Abendlieder
Die Sonne, die breite behäbige Frau,Schon rüstet sie sich zur Nacht.Die Goldsträhnen läßt durch den Himmel sie wehn,Hat’s Purpurkleid aufgemacht.Doch unten im Abend ein grauliches Tier,Ein Drache rührt sich und ruckt.Den zackigen Rücken drängt er empor –Frau Sonne, o weh, ist verschluckt.Der Lurch, was grummelt und grollt er denn?Er krümmt sich, er bäumt sich, er klafft:Frau Sonne durchstach ihn von innen her,Strahlt wieder in glühender Kraft.
Die Sonne, die breite behäbige Frau,Schon rüstet sie sich zur Nacht.Die Goldsträhnen läßt durch den Himmel sie wehn,Hat’s Purpurkleid aufgemacht.Doch unten im Abend ein grauliches Tier,Ein Drache rührt sich und ruckt.Den zackigen Rücken drängt er empor –Frau Sonne, o weh, ist verschluckt.Der Lurch, was grummelt und grollt er denn?Er krümmt sich, er bäumt sich, er klafft:Frau Sonne durchstach ihn von innen her,Strahlt wieder in glühender Kraft.
Die Sonne, die breite behäbige Frau,Schon rüstet sie sich zur Nacht.Die Goldsträhnen läßt durch den Himmel sie wehn,Hat’s Purpurkleid aufgemacht.
Die Sonne, die breite behäbige Frau,
Schon rüstet sie sich zur Nacht.
Die Goldsträhnen läßt durch den Himmel sie wehn,
Hat’s Purpurkleid aufgemacht.
Doch unten im Abend ein grauliches Tier,Ein Drache rührt sich und ruckt.Den zackigen Rücken drängt er empor –Frau Sonne, o weh, ist verschluckt.
Doch unten im Abend ein grauliches Tier,
Ein Drache rührt sich und ruckt.
Den zackigen Rücken drängt er empor –
Frau Sonne, o weh, ist verschluckt.
Der Lurch, was grummelt und grollt er denn?Er krümmt sich, er bäumt sich, er klafft:Frau Sonne durchstach ihn von innen her,Strahlt wieder in glühender Kraft.
Der Lurch, was grummelt und grollt er denn?
Er krümmt sich, er bäumt sich, er klafft:
Frau Sonne durchstach ihn von innen her,
Strahlt wieder in glühender Kraft.
Hans Böhm
Der Wächter tutet in sein Horn,Und stille sind die Straßen;Vor unserm Fenster nur der BornKann nicht vom Plaudern lassen.Wir wollen schlafen gehn.Die Lichter löschen langsam aus,Schwarz hängt die Nacht hernieder;Der Schlummer geht von Haus zu HausUnd schließt die Augenlider.Wir wollen schlafen gehn.Die Uhr schlägt zehn, die Welt schlief ein.Die Winde gehen müde.Vom Himmel glänzt der Sterne Schein.Kehr auch in unsre Herzen ein,Du stiller Sternenfriede!Wir wollen schlafen gehn.
Der Wächter tutet in sein Horn,Und stille sind die Straßen;Vor unserm Fenster nur der BornKann nicht vom Plaudern lassen.Wir wollen schlafen gehn.Die Lichter löschen langsam aus,Schwarz hängt die Nacht hernieder;Der Schlummer geht von Haus zu HausUnd schließt die Augenlider.Wir wollen schlafen gehn.Die Uhr schlägt zehn, die Welt schlief ein.Die Winde gehen müde.Vom Himmel glänzt der Sterne Schein.Kehr auch in unsre Herzen ein,Du stiller Sternenfriede!Wir wollen schlafen gehn.
Der Wächter tutet in sein Horn,Und stille sind die Straßen;Vor unserm Fenster nur der BornKann nicht vom Plaudern lassen.Wir wollen schlafen gehn.
Der Wächter tutet in sein Horn,
Und stille sind die Straßen;
Vor unserm Fenster nur der Born
Kann nicht vom Plaudern lassen.
Wir wollen schlafen gehn.
Die Lichter löschen langsam aus,Schwarz hängt die Nacht hernieder;Der Schlummer geht von Haus zu HausUnd schließt die Augenlider.Wir wollen schlafen gehn.
Die Lichter löschen langsam aus,
Schwarz hängt die Nacht hernieder;
Der Schlummer geht von Haus zu Haus
Und schließt die Augenlider.
Wir wollen schlafen gehn.
Die Uhr schlägt zehn, die Welt schlief ein.Die Winde gehen müde.Vom Himmel glänzt der Sterne Schein.Kehr auch in unsre Herzen ein,Du stiller Sternenfriede!Wir wollen schlafen gehn.
Die Uhr schlägt zehn, die Welt schlief ein.
Die Winde gehen müde.
Vom Himmel glänzt der Sterne Schein.
Kehr auch in unsre Herzen ein,
Du stiller Sternenfriede!
Wir wollen schlafen gehn.
Albert Sergel
Augen, meine lieben Fensterlein,Gebt mir schon so lange holden Schein,Lasset freundlich Bild um Bild herein:Einmal werdet ihr verdunkelt sein!Fallen einst die müden Lider zu,Löscht ihr aus, dann hat die Seele Ruh;Tastend streift sie ab die Wanderschuh,Legt sich auch in ihre finstre Truh.Noch zwei Fünklein sieht sie glimmend stehnWie zwei Sternlein, innerlich zu sehn,Bis sie schwanken und dann auch vergehn,Wie von eines Falters Fügelwehn.Doch noch wandl’ ich auf dem Abendfeld,Nur dem sinkenden Gestirn gesellt;Trinkt, o Augen, was die Wimper hält,Von dem goldnen Überfluß der Welt!
Augen, meine lieben Fensterlein,Gebt mir schon so lange holden Schein,Lasset freundlich Bild um Bild herein:Einmal werdet ihr verdunkelt sein!Fallen einst die müden Lider zu,Löscht ihr aus, dann hat die Seele Ruh;Tastend streift sie ab die Wanderschuh,Legt sich auch in ihre finstre Truh.Noch zwei Fünklein sieht sie glimmend stehnWie zwei Sternlein, innerlich zu sehn,Bis sie schwanken und dann auch vergehn,Wie von eines Falters Fügelwehn.Doch noch wandl’ ich auf dem Abendfeld,Nur dem sinkenden Gestirn gesellt;Trinkt, o Augen, was die Wimper hält,Von dem goldnen Überfluß der Welt!
Augen, meine lieben Fensterlein,Gebt mir schon so lange holden Schein,Lasset freundlich Bild um Bild herein:Einmal werdet ihr verdunkelt sein!
Augen, meine lieben Fensterlein,
Gebt mir schon so lange holden Schein,
Lasset freundlich Bild um Bild herein:
Einmal werdet ihr verdunkelt sein!
Fallen einst die müden Lider zu,Löscht ihr aus, dann hat die Seele Ruh;Tastend streift sie ab die Wanderschuh,Legt sich auch in ihre finstre Truh.
Fallen einst die müden Lider zu,
Löscht ihr aus, dann hat die Seele Ruh;
Tastend streift sie ab die Wanderschuh,
Legt sich auch in ihre finstre Truh.
Noch zwei Fünklein sieht sie glimmend stehnWie zwei Sternlein, innerlich zu sehn,Bis sie schwanken und dann auch vergehn,Wie von eines Falters Fügelwehn.
Noch zwei Fünklein sieht sie glimmend stehn
Wie zwei Sternlein, innerlich zu sehn,
Bis sie schwanken und dann auch vergehn,
Wie von eines Falters Fügelwehn.
Doch noch wandl’ ich auf dem Abendfeld,Nur dem sinkenden Gestirn gesellt;Trinkt, o Augen, was die Wimper hält,Von dem goldnen Überfluß der Welt!
Doch noch wandl’ ich auf dem Abendfeld,
Nur dem sinkenden Gestirn gesellt;
Trinkt, o Augen, was die Wimper hält,
Von dem goldnen Überfluß der Welt!
Gottfried Keller