Wenn ich dem Herzen so viel Vorwürfe gemacht habe,so habe ich das nicht ohne guten Grund gethan.Grosse Noth habe ich von ihm erfahren:es senkte mich bis in den Grund,es hat mir so viel zu Leide gethan,dass ich davon Zeit Lebens genug zu erzählen habe.Ja, hätte Gott, als er mir das Leben schuf,mir auch ein Herz gegeben,das ein Leib tragen könnte,so würde ich ihm immer Dank dafür sagen.Aber es wäre für tausend Menschen genug gewesen,was ich allein in meinem Herzen trug.Gleich zuerst als ich geboren wurde,da hatte sich mein Herz schon gegen mich verschworen.Ich aber wusste von dem Eide nichtsund folgte ihm, wie es mir rieth.Da führte es mich einen tiefen Wegund versetzte Brücke und Steg.10Als ich zurückkehren wollte,da hatte es mich mit Strickenund heimlichen Fallen umstelltund mich gefangen, wie einen Hasen in einem Netze.Da konnte ich nicht von der Stelle.Nun erst kam mir der Gedanke:es hat mich verrathen.Dass ich ihm je gefolgt, das reute mich zu spät:nun konnte es ohne Schaden nicht mehr ablaufen.Ich sah die Feinde dicht bei mir stehn;20deren kam da eine so gewaltige Schar über mich,dass ich mich nicht erst zur Wehr setzte.Sie schlugen mir eine tiefe Wunde.Ich liess mich nicht auf irgend welchen Widerstand ein.Als ich lebensgefährlich getroffen war,da erkannt’ ich sofort das Wesen der Wunde,dass ich nimmermehr genesen konnte,dass es mein Tod wäre.Gar sehr war mir das Leben zur Last.Ich konnte mir keinen Trost geben.Damals dacht’ ich bei meiner Wunde:‘Was hilft alle Kunst der Ärzte,10da die Wunde so tief und verborgen ist?Sie muss ungeheilt bleibenund wird mir wohl noch den Tod bringen.’Dennoch bat ich allenthalben,wo man gute Salben hatte,man möchte mir ein wenig darauf streichen.Aber ich fand keinen einzigen barmherzigen Menschen,der mir um Gottes Willen auch nur um eines Haares Werth gegeben hätte.Da schwand mir beinahe das Leben,denn niemand war so gütig20mich zu trösten.Da wurde ich traurig und unfroh;doch kam es dann so,dass mir ein mächtiger Herr entbot,er wollte mir meine Noth lindernund mich ohne Narben heilen.Da wurde ich fröhlich und heiter.Nun will ich euch aber auch sagen,was die Wunden warenund der Feinde Hinterhalt,denen ich ohne Schaden nicht entgehn konnte.10Nachdem ich in meiner Kindheitin Folge der Verschwörung meines Herzensdem Teufel und der Welt unterthan geworden,musste ich, so bald ichzu Verstande kam, erkennen,dass mich daz Herz in den Tod führte.Da hätte ich gerne die Welt verlassen,aber sie zog mich nun erst recht an sichmit ihren tausendfältigen Künsten,so dass ich es weiter hinausschob,20bis sie mich so fest an sich geschlossen hatte,dass ich auf keine Weise mehr von ihr loskommen konnte.Denn sie fesselte mir Hände und Füssemit ihrer bitteren Süsseund nahm mich so ganz gefangen,dass ich meinte, ich müsse bei ihr bleiben,wie sehr ich auch strebte, von ihr zu lassen.Nun richtete ich wieder meine Gedanken darauf,ob nicht einer der Heiligen so gütig wäremir um Gottes Willen zu Hilfe zu kommenund mich gnädig von der Welt zu befreien.10Wie viel ich da auch betete und klagte,denn um des Teufels Willen litt ich Qual,kein einziger hat mir geholfen:an mir verzweifelten alle himmlischen Heerscharen.Da überkam auch mich der Zorn,ich meinte, ich wäre für die Hölle geboren.Und liess mein Beten sein,mit beiden Händen warf ich es weg.Aber da ich mich dessen am wenigsten versah,hört, welch ein Glück mir da geschah!20
Wenn ich dem Herzen so viel Vorwürfe gemacht habe,so habe ich das nicht ohne guten Grund gethan.Grosse Noth habe ich von ihm erfahren:es senkte mich bis in den Grund,es hat mir so viel zu Leide gethan,dass ich davon Zeit Lebens genug zu erzählen habe.Ja, hätte Gott, als er mir das Leben schuf,mir auch ein Herz gegeben,das ein Leib tragen könnte,so würde ich ihm immer Dank dafür sagen.Aber es wäre für tausend Menschen genug gewesen,was ich allein in meinem Herzen trug.Gleich zuerst als ich geboren wurde,da hatte sich mein Herz schon gegen mich verschworen.Ich aber wusste von dem Eide nichtsund folgte ihm, wie es mir rieth.Da führte es mich einen tiefen Wegund versetzte Brücke und Steg.10Als ich zurückkehren wollte,da hatte es mich mit Strickenund heimlichen Fallen umstelltund mich gefangen, wie einen Hasen in einem Netze.Da konnte ich nicht von der Stelle.Nun erst kam mir der Gedanke:es hat mich verrathen.Dass ich ihm je gefolgt, das reute mich zu spät:nun konnte es ohne Schaden nicht mehr ablaufen.Ich sah die Feinde dicht bei mir stehn;20deren kam da eine so gewaltige Schar über mich,dass ich mich nicht erst zur Wehr setzte.Sie schlugen mir eine tiefe Wunde.Ich liess mich nicht auf irgend welchen Widerstand ein.Als ich lebensgefährlich getroffen war,da erkannt’ ich sofort das Wesen der Wunde,dass ich nimmermehr genesen konnte,dass es mein Tod wäre.Gar sehr war mir das Leben zur Last.Ich konnte mir keinen Trost geben.Damals dacht’ ich bei meiner Wunde:‘Was hilft alle Kunst der Ärzte,10da die Wunde so tief und verborgen ist?Sie muss ungeheilt bleibenund wird mir wohl noch den Tod bringen.’Dennoch bat ich allenthalben,wo man gute Salben hatte,man möchte mir ein wenig darauf streichen.Aber ich fand keinen einzigen barmherzigen Menschen,der mir um Gottes Willen auch nur um eines Haares Werth gegeben hätte.Da schwand mir beinahe das Leben,denn niemand war so gütig20mich zu trösten.Da wurde ich traurig und unfroh;doch kam es dann so,dass mir ein mächtiger Herr entbot,er wollte mir meine Noth lindernund mich ohne Narben heilen.Da wurde ich fröhlich und heiter.Nun will ich euch aber auch sagen,was die Wunden warenund der Feinde Hinterhalt,denen ich ohne Schaden nicht entgehn konnte.10Nachdem ich in meiner Kindheitin Folge der Verschwörung meines Herzensdem Teufel und der Welt unterthan geworden,musste ich, so bald ichzu Verstande kam, erkennen,dass mich daz Herz in den Tod führte.Da hätte ich gerne die Welt verlassen,aber sie zog mich nun erst recht an sichmit ihren tausendfältigen Künsten,so dass ich es weiter hinausschob,20bis sie mich so fest an sich geschlossen hatte,dass ich auf keine Weise mehr von ihr loskommen konnte.Denn sie fesselte mir Hände und Füssemit ihrer bitteren Süsseund nahm mich so ganz gefangen,dass ich meinte, ich müsse bei ihr bleiben,wie sehr ich auch strebte, von ihr zu lassen.Nun richtete ich wieder meine Gedanken darauf,ob nicht einer der Heiligen so gütig wäremir um Gottes Willen zu Hilfe zu kommenund mich gnädig von der Welt zu befreien.10Wie viel ich da auch betete und klagte,denn um des Teufels Willen litt ich Qual,kein einziger hat mir geholfen:an mir verzweifelten alle himmlischen Heerscharen.Da überkam auch mich der Zorn,ich meinte, ich wäre für die Hölle geboren.Und liess mein Beten sein,mit beiden Händen warf ich es weg.Aber da ich mich dessen am wenigsten versah,hört, welch ein Glück mir da geschah!20
Wenn ich dem Herzen so viel Vorwürfe gemacht habe,so habe ich das nicht ohne guten Grund gethan.Grosse Noth habe ich von ihm erfahren:es senkte mich bis in den Grund,es hat mir so viel zu Leide gethan,dass ich davon Zeit Lebens genug zu erzählen habe.Ja, hätte Gott, als er mir das Leben schuf,mir auch ein Herz gegeben,das ein Leib tragen könnte,so würde ich ihm immer Dank dafür sagen.Aber es wäre für tausend Menschen genug gewesen,was ich allein in meinem Herzen trug.Gleich zuerst als ich geboren wurde,da hatte sich mein Herz schon gegen mich verschworen.Ich aber wusste von dem Eide nichtsund folgte ihm, wie es mir rieth.Da führte es mich einen tiefen Wegund versetzte Brücke und Steg.10Als ich zurückkehren wollte,da hatte es mich mit Strickenund heimlichen Fallen umstelltund mich gefangen, wie einen Hasen in einem Netze.Da konnte ich nicht von der Stelle.Nun erst kam mir der Gedanke:es hat mich verrathen.Dass ich ihm je gefolgt, das reute mich zu spät:nun konnte es ohne Schaden nicht mehr ablaufen.Ich sah die Feinde dicht bei mir stehn;20deren kam da eine so gewaltige Schar über mich,dass ich mich nicht erst zur Wehr setzte.Sie schlugen mir eine tiefe Wunde.Ich liess mich nicht auf irgend welchen Widerstand ein.Als ich lebensgefährlich getroffen war,da erkannt’ ich sofort das Wesen der Wunde,dass ich nimmermehr genesen konnte,dass es mein Tod wäre.Gar sehr war mir das Leben zur Last.Ich konnte mir keinen Trost geben.Damals dacht’ ich bei meiner Wunde:‘Was hilft alle Kunst der Ärzte,10da die Wunde so tief und verborgen ist?Sie muss ungeheilt bleibenund wird mir wohl noch den Tod bringen.’Dennoch bat ich allenthalben,wo man gute Salben hatte,man möchte mir ein wenig darauf streichen.Aber ich fand keinen einzigen barmherzigen Menschen,der mir um Gottes Willen auch nur um eines Haares Werth gegeben hätte.Da schwand mir beinahe das Leben,denn niemand war so gütig20mich zu trösten.Da wurde ich traurig und unfroh;doch kam es dann so,dass mir ein mächtiger Herr entbot,er wollte mir meine Noth lindernund mich ohne Narben heilen.Da wurde ich fröhlich und heiter.Nun will ich euch aber auch sagen,was die Wunden warenund der Feinde Hinterhalt,denen ich ohne Schaden nicht entgehn konnte.10Nachdem ich in meiner Kindheitin Folge der Verschwörung meines Herzensdem Teufel und der Welt unterthan geworden,musste ich, so bald ichzu Verstande kam, erkennen,dass mich daz Herz in den Tod führte.Da hätte ich gerne die Welt verlassen,aber sie zog mich nun erst recht an sichmit ihren tausendfältigen Künsten,so dass ich es weiter hinausschob,20bis sie mich so fest an sich geschlossen hatte,dass ich auf keine Weise mehr von ihr loskommen konnte.Denn sie fesselte mir Hände und Füssemit ihrer bitteren Süsseund nahm mich so ganz gefangen,dass ich meinte, ich müsse bei ihr bleiben,wie sehr ich auch strebte, von ihr zu lassen.Nun richtete ich wieder meine Gedanken darauf,ob nicht einer der Heiligen so gütig wäremir um Gottes Willen zu Hilfe zu kommenund mich gnädig von der Welt zu befreien.10Wie viel ich da auch betete und klagte,denn um des Teufels Willen litt ich Qual,kein einziger hat mir geholfen:an mir verzweifelten alle himmlischen Heerscharen.Da überkam auch mich der Zorn,ich meinte, ich wäre für die Hölle geboren.Und liess mein Beten sein,mit beiden Händen warf ich es weg.Aber da ich mich dessen am wenigsten versah,hört, welch ein Glück mir da geschah!20
Wenn ich dem Herzen so viel Vorwürfe gemacht habe,so habe ich das nicht ohne guten Grund gethan.Grosse Noth habe ich von ihm erfahren:es senkte mich bis in den Grund,es hat mir so viel zu Leide gethan,dass ich davon Zeit Lebens genug zu erzählen habe.Ja, hätte Gott, als er mir das Leben schuf,mir auch ein Herz gegeben,das ein Leib tragen könnte,so würde ich ihm immer Dank dafür sagen.Aber es wäre für tausend Menschen genug gewesen,was ich allein in meinem Herzen trug.Gleich zuerst als ich geboren wurde,da hatte sich mein Herz schon gegen mich verschworen.Ich aber wusste von dem Eide nichtsund folgte ihm, wie es mir rieth.Da führte es mich einen tiefen Wegund versetzte Brücke und Steg.10Als ich zurückkehren wollte,da hatte es mich mit Strickenund heimlichen Fallen umstelltund mich gefangen, wie einen Hasen in einem Netze.Da konnte ich nicht von der Stelle.Nun erst kam mir der Gedanke:es hat mich verrathen.Dass ich ihm je gefolgt, das reute mich zu spät:nun konnte es ohne Schaden nicht mehr ablaufen.Ich sah die Feinde dicht bei mir stehn;20deren kam da eine so gewaltige Schar über mich,dass ich mich nicht erst zur Wehr setzte.Sie schlugen mir eine tiefe Wunde.Ich liess mich nicht auf irgend welchen Widerstand ein.Als ich lebensgefährlich getroffen war,da erkannt’ ich sofort das Wesen der Wunde,dass ich nimmermehr genesen konnte,dass es mein Tod wäre.Gar sehr war mir das Leben zur Last.Ich konnte mir keinen Trost geben.Damals dacht’ ich bei meiner Wunde:‘Was hilft alle Kunst der Ärzte,10da die Wunde so tief und verborgen ist?Sie muss ungeheilt bleibenund wird mir wohl noch den Tod bringen.’Dennoch bat ich allenthalben,wo man gute Salben hatte,man möchte mir ein wenig darauf streichen.Aber ich fand keinen einzigen barmherzigen Menschen,der mir um Gottes Willen auch nur um eines Haares Werth gegeben hätte.Da schwand mir beinahe das Leben,denn niemand war so gütig20mich zu trösten.Da wurde ich traurig und unfroh;doch kam es dann so,dass mir ein mächtiger Herr entbot,er wollte mir meine Noth lindernund mich ohne Narben heilen.Da wurde ich fröhlich und heiter.Nun will ich euch aber auch sagen,was die Wunden warenund der Feinde Hinterhalt,denen ich ohne Schaden nicht entgehn konnte.10Nachdem ich in meiner Kindheitin Folge der Verschwörung meines Herzensdem Teufel und der Welt unterthan geworden,musste ich, so bald ichzu Verstande kam, erkennen,dass mich daz Herz in den Tod führte.Da hätte ich gerne die Welt verlassen,aber sie zog mich nun erst recht an sichmit ihren tausendfältigen Künsten,so dass ich es weiter hinausschob,20bis sie mich so fest an sich geschlossen hatte,dass ich auf keine Weise mehr von ihr loskommen konnte.Denn sie fesselte mir Hände und Füssemit ihrer bitteren Süsseund nahm mich so ganz gefangen,dass ich meinte, ich müsse bei ihr bleiben,wie sehr ich auch strebte, von ihr zu lassen.Nun richtete ich wieder meine Gedanken darauf,ob nicht einer der Heiligen so gütig wäremir um Gottes Willen zu Hilfe zu kommenund mich gnädig von der Welt zu befreien.10Wie viel ich da auch betete und klagte,denn um des Teufels Willen litt ich Qual,kein einziger hat mir geholfen:an mir verzweifelten alle himmlischen Heerscharen.Da überkam auch mich der Zorn,ich meinte, ich wäre für die Hölle geboren.Und liess mein Beten sein,mit beiden Händen warf ich es weg.Aber da ich mich dessen am wenigsten versah,hört, welch ein Glück mir da geschah!20
Wenn ich dem Herzen so viel Vorwürfe gemacht habe,
so habe ich das nicht ohne guten Grund gethan.
Grosse Noth habe ich von ihm erfahren:
es senkte mich bis in den Grund,
es hat mir so viel zu Leide gethan,
dass ich davon Zeit Lebens genug zu erzählen habe.
Ja, hätte Gott, als er mir das Leben schuf,
mir auch ein Herz gegeben,
das ein Leib tragen könnte,
so würde ich ihm immer Dank dafür sagen.
Aber es wäre für tausend Menschen genug gewesen,
was ich allein in meinem Herzen trug.
Gleich zuerst als ich geboren wurde,
da hatte sich mein Herz schon gegen mich verschworen.
Ich aber wusste von dem Eide nichts
und folgte ihm, wie es mir rieth.
Da führte es mich einen tiefen Weg
und versetzte Brücke und Steg.10
Als ich zurückkehren wollte,
da hatte es mich mit Stricken
und heimlichen Fallen umstellt
und mich gefangen, wie einen Hasen in einem Netze.
Da konnte ich nicht von der Stelle.
Nun erst kam mir der Gedanke:
es hat mich verrathen.
Dass ich ihm je gefolgt, das reute mich zu spät:
nun konnte es ohne Schaden nicht mehr ablaufen.
Ich sah die Feinde dicht bei mir stehn;20
deren kam da eine so gewaltige Schar über mich,
dass ich mich nicht erst zur Wehr setzte.
Sie schlugen mir eine tiefe Wunde.
Ich liess mich nicht auf irgend welchen Widerstand ein.
Als ich lebensgefährlich getroffen war,
da erkannt’ ich sofort das Wesen der Wunde,
dass ich nimmermehr genesen konnte,
dass es mein Tod wäre.
Gar sehr war mir das Leben zur Last.
Ich konnte mir keinen Trost geben.
Damals dacht’ ich bei meiner Wunde:
‘Was hilft alle Kunst der Ärzte,10
da die Wunde so tief und verborgen ist?
Sie muss ungeheilt bleiben
und wird mir wohl noch den Tod bringen.’
Dennoch bat ich allenthalben,
wo man gute Salben hatte,
man möchte mir ein wenig darauf streichen.
Aber ich fand keinen einzigen barmherzigen Menschen,
der mir um Gottes Willen auch nur um eines Haares Werth gegeben hätte.
Da schwand mir beinahe das Leben,
denn niemand war so gütig20
mich zu trösten.
Da wurde ich traurig und unfroh;
doch kam es dann so,
dass mir ein mächtiger Herr entbot,
er wollte mir meine Noth lindern
und mich ohne Narben heilen.
Da wurde ich fröhlich und heiter.
Nun will ich euch aber auch sagen,
was die Wunden waren
und der Feinde Hinterhalt,
denen ich ohne Schaden nicht entgehn konnte.10
Nachdem ich in meiner Kindheit
in Folge der Verschwörung meines Herzens
dem Teufel und der Welt unterthan geworden,
musste ich, so bald ich
zu Verstande kam, erkennen,
dass mich daz Herz in den Tod führte.
Da hätte ich gerne die Welt verlassen,
aber sie zog mich nun erst recht an sich
mit ihren tausendfältigen Künsten,
so dass ich es weiter hinausschob,20
bis sie mich so fest an sich geschlossen hatte,
dass ich auf keine Weise mehr von ihr loskommen konnte.
Denn sie fesselte mir Hände und Füsse
mit ihrer bitteren Süsse
und nahm mich so ganz gefangen,
dass ich meinte, ich müsse bei ihr bleiben,
wie sehr ich auch strebte, von ihr zu lassen.
Nun richtete ich wieder meine Gedanken darauf,
ob nicht einer der Heiligen so gütig wäre
mir um Gottes Willen zu Hilfe zu kommen
und mich gnädig von der Welt zu befreien.10
Wie viel ich da auch betete und klagte,
denn um des Teufels Willen litt ich Qual,
kein einziger hat mir geholfen:
an mir verzweifelten alle himmlischen Heerscharen.
Da überkam auch mich der Zorn,
ich meinte, ich wäre für die Hölle geboren.
Und liess mein Beten sein,
mit beiden Händen warf ich es weg.
Aber da ich mich dessen am wenigsten versah,
hört, welch ein Glück mir da geschah!20