Chapter 17

see captionRichard Earl Howe.

Richard Earl Howe.

Bei demStärkeverhältnis der Flottenwar die Lage für Frankreich sehr günstig. Die französischen Streitkräfte zählten 12 Linienschiffe, 1 zu 90 Kanonen, 1 zu 80, 6 zu 74, 3 zu 64 und 1 zu 50, sowie vier Fregatten; 1000 Mann Infanterie waren für Landungen eingeschifft. Die englische Flotte bestand aus 6 Schiffen zu 64 Kanonen, 3 zu 50, 2 zu 44 und einigen Fregatten (in Halifax lagen noch drei oder vier kleinere Linienschiffe nebst mehreren Fregatten). Von diesen befand sich aber nur ein Teil in der Delawarebucht, der Rest lag in New York und in der Narragansettbai. Wäred'Estaing10–12 Tage früher angekommen, so hätte er den durch die Transportflotte noch behinderten Teil leicht vernichten können. Die dann nur von dem anderen Teile beschützte Bucht von New York wäre darauf voraussichtlich auch den Franzosen in die Hände gefallen undClintonsHeer, von den französischen See- und den amerikanischen Landstreitkräften in die Mitte genommen, zur Übergabe gezwungen gewesen.

D'Estaings erfolgloser Angriff auf New York und Rhode-Island.Die Überlegenheit der französischen Flotte hätte zwar auch jetzt noch ausgenutzt werden können, aberd'Estaingwar zu vorsichtig und zu langsam, fand dagegen in seinem Gegner einen umsichtigen, tatkräftigen und schnell entschlossenen Führer.Admiral Sir Richard Howe[139]hatte inzwischenseine sämtlichen Schiffe in der unteren Bucht von New York zusammengezogen, nur 4 Fregatten verblieben vor Newport an der Narragansettbucht. Brander wurden hergestellt und die nicht vollzähligen Schiffsbesatzungen durch zahlreich sich meldende Freiwillige der Transport- und Handelsschiffe sowie des Heeres aufgefüllt. Schiffer und Steuerleute von Kauffahrern liefen mit kleinen Fahrzeugen aus, um für New York bestimmte Schiffe zu warnen. Sobald die Truppen Clintons am 5. Juli nach der Stadt übergeführt waren, ließ der Admiral die Kriegsschiffe nach einem bereits aufgestellten Plane eine Verteidigungsstellung bei Sandy Hook einnehmen, die den Feind schon beim Einsegeln in die untere Bucht mit starkem, enfilierenden Feuer bedrohte und später die ganze eigene Kraft zur Verteidigung entfaltete.

Für Howes Stellung vor New York(vgl. Plan von New York, Seite235) genügt eine kurze Schilderung, da es nicht zum Kampfe kam; sie ist genau und lesenswert beschrieben inElkins, Naval Battles. Der über die Barre in die untere Bucht führende Kanal für tiefergehende Schiffe läuft in der Richtung Ost-West rechtwinklig auf Sandy Hook zu und dicht unter dieser Landspitze vorbei.Howeerbaute auf ihr eine Batterie und legte seine Hauptmacht, 5 Schiffe zu 64 Kanonen, 1 zu 50 und einen armierten Transporter, von Sandy Hook nach Westen in Linie. Die Schiffe lagen jedoch nicht genau in Kiellinie, sondern ein jedes war etwas nördlicher verankert als sein Vordermann, und hatte vom Heck aus einen Anker querab Backbord-Bug ausgefahren. Die Franzosen konnten nur bei westlichem Winde in Kiellinie passieren und den Kanal westwärts hinaufsegeln, wenn dann die Engländer ihre Springankertaue festhielten und die Bugankertaue fierten, so schwoiten sie mit der Breitseite nach Osten und bestrichen sämtlich den Kanal, ohne sich gegenseitig im Feuer zu hindern. Die Franzosen konnten das Feuer nicht erwidern und mußten schwer leiden; gelang es ihnen trotzdem, querab von den Engländern zu kommen, so brauchten diese nur die Springankertaue loszuwerfen, um wieder die geschlossene Ost-West-Linie herzustellen, die an ihren Flügeln nicht umgangen werden konnte. Hinter der Linie lagen als Reserve ein 64-Kanonenschiff nebst einigen Fregatten; auf der Barre selber, etwa 2–3 Seemeilen von der Landspitze, war ein 50-Kanonenschiff nebst kleineren Fahrzeugen stationiert, um den Feind schon hier zu enfilieren und sich dann zurückzuziehen; mit gleicher Bestimmung lagen vier Galeren im Kanal querab von der Huk. Bei der großen Übermacht der Franzosen blieb aber die Lage der Engländer immer gefährlich, und sie mußten eines harten Kampfes, vielleicht der Vernichtung gewärtig sein, wenn der Gegner zum Nahkampf herangelangte.

Diese Vorbereitungen waren noch nicht beendet, als am 11. Juli die Nachricht vom Nahen der französischen Flotte eintraf, doch blieb Zeit genug, sie durchzuführen.D'Estainghatte zwar die Absicht, seiner Instruktion entsprechend die englische Flotte zu suchen, war aber erst am 10. Juli von der Delawarebucht aufgebrochen und ankerte am 11. abends etwa 4 Seemeilen südlich von Sandy Hook unter der Küste, um den Angriff aufHoweeinzuleiten.Hier trat er mitWashingtonin Verbindung, der gleichzeitig die Stadt New York angreifen wollte. Die Verhältnisse lagen also noch günstig genug, um das englische Heer zur Übergabe zu zwingen, aberd'Estaingglaubte, ohne Lotsen nicht in die Bucht von New York eindringen zu können. Erst am 16. Juli trafen solche ein, erklärten jedoch, daß ein Passieren der Barre für die schweren Schiffe mit einem Tiefgange von 23 bis 25 Fuß unmöglich sei, da man selbst unter den günstigsten Verhältnissen nur auf 22 Fuß Wasser rechnen könne. In den nächsten Tagen von ihnen unter Aufsicht französischer Offiziere vorgenommene Lotungen ergaben auch nur 22½ Fuß. Ein am 20. Juli zusammentretender Kriegsrat der Kommandanten, in dem den Lotsen ohne Erfolg 150 000 Francs angeboten wurden, beschloß, daß unter diesen Umständen sowie in Hinblick auf die starke Stellung der Engländer am Einfahrtskanal von einem gewaltsamen Eindringen abgesehen werden müsse, daß man sich dagegen im Verein mit dem amerikanischen Heere in Besitz der Stadt Newport mit der seemännisch und strategisch wichtigen Narragansettbucht setzen wolle.Washingtonhatte dies vorgeschlagen, falls der Plan gegen New York nicht auszuführen sei. Am 22. Juli zeigte sich die französische Flotte vormittags bei Sandy Hook, segelte aber nachmittags nach Süden ab;Howeließ ihr kleinere Fahrzeuge zur Beobachtung folgen, da er zunächst nicht glaubte, daß sie den Angriff aufgegeben habe.

Englische Berichte über die Lagebesagen, daß ein Eindringen durchaus möglich gewesen wäre. Infolge der Gezeiten sei vom 20. Juli an bei Flut genügend Wasser auf der Barre gewesen, am Nachmittag des 22. bei Springflut sogar 30 Fuß, und dabei habe der Wind aus günstigster Richtung zum Einsegeln geweht; spätere Beobachtungen haben festgestellt, daß genannte Wassertiefe bei Springflut gewöhnlich vorhanden ist. Schon daßHowenach genauen Lotungen so vorsorglich seine Verteidigungsstellung einnahm, beweist, daß er ein Eindringen für möglich hielt. Wenn die Lotsen anderer Ansicht waren, so ist dies erklärlich, da sie bislang keine Gelegenheit gehabt hatten, mit so schweren Schiffen zu rechnen, weil nur kleinere englische Linienschiffe an der Küste stationiert gewesen waren; französische Angaben deuten allerdings auch an, es seien Männer gewesen, die nicht warm zur amerikanischen Sache hielten. Die englische Flotte hat am 22. mittags den Angriff sicher erwartet.

D'Estaingverlor so die zweite Gelegenheit zu einem durchschlagenden Erfolg. Er wählte nun südlichen Kurs, um den Angriff auf Newport vorläufig zu verschleiern, und setzte ihn bis zur Delawarebucht fort. Nachdem ihn hier die englischen Beobachtungsfahrzeuge verlassen hatten, steuerte er nach Norden und ankerte am 29. Juli drei Seemeilen südlich von Rhode-Island. Er drang auch in die Narragansettbucht ein, sah sich aber genötigt, sie wieder zu verlassen, ehe es ihm oder den amerikanischen Truppen gelungen war, die Insel Rhode-Island nebst der Stadt Newport zu nehmen und sich so festzusetzen.

Die Narragansettbuchtan der Küste des Staates Rhode-Island wird nach See zu durch die Inseln Rhode-Island und Conanicut abgeschlossen, so daß drei Einfahrten entstehen. Die östlichste zwischen Rhode-Island und dem Festlande ist oberhalb genannter Insel nicht schiffbar; die mittlere zwischen den beiden Inseln ist die Haupteinfahrt und vereinigt sich oberhalb Conanicut mit der westlichen, die durch diese Insel und das westliche[263]Festland gebildet wird. Die Stadt Newport liegt auf der Westseite Rhode-Islands etwa 4 Seemeilen vom Anfang der Haupteinfahrt. Ihr innerer Hafen wird durch die kleine Goatinsel geschützt, deren Batterien mit denen auf Rhode-Island im Norden und Süden der Stadt die Haupteinfahrt bestrichen; auf Conanicut befanden sich kleine Werke zur Beherrschung der Westeinfahrt.

Die englische Stellung an der Narragansettbucht befehligteGeneral Sir Robert Pigot, dem 5–6000 Mann, sowie 5 Fregatten, 2 Sloops und einige Galeren unterstanden. Alsd'Estaingvor der Haupteinfahrt geankert hatte, erhielt er von dem amerikanischen GeneralSullivan, der auf dem Festlande östlich der Bucht stand, die Nachricht, er sei noch nicht zum Angriff bereit und erwarte noch Milizen. So ging die Überraschung verloren und der Admiral mußte sich zunächst auf eine Art Blockade beschränken, um das Entweichen der englischen Schiffe, sowie das Einlaufen von Unterstützungen zu hindern. Am 30. Juli sandte er 2 Linienschiffe unter dem Befehle des später berühmten KapitänsSuffrenin die westliche Einfahrt; sie ankerten am Nordende dieser Insel, kaum behindert von den Batterien auf Conanicut. Gleichzeitig drangen 2 Fregatten, sowie eine Korvette in die östliche Einfahrt und zwangen hier zwei englische Fregatten, eine Sloop sowie einige Galeren, sich zu verbrennen, da sie nicht entrinnen konnten.Pigotrief jetzt seine Truppen von Conanicut zurück und zog seine ganze Kraft um Newport zusammen. Am 5. August durchsegelteSuffrendie westliche und ankerte am Nordende der Haupteinfahrt; an seiner Stelle übernahmen zwei weitere Linienschiffe die Sperrung der Westeinfahrt. Der bei Newport befindliche Rest der englischen Schiffe war nebst fünf Transportern somit eingeschlossen; man versenkte sie zur Sicherung des inneren Hafens bei der Goatinsel, doch nahm man vorher Geschütze nebst Munition an Land, und die Besatzungen, gegen 1000 Mann, verstärkten die Garnison. — Am 8. August erfuhrd'Estaing, daß Sullivan zum Angriff bereit sei; er lief nun mit den ihm verbliebenen 3 Linienschiffen, Schüsse mit den Befestigungen wechselnd, durch die Haupteinfahrt, ankerte an deren Nordende außerhalb des feindlichen Feuerbereichs in Linie und traf Vorbereitungen, sich durch Springanker mit den Breitseiten nach See legen und einen Angriff der englischen Flotte wirksam empfangen zu können.Sullivanführte in der Nacht vom 8./9. August 10 000 Mann nebst zahlreichen Feldgeschützen unter Deckung der dort liegenden Fregatten über die östliche Einfahrt nach dem Nordende von Rhode-Island und am 9. morgens landete der Admiral 4000 Soldaten sowie Seeleute auf Conanicut; dieses Landungskorps sollte hier formiert, etwas eingeübt und im gegebenen Augenblick zum gemeinsamen Angriff nach Rhode-Island gebracht werden. Das Wetter am 9. war nebelig, als aber die Sonne durchbrach, sah man die Schiffe vor der Westeinfahrt mit vollen Segeln in diese einlaufen; die englische Flotte war in Sicht.D'Estaingschiffte sein Landungskorps wieder ein und ließ die Schiffe quer zur Haupteinfahrt legen.

Admiral Howehatte abermals schnell entschlossen gehandelt, auch war er inzwischen um vier Schiffe verstärkt. Am 26. Juli war ein 50-Kanonenschiff, zu seinem Geschwader gehörig, von Westindien eingetroffen, bald darauf stieß ein gleiches von Halifax zu ihm und am 30. Juli ein 74-Kanonenschiff; dieses war von Byrons herannahender Flotte im Sturm abgesprengt. Zwei Tage vorher war noch ein 64-Kanonenschiff von Halifax eingelaufen und hatte gemeldet, es habe die französische Flotte am 27. nach Norden steuern sehen. Alle diese Schiffe hätten also dem Feinde in die Hände fallen können.Howefaßte sofort den Entschluß, Newport zu entsetzen. Er war auch bereits am 1. August seeklar, konnte aber erst am 6. morgens die Barre bei Hochwasser passieren und erschien am 9. vor Rhode-Island.Seine Flotte zähltejetzt 1 Schiff zu 74 Kanonen, 7 zu 64, 5 zu 50, 2 zu 44, 4 Fregatten, 3 Sloops, 3 Brander, 2 Mörserboote, 4 Galeren und einige Transporter mit Truppen, Proviant und Munition. An Zahl der Schiffe von 50 Kanonen aufwärts war er so dem Gegner gleich, aber dieser gebot doch über weit schwerere. Trotzdem hieltd'Estaingseine Lage für gefährlich, da die vorherrschenden südlichen Winde einen Angriff der Engländer, besonders ihrer Brander, begünstigten, als daher der Wind in der Nacht vom 9. auf 10. August ausnahmsweise aus NO wehte, ließ er um 7 Uhr morgens die Ankertaue kappen, ging in See und steuerte aufHowezu. Die Fregatten in der Osteinfahrt blieben zurück, um Sullivans rückwärtige Verbindungen zu sichern. Der englische Admiral hatte sich am 9. für einen Angriff zu schwach gefühlt und wollte aus gleichem Grunde jetzt in der Leestellung, in der er seine Brander nicht verwenden konnte, nicht fechten; er wich aus. Fast zwei Tage vergingen nun mit Manövrieren. Am Nachmittage des 11. August wäre es beinahe zur Schlacht gekommen, aberein Sturm trennte die Gegner und versprengte ihre Flotten.

Die Manöver der beiden Flotten.Howesteuerte beim Herauskommen der Franzosen südlich in der Hoffnung, daß der Wind bald wieder nach Süden drehen und ihm die Luvstellung geben würde;d'Estaingfolgte, um den Kampf zu erzwingen. Der Wind blieb aber ostnordöstlich und der Morgen des 11. August fand beide Flotten über Steuerbordbug nach SO liegen, die französische im Nordosten der englischen.Howewollte sich nicht zu weit von Rhode-Island abziehen lassen und bildete nachmittags die Schlachtlinie über Backbordbug mit nördlichem Kurse; es ist sehr bemerkenswert, daß er sein Flaggschiff verließ und sich auf einer Fregatte einschiffte, um im Fall des Kampfes seine Flotte besser leiten und so ihre Schwäche durch seine Geschicklichkeit ausgleichen zu können[140].D'Estainglegte seine Flotte gleichfalls über Backbordbug (gegen 4 Uhr nachm.) und näherte sich nun schnell der englischen, da seine schweren Schiffe bei dem[265]zunehmenden Seegange besser liefen und er auch raumer steuern konnte. Er hat scheinbar beabsichtigt, an die englische Linie von hinten und von Lee aus heranzugehen, um so die Zahl der anzugreifenden Gegner bestimmen und auch seine untersten Batterien verwenden zu können;Howeließ deshalb eng auf die Mitte schließen.

Aber jetzt frischte der Wind sehr auf und schwere Regenböen setzten ein. Als die französische Vorhut die englische Nachhut fast erreicht hatte (gegen 6 Uhr), sah sich d'Estaing genötigt, in einer schweren Bö mit dem Flaggschiffe beizudrehen. Die anderen Schiffe folgten seinem Beispiele; die ganze Flotte lag unter Sturmsegeln bei. Bald wehte schwerer Sturm. In der Nacht verlor das Flaggschiff Bugspriet, Besan- sowie Fockmast und das Ruder wurde beschädigt; auch die anderen Schiffe litten sehr und die Flotte wurde auseinandergesprengt. Der Sturm hielt bis zum Nachmittag des 13. an. Um diese Zeit sah sich das Flaggschiff ganz allein und wurde von einem unbeschädigten englischen 50-Kanonenschiffe angegriffen; ebenso erging es einem völlig entmasteten französischen 74-Kanonenschiff. Die Angegriffenen waren in ihrem wracken Zustande kaum fähig, sich zu verteidigen, da die beweglichen Gegner sie enfilierten, und nur der Einbruch der Nacht rettete sie; das Flaggschiff kam seinem Gegner aus Sicht, das andere erhielt Unterstützung.D'Estaingankerte noch in der Nacht etwa 60 Seemeilen östlich vom Kap May am Eingang zur Delawarebucht und am 14. trafen die anderen Linienschiffe bei ihm ein, nur eins war nach Boston gesegelt. — AuchHowesFlotte hatte mit dicht gerefften Marssegeln beigedreht und wurde gleichfalls auseinandergesprengt. Ein 50-Kanonenschiff sah sich schwer bedrängt von einem französischen Linienschiff, das jedoch beim Nahen anderer Engländer absegeln mußte; eine Sloop und ein Mörserboot wurden aber genommen. Der Admiral mit seiner Fregatte und nur zwei Linienschiffen sichtete am 15. die Franzosen auf ihrem Ankerplatze und traf dann am 17. bei Sandy Hook mit den übrigen Schiffen zusammen. Auch die englische Flotte war schwer beschädigt, aber doch weniger als die französische.

Nachdemd'Estaingseine Flotte nahe beim Eingang zur Delawarebucht wieder gesammelt und die Sturmschäden notdürftig ausgebessert hatte, ging er am 17. August nach Rhode-Island zurück und traf hier am 20. ein.Sullivanhatte seine Truppen an die englische Stellung um Newport herangeführt und seine Batterien schon bis auf 1500 Yards an die feindlichen Werke vorgeschoben. Er bat nun den Admiral dringend, mit den Schiffen die alte Stellung einzunehmen und aufs neue Leute zu landen, da er allein zu einem Angriffe zu schwach sei.D'Estaingerklärte sich zu der Landung bereit, aber nur, wenn der Erfolg innerhalb zweier Tage zu erreichen sei. Er hatte erfahren, daß Byrons Ankunft bevorstehe, ja daß einige von dessen Schiffen schon in New York angekommen seien, auch hatten einige seiner Schiffe einen zu Howes Flotte nicht gehörenden Dreidecker gesehen, wahrscheinlich Byrons Flaggschiff. Da nun ein so schneller Erfolg nicht sicher stand, erklärte d'Estaing, er dürfe sich mit seinen Schiffen dem Erscheinen eines stärkeren Feindes nicht aussetzen, und seine Kommandanten pflichteten ihm bei; dies entsprach ja auch völlig der Instruktion.Am 22. segelte er nach Boston.

Die Amerikaner ließen den Angriff auf Newport fallen.General Sullivanzog zunächst geschickt seine schwere Artillerie auf das Festland zurück und folgte dann, die Engländer abwehrend, mit den Truppen; am 31. August war er in Sicherheit. Es war hohe Zeit gewesen, denn am 1. September kamen von New York über See 4000 Engländer auf Rhode-Island an. — Empört über die Abfahrtd'EstaingserließSullivanspäter einen Tagesbefehl, der die Bevölkerung der Nordstaaten, sowie die Milizen[266]aus diesen Kolonien gegen die Franzosen aufbrachte; er hatte anscheinend vergessen, daß der Mißerfolg größtenteils durch sein anfängliches Nichtbereitsein verschuldet war. In Boston wurden sogar infolgedessen bei einem Volksauflauf zwei französische Offiziere verwundet, von denen einer starb. Der Kongreß machte diese Vorfälle durch eine Adresse an d'Estaing wieder gut, in der er der französischen Flotte Dank für die bisherige Unterstützung aussprach; auch gab man den französischen Offizieren ein großes Festessen in Boston, ein richtiges Verbrüderungsfest, bei dem 25 Trinksprüche ausgebracht wurden (vgl. Lacour, Seite 174, Fußnote). In der Adresse wurde auch warm hervorgehoben, daß sich der französische Admiral bereit erklärt habe, von Boston aus durch gelandete Mannschaften einen Angriff auf New York zu unterstützen; ein sehr leichtsinniges Versprechen, wie französische Quellen mit Recht sagen, denn die Flotte würde die Mannschaften zur Verteidigung ihrer Stellung in Boston sehr nötig gebraucht haben.

D'Estaingtraf am 28. Augustin Bostonein und ergriff sofort Verteidigungsmaßregeln. Drei schwer beschädigte Linienschiffe nebst den Fregatten legte er in den inneren Hafen, die übrigen nahmen in der äußeren Bucht eine halbmondförmige Stellung mit den Breitseiten nach See zu ein, die durch bereits vorhandene oder sofort aufgeworfene Batterien, armiert mit den Geschützen und bemannt durch die Besatzungen der im inneren Hafen liegenden Schiffe, auf den Inseln an der Einfahrt flankiert wurde. Schon am 31. war das notwendigste fertig. Es war auch die höchste Zeit, denn bald darauf erschien der unermüdliche Gegner.

Admiral Howesammelte seine Flotte am 17. August bei Sandy Hook und ging schon am 22. wieder in See.Pigothatte die Meldung gesandt, er könne sich gegen die Amerikaner wohl halten, sei aber verloren, wenn die französische Flotte aufs neue erscheine. Das englische Geschwader war zusammengesetzt wie beim ersten Auslaufen, nur trat an die Stelle eines schwer beschädigten Schiffes ein solches vonByron. Unterwegs hörte Howe, daß d'Estaing nach Boston gesegelt sei und folgte ihm. Die feindliche Stellung dort erschien ihm aber zu stark, und da er mit Hinblick auf den Zustand seiner Schiffe sowie auf die Wetterverhältnisse des herankommenden Herbstes auch eine längere Blockade für untunlich erachtete, kehrte er nach New York zurück. Bei seinem Eintreffen hier am 11. September fand er sechs weitere Schiffe Byrons vor. Bald darauf gab er sein Kommando an diesen ab.

Howe ging nach England.Er hatte schon früher aus Gesundheitsrücksichten die Erlaubnis hierzu erbeten und auch erhalten, jetzt nach Byrons Ankunft glaubte er die englische Sache auf diesem Kriegsschauplatze gesichert. Er kämpfte nur ungern gegen die Amerikaner, und allein die bevorstehende Ankunft der Franzosen bewog ihn zum Bleiben. Er war ferner, wie die meisten tüchtigen Seeoffiziere, empört über die Nachlässigkeiten und Fehler der Admiralität und trat in England schroff gegen den Ersten Lord auf, weshalb er auch erst nach dessen Rücktritt 1782 wieder aktiv verwendet wurde.

D'Estaing segelt nach Westindien. Die Engländer folgen.Mit dem Einlaufen der französischen Flotte in Boston und der Ankunft Byrons in Nordamerika schlossen die größeren Unternehmungen der Seestreitkräfte auf diesem Kriegsschauplatze für das Jahr 1778, denen allerdings auch der Eintritt der schlechten Jahreszeit ein Ende gemacht haben würde.D'Estaingmußte zunächst seine Schiffe gründlich ausbessern, bei dem Mangel an Material inBoston eine schwierige Aufgabe. Der KapitänSuffrenschlug nun vor, aus einigen gefechtsbereiten Schiffen eine fliegende Division zu bilden und mit dieser Vorstöße gegen Neubraunschweig zu machen. Die Instruktion für den Admiral empfahl dies ja auch, aber doch mehr noch die Verwendung der Flotte in Westindien, zumal bei Überlegenheit der englischen Flotte;d'Estaingentschied sich hierfür und erwartete eine günstige Gelegenheit zum Segeln. Zunächst mußte er zwar noch auf einen Angriff gefaßt sein, da es hieß,Byronsei am 18. Oktober von New York in See gegangen, als dieser aber in den nächsten vierzehn Tagen nicht erschien und ein baldiges Auslaufen auch dadurch geboten war, daß man in Boston kaum noch Lebensmittel erhalten konnte, wurden die gelandeten Geschütze sowie Mannschaften eingeschifft und die Flotte seeklar gemacht. Am 2. November wehte ein schwerer Sturm, so daß man annehmen konnte, die englische Flotte sei aus der Nähe vertrieben. Kurz vorher waren amerikanische Freibeuter mit Prisen eingelaufen, die Lebensmittel für das englische Heer geladen hatten. Die Flotte wurde so wenigstens für die Reise versorgt und trat diese am 3. November an.

VizeadmiralJohn Byronhatte am 8. Juni England mit 13 Linienschiffen — 1 zu 90 Kanonen, 11 zu 74, 1 zu 64 — und einer Fregatte verlassen. Stürmische Gegenwinde versprengten auf der Reise die Flotte. Die Schiffe waren mangelhaft bemannt, schlecht ausgerüstet — das Tauwerk vielfach nicht neu, sondern nur umgeschlagen — und litten in den Stürmen schwer. Nach 67 tägiger Reise traf das Flaggschiff allein bei Long Island ein und sichtete hier die auf ihrer zweiten Fahrt nach Rhode-Island befindliche französische Flotte. Gänzlich ohne Nachricht über die Lage in Nordamerika, wagte Byron weder New York noch die Narragansettbucht anzusteuern, sondern segelte nach Halifax; seine Schiffe sammelten sich teils hier, teils in New York. Seine Ankunft gab nun zwar den Engländern eine große Übermacht in den amerikanischen Gewässern, aber der Zustand, in dem sich sowohl Byrons wie Howes Schiffe befanden, schloß größere Unternehmungen vorläufig aus.Byrontraf persönlich am 26. September in New York ein, vermochte aber erst am 18. Oktober mit 16 Linienschiffen in See zu gehen. Er nahm Kurs auf Boston, seine Schiffe wurden jedoch durch den Sturm am 2. November aufs neue beschädigt und teils nach New York teils nach der Narragansettbucht zurückgetrieben. So konnten die Franzosen segeln.

Das Auslaufen der englischen Flotte sollte anscheinend einer von New York nach Westindien bestimmten Expedition den Weg freihalten. Da auch der Landkrieg im nördlichen Amerika während des Winters zum Stillstand kam, hatteClintonBefehl erhalten, 5000 Mann nach Westindien abzugeben. Mit diesen verließ ein Konvoi von Transportern am 4. November New York, gedeckt durch zwei 64-, zwei 50-Kanonenschiffe, zwei Fregatten und ein Mörserboot unterKommodore William Hotham; diese Expedition segelte gleichzeitig und parallel mit der französischen Flotte, ohne daß die eine von der anderen wußte. Auf der Breite der Bermuda-Inseln fielen nach einem Sturme drei versprengte Transporter den Franzosen in die Hände, aberdie Besatzungen verrieten ihren Bestimmungsort nicht. D'Estaing nahm Antigua an, kreuzte auf seiner weiteren Reise zwei Tage bei dieser Insel, ohne etwas von dem Konvoi zu sehen, und traf dann am 9. Dezember in Martinique ein. Die englische Expedition erreichte am 10. Barbados. Der Aufenthalt bei Antigua hat vielleicht dazu beigetragen, daß die französische Flotte die Eroberung der Insel Sta. Lucia durch die Engländer nicht hindern konnte.

Byronsegelte am 16. Dezember mit 10 Linienschiffen von der Narragansettbucht ab und traf am 6. Januar 1779 in Sta. Lucia ein; damit wurde für das Jahr 1779 Westindien zum Schauplatz des großen Seekrieges, wo bisher nur geringe Streitkräfte der Gegner tätig gewesen waren.

Der Landkrieg in Nordamerika 1778/79brachtein den nördlichen Staatenkeine Ereignisse von Bedeutung.Washingtonwar zwar dem von Philadelphia abziehenden englischen Heere gefolgt und hatte dann eine Stellung im Norden und Westen New Yorks bezogen, sah aber von einem Angriff auf die Stadt ab, als die französische Flotte ihre Unterstützung verweigerte. Er mußte seine ganze Kraft daransetzen, Rekruten zu werben, den Kongreß zu Maßregeln zu bewegen, um die Offiziere an die Fahne zu fesseln, und den Widerstand zu brechen, den ihm einige höhere Führer entgegensetzten. Der General hielt um diese Zeit die amerikanische Sache fast für verloren. Aber auch die englische Armee unternahm nichts von Bedeutung, und so kam es zwischen den Hauptheeren nur zu kleineren Zusammenstößen. An den Grenzen von Kanada verwüsteten von den Engländern aufgereizte Indianer und Loyalistentrupps die amerikanischen Gebiete. Auch 1779 änderte sich nichts; die Gegner lagen sich nur beobachtend gegenüber. Zu erwähnen sind einige Unternehmungen der englischen Seestreitkräfte; sie waren gegen die Stellung Washingtons und gegen die Küstenstädte gerichtet, von denen die amerikanische Freibeuterei ausging.

Kleinere Unternehmungen der englischen Seestreitkräfte(Näheres hierüber vgl. Campbell, Band V, Seite 490 ff.). Am 30. Mai 1779 ging eine Flottille von einem Linienschiff und vier kleineren Fahrzeugen unter KommodoreSir George Collier— Befehlshaber der Station von der Abfahrt Byrons bis zum Eintreffen des VizeadmiralsArbuthnotam 3. November — den Hudson hinauf und zerstörte die Forts Stoney Point und Verplanks Neck, dieWashingtonan den beiden Ufern des Flusses zur Sicherung des Verkehrs zwischen den Staaten östlich und westlich des Hudson erbaut hatte. Washington sah sich dadurch gezwungen, seine Stellung weiter nördlich in das hüglige Gelände bei Westpoint zu verlegen. — Im Juli führteColliereine Expedition gegen die Städte Newhaven, New London, Fairfield und andere an der Küste von Connecticut und vernichtete zahlreiche Freibeuterschiffe, die von hier aus den Verkehr New Yorks unsicher machten, sowie Arsenale und Magazine; einige Orte wurden völlig eingeäschert. — Ende Juli berannten die Amerikaner mit Land- und Seestreitkräften einen starken Posten, den die Engländer von Halifax aus an der Mündung des Penobscot, fast an der Grenze zwischen Maine und Neubraunschweig, angelegt hatten.Colliererschien am 13. August mit einem Linienschiffe, drei Fregatten und drei Sloops zum Entsatz. Die ganze dort befindliche amerikanische Flottille, 3 Schiffe von 24–32 Kanonen, 16 von 10-22 und eine große Zahl von Transportern, ward vernichtet.

In den südlichen Staatenerzielten die Engländer 1779 einige Erfolge. Wie man von New York Verstärkungen nach Westindien abgezweigt hatte, so hielt man im Norden die Winterruhe für geeignet, auch den im Jahre 1776 gescheiterten Versuch zur Unterwerfung der Kolonien Carolina und Georgia zu wiederholen. Am 27. November 1778 segelteOberst Campbellmit einem Truppentransport von New York, begleitet von einer Fregatte und drei kleinen Fahrzeugen, unterKapitän Hyde Parker; vier Wochen später wardSavannah (Georgia) in Besitz genommen. Gleichzeitig rückteGeneral Prevostvon der treugebliebenen Kolonie Florida vor, vereinigte sich mit Campbell, übernahm den Oberbefehl und vertrieb die Amerikaner aus ganz Georgia. Nun verstärkte der Kongreß die Truppen hier, undGeneral Lincolntrat den Engländern entgegen. Er hinderte deren Vordringen in Carolina und zwang sie, von Charleston, wo sie am 11. Mai 1779 erschienen waren, auf Savannah zurückzugehen. Dann trat für die heißen Sommermonate Waffenruhe ein, bis im Septemberd'Estaingmit der französischen Flotte und dem amerikanischen Heere eine erfolglose Belagerung Savannahs eröffnete, deren Verlauf später zur Darstellung gelangt.

Im Mai 1779 unternahmKommodore Colliereine Expeditionnach Virginien, wo die Amerikaner an den Küsten der Chesapeakebucht Material für den Seekrieg anhäuften. Er verließ am 5. Mai mit einem Linienschiff, einer Fregatte, einigen kleineren Fahrzeugen, sowie 2500 Soldaten New York und erreichte am 9. Hampton. Hier blieb das Linienschiff, während die anderen Fahrzeuge in die südlichen Flüsse der Bucht eindrangen. Norfolk und Portsmouth, die wichtigsten Plätze, wurden besetzt, aber auch der James- sowie der Yorkfluß heimgesucht. Eine große Zahl von kleineren Kriegsschiffen, Freibeutern und Kauffahrern, sowie Vorräte für die amerikanischen Heere fiel den Engländern in die Hände. Brauchbares ward mitgenommen, alles übrige sowie Magazine und Arsenale zerstört.Collierschlug vor, in Norfolk einen Waffenplatz zu errichten, um dem Gegner die Chesapeakebucht als Zufuhrweg zu verlegen, aberClintonscheint das damals noch nicht für zweckmäßig gehalten zu haben. Er rief die erfolgreiche Expedition schon Ende Mai zurück, wahrscheinlich hielt er die obenerwähnten Vorstöße auf dem Hudson und an der Küste von Connecticut zunächst für wichtiger.

Mit der Eroberung Georgias und dem Einfall in Virginiensetzte im Jahre 1780 in den Südstaaten seitens der Engländer eine Kriegführung in großem Maßstabe ein. Sie schloß mit der Übergabe des englischen Heeres bei Yorktown (Oktober 1781), und diese Katastrophe beendete den Krieg.Mahanurteilt hierüber (Clowes, Band III, Seite 442): „daß die Aufnahme des Kampfes in den Südstaaten falsch gewesen sei; es sei derselbe Fehler, aber in noch größerem Maße, begangen, den General Howe gemacht, als er 1777 nach dem Delaware zog. Man habe das so schon ungenügende Heer in zwei Teile gespaltet, die ohne unmittelbare Verbindung gewesen wären.“ Das Urteil ist richtig, denn die Verbindung war nur gesichert, solange England die See beherrschte, da am Lande der Feind zwischen den beiden Heeresteilen stand; die Seeherrschaft ward aber den Engländern mehrfach, und gerade in entscheidenden Augenblicken, mit Erfolg streitig gemacht.

Bemerkungen zu der Kriegführung in den nordamerikanischen Gewässern 1778.Bei der Beurteilung der Kriegführung in Europa (Seite 257) wurde dargelegt, daß England selber verschuldet hat, wenn seine Lage in Nordamerika durch das Erscheinen der französischen Flotte dort mißlich wurde. Einen weiteren Fehler beging es dadurch, daß es New York und Newport nicht durch Anlage von Befestigungen gegen jeden Angriff von See aus unbedingt sicherte, was bei der damaligen Beschaffenheit der Schiffe möglich war; man hätte sich dadurch sichere Stützpunkte für die eigenen Seestreitkräfte geschaffen, deren Aufgaben sehr vereinfacht und auch das Heer entlastet. Wie die Sache tatsächlich lag, hat England es nur der Wachsamkeit, Schnelligkeit und Erfahrung seines Admirals zu verdanken, daß es nicht folgenschwere Niederlagen erlitt.

Howeerkannte die drohende Gefahr im Mai, einige Wochen nachdem die französische Flotte Toulon verlassen hatte. Er mußte nun seine auf der ganzen Küste verteilten Schiffe sammeln, den Troß eines ansehnlichen Heeres einschiffen und den Delaware hinabführen, nach Sandy Hook segeln und die Truppen von dort nach New York bringen, endlich eine Verteidigungsstellung einnehmen. Er löste diese vielseitige Aufgabe, indem er alles persönlich überwachte und durch seine Gegenwart den Eifer wie die Leistungen der Offiziere und Mannschaften belebte; mit diesen Eigenschaften bildete der Admiral einen scharfen Gegensatz zu seinem Bruder, dem General. Er gewann seinem Gegner beständig Zeit ab. Vor dem Delaware ward'Estaing10 Tage gegen ihn im Rückstande, bei Sandy Hook schon 12. Sobald dann die französische Flotte nach Süden segelte, ohne anzugreifen, ließHowesie beobachten und rüstete sich schleunigst zu ihrer Verfolgung; obgleich 6 Tage durch ungünstige Wind- und Gezeitenverhältnisse in New York festgehalten, erschien er doch nur einen Tag nach d'Estaings Einsegeln in der Narragansettbucht vor dieser.

Seine Lage hier war vorzüglich. Die vorherrschenden Winde sicherten ihm die Luvstellung, und schon beim Herauskreuzen wären die feindlichen Schiffe der Gefahr ausgesetzt gewesen, einzeln angegriffen zu werden. Mutvoll und auf seine seemännische Geschicklichkeit vertrauend, nahm Howe auch die Gefahr in den Kauf, daß der Wind dem Feinde günstig sein könne. Wenn dies auch eintrat, so war das Glück doch dem englischen Admiral insofern hold, als ihm der Sturm zu Hilfe kam. Dann war seine Flotte schon nach 10 Tagen wieder see- und gefechtsbereit, obgleich die meisten der Schiffe seit zwei Jahren auf einer Station in Dienst gewesen waren, auf der es an leistungsfähigen Werften mangelte. So schlugHowedurch seine Tüchtigkeitd'Estaingauf allen Punkten; kaum ein Schuß war gewechselt und trotzdem hatte die schwächere Flotte entschiedene Vorteile errungen. Allerdings war der Führer der Franzosen dem englischen gerade in Seemannschaft nicht gewachsen und ähnlich standen die Besatzungen der beiden Flotten zueinander. Dies dürfte sich auch daraus ergeben, daß die französischen Schiffe in den Stürmen mehr litten als die englischen, obgleich sie weit später die heimischen Werften verlassen und doch Zeit genug gehabt hatten, sich einzuüben.

Die französische Expedition hätte den schwächern Engländern gegenüber großen Erfolg haben können, wennd'Estaingschneller und unternehmender gewesen wäre, aber man darf diesen dennoch nicht zu hart beurteilen. Inwieweit die lange Überfahrt seine Schuld ist, läßt sich kaum entscheiden. Der Gegner gebot in Nordamerika immerhin über eine bedeutende Macht und die französische Flotte mußte unbedingt geschlossen an ihrem Ziele eintreffen; im Segeln in großen Verbänden hatten aber die Franzosen keine Übung, da mußte das Zusammenhalten die Reise verzögern. In welchem Zustande brachte dennByrondie Flotte der sonst an Seemannschaft so überlegenen Engländer über den Ozean? Nur Glück war es, daß nicht eine Anzahl seiner versprengten Schiffe dem Feinde in die Hände fielen; allerdings hatte er sehr schlechtes Wetter.D'EstaingsZögern bei Sandy Hook ist gleichfalls zu verstehen, denn er befand sich an einer Küste, die der französischen Marine völlig unbekannt war. Bei dem damaligen Stande des Kartenwesens konnte man Lotsen nicht entbehren, und für solche rechtzeitig zu sorgen, wäre Sache der Amerikaner gewesen.

D'Estaingmußte ferner zunächst mitWashingtonüber ihr gemeinsames Vorgehen in Verbindung treten, und da gerade dieser den Angriff auf New York im Auge hatte, mußte der Admiral einen solchen mit Hilfe von Lotsen für aussichtsvoll halten, und es kam dann kaum in Betracht, wenn einige Tage mit den Vorbereitungen verloren gingen. Von dem Angriff sahd'Estainginfolge der Weigerung der Lotsen sowie der Ergebnisse der eigenen Auslotungen ab; die Annahme ist erlaubt, daß die meisten in seiner Lage ebenso gehandelt hätten. Bemerkenswert ist, daß sogar ein Seemann wieSuffren— gleicherweise andere tüchtige Offiziere des Kriegsrates — nicht für den Angriff eingetreten ist. Hätte er es getan wie bei Sta. Lucia 1779 in einer ganz ähnlichen Lage, so würde dies sicher überliefert sein, zumal da der Admiral unbeliebt war und ihm gerade Mangel in seemännischer Kenntnis vereint mit Nichtbeachtung technischer Ratschläge vorgeworfen wurde. EinNelsonund einFarraguthaben allerdings gleich gefährliche Unternehmungen durchgeführt.

Man hat sich gefragt, obd'Estaingzum Aufgeben des Angriffes, der schwere Opfer kosten und seine Flotte für lange Zeit lahmlegen konnte, nicht auch durch andere Rücksichten als rein militärische bestimmt worden sei. New York war der Mittelpunkt der englischen Macht, sein Fall mußte den Krieg mit den Kolonien schnell dem Ende nähern. Dies lag aber gar nicht im Interesse Frankreichs, da England dann ihm gegenüber die Hände freibekommen hätte. Sicher ist, daß die französische Regierung so dachte, mithin möglich, daß der Admiral geheime Weisungen in diesem Sinne erhalten hatte.

An der Verzögerung des Angriffes auf Newport war zunächst die Unfertigkeit der Amerikaner schuld. Daßd'Estaingsich dadurch hinhalten ließ und daß er das kaum begonnene Unternehmen beim Erscheinen der englischen Flotte wieder aufgab, beruht wohl auf seiner Unerfahrenheit zur See. Er war zweifellos ein tapferer und unternehmender Soldat, unterschätzte jedoch hier sowie späterhin die Kraft seiner Seestreitkräfte. Er wagte die nur schwache Stellung der Engländer ohne Mitwirkung der amerikanischenTruppen nicht anzugreifen und fühlte sich auf seinem Ankerplatz unsicher, obgleich ihm kaum eine Gefahr drohte; tatsächlich hielt ja der erfahrene SeemannHowedie Stellung der französischen Flotte für zu stark. Er hätte sicher seine Aufgabe durchführen und dann erst bei günstigem Winde ausbrechen können. Auch daß er nach dem Inseegehen den Gegner nicht zum Gefecht bringen konnte, ehe der Sturm aufkam, scheint an seinem geringeren seemännischen Geschick Howe gegenüber zu liegen. Seine spätere Vorsicht und das Absegeln nach Westindien, als Byron erschien, entsprachen den erhaltenen Weisungen. Diese englische Verstärkungsflotte hätte Frankreich schon in Europa festhalten müssen und können (vgl. Seite257).

Wenn nun auch die französische Expedition nicht die erwarteten Erfolge brachte, so nützte sie doch den Amerikanern. Sie zwang England zum Aufgeben der Stellung am Delaware, schaffte dadurchWashingtonLuft und ließ als ein Zeichen der Schwäche Englands dessen letzten Versuch zur Versöhnung scheitern. Der Aufenthalt der französischen Flotte an der Küste hielt fernerClintonvon tatkräftigem Vorgehen gegen Washington ab und erleichterte die Versorgung der Kolonien mit Zufuhren über See. Der den Engländern zugefügte unmittelbare Schaden — die Vernichtung einiger Kriegsschiffe, das Aufbringen von Transportern und Handelsfahrzeugen — war dagegen kaum nennenswert.

In Westindienhatten beide Parteien auf ihren zwei Stationen — England: Hauptstützpunkt Barbados für die Kleinen Antillen und Jamaika; Frankreich: Martinique für die kleinen Antillen und St. Domingue (Cap Français)[141]— nur geringe Streitkräfte, Fregatten und kleinere Fahrzeuge. In Frühjahr 1778 sandte England die AdmiraleSamuel Barrington[142]mit zwei Linienschiffen nach Barbados undSir Peter Parkermit einem solchen nach Jamaika. Diese sollten die Feindseligkeiten erst auf Befehl beginnen, die Franzosen kamen ihnen aber zuvor.

Wie bereits erwähnt, spielten sich die größeren Ereignisse des Krieges auf der Station der Kleinen Antillen ab. Bei den Großen Antillen wurde nur der Kleine Krieg geführt, dessen Vorfälle — Aufbringen von Handelsschiffen, Einzelgefechte von Kriegsschiffen — man in den Spezialwerken der beiden Marinen findet.

Am 17. August 1778 überbrachte eine Fregatte dem Generalgouverneur der französischen Kleinen Antillen,Marquis de Bouillé, mit der Nachricht von den ersten Gewalttaten der Engländer im Kanal den Befehl zurEroberung Dominicas. Diese vorher neutrale Insel war 1763 an England gefallen, Frankreich wollte sich jetzt ihrer bemächtigen nicht nur zur Erweiterung seines Besitzes, sondern auch um seine militärische Stellung zustärken, da sie zwischen den beiden wichtigsten französischen Inseln, Martinique und Guadeloupe, in Sicht von diesen lag. Ihre Befestigungen waren zwar stark, die Besatzung aber nur schwach.Bouillésegelte am 6. September mit drei Fregatten, einer Korvette, 1200 Soldaten und 1000 Freiwilligen, Kreolen und Farbigen, in wenigen Stunden von Martinique nach der Hauptstadt Dominicas, Le Roseau jetzt Charlottetown, hinüber, und der englische Gouverneur unterzeichnete schon am nächsten Tage die Übergabe, um unnützes Blutvergießen zu vermeiden. Gut gehaltene Werke mit 164 Kanonen sowie 48 Mörsern und reiche Vorräte fielen den Franzosen in die Hände; sie waren jetzt im Besitz der vier in einer Linie liegenden Inseln Sta. Lucia, Martinique, Dominica, Guadeloupe.

see captionSamuel Barrington.

Samuel Barrington.

Der Kampf um Sta. Lucia.Barringtonhatte auf ausdrücklichen Befehl in Barbados auf Weisungen gewartet und auch nichts von dem schnell und geheim vorbereiteten UnternehmenBouilléserfahren, sonst hätte er es wohl leicht verhindert, da er über zwei 74-Kanonenschiffe verfügte. Er erwies sich als tüchtiger und schnell entschlossener Führer. Als am 10. Dezember 1778 der KommodoreHothammit 7 Kriegsschiffen nebst dem Transporte von New York eintraf, beließBarringtondie Truppen an Bord, ging schon am 12. zumAngriff auf Sta. Luciain See und sandte Kreuzer voraus, um zu verhindern, daß durch Handelsschiffe Nachricht dorthin gelange. Die Insel, gleichfalls früher neutral und 1763 an Frankreich gefallen, war strategisch wichtig für England, da man von ihr aus leicht Martinique mit dem Haupthafen der französischen Antillen, Fort Royal, beobachten konnte. Sie wurde fast ohne Kampf am 13. und 14. Dezember genommen.

Eroberung Sta. Lucias durch die Engländer.Am 13. Dezember 1778 ankerteBarringtonin der Bucht Cul de Sac auf der Westseite der Insel, landete einen Teil der Truppen und besetzte die Batterien am Strande sowie eine Höhe, die von Norden die Bucht beherrschte; die schwache französische Besatzung konnte bei Räumung der Werke nicht einmal die Geschütze vernageln. Am nächsten Tage bemächtigten sich die Engländer ebenso leicht eines Werkes auf der Höhe Morne de La vierge im Norden der benachbarten Bucht La Carenage (an der jetzt die Hauptstadt der Insel, Castries, liegt).[274]wodurch sie auch diesen Ankerplatz beherrschten, und besetzten gleichfalls die damalige weiter im Innern gelegene Hauptstadt Morne fortuné. Der französische Gouverneur zog sich mit einigen hundert Soldaten und Milizen in die Berge zurück.

Aber bereits am 14. Dezember abends erschienVizeadmiral d'Estaingmit den 12 Linienschiffen, die er von Nordamerika hergeführt hatte, und den Fregatten de Bouillés. Er war am 9. in Martinique angelangt und hatte den Oberbefehl zur See übernommen. Er sollte nicht Eroberungen machen, sondern nur englische Inseln überfallen, deren Befestigungen schleifen, Kriegsmaterial und Garnisonen hinwegführen. Hätte er nun sofort einen Aufklärungsdienst angeordnet, wo er wußte, daßHothamangelangt sei, würde er die Wegnahme Sta. Lucias leicht haben hindern können. So erfuhr er erst am 13. durch einen amerikanischen Freibeuter die Abfahrt der Engländer von Barbados. Er ging nun mit etwa 3000 Soldaten und Milizen am 14. in See und sichtete abends das englische Geschwader bei Sta. Lucia, das er auf dem Wege nach Grenada geglaubt hatte. Trotz seiner großen Übermacht an Zahl und Stärke der Schiffe (vgl. Seite260) vermochte er die Insel nicht zurückzuerobern, daBarringtonbereits festen Fuß gefaßt hatte und sich jedem Angriffe zu Wasser wie zu Lande gewachsen zeigte.

Erfolgloser Angriff der Franzosen auf Sta. Lucia.Barringtonwar gerade in Besitz der Küste von La Vierge bis zum Südende des Cul de Sac gelangt und beabsichtigte, seine Schiffe in die sicherere Bucht Le Carenage zu legen, als eine Fregatte das Nahen der Franzosen meldete und diese auch von den Höhen gesichtet wurden. Er legte nun während der Nacht seine sieben Schiffe von über 50 Kanonen (nur zwei zu 74) in eine Linie am Eingange des Cul de Sac, wobei er die an den Strand sich anlehnenden Flügel durch Wahl der stärksten Schiffe und durch quer gelegte Fregatten gegen Umgehung sicherte; die Soldaten setzten die eben genommenen Werke in Gefechtsbereitschaft.D'Estaingsteuerte am 15. mit Tagesanbruch in die Bucht Le Carenage, um von hier aus den französischen Garnisonen Hilfe zu bringen, ein lebhaftes Feuer von La Vierge belehrte ihn erst, daß auch diese Bucht schon im Besitz des Feindes sei, und daß es sich nicht um Entsatz, sondern um Wiedereroberung der Insel handele. Er beschloß, das englische Geschwader anzugreifen. Um 11½ Uhr vormittags führte er seine Flotte in großem Abstande an den englischen Schiffen vorüber, wechselte mit ihnen Schüsse und wiederholte dieses Manöver einige Stunden später; nennenswerte Verluste oder Beschädigungen erlitt keiner der Gegner, die Engländer verloren nur drei Tote.

Es ist nun wahrscheinlich, daß die Franzosen an diesem Tage wegen Windstille unter Land nicht näher herankommen konnten, aber auf eine günstige Gelegenheit hierzu war mit Sicherheit früher oder später zu rechnen. Trotzdem entschied sichd'Estaing, die englische Stellung zu Lande anzugreifen. Er ankerte in einer Bucht nördlich von Le Carenage, schiffte die Landtruppen sowie etwa 4000 Mann der Flotte aus und marschierte am 18. gegen La Vierge. Da aber der Hügel mit dem Fort auf dem Ende einer niederen Landzunge lag, gerieten die Franzosen in ein vernichtendes Feuer, und drei durch d'Estaing und de Bouillé persönlich geführte, mit größtem Mute unternommene Angriffe wurden unter Verlust von 41 Offizieren und 800 Mann an Toten und Verwundeten abgeschlagen. Noch am Abend des 18. schiffte man sich wieder ein. Der Admiral zog nun doch den Angriff des englischen Geschwaders in Betracht. Er ließ durch eine Fregatte vor dem Cul de Sac die Windverhältnisse beobachten, und als diese am 24. günstig erschienen, lichtete er Anker.Barringtonhatte aber die Frist benutzt, seine Schiffe weiter in die Bucht zu legen, wohin die Seebrise seltener kam und wo er noch sicherer vor Umgehung der Flügel war; auch die Zahl der Batterien am Lande war vermehrt.[275]D'Estaingerachtete jetzt wohl die feindliche Stellung für zu stark oder den Tag zu weit vorgeschritten und nahm den alten Ankerplatz wieder ein. Als er hier am 28. Dezember erfuhr, daßByronmit seiner Flotte in Westindien erwartet würde, gab er das Unternehmen gegen Sta. Lucia vorläufig auf.

D'Estaingsegelte am 29. Dezember nach Martinique zurück und am 30. unterzeichnete der französische Gouverneur die Übergabe von Sta. Lucia. Die Insel blieb während des Krieges englischer Besitz und bewährte 1782 ihre strategische Wichtigkeit; von ihr aus beobachteteRodneydie französische Flotte vor seinem großen Siege.

D'Estaing erobert St. Martin, St. Barthélemy, St. Vincent und Grenada 1779.Die ersten Monate des Jahres verliefen ohne größere Ereignisse, obgleich die Seestreitkräfte auf beiden Seiten ansehnlich verstärkt wurden. Am 6. Januar trafVizeadmiral John Byron[143]mit 10 Linienschiffen von Nordamerika in Sta. Lucia ein und übernahm den Oberbefehl; in der zweiten Hälfte des Februar führte ihm KontreadmiralJoshua Rowley, der im Dezember England mit einem Konvoi Kauffahrer verlassen hatte, noch 7 Linienschiffe zu. Zu d'Estaings Flotte stieß am 12. Februar mit 4 Linienschiffen der Chef d'EscadreComte de Grasse, der am 14. Januar von Brest abgesegelt war. Die Gegner waren zu dieser Zeit also annähernd gleich stark. Vorher hatted'Estaingeinen Erfolg gehabt. Am 11. Januar war er aufs neue vor Sta. Lucia erschienen, als aber seine Fregatten dort 15 Linienschiffe zählten und damit die Ankunft Byrons feststellten, ging er nach Martinique zurück, doch ließ erSt. Martin und St. Barthélemydurch kleine Schiffe überrumpeln. Am 26. April traf eine neue französische Verstärkung von 2 Linienschiffen, 2 Fregatten sowie 3 Korvetten unter dem Chef d'EscadreMarquis de Vaudreuilein; diese Division hatte schon im Dezember Brest verlassen, aber zunächst einen Vorstoß gegen die englischen Besitzungen in Westafrika gemacht.

AuchByronwar im Januar vor Fort Royal erschienen, um den Feind herauszulocken und ließ dann gegen französische Verstärkungen kreuzen; beides ohne Erfolg. Anfang Juni mußte er Sta. Lucia auf längere Zeit verlassen. Bei St. Christoffer hatte sich ein großer Konvoi von Handelsfahrzeugengesammelt, für dessen sichere Abfahrt er verantwortlich war; mit Rücksicht auf die große französische Flotte begab er sich mit sämtlichen Schiffen dorthin.

D'Estaingerhielt hiervon Kenntnis und benutzte die Gelegenheit. Am 9. Juni sandte er 2 Linienschiffe, 2 Fregatten und 6 kleinere Fahrzeuge mit 400 Soldaten gegenSt. Vincent. Am 17. traf die Expedition bei der Insel ein und bemächtigte sich leicht der Hauptstadt Kingstown. Wenn auch die englische Garnison von 7 Kompagnien nicht als schwach gelten konnte, so mußte doch der Gouverneur mit den Eingeborenen rechnen, die den Engländern feindlich gesinnt waren, und den Franzosen ihre Hilfe angeboten hatten. Am 27. Juni stieß nun noch eine dritte Verstärkung zur französischen Flotte, der Chef d'EscadreLa Motte-Picquet, der am 1. Mai mit 4 Linienschiffen, einem 50-Kanonenschiffe, 3 Fregatten und einem großen Konvoi von Transportern (Zufuhren für die Flotte und die Inseln) sowie Handelsschiffen Frankreich verlassen hatte.D'Estainghielt sich jetzt für stark genug, größeres zu unternehmen. Ohne den angekommenen Schiffen nach der langen Reise Ruhe zu gönnen, ging er schon am 30. Januar mit seiner ganzen Flotte von 24 Linienschiffen in See, um den Hauptstützpunkt der Engländer, Barbados, anzugreifen; er hoffte, daß dann auch Sta. Lucia fallen würde. Da jedoch der Wind für den Kurs nach dieser Insel ungünstig war, bemächtigte er sichGrenadas. Am 2. Juli ankerte er vor Georgetown, setzte 1200 Mann an Land und nahm, auch hier persönlich führend, eine die Stadt beherrschende Höhe, nach der sich die nur etwa 70 Mann starke Garnison zurückgezogen hatte. Am 4. ward die Insel übergeben, eine Kriegssloop und 30 reichbeladene Kauffahrer fielen den Franzosen in die Hände.

Die Schlacht bei Grenada, 6. Juli 1779.Aber schon am 5. Juli erhieltd'Estaingdie Nachricht, daß die englische Flotte St. Vincent passiert habe und herankomme.Byronwar am 6. Juni mit dem Konvoi von St. Christoffer abgefahren, hatte ihn in Sicherheit gebracht und traf dann am 1. Juli in Sta. Lucia ein. Auf die Nachricht, St. Vincent sei gefallen und Grenada bedroht, ging er am 3. in See, um diese Insel zu schützen; von der letzten Verstärkung der Gegner wußte er noch nichts, von der vorletzten wahrscheinlich nichts Genaues. Am 6. morgens langte er an der Nordwestspitze Grenadas an und es kam noch am selben Tage zur Schlacht.

Die französische Flottezählte nach Troude: 2 Schiffe zu 80 Kanonen, 11 zu 74, 7 zu 64, 4 zu 50 und einige Fregatten;die englischenach Clowes: 1 Schiff zu 90, 11 zu 74, 1 zu 70, 7 zu 64, 1 zu 60, 1 Fregatte als Signalwiederholer und 26 Transporter mit Truppen sowie Kriegsmaterial.

Alsd'Estaingam 5. Juli das Nahen der englischen Flotte erfuhr, blieb er vor Anker liegen, um nicht bei den nur leichten östlichen Winden durch die Strömungen nach Lee vertrieben zu werden und so dem Gegner die Annäherung an die Insel preiszugeben. Erst als dieser am 6. morgens gegen 6 Uhr in Sicht kam, befahl er, die Schlachtlinie beim Winde über Backbordbug zu bilden; ein Schiff nach dem anderen lichtete Anker und nahm seinen Platz in der Linie ein.Barringtonkonnte in dem Knäuel der zu Anker liegendenSchiffe deren Zahl nicht feststellen, wollte die scheinbare Unordnung zum Angriff ausnutzen, befahl deshalb „allgemeine Jagd“ und richtete diesen Vorstoß besonders auf die noch still liegenden Schiffe. Seine eigene Flotte befand sich nicht in Gefechtslinie. Drei Schiffe unter KontreadmiralRowleywaren zur Bedeckung des Konvois abgezweigt (s. Plan A. a.), da es an Fregatten mangelte; drei Schiffe standen ziemlich weit in Lee der anderen (b.); auf den Befehl zur Jagd eilten das Flaggschiff des VizeadmiralsBarrington, des Zweiten im Kommando, nebst zwei anderen der Flotte voraus (c.). Aus diesen Umständen erwuchsen große Nachteile. Die Voraussegelnden erhielten bei ihrer Annäherung enfilierendes Feuer von sämtlichen Franzosen, die sich in Linie setzten, konnten es kaum erwidern und wurden schwer beschädigt. Von der weiter segelnden französischen Linie, die mit der englischen Flotte beim Passieren sonst nur auf weite Entfernung Kugeln wechseln konnte, wurden die drei in Lee stehenden englischen Schiffe sehr mitgenommen (Plan A. zeigt die Lage gegen 8 Uhr vorm.). Infolge des nur leichten Windes erreichtenBarringtonsSchiffe die Bucht erst, als auch das letzte feindliche bereits unter Segel war; sie halsten nun und steuerten gleichfalls über Backbordbug zu Luward der französischen Linie entlang.


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