Das Bindewort.

Das Bindewort.

(Zusammenstellende Bindewörter.)

MelchiorundSebastian waren Brüder. Melchior beschäftigte sich mit Allerhand, was ihm gut lohnte. Er besserte Körbe aus,auchflocht er zuweilen neue.Zudemstrich er Fenster- und Thürstöcke, außerdem auch Möbel an. Ueberdies half er im Sommer nicht selten in der Ernte. Schließlich schämte er sich auch nicht, einmal sogar den Dreschflegel in die Hand zu nehmen.Wo er arbeitete, war man sowohl mit seinem Fleiße als auch mit seiner Geschicklichkeit zufrieden. Weder Wind noch Wetter konnten ihn abhalten, einmal übernommene Dienste auszuführen.

Melchior war aber nicht blos fleißig und geschickt, sondern auch sparsam. Als er etwa vierzig Jahre zählte, kaufte er sich erstens ein kleines Haus, zweitens etwas Feld, drittens eine Ziege und endlich gar eine Kuh. Hierauf heirathete er ein sehr braves Mädchen aus seinem Orte, mit dem er alsdann seine kleine Oekonomie bewirthschaftete, ferner ein Gemüsegeschäft anlegte und auch noch nebenbei Federviehhandel trieb.

Ganz anders verhielt und zeigte sich sein Bruder Sebastian. Er dachte weder an das Sparen, noch an das Arbeiten. Er trieb sich tagediebisch umher, zudem liebte er das Kartenspiel und trank überdies oft über den Durst. Auch in Bezug auf die Ehrlichkeit wollte ihm Niemand so recht trauen.

Kein Wunder, daß Sebastian nicht nur alle Achtung verlor, sondern auch oft kein Brod hatte. Sowohl seine Nachbarn als auch sein Bruder warnten ihn. Außerdem bemühte sich sogar die Ortsgemeinde, ihn zu bessern. Man trug ihm zunächst lohnende Beschäftigung, sodann eine Hausknechtsstelle in einem Gasthofe an, ferner einen Posten auf dem Bahnhofe; schließlich wollte man ihm sogar Geld zu einem kleinen Kohlenhandel vorschießen. Sebastian mochte von alledem nichts wissen und nichts hören. Natürlich blieben die Folgen davon nicht aus. Bald versetzte er sein letztes Hemde, führte dann allerlei Betrügereien aus, vergriff sich hierauf an fremdem Eigenthume, trieb sich alsdann mit einer Zigeunerbande in den Wäldern umher und wurde endlich als Räuber eingefangen.

Er wurde verhört, alsdann verurtheilt und hierauf auf viele Jahre in einer Strafanstalt untergebracht. Schließlich,nach langen Jahren, klopfte er eines Tages an Melchior’s Thür als bettelnder Greis.

(Entgegenstellende Bindewörter.)

An einem Fenster hing ein großes, geräumiges Gebauer, in welchem ein Rothkelchen auf und nieder hüpfte. Es sangzwarfleißig,aberkeineswegs so hell, wie einst draußen im grünen Walde. Es hatte das beste Futter,dennochdachte es immer und immer an die fetten Würmchen draußen unter dem Moose. Es bekam jeden Tag zweimal frisches Wasser, gleichwohl konnte es die frischen, klaren Waldbächlein nicht vergessen. Wol grüßte die liebe Sonne freundlich zum Fenster herein, allein diese wohlthuenden Strahlen schienen das Rothkelchen nur immer noch düsterer zu stimmen.

Hermann bemerkte nur zu wohl die trübe Stimmung des Thierchens, doch ihn rührte es nicht. Zwar liebte er selbst die goldene Freiheit außerordentlich, gleichwohl konnte er sie hartherzig dem Rothkelchen versagen.

Als er im Herbste das Vöglein nach Hause brachte, hatte ihm sein Vater gesagt: „Gut, Du magst es den Winter über behalten, aber zum nächsten Frühjahre mußt Du es wieder fliegen lassen. Nun thue, was Du willst. Entweder sperre es gar nicht erst ein, oder versprich, ihm dann die Freiheit wieder zu schenken.“

Hermann hatte Letzteres zugesagt. Allein jetzt, als der Frühling da war, dachte er nicht mehr daran. Er kannte nicht nur kein Mitleid, sondern meinte sogar, das Thierchen könne es nirgends besser haben, als bei ihm. „Ein Vögelchen im Käfige zu halten“, sagte er einmal, „kann kein Unrecht sein, nur muß man es gut pflegen.“

Sein Vater indessen dachte anders. „Gut essen und trinken“, sagte er, „ist viel werth, nichtsdestoweniger möchte ich dabei in einem Kerker stecken. Fesseln und schmale Kost drücken den Verbrecher sehr, der Verlust der Freiheit dagegen drückt ihn am empfindlichsten.“

Der Frühling schritt inzwischen immer tiefer in das Land, Hermann jedoch machte keine Anstalt, seinem Gefangenen den Kerker zu öffnen. Er fürchtete auch keineswegs den Unwillen seines Vaters, sondern glaubte, derselbe wolle jetzt selbst, daß das Vöglein im Käfige bleiben solle. Wie sehr aber erschrak er, als er denselben eines Tages leer fand. Hermann weinte, das Vöglein indessen jubelte bereits längst draußen im Walde ob der neugeschenkten goldenen Freiheit.

(Begründende Bindewörter.)

„Warum wandern denn eigentlich so viele Menschen nach Amerika aus?“ fragte Ludwig seinen Vater.

„Ganz einfach“, erwiderte dieser, „weilViele glauben, dort ihr Glück zu machen. Viele täuschen sich freilich auch,dennes ist nicht alles Gold, was glänzt. Amerika bezahlt zum Beispiel die Arbeit weit besser als Deutschland, deshalb aber wird noch lange nicht jeder Arbeiter reich. Er muß dafür auch seinen Lebensunterhalt theuer erkaufen, und sonach gleichen sich Einnahme und Ausgabe wieder aus. Amerika gestattet dem Volke in mancher Hinsicht mehr Freiheit als Europa, daher aber erlauben sich dort auch Einzelne aus dem Volke manche Gewaltthaten. Amerika ist der Zufluchtsort von unzähligen Taugenichtsen, Betrügern und Dieben, deswegen kommen dort verhältnißmäßig mehr Verbrecher vor, als bei uns. Amerika besitzt unermeßliche Ländereien, demnach ist für wenig Geld einbedeutender Grundbesitz zu erwerben. Diese Länderstrecken aber sind mit Urwald bedeckt und müssen mithin erst urbar gemacht werden. Dergleichen Arbeit ist indeß äußerst mühsam und anstrengend und darum verlieren Viele die Lust, lassen die Hände sinken und gerathen somit in Noth und Elend.

Es sei damit nicht gesagt, lieber Ludwig, daß in der neuen Welt Niemand auf einen grünen Zweig kommen könne, denn eine große Zahl Eingewanderter hat ihr Glück gefunden. Falsch aber ist es, zu denken: Diese sind reich und glücklich geworden, folglich muß ich es auch werden und also gehe ich hinüber.“

„Du würdest sonach Niemandem rathen, nach Amerika auszuwandern?“ sagte Ludwig hierauf.

„Das habe ich deshalb noch nicht gesagt“, erwiderte der Vater. „Wer nach Amerika geht, muß arbeiten wollen, weil der Faule dort in der Regel zu Grunde geht. Folglich würde ich allerdings zu einem Arbeitsscheuen sagen: Bleibe Du hier, da Du den Schweiß des Angesichts nicht gut vertragen kannst. Ebenso würde ich zu einem, der hier in guten Verhältnissen lebt, sagen: Du hast, was Dein Herz wünscht, darum bleibe im Lande und nähre Dich redlich. Einem jungen Manne aber, der brav und strebsam ist, es aber hier zu nichts bringen kann, werde ich stets sagen: Gut, Du wirst drüben die Hände nicht müßig in den Schooß legen und somit vorwärts kommen, mithin gehe!

Verstehe mich also nicht falsch, lieber Ludwig. Ich meine durchaus nicht, weil Viele dort drüben ein trauriges Loos ziehen, daher dürfe Niemand mehr nach Amerika auswandern. Wohl aber bin ich, wie schon gesagt, gegen den Glauben, der da spricht: Hinz und Kunz sind da drüben Millionäre geworden, demnach kann mir es auch nicht fehlen.

Die neue Welt jenseits des Oceans ist eine gar eigeneund deswegen muß die Uebersiedelung dahin wohl überlegt werden.“

(Wiederholung der Bindewörter.)

Paul und Robert waren zwei gute Freunde. Beide jedoch besaßen eine sehr verschiedene Bildung. Das konnte aber auch nicht anders sein, denn jeder hatte eine andere Erziehung genossen.

Paul gehörte reichen, Robert dagegen armen Eltern an. Paul genoß daher viel Schulunterricht. Er sprach nicht nur französisch, sondern auch englisch. Er lernte reiten, auch fechten und schwimmen. Er bewegte sich überdies stets unter vornehmen Leuten und besaß ferner eine gute Bibliothek. Zudem ging er auch mit seinen Eltern öfters auf Reisen. Somit war ihm Alles geboten, was Bildung schafft.

Robert dagegen besuchte nur eine einfache Dorfschule. Hier gab es wohl einen guten Lehrer, allein nicht viel Schulzeit. Zwar strengte sich Robert sehr an, aber seine Kenntnisse blieben doch sehr dürftig. Gleichwohl gehörte er zu den besten Schülern des Ortes. Deswegen wurde er auch von seinem Lehrer, sowie von seinen Mitschülern sehr geachtet. Und deshalb verging kein Examen, an welchem er nicht entweder eine Prämie oder sonst eine Auszeichnung erhielt.

Paul blieb das nicht unbekannt und daher erwählte er Robert zu seinem Freunde. Weder Robert’s Armuth, noch seine geringe Bildung waren ihm ein Anstoß. Paul liebte ihn, weil er ein ebenso fleißiger als gesitteter Knabe war. Und Paul hat diese Wahl nie bereut, denn Robert hing so treu an ihm, daß er sein Leben hätte für ihn lassen können.

Paul kam zwar später aus dem Elternhause fort, aber die Entfernung trennt ja wahre Freundschaft nicht, da diese imHerzen wohnt. Paul und Robert schrieben sich oft; infolge dessen konnte keine Entfremdung eintreten. Ja, sie blieben treue Freunde bis zum Tode.


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