CHRISTIAN WEISE.

CHRISTIAN WEISE.

[Scherer D.366,E.370.]

Geboren 1642 zu Zittau, studierte in Leipzig, wirkte als Professor in Weissenfels und als Rector in Zittau verdienstlich. Er führte das Studium der deutschen Sprache und Dichtung auf der Schule ein. Starb 1708. Als Dichter vertrat er die Gegenrichtung von dem Lohensteinschen Schwulst. Er wollte nicht ‘den Namen eines wolsetzenden, eines hochbegeisterten, sondern eines einfältigen und deutlichen Concipienten verdienen’. Seine Theaterstücke sind sehr zahlreich. Herausgegeben von Fulda ‘Die Gegner der zweiten schlesischen Schule.’ (Stuttgart, o. J.)

Geboren 1642 zu Zittau, studierte in Leipzig, wirkte als Professor in Weissenfels und als Rector in Zittau verdienstlich. Er führte das Studium der deutschen Sprache und Dichtung auf der Schule ein. Starb 1708. Als Dichter vertrat er die Gegenrichtung von dem Lohensteinschen Schwulst. Er wollte nicht ‘den Namen eines wolsetzenden, eines hochbegeisterten, sondern eines einfältigen und deutlichen Concipienten verdienen’. Seine Theaterstücke sind sehr zahlreich. Herausgegeben von Fulda ‘Die Gegner der zweiten schlesischen Schule.’ (Stuttgart, o. J.)

AUS DENÜBERFLÜSSIGENGEDANCKEN DER GRÜNENDENJUGEND.

DU liebstes vaterland! vergönne deinem sohne,Dass er sein eitles thun der welt zu schauen giebt,Ich sehne mich darbey nach keinem andern lohne,Als wann die hohe gunst den guten willen liebt.Ich muss es zwar gestehn, es sind geringe sachen,Daraus ein blosser schertz, und sonsten nichts entspringt,Jedoch, ein kurtzes lied kan sich belieblich machen,Wann nur die rechte Zeit es auf die Bahne bringt:Ich bin kein Opitz nicht, der bleibt noch unser meister,Und sein berühmter thon reist durch das sternen-dach,Hingegen fliegen sonst die lobens-werthen geisterKaum auf den halben weg mit schwachen federn nach.Wiewohl ich darff mich nicht in die gesellschafft mengen,Die durch den lorber-zweig das haar um sich verbindt,10Mein glücke führt mich sonst auf kunst-beliebten gängen,Da dieses neben-werck gar wenig stunden findt.Doch liebstes Vaterland, ich werde dir gefallen,Dass ich im schreiben nicht ein sprach-tyranne bin,Ich folge deiner zier, und richte mich in allenAuff alte reinigkeit und neue kurtzweil hin,Ich bin so eckel nicht, ich lasse mir belieben,Was die gewohnheit itzt in langen brauch gebracht,Hätt unser alterthum nicht so und so geschrieben,So hätt es dieser kiel auch anders nachgemacht.20Und weil die Teutschen viel aus andern sprachen borgen,So muss ich ebenfalls mich auch darzu verstehn:Ein ander, dens verdreust, mag sich zu tode sorgen,Gnug, dass die Verse gut, die Lieder lieblich gehn.Ist diss nicht puppenwerck, wer etwas grosses heissen,Und seinen lorbeer-krantz mit golde zieren will,Der muss das ABC aus seiner ordnung schmeissen,Bald hat er nicht genug, bald hat er gar zu viel,Da ist ein wort nicht recht, has haben die Lateiner,Gelehnt und nicht geschenckt; das kommt aus Griechenland,30Da wird der thon zu lang, da wird die sylbe kleiner,Die sprache die wird nur nicht gäntzlich vmbgewandt.Der arme Zizero ist auch ins Z gerathen,Der sonst fast oben an, in seiner reihe steht,Vielleicht weil ein gemüth, in diesen helden-thaten,Gar langsam auf den glantz der redens-künstler geht.Sanct Felten ist hinauff biss an das F gestiegen,Und er verdient fürwahr die ehr-bezeugung nicht:Der Kwarck muss in das K aus seinem Neste fliegen,Ob gleich die gantze welt den händeln widerspricht,Der Käyser soll bey uns nicht weiter Käysser heissen,Er soll dafür ein Ertz- und grosser König seyn,Wer uns diss tapffre wort will aus der zunge reissen,Raubt uns der völcker ruhm, mit unsers landes schein,Ein solcher klügling hat gewiss nicht viel gelesen,Und hat ers ja gethan, so möcht er in sich gehn,Dass unsre Deutschen auch nicht narren sind gewesen,10Und dass man alles kan ohn diesen tand verstehn.Ein ander mag sich mehr mit diesen Leuten zancken,Mein ungebundner fuss geht in der einfalt fort,Und mein erregter sinn verwickelt die gedancken,Mehr in der sachen selbst, als in ein kahles wort.Hier hab ich nur geschertzt, doch wird man leicht gedencken,Dass, wie ich meiner lust allhier genug gethan,Ich, wann ich künfftig will die augen höher lencken,Mit gleicher fertigkeit die feder richten kan.Ich bin auch nicht so kühn, den Momus zu verfluchen,20Weil er den höhnschen mund nur an die Götter setzt.Solt er diss schlechte werck zu seiner rache suchen?Nein, er ist viel zu stoltz, wann er die zähne wetzt.Drum bin ich auch vergnügt, und lege diese lieder,Halb furchtsam und darbey halb trotzig vor die welt.Es falle wie es will, so komm ich doch nicht wieder,Der himmel hat den fleiss mir sonst wohin bestellt.

DU liebstes vaterland! vergönne deinem sohne,Dass er sein eitles thun der welt zu schauen giebt,Ich sehne mich darbey nach keinem andern lohne,Als wann die hohe gunst den guten willen liebt.Ich muss es zwar gestehn, es sind geringe sachen,Daraus ein blosser schertz, und sonsten nichts entspringt,Jedoch, ein kurtzes lied kan sich belieblich machen,Wann nur die rechte Zeit es auf die Bahne bringt:Ich bin kein Opitz nicht, der bleibt noch unser meister,Und sein berühmter thon reist durch das sternen-dach,Hingegen fliegen sonst die lobens-werthen geisterKaum auf den halben weg mit schwachen federn nach.Wiewohl ich darff mich nicht in die gesellschafft mengen,Die durch den lorber-zweig das haar um sich verbindt,10Mein glücke führt mich sonst auf kunst-beliebten gängen,Da dieses neben-werck gar wenig stunden findt.Doch liebstes Vaterland, ich werde dir gefallen,Dass ich im schreiben nicht ein sprach-tyranne bin,Ich folge deiner zier, und richte mich in allenAuff alte reinigkeit und neue kurtzweil hin,Ich bin so eckel nicht, ich lasse mir belieben,Was die gewohnheit itzt in langen brauch gebracht,Hätt unser alterthum nicht so und so geschrieben,So hätt es dieser kiel auch anders nachgemacht.20Und weil die Teutschen viel aus andern sprachen borgen,So muss ich ebenfalls mich auch darzu verstehn:Ein ander, dens verdreust, mag sich zu tode sorgen,Gnug, dass die Verse gut, die Lieder lieblich gehn.Ist diss nicht puppenwerck, wer etwas grosses heissen,Und seinen lorbeer-krantz mit golde zieren will,Der muss das ABC aus seiner ordnung schmeissen,Bald hat er nicht genug, bald hat er gar zu viel,Da ist ein wort nicht recht, has haben die Lateiner,Gelehnt und nicht geschenckt; das kommt aus Griechenland,30Da wird der thon zu lang, da wird die sylbe kleiner,Die sprache die wird nur nicht gäntzlich vmbgewandt.Der arme Zizero ist auch ins Z gerathen,Der sonst fast oben an, in seiner reihe steht,Vielleicht weil ein gemüth, in diesen helden-thaten,Gar langsam auf den glantz der redens-künstler geht.Sanct Felten ist hinauff biss an das F gestiegen,Und er verdient fürwahr die ehr-bezeugung nicht:Der Kwarck muss in das K aus seinem Neste fliegen,Ob gleich die gantze welt den händeln widerspricht,Der Käyser soll bey uns nicht weiter Käysser heissen,Er soll dafür ein Ertz- und grosser König seyn,Wer uns diss tapffre wort will aus der zunge reissen,Raubt uns der völcker ruhm, mit unsers landes schein,Ein solcher klügling hat gewiss nicht viel gelesen,Und hat ers ja gethan, so möcht er in sich gehn,Dass unsre Deutschen auch nicht narren sind gewesen,10Und dass man alles kan ohn diesen tand verstehn.Ein ander mag sich mehr mit diesen Leuten zancken,Mein ungebundner fuss geht in der einfalt fort,Und mein erregter sinn verwickelt die gedancken,Mehr in der sachen selbst, als in ein kahles wort.Hier hab ich nur geschertzt, doch wird man leicht gedencken,Dass, wie ich meiner lust allhier genug gethan,Ich, wann ich künfftig will die augen höher lencken,Mit gleicher fertigkeit die feder richten kan.Ich bin auch nicht so kühn, den Momus zu verfluchen,20Weil er den höhnschen mund nur an die Götter setzt.Solt er diss schlechte werck zu seiner rache suchen?Nein, er ist viel zu stoltz, wann er die zähne wetzt.Drum bin ich auch vergnügt, und lege diese lieder,Halb furchtsam und darbey halb trotzig vor die welt.Es falle wie es will, so komm ich doch nicht wieder,Der himmel hat den fleiss mir sonst wohin bestellt.

DU liebstes vaterland! vergönne deinem sohne,Dass er sein eitles thun der welt zu schauen giebt,Ich sehne mich darbey nach keinem andern lohne,Als wann die hohe gunst den guten willen liebt.Ich muss es zwar gestehn, es sind geringe sachen,Daraus ein blosser schertz, und sonsten nichts entspringt,Jedoch, ein kurtzes lied kan sich belieblich machen,Wann nur die rechte Zeit es auf die Bahne bringt:Ich bin kein Opitz nicht, der bleibt noch unser meister,Und sein berühmter thon reist durch das sternen-dach,Hingegen fliegen sonst die lobens-werthen geisterKaum auf den halben weg mit schwachen federn nach.Wiewohl ich darff mich nicht in die gesellschafft mengen,Die durch den lorber-zweig das haar um sich verbindt,10Mein glücke führt mich sonst auf kunst-beliebten gängen,Da dieses neben-werck gar wenig stunden findt.Doch liebstes Vaterland, ich werde dir gefallen,Dass ich im schreiben nicht ein sprach-tyranne bin,Ich folge deiner zier, und richte mich in allenAuff alte reinigkeit und neue kurtzweil hin,Ich bin so eckel nicht, ich lasse mir belieben,Was die gewohnheit itzt in langen brauch gebracht,Hätt unser alterthum nicht so und so geschrieben,So hätt es dieser kiel auch anders nachgemacht.20Und weil die Teutschen viel aus andern sprachen borgen,So muss ich ebenfalls mich auch darzu verstehn:Ein ander, dens verdreust, mag sich zu tode sorgen,Gnug, dass die Verse gut, die Lieder lieblich gehn.Ist diss nicht puppenwerck, wer etwas grosses heissen,Und seinen lorbeer-krantz mit golde zieren will,Der muss das ABC aus seiner ordnung schmeissen,Bald hat er nicht genug, bald hat er gar zu viel,Da ist ein wort nicht recht, has haben die Lateiner,Gelehnt und nicht geschenckt; das kommt aus Griechenland,30Da wird der thon zu lang, da wird die sylbe kleiner,Die sprache die wird nur nicht gäntzlich vmbgewandt.Der arme Zizero ist auch ins Z gerathen,Der sonst fast oben an, in seiner reihe steht,Vielleicht weil ein gemüth, in diesen helden-thaten,Gar langsam auf den glantz der redens-künstler geht.Sanct Felten ist hinauff biss an das F gestiegen,Und er verdient fürwahr die ehr-bezeugung nicht:Der Kwarck muss in das K aus seinem Neste fliegen,Ob gleich die gantze welt den händeln widerspricht,Der Käyser soll bey uns nicht weiter Käysser heissen,Er soll dafür ein Ertz- und grosser König seyn,Wer uns diss tapffre wort will aus der zunge reissen,Raubt uns der völcker ruhm, mit unsers landes schein,Ein solcher klügling hat gewiss nicht viel gelesen,Und hat ers ja gethan, so möcht er in sich gehn,Dass unsre Deutschen auch nicht narren sind gewesen,10Und dass man alles kan ohn diesen tand verstehn.Ein ander mag sich mehr mit diesen Leuten zancken,Mein ungebundner fuss geht in der einfalt fort,Und mein erregter sinn verwickelt die gedancken,Mehr in der sachen selbst, als in ein kahles wort.Hier hab ich nur geschertzt, doch wird man leicht gedencken,Dass, wie ich meiner lust allhier genug gethan,Ich, wann ich künfftig will die augen höher lencken,Mit gleicher fertigkeit die feder richten kan.Ich bin auch nicht so kühn, den Momus zu verfluchen,20Weil er den höhnschen mund nur an die Götter setzt.Solt er diss schlechte werck zu seiner rache suchen?Nein, er ist viel zu stoltz, wann er die zähne wetzt.Drum bin ich auch vergnügt, und lege diese lieder,Halb furchtsam und darbey halb trotzig vor die welt.Es falle wie es will, so komm ich doch nicht wieder,Der himmel hat den fleiss mir sonst wohin bestellt.

DU liebstes vaterland! vergönne deinem sohne,

Dass er sein eitles thun der welt zu schauen giebt,

Ich sehne mich darbey nach keinem andern lohne,

Als wann die hohe gunst den guten willen liebt.

Ich muss es zwar gestehn, es sind geringe sachen,

Daraus ein blosser schertz, und sonsten nichts entspringt,

Jedoch, ein kurtzes lied kan sich belieblich machen,

Wann nur die rechte Zeit es auf die Bahne bringt:

Ich bin kein Opitz nicht, der bleibt noch unser meister,

Und sein berühmter thon reist durch das sternen-dach,

Hingegen fliegen sonst die lobens-werthen geister

Kaum auf den halben weg mit schwachen federn nach.

Wiewohl ich darff mich nicht in die gesellschafft mengen,

Die durch den lorber-zweig das haar um sich verbindt,10

Mein glücke führt mich sonst auf kunst-beliebten gängen,

Da dieses neben-werck gar wenig stunden findt.

Doch liebstes Vaterland, ich werde dir gefallen,

Dass ich im schreiben nicht ein sprach-tyranne bin,

Ich folge deiner zier, und richte mich in allen

Auff alte reinigkeit und neue kurtzweil hin,

Ich bin so eckel nicht, ich lasse mir belieben,

Was die gewohnheit itzt in langen brauch gebracht,

Hätt unser alterthum nicht so und so geschrieben,

So hätt es dieser kiel auch anders nachgemacht.20

Und weil die Teutschen viel aus andern sprachen borgen,

So muss ich ebenfalls mich auch darzu verstehn:

Ein ander, dens verdreust, mag sich zu tode sorgen,

Gnug, dass die Verse gut, die Lieder lieblich gehn.

Ist diss nicht puppenwerck, wer etwas grosses heissen,

Und seinen lorbeer-krantz mit golde zieren will,

Der muss das ABC aus seiner ordnung schmeissen,

Bald hat er nicht genug, bald hat er gar zu viel,

Da ist ein wort nicht recht, has haben die Lateiner,

Gelehnt und nicht geschenckt; das kommt aus Griechenland,30

Da wird der thon zu lang, da wird die sylbe kleiner,

Die sprache die wird nur nicht gäntzlich vmbgewandt.

Der arme Zizero ist auch ins Z gerathen,

Der sonst fast oben an, in seiner reihe steht,

Vielleicht weil ein gemüth, in diesen helden-thaten,

Gar langsam auf den glantz der redens-künstler geht.

Sanct Felten ist hinauff biss an das F gestiegen,

Und er verdient fürwahr die ehr-bezeugung nicht:

Der Kwarck muss in das K aus seinem Neste fliegen,

Ob gleich die gantze welt den händeln widerspricht,

Der Käyser soll bey uns nicht weiter Käysser heissen,

Er soll dafür ein Ertz- und grosser König seyn,

Wer uns diss tapffre wort will aus der zunge reissen,

Raubt uns der völcker ruhm, mit unsers landes schein,

Ein solcher klügling hat gewiss nicht viel gelesen,

Und hat ers ja gethan, so möcht er in sich gehn,

Dass unsre Deutschen auch nicht narren sind gewesen,10

Und dass man alles kan ohn diesen tand verstehn.

Ein ander mag sich mehr mit diesen Leuten zancken,

Mein ungebundner fuss geht in der einfalt fort,

Und mein erregter sinn verwickelt die gedancken,

Mehr in der sachen selbst, als in ein kahles wort.

Hier hab ich nur geschertzt, doch wird man leicht gedencken,

Dass, wie ich meiner lust allhier genug gethan,

Ich, wann ich künfftig will die augen höher lencken,

Mit gleicher fertigkeit die feder richten kan.

Ich bin auch nicht so kühn, den Momus zu verfluchen,20

Weil er den höhnschen mund nur an die Götter setzt.

Solt er diss schlechte werck zu seiner rache suchen?

Nein, er ist viel zu stoltz, wann er die zähne wetzt.

Drum bin ich auch vergnügt, und lege diese lieder,

Halb furchtsam und darbey halb trotzig vor die welt.

Es falle wie es will, so komm ich doch nicht wieder,

Der himmel hat den fleiss mir sonst wohin bestellt.


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