BARTHOLD HEINRICH BROCKES.

BARTHOLD HEINRICH BROCKES.

[Scherer D.349,E.351.]

Geboren 1680, als Sohn eines reichen Kaufmanns zu Hamburg. Studierte in Halle die Rechte, bereiste dann Italien, die Schweiz und die Niederlande und wurde später Senator zu Hamburg. Er starb 1747. Seine durch die Naturschilderungen ausgezeichneten Gedichte erschienen unter dem Titel ‘Irdisches Vergnügen in Gott’, 9 Bde. (Hamburg 1721–1748). Ausserdem sind noch zu nennen sein Passionsoratorium ‘Der für die Sünden der Welt gemarterte und sterbende Jesus’ (Hamburg 1712) und ‘Schwanengesang in einer Anleitung zum vergnügten und gelassenen Sterben’ (Hamburg 1747).

Geboren 1680, als Sohn eines reichen Kaufmanns zu Hamburg. Studierte in Halle die Rechte, bereiste dann Italien, die Schweiz und die Niederlande und wurde später Senator zu Hamburg. Er starb 1747. Seine durch die Naturschilderungen ausgezeichneten Gedichte erschienen unter dem Titel ‘Irdisches Vergnügen in Gott’, 9 Bde. (Hamburg 1721–1748). Ausserdem sind noch zu nennen sein Passionsoratorium ‘Der für die Sünden der Welt gemarterte und sterbende Jesus’ (Hamburg 1712) und ‘Schwanengesang in einer Anleitung zum vergnügten und gelassenen Sterben’ (Hamburg 1747).

FRÜHEKNOSPEN AN EINEMBIRN-BAUM.

EIn Birn-Baum von sehr früher ArtZeigt’ allbereits im Mertz die Knospen seiner Blüthe.Diess trächtige Gewächs, das noch so zart,Beschaut’ ich mit betrachtendem Gemüthe,Und ward mit reiner Lust erfüllt,Als ich nicht nur die zarte ZierlichkeitDer Knospen selbst, die VollenkommenheitDer Blätter, die sie eingehüllt,20Die kleinen Knoten mit fünf Spitzen,Worinn die zarten Blumen sitzen,Samt ihren schlancken Stielen sahe,Nein gar, wie jeden Theil ein zartes Pelz-Werck schmückteVon weissen Zäserchen, vor Lust erstaunt erblickte;So dass mir diess mit weiss gemischte GrünDurch einen geistigen VerstandUnd mehr von unsichtbarer HandGebildet, als gewachsen, schien.Wodurch ich denn gerührt von Gottes Macht und LiebeZu Seiner Ehr’ und meinem Troste schriebe:Du Allmachts-voller Gott, der Du so wunderbar10In jeder Creatur, in allen Deinen WerckenMacht, Lieb’ und Weisheit lässest mercken,Der Du sogarIn weissem Sammt, in weicher SeidenDie frühe Blüth des Birn-Baums pflegst zu kleiden,Um für ihm drohenden GefahrenDes späten Frosts sie zu bewahren;Ach warum soll denn ich mit kindlichen VertrauenAuf deine Lieb’ und Vater-Treu nicht bauen,In fester Zuversicht, Du werdest hier im Leben20Den’n meinigen und mir leicht Kost und Kleider geben.

EIn Birn-Baum von sehr früher ArtZeigt’ allbereits im Mertz die Knospen seiner Blüthe.Diess trächtige Gewächs, das noch so zart,Beschaut’ ich mit betrachtendem Gemüthe,Und ward mit reiner Lust erfüllt,Als ich nicht nur die zarte ZierlichkeitDer Knospen selbst, die VollenkommenheitDer Blätter, die sie eingehüllt,20Die kleinen Knoten mit fünf Spitzen,Worinn die zarten Blumen sitzen,Samt ihren schlancken Stielen sahe,Nein gar, wie jeden Theil ein zartes Pelz-Werck schmückteVon weissen Zäserchen, vor Lust erstaunt erblickte;So dass mir diess mit weiss gemischte GrünDurch einen geistigen VerstandUnd mehr von unsichtbarer HandGebildet, als gewachsen, schien.Wodurch ich denn gerührt von Gottes Macht und LiebeZu Seiner Ehr’ und meinem Troste schriebe:Du Allmachts-voller Gott, der Du so wunderbar10In jeder Creatur, in allen Deinen WerckenMacht, Lieb’ und Weisheit lässest mercken,Der Du sogarIn weissem Sammt, in weicher SeidenDie frühe Blüth des Birn-Baums pflegst zu kleiden,Um für ihm drohenden GefahrenDes späten Frosts sie zu bewahren;Ach warum soll denn ich mit kindlichen VertrauenAuf deine Lieb’ und Vater-Treu nicht bauen,In fester Zuversicht, Du werdest hier im Leben20Den’n meinigen und mir leicht Kost und Kleider geben.

EIn Birn-Baum von sehr früher ArtZeigt’ allbereits im Mertz die Knospen seiner Blüthe.Diess trächtige Gewächs, das noch so zart,Beschaut’ ich mit betrachtendem Gemüthe,Und ward mit reiner Lust erfüllt,Als ich nicht nur die zarte ZierlichkeitDer Knospen selbst, die VollenkommenheitDer Blätter, die sie eingehüllt,20Die kleinen Knoten mit fünf Spitzen,Worinn die zarten Blumen sitzen,Samt ihren schlancken Stielen sahe,Nein gar, wie jeden Theil ein zartes Pelz-Werck schmückteVon weissen Zäserchen, vor Lust erstaunt erblickte;So dass mir diess mit weiss gemischte GrünDurch einen geistigen VerstandUnd mehr von unsichtbarer HandGebildet, als gewachsen, schien.Wodurch ich denn gerührt von Gottes Macht und LiebeZu Seiner Ehr’ und meinem Troste schriebe:Du Allmachts-voller Gott, der Du so wunderbar10In jeder Creatur, in allen Deinen WerckenMacht, Lieb’ und Weisheit lässest mercken,Der Du sogarIn weissem Sammt, in weicher SeidenDie frühe Blüth des Birn-Baums pflegst zu kleiden,Um für ihm drohenden GefahrenDes späten Frosts sie zu bewahren;Ach warum soll denn ich mit kindlichen VertrauenAuf deine Lieb’ und Vater-Treu nicht bauen,In fester Zuversicht, Du werdest hier im Leben20Den’n meinigen und mir leicht Kost und Kleider geben.

EIn Birn-Baum von sehr früher Art

Zeigt’ allbereits im Mertz die Knospen seiner Blüthe.

Diess trächtige Gewächs, das noch so zart,

Beschaut’ ich mit betrachtendem Gemüthe,

Und ward mit reiner Lust erfüllt,

Als ich nicht nur die zarte Zierlichkeit

Der Knospen selbst, die Vollenkommenheit

Der Blätter, die sie eingehüllt,20

Die kleinen Knoten mit fünf Spitzen,

Worinn die zarten Blumen sitzen,

Samt ihren schlancken Stielen sahe,

Nein gar, wie jeden Theil ein zartes Pelz-Werck schmückte

Von weissen Zäserchen, vor Lust erstaunt erblickte;

So dass mir diess mit weiss gemischte Grün

Durch einen geistigen Verstand

Und mehr von unsichtbarer Hand

Gebildet, als gewachsen, schien.

Wodurch ich denn gerührt von Gottes Macht und Liebe

Zu Seiner Ehr’ und meinem Troste schriebe:

Du Allmachts-voller Gott, der Du so wunderbar10

In jeder Creatur, in allen Deinen Wercken

Macht, Lieb’ und Weisheit lässest mercken,

Der Du sogar

In weissem Sammt, in weicher Seiden

Die frühe Blüth des Birn-Baums pflegst zu kleiden,

Um für ihm drohenden Gefahren

Des späten Frosts sie zu bewahren;

Ach warum soll denn ich mit kindlichen Vertrauen

Auf deine Lieb’ und Vater-Treu nicht bauen,

In fester Zuversicht, Du werdest hier im Leben20

Den’n meinigen und mir leicht Kost und Kleider geben.


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