Novak der Heldengreis.

Novak der Heldengreis.Für »Oberhaupt« oder »Befehlhaber« hat die serbische und bulgarische Sprache das Wortstarešina. Es bezeichnet einen Alten oder im allgemeinen einen älteren Mann von gesetzten Jahren. Ehrfurcht, Achtung, Ehrerbietung dem Alter gegenüber sind anerzogene, aufgezwungene Begriffe. Bei den Südslaven erklären sie sich einfach und klar aus der altüberkommenen Stammorganisation und den geschlechterrechtlichen, gesellschaftlichen Verhältnissen. Es wäre vom Überfluss dies hier des Näheren zu erörtern. Übereilt wäre jedoch die Annahme, dass der Südslave dem Alter an und für sich grosse Verehrung zolle. NurdenAlten ehrt und schätzt man, der als Mann in der besten Lebenskraft seinen Mann gestellt und noch als Greis Achtung verdient. Die Erfahrungen eines langen Daseins erscheinen den Jüngeren als ein wertvoller Besitz, als ein köstlicher Ersatz für dahingeschwundene leibliche Rüstigkeit und Stärke. Wenn nun ausnahmweise trotz der Betagtheit Geist und Leib männliche Frische bewahrt haben, beugt sich der südslavische Bauer vor dem Begnadeten wie vor einem Wunder, wie vor einem auserlesenen Wesen. Solche Greise besingt das Volk und feiert sie noch nach Jahrhunderten.Brez starca nema udarca, »Ohn Alten gibt es keinen Angriff«, sagt das Sprichwort, das unzweifelhaft mit Hinblick auf greise, in Guslarenliedern verherrlichte Helden entstanden sein dürfte. Es gab solcher Helden oder richtiger, die mythenbildende Volkphantasie schuf sich welche, um einem bestimmten Empfinden und Gefühl der poetischen Eingebung gerecht zu werden.Jug Bogdan, der altehrwürdige Greis, der Schwiegervater des KaisersLazar, zieht mit allen seinen neun Söhnen in die Schlacht auf Leitengeben (Kosovo) und findet mit den Seinigen im Schlachtgewühl den Tod. Mehr und anderes weiss das Guslarenlied von ihm nicht zu künden. Von einem anderen alten Herrn, dem StariStipurile(der alte Steffel) erzählt ein Lied meiner Sammlung.1Stipurilesfeste Burg stand irgendwo im dalmatischen Küstengebiet. Einmal traf es sich, dass seine Söhne und Eidame mit ihren Reisigen auf Abenteuer über den Karst ins Türkische ziehen sollten, um Vergeltung zu üben. Ohne den Altenmochten sie nicht aufbrechen. Gerüstet und kampfbereit, wie sie waren, eilten sie in die Weinberge zum Alten und trafen ihn, dem edlen Waidwerk ergeben:gje on buve po košulji ganja»wie er im Hemd herum die Flöhe hatzt.«Unverweilt unterbricht der Greis seine kurzweilige, kleinliche Beschäftigung, legt sich die schwere Rüstung und die Gewaffen an, und führt seine Mannen und Knappen zum Sieg ins feindliche Land.Ein vielgerühmter greiser Held der moslimisch-slavischen Guslarenlieder istĆejvan aga dedo(Ćejvan der greise Herr). Er zählt 80 oder gar 130 Jahre:es klappern ihm des Kinnes leere Laden,zum Teufel ist sein letzter Zahn geflogen,doch der Alte ist noch immer der erste und wackerste Held.Mustaphader Schmerbauch unternimmt mit seinem BruderHalildem Falken, mitSušavon Posušje und mitTaledem Schalknarren, samt Gefolgschaft einen Raubzug ins Dalmatische. Der greiseĆejvanmuss mit, dennbrez starca nema udarca. Im Hochwald lagern sich die Ritter und die Rotten unter Tannen zur Rast. Man tat sich gütlich an Wein und Braten — im Quorân steht ja nicht, dass bosnische Moslimen keinen Wein trinken dürfen —, bis sich behagliche Stimmung einfand. Sprach nichtHalil, der Jüngling, jetzt wäre es am schönsten, hätte jeder Held ein holdes Mädchen zum Kosen unterm Tann auf weichem Rasen. UndĆejvanhub an die Wunder der Welt zu preisen, und schloss wie ein verliebter Schäfer seine weisen Betrachtungen über das Weltall mit den Worten: »das allerschönste bleibt und ist ein schönes Mägdlein!« Die gesamte Zuhörerschaft lachte vergnügt dazu, nurMustaphafing an zu höhnen: »Was soll einem Greis ein Mädchen frommen? Alte Knochen, schwache Arme. Weh dem Mädchen in des Greisen Armen!« Darob ergrimmteĆejvan, undHalilfuhr auch wild auf. Sie kündigten auf der StelleMustaphadie Freundschaft, und ihnen schlossen sich die besten Kämpen an. Sie stiegen hinab ins Küstenland und führten einen blutigen Kampf gegenŠimun BreuljaundSmiljanić Ilija. Die Gelegenheit machte sichMustaphazu Nutze und plünderte inzwischen ungestörtŠimunsWarte und raubte dessen Ehegemahlin2.OhneĆejvanunternahmen die Moslimen keinen Raubzug. Er war überall dabei und flösste den Gegnern Schrecken ein. Zuweilen schmähten und schalten ihn die Kampfgenossen, indem sie ihm seine Um- und Vorsicht für Feigheit auslegten, aber er wusste besser Bescheid und guten Rat. Held sein ist ein lebengefährlicher Beruf.Der vornehmste und anerkannteste Heldengreis ist jedochNovakund mit ihmGrujica, sein Sohn, beide so unter den Südslaven, als auch unter den Rumänen unbestrittene Grössen.Wer einmal in den Ruf eines Helden oder eines Heiligen gelangt, wird bei steigender Beliebtheit zum Hauptträger so mancher alten Sagen und Legenden. So tritt uns z. B. auchNovakin der Volküberlieferung in den mannigfachsten Rollen und Situationen entgegen, sowohl in der eines Drachentöters als letzlich auch in der eines bosnischen oder rumänischen Buschkleppers. In der epischen Volkpoesie stört solch geschichtwidriges Neben- und Durcheinander nicht.Novakist kein Bosnier, nicht einmal ein Serbe, vielmehr gleich dem PrinzenMarkoundReljavom Pazar ein Bulgare; wohlgemerkt, gab es natürlich am Ausgange des 14. Jahrhunderts, in der Blütezeit jener Herren, noch keine nationale Frage, und daher erscheint die Nachforschung nach der nationalen Zugehörigkeit unserer Helden als ausserhalb einer wissenschaftlichen Erörterung und völlig unstatthaft.Novak(novus, der Neue) war des Helden Vorname, sein Beiname (nach bulgarischer epischer Überlieferung) Herr von der Burg Klisura (irgendwo bei Vakarel Ichtiman); sein SpitznameDebeljak(Dickwanst). Sein Bruder hiess nach den serbischen Guslarenliedern Radivoj und der SohnGrujo(Georg).Klisura, griechischLitharisaist ein im bulgarischen Gebiet häufig vorkommender Namen auf Felsen erbauter Burgen, für den Serben dagegen istklisuranur einestudena stijena, der kalte Felsen. Wenn nunNovakin einem kalten Felsen haust, befindet sich wohl im Gestein eine Höhle. Also erniedrigte erst die serbische Sprache und Sage den alten, greisenNovakzum Höhlenbewohner. Eine Sage gebiert die andere. Was mag den fürtrefflichsten aller Kämpen zur Flucht in die Einöde bewogen haben? Die Sage macht dafür schlankweg »die verfluchte KöniginJerina« (prokleta Jerina) verantwortlich. Diese, im übrigen recht harmlose Dame, hauste in Zvornik oder auf der Veste von Srebrnica in Bosnien. Statt der Zugtiere liess sie Menschen vor den Pflug spannen und heischte vom Volke hohe Steuern. Das Steuerzahlen war aber bei den Serben nicht einmal in der epischen Epoche ein beliebter Sport. Bei den Chrowoten und Serben verspricht fast jeder Parlamentkandidat in seiner Programmrede den versammelten Wählern gänzliche Aufhebung aller Grundsteuern und Abgaben, oder zum Mindesten deren Abwälzung auf die Juden3. Das packt. AuchNovakentschloss sich, sein Volk zu befreien, und:odmetnu se Novak u hajduke»ins Räuberleben schlug sichNovakfort«.Dort in der Felswand lässt ihn mit seinem Sohne und dem Gefolge das Volk hausen und von Zeit zu Zeit auf Abenteuer ausgehen. Wenn irgend etwas Grosses in der Welt vorfällt, laden die übrigen Helden gern den alten, achtzigjährigen Haudegen zur Teilnahme am Zuge ein. Im Guslarenlied ist der greiseNovakimmer volle achtzig Jahre alt. Was Wunder, wenn sichNovakauch einmal in der ehrwürdigen Rolle desPerseuszeigt, derAndromedaaus des Drachen Gewalt befreit. Davon handelt unser Lied.UnsereAndromedaist namenlos, ihr Vater ist nicht mehr KönigKepheussondern der BulgarenfürstMichaël. Bulgarien ist für den bosnischen Guslaren ein weit entferntes Land, über dessen Lage und Bevölkerung er und seine Zuhörer fabelhafte Vorstellungen hegen. Das ist kein rechter Held ersten Ranges vor den Guslaren, der nicht schon den Drachen einmal getötet und die holde Maid erlöst hat. PrinzMarkoundRelja,Mustaphavon Kladuša undOrlovićder Burggraf von Raab haben den Kampf glanzvoll bestanden, also auchNovakmusste drankommen; denn:nema kiše brez mutna oblakani junaka brez starca Novaka!»ohn trübe Wolke gibt es keinen Regenund ohn den alten Novak keinen Degen!«In einem anderen Guslarenliede besiegt PrinzMarkounter MithilfeReljasmit den Flügeln, einem Rufe der hartbedrängten Bevölkerung von Janina folgend, den Drachen vom See (Pambotis) und tötet bei der Gelegenheit den albanesischen HeldenMusa kesedžija(Mustaphaden Beutelschneider, Strauchritter) und dessen GesellenGjemo Brgjanin(Gjemoden Älpler). Der Drache (blôr, blavor) war eine 12 Ellen lange Schlange, die sich mit jungen Mädchen und Burschen zum Futter begnügte. In ihrem aufgesperrten Rachen konnte bequem ein fetter Mastochs Unterschlupf finden.Markoerwischt den fliehendenMusajust vor den Toren Litharisas und macht ihm undGjemoden Garaus.Das ist die Örtlichkeit unseres Guslarenliedes. Die Fabel klingt nur etwas anders, etwas modernisiert. Der Gebieter (Ban) der Burg von Janina (Janok) freit um die Prinzessin von Bulgarien. Der Fürst kann sie ihm nicht ohne weiteres überlassen; denn er weiss, was er seinem Drachen schuldig ist. Der Ban von Janok holt sichdannunter BeistandNovaksund anderer Helden die Braut ab, nachdemNovakdas Ungeheuer glücklich getötet. Die Fabel erscheint hier ins Serbisch-ritterliche übersetzt und der märchenhaft grellen Szenerie einigermassen entkleidet. Der Drache hat menschliche Gestalt angenommen und sitzt als schwarzer Araber hoch auf einem brüllenden Beduinenrappen. Sonst erfreut sich der Schwarzaraber des Besitzes dreier Köpfe, wie z. B. der, mit dem meinOrlovićeinenStrauss ausgefochten4; von rechtswegen müsste er als Drache siebenköpfig sein. In unserem Liede ist der Araber bloss einköpfig, dochsiebenBräutigame und deren Gefolgschaften hatte er ums Leben gebracht. Ein bulgarisches Guslarenlied erzählt uns des näheren vom Aussehen des Arabers und es empfiehlt sich die kurze Schilderung hier zu wiederholen, um unser Lied damit erläuternd zu ergänzen, auf dass man begreife, was für wackerer Degen sein Besieger,Novakder Heldengreis, gewesen.Ein Brautgeleite zog mit der Braut durchs Hochgebirge, da plötzlich:Ostreka i edna strašna beda,ein furchtbar Ungetüm begegnet ihnen,strašna beda hala-haletina,ein furchtbar Ungetüm, ein grauser Drache,haletina cŏrna Arapina!der Drache war ein schwarzer Araber!Dolna usta na gŏrde mu bie,Die Unterkiefer schlägt ihm auf die Brust,gorna usta v čelo go udara;die Oberkiefer stösst ihm an die Stirne;glava mu kolku dva tŏpana,an Umfang gleich sein Haupt ist zweien Trommeln,oči ima kolku dve panici;gleich zweien Tellern gross sind ihm die Augen;usta ima kolku mala vrata,sein Mund so gross wie eine kleine Haustür,zŏbi ima četiri dikani,vier Pfähle dienen ihm im Mund als Zähne,nodze ima Solunski direci.als Füsse wohl aus Salonichi Balken.Koga klapat taja pusta usta,So oft er aufreisst diesen wüsten Rachen,dur ot usta ogin isfŏrljuva,speit Feuerflammen aus dem Rachen er,dur na gora listovi obliva.bedeckt mit Geifer er das Laub vom Hochwald.Es ist allgemein bekannt, dass diePerseus-Andromeda-Sage als christliche Legende vom hl.Georg, dem Drachentöter, eine Verjüngung und Verklärung erfahren hat. Sie ist in der besonderen christlichen Fassung auch bei den Südslaven einheimisch. Ein solches Stück veröffentlichte ich inPitrésArchivio per le tradizioni popolari Vol. IX, Palermo 1890, unter dem Titel:Le afflizioni di Trojano. Canto dei guslar della Bosnia(223 Verse nebst Einleitung und Randbemerkungen). Schön hat A.Chachanovdiesen Sagenstoff mit Hinblick auf die grusinische Überlieferung besprochen5.Unser Guslarenlied vonNovakdem Heldengreis hat auch eine historisch-pragmatische Bedeutung wegen der darin genau angegebenen Zeit, wann sich die Begebenheit zugetragen. Die chrowotischen Geschichtforscher jener Art, deren ich in den Böhmischen Korallen aus der Götterwelt gedacht, wären überglücklich, wenn sie so sichere Angaben über den Tag und das Jahr der Geburt und des Ablebens des unendlich gepriesenen nationalen KönigsZvonimir, des grossen Unbekannten, überliefert bekommenhätten.Novakbesiegte nämlich den Schwarzaraber in jenem Jahre als am 24. April, d. h. am Georgitage, ein solcher Schnee einfiel, dass die Kinder auf den Strassen Schneeball spielten. Im Jahre 1894 am 7. Juni morgens erlebten wir Wiener ähnlich ein märchenhaftes Hagelwetter. In den breitesten Strassen blieben stundenlang schwere Lastwagen im Eise stecken. Wer es nicht mit angesehen, glaubt es nicht. Der Guslar mag immerzu scherzend erzählen, dass sich seine Geschichte damals ereignet habe, als zu St. Georgi ein Schneefall eintrat, ich will zum Trotz gerade dies Geschehnis für wahr und das übrige nur für eine slavische Variante derPerseus-Andromeda-Sage halten, die zu Ehren des achtzigjährigenNovakerfunden und erdichtet ward.Kat se ženi od Janoka baneDer Ban von Janok ging auf Freierfüssen;na daleko čuo za djevojku,vernahm von einer Maid in weiter Fremde,čuo bane u zemlji bugarskojder Ban vernahm, im Lande der Bulgaren,u onoga bugarskoga kneza,die Tochter wär es vom Bulgarenfürsten;5gji je prose mloge mušterijeum ihre Hand dass viele Freier freien,a nitko je odvodit ne mere.doch keiner wär im Stand sie heimzuführen.On opremi sebe i gjogata;Da rüstet er sich selbst und seinen Falben,ode bane u zemlju bugarskuund fort ins Land Bulgarien zog der Banbjelu dvoru bugarskoga kneza.zum weissen Hof des Fürsten von Bulgarien.10Dobro ga je kneže dočekavoFürtrefflich ihn der Fürst empfangen tat,a iznio pivo i jidivoer liess herbei Getränk und Speisen schaffen,pa śjedoše ladno piti vino.dann setzten sie sich kalten Wein zu trinken.Odma bane zaprosi djevojke.Der Ban hält unverweilt ums Fräulein an.Kneže šuti, ništa ne bješjedi,Der Fürst, der schweigt, er spricht kein einzig Wörtchen,15nit je daje nit mu je ne daje.er sagt nicht zu und sagt ihm auch nicht ab.Ražljuti se od Janoka baneDarob geriet in Zorn der Ban von Janokpa on snijgje do gjogata svogaund stieg hinab zu seinem falben Läuferpa uzjaši debela gjogata;und schwang hinauf sich auf den feisten Falben;ode bane kroz zemlju bugarskudahin durchs Land Bulgarien zog der Ban,20u Janoka bijeloga grada.dahin zu seiner weissen Burg von Janok.Sve dan po dan godinica dana.So Tag an Tag ergab ein Jahr an Tagen.Kada bješe o Jurjevu danu,Als um die Zeit des Sankt Georgitagessnijeg pade o Jurjevu danu,ein Schneefall eintrat am Georgitage,grudaju se djeca po sokacim,Schneebälle warfen Kinder auf den Gassen,25jedno drugog grudom udarilo,das eine traf das andre mit dem Schneeball,zajmiše se djeca nis sokake:entlang den Gassen jagten sich die Kinder:— Stani kurvo, njesi pobjegnulo— Na, wart du Dirn, du Ding wirst nicht entwischenna sramotu ko banu djevojka!zu Schimpf und Schande wie dem Ban das Bräutchen!To dočuo od Janoka baneDer Ban von Janok das Geschrei vernahm,30pa svu sebi djecu pokupioberief zu sich die Kinder allesamtpa dobro je djecu darovao,und tat die Kinder gar beschenken reichlich,svakom djetu po žut dukat dade.jedwedes Kind mit einem Golddukaten.Pa opremi debela gjogata;Drauf rüstet er den feisten Falben aus;ode bane u zemlju bugarskuins Land Bulgarien zog der Ban von dannen35bjelu dvoru bugarskoga kneza.zum weissen Hof des Fürsten von Bulgarien.Na avliju natjera gjogata,Er trieb den Falben nach dem Burghof hin,na avliji zatvorena vrata.doch war vom Hofe wohl das Tor verschlossen.Bane trže pernu topuzinu,Den nägelreichen Kolben schwang der Ban,stade lupat na avliji vratahub an damit aufs Hoftor loszuhämmern40a on kneza po imenu vikat:und rufen auch beim Namen an den Fürsten:— Kurvo jedna, Mijoile kneže!— Du eine Metze, Michaël, du Fürst,izlaz kurvo na megdan junačkizum Heldenzweikampf komm heraus, du Metze,ja izvodi glavitu djevojku!wo nicht, so führ heraus das stattlich Mädchen!Kada kneže poznavao banaSobald als da der Fürst den Ban erkannte,45ondar sletje vratma i avlijiflog er behend zum Tor und Hof hinabpa otvori na avliji vrata:und öffnete das Einlasstor des Hofes:— Aman bane mili gospodare!— Verzeihung Ban, mein teuerster Gebieter!odjaš bane debela gjogata,steig ab, o Ban, von deinem feisten Falben,ajde sa mnom u bijele dvore!komm in den weissen Hof mit mir hinauf;50Ja ću tebi curu pokloniti,ich werde zum Geschenk die Maid dir machen,ja rodio, tebi poklonio.so wahr ich sie gezeugt, ich schenk sie dir!Ban odjaši debela gjogata.Da stieg der Ban vom feisten Falben ab.Vjerne sluge konja odvedoše,Die treuen Diener führten fort den Renner,kneže bana u bijele dvore;der Fürst den Ban in weisse Burggemächer;55za punu ga sopru posadioer pflanzt’ ihn hin zur reichbesetzten Tafel;pa śjedoše ladno piti vino.sie huben an, dem Kühlwein zuzusprechen.Tri bijela pridaniše dana.Drei weisse Tage tagten sie selbander.Kat četvrti danak osvanuoAls dann des vierten Tages Morgen graute,ondar bane zaprosi djevojke:bewarb der Ban sich um des Mädchens Hand:60— Ak neš bane poklonit djevojku!»Wenn du mir, Fürst, die Maid nicht schenken magst!«(Er schwingt den Streitkolben gegen den Fürsten, der zu Tod erschrocken und sprachlos mit Hand und Kopf zustimmend, seine Schenkfreudigkeit äussert.)Ondar bane bjeśjedio knezu:Dann weiter sprach der Ban zum Fürsten noch:— Kaću kneže sa svatovma dojći?— Wann darf ich, Fürst, mit dem Geleit erscheinen?koliko ću dovesti svatova?Wie viel Geleitgefolge soll ich führen?— Povedi mi iljadu svatova,— Bring mir eintausend Hochgezeiter mit,65sve knezova, prvije kmetovanur lauter Schulzen, reiche Lehenbauerni povedi svate varošane.und bring zu Hochgezeitern Städter mit.Ajde bane u drugu nedilju!Erscheine, Ban, mir in der zweiten Woche!Pojgje bane od Janoka grada.Der Ban von Janok brach nun auf zur Heimkehr.Kad istjera konja na avliju,Als hoch zu Ross er in den Hof gejagt,70na avliji banova djevojka,befand sich in dem Hof des Fürsten Fräulein,ona banu tio bjeśjedila:sie sprach mit leisen Lauten so zum Ban:— Gospodine od Janoka bane,— Mein edler Herr und Ban von Burg zu Janokšta no tebi babo bjeśjedaše?was hat mein Vater wohl zu dir gesprochen?— Bjeśjedaše Mijoile kneže— Fürst Michaël, der hat zu mir gesprochen:75da povedem svate varošanezu Hochgezeitern soll ich Städter bringeni knezove i prve kmetove.nur lauter Schulzen, reiche Lehenbauern.— Šta će babi svati varošani?!— Was sollen Städter-Hochzeitleut dem Vater?!Ne će babo boje prodavati!er will doch keine Hofgelass’ verkaufen!I knezovi i prvi kmetovi?!dann, lauter Schulzen, reiche Lehenbauern?!80Ne će babo zemlje dijeliti!will denn der Vater Länderei’n verteilen?A zâr ne znaš od Janoka bane,Ja, blieb dir unbekannt es, Ban von Janok,sedam sam se isprosila puta,dass siebenmal als Braut ich ward erworbensve sedam sam povogjena puta;und siebenmal als Braut die Reise machte?a moj babo, da od Boga najgje!Jedoch mein Vater, mög es Gott ihm lohnen,85sve sedmere svate oglobio,brandschatzte all die sieben Brautgefolge,pogubio sedam gjuvegija,er bracht ums Leben sieben Bräutigamemlogo pusto nasipao blago.und häufte viel an eitlen Schätzen auf.I tebe će bane pogubitiEr wird auch dich, o Ban, ums Leben bringen,a i tvoje svate oglobitibrandschatzen wohl auch deine Hochgezeiter,90a i tvoje blago ustaviti.auch deine Schätze sich zurückbehalten.Ako misliš mene odvoditiWofern du heimzuführen mich vermeinst,dera kupi pod izbor junake.traun, sammle lauter auserwählte Helden!Pa se čuvaj kroz zemlju bugarsku,Und nimm in Obacht dich durchs Land Bulgarien,Bugari su stare varadžije,Bulgaren sind ja altverschlagne Schelme,95dokle sada na gjogatu projgješdass dich, indes du hoch zu Falben durchziehst,da te koji džidom ne opali!nicht einer mit dem Wurfspiess arg versenge!Ode bane kroz zemlju bugarsku.Durchs Land Bulgarien zog nach heim der Ban.Kada dogje u Janoka grada,Als heim er in die Burg von Janok kam,ondar śjede, sitru knjigu pišeda schrieb er ohn Verzug ein zierlich Schreiben100pa je šalje Kraljeviću Marku:und übersandt es an den Prinzen Marko:»Eto knjiga dragi pobratime!»Allhier ein Schreiben, teuerer Herzensbruder!Hajde meni Marko u svatove.Erschein zu meinem Brautgeleite, Marko,Nemoj vodit svata nijednoga.bring keinen Hochgezeiter weiter mit;Ja sam brate curu isprosio,ich hab mir, Bruder, eine Braut erworben,105isprosio u zemlji bugarskoj.erworben bass im Lande der Bulgaren.Bugari su stare varadžije«.Bulgaren sind ja altverschlagne Schelme.«Drugu piše Miloš Obiliću:An Miloš Obilić ein zweites Schreiben:»Ajd Milošu meni u svatove!»Erschein zu meinem Brautgeleite, Miloš!Nemoj vodit svata nijednoga.bring keinen Hochgezeiter weiter mit;110Ja sam brate curu isprosio,ich hab mir, Bruder, eine Braut erworben,isprosio u zemlji bugarskoj.erworben bass im Lande der Bulgaren.Bugari su stare varadžije«.Bulgaren sind ja altverschlagne Schelme.«Treću piše Relji ot Pazara:An Relja vom Pazar ein drittes Schreiben:»Ajde Relja meni u svatove.»Erschein zu meinem Brautgeleite, Relja!115Nemoj vodit svata nijednoga.bring keinen Hochgezeiter weiter mit;Ja sam brate curu isprosio,ich hab mir, Bruder, eine Braut erworben,isprosio u zemlji bugarskoj.erworben bass im Lande der Bulgaren.Bugari su stare varadžije«.Bulgaren sind ja altverschlagne Schelme.«Kada bješe u oči nediljeAls es gerad vor Sonntag Abend war,120al eto ti Kraljevića Markader Königsprosse Marko kam dahera za Markom Miloš Obilića,und gleich nach Marko Miloš Obilić,za Milošem Relje ot Pazara.nach Miloš folgte Relja vom Pazar.Dobro ji je dočekao bane;Fürtrefflich sie der Ban empfangen tat,konje vodi u tople podrumedie Rosse führt er in die warmen Keller,125a junake u bijele dvore;die Ritter in die weissen Burggemächerza punu ji sopru posadiound pflanzte sie an reichbesetzte Tafel.pa śjedoše ladno piti vino.Sie huben an am Kühlwein sich zu laben.Kad u jutru jutro osvanulo,Am Morgen als der Morgen angebrochen,dobre svoje konje opremišeda rüsteten sie ihre guten Renner130pa pojgjoše od Janoka grada.und zogen fürbass aus der Burg von Janok.Putovaše i dva i tri dana.Am zweiten oder dritten ReisetageKada biše kroz goru zelenuals sie im grünen Hochwald sich befandenkraj stijene starine Novaka,dem Felsen nah des Heldengreises Novak,ondar reče Kraljeviću Marko:da sprach das Wort der Königsprosse Marko:135— Gospodare od Janoka bane,— O mein Gebieter, Ban von Janok-Burg,da s vratimo starini Novaku,zum greisen Novak lass uns Einkehr halten,da zovnemo njega u svatove;damit wir ihn zur Hochzeit laden ein,nek povede svog sina Grujicu,er führe mit Georgchen seinen Sohn;jer brež njega pouzdanja nejma!denn sonder ihn ist kein Verlass aufs Glück!140Pa s vratiše studenoj stijeni.Sie hielten Einkehr in die kalte Höhle.Bane starog zove u svatove.Zur Hochzeit lud der Ban den Alten ein.Bjeśjedi mu starina Novače:Zur Antwort ihm der greise Novak gab:— Gospodine od Janoka bane!— O mein Gebieter, Ban von Janok-Burg!Ja ne mogu u svatove pojći,Zur Hochzeit kann unmöglich mit ich ziehen,145jêr ja groša ni dinara nejmamdenn keinen Groschen noch Denar besitz ich,pa s ne mogu spremit u svatove;und kann mich nicht zur Hochzeit rüsten ausjêr znaš bane mili gospodare,Du weisst ja, Ban, o teuerster Gebieter,da ja nejmam kuće ni kućišta,dass weder Haus ich noch Gehöfte habe;kuća mi je studena stijena.fürs Heim mir hilft die kalte Felsenhöhle.150Kada bane čuo lakrdiju,Sobald der Ban die Worte tat vernehmendade bane stotinu dukata,da gab der Ban ein hundert Golddukatendade Marko stotinu dukata,und Marko gab ein hundert Golddukatendade Miloš stotinu dukata,und Miloš gab ein hundert Golddukatendade Relja stotinu dukata.und Relja gab ein hundert Golddukaten.155Opremiše starinu NovakaSie rüsteten den greisen Novak aus,i njegova sina Gruajanazu gleicher Zeit Georgchen seinen Sohnpa odoše u zemlju bugarsku.und zogen fürbass in das Land Bulgarien.Kad dojgjoše u zemlju bugarsku,Als sie im Land Bulgarien angekommen,sve zeleno polje prikriveno;belagert lag das grüne Grasgefilde160knez skupio silovitu vojsku.vom Heere mächtig, das der Fürst gesammelt.Al eto ti crne ArapineDoch sieh! da naht ein schwarzer Araber,i on jaši vranu bedeviju.beritten wohl auf Beduinenrappen.Arap ciči, bedevija riče,Der Ărăbĕr gröhlt, der Wüstenrappe brüllt,pod njima se crna zemlja trese:die Schwarzerd unter dem Getrapp erdröhnt:165— Kojo vam je od Janoka bane?— Wer ist euch hier der Ban von Janok-Burg?nek izijgje na megdan junački,er mög heraus zum Heldenzweikampf rückenjă izijgje jă izmjenu najgje!entweder selber oder sein Ersatzmann!Pojgje bane na megdan izijći.Schon wollt heraus der Ban zum Zweikampf rücken,Ne dade mu Miloš Obiliću:doch hielt zurück ihn Miloš Obilić:170— Stani bane mili gospodare!— Halt ein, o Ban, mein teuerster Gebieter.tvoj je megdan, moje zaodivo;Der Kampf ist dein, doch mein die Kampfvertretung!ja ć Arapu na megdan izijći.ich will dem Araber im Plan erscheinen.Pa istjera debela alata.Und jagte hoch auf feistem Fuchs hinaus;Natjeraše jedan na drugoga.sie drangen einer auf den andern ein.175Arap trže pernu topuzinuEs schwang der Araber die Nagelkeulepa ošinu Miloš Obilića;und schlug drauf los auf Miloš Obilić,obori ga u zelenu travu,er warf ihn nieder auf den grünen Rasen,saveza mu na plećima ruke,er band ihm auf die Schultern fest die Hände,otjera ga u zemlju bugarskuer trieb ihn vor sich her ins Land Bulgarien180u tavnicu Mijoila kneza.fort ins Verliess des Fürsten Michaël.Malo vrime zu dugo ne biloNach kleiner Weile, wohl nicht allzulanger,al eto ti crne Arapine;der Schwarzaraber wieder war erschienen.Arap ciči, bedevija riče:Der Araber gröhlt, der Wüstenrappe brüllt:— Kojo vam je od Janoka bane?— Wer ist von euch der Ban von Janok-Burg?185nek izijgje na megdan junački,Er mög heraus zum Heldenzweikampf rückenja izijgje, ja izmjenu najgje!entweder selber oder sein Ersatzmann!Pojgje bane na megdan izijći,Schon wollt heraus der Ban zum Zweikampf rücken,ne dade mu Relja ot Pazara:doch hielt zurück ihn Relja vom Pazar:— Stani bane, mili gospodare!— Halt ein, o Ban, mein teuerster Gebieter!190tvoj je megdan, moje zaodivo!der Kampf ist dein, doch mein die Kampfvertretung!Pa istjera debela putalja.Und stürmt’ hinaus auf seinem feisten Mustang;Natjeraše jedan na drugoga.sie drangen einer auf den andern ein.Arap trže pernu topuzinuEs schwang der Araber die Nagelkeulepa udari Relju ot Pazara,und schlug drauf los auf Relja vom Pazar,195obori ga u zelenu travu,er warf ihn nieder auf den grünen Rasen,saveza mu na plećima ruke,er band ihm auf die Schultern fest die Hände,otjera ga u zemlju bugarskuer trieb ihn vor sich her ins Land Bulgarienu tavnicu Mijoila kneza.fort ins Verliess des Fürsten Michael.Malo vrime za dugo ne biloNach kleiner Weile, wohl nicht allzulanger,200al eto ti crne Arapine,der Schwarzaraber wieder war zur Stelle.Arap ciči, bedevija riče:Der Araber gröhlt, der Wüstenrappe brüllt;— Kojo vam je od Janoka bane?— Wer ist von euch der Ban von Janok-Burg?nek izijgje na megdan junački,Er mög heraus zum Heldenzweikampf rückenja izijgje ja izmjenu najgje!entweder selber oder sein Ersatzmann!205Pojgje bane na megdan izijći,Schon wollt ihm auf dem Plan der Ban erscheinen,ne dade mu Kraljeviću Marko:doch wehrt’ es ihm der Königsprosse Marko:— Stani bane, mili gospodare!— Halt ein, o Ban, mein teuerster Gebieter!tvoj je megdan, moje zaodivo!der Kampf ist dein, doch mein die Kampfvertretung!Dok mu Marko na megdan izijgje!Na, bis ihm Marko auf dem Plan erscheint!210Pa on zajmi debela šarina;Und tollte fort auf seinem feisten Schecken.natjeraše jedan na drugoga.Sie drangen einer auf den andern ein.Marko trže pernu topuzinuHerr Marko liess die Nagelkeule schwirrenpa ošinu crnu Arapinu.und niedersausen auf den Schwarzaraber.Kako ga je lako udarioWie gar so leichten Schlag er ihm versetzte,215pot sobom je šarca oborio,dass ihm der Schecken unterm Leibe stürzte,na njega se šarac pribacioder Schecke warf sich über seinen Reiterpa pritiśće Kraljevića Marka.und drückt’ zur Erd’ den Prinzen Marko nieder.Arap sjaši šafku bedevijuDer Araber stieg vom wilden Rappen abpa saveza Kraljevića Marka;und fesselte den Königsprossen Marko;220otjera ga u zemlju bugarskuer trieb ihn vor sich her ins Land Bulgarienu tavnicu Mijoila kneza.fort ins Verliess des Fürsten Michael.Malo vrime za dugo ne biloNach kleiner Weile, wohl nicht allzulanger,al eto ti crne Arapine.der Schwarzaraber wieder war zur Stelle.Arap ciči, bedevija riče,Der Araber gröhlt, der Wüstenrappe brüllt,225pod njima se crna zemlja trese.die Schwarzerd unter ihrem Trab erdröhnt:— Kojo vam je od Janoka bane?— Wer ist euch hier der Ban von Janok-Burg?nek izijgje ja izmjenu najgje!er mög erscheinen oder sein Ersatzmann!Pojgje bane na megdan izijći,Schon wollt ihm auf den Plan der Ban erscheinen,ne dade mu starina Navače:doch wehrt’ ihm Novak ab, der Heldengreis:230Stani bane, mili gospodare;— Halt ein, o Ban, mein teuerster Gebieter,dok mu stari na megdan izijgje!zuerst erschein’ ihm auf dem Plan der Alte!Bjeśjedi mu dijete Grujica:Da sprach zu ihm das Wort sein Kind Georgchen:—  moj babo starina Novače!— O du mein Vater Novak, Heldengreis,da mi svoje sablje razmjenimo!o lass uns wechseln unsre Säbel aus;235tvoja sablja od devet pedaljaneun Spannen misst dein Säbel in der Breite,a moja je ot četiri pedlja.vier Spannen bloss ist breit der Säbel mein.— A moj sine dijete Grujica!— Lass gut es sein, mein Sohn, du Jung-Georgchen!ako meni do nevolje dojgjeSollt ich in Leid und schlimme Lage fallen,lasno ćemo sablje razmijenit!leicht wechseln wir noch unsre Säbel aus.240Natjeraše jedan na drugoga,Sie drangen einer auf den andern ein,potegoše sablje ot pojasasie zogen blank die Klingen aus dem Gürtel,(ne tje stari perne topuzine)(der Alte wollte nicht die Nagelkeule)pa ošinu crnu Arapinu;er traf mit einem Hieb den Schwarzaraber,poviš pasa malo natfatio;erfasst’ ihn nur ein wenig oberm Gürtel;245kako ga je lako udarioso fein und leicht tat diesen Streich er führen,dvije pole u travu padoše.dass gleich zwei Hälften in den Rasen fielen.Opet Arap is travice viče:Und dennoch schreit vom Rasen der Araber:— Mol se Boga, starina Novače!— O preis nur Gott, du Heldengreis, o Novak!Marko mi je rebra polomioDie Rippen hat Herr Marko mir zerbrochen,250a ne bi me lako pogubio!sonst hättest du mich nicht so leicht zerstochen!Pa odoše u zemlju bugarskuNun zogen fort sie in das Land Bulgarienbjelu dvoru Mijoila kneza.zum weissen Hofe Michaëls, des Fürsten.Kako dojgje starina NovačeKaum kam Herr Novak hin, der Heldengreisodma razbi na tamnici vratasofort zerbrach die Pfort er am Verliesse255pa ispuśća sve tri pobratima.und machte frei der Wahlgebrüder drei.Svu kneževu rastjeraše vojsku,Des Fürsten Heer sie trieben auseinanderbijele mu dvore porobiše,und plünderten ihm aus die weisse Hofburg;pokupiše gotovinu blago,sie rafften all den baren Schatz zusammen,pogubiše dva njegova sina,sie töteten ihm seine beiden Söhne,260od zla roda nek nije poroda.von frevler Zucht, dass keine Frucht verbleibe.Oni kneza živa oguliše,Den Fürsten schunden sie lebendig ab.povedoše glavitu djevojkuSie führten mit sich weg das stattlich Mädchenpa odoše kroz zemlju bugarsku.und zogen durch das Land Bulgarien heim.Igje Marko, pjeva prit svatovma:Herr Marko singt voran dem Hochzeitzuge:265— Nejmakiše brez mutna oblaka— Ohn trübe Wolke gibt es keinen Regenni junaka brez starca Novaka!und ohn den alten Novak keinen Degen!Da ne bješe starina NovačeHätt Novak uns gefehlt, der Heldengreis,mi ostasmo sužnji u Bugarskoj!wir blieben Kerkerhäftling in Bulgarien!Da b u koga ne bi ni žalioWär’s noch bei wem, es tät nicht weh der Seele,270već u onog kneza bugarskoga!doch grad bei dem, beim Fürsten von Bulgarien!Pa odoše u Janoka grada.Nun zogen sie zur Janok-Burg zu Haus.Pilav čine tri nedilje dana.Drei Wochen währte wohl der Hochzeitschmaus.Erläuterungen.Das Lied sang mir am 24. Oktober 1885 mein Diener und ReisebegleiterMilovan Ilija Crljić Martinovićaus Gornji Rgovi in Bosnien vor. Von wem er das Lied »übernommen«, war ihm nicht mehr im Gedächtnisse. Er hatte es schon als Sauhirtlein gekannt, also ums Jahr 1850. In seinem Repertoir führt das Lied die Bezeichnung: Od Janoka ban u Bugarskoj i svat mu starina Novak (Der Ban von Janina in Bulgarien und dessen BrautbegleiterNovakder Heldengreis).Milovanwarums Jahr 1860 LeibpferdewächterOsman Pašasals dieser die Montenegrer bekriegte. Als dem Paša die Pferde »gestohlen« wurden, entzog sichMilovansamt Genossen durch Flucht einer Untersuchung des Falles. Er hielt sich bis zum AblebenOsman Pašasim Gebirge auf. Damals habe er, erzählte er mir, mehrmals in der Romanija planina inNovaksHöhle vor den Zaptijen (Schergen) Schutz gefunden. Er wollte auch mich hinführen, aber ich mochte nicht hin, weil mein vagabundenmässiges Gewand und Schuhwerk diese Tour durchs Walddickicht über Stock und Stein kaum bestanden hätten. Eine Novak-Höhle zeigte mir der greise Archimandrit von Banja an der Drina im Gebirge jenseits des Klosters in einem Grabsteinbruche. Das ist aber keine alte Räuberhöhle, vielmehr ein ganz gemeines, unhistorisches Loch im Sandstein, das die Steinmetzen ausgehöhlt hatten, um sich darin bei Regen und Unwetter zu bergen.Greise Haudegen, gleichgültig ob in der Epik oder in der Wirklichkeit, vonNestoran bis zum alten FlöhefeindStipurile, waren keine Dauerredner. Wer die frische, verwegene Tat zu vollbringen liebt, pflegt vielen Worten abhold zu sein. Berühmtheit ist jedoch mitunter im Leben, und öfter nach dem Tode ein Unsegen für den, der sie einmal erlangt hat und ihrer nicht mehr ledig werden kann. Wer sollte es für möglich halten, dass sich ein Serbe finden wird, der unterm Deckmantel des nationalen Patriotismus unserenNovak, den Heldengreis zum furchtbarsten, langweiligsten Schwätzer und Lügenbold, zu einem umgestülpten Gargantua umdichtern werde? Das Buch hat den Titel:Starine od starine Novakaili Tolkovanje Narodnjeg Pjevanja i Pripovjedanja. NapisaoJoksim Nović Otočanin. Izdala »Matica Srpska«. Neusatz 1867. S. 356. 8o. (Denkwürdigkeiten vom HeldengreisNovak[erzählt] oder Verdolmetschung der Volklieder und Volkerzählungen. Geschrieben vonJoksim Novićaus Otočac [in der Lika, Chrowotien]. Das Buch erklärt man für ein klassisches Erzeugnis serbischer Erzählungkunst. Es ist gut möglich, dass sichNovićconsueto more solcher serbischer und chrowotischer Literätlein selber die Reklame besorgt hat. Von einer Verdolmetschung oder Erläuterung der Volktradition ist in dem Buche nicht einmal eine Spur,Novićlässt den altenNovakbei Gelegenheit eines Taufschmauses und einer Verlobung im Hause eines Freundes bei Visoko in Bosnien seine Memorabilien aus dem Leben selig entschlafener Helden auskramen. Planlos und ziellos reihtNovakaus Guslarenliedern dürftige prosaische Berichte aneinander, entkleidet sie jeder poetischen Zutat und dichtet den Helden ungeheuerliche Schandtaten und himmelschreienden Frevel an, kurzum, nach der DarstellungNović-Novaksmüsse man die Serben für den Ausbund aller irdischen Niedertracht und Schlechtigkeit erachten. Eine blutrünstige Phantasie hatNovićgewiss, aber sie hat das eine mit den meisten Dampfluftschiffen gemein, dass sie sich über die Gipfel einer glatten Ebene nicht erheben kann. Seine Diktion ist zerhackt und gibt wohl ein Bild der bäuerlichen Ausdruckweise des Bosniers unserer Zeit. Von den sozialen und kulturellen Zuständen der Südslavendes XIV. Jahrhunderts besitztNovićkeinen blauen Dunst. Und das Bad mussNovak, der Heldengreis ausgiessen!Zu V. 5. gji mundartlich für gdi (gdje). Zu V. 6 mere für može, V. 99 sitru f. sitnu eine Spracheigentümlichkeit der Dorfbewohner vor Gornji Rgovi. Im V. 55 sagtMilovansopru für sofru; denn ihm fällt die Aussprache von f. schwer.Zu V. 51. ich habe sie geboren, dir hab ich sie geschenkt. Kraft seines väterlichen Mundschaftrechtes steht ihm unumschränkte Verfügung über die Tochter frei. Mein seliger Landsmann der HeiligeHieronymus Sophronius Eusebius(aus dem vierten Jahrhunderte) erzählt treuherzig in griechischer Sprache, er persönlich habe zu Alexandrien einen Pathicum gekannt, der schwanger geworden und einen unförmlichen Klumpen statt eines Kindes geboren. Das glaubt ihm kein serbischer Bauer, obgleich er, wie uns auch der V. 51 lehrt, ohne weiters einen Vater sagen lässt, dass er sein Kindgeboren. Er will damit natürlich den gewöhnlichen Hergang des Geborenwerdens von einer Mutter nicht abläugnen, sondern lediglich dasVaterrechthervorheben, demzufolge der Vater alles, die Mutter nichts gilt. Unsere Helden töten zum Schluss die beiden Söhne des FürstenMichaël, um dessen Geschlecht mit Stumpf und Stil auszurotten, aber es fällt ihnen nicht im Traume ein, dass aus der Ehe des Bans von Janok mit der geraubten Fürstentochter dem geschundenen Fürsten Enkel entspriessen könnten. Die Prinzessin scheidet mit dem Eintritt in des Bans Stamm gänzlich aus dem väterlichen Geschlechterverbande und ihre Kinder gebiert der Ban, ihr Herr und Gebieter über Leben und Tod. Das Recht des Stärkeren hat eine zwingende Logik, es tut auch der Sprache Gewalt an. Ich durfte hier der Spur des Serben nicht folgen, weil man meine Verdeutschung ohne Kommentar nicht verstanden haben würde; darum erlaube ich mir etwas anderes einzusetzen, um den Leser nicht aufzuhalten.Zu V. 60 irrtümlich bane für kneže und im V. 70 banova statt kneževa. Sprechversehen sind nicht selten in Guslarenliedern. Quandoque et bonus dormitat Guslarus. Ich ändere selbst Derartiges nicht in meinen Texten. Die interpolierten 2 Zeilen Gedankenstriche im Texte nach V. 60 und die Einschaltung in der Verdeutschung sind von mir. Ohne die gedachte raubritterliche Pantomime wäre die Szene kaum verständlich.Zu V. 63. Die Frage ist am Platze; denn der Bräutigam kann von vornherein nicht wissen, wie viel Leute der Fürst in der Lage sei, gastlich frei zu halten. Der Fürst wünscht sich Städter, friedliebende Leute, zu Gästen, die auch bei Geld sind und sich selber etwas kaufen, anstatt den Gastgeber auszusacken und arm zu fressen. Die Braut freilich gibt dem Wunsche eine davon verschiedene Deutung.Zu V. 62. in der zweiten Woche, d. h. nach 15 (14 + 1) Tagen. Trifft der Bräutigam bis dahin um die Braut nicht ein, wird der Handel, die Verlobung von selbst rückgängig.Zu V. 71. Halblaut sprechen ist nach osmanischen Anstandbegriffen die Art feingebildeter Leute. Das Fräulein redet hier aber auch aus Vorsicht leise.Zu V. 78. Bŏje, d. i. Stockwerke der Häuser. Holzbauten kann man auseinanderlegen und an einem anderen passenden Orte aufstellen. Der Unterbau aus Stein ist unverkäuflich.Zu V. 94. In serbischen Guslarenliedern öfters: bugari su stare varalice, d. h. Bulgaren haben es faustdick hinter den Ohren. Statt Bugari sonst Latini Lateiner (Venezianer). Solche Schmeicheleien sagen einander Nachbarvölker gernnach. Man lese darüber das treffliche Werk: Blason populaire de la France parH. Gaidoz et Paul Sébillot. Paris 1884. XV, 382 und dazuSébillotsNachtrag: Blason populaire de la Haute-Bretagne 38 S. Tragisch sind solche Aussprüche nicht zu nehmen.Zu V. 100. Die Besorgnis ist unbegründet, dass uns der Guslar etwa tausendmal denselben Brief zum Besten gegeben hätte, wenn der Ban 1000 Gäste eingeladen. Selbst bei grossartigen Einladungen nennt der Sänger nur die ersten Würdenträger und Führer namentlich, doch meist um deren Aufzug späterhin beschreiben zu können.Zu V. 100 ff. Über den PrinzenMarkogibt es sowohl in der serbischen als der deutschen und russischen Sprache schon eine stattliche Literatur. Heil dem Manne, der sie nicht zu lesen braucht. Hübsche Charakteristiken der bulgarischen Überlieferung gabG. Popovim Sbornik za narodni umotvorenija, Sofija 1890. (Blgarskite junaški pesni) Bd. III1, S. 247 ff.Zu V. 139. Das Lob bezieht sich ausschliesslich auf den Alten. Er zieht als »stari svat« als der Oberordner des Hochzeitzuges und Proviantmeister mit, seinen Weisungen muss jedermann gehorchen, selbst Braut und Bräutigam und deren Eltern.Zu V. 145. Kojo für koje je ovo (welches ist allda, hier), kojvo.Zu V. 171. Zaodivo, Gang für einen anderen. Das Wort noch in keinem Wörterbuch.Zu V. 218 šăfku in der Verdeutschung nicht wiedergegeben. BeiMilovanöfters, kommt noch in den Wtb. nicht vor. Ich vermute ein ursprüngliches türk. čapkun, ein Pferd, dessen Gangart der Galopp ist. Das bosnische Bauernpferd ist an den langsamen Passgang gewöhnt.Milovankannte die Bedeutung des Wortes nicht. E tako sam primio (ja, so hab ich’s überkommen), pflegt er in solchen Fällen zu sagen.Zu V. 235 ff. Solche riesige Aufschneidereien sind in Guslarenliedern nicht spärlich. Man denke sich die kolossale Länge zu einem neun Spannen breiten Schwerte!Grujomeint, der Säbel dürfte dem alten Vater doch etwas schwer fallen und darum bietet er ihm seine leichte Klinge an. Die ist bloss vier Spannen breit und wahrscheinlich nur zwanzig Ellen lang. Solche Einschaltungen gehören zum dichterischen Aufputz der Guslarenlieder.Zu V. 242. Der Alte wollte die Nagelkeule nicht beschmutzen. Es verlohnt sich ihm gar nicht, gegen einen so geringen Gegner mit einer so wuchtigen Waffe auszuholen. Nach einem Guslarenliede wog der Apfel vonNovaksSchlachtkeule 120 Litren Eisen.Zu V. 261. Unter oguliti (schinden) ist hier lediglich die Amputation der Ohren, der Nase, der Finger, Zehen und des Zumptes zu verstehen. Über altsüdslavische Strafen vrgl. meinen Kommentar zu KönigMathiasundPeter Gérébin den Ethnolog. Mitl. aus Ungarn, Bd. III. In unserem Sonderfalle nahmen die Helden, wie nach Kriegbrauch, wohl die abgeschnittenen Leibteile als Siegzeichen mit, um sie daheim vorzuzeigen.Zu V. 272. Die Hochzeitfestlichkeiten dauern sonst nur zwei Wochen, diesmal vergönnten sich die Herrschaften noch eine dritte gute Woche. In Slavonien darf nach behördlicher Verfügung kein Hochzeitschmaus länger als 2 Tage währen; denn das Bauernvolk richtete sich durch den üblichen Aufwand bei Hochzeiten wirtschaftlich zu Grunde.1Ich veröffentlichte es inT. R. GjorgjevićsMonatschrift Karadžić. Aleksinac 1902.2Das prächtige Guslarenlied ward am Folklore-Kongress zu Chicago 1893 verlesen und ist im Sammelbande des Kongresses erschienen.3In einer Wählerversammlung in Brod a. d. Save, hörte ich im Sommer des Jahres 1885 den Landtagkandidaten Pfarrer Š. sagen: die Steuern sind eine Erfindung der Magyaren. Mit unserem Gelde erbauen sie für sich in Budapest Paläste. Auf die Anzeige des Polizeikommissärs hin, bekam der Redner drei Monate Klosterarrest gerichtlich zugesprochen.4Orlović, Der Burggraf von Raab. Ein mohammedanisch-slavisches Guslarenlied aus der Hercegovina. Freiburg i. Br. 1889. S. 32–35 und dazu in den Erläuterungen S. 96 f.5Gruzinskij izvod skazanija o Sv. Georgij. Moskva 1892.50 S. In den Vorlesungen der Kaiserl. Gesellschaft für Geschichte und russische Altertümer an der Moskauer Universität. — Die wissenschaftlich gründliche Arbeit lieferte aberEdwin Sidney Hartland,The Legend of Perseus. A study of tradition in story custom and belief.Vol. I, 1894, S. 228; II, 1895, S. 445; III, 1896, S. 225. London, Alfred Nutt.

Novak der Heldengreis.Für »Oberhaupt« oder »Befehlhaber« hat die serbische und bulgarische Sprache das Wortstarešina. Es bezeichnet einen Alten oder im allgemeinen einen älteren Mann von gesetzten Jahren. Ehrfurcht, Achtung, Ehrerbietung dem Alter gegenüber sind anerzogene, aufgezwungene Begriffe. Bei den Südslaven erklären sie sich einfach und klar aus der altüberkommenen Stammorganisation und den geschlechterrechtlichen, gesellschaftlichen Verhältnissen. Es wäre vom Überfluss dies hier des Näheren zu erörtern. Übereilt wäre jedoch die Annahme, dass der Südslave dem Alter an und für sich grosse Verehrung zolle. NurdenAlten ehrt und schätzt man, der als Mann in der besten Lebenskraft seinen Mann gestellt und noch als Greis Achtung verdient. Die Erfahrungen eines langen Daseins erscheinen den Jüngeren als ein wertvoller Besitz, als ein köstlicher Ersatz für dahingeschwundene leibliche Rüstigkeit und Stärke. Wenn nun ausnahmweise trotz der Betagtheit Geist und Leib männliche Frische bewahrt haben, beugt sich der südslavische Bauer vor dem Begnadeten wie vor einem Wunder, wie vor einem auserlesenen Wesen. Solche Greise besingt das Volk und feiert sie noch nach Jahrhunderten.Brez starca nema udarca, »Ohn Alten gibt es keinen Angriff«, sagt das Sprichwort, das unzweifelhaft mit Hinblick auf greise, in Guslarenliedern verherrlichte Helden entstanden sein dürfte. Es gab solcher Helden oder richtiger, die mythenbildende Volkphantasie schuf sich welche, um einem bestimmten Empfinden und Gefühl der poetischen Eingebung gerecht zu werden.Jug Bogdan, der altehrwürdige Greis, der Schwiegervater des KaisersLazar, zieht mit allen seinen neun Söhnen in die Schlacht auf Leitengeben (Kosovo) und findet mit den Seinigen im Schlachtgewühl den Tod. Mehr und anderes weiss das Guslarenlied von ihm nicht zu künden. Von einem anderen alten Herrn, dem StariStipurile(der alte Steffel) erzählt ein Lied meiner Sammlung.1Stipurilesfeste Burg stand irgendwo im dalmatischen Küstengebiet. Einmal traf es sich, dass seine Söhne und Eidame mit ihren Reisigen auf Abenteuer über den Karst ins Türkische ziehen sollten, um Vergeltung zu üben. Ohne den Altenmochten sie nicht aufbrechen. Gerüstet und kampfbereit, wie sie waren, eilten sie in die Weinberge zum Alten und trafen ihn, dem edlen Waidwerk ergeben:gje on buve po košulji ganja»wie er im Hemd herum die Flöhe hatzt.«Unverweilt unterbricht der Greis seine kurzweilige, kleinliche Beschäftigung, legt sich die schwere Rüstung und die Gewaffen an, und führt seine Mannen und Knappen zum Sieg ins feindliche Land.Ein vielgerühmter greiser Held der moslimisch-slavischen Guslarenlieder istĆejvan aga dedo(Ćejvan der greise Herr). Er zählt 80 oder gar 130 Jahre:es klappern ihm des Kinnes leere Laden,zum Teufel ist sein letzter Zahn geflogen,doch der Alte ist noch immer der erste und wackerste Held.Mustaphader Schmerbauch unternimmt mit seinem BruderHalildem Falken, mitSušavon Posušje und mitTaledem Schalknarren, samt Gefolgschaft einen Raubzug ins Dalmatische. Der greiseĆejvanmuss mit, dennbrez starca nema udarca. Im Hochwald lagern sich die Ritter und die Rotten unter Tannen zur Rast. Man tat sich gütlich an Wein und Braten — im Quorân steht ja nicht, dass bosnische Moslimen keinen Wein trinken dürfen —, bis sich behagliche Stimmung einfand. Sprach nichtHalil, der Jüngling, jetzt wäre es am schönsten, hätte jeder Held ein holdes Mädchen zum Kosen unterm Tann auf weichem Rasen. UndĆejvanhub an die Wunder der Welt zu preisen, und schloss wie ein verliebter Schäfer seine weisen Betrachtungen über das Weltall mit den Worten: »das allerschönste bleibt und ist ein schönes Mägdlein!« Die gesamte Zuhörerschaft lachte vergnügt dazu, nurMustaphafing an zu höhnen: »Was soll einem Greis ein Mädchen frommen? Alte Knochen, schwache Arme. Weh dem Mädchen in des Greisen Armen!« Darob ergrimmteĆejvan, undHalilfuhr auch wild auf. Sie kündigten auf der StelleMustaphadie Freundschaft, und ihnen schlossen sich die besten Kämpen an. Sie stiegen hinab ins Küstenland und führten einen blutigen Kampf gegenŠimun BreuljaundSmiljanić Ilija. Die Gelegenheit machte sichMustaphazu Nutze und plünderte inzwischen ungestörtŠimunsWarte und raubte dessen Ehegemahlin2.OhneĆejvanunternahmen die Moslimen keinen Raubzug. Er war überall dabei und flösste den Gegnern Schrecken ein. Zuweilen schmähten und schalten ihn die Kampfgenossen, indem sie ihm seine Um- und Vorsicht für Feigheit auslegten, aber er wusste besser Bescheid und guten Rat. Held sein ist ein lebengefährlicher Beruf.Der vornehmste und anerkannteste Heldengreis ist jedochNovakund mit ihmGrujica, sein Sohn, beide so unter den Südslaven, als auch unter den Rumänen unbestrittene Grössen.Wer einmal in den Ruf eines Helden oder eines Heiligen gelangt, wird bei steigender Beliebtheit zum Hauptträger so mancher alten Sagen und Legenden. So tritt uns z. B. auchNovakin der Volküberlieferung in den mannigfachsten Rollen und Situationen entgegen, sowohl in der eines Drachentöters als letzlich auch in der eines bosnischen oder rumänischen Buschkleppers. In der epischen Volkpoesie stört solch geschichtwidriges Neben- und Durcheinander nicht.Novakist kein Bosnier, nicht einmal ein Serbe, vielmehr gleich dem PrinzenMarkoundReljavom Pazar ein Bulgare; wohlgemerkt, gab es natürlich am Ausgange des 14. Jahrhunderts, in der Blütezeit jener Herren, noch keine nationale Frage, und daher erscheint die Nachforschung nach der nationalen Zugehörigkeit unserer Helden als ausserhalb einer wissenschaftlichen Erörterung und völlig unstatthaft.Novak(novus, der Neue) war des Helden Vorname, sein Beiname (nach bulgarischer epischer Überlieferung) Herr von der Burg Klisura (irgendwo bei Vakarel Ichtiman); sein SpitznameDebeljak(Dickwanst). Sein Bruder hiess nach den serbischen Guslarenliedern Radivoj und der SohnGrujo(Georg).Klisura, griechischLitharisaist ein im bulgarischen Gebiet häufig vorkommender Namen auf Felsen erbauter Burgen, für den Serben dagegen istklisuranur einestudena stijena, der kalte Felsen. Wenn nunNovakin einem kalten Felsen haust, befindet sich wohl im Gestein eine Höhle. Also erniedrigte erst die serbische Sprache und Sage den alten, greisenNovakzum Höhlenbewohner. Eine Sage gebiert die andere. Was mag den fürtrefflichsten aller Kämpen zur Flucht in die Einöde bewogen haben? Die Sage macht dafür schlankweg »die verfluchte KöniginJerina« (prokleta Jerina) verantwortlich. Diese, im übrigen recht harmlose Dame, hauste in Zvornik oder auf der Veste von Srebrnica in Bosnien. Statt der Zugtiere liess sie Menschen vor den Pflug spannen und heischte vom Volke hohe Steuern. Das Steuerzahlen war aber bei den Serben nicht einmal in der epischen Epoche ein beliebter Sport. Bei den Chrowoten und Serben verspricht fast jeder Parlamentkandidat in seiner Programmrede den versammelten Wählern gänzliche Aufhebung aller Grundsteuern und Abgaben, oder zum Mindesten deren Abwälzung auf die Juden3. Das packt. AuchNovakentschloss sich, sein Volk zu befreien, und:odmetnu se Novak u hajduke»ins Räuberleben schlug sichNovakfort«.Dort in der Felswand lässt ihn mit seinem Sohne und dem Gefolge das Volk hausen und von Zeit zu Zeit auf Abenteuer ausgehen. Wenn irgend etwas Grosses in der Welt vorfällt, laden die übrigen Helden gern den alten, achtzigjährigen Haudegen zur Teilnahme am Zuge ein. Im Guslarenlied ist der greiseNovakimmer volle achtzig Jahre alt. Was Wunder, wenn sichNovakauch einmal in der ehrwürdigen Rolle desPerseuszeigt, derAndromedaaus des Drachen Gewalt befreit. Davon handelt unser Lied.UnsereAndromedaist namenlos, ihr Vater ist nicht mehr KönigKepheussondern der BulgarenfürstMichaël. Bulgarien ist für den bosnischen Guslaren ein weit entferntes Land, über dessen Lage und Bevölkerung er und seine Zuhörer fabelhafte Vorstellungen hegen. Das ist kein rechter Held ersten Ranges vor den Guslaren, der nicht schon den Drachen einmal getötet und die holde Maid erlöst hat. PrinzMarkoundRelja,Mustaphavon Kladuša undOrlovićder Burggraf von Raab haben den Kampf glanzvoll bestanden, also auchNovakmusste drankommen; denn:nema kiše brez mutna oblakani junaka brez starca Novaka!»ohn trübe Wolke gibt es keinen Regenund ohn den alten Novak keinen Degen!«In einem anderen Guslarenliede besiegt PrinzMarkounter MithilfeReljasmit den Flügeln, einem Rufe der hartbedrängten Bevölkerung von Janina folgend, den Drachen vom See (Pambotis) und tötet bei der Gelegenheit den albanesischen HeldenMusa kesedžija(Mustaphaden Beutelschneider, Strauchritter) und dessen GesellenGjemo Brgjanin(Gjemoden Älpler). Der Drache (blôr, blavor) war eine 12 Ellen lange Schlange, die sich mit jungen Mädchen und Burschen zum Futter begnügte. In ihrem aufgesperrten Rachen konnte bequem ein fetter Mastochs Unterschlupf finden.Markoerwischt den fliehendenMusajust vor den Toren Litharisas und macht ihm undGjemoden Garaus.Das ist die Örtlichkeit unseres Guslarenliedes. Die Fabel klingt nur etwas anders, etwas modernisiert. Der Gebieter (Ban) der Burg von Janina (Janok) freit um die Prinzessin von Bulgarien. Der Fürst kann sie ihm nicht ohne weiteres überlassen; denn er weiss, was er seinem Drachen schuldig ist. Der Ban von Janok holt sichdannunter BeistandNovaksund anderer Helden die Braut ab, nachdemNovakdas Ungeheuer glücklich getötet. Die Fabel erscheint hier ins Serbisch-ritterliche übersetzt und der märchenhaft grellen Szenerie einigermassen entkleidet. Der Drache hat menschliche Gestalt angenommen und sitzt als schwarzer Araber hoch auf einem brüllenden Beduinenrappen. Sonst erfreut sich der Schwarzaraber des Besitzes dreier Köpfe, wie z. B. der, mit dem meinOrlovićeinenStrauss ausgefochten4; von rechtswegen müsste er als Drache siebenköpfig sein. In unserem Liede ist der Araber bloss einköpfig, dochsiebenBräutigame und deren Gefolgschaften hatte er ums Leben gebracht. Ein bulgarisches Guslarenlied erzählt uns des näheren vom Aussehen des Arabers und es empfiehlt sich die kurze Schilderung hier zu wiederholen, um unser Lied damit erläuternd zu ergänzen, auf dass man begreife, was für wackerer Degen sein Besieger,Novakder Heldengreis, gewesen.Ein Brautgeleite zog mit der Braut durchs Hochgebirge, da plötzlich:Ostreka i edna strašna beda,ein furchtbar Ungetüm begegnet ihnen,strašna beda hala-haletina,ein furchtbar Ungetüm, ein grauser Drache,haletina cŏrna Arapina!der Drache war ein schwarzer Araber!Dolna usta na gŏrde mu bie,Die Unterkiefer schlägt ihm auf die Brust,gorna usta v čelo go udara;die Oberkiefer stösst ihm an die Stirne;glava mu kolku dva tŏpana,an Umfang gleich sein Haupt ist zweien Trommeln,oči ima kolku dve panici;gleich zweien Tellern gross sind ihm die Augen;usta ima kolku mala vrata,sein Mund so gross wie eine kleine Haustür,zŏbi ima četiri dikani,vier Pfähle dienen ihm im Mund als Zähne,nodze ima Solunski direci.als Füsse wohl aus Salonichi Balken.Koga klapat taja pusta usta,So oft er aufreisst diesen wüsten Rachen,dur ot usta ogin isfŏrljuva,speit Feuerflammen aus dem Rachen er,dur na gora listovi obliva.bedeckt mit Geifer er das Laub vom Hochwald.Es ist allgemein bekannt, dass diePerseus-Andromeda-Sage als christliche Legende vom hl.Georg, dem Drachentöter, eine Verjüngung und Verklärung erfahren hat. Sie ist in der besonderen christlichen Fassung auch bei den Südslaven einheimisch. Ein solches Stück veröffentlichte ich inPitrésArchivio per le tradizioni popolari Vol. IX, Palermo 1890, unter dem Titel:Le afflizioni di Trojano. Canto dei guslar della Bosnia(223 Verse nebst Einleitung und Randbemerkungen). Schön hat A.Chachanovdiesen Sagenstoff mit Hinblick auf die grusinische Überlieferung besprochen5.Unser Guslarenlied vonNovakdem Heldengreis hat auch eine historisch-pragmatische Bedeutung wegen der darin genau angegebenen Zeit, wann sich die Begebenheit zugetragen. Die chrowotischen Geschichtforscher jener Art, deren ich in den Böhmischen Korallen aus der Götterwelt gedacht, wären überglücklich, wenn sie so sichere Angaben über den Tag und das Jahr der Geburt und des Ablebens des unendlich gepriesenen nationalen KönigsZvonimir, des grossen Unbekannten, überliefert bekommenhätten.Novakbesiegte nämlich den Schwarzaraber in jenem Jahre als am 24. April, d. h. am Georgitage, ein solcher Schnee einfiel, dass die Kinder auf den Strassen Schneeball spielten. Im Jahre 1894 am 7. Juni morgens erlebten wir Wiener ähnlich ein märchenhaftes Hagelwetter. In den breitesten Strassen blieben stundenlang schwere Lastwagen im Eise stecken. Wer es nicht mit angesehen, glaubt es nicht. Der Guslar mag immerzu scherzend erzählen, dass sich seine Geschichte damals ereignet habe, als zu St. Georgi ein Schneefall eintrat, ich will zum Trotz gerade dies Geschehnis für wahr und das übrige nur für eine slavische Variante derPerseus-Andromeda-Sage halten, die zu Ehren des achtzigjährigenNovakerfunden und erdichtet ward.Kat se ženi od Janoka baneDer Ban von Janok ging auf Freierfüssen;na daleko čuo za djevojku,vernahm von einer Maid in weiter Fremde,čuo bane u zemlji bugarskojder Ban vernahm, im Lande der Bulgaren,u onoga bugarskoga kneza,die Tochter wär es vom Bulgarenfürsten;5gji je prose mloge mušterijeum ihre Hand dass viele Freier freien,a nitko je odvodit ne mere.doch keiner wär im Stand sie heimzuführen.On opremi sebe i gjogata;Da rüstet er sich selbst und seinen Falben,ode bane u zemlju bugarskuund fort ins Land Bulgarien zog der Banbjelu dvoru bugarskoga kneza.zum weissen Hof des Fürsten von Bulgarien.10Dobro ga je kneže dočekavoFürtrefflich ihn der Fürst empfangen tat,a iznio pivo i jidivoer liess herbei Getränk und Speisen schaffen,pa śjedoše ladno piti vino.dann setzten sie sich kalten Wein zu trinken.Odma bane zaprosi djevojke.Der Ban hält unverweilt ums Fräulein an.Kneže šuti, ništa ne bješjedi,Der Fürst, der schweigt, er spricht kein einzig Wörtchen,15nit je daje nit mu je ne daje.er sagt nicht zu und sagt ihm auch nicht ab.Ražljuti se od Janoka baneDarob geriet in Zorn der Ban von Janokpa on snijgje do gjogata svogaund stieg hinab zu seinem falben Läuferpa uzjaši debela gjogata;und schwang hinauf sich auf den feisten Falben;ode bane kroz zemlju bugarskudahin durchs Land Bulgarien zog der Ban,20u Janoka bijeloga grada.dahin zu seiner weissen Burg von Janok.Sve dan po dan godinica dana.So Tag an Tag ergab ein Jahr an Tagen.Kada bješe o Jurjevu danu,Als um die Zeit des Sankt Georgitagessnijeg pade o Jurjevu danu,ein Schneefall eintrat am Georgitage,grudaju se djeca po sokacim,Schneebälle warfen Kinder auf den Gassen,25jedno drugog grudom udarilo,das eine traf das andre mit dem Schneeball,zajmiše se djeca nis sokake:entlang den Gassen jagten sich die Kinder:— Stani kurvo, njesi pobjegnulo— Na, wart du Dirn, du Ding wirst nicht entwischenna sramotu ko banu djevojka!zu Schimpf und Schande wie dem Ban das Bräutchen!To dočuo od Janoka baneDer Ban von Janok das Geschrei vernahm,30pa svu sebi djecu pokupioberief zu sich die Kinder allesamtpa dobro je djecu darovao,und tat die Kinder gar beschenken reichlich,svakom djetu po žut dukat dade.jedwedes Kind mit einem Golddukaten.Pa opremi debela gjogata;Drauf rüstet er den feisten Falben aus;ode bane u zemlju bugarskuins Land Bulgarien zog der Ban von dannen35bjelu dvoru bugarskoga kneza.zum weissen Hof des Fürsten von Bulgarien.Na avliju natjera gjogata,Er trieb den Falben nach dem Burghof hin,na avliji zatvorena vrata.doch war vom Hofe wohl das Tor verschlossen.Bane trže pernu topuzinu,Den nägelreichen Kolben schwang der Ban,stade lupat na avliji vratahub an damit aufs Hoftor loszuhämmern40a on kneza po imenu vikat:und rufen auch beim Namen an den Fürsten:— Kurvo jedna, Mijoile kneže!— Du eine Metze, Michaël, du Fürst,izlaz kurvo na megdan junačkizum Heldenzweikampf komm heraus, du Metze,ja izvodi glavitu djevojku!wo nicht, so führ heraus das stattlich Mädchen!Kada kneže poznavao banaSobald als da der Fürst den Ban erkannte,45ondar sletje vratma i avlijiflog er behend zum Tor und Hof hinabpa otvori na avliji vrata:und öffnete das Einlasstor des Hofes:— Aman bane mili gospodare!— Verzeihung Ban, mein teuerster Gebieter!odjaš bane debela gjogata,steig ab, o Ban, von deinem feisten Falben,ajde sa mnom u bijele dvore!komm in den weissen Hof mit mir hinauf;50Ja ću tebi curu pokloniti,ich werde zum Geschenk die Maid dir machen,ja rodio, tebi poklonio.so wahr ich sie gezeugt, ich schenk sie dir!Ban odjaši debela gjogata.Da stieg der Ban vom feisten Falben ab.Vjerne sluge konja odvedoše,Die treuen Diener führten fort den Renner,kneže bana u bijele dvore;der Fürst den Ban in weisse Burggemächer;55za punu ga sopru posadioer pflanzt’ ihn hin zur reichbesetzten Tafel;pa śjedoše ladno piti vino.sie huben an, dem Kühlwein zuzusprechen.Tri bijela pridaniše dana.Drei weisse Tage tagten sie selbander.Kat četvrti danak osvanuoAls dann des vierten Tages Morgen graute,ondar bane zaprosi djevojke:bewarb der Ban sich um des Mädchens Hand:60— Ak neš bane poklonit djevojku!»Wenn du mir, Fürst, die Maid nicht schenken magst!«(Er schwingt den Streitkolben gegen den Fürsten, der zu Tod erschrocken und sprachlos mit Hand und Kopf zustimmend, seine Schenkfreudigkeit äussert.)Ondar bane bjeśjedio knezu:Dann weiter sprach der Ban zum Fürsten noch:— Kaću kneže sa svatovma dojći?— Wann darf ich, Fürst, mit dem Geleit erscheinen?koliko ću dovesti svatova?Wie viel Geleitgefolge soll ich führen?— Povedi mi iljadu svatova,— Bring mir eintausend Hochgezeiter mit,65sve knezova, prvije kmetovanur lauter Schulzen, reiche Lehenbauerni povedi svate varošane.und bring zu Hochgezeitern Städter mit.Ajde bane u drugu nedilju!Erscheine, Ban, mir in der zweiten Woche!Pojgje bane od Janoka grada.Der Ban von Janok brach nun auf zur Heimkehr.Kad istjera konja na avliju,Als hoch zu Ross er in den Hof gejagt,70na avliji banova djevojka,befand sich in dem Hof des Fürsten Fräulein,ona banu tio bjeśjedila:sie sprach mit leisen Lauten so zum Ban:— Gospodine od Janoka bane,— Mein edler Herr und Ban von Burg zu Janokšta no tebi babo bjeśjedaše?was hat mein Vater wohl zu dir gesprochen?— Bjeśjedaše Mijoile kneže— Fürst Michaël, der hat zu mir gesprochen:75da povedem svate varošanezu Hochgezeitern soll ich Städter bringeni knezove i prve kmetove.nur lauter Schulzen, reiche Lehenbauern.— Šta će babi svati varošani?!— Was sollen Städter-Hochzeitleut dem Vater?!Ne će babo boje prodavati!er will doch keine Hofgelass’ verkaufen!I knezovi i prvi kmetovi?!dann, lauter Schulzen, reiche Lehenbauern?!80Ne će babo zemlje dijeliti!will denn der Vater Länderei’n verteilen?A zâr ne znaš od Janoka bane,Ja, blieb dir unbekannt es, Ban von Janok,sedam sam se isprosila puta,dass siebenmal als Braut ich ward erworbensve sedam sam povogjena puta;und siebenmal als Braut die Reise machte?a moj babo, da od Boga najgje!Jedoch mein Vater, mög es Gott ihm lohnen,85sve sedmere svate oglobio,brandschatzte all die sieben Brautgefolge,pogubio sedam gjuvegija,er bracht ums Leben sieben Bräutigamemlogo pusto nasipao blago.und häufte viel an eitlen Schätzen auf.I tebe će bane pogubitiEr wird auch dich, o Ban, ums Leben bringen,a i tvoje svate oglobitibrandschatzen wohl auch deine Hochgezeiter,90a i tvoje blago ustaviti.auch deine Schätze sich zurückbehalten.Ako misliš mene odvoditiWofern du heimzuführen mich vermeinst,dera kupi pod izbor junake.traun, sammle lauter auserwählte Helden!Pa se čuvaj kroz zemlju bugarsku,Und nimm in Obacht dich durchs Land Bulgarien,Bugari su stare varadžije,Bulgaren sind ja altverschlagne Schelme,95dokle sada na gjogatu projgješdass dich, indes du hoch zu Falben durchziehst,da te koji džidom ne opali!nicht einer mit dem Wurfspiess arg versenge!Ode bane kroz zemlju bugarsku.Durchs Land Bulgarien zog nach heim der Ban.Kada dogje u Janoka grada,Als heim er in die Burg von Janok kam,ondar śjede, sitru knjigu pišeda schrieb er ohn Verzug ein zierlich Schreiben100pa je šalje Kraljeviću Marku:und übersandt es an den Prinzen Marko:»Eto knjiga dragi pobratime!»Allhier ein Schreiben, teuerer Herzensbruder!Hajde meni Marko u svatove.Erschein zu meinem Brautgeleite, Marko,Nemoj vodit svata nijednoga.bring keinen Hochgezeiter weiter mit;Ja sam brate curu isprosio,ich hab mir, Bruder, eine Braut erworben,105isprosio u zemlji bugarskoj.erworben bass im Lande der Bulgaren.Bugari su stare varadžije«.Bulgaren sind ja altverschlagne Schelme.«Drugu piše Miloš Obiliću:An Miloš Obilić ein zweites Schreiben:»Ajd Milošu meni u svatove!»Erschein zu meinem Brautgeleite, Miloš!Nemoj vodit svata nijednoga.bring keinen Hochgezeiter weiter mit;110Ja sam brate curu isprosio,ich hab mir, Bruder, eine Braut erworben,isprosio u zemlji bugarskoj.erworben bass im Lande der Bulgaren.Bugari su stare varadžije«.Bulgaren sind ja altverschlagne Schelme.«Treću piše Relji ot Pazara:An Relja vom Pazar ein drittes Schreiben:»Ajde Relja meni u svatove.»Erschein zu meinem Brautgeleite, Relja!115Nemoj vodit svata nijednoga.bring keinen Hochgezeiter weiter mit;Ja sam brate curu isprosio,ich hab mir, Bruder, eine Braut erworben,isprosio u zemlji bugarskoj.erworben bass im Lande der Bulgaren.Bugari su stare varadžije«.Bulgaren sind ja altverschlagne Schelme.«Kada bješe u oči nediljeAls es gerad vor Sonntag Abend war,120al eto ti Kraljevića Markader Königsprosse Marko kam dahera za Markom Miloš Obilića,und gleich nach Marko Miloš Obilić,za Milošem Relje ot Pazara.nach Miloš folgte Relja vom Pazar.Dobro ji je dočekao bane;Fürtrefflich sie der Ban empfangen tat,konje vodi u tople podrumedie Rosse führt er in die warmen Keller,125a junake u bijele dvore;die Ritter in die weissen Burggemächerza punu ji sopru posadiound pflanzte sie an reichbesetzte Tafel.pa śjedoše ladno piti vino.Sie huben an am Kühlwein sich zu laben.Kad u jutru jutro osvanulo,Am Morgen als der Morgen angebrochen,dobre svoje konje opremišeda rüsteten sie ihre guten Renner130pa pojgjoše od Janoka grada.und zogen fürbass aus der Burg von Janok.Putovaše i dva i tri dana.Am zweiten oder dritten ReisetageKada biše kroz goru zelenuals sie im grünen Hochwald sich befandenkraj stijene starine Novaka,dem Felsen nah des Heldengreises Novak,ondar reče Kraljeviću Marko:da sprach das Wort der Königsprosse Marko:135— Gospodare od Janoka bane,— O mein Gebieter, Ban von Janok-Burg,da s vratimo starini Novaku,zum greisen Novak lass uns Einkehr halten,da zovnemo njega u svatove;damit wir ihn zur Hochzeit laden ein,nek povede svog sina Grujicu,er führe mit Georgchen seinen Sohn;jer brež njega pouzdanja nejma!denn sonder ihn ist kein Verlass aufs Glück!140Pa s vratiše studenoj stijeni.Sie hielten Einkehr in die kalte Höhle.Bane starog zove u svatove.Zur Hochzeit lud der Ban den Alten ein.Bjeśjedi mu starina Novače:Zur Antwort ihm der greise Novak gab:— Gospodine od Janoka bane!— O mein Gebieter, Ban von Janok-Burg!Ja ne mogu u svatove pojći,Zur Hochzeit kann unmöglich mit ich ziehen,145jêr ja groša ni dinara nejmamdenn keinen Groschen noch Denar besitz ich,pa s ne mogu spremit u svatove;und kann mich nicht zur Hochzeit rüsten ausjêr znaš bane mili gospodare,Du weisst ja, Ban, o teuerster Gebieter,da ja nejmam kuće ni kućišta,dass weder Haus ich noch Gehöfte habe;kuća mi je studena stijena.fürs Heim mir hilft die kalte Felsenhöhle.150Kada bane čuo lakrdiju,Sobald der Ban die Worte tat vernehmendade bane stotinu dukata,da gab der Ban ein hundert Golddukatendade Marko stotinu dukata,und Marko gab ein hundert Golddukatendade Miloš stotinu dukata,und Miloš gab ein hundert Golddukatendade Relja stotinu dukata.und Relja gab ein hundert Golddukaten.155Opremiše starinu NovakaSie rüsteten den greisen Novak aus,i njegova sina Gruajanazu gleicher Zeit Georgchen seinen Sohnpa odoše u zemlju bugarsku.und zogen fürbass in das Land Bulgarien.Kad dojgjoše u zemlju bugarsku,Als sie im Land Bulgarien angekommen,sve zeleno polje prikriveno;belagert lag das grüne Grasgefilde160knez skupio silovitu vojsku.vom Heere mächtig, das der Fürst gesammelt.Al eto ti crne ArapineDoch sieh! da naht ein schwarzer Araber,i on jaši vranu bedeviju.beritten wohl auf Beduinenrappen.Arap ciči, bedevija riče,Der Ărăbĕr gröhlt, der Wüstenrappe brüllt,pod njima se crna zemlja trese:die Schwarzerd unter dem Getrapp erdröhnt:165— Kojo vam je od Janoka bane?— Wer ist euch hier der Ban von Janok-Burg?nek izijgje na megdan junački,er mög heraus zum Heldenzweikampf rückenjă izijgje jă izmjenu najgje!entweder selber oder sein Ersatzmann!Pojgje bane na megdan izijći.Schon wollt heraus der Ban zum Zweikampf rücken,Ne dade mu Miloš Obiliću:doch hielt zurück ihn Miloš Obilić:170— Stani bane mili gospodare!— Halt ein, o Ban, mein teuerster Gebieter.tvoj je megdan, moje zaodivo;Der Kampf ist dein, doch mein die Kampfvertretung!ja ć Arapu na megdan izijći.ich will dem Araber im Plan erscheinen.Pa istjera debela alata.Und jagte hoch auf feistem Fuchs hinaus;Natjeraše jedan na drugoga.sie drangen einer auf den andern ein.175Arap trže pernu topuzinuEs schwang der Araber die Nagelkeulepa ošinu Miloš Obilića;und schlug drauf los auf Miloš Obilić,obori ga u zelenu travu,er warf ihn nieder auf den grünen Rasen,saveza mu na plećima ruke,er band ihm auf die Schultern fest die Hände,otjera ga u zemlju bugarskuer trieb ihn vor sich her ins Land Bulgarien180u tavnicu Mijoila kneza.fort ins Verliess des Fürsten Michaël.Malo vrime zu dugo ne biloNach kleiner Weile, wohl nicht allzulanger,al eto ti crne Arapine;der Schwarzaraber wieder war erschienen.Arap ciči, bedevija riče:Der Araber gröhlt, der Wüstenrappe brüllt:— Kojo vam je od Janoka bane?— Wer ist von euch der Ban von Janok-Burg?185nek izijgje na megdan junački,Er mög heraus zum Heldenzweikampf rückenja izijgje, ja izmjenu najgje!entweder selber oder sein Ersatzmann!Pojgje bane na megdan izijći,Schon wollt heraus der Ban zum Zweikampf rücken,ne dade mu Relja ot Pazara:doch hielt zurück ihn Relja vom Pazar:— Stani bane, mili gospodare!— Halt ein, o Ban, mein teuerster Gebieter!190tvoj je megdan, moje zaodivo!der Kampf ist dein, doch mein die Kampfvertretung!Pa istjera debela putalja.Und stürmt’ hinaus auf seinem feisten Mustang;Natjeraše jedan na drugoga.sie drangen einer auf den andern ein.Arap trže pernu topuzinuEs schwang der Araber die Nagelkeulepa udari Relju ot Pazara,und schlug drauf los auf Relja vom Pazar,195obori ga u zelenu travu,er warf ihn nieder auf den grünen Rasen,saveza mu na plećima ruke,er band ihm auf die Schultern fest die Hände,otjera ga u zemlju bugarskuer trieb ihn vor sich her ins Land Bulgarienu tavnicu Mijoila kneza.fort ins Verliess des Fürsten Michael.Malo vrime za dugo ne biloNach kleiner Weile, wohl nicht allzulanger,200al eto ti crne Arapine,der Schwarzaraber wieder war zur Stelle.Arap ciči, bedevija riče:Der Araber gröhlt, der Wüstenrappe brüllt;— Kojo vam je od Janoka bane?— Wer ist von euch der Ban von Janok-Burg?nek izijgje na megdan junački,Er mög heraus zum Heldenzweikampf rückenja izijgje ja izmjenu najgje!entweder selber oder sein Ersatzmann!205Pojgje bane na megdan izijći,Schon wollt ihm auf dem Plan der Ban erscheinen,ne dade mu Kraljeviću Marko:doch wehrt’ es ihm der Königsprosse Marko:— Stani bane, mili gospodare!— Halt ein, o Ban, mein teuerster Gebieter!tvoj je megdan, moje zaodivo!der Kampf ist dein, doch mein die Kampfvertretung!Dok mu Marko na megdan izijgje!Na, bis ihm Marko auf dem Plan erscheint!210Pa on zajmi debela šarina;Und tollte fort auf seinem feisten Schecken.natjeraše jedan na drugoga.Sie drangen einer auf den andern ein.Marko trže pernu topuzinuHerr Marko liess die Nagelkeule schwirrenpa ošinu crnu Arapinu.und niedersausen auf den Schwarzaraber.Kako ga je lako udarioWie gar so leichten Schlag er ihm versetzte,215pot sobom je šarca oborio,dass ihm der Schecken unterm Leibe stürzte,na njega se šarac pribacioder Schecke warf sich über seinen Reiterpa pritiśće Kraljevića Marka.und drückt’ zur Erd’ den Prinzen Marko nieder.Arap sjaši šafku bedevijuDer Araber stieg vom wilden Rappen abpa saveza Kraljevića Marka;und fesselte den Königsprossen Marko;220otjera ga u zemlju bugarskuer trieb ihn vor sich her ins Land Bulgarienu tavnicu Mijoila kneza.fort ins Verliess des Fürsten Michael.Malo vrime za dugo ne biloNach kleiner Weile, wohl nicht allzulanger,al eto ti crne Arapine.der Schwarzaraber wieder war zur Stelle.Arap ciči, bedevija riče,Der Araber gröhlt, der Wüstenrappe brüllt,225pod njima se crna zemlja trese.die Schwarzerd unter ihrem Trab erdröhnt:— Kojo vam je od Janoka bane?— Wer ist euch hier der Ban von Janok-Burg?nek izijgje ja izmjenu najgje!er mög erscheinen oder sein Ersatzmann!Pojgje bane na megdan izijći,Schon wollt ihm auf den Plan der Ban erscheinen,ne dade mu starina Navače:doch wehrt’ ihm Novak ab, der Heldengreis:230Stani bane, mili gospodare;— Halt ein, o Ban, mein teuerster Gebieter,dok mu stari na megdan izijgje!zuerst erschein’ ihm auf dem Plan der Alte!Bjeśjedi mu dijete Grujica:Da sprach zu ihm das Wort sein Kind Georgchen:—  moj babo starina Novače!— O du mein Vater Novak, Heldengreis,da mi svoje sablje razmjenimo!o lass uns wechseln unsre Säbel aus;235tvoja sablja od devet pedaljaneun Spannen misst dein Säbel in der Breite,a moja je ot četiri pedlja.vier Spannen bloss ist breit der Säbel mein.— A moj sine dijete Grujica!— Lass gut es sein, mein Sohn, du Jung-Georgchen!ako meni do nevolje dojgjeSollt ich in Leid und schlimme Lage fallen,lasno ćemo sablje razmijenit!leicht wechseln wir noch unsre Säbel aus.240Natjeraše jedan na drugoga,Sie drangen einer auf den andern ein,potegoše sablje ot pojasasie zogen blank die Klingen aus dem Gürtel,(ne tje stari perne topuzine)(der Alte wollte nicht die Nagelkeule)pa ošinu crnu Arapinu;er traf mit einem Hieb den Schwarzaraber,poviš pasa malo natfatio;erfasst’ ihn nur ein wenig oberm Gürtel;245kako ga je lako udarioso fein und leicht tat diesen Streich er führen,dvije pole u travu padoše.dass gleich zwei Hälften in den Rasen fielen.Opet Arap is travice viče:Und dennoch schreit vom Rasen der Araber:— Mol se Boga, starina Novače!— O preis nur Gott, du Heldengreis, o Novak!Marko mi je rebra polomioDie Rippen hat Herr Marko mir zerbrochen,250a ne bi me lako pogubio!sonst hättest du mich nicht so leicht zerstochen!Pa odoše u zemlju bugarskuNun zogen fort sie in das Land Bulgarienbjelu dvoru Mijoila kneza.zum weissen Hofe Michaëls, des Fürsten.Kako dojgje starina NovačeKaum kam Herr Novak hin, der Heldengreisodma razbi na tamnici vratasofort zerbrach die Pfort er am Verliesse255pa ispuśća sve tri pobratima.und machte frei der Wahlgebrüder drei.Svu kneževu rastjeraše vojsku,Des Fürsten Heer sie trieben auseinanderbijele mu dvore porobiše,und plünderten ihm aus die weisse Hofburg;pokupiše gotovinu blago,sie rafften all den baren Schatz zusammen,pogubiše dva njegova sina,sie töteten ihm seine beiden Söhne,260od zla roda nek nije poroda.von frevler Zucht, dass keine Frucht verbleibe.Oni kneza živa oguliše,Den Fürsten schunden sie lebendig ab.povedoše glavitu djevojkuSie führten mit sich weg das stattlich Mädchenpa odoše kroz zemlju bugarsku.und zogen durch das Land Bulgarien heim.Igje Marko, pjeva prit svatovma:Herr Marko singt voran dem Hochzeitzuge:265— Nejmakiše brez mutna oblaka— Ohn trübe Wolke gibt es keinen Regenni junaka brez starca Novaka!und ohn den alten Novak keinen Degen!Da ne bješe starina NovačeHätt Novak uns gefehlt, der Heldengreis,mi ostasmo sužnji u Bugarskoj!wir blieben Kerkerhäftling in Bulgarien!Da b u koga ne bi ni žalioWär’s noch bei wem, es tät nicht weh der Seele,270već u onog kneza bugarskoga!doch grad bei dem, beim Fürsten von Bulgarien!Pa odoše u Janoka grada.Nun zogen sie zur Janok-Burg zu Haus.Pilav čine tri nedilje dana.Drei Wochen währte wohl der Hochzeitschmaus.Erläuterungen.Das Lied sang mir am 24. Oktober 1885 mein Diener und ReisebegleiterMilovan Ilija Crljić Martinovićaus Gornji Rgovi in Bosnien vor. Von wem er das Lied »übernommen«, war ihm nicht mehr im Gedächtnisse. Er hatte es schon als Sauhirtlein gekannt, also ums Jahr 1850. In seinem Repertoir führt das Lied die Bezeichnung: Od Janoka ban u Bugarskoj i svat mu starina Novak (Der Ban von Janina in Bulgarien und dessen BrautbegleiterNovakder Heldengreis).Milovanwarums Jahr 1860 LeibpferdewächterOsman Pašasals dieser die Montenegrer bekriegte. Als dem Paša die Pferde »gestohlen« wurden, entzog sichMilovansamt Genossen durch Flucht einer Untersuchung des Falles. Er hielt sich bis zum AblebenOsman Pašasim Gebirge auf. Damals habe er, erzählte er mir, mehrmals in der Romanija planina inNovaksHöhle vor den Zaptijen (Schergen) Schutz gefunden. Er wollte auch mich hinführen, aber ich mochte nicht hin, weil mein vagabundenmässiges Gewand und Schuhwerk diese Tour durchs Walddickicht über Stock und Stein kaum bestanden hätten. Eine Novak-Höhle zeigte mir der greise Archimandrit von Banja an der Drina im Gebirge jenseits des Klosters in einem Grabsteinbruche. Das ist aber keine alte Räuberhöhle, vielmehr ein ganz gemeines, unhistorisches Loch im Sandstein, das die Steinmetzen ausgehöhlt hatten, um sich darin bei Regen und Unwetter zu bergen.Greise Haudegen, gleichgültig ob in der Epik oder in der Wirklichkeit, vonNestoran bis zum alten FlöhefeindStipurile, waren keine Dauerredner. Wer die frische, verwegene Tat zu vollbringen liebt, pflegt vielen Worten abhold zu sein. Berühmtheit ist jedoch mitunter im Leben, und öfter nach dem Tode ein Unsegen für den, der sie einmal erlangt hat und ihrer nicht mehr ledig werden kann. Wer sollte es für möglich halten, dass sich ein Serbe finden wird, der unterm Deckmantel des nationalen Patriotismus unserenNovak, den Heldengreis zum furchtbarsten, langweiligsten Schwätzer und Lügenbold, zu einem umgestülpten Gargantua umdichtern werde? Das Buch hat den Titel:Starine od starine Novakaili Tolkovanje Narodnjeg Pjevanja i Pripovjedanja. NapisaoJoksim Nović Otočanin. Izdala »Matica Srpska«. Neusatz 1867. S. 356. 8o. (Denkwürdigkeiten vom HeldengreisNovak[erzählt] oder Verdolmetschung der Volklieder und Volkerzählungen. Geschrieben vonJoksim Novićaus Otočac [in der Lika, Chrowotien]. Das Buch erklärt man für ein klassisches Erzeugnis serbischer Erzählungkunst. Es ist gut möglich, dass sichNovićconsueto more solcher serbischer und chrowotischer Literätlein selber die Reklame besorgt hat. Von einer Verdolmetschung oder Erläuterung der Volktradition ist in dem Buche nicht einmal eine Spur,Novićlässt den altenNovakbei Gelegenheit eines Taufschmauses und einer Verlobung im Hause eines Freundes bei Visoko in Bosnien seine Memorabilien aus dem Leben selig entschlafener Helden auskramen. Planlos und ziellos reihtNovakaus Guslarenliedern dürftige prosaische Berichte aneinander, entkleidet sie jeder poetischen Zutat und dichtet den Helden ungeheuerliche Schandtaten und himmelschreienden Frevel an, kurzum, nach der DarstellungNović-Novaksmüsse man die Serben für den Ausbund aller irdischen Niedertracht und Schlechtigkeit erachten. Eine blutrünstige Phantasie hatNovićgewiss, aber sie hat das eine mit den meisten Dampfluftschiffen gemein, dass sie sich über die Gipfel einer glatten Ebene nicht erheben kann. Seine Diktion ist zerhackt und gibt wohl ein Bild der bäuerlichen Ausdruckweise des Bosniers unserer Zeit. Von den sozialen und kulturellen Zuständen der Südslavendes XIV. Jahrhunderts besitztNovićkeinen blauen Dunst. Und das Bad mussNovak, der Heldengreis ausgiessen!Zu V. 5. gji mundartlich für gdi (gdje). Zu V. 6 mere für može, V. 99 sitru f. sitnu eine Spracheigentümlichkeit der Dorfbewohner vor Gornji Rgovi. Im V. 55 sagtMilovansopru für sofru; denn ihm fällt die Aussprache von f. schwer.Zu V. 51. ich habe sie geboren, dir hab ich sie geschenkt. Kraft seines väterlichen Mundschaftrechtes steht ihm unumschränkte Verfügung über die Tochter frei. Mein seliger Landsmann der HeiligeHieronymus Sophronius Eusebius(aus dem vierten Jahrhunderte) erzählt treuherzig in griechischer Sprache, er persönlich habe zu Alexandrien einen Pathicum gekannt, der schwanger geworden und einen unförmlichen Klumpen statt eines Kindes geboren. Das glaubt ihm kein serbischer Bauer, obgleich er, wie uns auch der V. 51 lehrt, ohne weiters einen Vater sagen lässt, dass er sein Kindgeboren. Er will damit natürlich den gewöhnlichen Hergang des Geborenwerdens von einer Mutter nicht abläugnen, sondern lediglich dasVaterrechthervorheben, demzufolge der Vater alles, die Mutter nichts gilt. Unsere Helden töten zum Schluss die beiden Söhne des FürstenMichaël, um dessen Geschlecht mit Stumpf und Stil auszurotten, aber es fällt ihnen nicht im Traume ein, dass aus der Ehe des Bans von Janok mit der geraubten Fürstentochter dem geschundenen Fürsten Enkel entspriessen könnten. Die Prinzessin scheidet mit dem Eintritt in des Bans Stamm gänzlich aus dem väterlichen Geschlechterverbande und ihre Kinder gebiert der Ban, ihr Herr und Gebieter über Leben und Tod. Das Recht des Stärkeren hat eine zwingende Logik, es tut auch der Sprache Gewalt an. Ich durfte hier der Spur des Serben nicht folgen, weil man meine Verdeutschung ohne Kommentar nicht verstanden haben würde; darum erlaube ich mir etwas anderes einzusetzen, um den Leser nicht aufzuhalten.Zu V. 60 irrtümlich bane für kneže und im V. 70 banova statt kneževa. Sprechversehen sind nicht selten in Guslarenliedern. Quandoque et bonus dormitat Guslarus. Ich ändere selbst Derartiges nicht in meinen Texten. Die interpolierten 2 Zeilen Gedankenstriche im Texte nach V. 60 und die Einschaltung in der Verdeutschung sind von mir. Ohne die gedachte raubritterliche Pantomime wäre die Szene kaum verständlich.Zu V. 63. Die Frage ist am Platze; denn der Bräutigam kann von vornherein nicht wissen, wie viel Leute der Fürst in der Lage sei, gastlich frei zu halten. Der Fürst wünscht sich Städter, friedliebende Leute, zu Gästen, die auch bei Geld sind und sich selber etwas kaufen, anstatt den Gastgeber auszusacken und arm zu fressen. Die Braut freilich gibt dem Wunsche eine davon verschiedene Deutung.Zu V. 62. in der zweiten Woche, d. h. nach 15 (14 + 1) Tagen. Trifft der Bräutigam bis dahin um die Braut nicht ein, wird der Handel, die Verlobung von selbst rückgängig.Zu V. 71. Halblaut sprechen ist nach osmanischen Anstandbegriffen die Art feingebildeter Leute. Das Fräulein redet hier aber auch aus Vorsicht leise.Zu V. 78. Bŏje, d. i. Stockwerke der Häuser. Holzbauten kann man auseinanderlegen und an einem anderen passenden Orte aufstellen. Der Unterbau aus Stein ist unverkäuflich.Zu V. 94. In serbischen Guslarenliedern öfters: bugari su stare varalice, d. h. Bulgaren haben es faustdick hinter den Ohren. Statt Bugari sonst Latini Lateiner (Venezianer). Solche Schmeicheleien sagen einander Nachbarvölker gernnach. Man lese darüber das treffliche Werk: Blason populaire de la France parH. Gaidoz et Paul Sébillot. Paris 1884. XV, 382 und dazuSébillotsNachtrag: Blason populaire de la Haute-Bretagne 38 S. Tragisch sind solche Aussprüche nicht zu nehmen.Zu V. 100. Die Besorgnis ist unbegründet, dass uns der Guslar etwa tausendmal denselben Brief zum Besten gegeben hätte, wenn der Ban 1000 Gäste eingeladen. Selbst bei grossartigen Einladungen nennt der Sänger nur die ersten Würdenträger und Führer namentlich, doch meist um deren Aufzug späterhin beschreiben zu können.Zu V. 100 ff. Über den PrinzenMarkogibt es sowohl in der serbischen als der deutschen und russischen Sprache schon eine stattliche Literatur. Heil dem Manne, der sie nicht zu lesen braucht. Hübsche Charakteristiken der bulgarischen Überlieferung gabG. Popovim Sbornik za narodni umotvorenija, Sofija 1890. (Blgarskite junaški pesni) Bd. III1, S. 247 ff.Zu V. 139. Das Lob bezieht sich ausschliesslich auf den Alten. Er zieht als »stari svat« als der Oberordner des Hochzeitzuges und Proviantmeister mit, seinen Weisungen muss jedermann gehorchen, selbst Braut und Bräutigam und deren Eltern.Zu V. 145. Kojo für koje je ovo (welches ist allda, hier), kojvo.Zu V. 171. Zaodivo, Gang für einen anderen. Das Wort noch in keinem Wörterbuch.Zu V. 218 šăfku in der Verdeutschung nicht wiedergegeben. BeiMilovanöfters, kommt noch in den Wtb. nicht vor. Ich vermute ein ursprüngliches türk. čapkun, ein Pferd, dessen Gangart der Galopp ist. Das bosnische Bauernpferd ist an den langsamen Passgang gewöhnt.Milovankannte die Bedeutung des Wortes nicht. E tako sam primio (ja, so hab ich’s überkommen), pflegt er in solchen Fällen zu sagen.Zu V. 235 ff. Solche riesige Aufschneidereien sind in Guslarenliedern nicht spärlich. Man denke sich die kolossale Länge zu einem neun Spannen breiten Schwerte!Grujomeint, der Säbel dürfte dem alten Vater doch etwas schwer fallen und darum bietet er ihm seine leichte Klinge an. Die ist bloss vier Spannen breit und wahrscheinlich nur zwanzig Ellen lang. Solche Einschaltungen gehören zum dichterischen Aufputz der Guslarenlieder.Zu V. 242. Der Alte wollte die Nagelkeule nicht beschmutzen. Es verlohnt sich ihm gar nicht, gegen einen so geringen Gegner mit einer so wuchtigen Waffe auszuholen. Nach einem Guslarenliede wog der Apfel vonNovaksSchlachtkeule 120 Litren Eisen.Zu V. 261. Unter oguliti (schinden) ist hier lediglich die Amputation der Ohren, der Nase, der Finger, Zehen und des Zumptes zu verstehen. Über altsüdslavische Strafen vrgl. meinen Kommentar zu KönigMathiasundPeter Gérébin den Ethnolog. Mitl. aus Ungarn, Bd. III. In unserem Sonderfalle nahmen die Helden, wie nach Kriegbrauch, wohl die abgeschnittenen Leibteile als Siegzeichen mit, um sie daheim vorzuzeigen.Zu V. 272. Die Hochzeitfestlichkeiten dauern sonst nur zwei Wochen, diesmal vergönnten sich die Herrschaften noch eine dritte gute Woche. In Slavonien darf nach behördlicher Verfügung kein Hochzeitschmaus länger als 2 Tage währen; denn das Bauernvolk richtete sich durch den üblichen Aufwand bei Hochzeiten wirtschaftlich zu Grunde.1Ich veröffentlichte es inT. R. GjorgjevićsMonatschrift Karadžić. Aleksinac 1902.2Das prächtige Guslarenlied ward am Folklore-Kongress zu Chicago 1893 verlesen und ist im Sammelbande des Kongresses erschienen.3In einer Wählerversammlung in Brod a. d. Save, hörte ich im Sommer des Jahres 1885 den Landtagkandidaten Pfarrer Š. sagen: die Steuern sind eine Erfindung der Magyaren. Mit unserem Gelde erbauen sie für sich in Budapest Paläste. Auf die Anzeige des Polizeikommissärs hin, bekam der Redner drei Monate Klosterarrest gerichtlich zugesprochen.4Orlović, Der Burggraf von Raab. Ein mohammedanisch-slavisches Guslarenlied aus der Hercegovina. Freiburg i. Br. 1889. S. 32–35 und dazu in den Erläuterungen S. 96 f.5Gruzinskij izvod skazanija o Sv. Georgij. Moskva 1892.50 S. In den Vorlesungen der Kaiserl. Gesellschaft für Geschichte und russische Altertümer an der Moskauer Universität. — Die wissenschaftlich gründliche Arbeit lieferte aberEdwin Sidney Hartland,The Legend of Perseus. A study of tradition in story custom and belief.Vol. I, 1894, S. 228; II, 1895, S. 445; III, 1896, S. 225. London, Alfred Nutt.

Novak der Heldengreis.Für »Oberhaupt« oder »Befehlhaber« hat die serbische und bulgarische Sprache das Wortstarešina. Es bezeichnet einen Alten oder im allgemeinen einen älteren Mann von gesetzten Jahren. Ehrfurcht, Achtung, Ehrerbietung dem Alter gegenüber sind anerzogene, aufgezwungene Begriffe. Bei den Südslaven erklären sie sich einfach und klar aus der altüberkommenen Stammorganisation und den geschlechterrechtlichen, gesellschaftlichen Verhältnissen. Es wäre vom Überfluss dies hier des Näheren zu erörtern. Übereilt wäre jedoch die Annahme, dass der Südslave dem Alter an und für sich grosse Verehrung zolle. NurdenAlten ehrt und schätzt man, der als Mann in der besten Lebenskraft seinen Mann gestellt und noch als Greis Achtung verdient. Die Erfahrungen eines langen Daseins erscheinen den Jüngeren als ein wertvoller Besitz, als ein köstlicher Ersatz für dahingeschwundene leibliche Rüstigkeit und Stärke. Wenn nun ausnahmweise trotz der Betagtheit Geist und Leib männliche Frische bewahrt haben, beugt sich der südslavische Bauer vor dem Begnadeten wie vor einem Wunder, wie vor einem auserlesenen Wesen. Solche Greise besingt das Volk und feiert sie noch nach Jahrhunderten.Brez starca nema udarca, »Ohn Alten gibt es keinen Angriff«, sagt das Sprichwort, das unzweifelhaft mit Hinblick auf greise, in Guslarenliedern verherrlichte Helden entstanden sein dürfte. Es gab solcher Helden oder richtiger, die mythenbildende Volkphantasie schuf sich welche, um einem bestimmten Empfinden und Gefühl der poetischen Eingebung gerecht zu werden.Jug Bogdan, der altehrwürdige Greis, der Schwiegervater des KaisersLazar, zieht mit allen seinen neun Söhnen in die Schlacht auf Leitengeben (Kosovo) und findet mit den Seinigen im Schlachtgewühl den Tod. Mehr und anderes weiss das Guslarenlied von ihm nicht zu künden. Von einem anderen alten Herrn, dem StariStipurile(der alte Steffel) erzählt ein Lied meiner Sammlung.1Stipurilesfeste Burg stand irgendwo im dalmatischen Küstengebiet. Einmal traf es sich, dass seine Söhne und Eidame mit ihren Reisigen auf Abenteuer über den Karst ins Türkische ziehen sollten, um Vergeltung zu üben. Ohne den Altenmochten sie nicht aufbrechen. Gerüstet und kampfbereit, wie sie waren, eilten sie in die Weinberge zum Alten und trafen ihn, dem edlen Waidwerk ergeben:gje on buve po košulji ganja»wie er im Hemd herum die Flöhe hatzt.«Unverweilt unterbricht der Greis seine kurzweilige, kleinliche Beschäftigung, legt sich die schwere Rüstung und die Gewaffen an, und führt seine Mannen und Knappen zum Sieg ins feindliche Land.Ein vielgerühmter greiser Held der moslimisch-slavischen Guslarenlieder istĆejvan aga dedo(Ćejvan der greise Herr). Er zählt 80 oder gar 130 Jahre:es klappern ihm des Kinnes leere Laden,zum Teufel ist sein letzter Zahn geflogen,doch der Alte ist noch immer der erste und wackerste Held.Mustaphader Schmerbauch unternimmt mit seinem BruderHalildem Falken, mitSušavon Posušje und mitTaledem Schalknarren, samt Gefolgschaft einen Raubzug ins Dalmatische. Der greiseĆejvanmuss mit, dennbrez starca nema udarca. Im Hochwald lagern sich die Ritter und die Rotten unter Tannen zur Rast. Man tat sich gütlich an Wein und Braten — im Quorân steht ja nicht, dass bosnische Moslimen keinen Wein trinken dürfen —, bis sich behagliche Stimmung einfand. Sprach nichtHalil, der Jüngling, jetzt wäre es am schönsten, hätte jeder Held ein holdes Mädchen zum Kosen unterm Tann auf weichem Rasen. UndĆejvanhub an die Wunder der Welt zu preisen, und schloss wie ein verliebter Schäfer seine weisen Betrachtungen über das Weltall mit den Worten: »das allerschönste bleibt und ist ein schönes Mägdlein!« Die gesamte Zuhörerschaft lachte vergnügt dazu, nurMustaphafing an zu höhnen: »Was soll einem Greis ein Mädchen frommen? Alte Knochen, schwache Arme. Weh dem Mädchen in des Greisen Armen!« Darob ergrimmteĆejvan, undHalilfuhr auch wild auf. Sie kündigten auf der StelleMustaphadie Freundschaft, und ihnen schlossen sich die besten Kämpen an. Sie stiegen hinab ins Küstenland und führten einen blutigen Kampf gegenŠimun BreuljaundSmiljanić Ilija. Die Gelegenheit machte sichMustaphazu Nutze und plünderte inzwischen ungestörtŠimunsWarte und raubte dessen Ehegemahlin2.OhneĆejvanunternahmen die Moslimen keinen Raubzug. Er war überall dabei und flösste den Gegnern Schrecken ein. Zuweilen schmähten und schalten ihn die Kampfgenossen, indem sie ihm seine Um- und Vorsicht für Feigheit auslegten, aber er wusste besser Bescheid und guten Rat. Held sein ist ein lebengefährlicher Beruf.Der vornehmste und anerkannteste Heldengreis ist jedochNovakund mit ihmGrujica, sein Sohn, beide so unter den Südslaven, als auch unter den Rumänen unbestrittene Grössen.Wer einmal in den Ruf eines Helden oder eines Heiligen gelangt, wird bei steigender Beliebtheit zum Hauptträger so mancher alten Sagen und Legenden. So tritt uns z. B. auchNovakin der Volküberlieferung in den mannigfachsten Rollen und Situationen entgegen, sowohl in der eines Drachentöters als letzlich auch in der eines bosnischen oder rumänischen Buschkleppers. In der epischen Volkpoesie stört solch geschichtwidriges Neben- und Durcheinander nicht.Novakist kein Bosnier, nicht einmal ein Serbe, vielmehr gleich dem PrinzenMarkoundReljavom Pazar ein Bulgare; wohlgemerkt, gab es natürlich am Ausgange des 14. Jahrhunderts, in der Blütezeit jener Herren, noch keine nationale Frage, und daher erscheint die Nachforschung nach der nationalen Zugehörigkeit unserer Helden als ausserhalb einer wissenschaftlichen Erörterung und völlig unstatthaft.Novak(novus, der Neue) war des Helden Vorname, sein Beiname (nach bulgarischer epischer Überlieferung) Herr von der Burg Klisura (irgendwo bei Vakarel Ichtiman); sein SpitznameDebeljak(Dickwanst). Sein Bruder hiess nach den serbischen Guslarenliedern Radivoj und der SohnGrujo(Georg).Klisura, griechischLitharisaist ein im bulgarischen Gebiet häufig vorkommender Namen auf Felsen erbauter Burgen, für den Serben dagegen istklisuranur einestudena stijena, der kalte Felsen. Wenn nunNovakin einem kalten Felsen haust, befindet sich wohl im Gestein eine Höhle. Also erniedrigte erst die serbische Sprache und Sage den alten, greisenNovakzum Höhlenbewohner. Eine Sage gebiert die andere. Was mag den fürtrefflichsten aller Kämpen zur Flucht in die Einöde bewogen haben? Die Sage macht dafür schlankweg »die verfluchte KöniginJerina« (prokleta Jerina) verantwortlich. Diese, im übrigen recht harmlose Dame, hauste in Zvornik oder auf der Veste von Srebrnica in Bosnien. Statt der Zugtiere liess sie Menschen vor den Pflug spannen und heischte vom Volke hohe Steuern. Das Steuerzahlen war aber bei den Serben nicht einmal in der epischen Epoche ein beliebter Sport. Bei den Chrowoten und Serben verspricht fast jeder Parlamentkandidat in seiner Programmrede den versammelten Wählern gänzliche Aufhebung aller Grundsteuern und Abgaben, oder zum Mindesten deren Abwälzung auf die Juden3. Das packt. AuchNovakentschloss sich, sein Volk zu befreien, und:odmetnu se Novak u hajduke»ins Räuberleben schlug sichNovakfort«.Dort in der Felswand lässt ihn mit seinem Sohne und dem Gefolge das Volk hausen und von Zeit zu Zeit auf Abenteuer ausgehen. Wenn irgend etwas Grosses in der Welt vorfällt, laden die übrigen Helden gern den alten, achtzigjährigen Haudegen zur Teilnahme am Zuge ein. Im Guslarenlied ist der greiseNovakimmer volle achtzig Jahre alt. Was Wunder, wenn sichNovakauch einmal in der ehrwürdigen Rolle desPerseuszeigt, derAndromedaaus des Drachen Gewalt befreit. Davon handelt unser Lied.UnsereAndromedaist namenlos, ihr Vater ist nicht mehr KönigKepheussondern der BulgarenfürstMichaël. Bulgarien ist für den bosnischen Guslaren ein weit entferntes Land, über dessen Lage und Bevölkerung er und seine Zuhörer fabelhafte Vorstellungen hegen. Das ist kein rechter Held ersten Ranges vor den Guslaren, der nicht schon den Drachen einmal getötet und die holde Maid erlöst hat. PrinzMarkoundRelja,Mustaphavon Kladuša undOrlovićder Burggraf von Raab haben den Kampf glanzvoll bestanden, also auchNovakmusste drankommen; denn:nema kiše brez mutna oblakani junaka brez starca Novaka!»ohn trübe Wolke gibt es keinen Regenund ohn den alten Novak keinen Degen!«In einem anderen Guslarenliede besiegt PrinzMarkounter MithilfeReljasmit den Flügeln, einem Rufe der hartbedrängten Bevölkerung von Janina folgend, den Drachen vom See (Pambotis) und tötet bei der Gelegenheit den albanesischen HeldenMusa kesedžija(Mustaphaden Beutelschneider, Strauchritter) und dessen GesellenGjemo Brgjanin(Gjemoden Älpler). Der Drache (blôr, blavor) war eine 12 Ellen lange Schlange, die sich mit jungen Mädchen und Burschen zum Futter begnügte. In ihrem aufgesperrten Rachen konnte bequem ein fetter Mastochs Unterschlupf finden.Markoerwischt den fliehendenMusajust vor den Toren Litharisas und macht ihm undGjemoden Garaus.Das ist die Örtlichkeit unseres Guslarenliedes. Die Fabel klingt nur etwas anders, etwas modernisiert. Der Gebieter (Ban) der Burg von Janina (Janok) freit um die Prinzessin von Bulgarien. Der Fürst kann sie ihm nicht ohne weiteres überlassen; denn er weiss, was er seinem Drachen schuldig ist. Der Ban von Janok holt sichdannunter BeistandNovaksund anderer Helden die Braut ab, nachdemNovakdas Ungeheuer glücklich getötet. Die Fabel erscheint hier ins Serbisch-ritterliche übersetzt und der märchenhaft grellen Szenerie einigermassen entkleidet. Der Drache hat menschliche Gestalt angenommen und sitzt als schwarzer Araber hoch auf einem brüllenden Beduinenrappen. Sonst erfreut sich der Schwarzaraber des Besitzes dreier Köpfe, wie z. B. der, mit dem meinOrlovićeinenStrauss ausgefochten4; von rechtswegen müsste er als Drache siebenköpfig sein. In unserem Liede ist der Araber bloss einköpfig, dochsiebenBräutigame und deren Gefolgschaften hatte er ums Leben gebracht. Ein bulgarisches Guslarenlied erzählt uns des näheren vom Aussehen des Arabers und es empfiehlt sich die kurze Schilderung hier zu wiederholen, um unser Lied damit erläuternd zu ergänzen, auf dass man begreife, was für wackerer Degen sein Besieger,Novakder Heldengreis, gewesen.Ein Brautgeleite zog mit der Braut durchs Hochgebirge, da plötzlich:Ostreka i edna strašna beda,ein furchtbar Ungetüm begegnet ihnen,strašna beda hala-haletina,ein furchtbar Ungetüm, ein grauser Drache,haletina cŏrna Arapina!der Drache war ein schwarzer Araber!Dolna usta na gŏrde mu bie,Die Unterkiefer schlägt ihm auf die Brust,gorna usta v čelo go udara;die Oberkiefer stösst ihm an die Stirne;glava mu kolku dva tŏpana,an Umfang gleich sein Haupt ist zweien Trommeln,oči ima kolku dve panici;gleich zweien Tellern gross sind ihm die Augen;usta ima kolku mala vrata,sein Mund so gross wie eine kleine Haustür,zŏbi ima četiri dikani,vier Pfähle dienen ihm im Mund als Zähne,nodze ima Solunski direci.als Füsse wohl aus Salonichi Balken.Koga klapat taja pusta usta,So oft er aufreisst diesen wüsten Rachen,dur ot usta ogin isfŏrljuva,speit Feuerflammen aus dem Rachen er,dur na gora listovi obliva.bedeckt mit Geifer er das Laub vom Hochwald.Es ist allgemein bekannt, dass diePerseus-Andromeda-Sage als christliche Legende vom hl.Georg, dem Drachentöter, eine Verjüngung und Verklärung erfahren hat. Sie ist in der besonderen christlichen Fassung auch bei den Südslaven einheimisch. Ein solches Stück veröffentlichte ich inPitrésArchivio per le tradizioni popolari Vol. IX, Palermo 1890, unter dem Titel:Le afflizioni di Trojano. Canto dei guslar della Bosnia(223 Verse nebst Einleitung und Randbemerkungen). Schön hat A.Chachanovdiesen Sagenstoff mit Hinblick auf die grusinische Überlieferung besprochen5.Unser Guslarenlied vonNovakdem Heldengreis hat auch eine historisch-pragmatische Bedeutung wegen der darin genau angegebenen Zeit, wann sich die Begebenheit zugetragen. Die chrowotischen Geschichtforscher jener Art, deren ich in den Böhmischen Korallen aus der Götterwelt gedacht, wären überglücklich, wenn sie so sichere Angaben über den Tag und das Jahr der Geburt und des Ablebens des unendlich gepriesenen nationalen KönigsZvonimir, des grossen Unbekannten, überliefert bekommenhätten.Novakbesiegte nämlich den Schwarzaraber in jenem Jahre als am 24. April, d. h. am Georgitage, ein solcher Schnee einfiel, dass die Kinder auf den Strassen Schneeball spielten. Im Jahre 1894 am 7. Juni morgens erlebten wir Wiener ähnlich ein märchenhaftes Hagelwetter. In den breitesten Strassen blieben stundenlang schwere Lastwagen im Eise stecken. Wer es nicht mit angesehen, glaubt es nicht. Der Guslar mag immerzu scherzend erzählen, dass sich seine Geschichte damals ereignet habe, als zu St. Georgi ein Schneefall eintrat, ich will zum Trotz gerade dies Geschehnis für wahr und das übrige nur für eine slavische Variante derPerseus-Andromeda-Sage halten, die zu Ehren des achtzigjährigenNovakerfunden und erdichtet ward.Kat se ženi od Janoka baneDer Ban von Janok ging auf Freierfüssen;na daleko čuo za djevojku,vernahm von einer Maid in weiter Fremde,čuo bane u zemlji bugarskojder Ban vernahm, im Lande der Bulgaren,u onoga bugarskoga kneza,die Tochter wär es vom Bulgarenfürsten;5gji je prose mloge mušterijeum ihre Hand dass viele Freier freien,a nitko je odvodit ne mere.doch keiner wär im Stand sie heimzuführen.On opremi sebe i gjogata;Da rüstet er sich selbst und seinen Falben,ode bane u zemlju bugarskuund fort ins Land Bulgarien zog der Banbjelu dvoru bugarskoga kneza.zum weissen Hof des Fürsten von Bulgarien.10Dobro ga je kneže dočekavoFürtrefflich ihn der Fürst empfangen tat,a iznio pivo i jidivoer liess herbei Getränk und Speisen schaffen,pa śjedoše ladno piti vino.dann setzten sie sich kalten Wein zu trinken.Odma bane zaprosi djevojke.Der Ban hält unverweilt ums Fräulein an.Kneže šuti, ništa ne bješjedi,Der Fürst, der schweigt, er spricht kein einzig Wörtchen,15nit je daje nit mu je ne daje.er sagt nicht zu und sagt ihm auch nicht ab.Ražljuti se od Janoka baneDarob geriet in Zorn der Ban von Janokpa on snijgje do gjogata svogaund stieg hinab zu seinem falben Läuferpa uzjaši debela gjogata;und schwang hinauf sich auf den feisten Falben;ode bane kroz zemlju bugarskudahin durchs Land Bulgarien zog der Ban,20u Janoka bijeloga grada.dahin zu seiner weissen Burg von Janok.Sve dan po dan godinica dana.So Tag an Tag ergab ein Jahr an Tagen.Kada bješe o Jurjevu danu,Als um die Zeit des Sankt Georgitagessnijeg pade o Jurjevu danu,ein Schneefall eintrat am Georgitage,grudaju se djeca po sokacim,Schneebälle warfen Kinder auf den Gassen,25jedno drugog grudom udarilo,das eine traf das andre mit dem Schneeball,zajmiše se djeca nis sokake:entlang den Gassen jagten sich die Kinder:— Stani kurvo, njesi pobjegnulo— Na, wart du Dirn, du Ding wirst nicht entwischenna sramotu ko banu djevojka!zu Schimpf und Schande wie dem Ban das Bräutchen!To dočuo od Janoka baneDer Ban von Janok das Geschrei vernahm,30pa svu sebi djecu pokupioberief zu sich die Kinder allesamtpa dobro je djecu darovao,und tat die Kinder gar beschenken reichlich,svakom djetu po žut dukat dade.jedwedes Kind mit einem Golddukaten.Pa opremi debela gjogata;Drauf rüstet er den feisten Falben aus;ode bane u zemlju bugarskuins Land Bulgarien zog der Ban von dannen35bjelu dvoru bugarskoga kneza.zum weissen Hof des Fürsten von Bulgarien.Na avliju natjera gjogata,Er trieb den Falben nach dem Burghof hin,na avliji zatvorena vrata.doch war vom Hofe wohl das Tor verschlossen.Bane trže pernu topuzinu,Den nägelreichen Kolben schwang der Ban,stade lupat na avliji vratahub an damit aufs Hoftor loszuhämmern40a on kneza po imenu vikat:und rufen auch beim Namen an den Fürsten:— Kurvo jedna, Mijoile kneže!— Du eine Metze, Michaël, du Fürst,izlaz kurvo na megdan junačkizum Heldenzweikampf komm heraus, du Metze,ja izvodi glavitu djevojku!wo nicht, so führ heraus das stattlich Mädchen!Kada kneže poznavao banaSobald als da der Fürst den Ban erkannte,45ondar sletje vratma i avlijiflog er behend zum Tor und Hof hinabpa otvori na avliji vrata:und öffnete das Einlasstor des Hofes:— Aman bane mili gospodare!— Verzeihung Ban, mein teuerster Gebieter!odjaš bane debela gjogata,steig ab, o Ban, von deinem feisten Falben,ajde sa mnom u bijele dvore!komm in den weissen Hof mit mir hinauf;50Ja ću tebi curu pokloniti,ich werde zum Geschenk die Maid dir machen,ja rodio, tebi poklonio.so wahr ich sie gezeugt, ich schenk sie dir!Ban odjaši debela gjogata.Da stieg der Ban vom feisten Falben ab.Vjerne sluge konja odvedoše,Die treuen Diener führten fort den Renner,kneže bana u bijele dvore;der Fürst den Ban in weisse Burggemächer;55za punu ga sopru posadioer pflanzt’ ihn hin zur reichbesetzten Tafel;pa śjedoše ladno piti vino.sie huben an, dem Kühlwein zuzusprechen.Tri bijela pridaniše dana.Drei weisse Tage tagten sie selbander.Kat četvrti danak osvanuoAls dann des vierten Tages Morgen graute,ondar bane zaprosi djevojke:bewarb der Ban sich um des Mädchens Hand:60— Ak neš bane poklonit djevojku!»Wenn du mir, Fürst, die Maid nicht schenken magst!«(Er schwingt den Streitkolben gegen den Fürsten, der zu Tod erschrocken und sprachlos mit Hand und Kopf zustimmend, seine Schenkfreudigkeit äussert.)Ondar bane bjeśjedio knezu:Dann weiter sprach der Ban zum Fürsten noch:— Kaću kneže sa svatovma dojći?— Wann darf ich, Fürst, mit dem Geleit erscheinen?koliko ću dovesti svatova?Wie viel Geleitgefolge soll ich führen?— Povedi mi iljadu svatova,— Bring mir eintausend Hochgezeiter mit,65sve knezova, prvije kmetovanur lauter Schulzen, reiche Lehenbauerni povedi svate varošane.und bring zu Hochgezeitern Städter mit.Ajde bane u drugu nedilju!Erscheine, Ban, mir in der zweiten Woche!Pojgje bane od Janoka grada.Der Ban von Janok brach nun auf zur Heimkehr.Kad istjera konja na avliju,Als hoch zu Ross er in den Hof gejagt,70na avliji banova djevojka,befand sich in dem Hof des Fürsten Fräulein,ona banu tio bjeśjedila:sie sprach mit leisen Lauten so zum Ban:— Gospodine od Janoka bane,— Mein edler Herr und Ban von Burg zu Janokšta no tebi babo bjeśjedaše?was hat mein Vater wohl zu dir gesprochen?— Bjeśjedaše Mijoile kneže— Fürst Michaël, der hat zu mir gesprochen:75da povedem svate varošanezu Hochgezeitern soll ich Städter bringeni knezove i prve kmetove.nur lauter Schulzen, reiche Lehenbauern.— Šta će babi svati varošani?!— Was sollen Städter-Hochzeitleut dem Vater?!Ne će babo boje prodavati!er will doch keine Hofgelass’ verkaufen!I knezovi i prvi kmetovi?!dann, lauter Schulzen, reiche Lehenbauern?!80Ne će babo zemlje dijeliti!will denn der Vater Länderei’n verteilen?A zâr ne znaš od Janoka bane,Ja, blieb dir unbekannt es, Ban von Janok,sedam sam se isprosila puta,dass siebenmal als Braut ich ward erworbensve sedam sam povogjena puta;und siebenmal als Braut die Reise machte?a moj babo, da od Boga najgje!Jedoch mein Vater, mög es Gott ihm lohnen,85sve sedmere svate oglobio,brandschatzte all die sieben Brautgefolge,pogubio sedam gjuvegija,er bracht ums Leben sieben Bräutigamemlogo pusto nasipao blago.und häufte viel an eitlen Schätzen auf.I tebe će bane pogubitiEr wird auch dich, o Ban, ums Leben bringen,a i tvoje svate oglobitibrandschatzen wohl auch deine Hochgezeiter,90a i tvoje blago ustaviti.auch deine Schätze sich zurückbehalten.Ako misliš mene odvoditiWofern du heimzuführen mich vermeinst,dera kupi pod izbor junake.traun, sammle lauter auserwählte Helden!Pa se čuvaj kroz zemlju bugarsku,Und nimm in Obacht dich durchs Land Bulgarien,Bugari su stare varadžije,Bulgaren sind ja altverschlagne Schelme,95dokle sada na gjogatu projgješdass dich, indes du hoch zu Falben durchziehst,da te koji džidom ne opali!nicht einer mit dem Wurfspiess arg versenge!Ode bane kroz zemlju bugarsku.Durchs Land Bulgarien zog nach heim der Ban.Kada dogje u Janoka grada,Als heim er in die Burg von Janok kam,ondar śjede, sitru knjigu pišeda schrieb er ohn Verzug ein zierlich Schreiben100pa je šalje Kraljeviću Marku:und übersandt es an den Prinzen Marko:»Eto knjiga dragi pobratime!»Allhier ein Schreiben, teuerer Herzensbruder!Hajde meni Marko u svatove.Erschein zu meinem Brautgeleite, Marko,Nemoj vodit svata nijednoga.bring keinen Hochgezeiter weiter mit;Ja sam brate curu isprosio,ich hab mir, Bruder, eine Braut erworben,105isprosio u zemlji bugarskoj.erworben bass im Lande der Bulgaren.Bugari su stare varadžije«.Bulgaren sind ja altverschlagne Schelme.«Drugu piše Miloš Obiliću:An Miloš Obilić ein zweites Schreiben:»Ajd Milošu meni u svatove!»Erschein zu meinem Brautgeleite, Miloš!Nemoj vodit svata nijednoga.bring keinen Hochgezeiter weiter mit;110Ja sam brate curu isprosio,ich hab mir, Bruder, eine Braut erworben,isprosio u zemlji bugarskoj.erworben bass im Lande der Bulgaren.Bugari su stare varadžije«.Bulgaren sind ja altverschlagne Schelme.«Treću piše Relji ot Pazara:An Relja vom Pazar ein drittes Schreiben:»Ajde Relja meni u svatove.»Erschein zu meinem Brautgeleite, Relja!115Nemoj vodit svata nijednoga.bring keinen Hochgezeiter weiter mit;Ja sam brate curu isprosio,ich hab mir, Bruder, eine Braut erworben,isprosio u zemlji bugarskoj.erworben bass im Lande der Bulgaren.Bugari su stare varadžije«.Bulgaren sind ja altverschlagne Schelme.«Kada bješe u oči nediljeAls es gerad vor Sonntag Abend war,120al eto ti Kraljevića Markader Königsprosse Marko kam dahera za Markom Miloš Obilića,und gleich nach Marko Miloš Obilić,za Milošem Relje ot Pazara.nach Miloš folgte Relja vom Pazar.Dobro ji je dočekao bane;Fürtrefflich sie der Ban empfangen tat,konje vodi u tople podrumedie Rosse führt er in die warmen Keller,125a junake u bijele dvore;die Ritter in die weissen Burggemächerza punu ji sopru posadiound pflanzte sie an reichbesetzte Tafel.pa śjedoše ladno piti vino.Sie huben an am Kühlwein sich zu laben.Kad u jutru jutro osvanulo,Am Morgen als der Morgen angebrochen,dobre svoje konje opremišeda rüsteten sie ihre guten Renner130pa pojgjoše od Janoka grada.und zogen fürbass aus der Burg von Janok.Putovaše i dva i tri dana.Am zweiten oder dritten ReisetageKada biše kroz goru zelenuals sie im grünen Hochwald sich befandenkraj stijene starine Novaka,dem Felsen nah des Heldengreises Novak,ondar reče Kraljeviću Marko:da sprach das Wort der Königsprosse Marko:135— Gospodare od Janoka bane,— O mein Gebieter, Ban von Janok-Burg,da s vratimo starini Novaku,zum greisen Novak lass uns Einkehr halten,da zovnemo njega u svatove;damit wir ihn zur Hochzeit laden ein,nek povede svog sina Grujicu,er führe mit Georgchen seinen Sohn;jer brež njega pouzdanja nejma!denn sonder ihn ist kein Verlass aufs Glück!140Pa s vratiše studenoj stijeni.Sie hielten Einkehr in die kalte Höhle.Bane starog zove u svatove.Zur Hochzeit lud der Ban den Alten ein.Bjeśjedi mu starina Novače:Zur Antwort ihm der greise Novak gab:— Gospodine od Janoka bane!— O mein Gebieter, Ban von Janok-Burg!Ja ne mogu u svatove pojći,Zur Hochzeit kann unmöglich mit ich ziehen,145jêr ja groša ni dinara nejmamdenn keinen Groschen noch Denar besitz ich,pa s ne mogu spremit u svatove;und kann mich nicht zur Hochzeit rüsten ausjêr znaš bane mili gospodare,Du weisst ja, Ban, o teuerster Gebieter,da ja nejmam kuće ni kućišta,dass weder Haus ich noch Gehöfte habe;kuća mi je studena stijena.fürs Heim mir hilft die kalte Felsenhöhle.150Kada bane čuo lakrdiju,Sobald der Ban die Worte tat vernehmendade bane stotinu dukata,da gab der Ban ein hundert Golddukatendade Marko stotinu dukata,und Marko gab ein hundert Golddukatendade Miloš stotinu dukata,und Miloš gab ein hundert Golddukatendade Relja stotinu dukata.und Relja gab ein hundert Golddukaten.155Opremiše starinu NovakaSie rüsteten den greisen Novak aus,i njegova sina Gruajanazu gleicher Zeit Georgchen seinen Sohnpa odoše u zemlju bugarsku.und zogen fürbass in das Land Bulgarien.Kad dojgjoše u zemlju bugarsku,Als sie im Land Bulgarien angekommen,sve zeleno polje prikriveno;belagert lag das grüne Grasgefilde160knez skupio silovitu vojsku.vom Heere mächtig, das der Fürst gesammelt.Al eto ti crne ArapineDoch sieh! da naht ein schwarzer Araber,i on jaši vranu bedeviju.beritten wohl auf Beduinenrappen.Arap ciči, bedevija riče,Der Ărăbĕr gröhlt, der Wüstenrappe brüllt,pod njima se crna zemlja trese:die Schwarzerd unter dem Getrapp erdröhnt:165— Kojo vam je od Janoka bane?— Wer ist euch hier der Ban von Janok-Burg?nek izijgje na megdan junački,er mög heraus zum Heldenzweikampf rückenjă izijgje jă izmjenu najgje!entweder selber oder sein Ersatzmann!Pojgje bane na megdan izijći.Schon wollt heraus der Ban zum Zweikampf rücken,Ne dade mu Miloš Obiliću:doch hielt zurück ihn Miloš Obilić:170— Stani bane mili gospodare!— Halt ein, o Ban, mein teuerster Gebieter.tvoj je megdan, moje zaodivo;Der Kampf ist dein, doch mein die Kampfvertretung!ja ć Arapu na megdan izijći.ich will dem Araber im Plan erscheinen.Pa istjera debela alata.Und jagte hoch auf feistem Fuchs hinaus;Natjeraše jedan na drugoga.sie drangen einer auf den andern ein.175Arap trže pernu topuzinuEs schwang der Araber die Nagelkeulepa ošinu Miloš Obilića;und schlug drauf los auf Miloš Obilić,obori ga u zelenu travu,er warf ihn nieder auf den grünen Rasen,saveza mu na plećima ruke,er band ihm auf die Schultern fest die Hände,otjera ga u zemlju bugarskuer trieb ihn vor sich her ins Land Bulgarien180u tavnicu Mijoila kneza.fort ins Verliess des Fürsten Michaël.Malo vrime zu dugo ne biloNach kleiner Weile, wohl nicht allzulanger,al eto ti crne Arapine;der Schwarzaraber wieder war erschienen.Arap ciči, bedevija riče:Der Araber gröhlt, der Wüstenrappe brüllt:— Kojo vam je od Janoka bane?— Wer ist von euch der Ban von Janok-Burg?185nek izijgje na megdan junački,Er mög heraus zum Heldenzweikampf rückenja izijgje, ja izmjenu najgje!entweder selber oder sein Ersatzmann!Pojgje bane na megdan izijći,Schon wollt heraus der Ban zum Zweikampf rücken,ne dade mu Relja ot Pazara:doch hielt zurück ihn Relja vom Pazar:— Stani bane, mili gospodare!— Halt ein, o Ban, mein teuerster Gebieter!190tvoj je megdan, moje zaodivo!der Kampf ist dein, doch mein die Kampfvertretung!Pa istjera debela putalja.Und stürmt’ hinaus auf seinem feisten Mustang;Natjeraše jedan na drugoga.sie drangen einer auf den andern ein.Arap trže pernu topuzinuEs schwang der Araber die Nagelkeulepa udari Relju ot Pazara,und schlug drauf los auf Relja vom Pazar,195obori ga u zelenu travu,er warf ihn nieder auf den grünen Rasen,saveza mu na plećima ruke,er band ihm auf die Schultern fest die Hände,otjera ga u zemlju bugarskuer trieb ihn vor sich her ins Land Bulgarienu tavnicu Mijoila kneza.fort ins Verliess des Fürsten Michael.Malo vrime za dugo ne biloNach kleiner Weile, wohl nicht allzulanger,200al eto ti crne Arapine,der Schwarzaraber wieder war zur Stelle.Arap ciči, bedevija riče:Der Araber gröhlt, der Wüstenrappe brüllt;— Kojo vam je od Janoka bane?— Wer ist von euch der Ban von Janok-Burg?nek izijgje na megdan junački,Er mög heraus zum Heldenzweikampf rückenja izijgje ja izmjenu najgje!entweder selber oder sein Ersatzmann!205Pojgje bane na megdan izijći,Schon wollt ihm auf dem Plan der Ban erscheinen,ne dade mu Kraljeviću Marko:doch wehrt’ es ihm der Königsprosse Marko:— Stani bane, mili gospodare!— Halt ein, o Ban, mein teuerster Gebieter!tvoj je megdan, moje zaodivo!der Kampf ist dein, doch mein die Kampfvertretung!Dok mu Marko na megdan izijgje!Na, bis ihm Marko auf dem Plan erscheint!210Pa on zajmi debela šarina;Und tollte fort auf seinem feisten Schecken.natjeraše jedan na drugoga.Sie drangen einer auf den andern ein.Marko trže pernu topuzinuHerr Marko liess die Nagelkeule schwirrenpa ošinu crnu Arapinu.und niedersausen auf den Schwarzaraber.Kako ga je lako udarioWie gar so leichten Schlag er ihm versetzte,215pot sobom je šarca oborio,dass ihm der Schecken unterm Leibe stürzte,na njega se šarac pribacioder Schecke warf sich über seinen Reiterpa pritiśće Kraljevića Marka.und drückt’ zur Erd’ den Prinzen Marko nieder.Arap sjaši šafku bedevijuDer Araber stieg vom wilden Rappen abpa saveza Kraljevića Marka;und fesselte den Königsprossen Marko;220otjera ga u zemlju bugarskuer trieb ihn vor sich her ins Land Bulgarienu tavnicu Mijoila kneza.fort ins Verliess des Fürsten Michael.Malo vrime za dugo ne biloNach kleiner Weile, wohl nicht allzulanger,al eto ti crne Arapine.der Schwarzaraber wieder war zur Stelle.Arap ciči, bedevija riče,Der Araber gröhlt, der Wüstenrappe brüllt,225pod njima se crna zemlja trese.die Schwarzerd unter ihrem Trab erdröhnt:— Kojo vam je od Janoka bane?— Wer ist euch hier der Ban von Janok-Burg?nek izijgje ja izmjenu najgje!er mög erscheinen oder sein Ersatzmann!Pojgje bane na megdan izijći,Schon wollt ihm auf den Plan der Ban erscheinen,ne dade mu starina Navače:doch wehrt’ ihm Novak ab, der Heldengreis:230Stani bane, mili gospodare;— Halt ein, o Ban, mein teuerster Gebieter,dok mu stari na megdan izijgje!zuerst erschein’ ihm auf dem Plan der Alte!Bjeśjedi mu dijete Grujica:Da sprach zu ihm das Wort sein Kind Georgchen:—  moj babo starina Novače!— O du mein Vater Novak, Heldengreis,da mi svoje sablje razmjenimo!o lass uns wechseln unsre Säbel aus;235tvoja sablja od devet pedaljaneun Spannen misst dein Säbel in der Breite,a moja je ot četiri pedlja.vier Spannen bloss ist breit der Säbel mein.— A moj sine dijete Grujica!— Lass gut es sein, mein Sohn, du Jung-Georgchen!ako meni do nevolje dojgjeSollt ich in Leid und schlimme Lage fallen,lasno ćemo sablje razmijenit!leicht wechseln wir noch unsre Säbel aus.240Natjeraše jedan na drugoga,Sie drangen einer auf den andern ein,potegoše sablje ot pojasasie zogen blank die Klingen aus dem Gürtel,(ne tje stari perne topuzine)(der Alte wollte nicht die Nagelkeule)pa ošinu crnu Arapinu;er traf mit einem Hieb den Schwarzaraber,poviš pasa malo natfatio;erfasst’ ihn nur ein wenig oberm Gürtel;245kako ga je lako udarioso fein und leicht tat diesen Streich er führen,dvije pole u travu padoše.dass gleich zwei Hälften in den Rasen fielen.Opet Arap is travice viče:Und dennoch schreit vom Rasen der Araber:— Mol se Boga, starina Novače!— O preis nur Gott, du Heldengreis, o Novak!Marko mi je rebra polomioDie Rippen hat Herr Marko mir zerbrochen,250a ne bi me lako pogubio!sonst hättest du mich nicht so leicht zerstochen!Pa odoše u zemlju bugarskuNun zogen fort sie in das Land Bulgarienbjelu dvoru Mijoila kneza.zum weissen Hofe Michaëls, des Fürsten.Kako dojgje starina NovačeKaum kam Herr Novak hin, der Heldengreisodma razbi na tamnici vratasofort zerbrach die Pfort er am Verliesse255pa ispuśća sve tri pobratima.und machte frei der Wahlgebrüder drei.Svu kneževu rastjeraše vojsku,Des Fürsten Heer sie trieben auseinanderbijele mu dvore porobiše,und plünderten ihm aus die weisse Hofburg;pokupiše gotovinu blago,sie rafften all den baren Schatz zusammen,pogubiše dva njegova sina,sie töteten ihm seine beiden Söhne,260od zla roda nek nije poroda.von frevler Zucht, dass keine Frucht verbleibe.Oni kneza živa oguliše,Den Fürsten schunden sie lebendig ab.povedoše glavitu djevojkuSie führten mit sich weg das stattlich Mädchenpa odoše kroz zemlju bugarsku.und zogen durch das Land Bulgarien heim.Igje Marko, pjeva prit svatovma:Herr Marko singt voran dem Hochzeitzuge:265— Nejmakiše brez mutna oblaka— Ohn trübe Wolke gibt es keinen Regenni junaka brez starca Novaka!und ohn den alten Novak keinen Degen!Da ne bješe starina NovačeHätt Novak uns gefehlt, der Heldengreis,mi ostasmo sužnji u Bugarskoj!wir blieben Kerkerhäftling in Bulgarien!Da b u koga ne bi ni žalioWär’s noch bei wem, es tät nicht weh der Seele,270već u onog kneza bugarskoga!doch grad bei dem, beim Fürsten von Bulgarien!Pa odoše u Janoka grada.Nun zogen sie zur Janok-Burg zu Haus.Pilav čine tri nedilje dana.Drei Wochen währte wohl der Hochzeitschmaus.Erläuterungen.Das Lied sang mir am 24. Oktober 1885 mein Diener und ReisebegleiterMilovan Ilija Crljić Martinovićaus Gornji Rgovi in Bosnien vor. Von wem er das Lied »übernommen«, war ihm nicht mehr im Gedächtnisse. Er hatte es schon als Sauhirtlein gekannt, also ums Jahr 1850. In seinem Repertoir führt das Lied die Bezeichnung: Od Janoka ban u Bugarskoj i svat mu starina Novak (Der Ban von Janina in Bulgarien und dessen BrautbegleiterNovakder Heldengreis).Milovanwarums Jahr 1860 LeibpferdewächterOsman Pašasals dieser die Montenegrer bekriegte. Als dem Paša die Pferde »gestohlen« wurden, entzog sichMilovansamt Genossen durch Flucht einer Untersuchung des Falles. Er hielt sich bis zum AblebenOsman Pašasim Gebirge auf. Damals habe er, erzählte er mir, mehrmals in der Romanija planina inNovaksHöhle vor den Zaptijen (Schergen) Schutz gefunden. Er wollte auch mich hinführen, aber ich mochte nicht hin, weil mein vagabundenmässiges Gewand und Schuhwerk diese Tour durchs Walddickicht über Stock und Stein kaum bestanden hätten. Eine Novak-Höhle zeigte mir der greise Archimandrit von Banja an der Drina im Gebirge jenseits des Klosters in einem Grabsteinbruche. Das ist aber keine alte Räuberhöhle, vielmehr ein ganz gemeines, unhistorisches Loch im Sandstein, das die Steinmetzen ausgehöhlt hatten, um sich darin bei Regen und Unwetter zu bergen.Greise Haudegen, gleichgültig ob in der Epik oder in der Wirklichkeit, vonNestoran bis zum alten FlöhefeindStipurile, waren keine Dauerredner. Wer die frische, verwegene Tat zu vollbringen liebt, pflegt vielen Worten abhold zu sein. Berühmtheit ist jedoch mitunter im Leben, und öfter nach dem Tode ein Unsegen für den, der sie einmal erlangt hat und ihrer nicht mehr ledig werden kann. Wer sollte es für möglich halten, dass sich ein Serbe finden wird, der unterm Deckmantel des nationalen Patriotismus unserenNovak, den Heldengreis zum furchtbarsten, langweiligsten Schwätzer und Lügenbold, zu einem umgestülpten Gargantua umdichtern werde? Das Buch hat den Titel:Starine od starine Novakaili Tolkovanje Narodnjeg Pjevanja i Pripovjedanja. NapisaoJoksim Nović Otočanin. Izdala »Matica Srpska«. Neusatz 1867. S. 356. 8o. (Denkwürdigkeiten vom HeldengreisNovak[erzählt] oder Verdolmetschung der Volklieder und Volkerzählungen. Geschrieben vonJoksim Novićaus Otočac [in der Lika, Chrowotien]. Das Buch erklärt man für ein klassisches Erzeugnis serbischer Erzählungkunst. Es ist gut möglich, dass sichNovićconsueto more solcher serbischer und chrowotischer Literätlein selber die Reklame besorgt hat. Von einer Verdolmetschung oder Erläuterung der Volktradition ist in dem Buche nicht einmal eine Spur,Novićlässt den altenNovakbei Gelegenheit eines Taufschmauses und einer Verlobung im Hause eines Freundes bei Visoko in Bosnien seine Memorabilien aus dem Leben selig entschlafener Helden auskramen. Planlos und ziellos reihtNovakaus Guslarenliedern dürftige prosaische Berichte aneinander, entkleidet sie jeder poetischen Zutat und dichtet den Helden ungeheuerliche Schandtaten und himmelschreienden Frevel an, kurzum, nach der DarstellungNović-Novaksmüsse man die Serben für den Ausbund aller irdischen Niedertracht und Schlechtigkeit erachten. Eine blutrünstige Phantasie hatNovićgewiss, aber sie hat das eine mit den meisten Dampfluftschiffen gemein, dass sie sich über die Gipfel einer glatten Ebene nicht erheben kann. Seine Diktion ist zerhackt und gibt wohl ein Bild der bäuerlichen Ausdruckweise des Bosniers unserer Zeit. Von den sozialen und kulturellen Zuständen der Südslavendes XIV. Jahrhunderts besitztNovićkeinen blauen Dunst. Und das Bad mussNovak, der Heldengreis ausgiessen!Zu V. 5. gji mundartlich für gdi (gdje). Zu V. 6 mere für može, V. 99 sitru f. sitnu eine Spracheigentümlichkeit der Dorfbewohner vor Gornji Rgovi. Im V. 55 sagtMilovansopru für sofru; denn ihm fällt die Aussprache von f. schwer.Zu V. 51. ich habe sie geboren, dir hab ich sie geschenkt. Kraft seines väterlichen Mundschaftrechtes steht ihm unumschränkte Verfügung über die Tochter frei. Mein seliger Landsmann der HeiligeHieronymus Sophronius Eusebius(aus dem vierten Jahrhunderte) erzählt treuherzig in griechischer Sprache, er persönlich habe zu Alexandrien einen Pathicum gekannt, der schwanger geworden und einen unförmlichen Klumpen statt eines Kindes geboren. Das glaubt ihm kein serbischer Bauer, obgleich er, wie uns auch der V. 51 lehrt, ohne weiters einen Vater sagen lässt, dass er sein Kindgeboren. Er will damit natürlich den gewöhnlichen Hergang des Geborenwerdens von einer Mutter nicht abläugnen, sondern lediglich dasVaterrechthervorheben, demzufolge der Vater alles, die Mutter nichts gilt. Unsere Helden töten zum Schluss die beiden Söhne des FürstenMichaël, um dessen Geschlecht mit Stumpf und Stil auszurotten, aber es fällt ihnen nicht im Traume ein, dass aus der Ehe des Bans von Janok mit der geraubten Fürstentochter dem geschundenen Fürsten Enkel entspriessen könnten. Die Prinzessin scheidet mit dem Eintritt in des Bans Stamm gänzlich aus dem väterlichen Geschlechterverbande und ihre Kinder gebiert der Ban, ihr Herr und Gebieter über Leben und Tod. Das Recht des Stärkeren hat eine zwingende Logik, es tut auch der Sprache Gewalt an. Ich durfte hier der Spur des Serben nicht folgen, weil man meine Verdeutschung ohne Kommentar nicht verstanden haben würde; darum erlaube ich mir etwas anderes einzusetzen, um den Leser nicht aufzuhalten.Zu V. 60 irrtümlich bane für kneže und im V. 70 banova statt kneževa. Sprechversehen sind nicht selten in Guslarenliedern. Quandoque et bonus dormitat Guslarus. Ich ändere selbst Derartiges nicht in meinen Texten. Die interpolierten 2 Zeilen Gedankenstriche im Texte nach V. 60 und die Einschaltung in der Verdeutschung sind von mir. Ohne die gedachte raubritterliche Pantomime wäre die Szene kaum verständlich.Zu V. 63. Die Frage ist am Platze; denn der Bräutigam kann von vornherein nicht wissen, wie viel Leute der Fürst in der Lage sei, gastlich frei zu halten. Der Fürst wünscht sich Städter, friedliebende Leute, zu Gästen, die auch bei Geld sind und sich selber etwas kaufen, anstatt den Gastgeber auszusacken und arm zu fressen. Die Braut freilich gibt dem Wunsche eine davon verschiedene Deutung.Zu V. 62. in der zweiten Woche, d. h. nach 15 (14 + 1) Tagen. Trifft der Bräutigam bis dahin um die Braut nicht ein, wird der Handel, die Verlobung von selbst rückgängig.Zu V. 71. Halblaut sprechen ist nach osmanischen Anstandbegriffen die Art feingebildeter Leute. Das Fräulein redet hier aber auch aus Vorsicht leise.Zu V. 78. Bŏje, d. i. Stockwerke der Häuser. Holzbauten kann man auseinanderlegen und an einem anderen passenden Orte aufstellen. Der Unterbau aus Stein ist unverkäuflich.Zu V. 94. In serbischen Guslarenliedern öfters: bugari su stare varalice, d. h. Bulgaren haben es faustdick hinter den Ohren. Statt Bugari sonst Latini Lateiner (Venezianer). Solche Schmeicheleien sagen einander Nachbarvölker gernnach. Man lese darüber das treffliche Werk: Blason populaire de la France parH. Gaidoz et Paul Sébillot. Paris 1884. XV, 382 und dazuSébillotsNachtrag: Blason populaire de la Haute-Bretagne 38 S. Tragisch sind solche Aussprüche nicht zu nehmen.Zu V. 100. Die Besorgnis ist unbegründet, dass uns der Guslar etwa tausendmal denselben Brief zum Besten gegeben hätte, wenn der Ban 1000 Gäste eingeladen. Selbst bei grossartigen Einladungen nennt der Sänger nur die ersten Würdenträger und Führer namentlich, doch meist um deren Aufzug späterhin beschreiben zu können.Zu V. 100 ff. Über den PrinzenMarkogibt es sowohl in der serbischen als der deutschen und russischen Sprache schon eine stattliche Literatur. Heil dem Manne, der sie nicht zu lesen braucht. Hübsche Charakteristiken der bulgarischen Überlieferung gabG. Popovim Sbornik za narodni umotvorenija, Sofija 1890. (Blgarskite junaški pesni) Bd. III1, S. 247 ff.Zu V. 139. Das Lob bezieht sich ausschliesslich auf den Alten. Er zieht als »stari svat« als der Oberordner des Hochzeitzuges und Proviantmeister mit, seinen Weisungen muss jedermann gehorchen, selbst Braut und Bräutigam und deren Eltern.Zu V. 145. Kojo für koje je ovo (welches ist allda, hier), kojvo.Zu V. 171. Zaodivo, Gang für einen anderen. Das Wort noch in keinem Wörterbuch.Zu V. 218 šăfku in der Verdeutschung nicht wiedergegeben. BeiMilovanöfters, kommt noch in den Wtb. nicht vor. Ich vermute ein ursprüngliches türk. čapkun, ein Pferd, dessen Gangart der Galopp ist. Das bosnische Bauernpferd ist an den langsamen Passgang gewöhnt.Milovankannte die Bedeutung des Wortes nicht. E tako sam primio (ja, so hab ich’s überkommen), pflegt er in solchen Fällen zu sagen.Zu V. 235 ff. Solche riesige Aufschneidereien sind in Guslarenliedern nicht spärlich. Man denke sich die kolossale Länge zu einem neun Spannen breiten Schwerte!Grujomeint, der Säbel dürfte dem alten Vater doch etwas schwer fallen und darum bietet er ihm seine leichte Klinge an. Die ist bloss vier Spannen breit und wahrscheinlich nur zwanzig Ellen lang. Solche Einschaltungen gehören zum dichterischen Aufputz der Guslarenlieder.Zu V. 242. Der Alte wollte die Nagelkeule nicht beschmutzen. Es verlohnt sich ihm gar nicht, gegen einen so geringen Gegner mit einer so wuchtigen Waffe auszuholen. Nach einem Guslarenliede wog der Apfel vonNovaksSchlachtkeule 120 Litren Eisen.Zu V. 261. Unter oguliti (schinden) ist hier lediglich die Amputation der Ohren, der Nase, der Finger, Zehen und des Zumptes zu verstehen. Über altsüdslavische Strafen vrgl. meinen Kommentar zu KönigMathiasundPeter Gérébin den Ethnolog. Mitl. aus Ungarn, Bd. III. In unserem Sonderfalle nahmen die Helden, wie nach Kriegbrauch, wohl die abgeschnittenen Leibteile als Siegzeichen mit, um sie daheim vorzuzeigen.Zu V. 272. Die Hochzeitfestlichkeiten dauern sonst nur zwei Wochen, diesmal vergönnten sich die Herrschaften noch eine dritte gute Woche. In Slavonien darf nach behördlicher Verfügung kein Hochzeitschmaus länger als 2 Tage währen; denn das Bauernvolk richtete sich durch den üblichen Aufwand bei Hochzeiten wirtschaftlich zu Grunde.1Ich veröffentlichte es inT. R. GjorgjevićsMonatschrift Karadžić. Aleksinac 1902.2Das prächtige Guslarenlied ward am Folklore-Kongress zu Chicago 1893 verlesen und ist im Sammelbande des Kongresses erschienen.3In einer Wählerversammlung in Brod a. d. Save, hörte ich im Sommer des Jahres 1885 den Landtagkandidaten Pfarrer Š. sagen: die Steuern sind eine Erfindung der Magyaren. Mit unserem Gelde erbauen sie für sich in Budapest Paläste. Auf die Anzeige des Polizeikommissärs hin, bekam der Redner drei Monate Klosterarrest gerichtlich zugesprochen.4Orlović, Der Burggraf von Raab. Ein mohammedanisch-slavisches Guslarenlied aus der Hercegovina. Freiburg i. Br. 1889. S. 32–35 und dazu in den Erläuterungen S. 96 f.5Gruzinskij izvod skazanija o Sv. Georgij. Moskva 1892.50 S. In den Vorlesungen der Kaiserl. Gesellschaft für Geschichte und russische Altertümer an der Moskauer Universität. — Die wissenschaftlich gründliche Arbeit lieferte aberEdwin Sidney Hartland,The Legend of Perseus. A study of tradition in story custom and belief.Vol. I, 1894, S. 228; II, 1895, S. 445; III, 1896, S. 225. London, Alfred Nutt.

Novak der Heldengreis.

Für »Oberhaupt« oder »Befehlhaber« hat die serbische und bulgarische Sprache das Wortstarešina. Es bezeichnet einen Alten oder im allgemeinen einen älteren Mann von gesetzten Jahren. Ehrfurcht, Achtung, Ehrerbietung dem Alter gegenüber sind anerzogene, aufgezwungene Begriffe. Bei den Südslaven erklären sie sich einfach und klar aus der altüberkommenen Stammorganisation und den geschlechterrechtlichen, gesellschaftlichen Verhältnissen. Es wäre vom Überfluss dies hier des Näheren zu erörtern. Übereilt wäre jedoch die Annahme, dass der Südslave dem Alter an und für sich grosse Verehrung zolle. NurdenAlten ehrt und schätzt man, der als Mann in der besten Lebenskraft seinen Mann gestellt und noch als Greis Achtung verdient. Die Erfahrungen eines langen Daseins erscheinen den Jüngeren als ein wertvoller Besitz, als ein köstlicher Ersatz für dahingeschwundene leibliche Rüstigkeit und Stärke. Wenn nun ausnahmweise trotz der Betagtheit Geist und Leib männliche Frische bewahrt haben, beugt sich der südslavische Bauer vor dem Begnadeten wie vor einem Wunder, wie vor einem auserlesenen Wesen. Solche Greise besingt das Volk und feiert sie noch nach Jahrhunderten.Brez starca nema udarca, »Ohn Alten gibt es keinen Angriff«, sagt das Sprichwort, das unzweifelhaft mit Hinblick auf greise, in Guslarenliedern verherrlichte Helden entstanden sein dürfte. Es gab solcher Helden oder richtiger, die mythenbildende Volkphantasie schuf sich welche, um einem bestimmten Empfinden und Gefühl der poetischen Eingebung gerecht zu werden.Jug Bogdan, der altehrwürdige Greis, der Schwiegervater des KaisersLazar, zieht mit allen seinen neun Söhnen in die Schlacht auf Leitengeben (Kosovo) und findet mit den Seinigen im Schlachtgewühl den Tod. Mehr und anderes weiss das Guslarenlied von ihm nicht zu künden. Von einem anderen alten Herrn, dem StariStipurile(der alte Steffel) erzählt ein Lied meiner Sammlung.1Stipurilesfeste Burg stand irgendwo im dalmatischen Küstengebiet. Einmal traf es sich, dass seine Söhne und Eidame mit ihren Reisigen auf Abenteuer über den Karst ins Türkische ziehen sollten, um Vergeltung zu üben. Ohne den Altenmochten sie nicht aufbrechen. Gerüstet und kampfbereit, wie sie waren, eilten sie in die Weinberge zum Alten und trafen ihn, dem edlen Waidwerk ergeben:gje on buve po košulji ganja»wie er im Hemd herum die Flöhe hatzt.«Unverweilt unterbricht der Greis seine kurzweilige, kleinliche Beschäftigung, legt sich die schwere Rüstung und die Gewaffen an, und führt seine Mannen und Knappen zum Sieg ins feindliche Land.Ein vielgerühmter greiser Held der moslimisch-slavischen Guslarenlieder istĆejvan aga dedo(Ćejvan der greise Herr). Er zählt 80 oder gar 130 Jahre:es klappern ihm des Kinnes leere Laden,zum Teufel ist sein letzter Zahn geflogen,doch der Alte ist noch immer der erste und wackerste Held.Mustaphader Schmerbauch unternimmt mit seinem BruderHalildem Falken, mitSušavon Posušje und mitTaledem Schalknarren, samt Gefolgschaft einen Raubzug ins Dalmatische. Der greiseĆejvanmuss mit, dennbrez starca nema udarca. Im Hochwald lagern sich die Ritter und die Rotten unter Tannen zur Rast. Man tat sich gütlich an Wein und Braten — im Quorân steht ja nicht, dass bosnische Moslimen keinen Wein trinken dürfen —, bis sich behagliche Stimmung einfand. Sprach nichtHalil, der Jüngling, jetzt wäre es am schönsten, hätte jeder Held ein holdes Mädchen zum Kosen unterm Tann auf weichem Rasen. UndĆejvanhub an die Wunder der Welt zu preisen, und schloss wie ein verliebter Schäfer seine weisen Betrachtungen über das Weltall mit den Worten: »das allerschönste bleibt und ist ein schönes Mägdlein!« Die gesamte Zuhörerschaft lachte vergnügt dazu, nurMustaphafing an zu höhnen: »Was soll einem Greis ein Mädchen frommen? Alte Knochen, schwache Arme. Weh dem Mädchen in des Greisen Armen!« Darob ergrimmteĆejvan, undHalilfuhr auch wild auf. Sie kündigten auf der StelleMustaphadie Freundschaft, und ihnen schlossen sich die besten Kämpen an. Sie stiegen hinab ins Küstenland und führten einen blutigen Kampf gegenŠimun BreuljaundSmiljanić Ilija. Die Gelegenheit machte sichMustaphazu Nutze und plünderte inzwischen ungestörtŠimunsWarte und raubte dessen Ehegemahlin2.OhneĆejvanunternahmen die Moslimen keinen Raubzug. Er war überall dabei und flösste den Gegnern Schrecken ein. Zuweilen schmähten und schalten ihn die Kampfgenossen, indem sie ihm seine Um- und Vorsicht für Feigheit auslegten, aber er wusste besser Bescheid und guten Rat. Held sein ist ein lebengefährlicher Beruf.Der vornehmste und anerkannteste Heldengreis ist jedochNovakund mit ihmGrujica, sein Sohn, beide so unter den Südslaven, als auch unter den Rumänen unbestrittene Grössen.Wer einmal in den Ruf eines Helden oder eines Heiligen gelangt, wird bei steigender Beliebtheit zum Hauptträger so mancher alten Sagen und Legenden. So tritt uns z. B. auchNovakin der Volküberlieferung in den mannigfachsten Rollen und Situationen entgegen, sowohl in der eines Drachentöters als letzlich auch in der eines bosnischen oder rumänischen Buschkleppers. In der epischen Volkpoesie stört solch geschichtwidriges Neben- und Durcheinander nicht.Novakist kein Bosnier, nicht einmal ein Serbe, vielmehr gleich dem PrinzenMarkoundReljavom Pazar ein Bulgare; wohlgemerkt, gab es natürlich am Ausgange des 14. Jahrhunderts, in der Blütezeit jener Herren, noch keine nationale Frage, und daher erscheint die Nachforschung nach der nationalen Zugehörigkeit unserer Helden als ausserhalb einer wissenschaftlichen Erörterung und völlig unstatthaft.Novak(novus, der Neue) war des Helden Vorname, sein Beiname (nach bulgarischer epischer Überlieferung) Herr von der Burg Klisura (irgendwo bei Vakarel Ichtiman); sein SpitznameDebeljak(Dickwanst). Sein Bruder hiess nach den serbischen Guslarenliedern Radivoj und der SohnGrujo(Georg).Klisura, griechischLitharisaist ein im bulgarischen Gebiet häufig vorkommender Namen auf Felsen erbauter Burgen, für den Serben dagegen istklisuranur einestudena stijena, der kalte Felsen. Wenn nunNovakin einem kalten Felsen haust, befindet sich wohl im Gestein eine Höhle. Also erniedrigte erst die serbische Sprache und Sage den alten, greisenNovakzum Höhlenbewohner. Eine Sage gebiert die andere. Was mag den fürtrefflichsten aller Kämpen zur Flucht in die Einöde bewogen haben? Die Sage macht dafür schlankweg »die verfluchte KöniginJerina« (prokleta Jerina) verantwortlich. Diese, im übrigen recht harmlose Dame, hauste in Zvornik oder auf der Veste von Srebrnica in Bosnien. Statt der Zugtiere liess sie Menschen vor den Pflug spannen und heischte vom Volke hohe Steuern. Das Steuerzahlen war aber bei den Serben nicht einmal in der epischen Epoche ein beliebter Sport. Bei den Chrowoten und Serben verspricht fast jeder Parlamentkandidat in seiner Programmrede den versammelten Wählern gänzliche Aufhebung aller Grundsteuern und Abgaben, oder zum Mindesten deren Abwälzung auf die Juden3. Das packt. AuchNovakentschloss sich, sein Volk zu befreien, und:odmetnu se Novak u hajduke»ins Räuberleben schlug sichNovakfort«.Dort in der Felswand lässt ihn mit seinem Sohne und dem Gefolge das Volk hausen und von Zeit zu Zeit auf Abenteuer ausgehen. Wenn irgend etwas Grosses in der Welt vorfällt, laden die übrigen Helden gern den alten, achtzigjährigen Haudegen zur Teilnahme am Zuge ein. Im Guslarenlied ist der greiseNovakimmer volle achtzig Jahre alt. Was Wunder, wenn sichNovakauch einmal in der ehrwürdigen Rolle desPerseuszeigt, derAndromedaaus des Drachen Gewalt befreit. Davon handelt unser Lied.UnsereAndromedaist namenlos, ihr Vater ist nicht mehr KönigKepheussondern der BulgarenfürstMichaël. Bulgarien ist für den bosnischen Guslaren ein weit entferntes Land, über dessen Lage und Bevölkerung er und seine Zuhörer fabelhafte Vorstellungen hegen. Das ist kein rechter Held ersten Ranges vor den Guslaren, der nicht schon den Drachen einmal getötet und die holde Maid erlöst hat. PrinzMarkoundRelja,Mustaphavon Kladuša undOrlovićder Burggraf von Raab haben den Kampf glanzvoll bestanden, also auchNovakmusste drankommen; denn:nema kiše brez mutna oblakani junaka brez starca Novaka!»ohn trübe Wolke gibt es keinen Regenund ohn den alten Novak keinen Degen!«In einem anderen Guslarenliede besiegt PrinzMarkounter MithilfeReljasmit den Flügeln, einem Rufe der hartbedrängten Bevölkerung von Janina folgend, den Drachen vom See (Pambotis) und tötet bei der Gelegenheit den albanesischen HeldenMusa kesedžija(Mustaphaden Beutelschneider, Strauchritter) und dessen GesellenGjemo Brgjanin(Gjemoden Älpler). Der Drache (blôr, blavor) war eine 12 Ellen lange Schlange, die sich mit jungen Mädchen und Burschen zum Futter begnügte. In ihrem aufgesperrten Rachen konnte bequem ein fetter Mastochs Unterschlupf finden.Markoerwischt den fliehendenMusajust vor den Toren Litharisas und macht ihm undGjemoden Garaus.Das ist die Örtlichkeit unseres Guslarenliedes. Die Fabel klingt nur etwas anders, etwas modernisiert. Der Gebieter (Ban) der Burg von Janina (Janok) freit um die Prinzessin von Bulgarien. Der Fürst kann sie ihm nicht ohne weiteres überlassen; denn er weiss, was er seinem Drachen schuldig ist. Der Ban von Janok holt sichdannunter BeistandNovaksund anderer Helden die Braut ab, nachdemNovakdas Ungeheuer glücklich getötet. Die Fabel erscheint hier ins Serbisch-ritterliche übersetzt und der märchenhaft grellen Szenerie einigermassen entkleidet. Der Drache hat menschliche Gestalt angenommen und sitzt als schwarzer Araber hoch auf einem brüllenden Beduinenrappen. Sonst erfreut sich der Schwarzaraber des Besitzes dreier Köpfe, wie z. B. der, mit dem meinOrlovićeinenStrauss ausgefochten4; von rechtswegen müsste er als Drache siebenköpfig sein. In unserem Liede ist der Araber bloss einköpfig, dochsiebenBräutigame und deren Gefolgschaften hatte er ums Leben gebracht. Ein bulgarisches Guslarenlied erzählt uns des näheren vom Aussehen des Arabers und es empfiehlt sich die kurze Schilderung hier zu wiederholen, um unser Lied damit erläuternd zu ergänzen, auf dass man begreife, was für wackerer Degen sein Besieger,Novakder Heldengreis, gewesen.Ein Brautgeleite zog mit der Braut durchs Hochgebirge, da plötzlich:Ostreka i edna strašna beda,ein furchtbar Ungetüm begegnet ihnen,strašna beda hala-haletina,ein furchtbar Ungetüm, ein grauser Drache,haletina cŏrna Arapina!der Drache war ein schwarzer Araber!Dolna usta na gŏrde mu bie,Die Unterkiefer schlägt ihm auf die Brust,gorna usta v čelo go udara;die Oberkiefer stösst ihm an die Stirne;glava mu kolku dva tŏpana,an Umfang gleich sein Haupt ist zweien Trommeln,oči ima kolku dve panici;gleich zweien Tellern gross sind ihm die Augen;usta ima kolku mala vrata,sein Mund so gross wie eine kleine Haustür,zŏbi ima četiri dikani,vier Pfähle dienen ihm im Mund als Zähne,nodze ima Solunski direci.als Füsse wohl aus Salonichi Balken.Koga klapat taja pusta usta,So oft er aufreisst diesen wüsten Rachen,dur ot usta ogin isfŏrljuva,speit Feuerflammen aus dem Rachen er,dur na gora listovi obliva.bedeckt mit Geifer er das Laub vom Hochwald.Es ist allgemein bekannt, dass diePerseus-Andromeda-Sage als christliche Legende vom hl.Georg, dem Drachentöter, eine Verjüngung und Verklärung erfahren hat. Sie ist in der besonderen christlichen Fassung auch bei den Südslaven einheimisch. Ein solches Stück veröffentlichte ich inPitrésArchivio per le tradizioni popolari Vol. IX, Palermo 1890, unter dem Titel:Le afflizioni di Trojano. Canto dei guslar della Bosnia(223 Verse nebst Einleitung und Randbemerkungen). Schön hat A.Chachanovdiesen Sagenstoff mit Hinblick auf die grusinische Überlieferung besprochen5.Unser Guslarenlied vonNovakdem Heldengreis hat auch eine historisch-pragmatische Bedeutung wegen der darin genau angegebenen Zeit, wann sich die Begebenheit zugetragen. Die chrowotischen Geschichtforscher jener Art, deren ich in den Böhmischen Korallen aus der Götterwelt gedacht, wären überglücklich, wenn sie so sichere Angaben über den Tag und das Jahr der Geburt und des Ablebens des unendlich gepriesenen nationalen KönigsZvonimir, des grossen Unbekannten, überliefert bekommenhätten.Novakbesiegte nämlich den Schwarzaraber in jenem Jahre als am 24. April, d. h. am Georgitage, ein solcher Schnee einfiel, dass die Kinder auf den Strassen Schneeball spielten. Im Jahre 1894 am 7. Juni morgens erlebten wir Wiener ähnlich ein märchenhaftes Hagelwetter. In den breitesten Strassen blieben stundenlang schwere Lastwagen im Eise stecken. Wer es nicht mit angesehen, glaubt es nicht. Der Guslar mag immerzu scherzend erzählen, dass sich seine Geschichte damals ereignet habe, als zu St. Georgi ein Schneefall eintrat, ich will zum Trotz gerade dies Geschehnis für wahr und das übrige nur für eine slavische Variante derPerseus-Andromeda-Sage halten, die zu Ehren des achtzigjährigenNovakerfunden und erdichtet ward.Kat se ženi od Janoka baneDer Ban von Janok ging auf Freierfüssen;na daleko čuo za djevojku,vernahm von einer Maid in weiter Fremde,čuo bane u zemlji bugarskojder Ban vernahm, im Lande der Bulgaren,u onoga bugarskoga kneza,die Tochter wär es vom Bulgarenfürsten;5gji je prose mloge mušterijeum ihre Hand dass viele Freier freien,a nitko je odvodit ne mere.doch keiner wär im Stand sie heimzuführen.On opremi sebe i gjogata;Da rüstet er sich selbst und seinen Falben,ode bane u zemlju bugarskuund fort ins Land Bulgarien zog der Banbjelu dvoru bugarskoga kneza.zum weissen Hof des Fürsten von Bulgarien.10Dobro ga je kneže dočekavoFürtrefflich ihn der Fürst empfangen tat,a iznio pivo i jidivoer liess herbei Getränk und Speisen schaffen,pa śjedoše ladno piti vino.dann setzten sie sich kalten Wein zu trinken.Odma bane zaprosi djevojke.Der Ban hält unverweilt ums Fräulein an.Kneže šuti, ništa ne bješjedi,Der Fürst, der schweigt, er spricht kein einzig Wörtchen,15nit je daje nit mu je ne daje.er sagt nicht zu und sagt ihm auch nicht ab.Ražljuti se od Janoka baneDarob geriet in Zorn der Ban von Janokpa on snijgje do gjogata svogaund stieg hinab zu seinem falben Läuferpa uzjaši debela gjogata;und schwang hinauf sich auf den feisten Falben;ode bane kroz zemlju bugarskudahin durchs Land Bulgarien zog der Ban,20u Janoka bijeloga grada.dahin zu seiner weissen Burg von Janok.Sve dan po dan godinica dana.So Tag an Tag ergab ein Jahr an Tagen.Kada bješe o Jurjevu danu,Als um die Zeit des Sankt Georgitagessnijeg pade o Jurjevu danu,ein Schneefall eintrat am Georgitage,grudaju se djeca po sokacim,Schneebälle warfen Kinder auf den Gassen,25jedno drugog grudom udarilo,das eine traf das andre mit dem Schneeball,zajmiše se djeca nis sokake:entlang den Gassen jagten sich die Kinder:— Stani kurvo, njesi pobjegnulo— Na, wart du Dirn, du Ding wirst nicht entwischenna sramotu ko banu djevojka!zu Schimpf und Schande wie dem Ban das Bräutchen!To dočuo od Janoka baneDer Ban von Janok das Geschrei vernahm,30pa svu sebi djecu pokupioberief zu sich die Kinder allesamtpa dobro je djecu darovao,und tat die Kinder gar beschenken reichlich,svakom djetu po žut dukat dade.jedwedes Kind mit einem Golddukaten.Pa opremi debela gjogata;Drauf rüstet er den feisten Falben aus;ode bane u zemlju bugarskuins Land Bulgarien zog der Ban von dannen35bjelu dvoru bugarskoga kneza.zum weissen Hof des Fürsten von Bulgarien.Na avliju natjera gjogata,Er trieb den Falben nach dem Burghof hin,na avliji zatvorena vrata.doch war vom Hofe wohl das Tor verschlossen.Bane trže pernu topuzinu,Den nägelreichen Kolben schwang der Ban,stade lupat na avliji vratahub an damit aufs Hoftor loszuhämmern40a on kneza po imenu vikat:und rufen auch beim Namen an den Fürsten:— Kurvo jedna, Mijoile kneže!— Du eine Metze, Michaël, du Fürst,izlaz kurvo na megdan junačkizum Heldenzweikampf komm heraus, du Metze,ja izvodi glavitu djevojku!wo nicht, so führ heraus das stattlich Mädchen!Kada kneže poznavao banaSobald als da der Fürst den Ban erkannte,45ondar sletje vratma i avlijiflog er behend zum Tor und Hof hinabpa otvori na avliji vrata:und öffnete das Einlasstor des Hofes:— Aman bane mili gospodare!— Verzeihung Ban, mein teuerster Gebieter!odjaš bane debela gjogata,steig ab, o Ban, von deinem feisten Falben,ajde sa mnom u bijele dvore!komm in den weissen Hof mit mir hinauf;50Ja ću tebi curu pokloniti,ich werde zum Geschenk die Maid dir machen,ja rodio, tebi poklonio.so wahr ich sie gezeugt, ich schenk sie dir!Ban odjaši debela gjogata.Da stieg der Ban vom feisten Falben ab.Vjerne sluge konja odvedoše,Die treuen Diener führten fort den Renner,kneže bana u bijele dvore;der Fürst den Ban in weisse Burggemächer;55za punu ga sopru posadioer pflanzt’ ihn hin zur reichbesetzten Tafel;pa śjedoše ladno piti vino.sie huben an, dem Kühlwein zuzusprechen.Tri bijela pridaniše dana.Drei weisse Tage tagten sie selbander.Kat četvrti danak osvanuoAls dann des vierten Tages Morgen graute,ondar bane zaprosi djevojke:bewarb der Ban sich um des Mädchens Hand:60— Ak neš bane poklonit djevojku!»Wenn du mir, Fürst, die Maid nicht schenken magst!«(Er schwingt den Streitkolben gegen den Fürsten, der zu Tod erschrocken und sprachlos mit Hand und Kopf zustimmend, seine Schenkfreudigkeit äussert.)Ondar bane bjeśjedio knezu:Dann weiter sprach der Ban zum Fürsten noch:— Kaću kneže sa svatovma dojći?— Wann darf ich, Fürst, mit dem Geleit erscheinen?koliko ću dovesti svatova?Wie viel Geleitgefolge soll ich führen?— Povedi mi iljadu svatova,— Bring mir eintausend Hochgezeiter mit,65sve knezova, prvije kmetovanur lauter Schulzen, reiche Lehenbauerni povedi svate varošane.und bring zu Hochgezeitern Städter mit.Ajde bane u drugu nedilju!Erscheine, Ban, mir in der zweiten Woche!Pojgje bane od Janoka grada.Der Ban von Janok brach nun auf zur Heimkehr.Kad istjera konja na avliju,Als hoch zu Ross er in den Hof gejagt,70na avliji banova djevojka,befand sich in dem Hof des Fürsten Fräulein,ona banu tio bjeśjedila:sie sprach mit leisen Lauten so zum Ban:— Gospodine od Janoka bane,— Mein edler Herr und Ban von Burg zu Janokšta no tebi babo bjeśjedaše?was hat mein Vater wohl zu dir gesprochen?— Bjeśjedaše Mijoile kneže— Fürst Michaël, der hat zu mir gesprochen:75da povedem svate varošanezu Hochgezeitern soll ich Städter bringeni knezove i prve kmetove.nur lauter Schulzen, reiche Lehenbauern.— Šta će babi svati varošani?!— Was sollen Städter-Hochzeitleut dem Vater?!Ne će babo boje prodavati!er will doch keine Hofgelass’ verkaufen!I knezovi i prvi kmetovi?!dann, lauter Schulzen, reiche Lehenbauern?!80Ne će babo zemlje dijeliti!will denn der Vater Länderei’n verteilen?A zâr ne znaš od Janoka bane,Ja, blieb dir unbekannt es, Ban von Janok,sedam sam se isprosila puta,dass siebenmal als Braut ich ward erworbensve sedam sam povogjena puta;und siebenmal als Braut die Reise machte?a moj babo, da od Boga najgje!Jedoch mein Vater, mög es Gott ihm lohnen,85sve sedmere svate oglobio,brandschatzte all die sieben Brautgefolge,pogubio sedam gjuvegija,er bracht ums Leben sieben Bräutigamemlogo pusto nasipao blago.und häufte viel an eitlen Schätzen auf.I tebe će bane pogubitiEr wird auch dich, o Ban, ums Leben bringen,a i tvoje svate oglobitibrandschatzen wohl auch deine Hochgezeiter,90a i tvoje blago ustaviti.auch deine Schätze sich zurückbehalten.Ako misliš mene odvoditiWofern du heimzuführen mich vermeinst,dera kupi pod izbor junake.traun, sammle lauter auserwählte Helden!Pa se čuvaj kroz zemlju bugarsku,Und nimm in Obacht dich durchs Land Bulgarien,Bugari su stare varadžije,Bulgaren sind ja altverschlagne Schelme,95dokle sada na gjogatu projgješdass dich, indes du hoch zu Falben durchziehst,da te koji džidom ne opali!nicht einer mit dem Wurfspiess arg versenge!Ode bane kroz zemlju bugarsku.Durchs Land Bulgarien zog nach heim der Ban.Kada dogje u Janoka grada,Als heim er in die Burg von Janok kam,ondar śjede, sitru knjigu pišeda schrieb er ohn Verzug ein zierlich Schreiben100pa je šalje Kraljeviću Marku:und übersandt es an den Prinzen Marko:»Eto knjiga dragi pobratime!»Allhier ein Schreiben, teuerer Herzensbruder!Hajde meni Marko u svatove.Erschein zu meinem Brautgeleite, Marko,Nemoj vodit svata nijednoga.bring keinen Hochgezeiter weiter mit;Ja sam brate curu isprosio,ich hab mir, Bruder, eine Braut erworben,105isprosio u zemlji bugarskoj.erworben bass im Lande der Bulgaren.Bugari su stare varadžije«.Bulgaren sind ja altverschlagne Schelme.«Drugu piše Miloš Obiliću:An Miloš Obilić ein zweites Schreiben:»Ajd Milošu meni u svatove!»Erschein zu meinem Brautgeleite, Miloš!Nemoj vodit svata nijednoga.bring keinen Hochgezeiter weiter mit;110Ja sam brate curu isprosio,ich hab mir, Bruder, eine Braut erworben,isprosio u zemlji bugarskoj.erworben bass im Lande der Bulgaren.Bugari su stare varadžije«.Bulgaren sind ja altverschlagne Schelme.«Treću piše Relji ot Pazara:An Relja vom Pazar ein drittes Schreiben:»Ajde Relja meni u svatove.»Erschein zu meinem Brautgeleite, Relja!115Nemoj vodit svata nijednoga.bring keinen Hochgezeiter weiter mit;Ja sam brate curu isprosio,ich hab mir, Bruder, eine Braut erworben,isprosio u zemlji bugarskoj.erworben bass im Lande der Bulgaren.Bugari su stare varadžije«.Bulgaren sind ja altverschlagne Schelme.«Kada bješe u oči nediljeAls es gerad vor Sonntag Abend war,120al eto ti Kraljevića Markader Königsprosse Marko kam dahera za Markom Miloš Obilića,und gleich nach Marko Miloš Obilić,za Milošem Relje ot Pazara.nach Miloš folgte Relja vom Pazar.Dobro ji je dočekao bane;Fürtrefflich sie der Ban empfangen tat,konje vodi u tople podrumedie Rosse führt er in die warmen Keller,125a junake u bijele dvore;die Ritter in die weissen Burggemächerza punu ji sopru posadiound pflanzte sie an reichbesetzte Tafel.pa śjedoše ladno piti vino.Sie huben an am Kühlwein sich zu laben.Kad u jutru jutro osvanulo,Am Morgen als der Morgen angebrochen,dobre svoje konje opremišeda rüsteten sie ihre guten Renner130pa pojgjoše od Janoka grada.und zogen fürbass aus der Burg von Janok.Putovaše i dva i tri dana.Am zweiten oder dritten ReisetageKada biše kroz goru zelenuals sie im grünen Hochwald sich befandenkraj stijene starine Novaka,dem Felsen nah des Heldengreises Novak,ondar reče Kraljeviću Marko:da sprach das Wort der Königsprosse Marko:135— Gospodare od Janoka bane,— O mein Gebieter, Ban von Janok-Burg,da s vratimo starini Novaku,zum greisen Novak lass uns Einkehr halten,da zovnemo njega u svatove;damit wir ihn zur Hochzeit laden ein,nek povede svog sina Grujicu,er führe mit Georgchen seinen Sohn;jer brež njega pouzdanja nejma!denn sonder ihn ist kein Verlass aufs Glück!140Pa s vratiše studenoj stijeni.Sie hielten Einkehr in die kalte Höhle.Bane starog zove u svatove.Zur Hochzeit lud der Ban den Alten ein.Bjeśjedi mu starina Novače:Zur Antwort ihm der greise Novak gab:— Gospodine od Janoka bane!— O mein Gebieter, Ban von Janok-Burg!Ja ne mogu u svatove pojći,Zur Hochzeit kann unmöglich mit ich ziehen,145jêr ja groša ni dinara nejmamdenn keinen Groschen noch Denar besitz ich,pa s ne mogu spremit u svatove;und kann mich nicht zur Hochzeit rüsten ausjêr znaš bane mili gospodare,Du weisst ja, Ban, o teuerster Gebieter,da ja nejmam kuće ni kućišta,dass weder Haus ich noch Gehöfte habe;kuća mi je studena stijena.fürs Heim mir hilft die kalte Felsenhöhle.150Kada bane čuo lakrdiju,Sobald der Ban die Worte tat vernehmendade bane stotinu dukata,da gab der Ban ein hundert Golddukatendade Marko stotinu dukata,und Marko gab ein hundert Golddukatendade Miloš stotinu dukata,und Miloš gab ein hundert Golddukatendade Relja stotinu dukata.und Relja gab ein hundert Golddukaten.155Opremiše starinu NovakaSie rüsteten den greisen Novak aus,i njegova sina Gruajanazu gleicher Zeit Georgchen seinen Sohnpa odoše u zemlju bugarsku.und zogen fürbass in das Land Bulgarien.Kad dojgjoše u zemlju bugarsku,Als sie im Land Bulgarien angekommen,sve zeleno polje prikriveno;belagert lag das grüne Grasgefilde160knez skupio silovitu vojsku.vom Heere mächtig, das der Fürst gesammelt.Al eto ti crne ArapineDoch sieh! da naht ein schwarzer Araber,i on jaši vranu bedeviju.beritten wohl auf Beduinenrappen.Arap ciči, bedevija riče,Der Ărăbĕr gröhlt, der Wüstenrappe brüllt,pod njima se crna zemlja trese:die Schwarzerd unter dem Getrapp erdröhnt:165— Kojo vam je od Janoka bane?— Wer ist euch hier der Ban von Janok-Burg?nek izijgje na megdan junački,er mög heraus zum Heldenzweikampf rückenjă izijgje jă izmjenu najgje!entweder selber oder sein Ersatzmann!Pojgje bane na megdan izijći.Schon wollt heraus der Ban zum Zweikampf rücken,Ne dade mu Miloš Obiliću:doch hielt zurück ihn Miloš Obilić:170— Stani bane mili gospodare!— Halt ein, o Ban, mein teuerster Gebieter.tvoj je megdan, moje zaodivo;Der Kampf ist dein, doch mein die Kampfvertretung!ja ć Arapu na megdan izijći.ich will dem Araber im Plan erscheinen.Pa istjera debela alata.Und jagte hoch auf feistem Fuchs hinaus;Natjeraše jedan na drugoga.sie drangen einer auf den andern ein.175Arap trže pernu topuzinuEs schwang der Araber die Nagelkeulepa ošinu Miloš Obilića;und schlug drauf los auf Miloš Obilić,obori ga u zelenu travu,er warf ihn nieder auf den grünen Rasen,saveza mu na plećima ruke,er band ihm auf die Schultern fest die Hände,otjera ga u zemlju bugarskuer trieb ihn vor sich her ins Land Bulgarien180u tavnicu Mijoila kneza.fort ins Verliess des Fürsten Michaël.Malo vrime zu dugo ne biloNach kleiner Weile, wohl nicht allzulanger,al eto ti crne Arapine;der Schwarzaraber wieder war erschienen.Arap ciči, bedevija riče:Der Araber gröhlt, der Wüstenrappe brüllt:— Kojo vam je od Janoka bane?— Wer ist von euch der Ban von Janok-Burg?185nek izijgje na megdan junački,Er mög heraus zum Heldenzweikampf rückenja izijgje, ja izmjenu najgje!entweder selber oder sein Ersatzmann!Pojgje bane na megdan izijći,Schon wollt heraus der Ban zum Zweikampf rücken,ne dade mu Relja ot Pazara:doch hielt zurück ihn Relja vom Pazar:— Stani bane, mili gospodare!— Halt ein, o Ban, mein teuerster Gebieter!190tvoj je megdan, moje zaodivo!der Kampf ist dein, doch mein die Kampfvertretung!Pa istjera debela putalja.Und stürmt’ hinaus auf seinem feisten Mustang;Natjeraše jedan na drugoga.sie drangen einer auf den andern ein.Arap trže pernu topuzinuEs schwang der Araber die Nagelkeulepa udari Relju ot Pazara,und schlug drauf los auf Relja vom Pazar,195obori ga u zelenu travu,er warf ihn nieder auf den grünen Rasen,saveza mu na plećima ruke,er band ihm auf die Schultern fest die Hände,otjera ga u zemlju bugarskuer trieb ihn vor sich her ins Land Bulgarienu tavnicu Mijoila kneza.fort ins Verliess des Fürsten Michael.Malo vrime za dugo ne biloNach kleiner Weile, wohl nicht allzulanger,200al eto ti crne Arapine,der Schwarzaraber wieder war zur Stelle.Arap ciči, bedevija riče:Der Araber gröhlt, der Wüstenrappe brüllt;— Kojo vam je od Janoka bane?— Wer ist von euch der Ban von Janok-Burg?nek izijgje na megdan junački,Er mög heraus zum Heldenzweikampf rückenja izijgje ja izmjenu najgje!entweder selber oder sein Ersatzmann!205Pojgje bane na megdan izijći,Schon wollt ihm auf dem Plan der Ban erscheinen,ne dade mu Kraljeviću Marko:doch wehrt’ es ihm der Königsprosse Marko:— Stani bane, mili gospodare!— Halt ein, o Ban, mein teuerster Gebieter!tvoj je megdan, moje zaodivo!der Kampf ist dein, doch mein die Kampfvertretung!Dok mu Marko na megdan izijgje!Na, bis ihm Marko auf dem Plan erscheint!210Pa on zajmi debela šarina;Und tollte fort auf seinem feisten Schecken.natjeraše jedan na drugoga.Sie drangen einer auf den andern ein.Marko trže pernu topuzinuHerr Marko liess die Nagelkeule schwirrenpa ošinu crnu Arapinu.und niedersausen auf den Schwarzaraber.Kako ga je lako udarioWie gar so leichten Schlag er ihm versetzte,215pot sobom je šarca oborio,dass ihm der Schecken unterm Leibe stürzte,na njega se šarac pribacioder Schecke warf sich über seinen Reiterpa pritiśće Kraljevića Marka.und drückt’ zur Erd’ den Prinzen Marko nieder.Arap sjaši šafku bedevijuDer Araber stieg vom wilden Rappen abpa saveza Kraljevića Marka;und fesselte den Königsprossen Marko;220otjera ga u zemlju bugarskuer trieb ihn vor sich her ins Land Bulgarienu tavnicu Mijoila kneza.fort ins Verliess des Fürsten Michael.Malo vrime za dugo ne biloNach kleiner Weile, wohl nicht allzulanger,al eto ti crne Arapine.der Schwarzaraber wieder war zur Stelle.Arap ciči, bedevija riče,Der Araber gröhlt, der Wüstenrappe brüllt,225pod njima se crna zemlja trese.die Schwarzerd unter ihrem Trab erdröhnt:— Kojo vam je od Janoka bane?— Wer ist euch hier der Ban von Janok-Burg?nek izijgje ja izmjenu najgje!er mög erscheinen oder sein Ersatzmann!Pojgje bane na megdan izijći,Schon wollt ihm auf den Plan der Ban erscheinen,ne dade mu starina Navače:doch wehrt’ ihm Novak ab, der Heldengreis:230Stani bane, mili gospodare;— Halt ein, o Ban, mein teuerster Gebieter,dok mu stari na megdan izijgje!zuerst erschein’ ihm auf dem Plan der Alte!Bjeśjedi mu dijete Grujica:Da sprach zu ihm das Wort sein Kind Georgchen:—  moj babo starina Novače!— O du mein Vater Novak, Heldengreis,da mi svoje sablje razmjenimo!o lass uns wechseln unsre Säbel aus;235tvoja sablja od devet pedaljaneun Spannen misst dein Säbel in der Breite,a moja je ot četiri pedlja.vier Spannen bloss ist breit der Säbel mein.— A moj sine dijete Grujica!— Lass gut es sein, mein Sohn, du Jung-Georgchen!ako meni do nevolje dojgjeSollt ich in Leid und schlimme Lage fallen,lasno ćemo sablje razmijenit!leicht wechseln wir noch unsre Säbel aus.240Natjeraše jedan na drugoga,Sie drangen einer auf den andern ein,potegoše sablje ot pojasasie zogen blank die Klingen aus dem Gürtel,(ne tje stari perne topuzine)(der Alte wollte nicht die Nagelkeule)pa ošinu crnu Arapinu;er traf mit einem Hieb den Schwarzaraber,poviš pasa malo natfatio;erfasst’ ihn nur ein wenig oberm Gürtel;245kako ga je lako udarioso fein und leicht tat diesen Streich er führen,dvije pole u travu padoše.dass gleich zwei Hälften in den Rasen fielen.Opet Arap is travice viče:Und dennoch schreit vom Rasen der Araber:— Mol se Boga, starina Novače!— O preis nur Gott, du Heldengreis, o Novak!Marko mi je rebra polomioDie Rippen hat Herr Marko mir zerbrochen,250a ne bi me lako pogubio!sonst hättest du mich nicht so leicht zerstochen!Pa odoše u zemlju bugarskuNun zogen fort sie in das Land Bulgarienbjelu dvoru Mijoila kneza.zum weissen Hofe Michaëls, des Fürsten.Kako dojgje starina NovačeKaum kam Herr Novak hin, der Heldengreisodma razbi na tamnici vratasofort zerbrach die Pfort er am Verliesse255pa ispuśća sve tri pobratima.und machte frei der Wahlgebrüder drei.Svu kneževu rastjeraše vojsku,Des Fürsten Heer sie trieben auseinanderbijele mu dvore porobiše,und plünderten ihm aus die weisse Hofburg;pokupiše gotovinu blago,sie rafften all den baren Schatz zusammen,pogubiše dva njegova sina,sie töteten ihm seine beiden Söhne,260od zla roda nek nije poroda.von frevler Zucht, dass keine Frucht verbleibe.Oni kneza živa oguliše,Den Fürsten schunden sie lebendig ab.povedoše glavitu djevojkuSie führten mit sich weg das stattlich Mädchenpa odoše kroz zemlju bugarsku.und zogen durch das Land Bulgarien heim.Igje Marko, pjeva prit svatovma:Herr Marko singt voran dem Hochzeitzuge:265— Nejmakiše brez mutna oblaka— Ohn trübe Wolke gibt es keinen Regenni junaka brez starca Novaka!und ohn den alten Novak keinen Degen!Da ne bješe starina NovačeHätt Novak uns gefehlt, der Heldengreis,mi ostasmo sužnji u Bugarskoj!wir blieben Kerkerhäftling in Bulgarien!Da b u koga ne bi ni žalioWär’s noch bei wem, es tät nicht weh der Seele,270već u onog kneza bugarskoga!doch grad bei dem, beim Fürsten von Bulgarien!Pa odoše u Janoka grada.Nun zogen sie zur Janok-Burg zu Haus.Pilav čine tri nedilje dana.Drei Wochen währte wohl der Hochzeitschmaus.Erläuterungen.Das Lied sang mir am 24. Oktober 1885 mein Diener und ReisebegleiterMilovan Ilija Crljić Martinovićaus Gornji Rgovi in Bosnien vor. Von wem er das Lied »übernommen«, war ihm nicht mehr im Gedächtnisse. Er hatte es schon als Sauhirtlein gekannt, also ums Jahr 1850. In seinem Repertoir führt das Lied die Bezeichnung: Od Janoka ban u Bugarskoj i svat mu starina Novak (Der Ban von Janina in Bulgarien und dessen BrautbegleiterNovakder Heldengreis).Milovanwarums Jahr 1860 LeibpferdewächterOsman Pašasals dieser die Montenegrer bekriegte. Als dem Paša die Pferde »gestohlen« wurden, entzog sichMilovansamt Genossen durch Flucht einer Untersuchung des Falles. Er hielt sich bis zum AblebenOsman Pašasim Gebirge auf. Damals habe er, erzählte er mir, mehrmals in der Romanija planina inNovaksHöhle vor den Zaptijen (Schergen) Schutz gefunden. Er wollte auch mich hinführen, aber ich mochte nicht hin, weil mein vagabundenmässiges Gewand und Schuhwerk diese Tour durchs Walddickicht über Stock und Stein kaum bestanden hätten. Eine Novak-Höhle zeigte mir der greise Archimandrit von Banja an der Drina im Gebirge jenseits des Klosters in einem Grabsteinbruche. Das ist aber keine alte Räuberhöhle, vielmehr ein ganz gemeines, unhistorisches Loch im Sandstein, das die Steinmetzen ausgehöhlt hatten, um sich darin bei Regen und Unwetter zu bergen.Greise Haudegen, gleichgültig ob in der Epik oder in der Wirklichkeit, vonNestoran bis zum alten FlöhefeindStipurile, waren keine Dauerredner. Wer die frische, verwegene Tat zu vollbringen liebt, pflegt vielen Worten abhold zu sein. Berühmtheit ist jedoch mitunter im Leben, und öfter nach dem Tode ein Unsegen für den, der sie einmal erlangt hat und ihrer nicht mehr ledig werden kann. Wer sollte es für möglich halten, dass sich ein Serbe finden wird, der unterm Deckmantel des nationalen Patriotismus unserenNovak, den Heldengreis zum furchtbarsten, langweiligsten Schwätzer und Lügenbold, zu einem umgestülpten Gargantua umdichtern werde? Das Buch hat den Titel:Starine od starine Novakaili Tolkovanje Narodnjeg Pjevanja i Pripovjedanja. NapisaoJoksim Nović Otočanin. Izdala »Matica Srpska«. Neusatz 1867. S. 356. 8o. (Denkwürdigkeiten vom HeldengreisNovak[erzählt] oder Verdolmetschung der Volklieder und Volkerzählungen. Geschrieben vonJoksim Novićaus Otočac [in der Lika, Chrowotien]. Das Buch erklärt man für ein klassisches Erzeugnis serbischer Erzählungkunst. Es ist gut möglich, dass sichNovićconsueto more solcher serbischer und chrowotischer Literätlein selber die Reklame besorgt hat. Von einer Verdolmetschung oder Erläuterung der Volktradition ist in dem Buche nicht einmal eine Spur,Novićlässt den altenNovakbei Gelegenheit eines Taufschmauses und einer Verlobung im Hause eines Freundes bei Visoko in Bosnien seine Memorabilien aus dem Leben selig entschlafener Helden auskramen. Planlos und ziellos reihtNovakaus Guslarenliedern dürftige prosaische Berichte aneinander, entkleidet sie jeder poetischen Zutat und dichtet den Helden ungeheuerliche Schandtaten und himmelschreienden Frevel an, kurzum, nach der DarstellungNović-Novaksmüsse man die Serben für den Ausbund aller irdischen Niedertracht und Schlechtigkeit erachten. Eine blutrünstige Phantasie hatNovićgewiss, aber sie hat das eine mit den meisten Dampfluftschiffen gemein, dass sie sich über die Gipfel einer glatten Ebene nicht erheben kann. Seine Diktion ist zerhackt und gibt wohl ein Bild der bäuerlichen Ausdruckweise des Bosniers unserer Zeit. Von den sozialen und kulturellen Zuständen der Südslavendes XIV. Jahrhunderts besitztNovićkeinen blauen Dunst. Und das Bad mussNovak, der Heldengreis ausgiessen!Zu V. 5. gji mundartlich für gdi (gdje). Zu V. 6 mere für može, V. 99 sitru f. sitnu eine Spracheigentümlichkeit der Dorfbewohner vor Gornji Rgovi. Im V. 55 sagtMilovansopru für sofru; denn ihm fällt die Aussprache von f. schwer.Zu V. 51. ich habe sie geboren, dir hab ich sie geschenkt. Kraft seines väterlichen Mundschaftrechtes steht ihm unumschränkte Verfügung über die Tochter frei. Mein seliger Landsmann der HeiligeHieronymus Sophronius Eusebius(aus dem vierten Jahrhunderte) erzählt treuherzig in griechischer Sprache, er persönlich habe zu Alexandrien einen Pathicum gekannt, der schwanger geworden und einen unförmlichen Klumpen statt eines Kindes geboren. Das glaubt ihm kein serbischer Bauer, obgleich er, wie uns auch der V. 51 lehrt, ohne weiters einen Vater sagen lässt, dass er sein Kindgeboren. Er will damit natürlich den gewöhnlichen Hergang des Geborenwerdens von einer Mutter nicht abläugnen, sondern lediglich dasVaterrechthervorheben, demzufolge der Vater alles, die Mutter nichts gilt. Unsere Helden töten zum Schluss die beiden Söhne des FürstenMichaël, um dessen Geschlecht mit Stumpf und Stil auszurotten, aber es fällt ihnen nicht im Traume ein, dass aus der Ehe des Bans von Janok mit der geraubten Fürstentochter dem geschundenen Fürsten Enkel entspriessen könnten. Die Prinzessin scheidet mit dem Eintritt in des Bans Stamm gänzlich aus dem väterlichen Geschlechterverbande und ihre Kinder gebiert der Ban, ihr Herr und Gebieter über Leben und Tod. Das Recht des Stärkeren hat eine zwingende Logik, es tut auch der Sprache Gewalt an. Ich durfte hier der Spur des Serben nicht folgen, weil man meine Verdeutschung ohne Kommentar nicht verstanden haben würde; darum erlaube ich mir etwas anderes einzusetzen, um den Leser nicht aufzuhalten.Zu V. 60 irrtümlich bane für kneže und im V. 70 banova statt kneževa. Sprechversehen sind nicht selten in Guslarenliedern. Quandoque et bonus dormitat Guslarus. Ich ändere selbst Derartiges nicht in meinen Texten. Die interpolierten 2 Zeilen Gedankenstriche im Texte nach V. 60 und die Einschaltung in der Verdeutschung sind von mir. Ohne die gedachte raubritterliche Pantomime wäre die Szene kaum verständlich.Zu V. 63. Die Frage ist am Platze; denn der Bräutigam kann von vornherein nicht wissen, wie viel Leute der Fürst in der Lage sei, gastlich frei zu halten. Der Fürst wünscht sich Städter, friedliebende Leute, zu Gästen, die auch bei Geld sind und sich selber etwas kaufen, anstatt den Gastgeber auszusacken und arm zu fressen. Die Braut freilich gibt dem Wunsche eine davon verschiedene Deutung.Zu V. 62. in der zweiten Woche, d. h. nach 15 (14 + 1) Tagen. Trifft der Bräutigam bis dahin um die Braut nicht ein, wird der Handel, die Verlobung von selbst rückgängig.Zu V. 71. Halblaut sprechen ist nach osmanischen Anstandbegriffen die Art feingebildeter Leute. Das Fräulein redet hier aber auch aus Vorsicht leise.Zu V. 78. Bŏje, d. i. Stockwerke der Häuser. Holzbauten kann man auseinanderlegen und an einem anderen passenden Orte aufstellen. Der Unterbau aus Stein ist unverkäuflich.Zu V. 94. In serbischen Guslarenliedern öfters: bugari su stare varalice, d. h. Bulgaren haben es faustdick hinter den Ohren. Statt Bugari sonst Latini Lateiner (Venezianer). Solche Schmeicheleien sagen einander Nachbarvölker gernnach. Man lese darüber das treffliche Werk: Blason populaire de la France parH. Gaidoz et Paul Sébillot. Paris 1884. XV, 382 und dazuSébillotsNachtrag: Blason populaire de la Haute-Bretagne 38 S. Tragisch sind solche Aussprüche nicht zu nehmen.Zu V. 100. Die Besorgnis ist unbegründet, dass uns der Guslar etwa tausendmal denselben Brief zum Besten gegeben hätte, wenn der Ban 1000 Gäste eingeladen. Selbst bei grossartigen Einladungen nennt der Sänger nur die ersten Würdenträger und Führer namentlich, doch meist um deren Aufzug späterhin beschreiben zu können.Zu V. 100 ff. Über den PrinzenMarkogibt es sowohl in der serbischen als der deutschen und russischen Sprache schon eine stattliche Literatur. Heil dem Manne, der sie nicht zu lesen braucht. Hübsche Charakteristiken der bulgarischen Überlieferung gabG. Popovim Sbornik za narodni umotvorenija, Sofija 1890. (Blgarskite junaški pesni) Bd. III1, S. 247 ff.Zu V. 139. Das Lob bezieht sich ausschliesslich auf den Alten. Er zieht als »stari svat« als der Oberordner des Hochzeitzuges und Proviantmeister mit, seinen Weisungen muss jedermann gehorchen, selbst Braut und Bräutigam und deren Eltern.Zu V. 145. Kojo für koje je ovo (welches ist allda, hier), kojvo.Zu V. 171. Zaodivo, Gang für einen anderen. Das Wort noch in keinem Wörterbuch.Zu V. 218 šăfku in der Verdeutschung nicht wiedergegeben. BeiMilovanöfters, kommt noch in den Wtb. nicht vor. Ich vermute ein ursprüngliches türk. čapkun, ein Pferd, dessen Gangart der Galopp ist. Das bosnische Bauernpferd ist an den langsamen Passgang gewöhnt.Milovankannte die Bedeutung des Wortes nicht. E tako sam primio (ja, so hab ich’s überkommen), pflegt er in solchen Fällen zu sagen.Zu V. 235 ff. Solche riesige Aufschneidereien sind in Guslarenliedern nicht spärlich. Man denke sich die kolossale Länge zu einem neun Spannen breiten Schwerte!Grujomeint, der Säbel dürfte dem alten Vater doch etwas schwer fallen und darum bietet er ihm seine leichte Klinge an. Die ist bloss vier Spannen breit und wahrscheinlich nur zwanzig Ellen lang. Solche Einschaltungen gehören zum dichterischen Aufputz der Guslarenlieder.Zu V. 242. Der Alte wollte die Nagelkeule nicht beschmutzen. Es verlohnt sich ihm gar nicht, gegen einen so geringen Gegner mit einer so wuchtigen Waffe auszuholen. Nach einem Guslarenliede wog der Apfel vonNovaksSchlachtkeule 120 Litren Eisen.Zu V. 261. Unter oguliti (schinden) ist hier lediglich die Amputation der Ohren, der Nase, der Finger, Zehen und des Zumptes zu verstehen. Über altsüdslavische Strafen vrgl. meinen Kommentar zu KönigMathiasundPeter Gérébin den Ethnolog. Mitl. aus Ungarn, Bd. III. In unserem Sonderfalle nahmen die Helden, wie nach Kriegbrauch, wohl die abgeschnittenen Leibteile als Siegzeichen mit, um sie daheim vorzuzeigen.Zu V. 272. Die Hochzeitfestlichkeiten dauern sonst nur zwei Wochen, diesmal vergönnten sich die Herrschaften noch eine dritte gute Woche. In Slavonien darf nach behördlicher Verfügung kein Hochzeitschmaus länger als 2 Tage währen; denn das Bauernvolk richtete sich durch den üblichen Aufwand bei Hochzeiten wirtschaftlich zu Grunde.

Für »Oberhaupt« oder »Befehlhaber« hat die serbische und bulgarische Sprache das Wortstarešina. Es bezeichnet einen Alten oder im allgemeinen einen älteren Mann von gesetzten Jahren. Ehrfurcht, Achtung, Ehrerbietung dem Alter gegenüber sind anerzogene, aufgezwungene Begriffe. Bei den Südslaven erklären sie sich einfach und klar aus der altüberkommenen Stammorganisation und den geschlechterrechtlichen, gesellschaftlichen Verhältnissen. Es wäre vom Überfluss dies hier des Näheren zu erörtern. Übereilt wäre jedoch die Annahme, dass der Südslave dem Alter an und für sich grosse Verehrung zolle. NurdenAlten ehrt und schätzt man, der als Mann in der besten Lebenskraft seinen Mann gestellt und noch als Greis Achtung verdient. Die Erfahrungen eines langen Daseins erscheinen den Jüngeren als ein wertvoller Besitz, als ein köstlicher Ersatz für dahingeschwundene leibliche Rüstigkeit und Stärke. Wenn nun ausnahmweise trotz der Betagtheit Geist und Leib männliche Frische bewahrt haben, beugt sich der südslavische Bauer vor dem Begnadeten wie vor einem Wunder, wie vor einem auserlesenen Wesen. Solche Greise besingt das Volk und feiert sie noch nach Jahrhunderten.

Brez starca nema udarca, »Ohn Alten gibt es keinen Angriff«, sagt das Sprichwort, das unzweifelhaft mit Hinblick auf greise, in Guslarenliedern verherrlichte Helden entstanden sein dürfte. Es gab solcher Helden oder richtiger, die mythenbildende Volkphantasie schuf sich welche, um einem bestimmten Empfinden und Gefühl der poetischen Eingebung gerecht zu werden.Jug Bogdan, der altehrwürdige Greis, der Schwiegervater des KaisersLazar, zieht mit allen seinen neun Söhnen in die Schlacht auf Leitengeben (Kosovo) und findet mit den Seinigen im Schlachtgewühl den Tod. Mehr und anderes weiss das Guslarenlied von ihm nicht zu künden. Von einem anderen alten Herrn, dem StariStipurile(der alte Steffel) erzählt ein Lied meiner Sammlung.1Stipurilesfeste Burg stand irgendwo im dalmatischen Küstengebiet. Einmal traf es sich, dass seine Söhne und Eidame mit ihren Reisigen auf Abenteuer über den Karst ins Türkische ziehen sollten, um Vergeltung zu üben. Ohne den Altenmochten sie nicht aufbrechen. Gerüstet und kampfbereit, wie sie waren, eilten sie in die Weinberge zum Alten und trafen ihn, dem edlen Waidwerk ergeben:

gje on buve po košulji ganja»wie er im Hemd herum die Flöhe hatzt.«

Unverweilt unterbricht der Greis seine kurzweilige, kleinliche Beschäftigung, legt sich die schwere Rüstung und die Gewaffen an, und führt seine Mannen und Knappen zum Sieg ins feindliche Land.

Ein vielgerühmter greiser Held der moslimisch-slavischen Guslarenlieder istĆejvan aga dedo(Ćejvan der greise Herr). Er zählt 80 oder gar 130 Jahre:

es klappern ihm des Kinnes leere Laden,zum Teufel ist sein letzter Zahn geflogen,

es klappern ihm des Kinnes leere Laden,

zum Teufel ist sein letzter Zahn geflogen,

doch der Alte ist noch immer der erste und wackerste Held.Mustaphader Schmerbauch unternimmt mit seinem BruderHalildem Falken, mitSušavon Posušje und mitTaledem Schalknarren, samt Gefolgschaft einen Raubzug ins Dalmatische. Der greiseĆejvanmuss mit, dennbrez starca nema udarca. Im Hochwald lagern sich die Ritter und die Rotten unter Tannen zur Rast. Man tat sich gütlich an Wein und Braten — im Quorân steht ja nicht, dass bosnische Moslimen keinen Wein trinken dürfen —, bis sich behagliche Stimmung einfand. Sprach nichtHalil, der Jüngling, jetzt wäre es am schönsten, hätte jeder Held ein holdes Mädchen zum Kosen unterm Tann auf weichem Rasen. UndĆejvanhub an die Wunder der Welt zu preisen, und schloss wie ein verliebter Schäfer seine weisen Betrachtungen über das Weltall mit den Worten: »das allerschönste bleibt und ist ein schönes Mägdlein!« Die gesamte Zuhörerschaft lachte vergnügt dazu, nurMustaphafing an zu höhnen: »Was soll einem Greis ein Mädchen frommen? Alte Knochen, schwache Arme. Weh dem Mädchen in des Greisen Armen!« Darob ergrimmteĆejvan, undHalilfuhr auch wild auf. Sie kündigten auf der StelleMustaphadie Freundschaft, und ihnen schlossen sich die besten Kämpen an. Sie stiegen hinab ins Küstenland und führten einen blutigen Kampf gegenŠimun BreuljaundSmiljanić Ilija. Die Gelegenheit machte sichMustaphazu Nutze und plünderte inzwischen ungestörtŠimunsWarte und raubte dessen Ehegemahlin2.

OhneĆejvanunternahmen die Moslimen keinen Raubzug. Er war überall dabei und flösste den Gegnern Schrecken ein. Zuweilen schmähten und schalten ihn die Kampfgenossen, indem sie ihm seine Um- und Vorsicht für Feigheit auslegten, aber er wusste besser Bescheid und guten Rat. Held sein ist ein lebengefährlicher Beruf.

Der vornehmste und anerkannteste Heldengreis ist jedochNovakund mit ihmGrujica, sein Sohn, beide so unter den Südslaven, als auch unter den Rumänen unbestrittene Grössen.

Wer einmal in den Ruf eines Helden oder eines Heiligen gelangt, wird bei steigender Beliebtheit zum Hauptträger so mancher alten Sagen und Legenden. So tritt uns z. B. auchNovakin der Volküberlieferung in den mannigfachsten Rollen und Situationen entgegen, sowohl in der eines Drachentöters als letzlich auch in der eines bosnischen oder rumänischen Buschkleppers. In der epischen Volkpoesie stört solch geschichtwidriges Neben- und Durcheinander nicht.

Novakist kein Bosnier, nicht einmal ein Serbe, vielmehr gleich dem PrinzenMarkoundReljavom Pazar ein Bulgare; wohlgemerkt, gab es natürlich am Ausgange des 14. Jahrhunderts, in der Blütezeit jener Herren, noch keine nationale Frage, und daher erscheint die Nachforschung nach der nationalen Zugehörigkeit unserer Helden als ausserhalb einer wissenschaftlichen Erörterung und völlig unstatthaft.

Novak(novus, der Neue) war des Helden Vorname, sein Beiname (nach bulgarischer epischer Überlieferung) Herr von der Burg Klisura (irgendwo bei Vakarel Ichtiman); sein SpitznameDebeljak(Dickwanst). Sein Bruder hiess nach den serbischen Guslarenliedern Radivoj und der SohnGrujo(Georg).Klisura, griechischLitharisaist ein im bulgarischen Gebiet häufig vorkommender Namen auf Felsen erbauter Burgen, für den Serben dagegen istklisuranur einestudena stijena, der kalte Felsen. Wenn nunNovakin einem kalten Felsen haust, befindet sich wohl im Gestein eine Höhle. Also erniedrigte erst die serbische Sprache und Sage den alten, greisenNovakzum Höhlenbewohner. Eine Sage gebiert die andere. Was mag den fürtrefflichsten aller Kämpen zur Flucht in die Einöde bewogen haben? Die Sage macht dafür schlankweg »die verfluchte KöniginJerina« (prokleta Jerina) verantwortlich. Diese, im übrigen recht harmlose Dame, hauste in Zvornik oder auf der Veste von Srebrnica in Bosnien. Statt der Zugtiere liess sie Menschen vor den Pflug spannen und heischte vom Volke hohe Steuern. Das Steuerzahlen war aber bei den Serben nicht einmal in der epischen Epoche ein beliebter Sport. Bei den Chrowoten und Serben verspricht fast jeder Parlamentkandidat in seiner Programmrede den versammelten Wählern gänzliche Aufhebung aller Grundsteuern und Abgaben, oder zum Mindesten deren Abwälzung auf die Juden3. Das packt. AuchNovakentschloss sich, sein Volk zu befreien, und:

odmetnu se Novak u hajduke»ins Räuberleben schlug sichNovakfort«.

Dort in der Felswand lässt ihn mit seinem Sohne und dem Gefolge das Volk hausen und von Zeit zu Zeit auf Abenteuer ausgehen. Wenn irgend etwas Grosses in der Welt vorfällt, laden die übrigen Helden gern den alten, achtzigjährigen Haudegen zur Teilnahme am Zuge ein. Im Guslarenlied ist der greiseNovakimmer volle achtzig Jahre alt. Was Wunder, wenn sichNovakauch einmal in der ehrwürdigen Rolle desPerseuszeigt, derAndromedaaus des Drachen Gewalt befreit. Davon handelt unser Lied.

UnsereAndromedaist namenlos, ihr Vater ist nicht mehr KönigKepheussondern der BulgarenfürstMichaël. Bulgarien ist für den bosnischen Guslaren ein weit entferntes Land, über dessen Lage und Bevölkerung er und seine Zuhörer fabelhafte Vorstellungen hegen. Das ist kein rechter Held ersten Ranges vor den Guslaren, der nicht schon den Drachen einmal getötet und die holde Maid erlöst hat. PrinzMarkoundRelja,Mustaphavon Kladuša undOrlovićder Burggraf von Raab haben den Kampf glanzvoll bestanden, also auchNovakmusste drankommen; denn:

nema kiše brez mutna oblakani junaka brez starca Novaka!»ohn trübe Wolke gibt es keinen Regenund ohn den alten Novak keinen Degen!«

nema kiše brez mutna oblakani junaka brez starca Novaka!

nema kiše brez mutna oblakani junaka brez starca Novaka!

nema kiše brez mutna oblaka

ni junaka brez starca Novaka!

»ohn trübe Wolke gibt es keinen Regenund ohn den alten Novak keinen Degen!«

»ohn trübe Wolke gibt es keinen Regenund ohn den alten Novak keinen Degen!«

»ohn trübe Wolke gibt es keinen Regen

und ohn den alten Novak keinen Degen!«

In einem anderen Guslarenliede besiegt PrinzMarkounter MithilfeReljasmit den Flügeln, einem Rufe der hartbedrängten Bevölkerung von Janina folgend, den Drachen vom See (Pambotis) und tötet bei der Gelegenheit den albanesischen HeldenMusa kesedžija(Mustaphaden Beutelschneider, Strauchritter) und dessen GesellenGjemo Brgjanin(Gjemoden Älpler). Der Drache (blôr, blavor) war eine 12 Ellen lange Schlange, die sich mit jungen Mädchen und Burschen zum Futter begnügte. In ihrem aufgesperrten Rachen konnte bequem ein fetter Mastochs Unterschlupf finden.Markoerwischt den fliehendenMusajust vor den Toren Litharisas und macht ihm undGjemoden Garaus.

Das ist die Örtlichkeit unseres Guslarenliedes. Die Fabel klingt nur etwas anders, etwas modernisiert. Der Gebieter (Ban) der Burg von Janina (Janok) freit um die Prinzessin von Bulgarien. Der Fürst kann sie ihm nicht ohne weiteres überlassen; denn er weiss, was er seinem Drachen schuldig ist. Der Ban von Janok holt sichdannunter BeistandNovaksund anderer Helden die Braut ab, nachdemNovakdas Ungeheuer glücklich getötet. Die Fabel erscheint hier ins Serbisch-ritterliche übersetzt und der märchenhaft grellen Szenerie einigermassen entkleidet. Der Drache hat menschliche Gestalt angenommen und sitzt als schwarzer Araber hoch auf einem brüllenden Beduinenrappen. Sonst erfreut sich der Schwarzaraber des Besitzes dreier Köpfe, wie z. B. der, mit dem meinOrlovićeinenStrauss ausgefochten4; von rechtswegen müsste er als Drache siebenköpfig sein. In unserem Liede ist der Araber bloss einköpfig, dochsiebenBräutigame und deren Gefolgschaften hatte er ums Leben gebracht. Ein bulgarisches Guslarenlied erzählt uns des näheren vom Aussehen des Arabers und es empfiehlt sich die kurze Schilderung hier zu wiederholen, um unser Lied damit erläuternd zu ergänzen, auf dass man begreife, was für wackerer Degen sein Besieger,Novakder Heldengreis, gewesen.

Ein Brautgeleite zog mit der Braut durchs Hochgebirge, da plötzlich:

Ostreka i edna strašna beda,ein furchtbar Ungetüm begegnet ihnen,strašna beda hala-haletina,ein furchtbar Ungetüm, ein grauser Drache,haletina cŏrna Arapina!der Drache war ein schwarzer Araber!Dolna usta na gŏrde mu bie,Die Unterkiefer schlägt ihm auf die Brust,gorna usta v čelo go udara;die Oberkiefer stösst ihm an die Stirne;glava mu kolku dva tŏpana,an Umfang gleich sein Haupt ist zweien Trommeln,oči ima kolku dve panici;gleich zweien Tellern gross sind ihm die Augen;usta ima kolku mala vrata,sein Mund so gross wie eine kleine Haustür,zŏbi ima četiri dikani,vier Pfähle dienen ihm im Mund als Zähne,nodze ima Solunski direci.als Füsse wohl aus Salonichi Balken.Koga klapat taja pusta usta,So oft er aufreisst diesen wüsten Rachen,dur ot usta ogin isfŏrljuva,speit Feuerflammen aus dem Rachen er,dur na gora listovi obliva.bedeckt mit Geifer er das Laub vom Hochwald.

Ostreka i edna strašna beda,

ein furchtbar Ungetüm begegnet ihnen,

strašna beda hala-haletina,

ein furchtbar Ungetüm, ein grauser Drache,

haletina cŏrna Arapina!

der Drache war ein schwarzer Araber!

Dolna usta na gŏrde mu bie,

Die Unterkiefer schlägt ihm auf die Brust,

gorna usta v čelo go udara;

die Oberkiefer stösst ihm an die Stirne;

glava mu kolku dva tŏpana,

an Umfang gleich sein Haupt ist zweien Trommeln,

oči ima kolku dve panici;

gleich zweien Tellern gross sind ihm die Augen;

usta ima kolku mala vrata,

sein Mund so gross wie eine kleine Haustür,

zŏbi ima četiri dikani,

vier Pfähle dienen ihm im Mund als Zähne,

nodze ima Solunski direci.

als Füsse wohl aus Salonichi Balken.

Koga klapat taja pusta usta,

So oft er aufreisst diesen wüsten Rachen,

dur ot usta ogin isfŏrljuva,

speit Feuerflammen aus dem Rachen er,

dur na gora listovi obliva.

bedeckt mit Geifer er das Laub vom Hochwald.

Es ist allgemein bekannt, dass diePerseus-Andromeda-Sage als christliche Legende vom hl.Georg, dem Drachentöter, eine Verjüngung und Verklärung erfahren hat. Sie ist in der besonderen christlichen Fassung auch bei den Südslaven einheimisch. Ein solches Stück veröffentlichte ich inPitrésArchivio per le tradizioni popolari Vol. IX, Palermo 1890, unter dem Titel:Le afflizioni di Trojano. Canto dei guslar della Bosnia(223 Verse nebst Einleitung und Randbemerkungen). Schön hat A.Chachanovdiesen Sagenstoff mit Hinblick auf die grusinische Überlieferung besprochen5.

Unser Guslarenlied vonNovakdem Heldengreis hat auch eine historisch-pragmatische Bedeutung wegen der darin genau angegebenen Zeit, wann sich die Begebenheit zugetragen. Die chrowotischen Geschichtforscher jener Art, deren ich in den Böhmischen Korallen aus der Götterwelt gedacht, wären überglücklich, wenn sie so sichere Angaben über den Tag und das Jahr der Geburt und des Ablebens des unendlich gepriesenen nationalen KönigsZvonimir, des grossen Unbekannten, überliefert bekommenhätten.Novakbesiegte nämlich den Schwarzaraber in jenem Jahre als am 24. April, d. h. am Georgitage, ein solcher Schnee einfiel, dass die Kinder auf den Strassen Schneeball spielten. Im Jahre 1894 am 7. Juni morgens erlebten wir Wiener ähnlich ein märchenhaftes Hagelwetter. In den breitesten Strassen blieben stundenlang schwere Lastwagen im Eise stecken. Wer es nicht mit angesehen, glaubt es nicht. Der Guslar mag immerzu scherzend erzählen, dass sich seine Geschichte damals ereignet habe, als zu St. Georgi ein Schneefall eintrat, ich will zum Trotz gerade dies Geschehnis für wahr und das übrige nur für eine slavische Variante derPerseus-Andromeda-Sage halten, die zu Ehren des achtzigjährigenNovakerfunden und erdichtet ward.

Kat se ženi od Janoka baneDer Ban von Janok ging auf Freierfüssen;na daleko čuo za djevojku,vernahm von einer Maid in weiter Fremde,čuo bane u zemlji bugarskojder Ban vernahm, im Lande der Bulgaren,u onoga bugarskoga kneza,die Tochter wär es vom Bulgarenfürsten;5gji je prose mloge mušterijeum ihre Hand dass viele Freier freien,a nitko je odvodit ne mere.doch keiner wär im Stand sie heimzuführen.On opremi sebe i gjogata;Da rüstet er sich selbst und seinen Falben,ode bane u zemlju bugarskuund fort ins Land Bulgarien zog der Banbjelu dvoru bugarskoga kneza.zum weissen Hof des Fürsten von Bulgarien.10Dobro ga je kneže dočekavoFürtrefflich ihn der Fürst empfangen tat,a iznio pivo i jidivoer liess herbei Getränk und Speisen schaffen,pa śjedoše ladno piti vino.dann setzten sie sich kalten Wein zu trinken.Odma bane zaprosi djevojke.Der Ban hält unverweilt ums Fräulein an.Kneže šuti, ništa ne bješjedi,Der Fürst, der schweigt, er spricht kein einzig Wörtchen,15nit je daje nit mu je ne daje.er sagt nicht zu und sagt ihm auch nicht ab.Ražljuti se od Janoka baneDarob geriet in Zorn der Ban von Janokpa on snijgje do gjogata svogaund stieg hinab zu seinem falben Läuferpa uzjaši debela gjogata;und schwang hinauf sich auf den feisten Falben;ode bane kroz zemlju bugarskudahin durchs Land Bulgarien zog der Ban,20u Janoka bijeloga grada.dahin zu seiner weissen Burg von Janok.Sve dan po dan godinica dana.So Tag an Tag ergab ein Jahr an Tagen.Kada bješe o Jurjevu danu,Als um die Zeit des Sankt Georgitagessnijeg pade o Jurjevu danu,ein Schneefall eintrat am Georgitage,grudaju se djeca po sokacim,Schneebälle warfen Kinder auf den Gassen,25jedno drugog grudom udarilo,das eine traf das andre mit dem Schneeball,zajmiše se djeca nis sokake:entlang den Gassen jagten sich die Kinder:— Stani kurvo, njesi pobjegnulo— Na, wart du Dirn, du Ding wirst nicht entwischenna sramotu ko banu djevojka!zu Schimpf und Schande wie dem Ban das Bräutchen!To dočuo od Janoka baneDer Ban von Janok das Geschrei vernahm,30pa svu sebi djecu pokupioberief zu sich die Kinder allesamtpa dobro je djecu darovao,und tat die Kinder gar beschenken reichlich,svakom djetu po žut dukat dade.jedwedes Kind mit einem Golddukaten.Pa opremi debela gjogata;Drauf rüstet er den feisten Falben aus;ode bane u zemlju bugarskuins Land Bulgarien zog der Ban von dannen35bjelu dvoru bugarskoga kneza.zum weissen Hof des Fürsten von Bulgarien.Na avliju natjera gjogata,Er trieb den Falben nach dem Burghof hin,na avliji zatvorena vrata.doch war vom Hofe wohl das Tor verschlossen.Bane trže pernu topuzinu,Den nägelreichen Kolben schwang der Ban,stade lupat na avliji vratahub an damit aufs Hoftor loszuhämmern40a on kneza po imenu vikat:und rufen auch beim Namen an den Fürsten:— Kurvo jedna, Mijoile kneže!— Du eine Metze, Michaël, du Fürst,izlaz kurvo na megdan junačkizum Heldenzweikampf komm heraus, du Metze,ja izvodi glavitu djevojku!wo nicht, so führ heraus das stattlich Mädchen!Kada kneže poznavao banaSobald als da der Fürst den Ban erkannte,45ondar sletje vratma i avlijiflog er behend zum Tor und Hof hinabpa otvori na avliji vrata:und öffnete das Einlasstor des Hofes:— Aman bane mili gospodare!— Verzeihung Ban, mein teuerster Gebieter!odjaš bane debela gjogata,steig ab, o Ban, von deinem feisten Falben,ajde sa mnom u bijele dvore!komm in den weissen Hof mit mir hinauf;50Ja ću tebi curu pokloniti,ich werde zum Geschenk die Maid dir machen,ja rodio, tebi poklonio.so wahr ich sie gezeugt, ich schenk sie dir!Ban odjaši debela gjogata.Da stieg der Ban vom feisten Falben ab.Vjerne sluge konja odvedoše,Die treuen Diener führten fort den Renner,kneže bana u bijele dvore;der Fürst den Ban in weisse Burggemächer;55za punu ga sopru posadioer pflanzt’ ihn hin zur reichbesetzten Tafel;pa śjedoše ladno piti vino.sie huben an, dem Kühlwein zuzusprechen.Tri bijela pridaniše dana.Drei weisse Tage tagten sie selbander.Kat četvrti danak osvanuoAls dann des vierten Tages Morgen graute,ondar bane zaprosi djevojke:bewarb der Ban sich um des Mädchens Hand:60— Ak neš bane poklonit djevojku!»Wenn du mir, Fürst, die Maid nicht schenken magst!«(Er schwingt den Streitkolben gegen den Fürsten, der zu Tod erschrocken und sprachlos mit Hand und Kopf zustimmend, seine Schenkfreudigkeit äussert.)Ondar bane bjeśjedio knezu:Dann weiter sprach der Ban zum Fürsten noch:— Kaću kneže sa svatovma dojći?— Wann darf ich, Fürst, mit dem Geleit erscheinen?koliko ću dovesti svatova?Wie viel Geleitgefolge soll ich führen?— Povedi mi iljadu svatova,— Bring mir eintausend Hochgezeiter mit,65sve knezova, prvije kmetovanur lauter Schulzen, reiche Lehenbauerni povedi svate varošane.und bring zu Hochgezeitern Städter mit.Ajde bane u drugu nedilju!Erscheine, Ban, mir in der zweiten Woche!Pojgje bane od Janoka grada.Der Ban von Janok brach nun auf zur Heimkehr.Kad istjera konja na avliju,Als hoch zu Ross er in den Hof gejagt,70na avliji banova djevojka,befand sich in dem Hof des Fürsten Fräulein,ona banu tio bjeśjedila:sie sprach mit leisen Lauten so zum Ban:— Gospodine od Janoka bane,— Mein edler Herr und Ban von Burg zu Janokšta no tebi babo bjeśjedaše?was hat mein Vater wohl zu dir gesprochen?— Bjeśjedaše Mijoile kneže— Fürst Michaël, der hat zu mir gesprochen:75da povedem svate varošanezu Hochgezeitern soll ich Städter bringeni knezove i prve kmetove.nur lauter Schulzen, reiche Lehenbauern.— Šta će babi svati varošani?!— Was sollen Städter-Hochzeitleut dem Vater?!Ne će babo boje prodavati!er will doch keine Hofgelass’ verkaufen!I knezovi i prvi kmetovi?!dann, lauter Schulzen, reiche Lehenbauern?!80Ne će babo zemlje dijeliti!will denn der Vater Länderei’n verteilen?A zâr ne znaš od Janoka bane,Ja, blieb dir unbekannt es, Ban von Janok,sedam sam se isprosila puta,dass siebenmal als Braut ich ward erworbensve sedam sam povogjena puta;und siebenmal als Braut die Reise machte?a moj babo, da od Boga najgje!Jedoch mein Vater, mög es Gott ihm lohnen,85sve sedmere svate oglobio,brandschatzte all die sieben Brautgefolge,pogubio sedam gjuvegija,er bracht ums Leben sieben Bräutigamemlogo pusto nasipao blago.und häufte viel an eitlen Schätzen auf.I tebe će bane pogubitiEr wird auch dich, o Ban, ums Leben bringen,a i tvoje svate oglobitibrandschatzen wohl auch deine Hochgezeiter,90a i tvoje blago ustaviti.auch deine Schätze sich zurückbehalten.Ako misliš mene odvoditiWofern du heimzuführen mich vermeinst,dera kupi pod izbor junake.traun, sammle lauter auserwählte Helden!Pa se čuvaj kroz zemlju bugarsku,Und nimm in Obacht dich durchs Land Bulgarien,Bugari su stare varadžije,Bulgaren sind ja altverschlagne Schelme,95dokle sada na gjogatu projgješdass dich, indes du hoch zu Falben durchziehst,da te koji džidom ne opali!nicht einer mit dem Wurfspiess arg versenge!Ode bane kroz zemlju bugarsku.Durchs Land Bulgarien zog nach heim der Ban.Kada dogje u Janoka grada,Als heim er in die Burg von Janok kam,ondar śjede, sitru knjigu pišeda schrieb er ohn Verzug ein zierlich Schreiben100pa je šalje Kraljeviću Marku:und übersandt es an den Prinzen Marko:»Eto knjiga dragi pobratime!»Allhier ein Schreiben, teuerer Herzensbruder!Hajde meni Marko u svatove.Erschein zu meinem Brautgeleite, Marko,Nemoj vodit svata nijednoga.bring keinen Hochgezeiter weiter mit;Ja sam brate curu isprosio,ich hab mir, Bruder, eine Braut erworben,105isprosio u zemlji bugarskoj.erworben bass im Lande der Bulgaren.Bugari su stare varadžije«.Bulgaren sind ja altverschlagne Schelme.«Drugu piše Miloš Obiliću:An Miloš Obilić ein zweites Schreiben:»Ajd Milošu meni u svatove!»Erschein zu meinem Brautgeleite, Miloš!Nemoj vodit svata nijednoga.bring keinen Hochgezeiter weiter mit;110Ja sam brate curu isprosio,ich hab mir, Bruder, eine Braut erworben,isprosio u zemlji bugarskoj.erworben bass im Lande der Bulgaren.Bugari su stare varadžije«.Bulgaren sind ja altverschlagne Schelme.«Treću piše Relji ot Pazara:An Relja vom Pazar ein drittes Schreiben:»Ajde Relja meni u svatove.»Erschein zu meinem Brautgeleite, Relja!115Nemoj vodit svata nijednoga.bring keinen Hochgezeiter weiter mit;Ja sam brate curu isprosio,ich hab mir, Bruder, eine Braut erworben,isprosio u zemlji bugarskoj.erworben bass im Lande der Bulgaren.Bugari su stare varadžije«.Bulgaren sind ja altverschlagne Schelme.«Kada bješe u oči nediljeAls es gerad vor Sonntag Abend war,120al eto ti Kraljevića Markader Königsprosse Marko kam dahera za Markom Miloš Obilića,und gleich nach Marko Miloš Obilić,za Milošem Relje ot Pazara.nach Miloš folgte Relja vom Pazar.Dobro ji je dočekao bane;Fürtrefflich sie der Ban empfangen tat,konje vodi u tople podrumedie Rosse führt er in die warmen Keller,125a junake u bijele dvore;die Ritter in die weissen Burggemächerza punu ji sopru posadiound pflanzte sie an reichbesetzte Tafel.pa śjedoše ladno piti vino.Sie huben an am Kühlwein sich zu laben.Kad u jutru jutro osvanulo,Am Morgen als der Morgen angebrochen,dobre svoje konje opremišeda rüsteten sie ihre guten Renner130pa pojgjoše od Janoka grada.und zogen fürbass aus der Burg von Janok.Putovaše i dva i tri dana.Am zweiten oder dritten ReisetageKada biše kroz goru zelenuals sie im grünen Hochwald sich befandenkraj stijene starine Novaka,dem Felsen nah des Heldengreises Novak,ondar reče Kraljeviću Marko:da sprach das Wort der Königsprosse Marko:135— Gospodare od Janoka bane,— O mein Gebieter, Ban von Janok-Burg,da s vratimo starini Novaku,zum greisen Novak lass uns Einkehr halten,da zovnemo njega u svatove;damit wir ihn zur Hochzeit laden ein,nek povede svog sina Grujicu,er führe mit Georgchen seinen Sohn;jer brež njega pouzdanja nejma!denn sonder ihn ist kein Verlass aufs Glück!140Pa s vratiše studenoj stijeni.Sie hielten Einkehr in die kalte Höhle.Bane starog zove u svatove.Zur Hochzeit lud der Ban den Alten ein.Bjeśjedi mu starina Novače:Zur Antwort ihm der greise Novak gab:— Gospodine od Janoka bane!— O mein Gebieter, Ban von Janok-Burg!Ja ne mogu u svatove pojći,Zur Hochzeit kann unmöglich mit ich ziehen,145jêr ja groša ni dinara nejmamdenn keinen Groschen noch Denar besitz ich,pa s ne mogu spremit u svatove;und kann mich nicht zur Hochzeit rüsten ausjêr znaš bane mili gospodare,Du weisst ja, Ban, o teuerster Gebieter,da ja nejmam kuće ni kućišta,dass weder Haus ich noch Gehöfte habe;kuća mi je studena stijena.fürs Heim mir hilft die kalte Felsenhöhle.150Kada bane čuo lakrdiju,Sobald der Ban die Worte tat vernehmendade bane stotinu dukata,da gab der Ban ein hundert Golddukatendade Marko stotinu dukata,und Marko gab ein hundert Golddukatendade Miloš stotinu dukata,und Miloš gab ein hundert Golddukatendade Relja stotinu dukata.und Relja gab ein hundert Golddukaten.155Opremiše starinu NovakaSie rüsteten den greisen Novak aus,i njegova sina Gruajanazu gleicher Zeit Georgchen seinen Sohnpa odoše u zemlju bugarsku.und zogen fürbass in das Land Bulgarien.Kad dojgjoše u zemlju bugarsku,Als sie im Land Bulgarien angekommen,sve zeleno polje prikriveno;belagert lag das grüne Grasgefilde160knez skupio silovitu vojsku.vom Heere mächtig, das der Fürst gesammelt.Al eto ti crne ArapineDoch sieh! da naht ein schwarzer Araber,i on jaši vranu bedeviju.beritten wohl auf Beduinenrappen.Arap ciči, bedevija riče,Der Ărăbĕr gröhlt, der Wüstenrappe brüllt,pod njima se crna zemlja trese:die Schwarzerd unter dem Getrapp erdröhnt:165— Kojo vam je od Janoka bane?— Wer ist euch hier der Ban von Janok-Burg?nek izijgje na megdan junački,er mög heraus zum Heldenzweikampf rückenjă izijgje jă izmjenu najgje!entweder selber oder sein Ersatzmann!Pojgje bane na megdan izijći.Schon wollt heraus der Ban zum Zweikampf rücken,Ne dade mu Miloš Obiliću:doch hielt zurück ihn Miloš Obilić:170— Stani bane mili gospodare!— Halt ein, o Ban, mein teuerster Gebieter.tvoj je megdan, moje zaodivo;Der Kampf ist dein, doch mein die Kampfvertretung!ja ć Arapu na megdan izijći.ich will dem Araber im Plan erscheinen.Pa istjera debela alata.Und jagte hoch auf feistem Fuchs hinaus;Natjeraše jedan na drugoga.sie drangen einer auf den andern ein.175Arap trže pernu topuzinuEs schwang der Araber die Nagelkeulepa ošinu Miloš Obilića;und schlug drauf los auf Miloš Obilić,obori ga u zelenu travu,er warf ihn nieder auf den grünen Rasen,saveza mu na plećima ruke,er band ihm auf die Schultern fest die Hände,otjera ga u zemlju bugarskuer trieb ihn vor sich her ins Land Bulgarien180u tavnicu Mijoila kneza.fort ins Verliess des Fürsten Michaël.Malo vrime zu dugo ne biloNach kleiner Weile, wohl nicht allzulanger,al eto ti crne Arapine;der Schwarzaraber wieder war erschienen.Arap ciči, bedevija riče:Der Araber gröhlt, der Wüstenrappe brüllt:— Kojo vam je od Janoka bane?— Wer ist von euch der Ban von Janok-Burg?185nek izijgje na megdan junački,Er mög heraus zum Heldenzweikampf rückenja izijgje, ja izmjenu najgje!entweder selber oder sein Ersatzmann!Pojgje bane na megdan izijći,Schon wollt heraus der Ban zum Zweikampf rücken,ne dade mu Relja ot Pazara:doch hielt zurück ihn Relja vom Pazar:— Stani bane, mili gospodare!— Halt ein, o Ban, mein teuerster Gebieter!190tvoj je megdan, moje zaodivo!der Kampf ist dein, doch mein die Kampfvertretung!Pa istjera debela putalja.Und stürmt’ hinaus auf seinem feisten Mustang;Natjeraše jedan na drugoga.sie drangen einer auf den andern ein.Arap trže pernu topuzinuEs schwang der Araber die Nagelkeulepa udari Relju ot Pazara,und schlug drauf los auf Relja vom Pazar,195obori ga u zelenu travu,er warf ihn nieder auf den grünen Rasen,saveza mu na plećima ruke,er band ihm auf die Schultern fest die Hände,otjera ga u zemlju bugarskuer trieb ihn vor sich her ins Land Bulgarienu tavnicu Mijoila kneza.fort ins Verliess des Fürsten Michael.Malo vrime za dugo ne biloNach kleiner Weile, wohl nicht allzulanger,200al eto ti crne Arapine,der Schwarzaraber wieder war zur Stelle.Arap ciči, bedevija riče:Der Araber gröhlt, der Wüstenrappe brüllt;— Kojo vam je od Janoka bane?— Wer ist von euch der Ban von Janok-Burg?nek izijgje na megdan junački,Er mög heraus zum Heldenzweikampf rückenja izijgje ja izmjenu najgje!entweder selber oder sein Ersatzmann!205Pojgje bane na megdan izijći,Schon wollt ihm auf dem Plan der Ban erscheinen,ne dade mu Kraljeviću Marko:doch wehrt’ es ihm der Königsprosse Marko:— Stani bane, mili gospodare!— Halt ein, o Ban, mein teuerster Gebieter!tvoj je megdan, moje zaodivo!der Kampf ist dein, doch mein die Kampfvertretung!Dok mu Marko na megdan izijgje!Na, bis ihm Marko auf dem Plan erscheint!210Pa on zajmi debela šarina;Und tollte fort auf seinem feisten Schecken.natjeraše jedan na drugoga.Sie drangen einer auf den andern ein.Marko trže pernu topuzinuHerr Marko liess die Nagelkeule schwirrenpa ošinu crnu Arapinu.und niedersausen auf den Schwarzaraber.Kako ga je lako udarioWie gar so leichten Schlag er ihm versetzte,215pot sobom je šarca oborio,dass ihm der Schecken unterm Leibe stürzte,na njega se šarac pribacioder Schecke warf sich über seinen Reiterpa pritiśće Kraljevića Marka.und drückt’ zur Erd’ den Prinzen Marko nieder.Arap sjaši šafku bedevijuDer Araber stieg vom wilden Rappen abpa saveza Kraljevića Marka;und fesselte den Königsprossen Marko;220otjera ga u zemlju bugarskuer trieb ihn vor sich her ins Land Bulgarienu tavnicu Mijoila kneza.fort ins Verliess des Fürsten Michael.Malo vrime za dugo ne biloNach kleiner Weile, wohl nicht allzulanger,al eto ti crne Arapine.der Schwarzaraber wieder war zur Stelle.Arap ciči, bedevija riče,Der Araber gröhlt, der Wüstenrappe brüllt,225pod njima se crna zemlja trese.die Schwarzerd unter ihrem Trab erdröhnt:— Kojo vam je od Janoka bane?— Wer ist euch hier der Ban von Janok-Burg?nek izijgje ja izmjenu najgje!er mög erscheinen oder sein Ersatzmann!Pojgje bane na megdan izijći,Schon wollt ihm auf den Plan der Ban erscheinen,ne dade mu starina Navače:doch wehrt’ ihm Novak ab, der Heldengreis:230Stani bane, mili gospodare;— Halt ein, o Ban, mein teuerster Gebieter,dok mu stari na megdan izijgje!zuerst erschein’ ihm auf dem Plan der Alte!Bjeśjedi mu dijete Grujica:Da sprach zu ihm das Wort sein Kind Georgchen:— Â moj babo starina Novače!— O du mein Vater Novak, Heldengreis,da mi svoje sablje razmjenimo!o lass uns wechseln unsre Säbel aus;235tvoja sablja od devet pedaljaneun Spannen misst dein Säbel in der Breite,a moja je ot četiri pedlja.vier Spannen bloss ist breit der Säbel mein.— A moj sine dijete Grujica!— Lass gut es sein, mein Sohn, du Jung-Georgchen!ako meni do nevolje dojgjeSollt ich in Leid und schlimme Lage fallen,lasno ćemo sablje razmijenit!leicht wechseln wir noch unsre Säbel aus.240Natjeraše jedan na drugoga,Sie drangen einer auf den andern ein,potegoše sablje ot pojasasie zogen blank die Klingen aus dem Gürtel,(ne tje stari perne topuzine)(der Alte wollte nicht die Nagelkeule)pa ošinu crnu Arapinu;er traf mit einem Hieb den Schwarzaraber,poviš pasa malo natfatio;erfasst’ ihn nur ein wenig oberm Gürtel;245kako ga je lako udarioso fein und leicht tat diesen Streich er führen,dvije pole u travu padoše.dass gleich zwei Hälften in den Rasen fielen.Opet Arap is travice viče:Und dennoch schreit vom Rasen der Araber:— Mol se Boga, starina Novače!— O preis nur Gott, du Heldengreis, o Novak!Marko mi je rebra polomioDie Rippen hat Herr Marko mir zerbrochen,250a ne bi me lako pogubio!sonst hättest du mich nicht so leicht zerstochen!Pa odoše u zemlju bugarskuNun zogen fort sie in das Land Bulgarienbjelu dvoru Mijoila kneza.zum weissen Hofe Michaëls, des Fürsten.Kako dojgje starina NovačeKaum kam Herr Novak hin, der Heldengreisodma razbi na tamnici vratasofort zerbrach die Pfort er am Verliesse255pa ispuśća sve tri pobratima.und machte frei der Wahlgebrüder drei.Svu kneževu rastjeraše vojsku,Des Fürsten Heer sie trieben auseinanderbijele mu dvore porobiše,und plünderten ihm aus die weisse Hofburg;pokupiše gotovinu blago,sie rafften all den baren Schatz zusammen,pogubiše dva njegova sina,sie töteten ihm seine beiden Söhne,260od zla roda nek nije poroda.von frevler Zucht, dass keine Frucht verbleibe.Oni kneza živa oguliše,Den Fürsten schunden sie lebendig ab.povedoše glavitu djevojkuSie führten mit sich weg das stattlich Mädchenpa odoše kroz zemlju bugarsku.und zogen durch das Land Bulgarien heim.Igje Marko, pjeva prit svatovma:Herr Marko singt voran dem Hochzeitzuge:265— Nejmakiše brez mutna oblaka— Ohn trübe Wolke gibt es keinen Regenni junaka brez starca Novaka!und ohn den alten Novak keinen Degen!Da ne bješe starina NovačeHätt Novak uns gefehlt, der Heldengreis,mi ostasmo sužnji u Bugarskoj!wir blieben Kerkerhäftling in Bulgarien!Da b u koga ne bi ni žalioWär’s noch bei wem, es tät nicht weh der Seele,270već u onog kneza bugarskoga!doch grad bei dem, beim Fürsten von Bulgarien!Pa odoše u Janoka grada.Nun zogen sie zur Janok-Burg zu Haus.Pilav čine tri nedilje dana.Drei Wochen währte wohl der Hochzeitschmaus.

Kat se ženi od Janoka bane

Der Ban von Janok ging auf Freierfüssen;

na daleko čuo za djevojku,

vernahm von einer Maid in weiter Fremde,

čuo bane u zemlji bugarskoj

der Ban vernahm, im Lande der Bulgaren,

u onoga bugarskoga kneza,

die Tochter wär es vom Bulgarenfürsten;

gji je prose mloge mušterije

um ihre Hand dass viele Freier freien,

a nitko je odvodit ne mere.

doch keiner wär im Stand sie heimzuführen.

On opremi sebe i gjogata;

Da rüstet er sich selbst und seinen Falben,

ode bane u zemlju bugarsku

und fort ins Land Bulgarien zog der Ban

bjelu dvoru bugarskoga kneza.

zum weissen Hof des Fürsten von Bulgarien.

Dobro ga je kneže dočekavo

Fürtrefflich ihn der Fürst empfangen tat,

a iznio pivo i jidivo

er liess herbei Getränk und Speisen schaffen,

pa śjedoše ladno piti vino.

dann setzten sie sich kalten Wein zu trinken.

Odma bane zaprosi djevojke.

Der Ban hält unverweilt ums Fräulein an.

Kneže šuti, ništa ne bješjedi,

Der Fürst, der schweigt, er spricht kein einzig Wörtchen,

nit je daje nit mu je ne daje.

er sagt nicht zu und sagt ihm auch nicht ab.

Ražljuti se od Janoka bane

Darob geriet in Zorn der Ban von Janok

pa on snijgje do gjogata svoga

und stieg hinab zu seinem falben Läufer

pa uzjaši debela gjogata;

und schwang hinauf sich auf den feisten Falben;

ode bane kroz zemlju bugarsku

dahin durchs Land Bulgarien zog der Ban,

u Janoka bijeloga grada.

dahin zu seiner weissen Burg von Janok.

Sve dan po dan godinica dana.

So Tag an Tag ergab ein Jahr an Tagen.

Kada bješe o Jurjevu danu,

Als um die Zeit des Sankt Georgitages

snijeg pade o Jurjevu danu,

ein Schneefall eintrat am Georgitage,

grudaju se djeca po sokacim,

Schneebälle warfen Kinder auf den Gassen,

jedno drugog grudom udarilo,

das eine traf das andre mit dem Schneeball,

zajmiše se djeca nis sokake:

entlang den Gassen jagten sich die Kinder:

— Stani kurvo, njesi pobjegnulo

— Na, wart du Dirn, du Ding wirst nicht entwischen

na sramotu ko banu djevojka!

zu Schimpf und Schande wie dem Ban das Bräutchen!

To dočuo od Janoka bane

Der Ban von Janok das Geschrei vernahm,

pa svu sebi djecu pokupio

berief zu sich die Kinder allesamt

pa dobro je djecu darovao,

und tat die Kinder gar beschenken reichlich,

svakom djetu po žut dukat dade.

jedwedes Kind mit einem Golddukaten.

Pa opremi debela gjogata;

Drauf rüstet er den feisten Falben aus;

ode bane u zemlju bugarsku

ins Land Bulgarien zog der Ban von dannen

bjelu dvoru bugarskoga kneza.

zum weissen Hof des Fürsten von Bulgarien.

Na avliju natjera gjogata,

Er trieb den Falben nach dem Burghof hin,

na avliji zatvorena vrata.

doch war vom Hofe wohl das Tor verschlossen.

Bane trže pernu topuzinu,

Den nägelreichen Kolben schwang der Ban,

stade lupat na avliji vrata

hub an damit aufs Hoftor loszuhämmern

a on kneza po imenu vikat:

und rufen auch beim Namen an den Fürsten:

— Kurvo jedna, Mijoile kneže!

— Du eine Metze, Michaël, du Fürst,

izlaz kurvo na megdan junački

zum Heldenzweikampf komm heraus, du Metze,

ja izvodi glavitu djevojku!

wo nicht, so führ heraus das stattlich Mädchen!

Kada kneže poznavao bana

Sobald als da der Fürst den Ban erkannte,

ondar sletje vratma i avliji

flog er behend zum Tor und Hof hinab

pa otvori na avliji vrata:

und öffnete das Einlasstor des Hofes:

— Aman bane mili gospodare!

— Verzeihung Ban, mein teuerster Gebieter!

odjaš bane debela gjogata,

steig ab, o Ban, von deinem feisten Falben,

ajde sa mnom u bijele dvore!

komm in den weissen Hof mit mir hinauf;

Ja ću tebi curu pokloniti,

ich werde zum Geschenk die Maid dir machen,

ja rodio, tebi poklonio.

so wahr ich sie gezeugt, ich schenk sie dir!

Ban odjaši debela gjogata.

Da stieg der Ban vom feisten Falben ab.

Vjerne sluge konja odvedoše,

Die treuen Diener führten fort den Renner,

kneže bana u bijele dvore;

der Fürst den Ban in weisse Burggemächer;

za punu ga sopru posadio

er pflanzt’ ihn hin zur reichbesetzten Tafel;

pa śjedoše ladno piti vino.

sie huben an, dem Kühlwein zuzusprechen.

Tri bijela pridaniše dana.

Drei weisse Tage tagten sie selbander.

Kat četvrti danak osvanuo

Als dann des vierten Tages Morgen graute,

ondar bane zaprosi djevojke:

bewarb der Ban sich um des Mädchens Hand:

— Ak neš bane poklonit djevojku!

»Wenn du mir, Fürst, die Maid nicht schenken magst!«

(Er schwingt den Streitkolben gegen den Fürsten, der zu Tod erschrocken und sprachlos mit Hand und Kopf zustimmend, seine Schenkfreudigkeit äussert.)

Ondar bane bjeśjedio knezu:

Dann weiter sprach der Ban zum Fürsten noch:

— Kaću kneže sa svatovma dojći?

— Wann darf ich, Fürst, mit dem Geleit erscheinen?

koliko ću dovesti svatova?

Wie viel Geleitgefolge soll ich führen?

— Povedi mi iljadu svatova,

— Bring mir eintausend Hochgezeiter mit,

sve knezova, prvije kmetova

nur lauter Schulzen, reiche Lehenbauern

i povedi svate varošane.

und bring zu Hochgezeitern Städter mit.

Ajde bane u drugu nedilju!

Erscheine, Ban, mir in der zweiten Woche!

Pojgje bane od Janoka grada.

Der Ban von Janok brach nun auf zur Heimkehr.

Kad istjera konja na avliju,

Als hoch zu Ross er in den Hof gejagt,

na avliji banova djevojka,

befand sich in dem Hof des Fürsten Fräulein,

ona banu tio bjeśjedila:

sie sprach mit leisen Lauten so zum Ban:

— Gospodine od Janoka bane,

— Mein edler Herr und Ban von Burg zu Janok

šta no tebi babo bjeśjedaše?

was hat mein Vater wohl zu dir gesprochen?

— Bjeśjedaše Mijoile kneže

— Fürst Michaël, der hat zu mir gesprochen:

da povedem svate varošane

zu Hochgezeitern soll ich Städter bringen

i knezove i prve kmetove.

nur lauter Schulzen, reiche Lehenbauern.

— Šta će babi svati varošani?!

— Was sollen Städter-Hochzeitleut dem Vater?!

Ne će babo boje prodavati!

er will doch keine Hofgelass’ verkaufen!

I knezovi i prvi kmetovi?!

dann, lauter Schulzen, reiche Lehenbauern?!

Ne će babo zemlje dijeliti!

will denn der Vater Länderei’n verteilen?

A zâr ne znaš od Janoka bane,

Ja, blieb dir unbekannt es, Ban von Janok,

sedam sam se isprosila puta,

dass siebenmal als Braut ich ward erworben

sve sedam sam povogjena puta;

und siebenmal als Braut die Reise machte?

a moj babo, da od Boga najgje!

Jedoch mein Vater, mög es Gott ihm lohnen,

sve sedmere svate oglobio,

brandschatzte all die sieben Brautgefolge,

pogubio sedam gjuvegija,

er bracht ums Leben sieben Bräutigame

mlogo pusto nasipao blago.

und häufte viel an eitlen Schätzen auf.

I tebe će bane pogubiti

Er wird auch dich, o Ban, ums Leben bringen,

a i tvoje svate oglobiti

brandschatzen wohl auch deine Hochgezeiter,

a i tvoje blago ustaviti.

auch deine Schätze sich zurückbehalten.

Ako misliš mene odvoditi

Wofern du heimzuführen mich vermeinst,

dera kupi pod izbor junake.

traun, sammle lauter auserwählte Helden!

Pa se čuvaj kroz zemlju bugarsku,

Und nimm in Obacht dich durchs Land Bulgarien,

Bugari su stare varadžije,

Bulgaren sind ja altverschlagne Schelme,

dokle sada na gjogatu projgješ

dass dich, indes du hoch zu Falben durchziehst,

da te koji džidom ne opali!

nicht einer mit dem Wurfspiess arg versenge!

Ode bane kroz zemlju bugarsku.

Durchs Land Bulgarien zog nach heim der Ban.

Kada dogje u Janoka grada,

Als heim er in die Burg von Janok kam,

ondar śjede, sitru knjigu piše

da schrieb er ohn Verzug ein zierlich Schreiben

pa je šalje Kraljeviću Marku:

und übersandt es an den Prinzen Marko:

»Eto knjiga dragi pobratime!

»Allhier ein Schreiben, teuerer Herzensbruder!

Hajde meni Marko u svatove.

Erschein zu meinem Brautgeleite, Marko,

Nemoj vodit svata nijednoga.

bring keinen Hochgezeiter weiter mit;

Ja sam brate curu isprosio,

ich hab mir, Bruder, eine Braut erworben,

isprosio u zemlji bugarskoj.

erworben bass im Lande der Bulgaren.

Bugari su stare varadžije«.

Bulgaren sind ja altverschlagne Schelme.«

Drugu piše Miloš Obiliću:

An Miloš Obilić ein zweites Schreiben:

»Ajd Milošu meni u svatove!

»Erschein zu meinem Brautgeleite, Miloš!

Nemoj vodit svata nijednoga.

bring keinen Hochgezeiter weiter mit;

Ja sam brate curu isprosio,

ich hab mir, Bruder, eine Braut erworben,

isprosio u zemlji bugarskoj.

erworben bass im Lande der Bulgaren.

Bugari su stare varadžije«.

Bulgaren sind ja altverschlagne Schelme.«

Treću piše Relji ot Pazara:

An Relja vom Pazar ein drittes Schreiben:

»Ajde Relja meni u svatove.

»Erschein zu meinem Brautgeleite, Relja!

Nemoj vodit svata nijednoga.

bring keinen Hochgezeiter weiter mit;

Ja sam brate curu isprosio,

ich hab mir, Bruder, eine Braut erworben,

isprosio u zemlji bugarskoj.

erworben bass im Lande der Bulgaren.

Bugari su stare varadžije«.

Bulgaren sind ja altverschlagne Schelme.«

Kada bješe u oči nedilje

Als es gerad vor Sonntag Abend war,

al eto ti Kraljevića Marka

der Königsprosse Marko kam daher

a za Markom Miloš Obilića,

und gleich nach Marko Miloš Obilić,

za Milošem Relje ot Pazara.

nach Miloš folgte Relja vom Pazar.

Dobro ji je dočekao bane;

Fürtrefflich sie der Ban empfangen tat,

konje vodi u tople podrume

die Rosse führt er in die warmen Keller,

a junake u bijele dvore;

die Ritter in die weissen Burggemächer

za punu ji sopru posadio

und pflanzte sie an reichbesetzte Tafel.

pa śjedoše ladno piti vino.

Sie huben an am Kühlwein sich zu laben.

Kad u jutru jutro osvanulo,

Am Morgen als der Morgen angebrochen,

dobre svoje konje opremiše

da rüsteten sie ihre guten Renner

pa pojgjoše od Janoka grada.

und zogen fürbass aus der Burg von Janok.

Putovaše i dva i tri dana.

Am zweiten oder dritten Reisetage

Kada biše kroz goru zelenu

als sie im grünen Hochwald sich befanden

kraj stijene starine Novaka,

dem Felsen nah des Heldengreises Novak,

ondar reče Kraljeviću Marko:

da sprach das Wort der Königsprosse Marko:

— Gospodare od Janoka bane,

— O mein Gebieter, Ban von Janok-Burg,

da s vratimo starini Novaku,

zum greisen Novak lass uns Einkehr halten,

da zovnemo njega u svatove;

damit wir ihn zur Hochzeit laden ein,

nek povede svog sina Grujicu,

er führe mit Georgchen seinen Sohn;

jer brež njega pouzdanja nejma!

denn sonder ihn ist kein Verlass aufs Glück!

Pa s vratiše studenoj stijeni.

Sie hielten Einkehr in die kalte Höhle.

Bane starog zove u svatove.

Zur Hochzeit lud der Ban den Alten ein.

Bjeśjedi mu starina Novače:

Zur Antwort ihm der greise Novak gab:

— Gospodine od Janoka bane!

— O mein Gebieter, Ban von Janok-Burg!

Ja ne mogu u svatove pojći,

Zur Hochzeit kann unmöglich mit ich ziehen,

jêr ja groša ni dinara nejmam

denn keinen Groschen noch Denar besitz ich,

pa s ne mogu spremit u svatove;

und kann mich nicht zur Hochzeit rüsten aus

jêr znaš bane mili gospodare,

Du weisst ja, Ban, o teuerster Gebieter,

da ja nejmam kuće ni kućišta,

dass weder Haus ich noch Gehöfte habe;

kuća mi je studena stijena.

fürs Heim mir hilft die kalte Felsenhöhle.

Kada bane čuo lakrdiju,

Sobald der Ban die Worte tat vernehmen

dade bane stotinu dukata,

da gab der Ban ein hundert Golddukaten

dade Marko stotinu dukata,

und Marko gab ein hundert Golddukaten

dade Miloš stotinu dukata,

und Miloš gab ein hundert Golddukaten

dade Relja stotinu dukata.

und Relja gab ein hundert Golddukaten.

Opremiše starinu Novaka

Sie rüsteten den greisen Novak aus,

i njegova sina Gruajana

zu gleicher Zeit Georgchen seinen Sohn

pa odoše u zemlju bugarsku.

und zogen fürbass in das Land Bulgarien.

Kad dojgjoše u zemlju bugarsku,

Als sie im Land Bulgarien angekommen,

sve zeleno polje prikriveno;

belagert lag das grüne Grasgefilde

knez skupio silovitu vojsku.

vom Heere mächtig, das der Fürst gesammelt.

Al eto ti crne Arapine

Doch sieh! da naht ein schwarzer Araber,

i on jaši vranu bedeviju.

beritten wohl auf Beduinenrappen.

Arap ciči, bedevija riče,

Der Ărăbĕr gröhlt, der Wüstenrappe brüllt,

pod njima se crna zemlja trese:

die Schwarzerd unter dem Getrapp erdröhnt:

— Kojo vam je od Janoka bane?

— Wer ist euch hier der Ban von Janok-Burg?

nek izijgje na megdan junački,

er mög heraus zum Heldenzweikampf rücken

jă izijgje jă izmjenu najgje!

entweder selber oder sein Ersatzmann!

Pojgje bane na megdan izijći.

Schon wollt heraus der Ban zum Zweikampf rücken,

Ne dade mu Miloš Obiliću:

doch hielt zurück ihn Miloš Obilić:

— Stani bane mili gospodare!

— Halt ein, o Ban, mein teuerster Gebieter.

tvoj je megdan, moje zaodivo;

Der Kampf ist dein, doch mein die Kampfvertretung!

ja ć Arapu na megdan izijći.

ich will dem Araber im Plan erscheinen.

Pa istjera debela alata.

Und jagte hoch auf feistem Fuchs hinaus;

Natjeraše jedan na drugoga.

sie drangen einer auf den andern ein.

Arap trže pernu topuzinu

Es schwang der Araber die Nagelkeule

pa ošinu Miloš Obilića;

und schlug drauf los auf Miloš Obilić,

obori ga u zelenu travu,

er warf ihn nieder auf den grünen Rasen,

saveza mu na plećima ruke,

er band ihm auf die Schultern fest die Hände,

otjera ga u zemlju bugarsku

er trieb ihn vor sich her ins Land Bulgarien

u tavnicu Mijoila kneza.

fort ins Verliess des Fürsten Michaël.

Malo vrime zu dugo ne bilo

Nach kleiner Weile, wohl nicht allzulanger,

al eto ti crne Arapine;

der Schwarzaraber wieder war erschienen.

Arap ciči, bedevija riče:

Der Araber gröhlt, der Wüstenrappe brüllt:

— Kojo vam je od Janoka bane?

— Wer ist von euch der Ban von Janok-Burg?

nek izijgje na megdan junački,

Er mög heraus zum Heldenzweikampf rücken

ja izijgje, ja izmjenu najgje!

entweder selber oder sein Ersatzmann!

Pojgje bane na megdan izijći,

Schon wollt heraus der Ban zum Zweikampf rücken,

ne dade mu Relja ot Pazara:

doch hielt zurück ihn Relja vom Pazar:

— Stani bane, mili gospodare!

— Halt ein, o Ban, mein teuerster Gebieter!

tvoj je megdan, moje zaodivo!

der Kampf ist dein, doch mein die Kampfvertretung!

Pa istjera debela putalja.

Und stürmt’ hinaus auf seinem feisten Mustang;

Natjeraše jedan na drugoga.

sie drangen einer auf den andern ein.

Arap trže pernu topuzinu

Es schwang der Araber die Nagelkeule

pa udari Relju ot Pazara,

und schlug drauf los auf Relja vom Pazar,

obori ga u zelenu travu,

er warf ihn nieder auf den grünen Rasen,

saveza mu na plećima ruke,

er band ihm auf die Schultern fest die Hände,

otjera ga u zemlju bugarsku

er trieb ihn vor sich her ins Land Bulgarien

u tavnicu Mijoila kneza.

fort ins Verliess des Fürsten Michael.

Malo vrime za dugo ne bilo

Nach kleiner Weile, wohl nicht allzulanger,

al eto ti crne Arapine,

der Schwarzaraber wieder war zur Stelle.

Arap ciči, bedevija riče:

Der Araber gröhlt, der Wüstenrappe brüllt;

— Kojo vam je od Janoka bane?

— Wer ist von euch der Ban von Janok-Burg?

nek izijgje na megdan junački,

Er mög heraus zum Heldenzweikampf rücken

ja izijgje ja izmjenu najgje!

entweder selber oder sein Ersatzmann!

Pojgje bane na megdan izijći,

Schon wollt ihm auf dem Plan der Ban erscheinen,

ne dade mu Kraljeviću Marko:

doch wehrt’ es ihm der Königsprosse Marko:

— Stani bane, mili gospodare!

— Halt ein, o Ban, mein teuerster Gebieter!

tvoj je megdan, moje zaodivo!

der Kampf ist dein, doch mein die Kampfvertretung!

Dok mu Marko na megdan izijgje!

Na, bis ihm Marko auf dem Plan erscheint!

Pa on zajmi debela šarina;

Und tollte fort auf seinem feisten Schecken.

natjeraše jedan na drugoga.

Sie drangen einer auf den andern ein.

Marko trže pernu topuzinu

Herr Marko liess die Nagelkeule schwirren

pa ošinu crnu Arapinu.

und niedersausen auf den Schwarzaraber.

Kako ga je lako udario

Wie gar so leichten Schlag er ihm versetzte,

pot sobom je šarca oborio,

dass ihm der Schecken unterm Leibe stürzte,

na njega se šarac pribacio

der Schecke warf sich über seinen Reiter

pa pritiśće Kraljevića Marka.

und drückt’ zur Erd’ den Prinzen Marko nieder.

Arap sjaši šafku bedeviju

Der Araber stieg vom wilden Rappen ab

pa saveza Kraljevića Marka;

und fesselte den Königsprossen Marko;

otjera ga u zemlju bugarsku

er trieb ihn vor sich her ins Land Bulgarien

u tavnicu Mijoila kneza.

fort ins Verliess des Fürsten Michael.

Malo vrime za dugo ne bilo

Nach kleiner Weile, wohl nicht allzulanger,

al eto ti crne Arapine.

der Schwarzaraber wieder war zur Stelle.

Arap ciči, bedevija riče,

Der Araber gröhlt, der Wüstenrappe brüllt,

pod njima se crna zemlja trese.

die Schwarzerd unter ihrem Trab erdröhnt:

— Kojo vam je od Janoka bane?

— Wer ist euch hier der Ban von Janok-Burg?

nek izijgje ja izmjenu najgje!

er mög erscheinen oder sein Ersatzmann!

Pojgje bane na megdan izijći,

Schon wollt ihm auf den Plan der Ban erscheinen,

ne dade mu starina Navače:

doch wehrt’ ihm Novak ab, der Heldengreis:

Stani bane, mili gospodare;

— Halt ein, o Ban, mein teuerster Gebieter,

dok mu stari na megdan izijgje!

zuerst erschein’ ihm auf dem Plan der Alte!

Bjeśjedi mu dijete Grujica:

Da sprach zu ihm das Wort sein Kind Georgchen:

— Â moj babo starina Novače!

— O du mein Vater Novak, Heldengreis,

da mi svoje sablje razmjenimo!

o lass uns wechseln unsre Säbel aus;

tvoja sablja od devet pedalja

neun Spannen misst dein Säbel in der Breite,

a moja je ot četiri pedlja.

vier Spannen bloss ist breit der Säbel mein.

— A moj sine dijete Grujica!

— Lass gut es sein, mein Sohn, du Jung-Georgchen!

ako meni do nevolje dojgje

Sollt ich in Leid und schlimme Lage fallen,

lasno ćemo sablje razmijenit!

leicht wechseln wir noch unsre Säbel aus.

Natjeraše jedan na drugoga,

Sie drangen einer auf den andern ein,

potegoše sablje ot pojasa

sie zogen blank die Klingen aus dem Gürtel,

(ne tje stari perne topuzine)

(der Alte wollte nicht die Nagelkeule)

pa ošinu crnu Arapinu;

er traf mit einem Hieb den Schwarzaraber,

poviš pasa malo natfatio;

erfasst’ ihn nur ein wenig oberm Gürtel;

kako ga je lako udario

so fein und leicht tat diesen Streich er führen,

dvije pole u travu padoše.

dass gleich zwei Hälften in den Rasen fielen.

Opet Arap is travice viče:

Und dennoch schreit vom Rasen der Araber:

— Mol se Boga, starina Novače!

— O preis nur Gott, du Heldengreis, o Novak!

Marko mi je rebra polomio

Die Rippen hat Herr Marko mir zerbrochen,

a ne bi me lako pogubio!

sonst hättest du mich nicht so leicht zerstochen!

Pa odoše u zemlju bugarsku

Nun zogen fort sie in das Land Bulgarien

bjelu dvoru Mijoila kneza.

zum weissen Hofe Michaëls, des Fürsten.

Kako dojgje starina Novače

Kaum kam Herr Novak hin, der Heldengreis

odma razbi na tamnici vrata

sofort zerbrach die Pfort er am Verliesse

pa ispuśća sve tri pobratima.

und machte frei der Wahlgebrüder drei.

Svu kneževu rastjeraše vojsku,

Des Fürsten Heer sie trieben auseinander

bijele mu dvore porobiše,

und plünderten ihm aus die weisse Hofburg;

pokupiše gotovinu blago,

sie rafften all den baren Schatz zusammen,

pogubiše dva njegova sina,

sie töteten ihm seine beiden Söhne,

od zla roda nek nije poroda.

von frevler Zucht, dass keine Frucht verbleibe.

Oni kneza živa oguliše,

Den Fürsten schunden sie lebendig ab.

povedoše glavitu djevojku

Sie führten mit sich weg das stattlich Mädchen

pa odoše kroz zemlju bugarsku.

und zogen durch das Land Bulgarien heim.

Igje Marko, pjeva prit svatovma:

Herr Marko singt voran dem Hochzeitzuge:

— Nejmakiše brez mutna oblaka

— Ohn trübe Wolke gibt es keinen Regen

ni junaka brez starca Novaka!

und ohn den alten Novak keinen Degen!

Da ne bješe starina Novače

Hätt Novak uns gefehlt, der Heldengreis,

mi ostasmo sužnji u Bugarskoj!

wir blieben Kerkerhäftling in Bulgarien!

Da b u koga ne bi ni žalio

Wär’s noch bei wem, es tät nicht weh der Seele,

već u onog kneza bugarskoga!

doch grad bei dem, beim Fürsten von Bulgarien!

Pa odoše u Janoka grada.

Nun zogen sie zur Janok-Burg zu Haus.

Pilav čine tri nedilje dana.

Drei Wochen währte wohl der Hochzeitschmaus.

Erläuterungen.Das Lied sang mir am 24. Oktober 1885 mein Diener und ReisebegleiterMilovan Ilija Crljić Martinovićaus Gornji Rgovi in Bosnien vor. Von wem er das Lied »übernommen«, war ihm nicht mehr im Gedächtnisse. Er hatte es schon als Sauhirtlein gekannt, also ums Jahr 1850. In seinem Repertoir führt das Lied die Bezeichnung: Od Janoka ban u Bugarskoj i svat mu starina Novak (Der Ban von Janina in Bulgarien und dessen BrautbegleiterNovakder Heldengreis).Milovanwarums Jahr 1860 LeibpferdewächterOsman Pašasals dieser die Montenegrer bekriegte. Als dem Paša die Pferde »gestohlen« wurden, entzog sichMilovansamt Genossen durch Flucht einer Untersuchung des Falles. Er hielt sich bis zum AblebenOsman Pašasim Gebirge auf. Damals habe er, erzählte er mir, mehrmals in der Romanija planina inNovaksHöhle vor den Zaptijen (Schergen) Schutz gefunden. Er wollte auch mich hinführen, aber ich mochte nicht hin, weil mein vagabundenmässiges Gewand und Schuhwerk diese Tour durchs Walddickicht über Stock und Stein kaum bestanden hätten. Eine Novak-Höhle zeigte mir der greise Archimandrit von Banja an der Drina im Gebirge jenseits des Klosters in einem Grabsteinbruche. Das ist aber keine alte Räuberhöhle, vielmehr ein ganz gemeines, unhistorisches Loch im Sandstein, das die Steinmetzen ausgehöhlt hatten, um sich darin bei Regen und Unwetter zu bergen.Greise Haudegen, gleichgültig ob in der Epik oder in der Wirklichkeit, vonNestoran bis zum alten FlöhefeindStipurile, waren keine Dauerredner. Wer die frische, verwegene Tat zu vollbringen liebt, pflegt vielen Worten abhold zu sein. Berühmtheit ist jedoch mitunter im Leben, und öfter nach dem Tode ein Unsegen für den, der sie einmal erlangt hat und ihrer nicht mehr ledig werden kann. Wer sollte es für möglich halten, dass sich ein Serbe finden wird, der unterm Deckmantel des nationalen Patriotismus unserenNovak, den Heldengreis zum furchtbarsten, langweiligsten Schwätzer und Lügenbold, zu einem umgestülpten Gargantua umdichtern werde? Das Buch hat den Titel:Starine od starine Novakaili Tolkovanje Narodnjeg Pjevanja i Pripovjedanja. NapisaoJoksim Nović Otočanin. Izdala »Matica Srpska«. Neusatz 1867. S. 356. 8o. (Denkwürdigkeiten vom HeldengreisNovak[erzählt] oder Verdolmetschung der Volklieder und Volkerzählungen. Geschrieben vonJoksim Novićaus Otočac [in der Lika, Chrowotien]. Das Buch erklärt man für ein klassisches Erzeugnis serbischer Erzählungkunst. Es ist gut möglich, dass sichNovićconsueto more solcher serbischer und chrowotischer Literätlein selber die Reklame besorgt hat. Von einer Verdolmetschung oder Erläuterung der Volktradition ist in dem Buche nicht einmal eine Spur,Novićlässt den altenNovakbei Gelegenheit eines Taufschmauses und einer Verlobung im Hause eines Freundes bei Visoko in Bosnien seine Memorabilien aus dem Leben selig entschlafener Helden auskramen. Planlos und ziellos reihtNovakaus Guslarenliedern dürftige prosaische Berichte aneinander, entkleidet sie jeder poetischen Zutat und dichtet den Helden ungeheuerliche Schandtaten und himmelschreienden Frevel an, kurzum, nach der DarstellungNović-Novaksmüsse man die Serben für den Ausbund aller irdischen Niedertracht und Schlechtigkeit erachten. Eine blutrünstige Phantasie hatNovićgewiss, aber sie hat das eine mit den meisten Dampfluftschiffen gemein, dass sie sich über die Gipfel einer glatten Ebene nicht erheben kann. Seine Diktion ist zerhackt und gibt wohl ein Bild der bäuerlichen Ausdruckweise des Bosniers unserer Zeit. Von den sozialen und kulturellen Zuständen der Südslavendes XIV. Jahrhunderts besitztNovićkeinen blauen Dunst. Und das Bad mussNovak, der Heldengreis ausgiessen!Zu V. 5. gji mundartlich für gdi (gdje). Zu V. 6 mere für može, V. 99 sitru f. sitnu eine Spracheigentümlichkeit der Dorfbewohner vor Gornji Rgovi. Im V. 55 sagtMilovansopru für sofru; denn ihm fällt die Aussprache von f. schwer.Zu V. 51. ich habe sie geboren, dir hab ich sie geschenkt. Kraft seines väterlichen Mundschaftrechtes steht ihm unumschränkte Verfügung über die Tochter frei. Mein seliger Landsmann der HeiligeHieronymus Sophronius Eusebius(aus dem vierten Jahrhunderte) erzählt treuherzig in griechischer Sprache, er persönlich habe zu Alexandrien einen Pathicum gekannt, der schwanger geworden und einen unförmlichen Klumpen statt eines Kindes geboren. Das glaubt ihm kein serbischer Bauer, obgleich er, wie uns auch der V. 51 lehrt, ohne weiters einen Vater sagen lässt, dass er sein Kindgeboren. Er will damit natürlich den gewöhnlichen Hergang des Geborenwerdens von einer Mutter nicht abläugnen, sondern lediglich dasVaterrechthervorheben, demzufolge der Vater alles, die Mutter nichts gilt. Unsere Helden töten zum Schluss die beiden Söhne des FürstenMichaël, um dessen Geschlecht mit Stumpf und Stil auszurotten, aber es fällt ihnen nicht im Traume ein, dass aus der Ehe des Bans von Janok mit der geraubten Fürstentochter dem geschundenen Fürsten Enkel entspriessen könnten. Die Prinzessin scheidet mit dem Eintritt in des Bans Stamm gänzlich aus dem väterlichen Geschlechterverbande und ihre Kinder gebiert der Ban, ihr Herr und Gebieter über Leben und Tod. Das Recht des Stärkeren hat eine zwingende Logik, es tut auch der Sprache Gewalt an. Ich durfte hier der Spur des Serben nicht folgen, weil man meine Verdeutschung ohne Kommentar nicht verstanden haben würde; darum erlaube ich mir etwas anderes einzusetzen, um den Leser nicht aufzuhalten.Zu V. 60 irrtümlich bane für kneže und im V. 70 banova statt kneževa. Sprechversehen sind nicht selten in Guslarenliedern. Quandoque et bonus dormitat Guslarus. Ich ändere selbst Derartiges nicht in meinen Texten. Die interpolierten 2 Zeilen Gedankenstriche im Texte nach V. 60 und die Einschaltung in der Verdeutschung sind von mir. Ohne die gedachte raubritterliche Pantomime wäre die Szene kaum verständlich.Zu V. 63. Die Frage ist am Platze; denn der Bräutigam kann von vornherein nicht wissen, wie viel Leute der Fürst in der Lage sei, gastlich frei zu halten. Der Fürst wünscht sich Städter, friedliebende Leute, zu Gästen, die auch bei Geld sind und sich selber etwas kaufen, anstatt den Gastgeber auszusacken und arm zu fressen. Die Braut freilich gibt dem Wunsche eine davon verschiedene Deutung.Zu V. 62. in der zweiten Woche, d. h. nach 15 (14 + 1) Tagen. Trifft der Bräutigam bis dahin um die Braut nicht ein, wird der Handel, die Verlobung von selbst rückgängig.Zu V. 71. Halblaut sprechen ist nach osmanischen Anstandbegriffen die Art feingebildeter Leute. Das Fräulein redet hier aber auch aus Vorsicht leise.Zu V. 78. Bŏje, d. i. Stockwerke der Häuser. Holzbauten kann man auseinanderlegen und an einem anderen passenden Orte aufstellen. Der Unterbau aus Stein ist unverkäuflich.Zu V. 94. In serbischen Guslarenliedern öfters: bugari su stare varalice, d. h. Bulgaren haben es faustdick hinter den Ohren. Statt Bugari sonst Latini Lateiner (Venezianer). Solche Schmeicheleien sagen einander Nachbarvölker gernnach. Man lese darüber das treffliche Werk: Blason populaire de la France parH. Gaidoz et Paul Sébillot. Paris 1884. XV, 382 und dazuSébillotsNachtrag: Blason populaire de la Haute-Bretagne 38 S. Tragisch sind solche Aussprüche nicht zu nehmen.Zu V. 100. Die Besorgnis ist unbegründet, dass uns der Guslar etwa tausendmal denselben Brief zum Besten gegeben hätte, wenn der Ban 1000 Gäste eingeladen. Selbst bei grossartigen Einladungen nennt der Sänger nur die ersten Würdenträger und Führer namentlich, doch meist um deren Aufzug späterhin beschreiben zu können.Zu V. 100 ff. Über den PrinzenMarkogibt es sowohl in der serbischen als der deutschen und russischen Sprache schon eine stattliche Literatur. Heil dem Manne, der sie nicht zu lesen braucht. Hübsche Charakteristiken der bulgarischen Überlieferung gabG. Popovim Sbornik za narodni umotvorenija, Sofija 1890. (Blgarskite junaški pesni) Bd. III1, S. 247 ff.Zu V. 139. Das Lob bezieht sich ausschliesslich auf den Alten. Er zieht als »stari svat« als der Oberordner des Hochzeitzuges und Proviantmeister mit, seinen Weisungen muss jedermann gehorchen, selbst Braut und Bräutigam und deren Eltern.Zu V. 145. Kojo für koje je ovo (welches ist allda, hier), kojvo.Zu V. 171. Zaodivo, Gang für einen anderen. Das Wort noch in keinem Wörterbuch.Zu V. 218 šăfku in der Verdeutschung nicht wiedergegeben. BeiMilovanöfters, kommt noch in den Wtb. nicht vor. Ich vermute ein ursprüngliches türk. čapkun, ein Pferd, dessen Gangart der Galopp ist. Das bosnische Bauernpferd ist an den langsamen Passgang gewöhnt.Milovankannte die Bedeutung des Wortes nicht. E tako sam primio (ja, so hab ich’s überkommen), pflegt er in solchen Fällen zu sagen.Zu V. 235 ff. Solche riesige Aufschneidereien sind in Guslarenliedern nicht spärlich. Man denke sich die kolossale Länge zu einem neun Spannen breiten Schwerte!Grujomeint, der Säbel dürfte dem alten Vater doch etwas schwer fallen und darum bietet er ihm seine leichte Klinge an. Die ist bloss vier Spannen breit und wahrscheinlich nur zwanzig Ellen lang. Solche Einschaltungen gehören zum dichterischen Aufputz der Guslarenlieder.Zu V. 242. Der Alte wollte die Nagelkeule nicht beschmutzen. Es verlohnt sich ihm gar nicht, gegen einen so geringen Gegner mit einer so wuchtigen Waffe auszuholen. Nach einem Guslarenliede wog der Apfel vonNovaksSchlachtkeule 120 Litren Eisen.Zu V. 261. Unter oguliti (schinden) ist hier lediglich die Amputation der Ohren, der Nase, der Finger, Zehen und des Zumptes zu verstehen. Über altsüdslavische Strafen vrgl. meinen Kommentar zu KönigMathiasundPeter Gérébin den Ethnolog. Mitl. aus Ungarn, Bd. III. In unserem Sonderfalle nahmen die Helden, wie nach Kriegbrauch, wohl die abgeschnittenen Leibteile als Siegzeichen mit, um sie daheim vorzuzeigen.Zu V. 272. Die Hochzeitfestlichkeiten dauern sonst nur zwei Wochen, diesmal vergönnten sich die Herrschaften noch eine dritte gute Woche. In Slavonien darf nach behördlicher Verfügung kein Hochzeitschmaus länger als 2 Tage währen; denn das Bauernvolk richtete sich durch den üblichen Aufwand bei Hochzeiten wirtschaftlich zu Grunde.

Erläuterungen.

Das Lied sang mir am 24. Oktober 1885 mein Diener und ReisebegleiterMilovan Ilija Crljić Martinovićaus Gornji Rgovi in Bosnien vor. Von wem er das Lied »übernommen«, war ihm nicht mehr im Gedächtnisse. Er hatte es schon als Sauhirtlein gekannt, also ums Jahr 1850. In seinem Repertoir führt das Lied die Bezeichnung: Od Janoka ban u Bugarskoj i svat mu starina Novak (Der Ban von Janina in Bulgarien und dessen BrautbegleiterNovakder Heldengreis).Milovanwarums Jahr 1860 LeibpferdewächterOsman Pašasals dieser die Montenegrer bekriegte. Als dem Paša die Pferde »gestohlen« wurden, entzog sichMilovansamt Genossen durch Flucht einer Untersuchung des Falles. Er hielt sich bis zum AblebenOsman Pašasim Gebirge auf. Damals habe er, erzählte er mir, mehrmals in der Romanija planina inNovaksHöhle vor den Zaptijen (Schergen) Schutz gefunden. Er wollte auch mich hinführen, aber ich mochte nicht hin, weil mein vagabundenmässiges Gewand und Schuhwerk diese Tour durchs Walddickicht über Stock und Stein kaum bestanden hätten. Eine Novak-Höhle zeigte mir der greise Archimandrit von Banja an der Drina im Gebirge jenseits des Klosters in einem Grabsteinbruche. Das ist aber keine alte Räuberhöhle, vielmehr ein ganz gemeines, unhistorisches Loch im Sandstein, das die Steinmetzen ausgehöhlt hatten, um sich darin bei Regen und Unwetter zu bergen.Greise Haudegen, gleichgültig ob in der Epik oder in der Wirklichkeit, vonNestoran bis zum alten FlöhefeindStipurile, waren keine Dauerredner. Wer die frische, verwegene Tat zu vollbringen liebt, pflegt vielen Worten abhold zu sein. Berühmtheit ist jedoch mitunter im Leben, und öfter nach dem Tode ein Unsegen für den, der sie einmal erlangt hat und ihrer nicht mehr ledig werden kann. Wer sollte es für möglich halten, dass sich ein Serbe finden wird, der unterm Deckmantel des nationalen Patriotismus unserenNovak, den Heldengreis zum furchtbarsten, langweiligsten Schwätzer und Lügenbold, zu einem umgestülpten Gargantua umdichtern werde? Das Buch hat den Titel:Starine od starine Novakaili Tolkovanje Narodnjeg Pjevanja i Pripovjedanja. NapisaoJoksim Nović Otočanin. Izdala »Matica Srpska«. Neusatz 1867. S. 356. 8o. (Denkwürdigkeiten vom HeldengreisNovak[erzählt] oder Verdolmetschung der Volklieder und Volkerzählungen. Geschrieben vonJoksim Novićaus Otočac [in der Lika, Chrowotien]. Das Buch erklärt man für ein klassisches Erzeugnis serbischer Erzählungkunst. Es ist gut möglich, dass sichNovićconsueto more solcher serbischer und chrowotischer Literätlein selber die Reklame besorgt hat. Von einer Verdolmetschung oder Erläuterung der Volktradition ist in dem Buche nicht einmal eine Spur,Novićlässt den altenNovakbei Gelegenheit eines Taufschmauses und einer Verlobung im Hause eines Freundes bei Visoko in Bosnien seine Memorabilien aus dem Leben selig entschlafener Helden auskramen. Planlos und ziellos reihtNovakaus Guslarenliedern dürftige prosaische Berichte aneinander, entkleidet sie jeder poetischen Zutat und dichtet den Helden ungeheuerliche Schandtaten und himmelschreienden Frevel an, kurzum, nach der DarstellungNović-Novaksmüsse man die Serben für den Ausbund aller irdischen Niedertracht und Schlechtigkeit erachten. Eine blutrünstige Phantasie hatNovićgewiss, aber sie hat das eine mit den meisten Dampfluftschiffen gemein, dass sie sich über die Gipfel einer glatten Ebene nicht erheben kann. Seine Diktion ist zerhackt und gibt wohl ein Bild der bäuerlichen Ausdruckweise des Bosniers unserer Zeit. Von den sozialen und kulturellen Zuständen der Südslavendes XIV. Jahrhunderts besitztNovićkeinen blauen Dunst. Und das Bad mussNovak, der Heldengreis ausgiessen!Zu V. 5. gji mundartlich für gdi (gdje). Zu V. 6 mere für može, V. 99 sitru f. sitnu eine Spracheigentümlichkeit der Dorfbewohner vor Gornji Rgovi. Im V. 55 sagtMilovansopru für sofru; denn ihm fällt die Aussprache von f. schwer.Zu V. 51. ich habe sie geboren, dir hab ich sie geschenkt. Kraft seines väterlichen Mundschaftrechtes steht ihm unumschränkte Verfügung über die Tochter frei. Mein seliger Landsmann der HeiligeHieronymus Sophronius Eusebius(aus dem vierten Jahrhunderte) erzählt treuherzig in griechischer Sprache, er persönlich habe zu Alexandrien einen Pathicum gekannt, der schwanger geworden und einen unförmlichen Klumpen statt eines Kindes geboren. Das glaubt ihm kein serbischer Bauer, obgleich er, wie uns auch der V. 51 lehrt, ohne weiters einen Vater sagen lässt, dass er sein Kindgeboren. Er will damit natürlich den gewöhnlichen Hergang des Geborenwerdens von einer Mutter nicht abläugnen, sondern lediglich dasVaterrechthervorheben, demzufolge der Vater alles, die Mutter nichts gilt. Unsere Helden töten zum Schluss die beiden Söhne des FürstenMichaël, um dessen Geschlecht mit Stumpf und Stil auszurotten, aber es fällt ihnen nicht im Traume ein, dass aus der Ehe des Bans von Janok mit der geraubten Fürstentochter dem geschundenen Fürsten Enkel entspriessen könnten. Die Prinzessin scheidet mit dem Eintritt in des Bans Stamm gänzlich aus dem väterlichen Geschlechterverbande und ihre Kinder gebiert der Ban, ihr Herr und Gebieter über Leben und Tod. Das Recht des Stärkeren hat eine zwingende Logik, es tut auch der Sprache Gewalt an. Ich durfte hier der Spur des Serben nicht folgen, weil man meine Verdeutschung ohne Kommentar nicht verstanden haben würde; darum erlaube ich mir etwas anderes einzusetzen, um den Leser nicht aufzuhalten.Zu V. 60 irrtümlich bane für kneže und im V. 70 banova statt kneževa. Sprechversehen sind nicht selten in Guslarenliedern. Quandoque et bonus dormitat Guslarus. Ich ändere selbst Derartiges nicht in meinen Texten. Die interpolierten 2 Zeilen Gedankenstriche im Texte nach V. 60 und die Einschaltung in der Verdeutschung sind von mir. Ohne die gedachte raubritterliche Pantomime wäre die Szene kaum verständlich.Zu V. 63. Die Frage ist am Platze; denn der Bräutigam kann von vornherein nicht wissen, wie viel Leute der Fürst in der Lage sei, gastlich frei zu halten. Der Fürst wünscht sich Städter, friedliebende Leute, zu Gästen, die auch bei Geld sind und sich selber etwas kaufen, anstatt den Gastgeber auszusacken und arm zu fressen. Die Braut freilich gibt dem Wunsche eine davon verschiedene Deutung.Zu V. 62. in der zweiten Woche, d. h. nach 15 (14 + 1) Tagen. Trifft der Bräutigam bis dahin um die Braut nicht ein, wird der Handel, die Verlobung von selbst rückgängig.Zu V. 71. Halblaut sprechen ist nach osmanischen Anstandbegriffen die Art feingebildeter Leute. Das Fräulein redet hier aber auch aus Vorsicht leise.Zu V. 78. Bŏje, d. i. Stockwerke der Häuser. Holzbauten kann man auseinanderlegen und an einem anderen passenden Orte aufstellen. Der Unterbau aus Stein ist unverkäuflich.Zu V. 94. In serbischen Guslarenliedern öfters: bugari su stare varalice, d. h. Bulgaren haben es faustdick hinter den Ohren. Statt Bugari sonst Latini Lateiner (Venezianer). Solche Schmeicheleien sagen einander Nachbarvölker gernnach. Man lese darüber das treffliche Werk: Blason populaire de la France parH. Gaidoz et Paul Sébillot. Paris 1884. XV, 382 und dazuSébillotsNachtrag: Blason populaire de la Haute-Bretagne 38 S. Tragisch sind solche Aussprüche nicht zu nehmen.Zu V. 100. Die Besorgnis ist unbegründet, dass uns der Guslar etwa tausendmal denselben Brief zum Besten gegeben hätte, wenn der Ban 1000 Gäste eingeladen. Selbst bei grossartigen Einladungen nennt der Sänger nur die ersten Würdenträger und Führer namentlich, doch meist um deren Aufzug späterhin beschreiben zu können.Zu V. 100 ff. Über den PrinzenMarkogibt es sowohl in der serbischen als der deutschen und russischen Sprache schon eine stattliche Literatur. Heil dem Manne, der sie nicht zu lesen braucht. Hübsche Charakteristiken der bulgarischen Überlieferung gabG. Popovim Sbornik za narodni umotvorenija, Sofija 1890. (Blgarskite junaški pesni) Bd. III1, S. 247 ff.Zu V. 139. Das Lob bezieht sich ausschliesslich auf den Alten. Er zieht als »stari svat« als der Oberordner des Hochzeitzuges und Proviantmeister mit, seinen Weisungen muss jedermann gehorchen, selbst Braut und Bräutigam und deren Eltern.Zu V. 145. Kojo für koje je ovo (welches ist allda, hier), kojvo.Zu V. 171. Zaodivo, Gang für einen anderen. Das Wort noch in keinem Wörterbuch.Zu V. 218 šăfku in der Verdeutschung nicht wiedergegeben. BeiMilovanöfters, kommt noch in den Wtb. nicht vor. Ich vermute ein ursprüngliches türk. čapkun, ein Pferd, dessen Gangart der Galopp ist. Das bosnische Bauernpferd ist an den langsamen Passgang gewöhnt.Milovankannte die Bedeutung des Wortes nicht. E tako sam primio (ja, so hab ich’s überkommen), pflegt er in solchen Fällen zu sagen.Zu V. 235 ff. Solche riesige Aufschneidereien sind in Guslarenliedern nicht spärlich. Man denke sich die kolossale Länge zu einem neun Spannen breiten Schwerte!Grujomeint, der Säbel dürfte dem alten Vater doch etwas schwer fallen und darum bietet er ihm seine leichte Klinge an. Die ist bloss vier Spannen breit und wahrscheinlich nur zwanzig Ellen lang. Solche Einschaltungen gehören zum dichterischen Aufputz der Guslarenlieder.Zu V. 242. Der Alte wollte die Nagelkeule nicht beschmutzen. Es verlohnt sich ihm gar nicht, gegen einen so geringen Gegner mit einer so wuchtigen Waffe auszuholen. Nach einem Guslarenliede wog der Apfel vonNovaksSchlachtkeule 120 Litren Eisen.Zu V. 261. Unter oguliti (schinden) ist hier lediglich die Amputation der Ohren, der Nase, der Finger, Zehen und des Zumptes zu verstehen. Über altsüdslavische Strafen vrgl. meinen Kommentar zu KönigMathiasundPeter Gérébin den Ethnolog. Mitl. aus Ungarn, Bd. III. In unserem Sonderfalle nahmen die Helden, wie nach Kriegbrauch, wohl die abgeschnittenen Leibteile als Siegzeichen mit, um sie daheim vorzuzeigen.Zu V. 272. Die Hochzeitfestlichkeiten dauern sonst nur zwei Wochen, diesmal vergönnten sich die Herrschaften noch eine dritte gute Woche. In Slavonien darf nach behördlicher Verfügung kein Hochzeitschmaus länger als 2 Tage währen; denn das Bauernvolk richtete sich durch den üblichen Aufwand bei Hochzeiten wirtschaftlich zu Grunde.

Das Lied sang mir am 24. Oktober 1885 mein Diener und ReisebegleiterMilovan Ilija Crljić Martinovićaus Gornji Rgovi in Bosnien vor. Von wem er das Lied »übernommen«, war ihm nicht mehr im Gedächtnisse. Er hatte es schon als Sauhirtlein gekannt, also ums Jahr 1850. In seinem Repertoir führt das Lied die Bezeichnung: Od Janoka ban u Bugarskoj i svat mu starina Novak (Der Ban von Janina in Bulgarien und dessen BrautbegleiterNovakder Heldengreis).Milovanwarums Jahr 1860 LeibpferdewächterOsman Pašasals dieser die Montenegrer bekriegte. Als dem Paša die Pferde »gestohlen« wurden, entzog sichMilovansamt Genossen durch Flucht einer Untersuchung des Falles. Er hielt sich bis zum AblebenOsman Pašasim Gebirge auf. Damals habe er, erzählte er mir, mehrmals in der Romanija planina inNovaksHöhle vor den Zaptijen (Schergen) Schutz gefunden. Er wollte auch mich hinführen, aber ich mochte nicht hin, weil mein vagabundenmässiges Gewand und Schuhwerk diese Tour durchs Walddickicht über Stock und Stein kaum bestanden hätten. Eine Novak-Höhle zeigte mir der greise Archimandrit von Banja an der Drina im Gebirge jenseits des Klosters in einem Grabsteinbruche. Das ist aber keine alte Räuberhöhle, vielmehr ein ganz gemeines, unhistorisches Loch im Sandstein, das die Steinmetzen ausgehöhlt hatten, um sich darin bei Regen und Unwetter zu bergen.

Greise Haudegen, gleichgültig ob in der Epik oder in der Wirklichkeit, vonNestoran bis zum alten FlöhefeindStipurile, waren keine Dauerredner. Wer die frische, verwegene Tat zu vollbringen liebt, pflegt vielen Worten abhold zu sein. Berühmtheit ist jedoch mitunter im Leben, und öfter nach dem Tode ein Unsegen für den, der sie einmal erlangt hat und ihrer nicht mehr ledig werden kann. Wer sollte es für möglich halten, dass sich ein Serbe finden wird, der unterm Deckmantel des nationalen Patriotismus unserenNovak, den Heldengreis zum furchtbarsten, langweiligsten Schwätzer und Lügenbold, zu einem umgestülpten Gargantua umdichtern werde? Das Buch hat den Titel:Starine od starine Novakaili Tolkovanje Narodnjeg Pjevanja i Pripovjedanja. NapisaoJoksim Nović Otočanin. Izdala »Matica Srpska«. Neusatz 1867. S. 356. 8o. (Denkwürdigkeiten vom HeldengreisNovak[erzählt] oder Verdolmetschung der Volklieder und Volkerzählungen. Geschrieben vonJoksim Novićaus Otočac [in der Lika, Chrowotien]. Das Buch erklärt man für ein klassisches Erzeugnis serbischer Erzählungkunst. Es ist gut möglich, dass sichNovićconsueto more solcher serbischer und chrowotischer Literätlein selber die Reklame besorgt hat. Von einer Verdolmetschung oder Erläuterung der Volktradition ist in dem Buche nicht einmal eine Spur,Novićlässt den altenNovakbei Gelegenheit eines Taufschmauses und einer Verlobung im Hause eines Freundes bei Visoko in Bosnien seine Memorabilien aus dem Leben selig entschlafener Helden auskramen. Planlos und ziellos reihtNovakaus Guslarenliedern dürftige prosaische Berichte aneinander, entkleidet sie jeder poetischen Zutat und dichtet den Helden ungeheuerliche Schandtaten und himmelschreienden Frevel an, kurzum, nach der DarstellungNović-Novaksmüsse man die Serben für den Ausbund aller irdischen Niedertracht und Schlechtigkeit erachten. Eine blutrünstige Phantasie hatNovićgewiss, aber sie hat das eine mit den meisten Dampfluftschiffen gemein, dass sie sich über die Gipfel einer glatten Ebene nicht erheben kann. Seine Diktion ist zerhackt und gibt wohl ein Bild der bäuerlichen Ausdruckweise des Bosniers unserer Zeit. Von den sozialen und kulturellen Zuständen der Südslavendes XIV. Jahrhunderts besitztNovićkeinen blauen Dunst. Und das Bad mussNovak, der Heldengreis ausgiessen!

Zu V. 5. gji mundartlich für gdi (gdje). Zu V. 6 mere für može, V. 99 sitru f. sitnu eine Spracheigentümlichkeit der Dorfbewohner vor Gornji Rgovi. Im V. 55 sagtMilovansopru für sofru; denn ihm fällt die Aussprache von f. schwer.

Zu V. 51. ich habe sie geboren, dir hab ich sie geschenkt. Kraft seines väterlichen Mundschaftrechtes steht ihm unumschränkte Verfügung über die Tochter frei. Mein seliger Landsmann der HeiligeHieronymus Sophronius Eusebius(aus dem vierten Jahrhunderte) erzählt treuherzig in griechischer Sprache, er persönlich habe zu Alexandrien einen Pathicum gekannt, der schwanger geworden und einen unförmlichen Klumpen statt eines Kindes geboren. Das glaubt ihm kein serbischer Bauer, obgleich er, wie uns auch der V. 51 lehrt, ohne weiters einen Vater sagen lässt, dass er sein Kindgeboren. Er will damit natürlich den gewöhnlichen Hergang des Geborenwerdens von einer Mutter nicht abläugnen, sondern lediglich dasVaterrechthervorheben, demzufolge der Vater alles, die Mutter nichts gilt. Unsere Helden töten zum Schluss die beiden Söhne des FürstenMichaël, um dessen Geschlecht mit Stumpf und Stil auszurotten, aber es fällt ihnen nicht im Traume ein, dass aus der Ehe des Bans von Janok mit der geraubten Fürstentochter dem geschundenen Fürsten Enkel entspriessen könnten. Die Prinzessin scheidet mit dem Eintritt in des Bans Stamm gänzlich aus dem väterlichen Geschlechterverbande und ihre Kinder gebiert der Ban, ihr Herr und Gebieter über Leben und Tod. Das Recht des Stärkeren hat eine zwingende Logik, es tut auch der Sprache Gewalt an. Ich durfte hier der Spur des Serben nicht folgen, weil man meine Verdeutschung ohne Kommentar nicht verstanden haben würde; darum erlaube ich mir etwas anderes einzusetzen, um den Leser nicht aufzuhalten.

Zu V. 60 irrtümlich bane für kneže und im V. 70 banova statt kneževa. Sprechversehen sind nicht selten in Guslarenliedern. Quandoque et bonus dormitat Guslarus. Ich ändere selbst Derartiges nicht in meinen Texten. Die interpolierten 2 Zeilen Gedankenstriche im Texte nach V. 60 und die Einschaltung in der Verdeutschung sind von mir. Ohne die gedachte raubritterliche Pantomime wäre die Szene kaum verständlich.

Zu V. 63. Die Frage ist am Platze; denn der Bräutigam kann von vornherein nicht wissen, wie viel Leute der Fürst in der Lage sei, gastlich frei zu halten. Der Fürst wünscht sich Städter, friedliebende Leute, zu Gästen, die auch bei Geld sind und sich selber etwas kaufen, anstatt den Gastgeber auszusacken und arm zu fressen. Die Braut freilich gibt dem Wunsche eine davon verschiedene Deutung.

Zu V. 62. in der zweiten Woche, d. h. nach 15 (14 + 1) Tagen. Trifft der Bräutigam bis dahin um die Braut nicht ein, wird der Handel, die Verlobung von selbst rückgängig.

Zu V. 71. Halblaut sprechen ist nach osmanischen Anstandbegriffen die Art feingebildeter Leute. Das Fräulein redet hier aber auch aus Vorsicht leise.

Zu V. 78. Bŏje, d. i. Stockwerke der Häuser. Holzbauten kann man auseinanderlegen und an einem anderen passenden Orte aufstellen. Der Unterbau aus Stein ist unverkäuflich.

Zu V. 94. In serbischen Guslarenliedern öfters: bugari su stare varalice, d. h. Bulgaren haben es faustdick hinter den Ohren. Statt Bugari sonst Latini Lateiner (Venezianer). Solche Schmeicheleien sagen einander Nachbarvölker gernnach. Man lese darüber das treffliche Werk: Blason populaire de la France parH. Gaidoz et Paul Sébillot. Paris 1884. XV, 382 und dazuSébillotsNachtrag: Blason populaire de la Haute-Bretagne 38 S. Tragisch sind solche Aussprüche nicht zu nehmen.

Zu V. 100. Die Besorgnis ist unbegründet, dass uns der Guslar etwa tausendmal denselben Brief zum Besten gegeben hätte, wenn der Ban 1000 Gäste eingeladen. Selbst bei grossartigen Einladungen nennt der Sänger nur die ersten Würdenträger und Führer namentlich, doch meist um deren Aufzug späterhin beschreiben zu können.

Zu V. 100 ff. Über den PrinzenMarkogibt es sowohl in der serbischen als der deutschen und russischen Sprache schon eine stattliche Literatur. Heil dem Manne, der sie nicht zu lesen braucht. Hübsche Charakteristiken der bulgarischen Überlieferung gabG. Popovim Sbornik za narodni umotvorenija, Sofija 1890. (Blgarskite junaški pesni) Bd. III1, S. 247 ff.

Zu V. 139. Das Lob bezieht sich ausschliesslich auf den Alten. Er zieht als »stari svat« als der Oberordner des Hochzeitzuges und Proviantmeister mit, seinen Weisungen muss jedermann gehorchen, selbst Braut und Bräutigam und deren Eltern.

Zu V. 145. Kojo für koje je ovo (welches ist allda, hier), kojvo.

Zu V. 171. Zaodivo, Gang für einen anderen. Das Wort noch in keinem Wörterbuch.

Zu V. 218 šăfku in der Verdeutschung nicht wiedergegeben. BeiMilovanöfters, kommt noch in den Wtb. nicht vor. Ich vermute ein ursprüngliches türk. čapkun, ein Pferd, dessen Gangart der Galopp ist. Das bosnische Bauernpferd ist an den langsamen Passgang gewöhnt.Milovankannte die Bedeutung des Wortes nicht. E tako sam primio (ja, so hab ich’s überkommen), pflegt er in solchen Fällen zu sagen.

Zu V. 235 ff. Solche riesige Aufschneidereien sind in Guslarenliedern nicht spärlich. Man denke sich die kolossale Länge zu einem neun Spannen breiten Schwerte!Grujomeint, der Säbel dürfte dem alten Vater doch etwas schwer fallen und darum bietet er ihm seine leichte Klinge an. Die ist bloss vier Spannen breit und wahrscheinlich nur zwanzig Ellen lang. Solche Einschaltungen gehören zum dichterischen Aufputz der Guslarenlieder.

Zu V. 242. Der Alte wollte die Nagelkeule nicht beschmutzen. Es verlohnt sich ihm gar nicht, gegen einen so geringen Gegner mit einer so wuchtigen Waffe auszuholen. Nach einem Guslarenliede wog der Apfel vonNovaksSchlachtkeule 120 Litren Eisen.

Zu V. 261. Unter oguliti (schinden) ist hier lediglich die Amputation der Ohren, der Nase, der Finger, Zehen und des Zumptes zu verstehen. Über altsüdslavische Strafen vrgl. meinen Kommentar zu KönigMathiasundPeter Gérébin den Ethnolog. Mitl. aus Ungarn, Bd. III. In unserem Sonderfalle nahmen die Helden, wie nach Kriegbrauch, wohl die abgeschnittenen Leibteile als Siegzeichen mit, um sie daheim vorzuzeigen.

Zu V. 272. Die Hochzeitfestlichkeiten dauern sonst nur zwei Wochen, diesmal vergönnten sich die Herrschaften noch eine dritte gute Woche. In Slavonien darf nach behördlicher Verfügung kein Hochzeitschmaus länger als 2 Tage währen; denn das Bauernvolk richtete sich durch den üblichen Aufwand bei Hochzeiten wirtschaftlich zu Grunde.

1Ich veröffentlichte es inT. R. GjorgjevićsMonatschrift Karadžić. Aleksinac 1902.2Das prächtige Guslarenlied ward am Folklore-Kongress zu Chicago 1893 verlesen und ist im Sammelbande des Kongresses erschienen.3In einer Wählerversammlung in Brod a. d. Save, hörte ich im Sommer des Jahres 1885 den Landtagkandidaten Pfarrer Š. sagen: die Steuern sind eine Erfindung der Magyaren. Mit unserem Gelde erbauen sie für sich in Budapest Paläste. Auf die Anzeige des Polizeikommissärs hin, bekam der Redner drei Monate Klosterarrest gerichtlich zugesprochen.4Orlović, Der Burggraf von Raab. Ein mohammedanisch-slavisches Guslarenlied aus der Hercegovina. Freiburg i. Br. 1889. S. 32–35 und dazu in den Erläuterungen S. 96 f.5Gruzinskij izvod skazanija o Sv. Georgij. Moskva 1892.50 S. In den Vorlesungen der Kaiserl. Gesellschaft für Geschichte und russische Altertümer an der Moskauer Universität. — Die wissenschaftlich gründliche Arbeit lieferte aberEdwin Sidney Hartland,The Legend of Perseus. A study of tradition in story custom and belief.Vol. I, 1894, S. 228; II, 1895, S. 445; III, 1896, S. 225. London, Alfred Nutt.

1Ich veröffentlichte es inT. R. GjorgjevićsMonatschrift Karadžić. Aleksinac 1902.

2Das prächtige Guslarenlied ward am Folklore-Kongress zu Chicago 1893 verlesen und ist im Sammelbande des Kongresses erschienen.

3In einer Wählerversammlung in Brod a. d. Save, hörte ich im Sommer des Jahres 1885 den Landtagkandidaten Pfarrer Š. sagen: die Steuern sind eine Erfindung der Magyaren. Mit unserem Gelde erbauen sie für sich in Budapest Paläste. Auf die Anzeige des Polizeikommissärs hin, bekam der Redner drei Monate Klosterarrest gerichtlich zugesprochen.

4Orlović, Der Burggraf von Raab. Ein mohammedanisch-slavisches Guslarenlied aus der Hercegovina. Freiburg i. Br. 1889. S. 32–35 und dazu in den Erläuterungen S. 96 f.

5Gruzinskij izvod skazanija o Sv. Georgij. Moskva 1892.50 S. In den Vorlesungen der Kaiserl. Gesellschaft für Geschichte und russische Altertümer an der Moskauer Universität. — Die wissenschaftlich gründliche Arbeit lieferte aberEdwin Sidney Hartland,The Legend of Perseus. A study of tradition in story custom and belief.Vol. I, 1894, S. 228; II, 1895, S. 445; III, 1896, S. 225. London, Alfred Nutt.


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