Das Zahlwort.
(Bestimmte Zahlwörter.)
Der Würfel ist ein ganz regelmäßiger Körper. Er hatsechsgleichgroße Flächen undzwölfgleichlange Kanten. Die Flächen enthaltenvierundzwanzigrechte Winkel und bilden acht gleiche Ecken. Und hätten wir hundert oder auch tausend, ja eine Million verschiedene Würfel vor uns, wir würden an jedem ganz dieselben Verhältnisse entdecken.
Die Würfel, welche zum Spielen bestimmt sind, hat man auf jeder Seite mit Punkten versehen. Wir erblicken da einen Punkt, zwei, drei, vier, fünf und sechs Punkte. Man spielt mit zwei, drei, sechs, acht, auch zehn Würfeln und zählt dann diejenigen Punkte zusammen, welche die obenauf liegenden Seiten zeigen. So kann man bei zwei Würfeln zwölf, bei dreiachtzehn, bei fünf dreißig, bei zehn sogar sechzig Punkte oder Augen gewürfelt haben. Die niedrigste Zahl würden bei zehn Würfeln zehn Punkte sein.
Das Spiel mit Würfeln ist nicht nur unterhaltend, sondern auch nützlich, indem man dabei eine Uebung im schnellen Zusammenzählen hat.
(Ordnungszahlen.)
Der Lehrer Weizner hatte in seiner Klasse eine musterhafte Ordnung. Vomerstenbis zumletztenSchüler wußte jeder stets, was er zu thun hatte. Jeder Bankoberste hatte sein besonderes Aemtchen. So mußte z. B. der zweite Bankoberste die Schreibebücher, der dritte die Federn, der vierte die Rechenhefte, der fünfte die Bibeln austheilen. Der achte mußte für Reinlichkeit, der elfte für Lüftung des Zimmers sorgen. Dem zwölften lag das Abwischen der schwarzen Tafel ob. Kam der fünfundzwanzigste Tag des Monats, mußte der zehnte Bankoberste alle Censurbücher gesammelt haben. Diese aber durfte er nicht anders als wohlgeordnet übergeben. Es durfte z. B. das Censurbuch des fünfunddreißigsten Schülers nicht vor dem des vierunddreißigsten liegen.
Die Schreibefedern wurden auf ein Bret gesteckt. Jede trug eine Nummer am Halter. Auch auf diesem Federbehälter mußte Ordnung herrschen. Neben der vierzehnten Feder mußte die fünfzehnte, neben der vierzigsten die einundvierzigste stecken, sodaß beim Austheilen kein Irrthum entstehen konnte und z. B. der neunzehnte Schüler auch die neunzehnte Feder bekam.
Dieselbe eiserne Ordnung herrschte auch in Bezug auf die häuslichen Arbeiten. Jeden 15. oder 16. des Monats mußten die Aufsätze, jeden 10., 20. und 28. die Rechenbücher, jeden 12. und 24. die Geographiehefte eingegeben werden. In der 2.Stunde jedes 3. Wochentages wurden die gelernten Sprüche und Verse überhört.
So wohlgeordnet ging es fort Jahr aus, Jahr ein, vom 1. bis zum 365. Tage. „Und hätte ich es Euch schon zum tausendsten Male gesagt“, begann eines Tages der Lehrer, „muß ich es Euch doch immer wieder in Erinnerung bringen, daß es Euch äußerst heilsam ist, wenn Ihr Euch schon in Eurem ersten Schuljahre an strenge Ordnung gewöhnt. Ihr könnt es darin bis zu Eurem achten, also bis zu Eurem vierzehnten Lebensjahre, weit bringen. Und ich bin gewiß, Ihr werdet es in Eurem 60., 70. oder 80. meiner Strenge in diesem Punkte noch Dank wissen.“
(Das unbestimmte Zahlwort.)
Es war kurz vor Weihnachten, als sich die Schüler einer Klasse vereinigten, einer armen Familie eine kleine Festfreude zu bereiten.Alleversprachen, irgend eine Gabe dazu mitzubringen.MehrereKnaben, und darunter der Klassenoberste, wurden beauftragt, die Gaben in Empfang zu nehmen. Schon nach wenig Tagen ging das Sammeln sehr lebhaft. Einige Schüler brachten Kartoffeln, viele ganze Brode herbei. Etliche lieferten Stollen, manche Pfefferkuchen und Nüsse. Mehrere brachten abgesetzte Kleidungsstücke, die aber größtentheils noch sehr brauchbar waren. Einzelne schenkten Bücher und Bilder. Eine Anzahl hatte es auf Bleistifte, Federn und Schiefer abgesehen. Fast jeder spendete zudem einige Aepfel und Nüsse. Gab jeder auch nur wenige, wurde doch schließlich eine Unzahl daraus. Keiner auch hatte verabsäumt, in seine Sparbüchse zu greifen, um auch etwas klingende Münze beizulegen. Die meisten dieser Geldstücke bestanden in Groschen und Fünfgroschenstücken.
Daß die Geschenke so massenhaft eingehen würden, hattesich keiner gedacht. Sämmtliche Schüler waren daher höchst erfreut, als sie am heiligen Abende in ihrer Schulstube die fast unzähligen Geschenke ausbreiten und ordnen konnten.
Unbeschreiblich glücklich aber war die arme Familie mit ihren zahlreichen Kindern, die alle diese Geschenke bescheert erhielt. Sie hatte jetzt nur allein an Lebensmitteln mehr, als sie in geraumen Wochen verzehren konnte. Wiederholt dankten die Armen warm und herzlich und mehrmals traten ihnen die Thränen in die Augen. Die Schaar der kleinen Wohlthäter aber feierte nun das Weihnachtsfest noch einmal so vergnügt.
(Zahlwörter zu Hauptwörtern erhoben.)
Es war derLetzteim Monat December, als in einem Dorfe, in welchem schon denVierundzwanzigstenvorher ein Bauergut abbrannte, abermals Feuer ausbrach. Der Nachtwächter war der Erste, der es bemerkte und Lärm machte. Ein großes Haus, das dritte westlich von der Kirche, stand in hellen Flammen. Fürchterlich klang das Geschrei der armen Thiere, die noch in dem Stalle staken und nicht herauskonnten. Von den Hunderten, die zur Hilfe herbeigeeilt waren, wagte Keiner die rettende That und wenn man ihnen Tausende geboten hätte.
Da kamen zwei Wanderburschen des Weges daher. Diese Zwei, als sie das Gestöhne der Thiere vernahmen, entschlossen sich sofort, das Möglichste zur Rettung zu versuchen. Schleunigst warf jeder sein Bündel ab und gleich darauf sah man die kühnen Zwei auf allen Vieren zur Thür des brennenden Hauses hineinkriechen. Schon nach fünf Minuten waren die Thiere gerettet. „Wer sind diese Beiden?“ fragte man links und rechts. Es erfuhr indeß Niemand, wie sie hießen und wo sie her waren. Von Allen bewundert zogen die beiden Wanderburschen bald darauf ihres Weges weiter.
(Biegung des Zahlwortes.)
Der Hauptmann von Lothardt war Direktor einer Strafanstalt. Er aber war durchaus kein Tyrann.Keinemseiner Sträflinge machte er das Leben absichtlich schwer.Jedes einzelnenWohl lag ihm am Herzen. WasAnderein gleicher Stellung mit unzähligen Flüchen zu erreichen suchten, erreichte er mitwenigen, aber ernst mahnenden Worten.
Jeden Sonntag nach der Frühkirche mußten sich sämmtliche Sträflinge, die unter seiner Aufsicht standen, aufstellen und dann hatte er allen und jedem etwas zu sagen. Den ersten, dritten und vierten erinnerte er vielleicht, mehr auf Reinlichkeit zu halten. Zweien, dreien oder vieren hielt er vielleicht ihr trotziges Wesen vor und dergleichen. Bei dieser Gelegenheit theilte er sämmtlichen Züchtlingen Einiges mit, was sich im Verlaufe einiger Tage oder der letzten Wochen in der Welt zugetragen habe. Manchem erzählte er, was er über dessen Familie daheim erfahren, wobei nicht selten in vieler Augen Thränen sichtbar wurden. Auch nahm er zu gleicher Zeit Wünsche und Bitten in Empfang, worunter etliche allerdings oft sehr sonderbarer Natur waren.
Die jedesmaligen Bitten etlicher, heute einen Brief nach Hause schreiben zu dürfen, gewährte er gewöhnlich, obgleich ihm das Durchlesen sämmtlicher Briefe nicht leicht wurde.
Auf diese Weise erwarb sich der Direktor Aller Herzen und den meisten Sträflingen gingen beim endlichen Abschiede von demselben die Augen über. Vieler Gemüther erfüllte aufrichtige Dankbarkeit gegen den väterlichen Freund. Und mißbrauchten auch einige diese Güte, blieb er sich um zweier oder dreier willen in seinem Verhalten gleich. Er sagte oft: „Um Weniger halber sollen nicht Alle leiden.“
(Wiederholung des Zahlwortes.)
Es war den 5. September 1813, des Morgens gegen sechs Uhr. Fünfhundert Mann preußische Infanterie nebst drei Kanonen und etlichen Reitern nahmen Stellung gegen ein Dorf. Das Dorf bestand aus mehreren großen Gütern, einigen kleineren Gehöften und vielen zerstreut liegenden Hütten. Der Feind darin zählte gegen achthundert Mann nebst sieben Geschützen, die aber nur wenig Leute zur Bedienung hatten.
Der Angriff erfolgte nicht blos von einer, sondern von mehreren Seiten. Kaum aber waren zwanzig Kanonenschüsse gefallen, begann auch schon der Sturm von Seiten der Preußen. Hierbei zeichneten sich einzelne Soldaten ganz besonders aus. Das war ein Laufen! Jeder wollte der Erste im Dorfe sein und Keiner für einen Feigling gelten.
Bald standen sämmtliche Gebäude in Flammen. Nach fünfzehn Minuten war der Kampf entschieden. Die meisten Feinde flohen, viele wurden gefangen und gegen einhundertundfünfzig Mann bedeckten die Kampfplätze.
Von den Preußen waren nur wenige gefallen, wohl aber hatte durchschnittlich der zehnte Mann eine Verwundung erhalten.