Chapter 33

Sufur.Ende.V. 1–20 ist ein Begrüssung- und V. 920–928 ein Abschlussgesang des Guslaren zur Ehrung der Zuhörer. Man vergl. in meinen ‘Bajuwaren im Guslarenliede’ (Forschungen zur Kultur- und Literaturgeschichte Bayerns, hrsg. von K. v.Reinhardstöttner, Ansbach 1896) die ähnlichen Liedchen S. 103, 129 und 145. Über derartige Einleitung- und Schlusslieder ausführlich in meinem Smailagić Meho (Ragusa 1885), S. 69–78 und 153–161. Zum ‘Heerzug’ sang mirHalilkeinen Vor- und Nachgesang, weil wir doch allein waren und es keinen Sinn gehabt hätte, mich anzustrudeln. Übrigens habe ich es nicht unterlassen, bei anderen Liedern seine Begrüssungformeln niederzuschreiben.Die V. 920–928 könnte einer möglicherweise als den Ausdruck verworfener und frechhabsüchtiger Gesinnung des Guslaren auffassen und ihn darum verachten. Dagegen muss ich meinen Freund Ibrahim, den Sohn eines Dervišen, in Schutz nehmen. Wer, wie er, bei einem Korajer Beg als Waldbauerknecht freiwillig frohnen mag, ist gegen jeden Verdacht unlauteren Wettbewerbes und gewissenlosen Strebens, auf Regimentunkosten ein sorgenfreies Dasein zu führen, unbedingt gefeit. Die Verse sind gerade wegen des Gegensatzes der auf die allergeringsten Bedürfnisse herabgeminderten Lebensweise des Guslaren und seines den Zuhörern bekannten, einwandfreien ehrlichen Erwerbes gut humoristische Selbstbespöttlung und reizen darum die Kenner zum zwerchfellerschütternden Gelächter. Ein Beispiel soll das besser verdeutschen. Ein Schauspieler wird an seinem Benefizabende zum Schluss stürmisch hervorgerufen. Er verbeugt sich nach Brauch aufs tiefste und ergreift unter lautloser Stille der Zuhörerschaft das Wort: ‘Hochwohledelgeborene, hochgeborene, hochwohlgeborene und wohlgeborene Gönner und Gönnerinnen! Dero huldreicher Beifall erquickt, entzückt und beglückt mein Gemüt. Um das Mass meiner Zufriedenheit überquellen zu machen, hege ich bloss noch den Wunsch, es mögen die ehrsamen und löblichen Gilden der G’sibelfelberer1von London und Paris die Früchte ihrer literarischen Betriebsamkeit der nächsten fünf Jahre in Anerkennung meiner künstlerischen Tätigkeit gütigst als kleine Zubusse zur Aufbesserung meiner Bezügemirzuzuwenden belieben!’ Es gibt wohl Leute, denen solche Reden würdelos erscheinen. Aber freilich, die Würde ist die Narrenkappe des Humors, mit und ohne Schellen.V. 74. Das goldene Prag ist die Hauptstadt des Russenreiches, allwo die Königin die Frau mächtig thront. Vergl. die Bajuwaren im Guslarenlied, wo auch die Königin von Prag als Retterin Wiens die Hauptrolle inne hat.V. 81. Wer einen deutschen Rock und Hut trägt, gilt dem Bošnjaken als ‘Schwabe’ und wer immer die Stelle eines Feldpostboten bekleidet, der heisst bei ihm Tatare. Einen Pferdefeind nennt der Paša den Tataren, weil dieser schonunglos die Postpferde zu Tode reitet. In Ungarn waren die Gemeinden verpflichtet, den »Tataren« unentgeltlich die Pferde beizustellen.V. 121. pro (preo, preko) zemlje turčije über die Länder der Türkei.V. 122. ‘Zur Hauptstadt und Istambol’ ist ein Hendiadys. Ich behalte hier und überall sonst die poetische Figur bei, wenn es nur irgendwie der deutsche Sprachgebrauch zulässt.V. 211. Ridžalen sind die hohen Würdenträger, die Granden am türk. Hofe.V. 273. Das schwere Geschütz zog man zu Schiff Donauaufwärts nach Ungarn, das Gros des Heeres schlug aber, wie immer den Landweg ein. Übrigens nahm Köprülü I. persönlich an dem ungarischen Feldzuge nicht Teil.V. 318. Der Guslar irrt; denn unter den bosnischen Valis kommt erst in der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrh. ein Köprülü vor (Urenkel K. I.), der aber bekleidete die Stelle zweimal und hinterliess beim Volke ein gesegnetesAndenken. Er war gleich seinem grossen Ahnherrn ein wahrer und uneigennütziger Freund und Beschützer der Juden.V. 356 und 372. Die Angabe entspricht zutreffend der Machtbefugnis und dem Amtbereiche eines Stadthauptmannes. Ein militärischer Bezirkhauptmann alarmiert das Land durch Kanonenschüsse. Die Heerfahne steckt man bei einer solchen Gelegenheit im freien Felde auf; denn das Militär darf sich der Frauen und der Zucht wegen nicht innerhalb einer bewohnten Ortschaft sammeln. Türkische Truppen kennen auch die Marketenderinnen-Wirtschaft nicht. Fazlagić schliesst als gläubiger Moslim vor dem Auszug in den Krieg seine Rechnung mit Gott ab. Vor Beginn einer Schlacht pflegen Hodžen ein Gebet zum Segen der Kämpfer zu sagen. Džanan und die Mehrzahl der Bošnjaken mochten aber im Stillen der Ansicht sein, die Tale der Narr offen (im Smailagić Meho) gegenüber dem Hodža ausspricht: ‘Raspel rascher, du Hodža, deinen Segen ab! Das Schwert, nicht dein Segen säbelt den Feind nieder!’V. 424–430. Stereotyp. Diese Rede entspricht mehr dem allgemeinen Gefühle des bosnischen Volkes als Džanans Lied. Aus den Guslarenliedern allein gewänne man einen unwahren Eindruck hinsichtlich der vorwiegenden Volkstimmung. In Wahrheit ist der Bosnier, nicht minder als der Serbe in Serbien und der Bulgare und Grieche im grossen und ganzen allen kriegerischen Unternehmungen gründlichst abgeneigt. Heutigentags pressen die Kleinstaaten jeden waffenfähigen Mann zum Militär und wenn es dann zum Treffen kommen soll, erweisen sich die Soldaten als stramme Anhänger der BaroninBertha von Suttnerund legen »die Waffen nieder«, um ihr kostbares Leben der Menschheit zu erhalten.V. 505. Der Glaube ist allgemein, dass die Bewunderung schöner Mädchen einen Kämpen töten könne. Wer, wie z. B. Tale der Narr, der Beschreiung leicht unterliegt, geht mit zerfetzten Knieen und löcheriger Kopfbedeckung einher, auch hilft Knoblauch und eine Wolfschnauze im Busenlatz getragen. An Abwehrmitteln, besonders an Besprechungen des bösen Blickes und der Bewunderung ist die südslavische Folklore-Literatur überaus reich. Der Glaube ist international, wie die zahllosen Belege der endlosen AbhandlungenJulius Tuchmannsüber ‘Fascination’ in der Mélusine dartun.V. 518. Nach unserer Stundenzählung um 10 Uhr nachts.V. 530. Der Guslar legt sich die Episode ungeschlacht zurecht; denn kein Moslim lässt sich, auch nicht im Scherze, Vater und Mutter ungestraft beschimpfen. Der Guslar suchte nach einer Entschuldigung für das unschickliche Schnorrmanöver Džanans und ersann nichts Besseres als die Ausflucht, dass es auf Geheiss Köprülüs geschehen sei.V. 564 und 573 f. Diesen Ausspruch, der in der Guslarenepik nicht vereinzelt dasteht, darf man getrost als das Urteil des Ackerbauers über die Helden und Heldentaten bezeichnen.V. 583. Die auf den Vers folgende Lücke statt des lebhaften Geberdenspiels des Guslaren, das ich sonst nicht recht andeuten kann.V. 595. Was ein Guslar unter einem herrschaftlichen Nachtmahl versteht, muss ich eigens bemerken, um etwaigen übertriebenen Vorstellungen vorzubeugen. Zu einem herrschaftlichen Nachtmahl gehört vor allem frischgebackenes weisses Weizenbrot, Hammelbraten, fett, dass einem der Schmer über den Bart herabrinnt und hartgesottene Eier nebst Obst (Dunstobst), Branntwein und Wein nebst Kaffee, alles im Überfluss, damit man sich bis zum Erbrechen vollstopfen kann.V. 879 ff. Diese Art Ehrensäbel tragen in Goldbuchstaben die ständige Inschrift: »Im Namen des allbarmherzigen Gottes, der die Siege verteilt. DieserSäbel, welcher für die Otomanen das glänzendste Emblem des Sieges und der Auszeichnung bildet, und auf Kinder und Kindeskinder übergehen kann, ist von S. Majestät dem Sultan dem Ghazi ...... Pascha verliehen worden, als Zeichen der Wertschätzung des Mutes und der Treue, von welchen er während des siegreichen Krieges gegen ...... Beweise geliefert hat, und mit dem Wunsche, dass dieses verherrlichende Andenken zu neuen und zahlreichen Siegen zu führen vermöge.« Der Ehrensäbel ist nicht zu verwechseln mit »pot muhurom ćorda« (Säbel unter Sigel), der den Besitzer zum Raub im Grenzlande berechtigte.Der Ausruf ‘sufur!’ (Schluss) ist vom Sänger. Damit legt er die Guslen weg, nimmt eine Erfrischung zu sich und stopft sich sein Pfeifchen an, um zu rauchen. Nach kurzer Erholung, hebt er ein neues Lied an, wenn er nur Zuhörer findet, denen die Geduld nicht ausgeht. Ein rechter Guslar setzt einen Stolz darein, als unermüdlich und unerschöpflich zu gelten.

Sufur.Ende.V. 1–20 ist ein Begrüssung- und V. 920–928 ein Abschlussgesang des Guslaren zur Ehrung der Zuhörer. Man vergl. in meinen ‘Bajuwaren im Guslarenliede’ (Forschungen zur Kultur- und Literaturgeschichte Bayerns, hrsg. von K. v.Reinhardstöttner, Ansbach 1896) die ähnlichen Liedchen S. 103, 129 und 145. Über derartige Einleitung- und Schlusslieder ausführlich in meinem Smailagić Meho (Ragusa 1885), S. 69–78 und 153–161. Zum ‘Heerzug’ sang mirHalilkeinen Vor- und Nachgesang, weil wir doch allein waren und es keinen Sinn gehabt hätte, mich anzustrudeln. Übrigens habe ich es nicht unterlassen, bei anderen Liedern seine Begrüssungformeln niederzuschreiben.Die V. 920–928 könnte einer möglicherweise als den Ausdruck verworfener und frechhabsüchtiger Gesinnung des Guslaren auffassen und ihn darum verachten. Dagegen muss ich meinen Freund Ibrahim, den Sohn eines Dervišen, in Schutz nehmen. Wer, wie er, bei einem Korajer Beg als Waldbauerknecht freiwillig frohnen mag, ist gegen jeden Verdacht unlauteren Wettbewerbes und gewissenlosen Strebens, auf Regimentunkosten ein sorgenfreies Dasein zu führen, unbedingt gefeit. Die Verse sind gerade wegen des Gegensatzes der auf die allergeringsten Bedürfnisse herabgeminderten Lebensweise des Guslaren und seines den Zuhörern bekannten, einwandfreien ehrlichen Erwerbes gut humoristische Selbstbespöttlung und reizen darum die Kenner zum zwerchfellerschütternden Gelächter. Ein Beispiel soll das besser verdeutschen. Ein Schauspieler wird an seinem Benefizabende zum Schluss stürmisch hervorgerufen. Er verbeugt sich nach Brauch aufs tiefste und ergreift unter lautloser Stille der Zuhörerschaft das Wort: ‘Hochwohledelgeborene, hochgeborene, hochwohlgeborene und wohlgeborene Gönner und Gönnerinnen! Dero huldreicher Beifall erquickt, entzückt und beglückt mein Gemüt. Um das Mass meiner Zufriedenheit überquellen zu machen, hege ich bloss noch den Wunsch, es mögen die ehrsamen und löblichen Gilden der G’sibelfelberer1von London und Paris die Früchte ihrer literarischen Betriebsamkeit der nächsten fünf Jahre in Anerkennung meiner künstlerischen Tätigkeit gütigst als kleine Zubusse zur Aufbesserung meiner Bezügemirzuzuwenden belieben!’ Es gibt wohl Leute, denen solche Reden würdelos erscheinen. Aber freilich, die Würde ist die Narrenkappe des Humors, mit und ohne Schellen.V. 74. Das goldene Prag ist die Hauptstadt des Russenreiches, allwo die Königin die Frau mächtig thront. Vergl. die Bajuwaren im Guslarenlied, wo auch die Königin von Prag als Retterin Wiens die Hauptrolle inne hat.V. 81. Wer einen deutschen Rock und Hut trägt, gilt dem Bošnjaken als ‘Schwabe’ und wer immer die Stelle eines Feldpostboten bekleidet, der heisst bei ihm Tatare. Einen Pferdefeind nennt der Paša den Tataren, weil dieser schonunglos die Postpferde zu Tode reitet. In Ungarn waren die Gemeinden verpflichtet, den »Tataren« unentgeltlich die Pferde beizustellen.V. 121. pro (preo, preko) zemlje turčije über die Länder der Türkei.V. 122. ‘Zur Hauptstadt und Istambol’ ist ein Hendiadys. Ich behalte hier und überall sonst die poetische Figur bei, wenn es nur irgendwie der deutsche Sprachgebrauch zulässt.V. 211. Ridžalen sind die hohen Würdenträger, die Granden am türk. Hofe.V. 273. Das schwere Geschütz zog man zu Schiff Donauaufwärts nach Ungarn, das Gros des Heeres schlug aber, wie immer den Landweg ein. Übrigens nahm Köprülü I. persönlich an dem ungarischen Feldzuge nicht Teil.V. 318. Der Guslar irrt; denn unter den bosnischen Valis kommt erst in der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrh. ein Köprülü vor (Urenkel K. I.), der aber bekleidete die Stelle zweimal und hinterliess beim Volke ein gesegnetesAndenken. Er war gleich seinem grossen Ahnherrn ein wahrer und uneigennütziger Freund und Beschützer der Juden.V. 356 und 372. Die Angabe entspricht zutreffend der Machtbefugnis und dem Amtbereiche eines Stadthauptmannes. Ein militärischer Bezirkhauptmann alarmiert das Land durch Kanonenschüsse. Die Heerfahne steckt man bei einer solchen Gelegenheit im freien Felde auf; denn das Militär darf sich der Frauen und der Zucht wegen nicht innerhalb einer bewohnten Ortschaft sammeln. Türkische Truppen kennen auch die Marketenderinnen-Wirtschaft nicht. Fazlagić schliesst als gläubiger Moslim vor dem Auszug in den Krieg seine Rechnung mit Gott ab. Vor Beginn einer Schlacht pflegen Hodžen ein Gebet zum Segen der Kämpfer zu sagen. Džanan und die Mehrzahl der Bošnjaken mochten aber im Stillen der Ansicht sein, die Tale der Narr offen (im Smailagić Meho) gegenüber dem Hodža ausspricht: ‘Raspel rascher, du Hodža, deinen Segen ab! Das Schwert, nicht dein Segen säbelt den Feind nieder!’V. 424–430. Stereotyp. Diese Rede entspricht mehr dem allgemeinen Gefühle des bosnischen Volkes als Džanans Lied. Aus den Guslarenliedern allein gewänne man einen unwahren Eindruck hinsichtlich der vorwiegenden Volkstimmung. In Wahrheit ist der Bosnier, nicht minder als der Serbe in Serbien und der Bulgare und Grieche im grossen und ganzen allen kriegerischen Unternehmungen gründlichst abgeneigt. Heutigentags pressen die Kleinstaaten jeden waffenfähigen Mann zum Militär und wenn es dann zum Treffen kommen soll, erweisen sich die Soldaten als stramme Anhänger der BaroninBertha von Suttnerund legen »die Waffen nieder«, um ihr kostbares Leben der Menschheit zu erhalten.V. 505. Der Glaube ist allgemein, dass die Bewunderung schöner Mädchen einen Kämpen töten könne. Wer, wie z. B. Tale der Narr, der Beschreiung leicht unterliegt, geht mit zerfetzten Knieen und löcheriger Kopfbedeckung einher, auch hilft Knoblauch und eine Wolfschnauze im Busenlatz getragen. An Abwehrmitteln, besonders an Besprechungen des bösen Blickes und der Bewunderung ist die südslavische Folklore-Literatur überaus reich. Der Glaube ist international, wie die zahllosen Belege der endlosen AbhandlungenJulius Tuchmannsüber ‘Fascination’ in der Mélusine dartun.V. 518. Nach unserer Stundenzählung um 10 Uhr nachts.V. 530. Der Guslar legt sich die Episode ungeschlacht zurecht; denn kein Moslim lässt sich, auch nicht im Scherze, Vater und Mutter ungestraft beschimpfen. Der Guslar suchte nach einer Entschuldigung für das unschickliche Schnorrmanöver Džanans und ersann nichts Besseres als die Ausflucht, dass es auf Geheiss Köprülüs geschehen sei.V. 564 und 573 f. Diesen Ausspruch, der in der Guslarenepik nicht vereinzelt dasteht, darf man getrost als das Urteil des Ackerbauers über die Helden und Heldentaten bezeichnen.V. 583. Die auf den Vers folgende Lücke statt des lebhaften Geberdenspiels des Guslaren, das ich sonst nicht recht andeuten kann.V. 595. Was ein Guslar unter einem herrschaftlichen Nachtmahl versteht, muss ich eigens bemerken, um etwaigen übertriebenen Vorstellungen vorzubeugen. Zu einem herrschaftlichen Nachtmahl gehört vor allem frischgebackenes weisses Weizenbrot, Hammelbraten, fett, dass einem der Schmer über den Bart herabrinnt und hartgesottene Eier nebst Obst (Dunstobst), Branntwein und Wein nebst Kaffee, alles im Überfluss, damit man sich bis zum Erbrechen vollstopfen kann.V. 879 ff. Diese Art Ehrensäbel tragen in Goldbuchstaben die ständige Inschrift: »Im Namen des allbarmherzigen Gottes, der die Siege verteilt. DieserSäbel, welcher für die Otomanen das glänzendste Emblem des Sieges und der Auszeichnung bildet, und auf Kinder und Kindeskinder übergehen kann, ist von S. Majestät dem Sultan dem Ghazi ...... Pascha verliehen worden, als Zeichen der Wertschätzung des Mutes und der Treue, von welchen er während des siegreichen Krieges gegen ...... Beweise geliefert hat, und mit dem Wunsche, dass dieses verherrlichende Andenken zu neuen und zahlreichen Siegen zu führen vermöge.« Der Ehrensäbel ist nicht zu verwechseln mit »pot muhurom ćorda« (Säbel unter Sigel), der den Besitzer zum Raub im Grenzlande berechtigte.Der Ausruf ‘sufur!’ (Schluss) ist vom Sänger. Damit legt er die Guslen weg, nimmt eine Erfrischung zu sich und stopft sich sein Pfeifchen an, um zu rauchen. Nach kurzer Erholung, hebt er ein neues Lied an, wenn er nur Zuhörer findet, denen die Geduld nicht ausgeht. Ein rechter Guslar setzt einen Stolz darein, als unermüdlich und unerschöpflich zu gelten.

Sufur.Ende.V. 1–20 ist ein Begrüssung- und V. 920–928 ein Abschlussgesang des Guslaren zur Ehrung der Zuhörer. Man vergl. in meinen ‘Bajuwaren im Guslarenliede’ (Forschungen zur Kultur- und Literaturgeschichte Bayerns, hrsg. von K. v.Reinhardstöttner, Ansbach 1896) die ähnlichen Liedchen S. 103, 129 und 145. Über derartige Einleitung- und Schlusslieder ausführlich in meinem Smailagić Meho (Ragusa 1885), S. 69–78 und 153–161. Zum ‘Heerzug’ sang mirHalilkeinen Vor- und Nachgesang, weil wir doch allein waren und es keinen Sinn gehabt hätte, mich anzustrudeln. Übrigens habe ich es nicht unterlassen, bei anderen Liedern seine Begrüssungformeln niederzuschreiben.Die V. 920–928 könnte einer möglicherweise als den Ausdruck verworfener und frechhabsüchtiger Gesinnung des Guslaren auffassen und ihn darum verachten. Dagegen muss ich meinen Freund Ibrahim, den Sohn eines Dervišen, in Schutz nehmen. Wer, wie er, bei einem Korajer Beg als Waldbauerknecht freiwillig frohnen mag, ist gegen jeden Verdacht unlauteren Wettbewerbes und gewissenlosen Strebens, auf Regimentunkosten ein sorgenfreies Dasein zu führen, unbedingt gefeit. Die Verse sind gerade wegen des Gegensatzes der auf die allergeringsten Bedürfnisse herabgeminderten Lebensweise des Guslaren und seines den Zuhörern bekannten, einwandfreien ehrlichen Erwerbes gut humoristische Selbstbespöttlung und reizen darum die Kenner zum zwerchfellerschütternden Gelächter. Ein Beispiel soll das besser verdeutschen. Ein Schauspieler wird an seinem Benefizabende zum Schluss stürmisch hervorgerufen. Er verbeugt sich nach Brauch aufs tiefste und ergreift unter lautloser Stille der Zuhörerschaft das Wort: ‘Hochwohledelgeborene, hochgeborene, hochwohlgeborene und wohlgeborene Gönner und Gönnerinnen! Dero huldreicher Beifall erquickt, entzückt und beglückt mein Gemüt. Um das Mass meiner Zufriedenheit überquellen zu machen, hege ich bloss noch den Wunsch, es mögen die ehrsamen und löblichen Gilden der G’sibelfelberer1von London und Paris die Früchte ihrer literarischen Betriebsamkeit der nächsten fünf Jahre in Anerkennung meiner künstlerischen Tätigkeit gütigst als kleine Zubusse zur Aufbesserung meiner Bezügemirzuzuwenden belieben!’ Es gibt wohl Leute, denen solche Reden würdelos erscheinen. Aber freilich, die Würde ist die Narrenkappe des Humors, mit und ohne Schellen.V. 74. Das goldene Prag ist die Hauptstadt des Russenreiches, allwo die Königin die Frau mächtig thront. Vergl. die Bajuwaren im Guslarenlied, wo auch die Königin von Prag als Retterin Wiens die Hauptrolle inne hat.V. 81. Wer einen deutschen Rock und Hut trägt, gilt dem Bošnjaken als ‘Schwabe’ und wer immer die Stelle eines Feldpostboten bekleidet, der heisst bei ihm Tatare. Einen Pferdefeind nennt der Paša den Tataren, weil dieser schonunglos die Postpferde zu Tode reitet. In Ungarn waren die Gemeinden verpflichtet, den »Tataren« unentgeltlich die Pferde beizustellen.V. 121. pro (preo, preko) zemlje turčije über die Länder der Türkei.V. 122. ‘Zur Hauptstadt und Istambol’ ist ein Hendiadys. Ich behalte hier und überall sonst die poetische Figur bei, wenn es nur irgendwie der deutsche Sprachgebrauch zulässt.V. 211. Ridžalen sind die hohen Würdenträger, die Granden am türk. Hofe.V. 273. Das schwere Geschütz zog man zu Schiff Donauaufwärts nach Ungarn, das Gros des Heeres schlug aber, wie immer den Landweg ein. Übrigens nahm Köprülü I. persönlich an dem ungarischen Feldzuge nicht Teil.V. 318. Der Guslar irrt; denn unter den bosnischen Valis kommt erst in der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrh. ein Köprülü vor (Urenkel K. I.), der aber bekleidete die Stelle zweimal und hinterliess beim Volke ein gesegnetesAndenken. Er war gleich seinem grossen Ahnherrn ein wahrer und uneigennütziger Freund und Beschützer der Juden.V. 356 und 372. Die Angabe entspricht zutreffend der Machtbefugnis und dem Amtbereiche eines Stadthauptmannes. Ein militärischer Bezirkhauptmann alarmiert das Land durch Kanonenschüsse. Die Heerfahne steckt man bei einer solchen Gelegenheit im freien Felde auf; denn das Militär darf sich der Frauen und der Zucht wegen nicht innerhalb einer bewohnten Ortschaft sammeln. Türkische Truppen kennen auch die Marketenderinnen-Wirtschaft nicht. Fazlagić schliesst als gläubiger Moslim vor dem Auszug in den Krieg seine Rechnung mit Gott ab. Vor Beginn einer Schlacht pflegen Hodžen ein Gebet zum Segen der Kämpfer zu sagen. Džanan und die Mehrzahl der Bošnjaken mochten aber im Stillen der Ansicht sein, die Tale der Narr offen (im Smailagić Meho) gegenüber dem Hodža ausspricht: ‘Raspel rascher, du Hodža, deinen Segen ab! Das Schwert, nicht dein Segen säbelt den Feind nieder!’V. 424–430. Stereotyp. Diese Rede entspricht mehr dem allgemeinen Gefühle des bosnischen Volkes als Džanans Lied. Aus den Guslarenliedern allein gewänne man einen unwahren Eindruck hinsichtlich der vorwiegenden Volkstimmung. In Wahrheit ist der Bosnier, nicht minder als der Serbe in Serbien und der Bulgare und Grieche im grossen und ganzen allen kriegerischen Unternehmungen gründlichst abgeneigt. Heutigentags pressen die Kleinstaaten jeden waffenfähigen Mann zum Militär und wenn es dann zum Treffen kommen soll, erweisen sich die Soldaten als stramme Anhänger der BaroninBertha von Suttnerund legen »die Waffen nieder«, um ihr kostbares Leben der Menschheit zu erhalten.V. 505. Der Glaube ist allgemein, dass die Bewunderung schöner Mädchen einen Kämpen töten könne. Wer, wie z. B. Tale der Narr, der Beschreiung leicht unterliegt, geht mit zerfetzten Knieen und löcheriger Kopfbedeckung einher, auch hilft Knoblauch und eine Wolfschnauze im Busenlatz getragen. An Abwehrmitteln, besonders an Besprechungen des bösen Blickes und der Bewunderung ist die südslavische Folklore-Literatur überaus reich. Der Glaube ist international, wie die zahllosen Belege der endlosen AbhandlungenJulius Tuchmannsüber ‘Fascination’ in der Mélusine dartun.V. 518. Nach unserer Stundenzählung um 10 Uhr nachts.V. 530. Der Guslar legt sich die Episode ungeschlacht zurecht; denn kein Moslim lässt sich, auch nicht im Scherze, Vater und Mutter ungestraft beschimpfen. Der Guslar suchte nach einer Entschuldigung für das unschickliche Schnorrmanöver Džanans und ersann nichts Besseres als die Ausflucht, dass es auf Geheiss Köprülüs geschehen sei.V. 564 und 573 f. Diesen Ausspruch, der in der Guslarenepik nicht vereinzelt dasteht, darf man getrost als das Urteil des Ackerbauers über die Helden und Heldentaten bezeichnen.V. 583. Die auf den Vers folgende Lücke statt des lebhaften Geberdenspiels des Guslaren, das ich sonst nicht recht andeuten kann.V. 595. Was ein Guslar unter einem herrschaftlichen Nachtmahl versteht, muss ich eigens bemerken, um etwaigen übertriebenen Vorstellungen vorzubeugen. Zu einem herrschaftlichen Nachtmahl gehört vor allem frischgebackenes weisses Weizenbrot, Hammelbraten, fett, dass einem der Schmer über den Bart herabrinnt und hartgesottene Eier nebst Obst (Dunstobst), Branntwein und Wein nebst Kaffee, alles im Überfluss, damit man sich bis zum Erbrechen vollstopfen kann.V. 879 ff. Diese Art Ehrensäbel tragen in Goldbuchstaben die ständige Inschrift: »Im Namen des allbarmherzigen Gottes, der die Siege verteilt. DieserSäbel, welcher für die Otomanen das glänzendste Emblem des Sieges und der Auszeichnung bildet, und auf Kinder und Kindeskinder übergehen kann, ist von S. Majestät dem Sultan dem Ghazi ...... Pascha verliehen worden, als Zeichen der Wertschätzung des Mutes und der Treue, von welchen er während des siegreichen Krieges gegen ...... Beweise geliefert hat, und mit dem Wunsche, dass dieses verherrlichende Andenken zu neuen und zahlreichen Siegen zu führen vermöge.« Der Ehrensäbel ist nicht zu verwechseln mit »pot muhurom ćorda« (Säbel unter Sigel), der den Besitzer zum Raub im Grenzlande berechtigte.Der Ausruf ‘sufur!’ (Schluss) ist vom Sänger. Damit legt er die Guslen weg, nimmt eine Erfrischung zu sich und stopft sich sein Pfeifchen an, um zu rauchen. Nach kurzer Erholung, hebt er ein neues Lied an, wenn er nur Zuhörer findet, denen die Geduld nicht ausgeht. Ein rechter Guslar setzt einen Stolz darein, als unermüdlich und unerschöpflich zu gelten.

Sufur.Ende.V. 1–20 ist ein Begrüssung- und V. 920–928 ein Abschlussgesang des Guslaren zur Ehrung der Zuhörer. Man vergl. in meinen ‘Bajuwaren im Guslarenliede’ (Forschungen zur Kultur- und Literaturgeschichte Bayerns, hrsg. von K. v.Reinhardstöttner, Ansbach 1896) die ähnlichen Liedchen S. 103, 129 und 145. Über derartige Einleitung- und Schlusslieder ausführlich in meinem Smailagić Meho (Ragusa 1885), S. 69–78 und 153–161. Zum ‘Heerzug’ sang mirHalilkeinen Vor- und Nachgesang, weil wir doch allein waren und es keinen Sinn gehabt hätte, mich anzustrudeln. Übrigens habe ich es nicht unterlassen, bei anderen Liedern seine Begrüssungformeln niederzuschreiben.Die V. 920–928 könnte einer möglicherweise als den Ausdruck verworfener und frechhabsüchtiger Gesinnung des Guslaren auffassen und ihn darum verachten. Dagegen muss ich meinen Freund Ibrahim, den Sohn eines Dervišen, in Schutz nehmen. Wer, wie er, bei einem Korajer Beg als Waldbauerknecht freiwillig frohnen mag, ist gegen jeden Verdacht unlauteren Wettbewerbes und gewissenlosen Strebens, auf Regimentunkosten ein sorgenfreies Dasein zu führen, unbedingt gefeit. Die Verse sind gerade wegen des Gegensatzes der auf die allergeringsten Bedürfnisse herabgeminderten Lebensweise des Guslaren und seines den Zuhörern bekannten, einwandfreien ehrlichen Erwerbes gut humoristische Selbstbespöttlung und reizen darum die Kenner zum zwerchfellerschütternden Gelächter. Ein Beispiel soll das besser verdeutschen. Ein Schauspieler wird an seinem Benefizabende zum Schluss stürmisch hervorgerufen. Er verbeugt sich nach Brauch aufs tiefste und ergreift unter lautloser Stille der Zuhörerschaft das Wort: ‘Hochwohledelgeborene, hochgeborene, hochwohlgeborene und wohlgeborene Gönner und Gönnerinnen! Dero huldreicher Beifall erquickt, entzückt und beglückt mein Gemüt. Um das Mass meiner Zufriedenheit überquellen zu machen, hege ich bloss noch den Wunsch, es mögen die ehrsamen und löblichen Gilden der G’sibelfelberer1von London und Paris die Früchte ihrer literarischen Betriebsamkeit der nächsten fünf Jahre in Anerkennung meiner künstlerischen Tätigkeit gütigst als kleine Zubusse zur Aufbesserung meiner Bezügemirzuzuwenden belieben!’ Es gibt wohl Leute, denen solche Reden würdelos erscheinen. Aber freilich, die Würde ist die Narrenkappe des Humors, mit und ohne Schellen.V. 74. Das goldene Prag ist die Hauptstadt des Russenreiches, allwo die Königin die Frau mächtig thront. Vergl. die Bajuwaren im Guslarenlied, wo auch die Königin von Prag als Retterin Wiens die Hauptrolle inne hat.V. 81. Wer einen deutschen Rock und Hut trägt, gilt dem Bošnjaken als ‘Schwabe’ und wer immer die Stelle eines Feldpostboten bekleidet, der heisst bei ihm Tatare. Einen Pferdefeind nennt der Paša den Tataren, weil dieser schonunglos die Postpferde zu Tode reitet. In Ungarn waren die Gemeinden verpflichtet, den »Tataren« unentgeltlich die Pferde beizustellen.V. 121. pro (preo, preko) zemlje turčije über die Länder der Türkei.V. 122. ‘Zur Hauptstadt und Istambol’ ist ein Hendiadys. Ich behalte hier und überall sonst die poetische Figur bei, wenn es nur irgendwie der deutsche Sprachgebrauch zulässt.V. 211. Ridžalen sind die hohen Würdenträger, die Granden am türk. Hofe.V. 273. Das schwere Geschütz zog man zu Schiff Donauaufwärts nach Ungarn, das Gros des Heeres schlug aber, wie immer den Landweg ein. Übrigens nahm Köprülü I. persönlich an dem ungarischen Feldzuge nicht Teil.V. 318. Der Guslar irrt; denn unter den bosnischen Valis kommt erst in der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrh. ein Köprülü vor (Urenkel K. I.), der aber bekleidete die Stelle zweimal und hinterliess beim Volke ein gesegnetesAndenken. Er war gleich seinem grossen Ahnherrn ein wahrer und uneigennütziger Freund und Beschützer der Juden.V. 356 und 372. Die Angabe entspricht zutreffend der Machtbefugnis und dem Amtbereiche eines Stadthauptmannes. Ein militärischer Bezirkhauptmann alarmiert das Land durch Kanonenschüsse. Die Heerfahne steckt man bei einer solchen Gelegenheit im freien Felde auf; denn das Militär darf sich der Frauen und der Zucht wegen nicht innerhalb einer bewohnten Ortschaft sammeln. Türkische Truppen kennen auch die Marketenderinnen-Wirtschaft nicht. Fazlagić schliesst als gläubiger Moslim vor dem Auszug in den Krieg seine Rechnung mit Gott ab. Vor Beginn einer Schlacht pflegen Hodžen ein Gebet zum Segen der Kämpfer zu sagen. Džanan und die Mehrzahl der Bošnjaken mochten aber im Stillen der Ansicht sein, die Tale der Narr offen (im Smailagić Meho) gegenüber dem Hodža ausspricht: ‘Raspel rascher, du Hodža, deinen Segen ab! Das Schwert, nicht dein Segen säbelt den Feind nieder!’V. 424–430. Stereotyp. Diese Rede entspricht mehr dem allgemeinen Gefühle des bosnischen Volkes als Džanans Lied. Aus den Guslarenliedern allein gewänne man einen unwahren Eindruck hinsichtlich der vorwiegenden Volkstimmung. In Wahrheit ist der Bosnier, nicht minder als der Serbe in Serbien und der Bulgare und Grieche im grossen und ganzen allen kriegerischen Unternehmungen gründlichst abgeneigt. Heutigentags pressen die Kleinstaaten jeden waffenfähigen Mann zum Militär und wenn es dann zum Treffen kommen soll, erweisen sich die Soldaten als stramme Anhänger der BaroninBertha von Suttnerund legen »die Waffen nieder«, um ihr kostbares Leben der Menschheit zu erhalten.V. 505. Der Glaube ist allgemein, dass die Bewunderung schöner Mädchen einen Kämpen töten könne. Wer, wie z. B. Tale der Narr, der Beschreiung leicht unterliegt, geht mit zerfetzten Knieen und löcheriger Kopfbedeckung einher, auch hilft Knoblauch und eine Wolfschnauze im Busenlatz getragen. An Abwehrmitteln, besonders an Besprechungen des bösen Blickes und der Bewunderung ist die südslavische Folklore-Literatur überaus reich. Der Glaube ist international, wie die zahllosen Belege der endlosen AbhandlungenJulius Tuchmannsüber ‘Fascination’ in der Mélusine dartun.V. 518. Nach unserer Stundenzählung um 10 Uhr nachts.V. 530. Der Guslar legt sich die Episode ungeschlacht zurecht; denn kein Moslim lässt sich, auch nicht im Scherze, Vater und Mutter ungestraft beschimpfen. Der Guslar suchte nach einer Entschuldigung für das unschickliche Schnorrmanöver Džanans und ersann nichts Besseres als die Ausflucht, dass es auf Geheiss Köprülüs geschehen sei.V. 564 und 573 f. Diesen Ausspruch, der in der Guslarenepik nicht vereinzelt dasteht, darf man getrost als das Urteil des Ackerbauers über die Helden und Heldentaten bezeichnen.V. 583. Die auf den Vers folgende Lücke statt des lebhaften Geberdenspiels des Guslaren, das ich sonst nicht recht andeuten kann.V. 595. Was ein Guslar unter einem herrschaftlichen Nachtmahl versteht, muss ich eigens bemerken, um etwaigen übertriebenen Vorstellungen vorzubeugen. Zu einem herrschaftlichen Nachtmahl gehört vor allem frischgebackenes weisses Weizenbrot, Hammelbraten, fett, dass einem der Schmer über den Bart herabrinnt und hartgesottene Eier nebst Obst (Dunstobst), Branntwein und Wein nebst Kaffee, alles im Überfluss, damit man sich bis zum Erbrechen vollstopfen kann.V. 879 ff. Diese Art Ehrensäbel tragen in Goldbuchstaben die ständige Inschrift: »Im Namen des allbarmherzigen Gottes, der die Siege verteilt. DieserSäbel, welcher für die Otomanen das glänzendste Emblem des Sieges und der Auszeichnung bildet, und auf Kinder und Kindeskinder übergehen kann, ist von S. Majestät dem Sultan dem Ghazi ...... Pascha verliehen worden, als Zeichen der Wertschätzung des Mutes und der Treue, von welchen er während des siegreichen Krieges gegen ...... Beweise geliefert hat, und mit dem Wunsche, dass dieses verherrlichende Andenken zu neuen und zahlreichen Siegen zu führen vermöge.« Der Ehrensäbel ist nicht zu verwechseln mit »pot muhurom ćorda« (Säbel unter Sigel), der den Besitzer zum Raub im Grenzlande berechtigte.Der Ausruf ‘sufur!’ (Schluss) ist vom Sänger. Damit legt er die Guslen weg, nimmt eine Erfrischung zu sich und stopft sich sein Pfeifchen an, um zu rauchen. Nach kurzer Erholung, hebt er ein neues Lied an, wenn er nur Zuhörer findet, denen die Geduld nicht ausgeht. Ein rechter Guslar setzt einen Stolz darein, als unermüdlich und unerschöpflich zu gelten.

Sufur.

Ende.

V. 1–20 ist ein Begrüssung- und V. 920–928 ein Abschlussgesang des Guslaren zur Ehrung der Zuhörer. Man vergl. in meinen ‘Bajuwaren im Guslarenliede’ (Forschungen zur Kultur- und Literaturgeschichte Bayerns, hrsg. von K. v.Reinhardstöttner, Ansbach 1896) die ähnlichen Liedchen S. 103, 129 und 145. Über derartige Einleitung- und Schlusslieder ausführlich in meinem Smailagić Meho (Ragusa 1885), S. 69–78 und 153–161. Zum ‘Heerzug’ sang mirHalilkeinen Vor- und Nachgesang, weil wir doch allein waren und es keinen Sinn gehabt hätte, mich anzustrudeln. Übrigens habe ich es nicht unterlassen, bei anderen Liedern seine Begrüssungformeln niederzuschreiben.

Die V. 920–928 könnte einer möglicherweise als den Ausdruck verworfener und frechhabsüchtiger Gesinnung des Guslaren auffassen und ihn darum verachten. Dagegen muss ich meinen Freund Ibrahim, den Sohn eines Dervišen, in Schutz nehmen. Wer, wie er, bei einem Korajer Beg als Waldbauerknecht freiwillig frohnen mag, ist gegen jeden Verdacht unlauteren Wettbewerbes und gewissenlosen Strebens, auf Regimentunkosten ein sorgenfreies Dasein zu führen, unbedingt gefeit. Die Verse sind gerade wegen des Gegensatzes der auf die allergeringsten Bedürfnisse herabgeminderten Lebensweise des Guslaren und seines den Zuhörern bekannten, einwandfreien ehrlichen Erwerbes gut humoristische Selbstbespöttlung und reizen darum die Kenner zum zwerchfellerschütternden Gelächter. Ein Beispiel soll das besser verdeutschen. Ein Schauspieler wird an seinem Benefizabende zum Schluss stürmisch hervorgerufen. Er verbeugt sich nach Brauch aufs tiefste und ergreift unter lautloser Stille der Zuhörerschaft das Wort: ‘Hochwohledelgeborene, hochgeborene, hochwohlgeborene und wohlgeborene Gönner und Gönnerinnen! Dero huldreicher Beifall erquickt, entzückt und beglückt mein Gemüt. Um das Mass meiner Zufriedenheit überquellen zu machen, hege ich bloss noch den Wunsch, es mögen die ehrsamen und löblichen Gilden der G’sibelfelberer1von London und Paris die Früchte ihrer literarischen Betriebsamkeit der nächsten fünf Jahre in Anerkennung meiner künstlerischen Tätigkeit gütigst als kleine Zubusse zur Aufbesserung meiner Bezügemirzuzuwenden belieben!’ Es gibt wohl Leute, denen solche Reden würdelos erscheinen. Aber freilich, die Würde ist die Narrenkappe des Humors, mit und ohne Schellen.

V. 74. Das goldene Prag ist die Hauptstadt des Russenreiches, allwo die Königin die Frau mächtig thront. Vergl. die Bajuwaren im Guslarenlied, wo auch die Königin von Prag als Retterin Wiens die Hauptrolle inne hat.

V. 81. Wer einen deutschen Rock und Hut trägt, gilt dem Bošnjaken als ‘Schwabe’ und wer immer die Stelle eines Feldpostboten bekleidet, der heisst bei ihm Tatare. Einen Pferdefeind nennt der Paša den Tataren, weil dieser schonunglos die Postpferde zu Tode reitet. In Ungarn waren die Gemeinden verpflichtet, den »Tataren« unentgeltlich die Pferde beizustellen.

V. 121. pro (preo, preko) zemlje turčije über die Länder der Türkei.

V. 122. ‘Zur Hauptstadt und Istambol’ ist ein Hendiadys. Ich behalte hier und überall sonst die poetische Figur bei, wenn es nur irgendwie der deutsche Sprachgebrauch zulässt.

V. 211. Ridžalen sind die hohen Würdenträger, die Granden am türk. Hofe.

V. 273. Das schwere Geschütz zog man zu Schiff Donauaufwärts nach Ungarn, das Gros des Heeres schlug aber, wie immer den Landweg ein. Übrigens nahm Köprülü I. persönlich an dem ungarischen Feldzuge nicht Teil.

V. 318. Der Guslar irrt; denn unter den bosnischen Valis kommt erst in der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrh. ein Köprülü vor (Urenkel K. I.), der aber bekleidete die Stelle zweimal und hinterliess beim Volke ein gesegnetesAndenken. Er war gleich seinem grossen Ahnherrn ein wahrer und uneigennütziger Freund und Beschützer der Juden.

V. 356 und 372. Die Angabe entspricht zutreffend der Machtbefugnis und dem Amtbereiche eines Stadthauptmannes. Ein militärischer Bezirkhauptmann alarmiert das Land durch Kanonenschüsse. Die Heerfahne steckt man bei einer solchen Gelegenheit im freien Felde auf; denn das Militär darf sich der Frauen und der Zucht wegen nicht innerhalb einer bewohnten Ortschaft sammeln. Türkische Truppen kennen auch die Marketenderinnen-Wirtschaft nicht. Fazlagić schliesst als gläubiger Moslim vor dem Auszug in den Krieg seine Rechnung mit Gott ab. Vor Beginn einer Schlacht pflegen Hodžen ein Gebet zum Segen der Kämpfer zu sagen. Džanan und die Mehrzahl der Bošnjaken mochten aber im Stillen der Ansicht sein, die Tale der Narr offen (im Smailagić Meho) gegenüber dem Hodža ausspricht: ‘Raspel rascher, du Hodža, deinen Segen ab! Das Schwert, nicht dein Segen säbelt den Feind nieder!’

V. 424–430. Stereotyp. Diese Rede entspricht mehr dem allgemeinen Gefühle des bosnischen Volkes als Džanans Lied. Aus den Guslarenliedern allein gewänne man einen unwahren Eindruck hinsichtlich der vorwiegenden Volkstimmung. In Wahrheit ist der Bosnier, nicht minder als der Serbe in Serbien und der Bulgare und Grieche im grossen und ganzen allen kriegerischen Unternehmungen gründlichst abgeneigt. Heutigentags pressen die Kleinstaaten jeden waffenfähigen Mann zum Militär und wenn es dann zum Treffen kommen soll, erweisen sich die Soldaten als stramme Anhänger der BaroninBertha von Suttnerund legen »die Waffen nieder«, um ihr kostbares Leben der Menschheit zu erhalten.

V. 505. Der Glaube ist allgemein, dass die Bewunderung schöner Mädchen einen Kämpen töten könne. Wer, wie z. B. Tale der Narr, der Beschreiung leicht unterliegt, geht mit zerfetzten Knieen und löcheriger Kopfbedeckung einher, auch hilft Knoblauch und eine Wolfschnauze im Busenlatz getragen. An Abwehrmitteln, besonders an Besprechungen des bösen Blickes und der Bewunderung ist die südslavische Folklore-Literatur überaus reich. Der Glaube ist international, wie die zahllosen Belege der endlosen AbhandlungenJulius Tuchmannsüber ‘Fascination’ in der Mélusine dartun.

V. 518. Nach unserer Stundenzählung um 10 Uhr nachts.

V. 530. Der Guslar legt sich die Episode ungeschlacht zurecht; denn kein Moslim lässt sich, auch nicht im Scherze, Vater und Mutter ungestraft beschimpfen. Der Guslar suchte nach einer Entschuldigung für das unschickliche Schnorrmanöver Džanans und ersann nichts Besseres als die Ausflucht, dass es auf Geheiss Köprülüs geschehen sei.

V. 564 und 573 f. Diesen Ausspruch, der in der Guslarenepik nicht vereinzelt dasteht, darf man getrost als das Urteil des Ackerbauers über die Helden und Heldentaten bezeichnen.

V. 583. Die auf den Vers folgende Lücke statt des lebhaften Geberdenspiels des Guslaren, das ich sonst nicht recht andeuten kann.

V. 595. Was ein Guslar unter einem herrschaftlichen Nachtmahl versteht, muss ich eigens bemerken, um etwaigen übertriebenen Vorstellungen vorzubeugen. Zu einem herrschaftlichen Nachtmahl gehört vor allem frischgebackenes weisses Weizenbrot, Hammelbraten, fett, dass einem der Schmer über den Bart herabrinnt und hartgesottene Eier nebst Obst (Dunstobst), Branntwein und Wein nebst Kaffee, alles im Überfluss, damit man sich bis zum Erbrechen vollstopfen kann.

V. 879 ff. Diese Art Ehrensäbel tragen in Goldbuchstaben die ständige Inschrift: »Im Namen des allbarmherzigen Gottes, der die Siege verteilt. DieserSäbel, welcher für die Otomanen das glänzendste Emblem des Sieges und der Auszeichnung bildet, und auf Kinder und Kindeskinder übergehen kann, ist von S. Majestät dem Sultan dem Ghazi ...... Pascha verliehen worden, als Zeichen der Wertschätzung des Mutes und der Treue, von welchen er während des siegreichen Krieges gegen ...... Beweise geliefert hat, und mit dem Wunsche, dass dieses verherrlichende Andenken zu neuen und zahlreichen Siegen zu führen vermöge.« Der Ehrensäbel ist nicht zu verwechseln mit »pot muhurom ćorda« (Säbel unter Sigel), der den Besitzer zum Raub im Grenzlande berechtigte.

Der Ausruf ‘sufur!’ (Schluss) ist vom Sänger. Damit legt er die Guslen weg, nimmt eine Erfrischung zu sich und stopft sich sein Pfeifchen an, um zu rauchen. Nach kurzer Erholung, hebt er ein neues Lied an, wenn er nur Zuhörer findet, denen die Geduld nicht ausgeht. Ein rechter Guslar setzt einen Stolz darein, als unermüdlich und unerschöpflich zu gelten.


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