Alp

Alp

Ich stellte den Stuhl nicht an die WandUnd wandte die Schuh am Bett nur halbUnd nahm den Daumen nicht in die Hand,Da kam des Nachts der böse Alp.Er bohrte durch ein Wandloch sacht;Ich dacht und nahm es genau in acht:»Sollst dich auf mir nicht wiegen,Wart, wart, ich will dich kriegen!«Und als er zur Wand hereingeschlüpftUnd auf den Zehen leise ging,Da war ich zum Loch an der Wand gehüpftUnd stopft es zu, da schrie das DingMit feiner Stimm’: »O Pein, o Pein,Nun muß ich hier gefangen sein!O weh, wie werden weinenZu Hause meine Kleinen!«»O Menschlein,« wimmert er bitterlich,»Hab sieben Kinderchen zu Haus,Die müssen verhungern fürchterlich,O Menschenkind, laß mich hinaus!«Da sprach ich: »Komm nicht wieder herein.«Da sprach er: »Nein, gewiß nicht, nein.«Kaum, daß ich mich aufmachte …Husch, war er hinaus und lachte. –Und wie er so lachte, ging ich nach,Und als ich vor die Haustür kam,War er schon unten an dem Bach;Ich sah, wie er ein Ruder nahm,Und lief hinab und hielt den Kahn:Da winselt er von neuem dortUnd sah zuletzt mich drohend an.Ich ließ den Kahn – da glitt er fort! –Mich überkam ein GrauenVor seinen Augenbrauen!

Ich stellte den Stuhl nicht an die WandUnd wandte die Schuh am Bett nur halbUnd nahm den Daumen nicht in die Hand,Da kam des Nachts der böse Alp.Er bohrte durch ein Wandloch sacht;Ich dacht und nahm es genau in acht:»Sollst dich auf mir nicht wiegen,Wart, wart, ich will dich kriegen!«Und als er zur Wand hereingeschlüpftUnd auf den Zehen leise ging,Da war ich zum Loch an der Wand gehüpftUnd stopft es zu, da schrie das DingMit feiner Stimm’: »O Pein, o Pein,Nun muß ich hier gefangen sein!O weh, wie werden weinenZu Hause meine Kleinen!«»O Menschlein,« wimmert er bitterlich,»Hab sieben Kinderchen zu Haus,Die müssen verhungern fürchterlich,O Menschenkind, laß mich hinaus!«Da sprach ich: »Komm nicht wieder herein.«Da sprach er: »Nein, gewiß nicht, nein.«Kaum, daß ich mich aufmachte …Husch, war er hinaus und lachte. –Und wie er so lachte, ging ich nach,Und als ich vor die Haustür kam,War er schon unten an dem Bach;Ich sah, wie er ein Ruder nahm,Und lief hinab und hielt den Kahn:Da winselt er von neuem dortUnd sah zuletzt mich drohend an.Ich ließ den Kahn – da glitt er fort! –Mich überkam ein GrauenVor seinen Augenbrauen!

Ich stellte den Stuhl nicht an die WandUnd wandte die Schuh am Bett nur halbUnd nahm den Daumen nicht in die Hand,Da kam des Nachts der böse Alp.Er bohrte durch ein Wandloch sacht;Ich dacht und nahm es genau in acht:»Sollst dich auf mir nicht wiegen,Wart, wart, ich will dich kriegen!«

Ich stellte den Stuhl nicht an die Wand

Und wandte die Schuh am Bett nur halb

Und nahm den Daumen nicht in die Hand,

Da kam des Nachts der böse Alp.

Er bohrte durch ein Wandloch sacht;

Ich dacht und nahm es genau in acht:

»Sollst dich auf mir nicht wiegen,

Wart, wart, ich will dich kriegen!«

Und als er zur Wand hereingeschlüpftUnd auf den Zehen leise ging,Da war ich zum Loch an der Wand gehüpftUnd stopft es zu, da schrie das DingMit feiner Stimm’: »O Pein, o Pein,Nun muß ich hier gefangen sein!O weh, wie werden weinenZu Hause meine Kleinen!«

Und als er zur Wand hereingeschlüpft

Und auf den Zehen leise ging,

Da war ich zum Loch an der Wand gehüpft

Und stopft es zu, da schrie das Ding

Mit feiner Stimm’: »O Pein, o Pein,

Nun muß ich hier gefangen sein!

O weh, wie werden weinen

Zu Hause meine Kleinen!«

»O Menschlein,« wimmert er bitterlich,»Hab sieben Kinderchen zu Haus,Die müssen verhungern fürchterlich,O Menschenkind, laß mich hinaus!«Da sprach ich: »Komm nicht wieder herein.«Da sprach er: »Nein, gewiß nicht, nein.«Kaum, daß ich mich aufmachte …Husch, war er hinaus und lachte. –

»O Menschlein,« wimmert er bitterlich,

»Hab sieben Kinderchen zu Haus,

Die müssen verhungern fürchterlich,

O Menschenkind, laß mich hinaus!«

Da sprach ich: »Komm nicht wieder herein.«

Da sprach er: »Nein, gewiß nicht, nein.«

Kaum, daß ich mich aufmachte …

Husch, war er hinaus und lachte. –

Und wie er so lachte, ging ich nach,Und als ich vor die Haustür kam,War er schon unten an dem Bach;Ich sah, wie er ein Ruder nahm,Und lief hinab und hielt den Kahn:Da winselt er von neuem dortUnd sah zuletzt mich drohend an.Ich ließ den Kahn – da glitt er fort! –Mich überkam ein GrauenVor seinen Augenbrauen!

Und wie er so lachte, ging ich nach,

Und als ich vor die Haustür kam,

War er schon unten an dem Bach;

Ich sah, wie er ein Ruder nahm,

Und lief hinab und hielt den Kahn:

Da winselt er von neuem dort

Und sah zuletzt mich drohend an.

Ich ließ den Kahn – da glitt er fort! –

Mich überkam ein Grauen

Vor seinen Augenbrauen!

August Kopisch


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