Bei der Schilderung der Ereignisse wurde hierauf mehrfach hingewiesen. Schon bei Stromboli macht du Quesne keinen ernsten Versuch, Ruyter zum zweiten Male entgegenzutreten, obgleich er unmittelbar nach der Schlacht bedeutende Verstärkung erhielt; in noch höherem Maße erscheint es auffallend, daß er im nächsten Jahre nicht alles daransetzt, den weit schwächeren Callenburgh vor Neapel zu vernichten. Doch kann man in diesen beiden Fällen wenigstens annehmen, er habe zunächst den wichtigen Zufuhrtransport sicher nach Messina führen wollen. Aber auch sonst vermißt man fast durchgehend eine energische Offensive, meist liegt die französische Flotte ohne größere Aufgabe tatenlos vor der belagerten Stadt. Als Ruyter an der italienischen Küste war, hätte sie gegen die getrennten Gegner vorgehen können; die Spanier wenigstens wären ihnen gewiß leicht zum Opfer gefallen. Nach Agosta machen die Franzosen eine lange Pause, ehe sie den Schlag gegen Palermo führen, obgleich sie auch nach dieser Schlacht wiederum durch ihre Galerenflotte verstärkt waren. Der Sieg wird dann nicht völlig ausgenützt, und es wird später nicht daran gedacht, die Reste der aufs neue getrennten feindlichen Flotten gänzlich zu vernichten.
Du Quesne war ein tüchtiger Mann. War er es nur in der Schlacht — Tourville äußert sich später bei der Expedition gegen Algier über du Quesne derart, als ob dieser größere eigene Verantwortung gescheut habe; ein Vorwurf übrigens, der gegen ihn selbst im nächsten großen Kriege auch erhoben wurde — oder konnte er den lauen Vivonne, der stets den Oberbefehl auch über die Flotte führte, nicht zu energischen Taten bewegen? Spielte Eifersucht Vivonnes auf du Quesne, Louvois' auf Colbert hierbei mit? Wenn die französische Flotte endlich in den letzten Kriegsjahren an der spanischenKüste so wenig hervortrat, so scheint dies allerdings seinen Grund in ihrem weniger schlagfertigen Zustande gehabt zu haben; daß es aber dahin gekommen war, macht ebenso wie ihr Verhalten bei Sicilien den Eindruck, als ob man die neue Waffe doch noch nicht zu schätzen verstanden habe.
ÜberSpanienist nichts weiter zu sagen; der Krieg zeigt, in welchem Zustande das ganze Reich und seine Marine im besonderen war.
Der Frieden von Nymwegenschloß diesen Krieg ab. Seine Bedingungen kennen wir bereits (Seite363). Es ist aber gerade für unseren Standpunkt wichtig, diemittelbaren Folgen dieses Kriegesfür Holland, Frankreich und auch England zu betrachten.
Scheinbar war der Friedensschluß fürHollandunerwartet günstig; es verlor in Europa nichts, im Auslande nur wenige bedeutende Besitzungen. Aber sein Schaden während dieser Kriegsjahre nach dem Frieden mit England war doch sehr groß. In dieser Zeit ging ein großer Teil seines europäischen Zwischenhandels in englische Hände über; die holländische Schiffahrt war zu gefährdet und Frankreich begünstigte in jeder Weise die Englands, um Holland zu schädigen und England neutral zu erhalten.Englandmachte dadurch als Seemacht einen Schritt weiter auf Kosten Hollands; Holland begann, von der Stelle einer Seemacht ersten Ranges abzutreten, und als im nächsten Kriege die beiden Nationen vereint gekämpft hatten, sicherte sich England als der nun stärkere Verbündete wiederum den größeren Gewinn zur See.
Aber auchFrankreichzog aus dem Kriege keineswegs nur Nutzen, wenigstens nicht für sein Seewesen; durch ihn ward das Werk Colberts gehemmt. Dieser wollte bekanntlich durch Begünstigung der Produktion und durch Anregung des Seehandels mit Hilfe einer starken Handels- und Kriegsmarine den Wohlstand des Landes heben. Bis zu diesem Kriege war alles gut gegangen; man befand sich auf dem Wege, Holland und England mit Erfolg Konkurrenz zu machen; die Einnahmen des Landes vermehrten sich mächtig.
Ludwigs Politik gegen Holland stärkte aber, wie eben gesagt, den Seehandel Englands schon während des Krieges. Die Friedensbedingungen waren dann zwar sehr vorteilhaft für Landzuwachs und militärische Machtstellung — Frankreich stand jetzt an der ersten Stelle auf dem Festlande —, sie waren es aber nicht für Industrie und Handel des Landes, weil die Schutzzölle zugunsten Englands und Hollands herabgesetzt wurden. Dies traf die Weiterentwicklung der Schiffahrt schwer und die Kriegsmarine war, ohne Rückhalt an eine starke Handelsmarine, wie ein Baum ohne Wurzeln. Zwar wuchs sie in den nächsten Jahren noch sehr und wurde selbst für kurze Zeit der englischen überlegen; sie schwand aber in dem nächsten großen Kriege schnell dahin. Das Scheitern des Planes Colberts, Frankreich zu einer großen Handelsmacht zu machen, ist auch von Einfluß gewesen auf den finanziellen Ruin des Landes im nächsten Jahrhundert, der durch die weiteren kostspieligen Kriege Ludwigs eingeleitet wurde.
Im zweiten Eroberungskriege Ludwigs XIV. tratSchwedenauf die Seite Frankreichs und griff 1675 Brandenburg an;Dänemarkunterstützte diesen Staat. Da es sich hierbei für Dänemark darum handelte, dem Großen Kurfürsten bei der Eroberung Pommerns zu helfen, den Schweden die rückwärtigen Verbindungen von dort abzuschneiden, vor allem aber auch die im letzten Kriege mit Schweden verlorenen Provinzen (z. B. „Schonen“; deshalb auch der „schonische Krieg“ genannt) und die Vorherrschaft in der Ostsee wiederzugewinnen, so spielte der Krieg zur See eine große Rolle.
Die dänische Marinewar im letzten Kriege nicht imstande gewesen, ihr Land vor Invasion zu schützen; Christian V. aber (1670–1699) brachte sie hoch, ja er führte sie zu ihrem höchsten Glanze. Schon 1675 besaß Dänemark an Kriegsschiffen: 2 zu 80–90 Kanonen; 11 zu 58–78; 7 zu 36–54; 6 zu 24–32; 4 zu 8–20. Dazu traten 46 Defensionsschiffe der großen Rhedereien (darunter 20 zu 34 Kanonen). Infolge der engen politischen Verbindung mit Holland, der Unterstützung durch seine Flotten, hatten holländisches Wesen und holländische Seeleute in großem Maße Eingang in die dänische Marine gefunden; in dem jetzt ausgebrochenen Kriege wurde sogar 1676Cornelis Trompals Oberbefehlshaber berufen, nachdem der bisherige — der tüchtige Admiral Adolar, auch im holländischen Seedienst erzogen — gestorben war.
Nach de Jonge waren die neueren dänischen Schiffe nach holländischem Muster und teilweise von holländischen Schiffbauern gebaut; fast alles Kriegsmaterial ward aus den Niederlanden bezogen. In der dänischen Flotte unter Niels Juel im Jahre 1677 waren der Vizeadmiral, der Kontreadmiral und 17 Kommandanten (von 26) Holländer; 1676 hatte man 3000, 1677 gar über 5000 Seeleute in den Niederlanden angeworben. Kein Wunder, wenn nun dieselbe Quelle, auf ältere gestützt, sagt: Es hätten die Schweden in diesem Kriege eigentlich nur gegen Holländer gefochten; es hätten die dänischen Seeleute von diesen gelernt — auch Juel von Tromp —; selbst die von den dänischen Schiffen allein erreichten Erfolge seien den aus Holland stammenden Offizieren oder doch deren Unterweisung zuzuschreiben.
Gegen diesen holländischen Einfluß, gefördert durch Admiral Adolar, trat von jetzt an eine nationale Partei in der Marineleitung auf und drang nach und nach durch. Sie bewirkte 1678 die Entfernung Tromps, ihr HauptNiels Juelübernahm die Oberleitung und sorgte für die Schaffung eines tüchtigen nationalen Offizierkorps.
Die schwedische Marinewar 1675 der dänischen noch an Zahl und Größe ihrer Schiffe überlegen, aber minderwertig im Personal. Unter der vormundschaftlichen Regierung für Karl XI. (seit 1660) wurden die Offiziersstellen, namentlich die höheren, vielfach nach Gunst an Angehörige der regierenden Adelspartei vergeben, die nicht Seeleute, oft nicht einmal Soldaten waren. Es sollte sich bald zeigen, daß die dänische Flotte auch ohne Unterstützungdurch die holländische, die dänischen Führer auch ohne Tromp, den Schweden überlegen waren.
Hollandgriff in den Krieg ein, „um seinem treuen Verbündeten, dem Großen Kurfürsten, zu helfen“; es geschah aber auch wohl, damit Schweden nicht wieder zu mächtig an der Ostsee werde. In allen früheren Kriegen war es Hollands Bestreben gewesen, keine Macht zu hoch kommen zu lassen, sei es Hansa, Dänemark oder Schweden. Gerade von Holland aus erging an Dänemark die Anregung zum Kriege, Subsidien für die dänische Flotte wurden zugesagt (wie auch von Spanien) und das Werben von Seeleuten in den Niederlanden bereitwilligst gestattet. Endlich wurden auch in den Jahren 1675, 1676 und 1677 Geschwader in die Ostsee gesandt, um mit den Dänen gemeinsam zu operieren. Diese Geschwader waren jedoch nicht groß und erreichten in keinem Jahre die Stärke, die ursprünglich beschlossen war. Die Gründe hierfür — sowohl für die nur gering bemessenen wie auch für die dann nur teilweise durchgeführten Rüstungen — waren dieselben, die wir bei den anderen Unternehmungen nach 1674 kennen gelernt haben: Geteilte Meinungen in den Provinzen über fernerliegende Unternehmungen; Mangel an Geld bei einzelnen Admiralitäten. Die spanische Unterstützung blieb natürlich auch hier aus.
So betrug dieStärke der Geschwadernur:
Schließlich müssen wir auch noch dieSeestreitkräfte Brandenburgserwähnen. 1675 erteilte der Große Kurfürst dem HolländerBenjamin Raule(in Middelburg, Seeland) Kaperbriefe gegen Schweden. Dieser trat bald — deshalb der Seeräuberei angeklagt und landesflüchtig — als Marinedirektor in brandenburgischen Dienst. Mit ihm schloß nun der Kurfürst in den Kriegsjahren stets für einige Monate die Gestellung von Kriegsschiffen ab. Es waren dies immer 3 Fregatten, in ihren Größen zwischen 16–20 und 18–24 Kanonen schwankend, sowie einige (3–10) kleinere Fahrzeuge zu 4–10 Kanonen. Im Jahre 1675 traten noch 3 Linienschiffe von 40–44 Kanonen für fünf Monate hinzu, die von der Admiralität Amsterdam geheuert waren.
Der Verlauf des Kriegesbrachte im Jahre1675zur See nichts von Bedeutung. Das holländische Geschwader traf Ende Juni in Kopenhagen ein, aber erst am 23. August lief die vereinigte Flotte, die Dänen unter Adolar, aus. Sie kreuzte meistens zwischen Bornholm und Rügen und fing auch einige schwedische Zufuhrschiffe ab. Die schwedische Flotte zeigte sich zunächst nicht. Sie ging erst am 19. Oktober in See — 44 Kriegsschiffe, mit 9000 Mann Truppen für Pommern oder für einen Einfall in Seeland —, kehrte aber bald um infolge stürmischen Wetters, in dem einige Schiffe verloren gingen, und infolge einer erschreckend zunehmenden Epidemie unter den Soldaten und Matrosen; der Untergang der Schiffe und die Krankheit sollen 5000 Mann gekostet haben.Die Holländer gingen dann in die Heimat zurück und begleiteten dabei eine große Zahl ihrer Ostseefahrer.
Zu Landewurden die Schweden aus der Mark vertrieben (Fehrbellin 28. Juni) und in Pommern von Brandenburg und Dänemark angegriffen. Der Große Kurfürst nahm in diesem Jahre noch die Inseln Usedom und Wollin sowie Peenemünde und Wolgast, teilweise unter Mitwirkung seiner kleinen Flottille; die Dänen eroberten Wismar und Damgarten.
Im Jahre 1676trafen die Holländer schon im Mai in Dänemark ein. Es waren aber zunächst nur 9 Schiffe und 2 Brander der Provinzen Hollands unter KontreadmiralAlmonde, das Kontingent Seelands war wieder einmal noch nicht seeklar; mit ihnen kamTrompals Passagier. Er wurde mit großen Ehren[221]empfangen, übernahm den Oberbefehl über die dänische Flotte und schiffte sich auf „Christian V.“ (86 Kanonen) ein, dessen erster und zweiter Kapitän Holländer waren; das Geschwader brachte auch Matrosen für die dänischen Schiffe mit. Während Tromp vorläufig die Ausrüstung weiterer Schiffe überwachte, stieß Almonde zuNiels Juel, der schon am 29. AprilWisbyzur Übergabe gezwungen hatte. Die so vereinigte Flotte zählte 10 Linienschiffe, 7 Fregatten, 4 Brander und einige Jachten; sie begegnete am 4. Juni abends beiBornholmden Schweden, diese 25 Linienschiffe, 10 Brander und Jachten stark unter den AdmiralenCreutzundUgla. Am 4. wurden nur einige Schüsse auf weitere Entfernung gewechselt, es scheint flau gewesen zu sein;am 5. Juni6 Uhr früh kam es zu einem wirklichen Gefecht, das aber auch ohne größere Folgen und ohne Entscheidung blieb.
Die Schweden standen zu Luward, griffen aber nicht an, sondern steuerten hoch am Winde. Die Holländer, die Vorhut der Verbündeten, versuchten, nahe an den Feind heranzukommen; sie waren gezwungen, unter seinem Feuer vorzulaufen, zu wenden und dann wieder an der feindlichen Linie entlang zu segeln. Diesem Manöver sollen nun nur 2 Dänen, von Holländern kommandiert, gefolgt sein; Niels Juel soll sich auf weiteren Entfernungen gehalten haben: Das holländische Flaggschiff wurde sehr beschädigt und Almonde sah sich genötigt, das Nahgefecht abzubrechen; Juel zog sich gegen 10 Uhr vorm. zurück, Almonde will diesen Rückzug gedeckt haben. Auch die Schweden drangen nicht auf Fortsetzung des Kampfes. Dies ist die Schilderung nach Almondes Bericht; wie häufig beschwert sich ein Verbündeter über den andern: Die dänische Überlieferung rühmt Niels Juel, daß er den überlegenen Angriff mit Erfolg abgewiesen habe, und erwähnt nichts von hervorragendem Auftreten der Holländer. Neuere holländische Quellen geben zu, daß der dänische Admiral den Befehl gehabt haben könne, gegen überlegene Kräfte und vor Tromps Eintreffen nichts einzusetzen. Hierüber sagt aber schon Almonde sehr richtig, dann hätte Juel schon am 4. das Gefecht vermeiden müssen; es muß dann auch auffallend erscheinen, daß der dänische Admiral solche Absicht dem holländischen nicht bekannt gegeben.
Die Schweden segelten nach dem Gefecht nördlich, die Verbündeten westlich. Zu diesen stieß am 7. bei FalsterboTromp, der auf die Nachricht von dem Gefecht sofort mit 4 schweren dänischen und 3 neuangekommenenholländischen Linienschiffen in See gegangen war. Tromp sucht jetzt mit der so verstärkten Flotte den Feind, sichtet ihn am 9. unter der schwedischen Küste und verfolgt ihn. In der Nacht aus Sicht gekommen, wird er am 10. mittags durch die Fregatten wiedergefunden, am 11. vormittags endlich erreicht und zwischen Bornholm und Öland bei günstigem Winde (Westnordwest) angegriffen.
In dieserSchlacht bei Ertholm(Christiansö)oder Ölandwurde nicht lange rangiert gefochten. Die Verbündeten griffen von Luward an; Tromp selbst („Christian V.“ 86 Kanonen) engagierte das schwedische Flottenflaggschiff „3 Kronen“ (120 Kanonen; 800 Mann, wohl mit das mächtigste Schiff damaliger Zeit). Dieses wollte nach Abgabe der ersten Breitseite wenden, um die andere Lage zu feuern; die Luvgeschütze wurden bei Bemannung der anderen Seite zu früh verlassen und nicht festgesetzt, sie gingen über und das Schiff lag zum Kentern; die brennenden Lunten fielen dabei zwischen aufgehäufte Kartuschen und das Schiff flog auf. Der Unfall rief Schrecken und Unordnung in der Flotte hervor, verschiedene Schiffe hielten ab. Der Vizeadmiral Ugla, einer der wenigen Seeleute in höheren Stellen, leistete mit einigen Schiffen kräftigen Widerstand, aber auch sein Schiff (86 Kanonen) flog in die Luft. Es hatte im Kampfe mit Tromp so schwer gelitten, daß es die Flagge strich. Als schon ein Boot unterwegs war, um es in Besitz zu nehmen, wurde es durch einen holländischen Brander ohne Befehl in Brand gesetzt (Tromp äußert sich empört über diesen Verstoß gegen Kriegsbrauch). Nun erfolgte regellose Flucht der Schweden; jedes Schiff trachtete nur danach, sich dem Kampfe zu entziehen und irgend einen Hafen zu erreichen; dabei wurden 2 Linienschiffe und 2 kleinere eingeholt und genommen. Die Verbündeten verfolgten 2 Tage, sie sahen 4 Schiffe an der Küste stranden; zwei davon gingen verloren, darunter das dritte Flaggschiff. Die Holländer und Dänen hatten keine nennenswerten Verluste und Beschädigungen.
Mit Verlust von 8 Linienschiffen, darunter die 3 Flaggschiffe der Geschwader, wurden die Schweden in voller Auflösung und schwer beschädigt in ihre Häfen gejagt; Tromp ging dann in die Kjögebucht, um weitere Befehle einzuholen. Der Sieg wurde auch sofort strategisch ausgenutzt. Die Schweden zeigten sich in diesem Jahre nicht mehr außerhalb der Häfen, und so konnte eine schon vorbereiteteLandung in Schonenausgeführt werden. Tromp ging mit einem Teil der Flotte nach Ystadt, warf 4000 Soldaten und Matrosen an Land und nahm die Stadt; dann landete der König selbst unter dem Schutz von 11 Kriegsschiffen auf 600 Fahrzeugen 16000 Mann zwischen Helsingborg und Landskrona und eroberte auch diese Städte sowie später Christianstadt leicht. Von See aus wurden durch die Flotte noch Karlshamn und Christianopolis genommen.
Zur Zeit der Landung in Schonen war auch Evertsen mit dem Rest der holländischen Hilfsflotte in Kopenhagen eingetroffen. Er war durch Mannschaftsmangel (häufig in Seeland; infolge des Freibeutereidienstes?) so lange aufgehalten, dann hatte er im Verein mit dem Geschwader für Schutz der Fischerei in der Nordsee vergeblich ein schwedisches Geschwader vor der Elbe und an der Küste Norwegens gesucht. Er übernahm nun den Oberbefehl über die Holländer; Almonde ging, wie uns bekannt, nach dem Mittelmeer, um hier den Oberbefehl zu führen.
Hiermit fanden für 1676 die wichtigen Ereignisse zur See ein Ende. Holländer und Dänen kreuzten noch bis zum Herbst an den pommerschen und schwedischen Küsten, dann gingen jene heim und diese legten auf. Estrat die übliche Winterruhe ein, die Holländer waren auch wohl der Ansicht, Schweden für ihre Zwecke vorläufig genügend geschwächt zu haben.
Im Landkriegewar jedoch das Glück den Dänen nicht beständig, ihr Fortschritt in Schonen kam zum Stehen. Ein Versuch, sich Gothenburgs und der dort liegenden Schiffe zu bemächtigen, schlug fehl; Christianopolis, Karlshamn und Helsingborg gingen wieder verloren.
see captionNiels Juel.
Niels Juel.
Im Jahre 1677betrieb Schweden eifrigst mit französischem Gelde die Rüstung seiner Flotte; Dänemark erbat und erhielt wiederum Unterstützung von Holland. Tromp war in Person zu diesem Zweck und um weitere Leute anzuwerben nach Holland gegangen; er selbst, seit Ruyters Tod zum Generalleutnantadmiral befördert, erhielt ein weiteres Jahr Urlaub. Das neue holländische Geschwader, mit Tromp und 1500 Matrosen für Dänemark an Bord, traf am 11. Juli bei Kronenburg ein.
Schon vorher hatteNiels Juelmit seinen Dänengroße Erfolgeerrungen. Er verlegte einem schwedischen Geschwader von 17 Segeln, worunter 8 Linienschiffe, das sich von Gothenburg durch den Belt nach Osten begeben und mit der Hauptflotte vereinigen wollte, auf der LinieWarnemünde—Gjedserden Weg (11. Juni) und nahm in zweistündigem Kampfe 5 Linienschiffe sowie 2 kleinere. Am 11. Juli erschien die Hauptflotte der Schweden — 37 Linienschiffe, 10 Fregatten, 2 Brander unterAdmiral Horn— bei Falsterbo und griff bei günstigem Winde die ihm in derKjögebuchtentgegentretenden Dänen — 25 Linienschiffe, 5 kleinere, 3 Brander unter Niels Juel — an. Der Angriff dieser überlegenen Macht wurde mit Tapferkeit ausgeführt, aber mit wenig Ordnung; es zeigte sich dann die größere Kriegsfertigkeit der Dänen. Juel hielt, obgleich man gerade besonders ihn angriff und er dreimal sein Flaggschiff wechseln mußte, stets die Ordnung aufrecht, gewann den Wind, schnitt einen Teil des Feindes ab und dublierte diesen. Die Schweden wurden vollständig geschlagen — mindestens 4 Linienschiffe wurden genommen, 4 vernichtet — und zogen sich größtenteils schwer beschädigt fluchtartig in ihre Häfen zurück. BastianszeScheppers, der mit seinen Holländern gerade den Sund heraufkam, erfuhr, daß 3 Schweden der geschlagenen Flotte auf dem Wege nachGothenburg inMalmöeingelaufen seien. Er teilte sein Geschwader, besetzte das Fahrwasser bei Kronenburg und bei den Drogden, der Rest suchte die genannten Schiffe. Man traf sie noch in Malmö an, nahm eins und vernichtete die andern durch Brander.
Dieser große Seesieg war von bedeutendem Nutzen für denLandkrieg. Auch 1677 war das dänische Heer nicht erfolgreich. Ein Versuch nach dem Siege bei Warnemünde, sich Malmös zu bemächtigen, mißlang, und am 24. Juli griffen die Schweden die Hauptstellung vor Landskrona an. Nach blutiger Schlacht, an der beide Könige teilnahmen, behaupteten sie das Schlachtfeld; die Dänen mußten sich auf die Stadt zurückziehen. Die völlige Niederlage der schwedischen Flotte erlaubte nun aber eine Diversion mit der eigenen; diese erhielt den Befehl, dieschwedische Küsteim Rücken der feindlichen Armee zu beunruhigen undzu brandschatzen, insbesondereKalmar anzugreifen.
Der Stoß wurde gegen die Küste von Smaland und gegen die Insel Öland geführt. Der größere Teil der dänischen Flotte unter Juel traf am 11. August in diesen Gewässern ein, die Holländer folgten erst später und ebenso Tromp mit dem Rest der Dänen. (Der Grund der Verzögerung lag wohl in Reibungen, die gerade nach dem Erfolge der Dänen entstanden zu sein scheinen: Scheppers wollte nicht unter dänischem Oberbefehl stehen und Tromp begann zu fühlen, daß man ihm nicht mehr die bisherige Hochachtung zollte.) Nun begann ein barbarisches Werk der Zerstörung, das man nur mit dem alten Haß zwischen den Dänen und Schweden erklären und in etwas damit entschuldigen kann, daß auch auf den genommenen schwedischen Schiffen die Order vorgefunden war, „im Falle des Sieges die dänischen Lande mit Feuer und Schwert zu verwüsten.“
Die dänische Flotte hatte schon vor Tromps Ankunft verschiedene Dörfer, Schlösser und die kleine Stadt Münsteräs an der Küste Smalands verbrannt. Nun versuchten die Dänen von Norden, die Holländer von Süden in den Kalmarsund vorzudringen, um die dort liegenden Kriegsschiffe (etwa 12) zu zerstören; es war jedoch nicht möglich, weil die Schweden im Fahrwasser die Seezeichen entfernt und Schiffe versenkt hatten. Auch ein Versuch, durch eine Landung von 2000 Mann sich der Stadt Kalmar zu bemächtigen, schlug fehl, man konnte nur die Vorstadt verbrennen und die Umgegend verwüsten. Endlich wurde (28. August) im Norden und Süden auf Öland gelandet; ein Festsetzen, um von hier aus gegen Kalmar vorzugehen, war jedoch wieder nicht möglich, da man die Feste der Insel nicht zu nehmen vermochte. So verbrannte man sämtliche Häuser auf der Insel, die Kirchen ausgenommen, trieb alles Vieh, an 2000 Kühe und Schafe, weg und schiffte sich wieder ein.
Nach Verwüstung der Umgegend Kalmars und der Insel Öland wurde Tromp mit einem Teil der dänischen Flotte und der gesamten holländischen nach Kopenhagen zurückgerufen (Anfang September);Niels Juelverblieb an der Küste Smalands. Er brandschatzte hier weiter in der Nähe Westerviks, erzwang sich am 11. September mit kleineren Kriegsschiffen Eingang in den befestigten Hafen und verbrannte den Ort sowie die dort liegenden Kriegs- und Kauffahrteischiffe; dann lag er bis zum Winter zur Beobachtung des Feindes bei Gothland.
Damit enden in diesem Kriege die wichtigeren Unternehmungen zur See, die von seiten Dänemarks und Hollands gegen Schweden unmittelbar gerichtet waren. Die schwedische Flotte verließ1678ihre Häfen nicht.Sie hatte genug mit der Ausbesserung der wenigen noch kampffähigen Schiffe zu tun; die Nation hatte das Vertrauen auf ihre Marine verloren, es war nicht möglich, brauchbaren Personalersatz zu erhalten. Auch als sie sich 1679 wieder zeigen wollte, wurde sie von Juel im Schach gehalten.Dänemark beherrschtebis zum Schluß des Kriegesdie Ostsee, so daß Schweden auch nicht imstande war, nach Pommern die so nötige Unterstützung zu senden.
Der Krieg In Pommerndagegen bringt in den Jahren 1677 und 1678 noch einige erwähnenswerte Ereignisse. Die im September1677von Smaland zurückgezogenen dänisch-holländischen Seestreitkräfte wurden bestimmt,Rügen zu erobern. Sie erschienen unter dem König undTrompam 17. September 1677 zwischen Wittow und Jasmund und landeten 4000 Mann; nur etwas Kavallerie, bald durch das Feuer der Schiffe vertrieben, versuchte vergeblich die Landung zu hindern. Verstärkungen trafen von Dänemark und auch vom Großen Kurfürsten ein — dieser belagerte seit Juli Stettin, Tromp stellte sich ihm Ende September dort vor — und so wurde die Insel leicht erobert; die Schweden unter GrafKönigsmarkmußten sich auf Stralsund zurückziehen. Von hier aus aber eroberten sie Ende 1677 die Insel wieder, wobei die dänischen Truppen fast sämtlich gefangen genommen wurden. Die dänischen Schiffe kreuzten im übrigen bis zum Winter vor der pommerschen Küste; die Holländer gingen im Herbst, wiederum einen großen Convoi geleitend, heim.
Die kleinenbrandenburgischen Flottillenfanden 1676 und 1677 Verwendung zur Blockade der Häfen von Stralsund, Greifswald und Stettin. Im Juni 1676 hatten sie das Glück, eine schwedische Fregatte und einen Brander zu nehmen, die nach einem der Gefechte von ihrer Flotte abgekommen waren; diese wurden als die ersten „kurfürstlichen“ Schiffe in Dienst gestellt.
Für das Jahr 1678 gelang es Dänemark nicht, die Unterstützung durch eine holländische Flotte zu erhalten, nur neue Werbungen in den Niederlanden wurden gestattet; Holland stand schon in Friedensunterhandlungen mit Frankreich. Infolgedessen setzte nun die nationale Partei der dänischen Marine die Abdankung Tromps durch. Dieser war über den Undank sehr empört, trotzdem bewog er den größten Teil der holländischen Offiziere und Mannschaften, die in dänischem Dienste standen, zu bleiben; über die Entlassung ihres Admirals gleichfalls entrüstet, hatten auch sie den Abschied verlangt; es war fast zu Meuterei gekommen. Nach Holland zurückgekehrt, tratTrompnicht mehr auf, er zog sich bald ins Privatleben zurück. 1691 wurde er zwar als Oberbefehlshaber der vereinigten englisch-holländischen Flotte in Aussicht genommen, er war jedoch krank und starb am 29. Mai dieses Jahres. Vor dem Verlassen der Ostsee sollte er aber das letzte größere Unternehmen zur See hier noch mitmachen.
Im Januar1678war Stettin nach langer Belagerung gefallen, die Schweden verloren immer mehr Boden in Pommern und die Verbündeten plantenaufs neue die Eroberung Rügens; derGroße Kurfürsthatte hierzu Tromp zu sich berufen.
Zu dieser Expedition hatte der Kurfürst in Peenemünde 350 Fahrzeuge für den Transport von 4000 Mann unterDerfflingergesammelt; die Flottille — 7 Segel[401]mit 107 Kanonen — sollte Überfahrt und Landung decken. Tromp befand sich als Kriegsfreiwilliger an Bord des Flaggschiffes, Dänemark stellte ein kleineres Geschwader — 7 Linienschiffe und einige kleinere — unter Niels Juel. Am 22. September wurde aufgebrochen, jedoch segelten die Dänen (schon am 21.?!) nach Wittow, der Kurfürst nach Palmerort. Er wollte hier einen Scheinangriff machen, die Truppen aber bei Putbus landen. Die Landung konnte an diesem Tage nicht ausgeführt werden; Flaute zwang zum Ankern und hielt sogar die Flottille eine Zeitlang im Feuer von am Lande aufgefahrenen Geschützen fest, doch taten diese kaum Schaden. Den Dänen dagegen war es am 22. gelungen, ohne wesentlichen Widerstand auf Wittow Fuß zu fassen und Juel meldete dies in Person am 23. dem Kurfürsten. Hierauf ging auch dieser mit seiner ganzen Macht dorthin, die Kriegsschiffe wurden zeitweise wegen neuer Flaute durch Boote getaut. Dann wurde die Landung ausgeführt, obgleich die Schweden Kavallerie bereit hielten und auch Geschütze auffuhren: Die Boote und kleinen Fahrzeuge gingen in bester Ordnung — wo nötig mit Weiterstaken — so nah wie angängig heran, die Truppen wateten oder schwammen an Land und formierten sich schnell; alles ohne Verlust, weil die Schweden keinen ernstlichen Widerstand leisteten, auch Kavallerie kam bald an Land. Der Feind wich und räumte schon am 24. die Insel, nachdem er in einem kurzen aber heftigen Gefechte um die Stellung, die den Übergang nach Stralsund deckte, geschlagen war.
Nach der Eroberung Rügens wurde der Dänholm genommen; nunkapitulierteEnde OktoberStralsund, von der Land- und Wasserseite eingeschlossen, und im November nach zweistündiger Beschießung mit glühenden Kugeln auchGreifswald; ganz Schwedisch-Pommern war erobert. 1679 ward nur noch in Ostpreußen gefochten — Friedrich Wilhelms Zug über das Kurische Haff.
Schweden büßte in diesem Kriege schwer die Vernachlässigung seiner Marine.Wäre seine an Material so mächtige Flotte schlagfertig gewesen, so dürfte den Gegnern der Krieg in Pommern weit schwerer geworden sein und an Stelle eines dänischen Einfalls in Schonen hätte die Geschichte vielleicht einen schwedischen in Seeland gesehen. Die innerlich tüchtigere und besser geführte dänische Flotte, noch während des Krieges weiter gepflegt, führte schließlich den Sieg ihres Staates trotz der eigentlich nur geringen Erfolge des Landheeres herbei.
Es ist bereits erwähnt, daß in denFrieden von Fontainebleau(oder Lund, September 1679) undSt. Germain(Juni 1679) sowohl Dänemark wie Brandenburg ihre Eroberungen zurückgeben mußten; von den übrigen Verbündeten — Holland; Kaiser; Reich — verlassen, hatten sie sich den Forderungen Ludwigs XIV. zu fügen.
Es sei an dieser Stelle noch dieweitere Geschichte der brandenburgischen Marine[222]kurz geschildert, wenn sie auch an keinem Seekriege mehr teilnimmt.
Da im Frieden von St. Germain Stettin und Stralsund an Schweden zurückfielen, blieben dem Großen Kurfürsten nur Pillau und Königsberg zu Hafen- und Werftanlagen für handelspolitische und kriegsmaritime Zwecke; hier wurden dann auch Warenhäuser und Arsenale errichtet; 1682 gründete Friedrich Wilhelm eine afrikanische Handelsgesellschaft.[402]Um auch einen Hafen an der Nordsee zu haben, legte er 1683 Besatzungen nach Emden und Gretsiel; er benutzte dazu Zwistigkeiten zwischen den Fürsten und den Ständen von Ostfriesland und folgte einem Wunsche der letztgenannten. Emden wurde nun der Sitz der Kompagnie, die Ostfriesen erhielten dafür das Recht, unter dem Schutz der brandenburgischen Flagge zu fahren.
1684 wurde die bisher gemeinschaftliche Verwaltung der eigentlichen Kriegsmarine und der Handelskompagnie getrennt; die Marine zählte dann bald 10 Segel: 2 zu 50 Kanonen; 1 zu 40; 1 zu 36; 1 zu 20; 1 zu 40; 1 zu 10; 2 zu 6 Kanonen. Der größte Teil dieses Bestandes gehörte zur Station der Nordsee; der höchste Bestand war 1688 erreicht: 35 Schiffe mit 210 Kanonen und 40 Fahrzeuge mit 80 Kanonen. Nach dem Tode des Großen Kurfürsten 1688 ging die Marine schnell zurück, da Friedrich III. keinen Wert auf Entwicklung des Seehandels legte; die Hauptstütze ihres Gründers, Raule, starb 1707; als 1708 noch Soldaten nach Afrika gesandt wurden, mußten sie unter holländischer Flagge fahren. Friedrich Wilhelm I. sah sich genötigt, den Schutz des Seehandels ganz aufzugeben und die Kolonien an Holland abzutreten; damit verschwindet die brandenburgisch-preußische Marine bis zu einem schwachen Versuch 1756.
Von der Verwendung der brandenburgischen Marine nach dem Frieden sei noch folgendes erwähnt: 1680 kreuzte ein Geschwader — 5 Schiffe zu 16–40 Kanonen; 1 Brander; 515 Matrosen, meist Holländer; 180 Soldaten — gegen Spanien im Kanal, um auf diese Weise die nicht gezahlten Subsidien für den letzten Krieg einzutreiben, und nahm ein Schiff zu 50 Kanonen; später segelte das Geschwader nach Westindien und brachte verschiedene Kauffahrer auf. 1682 gingen 2 Fregatten nach der Westküste Afrikas und gründeten dort die Niederlassung Groß-Friedrichsburg (am Kap der drei Spitzen), andere Faktoreien folgten hier. Versuche, auch in Westindien Fuß zu fassen — auf St. Thomas wurde eine Faktorei angelegt —, scheiterten an der Eifersucht Hollands und Frankreichs.
Wir wissen, daß jedesmal nach größeren Kriegen an die westeuropäischen Marinen die Aufgabe herantrat, kräftiger gegen die Raubstaaten Afrikas vorzugehen; wenn man sich während der Kriege mit der notwendigsten Sicherung der Kauffahrer gegen Seeraub begnügen mußte, nahm dieses Räuberunwesen stets zu.
Von 1675 an hieltendie Engländer[223]ein stärkeres Geschwader an der Nordküste Afrikas, unter dessen Druck Verhandlungen mit Algier, Tunis und Tripolis geführt wurden. Blockade der Häfen, Wegnahme einzelner Schiffe, Gefechte mit Seeräubergeschwadern, auch Bedrohung oder gar Bombardement der Hauptstädte (z. B. 1677 der Stadt Tripolis durch Admiral Narbrough) führten dann zur Befriedigung der englischen Forderungen: Rückgabe von Gefangenen, Zahlung von Entschädigungen, Abschluß vonVerträgen; doch wurden seitens der Barbaresken stets die Verträge gebrochen und die Raubzüge wieder aufgenommen. Im Jahre 1681 hören diese größeren Unternehmungen auf, wohl weil die Franzosen von jetzt an sehr energisch vorgingen.
Das englische Geschwader wirkte auch mit zur Verteidigung vonTanger, welche Besitzung öfters von Marokko angegriffen wurde. 1683 räumte England Tanger, weil die Kosten der Erhaltung und Verteidigung seinem Werte nicht zu entsprechen schienen. Man gab es auch nicht an Portugal, den früheren Besitzer, zurück, sondern schleifte die Hauptwerke; die Mauren befestigten es aber sofort wieder. Dieses Aufgeben eines strategisch wichtigen Punktes ist selten in der englischen Marinepolitik und wurde auch später bedauert; selbst wenn die Stellung wenigstens von den Portugiesen gehalten wäre, würde es von Nutzen gewesen sein, da diese vom nächsten Jahrhundert an ganz von England abhängig wurden.
Unwesentlicher waren dieOperationen der Holländer.[224]In den ersten Jahren nach dem Frieden 1678 mußte man sich wegen Geldmangels und Schulden der Admiralitäten wie während des Krieges auf den allernotwendigsten Schutz der Kauffahrer beschränken. Von 1686 an wurden zwar größere Geschwader entsendet; erwähnenswerte Ereignisse fanden jedoch auch dann nicht statt.
Weit bedeutender aber sind dieUnternehmungen der Franzosen.[225]Sie sind besonders bemerkenswert, da bei ihnen zum ersten Male im Seekriege die „Bombe“ eine wichtige Rolle spielt; ferner zeigen gerade sie, mit welcher Hartnäckigkeit und auch Kraft die Barbaresken auftraten, wie schwer es den europäischen Mächten wurde, diese niederzuhalten.
Auch die Franzosen hielten seit dem Frieden 1678 Geschwader an der afrikanischen Küste, die ihre Fahrten zum Schutz des Handels bis zur Levante ausdehnten. So zerstörtedu Quesne1681 im Hafen vonChioseine Anzahl Schiffe von Tripolis, ohne sich um die Türken zu kümmern; die türkischen Batterien, die eingriffen, wurden zum Schweigen gebracht. Zwar entstand darob großer Zorn in Konstantinopel, aber der Sultan, mit Österreich im Kampfe, wünschte keine Zerwürfnisse mit Frankreich; du Quesne drückte sogar mit seiner Flotte weiter darauf, daß der Sultan Tripolis zum Frieden bewöge. Auch die Freibeuter des Kanals, jetzt unbeschäftigt, wurden gegen die Barbaresken verwendet;Jean Bart, schon seit 1679 in der königlichen Marine angestellt, tat hier 1681 den ersten Dienst als Führer kleiner Geschwader solcher Schiffe, die teils von Unternehmern, teils von der Krone unterhalten wurden. Die Erfolge waren aber wie bei den Engländern immer nur von kurzer Dauer; besonders Algier war schwer zu bändigen, der Dey erklärte sogar im Oktober 1681 förmlich den Krieg an Frankreich.
Man erwog nun den Plan zu einem großen Schlage gegen die Stadt Algier; der später an du Quesne gegebene Befehl lautete: „Diese anzuzünden und von Grund aus zu zerstören.“ Gut befestigt wie die Stadt war, glaubte man nicht, ihn mit der Flotte allein ausführen zu können, und faßte schon einen größeren Einfall in das Land ins Auge, um sie dann regelrecht zu belagern. Um diese Zeit aber hatte ein junger Edelmann,Renau d'Eliçagarey, der sich mit Schiffbaufragen beschäftigte, einen Plan für verbesserte Mörserboote vorgelegt.
Wir haben gehört (Seite173), daß man um diese Zeit wohl schon in allen Marinen Mörserboote kannte. Sie waren aber nicht genügend segel- und seefähig, um Flotten auf weite Entfernungen begleiten zu können, auch erlaubten Lafettierung und Aufstellung bei schwereren Mörsern wegen des Rückstoßes keine hohen Elevationen. In diesen Hinsichten machte Renau nun Verbesserungen, besonders durch die Konstruktion einer schrägen (um 45° geneigten) und gut federnden Bettung. Die Boote waren etwa 23 m lang und 8 m breit, hatten etwas vor der Mitte zwei Bettungen für je einen Mörser mit der Feuerrichtung nach vorn; sie führten daneben 4 leichte Kanonen und waren mit einer Takelage versehen, die im Gefecht (vor Anker) teilweise niedergelegt werden konnte. Nach den ersten Erfahrungen 1682 wurden sie verbessert; so erhielten sie eine Brustwehr von Netzen mit altem Tauwerk gefüllt, wie man später auf den Schiffen die Hängematten und Kleidersäcke als Schutz verwandte, das Ankergeschirr wurde sehr vermehrt, um die Boote gut festlegen zu können. (Jal: „du Quesne“, Teil II, Seite 414 ff.)
Fünf solcherGaliotes à bombes à la Renauwurden 1681/82 in Havre und Dünkirchen gebaut; sie bewährten sich bei den Proben. Man beschloß nun, zu versuchen, mit ihnen Algier durch ein großes Bombardement niederzuzwingen oder zu vernichten, und zog sie 1682 ins Mittelmeer. Wir werden sehen, daß auch ihr Erfolg den Erwartungen nicht völlig entsprach: Geschütze und Munition waren noch zu unvollkommen; immerhin ist es die erste große Verwendung von Sprenggeschossen im Seekriege. Ehe wir zur Besprechung der verschiedenen Unternehmungen gegen Algier (und auch gegen Tunis und Tripolis) schreiten, sei dietaktische Verwendung dieser Mörserbootegeschildert, wie sie du Quesne 1682 und 1683 anordnete.
Ich wähle zu dieser Schilderung die Anordnung des Bombardements im Jahre 1683, da diese nach den Erfahrungen des Vorjahres sehr verbessert war (Plan vergl. Seite405).
Die Mörserboote (1683 waren es 7) sollten ein konzentrisches Feuer auf die Befestigung der Mole (150 Kanonen?), auf die dahinter liegenden Schiffe und auf die Stadt selbst richten: die Beschießung sollte nur während der Nächte vor sich gehen, tagsüber wollte man die Boote dem feindlichen Feuer entzogen halten. Auf die Liegeplätze der Galioten — etwa 1100 m von der Mole — wurden durch Schiffsboote schwere Anker gelegt und von diesen Leinen — mehrere aufeinandergesteckt — zu 7 Linienschiffen geführt, die radial hinter der Galiotenposition, außerhalb Schußweite der Befestigungen, verankert waren. Mit diesen Leinen, über ihr Deck genommen, verholten sich die Fahrzeuge; sie waren somit imstande, ohne fremde Hilfe leicht und sicher erst kurz vor dem Gefecht ihre Posten einzunehmen und sich nach Schluß in den Schutz eines starken Schiffes zurückzuziehen; auch konnten sie während des Kampfes ihre Lage ändern, falls das feindliche Feuer es wünschenswert machte. Zur Sicherung gegen einen Angriff mit Booten oder Galeren wurden jeder Galiote 2 armierte Schiffsboote oder schwere Schaluppen, die zu diesem Zweck besonders mitgenommen waren, zugeteilt.
Die ganze Stellung ward noch dadurch verstärkt und bewacht, daß auf jedem Flügel ein Linienschiff ankerte; auch für diese waren Anker ausgelegt und auch sie lagen nur nachts dort. Vor den Linienschiffen endlich lagen Boote auf Vorposten, und zwischen den Galioten und der Mole gingen 4 schwere Schaluppen vor, die mit Geschützen für Brandgeschosse armiert waren.
see captionBombardement von Algier, 1683.
Bombardement von Algier, 1683.
Am 23. Juli1682trafdu Quesnezumersten AngriffvorAlgierein; mit den Schiffen, die bereits die Stadt blockierten, zählte seine Flotte 11 Linienschiffe, 2 Brander, 5 Mörserboote und 15 Galeren. Durch Erkundungen und ungünstiges Wetter hingehalten, konnte er erst am 13. August zum Angriff übergehen. Dieser war folgendermaßen angesetzt: Zwei Gruppen — je 2 Linienschiffe im Schlepp von Galeren — sollten die detachierten Forts im Norden und Süden der Stadt beschäftigen, die übrigen Linienschiffe mit den Galioten, diese zu beiden Seiten des Admirals, sollten von Galeren auf Ankerplätze in Front der Mole geschleppt werden; als aber eben die ersten Schiffe zu Anker gehen wollten, mußte das ganze Unternehmen aufgegeben werden, da plötzlich sehr starker ablandiger Wind aufkam. Am 15. meldete der Chef der Galeren, auf seinen Fahrzeugen ginge das Wasser zu Ende. Du Quesne, der diese Art Schiffe überhaupt wegen mangelnder Seefähigkeit, häufigen Mangels an Wasser und Proviant für hemmender als nützlich bei einer Flotte hielt, sandte sie nach Frankreich zurück und entschied sich nun für eine Verwendung der Mörserboote, wie sie oben beschrieben ist.
Am 18. August wurden 5 Anker ausgelegt, am 20. abends nahmen die Galioten zum ersten Male ihre Position ein und eröffneten das Feuer. Die Beschießung dauerte bis zum 12. September, allerdings öfters unterbrochen. Anfangs mußten die Anker umgelegt werden, sie lagen einander zu nahe und zu weit von der Stadt; mehrfach traten Wetterverhältnisse hindernd auf, einmal mußte ein nächtlicher Bootsangriff abgeschlagen werden; auch Verhandlungen mit dem Dey wurden dazwischen geführt. Immerhin wurden einige hundert Bomben geworfen, aber der Erfolg war nicht bedeutend. Viele Geschosse erreichten das Ziel nicht, einige krepierten nicht und eine nicht geringe Zahl krepierte bald nach dem Verlassen des Rohres. Eins setzte sogar sein Boot in Brand; dieses wurde nur durch die Kaltblütigkeit des Kommandanten gerettet, während der größte Teil der Besatzung über Bord sprang.Am 13. September verließ du Quesne der vorgerückten Jahreszeit wegen, besonders mit Rücksicht auf die Mörserboote, Algier. Auch mit den Verhandlungen hatte er nichts erreicht, doch ließ er einige Schiffe zur Blockade zurück.
Auf Befehl des Königs berichtetedu Quesnejetzt, welche Kräfte er für einenzweiten Angriff 1683für notwendig erachte.
Jalgibt im „Abraham du Quesne“ einen ziemlich genauen Auszug aus dieser Denkschrift; sie ist bemerkenswert, weil man daraus die Umsicht des erfahrenen Admirals ersehen kann. Er verlangte, kurz gefaßt, folgendes: 15 Linienschiffe, 2 Fregatten, 2 Brander außer den Mörserbooten; einen Stützpunkt auf den Balearen als ständigen Sammelplatz und hier: 3 Schiffe mit Proviant usw., ein Zeltlager für Kranke, Vorrat an frischem Proviant, Ausbesserungsgegenstände; ein Lazarettschiff zum Verkehr der Flotte mit dem Stützpunkte; nur etwa 6 Galeren für Polizei- und Wachdienst, dafür aber 6 schwere Schaluppen — gleich geeignet zum Rudern und Segeln — zum Bugsieren der Galioten und zu ihrer Verteidigung; bessere Munition für die Mörser, reichlicheres Ankergeschirr für die Fahrzeuge behufs sicheren Festlegens; 5 mit Steinen gefüllte Schiffe, um die Einfahrt zu sperren (mit der Absicht, den Hafen unbrauchbar zu machen, selbst wenn die Vernichtung der Stadt geglückt wäre); diese sollten auch mit Sprengstoffen gefüllt sein, um die Hafensperre und die Befestigungen auf der Mole zu zerstören. Auch ersuchte er, nicht zu viel Gardes de la marine (Offiziersaspiranten) und keine Kriegsfreiwilligen einzuschiffen, „diese nähmen nur Platz fort und brauchten zu viel Erfrischungen und Wasser, weil sie so oft seekrank wären.“
Er erhielt nahezu alles, was er verlangt hatte. An Mörserbooten waren jetzt 7 vorhanden; die Senkschiffe fehlten — es sind 2 vorbereitet, doch werden sie später nicht mehr erwähnt —, dagegen erhielt er 2 „Kupferminen“ — sehr schwere Gefäße mit Pulver, Projektilen und Feuerwerkskörpern gefüllt, sonst Konstruktion unbekannt —, die in Fahrzeugen gegen die Hafensperre herangeführt werden sollten. Auch 16 Galeren stießen zur Flotte; sie waren jedoch bei Beginn der Operationen noch nicht zur Stelle, wurden später wiederum zur Auffüllung von Wasser und Proviant zurückgesandt und kamen nicht wieder (Grund: zu vorgerückte Jahreszeit oder die bekannte Spannung zwischen der Galeren- und Hochseeflotte). Der Stützpunkt auf den Balearen scheint nicht eingerichtet zu sein. Trotz des Admirals Bitte wurden aber mehrere überzählige Kapitäne und eine große Zahl Gardes de la marine zur Belehrung auf die Flotte kommandiert und zwar besonders an Bord der Schiffe, auf die sich die Mörserboote stützen sollten. Legendenhaft — auch nach Jal — ist endlich die Mitgabe von 2 „großen Bomben“; mitgegeben sind sie, aber es ist nicht zu sagen zu welchem Zweck; ein besonderer Mörser war nicht vorhanden, vielleicht war ihre Verwendung ähnlich gedacht wie die der Kupferminen, oder es sind diese.
Die Ausrüstung der neuen Flotte wurde mit Eifer betrieben; der Sekretär des Marineministeriums,de Seignelay(Sohn Colberts), erschien selbst in Toulon, aber infolge von Verzögerungen und widrigen Winden trafdu Quesneerst am 18. Juni 1683 vor Algier ein.
Am 23. waren unterTourvillesLeitung alle Vorbereitungen für die Bombardementsstellung getroffen, jetzt genau in der Seite404beschriebenen Weise; starker ablandiger Wind und Seegang hinderten jedoch bis zum 26. abends das Vorschicken der Mörserboote. Dann wurden, wieder unter Tourvilles Leitung, in dieser und der nächsten Nacht 200 Bomben geworfen. Der Feind antwortete lebhaft aber mit wenig Erfolg, die Franzosen dagegen hatten bessere Ergebnisse als im Vorjahre; die Munition war besser, nuretwa 25 Bomben krepierten zu früh, und die Elevation war richtiger bemessen. Obgleich am 28. früh Wind und See so zunahmen, daß verschiedene Mörserboote vertrieben und beim Verlassen der Stellung mehrere der Verholleinen brachen, sandte der Feind doch Parlamentäre. Du Quesne weigerte sich, auf Verhandlungen einzugehen, ehe nicht sämtliche Sklaven französischer Nation freigelassen seien, worauf während der nächsten Tage gegen 600 auf der Flotte abgeliefert wurden; die Verhandlungen zogen sich aber trotzdem hin. Nach den mitgegebenen und weiter eingehenden Instruktionen sollte der Admiral nicht nur die Herausgabe der Sklaven und die Zahlung von einer Million Franken für französischen Untertanen zugefügten Schaden verlangen, sondern auch, daß der Dey demütig Abbitte tue für die Unverschämtheit (insolence), überhaupt gegen den König Krieg geführt zu haben; endlich war du Quesne streng untersagt, die Auslieferung mohammedanischer Sklaven auf französischen Galeren zu versprechen. Gerade dieser letzte Punkt scheint die herrschenden Elemente in Algier, die Janitscharen, empört zu haben; am 23. Juli brach eine Militärrevolution aus, der Dey wurde ermordet und der Führer der Empörung brach die Verhandlungen ab.
Nach einigen Tagen vergeblichen Wartens eröffnete du Quesne die Beschießung von neuem. Der Kampf wurde jetzt von den Barbaresken auf das energischste und grausamste geführt: das Feuer wurde noch heftiger und nun auch mit mehr Erfolg erwidert; ein nächtlicher Ausfall wurde gemacht und hierbei ein Wachtboot genommen; französische Sklaven und Gefangene, darunter der Konsul, wurden vor die Mündungen der Kanonen gebunden. Bis zum 18. August warfen die Franzosen über 1000 Bomben — dann wurde die Munition knapp —, die Stadt lag halb in Trümmern, aber sie ergab sich nicht. Da auch die Batterien noch nicht zum Schweigen gebracht waren, hielt du Quesne eine Forcierung des Hafens nicht für ratsam.
Für ein Forcieren war der Admiral nie gewesen, wenn nicht die Befestigungen vorher niedergekämpft seien. Ludwig XIV. war empört, daß die Stadt nicht schneller bezwungen wurde; er machte (Ende Juli) du Quesne die schwersten Vorwürfe und schrieb dabei: er müsse annehmen, daß dieser nicht forcieren wolle, weil er stets dagegen gewesen; er beföhle es nunmehr. Wenige Tage später schrieb de Seignelay, im Namen des Königs, etwas milder, wies aber auch auf gewaltsamen Angriff hin und sandte gleichzeitig an Tourville unmittelbar den Befehl, einen solchen auszuführen: mit Hilfe der beiden Minen die Hafensperre (Kette und Pfahlwerk) zu sprengen, die Schiffe im Hafen und die Stadt anzuzünden; Galeren und Schiffsboote seien ihm dazu unterstellt. Es unterliegt keinem Zweifel, daß Tourville — jetzt auch Generalleutnant und Zweiter im Kommando —, der sich hier sonst sehr auszeichnete, gegen du Quesne intriguierte. In Briefen an den Marinestaatssekretär und an den Hof warf er dem Oberbefehlshaber Fehler und Lauheit (z. B. die lange Pause) beim Bombardement vor, auch erklärte er, daß ein Forcieren wohl möglich sei. Das erste war ungerecht, du Quesnes Aufgabe war gewesen, einen Frieden herbeizuführen, und er stand ja in Unterhandlungen; das letzte war mindestens fraglich. Ein gewaltsamer Angriff würde jedenfalls viel französisches Blut gekostet haben, so betrug der Verlust in der Hauptzeit der Beschießung, nämlich bis zum 29. Juli, nur 20 Tote und 78 Verwundete; darunter allerdings 13 Offiziere der Mörserboote und Schaluppen.
Auch nach Eingang dieser ausdrücklichen Befehle geschah nichts. Du Quesne war beleidigt, und die Forcierung ging ihn nach der Order an Tourville nichts mehr an. Tourville selbst erklärte jetzt aber auch die Sache für nicht ausführbar: Es fehlten die Galeren (die, wie wir wissen, nicht wiedergekommen waren); die Minen seien unbrauchbar, da nach Aussage der damit vertrauten Offiziere keine Fahrzeuge für deren Verwendung vorbereitet seien. Hiermit wurde ein neuer Vorwurf gegen du Quesne verbunden: Diese Offiziere hätten ausgesagt, der Admiral habe trotz ihrer Vorstellung die Herrichtung geeigneter Fahrzeuge in Toulon nicht abwarten wollen.
Im September erhielt du Quesne Befehl, beim Eintritt der ungünstigen Jahreszeit die Belagerung aufzugeben; Anfang Oktober ging er deshalb nach Toulon, Tourville mit 7 der bestsegelnden Linienschiffe zur Blockade zurücklassend. So endete auch dieser Angriff ohne Erfolg; Algier unterwarf sich den Friedensbedingungen erst infolge der beständigen Blockaden im Frühjahr 1684. Die Machthaber der Stadt sollen stets gesagt haben, ein Bombardement schade ihnen nichts, die Stadt sei reich genug und mache so gute Beute, daß sie sich nach einer Beschießung besser als vorher wieder aufbauen könne; auch gab Ludwig etwas nach, da er gerade andere Pläne im Mittelmeer hatte (Angriff auf Genua 1684).Die weiteren französischen Operationen gegen die Barbareskenseien hier noch kurz geschildert.
Tourville hatte im Frühjahr 1684 einen hundertjährigen (!) Frieden mit dem Dey geschlossen, aber schon1685nahmen die Räubereien, zuerst vonTunisundTripolisaus, wieder überhand. Im Juni dieses Jahres erschien deshalb d'Estréesmit einem Geschwader vor beiden Städten und zwang sie durch Beschießung zur Zahlung großer Entschädigungssummen.1688griff er auchAlgieran; vom 1.–14. Juli wurden aus 10 Mörserbooten gegen 10000 Bomben geworfen. Da sich aber die Boote in schlechtem Zustande befanden und auch sonst die Beschießung weniger sorgfältig vorbereitet war, erreichte man noch weniger als früher du Quesne. Die Stadt weigerte sich zu unterhandeln und gab erst im nächsten Jahre aus anderen Gründen nach.
Diese Züge kommandierte d'Estrées, obgleich er Vizeadmiral des Atlantik war, da sich du Quesne 1684 vor Genua mit de Seignelay überworfen hatte. De Seignelay hatte sich hier zu sehr in die Befehlsbefugnisse du Quesnes gemengt, so daß dieser zeitweise seine Kajüte nicht verließ. Der Staatssekretär hatte nach den leichten Erfolgen 1685 an d'Estrées geschrieben, wenn er 1682 und 1683 kommandiert hätte, würde die Sache wohl besser verlaufen sein; der Mißerfolg des Jahres 1688 war also eine große Genugtuung für du Quesne.
1684 griff Ludwig XIV. Genua an.Die Stadt hielt zu Österreich und Spanien, baute um diese Zeit Galeren für letztgenannten Staat und hatte auch Kriegsmaterial an die Barbaresken verkauft. Ludwig verbot die Lieferung der Galeren unter Androhung schwerster Züchtigung. Genua lehnte ab, stand aber ohne jede Unterstützung da, als Spanien 1684 (Regensburg) mit Frankreich einen Waffenstillstand abgeschlossen hatte.
Nun wurdedu Quesnemit einer Flotte — 13 Linienschiffe, 2 Brander, 20 Galeren, 10 Mörserboote — gegen die Stadt gesandt;de Seignelayschiffte sich selbst mit ein. Die Flotte erschien am 17. Mai vor Genua und begann am 18. die Beschießung, nachdem die harten und demütigendenFriedensbedingungen abgelehnt waren; die Stellung der Mörserboote war dieselbe wie vor Algier. Vom 18.–22. und am 24. warf man 4000 Bomben; am letzten Tage wurde eine Scheinlandung im Osten, eine ernsthafte (2500 Mann) im Westen der Stadt unternommen und die Vorstadt San Pier d'Arena verbrannt. Die Stadt hatte durch das Bombardement schwer gelitten, doch waren die Franzosen nicht imstande, sie einzunehmen. Infolge Androhung einer neuen Beschießung unterwarf sich Genua aber doch 1685 den durch Vermittlung des Papstes etwas gemilderten Friedensbedingungen: man lieferte die streitigen Galeren an Frankreich aus und der Doge mußte mit einer Abordnung der edelsten Geschlechter in Paris um Verzeihung bitten.
Es war dies die letzte größere Tätigkeitdu Quesnes; er zog sich bald ins Privatleben zurück und starb 1688. Als Höchstkommandierender im Mittelmeer folgte ihm Tourville, der sich auch vor Genua wieder ausgezeichnet hatte. Dieser wurde 1689 zum Vizeadmiral der Levante ernannt, welchen Dienstgrad du Quesne wegen seiner Religion nie erlangt hatte.
Einvenetianisch-türkischer Krieg 1684–1699soll im Kapitel X besprochen werden (vergl. Seite297).