Zu Anfang war die Entwicklung wenig gedeihlich; der Wettbewerb der Holländer in Bantam und Surat, Angriffe der Mahratten auf diesen Platz, Streitigkeiten mit den einheimischen Behörden in Hugly, Kämpfe der indischen Fürsten untereinander in Madras lähmten den Handel. Von 1663–1671 sind nur insgesamt 6 Schiffe von England hinausgesandt. Dann kam ein Aufschwung; 1668–1671 liefen 40, 1679–1682 46 Schiffe aus. 1677 besaß die Kompagnie 30–35 Fahrzeuge von 300–600 tons; etwa die Hälfte mit 40–50 Kanonen. Großen Gewinn machte die Kompagnie jedoch nicht: die Kriege, der Bau der Befestigungen, die Verhandlungen mit den Fürsten sowie die Bestechung ihrer Machthaber erforderten große Summen; 1676 hatte die Kompagnie 600000 Lstrl. Schulden. In den 80er Jahren litt das Geschäft wieder unter Kriegen mit den Mahratten an der Westküste und mit dem Mogul in Bengalen, Bantam wurde geräumt. Durch entlassene Beamte angeregt, versuchten andere englische Kaufleute mit den indischen Fürsten anzuknüpfen, doch gab der bei der Kompagnie beteiligte König Jakob II. dieser das Recht, fremde Schiffe aufzubringen.
Um nun nicht weiter von der Gnade der indischen Fürsten abzuhängen, sowie um jeglichem Wettbewerb kräftiger begegnen zu können, beschloß die Kompagnie 1685 mit Gewalt aufzutreten und ein Reich zu gründen; der Plan war, zunächst ausreichende Gebiete bei Bombay und Madras, in Bengalen und Sumatra zu erwerben und unter das Protektorat des Königs zu stellen. Das Beispiel Hollands hat wohl diesen Plan hervorgerufen, aber man vergaß, daß es leichter war, einzelne Inseln zu unterwerfen, als mit mächtigen Reichen anzubinden; die Hoffnung auf Unterstützung durch die Mahratten erfüllte sich nicht, und so schlug dieser erste Versuch völlig fehl, ja er brachte alles bisher Erreichte in Gefahr.
Mit Einverständnis des Königs, der der Kompagnie auch gestattete, in den Hauptstationen den „Union Jack“ zu heißen, wurde 1685 eine Expedition von 10 Kriegsschiffen und 6 Kompagnien Soldaten unter Kapitän Nicholson ausgerüstet; in Indien sollte der oberste Beamte in Bengalen diese mit 400 Mann sowie 9 Schiffen verstärken und den Oberbefehl übernehmen. Man beabsichtigte, die StadtChittagong, an einem vorzüglichen Hafen im Nordosten des Busens von Bengalen gelegen, zu nehmen und zu befestigen, den Nabob von Bengalen zu Gebietsabtretung und Zugeständnis größerer Rechte zu zwingen; dann wollte man den Portugiesen bisher noch streitige Gebiete in Vorderindien abnehmen und auch holländische Besitzungen angreifen. Das Unternehmen war weder richtig noch genügend stark vorbereitet. Die Präsidenten von Bombay (John Childs) und Madras waren nicht genau davon unterrichtet, was im Osten vor sich gehen sollte — es war der Überraschung wegen geheim gehalten —, sie konnten keine Vorbereitungen treffen. Als das Geschwader in Hugly erschien, zogen die Inder Truppen zusammen und jagten (Oktober 1686) die Engländer den Fluß hinab, ehe deren Kräfte vollständig versammelt waren. Empört über den Versuch, ließ dann der Mogul die Engländer auch aus Surat vertreiben und bedrohte Bombay wie Madras. Die Kompagnie mußte sich glücklich schätzen, durch geschickte Unterhandlungen überall die alten Verhältnisse herzustellen. Trotzdem unternahm 1688 Childs mit noch schwächeren Kräften einen zweiten Vorstoß in Bengalen. Wieder wurde die Kompagnie aus der Provinz, aus Surat, sowie Masulipatam vertrieben, ja, die Insel Bombay bis auf das[616]Fort besetzt. Doch auch dieses Mal war der Mogul schwach genug, die früheren Rechte zurückzugeben; er erteilte Februar 1690 „den Engländern Verzeihung, da sie demütig darum gebeten hätten“, auch mußte die Kompagnie 150000 Rupien zahlen und Childs absetzen (er starb noch vor Abschluß des Vertrages im belagerten Bombay).
Im Anfang des 18. Jahrh. traten neue Verwicklungen mit den Beamten des Moguls in Surat und Bengalen auf, doch auch diese wurden dadurch überwunden, daß ein Arzt der Kompagnie den Mogul von einer schweren Krankheit heilte, man erlangte sogar neue Rechte und Gebietserweiterung (1715). Schon vorher waren Fortschritte an der Koromandelküste gemacht und eine Niederlassung auf Sumatra gegründet worden.
Auch in England hatte die Kompagnie einen schweren Stand nach Vertreibung der Stuarts. In der Allgemeinheit der Handelswelt war sie wegen ihres Monopols und wegen des Wettbewerbs der indischen Stoffe mit den einheimischen verhaßt; ihr schroffes Vorgehen zur Wahrung ihrer Rechte bot Gelegenheiten genug zu Angriffen, so lag sie ständig im Kampfe mit dem Unterhause. Mehrfach drohte Gefahr durch Gründung neuer Kompagnien (1695, 1698, 1730), die der infolge der Kriege erschöpften Regierung günstigere Anerbieten machten; 1698 trat tatsächlich eine solche in Indien wettbewerbend und feindlich auf, sehr zum Nachteil des englischen Ansehens. Aber auch diese Schwierigkeiten wurden durch geschickte Maßnahmen überwunden, stets erlangte man die Verlängerung des Vertrages, als 1744 die Regierung zu neuen Kriegen Geld brauchte bis zu 1780.
Aus vorstehendem ist zu ersehen, daß die Kompagnie alle Schwierigkeiten überwand; sie blühte auf. Die Ausfuhr nach Indien betrug 1710–1715 durchschnittlich im Jahr 496770 Lstrl. an Waren und 1600000 Lstrl. an Münze, von 1735–1740 jährlich 938970 Lstrl. bezw. 2459000 Lstrl.; die Einfuhr von dort hatte 1708–1728 einen Durchschnittswert von 758000 Lstrl. Die Dividenden waren weit bescheidener, als im allgemeinen angenommen wird: 1708 = 5%; 1710–1722 = 10%; 1723–1731 = 8%; 1732–1744 = 7% (man vergleiche dies mit Holland). Die Verwaltung war kostspielig, aber man fürchtete auch, durch zu hohe Dividenden den Neid der übrigen Handelswelt noch zu steigern. Leider sind keine genauen Angaben über die Zahl der Schiffe der Kompagnie vorhanden, um Vergleiche mit Holland anzustellen; übrigens hatte die Gesellschaft von 1712, außer einigen Schnellseglern für Postdienst, keine eigenen Fahrzeuge mehr, sondern heuerte solche. Die Garnisonen bestanden aus englischen und fremden Söldnern sowie indischen Milizen (Sepoys).
Zu Ende unseres Zeitabschnittes war die Kompagnie bereits ein gefährlicher Wettbewerber der Holländer geworden, ihre Glanzzeit trat aber erst ein, nachdem noch ein anderer, neuerschienener Nebenbuhler aus dem Felde geschlagen war, Frankreich.
Als besonders für Deutsche bemerkenswert, sei einer Gefahr gedacht, die allen indischen Kompagnien durch die schon mehrfach erwähnteOstender Kompagniedrohte. Nachdem die spanischen Niederlande an Österreich gefallen waren, glaubten die Kaufleute dieser Provinz, endlich die Möglichkeit zu haben, wie die Holländer Handel nach Indien zu treiben;1714trat die genannte Gesellschaft zusammen. Das Geld kam allerdings vielfach von Personen in Holland und England, die in ihrem Lande die eigenen indischen Kompagnien vergeblich bekämpften und auf diese Weise am indischen Handel teilzunehmen hofften; auch in Deutschland regte sich das Interesse für das Unternehmen, Kaiser Karl VI. nahm es unter seinen Schutz. Die Gesellschaft kaufte in England und Holland Schiffe auf, rüstete sie in Ostende und Lissabon aus;1716erschienen die ersten[617]Fahrzeuge unter Kaiserlicher Flagge an der Malabar- und der Koromandelküste. Die älteren Kompagnien sahen darin eine Verletzung ihrer Verträge; die Regierungen unterstützten sie auf diplomatischem Wege, verboten ihren Untertanen jede, auch nur mittelbare, Unterstützung der neuen Gesellschaft und erließen Befehle, deren Schiffe abzufangen. Die Ostender Kompagnie ließ sich nicht entmutigen, obgleich tatsächlich Schiffe aufgebracht wurden, auch Kaiser Karl blieb zunächst fest.1720z. B. segelten. 6 Schiffe, Faktoreien wurden in Bengalen, an der Koromandelküste sowie in Kanton gegründet und gute Dividenden verteilt. Da hob der Kaiser1727auf das Drängen der Seemächte zugunsten seiner Verhandlungen über die pragmatische Sanktion zunächst das Recht der Kompagnie für sieben Jahre auf und versprach später in einem Vertrage mit England und Holland,1731, für immer Handel und Schiffahrt nach Indien von seinen Niederlanden aus zu verbieten. Wäre Deutschland ein mächtiger einheitlicher Staat gewesen, so würde es sich damals wohl einen Anteil an den Ländern des südlichen Asiens haben sichern können.
Frankreichs[288]Kolonialbestrebungen unter Richelieu hatten noch nicht zur Festsetzung in Indien geführt (Seite90). 1664 wurde die Compagnie des Indes Orientales gegründet, der König schoß 4 Millionen zinslos vor und versprach, für zehn Jahre den etwaigen Ausfall zu übernehmen. Die Städte, der Klerus, die Steuerpächter, die Noblesse de la Robe wurden zur Beteiligung bewogen; 6 Millionen sollten aufgebracht werden, aber nur 3 kamen ein. Die Gesellschaft erhielt den alleinigen Handel mit Indien (und Madagaskar sowie anderen Inseln im Indischen Ozean, vgl. später unter „Afrika“) auf 50 Jahre, Prämien für Ausfuhr sowie die zu erobernden Gebiete als Eigentum zugesichert. 1666 ging eine Flotte von 14 Schiffen unter Admiralde Mondevergue, in erster Linie nach Madagaskar bestimmt, in See, von ihr zweigte sich ein Teil unter einem Direktor der Gesellschaft,Caron, für Indien ab und gründete (1668) Faktoreien in Surat, Masulipatam sowie in Chandernagor am Ganges. 1669 folgte ein starkes Geschwader unter Oberstde la Haye, der als Generalleutnant des Indes orientales den Indern die Macht Frankreichs zeigen, mit dem Mogul in Verbindung treten und auf Ceylon sowie Banca neue Ansiedlungen gründen sollte. Man hoffte, alles auf friedlichem Wege zu erreichen, da England schwach sei und Holland offene Feindseligkeiten nicht wagen würde. Man fand aber den auf Ceylon in Aussicht genommenen Platz schon von den Holländern besetzt (1672) und wurde durch das Erscheinen überlegener holländischer Seestreitkräfte gehindert, sich auf einigen kleinen Inseln in der Nähe niederzulassen. De la Haye eroberte nun St. Thomé an der Koromandelküste, wurde jedoch auch von hier (1674) durch den Herrscher von Golkonda, unterstützt durch die Holländer, wieder vertrieben, von Masulipatam waren die Franzosen gleichfalls verjagt. Dagegen gründete 1674 ein Beamter der Kompagnie,François Martin, mit nur geringen Mitteln eine Kolonie inPondichery, diese hielt sich und sollte die Grundlage der späteren Macht werden. Martin verstand es, sich stets mit den wechselnden Machthabern gut zu stellen; er wurde dann Generaldirektor in Indien, knüpfte neue Verbindungen an, hob die Faktoreienin Surat sowie Chandernagor, erhielt Masulipatam zurück und gewann eine neue in Balassor (Bengalen). Die lange Kriegszeit, 1688–1713, wirkte jedoch so nachteilig, daß die Kompagnie ihre Geschäfte einstellen und ihre Rechte an einige Kaufleute in St. Malo abtreten mußte, aber auch diese fanden ihre Rechnung nicht; Pondichery kam leidlich durch die schweren Zeiten, die anderen Faktoreien vegetierten nur. Erst mit den Lawschen Gründungen trat ein Umschwung ein; bei deren Zusammenbruch blieb dieCompagnie des Indes, die die Rechte der alten Gesellschaft für Indien erhalten hatte, bestehen. 1721 gingen die ersten Schiffe hinaus; 1725 wurden der Hafen von Mahé, nahe Pondichery, besetzt, verschiedene neue Plätze besiedelt und, wie schon Pondichery unter Martin, befestigt, der Verkehr mit China sowie mit den Philippinen gepflegt. Der Handel hob sich; 1727 betrug die Ausfuhr nach Frankreich 2¼ Millionen, 1731 schon 6. Neben Indien blühten die Inseln Bourbon und Isle de France, wichtig als Stationen auf dem Wege nach dort, auf. Die Kompagnie hatte das Glück, nacheinander tüchtige Gouverneure in Pondichery zu haben: Martin, Lenoir bis 1735, dann Dumas, endlich Dupleix (von 1741 an). Die Verwaltung war einfach und praktisch; an der Spitze jeder größeren Kolonie stand ein Gouverneur mit einem Rate von fünf Mitgliedern. Ein Hauptaugenmerk richtete man auf Schaffung von Schulen für die Eingeborenen und auf Französierung dieser; die natürlichen Erzeugnisse des Landes wurden sorgsam erforscht, Gewächse aller Art zur Prüfung an den Pariser Jardin des plantes gesandt.
AlsDumassein Amt antrat, war die politische Lage in Indien den Europäern günstig. Perser, Afghanen und Mahratten beunruhigten das Mogulreich; seine Provinzen mußten sich selber schützen und kümmerten sich nicht mehr um den Hof in Delhi. Dumas nutzte dies zur Erweiterung des Gebietes sowie zur Hebung des Handels aus.
UnterDupleix, unterstützt durch den Gouverneur La Bourdonnais auf Bourbon, begann Frankreich in Indien eine den Engländern gefährliche Macht zu werden.
Spanienverblieben nach Räumung der letzten Ansiedlungen auf den Molukken im fernen Osten nur diePhilippinen(Seite75). Die Inseln brachten während des 17. Jahrh. mehr Kosten und Sorgen als Vorteile. In dem großen Kriege mit den Holländern bedrohten diese die Verbindung mit Mexiko. Als Portugal sich von Spanien losgesagt und Holland sich Malakkas (sowie Formosas) bemächtigt hatte, waren die Inseln ganz isoliert und der ohnehin unbedeutende Handel litt schwer. 1662 erfolgte ein furchtbarer Aufstand der Eingeborenen. Weitere Kämpfe mit diesen, Streitigkeiten der Behörden mit den Kolonisten, kirchliche Wirren — Kämpfe der Jesuiten mit anderen Orden — füllten die Zeit bis zum Beginn des 18. Jahrh. aus. Im Spanischen Erbfolgekriege störten englische Kreuzer den Handel. Während der dann folgenden Friedenszeit wurden nun wohl Entdeckungsfahrten nach anderen Inselgruppen des Stillen Ozeans unternommen und der spanische Einfluß auf diese ausgedehnt, z. B. auf die Palaos- und Karolineninseln,auch der Handel nach Mexiko hob sich infolge erleichternder Bestimmungen über die Einführung asiatischer Waren in Spanisch-Amerika, aber noch 1757 übertrafen die Ausgaben der Kolonie (679000 Pesos) die Einnahmen um 79800 Pesos, obgleich Mexiko einen Zuschuß (250000 Pesos) leisten mußte.
Portugalwar wenig von dem verblieben, was es einst in Afrika besessen hatte (Seite61,63).An der Westküstehatte ihm Holland während seines Unabhängigkeitskrieges die Besitzungen an der Goldküste abgenommen; auch England (sowie Dänemark und Brandenburg) hatte sich dort angesiedelt. 1740 besaß Portugal außer den nördlichen Inseln, Madeira und den Kapverden, nur noch ein kleines Gebiet am Senegal, die Inseln S. Thomé und Principe sowie die Provinz Angola: den Küstenstrich von Ambris bis Mossamedes mit der Hauptstadt S. Paolo de Loanda. Es waren dies Kolonien von sehr geringer Bedeutung; man hatte sie stets mehr als Stützpunkte für die Indienfahrt und als Bezugsquelle für die Negersklaven, die man in Brasilien brauchte, betrachtet.
An der Ostküste, die einst ganz in ihren Händen gewesen war, hatten die Portugiesen fast alles verloren. Schon gegen Ende des 16. Jahrh. bedurfte es großer Anstrengungen, den nördlichen Teil (Mombas, Melinde, Sansibar) gegen Angriffe der Türken sowie gegen Erhebungen der Eingeborenen, angezettelt durch die Türken, zu halten, und auch der südliche Teil (Mosambique, Kilwa, Tete am Sambesi, Sofala) ward öfters schwer durch die Kaffern bedroht. Im 17. Jahrh. beunruhigten die Holländer während des Unabhängigkeitskrieges die Besitzungen und diese hatten dann in der zweiten Hälfte beständig unter den Angriffen der Araber (des Imam von Maskan) zu leiden; Mombas, Sansibar, Kilwa gingen verloren und auch im Süden fielen die Kaffern wieder ein; 1721 besetzte Holland die Delagoabay. So besaß Portugal 1740 nur noch die Küsten von Mosambique nebst Sofala. Versuche, diese Kolonie durch Handelserleichterungen zu heben, hatten wenig Erfolg, nur der Sklavenhandel war lohnend. Für Erschließung des Innern geschah nichts, die Kaffernstämme bedrohten selbst die Küstenstädte; schlechte Verwaltung und Mangel an Mitteln hinderten jeden Aufschwung.
Hollandund zwar diewestindische Kompagnie(Seite87/88) hatte Niederlassungen inSenegambien, Hauptort die Insel Gorée, gegründet und an derGoldküstedie Portugiesen vertrieben. Die Besitzungen wurden in den Kriegen mit England (Seite252) und mit Frankreich (Seite371) mehrfach Angriffspunkte der Feinde und gingen, wie die in Nordamerika und Westindien, größtenteils verloren; 1674 waren an der Goldküste nur noch einzelne im Besitz der Kompagnie, Hauptplatz Elmina.
Die Niederlassungen bestanden in größeren und kleineren Forts (bei England wird die Stärke einiger solcher Forts als Beispiel gegeben werden), von denen aus der Handel betrieben wurde; irgend welchen Grundbesitz oder unmittelbare Herrschaft über Eingeborene hatte man nicht. Die Regierung des Landes lag ganz in der Hand der letzteren,[620]die sich unausgesetzt befehdeten und oft den Handel mit einem oder dem anderen fremden Fort sperrten. Bei den anderen Nationen waren die Verhältnisse die gleichen; die Forts der verschiedenen Völker lagen, oft in nächster Nähe, durcheinander. Um 1674 mußte die alte westindische Kompagnie ihre Geschäfte einstellen; eine neugegründete war nicht imstande, den Besitz wieder zu erweitern, und so blieb die Macht Hollands in Westafrika gering.
Einen Vorteil hatte Holland im letzten Jahrhundert dadurch errungen, daßdie ostindische Kompagnie1653das Kaplandbesetzte. Schon früher war die Tafelbay neben St. Helena als Erfrischungsstation auf den Reisen nach Indien angelaufen worden, jetzt wurde sie der Hauptpunkt, besonders auch da 1657 die englisch-ostindische KompagnieSt. Helenain Besitz nahm und stark befestigte. Im Kaplande bildete sich neben der Station der Kompagnie eine Niederlassung freier Bürger, die Wein- und Gemüsebau mit Erfolg trieben; schon 1660 deckte die Kolonie ihre Kosten. Die Kompagnie mußte diesen ihren einzigen Stützpunkt auf dem Wege nach Indien halten, im übrigen stockte die Entwicklung der Kolonien bald; noch 1750 sprachen die Behörden am Orte dem Lande jede Zukunft ab. Die Kolonisten schrieben die Schuld der Verwaltung zu: Schlecht bezahlt, suchten die Beamten, Privatgeschäfte zu machen, hinderten eine umfangreiche Besiedlung, waren bestechlich und eigenmächtig. Mangel an Arbeitskräften sowie Schwierigkeiten mit den Eingeborenen traten hinzu.
Versuche, sichan der OstküsteAfrikas festzusetzen, scheiterten; auch die Delagoabay wurde wieder aufgegeben.
Englandhatte 1631 zuerst einige Niederlassungen an der Goldküste gegründet, die aber bald teils verfielen, teils von anderen Mächten (Holland, Dänemark, dem Herzog von Kurland) besetzt wurden. 1662 bildete sich diewestafrikanische Kompagnie(an ihrer Spitze der Herzog von York), die die alten Posten wieder besetzen und eine regelmäßige Negerausfuhr betreiben wollte. Sie übernahm einige Forts des Herzogs von Kurland, baute neue am Gambia und an der Sierra-Leone-Küste und eroberte andere von den Holländern, wie eben erwähnt. 1672 trat eine neue Kompagnie an ihre Stelle und erweiterte den Machtbereich. Diese besaß um 1710 ein Fort an der Mündung desGambia(28 Weiße, 7 Kanonen), zwei an derSierra-Leone-Küsteund elf an derGoldküste(das größte, Capecoastcastle 93 Weiße, 42 Kanonen; drei mit 20 Weißen und 25 Kanonen und so hinab bis zu 6 Weißen und 6 Kanonen; zwei oder drei gar nur mit 2 Weißen). Der Negerhandel blühte sehr auf; 1680–1688 sind über 46 000 ausgeführt, später jährlich über 20000. Der sonstige Handel spielte nur eine unbedeutende Rolle; 1740 betrug der Wert der Ausfuhr 110543 Lstrl., der der Einfuhr 62787 Lstrl.
Die Kompagnie machte gute Geschäfte, so lange sie das Monopol hatte, bis 1688. Neben dem Negerhandel führte sie Elfenbein, Wachs, Rotholz und besonders Gold aus; 1673 wurden von diesem zum ersten Male Goldmünzen geschlagen und „Guineas“ genannt. Die „declaration of right“, 1688, die alle ohne Bewilligung des Parlaments erteilten Vorrechte aufhob, raubte der Kompagnie ihre Grundlage. Andere Engländer[621]begannen den Handel und die Gesellschaft kämpfte denselben Kampf um ihre Vorrechte wie die ostindische, aber sie unterlag; der Handel wurde freigegeben, die Kompagnie erreichte nur eine Unterstützung von seiten der Regierung zur Erhaltung der Forts. 1750 wurde die Gesellschaft aufgelöst; um aber die Forts halten zu können, wurden sämtliche Personen, die nach Afrika Handel trieben, gezwungen, zu einer Körperschaft zusammenzutreten — einer sogenannten „regulated company“ im Gegensatz zu einer „joint stock company“ —, die Regierung mußte aber weiter zuschießen. (Näheres vgl. Zimmermann, Band II, Seite 364 ff.)
Die BesetzungSt. Helenasist bereits erwähnt; die Insel blieb, mit kurzer Unterbrechung 1673, in englischem Besitz.
Frankreichbetrieb um 1648 mit verschiedenen Gesellschaften Sklavenhandelan der Westküste[289]vom Kap Branco bis zur Sierra-Leone-Küste, eine bedeutendere Niederlassung bestand nur an der Mündung des Senegal (St. Louis). 1664 erwarb dieCompagnie des Indes Occidentalesdas alleinige Recht zum Handel; man konnte aber gegen die Holländer und Engländer, die die besten Plätze im Besitz hatten, nicht aufkommen. 1667 wurden den Holländern wichtige Plätze südlich des Kap Verde abgenommen (Gorée, Portudal, Joal) und, nachdem die Kolonie und ihr Handel im Pfälzischen Erbschaftskriege viel zu leiden gehabt hatten, wurde 1697 der Anfang gemacht, das Senegalgebiet wirklich zu kolonisieren, sich nicht mehr auf die Negerausfuhr zu beschränken; es wurden neben neuen Stationen an der Küste auch solche im Innern angelegt. Diese Bestrebungen hatten Erfolg, besonders nach dem Frieden von Utrecht und nachdem die LawscheCompagnie d'Occidentdie Sache in die Hand genommen. Wenn auch der Handel kein sehr einträglicher war — man rechnete die Ausfuhr, einschließlich Sklaven, auf 800000 Frank mit einem Gewinn von 200000 im Jahre —, so war doch der französische Einfluß in Senegambien und bis zum Kap Branco hinauf bedeutender als der der Engländer, die nur am Gambia saßen; er war gestützt auf gut im Stande gehaltene Forts: an der Arguinküste Arguin und Portendik (jetzt Ndjeil); St. Louis am Senegal (Mündung); Podor, St. Joseph, St. Pierre (weiter stromauf); Gorée, Portudal, Joal, Albreda im Gambiagebiet und weiter südlich Bintam.
Die Insel Arguin war ursprünglich holländisch. Das Fort hier wurde 1677 auf demselben Zuge zerstört, der den Holländern die Plätze in Senegambien kostete. 1683 hatte sichBrandenburgauf Arguin niedergelassen, trat es aber wieder an Holland ab und dieses wurde 1721 von den Franzosen mit Gewalt vertrieben.
An der OstküsteAfrikas haben die Franzosen 1642–1643 eine Niederlassung aufMadagaskargegründet (Fort Dauphin). Wie (bei Indien) angedeutet, hatte die große Expedition 1666 unter Admiral de Mondevergue — sie führte auf 14 Schiffen gegen 1000 Kolonisten, 200 Soldaten und für 1194000 Frank Waren — hauptsächlich den Zweck, die ganze Insel zu erobern; sie mißlang völlig und 1674 wurde diese Kolonie überhaupt aufgegeben.
Die Ausreise dauerte elf Monate. Entblößt von allen Lebensmitteln traf die Expedition in Fort Dauphin ein, sie fand die Niederlassung in traurigster Verfassung; die Ansiedler lebten in stetem Kampf mit den Eingeborenen und hatten kaum genügend Nahrung. Die Neuangekommenen verlangten, völlig enttäuscht, nach Frankreich zurückgeschafft zu werden; der Admiral und die Beamten der Kompagnie, die die Expedition entsandt hatte, erklärten, die Kolonie habe keine Zukunft; die Gesellschaft gab sie denn auch 1669 an die Krone zurück und ließ ihre Indienfahrer nicht mehr Fort Dauphin, sondern die Insel Bourbon anlaufen. Trotzdem gab die Regierung die Sache noch nicht auf und selbst die sehr zusammengeschmolzenen Kolonisten erklärten, aushalten zu wollen, als ihnen Oberst de la Haye auf seiner Reise nach Indien 1671 anbot, sie nach Bourbon zu schaffen. Als aber de la Haye auf seiner Rückreise 1674 die Insel anlief, fand er Fort Dauphin zerstört und die Ansiedler von ihren Sklaven und den Eingeborenen ermordet, nur 63 hatten sich im Fort gehalten und dann auf einem zufällig eingetroffenen französischen Schiffe die Insel verlassen.
Dagegen hatte sich die InselBourbon, seit 1654 besiedelt, gut entwickelt. Hier wurde Zucker- und Kaffeebau mit Sklaven getrieben, 1723 zählte man 600 Weiße. AuchIsle de France(Mauritius), 1715 in Besitz genommen, blühte schnell auf, besonders unterLa Bourdonnais, von 1735 an Gouverneur beider Inseln. Die Compagnie des Indes wandte den Maskaren, als Station auf dem Wege nach Indien, große Sorgfalt zu, sie führte Vieh sowie Neger und Kulis zur Bestellung der Plantagen ein.
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Fußnoten:[283]Hauptquelle Zimmermann, „Europäische Kolonien“, Band I, Spanien, Portugal; Band II, Großbritannien, I. Teil; Band IV, Frankreich; Band V, Niederlande.[284]Die höchst lehrreiche Geschichte der Entwicklung der einzelnen Kolonien, auch in ihrem Verhältnis zu England, genau in Zimmermann, Band II. Die obige Kürze der Darstellung führt notgedrungen zu Ungenauigkeiten.[285]Näheres über die Verhältnisse Zimmermann, Band IV; dort sind auch die Kriege mit England genauer geschildert.[286]Nachstehendes nach Zimmermann, Band V, woselbst sehr genaue Angaben über die Geschäftsverhältnisse der Kompagnie gegeben sind.[287]Vorwiegend nach Zimmermann, Band II.[288]Näheres Zimmermann, Band IV.[289]Näheres Zimmermann, Band IV, Seite 123, 217.
Fußnoten:
[283]Hauptquelle Zimmermann, „Europäische Kolonien“, Band I, Spanien, Portugal; Band II, Großbritannien, I. Teil; Band IV, Frankreich; Band V, Niederlande.
[283]Hauptquelle Zimmermann, „Europäische Kolonien“, Band I, Spanien, Portugal; Band II, Großbritannien, I. Teil; Band IV, Frankreich; Band V, Niederlande.
[284]Die höchst lehrreiche Geschichte der Entwicklung der einzelnen Kolonien, auch in ihrem Verhältnis zu England, genau in Zimmermann, Band II. Die obige Kürze der Darstellung führt notgedrungen zu Ungenauigkeiten.
[284]Die höchst lehrreiche Geschichte der Entwicklung der einzelnen Kolonien, auch in ihrem Verhältnis zu England, genau in Zimmermann, Band II. Die obige Kürze der Darstellung führt notgedrungen zu Ungenauigkeiten.
[285]Näheres über die Verhältnisse Zimmermann, Band IV; dort sind auch die Kriege mit England genauer geschildert.
[285]Näheres über die Verhältnisse Zimmermann, Band IV; dort sind auch die Kriege mit England genauer geschildert.
[286]Nachstehendes nach Zimmermann, Band V, woselbst sehr genaue Angaben über die Geschäftsverhältnisse der Kompagnie gegeben sind.
[286]Nachstehendes nach Zimmermann, Band V, woselbst sehr genaue Angaben über die Geschäftsverhältnisse der Kompagnie gegeben sind.
[287]Vorwiegend nach Zimmermann, Band II.
[287]Vorwiegend nach Zimmermann, Band II.
[288]Näheres Zimmermann, Band IV.
[288]Näheres Zimmermann, Band IV.
[289]Näheres Zimmermann, Band IV, Seite 123, 217.
[289]Näheres Zimmermann, Band IV, Seite 123, 217.
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