Der Umstand des Ortes.
(Wo? Umstands- und Verhältnißwörter.)
Das enge Stübchen der alten Mutter Beate bot ein trauriges Bild.In einem düsteren Winkelerblickte man ein Häufchen halbvermodertes Stroh.Auf demselbenlagen einige zerlumpte Kleidungsstücke. Hier schlief die arme Alte. Oberhalb ihres Kopfes hatte ihre Katze ihr Nachtlager aufgeschlagen.
Neben dieser elenden Ruhestatt der bejahrten Beate stand ein morsches Tischchen. An diesem saß sie gewöhnlich. Dabei huschelte die Katze hinter ihrem Rücken. Der Tisch war zugleich der Aufbewahrungsort für die ärmlichen Nahrungsmittel. Hier lag ein Laib Brod. Vorn war derselbe mit Schimmel bedeckt, hinten hatten ihn die Mäuse benagt. Dort stand ein Rest gekochter Kartoffeln. Mitten auf dem Tische erblickte man eine thönerne Kaffeekanne. Vor ihr stand eine halbzerbrochene Tasse. Zwischen beiden sah man ein Häuflein grobes Salz.
Dicht bei der Thür knisterte ein kleiner Blechofen. Eine Hand voll dürrer Aeste lag zu seinen Füßen. An der einen Wand hing ein verblichenes Christusbild. Unter ihm war ein handgroßer Spiegel befestigt. Rechts davon erblickte man das Bildniß des Landesvaters. Links davon sah man ein aus einem Kalender geschnittenes Schlachtenbild. Die Wände selbst befanden sich in einem sehr kläglichen Zustande. Oben drang das Regenwetter herein. Unten war das Gebälk vom Moder zerfressen. Ueber dem einzigen Fensterchen zeigte sich sogar ein fast einen Centimeter breiter Riß.
So fand das Auge nirgends eine kleine Befriedigung. Ueberall trat ihm das Bild der Armuth entgegen.
(Wohin? Umstands- und Verhältnißwörter.)
Der alte Schäfer Thomas hatte einen vortrefflichen Jagdhund. Er hieß Sturax. Sturax war ein überaus kluges Thier. Er kannte die besten Weideplätze ganz genau. Bald trieb er deshalb die Schafelinksdahin. Bald führte er sierechts. Jetzt mußten sievorwärtsgehen. Nach einer Weile drängte er sie seitswärts. Er selbst rannte dabei stets hin und her. In diesem Augenblicke eilte erdorthin, im nächsten jagte er wieder hierhin.
Im späteren Herbste durfte sich die Heerde überallhin zerstreuen. Einige Schafe begaben sich dann nach dem nahen Waldrande. Andere grasten an einem Bache fort. Eine Anzahl kletterte auf die Hügel. Einzelne zogen sich unter Gebüsch zurück.
An solchen Tagen legte sich Sturax meist zu den Füßen des alten Thomas. Ohne Auftrag lief er dann nirgends hin. Seine Augen aber flogen dabei hinüber und herüber. Sie verfolgten die einzelnen Schafe bergauf und thalab.
Endlich sank dann die Sonne hinter die fernen Gebirgshäupter.Dämmerung lagerte sich über die Flur. Da gab Thomas das Zeichen zur Heimkehr. Sogleich trieb Sturax die zerstreute Heerde zu dem Hirten zurück. Langsam schritt dieser nun voraus. Geduldig folgte die Heerde durch Dick und Dünn. Hierbei übte Sturax wieder das Wächteramt nach allen Seiten hin.
So gelangte die Schaar endlich vor den Schafstall. Aber auch hier trat der treue Hund noch nicht ab. Er begleitete sein Volk noch in den Stall hinein.
(Woher? Umstandswörter und Verhältnißwörter.)
Die Jäger standen in einem weiten Kreise postirt. Der Schnee fiel in dichten Massenhernieder. Das störte sie nicht.
Bald erscholl das Lärmen der Treiber daher. Einige kamenvon den Anhöhen herab. Andere kletterten von den nahen Felsen herunter. Von links schrillten Pfeifen. Von rechts nahten die Fuchsklappern. Wieder wo andersher ertönte Peitschengeknall.
Das gescheuchte Wild stürzte von allen Seiten herbei. Aus dem Walde kamen eine Menge Hasen. Rehe fegten über die kahlen Stoppelfelder daher. Ein feister Hirsch jagte von seitwärts auf die Jäger zu.
Mochten aber die armen Thiere von daher oder dorther kommen, das Blei aus dem Rohre der Jäger brachte ihnen den Tod.
Wiederholung der Ortsbestimmung.
(Wo? Wohin? Woher?)
Die Elbe entspringt auf dem Riesengebirge. Sie fließt zunächst durch den östlichen Theil Böhmens. Bei dem StädtchenMelnik wird sie schiffbar. Auf ihrem Rücken schaukeln hier schon bedeutende Kähne. Unweit Schandau tritt sie nach Sachsen ein. Sachsen empfängt also den herrlichen Strom aus Böhmen.
In der Nähe des Städtchens Strehla verläßt er den sächsischen Staat wieder. Von hier an lenkt er seinen Lauf westlich. Sein Sinn steht nach Magdeburg. Dort bildet die Elbe eine sehr belebte Handelsstraße. Von Magdeburg weg steuert sie weiter nach Norden. Endlich windet sie sich aus der nördlichen Ebene heraus. Dicht bei Hamburg nimmt sie noch eine bedeutende Breite an. Mehrere Meilen von dieser Stadt ergießt sie sich dann in die Nordsee.
Die Elbe nimmt auf ihrem langen Laufe viel Nebenflüsse auf. Eine große Zahl kommt von Westen daher. Andere strömen ihr von Osten her zu. Ihre Ufer sind fast überall sehr fruchtbar. Die reizendsten derselben liegen zwischen Bodenbach und Schandau. Die Elbwellen tragen eine Menge Kaufmannsgüter nach Süden. Aus der Tiefe dieses Flusses holt der Fischer manche Delicatesse für unsern Tisch. An seinem Gestade liegt manche schöne Stadt. Ueber seinen Spiegel führt manche schöne Brücke. In seine Fluten taucht zur Sommerzeit manch liebes Menschenkind.
(Fortsetzung.)
Luft gibt es überall. Sie befindet sich sogar im Wasser. Sie dringt in den kleinsten Raum. Sie kommt aus dem winzigsten Pflanzenzellchen.
Die Luft lenkt ihre Strömungen nach allen Himmelsgegenden. Sie bläst aus allen Winkeln der Windrose. Luft ist selbst noch im sogenannten luftleeren Raume enthalten.
Sie erhält allenthalben das Leben. Selbst in das todteSteinreich trägt sie Schöpfungskraft. Sie fächelt säuselnd durch die Haine. Sie rauscht als Wind durch die Gipfel. Sie wüthet als Sturm in den Wäldern. Sie braust als Orkan vom Meere herüber.
Des Windes Sausen hörest Du. Du weißt indeß nicht, von wannen er kommt und wohin er fährt.
Hauptwiederholung.
(Subject, Prädicat, Ergänzungen. Ortsbestimmungen.)
Eine mit zwei muthigen Apfelschimmeln bespannte Karosse aus der berühmten Wagenbaufabrik der königlichen Residenz brachte dem dichtbevölkerten Dorfe W. bei der fabrikreichen Stadt Ch. die neue Gutsherrschaft den mit Ehrenpforten geschmückten Dorfweg daher.
Die zahlreiche Jugend des großen Schulbezirks widmete dem jungen Paare aus einem altadligen Geschlechte am fahnengeschmückten Eingange des frohbewegten Ortes einen mehrstimmigen Gesang nach einer reizenden Composition des alten Cantors.
Der ehrwürdige Pfarrer des wohlhabenden Kirchspiels sprach unter einer riesigen Linde inmitten des weitgedehnten Dorfes der mit Jubel begrüßten Gutsherrschaft die herzlichsten Glückwünsche der gesammten Gemeinde aus.
Der beliebte Seelsorger nannte von seinem altarähnlichen Tritte herab den jungen Herrn einen bekannten Freund christlicher Sitte.
An dem dichtbekränzten Thore des umfangreichen Rittergutes überreichte der bejahrte Schulze des betreffenden Ortes dem nunmehrigen Schutzherrn der zahlreichen Bewohnerschaft ein kostbares Jagdgewehr neuester Einrichtung.
Der liebenswürdigen Gemahlin des jungen Herrn dagegenschenkte die schmucke Tochter des reichsten Bauers des festgestimmten Ortes auf dem weiten Hofe des alterthümlichen Rittersitzes ein mächtiges Butterfaß mit silbernen Reifen.
An der beflaggten Thür des sogenannten Herrenhauses übergab wiederum die männliche Dienerschaft des gnädigen Herrn dem neuvermählten Paare einen geschnitzten Holzteller mit einem hausbackenen Brode.
Der männlichschöne Graf freute sich im tiefsten Grunde seines gefühlvollen Herzens der vielen Beweise vertrauensvoller Gesinnung von seiten der biederen Ortsbewohner.
Diese sinnige Feier ihres heutigen Einzugs in ihren neuen Wohnsitz blieb dem ehrenwerthen Paare eine freundliche Erinnerung auf den bunten Blättern ihrer beiderseitigen Lebensgeschichte.