweise selbst an seine Neger vertheilt. Die Tochter erhielt ein bedeutendes Vermögen und kaufte kurze Zeit nach dem Tode ihres Vaters die Freiheit. Nach dem ausdrücklichen Willen des Verstorbenen wurde ein grosses Begräbnissmahl veranstaltet, bei dem der Todte im Sarge selbst präsidirte und woran alle Honoratioren des Distriktes theilnahmen. Nach dem Essen wurde die Leiche in einem in aller Eile auf ebener Erde aufgemauerten viereckigen Behälter aus Backsteinen beigesetzt, wo zwischen der Mühle und dem Kochhause die Sklaven sein Monument beständig im Auge haben.

[6]: Der Kwi Kwi (Callichys subulatus) ein 6-7 Zoll langer Fisch, zum Geschlechte der Welse gehörend, ist über den ganzen Leib mit hornigen, harten Schienen, wie mit einer Art Panzer, bedeckt. Der Kopf ist breit, der Mund und die Augen sehr klein und unter dem Munde sind vier Fühlfäden oder Bärtel, wie bei den Barben. Die Kiemenflossen werden bei ihm durch 1½ Zoll lange krumme Hacken oder Knochen ersetzt, mit denen er kneipen kann; eine ähnliche rechtstehende ist auf dem Rücken. Gefangen gibt er einen trauernden Laut von sich, der durch das Reiben dieser Hacken und seiner Panzer entsteht. Wenn die Sümpfe eintrocknen, so verkriecht er sich so tief, wie möglich, ins feuchte Erdreich, bis die Regenzeit eintritt. Auch erzählen die Indianer, dass er, wenn ein Sumpf austrockne, mehrere hundert Schritte über Land krieche, um wasserreichere Stellen zu suchen, was ich gerne glauben will.

[7]: Die Menge Schnepfen oder Strandläufer auf den Schlammbänken längs der See und in den angrenzenden Morästen übersteigt allen Glauben. Man sieht mit aufkommender Fluth Wolken dieser Vögel, die wirklich auf kurze Zeit die Luft verdunkeln. Ein Schuss mit feinem Hagel schlägt manchmal 2-300 nieder. Die kleinen, nichtviel grösser als eine Schwalbe, sind die zahlreichsten. – Ich ging einmal bei einbrechender Nacht vom Posten Oranje über eine solche nur spärlich mit niederen Gesträuchen bedeckte Schlammbank, um zu meinem Boote, das in einer kleinen Kreek am Meeresufer lag, zu kommen. Es hatte sich auf dieser Bank ein Schwarm solcher kleiner Schnepfen zum Schlafen gesetzt und war durch mich aus seiner Ruhe aufgejagt; der ganze Schwarm flog ohne alle Ordnung auf und flatterte um mich herum. Hunderte habe ich vielleicht zertreten und die Flügelschläge einer solchen Menge Vögel verursachte eine Hitze und Beklommenheit, dass ich herzlich froh war, als ich dieses Schnepfenheer im Rücken hatte. Die Indianer wissen ebenfalls die Schnepfen durch leises Pfeifen zu locken. – Ich konnte nie erfahren, wo diese Vögel nisten; wahrscheinlich wohl auf den mehr südlicher liegenden Inseln der Mündung des Amazonenstromes.

[8]: In der Trockenzeit des Jahres 1849 zeigten sich die Moschusenten in unserer Kolonie und im französischen Guyana besonders zahlreich. Es wurden in Paramaribo mehr zu Markte gebracht, als seit Menschengedenken geschah. In der ganzen Kolonie herrschte dieser Ueberfluss. Dabei waren die Enten so fett und schwer, dass sie einer Gans an Gewicht so ziemlich gleich kamen. Die Indianer brachten mir viele, sowohl frisch als geräuchert. Auf Mana liessen die Neger alle Arbeit liegen und schossen Enten, die man zuletzt nicht mehr kaufen wollte. Dennoch ist die Moschusente bei uns kein Zugvogel und ich kann mir bloss diese Menge dadurch erklären, dass vielleicht in anderen Gegenden Südamerika's eine ungewöhnliche Regen- oder Trockenzeit diese Vögel nöthigte, ihre Nahrung anderswo zu suchen.

[9]: Unter der Menge von Wespen-artigen Insekten, die, was Verschiedenheit von Sorten und Anzahl betrifft, im Verhältniss zu Europa hier gewiss wie 25 zu 1 vorkommen, isteineArt besonders lästig und gefährlich. Man nennt sie schlechtweg Marabonzen (die Franzosen nennen sie Mouche à drague). Sie halten sich vornehmlich in Häusern auf, die wenig oder nicht bewohnt sind, oder in den Zuckermühlen und machen ihr Nest aus verfaultem Holze, das sie von den Schindeln abnagen. Es gleicht einer grauen Masse von Fliesspapier und wird an den Dachsparren oder Gesimsen befestigt. Die Zellen öffnen sich nach unten und haben keine äussere Schutzumgebung, wie die der Wespen, auch keine Etagen. Die Wespe selbst nährt sich von Zucker, Blumensäften und Früchten, ist von der Grösse einer Hornisse, braunroth, hat einen schwerfälligen Flug und gibt einen angenehmen, aromatischen Geruch von sich. Ihr Stich verursacht beinahe immer gefährliche Entzündungen und Fieber. Wo sichdiese Insekten eingenistet haben, sind sie eben so schwierig zu vertreiben, als die durch ihren widerwärtigen Geruch und Schmutz lästigen Fledermäuse.

[10]: Der Lokusbaum (Hymenaea courbaril) wächst meistens auf Sandritzen und erreicht einen Durchmesser von manchmal 6 Fuss. Sein rothes, schweres Holz nimmt eine herrliche Politur an und wird zu Meubles und Maschinen verwendet. Am Stamme und an den Wurzeln findet man bei alten Bäumen in grossen Klumpen den Copalgummi, der zu Firnissen verwandt wird. Die Frucht ist eine manchmal 6 Zoll lange und 2 Zoll breite rothbraune Schote, die mit einem trockenen, gelben, süssschmeckenden Mehle angefüllt ist, in dem sich die harten braunen Bohnen befinden. Es hat den Geschmack des Johannisbrodes.

[11]: Die Awara-Palme (Astrocaryou vulgare) wächst stets im Sandboden und liefert dem Indianer Manches in seine Haushaltung. Der Baum wird manchmal 30 Fuss hoch, ist über und über mit 4 Zoll langen, sehr spitzen, schwarzen Stacheln bedeckt und die Krone theilt sich in 12-15 etwa 25 Fuss lange gefiederte Blätter. Die Blattstiele, so wie die Seiten der Blättchen, die etwa 4 Fuss lang und 1 Zoll breit sind, sind ebenfalls dicht mit Stacheln bedeckt, so dass man keinen Theil der Pflanze berühren kann, ohne sich zu stechen. Die Samenkapsel ist etwa 3 Fuss lang und 1½ Fuss breit, oval und braunroth von Farbe. Die Frucht, von der Grösse einer welschen Nuss, ist mennigroth und besteht aus einem süssen, sehr fetten Fleische, das den harten, schwarzen, runden Stein umgibt. Der Fruchttross enthält mehrere Hunderte solcher Nüsse, die im Monat Februar reifen. Die Indianer stampfen in einem hölzernen Mörser das Fleisch von den Steinen und pressen in einem Madappi das rothe Oel aus, das sie zum Schmieren der Haare gebrauchen. Die Früchte werden vom Wild gerne gefressen und die Schweine werden besonders fett davon. – Aus den noch nicht ganz entwickelten Blättern machen die Indianer Fächer u. s. w.

[1]: Diese Reibeisen, Simaris, werden von den Makusi-Indianern am obern Rupumuni, im britischen Guyana verfertigt und von den Caraiben, die manchmal Reisen dahin machen, durch Tausch erhalten.

[2]: Madappis sind 4 Fuss lange, 4 Zoll im Diameter haltende cylinderförmige elastische Schläuche, die aus dem Baste einer Marantiacee geflochten werden und haben oben eine Oeffnung, worin man das noch nasse Cassave-Mehl schüttet und den Schlauch an einer Schleife aufhängt. Unten ist derselbe zugebunden und es wird durcheine am Ende befindliche andere Schleife ein Stock befestigt, auf den sich die Weiber setzen, wodurch sich der Schlauch zusammenzieht und der Saft abfliesst.

[3]: Die Indianer geben nicht gerne Aufschluss über die Bedeutung ihrer Gebräuche und Gesänge, und ihre sehr reichhaltige Sprache zu erlernen, fällt sehr schwer, und es ist Niemand in der Kolonie, der ausser ihnen dieselbe versteht.

[4]: Die Chike, auch Sicca genannt, ist ein kleines hellbraunes Insekt, ganz von der Gestalt einer Floh, aber bloss halb so gross und hüpft ebenso, aber nur nicht so weit. Sie hält sich sehr häufig in sandigen trockenen Plätzen auf, kriecht Menschen, Hunden und Katzen unter die Nägel der Zehen oder in die weicheren Theile des Fusses, wo sie sich ins Fleisch einfrisst. Man bemerkt ihr Daseyn an einem leichten Jucken, und an der Stelle, wo das Insekt sitzt, ist die Haut ein wenig entzündet, und man sieht dasselbe als einen kleinen schwarzen Punkt im Fleische stecken. Man zieht es mit einer Nadel heraus. Fühlt man es aber nicht und bleibt es im Fleische sitzen, so geht eine wunderbare Vergrösserung mit ihm vor. Sein Leib schwillt an und ist strotzend voll von Eiern, die nach und nach ihre natürliche Grösse erhalten und dem kaum bemerkbaren Insekte die Grösse einer kleinen Erbse geben. Wird es nun aus dem Fleische herausgenommen, so entsteht ein ziemliches Loch, das besonders bei Leuten, welche barfuss laufen, sich mit Sand und Unreinigkeiten füllt und manchmal bedeutende Geschwülste verursacht. Ich selbst habe auf dem Posten Nepheusburg in der Trockenzeit jeden Abend wohl 25 dieser Insekten, welche sich den Tag über eingebissen hatten, herausgezogen. Nachlässige Leute, die zu faul sind, an ihren Füssen nachzusehen und diese Flöhe in solcher Menge und Grösse bei sich beherbergen, bekommen bedeutende Geschwüre und werden manchmal zur Arbeit untauglich.

Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, einschließlich ungewöhnlicher und uneinheitlicher Schreibweisen, mit folgenden Ausnahmen,

Seite26:"lezteren" geändert in "letzteren"(Die letzteren Kunden sind die häufigsten)

Seite38:"technicher" geändert in "technischer"(auch in technischer Beziehung eine gute Schule genossen haben)

Seite55:"Meerresküste" geändert in "Meeresküste"(von der Meeresküste ab, da wo das Flusswasser rein)

Seite56:"Mauiok" geändert in "Maniok"(dem Anbau der Maniok-Wurzel (jatropha) besonders günstig ist)

Seite57/58:"Regen" geändert in "Regen-"(hohen Wasserstande der Regen- und dem niedrigsten der Trockenzeit)

Seite68:"dasselbst" geändert in "daselbst"(Mauritzburg. Kurzer Aufenthalt daselbst.)

Seite79:"Manick" geändert in "Maniok"(und die dortige Besatzung von Reis, Mais und Maniok leben musste)

Seite93:"maschiren" geändert in "marschiren"(in einem Brei von stinkendem Schlamm marschiren musste)

Seite94:"mitgebrachten" geändert in "mitgebracht"(Bananen, welche die Guiden mitgebracht hatten)

Seite113:"Mosquitos" vereinheitlicht zu "Mosquittos"(alle Soldaten, ungeachtet der vielen Mosquittos)

Seite115/116:"errrichtet" geändert in "errichtet"(wurde mit ungeheuren Kosten eine Dampfsägmühle errichtet)

Seite124:"Nickerikreek" vereinheitlicht zu "Nickeriekreek"(ein kleines Sommerhäuschen in die Nickeriekreek hineingebaut)

Seite147:"Schidwache" geändert in "Schildwache"(Die Schildwache, unter deren Aufsicht er stand)

Seite149:"anderhalb" geändert in "anderthalb"(musste man das Regenwasser anderthalb Stunden weit herbeiholen)

Seite159:"Apetit" geändert in "Appetit"(bei schrecklichem Appetit, da ich seit dem Morgen nichts mehr)

Seite168:";" geändert in ","(vier Neger zurückgeblieben, welche mit mir)

Seite174:"'" eingefügt(Vier Pfosten von etwa 4' Höhe sind an vier Ecken)

Seite175:"Individium" geändert in "Individuum"(hier hat jedes Individuum sein Feuerchen unter der Hängematte)

Seite181:"Aussgepresster" geändert in "Ausgepresster"(Ausgepresster Maniok (Madappi) wird in Körbe verpackt)

Seite183:"Vergnüngen" geändert in "Vergnügen"(Ein anderes Vergnügen eigenthümlicher Art sind ihre Tänze)

Seite184:"diesselben" geändert in "dieselben"(um als Trank noch zweimal dieselben zu passiren)

Seite197:"Pagaai" vereinheitlicht zu "Pagai"(ich aber bloss einen einzigen Pagai im Vermögen hatte)

Seite198:"ief" geändert in "tief"(ist tief im Sande eingegraben und wellenförmig)

Seite198:"sie" eingefügt(welche sie häufig zum Verkauf nach den Pflanzungen bringen)

Seite210:"Ansehnliclhe" geändert in "Ansehnliche"(Ansehnliche Summen waren zu diesem Zweck bewilligt worden)

Seite210:"Maniko" geändert in "Maniok"(die in Erdfrüchten, als: Reis und Maniok bestanden)

Seite216:"Guiana" vereinheitlicht zu "Guyana"(Im französischen Guyana bestehen noch viele Rockou-Pflanzungen)

Seite226:"Pagalen" vereinheitlicht zu "Pagaalen"(Meinen Genever bezahlte er mir mit zwei hübschen Pagaalen)

Seite243:"Mach" geändert in "Nach"(Nach zehntägigem Aufenthalt verliessen wir die Judensavanne)

Seite250:"Casavebrod" vereinheitlicht zu "Cassavebrod"(wurde von ihnen mit Cassavebrod und Eiern beschenkt)

Seite257:"gänze" geändert in "ganze"(Der ganze Stamm wird nicht viel über 3000 Köpfe zählen)

Seite279:"Tode" geändert in "Todte"(bei dem der Todte im Sarge selbst präsidirte)

Seite282:"ensteht" geändert in "entsteht"(so entsteht ein ziemliches Loch)


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