see captionSchlacht bei Dominica 12. April 1782.
Schlacht bei Dominica 12. April 1782.
Die französische Linie war somit an zwei Stellen von Kolonnen durchbrochen und nach Lee gedrängt. Die ganze englische Vorhut sowie 5 Schiffe der Mitte waren weiter gelaufen; die vordersten Schiffe der Vorhut müssen zur Zeit des Durchbruches bereits das Ende der französischen Linie passiert haben. Auffallend ist, daß diese 16 Schiffe keinen Befehl zum Wenden erhielten, um dem Feinde zu folgen; der Admiral der Vorhut hätte ihn auch selber geben können, da das Signal „Schlachtlinie“ nicht mehr wehte. Keine englische Quelle äußert sich hierüber, es wird nur erwähnt, daß das 11. Schiff „Russel“ und das 12. „America“ aus eigenem Antriebe gewendet hätten.Dieses wendete zurück, da kein Signal kam, „Russel“ blieb auf dem neuen Kurse und konnte infolgedessen später bei der Verfolgung der „Ville de Paris“ kräftig eingreifen. Auch die englische Flotte war in drei Gruppen geteilt, und beide Oberbefehlshaber strebten nun, ihre Kräfte wieder zu sammeln; das Feuer hatte im allgemeinen zwischen 10½ und 11 Uhr aufgehört, nur die letzten Schiffe der englischen Nachhut scheinen es bis gegen Mittag noch unterhalten zu haben.
Rodneywendete nach dem Durchbruch mit seiner Gruppe und gab gegen 11½ Uhr auch der Vorhut Befehl hierzu. Das Manöver erlitt jedoch erhebliche Verzögerung, da die Takelagen beschädigt waren und der Wind flau und unbeständig wehte;Hoodwar mit der Nachhut nach dem Durchbruch anstatt sogleich zur Mitte zu steuern, am Winde geblieben und bald in Stille geraten. Als gegen 1 Uhr nachmittags etwas frischere Brise von Osten aufkam und den Pulverrauch vertrieb, lagen die beiden Flotten, wie aus Plan IV ersichtlich: die französische Vorhut (V) stand etwa zwei Seemeilen zu Luward der Gruppe bei de Grasse (M), die Nachhut (N) etwa 4 Seemeilen in Lee von dieser; die englische Flotte bot ein ähnliches Bild (V1, M1, N1). Zwischen beiden Flotten lagen die französischen Schiffe „Glorieux“, „César“, „Hector“ fast bewegungslos.
De Grassegab im Laufe des Nachmittags wiederholt Befehl, die Ordnung auf die am meisten in Lee befindlichen Schiffe wieder herzustellen, aber ohne Erfolg. Die drei Gruppen näherten sich wohl etwas, ein wirkliches Sammeln kam jedoch nicht mehr zustande; die Beschädigungen und der schwache Wind mögen es vereitelt haben, die Schiffe konnten wohl raum segeln, aber schlecht manövrieren, vielleicht hat auch der Eindruck der Niederlage das Seinige dabei getan.Rodneyhat, als um 1 Uhr Wind aufkam und man die Lage übersehen konnte, keine Maßregeln zur Ausnützung des bisherigen Erfolges ergriffen; er heißte zwar das Signal „Nahgefecht“, holte es aber bald wieder nieder. Er scheint mit dem Flaggschiff längere Zeit dem Feinde nur unter kleinen Segeln gefolgt zu sein, und viele seiner Schiffe taten das gleiche. So näherten sich die englischen Gruppen wohl dem Gegner, aber eine scharfe Verfolgung trat nicht ein. Dennoch fielen fünf Franzosen vorausgeeilten Engländern in die Hände. Etwa um 4 Uhr wurden die obengenannten drei vereinzelten Schiffe und auch ein schlechter Segler der Vorhut, „Ardent“, genommen, und gegen 6 Uhr strich das Flaggschiff „Ville de Paris“ nach tapferster Gegenwehr die Flagge vor „Barfleur“ und „Russel“; es soll um diese Zeit von 9 englischen Schiffen umgeben gewesen sein.
Die Nacht brach nun herein. Der Chef d'Escadrede Vaudreuilübernahm auf französischer Seite den Oberbefehl. Er mehrte auf „Triomphant“ Segel, hielt ab und befahl, ihm zu folgen, doch konnte der aufzunehmende Kurs nur durch Zuruf von Schiff zu Schiff weitergegeben werden.Rodneyließ um 6¾ Uhr die Linie über Steuerbordbug bilden und beidrehen.
Der Verlustder Engländer betrug 243 Tote, darunter 2 Kommandanten, und 816 Verwundete; der der Franzosen ist nirgend verzeichnet,doch sagen ihre eigenen Quellen, er sei viel stärker gewesen. Acht Kommandanten waren gefallen und 5 Schiffe verloren; der Zufall wollte, daß sich auf dem Flaggschiffe reiche Geldmittel und auf den anderen der größere Teil der Artillerie für die Expedition gegen Jamaika befand. Diese 5 in der Schlacht genommenen Schiffe, sowie zwei weitere, die später Hood in die Hände fielen, sind aber nie nach England gekommen; „César“ flog noch in der Nacht auf und die anderen sind sämtlich in Westindien oder auf der Fahrt nach England, stark beschädigt wie sie waren, in stürmischem Wetter untergegangen.
Die französischen Verlustemüssen sehr viel höher gewesen sein. Während der stärkste Verlust auf einem englischen Schiffe („Duke“) 73 Mann betrug, sind mit „César“ allein 400 Franzosen umgekommen, und Troude schreibt, „Ville de Paris“ habe 400 Tote und 600 Verwundete gehabt; die Engländer seien beim Anbordkommen vor Entsetzen starr gewesen. Dieses Mißverhältnis ist nicht allein dadurch bedingt, daß die Franzosen wieder besonders auf die Takelage gefeuert hatten, sondern auch durch die zweifellos bessere Artillerie der Engländer. Ihre Schiffe führten Karronaden, deren große Vorteile im Nahgefecht wir kennen; ihre Geschütze waren teilweise mit Hammerschlössern versehen, die Zielen und Abfeuern durch denselben Mann erlaubten; neue Vorrichtungen an den Lafetten gestatteten schnelleres Richten. Daß die französische Marine die englischen Verbesserungen noch nicht eingeführt hatte, war eine um so gröbere Nachlässigkeit des Ministeriums, als Offiziere wie Suffren auf Vervollkommnungen der Artillerie gedrungen hatten, so auf Einführung von Haubitzen auf Oberdeck für Kartätschfeuer, also etwas Ähnliches wie die Karronaden, die Sache war aber verschleppt worden. Ferner häufte auch der Umstand die Verluste der Franzosen, daß auf ihren Schiffen sich 5400 Soldaten befanden, die nun als Kanonenfutter dienten.
Kritik der Schlacht am 12. April[173].Gerade diese Schlacht ist bis zur Jetztzeit Gegenstand eingehender Besprechung gewesen. Sie war nach langer Zeit die größte rangierte Schlacht und gewann besondere Bedeutung für die Seetaktik, da in ihr durch Brechen mit dem langjährigen Schema eine große Entscheidung herbeigeführt wurde; wir wissen, daß mit ihr das Wiederaufleben der Taktik beginnt. Wir wollen die hauptsächlichsten Auslassungen bedeutender Autoren der neueren Zeit kurz zusammenfassen.
Rodneys Durchbruch.Es ist gestritten worden, ob es richtig war, die feindliche Linie zu durchbrechen, oder obRodneynicht besser seinen Kurs fortgesetzt, die feindliche Nachhut mit seiner ganzen Linie beschossen, dann mit seiner Spitze hinter ihr gewendet und die letzten Schiffe zwischen zwei Feuer genommen hätte. Die feindliche Linie von hinten von beiden Seiten anzugreifen, ist allerdings unter anderen Umständen von Vorteil, aber ob es hier möglich war, bleibt fraglich. Die englische Linie hatte schon längere Zeit im Gefechte gelegen und nicht alle Schiffe hätten schnell wenden und dann den Gegner einholen können; es wäre wahrscheinlich bei einem Passiergefechte geblieben, ähnlich wie bei Ouessant (1778), nach dem die Engländer höchstensdie Luvstellung gewonnen hätten. Zuzugeben ist nun allerdings, daß der Durchbruch der Kolonne Rodneys den letzten elf Franzosen den Rückzug nach Lee freigab, nachdem sie nur von der englischen Vorhut beschossen waren, während diese das Feuer der ganzen französischen Linie erhielt, dafür aber waren sie durch das Ausweichen nach Lee für einen längeren und wichtigen Zeitraum außer Gefecht gesetzt und wären nicht imstande gewesen, dem Reste ihrer Flotte Hilfe zu bringen; die Engländer konnten diesen mit erdrückender Überzahl angreifen, da sie die Luvstellung gewonnen hatten, während die elf französischen Schiffe hoffnungslos in Lee lagen.
Dadurch, daß auchHooddurchbrach, wurde die Sache nur wenig anders. Die Gruppe der sechs Schiffe beide Grassewar von dem vorderen und dem hinteren Teile der Flotte abgeschnitten und gleichfalls nach Lee getrieben; die französische Linie war in drei Teile getrennt, die sich nur schwer wieder vereinigen konnten, und man darf auch den moralischen Eindruck nicht unterschätzen, der hierdurch entstand. Dazu kommt nun die größere Ausnutzung des Feuers seitens der durchbrechenden Schiffe. Beim Passiergefecht würden unter gleichen Umständen Breitseiten abgegeben und empfangen sein, hier erhielten die französischen Schiffe an den Durchbruchsstellen nacheinander das Feuer aller Schiffe der durchbrechenden Kolonne, und diese hätten sogar die Kanonen beider Seiten zur Verwendung bringen können; tatsächlich tat es nur „Formidable“, da die Backbordbatterien der anderen nicht bereit waren.Rodneys Manöverhatte also zur Folge: die Gewinnung der Luvstellung und damit die Möglichkeit zum angriffsweisen Vorgehen; die Vereinigung des Feuers auf einen Teil der feindlichen Schlachtordnung; das Auseinandersprengen und Verwirren dieser. Es ist kein stichhaltiger Einwurf, daß sich die Franzosen bei geschickterem Manövrieren früher wieder hätten vereinigen können; ein Unternehmen, das beim Gelingen Vorteil verspricht, verliert dadurch nicht an Wert, daß es vom Gegner pariert werden kann.
Sicher ist wohl, daßRodneyden Durchbruch nicht vorher beabsichtigt hat, sondern nur die günstige Gelegenheit — den raumenden Wind und die sich bietende Lücke — wahrnahm. Der Admiral soll sogar dabei gar nicht eigenem Antriebe, sondern nur einem Drucke seines Stabschefs, KapitänSir Charles Douglas, gefolgt sein; gewichtige Beweisgründe, die dessen Sohn beibringt, scheinen dies zu bestätigen. Sie dürften indessen doch mit Vorsicht aufzunehmen sein, denn zweifellos hat Rodney die vonClerkaufgestellten taktischen Grundsätze (vgl. Seite44) gekannt und gebilligt, und dieser sieht den Durchbruch mit der eigenen Mitte vor. Wohl ist es möglich, daß Douglas die Anregung gegeben, aber unwahrscheinlich, daß es längerer Vorstellungen bedurft hätte, zu denen überdies nicht einmal die Zeit vorhanden war.
Rodneys eigene Ansicht über die Schlacht ist bemerkenswert.Er hielt nur wenig von seinem Siege am 12. April und würde es vorgezogen haben, seinen Ruf auf die Taktik zu gründen, die er in der Schlacht bei Martinique am 17. April 1780 hatte anwenden[372]wollen. Er war überzeugt, daß die damals gebotene Gelegenheit, mit einer schwächeren Flotte einen tüchtigen Führer (er hieltde Guichenfür den Besten der Franzosen) zu schlagen, ihm ohne die Fehler seiner Kommandanten größeren Ruhm erworben haben würde. Das Schicksal fügte es sonderbar. Sein Ruhm gründet sich auf der allerdings glänzenden Schlacht am 12. April 1782, an der aber seine Fähigkeiten den geringsten Anteil hatten, und die Haupttat seines Lebens, in der Verdienst sowie Erfolg sich entsprachen, nämlich die Vernichtung der spanischen FlotteLangarasbeim Kap St. Vincent am 16. Januar 1779, ist kaum noch bekannt. Übrigens schrieb auch im letzterwähnten Falle das Tagesgeschwätz dem Kommandanten des Flaggschiffes das Verdienst zu, doch ist dies zweifellos widerlegt. (Vorstehendes nach Mahan I, Seite 488.)
Das Unterlassen der Verfolgungam 12. April bezeichneteHoodals einen großen Fehler Rodneys. Er war der Ansicht, daß 20 Schiffe hätten genommen werden können, wenn nach dem Durchbruch „Allgemeine Jagd“ befohlen und man dem Gegner unter vollen Segeln auch während der Nacht auf den Fersen geblieben wäre; der obengenannte Chef des Stabes pflichtete ihm bei. Diese beiden erfahrenen Offiziere haben dann auch am nächsten Tage versucht, den Admiral zur Aufnahme der Verfolgung zu bewegen, aber er soll freundlich geantwortet haben: „Come, we have done handsomely as it is.“Rodneyrechtfertigte später die unterlassene Verfolgung mit dem Hinweis auf die vielfachen Schiffsschäden und sonstigen Folgen der heißen Schlacht, auch legte er nahe, daß der Erfolg in der Nacht zweifelhaft gewesen sein würde, weil der Feind „in einer geschlossenen Masse von 26 Schiffen“ abgezogen sei. Dies war nun allerdings nicht der Fall, wie sich zeigen wird, undHoodhatte wohl recht, wenn er eine tatkräftige Verfolgung unmittelbar nach der Schlacht oder doch am nächsten Tage für erfolgreich hielt. Dennoch erscheint es gewagt, Rodney unbedingt zu verurteilen; Hood war zwar ein hervorragender Führer und die Folgen gaben ihm recht, aber Rat sowie Kritik sind jederzeit leicht, und die volle Verantwortung fühlt nur der, auf dessen Schultern sie ruht.
De Grasse wurdein Frankreichsehr angegriffen. Man gab ihm zu, daß er mit 2246 Kanonen auf 30 Schiffen gegen 2674 Geschütze auf 36 sehr im Nachteil gewesen sei, aber die Hauptschuld an der Niederlage maß man doch seinem Verhalten bei.
Die Unterlegenheit geben die Engländer nicht voll zu.Douglas, der sich besonders mit Artillerie beschäftigte, meinte, die Franzosen hätten nicht nur die besseren Schiffe gehabt, sondern das Gewicht der Batterien auf ihren 30 Schiffen habe dem der 36 Engländer gegenüber zwei 74-Kanonenschiffe aufgewogen.
Am 9. April habe er trotz günstiger Umstände mit Rücksicht auf seine Aufgabe eine Schlacht vermieden und am 12. seine Flotte so geführt, daß es zu einer solchen unter nachteiligen Verhältnissen kommen mußte. Es wurden dann die schon besprochenen Fehler aufgeführt: Unnötige Besorgnis um „Zélée“ und das dadurch verursachte Aufgeben des bereits gewonnenen Luvraumes; Herangehen an den Feind, ehe die Linie gebildet war; Wahl des falschen Buges. Der Admiral versuchte, die Schuld auf einen Teil seiner Untergebenen abzuwälzen, die seine Befehle nicht befolgt und ihn später imStich gelassen hätten. Erst zu Beginn des Jahres 1784 konnten alle Angeklagten und Zeugen vor dem Kriegsgerichte erscheinen. Das Ergebnis der Verhandlungen war, daß fast alle vom Admiral Angeklagten gänzlich gerechtfertigt hervorgingen und nur einige unter Zugeständnis mildernder Umstände gelinde bestraft wurden; dem Admiral jedoch legte das Gericht die genannten Mißgriffe zur Last.De Grasseschädigte durch sein Auftreten nach der Niederlage und nach dem Urteilsspruche selber den Ruhm, den er sich in Nordamerika zweifellos erworben hatte.
De Grasseging als Gefangener mit Rodney nach Jamaika und ward im Mai nach England gesandt. Dort wurde er sowohl von den Seeoffizieren wie von der Bevölkerung mit der wohlwollenden Aufmerksamkeit behandelt, die der Sieger einem immerhin tapferen Besiegten gern erweist. Diese Behandlung scheint er ziemlich würdelos aufgenommen und auch zu den Gegnern gehässig über seine Untergebenen geurteilt zu haben. Er tat dies ferner nicht nur in dienstlichen Berichten, sondern auch in Flugschriften, die er von England aus durch ganz Europa versandte. So war es kein Wunder, daß er bei der Rückkehr nach Frankreich nach seinem eigenen Ausspruch „keine Hand fand, die sich ihm entgegenstreckte“. Gegen die Urteile des Kriegsgerichts legte er in einem Briefe an den Marineminister Berufung ein und forderte eine neue Untersuchung. Der Minister antwortete im Namen des Königs ziemlich schroff. Nachdem er die Widersprüche in den Flugschriften mit den Ergebnissen der Untersuchung besprochen sowie dem Admiral den Vorwurf gemacht hatte, leichtfertig den Ruf seiner Offiziere gefährdet zu haben, schloß er: „Seine Majestät ist mit Ihnen sehr unzufrieden und verbietet Ihnen, vor ihm zu erscheinen; ich füge den Rat hinzu, daß Sie sich in Ihre Provinz zurückziehen.“De Grassestarb 1788.
Die Folgen der Schlacht bei Dominica.De Vaudreuilhatte am Morgen des 13. April nur 11 Linienschiffe um sich, von denen er eins sogleich nach Cap Français voraussandte. Mit den übrigen kreuzte er einige Tage bei Haiti, um Versprengte aufzunehmen, und es stießen auch noch 6 Schiffe zu ihm. Auf der Fahrt sind also niemals mehr als 16 Schiffe vereint gewesen. Bei seiner Ankunft in Cap Français waren schon 3 Linienschiffe dort eingetroffen, auch fand der Admiral den Konvoi nebst den zwei 50-Kanonenschiffen, sowieSolanomit 15 spanischen Linienschiffen vor; 15–20 000 Mann Landtruppen waren versammelt. In den ersten Tagen des Mai langte Chef d'Escadrede Bougainvillemit 5 Linienschiffen an, die er nach der Schlacht zur Wiederinstandsetzung nach Curaçao geführt hatte.
Rodneykreuzte nach der Schlacht mehrere Tage bei Guadeloupe in der Hoffnung, noch versprengte Franzosen zu fangen. Er war oft durch Windstille behindert, aberHoodbehauptet, man würde 50 Seemeilen westlicher genügend Wind zur Verfolgung gefunden haben. Erst am 17. April zweigteRodneyden AdmiralHoodmit 10 Linienschiffen nach Norden ab, während er mit der Hauptflotte nach Jamaika segelte.Hoodeilte zur Mona-Passage, zwischen Portoriko und Haiti, und fing hier am 19. die beiden Linienschiffe ab, die vor der Schlacht die französische Flotte verlassen hatten; auch zwei diese begleitenden Fregatten fielen in seine Hände.Vaudreuilselber hatte erst am 18. den Kanal passiert; es ist also anzunehmen, daß die französische Flotte schwer gelitten haben würde, wennRodneydie Verfolgungmit voller Kraft rechtzeitig aufgenommen hätte.Hoodverfehlte nicht, dies in dem Berichte über seinen Fang dem Oberbefehlshaber nahezulegen. Hier scheint alsoRodneyseine Aufgabe, Jamaika zu schützen, höher gestellt zu haben, als die Ausnutzung der Gelegenheit, die feindlichen Seestreitkräfte zu vernichten.
Jamaika war allerdings gerettet.Die Führer der Verbündeten sahen von der Expedition ab, obgleich sie über 40 Linienschiffe in Cap Français verfügten. Sie unternahmen auch sonst nichts von größerer Bedeutung, nur ließ der Gouverneur von Kuba am 6. Mai durch 3 Fregatten und 60 Transporter mit Soldaten dieBahamainselnbesetzen. Auchder moralische Eindruckdes Sieges war groß; in England erregte er maßlose Freude, in Frankreich große Niedergeschlagenheit und hat wohl hier die Neigung zum Friedensschluß gefördert. Die namentlich früher in Geschichtswerken viel verbreitete Ansicht, der Sieg habe den für England günstigen Frieden herbeigeführt, da durch ihn die französische Marine zum Kampf um die Seeherrschaft unfähig geworden sei, trifft nicht zu; die Verbündeten blieben im Gegenteil unmittelbar nach der Schlacht in Westindien noch überlegen. Die Engländer hätten wohl Jamaika behaupten, aber schwerlich die anderen Inseln mit Waffengewalt wiedergewinnen können, die ihnen der Friedensschluß zurückgab. Anders wäre es gewesen, wennRodneydie französische Flotte vernichtet hätte.
Der Krieg in Westindien war zu Endenicht nur für das Jahr 1782, sondern überhaupt.Vaudreuilsandte von Cap Français über 200 Kauffahrer in 2 Konvois unter starker Bedeckung nach Europa und segelte am 4. Juli, nur 2 Linienschiffe zurücklassend, mit dem Rest der Flotte, 16 Schiffen, nach Nordamerika; ein Linienschiff nebst 2 Fregatten war schon kurz vorher abgesandt, um englische Niederlassungen in der Hudsonbucht zu brandschatzen. Die Spanier gingen nach ihren Stationen zurück.Rodneywurde am 10. Juli durchAdmiral Hugh Pigotabgelöst.
Rodneyfiel als strenger Tory trotz seiner Verdienste dem Ministerwechsel zum Opfer. Allerdings ward seine Abberufung auf die Nachricht vom letzten Siege widerrufen, aber die Verfügung traf in Jamaika erst ein, als der Admiral bereits abgesegelt war. Rodney hat während der 2½ Jahre seines Kommandos den Gegnern 12 Linienschiffe abgenommen, darunter den einzigen Dreidecker, der je einem Feinde in die Hände gefallen ist, und fünf vernichtet; er hat ferner einen französischen, einen spanischen und einen holländischen Admiral gefangen genommen. Für seinen letzten Erfolg ward er mit der Peerswürde und einer Pension belohnt; er starb 1792.
AuchHoodwurde zum Peer erhoben; ihm werden wir im ersten Teile des nächsten Krieges wieder begegnen, wo er sich die höchste BewunderungNelsonserwarb.
Pigotsegelte mit dem größten Teile seiner Flotte nach New York, um die französische im Auge zu behalten. Beide Flotten kehrten nochmals nach Westindien zurück, aber nur im Kleinen Kriege stießen sie noch zusammen.
Über die Kriegführung in Westindien 1782ist nicht mehr viel zu sagen. Anfangs hatten die Franzosen das Übergewicht, später waren die Engländerwenigstens jenen allein überlegen. Beide nutzten es nicht aus, um die unbedingte Seeherrschaft zu erringen. So eroberten die Franzosen zwar eine größere Zahl englischer Inseln, doch waren diese sämtlich nur von untergeordneter Bedeutung. Die Engländer vereitelten den Hauptplan der Gegner, Jamaika zu erobern, da jedoch deren vereinte Seemacht überlegen blieb und leicht noch verstärkt werden konnte, sahen sie sich weiter auf die Verteidigung beschränkt und mußten ihre Bewegungen denen des Feindes anpassen. Zu ihrem Glück haben die Niederlage bei Dominica, der Fehlschlag des Unternehmens gegen Gibraltar und auch wohl die Friedensunterhandlungen zwischen England und seinen Kolonien die Tatkraft der Verbündeten gelähmt.
In Nordamerika brachte das Jahr 1782 keine Ereignisse von Bedeutung mehr.Der Landkriegwar nach der Kapitulation von Yorktown fast eingeschlafen; die englischen Befehlshaber hatten Weisung erhalten, sich auf die Behauptung der noch besetzten Plätze zu beschränken, und auch die Amerikaner nutzten ihren Erfolg nicht aus. Zu einem Angriff auf New York fühlten sie sich zu schwach.
Die Lage der amerikanischen Finanzen war schlimmer als je. Von 9 Millionen Dollars, die der Kongreß für dies Jahr brauchte, ließen sich höchstens fünf den Einzelstaaten auferlegen; der Rest mußte durch Anleihen beschafft werden. Zur Sicherung schlug der Kongreß die Einführung eines Zolles für alle Kolonien vor, aber mehrere Staaten lehnten sie ab, und von den fünf Millionen ging nur eine halbe ein. Zwar traf von Frankreich im Januar 1782 nochmals eine Unterstützung ein und auch die Anleihe in Holland brachte Gelder, aber alles waren nur Tropfen auf den heißen Stein. Die Truppen litten Mangel undWashingtonhatte die größte Mühe, sie zu beruhigen und zusammenzuhalten.
Auchzur Seeereignete sich nichts von Bedeutung[174].Pigot, der am 4. September in New York eingetroffen war, ging Ende Oktober nach Westindien zurück, weil man wußte, daß die Verbündeten den Plan gegen Jamaika noch nicht endgültig aufgegeben hatten. Er segelte nach Barbados, ließ aberHoodmit 13 Linienschiffen bei Haiti kreuzen.Vaudreuil, der am 10. August in Boston geankert, eine feste Verteidigungsstellung eingenommen und dann seine Schiffe gründlich überholt hatte, segelte am 24. Dezember nach Puerto Cabello, um sich hier mit der spanischen Flotte zu vereinigen; er führte 4000 Mann vom Heere Rochambeaus mit sich.
Die zwischen England und den Vereinigten Staaten zu Paris vom 30. November 1782, und die zu Versailles vom 30. Januar 1783 zwischen England und den beiden Königreichen vereinbarten Vorbedingungen des Friedens, in die für Holland wenigstens Waffenstillstand eingeschlossen war, machten demSeekriege in den europäischen, sowie den westindischen Gewässern ein Ende; nur in Ostindien dauerte der Streit noch fort.
Für das Jahr 1783hatten die Verbündeten abermalsdie Eroberung Jamaikas geplant. Man rechnete mit etwa 40 englischen Linienschiffen in Westindien und wollte diesen 64 gegenüberstellen.Vaudreuil(22 Schiffe) sollte sich mitSolano(12 Schiffe) in Puerto Cabello vereinigen undd'Estaing15 spanische, sowie 15 französische Schiffe nebst einem starken Heere von Cadiz nach Westindien führen. Die ersten Maßnahmen hierzu fanden auch noch statt, aber vor ihrer weiteren Durchführung trat der Präliminarfriede in Kraft.
D'Estaingerschien zur Übernahme seines Kommandos am 18. Dezember 1782 in Cadiz und bald darauf langte von Brest ein Transport von 7000 Soldaten an, die mit einem Teile des Heeres vor Gibraltar das von Europa abzusendende Expeditionskorps bilden sollten.VaudreuilsSchiffe trafen von Nordamerika in der Zeit zwischen dem 27. Januar und dem 26. Februar in Puerto Cabello ein, aberSolanoblieb aus, da ihn der Gouverneur von Kuba vor Ankunft des von Europa erwarteten Geschwaders nicht abfahren lassen wollte. Die französische Flotte ging am 30. April von Puerto Cabello in See und traf am 17. Juni in Brest ein; auchPigotundHoodsegelten nach England.
Der Aufenthalt der französischen Flotte in Puerto Cabello brachte nochein bedeutsames Ereignis. Als sie dort ohne jede Vorsichtsmaßregel auf der Rhede vor Anker lag, erschien eines Tages eine unbekannte Fregatte.Vaudreuilgab einer der seinigen den Befehl zur Jagd, doch brauchte diese zwei Stunden zum Untersegelgehen. Das unbekannte Schiff konnte inzwischen aus nächster Nähe die Stärke der französischen Flotte erkunden und dann unbelästigt absegeln; es war die englische Fregatte „Albemarle“, und ihr 24 Jahre alter Kapitän hieß —Nelson!
In Ostindien boten die Verhältnisse bei Ausbruch des Krieges 1778 eine äußerst günstige Gelegenheit zur Erschütterung der englischen Macht, aber erst 1781 schickte Frankreich Seestreitkräfte hinaus, die der Wichtigkeit dieses Kriegsschauplatzes einigermaßen entsprachen.
Die Vorgänge in Indien bis zum Ausbruch des Krieges[175].Im Pariser Frieden 1763 hatte Frankreich zwar die schwachen Reste seiner durchDupleixin Indien geschaffenen Macht — an der Westküste Vorderindiens Mahé; an der Ostküste Karikal, Pondichery, Masulipatam; am Ganges Chandernagore — zurückerhalten, sie durften jedoch nicht befestigt werden und waren ihres Einflusses beraubt. Der Besitz der englischen Kompagnie erweiterte sich dagegen beständig, besonders während der kurzen Zeit, in derClivenochmals die Geschäfte in Bengalen führte (Mai 1765 bis Januar 1767). Ihm gelang es, grobe Mißbräuche der Beamten (Erpressungen, Ausbeutung von Monopolen) einigermaßen abzustellen und neue Länder zu erwerben. Der Großmogul trat der Kompagnie gegen ihren Schutz seine Einkünfte und damit tatsächlich die Regierung von Bengalen, Bahar, Orissa, sowie der nördlichen Circars ab, so daß diese nun ein ununterbrochenes Gebiet vom Ganges bis Madras besaß. Da die Kompagnie so eine politische und militärische Macht geworden war, für die England eintreten mußte, und da die Verwaltung immer noch zu wünschen übrig ließ, wurde im Februar 1773 vom Parlament das „Regulationsgesetz“ erlassen, das die Gesellschaftsrechte einschränkte: die Regierung ernannte von jetzt an Gouverneure und Verwaltungsräte, setzte ein königliches Obergericht in Kalkutta ein und beschränkte die Dividende auf 6–8%; der Statthalter von Bengalen ward zum Generalgouverneur von ganz Britisch-Indien bestellt. Der erste, der den Posten bekleidete, warSir Warren Hastings1773–1785.
see captionP. A. de Suffren.
P. A. de Suffren.
Das Bestreben der Engländer, ihre Macht auszudehnen, führte wie früher zu Zusammenstößen mit indischen Fürsten, und zwar um so mehr, als der allmähliche Verfall des Mogulreiches auch diese zu Eroberungen auf dessen Kosten lockte und so zu Gegnern Englands machte. Die gefährlichsten waren der Sultan von Mysore,Haidar Ali, und die Mahratten, eine Anzahl kriegerischer, durch eine Art Feudalsystem verbundener Stämme; ihr Gebiet dehnte sich mit der Hauptstadt Puna in der Nähe von Bombay im südwestlichen Indien von Mysore nach Norden bis weit in das Dekan aus; sie drangen jetzt bis an den Ganges vor, und die Engländer mußten 1762–1763 von Bengalen aus mit ihnen Krieg führen.Haidar Ali, ursprünglich ein Offizier des Sultans von Mysore, hatte sich seit 1759 der Herrschaft dieses Landes bemächtigt und bis 1766 seinen Besitz durch Eroberung der kleinen Staaten an der Malabarküste (Kalikut, Kananor u. a.) erweitert. Er bedrohte ganz Südindien und die englischen Besitzungen an der Malabar-, wie die an der Koromandelküste. Die Engländer im Bunde mit dem Vizekönig vom Dekan, sowie ihrem alten Schützling, dem Herrscher im Carnatic, erklärten ihm deshalb 1766 den Krieg, wurden aber infolge der Unzuverlässigkeit ihrer Verbündeten zurückgeworfen.Haidar Aliverwüstete den Carnatic underschien sogar zweimal vor Madras; sie hielten es daher für ratsamer, 1769 ein Schutz- und Trutzbündnis mit ihm zu schließen. In den Jahren 1773–1776 kam es zu Besitzstreitigkeiten zwischen der Präsidentschaft Bombay und den Mahratten.
Die Lage der Engländer mußte sehr bedenklich werden, wenn es Frankreich gelang, diese beiden Hauptgegner Englands für sich zu gewinnen, da deren Gebiete aneinander grenzten und eine zentrale Lage zu den drei englischen Präsidentschaften Bombay, Madras und Kalkutta hatten. Und dies trat ein.
Beginn des Krieges zwischen England und Frankreich.Am 7. Juli 1778 ward in Kalkutta der Ausbruch des Krieges bekannt.Hastingsließ sofort die völlig unvorbereiteten französischen Niederlassungen Chandernagore und Masulipatam besetzen und sandte Befehl nach Madras, auch Pondichery zu nehmen. Am 8. August trafen GeneralMunromit 16000 Mann und am 10. KommodoreVernonmit fünf Schiffen vor der Stadt ein, die Artillerie und Munition für die Belagerung an Bord hatten. Auf der Rhede lag Kapitände Tronjolymit einem kleinen französischen Geschwader; er ging dem Feinde entgegen und es kam zum Gefecht.
Das Seegefecht vor Pondichery am 10. August 1778.Das englische Geschwader zählte 1 Schiff zu 60 Kanonen, 1 zu 54, 1 zu 28, 1 zu 24, 1 zu 18, und das französische 1 Schiff zu 64, 1 zu 38 Kanonen, sowie 3 Ostindienfahrer mit 20–26 Geschützen; die gesamten Seestreitkräfte der beiden Gegner in Ostindien. Es kam zu einem zweistündigen Gefechte, einem zweimaligen Passieren der Geschwader in Kiellinie bei leichtem Winde, ohne besondere Erfolge.
Nach unentschiedenem Kampfe segelteVernonnördlich, um den Feind fortzulocken,Tronjolyfolgte jedoch nicht. Das englische Geschwader kam bald darauf, durch 3 Ostindienfahrer verstärkt, zurück und das französische räumte nun das Feld und segelte nach Isle de France. Pondichery, nur in Eile notdürftig befestigt und schwach besetzt, ergab sich nach hartnäckiger Verteidigung am 17. Oktober mit allen militärischen Ehren.
Mitte 1779 traf KontreadmiralSir Edward Hughes[176]mit 5 Linienschiffen in Indien ein; ein französisches Geschwader erschien erst wieder im Januar 1781.
Allerdings hatte Frankreich beabsichtigt, in Indien kräftiger aufzutreten. Anfang 1779 sollte ein Geschwader von 5 Linienschiffen hinausgehen, es wurde aber zur Verstärkungd'Estaingsnach Westindien gesandt (vgl. Seite276); ein zweites, im Frühjahr 1780 nach Indien bestimmt, wurde mit dem Landungskorps nach Nordamerika geschickt (vgl. Seite291). Nur durch Ankunft einzelner Schiffe waren die Seestreitkräfte in Isle de France bis Ende 1779 nach und nach auf 6 Linienschiffe gebracht. Um diese Zeit übernahm KommodoreComte d'Orveshier den Oberbefehl,[379]blieb jedoch über ein Jahr lang untätig, weil die Schiffe in schlechtem Zustande waren und seine Instruktion ihm ausdrücklich den Schutz der Inseln Isle de France und Bourbon auftrug.
England im Kriege mit Haidar Ali und den Mahratten.Französische Seestreitkräfte hätten in dieser Zwischenzeit große Erfolge erringen können. Bei Beginn des Kriegs waren in Puna französische Agenten erschienen, um die Mahratten zum Kampfe gegen die Engländer und zur Überlassung eines Hafens an der Westküste zu bestimmen.Hastingsentschloß sich daraufhin schnell zum Kriege und schickte von Bengalen aus Truppen gegen die Mahratten. Gleichzeitig, Anfang Dezember 1778, ließ die Präsidentschaft Bombay 4500 Mann gegen Puna marschieren; diese Truppe ward jedoch im Januar 1779 dicht vor dem Ziel vernichtend geschlagen, und diese Niederlage schädigte Englands Ansehen in Indien sehr. Das Heer von Bengalen unter dem tüchtigen OberstGoddard, das im Januar in Surat ankam, errang zwar 1779 und 1780 mehrfach Erfolge, konnte diese jedoch nicht ausnutzen, da die englischen Truppen an anderer Stelle schwer bedrängt wurden.
Die Engländer hatten sich im März 1779 auch der letzten französischen Niederlassung, Mahé, bemächtigt und hierdurchHaidar Ali, in dessen Gebiet der Ort lag, und der von ihm Waffen bezog, aufs äußerste erbittert. Er traf in aller Stille Vorbereitungen zum Kriege, trat mit den Mahratten in Verbindung und brach im Juli 1780 mit 100 000 Mann nebst starker Artillerie in den Carnatic ein. GeneralMunrowar so wenig vorbereitet und traf so schlechte Anordnungen, daß er im September Kanonen und Troß im Stich lassen und sich auf Madras zurückziehen mußte; eine Abteilung von 3000 Mann wurde aufgerieben. Bald hatte Haidar den ganzen Carnatic in seiner Gewalt und die festen Plätze eingeschlossen; ganz Südindien wäre so für England verloren gewesen, wenn nichtHastingsvon Bengalen Hilfe geschickt hätte. Der von hier am 5. November in Madras eingetroffene GeneralEyre Coote, ein hervorragender Offizier, ging nach eingehender Prüfung der Lage im Januar 1781 vor, um den belagerten Festungen Entsatz zu bringen. Er hatte auch Erfolg, mußte aber dann zur Küste zurück, weil eine französische Flotte angekommen und in Pondichery ein Aufstand ausgebrochen war. Sein Versuch, auf dem RückmarscheHaidarzur Schlacht zu zwingen, schlug fehl; der Sultan folgte nur, setzte den Krieg in seinem Rücken fort und hielt ihn schließlich in Cuddalore fest.
Erfolgloses Auftreten des französischen Geschwaders unter Comte d'Orves.Dieser Kommodore hatte Auftrag, die Maskarenen zu schützen, die gar nicht bedroht waren; er erbat deshalb vom Gouverneur dort die Erlaubnis, nach Indien zu gehen. Jener stellte jedoch die Bedingung, das Geschwader keinen großen Verlusten auszusetzen, weil der obige Befehl nicht aufgehoben sei und die Magazine auf Isle de France und Bourbon zu schlecht versorgt wären, um etwa beschädigte Schiffe ausbessern zu können.D'Orvesverließ am 14. Oktober 1780 mit 6 Linienschiffen und 3 Fregatten Port Louis, traf am 27. Januar 1781 vor Madras ein und ankerte dann in der Nähe von Pondichery.Hugheslag mit dem englischen Geschwader im Winterlager in Bombay,d'Orveshatte mithin freie Hand. Trotzdem ging er nicht auf den Vorschlag Haidar Alis ein, gemeinsam Cuddalore anzugreifen; er schützte vor, seine Instruktion verbiete ihm dies, auch habe er nur noch Proviant für die Rückreise und müsse im April zur Vereinigung mit einem aus Frankreich kommenden Geschwader in Isle de France sein. Am 13. Februar segelte er ab und traf am 31. März, tatsächlich nur noch mit Proviant für 8 Tage, in Port Louis ein. Eine ausgezeichnete Gelegenheit, dem Feinde einen schweren Schlag zu versetzen, war damit verloren gegangen.
Wohl mit Recht sagtChevalier(II, Seite 380),d'Orveshätte sich sicher in der dänischen Niederlassung Tranquebar oder in der holländischen Negapatam Proviant für einen Monat verschaffen können, und Cuddalore wäre, zu Lande und zu Wasser eingeschlossen, sowie von Madras abgeschnitten, innerhalb dieser Zeit gefallen.
Die Engländer litten im Lager bei Cuddalore zwar sehr unter Mangel sowie Krankheiten, undEyre Cootewürde genötigt gewesen sein, sich auf Madras zurückzuziehen, wenn nicht Mitte Juni das englische Geschwader wieder an der Küste erschienen wäre. So konnte er durchhalten, und anderseits glaubteHaidarihn so geschwächt, daß er seine bisherige vorsichtige Taktik aufgeben könne. Am 1. Juli 1781 nahm dieser bei Porto Novo eine Feldschlacht an, erlitt aber trotz seiner Übermacht eine Niederlage, die ihn zum Rückzuge zwang. Nach Eintreffen von Verstärkungen aus Bengalen folgteCooteund errang im August weitere Erfolge; ganz aus dem Carnatic ward Haidar bis Ende 1781 allerdings nicht vertrieben.
Inzwischen war auch der Krieg mit Holland ausgebrochen,die Engländer nahmenim November 1781 nach kurzer BelagerungNegapatamund am 12. Januar 1782Trincomaliauf Ceylon, den einzigen sicheren Hafen an der Ostküste Vorderindiens, der auch reichliche Hilfsquellen bot.
Französische Seestreitkräfte erschienen erst nach einem Jahre wieder.D'Orveserfuhr im Juli 1782, daß ein Geschwader unter KapitänSuffrenunterwegs sei und daß er bis zu dessen Ankunft entweder am Kap zum Schutz der holländischen Kolonie kreuzen oder nach Indien gehen könne, aber es fehlte an Material zur Ausrüstung der Schiffe.Suffrentraf erst am 25. Oktober in Port Louis mit fünf Linienschiffen sowie Transportern ein, die Truppen und Material brachten; jetzt erst konnte das alte Geschwader instand gesetzt werden.Mit dem Auftreten Suffrens gewinnt der Kampf in Ostindien eine hohe Bedeutung in der Seekriegsgeschichte[177].
Suffren[178]rettet durch die Schlacht vor Porto Praya die Kapkolonie 1781.Nach dem Ausbruche des Krieges mit Holland wollte sich England der Kapkolonie bemächtigten, und Frankreich traf Gegenmaßnahmen; die Kapkolonie war eine wichtige Etappe auf dem Wege nach Indien, und die französischen Maskarenen bezogen einen großen Teil ihrer Bedürfnisse von dort. England schickte am 13. März 1781 mit der Flotte des AdmiralsDarbyauf seiner Fahrt nach Gibraltar ein Geschwader von 5 Schiffen nebst 35 teilweise armierten Transportern mit Truppen unter KommodoreGeorge Johnstoneab, und Frankreich schloß der Flotte, die unterde Grasseam 22. März nach Westindien ging, gleichfalls 5 Schiffe nebst 8 Transportern unter KapitänSuffrenan, auf denen 1000 Mann Infanterie, sowie eine Kompagnie Artillerie eingeschifft waren; diese Geschwader trennten sich an der spanischen Küste von ihren Flotten.
Johnstoneankerte am 11. April vor Porto Praya, einem Hafen der portugiesischen Kapverdeninsel Santiago, um Wasser und frischen Proviant zu nehmen, und auchSuffrenlief diesen Platz an. Er hatte zwar Befehl, seine Reise zu beschleunigen, um vor dem Gegner das Kapland zu erreichen und hier die Truppen auszuschiffen, aber einige seiner Schiffe mußten ausgebessert werden; gleichzeitig wollte er nun auch Wasser nehmen. Als er nun am 16. April von Osten kommend auf den Hafen zusteuerte, bekam er beim Runden der Südspitze das vor Anker liegende englische Geschwader in Sicht. Er stand vor der Wahl, ob er mit der sichern Aussicht das Kap als erster zu erreichen, die Reise unter Segelpressen fortsetzen, oder ob er die Gelegenheit zum überraschenden Angriff ausnutzen solle. Gegen den Brauch der französischen Führer, nur die Durchführung ihrer jeweiligen Aufgabe unter möglichster Schonung der Schiffe im Auge zu halten, entschloß er sich zum Kampf, obgleich er seinen Nachrichten gemäß den Feind für stärker hielt, als dieser war. Er erkannte klar, daß am Kap wie in Indien die Seeherrschaft die Entscheidung bringe, und daß danach gehandelt werden müsse, wo sich eine Gelegenheit zur Schwächung der feindlichen Kräfte biete.
Die Schlacht vor Porto Praya am 16. April 1781.Das englische Geschwaderzählte 2 Linienschiffe zu 74 und 64 Kanonen, 3 50-Kanonenschiffe,[382]3 32-Kanonenfregatten, 6 Fahrzeuge zu 14–20 Kanonen, 1 Brander, 1 Mörserboot und 10 Ostindienfahrer zu 26 Kanonen;das französische2 Schiffe zu 74, 3 zu 64 und 1 10-Kanonenkorvette.
Johnstonehatte ohne Vorsichtsmaßregeln geankert; er verließ sich zwar nicht auf die Neutralität des Hafens, aber er erwartete keinen Feind, obwohl er von der Entsendung Suffrens Kenntnis gehabt haben soll. Die schweren Schiffe lagen in unregelmäßiger Linie, die Fregatten und die kleinen Fahrzeuge auf dem östlichen Flügel (Plan a), die Transporter zwischen den Kriegsschiffen und dem Strande. Das Flaggschiff (Plan b) war durch die Transporter im Feuer stark behindert, und der Kommodore begab sich deshalb beim Nahen des Feindes auf ein anderes Schiff („Hero“, 74 Kanonen, Plan c). 1500 Mann des Geschwaders waren zum Wasser- und Proviantholen, zum Fischen oder auf Urlaub am Lande, als der Feind um 9½ Uhr vormittags in Sicht kam.
see captionSchlacht vor Porto Praya, 16. April 1781.
Schlacht vor Porto Praya, 16. April 1781.
Suffrenhatte ein gekupfertes Schiff („Artésien“, 64 Kanonen) vorausgeschickt, den Feind zu erkunden. Dieses meldete um 8¾ Uhr den Feind. Der Chef gab kurz entschlossen den Befehl: „Vorbereitung zum Gefecht vor Anker“. Er kehrte sich nicht an die Neutralität des Hafens, war er doch selber gefangen genommen worden, als Admiralde la Clue1759 unter den Kanonen von Lagos von den Engländern überwältigt wurde. Er wartete auch nicht auf das Herankommen zweier seiner Schiffe, die etwas zurückstanden; um an die feindliche Linie zu gelangen, mußte er hoch beim Winde steuern, zum Warten backgebraßt würde er leicht zu weit nach Lee getrieben sein, auch wollte er keine Zeit verlieren, um die Überraschung voll auszunutzen. Er setzte sich mit dem Flaggschiff (zufällig auch „Héros“, 74 Kanonen) an die Spitze der drei anderen Schiffe, führte sie durch die Engländer hindurch und ankerte 160 m querab des „Hero“; schon beim Passieren der Feinde eröffnete er etwas nach 11 Uhr das Feuer mit beiden Seiten. Sein Hintermann („Annibal“, 74) ankerte so nahe vor ihm, daß das Flaggschiff sein Ankertau weiter auslaufen lassen mußte, wodurch es querab von einem anderen Engländer („Monmouth“, 64; Plan d) kam.
Der Kommandant des „Annibal“ hatte zum Wassernehmen klarmachen und Fässer an Deck bringen lassen. In der Annahme, daß Suffren die Neutralität achten würde und das Signal nur zur Vorsicht gegeben habe, begann er die Vorbereitungen zum Gefecht zu spät, und so konnte sein Schiff nicht gleich seiner Stärke entsprechend auftreten. Das dritte Schiff, „Artésien“, hielt im Pulverdampf einen Ostindienfahrer für ein Kriegsschiff und ging diesem längsseit. Beide Kommandanten büßten ihr Versehen mit dem Leben. Auf „Artésien“ war infolge Ausfalles des Kommandanten der Befehl zum Ankern nicht befolgt, das Schiff trieb mit dem Ostindienfahrer aus dem Hafen (Plan e, e′ e″), die beiden zurückgebliebenen Franzosen („Sphinx“ und „Vengent“, 64) rundeten die Südspitze der Bucht in zu weitem Abstande, steuerten dann nicht hoch genug und kamen daher trotz späteren Wendens kaum noch ins Gefecht (f, f′). So hatten „Héros“ und „Annibal“ fast allein das englische Feuer auszuhalten, an dem sich auch die Transporter mit Geschützen und Gewehren beteiligten; sogar ein portugiesisches Fort begann zu feuern.Suffrenkappte deshalb gegen Mittag das Ankertau und „Annibal“ folgte, aber beim Segelsetzen gingen diesem die Masten über Bord und er mußte sich unter einem kleinen Notsegel zurückziehen; der Kommodore ließ ihn durch „Sphinx“ in Schlepp nehmen.Suffrenbildete dann auf See die Schlachtlinie, den Transportern gab er Befehl, die Fahrt nach dem Kap fortzusetzen.
Johnstoneberief seine Kommandanten zur Berichterstattung über den Zustand ihrer Schiffe an Bord und folgte gegen 3 Uhr nachmittags dem Feinde. Eins seiner 50-Kanonenschiffe verlor dabei den zerschossenen Fockmast und „Monmouth“ blieb infolge schwerer Beschädigungen zurück. Der englische Admiral wagte auch nicht, weit zu folgen, da er dann nur schwer hätte zurückkommen können; auch hatte er vergessen, seinem Konvoi ein anderes Rendezvous anzugeben. Unentschlossen, was er in dieser Lage (wie er berichtete: a cruel situation) tun solle, drehte er 1½ Kanonenschußweite vom Feinde bei. Am anderen Morgen warSuffrenaus Sicht, und Johnstone ging nach Porto Praya zurück.
Die Verlustebetragen auf englischer Seite 36 Tote und 130 Verwundete, auf französischer 105 und 204.
Beurteilung der Führer.Nach eigenem Ausspruch wollteSuffren„durch Vernichtung der Engländer alle Absichten ihrer Expedition in der Wurzel abschneiden und den Franzosen für längere Zeit die Überlegenheit in Indien sichern, aus der vielleicht ein guter Friede hervorgehen könne“.[179]Er bekundete damit, wie auch später in Indien, sein Verständnis für Erringung der Seeherrschaft durch Niederkämpfen der feindlichen Streitkräfte; schond'Estainggegenüber in Westindien war er hierfür eingetreten. Auch sein Gefechtsplan war richtig, sein Vorgehen auf den Ankerplatz ermöglichte ihm Feuer nach beiden Seiten, und wenn seine Schiffe sämtlich richtig manövriert hätten, würde er wahrscheinlich einen großen Erfolg errungen haben. Er selber schrieb an einen Freund: „Praya konnte und mußte mir unsterblichen Ruhm bringen; man hat mich um eine einzig dastehende Gelegenheit gebracht.“
Von den französischen Kommandanten hat der des „Annibal“ seine Nachlässigkeit vor dem Kampfe durch mutiges Folgen gut gemacht; der Mißgriff des „Artésien“ ist durch den Pulverrauch zu entschuldigen. Die Kommandanten der beiden anderen Schiffe[384]trifft der Vorwurf, daß sie die Absicht des Chefs nicht unterstützt oder nicht verstanden haben, aber auch sie waren wohl durch den Pulverrauch teilweise behindert, die Lage zu übersehen.
Johnstoneerscheint unvorsichtig, weil er sich in so ungünstiger Lage überraschen ließ, und machte auch dies weder unmittelbar nach dem Kampfe noch später durch Tatkraft oder seemännisches Geschick wieder gut. Er soll wenig praktische Erfahrung gehabt und dies wichtige Kommando nur erhalten haben, weil er abfällige Kritiken über die AdmiraleHoweundKeppel, Gegner der Admiralität, veröffentlicht hatte.
Suffrenerreichte zwar nicht den Erfolg, den er erwarten konnte, aber er gewann doch einen großen Vorsprung. WährendJohnstone14 Tage zum Ausbessern in Porto Praya brauchte, setzte er seine Fahrt nach dem Kap fort, ankerte am 27. Juni in der Simonsbai und landete die für die Kapkolonie bestimmten Truppen. Die Reise war eine vorzügliche seemännische Leistung, denn das entmastete Linienschiff mußte den ganzen Weg geschleppt werden.Johnstoneerschien 14 Tage später vor Kapstadt, wagte aber nichts zu unternehmen. Er nahm nur fünf reich beladene holländische Ostindienfahrer in der Saldanhabucht, die von Kapstadt dorthin gegangen waren, ehe die Franzosen kamen; sie hatten gehofft, von hier entschlüpfen zu können, wenn sich das englische Geschwader vor der Tafelbai zeige.Suffrenging zwar in See, alsJohnstonegemeldet wurde, dieser hatte aber schon die Heimfahrt nach England angetreten und 3 Linienschiffe nach Indien abgezweigt. Er segelte dann am 28. August, nachdem er sich von der Verteidigungsfähigkeit der Kolonie überzeugt hatte, nach Isle de France. Hier traf er am 25. Oktober ein undGraf d'Orvesging am 17. Dezember mit der Gesamtflotte nach Indien in See; auf Transportern wurden 3000 Soldaten, alles was auf den Maskarenen verfügbar war, unterGeneral Du Cheminmitgeführt. Am 22. Januar ward ein englisches 50-Kanonenschiff genommen und in die Flotte eingestellt; am 8. Februar starb d'Orves undSuffren übernahm den Oberbefehl.
Die Lage der beiden Flotten in Indien.Es standen sich zwei tüchtige Männer gegenüber, von denen jeder eigenartig den Charakter seines Volkes verkörperte; der eine die starre Zähigkeit und die seemännische Geschicklichkeit der Engländer, der andere das Ungestüm und das taktische Wissen der Franzosen, Eigenschaften, die in den Offizierkorps durch ein falsches System so lange unterdrückt waren.
Die französische Flotte zähltebei Beginn der Unternehmungen 3 74-, 7 64- und 2 50-Kanonenschiffe,die englische, zu der inzwischen die von Johnstone abgezweigten Schiffe gestoßen waren, 2 74-, 1 70-, 1 68-, 4 64- und 1 50-Kanonenschiff.
Suffrenwar also an Schiffszahl unbedingt und wahrscheinlich auch an Stärke der einzelnen Schiffe, Klasse für Klasse gerechnet, dem AdmiralHughesüberlegen. Ihm stand die Möglichkeit der Initiative zu Gebote, während seinem Gegner die Verteidigung mit unterlegenen Kräften, vielenangreifbaren Punkten und damit die Ungewißheit zufiel, wo der Angriff erfolgen würde.
Dagegen warSuffrenohne jeden Stützpunkt; alle ehemalig französischen Plätze waren in Feindeshand und ebenso die holländischen, vor allem der wichtige Hafen von Trincomali. Er mußte einen sicheren Stützpunkt gewinnen, womöglich den letztgenannten, er brauchte aber auch einen Ort zum Landen der Truppen, die mit den indischen Feinden der Engländer gemeinsam vorgehen sollten. Diesem Streben mußteHughesentgegentreten, er war also genötigt, den Gegner zu suchen, um ihn kampfunfähig zu machen oder doch aufzuhalten, durfte aber bei seiner Schwäche einen Kampf nur unter günstigen Umständen wagen; aus strategischen wie taktischen Gründen mußte er sich zu Luward halten. Schlimm war es für ihn, daß Trincomali noch unbefestigt und somit ganz auf seine Unterstützung angewiesen war. Das nun folgende lange Ringen der beiden Admirale ist ein hervorragendes Beispiel des Kampfes zweier Flotten um die Seeherrschaft.
Die Schlacht bei Sadras, 17. Februar 1782.Suffrenerschien am 15. Februar vor Madras, unter dessen KanonenHughesvor Anker lag, verzichtete aber in Übereinstimmung mit seinen Kommandanten auf einen Angriff und steuerte südlich;Hughesfolgte in der Nacht, weil er für Trincomali fürchtete. Bei Tagesanbruch bemerkte er, daß sich die feindlichen Transporter von ihrer Flotte getrennt hatten; diese standen etwa 12 Seemeilen östlich, jene 9 Seemeilen südwestlich von ihm (Plan A a). Er jagte den Konvoi und nahm 6 Fahrzeuge; fünf davon waren englische Prisen, das sechste führte 300 Soldaten, sowie Kriegsmaterial an Bord.Suffrenversuchte zwar, heranzukommen, erreichte den Gegner jedoch nicht mehr vor Einbruch der Dunkelheit; beide Geschwader steuerten während der Nacht bei leichtem Winde südlich. Am Morgen des 17. Februar befanden sie sich auf der Höhe von Sadras, einem Hafen etwa in der Mitte zwischen Madras und Pondichery, und es kam zur ersten Schlacht, in derSuffrenmit der alten Taktik der Franzosen brach, indem er einen Teil des Feindes mit Übermacht angriff.
Die Schlacht bei Sadras.Der Wind wehte leicht aus NO mit zeitweisen Böen, die Franzosen standen etwa 6 Seemeilen nordöstlich der Engländer (Plan B, a).Hughesbildete die Schlachtlinie über Steuerbordbug (b); er rechnete mit einem baldigen Einsetzen der Seebrise, die ihm die Luvstellung gegeben haben würde. Der erwartete Wind blieb jedoch aus und der englische Admiral hielt in Dwarslinie ab, um seine Aufstellung besser zu schließen, bis er sah, daß der Kampf nicht zu vermeiden sei, da der Feind schnell herankam; wieder legte er sich über Steuerbordbug an den Wind und erwartete den Angriff. Seine Linie war jetzt besser geschlossen, nur das letzte Schiff „Exeter“ stand zurück (c); man kann nicht recht einsehen, weshalbHughesdie Linie nicht über Backbordbug gebildet hat, dann konnte leicht auf „Exeter“ aufgeschlossen werden.
Suffrengriff um ½4 Uhr nachmittags an; er gab das Signal, nach Möglichkeit die Schlachtlinie zu bilden, setzte sich mit dem Flaggschiff „Héros“ an die Spitze, steuerte auf das letzte englische Schiff zu und lief dann die feindliche Linie entlang. Beim sechsten englischen Schiffe stoppte er um 4½ Uhr, signalisierte für das ganze Geschwader, auf Pistolenschußweite an den Feind heranzugehen und gab drei Schiffen[386](dem 8., 9. und 12.) Befehl, von Lee aus anzugreifen. Er beabsichtigte also mit seinen 12 Schiffen die letzten 6 des Feindes zu dublieren (Plan D). Die Befehle wurden jedoch nicht befolgt. Der Admiral ging nämlich selber nicht so nahe heran, sondern hielt sich auf halbe Kanonenschußweite fern, um den drei vordersten Engländern entgegentreten zu können, falls sie zur Unterstützung der Angegriffenen wenden sollten; seine Kommandanten verstanden dies aber nicht und blieben im Kielwasser des Flaggschiffes. Von den drei dazu beorderten Schiffen ging nur eins, das zwölfte, auf die Leeseite des Feindes; später folgte aus eigener Initiative das vorletzte. So kamen nur acht oder neun der Franzosen ins Gefecht (Plan C). Drei bedrängten den „Exeter“, der schon das Feuer der passierenden Schiffe erhalten hatte, sich jedoch wacker wehrte. Beim Herankommen des dritten Gegners fragte der Master den KommodoreRichard King, dessen Stander auf „Exeter“ wehte, was nun zu tun sei. Dieser antwortete: „Nichts, aber fechten, bis wir sinken.“ Gegen 6 Uhr drehte der Wind auf SO, warf alle Schiffe über den anderen Bug und gab dadurch der englischen Vorhut die Möglichkeit zum Eingreifen; außerdem wurde es dunkel.Suffren, der auch so schon eingesehen hatte, daß der Kampf keine Entscheidung bringen würde, brach das Gefecht ab. Die Flotten trennten sich;Suffrensteuerte nach NO,Hughesnach Süden.