Hexen.I. Der Name.Der eigentliche slavische Name für Hexe istvještica, bulg.vješčirica, für den Hexenmeisterviještac. Die Etymologie des Wortes ist klar. Es bedeutete ursprünglich die Wissende, der Wissende, die Kundige und hat in Nebenformen noch in der gegenwärtigen Sprache diese Bedeutung beibehalten;vedaslovenisch: das Wissen;nevedaein Unwissender;vedavicaKartenaufschlägerin (Russ.vēdmadie Hexe);vedovinfatidicus,vijestWissen, Nachricht, Bewusstsein;vijestnikder eine Nachricht bringt, Bote;vještinaperitia, Findigkeit;vještakperitus, ein Kundiger, ein Wissender =viještac, diese Nebenform für Hexenmeister, sowieviještkaundvješticazur Bezeichnung einer Hexe dient; nago-viještatizu erraten suchen;izvjedjavatiin Erfahrung zu bringen suchen, auskundschaften;vještatizaubern, hexen.Vješticabezeichnete ursprüngliche eineweise Frau. (Vgl. über diese BenennungGrimm, D. M. 987.) In vielen Gegenden, namentlich ist dies für Dalmatien bezeugt, scheut man in Gegenwart von Kindern vještica zu sagen und gebraucht dafür die Euphemismenkrstačaoderrogulja(auch roguša)1. Krst bedeutet Kreuz2undKrstača(vonχριστός) ist wohl die mit einem Kreuz Gezeichnete, die Hexe3. Rogulja nennt man eine Hexe zweifelohne deshalb, weil man sie sich zuweilen, wohl anknüpfend an die Vorstellung vom gehörnten Teufel der christlichen Kirche, gehörnt denkt. In Slavonien hörte ich öfters Kühe, die recht grosse Hörner hatten, mit dem Namen »Rogulje« rufen. Im chrowotischen Küstenlande scheint das Wort vještica vollständig von dem italienischen Lehnworteštrigaverdrängt worden zu sein4. Unter den Slovenen und den Kaj-Chrowoten hat das deutsche Wort Zauberin in derverhunzten Formcopernica(masc. coprnjak, inf. coprat, zacoprat, partic. zacopren) volles Bürgerrecht erlangt. Man gebraucht das Wort auch in Slavonien, doch ganz in dem Sinne wie in Deutschland. In Bosnien, dem Herzogtum, in Serbien und Bulgarien ist es unbekannt. Die Ausdrückecoprati,coprija,copernikundcoprnicafinden sich schon in den ältesten slovenischen und provinzialchrowotischen Wörterbüchern und Texten (Bjelostijenec,Jambrešić, beiGlavinić, vrgl. die Worte bei Daničić srps. ili hrv. riečnik Agr. 1882). Daraus ergibt sich, dass sie frühzeitig, wohl schon im Mittelalter, dem Deutschen entlehnt wurden. Im allgemeinen scheuen sich die Chrowoten und Slovenencoprnicafür Hexe zu sagen, sondern gebrauchen dafür in mildem Tone die Bezeichnung ‘hmana žena’ (gemeines Weib); hmana ist das deutschegemein; »Man nimmt Anstand, sich des Wortes ‘coprnica’ zu bedienen, weil sonst die Hexen darüber so sehr in Zorn geraten, dass sie den Betreffenden nächtlicherweile heimsuchen, ihn in vier Stücke reissen, jedes Stück nach einer anderen Weltgegend schleudern und hierauf alle Zuchtschweine, Kühe und Pferde aus dem Hause forttragen.« In Dalmatien bis tief noch in Serbien hinein wendet man häufig an zur Bezeichnung einer Zaubererin den Ausdruckmaćionica, eines Zauberers:maćionik,einer Zauberei:maćija. Man erkennt auf den ersten Blick das italienische magia, die Magie.Zlokobnica(etwa: böse Begegnerin) heisst jedes alte Weib, dem man in aller Frühe, wenn man das Haus verlässt, begegnet, ehe man einen anderen Menschen noch gesehen. Eine klassische Stelle5, die hier im Wortlaute angeführt zu werden verdient, gibt eine nähere Beschreibung der Hauptmerkmale, an denen man eine vještica, maćionica und zlokobnica ohne weiteres voneinander unterscheiden kann: »Slušao sam od starih adžija i kadija, da svaka vlahinja kad pregje 40 godina preda se nečastivome te postane vještica ili dajbudi zlokobnica ili maćionica. Prava vještica ima krst pod nos6, svaka zlokobnica po nekolko brčnih dlaka7, a maćionica namrskana čela i krvave pečate po obrazu.« (Ich habe von alten Hodžen und Kadis öfters gehört, dass sich jede Walachin, sobald sie das 40. Lebensjahr überschritten, dem Gottseibeiuns(nečastivomu) überliefert und eine Hexe (vještica), oder zum mindesten eine zlokobnica oder maćionica wird. Eine echte Hexe trägt ein Kreuzzeichen unter der Nase, jede zlokobnica hat einige Barthaare und eine maćionica hat die Stirne voll finsterer Falten und Blutflecken im Gesichte.)Die vještica hat auch den Namen »mora« (die Mar oder Trut), je nachdem sie als solche auftritt.8Für Zaubern ist der Ausdruckčaratiam gebräuchlichsten.9Snkrt.karmachen, tun; lit.kėrėti,kirti(zaubern); ahd.karawan, ags.gearvjan.čaratifürhexenund zaubern (incantare, ueneficium facere) kommt schon in den ältesten südslav. Wörterbüchern vor. Im Volksprichwort:čaralababa da ne bude mraza a s jutra snijeg do koljena. (Das alte Mütterchen hexte, damit kein Frost eintrete, in der Früh aber lag der Schnee knietief.)Načarativerzaubern;začaratijemand durch Zauberei verblenden.čâr, incantatio;čarastrigamento, Zauberei; pl.čari, Zaubermittel;čarnikZauberer,čarnicaZaubererin;čarovnikmagus;čarobijamagia;čaralija,čarolijaZauberei als Begriff,čarkaZauberei in einem besonderen Falle, der vorliegt, etwa Verzauberung (čaratanundčarataonikZauberer,čaratanijaHexerei, sind Lehnworte aus dem Italienischenciarlatano, frz.charlatan). Nicht minder häufig gebraucht man fürzaubernčiniti. Der Grundbegriff ist derselbe wie inčarati, der desTuns,Machens, Snskst.či, sammeln.Opčiniti,počiniti,učinitibezaubern;učiniti sesich in etwas verzaubern, verwandeln;začinitiincantare;čîn,počin, Zauberei, Verzauberung, pl.čini.Tun,machenbedeutete ursprünglich auchvračati(vrgl. griech.Γεργ) hexen, wahrsagen, heilen,vračiti, medicari,izvračitiherstellen, gesund machen;vračWahrsager, Hexenmeister; noch vor hundert und fünfzig Jahren allgemein in der Bedeutungmedicus; die Neuslovenen gebrauchen noch gegenwärtig fürArztden Ausdruckvračar;vračlja, mulier, quae sanat, im Wtb. bei Stulić;vračiljasanatrix i. W. beiHabdelič;vračiteljmedicus bei Belost.vračnikmedicus. Stul.vračara,vračarica, Wahrsagerin; eine Frau, die Krankheiten zu heilen versteht.Vračba,vračtvomedicina, Heilmittel; adj.vračan;vračljivmedicabilis;nevračljivimmedicabilis. Von derselben Wurzel auchvragder Teufel, eigentlich derArbeitende(vrgl. d.Werk). Die Vorstellung von einem Höllenteufel kam den Südslaven, sowie den Slaven überhaupt erst durch die christliche Lehre;vražatiso viel alsčarati,ueneficia adhibere, magicam artem exercere,vražalac,vražalica,vraževnikZauberer, fascinator;vragoduhmalo genio agitatus;vragometana daemone obsessus.Für Zaubern gibt es eine ganze Reihe von Ausdrücken; am gebräuchlichsten istbajati(Sskst.bhasprechen, griech.φα, vrgl.φάναιlat.fama);izbajatidurch Zauberei bewirken;obajatibehexen;zabajatiincantare;bajitieinen Kranken pflegen;bajac,bajačZauberer, incantator;basma, Zauberspruch. DanebenbasnaZauberspruch, Fabel,bajkafabella;bahaticolere artem magicam;bahalicamaga;bahoritifascinum depellere;bahoritise sich heilen, curieren;bahor,bahorac,bahorica,bahornik,bahornicaBeschwörer und Beschwörerin;bahorija,bahorstvoBeschwörung.FürAmuletist der echtslavische Ausdruckzapis, das Verschriebene. Skst.pisritzen, kratzen;hamalija, das gleichfalls Amulet bedeutet und weit gewöhnlicher als das W.zapisgebraucht wird, ist ein Lehnwort aus dem Italienischenammaliamento, lat.amuletum, frz. amulette. Alle in der Sprache vorkommenden Ausdrücke für Zaubern ergeben, dass ursprünglich diesen Bezeichnungen an und für sich durchaus keine schlimme, sondern vielmehr eine gute Bedeutung zukam. Die Wandlung erfolgte erst durch den Einfluss des Abendlandes.
Hexen.I. Der Name.Der eigentliche slavische Name für Hexe istvještica, bulg.vješčirica, für den Hexenmeisterviještac. Die Etymologie des Wortes ist klar. Es bedeutete ursprünglich die Wissende, der Wissende, die Kundige und hat in Nebenformen noch in der gegenwärtigen Sprache diese Bedeutung beibehalten;vedaslovenisch: das Wissen;nevedaein Unwissender;vedavicaKartenaufschlägerin (Russ.vēdmadie Hexe);vedovinfatidicus,vijestWissen, Nachricht, Bewusstsein;vijestnikder eine Nachricht bringt, Bote;vještinaperitia, Findigkeit;vještakperitus, ein Kundiger, ein Wissender =viještac, diese Nebenform für Hexenmeister, sowieviještkaundvješticazur Bezeichnung einer Hexe dient; nago-viještatizu erraten suchen;izvjedjavatiin Erfahrung zu bringen suchen, auskundschaften;vještatizaubern, hexen.Vješticabezeichnete ursprüngliche eineweise Frau. (Vgl. über diese BenennungGrimm, D. M. 987.) In vielen Gegenden, namentlich ist dies für Dalmatien bezeugt, scheut man in Gegenwart von Kindern vještica zu sagen und gebraucht dafür die Euphemismenkrstačaoderrogulja(auch roguša)1. Krst bedeutet Kreuz2undKrstača(vonχριστός) ist wohl die mit einem Kreuz Gezeichnete, die Hexe3. Rogulja nennt man eine Hexe zweifelohne deshalb, weil man sie sich zuweilen, wohl anknüpfend an die Vorstellung vom gehörnten Teufel der christlichen Kirche, gehörnt denkt. In Slavonien hörte ich öfters Kühe, die recht grosse Hörner hatten, mit dem Namen »Rogulje« rufen. Im chrowotischen Küstenlande scheint das Wort vještica vollständig von dem italienischen Lehnworteštrigaverdrängt worden zu sein4. Unter den Slovenen und den Kaj-Chrowoten hat das deutsche Wort Zauberin in derverhunzten Formcopernica(masc. coprnjak, inf. coprat, zacoprat, partic. zacopren) volles Bürgerrecht erlangt. Man gebraucht das Wort auch in Slavonien, doch ganz in dem Sinne wie in Deutschland. In Bosnien, dem Herzogtum, in Serbien und Bulgarien ist es unbekannt. Die Ausdrückecoprati,coprija,copernikundcoprnicafinden sich schon in den ältesten slovenischen und provinzialchrowotischen Wörterbüchern und Texten (Bjelostijenec,Jambrešić, beiGlavinić, vrgl. die Worte bei Daničić srps. ili hrv. riečnik Agr. 1882). Daraus ergibt sich, dass sie frühzeitig, wohl schon im Mittelalter, dem Deutschen entlehnt wurden. Im allgemeinen scheuen sich die Chrowoten und Slovenencoprnicafür Hexe zu sagen, sondern gebrauchen dafür in mildem Tone die Bezeichnung ‘hmana žena’ (gemeines Weib); hmana ist das deutschegemein; »Man nimmt Anstand, sich des Wortes ‘coprnica’ zu bedienen, weil sonst die Hexen darüber so sehr in Zorn geraten, dass sie den Betreffenden nächtlicherweile heimsuchen, ihn in vier Stücke reissen, jedes Stück nach einer anderen Weltgegend schleudern und hierauf alle Zuchtschweine, Kühe und Pferde aus dem Hause forttragen.« In Dalmatien bis tief noch in Serbien hinein wendet man häufig an zur Bezeichnung einer Zaubererin den Ausdruckmaćionica, eines Zauberers:maćionik,einer Zauberei:maćija. Man erkennt auf den ersten Blick das italienische magia, die Magie.Zlokobnica(etwa: böse Begegnerin) heisst jedes alte Weib, dem man in aller Frühe, wenn man das Haus verlässt, begegnet, ehe man einen anderen Menschen noch gesehen. Eine klassische Stelle5, die hier im Wortlaute angeführt zu werden verdient, gibt eine nähere Beschreibung der Hauptmerkmale, an denen man eine vještica, maćionica und zlokobnica ohne weiteres voneinander unterscheiden kann: »Slušao sam od starih adžija i kadija, da svaka vlahinja kad pregje 40 godina preda se nečastivome te postane vještica ili dajbudi zlokobnica ili maćionica. Prava vještica ima krst pod nos6, svaka zlokobnica po nekolko brčnih dlaka7, a maćionica namrskana čela i krvave pečate po obrazu.« (Ich habe von alten Hodžen und Kadis öfters gehört, dass sich jede Walachin, sobald sie das 40. Lebensjahr überschritten, dem Gottseibeiuns(nečastivomu) überliefert und eine Hexe (vještica), oder zum mindesten eine zlokobnica oder maćionica wird. Eine echte Hexe trägt ein Kreuzzeichen unter der Nase, jede zlokobnica hat einige Barthaare und eine maćionica hat die Stirne voll finsterer Falten und Blutflecken im Gesichte.)Die vještica hat auch den Namen »mora« (die Mar oder Trut), je nachdem sie als solche auftritt.8Für Zaubern ist der Ausdruckčaratiam gebräuchlichsten.9Snkrt.karmachen, tun; lit.kėrėti,kirti(zaubern); ahd.karawan, ags.gearvjan.čaratifürhexenund zaubern (incantare, ueneficium facere) kommt schon in den ältesten südslav. Wörterbüchern vor. Im Volksprichwort:čaralababa da ne bude mraza a s jutra snijeg do koljena. (Das alte Mütterchen hexte, damit kein Frost eintrete, in der Früh aber lag der Schnee knietief.)Načarativerzaubern;začaratijemand durch Zauberei verblenden.čâr, incantatio;čarastrigamento, Zauberei; pl.čari, Zaubermittel;čarnikZauberer,čarnicaZaubererin;čarovnikmagus;čarobijamagia;čaralija,čarolijaZauberei als Begriff,čarkaZauberei in einem besonderen Falle, der vorliegt, etwa Verzauberung (čaratanundčarataonikZauberer,čaratanijaHexerei, sind Lehnworte aus dem Italienischenciarlatano, frz.charlatan). Nicht minder häufig gebraucht man fürzaubernčiniti. Der Grundbegriff ist derselbe wie inčarati, der desTuns,Machens, Snskst.či, sammeln.Opčiniti,počiniti,učinitibezaubern;učiniti sesich in etwas verzaubern, verwandeln;začinitiincantare;čîn,počin, Zauberei, Verzauberung, pl.čini.Tun,machenbedeutete ursprünglich auchvračati(vrgl. griech.Γεργ) hexen, wahrsagen, heilen,vračiti, medicari,izvračitiherstellen, gesund machen;vračWahrsager, Hexenmeister; noch vor hundert und fünfzig Jahren allgemein in der Bedeutungmedicus; die Neuslovenen gebrauchen noch gegenwärtig fürArztden Ausdruckvračar;vračlja, mulier, quae sanat, im Wtb. bei Stulić;vračiljasanatrix i. W. beiHabdelič;vračiteljmedicus bei Belost.vračnikmedicus. Stul.vračara,vračarica, Wahrsagerin; eine Frau, die Krankheiten zu heilen versteht.Vračba,vračtvomedicina, Heilmittel; adj.vračan;vračljivmedicabilis;nevračljivimmedicabilis. Von derselben Wurzel auchvragder Teufel, eigentlich derArbeitende(vrgl. d.Werk). Die Vorstellung von einem Höllenteufel kam den Südslaven, sowie den Slaven überhaupt erst durch die christliche Lehre;vražatiso viel alsčarati,ueneficia adhibere, magicam artem exercere,vražalac,vražalica,vraževnikZauberer, fascinator;vragoduhmalo genio agitatus;vragometana daemone obsessus.Für Zaubern gibt es eine ganze Reihe von Ausdrücken; am gebräuchlichsten istbajati(Sskst.bhasprechen, griech.φα, vrgl.φάναιlat.fama);izbajatidurch Zauberei bewirken;obajatibehexen;zabajatiincantare;bajitieinen Kranken pflegen;bajac,bajačZauberer, incantator;basma, Zauberspruch. DanebenbasnaZauberspruch, Fabel,bajkafabella;bahaticolere artem magicam;bahalicamaga;bahoritifascinum depellere;bahoritise sich heilen, curieren;bahor,bahorac,bahorica,bahornik,bahornicaBeschwörer und Beschwörerin;bahorija,bahorstvoBeschwörung.FürAmuletist der echtslavische Ausdruckzapis, das Verschriebene. Skst.pisritzen, kratzen;hamalija, das gleichfalls Amulet bedeutet und weit gewöhnlicher als das W.zapisgebraucht wird, ist ein Lehnwort aus dem Italienischenammaliamento, lat.amuletum, frz. amulette. Alle in der Sprache vorkommenden Ausdrücke für Zaubern ergeben, dass ursprünglich diesen Bezeichnungen an und für sich durchaus keine schlimme, sondern vielmehr eine gute Bedeutung zukam. Die Wandlung erfolgte erst durch den Einfluss des Abendlandes.
Hexen.I. Der Name.Der eigentliche slavische Name für Hexe istvještica, bulg.vješčirica, für den Hexenmeisterviještac. Die Etymologie des Wortes ist klar. Es bedeutete ursprünglich die Wissende, der Wissende, die Kundige und hat in Nebenformen noch in der gegenwärtigen Sprache diese Bedeutung beibehalten;vedaslovenisch: das Wissen;nevedaein Unwissender;vedavicaKartenaufschlägerin (Russ.vēdmadie Hexe);vedovinfatidicus,vijestWissen, Nachricht, Bewusstsein;vijestnikder eine Nachricht bringt, Bote;vještinaperitia, Findigkeit;vještakperitus, ein Kundiger, ein Wissender =viještac, diese Nebenform für Hexenmeister, sowieviještkaundvješticazur Bezeichnung einer Hexe dient; nago-viještatizu erraten suchen;izvjedjavatiin Erfahrung zu bringen suchen, auskundschaften;vještatizaubern, hexen.Vješticabezeichnete ursprüngliche eineweise Frau. (Vgl. über diese BenennungGrimm, D. M. 987.) In vielen Gegenden, namentlich ist dies für Dalmatien bezeugt, scheut man in Gegenwart von Kindern vještica zu sagen und gebraucht dafür die Euphemismenkrstačaoderrogulja(auch roguša)1. Krst bedeutet Kreuz2undKrstača(vonχριστός) ist wohl die mit einem Kreuz Gezeichnete, die Hexe3. Rogulja nennt man eine Hexe zweifelohne deshalb, weil man sie sich zuweilen, wohl anknüpfend an die Vorstellung vom gehörnten Teufel der christlichen Kirche, gehörnt denkt. In Slavonien hörte ich öfters Kühe, die recht grosse Hörner hatten, mit dem Namen »Rogulje« rufen. Im chrowotischen Küstenlande scheint das Wort vještica vollständig von dem italienischen Lehnworteštrigaverdrängt worden zu sein4. Unter den Slovenen und den Kaj-Chrowoten hat das deutsche Wort Zauberin in derverhunzten Formcopernica(masc. coprnjak, inf. coprat, zacoprat, partic. zacopren) volles Bürgerrecht erlangt. Man gebraucht das Wort auch in Slavonien, doch ganz in dem Sinne wie in Deutschland. In Bosnien, dem Herzogtum, in Serbien und Bulgarien ist es unbekannt. Die Ausdrückecoprati,coprija,copernikundcoprnicafinden sich schon in den ältesten slovenischen und provinzialchrowotischen Wörterbüchern und Texten (Bjelostijenec,Jambrešić, beiGlavinić, vrgl. die Worte bei Daničić srps. ili hrv. riečnik Agr. 1882). Daraus ergibt sich, dass sie frühzeitig, wohl schon im Mittelalter, dem Deutschen entlehnt wurden. Im allgemeinen scheuen sich die Chrowoten und Slovenencoprnicafür Hexe zu sagen, sondern gebrauchen dafür in mildem Tone die Bezeichnung ‘hmana žena’ (gemeines Weib); hmana ist das deutschegemein; »Man nimmt Anstand, sich des Wortes ‘coprnica’ zu bedienen, weil sonst die Hexen darüber so sehr in Zorn geraten, dass sie den Betreffenden nächtlicherweile heimsuchen, ihn in vier Stücke reissen, jedes Stück nach einer anderen Weltgegend schleudern und hierauf alle Zuchtschweine, Kühe und Pferde aus dem Hause forttragen.« In Dalmatien bis tief noch in Serbien hinein wendet man häufig an zur Bezeichnung einer Zaubererin den Ausdruckmaćionica, eines Zauberers:maćionik,einer Zauberei:maćija. Man erkennt auf den ersten Blick das italienische magia, die Magie.Zlokobnica(etwa: böse Begegnerin) heisst jedes alte Weib, dem man in aller Frühe, wenn man das Haus verlässt, begegnet, ehe man einen anderen Menschen noch gesehen. Eine klassische Stelle5, die hier im Wortlaute angeführt zu werden verdient, gibt eine nähere Beschreibung der Hauptmerkmale, an denen man eine vještica, maćionica und zlokobnica ohne weiteres voneinander unterscheiden kann: »Slušao sam od starih adžija i kadija, da svaka vlahinja kad pregje 40 godina preda se nečastivome te postane vještica ili dajbudi zlokobnica ili maćionica. Prava vještica ima krst pod nos6, svaka zlokobnica po nekolko brčnih dlaka7, a maćionica namrskana čela i krvave pečate po obrazu.« (Ich habe von alten Hodžen und Kadis öfters gehört, dass sich jede Walachin, sobald sie das 40. Lebensjahr überschritten, dem Gottseibeiuns(nečastivomu) überliefert und eine Hexe (vještica), oder zum mindesten eine zlokobnica oder maćionica wird. Eine echte Hexe trägt ein Kreuzzeichen unter der Nase, jede zlokobnica hat einige Barthaare und eine maćionica hat die Stirne voll finsterer Falten und Blutflecken im Gesichte.)Die vještica hat auch den Namen »mora« (die Mar oder Trut), je nachdem sie als solche auftritt.8Für Zaubern ist der Ausdruckčaratiam gebräuchlichsten.9Snkrt.karmachen, tun; lit.kėrėti,kirti(zaubern); ahd.karawan, ags.gearvjan.čaratifürhexenund zaubern (incantare, ueneficium facere) kommt schon in den ältesten südslav. Wörterbüchern vor. Im Volksprichwort:čaralababa da ne bude mraza a s jutra snijeg do koljena. (Das alte Mütterchen hexte, damit kein Frost eintrete, in der Früh aber lag der Schnee knietief.)Načarativerzaubern;začaratijemand durch Zauberei verblenden.čâr, incantatio;čarastrigamento, Zauberei; pl.čari, Zaubermittel;čarnikZauberer,čarnicaZaubererin;čarovnikmagus;čarobijamagia;čaralija,čarolijaZauberei als Begriff,čarkaZauberei in einem besonderen Falle, der vorliegt, etwa Verzauberung (čaratanundčarataonikZauberer,čaratanijaHexerei, sind Lehnworte aus dem Italienischenciarlatano, frz.charlatan). Nicht minder häufig gebraucht man fürzaubernčiniti. Der Grundbegriff ist derselbe wie inčarati, der desTuns,Machens, Snskst.či, sammeln.Opčiniti,počiniti,učinitibezaubern;učiniti sesich in etwas verzaubern, verwandeln;začinitiincantare;čîn,počin, Zauberei, Verzauberung, pl.čini.Tun,machenbedeutete ursprünglich auchvračati(vrgl. griech.Γεργ) hexen, wahrsagen, heilen,vračiti, medicari,izvračitiherstellen, gesund machen;vračWahrsager, Hexenmeister; noch vor hundert und fünfzig Jahren allgemein in der Bedeutungmedicus; die Neuslovenen gebrauchen noch gegenwärtig fürArztden Ausdruckvračar;vračlja, mulier, quae sanat, im Wtb. bei Stulić;vračiljasanatrix i. W. beiHabdelič;vračiteljmedicus bei Belost.vračnikmedicus. Stul.vračara,vračarica, Wahrsagerin; eine Frau, die Krankheiten zu heilen versteht.Vračba,vračtvomedicina, Heilmittel; adj.vračan;vračljivmedicabilis;nevračljivimmedicabilis. Von derselben Wurzel auchvragder Teufel, eigentlich derArbeitende(vrgl. d.Werk). Die Vorstellung von einem Höllenteufel kam den Südslaven, sowie den Slaven überhaupt erst durch die christliche Lehre;vražatiso viel alsčarati,ueneficia adhibere, magicam artem exercere,vražalac,vražalica,vraževnikZauberer, fascinator;vragoduhmalo genio agitatus;vragometana daemone obsessus.Für Zaubern gibt es eine ganze Reihe von Ausdrücken; am gebräuchlichsten istbajati(Sskst.bhasprechen, griech.φα, vrgl.φάναιlat.fama);izbajatidurch Zauberei bewirken;obajatibehexen;zabajatiincantare;bajitieinen Kranken pflegen;bajac,bajačZauberer, incantator;basma, Zauberspruch. DanebenbasnaZauberspruch, Fabel,bajkafabella;bahaticolere artem magicam;bahalicamaga;bahoritifascinum depellere;bahoritise sich heilen, curieren;bahor,bahorac,bahorica,bahornik,bahornicaBeschwörer und Beschwörerin;bahorija,bahorstvoBeschwörung.FürAmuletist der echtslavische Ausdruckzapis, das Verschriebene. Skst.pisritzen, kratzen;hamalija, das gleichfalls Amulet bedeutet und weit gewöhnlicher als das W.zapisgebraucht wird, ist ein Lehnwort aus dem Italienischenammaliamento, lat.amuletum, frz. amulette. Alle in der Sprache vorkommenden Ausdrücke für Zaubern ergeben, dass ursprünglich diesen Bezeichnungen an und für sich durchaus keine schlimme, sondern vielmehr eine gute Bedeutung zukam. Die Wandlung erfolgte erst durch den Einfluss des Abendlandes.
Hexen.I. Der Name.Der eigentliche slavische Name für Hexe istvještica, bulg.vješčirica, für den Hexenmeisterviještac. Die Etymologie des Wortes ist klar. Es bedeutete ursprünglich die Wissende, der Wissende, die Kundige und hat in Nebenformen noch in der gegenwärtigen Sprache diese Bedeutung beibehalten;vedaslovenisch: das Wissen;nevedaein Unwissender;vedavicaKartenaufschlägerin (Russ.vēdmadie Hexe);vedovinfatidicus,vijestWissen, Nachricht, Bewusstsein;vijestnikder eine Nachricht bringt, Bote;vještinaperitia, Findigkeit;vještakperitus, ein Kundiger, ein Wissender =viještac, diese Nebenform für Hexenmeister, sowieviještkaundvješticazur Bezeichnung einer Hexe dient; nago-viještatizu erraten suchen;izvjedjavatiin Erfahrung zu bringen suchen, auskundschaften;vještatizaubern, hexen.Vješticabezeichnete ursprüngliche eineweise Frau. (Vgl. über diese BenennungGrimm, D. M. 987.) In vielen Gegenden, namentlich ist dies für Dalmatien bezeugt, scheut man in Gegenwart von Kindern vještica zu sagen und gebraucht dafür die Euphemismenkrstačaoderrogulja(auch roguša)1. Krst bedeutet Kreuz2undKrstača(vonχριστός) ist wohl die mit einem Kreuz Gezeichnete, die Hexe3. Rogulja nennt man eine Hexe zweifelohne deshalb, weil man sie sich zuweilen, wohl anknüpfend an die Vorstellung vom gehörnten Teufel der christlichen Kirche, gehörnt denkt. In Slavonien hörte ich öfters Kühe, die recht grosse Hörner hatten, mit dem Namen »Rogulje« rufen. Im chrowotischen Küstenlande scheint das Wort vještica vollständig von dem italienischen Lehnworteštrigaverdrängt worden zu sein4. Unter den Slovenen und den Kaj-Chrowoten hat das deutsche Wort Zauberin in derverhunzten Formcopernica(masc. coprnjak, inf. coprat, zacoprat, partic. zacopren) volles Bürgerrecht erlangt. Man gebraucht das Wort auch in Slavonien, doch ganz in dem Sinne wie in Deutschland. In Bosnien, dem Herzogtum, in Serbien und Bulgarien ist es unbekannt. Die Ausdrückecoprati,coprija,copernikundcoprnicafinden sich schon in den ältesten slovenischen und provinzialchrowotischen Wörterbüchern und Texten (Bjelostijenec,Jambrešić, beiGlavinić, vrgl. die Worte bei Daničić srps. ili hrv. riečnik Agr. 1882). Daraus ergibt sich, dass sie frühzeitig, wohl schon im Mittelalter, dem Deutschen entlehnt wurden. Im allgemeinen scheuen sich die Chrowoten und Slovenencoprnicafür Hexe zu sagen, sondern gebrauchen dafür in mildem Tone die Bezeichnung ‘hmana žena’ (gemeines Weib); hmana ist das deutschegemein; »Man nimmt Anstand, sich des Wortes ‘coprnica’ zu bedienen, weil sonst die Hexen darüber so sehr in Zorn geraten, dass sie den Betreffenden nächtlicherweile heimsuchen, ihn in vier Stücke reissen, jedes Stück nach einer anderen Weltgegend schleudern und hierauf alle Zuchtschweine, Kühe und Pferde aus dem Hause forttragen.« In Dalmatien bis tief noch in Serbien hinein wendet man häufig an zur Bezeichnung einer Zaubererin den Ausdruckmaćionica, eines Zauberers:maćionik,einer Zauberei:maćija. Man erkennt auf den ersten Blick das italienische magia, die Magie.Zlokobnica(etwa: böse Begegnerin) heisst jedes alte Weib, dem man in aller Frühe, wenn man das Haus verlässt, begegnet, ehe man einen anderen Menschen noch gesehen. Eine klassische Stelle5, die hier im Wortlaute angeführt zu werden verdient, gibt eine nähere Beschreibung der Hauptmerkmale, an denen man eine vještica, maćionica und zlokobnica ohne weiteres voneinander unterscheiden kann: »Slušao sam od starih adžija i kadija, da svaka vlahinja kad pregje 40 godina preda se nečastivome te postane vještica ili dajbudi zlokobnica ili maćionica. Prava vještica ima krst pod nos6, svaka zlokobnica po nekolko brčnih dlaka7, a maćionica namrskana čela i krvave pečate po obrazu.« (Ich habe von alten Hodžen und Kadis öfters gehört, dass sich jede Walachin, sobald sie das 40. Lebensjahr überschritten, dem Gottseibeiuns(nečastivomu) überliefert und eine Hexe (vještica), oder zum mindesten eine zlokobnica oder maćionica wird. Eine echte Hexe trägt ein Kreuzzeichen unter der Nase, jede zlokobnica hat einige Barthaare und eine maćionica hat die Stirne voll finsterer Falten und Blutflecken im Gesichte.)Die vještica hat auch den Namen »mora« (die Mar oder Trut), je nachdem sie als solche auftritt.8Für Zaubern ist der Ausdruckčaratiam gebräuchlichsten.9Snkrt.karmachen, tun; lit.kėrėti,kirti(zaubern); ahd.karawan, ags.gearvjan.čaratifürhexenund zaubern (incantare, ueneficium facere) kommt schon in den ältesten südslav. Wörterbüchern vor. Im Volksprichwort:čaralababa da ne bude mraza a s jutra snijeg do koljena. (Das alte Mütterchen hexte, damit kein Frost eintrete, in der Früh aber lag der Schnee knietief.)Načarativerzaubern;začaratijemand durch Zauberei verblenden.čâr, incantatio;čarastrigamento, Zauberei; pl.čari, Zaubermittel;čarnikZauberer,čarnicaZaubererin;čarovnikmagus;čarobijamagia;čaralija,čarolijaZauberei als Begriff,čarkaZauberei in einem besonderen Falle, der vorliegt, etwa Verzauberung (čaratanundčarataonikZauberer,čaratanijaHexerei, sind Lehnworte aus dem Italienischenciarlatano, frz.charlatan). Nicht minder häufig gebraucht man fürzaubernčiniti. Der Grundbegriff ist derselbe wie inčarati, der desTuns,Machens, Snskst.či, sammeln.Opčiniti,počiniti,učinitibezaubern;učiniti sesich in etwas verzaubern, verwandeln;začinitiincantare;čîn,počin, Zauberei, Verzauberung, pl.čini.Tun,machenbedeutete ursprünglich auchvračati(vrgl. griech.Γεργ) hexen, wahrsagen, heilen,vračiti, medicari,izvračitiherstellen, gesund machen;vračWahrsager, Hexenmeister; noch vor hundert und fünfzig Jahren allgemein in der Bedeutungmedicus; die Neuslovenen gebrauchen noch gegenwärtig fürArztden Ausdruckvračar;vračlja, mulier, quae sanat, im Wtb. bei Stulić;vračiljasanatrix i. W. beiHabdelič;vračiteljmedicus bei Belost.vračnikmedicus. Stul.vračara,vračarica, Wahrsagerin; eine Frau, die Krankheiten zu heilen versteht.Vračba,vračtvomedicina, Heilmittel; adj.vračan;vračljivmedicabilis;nevračljivimmedicabilis. Von derselben Wurzel auchvragder Teufel, eigentlich derArbeitende(vrgl. d.Werk). Die Vorstellung von einem Höllenteufel kam den Südslaven, sowie den Slaven überhaupt erst durch die christliche Lehre;vražatiso viel alsčarati,ueneficia adhibere, magicam artem exercere,vražalac,vražalica,vraževnikZauberer, fascinator;vragoduhmalo genio agitatus;vragometana daemone obsessus.Für Zaubern gibt es eine ganze Reihe von Ausdrücken; am gebräuchlichsten istbajati(Sskst.bhasprechen, griech.φα, vrgl.φάναιlat.fama);izbajatidurch Zauberei bewirken;obajatibehexen;zabajatiincantare;bajitieinen Kranken pflegen;bajac,bajačZauberer, incantator;basma, Zauberspruch. DanebenbasnaZauberspruch, Fabel,bajkafabella;bahaticolere artem magicam;bahalicamaga;bahoritifascinum depellere;bahoritise sich heilen, curieren;bahor,bahorac,bahorica,bahornik,bahornicaBeschwörer und Beschwörerin;bahorija,bahorstvoBeschwörung.FürAmuletist der echtslavische Ausdruckzapis, das Verschriebene. Skst.pisritzen, kratzen;hamalija, das gleichfalls Amulet bedeutet und weit gewöhnlicher als das W.zapisgebraucht wird, ist ein Lehnwort aus dem Italienischenammaliamento, lat.amuletum, frz. amulette. Alle in der Sprache vorkommenden Ausdrücke für Zaubern ergeben, dass ursprünglich diesen Bezeichnungen an und für sich durchaus keine schlimme, sondern vielmehr eine gute Bedeutung zukam. Die Wandlung erfolgte erst durch den Einfluss des Abendlandes.
I. Der Name.Der eigentliche slavische Name für Hexe istvještica, bulg.vješčirica, für den Hexenmeisterviještac. Die Etymologie des Wortes ist klar. Es bedeutete ursprünglich die Wissende, der Wissende, die Kundige und hat in Nebenformen noch in der gegenwärtigen Sprache diese Bedeutung beibehalten;vedaslovenisch: das Wissen;nevedaein Unwissender;vedavicaKartenaufschlägerin (Russ.vēdmadie Hexe);vedovinfatidicus,vijestWissen, Nachricht, Bewusstsein;vijestnikder eine Nachricht bringt, Bote;vještinaperitia, Findigkeit;vještakperitus, ein Kundiger, ein Wissender =viještac, diese Nebenform für Hexenmeister, sowieviještkaundvješticazur Bezeichnung einer Hexe dient; nago-viještatizu erraten suchen;izvjedjavatiin Erfahrung zu bringen suchen, auskundschaften;vještatizaubern, hexen.Vješticabezeichnete ursprüngliche eineweise Frau. (Vgl. über diese BenennungGrimm, D. M. 987.) In vielen Gegenden, namentlich ist dies für Dalmatien bezeugt, scheut man in Gegenwart von Kindern vještica zu sagen und gebraucht dafür die Euphemismenkrstačaoderrogulja(auch roguša)1. Krst bedeutet Kreuz2undKrstača(vonχριστός) ist wohl die mit einem Kreuz Gezeichnete, die Hexe3. Rogulja nennt man eine Hexe zweifelohne deshalb, weil man sie sich zuweilen, wohl anknüpfend an die Vorstellung vom gehörnten Teufel der christlichen Kirche, gehörnt denkt. In Slavonien hörte ich öfters Kühe, die recht grosse Hörner hatten, mit dem Namen »Rogulje« rufen. Im chrowotischen Küstenlande scheint das Wort vještica vollständig von dem italienischen Lehnworteštrigaverdrängt worden zu sein4. Unter den Slovenen und den Kaj-Chrowoten hat das deutsche Wort Zauberin in derverhunzten Formcopernica(masc. coprnjak, inf. coprat, zacoprat, partic. zacopren) volles Bürgerrecht erlangt. Man gebraucht das Wort auch in Slavonien, doch ganz in dem Sinne wie in Deutschland. In Bosnien, dem Herzogtum, in Serbien und Bulgarien ist es unbekannt. Die Ausdrückecoprati,coprija,copernikundcoprnicafinden sich schon in den ältesten slovenischen und provinzialchrowotischen Wörterbüchern und Texten (Bjelostijenec,Jambrešić, beiGlavinić, vrgl. die Worte bei Daničić srps. ili hrv. riečnik Agr. 1882). Daraus ergibt sich, dass sie frühzeitig, wohl schon im Mittelalter, dem Deutschen entlehnt wurden. Im allgemeinen scheuen sich die Chrowoten und Slovenencoprnicafür Hexe zu sagen, sondern gebrauchen dafür in mildem Tone die Bezeichnung ‘hmana žena’ (gemeines Weib); hmana ist das deutschegemein; »Man nimmt Anstand, sich des Wortes ‘coprnica’ zu bedienen, weil sonst die Hexen darüber so sehr in Zorn geraten, dass sie den Betreffenden nächtlicherweile heimsuchen, ihn in vier Stücke reissen, jedes Stück nach einer anderen Weltgegend schleudern und hierauf alle Zuchtschweine, Kühe und Pferde aus dem Hause forttragen.« In Dalmatien bis tief noch in Serbien hinein wendet man häufig an zur Bezeichnung einer Zaubererin den Ausdruckmaćionica, eines Zauberers:maćionik,einer Zauberei:maćija. Man erkennt auf den ersten Blick das italienische magia, die Magie.Zlokobnica(etwa: böse Begegnerin) heisst jedes alte Weib, dem man in aller Frühe, wenn man das Haus verlässt, begegnet, ehe man einen anderen Menschen noch gesehen. Eine klassische Stelle5, die hier im Wortlaute angeführt zu werden verdient, gibt eine nähere Beschreibung der Hauptmerkmale, an denen man eine vještica, maćionica und zlokobnica ohne weiteres voneinander unterscheiden kann: »Slušao sam od starih adžija i kadija, da svaka vlahinja kad pregje 40 godina preda se nečastivome te postane vještica ili dajbudi zlokobnica ili maćionica. Prava vještica ima krst pod nos6, svaka zlokobnica po nekolko brčnih dlaka7, a maćionica namrskana čela i krvave pečate po obrazu.« (Ich habe von alten Hodžen und Kadis öfters gehört, dass sich jede Walachin, sobald sie das 40. Lebensjahr überschritten, dem Gottseibeiuns(nečastivomu) überliefert und eine Hexe (vještica), oder zum mindesten eine zlokobnica oder maćionica wird. Eine echte Hexe trägt ein Kreuzzeichen unter der Nase, jede zlokobnica hat einige Barthaare und eine maćionica hat die Stirne voll finsterer Falten und Blutflecken im Gesichte.)Die vještica hat auch den Namen »mora« (die Mar oder Trut), je nachdem sie als solche auftritt.8Für Zaubern ist der Ausdruckčaratiam gebräuchlichsten.9Snkrt.karmachen, tun; lit.kėrėti,kirti(zaubern); ahd.karawan, ags.gearvjan.čaratifürhexenund zaubern (incantare, ueneficium facere) kommt schon in den ältesten südslav. Wörterbüchern vor. Im Volksprichwort:čaralababa da ne bude mraza a s jutra snijeg do koljena. (Das alte Mütterchen hexte, damit kein Frost eintrete, in der Früh aber lag der Schnee knietief.)Načarativerzaubern;začaratijemand durch Zauberei verblenden.čâr, incantatio;čarastrigamento, Zauberei; pl.čari, Zaubermittel;čarnikZauberer,čarnicaZaubererin;čarovnikmagus;čarobijamagia;čaralija,čarolijaZauberei als Begriff,čarkaZauberei in einem besonderen Falle, der vorliegt, etwa Verzauberung (čaratanundčarataonikZauberer,čaratanijaHexerei, sind Lehnworte aus dem Italienischenciarlatano, frz.charlatan). Nicht minder häufig gebraucht man fürzaubernčiniti. Der Grundbegriff ist derselbe wie inčarati, der desTuns,Machens, Snskst.či, sammeln.Opčiniti,počiniti,učinitibezaubern;učiniti sesich in etwas verzaubern, verwandeln;začinitiincantare;čîn,počin, Zauberei, Verzauberung, pl.čini.Tun,machenbedeutete ursprünglich auchvračati(vrgl. griech.Γεργ) hexen, wahrsagen, heilen,vračiti, medicari,izvračitiherstellen, gesund machen;vračWahrsager, Hexenmeister; noch vor hundert und fünfzig Jahren allgemein in der Bedeutungmedicus; die Neuslovenen gebrauchen noch gegenwärtig fürArztden Ausdruckvračar;vračlja, mulier, quae sanat, im Wtb. bei Stulić;vračiljasanatrix i. W. beiHabdelič;vračiteljmedicus bei Belost.vračnikmedicus. Stul.vračara,vračarica, Wahrsagerin; eine Frau, die Krankheiten zu heilen versteht.Vračba,vračtvomedicina, Heilmittel; adj.vračan;vračljivmedicabilis;nevračljivimmedicabilis. Von derselben Wurzel auchvragder Teufel, eigentlich derArbeitende(vrgl. d.Werk). Die Vorstellung von einem Höllenteufel kam den Südslaven, sowie den Slaven überhaupt erst durch die christliche Lehre;vražatiso viel alsčarati,ueneficia adhibere, magicam artem exercere,vražalac,vražalica,vraževnikZauberer, fascinator;vragoduhmalo genio agitatus;vragometana daemone obsessus.Für Zaubern gibt es eine ganze Reihe von Ausdrücken; am gebräuchlichsten istbajati(Sskst.bhasprechen, griech.φα, vrgl.φάναιlat.fama);izbajatidurch Zauberei bewirken;obajatibehexen;zabajatiincantare;bajitieinen Kranken pflegen;bajac,bajačZauberer, incantator;basma, Zauberspruch. DanebenbasnaZauberspruch, Fabel,bajkafabella;bahaticolere artem magicam;bahalicamaga;bahoritifascinum depellere;bahoritise sich heilen, curieren;bahor,bahorac,bahorica,bahornik,bahornicaBeschwörer und Beschwörerin;bahorija,bahorstvoBeschwörung.FürAmuletist der echtslavische Ausdruckzapis, das Verschriebene. Skst.pisritzen, kratzen;hamalija, das gleichfalls Amulet bedeutet und weit gewöhnlicher als das W.zapisgebraucht wird, ist ein Lehnwort aus dem Italienischenammaliamento, lat.amuletum, frz. amulette. Alle in der Sprache vorkommenden Ausdrücke für Zaubern ergeben, dass ursprünglich diesen Bezeichnungen an und für sich durchaus keine schlimme, sondern vielmehr eine gute Bedeutung zukam. Die Wandlung erfolgte erst durch den Einfluss des Abendlandes.
I. Der Name.
Der eigentliche slavische Name für Hexe istvještica, bulg.vješčirica, für den Hexenmeisterviještac. Die Etymologie des Wortes ist klar. Es bedeutete ursprünglich die Wissende, der Wissende, die Kundige und hat in Nebenformen noch in der gegenwärtigen Sprache diese Bedeutung beibehalten;vedaslovenisch: das Wissen;nevedaein Unwissender;vedavicaKartenaufschlägerin (Russ.vēdmadie Hexe);vedovinfatidicus,vijestWissen, Nachricht, Bewusstsein;vijestnikder eine Nachricht bringt, Bote;vještinaperitia, Findigkeit;vještakperitus, ein Kundiger, ein Wissender =viještac, diese Nebenform für Hexenmeister, sowieviještkaundvješticazur Bezeichnung einer Hexe dient; nago-viještatizu erraten suchen;izvjedjavatiin Erfahrung zu bringen suchen, auskundschaften;vještatizaubern, hexen.Vješticabezeichnete ursprüngliche eineweise Frau. (Vgl. über diese BenennungGrimm, D. M. 987.) In vielen Gegenden, namentlich ist dies für Dalmatien bezeugt, scheut man in Gegenwart von Kindern vještica zu sagen und gebraucht dafür die Euphemismenkrstačaoderrogulja(auch roguša)1. Krst bedeutet Kreuz2undKrstača(vonχριστός) ist wohl die mit einem Kreuz Gezeichnete, die Hexe3. Rogulja nennt man eine Hexe zweifelohne deshalb, weil man sie sich zuweilen, wohl anknüpfend an die Vorstellung vom gehörnten Teufel der christlichen Kirche, gehörnt denkt. In Slavonien hörte ich öfters Kühe, die recht grosse Hörner hatten, mit dem Namen »Rogulje« rufen. Im chrowotischen Küstenlande scheint das Wort vještica vollständig von dem italienischen Lehnworteštrigaverdrängt worden zu sein4. Unter den Slovenen und den Kaj-Chrowoten hat das deutsche Wort Zauberin in derverhunzten Formcopernica(masc. coprnjak, inf. coprat, zacoprat, partic. zacopren) volles Bürgerrecht erlangt. Man gebraucht das Wort auch in Slavonien, doch ganz in dem Sinne wie in Deutschland. In Bosnien, dem Herzogtum, in Serbien und Bulgarien ist es unbekannt. Die Ausdrückecoprati,coprija,copernikundcoprnicafinden sich schon in den ältesten slovenischen und provinzialchrowotischen Wörterbüchern und Texten (Bjelostijenec,Jambrešić, beiGlavinić, vrgl. die Worte bei Daničić srps. ili hrv. riečnik Agr. 1882). Daraus ergibt sich, dass sie frühzeitig, wohl schon im Mittelalter, dem Deutschen entlehnt wurden. Im allgemeinen scheuen sich die Chrowoten und Slovenencoprnicafür Hexe zu sagen, sondern gebrauchen dafür in mildem Tone die Bezeichnung ‘hmana žena’ (gemeines Weib); hmana ist das deutschegemein; »Man nimmt Anstand, sich des Wortes ‘coprnica’ zu bedienen, weil sonst die Hexen darüber so sehr in Zorn geraten, dass sie den Betreffenden nächtlicherweile heimsuchen, ihn in vier Stücke reissen, jedes Stück nach einer anderen Weltgegend schleudern und hierauf alle Zuchtschweine, Kühe und Pferde aus dem Hause forttragen.« In Dalmatien bis tief noch in Serbien hinein wendet man häufig an zur Bezeichnung einer Zaubererin den Ausdruckmaćionica, eines Zauberers:maćionik,einer Zauberei:maćija. Man erkennt auf den ersten Blick das italienische magia, die Magie.Zlokobnica(etwa: böse Begegnerin) heisst jedes alte Weib, dem man in aller Frühe, wenn man das Haus verlässt, begegnet, ehe man einen anderen Menschen noch gesehen. Eine klassische Stelle5, die hier im Wortlaute angeführt zu werden verdient, gibt eine nähere Beschreibung der Hauptmerkmale, an denen man eine vještica, maćionica und zlokobnica ohne weiteres voneinander unterscheiden kann: »Slušao sam od starih adžija i kadija, da svaka vlahinja kad pregje 40 godina preda se nečastivome te postane vještica ili dajbudi zlokobnica ili maćionica. Prava vještica ima krst pod nos6, svaka zlokobnica po nekolko brčnih dlaka7, a maćionica namrskana čela i krvave pečate po obrazu.« (Ich habe von alten Hodžen und Kadis öfters gehört, dass sich jede Walachin, sobald sie das 40. Lebensjahr überschritten, dem Gottseibeiuns(nečastivomu) überliefert und eine Hexe (vještica), oder zum mindesten eine zlokobnica oder maćionica wird. Eine echte Hexe trägt ein Kreuzzeichen unter der Nase, jede zlokobnica hat einige Barthaare und eine maćionica hat die Stirne voll finsterer Falten und Blutflecken im Gesichte.)Die vještica hat auch den Namen »mora« (die Mar oder Trut), je nachdem sie als solche auftritt.8Für Zaubern ist der Ausdruckčaratiam gebräuchlichsten.9Snkrt.karmachen, tun; lit.kėrėti,kirti(zaubern); ahd.karawan, ags.gearvjan.čaratifürhexenund zaubern (incantare, ueneficium facere) kommt schon in den ältesten südslav. Wörterbüchern vor. Im Volksprichwort:čaralababa da ne bude mraza a s jutra snijeg do koljena. (Das alte Mütterchen hexte, damit kein Frost eintrete, in der Früh aber lag der Schnee knietief.)Načarativerzaubern;začaratijemand durch Zauberei verblenden.čâr, incantatio;čarastrigamento, Zauberei; pl.čari, Zaubermittel;čarnikZauberer,čarnicaZaubererin;čarovnikmagus;čarobijamagia;čaralija,čarolijaZauberei als Begriff,čarkaZauberei in einem besonderen Falle, der vorliegt, etwa Verzauberung (čaratanundčarataonikZauberer,čaratanijaHexerei, sind Lehnworte aus dem Italienischenciarlatano, frz.charlatan). Nicht minder häufig gebraucht man fürzaubernčiniti. Der Grundbegriff ist derselbe wie inčarati, der desTuns,Machens, Snskst.či, sammeln.Opčiniti,počiniti,učinitibezaubern;učiniti sesich in etwas verzaubern, verwandeln;začinitiincantare;čîn,počin, Zauberei, Verzauberung, pl.čini.Tun,machenbedeutete ursprünglich auchvračati(vrgl. griech.Γεργ) hexen, wahrsagen, heilen,vračiti, medicari,izvračitiherstellen, gesund machen;vračWahrsager, Hexenmeister; noch vor hundert und fünfzig Jahren allgemein in der Bedeutungmedicus; die Neuslovenen gebrauchen noch gegenwärtig fürArztden Ausdruckvračar;vračlja, mulier, quae sanat, im Wtb. bei Stulić;vračiljasanatrix i. W. beiHabdelič;vračiteljmedicus bei Belost.vračnikmedicus. Stul.vračara,vračarica, Wahrsagerin; eine Frau, die Krankheiten zu heilen versteht.Vračba,vračtvomedicina, Heilmittel; adj.vračan;vračljivmedicabilis;nevračljivimmedicabilis. Von derselben Wurzel auchvragder Teufel, eigentlich derArbeitende(vrgl. d.Werk). Die Vorstellung von einem Höllenteufel kam den Südslaven, sowie den Slaven überhaupt erst durch die christliche Lehre;vražatiso viel alsčarati,ueneficia adhibere, magicam artem exercere,vražalac,vražalica,vraževnikZauberer, fascinator;vragoduhmalo genio agitatus;vragometana daemone obsessus.Für Zaubern gibt es eine ganze Reihe von Ausdrücken; am gebräuchlichsten istbajati(Sskst.bhasprechen, griech.φα, vrgl.φάναιlat.fama);izbajatidurch Zauberei bewirken;obajatibehexen;zabajatiincantare;bajitieinen Kranken pflegen;bajac,bajačZauberer, incantator;basma, Zauberspruch. DanebenbasnaZauberspruch, Fabel,bajkafabella;bahaticolere artem magicam;bahalicamaga;bahoritifascinum depellere;bahoritise sich heilen, curieren;bahor,bahorac,bahorica,bahornik,bahornicaBeschwörer und Beschwörerin;bahorija,bahorstvoBeschwörung.FürAmuletist der echtslavische Ausdruckzapis, das Verschriebene. Skst.pisritzen, kratzen;hamalija, das gleichfalls Amulet bedeutet und weit gewöhnlicher als das W.zapisgebraucht wird, ist ein Lehnwort aus dem Italienischenammaliamento, lat.amuletum, frz. amulette. Alle in der Sprache vorkommenden Ausdrücke für Zaubern ergeben, dass ursprünglich diesen Bezeichnungen an und für sich durchaus keine schlimme, sondern vielmehr eine gute Bedeutung zukam. Die Wandlung erfolgte erst durch den Einfluss des Abendlandes.
Der eigentliche slavische Name für Hexe istvještica, bulg.vješčirica, für den Hexenmeisterviještac. Die Etymologie des Wortes ist klar. Es bedeutete ursprünglich die Wissende, der Wissende, die Kundige und hat in Nebenformen noch in der gegenwärtigen Sprache diese Bedeutung beibehalten;vedaslovenisch: das Wissen;nevedaein Unwissender;vedavicaKartenaufschlägerin (Russ.vēdmadie Hexe);vedovinfatidicus,vijestWissen, Nachricht, Bewusstsein;vijestnikder eine Nachricht bringt, Bote;vještinaperitia, Findigkeit;vještakperitus, ein Kundiger, ein Wissender =viještac, diese Nebenform für Hexenmeister, sowieviještkaundvješticazur Bezeichnung einer Hexe dient; nago-viještatizu erraten suchen;izvjedjavatiin Erfahrung zu bringen suchen, auskundschaften;vještatizaubern, hexen.Vješticabezeichnete ursprüngliche eineweise Frau. (Vgl. über diese BenennungGrimm, D. M. 987.) In vielen Gegenden, namentlich ist dies für Dalmatien bezeugt, scheut man in Gegenwart von Kindern vještica zu sagen und gebraucht dafür die Euphemismenkrstačaoderrogulja(auch roguša)1. Krst bedeutet Kreuz2undKrstača(vonχριστός) ist wohl die mit einem Kreuz Gezeichnete, die Hexe3. Rogulja nennt man eine Hexe zweifelohne deshalb, weil man sie sich zuweilen, wohl anknüpfend an die Vorstellung vom gehörnten Teufel der christlichen Kirche, gehörnt denkt. In Slavonien hörte ich öfters Kühe, die recht grosse Hörner hatten, mit dem Namen »Rogulje« rufen. Im chrowotischen Küstenlande scheint das Wort vještica vollständig von dem italienischen Lehnworteštrigaverdrängt worden zu sein4. Unter den Slovenen und den Kaj-Chrowoten hat das deutsche Wort Zauberin in derverhunzten Formcopernica(masc. coprnjak, inf. coprat, zacoprat, partic. zacopren) volles Bürgerrecht erlangt. Man gebraucht das Wort auch in Slavonien, doch ganz in dem Sinne wie in Deutschland. In Bosnien, dem Herzogtum, in Serbien und Bulgarien ist es unbekannt. Die Ausdrückecoprati,coprija,copernikundcoprnicafinden sich schon in den ältesten slovenischen und provinzialchrowotischen Wörterbüchern und Texten (Bjelostijenec,Jambrešić, beiGlavinić, vrgl. die Worte bei Daničić srps. ili hrv. riečnik Agr. 1882). Daraus ergibt sich, dass sie frühzeitig, wohl schon im Mittelalter, dem Deutschen entlehnt wurden. Im allgemeinen scheuen sich die Chrowoten und Slovenencoprnicafür Hexe zu sagen, sondern gebrauchen dafür in mildem Tone die Bezeichnung ‘hmana žena’ (gemeines Weib); hmana ist das deutschegemein; »Man nimmt Anstand, sich des Wortes ‘coprnica’ zu bedienen, weil sonst die Hexen darüber so sehr in Zorn geraten, dass sie den Betreffenden nächtlicherweile heimsuchen, ihn in vier Stücke reissen, jedes Stück nach einer anderen Weltgegend schleudern und hierauf alle Zuchtschweine, Kühe und Pferde aus dem Hause forttragen.« In Dalmatien bis tief noch in Serbien hinein wendet man häufig an zur Bezeichnung einer Zaubererin den Ausdruckmaćionica, eines Zauberers:maćionik,einer Zauberei:maćija. Man erkennt auf den ersten Blick das italienische magia, die Magie.Zlokobnica(etwa: böse Begegnerin) heisst jedes alte Weib, dem man in aller Frühe, wenn man das Haus verlässt, begegnet, ehe man einen anderen Menschen noch gesehen. Eine klassische Stelle5, die hier im Wortlaute angeführt zu werden verdient, gibt eine nähere Beschreibung der Hauptmerkmale, an denen man eine vještica, maćionica und zlokobnica ohne weiteres voneinander unterscheiden kann: »Slušao sam od starih adžija i kadija, da svaka vlahinja kad pregje 40 godina preda se nečastivome te postane vještica ili dajbudi zlokobnica ili maćionica. Prava vještica ima krst pod nos6, svaka zlokobnica po nekolko brčnih dlaka7, a maćionica namrskana čela i krvave pečate po obrazu.« (Ich habe von alten Hodžen und Kadis öfters gehört, dass sich jede Walachin, sobald sie das 40. Lebensjahr überschritten, dem Gottseibeiuns(nečastivomu) überliefert und eine Hexe (vještica), oder zum mindesten eine zlokobnica oder maćionica wird. Eine echte Hexe trägt ein Kreuzzeichen unter der Nase, jede zlokobnica hat einige Barthaare und eine maćionica hat die Stirne voll finsterer Falten und Blutflecken im Gesichte.)
Die vještica hat auch den Namen »mora« (die Mar oder Trut), je nachdem sie als solche auftritt.8
Für Zaubern ist der Ausdruckčaratiam gebräuchlichsten.9
Snkrt.karmachen, tun; lit.kėrėti,kirti(zaubern); ahd.karawan, ags.gearvjan.čaratifürhexenund zaubern (incantare, ueneficium facere) kommt schon in den ältesten südslav. Wörterbüchern vor. Im Volksprichwort:čaralababa da ne bude mraza a s jutra snijeg do koljena. (Das alte Mütterchen hexte, damit kein Frost eintrete, in der Früh aber lag der Schnee knietief.)Načarativerzaubern;začaratijemand durch Zauberei verblenden.čâr, incantatio;čarastrigamento, Zauberei; pl.čari, Zaubermittel;čarnikZauberer,čarnicaZaubererin;čarovnikmagus;čarobijamagia;čaralija,čarolijaZauberei als Begriff,čarkaZauberei in einem besonderen Falle, der vorliegt, etwa Verzauberung (čaratanundčarataonikZauberer,čaratanijaHexerei, sind Lehnworte aus dem Italienischenciarlatano, frz.charlatan). Nicht minder häufig gebraucht man fürzaubernčiniti. Der Grundbegriff ist derselbe wie inčarati, der desTuns,Machens, Snskst.či, sammeln.Opčiniti,počiniti,učinitibezaubern;učiniti sesich in etwas verzaubern, verwandeln;začinitiincantare;čîn,počin, Zauberei, Verzauberung, pl.čini.Tun,machenbedeutete ursprünglich auchvračati(vrgl. griech.Γεργ) hexen, wahrsagen, heilen,vračiti, medicari,izvračitiherstellen, gesund machen;vračWahrsager, Hexenmeister; noch vor hundert und fünfzig Jahren allgemein in der Bedeutungmedicus; die Neuslovenen gebrauchen noch gegenwärtig fürArztden Ausdruckvračar;vračlja, mulier, quae sanat, im Wtb. bei Stulić;vračiljasanatrix i. W. beiHabdelič;vračiteljmedicus bei Belost.vračnikmedicus. Stul.vračara,vračarica, Wahrsagerin; eine Frau, die Krankheiten zu heilen versteht.Vračba,vračtvomedicina, Heilmittel; adj.vračan;vračljivmedicabilis;nevračljivimmedicabilis. Von derselben Wurzel auchvragder Teufel, eigentlich derArbeitende(vrgl. d.Werk). Die Vorstellung von einem Höllenteufel kam den Südslaven, sowie den Slaven überhaupt erst durch die christliche Lehre;vražatiso viel alsčarati,ueneficia adhibere, magicam artem exercere,vražalac,vražalica,vraževnikZauberer, fascinator;vragoduhmalo genio agitatus;vragometana daemone obsessus.
Für Zaubern gibt es eine ganze Reihe von Ausdrücken; am gebräuchlichsten istbajati(Sskst.bhasprechen, griech.φα, vrgl.φάναιlat.fama);izbajatidurch Zauberei bewirken;obajatibehexen;zabajatiincantare;bajitieinen Kranken pflegen;bajac,bajačZauberer, incantator;basma, Zauberspruch. DanebenbasnaZauberspruch, Fabel,bajkafabella;bahaticolere artem magicam;bahalicamaga;bahoritifascinum depellere;bahoritise sich heilen, curieren;bahor,bahorac,bahorica,bahornik,bahornicaBeschwörer und Beschwörerin;bahorija,bahorstvoBeschwörung.
FürAmuletist der echtslavische Ausdruckzapis, das Verschriebene. Skst.pisritzen, kratzen;hamalija, das gleichfalls Amulet bedeutet und weit gewöhnlicher als das W.zapisgebraucht wird, ist ein Lehnwort aus dem Italienischenammaliamento, lat.amuletum, frz. amulette. Alle in der Sprache vorkommenden Ausdrücke für Zaubern ergeben, dass ursprünglich diesen Bezeichnungen an und für sich durchaus keine schlimme, sondern vielmehr eine gute Bedeutung zukam. Die Wandlung erfolgte erst durch den Einfluss des Abendlandes.