Chapter 39

Da ritt von Tronje Hagen ‖ den Andern all zuvor;Er hielt den Nibelungen ‖ wohl den Muth empor.Da schwang der kühne Degen ‖ sich nieder auf den Sand,Wo er sein Ross in Eile ‖ fest an einem Baume band.Die Flut war ausgetreten, ‖ die Schiff’ verborgen:Die Nibelungen kamen ‖ in grosse SorgenWie sie hinüber sollten? ‖ das Wasser war zu breit.Da schwang sich zu der Erde ‖ mancher Ritter allbereit.20‘Bleibet bei dem Wasser, ‖ ihr stolzen Ritter gut.Ich selber will die Fergen ‖ suchen bei der Flut,Die uns hinüber bringen ‖ in Gelfratens Land.’Da nahm der starke Hagen ‖ seinen guten Schildesrand.Er war wohl gewaffnet: ‖ den Schild er mit sich trug,Den Helm aufgebunden, ‖ der glänzte licht genug;Überm Harnisch führt’ er ‖ eine breite Waffe mit,Die an beiden Schärfen ‖ aufs allergrimmigste schnitt.Er suchte hin und wieder ‖ nach einem Schiffersmann,Er hörte Wasser giessen: ‖ zu lauschen hub er an:30In einem schönen Brunnen ‖ that das manch weises Weib;Die wollten sich da kühlen ‖ und badeten ihren Leib.Hagen sie gewahrend ‖ wollt ihnen heimlich nahn:Sie stürzten in die Wellen, ‖ als sie sich des versahn.Dass sie ihm entronnen, ‖ freuten sie sich sehr;Er nahm ihnen ihre Kleider ‖ und schadet’ ihnen nicht mehr.20Da sprach das eine Meerweib, ‖ Hadburg war sie genannt:‘Hagen, edler Ritter, ‖ wir machen euch bekannt,Wenn ihr uns zum Lohne ‖ die Kleider wiedergebt,Was ihr bei den Heunen ‖ auf dieser Hoffahrt erlebt.’Sie schwebten wie die Vögel ‖ vor ihm auf der Flut.Ihr Wissen von den Dingen ‖ däuchte den Helden gut:Da glaubt’ er um so lieber ‖ was sie ihm wollten sagen,Sie beschieden ihn darüber ‖ was er begann sie zu fragen:Sie sprach: ‘Ihr mögt wohl reiten ‖ in König Etzels Land,Ich setz euch meine Treue ‖ dafür zum Unterpfand:30Es fuhren niemals Helden ‖ noch in ein fremdes ReichZu solchen hohen Ehren, ‖ in Wahrheit, das sag ich euch.’Die Rede freute Hagen ‖ in seinem Herzen sehr;Die Kleider gab er ihnen ‖ und säumte sich nicht mehr.Als sie umgeschlagen ‖ ihr wunderbar Gewand,Vernahm er erst die Wahrheit ‖ von der Fahrt in Etzels Land.20Da sprach das andre Meerweib ‖ mit Namen Siegelind:‘Ich will dich warnen, Hagen, ‖ Aldrianens Kind.Um der Kleider willen ‖ hat meine Muhm gelogen;Und kommst du zu den Heunen, ‖ so bist du schmählich betrogen.‘Wieder umzukehren, ‖ wohl wär es an der Zeit,Dieweil ihr kühnen Helden ‖ also geladen seid,Dass ihr sterben müsset ‖ in König Etzels Land:Die da hinreiten, ‖ haben den Tod an der Hand.’Da sprach in grimmem Muthe ‖ der kühne Recke Hagen:‘Das liessen meine Herren ‖ schwerlich sich sagen,30Dass wir bei den Heunen ‖ verlören all den Leib:Nun zeig uns übers Wasser, ‖ du allerweisestes Weib.’Sie sprach: ‘Willst du nicht anders ‖ und soll die Fahrt geschehn,So siehst du überm Wasser ‖ eine Herberge stehn:Darinnen wohnt ein Fährmann ‖ und nirgend sonst umher.’Der Mär, um die er fragte, ‖ glaubte nun der Degen hehr.20Dem unmuthsvollen Recken ‖ rief noch die eine nach:‘Nun wartet, Herr Hagen, ‖ euch ist gar zu jach;Vernehmet noch die Kunde, ‖ wie ihr kommt durch das Land.Der Herr dieser Marke, ‖ der ist Else genannt.Der ist so grimmes Muthes, ‖ er lässt euch nicht gedeihn,Wollt ihr nicht verständig ‖ bei dem Helden sein.Soll er euch überholen, ‖ so gebt ihm guten Sold;Er hütet dieses Landes ‖ und ist Gelfraten hold.Und kommt er nicht bei Zeiten, ‖ so rufet über Flut,Und sagt, ihr heisset Amelreich; ‖ das war ein Degen gut,30Der seiner Feinde willen ‖ räumte dieses Land:So wird der Fährmann kommen, ‖ wird ihm der Name bekannt.’Der übermüthge Hagen ‖ dankte den Frauen hehr.Der Degen schwieg stille, ‖ kein Wörtlein sprach er mehr;Dann gieng er bei dem Wasser ‖ hinauf an dem Strand,Wo er auf jener Seite ‖ eine Herberge fand.20Da rief er so gewaltig, ‖ der ganze Strom erschollVon des Helden Stärke, ‖ die war so gross und voll:‘Mich Amelreich hol über; ‖ ich bin es, Elses Mann,Der starker Feindschaft willen ‖ aus diesen Landen entrann.Hoch an seinem Schwerte ‖ er ihm die Spange bot;Die war schön und glänzte ‖ von lichtem Golde roth,Das man ihn überbrächte ‖ in Gelfratens Land.Der übermüthge Ferge ‖ nahm selbst das Ruder in die Hand.Derselbe Schiffsmann hatte ‖ neulich erst gefreit,Die Gier nach grossem Gute ‖ oft böses Ende leiht.30Er dachte zu verdienen ‖ Hagens Gold so roth;Da litt er von dem Degen ‖ den schwertgrimmigen Tod.Ihr möget euch wohl nennen ‖ mit Namen Amelreich:Des ich mich hier versehen, ‖ dem seht ihr wenig gleich.Von Vater und Mutter ‖ war er der Bruder mein;Nun ihr mich betrogen habt, ‖ so müsst ihr diesshalben sein.’20‘Nein! um Gottes willen,’ ‖ sprach Hagen dagegen.‘Ich bin ein fremder Ritter, ‖ besorgt um andre Degen:Nun nehmt, den ich geboten, ‖ freundlich hin den Sold,Und fahret uns hinüber: ‖ ich bin euch wahrhaftig hold.’Der Fährmann hob ein Ruder, ‖ stark, gross und breit,Und schlug es auf Hagen; ‖ dem that es solches Leid,Dass er im Schiffe nieder ‖ strauchelt’ auf das Knie.Solchen grimmen Fährmann ‖ fand der von Tronje noch nie.Mit grimmigem Muthe ‖ griff Hagen gleich zur HandZur Seite nach der Scheide, ‖ wo er ein Waffen fand:30Er schlug das Haupt vom Rumpf ihm ‖ und warf es auf den Grund.Bald macht’ er diese Mären ‖ auch den Burgonden kund.Im selben Augenblicke, ‖ als er den Fährmann schlug,Glitt das Schiff zur Strömung: ‖ das war ihm leid genug.Eh er es richten konnte, ‖ fiel ihn Ermüdung an:Da zeigte grosse Kräfte ‖ König Gunthers Unterthan.20Er versucht’ es umzukehren ‖ mit schnellem Ruderschlag,Bis ihm das starke Ruder ‖ in der Hand zerbrach.Er wollte zu den Recken ‖ sich wenden an den Strand;Da hatt er keines weiter: ‖ wie bald er es zusammen band.Mit Gruss ihn wohl empfiengen ‖ die schnellen Ritter gut:Sie sahen in dem Schiffe ‖ rauchen noch das BlutVon einer starken Wunde, ‖ die er dem Fährmann schlug:Da wurde von dem Degen ‖ gefraget Hagen genug.Er sprach mit Lügenworten: ‖ ‘Als ich das Schifflein fandBei einer wilden Weide, ‖ da löst’ es meine Hand.30Ich habe keinen Fergen ‖ heute hier gesehn,Es ist auch Niemand Leides ‖ von meinetwegen geschehn.’Da sprach von Burgonden ‖ der Degen Gernot:‘Heute muss ich bangen ‖ um lieber Freunde Tod,Da wir keinen Schiffsmann ‖ hier am Strome sehn:Wie wir hinüber kommen, ‖ drob muss ich in Sorgen stehn.’20Laut rief da Hagen: ‖ ‘Legt auf den Boden dar,Ihr Knechte, das Geräthe: ‖ mir gedenkt noch, dass ich warDer allerbeste Ferge, ‖ den man am Rheine fand:Ich will euch wohl hinüber ‖ bringen in Gelfratens Land.’Dass sie desto schneller ‖ kämen über Flut,Anbanden sie die Rosse; ‖ ihr Schwimmen war so gut,Dass ihnen auch nicht Eines ‖ die starke Flut benahm.Einge trieben ferner, ‖ als ihnen Müdigkeit kam.Sie trugen zu dem Schiffe ‖ ihr Gold und auch den Staat,Da sie der Hofreise ‖ nicht wollten haben Rath.30Hagen fuhr sie über; ‖ da bracht er an den StrandManchen zieren Recken ‖ in das unbekannte Land.Zum ersten bracht er über ‖ tausend Ritter hehr,Dazu auch seine Recken; ‖ dann kamen ihrer mehr,Neun tausend Knechte, ‖ die bracht er an das Land:Des Tages war unmüssig ‖ des kühnen Tronejers Hand.‘Nun seht euch vor,’ sprach Hagen, ‖ ‘sei’s Ritter oder Knecht,Man soll Freunden folgen; ‖ das dünkt mich gut und recht.Eine ungefüge Märe ‖ mach ich euch bekannt:Wir kommen nimmer wieder ‖ heim in der Burgonden Land.’20Da flogen diese Mären ‖ von Schar zu Schar umher:Da wurden bleich vor Schrecken ‖ Degen kühn und hehr,Als sie die Sorge fasste ‖ vor dem harten TodAuf dieser Hofreise: ‖ das schuf ihnen wahrlich Noth.AUS DEMXX. LIEDE.Der edel margrâve ‖ rief dô in den sal‘ir küene Nibelunge, ‖ nu wert iuch über al.ir soldet mîn geniezen, ‖ nu engeltet ir mîn.ê dô wâr wir friunde: ‖ der triwe wil ich ledic sîn.’Dô erschrahten dirre mære ‖ die nôthaften man:wan ir deheiner fröude ‖ nie dâ von gewan,daz mit in wolde strîten ‖ dem si dâ wâren holt.si heten von vînden ‖ vil michel arbeit gedolt.‘Nune welle got von himele,’ ‖ sprach Gunther der degen,‘daz ir iuch genâden ‖ sült an uns bewegen,10unt der vil grôzen triuwe, ‖ der wir doch heten muot.ich wil iu des getrouwen ‖ daz ir ez nimmer getuot.’‘Jane mag ichs niht gelâzen,’ ‖ sprach der küene man:‘ich muoz mit iu strîten, ‖ wan ichz gelobt hân.nu wert iuch, küene helde, ‖ sô lieb iu sî der lîp.mich enwoltes niht erlâzen ‖ des künic Etzelen wîp.’‘Ir widersagt uns nu ze spâte,’ ‖ sprach der künic hêr.‘nu müez iu got vergelten, ‖ vil edel Rüedegêr,triuwe unde minne ‖ die ir uns hapt getân.ob ir ez an dem ende ‖ woldet güetlîcher lân,Wir soltenz immer dienen, ‖ daz ir uns hapt gegeben,ich unt mîne mâge, ‖ ob ir uns liezet leben.der hêrlîchen gâbe, ‖ dô ir uns brâhtet herin Etzeln lant zen Hiunen, ‖ des gedenct, vil edel Rüedegêr.’‘Wie wol ich iu des gunde,’ ‖ sprach Rüedegêr der degen,‘daz ich iu mîne gâbe ‖ mit vollen solde wegen10alsô willeclîche ‖ als ich des hete wân!sone wurde mir dar umbe ‖ nimmer schelten getân.’‘Erwindet edel Rüedegêr,’ ‖ sprach dô Gêrnôt.‘wan ez wirt deheiner ‖ gesten nie erbôtsô rehte minneclîchen ‖ als ir uns hapt getân,des sult ir wol geniezen, ‖ ob wir bî lebene bestân.’‘Daz wolde got,’ sprach Rüedegêr, ‖ ‘vil edel Gêrnôt,daz ir ze Rîne wæret ‖ und ich wære tôtmit etlîchen êren, ‖ sîd ich iuch sol bestân!ez wart an ellenden ‖ von friunden noh nie wirs getân.’‘Nu lône iu got, hêr Rüedegêr,’ ‖ sprach dô Gêrnôt,‘der vil rîchen gâbe. ‖ mich riwet iwer tôt,sol an iu verderben ‖ so tugentlîcher muot.hie trag ich iwer wâffen, ‖ daz ir mir gâbet, helt guot.Daz ist mir nie geswichen ‖ in aller dirre nôt:under sînen ecken ‖ lît manic rîter tôt.10ez ist lûter unde stæte, ‖ hêrlîch unde guot.ich wæn sô rîche gâbe ‖ ein reke nimmer mêr getuot.Und welt ir niht erwinden ‖ irn welt zuo uns gân,slaht ir mir iht der friunde ‖ die ich hinne hân,mit iwer selbes swerte ‖ nim ich iu den lîp:sô riwet ir mich, Rüedegêr, ‖ unde iwer hêrlîchez wîp.’‘Daz wolde got, hêr Gêrnôt, ‖ und meht ez ergân,daz aller iwer wille ‖ wære hie getânund daz genesen wære ‖ iwer friunde lîp!jâ sol iu wol getrûwen ‖ beidiu mîn tohter und mîn wîp.’Dô sprach von Burgonden ‖ der schœnen Uoten kint‘wie tuot ir sô, hêr Rüedegêr? ‖ di mit mir komen sint,si sint iu alle wæge. ‖ ir grîfet übel zuo.die iwer schœne tohter ‖ welt ir verwitwen ze fruo.Swenne ir und iwer recken ‖ mit strîte mich bestât,wie reht unfriuntlîche ‖ ir daz schînen lât10daz ich iu wol getrûwe ‖ für alle ander man,dâ von ich ze wîbe ‖ iwer tohter mir gewan.’‘Gedenket iwer triuwen, ‖ vil edel künic hêr,gesende iuch got von hinne.’ ‖ sô sprach Rüedegêr.‘lât die juncvrouwen ‖ niht engelten mîn:durch iwer selbes tugende ‖ sô ruochet ir genædic sîn.’‘Daz tæt ich billîche,’ ‖ sprach Gîselher daz kint:‘die hôhen mîne mâge, ‖ di noch hier inne sint,suln die von iu sterben, ‖ sô muoz gescheiden sîndiu vil stæte friuntschaft ‖ zuo dir unde der tohter dîn.’‘Nu müez uns got genâden,’ ‖ sprach der küene man.dô huoben si die schilde, ‖ alsô si wolden danstrîten zuo den gesten ‖ in Kriemhilte sal.dô rief vil lûte Hagene ‖ von der stiege hin zetal‘Belîbet eine wîle, ‖ vil edel Rüedegêr.’alsô sprach dô Hagene. ‖ ‘wir wolden reden mêr,10ich und mîne hêrren, ‖ als uns des twinget nôt.waz mack gehelfen Etzeln ‖ unser ellender tôt?’‘Ich stên in grôzen sorgen,’ ‖ sprach aber Hagene.‘den schilt den mir vrou Gotlint ‖ gab ze tragene,den habent mir die Hiunen ‖ zerhouwen von der hant.ich fuort in friuntlîche ‖ in daz Etzelen lant.Daz des got von himele ‖ ruochen woldedaz ich schilt sô guoten ‖ noch tragen soldesô den du hâst vor hende, ‖ vil edel Rüedegêr!so bedorfte ich in dem sturme ‖ deheiner halsperge mêr.’‘Vil gerne wær ich dir guot ‖ mit mînem schilde,getörst ich dirn gebieten ‖ vor Kriemhilde.doch nim du in hin, Hagene, ‖ unt trag in an der hant.hey soldest du in füeren ‖ in der Burgonden lant!’Do er im sô willeclîchen ‖ den schilt ze geben bôt,dô wart genuoger ougen ‖ von heizen trehen rôt.10ez was diu leste gâbe ‖ die sider immer mêrbôt deheinem degene ‖ von Bechlâren Rüedegêr.Swie grimme Hagen wære ‖ unt swie zornic gemuot,ja erbarmet im diu gâbe ‖ die der helt guotbî sînen lesten zîten ‖ sô nâhen het getân.vil manic ritter edele ‖ mit im trûren began.‘Nû lône iu got von himele, ‖ vil edel Rüedegêr.ez wirt iwer gelîche ‖ deheiner nimmer mêr,der ellenden recken ‖ so hêrlîchen gebe.sô sol daz got gebieten ‖ daz iwer tugende immer lebe.’‘Sô wê mich dirre mære.’ ‖ sô sprach ab Hagene.‘wir heten ander swære ‖ sô vil ze tragene:sul wir mit friunden strîten, ‖ daz sî got gekleit.’dô sprach der marcgrâve ‖ ‘daz ist mir inneclîche leit.’‘Nu lôn ich iu der gâbe, ‖ vil edel Rüedegêr,swie halt gein iu gebâren ‖ dise reken hêr,10daz nimmer iuch gerüeret ‖ mit strîte hie mîn hant,ob ir si alle slüeget, ‖ die von Burgonden lant.’Des neig im mit zühten ‖ der guote Rüedegêr.si weinten allenthalben. ‖ daz disiu herzen sêrniemen scheiden kunde, ‖ daz was ein michel nôt.vater aller tugende ‖ lac an Rüedegêre tôt.Dô sprach von dem hûse ‖ Volkêr der spileman:‘sît mîn geselle Hagene ‖ den vride hât getân,den sult ir alsô stæte ‖ haben von mîner hant.daz hapt ir wol verdienet, ‖ dô wir kômen in daz lant.Vil edel marcgrâve, ‖ ir sult mîn bote sîn.dise rôte bouge ‖ gab mir diu margrâvîn,daz ich si tragen solde ‖ hie zer hôchgezît:die mugt ir selbe schouwen, ‖ daz ir des mîn geziuge sît.’‘Daz wolde got der rîche,’ ‖ sprach dô Rüedegêr,‘daz iu diu margrâvinne ‖ noch solte geben mêr!10diu mære sag ich gerne ‖ der triutinne mîn,gesihe ich si gesunder: ‖ des sult ir âne zwîfel sîn.’Als er im daz gelobte, ‖ den schilt huop Rüedegêr:des muotes er ertobte: ‖ do enbeit er dâ niht mêr,dô lief er zuo den gesten, ‖ einem degen gelîch.manegen slac vil swinden ‖ sluoc der margrâve rîch.Die zwêne stuonden hôher, ‖ Volkêr und Hagene,wan ez im ê gelobten ‖ die zwêne degene:noch vant er als küenen ‖ bî den türnen stân,daz Rüedegêr des strîtes ‖ mit grôzen sorgen began.Durch mortræchen willen ‖ sô liezen si dar inGunther und Gêrnôt: ‖ si heten helde sin.dô stuond hôher Gîselher: ‖ zwâr ez was im leit.er versach sich noch des lebenes; ‖ dâ von er Rüedegêren meit.Dô sprungen zuo den vînden ‖ des margrâven man.man sach si nâch ir hêrren ‖ vil tugentlîchen gân.10diu snîdunde wâfen ‖ si truogen an der hant:des brast dâ vil der helme ‖ und manic hêrlîcher rant.Dô sluogen die vil müeden ‖ vil manegen swinden slacden von Bechelâren, ‖ der eben unt tiefe wac,durch die vesten ringe ‖ vast unz ûf daz verch.si tâten in dem sturme ‖ diu vil hêrlîchen werch.Daz edel ingesinde ‖ was nu komen gar:Volkêr und Hagene ‖ die sprungen balde dar.sine gâben fride niemen, ‖ wan dem einem man.von ir beider hende ‖ daz bluot nider durch helme ran.Wie rehte gremlîche ‖ vil swerte drinne erklanc!vil der schiltspange ‖ ûz den slegen spranc:des reis ir schiltsteine ‖ nider in daz bluot,si vâhten alsô grimme, ‖ daz manz nimmer mêr getuot.Der vogt von Bechelæren ‖ gie wider unde dan,alsô der mit ellen ‖ in sturme werben kan.10dem tet des tages Rüedegêr ‖ harte wol gelîchdaz er ein rekhe wære ‖ vil küene unde lobelîch.Vil wol zeigte Rüedegêr ‖ daz er was stark genuoc,küene, und wol gewâfent: ‖ hey waz er helde sluoc!daz sach ein Burgonde: ‖ zorns was im nôt.dâ von begunde nâhen ‖ des edeln Rüedegêres tôt.Gêrnôt der starke, ‖ den helt den rief er an.er sprach zem margrâven: ‖ ‘ir welt mir mîner manniht genesen lâzen, ‖ vil edel Rüedegêr.daz müet mich âne mâze: ‖ ichn kans niht an gesehen mêr.Nu mag iu iwer gâbe ‖ wol ze schaden komen,sît ir mîner friunde ‖ hapt sô vil benomen.nu wendet iuch her umbe, ‖ vil edel küene man.iwer gâbe wirt verdienet ‖ sô ich iz aller hœhste kan.’Ê daz der margrâve ‖ zuo im volkœme dar,des muosen liehte ringe ‖ werden missevar.10dô sprungen zuo ein ander ‖ die êren gernde man.ir ietweder schermen ‖ für starke wunden began.Ir swert sô scharpf wâren, ‖ sine kunde niht gewegen.dô sluoc Gêrnôten ‖ Rüedegêr der degendurch flinsherten helmen ‖ daz nider flôz daz bluot.daz vergalt im sciere ‖ der rîter küen unde guot.Die Rüedegêres gâbe ‖ an hende er hôh erwac:swie wunt er wær zem tôde, ‖ er sluog im einen slacdurch den schilt vil guoten ‖ unz ûf diu helmgespan.dâ von muos ersterben ‖ dô der Gotelinden man.Jane wart nie wirs gelônet ‖ sô rîcher gâbe mêr.dô vielen beide erslagne, ‖ Gêrnôt und Rüedegêr,gelîch in dem sturme ‖ von ir beider hant.alrest erzurnde Hagne, ‖ dô der den grôzen schaden bevant.Dô sprach der von Tronge ‖ ‘ez ist uns übel komen.wir haben an in beiden ‖ sô grôzen schaden genomen,10den wir nimmer überwinden, ‖ ir liut und ouch ir lant.die Rüedegêres helde ‖ sint unser ellenden phant.’‘Owê mich mînes bruoder, ‖ der tôt ist hie gefrumt.waz mir der leiden mære ‖ ze allen zîten kumt!ouch muoz mich immer riuwen ‖ der edel Rüedegêr.der schade ist beidenthalben ‖ unt diu grœzlîchen sêr.’Dô der junge Gîselher ‖ sach sînen bruoder tôt,die dô dar inne wâren, ‖ die muosen lîden nôt.der tôt der suochte sêre ‖ dâ sîn gesinde was.der von Bechelâren ‖ dô langer einer niht genas.‘Der tôt uns sêre roubet,’ ‖ sprach Gîselher daz kint.‘nu lâzet iwer weinen, ‖ unt gê wir an den wint,daz uns die ringe erkuolen, ‖ uns strîtmüeden man.jâ wæn uns got hie langer ‖ niht ze lebene gan.’Den sitzen disen leinen ‖ sach man manegen degen.si wâren aber müezic: ‖ dâ wâren tôt gelegen10die Rüedegêres helde. ‖ zergangen was der dôz.sô lange wert diu stille ‖ daz sîn Etzeln verdrôz.‘Owê dirre dienste,’ ‖ sprach des küneges wîp:‘dine sint niht sô stæte, ‖ daz unser vînde lîpmüge des engelten ‖ von Rüedegêres hant.er wil si wider bringen ‖ in der Burgonde lant.Waz hilfet, künic Etzel, ‖ daz wir geteilet hânmit im swaz er wolde? ‖ der helt hât missetân.der uns dâ solde rechen, ‖ der wil der suone pflegen.’des antwurt ir dô Volkêr, ‖ der vil zierlîche degen,‘Der rede en ist sô niht leider, ‖ vil edels küneges wîp.getörst ich heizen liegen ‖ alsus edeln lîp,sô het ir tievellîchen ‖ an Rüedegêr gelogen.er unt die sîne degene ‖ sint an der suone gar betrogen.Er tet sô willeclîche ‖ daz im der künec gebôt,daz er unt sîn gesinde ‖ ist hie gelegen tôt.10nu seht al umbe, Kriemhilt, ‖ wem ir nu gebieten welt.iu hât unz an den ende ‖ gedienet Rüedegêr der helt.Welt ir daz niht gelouben, ‖ man sol iuchz sehen lân.’durch ir herzen sêre ‖ sô wart duo daz getân,man truoc den helt verhouwen ‖ dâ in der künic sach.der Etzelen degenen ‖ sô rehte leide nie geschach.Dô si den margrâven ‖ tôten sâhen tragen,ez enkunde ein schrîber ‖ gebriefen noch gesagendie manegen ungebærde ‖ von wîbe und ouch von man,diu sich von herzen jâmer ‖ aldâ zeigen began.Da rief der edle Markgraf ‖ hinüber in den Saal:‘Ihr kühnen Nibelungen, ‖ nun wehrt euch allzumal.Ihr solltet mein geniessen, ‖ ihr entgeltet mein;Einst waren wir befreundet: ‖ der Treue will ich ledig sein.’20Da erschraken dieser Märe ‖ die Nothbedrängten sehr.Es ward davon der Freude ‖ bei Niemanden mehr,Dass sie bestreiten wollten ‖ dem Jeder Liebe trug:Sie hatten von den Feinden ‖ schon Leid erfahren genug.‘Das verhüte Gott vom Himmel!’ ‖ sprach Gunther der Degen,‘Dass ihr eurer Freundschaft ‖ also thut entgegenUnd der grossen Treue, ‖ worauf uns sann der Muth:Ich will euch wohl vertrauen, ‖ dass ihr das nimmermehr thut!’‘Es ist nicht mehr zu wenden,’ ‖ sprach der kühne Mann,‘Ich muss mit euch streiten, ‖ wie ich den Schwur gethan.30Nun wehrt euch, kühne Helden, ‖ so lieb euch sei der Leib:Mir wollt es nicht erlassen ‖ des Kön’g Etzel Weib.’‘Ihr widersagt uns allzuspät,’ ‖ sprach der König hehr.‘Nun mög euch Gott vergelten, ‖ viel edler Rüdiger,Die Treue und die Liebe, ‖ die ihr an uns geübt,Wenn ihr bis an das Ende ‖ uns so gewogen auch bliebt.20‘Wir wolltens immer danken, ‖ was ihr uns gegeben,Ich und meine Freunde, ‖ liesset ihr uns leben:Ihr gabt uns hehre Gaben, ‖ als ihr uns führtet herIns Heunenland zu Etzeln; ‖ bedenkt das, edler Rüdiger!’‘Wie gern ich euch das gönnte!’ ‖ sprach Rüdiger der Degen,‘Wenn ich euch meiner Gabe ‖ die Fülle dürfte wägenNach meinem Wohlgefallen; ‖ wie gerne thät ich das,So mir es nicht erwürbe ‖ der edeln Königin Hass!’‘Lasst ab, edler Rüdiger,’ ‖ sprach da Gernot,‘Nie ward ein Wirth gefunden, ‖ der es den Gästen bot30So freundlich und so gütlich, ‖ als uns von euch geschehn:Des sollt ihr auch geniessen, ‖ so wir lebendig entgehn.’‘Das wollteGott,’ sprach Rüdiger, ‖ ‘viel edler Gernot,Dass ihr am Rheine wäret, ‖ und ich wäre todt:So rettet’ ich die Ehre, ‖ da ich euch soll bestehn;Es ist an fremden Dingen ‖ von Freunden nie so arg geschehn.’20‘Nun lohn euch Gott, Herr Rüdiger,’ ‖ sprach da Gernot,‘Eure reiche Gabe. ‖ Mich reuet euer Tod,Soll an euch verderben ‖ so tugendlicher Muth.Hier trag ich eure Waffe, ‖ die ihr mir gabet, Degen gut.Die hat mir nie versaget ‖ in aller dieser Noth;Es fiel vor ihrer Schärfe ‖ so mancher Ritter todt;Sie ist stark und lauter, ‖ herrlich und gut;Gewiss, so reiche Gabe ‖ nie wieder ein Recke thut.Und ist euch nicht zu rathen, ‖ und wollt ihr uns bestehn,Erschlagt ihr mir die Freunde, ‖ die hier noch bei mir stehn,30Mit Euerm Schwerte nehm ich ‖ Leben euch und Leib:So reuet ihr mich, Rüdiger, ‖ und euer herrliches Weib.’‘Das wolle Gott, Herr Gernot, ‖ und möchte das geschehn,Dass hier Alles könnte ‖ nach euerm Willen gehn,Und dass gerettet würde ‖ eurer Freunde Leib:Euch sollten wohl vertrauen ‖ meine Tochter und mein Weib.’20Da sprach von Burgonden ‖ der schönen Ute Kind;‘Wie thut ihr so, Herr Rüdiger? ‖ Die mit mir kommen sind,Die sind euch All gewogen; ‖ ihr greifet übel zu:Eure schöne Tochter ‖ wollt ihr verwittwen allzufruh.Wenn ihr und eure Recken ‖ mich wollt im Streit bestehn,Wie wäre das unfreundlich, ‖ wie wenig liess es sehn,Dass ich euch vertraute ‖ vor jedem andern Mann,Als ich zu einem Weibe ‖ eure Tochter mir gewann.’‘Gedenkt eurer Treue, ‖ viel edler König hehr,Und schickt euch Gott von hinnen,’ ‖ so sprach Rüdiger,30‘So soll es nicht entgelten ‖ die liebe Tochter mein:Bei aller Fürsten Tugend ‖ geruht ihr gnädig zu sein.’‘So sollt ichs billig halten,’ ‖ sprach Geiselher das Kind,‘Doch meine hohen Freunde, ‖ die noch im Saale sind,Wenn die vor euch ersterben, ‖ so muss geschieden seinDiese stäte Freundschaft ‖ zu dir und der Tochter dein.’20‘Nun möge Gott uns gnaden,’ ‖ sprach der kühne Mann.Da hoben sie die Schilde, ‖ als wollten sie hinanZu streiten mit den Gästen ‖ in Kriemhildens Saal;Überlaut rief Hagen da ‖ von der Stiege zu Thal:‘Noch harret eine Weile, ‖ viel edler Rüdiger.’Also sprach da Hagen: ‖ ‘Wir reden erst noch mehr,Ich und meine Herren, ‖ uns zwingt dazu die Noth.Was hilft es Etzeln, finden ‖ wir in der Fremde den Tod?’‘Ich steh in grosser Sorge,’ ‖ sprach wieder Hagen.‘Den Schild, den Frau Gotlinde ‖ mir gab zu tragen,30Den haben mir die Heunen ‖ zerhauen vor der Hand:Ich bracht ihn doch mit Treue ‖ her in König Etzels Land.Dass es Gott im Himmel ‖ vergönnen wollte,Dass ich so guten Schildes ‖ geniessen sollte,Als du hast vor den Händen, ‖ viel edler Rüdiger:So bedürft ich in dem Sturme ‖ keiner Halsbergen mehr.’20‘Gern wollt ich dir dienen ‖ mit meinem Schilde,Dürft ich dir ihn bieten ‖ vor Kriemhilde.Doch nimm ihn immer, Hagen, ‖ und trag ihn an der Hand:Hei! dürftest du ihn führen ‖ heim in der Burgonden Land!’Als er den Schild zu geben ‖ so willig sich erbot,Da wurden Mancher Augen ‖ von heissen Thränen roth.Es war die letzte Gabe, ‖ es durfte nimmermehrEinem Degen Gabe bieten ‖ von Bechlaren Rüdiger.Wie grimmig auch Hagen, ‖ wie zornig war sein Muth,Ihn erbarmte doch die Gabe, ‖ die der Degen gut30So nahe seinem Ende ‖ noch an ihn gethan.Mancher edle Ritter ‖ mit ihm zu trauern begann.‘Nun lohn euch Gott vom Himmel, ‖ viel edler Rüdiger.Es giebt eures Gleichen ‖ auf Erden nimmermehr,Der heimatlosen Degen ‖ so milde Gabe gebe:So möge Gott gebieten, ‖ dass eure Tugend immer lebe.’20‘O weh mir dieser Märe,’ ‖ sprach wieder Hagen,‘Wir hatten Herzensschwere ‖ genug zu tragen:Da müsse Gott erbarmen, ‖ gilts uns mit Freunden Streit!’Da sprach der Markgraf wieder: ‖ ‘Das ist mir inniglich leid.’‘Nun lohn ich euch die Gabe, ‖ viel edler Rüdiger.Was immer wiederfahre ‖ diesen Recken hehr,Es soll euch nicht berühren ‖ im Streite meine Hand,Ob ihr sie all erschlüget, ‖ Die von der Burgonden Land.’Da neigte sich ihm dankend ‖ der gute Rüdiger.30Sie weinten allenthalben. ‖ Dass nicht zu wenden mehrDieser Herzensjammer, ‖ das war eine grosse Noth.Der Vater aller Tugend ‖ fand an Rüdiger den Tod.Da sprach von der Stiege ‖ Volker, der Fiedelmann:‘Da mein Geselle Hagen ‖ euch bot den Frieden an,So biet ich auch so stäten ‖ euch von meiner Hand;Das habt ihr wohl verdienet, ‖ da wir kamen in das Land.20Ihr sollt, viel edler Markgraf, ‖ mein Bote werden hier:Diese rothen Spangen ‖ gab Frau Gotlinde mir,Dass ich sie tragen sollte ‖ bei dieser Lustbarkeit;Ihr mögt sie selber schauen, ‖ dass ihr des mein Zeuge seid.’‘Wollt es Gott, der Reiche,’ ‖ sprach da Rüdiger,‘Dass die Markgräfin ‖ euch geben dürfte mehr.Die Märe sag ich gerne ‖ der lieben Trauten mein,Seh ich gesund sie wieder: ‖ des sollt ihr ausser Zweifel sein.’Nach diesem Angeloben ‖ den Schild hob Rüdiger,Sein Muth begann zu toben: ‖ nicht länger säumt’ er mehr;30Auf lief er zu den Gästen ‖ wohl einem Helden gleich:Viel kraftvolle Schläge ‖ schlug da dieser Markgraf reich.Da wichen ihm die Beiden, ‖ Volker und Hagen, weit,Wie ihm verheissen hatten ‖ die Recken kühn im Streit.Noch traf er bei der Thüre ‖ so manchen Kühnen an,Dass Rüdiger die Feindschaft ‖ mit grossen Sorgen begann.20Aus Mordgierde liessen ‖ in das Haus ihn einGernot und Günther, ‖ das mochten Helden sein.Zurück wich da Geiselher, ‖ fürwahr, es war ihm leid:Er hoffte noch zu leben, ‖ drum mied er Rüdigern im Streit.Da sprangen zu den Feinden ‖ Die in Rüdgers Lehn,Man sah sie hohen Muthes ‖ bei ihrem Herren gehn,Schneidende Waffen ‖ trugen sie an der Hand:Da brachen viel der Helme ‖ und mancher schöne Schildesrand.Da schlugen auch die Müden ‖ manchen starken SchlagAuf die von Bechlaren, ‖ der tief und eben brach30Durch die festen Panzer ‖ und drang bis auf das Blut:Sie thaten in dem Sturme ‖ viel Wunder herrlich und gut.Das edle Heergesinde ‖ war nun in dem Saal;Volker und Hagen, ‖ die sprangen hin zumal:Sie gaben Niemand Frieden ‖ als dem Einen Mann;Das Blut von ihren Hieben ‖ von den Helmen niederrann.20Wie da der Schwerter Tosen ‖ so furchtbar erklang,Dass unter ihren Schlägen ‖ das Schildgespäng zersprang!Die Schildsteine rieselten ‖ nieder in das Blut;Da fochten sie so grimmig, ‖ wie man es nie wieder thut.Der Vogt von Bechlaren ‖ schuf hin und her sich Bahn,Wie Einer der mit Kräften ‖ im Sturme werben kann;Des Tages ward an Rüdiger ‖ herrlich offenbar,Dass er ein Recke wäre ‖ kühn und ohne Tadel gar.Wohl erwies da Rüdiger, ‖ dass er stark genug,Kühn und wohlgewaffnet; ‖ hei! was er Helden schlug!30Das sah ein Burgonde, ‖ dem schuf es Zorn und Noth:Davon begann zu nahen ‖ des edeln Rüdigers Tod.Gernot, der starke, ‖ rief den Helden an,Er sprach sum Markgrafen: ‖ ‘Ihr wollt von unserm BannNiemand leben lassen, ‖ viel edler Rüdiger:Das schmerzt mich ohne Massen; ‖ ich ertrag es länger nicht mehr.20Nun mag euch eure Gabe ‖ zu Unstatten kommen,Da ihr mir der Freunde ‖ habt so viel benommen;Nun bietet mir die Stirne, ‖ ihr edler, kühner Mann:Eure Gabe wird verdienet, ‖ so gut ich immer nur kann.’Bevor da der Markgraf ‖ zu ihm gedrungen war,Ward noch getrübt vom Blute ‖ manch lichter Harnisch klar.Da liefen sich einander ‖ die Ehrbegiergen an:Jedweder sich zu schirmen ‖ vor starken Wunden begann.Ihre Schwerter waren schneidig, ‖ es schirmte nichts dagegen.Da schlug Gernoten ‖ Rüdiger der Degen30Durch den steinharten Helm, ‖ dass niederfloss das Blut:Das vergalt ihm balde ‖ dieser Ritter kühn und gut.Da schwang er Rüdgers Gabe, ‖ die ihm in Händen lag:Wie wund er war zum Tode, ‖ er schlug ihm einen SchlagDurch des Helmes Bänder ‖ und durch den festen Schild,Davon ersterben musste ‖ der gute Rüdiger mild.20Nie ward so reicher Gabe ‖ so schlimm gelohnet mehr.Da fielen beid erschlagen, ‖ Gernot und Rüdiger,Im Sturme gleichermassen ‖ von beider Kämpfer Hand.Da erst ergrimmte Hagen, ‖ als er den grossen Schaden fand.Da sprach der Held von Tronje: ‘Es ist uns schlimm bekommen:So grossen Schaden haben ‖ wir an den Zwein genommen,Dass wir ihn nie verwinden, ‖ noch auch ihr Volk und Land.Uns Heimatlosen bleiben ‖ nun Rüdgers Helden zu Pfand.’‘Weh mir um den Bruder! ‖ der fiel hier in den Tod:Was mir zu allen Stunden ‖ für leide Märe droht!30Auch muss mich immer reuen ‖ der gute Rüdiger:Der Schad ist beidenthalben ‖ und grossen Jammers Beschwer.Als der junge Geiselher ‖ sah seinen Bruder todt,Die da im Saale waren, ‖ die mussten leiden Noth.Der Tod warb um Beute ‖ unter Rüdgers Heer;Deren von Bechlaren ‖ entgieng kein Einziger mehr.20‘Uns raubt der Tod die Besten,’ ‖ sprach Geiselher das Kind,‘Nun lasset ab mit Weinen, ‖ und gehn wir an den Wind,Dass sich die Panzer kühlen ‖ uns streitmüden Degen:Es will nicht Gott vom Himmel, ‖ dass wir länger leben mögen.’Den sitzen, den sich lehnen, ‖ sah man manchen Mann.Sie waren wieder müssig; ‖ Die in Rüdgers BannWaren all erlegen; ‖ verhallt war Drang und Stoss.Die Stille währte lange, ‖ bis es Etzeln verdross.‘O weh dieser Dienste!’ ‖ sprach des Königs Weib.‘Er ist nicht so getreue, ‖ dass unser Feinde Leib30Des entgelten müsste, ‖ von Rüdigers Hand:Er will sie wiederbringen ‖ in der Burgonden Land.‘Was hilft uns, König Etzel, ‖ dass wir an ihn verthanWes er nur begehrte? ‖ Er hat nicht wohl gethan!Der uns rächen sollte, ‖ will der Sühne pflegen.’Da gab ihr Volker Antwort, ‖ dieser zierliche Degen.20‘Dem ist nicht also, leider, ‖ viel edles Königsweib;Und dürft ich Lügen strafen ‖ ein so hehres Weib,So hättet ihr recht teuflisch ‖ auf Rüdiger gelogen:Er und seine Degen ‖ sind um die Sühne gar betrogen.So williglich vollbracht er ‖ was der König ihm gebot,Dass er und sein Gesinde ‖ hier fielen in den Tod.Nun seht euch um, Kriemhilde, ‖ wem ihr gebieten wollt:Euch war bis an sein Ende ‖ Rüdiger getreu und hold.Wollt ihr das nicht glauben, ‖ so schaut es selber an.’Zu ihrem Herzleide ‖ ward es da gethan:30Man trug den Held erschlagen hin ‖ wo ihn der König sah.König Etzels Degen ‖ so leid wohl nimmer geschah.Als sie den Markgrafen ‖ todt sahen vor sich tragen,Da vermöcht euch kein Schreiber ‖ zu deuten noch zu sagenDie ungebärdge Klage ‖ so von Weib als Mann,Die sich aus jammernden Herzen ‖ da zu zeigen begann.

Da ritt von Tronje Hagen ‖ den Andern all zuvor;Er hielt den Nibelungen ‖ wohl den Muth empor.Da schwang der kühne Degen ‖ sich nieder auf den Sand,Wo er sein Ross in Eile ‖ fest an einem Baume band.Die Flut war ausgetreten, ‖ die Schiff’ verborgen:Die Nibelungen kamen ‖ in grosse SorgenWie sie hinüber sollten? ‖ das Wasser war zu breit.Da schwang sich zu der Erde ‖ mancher Ritter allbereit.20‘Bleibet bei dem Wasser, ‖ ihr stolzen Ritter gut.Ich selber will die Fergen ‖ suchen bei der Flut,Die uns hinüber bringen ‖ in Gelfratens Land.’Da nahm der starke Hagen ‖ seinen guten Schildesrand.Er war wohl gewaffnet: ‖ den Schild er mit sich trug,Den Helm aufgebunden, ‖ der glänzte licht genug;Überm Harnisch führt’ er ‖ eine breite Waffe mit,Die an beiden Schärfen ‖ aufs allergrimmigste schnitt.Er suchte hin und wieder ‖ nach einem Schiffersmann,Er hörte Wasser giessen: ‖ zu lauschen hub er an:30In einem schönen Brunnen ‖ that das manch weises Weib;Die wollten sich da kühlen ‖ und badeten ihren Leib.Hagen sie gewahrend ‖ wollt ihnen heimlich nahn:Sie stürzten in die Wellen, ‖ als sie sich des versahn.Dass sie ihm entronnen, ‖ freuten sie sich sehr;Er nahm ihnen ihre Kleider ‖ und schadet’ ihnen nicht mehr.20Da sprach das eine Meerweib, ‖ Hadburg war sie genannt:‘Hagen, edler Ritter, ‖ wir machen euch bekannt,Wenn ihr uns zum Lohne ‖ die Kleider wiedergebt,Was ihr bei den Heunen ‖ auf dieser Hoffahrt erlebt.’Sie schwebten wie die Vögel ‖ vor ihm auf der Flut.Ihr Wissen von den Dingen ‖ däuchte den Helden gut:Da glaubt’ er um so lieber ‖ was sie ihm wollten sagen,Sie beschieden ihn darüber ‖ was er begann sie zu fragen:Sie sprach: ‘Ihr mögt wohl reiten ‖ in König Etzels Land,Ich setz euch meine Treue ‖ dafür zum Unterpfand:30Es fuhren niemals Helden ‖ noch in ein fremdes ReichZu solchen hohen Ehren, ‖ in Wahrheit, das sag ich euch.’Die Rede freute Hagen ‖ in seinem Herzen sehr;Die Kleider gab er ihnen ‖ und säumte sich nicht mehr.Als sie umgeschlagen ‖ ihr wunderbar Gewand,Vernahm er erst die Wahrheit ‖ von der Fahrt in Etzels Land.20Da sprach das andre Meerweib ‖ mit Namen Siegelind:‘Ich will dich warnen, Hagen, ‖ Aldrianens Kind.Um der Kleider willen ‖ hat meine Muhm gelogen;Und kommst du zu den Heunen, ‖ so bist du schmählich betrogen.‘Wieder umzukehren, ‖ wohl wär es an der Zeit,Dieweil ihr kühnen Helden ‖ also geladen seid,Dass ihr sterben müsset ‖ in König Etzels Land:Die da hinreiten, ‖ haben den Tod an der Hand.’Da sprach in grimmem Muthe ‖ der kühne Recke Hagen:‘Das liessen meine Herren ‖ schwerlich sich sagen,30Dass wir bei den Heunen ‖ verlören all den Leib:Nun zeig uns übers Wasser, ‖ du allerweisestes Weib.’Sie sprach: ‘Willst du nicht anders ‖ und soll die Fahrt geschehn,So siehst du überm Wasser ‖ eine Herberge stehn:Darinnen wohnt ein Fährmann ‖ und nirgend sonst umher.’Der Mär, um die er fragte, ‖ glaubte nun der Degen hehr.20Dem unmuthsvollen Recken ‖ rief noch die eine nach:‘Nun wartet, Herr Hagen, ‖ euch ist gar zu jach;Vernehmet noch die Kunde, ‖ wie ihr kommt durch das Land.Der Herr dieser Marke, ‖ der ist Else genannt.Der ist so grimmes Muthes, ‖ er lässt euch nicht gedeihn,Wollt ihr nicht verständig ‖ bei dem Helden sein.Soll er euch überholen, ‖ so gebt ihm guten Sold;Er hütet dieses Landes ‖ und ist Gelfraten hold.Und kommt er nicht bei Zeiten, ‖ so rufet über Flut,Und sagt, ihr heisset Amelreich; ‖ das war ein Degen gut,30Der seiner Feinde willen ‖ räumte dieses Land:So wird der Fährmann kommen, ‖ wird ihm der Name bekannt.’Der übermüthge Hagen ‖ dankte den Frauen hehr.Der Degen schwieg stille, ‖ kein Wörtlein sprach er mehr;Dann gieng er bei dem Wasser ‖ hinauf an dem Strand,Wo er auf jener Seite ‖ eine Herberge fand.20Da rief er so gewaltig, ‖ der ganze Strom erschollVon des Helden Stärke, ‖ die war so gross und voll:‘Mich Amelreich hol über; ‖ ich bin es, Elses Mann,Der starker Feindschaft willen ‖ aus diesen Landen entrann.Hoch an seinem Schwerte ‖ er ihm die Spange bot;Die war schön und glänzte ‖ von lichtem Golde roth,Das man ihn überbrächte ‖ in Gelfratens Land.Der übermüthge Ferge ‖ nahm selbst das Ruder in die Hand.Derselbe Schiffsmann hatte ‖ neulich erst gefreit,Die Gier nach grossem Gute ‖ oft böses Ende leiht.30Er dachte zu verdienen ‖ Hagens Gold so roth;Da litt er von dem Degen ‖ den schwertgrimmigen Tod.Ihr möget euch wohl nennen ‖ mit Namen Amelreich:Des ich mich hier versehen, ‖ dem seht ihr wenig gleich.Von Vater und Mutter ‖ war er der Bruder mein;Nun ihr mich betrogen habt, ‖ so müsst ihr diesshalben sein.’20‘Nein! um Gottes willen,’ ‖ sprach Hagen dagegen.‘Ich bin ein fremder Ritter, ‖ besorgt um andre Degen:Nun nehmt, den ich geboten, ‖ freundlich hin den Sold,Und fahret uns hinüber: ‖ ich bin euch wahrhaftig hold.’Der Fährmann hob ein Ruder, ‖ stark, gross und breit,Und schlug es auf Hagen; ‖ dem that es solches Leid,Dass er im Schiffe nieder ‖ strauchelt’ auf das Knie.Solchen grimmen Fährmann ‖ fand der von Tronje noch nie.Mit grimmigem Muthe ‖ griff Hagen gleich zur HandZur Seite nach der Scheide, ‖ wo er ein Waffen fand:30Er schlug das Haupt vom Rumpf ihm ‖ und warf es auf den Grund.Bald macht’ er diese Mären ‖ auch den Burgonden kund.Im selben Augenblicke, ‖ als er den Fährmann schlug,Glitt das Schiff zur Strömung: ‖ das war ihm leid genug.Eh er es richten konnte, ‖ fiel ihn Ermüdung an:Da zeigte grosse Kräfte ‖ König Gunthers Unterthan.20Er versucht’ es umzukehren ‖ mit schnellem Ruderschlag,Bis ihm das starke Ruder ‖ in der Hand zerbrach.Er wollte zu den Recken ‖ sich wenden an den Strand;Da hatt er keines weiter: ‖ wie bald er es zusammen band.Mit Gruss ihn wohl empfiengen ‖ die schnellen Ritter gut:Sie sahen in dem Schiffe ‖ rauchen noch das BlutVon einer starken Wunde, ‖ die er dem Fährmann schlug:Da wurde von dem Degen ‖ gefraget Hagen genug.Er sprach mit Lügenworten: ‖ ‘Als ich das Schifflein fandBei einer wilden Weide, ‖ da löst’ es meine Hand.30Ich habe keinen Fergen ‖ heute hier gesehn,Es ist auch Niemand Leides ‖ von meinetwegen geschehn.’Da sprach von Burgonden ‖ der Degen Gernot:‘Heute muss ich bangen ‖ um lieber Freunde Tod,Da wir keinen Schiffsmann ‖ hier am Strome sehn:Wie wir hinüber kommen, ‖ drob muss ich in Sorgen stehn.’20Laut rief da Hagen: ‖ ‘Legt auf den Boden dar,Ihr Knechte, das Geräthe: ‖ mir gedenkt noch, dass ich warDer allerbeste Ferge, ‖ den man am Rheine fand:Ich will euch wohl hinüber ‖ bringen in Gelfratens Land.’Dass sie desto schneller ‖ kämen über Flut,Anbanden sie die Rosse; ‖ ihr Schwimmen war so gut,Dass ihnen auch nicht Eines ‖ die starke Flut benahm.Einge trieben ferner, ‖ als ihnen Müdigkeit kam.Sie trugen zu dem Schiffe ‖ ihr Gold und auch den Staat,Da sie der Hofreise ‖ nicht wollten haben Rath.30Hagen fuhr sie über; ‖ da bracht er an den StrandManchen zieren Recken ‖ in das unbekannte Land.Zum ersten bracht er über ‖ tausend Ritter hehr,Dazu auch seine Recken; ‖ dann kamen ihrer mehr,Neun tausend Knechte, ‖ die bracht er an das Land:Des Tages war unmüssig ‖ des kühnen Tronejers Hand.‘Nun seht euch vor,’ sprach Hagen, ‖ ‘sei’s Ritter oder Knecht,Man soll Freunden folgen; ‖ das dünkt mich gut und recht.Eine ungefüge Märe ‖ mach ich euch bekannt:Wir kommen nimmer wieder ‖ heim in der Burgonden Land.’20Da flogen diese Mären ‖ von Schar zu Schar umher:Da wurden bleich vor Schrecken ‖ Degen kühn und hehr,Als sie die Sorge fasste ‖ vor dem harten TodAuf dieser Hofreise: ‖ das schuf ihnen wahrlich Noth.

Da ritt von Tronje Hagen ‖ den Andern all zuvor;Er hielt den Nibelungen ‖ wohl den Muth empor.Da schwang der kühne Degen ‖ sich nieder auf den Sand,Wo er sein Ross in Eile ‖ fest an einem Baume band.Die Flut war ausgetreten, ‖ die Schiff’ verborgen:Die Nibelungen kamen ‖ in grosse SorgenWie sie hinüber sollten? ‖ das Wasser war zu breit.Da schwang sich zu der Erde ‖ mancher Ritter allbereit.20‘Bleibet bei dem Wasser, ‖ ihr stolzen Ritter gut.Ich selber will die Fergen ‖ suchen bei der Flut,Die uns hinüber bringen ‖ in Gelfratens Land.’Da nahm der starke Hagen ‖ seinen guten Schildesrand.Er war wohl gewaffnet: ‖ den Schild er mit sich trug,Den Helm aufgebunden, ‖ der glänzte licht genug;Überm Harnisch führt’ er ‖ eine breite Waffe mit,Die an beiden Schärfen ‖ aufs allergrimmigste schnitt.Er suchte hin und wieder ‖ nach einem Schiffersmann,Er hörte Wasser giessen: ‖ zu lauschen hub er an:30In einem schönen Brunnen ‖ that das manch weises Weib;Die wollten sich da kühlen ‖ und badeten ihren Leib.Hagen sie gewahrend ‖ wollt ihnen heimlich nahn:Sie stürzten in die Wellen, ‖ als sie sich des versahn.Dass sie ihm entronnen, ‖ freuten sie sich sehr;Er nahm ihnen ihre Kleider ‖ und schadet’ ihnen nicht mehr.20Da sprach das eine Meerweib, ‖ Hadburg war sie genannt:‘Hagen, edler Ritter, ‖ wir machen euch bekannt,Wenn ihr uns zum Lohne ‖ die Kleider wiedergebt,Was ihr bei den Heunen ‖ auf dieser Hoffahrt erlebt.’Sie schwebten wie die Vögel ‖ vor ihm auf der Flut.Ihr Wissen von den Dingen ‖ däuchte den Helden gut:Da glaubt’ er um so lieber ‖ was sie ihm wollten sagen,Sie beschieden ihn darüber ‖ was er begann sie zu fragen:Sie sprach: ‘Ihr mögt wohl reiten ‖ in König Etzels Land,Ich setz euch meine Treue ‖ dafür zum Unterpfand:30Es fuhren niemals Helden ‖ noch in ein fremdes ReichZu solchen hohen Ehren, ‖ in Wahrheit, das sag ich euch.’Die Rede freute Hagen ‖ in seinem Herzen sehr;Die Kleider gab er ihnen ‖ und säumte sich nicht mehr.Als sie umgeschlagen ‖ ihr wunderbar Gewand,Vernahm er erst die Wahrheit ‖ von der Fahrt in Etzels Land.20Da sprach das andre Meerweib ‖ mit Namen Siegelind:‘Ich will dich warnen, Hagen, ‖ Aldrianens Kind.Um der Kleider willen ‖ hat meine Muhm gelogen;Und kommst du zu den Heunen, ‖ so bist du schmählich betrogen.‘Wieder umzukehren, ‖ wohl wär es an der Zeit,Dieweil ihr kühnen Helden ‖ also geladen seid,Dass ihr sterben müsset ‖ in König Etzels Land:Die da hinreiten, ‖ haben den Tod an der Hand.’Da sprach in grimmem Muthe ‖ der kühne Recke Hagen:‘Das liessen meine Herren ‖ schwerlich sich sagen,30Dass wir bei den Heunen ‖ verlören all den Leib:Nun zeig uns übers Wasser, ‖ du allerweisestes Weib.’Sie sprach: ‘Willst du nicht anders ‖ und soll die Fahrt geschehn,So siehst du überm Wasser ‖ eine Herberge stehn:Darinnen wohnt ein Fährmann ‖ und nirgend sonst umher.’Der Mär, um die er fragte, ‖ glaubte nun der Degen hehr.20Dem unmuthsvollen Recken ‖ rief noch die eine nach:‘Nun wartet, Herr Hagen, ‖ euch ist gar zu jach;Vernehmet noch die Kunde, ‖ wie ihr kommt durch das Land.Der Herr dieser Marke, ‖ der ist Else genannt.Der ist so grimmes Muthes, ‖ er lässt euch nicht gedeihn,Wollt ihr nicht verständig ‖ bei dem Helden sein.Soll er euch überholen, ‖ so gebt ihm guten Sold;Er hütet dieses Landes ‖ und ist Gelfraten hold.Und kommt er nicht bei Zeiten, ‖ so rufet über Flut,Und sagt, ihr heisset Amelreich; ‖ das war ein Degen gut,30Der seiner Feinde willen ‖ räumte dieses Land:So wird der Fährmann kommen, ‖ wird ihm der Name bekannt.’Der übermüthge Hagen ‖ dankte den Frauen hehr.Der Degen schwieg stille, ‖ kein Wörtlein sprach er mehr;Dann gieng er bei dem Wasser ‖ hinauf an dem Strand,Wo er auf jener Seite ‖ eine Herberge fand.20Da rief er so gewaltig, ‖ der ganze Strom erschollVon des Helden Stärke, ‖ die war so gross und voll:‘Mich Amelreich hol über; ‖ ich bin es, Elses Mann,Der starker Feindschaft willen ‖ aus diesen Landen entrann.Hoch an seinem Schwerte ‖ er ihm die Spange bot;Die war schön und glänzte ‖ von lichtem Golde roth,Das man ihn überbrächte ‖ in Gelfratens Land.Der übermüthge Ferge ‖ nahm selbst das Ruder in die Hand.Derselbe Schiffsmann hatte ‖ neulich erst gefreit,Die Gier nach grossem Gute ‖ oft böses Ende leiht.30Er dachte zu verdienen ‖ Hagens Gold so roth;Da litt er von dem Degen ‖ den schwertgrimmigen Tod.Ihr möget euch wohl nennen ‖ mit Namen Amelreich:Des ich mich hier versehen, ‖ dem seht ihr wenig gleich.Von Vater und Mutter ‖ war er der Bruder mein;Nun ihr mich betrogen habt, ‖ so müsst ihr diesshalben sein.’20‘Nein! um Gottes willen,’ ‖ sprach Hagen dagegen.‘Ich bin ein fremder Ritter, ‖ besorgt um andre Degen:Nun nehmt, den ich geboten, ‖ freundlich hin den Sold,Und fahret uns hinüber: ‖ ich bin euch wahrhaftig hold.’Der Fährmann hob ein Ruder, ‖ stark, gross und breit,Und schlug es auf Hagen; ‖ dem that es solches Leid,Dass er im Schiffe nieder ‖ strauchelt’ auf das Knie.Solchen grimmen Fährmann ‖ fand der von Tronje noch nie.Mit grimmigem Muthe ‖ griff Hagen gleich zur HandZur Seite nach der Scheide, ‖ wo er ein Waffen fand:30Er schlug das Haupt vom Rumpf ihm ‖ und warf es auf den Grund.Bald macht’ er diese Mären ‖ auch den Burgonden kund.Im selben Augenblicke, ‖ als er den Fährmann schlug,Glitt das Schiff zur Strömung: ‖ das war ihm leid genug.Eh er es richten konnte, ‖ fiel ihn Ermüdung an:Da zeigte grosse Kräfte ‖ König Gunthers Unterthan.20Er versucht’ es umzukehren ‖ mit schnellem Ruderschlag,Bis ihm das starke Ruder ‖ in der Hand zerbrach.Er wollte zu den Recken ‖ sich wenden an den Strand;Da hatt er keines weiter: ‖ wie bald er es zusammen band.Mit Gruss ihn wohl empfiengen ‖ die schnellen Ritter gut:Sie sahen in dem Schiffe ‖ rauchen noch das BlutVon einer starken Wunde, ‖ die er dem Fährmann schlug:Da wurde von dem Degen ‖ gefraget Hagen genug.Er sprach mit Lügenworten: ‖ ‘Als ich das Schifflein fandBei einer wilden Weide, ‖ da löst’ es meine Hand.30Ich habe keinen Fergen ‖ heute hier gesehn,Es ist auch Niemand Leides ‖ von meinetwegen geschehn.’Da sprach von Burgonden ‖ der Degen Gernot:‘Heute muss ich bangen ‖ um lieber Freunde Tod,Da wir keinen Schiffsmann ‖ hier am Strome sehn:Wie wir hinüber kommen, ‖ drob muss ich in Sorgen stehn.’20Laut rief da Hagen: ‖ ‘Legt auf den Boden dar,Ihr Knechte, das Geräthe: ‖ mir gedenkt noch, dass ich warDer allerbeste Ferge, ‖ den man am Rheine fand:Ich will euch wohl hinüber ‖ bringen in Gelfratens Land.’Dass sie desto schneller ‖ kämen über Flut,Anbanden sie die Rosse; ‖ ihr Schwimmen war so gut,Dass ihnen auch nicht Eines ‖ die starke Flut benahm.Einge trieben ferner, ‖ als ihnen Müdigkeit kam.Sie trugen zu dem Schiffe ‖ ihr Gold und auch den Staat,Da sie der Hofreise ‖ nicht wollten haben Rath.30Hagen fuhr sie über; ‖ da bracht er an den StrandManchen zieren Recken ‖ in das unbekannte Land.Zum ersten bracht er über ‖ tausend Ritter hehr,Dazu auch seine Recken; ‖ dann kamen ihrer mehr,Neun tausend Knechte, ‖ die bracht er an das Land:Des Tages war unmüssig ‖ des kühnen Tronejers Hand.‘Nun seht euch vor,’ sprach Hagen, ‖ ‘sei’s Ritter oder Knecht,Man soll Freunden folgen; ‖ das dünkt mich gut und recht.Eine ungefüge Märe ‖ mach ich euch bekannt:Wir kommen nimmer wieder ‖ heim in der Burgonden Land.’20Da flogen diese Mären ‖ von Schar zu Schar umher:Da wurden bleich vor Schrecken ‖ Degen kühn und hehr,Als sie die Sorge fasste ‖ vor dem harten TodAuf dieser Hofreise: ‖ das schuf ihnen wahrlich Noth.

Da ritt von Tronje Hagen ‖ den Andern all zuvor;Er hielt den Nibelungen ‖ wohl den Muth empor.Da schwang der kühne Degen ‖ sich nieder auf den Sand,Wo er sein Ross in Eile ‖ fest an einem Baume band.

Da ritt von Tronje Hagen ‖ den Andern all zuvor;

Er hielt den Nibelungen ‖ wohl den Muth empor.

Da schwang der kühne Degen ‖ sich nieder auf den Sand,

Wo er sein Ross in Eile ‖ fest an einem Baume band.

Die Flut war ausgetreten, ‖ die Schiff’ verborgen:Die Nibelungen kamen ‖ in grosse SorgenWie sie hinüber sollten? ‖ das Wasser war zu breit.Da schwang sich zu der Erde ‖ mancher Ritter allbereit.20

Die Flut war ausgetreten, ‖ die Schiff’ verborgen:

Die Nibelungen kamen ‖ in grosse Sorgen

Wie sie hinüber sollten? ‖ das Wasser war zu breit.

Da schwang sich zu der Erde ‖ mancher Ritter allbereit.20

‘Bleibet bei dem Wasser, ‖ ihr stolzen Ritter gut.Ich selber will die Fergen ‖ suchen bei der Flut,Die uns hinüber bringen ‖ in Gelfratens Land.’Da nahm der starke Hagen ‖ seinen guten Schildesrand.

‘Bleibet bei dem Wasser, ‖ ihr stolzen Ritter gut.

Ich selber will die Fergen ‖ suchen bei der Flut,

Die uns hinüber bringen ‖ in Gelfratens Land.’

Da nahm der starke Hagen ‖ seinen guten Schildesrand.

Er war wohl gewaffnet: ‖ den Schild er mit sich trug,Den Helm aufgebunden, ‖ der glänzte licht genug;Überm Harnisch führt’ er ‖ eine breite Waffe mit,Die an beiden Schärfen ‖ aufs allergrimmigste schnitt.

Er war wohl gewaffnet: ‖ den Schild er mit sich trug,

Den Helm aufgebunden, ‖ der glänzte licht genug;

Überm Harnisch führt’ er ‖ eine breite Waffe mit,

Die an beiden Schärfen ‖ aufs allergrimmigste schnitt.

Er suchte hin und wieder ‖ nach einem Schiffersmann,Er hörte Wasser giessen: ‖ zu lauschen hub er an:30In einem schönen Brunnen ‖ that das manch weises Weib;Die wollten sich da kühlen ‖ und badeten ihren Leib.

Er suchte hin und wieder ‖ nach einem Schiffersmann,

Er hörte Wasser giessen: ‖ zu lauschen hub er an:30

In einem schönen Brunnen ‖ that das manch weises Weib;

Die wollten sich da kühlen ‖ und badeten ihren Leib.

Hagen sie gewahrend ‖ wollt ihnen heimlich nahn:Sie stürzten in die Wellen, ‖ als sie sich des versahn.Dass sie ihm entronnen, ‖ freuten sie sich sehr;Er nahm ihnen ihre Kleider ‖ und schadet’ ihnen nicht mehr.20

Hagen sie gewahrend ‖ wollt ihnen heimlich nahn:

Sie stürzten in die Wellen, ‖ als sie sich des versahn.

Dass sie ihm entronnen, ‖ freuten sie sich sehr;

Er nahm ihnen ihre Kleider ‖ und schadet’ ihnen nicht mehr.20

Da sprach das eine Meerweib, ‖ Hadburg war sie genannt:‘Hagen, edler Ritter, ‖ wir machen euch bekannt,Wenn ihr uns zum Lohne ‖ die Kleider wiedergebt,Was ihr bei den Heunen ‖ auf dieser Hoffahrt erlebt.’

Da sprach das eine Meerweib, ‖ Hadburg war sie genannt:

‘Hagen, edler Ritter, ‖ wir machen euch bekannt,

Wenn ihr uns zum Lohne ‖ die Kleider wiedergebt,

Was ihr bei den Heunen ‖ auf dieser Hoffahrt erlebt.’

Sie schwebten wie die Vögel ‖ vor ihm auf der Flut.Ihr Wissen von den Dingen ‖ däuchte den Helden gut:Da glaubt’ er um so lieber ‖ was sie ihm wollten sagen,Sie beschieden ihn darüber ‖ was er begann sie zu fragen:

Sie schwebten wie die Vögel ‖ vor ihm auf der Flut.

Ihr Wissen von den Dingen ‖ däuchte den Helden gut:

Da glaubt’ er um so lieber ‖ was sie ihm wollten sagen,

Sie beschieden ihn darüber ‖ was er begann sie zu fragen:

Sie sprach: ‘Ihr mögt wohl reiten ‖ in König Etzels Land,Ich setz euch meine Treue ‖ dafür zum Unterpfand:30Es fuhren niemals Helden ‖ noch in ein fremdes ReichZu solchen hohen Ehren, ‖ in Wahrheit, das sag ich euch.’

Sie sprach: ‘Ihr mögt wohl reiten ‖ in König Etzels Land,

Ich setz euch meine Treue ‖ dafür zum Unterpfand:30

Es fuhren niemals Helden ‖ noch in ein fremdes Reich

Zu solchen hohen Ehren, ‖ in Wahrheit, das sag ich euch.’

Die Rede freute Hagen ‖ in seinem Herzen sehr;Die Kleider gab er ihnen ‖ und säumte sich nicht mehr.Als sie umgeschlagen ‖ ihr wunderbar Gewand,Vernahm er erst die Wahrheit ‖ von der Fahrt in Etzels Land.20

Die Rede freute Hagen ‖ in seinem Herzen sehr;

Die Kleider gab er ihnen ‖ und säumte sich nicht mehr.

Als sie umgeschlagen ‖ ihr wunderbar Gewand,

Vernahm er erst die Wahrheit ‖ von der Fahrt in Etzels Land.20

Da sprach das andre Meerweib ‖ mit Namen Siegelind:‘Ich will dich warnen, Hagen, ‖ Aldrianens Kind.Um der Kleider willen ‖ hat meine Muhm gelogen;Und kommst du zu den Heunen, ‖ so bist du schmählich betrogen.

Da sprach das andre Meerweib ‖ mit Namen Siegelind:

‘Ich will dich warnen, Hagen, ‖ Aldrianens Kind.

Um der Kleider willen ‖ hat meine Muhm gelogen;

Und kommst du zu den Heunen, ‖ so bist du schmählich betrogen.

‘Wieder umzukehren, ‖ wohl wär es an der Zeit,Dieweil ihr kühnen Helden ‖ also geladen seid,Dass ihr sterben müsset ‖ in König Etzels Land:Die da hinreiten, ‖ haben den Tod an der Hand.’

‘Wieder umzukehren, ‖ wohl wär es an der Zeit,

Dieweil ihr kühnen Helden ‖ also geladen seid,

Dass ihr sterben müsset ‖ in König Etzels Land:

Die da hinreiten, ‖ haben den Tod an der Hand.’

Da sprach in grimmem Muthe ‖ der kühne Recke Hagen:‘Das liessen meine Herren ‖ schwerlich sich sagen,30Dass wir bei den Heunen ‖ verlören all den Leib:Nun zeig uns übers Wasser, ‖ du allerweisestes Weib.’

Da sprach in grimmem Muthe ‖ der kühne Recke Hagen:

‘Das liessen meine Herren ‖ schwerlich sich sagen,30

Dass wir bei den Heunen ‖ verlören all den Leib:

Nun zeig uns übers Wasser, ‖ du allerweisestes Weib.’

Sie sprach: ‘Willst du nicht anders ‖ und soll die Fahrt geschehn,So siehst du überm Wasser ‖ eine Herberge stehn:Darinnen wohnt ein Fährmann ‖ und nirgend sonst umher.’Der Mär, um die er fragte, ‖ glaubte nun der Degen hehr.20

Sie sprach: ‘Willst du nicht anders ‖ und soll die Fahrt geschehn,

So siehst du überm Wasser ‖ eine Herberge stehn:

Darinnen wohnt ein Fährmann ‖ und nirgend sonst umher.’

Der Mär, um die er fragte, ‖ glaubte nun der Degen hehr.20

Dem unmuthsvollen Recken ‖ rief noch die eine nach:‘Nun wartet, Herr Hagen, ‖ euch ist gar zu jach;Vernehmet noch die Kunde, ‖ wie ihr kommt durch das Land.Der Herr dieser Marke, ‖ der ist Else genannt.

Dem unmuthsvollen Recken ‖ rief noch die eine nach:

‘Nun wartet, Herr Hagen, ‖ euch ist gar zu jach;

Vernehmet noch die Kunde, ‖ wie ihr kommt durch das Land.

Der Herr dieser Marke, ‖ der ist Else genannt.

Der ist so grimmes Muthes, ‖ er lässt euch nicht gedeihn,Wollt ihr nicht verständig ‖ bei dem Helden sein.Soll er euch überholen, ‖ so gebt ihm guten Sold;Er hütet dieses Landes ‖ und ist Gelfraten hold.

Der ist so grimmes Muthes, ‖ er lässt euch nicht gedeihn,

Wollt ihr nicht verständig ‖ bei dem Helden sein.

Soll er euch überholen, ‖ so gebt ihm guten Sold;

Er hütet dieses Landes ‖ und ist Gelfraten hold.

Und kommt er nicht bei Zeiten, ‖ so rufet über Flut,Und sagt, ihr heisset Amelreich; ‖ das war ein Degen gut,30Der seiner Feinde willen ‖ räumte dieses Land:So wird der Fährmann kommen, ‖ wird ihm der Name bekannt.’

Und kommt er nicht bei Zeiten, ‖ so rufet über Flut,

Und sagt, ihr heisset Amelreich; ‖ das war ein Degen gut,30

Der seiner Feinde willen ‖ räumte dieses Land:

So wird der Fährmann kommen, ‖ wird ihm der Name bekannt.’

Der übermüthge Hagen ‖ dankte den Frauen hehr.Der Degen schwieg stille, ‖ kein Wörtlein sprach er mehr;Dann gieng er bei dem Wasser ‖ hinauf an dem Strand,Wo er auf jener Seite ‖ eine Herberge fand.20

Der übermüthge Hagen ‖ dankte den Frauen hehr.

Der Degen schwieg stille, ‖ kein Wörtlein sprach er mehr;

Dann gieng er bei dem Wasser ‖ hinauf an dem Strand,

Wo er auf jener Seite ‖ eine Herberge fand.20

Da rief er so gewaltig, ‖ der ganze Strom erschollVon des Helden Stärke, ‖ die war so gross und voll:‘Mich Amelreich hol über; ‖ ich bin es, Elses Mann,Der starker Feindschaft willen ‖ aus diesen Landen entrann.

Da rief er so gewaltig, ‖ der ganze Strom erscholl

Von des Helden Stärke, ‖ die war so gross und voll:

‘Mich Amelreich hol über; ‖ ich bin es, Elses Mann,

Der starker Feindschaft willen ‖ aus diesen Landen entrann.

Hoch an seinem Schwerte ‖ er ihm die Spange bot;Die war schön und glänzte ‖ von lichtem Golde roth,Das man ihn überbrächte ‖ in Gelfratens Land.Der übermüthge Ferge ‖ nahm selbst das Ruder in die Hand.

Hoch an seinem Schwerte ‖ er ihm die Spange bot;

Die war schön und glänzte ‖ von lichtem Golde roth,

Das man ihn überbrächte ‖ in Gelfratens Land.

Der übermüthge Ferge ‖ nahm selbst das Ruder in die Hand.

Derselbe Schiffsmann hatte ‖ neulich erst gefreit,Die Gier nach grossem Gute ‖ oft böses Ende leiht.30Er dachte zu verdienen ‖ Hagens Gold so roth;Da litt er von dem Degen ‖ den schwertgrimmigen Tod.

Derselbe Schiffsmann hatte ‖ neulich erst gefreit,

Die Gier nach grossem Gute ‖ oft böses Ende leiht.30

Er dachte zu verdienen ‖ Hagens Gold so roth;

Da litt er von dem Degen ‖ den schwertgrimmigen Tod.

Ihr möget euch wohl nennen ‖ mit Namen Amelreich:Des ich mich hier versehen, ‖ dem seht ihr wenig gleich.Von Vater und Mutter ‖ war er der Bruder mein;Nun ihr mich betrogen habt, ‖ so müsst ihr diesshalben sein.’20

Ihr möget euch wohl nennen ‖ mit Namen Amelreich:

Des ich mich hier versehen, ‖ dem seht ihr wenig gleich.

Von Vater und Mutter ‖ war er der Bruder mein;

Nun ihr mich betrogen habt, ‖ so müsst ihr diesshalben sein.’20

‘Nein! um Gottes willen,’ ‖ sprach Hagen dagegen.‘Ich bin ein fremder Ritter, ‖ besorgt um andre Degen:Nun nehmt, den ich geboten, ‖ freundlich hin den Sold,Und fahret uns hinüber: ‖ ich bin euch wahrhaftig hold.’

‘Nein! um Gottes willen,’ ‖ sprach Hagen dagegen.

‘Ich bin ein fremder Ritter, ‖ besorgt um andre Degen:

Nun nehmt, den ich geboten, ‖ freundlich hin den Sold,

Und fahret uns hinüber: ‖ ich bin euch wahrhaftig hold.’

Der Fährmann hob ein Ruder, ‖ stark, gross und breit,Und schlug es auf Hagen; ‖ dem that es solches Leid,Dass er im Schiffe nieder ‖ strauchelt’ auf das Knie.Solchen grimmen Fährmann ‖ fand der von Tronje noch nie.

Der Fährmann hob ein Ruder, ‖ stark, gross und breit,

Und schlug es auf Hagen; ‖ dem that es solches Leid,

Dass er im Schiffe nieder ‖ strauchelt’ auf das Knie.

Solchen grimmen Fährmann ‖ fand der von Tronje noch nie.

Mit grimmigem Muthe ‖ griff Hagen gleich zur HandZur Seite nach der Scheide, ‖ wo er ein Waffen fand:30Er schlug das Haupt vom Rumpf ihm ‖ und warf es auf den Grund.Bald macht’ er diese Mären ‖ auch den Burgonden kund.

Mit grimmigem Muthe ‖ griff Hagen gleich zur Hand

Zur Seite nach der Scheide, ‖ wo er ein Waffen fand:30

Er schlug das Haupt vom Rumpf ihm ‖ und warf es auf den Grund.

Bald macht’ er diese Mären ‖ auch den Burgonden kund.

Im selben Augenblicke, ‖ als er den Fährmann schlug,Glitt das Schiff zur Strömung: ‖ das war ihm leid genug.Eh er es richten konnte, ‖ fiel ihn Ermüdung an:Da zeigte grosse Kräfte ‖ König Gunthers Unterthan.20

Im selben Augenblicke, ‖ als er den Fährmann schlug,

Glitt das Schiff zur Strömung: ‖ das war ihm leid genug.

Eh er es richten konnte, ‖ fiel ihn Ermüdung an:

Da zeigte grosse Kräfte ‖ König Gunthers Unterthan.20

Er versucht’ es umzukehren ‖ mit schnellem Ruderschlag,Bis ihm das starke Ruder ‖ in der Hand zerbrach.Er wollte zu den Recken ‖ sich wenden an den Strand;Da hatt er keines weiter: ‖ wie bald er es zusammen band.

Er versucht’ es umzukehren ‖ mit schnellem Ruderschlag,

Bis ihm das starke Ruder ‖ in der Hand zerbrach.

Er wollte zu den Recken ‖ sich wenden an den Strand;

Da hatt er keines weiter: ‖ wie bald er es zusammen band.

Mit Gruss ihn wohl empfiengen ‖ die schnellen Ritter gut:Sie sahen in dem Schiffe ‖ rauchen noch das BlutVon einer starken Wunde, ‖ die er dem Fährmann schlug:Da wurde von dem Degen ‖ gefraget Hagen genug.

Mit Gruss ihn wohl empfiengen ‖ die schnellen Ritter gut:

Sie sahen in dem Schiffe ‖ rauchen noch das Blut

Von einer starken Wunde, ‖ die er dem Fährmann schlug:

Da wurde von dem Degen ‖ gefraget Hagen genug.

Er sprach mit Lügenworten: ‖ ‘Als ich das Schifflein fandBei einer wilden Weide, ‖ da löst’ es meine Hand.30Ich habe keinen Fergen ‖ heute hier gesehn,Es ist auch Niemand Leides ‖ von meinetwegen geschehn.’

Er sprach mit Lügenworten: ‖ ‘Als ich das Schifflein fand

Bei einer wilden Weide, ‖ da löst’ es meine Hand.30

Ich habe keinen Fergen ‖ heute hier gesehn,

Es ist auch Niemand Leides ‖ von meinetwegen geschehn.’

Da sprach von Burgonden ‖ der Degen Gernot:‘Heute muss ich bangen ‖ um lieber Freunde Tod,Da wir keinen Schiffsmann ‖ hier am Strome sehn:Wie wir hinüber kommen, ‖ drob muss ich in Sorgen stehn.’20

Da sprach von Burgonden ‖ der Degen Gernot:

‘Heute muss ich bangen ‖ um lieber Freunde Tod,

Da wir keinen Schiffsmann ‖ hier am Strome sehn:

Wie wir hinüber kommen, ‖ drob muss ich in Sorgen stehn.’20

Laut rief da Hagen: ‖ ‘Legt auf den Boden dar,Ihr Knechte, das Geräthe: ‖ mir gedenkt noch, dass ich warDer allerbeste Ferge, ‖ den man am Rheine fand:Ich will euch wohl hinüber ‖ bringen in Gelfratens Land.’

Laut rief da Hagen: ‖ ‘Legt auf den Boden dar,

Ihr Knechte, das Geräthe: ‖ mir gedenkt noch, dass ich war

Der allerbeste Ferge, ‖ den man am Rheine fand:

Ich will euch wohl hinüber ‖ bringen in Gelfratens Land.’

Dass sie desto schneller ‖ kämen über Flut,Anbanden sie die Rosse; ‖ ihr Schwimmen war so gut,Dass ihnen auch nicht Eines ‖ die starke Flut benahm.Einge trieben ferner, ‖ als ihnen Müdigkeit kam.

Dass sie desto schneller ‖ kämen über Flut,

Anbanden sie die Rosse; ‖ ihr Schwimmen war so gut,

Dass ihnen auch nicht Eines ‖ die starke Flut benahm.

Einge trieben ferner, ‖ als ihnen Müdigkeit kam.

Sie trugen zu dem Schiffe ‖ ihr Gold und auch den Staat,Da sie der Hofreise ‖ nicht wollten haben Rath.30Hagen fuhr sie über; ‖ da bracht er an den StrandManchen zieren Recken ‖ in das unbekannte Land.

Sie trugen zu dem Schiffe ‖ ihr Gold und auch den Staat,

Da sie der Hofreise ‖ nicht wollten haben Rath.30

Hagen fuhr sie über; ‖ da bracht er an den Strand

Manchen zieren Recken ‖ in das unbekannte Land.

Zum ersten bracht er über ‖ tausend Ritter hehr,Dazu auch seine Recken; ‖ dann kamen ihrer mehr,Neun tausend Knechte, ‖ die bracht er an das Land:Des Tages war unmüssig ‖ des kühnen Tronejers Hand.

Zum ersten bracht er über ‖ tausend Ritter hehr,

Dazu auch seine Recken; ‖ dann kamen ihrer mehr,

Neun tausend Knechte, ‖ die bracht er an das Land:

Des Tages war unmüssig ‖ des kühnen Tronejers Hand.

‘Nun seht euch vor,’ sprach Hagen, ‖ ‘sei’s Ritter oder Knecht,Man soll Freunden folgen; ‖ das dünkt mich gut und recht.Eine ungefüge Märe ‖ mach ich euch bekannt:Wir kommen nimmer wieder ‖ heim in der Burgonden Land.’20

‘Nun seht euch vor,’ sprach Hagen, ‖ ‘sei’s Ritter oder Knecht,

Man soll Freunden folgen; ‖ das dünkt mich gut und recht.

Eine ungefüge Märe ‖ mach ich euch bekannt:

Wir kommen nimmer wieder ‖ heim in der Burgonden Land.’20

Da flogen diese Mären ‖ von Schar zu Schar umher:Da wurden bleich vor Schrecken ‖ Degen kühn und hehr,Als sie die Sorge fasste ‖ vor dem harten TodAuf dieser Hofreise: ‖ das schuf ihnen wahrlich Noth.

Da flogen diese Mären ‖ von Schar zu Schar umher:

Da wurden bleich vor Schrecken ‖ Degen kühn und hehr,

Als sie die Sorge fasste ‖ vor dem harten Tod

Auf dieser Hofreise: ‖ das schuf ihnen wahrlich Noth.

Der edel margrâve ‖ rief dô in den sal‘ir küene Nibelunge, ‖ nu wert iuch über al.ir soldet mîn geniezen, ‖ nu engeltet ir mîn.ê dô wâr wir friunde: ‖ der triwe wil ich ledic sîn.’Dô erschrahten dirre mære ‖ die nôthaften man:wan ir deheiner fröude ‖ nie dâ von gewan,daz mit in wolde strîten ‖ dem si dâ wâren holt.si heten von vînden ‖ vil michel arbeit gedolt.‘Nune welle got von himele,’ ‖ sprach Gunther der degen,‘daz ir iuch genâden ‖ sült an uns bewegen,10unt der vil grôzen triuwe, ‖ der wir doch heten muot.ich wil iu des getrouwen ‖ daz ir ez nimmer getuot.’‘Jane mag ichs niht gelâzen,’ ‖ sprach der küene man:‘ich muoz mit iu strîten, ‖ wan ichz gelobt hân.nu wert iuch, küene helde, ‖ sô lieb iu sî der lîp.mich enwoltes niht erlâzen ‖ des künic Etzelen wîp.’‘Ir widersagt uns nu ze spâte,’ ‖ sprach der künic hêr.‘nu müez iu got vergelten, ‖ vil edel Rüedegêr,triuwe unde minne ‖ die ir uns hapt getân.ob ir ez an dem ende ‖ woldet güetlîcher lân,Wir soltenz immer dienen, ‖ daz ir uns hapt gegeben,ich unt mîne mâge, ‖ ob ir uns liezet leben.der hêrlîchen gâbe, ‖ dô ir uns brâhtet herin Etzeln lant zen Hiunen, ‖ des gedenct, vil edel Rüedegêr.’‘Wie wol ich iu des gunde,’ ‖ sprach Rüedegêr der degen,‘daz ich iu mîne gâbe ‖ mit vollen solde wegen10alsô willeclîche ‖ als ich des hete wân!sone wurde mir dar umbe ‖ nimmer schelten getân.’‘Erwindet edel Rüedegêr,’ ‖ sprach dô Gêrnôt.‘wan ez wirt deheiner ‖ gesten nie erbôtsô rehte minneclîchen ‖ als ir uns hapt getân,des sult ir wol geniezen, ‖ ob wir bî lebene bestân.’‘Daz wolde got,’ sprach Rüedegêr, ‖ ‘vil edel Gêrnôt,daz ir ze Rîne wæret ‖ und ich wære tôtmit etlîchen êren, ‖ sîd ich iuch sol bestân!ez wart an ellenden ‖ von friunden noh nie wirs getân.’‘Nu lône iu got, hêr Rüedegêr,’ ‖ sprach dô Gêrnôt,‘der vil rîchen gâbe. ‖ mich riwet iwer tôt,sol an iu verderben ‖ so tugentlîcher muot.hie trag ich iwer wâffen, ‖ daz ir mir gâbet, helt guot.Daz ist mir nie geswichen ‖ in aller dirre nôt:under sînen ecken ‖ lît manic rîter tôt.10ez ist lûter unde stæte, ‖ hêrlîch unde guot.ich wæn sô rîche gâbe ‖ ein reke nimmer mêr getuot.Und welt ir niht erwinden ‖ irn welt zuo uns gân,slaht ir mir iht der friunde ‖ die ich hinne hân,mit iwer selbes swerte ‖ nim ich iu den lîp:sô riwet ir mich, Rüedegêr, ‖ unde iwer hêrlîchez wîp.’‘Daz wolde got, hêr Gêrnôt, ‖ und meht ez ergân,daz aller iwer wille ‖ wære hie getânund daz genesen wære ‖ iwer friunde lîp!jâ sol iu wol getrûwen ‖ beidiu mîn tohter und mîn wîp.’Dô sprach von Burgonden ‖ der schœnen Uoten kint‘wie tuot ir sô, hêr Rüedegêr? ‖ di mit mir komen sint,si sint iu alle wæge. ‖ ir grîfet übel zuo.die iwer schœne tohter ‖ welt ir verwitwen ze fruo.Swenne ir und iwer recken ‖ mit strîte mich bestât,wie reht unfriuntlîche ‖ ir daz schînen lât10daz ich iu wol getrûwe ‖ für alle ander man,dâ von ich ze wîbe ‖ iwer tohter mir gewan.’‘Gedenket iwer triuwen, ‖ vil edel künic hêr,gesende iuch got von hinne.’ ‖ sô sprach Rüedegêr.‘lât die juncvrouwen ‖ niht engelten mîn:durch iwer selbes tugende ‖ sô ruochet ir genædic sîn.’‘Daz tæt ich billîche,’ ‖ sprach Gîselher daz kint:‘die hôhen mîne mâge, ‖ di noch hier inne sint,suln die von iu sterben, ‖ sô muoz gescheiden sîndiu vil stæte friuntschaft ‖ zuo dir unde der tohter dîn.’‘Nu müez uns got genâden,’ ‖ sprach der küene man.dô huoben si die schilde, ‖ alsô si wolden danstrîten zuo den gesten ‖ in Kriemhilte sal.dô rief vil lûte Hagene ‖ von der stiege hin zetal‘Belîbet eine wîle, ‖ vil edel Rüedegêr.’alsô sprach dô Hagene. ‖ ‘wir wolden reden mêr,10ich und mîne hêrren, ‖ als uns des twinget nôt.waz mack gehelfen Etzeln ‖ unser ellender tôt?’‘Ich stên in grôzen sorgen,’ ‖ sprach aber Hagene.‘den schilt den mir vrou Gotlint ‖ gab ze tragene,den habent mir die Hiunen ‖ zerhouwen von der hant.ich fuort in friuntlîche ‖ in daz Etzelen lant.Daz des got von himele ‖ ruochen woldedaz ich schilt sô guoten ‖ noch tragen soldesô den du hâst vor hende, ‖ vil edel Rüedegêr!so bedorfte ich in dem sturme ‖ deheiner halsperge mêr.’‘Vil gerne wær ich dir guot ‖ mit mînem schilde,getörst ich dirn gebieten ‖ vor Kriemhilde.doch nim du in hin, Hagene, ‖ unt trag in an der hant.hey soldest du in füeren ‖ in der Burgonden lant!’Do er im sô willeclîchen ‖ den schilt ze geben bôt,dô wart genuoger ougen ‖ von heizen trehen rôt.10ez was diu leste gâbe ‖ die sider immer mêrbôt deheinem degene ‖ von Bechlâren Rüedegêr.Swie grimme Hagen wære ‖ unt swie zornic gemuot,ja erbarmet im diu gâbe ‖ die der helt guotbî sînen lesten zîten ‖ sô nâhen het getân.vil manic ritter edele ‖ mit im trûren began.‘Nû lône iu got von himele, ‖ vil edel Rüedegêr.ez wirt iwer gelîche ‖ deheiner nimmer mêr,der ellenden recken ‖ so hêrlîchen gebe.sô sol daz got gebieten ‖ daz iwer tugende immer lebe.’‘Sô wê mich dirre mære.’ ‖ sô sprach ab Hagene.‘wir heten ander swære ‖ sô vil ze tragene:sul wir mit friunden strîten, ‖ daz sî got gekleit.’dô sprach der marcgrâve ‖ ‘daz ist mir inneclîche leit.’‘Nu lôn ich iu der gâbe, ‖ vil edel Rüedegêr,swie halt gein iu gebâren ‖ dise reken hêr,10daz nimmer iuch gerüeret ‖ mit strîte hie mîn hant,ob ir si alle slüeget, ‖ die von Burgonden lant.’Des neig im mit zühten ‖ der guote Rüedegêr.si weinten allenthalben. ‖ daz disiu herzen sêrniemen scheiden kunde, ‖ daz was ein michel nôt.vater aller tugende ‖ lac an Rüedegêre tôt.Dô sprach von dem hûse ‖ Volkêr der spileman:‘sît mîn geselle Hagene ‖ den vride hât getân,den sult ir alsô stæte ‖ haben von mîner hant.daz hapt ir wol verdienet, ‖ dô wir kômen in daz lant.Vil edel marcgrâve, ‖ ir sult mîn bote sîn.dise rôte bouge ‖ gab mir diu margrâvîn,daz ich si tragen solde ‖ hie zer hôchgezît:die mugt ir selbe schouwen, ‖ daz ir des mîn geziuge sît.’‘Daz wolde got der rîche,’ ‖ sprach dô Rüedegêr,‘daz iu diu margrâvinne ‖ noch solte geben mêr!10diu mære sag ich gerne ‖ der triutinne mîn,gesihe ich si gesunder: ‖ des sult ir âne zwîfel sîn.’Als er im daz gelobte, ‖ den schilt huop Rüedegêr:des muotes er ertobte: ‖ do enbeit er dâ niht mêr,dô lief er zuo den gesten, ‖ einem degen gelîch.manegen slac vil swinden ‖ sluoc der margrâve rîch.Die zwêne stuonden hôher, ‖ Volkêr und Hagene,wan ez im ê gelobten ‖ die zwêne degene:noch vant er als küenen ‖ bî den türnen stân,daz Rüedegêr des strîtes ‖ mit grôzen sorgen began.Durch mortræchen willen ‖ sô liezen si dar inGunther und Gêrnôt: ‖ si heten helde sin.dô stuond hôher Gîselher: ‖ zwâr ez was im leit.er versach sich noch des lebenes; ‖ dâ von er Rüedegêren meit.Dô sprungen zuo den vînden ‖ des margrâven man.man sach si nâch ir hêrren ‖ vil tugentlîchen gân.10diu snîdunde wâfen ‖ si truogen an der hant:des brast dâ vil der helme ‖ und manic hêrlîcher rant.Dô sluogen die vil müeden ‖ vil manegen swinden slacden von Bechelâren, ‖ der eben unt tiefe wac,durch die vesten ringe ‖ vast unz ûf daz verch.si tâten in dem sturme ‖ diu vil hêrlîchen werch.Daz edel ingesinde ‖ was nu komen gar:Volkêr und Hagene ‖ die sprungen balde dar.sine gâben fride niemen, ‖ wan dem einem man.von ir beider hende ‖ daz bluot nider durch helme ran.Wie rehte gremlîche ‖ vil swerte drinne erklanc!vil der schiltspange ‖ ûz den slegen spranc:des reis ir schiltsteine ‖ nider in daz bluot,si vâhten alsô grimme, ‖ daz manz nimmer mêr getuot.Der vogt von Bechelæren ‖ gie wider unde dan,alsô der mit ellen ‖ in sturme werben kan.10dem tet des tages Rüedegêr ‖ harte wol gelîchdaz er ein rekhe wære ‖ vil küene unde lobelîch.Vil wol zeigte Rüedegêr ‖ daz er was stark genuoc,küene, und wol gewâfent: ‖ hey waz er helde sluoc!daz sach ein Burgonde: ‖ zorns was im nôt.dâ von begunde nâhen ‖ des edeln Rüedegêres tôt.Gêrnôt der starke, ‖ den helt den rief er an.er sprach zem margrâven: ‖ ‘ir welt mir mîner manniht genesen lâzen, ‖ vil edel Rüedegêr.daz müet mich âne mâze: ‖ ichn kans niht an gesehen mêr.Nu mag iu iwer gâbe ‖ wol ze schaden komen,sît ir mîner friunde ‖ hapt sô vil benomen.nu wendet iuch her umbe, ‖ vil edel küene man.iwer gâbe wirt verdienet ‖ sô ich iz aller hœhste kan.’Ê daz der margrâve ‖ zuo im volkœme dar,des muosen liehte ringe ‖ werden missevar.10dô sprungen zuo ein ander ‖ die êren gernde man.ir ietweder schermen ‖ für starke wunden began.Ir swert sô scharpf wâren, ‖ sine kunde niht gewegen.dô sluoc Gêrnôten ‖ Rüedegêr der degendurch flinsherten helmen ‖ daz nider flôz daz bluot.daz vergalt im sciere ‖ der rîter küen unde guot.Die Rüedegêres gâbe ‖ an hende er hôh erwac:swie wunt er wær zem tôde, ‖ er sluog im einen slacdurch den schilt vil guoten ‖ unz ûf diu helmgespan.dâ von muos ersterben ‖ dô der Gotelinden man.Jane wart nie wirs gelônet ‖ sô rîcher gâbe mêr.dô vielen beide erslagne, ‖ Gêrnôt und Rüedegêr,gelîch in dem sturme ‖ von ir beider hant.alrest erzurnde Hagne, ‖ dô der den grôzen schaden bevant.Dô sprach der von Tronge ‖ ‘ez ist uns übel komen.wir haben an in beiden ‖ sô grôzen schaden genomen,10den wir nimmer überwinden, ‖ ir liut und ouch ir lant.die Rüedegêres helde ‖ sint unser ellenden phant.’‘Owê mich mînes bruoder, ‖ der tôt ist hie gefrumt.waz mir der leiden mære ‖ ze allen zîten kumt!ouch muoz mich immer riuwen ‖ der edel Rüedegêr.der schade ist beidenthalben ‖ unt diu grœzlîchen sêr.’Dô der junge Gîselher ‖ sach sînen bruoder tôt,die dô dar inne wâren, ‖ die muosen lîden nôt.der tôt der suochte sêre ‖ dâ sîn gesinde was.der von Bechelâren ‖ dô langer einer niht genas.‘Der tôt uns sêre roubet,’ ‖ sprach Gîselher daz kint.‘nu lâzet iwer weinen, ‖ unt gê wir an den wint,daz uns die ringe erkuolen, ‖ uns strîtmüeden man.jâ wæn uns got hie langer ‖ niht ze lebene gan.’Den sitzen disen leinen ‖ sach man manegen degen.si wâren aber müezic: ‖ dâ wâren tôt gelegen10die Rüedegêres helde. ‖ zergangen was der dôz.sô lange wert diu stille ‖ daz sîn Etzeln verdrôz.‘Owê dirre dienste,’ ‖ sprach des küneges wîp:‘dine sint niht sô stæte, ‖ daz unser vînde lîpmüge des engelten ‖ von Rüedegêres hant.er wil si wider bringen ‖ in der Burgonde lant.Waz hilfet, künic Etzel, ‖ daz wir geteilet hânmit im swaz er wolde? ‖ der helt hât missetân.der uns dâ solde rechen, ‖ der wil der suone pflegen.’des antwurt ir dô Volkêr, ‖ der vil zierlîche degen,‘Der rede en ist sô niht leider, ‖ vil edels küneges wîp.getörst ich heizen liegen ‖ alsus edeln lîp,sô het ir tievellîchen ‖ an Rüedegêr gelogen.er unt die sîne degene ‖ sint an der suone gar betrogen.Er tet sô willeclîche ‖ daz im der künec gebôt,daz er unt sîn gesinde ‖ ist hie gelegen tôt.10nu seht al umbe, Kriemhilt, ‖ wem ir nu gebieten welt.iu hât unz an den ende ‖ gedienet Rüedegêr der helt.Welt ir daz niht gelouben, ‖ man sol iuchz sehen lân.’durch ir herzen sêre ‖ sô wart duo daz getân,man truoc den helt verhouwen ‖ dâ in der künic sach.der Etzelen degenen ‖ sô rehte leide nie geschach.Dô si den margrâven ‖ tôten sâhen tragen,ez enkunde ein schrîber ‖ gebriefen noch gesagendie manegen ungebærde ‖ von wîbe und ouch von man,diu sich von herzen jâmer ‖ aldâ zeigen began.

Der edel margrâve ‖ rief dô in den sal‘ir küene Nibelunge, ‖ nu wert iuch über al.ir soldet mîn geniezen, ‖ nu engeltet ir mîn.ê dô wâr wir friunde: ‖ der triwe wil ich ledic sîn.’Dô erschrahten dirre mære ‖ die nôthaften man:wan ir deheiner fröude ‖ nie dâ von gewan,daz mit in wolde strîten ‖ dem si dâ wâren holt.si heten von vînden ‖ vil michel arbeit gedolt.‘Nune welle got von himele,’ ‖ sprach Gunther der degen,‘daz ir iuch genâden ‖ sült an uns bewegen,10unt der vil grôzen triuwe, ‖ der wir doch heten muot.ich wil iu des getrouwen ‖ daz ir ez nimmer getuot.’‘Jane mag ichs niht gelâzen,’ ‖ sprach der küene man:‘ich muoz mit iu strîten, ‖ wan ichz gelobt hân.nu wert iuch, küene helde, ‖ sô lieb iu sî der lîp.mich enwoltes niht erlâzen ‖ des künic Etzelen wîp.’‘Ir widersagt uns nu ze spâte,’ ‖ sprach der künic hêr.‘nu müez iu got vergelten, ‖ vil edel Rüedegêr,triuwe unde minne ‖ die ir uns hapt getân.ob ir ez an dem ende ‖ woldet güetlîcher lân,Wir soltenz immer dienen, ‖ daz ir uns hapt gegeben,ich unt mîne mâge, ‖ ob ir uns liezet leben.der hêrlîchen gâbe, ‖ dô ir uns brâhtet herin Etzeln lant zen Hiunen, ‖ des gedenct, vil edel Rüedegêr.’‘Wie wol ich iu des gunde,’ ‖ sprach Rüedegêr der degen,‘daz ich iu mîne gâbe ‖ mit vollen solde wegen10alsô willeclîche ‖ als ich des hete wân!sone wurde mir dar umbe ‖ nimmer schelten getân.’‘Erwindet edel Rüedegêr,’ ‖ sprach dô Gêrnôt.‘wan ez wirt deheiner ‖ gesten nie erbôtsô rehte minneclîchen ‖ als ir uns hapt getân,des sult ir wol geniezen, ‖ ob wir bî lebene bestân.’‘Daz wolde got,’ sprach Rüedegêr, ‖ ‘vil edel Gêrnôt,daz ir ze Rîne wæret ‖ und ich wære tôtmit etlîchen êren, ‖ sîd ich iuch sol bestân!ez wart an ellenden ‖ von friunden noh nie wirs getân.’‘Nu lône iu got, hêr Rüedegêr,’ ‖ sprach dô Gêrnôt,‘der vil rîchen gâbe. ‖ mich riwet iwer tôt,sol an iu verderben ‖ so tugentlîcher muot.hie trag ich iwer wâffen, ‖ daz ir mir gâbet, helt guot.Daz ist mir nie geswichen ‖ in aller dirre nôt:under sînen ecken ‖ lît manic rîter tôt.10ez ist lûter unde stæte, ‖ hêrlîch unde guot.ich wæn sô rîche gâbe ‖ ein reke nimmer mêr getuot.Und welt ir niht erwinden ‖ irn welt zuo uns gân,slaht ir mir iht der friunde ‖ die ich hinne hân,mit iwer selbes swerte ‖ nim ich iu den lîp:sô riwet ir mich, Rüedegêr, ‖ unde iwer hêrlîchez wîp.’‘Daz wolde got, hêr Gêrnôt, ‖ und meht ez ergân,daz aller iwer wille ‖ wære hie getânund daz genesen wære ‖ iwer friunde lîp!jâ sol iu wol getrûwen ‖ beidiu mîn tohter und mîn wîp.’Dô sprach von Burgonden ‖ der schœnen Uoten kint‘wie tuot ir sô, hêr Rüedegêr? ‖ di mit mir komen sint,si sint iu alle wæge. ‖ ir grîfet übel zuo.die iwer schœne tohter ‖ welt ir verwitwen ze fruo.Swenne ir und iwer recken ‖ mit strîte mich bestât,wie reht unfriuntlîche ‖ ir daz schînen lât10daz ich iu wol getrûwe ‖ für alle ander man,dâ von ich ze wîbe ‖ iwer tohter mir gewan.’‘Gedenket iwer triuwen, ‖ vil edel künic hêr,gesende iuch got von hinne.’ ‖ sô sprach Rüedegêr.‘lât die juncvrouwen ‖ niht engelten mîn:durch iwer selbes tugende ‖ sô ruochet ir genædic sîn.’‘Daz tæt ich billîche,’ ‖ sprach Gîselher daz kint:‘die hôhen mîne mâge, ‖ di noch hier inne sint,suln die von iu sterben, ‖ sô muoz gescheiden sîndiu vil stæte friuntschaft ‖ zuo dir unde der tohter dîn.’‘Nu müez uns got genâden,’ ‖ sprach der küene man.dô huoben si die schilde, ‖ alsô si wolden danstrîten zuo den gesten ‖ in Kriemhilte sal.dô rief vil lûte Hagene ‖ von der stiege hin zetal‘Belîbet eine wîle, ‖ vil edel Rüedegêr.’alsô sprach dô Hagene. ‖ ‘wir wolden reden mêr,10ich und mîne hêrren, ‖ als uns des twinget nôt.waz mack gehelfen Etzeln ‖ unser ellender tôt?’‘Ich stên in grôzen sorgen,’ ‖ sprach aber Hagene.‘den schilt den mir vrou Gotlint ‖ gab ze tragene,den habent mir die Hiunen ‖ zerhouwen von der hant.ich fuort in friuntlîche ‖ in daz Etzelen lant.Daz des got von himele ‖ ruochen woldedaz ich schilt sô guoten ‖ noch tragen soldesô den du hâst vor hende, ‖ vil edel Rüedegêr!so bedorfte ich in dem sturme ‖ deheiner halsperge mêr.’‘Vil gerne wær ich dir guot ‖ mit mînem schilde,getörst ich dirn gebieten ‖ vor Kriemhilde.doch nim du in hin, Hagene, ‖ unt trag in an der hant.hey soldest du in füeren ‖ in der Burgonden lant!’Do er im sô willeclîchen ‖ den schilt ze geben bôt,dô wart genuoger ougen ‖ von heizen trehen rôt.10ez was diu leste gâbe ‖ die sider immer mêrbôt deheinem degene ‖ von Bechlâren Rüedegêr.Swie grimme Hagen wære ‖ unt swie zornic gemuot,ja erbarmet im diu gâbe ‖ die der helt guotbî sînen lesten zîten ‖ sô nâhen het getân.vil manic ritter edele ‖ mit im trûren began.‘Nû lône iu got von himele, ‖ vil edel Rüedegêr.ez wirt iwer gelîche ‖ deheiner nimmer mêr,der ellenden recken ‖ so hêrlîchen gebe.sô sol daz got gebieten ‖ daz iwer tugende immer lebe.’‘Sô wê mich dirre mære.’ ‖ sô sprach ab Hagene.‘wir heten ander swære ‖ sô vil ze tragene:sul wir mit friunden strîten, ‖ daz sî got gekleit.’dô sprach der marcgrâve ‖ ‘daz ist mir inneclîche leit.’‘Nu lôn ich iu der gâbe, ‖ vil edel Rüedegêr,swie halt gein iu gebâren ‖ dise reken hêr,10daz nimmer iuch gerüeret ‖ mit strîte hie mîn hant,ob ir si alle slüeget, ‖ die von Burgonden lant.’Des neig im mit zühten ‖ der guote Rüedegêr.si weinten allenthalben. ‖ daz disiu herzen sêrniemen scheiden kunde, ‖ daz was ein michel nôt.vater aller tugende ‖ lac an Rüedegêre tôt.Dô sprach von dem hûse ‖ Volkêr der spileman:‘sît mîn geselle Hagene ‖ den vride hât getân,den sult ir alsô stæte ‖ haben von mîner hant.daz hapt ir wol verdienet, ‖ dô wir kômen in daz lant.Vil edel marcgrâve, ‖ ir sult mîn bote sîn.dise rôte bouge ‖ gab mir diu margrâvîn,daz ich si tragen solde ‖ hie zer hôchgezît:die mugt ir selbe schouwen, ‖ daz ir des mîn geziuge sît.’‘Daz wolde got der rîche,’ ‖ sprach dô Rüedegêr,‘daz iu diu margrâvinne ‖ noch solte geben mêr!10diu mære sag ich gerne ‖ der triutinne mîn,gesihe ich si gesunder: ‖ des sult ir âne zwîfel sîn.’Als er im daz gelobte, ‖ den schilt huop Rüedegêr:des muotes er ertobte: ‖ do enbeit er dâ niht mêr,dô lief er zuo den gesten, ‖ einem degen gelîch.manegen slac vil swinden ‖ sluoc der margrâve rîch.Die zwêne stuonden hôher, ‖ Volkêr und Hagene,wan ez im ê gelobten ‖ die zwêne degene:noch vant er als küenen ‖ bî den türnen stân,daz Rüedegêr des strîtes ‖ mit grôzen sorgen began.Durch mortræchen willen ‖ sô liezen si dar inGunther und Gêrnôt: ‖ si heten helde sin.dô stuond hôher Gîselher: ‖ zwâr ez was im leit.er versach sich noch des lebenes; ‖ dâ von er Rüedegêren meit.Dô sprungen zuo den vînden ‖ des margrâven man.man sach si nâch ir hêrren ‖ vil tugentlîchen gân.10diu snîdunde wâfen ‖ si truogen an der hant:des brast dâ vil der helme ‖ und manic hêrlîcher rant.Dô sluogen die vil müeden ‖ vil manegen swinden slacden von Bechelâren, ‖ der eben unt tiefe wac,durch die vesten ringe ‖ vast unz ûf daz verch.si tâten in dem sturme ‖ diu vil hêrlîchen werch.Daz edel ingesinde ‖ was nu komen gar:Volkêr und Hagene ‖ die sprungen balde dar.sine gâben fride niemen, ‖ wan dem einem man.von ir beider hende ‖ daz bluot nider durch helme ran.Wie rehte gremlîche ‖ vil swerte drinne erklanc!vil der schiltspange ‖ ûz den slegen spranc:des reis ir schiltsteine ‖ nider in daz bluot,si vâhten alsô grimme, ‖ daz manz nimmer mêr getuot.Der vogt von Bechelæren ‖ gie wider unde dan,alsô der mit ellen ‖ in sturme werben kan.10dem tet des tages Rüedegêr ‖ harte wol gelîchdaz er ein rekhe wære ‖ vil küene unde lobelîch.Vil wol zeigte Rüedegêr ‖ daz er was stark genuoc,küene, und wol gewâfent: ‖ hey waz er helde sluoc!daz sach ein Burgonde: ‖ zorns was im nôt.dâ von begunde nâhen ‖ des edeln Rüedegêres tôt.Gêrnôt der starke, ‖ den helt den rief er an.er sprach zem margrâven: ‖ ‘ir welt mir mîner manniht genesen lâzen, ‖ vil edel Rüedegêr.daz müet mich âne mâze: ‖ ichn kans niht an gesehen mêr.Nu mag iu iwer gâbe ‖ wol ze schaden komen,sît ir mîner friunde ‖ hapt sô vil benomen.nu wendet iuch her umbe, ‖ vil edel küene man.iwer gâbe wirt verdienet ‖ sô ich iz aller hœhste kan.’Ê daz der margrâve ‖ zuo im volkœme dar,des muosen liehte ringe ‖ werden missevar.10dô sprungen zuo ein ander ‖ die êren gernde man.ir ietweder schermen ‖ für starke wunden began.Ir swert sô scharpf wâren, ‖ sine kunde niht gewegen.dô sluoc Gêrnôten ‖ Rüedegêr der degendurch flinsherten helmen ‖ daz nider flôz daz bluot.daz vergalt im sciere ‖ der rîter küen unde guot.Die Rüedegêres gâbe ‖ an hende er hôh erwac:swie wunt er wær zem tôde, ‖ er sluog im einen slacdurch den schilt vil guoten ‖ unz ûf diu helmgespan.dâ von muos ersterben ‖ dô der Gotelinden man.Jane wart nie wirs gelônet ‖ sô rîcher gâbe mêr.dô vielen beide erslagne, ‖ Gêrnôt und Rüedegêr,gelîch in dem sturme ‖ von ir beider hant.alrest erzurnde Hagne, ‖ dô der den grôzen schaden bevant.Dô sprach der von Tronge ‖ ‘ez ist uns übel komen.wir haben an in beiden ‖ sô grôzen schaden genomen,10den wir nimmer überwinden, ‖ ir liut und ouch ir lant.die Rüedegêres helde ‖ sint unser ellenden phant.’‘Owê mich mînes bruoder, ‖ der tôt ist hie gefrumt.waz mir der leiden mære ‖ ze allen zîten kumt!ouch muoz mich immer riuwen ‖ der edel Rüedegêr.der schade ist beidenthalben ‖ unt diu grœzlîchen sêr.’Dô der junge Gîselher ‖ sach sînen bruoder tôt,die dô dar inne wâren, ‖ die muosen lîden nôt.der tôt der suochte sêre ‖ dâ sîn gesinde was.der von Bechelâren ‖ dô langer einer niht genas.‘Der tôt uns sêre roubet,’ ‖ sprach Gîselher daz kint.‘nu lâzet iwer weinen, ‖ unt gê wir an den wint,daz uns die ringe erkuolen, ‖ uns strîtmüeden man.jâ wæn uns got hie langer ‖ niht ze lebene gan.’Den sitzen disen leinen ‖ sach man manegen degen.si wâren aber müezic: ‖ dâ wâren tôt gelegen10die Rüedegêres helde. ‖ zergangen was der dôz.sô lange wert diu stille ‖ daz sîn Etzeln verdrôz.‘Owê dirre dienste,’ ‖ sprach des küneges wîp:‘dine sint niht sô stæte, ‖ daz unser vînde lîpmüge des engelten ‖ von Rüedegêres hant.er wil si wider bringen ‖ in der Burgonde lant.Waz hilfet, künic Etzel, ‖ daz wir geteilet hânmit im swaz er wolde? ‖ der helt hât missetân.der uns dâ solde rechen, ‖ der wil der suone pflegen.’des antwurt ir dô Volkêr, ‖ der vil zierlîche degen,‘Der rede en ist sô niht leider, ‖ vil edels küneges wîp.getörst ich heizen liegen ‖ alsus edeln lîp,sô het ir tievellîchen ‖ an Rüedegêr gelogen.er unt die sîne degene ‖ sint an der suone gar betrogen.Er tet sô willeclîche ‖ daz im der künec gebôt,daz er unt sîn gesinde ‖ ist hie gelegen tôt.10nu seht al umbe, Kriemhilt, ‖ wem ir nu gebieten welt.iu hât unz an den ende ‖ gedienet Rüedegêr der helt.Welt ir daz niht gelouben, ‖ man sol iuchz sehen lân.’durch ir herzen sêre ‖ sô wart duo daz getân,man truoc den helt verhouwen ‖ dâ in der künic sach.der Etzelen degenen ‖ sô rehte leide nie geschach.Dô si den margrâven ‖ tôten sâhen tragen,ez enkunde ein schrîber ‖ gebriefen noch gesagendie manegen ungebærde ‖ von wîbe und ouch von man,diu sich von herzen jâmer ‖ aldâ zeigen began.

Der edel margrâve ‖ rief dô in den sal‘ir küene Nibelunge, ‖ nu wert iuch über al.ir soldet mîn geniezen, ‖ nu engeltet ir mîn.ê dô wâr wir friunde: ‖ der triwe wil ich ledic sîn.’

Der edel margrâve ‖ rief dô in den sal

‘ir küene Nibelunge, ‖ nu wert iuch über al.

ir soldet mîn geniezen, ‖ nu engeltet ir mîn.

ê dô wâr wir friunde: ‖ der triwe wil ich ledic sîn.’

Dô erschrahten dirre mære ‖ die nôthaften man:wan ir deheiner fröude ‖ nie dâ von gewan,daz mit in wolde strîten ‖ dem si dâ wâren holt.si heten von vînden ‖ vil michel arbeit gedolt.

Dô erschrahten dirre mære ‖ die nôthaften man:

wan ir deheiner fröude ‖ nie dâ von gewan,

daz mit in wolde strîten ‖ dem si dâ wâren holt.

si heten von vînden ‖ vil michel arbeit gedolt.

‘Nune welle got von himele,’ ‖ sprach Gunther der degen,‘daz ir iuch genâden ‖ sült an uns bewegen,10unt der vil grôzen triuwe, ‖ der wir doch heten muot.ich wil iu des getrouwen ‖ daz ir ez nimmer getuot.’

‘Nune welle got von himele,’ ‖ sprach Gunther der degen,

‘daz ir iuch genâden ‖ sült an uns bewegen,10

unt der vil grôzen triuwe, ‖ der wir doch heten muot.

ich wil iu des getrouwen ‖ daz ir ez nimmer getuot.’

‘Jane mag ichs niht gelâzen,’ ‖ sprach der küene man:‘ich muoz mit iu strîten, ‖ wan ichz gelobt hân.nu wert iuch, küene helde, ‖ sô lieb iu sî der lîp.mich enwoltes niht erlâzen ‖ des künic Etzelen wîp.’

‘Jane mag ichs niht gelâzen,’ ‖ sprach der küene man:

‘ich muoz mit iu strîten, ‖ wan ichz gelobt hân.

nu wert iuch, küene helde, ‖ sô lieb iu sî der lîp.

mich enwoltes niht erlâzen ‖ des künic Etzelen wîp.’

‘Ir widersagt uns nu ze spâte,’ ‖ sprach der künic hêr.‘nu müez iu got vergelten, ‖ vil edel Rüedegêr,triuwe unde minne ‖ die ir uns hapt getân.ob ir ez an dem ende ‖ woldet güetlîcher lân,

‘Ir widersagt uns nu ze spâte,’ ‖ sprach der künic hêr.

‘nu müez iu got vergelten, ‖ vil edel Rüedegêr,

triuwe unde minne ‖ die ir uns hapt getân.

ob ir ez an dem ende ‖ woldet güetlîcher lân,

Wir soltenz immer dienen, ‖ daz ir uns hapt gegeben,ich unt mîne mâge, ‖ ob ir uns liezet leben.der hêrlîchen gâbe, ‖ dô ir uns brâhtet herin Etzeln lant zen Hiunen, ‖ des gedenct, vil edel Rüedegêr.’

Wir soltenz immer dienen, ‖ daz ir uns hapt gegeben,

ich unt mîne mâge, ‖ ob ir uns liezet leben.

der hêrlîchen gâbe, ‖ dô ir uns brâhtet her

in Etzeln lant zen Hiunen, ‖ des gedenct, vil edel Rüedegêr.’

‘Wie wol ich iu des gunde,’ ‖ sprach Rüedegêr der degen,‘daz ich iu mîne gâbe ‖ mit vollen solde wegen10alsô willeclîche ‖ als ich des hete wân!sone wurde mir dar umbe ‖ nimmer schelten getân.’

‘Wie wol ich iu des gunde,’ ‖ sprach Rüedegêr der degen,

‘daz ich iu mîne gâbe ‖ mit vollen solde wegen10

alsô willeclîche ‖ als ich des hete wân!

sone wurde mir dar umbe ‖ nimmer schelten getân.’

‘Erwindet edel Rüedegêr,’ ‖ sprach dô Gêrnôt.‘wan ez wirt deheiner ‖ gesten nie erbôtsô rehte minneclîchen ‖ als ir uns hapt getân,des sult ir wol geniezen, ‖ ob wir bî lebene bestân.’

‘Erwindet edel Rüedegêr,’ ‖ sprach dô Gêrnôt.

‘wan ez wirt deheiner ‖ gesten nie erbôt

sô rehte minneclîchen ‖ als ir uns hapt getân,

des sult ir wol geniezen, ‖ ob wir bî lebene bestân.’

‘Daz wolde got,’ sprach Rüedegêr, ‖ ‘vil edel Gêrnôt,daz ir ze Rîne wæret ‖ und ich wære tôtmit etlîchen êren, ‖ sîd ich iuch sol bestân!ez wart an ellenden ‖ von friunden noh nie wirs getân.’

‘Daz wolde got,’ sprach Rüedegêr, ‖ ‘vil edel Gêrnôt,

daz ir ze Rîne wæret ‖ und ich wære tôt

mit etlîchen êren, ‖ sîd ich iuch sol bestân!

ez wart an ellenden ‖ von friunden noh nie wirs getân.’

‘Nu lône iu got, hêr Rüedegêr,’ ‖ sprach dô Gêrnôt,‘der vil rîchen gâbe. ‖ mich riwet iwer tôt,sol an iu verderben ‖ so tugentlîcher muot.hie trag ich iwer wâffen, ‖ daz ir mir gâbet, helt guot.

‘Nu lône iu got, hêr Rüedegêr,’ ‖ sprach dô Gêrnôt,

‘der vil rîchen gâbe. ‖ mich riwet iwer tôt,

sol an iu verderben ‖ so tugentlîcher muot.

hie trag ich iwer wâffen, ‖ daz ir mir gâbet, helt guot.

Daz ist mir nie geswichen ‖ in aller dirre nôt:under sînen ecken ‖ lît manic rîter tôt.10ez ist lûter unde stæte, ‖ hêrlîch unde guot.ich wæn sô rîche gâbe ‖ ein reke nimmer mêr getuot.

Daz ist mir nie geswichen ‖ in aller dirre nôt:

under sînen ecken ‖ lît manic rîter tôt.10

ez ist lûter unde stæte, ‖ hêrlîch unde guot.

ich wæn sô rîche gâbe ‖ ein reke nimmer mêr getuot.

Und welt ir niht erwinden ‖ irn welt zuo uns gân,slaht ir mir iht der friunde ‖ die ich hinne hân,mit iwer selbes swerte ‖ nim ich iu den lîp:sô riwet ir mich, Rüedegêr, ‖ unde iwer hêrlîchez wîp.’

Und welt ir niht erwinden ‖ irn welt zuo uns gân,

slaht ir mir iht der friunde ‖ die ich hinne hân,

mit iwer selbes swerte ‖ nim ich iu den lîp:

sô riwet ir mich, Rüedegêr, ‖ unde iwer hêrlîchez wîp.’

‘Daz wolde got, hêr Gêrnôt, ‖ und meht ez ergân,daz aller iwer wille ‖ wære hie getânund daz genesen wære ‖ iwer friunde lîp!jâ sol iu wol getrûwen ‖ beidiu mîn tohter und mîn wîp.’

‘Daz wolde got, hêr Gêrnôt, ‖ und meht ez ergân,

daz aller iwer wille ‖ wære hie getân

und daz genesen wære ‖ iwer friunde lîp!

jâ sol iu wol getrûwen ‖ beidiu mîn tohter und mîn wîp.’

Dô sprach von Burgonden ‖ der schœnen Uoten kint‘wie tuot ir sô, hêr Rüedegêr? ‖ di mit mir komen sint,si sint iu alle wæge. ‖ ir grîfet übel zuo.die iwer schœne tohter ‖ welt ir verwitwen ze fruo.

Dô sprach von Burgonden ‖ der schœnen Uoten kint

‘wie tuot ir sô, hêr Rüedegêr? ‖ di mit mir komen sint,

si sint iu alle wæge. ‖ ir grîfet übel zuo.

die iwer schœne tohter ‖ welt ir verwitwen ze fruo.

Swenne ir und iwer recken ‖ mit strîte mich bestât,wie reht unfriuntlîche ‖ ir daz schînen lât10daz ich iu wol getrûwe ‖ für alle ander man,dâ von ich ze wîbe ‖ iwer tohter mir gewan.’

Swenne ir und iwer recken ‖ mit strîte mich bestât,

wie reht unfriuntlîche ‖ ir daz schînen lât10

daz ich iu wol getrûwe ‖ für alle ander man,

dâ von ich ze wîbe ‖ iwer tohter mir gewan.’

‘Gedenket iwer triuwen, ‖ vil edel künic hêr,gesende iuch got von hinne.’ ‖ sô sprach Rüedegêr.‘lât die juncvrouwen ‖ niht engelten mîn:durch iwer selbes tugende ‖ sô ruochet ir genædic sîn.’

‘Gedenket iwer triuwen, ‖ vil edel künic hêr,

gesende iuch got von hinne.’ ‖ sô sprach Rüedegêr.

‘lât die juncvrouwen ‖ niht engelten mîn:

durch iwer selbes tugende ‖ sô ruochet ir genædic sîn.’

‘Daz tæt ich billîche,’ ‖ sprach Gîselher daz kint:‘die hôhen mîne mâge, ‖ di noch hier inne sint,suln die von iu sterben, ‖ sô muoz gescheiden sîndiu vil stæte friuntschaft ‖ zuo dir unde der tohter dîn.’

‘Daz tæt ich billîche,’ ‖ sprach Gîselher daz kint:

‘die hôhen mîne mâge, ‖ di noch hier inne sint,

suln die von iu sterben, ‖ sô muoz gescheiden sîn

diu vil stæte friuntschaft ‖ zuo dir unde der tohter dîn.’

‘Nu müez uns got genâden,’ ‖ sprach der küene man.dô huoben si die schilde, ‖ alsô si wolden danstrîten zuo den gesten ‖ in Kriemhilte sal.dô rief vil lûte Hagene ‖ von der stiege hin zetal

‘Nu müez uns got genâden,’ ‖ sprach der küene man.

dô huoben si die schilde, ‖ alsô si wolden dan

strîten zuo den gesten ‖ in Kriemhilte sal.

dô rief vil lûte Hagene ‖ von der stiege hin zetal

‘Belîbet eine wîle, ‖ vil edel Rüedegêr.’alsô sprach dô Hagene. ‖ ‘wir wolden reden mêr,10ich und mîne hêrren, ‖ als uns des twinget nôt.waz mack gehelfen Etzeln ‖ unser ellender tôt?’

‘Belîbet eine wîle, ‖ vil edel Rüedegêr.’

alsô sprach dô Hagene. ‖ ‘wir wolden reden mêr,10

ich und mîne hêrren, ‖ als uns des twinget nôt.

waz mack gehelfen Etzeln ‖ unser ellender tôt?’

‘Ich stên in grôzen sorgen,’ ‖ sprach aber Hagene.‘den schilt den mir vrou Gotlint ‖ gab ze tragene,den habent mir die Hiunen ‖ zerhouwen von der hant.ich fuort in friuntlîche ‖ in daz Etzelen lant.

‘Ich stên in grôzen sorgen,’ ‖ sprach aber Hagene.

‘den schilt den mir vrou Gotlint ‖ gab ze tragene,

den habent mir die Hiunen ‖ zerhouwen von der hant.

ich fuort in friuntlîche ‖ in daz Etzelen lant.

Daz des got von himele ‖ ruochen woldedaz ich schilt sô guoten ‖ noch tragen soldesô den du hâst vor hende, ‖ vil edel Rüedegêr!so bedorfte ich in dem sturme ‖ deheiner halsperge mêr.’

Daz des got von himele ‖ ruochen wolde

daz ich schilt sô guoten ‖ noch tragen solde

sô den du hâst vor hende, ‖ vil edel Rüedegêr!

so bedorfte ich in dem sturme ‖ deheiner halsperge mêr.’

‘Vil gerne wær ich dir guot ‖ mit mînem schilde,getörst ich dirn gebieten ‖ vor Kriemhilde.doch nim du in hin, Hagene, ‖ unt trag in an der hant.hey soldest du in füeren ‖ in der Burgonden lant!’

‘Vil gerne wær ich dir guot ‖ mit mînem schilde,

getörst ich dirn gebieten ‖ vor Kriemhilde.

doch nim du in hin, Hagene, ‖ unt trag in an der hant.

hey soldest du in füeren ‖ in der Burgonden lant!’

Do er im sô willeclîchen ‖ den schilt ze geben bôt,dô wart genuoger ougen ‖ von heizen trehen rôt.10ez was diu leste gâbe ‖ die sider immer mêrbôt deheinem degene ‖ von Bechlâren Rüedegêr.

Do er im sô willeclîchen ‖ den schilt ze geben bôt,

dô wart genuoger ougen ‖ von heizen trehen rôt.10

ez was diu leste gâbe ‖ die sider immer mêr

bôt deheinem degene ‖ von Bechlâren Rüedegêr.

Swie grimme Hagen wære ‖ unt swie zornic gemuot,ja erbarmet im diu gâbe ‖ die der helt guotbî sînen lesten zîten ‖ sô nâhen het getân.vil manic ritter edele ‖ mit im trûren began.

Swie grimme Hagen wære ‖ unt swie zornic gemuot,

ja erbarmet im diu gâbe ‖ die der helt guot

bî sînen lesten zîten ‖ sô nâhen het getân.

vil manic ritter edele ‖ mit im trûren began.

‘Nû lône iu got von himele, ‖ vil edel Rüedegêr.ez wirt iwer gelîche ‖ deheiner nimmer mêr,der ellenden recken ‖ so hêrlîchen gebe.sô sol daz got gebieten ‖ daz iwer tugende immer lebe.’

‘Nû lône iu got von himele, ‖ vil edel Rüedegêr.

ez wirt iwer gelîche ‖ deheiner nimmer mêr,

der ellenden recken ‖ so hêrlîchen gebe.

sô sol daz got gebieten ‖ daz iwer tugende immer lebe.’

‘Sô wê mich dirre mære.’ ‖ sô sprach ab Hagene.‘wir heten ander swære ‖ sô vil ze tragene:sul wir mit friunden strîten, ‖ daz sî got gekleit.’dô sprach der marcgrâve ‖ ‘daz ist mir inneclîche leit.’

‘Sô wê mich dirre mære.’ ‖ sô sprach ab Hagene.

‘wir heten ander swære ‖ sô vil ze tragene:

sul wir mit friunden strîten, ‖ daz sî got gekleit.’

dô sprach der marcgrâve ‖ ‘daz ist mir inneclîche leit.’

‘Nu lôn ich iu der gâbe, ‖ vil edel Rüedegêr,swie halt gein iu gebâren ‖ dise reken hêr,10daz nimmer iuch gerüeret ‖ mit strîte hie mîn hant,ob ir si alle slüeget, ‖ die von Burgonden lant.’

‘Nu lôn ich iu der gâbe, ‖ vil edel Rüedegêr,

swie halt gein iu gebâren ‖ dise reken hêr,10

daz nimmer iuch gerüeret ‖ mit strîte hie mîn hant,

ob ir si alle slüeget, ‖ die von Burgonden lant.’

Des neig im mit zühten ‖ der guote Rüedegêr.si weinten allenthalben. ‖ daz disiu herzen sêrniemen scheiden kunde, ‖ daz was ein michel nôt.vater aller tugende ‖ lac an Rüedegêre tôt.

Des neig im mit zühten ‖ der guote Rüedegêr.

si weinten allenthalben. ‖ daz disiu herzen sêr

niemen scheiden kunde, ‖ daz was ein michel nôt.

vater aller tugende ‖ lac an Rüedegêre tôt.

Dô sprach von dem hûse ‖ Volkêr der spileman:‘sît mîn geselle Hagene ‖ den vride hât getân,den sult ir alsô stæte ‖ haben von mîner hant.daz hapt ir wol verdienet, ‖ dô wir kômen in daz lant.

Dô sprach von dem hûse ‖ Volkêr der spileman:

‘sît mîn geselle Hagene ‖ den vride hât getân,

den sult ir alsô stæte ‖ haben von mîner hant.

daz hapt ir wol verdienet, ‖ dô wir kômen in daz lant.

Vil edel marcgrâve, ‖ ir sult mîn bote sîn.dise rôte bouge ‖ gab mir diu margrâvîn,daz ich si tragen solde ‖ hie zer hôchgezît:die mugt ir selbe schouwen, ‖ daz ir des mîn geziuge sît.’

Vil edel marcgrâve, ‖ ir sult mîn bote sîn.

dise rôte bouge ‖ gab mir diu margrâvîn,

daz ich si tragen solde ‖ hie zer hôchgezît:

die mugt ir selbe schouwen, ‖ daz ir des mîn geziuge sît.’

‘Daz wolde got der rîche,’ ‖ sprach dô Rüedegêr,‘daz iu diu margrâvinne ‖ noch solte geben mêr!10diu mære sag ich gerne ‖ der triutinne mîn,gesihe ich si gesunder: ‖ des sult ir âne zwîfel sîn.’

‘Daz wolde got der rîche,’ ‖ sprach dô Rüedegêr,

‘daz iu diu margrâvinne ‖ noch solte geben mêr!10

diu mære sag ich gerne ‖ der triutinne mîn,

gesihe ich si gesunder: ‖ des sult ir âne zwîfel sîn.’

Als er im daz gelobte, ‖ den schilt huop Rüedegêr:des muotes er ertobte: ‖ do enbeit er dâ niht mêr,dô lief er zuo den gesten, ‖ einem degen gelîch.manegen slac vil swinden ‖ sluoc der margrâve rîch.

Als er im daz gelobte, ‖ den schilt huop Rüedegêr:

des muotes er ertobte: ‖ do enbeit er dâ niht mêr,

dô lief er zuo den gesten, ‖ einem degen gelîch.

manegen slac vil swinden ‖ sluoc der margrâve rîch.

Die zwêne stuonden hôher, ‖ Volkêr und Hagene,wan ez im ê gelobten ‖ die zwêne degene:noch vant er als küenen ‖ bî den türnen stân,daz Rüedegêr des strîtes ‖ mit grôzen sorgen began.

Die zwêne stuonden hôher, ‖ Volkêr und Hagene,

wan ez im ê gelobten ‖ die zwêne degene:

noch vant er als küenen ‖ bî den türnen stân,

daz Rüedegêr des strîtes ‖ mit grôzen sorgen began.

Durch mortræchen willen ‖ sô liezen si dar inGunther und Gêrnôt: ‖ si heten helde sin.dô stuond hôher Gîselher: ‖ zwâr ez was im leit.er versach sich noch des lebenes; ‖ dâ von er Rüedegêren meit.

Durch mortræchen willen ‖ sô liezen si dar in

Gunther und Gêrnôt: ‖ si heten helde sin.

dô stuond hôher Gîselher: ‖ zwâr ez was im leit.

er versach sich noch des lebenes; ‖ dâ von er Rüedegêren meit.

Dô sprungen zuo den vînden ‖ des margrâven man.man sach si nâch ir hêrren ‖ vil tugentlîchen gân.10diu snîdunde wâfen ‖ si truogen an der hant:des brast dâ vil der helme ‖ und manic hêrlîcher rant.

Dô sprungen zuo den vînden ‖ des margrâven man.

man sach si nâch ir hêrren ‖ vil tugentlîchen gân.10

diu snîdunde wâfen ‖ si truogen an der hant:

des brast dâ vil der helme ‖ und manic hêrlîcher rant.

Dô sluogen die vil müeden ‖ vil manegen swinden slacden von Bechelâren, ‖ der eben unt tiefe wac,durch die vesten ringe ‖ vast unz ûf daz verch.si tâten in dem sturme ‖ diu vil hêrlîchen werch.

Dô sluogen die vil müeden ‖ vil manegen swinden slac

den von Bechelâren, ‖ der eben unt tiefe wac,

durch die vesten ringe ‖ vast unz ûf daz verch.

si tâten in dem sturme ‖ diu vil hêrlîchen werch.

Daz edel ingesinde ‖ was nu komen gar:Volkêr und Hagene ‖ die sprungen balde dar.sine gâben fride niemen, ‖ wan dem einem man.von ir beider hende ‖ daz bluot nider durch helme ran.

Daz edel ingesinde ‖ was nu komen gar:

Volkêr und Hagene ‖ die sprungen balde dar.

sine gâben fride niemen, ‖ wan dem einem man.

von ir beider hende ‖ daz bluot nider durch helme ran.

Wie rehte gremlîche ‖ vil swerte drinne erklanc!vil der schiltspange ‖ ûz den slegen spranc:des reis ir schiltsteine ‖ nider in daz bluot,si vâhten alsô grimme, ‖ daz manz nimmer mêr getuot.

Wie rehte gremlîche ‖ vil swerte drinne erklanc!

vil der schiltspange ‖ ûz den slegen spranc:

des reis ir schiltsteine ‖ nider in daz bluot,

si vâhten alsô grimme, ‖ daz manz nimmer mêr getuot.

Der vogt von Bechelæren ‖ gie wider unde dan,alsô der mit ellen ‖ in sturme werben kan.10dem tet des tages Rüedegêr ‖ harte wol gelîchdaz er ein rekhe wære ‖ vil küene unde lobelîch.

Der vogt von Bechelæren ‖ gie wider unde dan,

alsô der mit ellen ‖ in sturme werben kan.10

dem tet des tages Rüedegêr ‖ harte wol gelîch

daz er ein rekhe wære ‖ vil küene unde lobelîch.

Vil wol zeigte Rüedegêr ‖ daz er was stark genuoc,küene, und wol gewâfent: ‖ hey waz er helde sluoc!daz sach ein Burgonde: ‖ zorns was im nôt.dâ von begunde nâhen ‖ des edeln Rüedegêres tôt.

Vil wol zeigte Rüedegêr ‖ daz er was stark genuoc,

küene, und wol gewâfent: ‖ hey waz er helde sluoc!

daz sach ein Burgonde: ‖ zorns was im nôt.

dâ von begunde nâhen ‖ des edeln Rüedegêres tôt.

Gêrnôt der starke, ‖ den helt den rief er an.er sprach zem margrâven: ‖ ‘ir welt mir mîner manniht genesen lâzen, ‖ vil edel Rüedegêr.daz müet mich âne mâze: ‖ ichn kans niht an gesehen mêr.

Gêrnôt der starke, ‖ den helt den rief er an.

er sprach zem margrâven: ‖ ‘ir welt mir mîner man

niht genesen lâzen, ‖ vil edel Rüedegêr.

daz müet mich âne mâze: ‖ ichn kans niht an gesehen mêr.

Nu mag iu iwer gâbe ‖ wol ze schaden komen,sît ir mîner friunde ‖ hapt sô vil benomen.nu wendet iuch her umbe, ‖ vil edel küene man.iwer gâbe wirt verdienet ‖ sô ich iz aller hœhste kan.’

Nu mag iu iwer gâbe ‖ wol ze schaden komen,

sît ir mîner friunde ‖ hapt sô vil benomen.

nu wendet iuch her umbe, ‖ vil edel küene man.

iwer gâbe wirt verdienet ‖ sô ich iz aller hœhste kan.’

Ê daz der margrâve ‖ zuo im volkœme dar,des muosen liehte ringe ‖ werden missevar.10dô sprungen zuo ein ander ‖ die êren gernde man.ir ietweder schermen ‖ für starke wunden began.

Ê daz der margrâve ‖ zuo im volkœme dar,

des muosen liehte ringe ‖ werden missevar.10

dô sprungen zuo ein ander ‖ die êren gernde man.

ir ietweder schermen ‖ für starke wunden began.

Ir swert sô scharpf wâren, ‖ sine kunde niht gewegen.dô sluoc Gêrnôten ‖ Rüedegêr der degendurch flinsherten helmen ‖ daz nider flôz daz bluot.daz vergalt im sciere ‖ der rîter küen unde guot.

Ir swert sô scharpf wâren, ‖ sine kunde niht gewegen.

dô sluoc Gêrnôten ‖ Rüedegêr der degen

durch flinsherten helmen ‖ daz nider flôz daz bluot.

daz vergalt im sciere ‖ der rîter küen unde guot.

Die Rüedegêres gâbe ‖ an hende er hôh erwac:swie wunt er wær zem tôde, ‖ er sluog im einen slacdurch den schilt vil guoten ‖ unz ûf diu helmgespan.dâ von muos ersterben ‖ dô der Gotelinden man.

Die Rüedegêres gâbe ‖ an hende er hôh erwac:

swie wunt er wær zem tôde, ‖ er sluog im einen slac

durch den schilt vil guoten ‖ unz ûf diu helmgespan.

dâ von muos ersterben ‖ dô der Gotelinden man.

Jane wart nie wirs gelônet ‖ sô rîcher gâbe mêr.dô vielen beide erslagne, ‖ Gêrnôt und Rüedegêr,gelîch in dem sturme ‖ von ir beider hant.alrest erzurnde Hagne, ‖ dô der den grôzen schaden bevant.

Jane wart nie wirs gelônet ‖ sô rîcher gâbe mêr.

dô vielen beide erslagne, ‖ Gêrnôt und Rüedegêr,

gelîch in dem sturme ‖ von ir beider hant.

alrest erzurnde Hagne, ‖ dô der den grôzen schaden bevant.

Dô sprach der von Tronge ‖ ‘ez ist uns übel komen.wir haben an in beiden ‖ sô grôzen schaden genomen,10den wir nimmer überwinden, ‖ ir liut und ouch ir lant.die Rüedegêres helde ‖ sint unser ellenden phant.’

Dô sprach der von Tronge ‖ ‘ez ist uns übel komen.

wir haben an in beiden ‖ sô grôzen schaden genomen,10

den wir nimmer überwinden, ‖ ir liut und ouch ir lant.

die Rüedegêres helde ‖ sint unser ellenden phant.’

‘Owê mich mînes bruoder, ‖ der tôt ist hie gefrumt.waz mir der leiden mære ‖ ze allen zîten kumt!ouch muoz mich immer riuwen ‖ der edel Rüedegêr.der schade ist beidenthalben ‖ unt diu grœzlîchen sêr.’

‘Owê mich mînes bruoder, ‖ der tôt ist hie gefrumt.

waz mir der leiden mære ‖ ze allen zîten kumt!

ouch muoz mich immer riuwen ‖ der edel Rüedegêr.

der schade ist beidenthalben ‖ unt diu grœzlîchen sêr.’

Dô der junge Gîselher ‖ sach sînen bruoder tôt,die dô dar inne wâren, ‖ die muosen lîden nôt.der tôt der suochte sêre ‖ dâ sîn gesinde was.der von Bechelâren ‖ dô langer einer niht genas.

Dô der junge Gîselher ‖ sach sînen bruoder tôt,

die dô dar inne wâren, ‖ die muosen lîden nôt.

der tôt der suochte sêre ‖ dâ sîn gesinde was.

der von Bechelâren ‖ dô langer einer niht genas.

‘Der tôt uns sêre roubet,’ ‖ sprach Gîselher daz kint.‘nu lâzet iwer weinen, ‖ unt gê wir an den wint,daz uns die ringe erkuolen, ‖ uns strîtmüeden man.jâ wæn uns got hie langer ‖ niht ze lebene gan.’

‘Der tôt uns sêre roubet,’ ‖ sprach Gîselher daz kint.

‘nu lâzet iwer weinen, ‖ unt gê wir an den wint,

daz uns die ringe erkuolen, ‖ uns strîtmüeden man.

jâ wæn uns got hie langer ‖ niht ze lebene gan.’

Den sitzen disen leinen ‖ sach man manegen degen.si wâren aber müezic: ‖ dâ wâren tôt gelegen10die Rüedegêres helde. ‖ zergangen was der dôz.sô lange wert diu stille ‖ daz sîn Etzeln verdrôz.

Den sitzen disen leinen ‖ sach man manegen degen.

si wâren aber müezic: ‖ dâ wâren tôt gelegen10

die Rüedegêres helde. ‖ zergangen was der dôz.

sô lange wert diu stille ‖ daz sîn Etzeln verdrôz.

‘Owê dirre dienste,’ ‖ sprach des küneges wîp:‘dine sint niht sô stæte, ‖ daz unser vînde lîpmüge des engelten ‖ von Rüedegêres hant.er wil si wider bringen ‖ in der Burgonde lant.

‘Owê dirre dienste,’ ‖ sprach des küneges wîp:

‘dine sint niht sô stæte, ‖ daz unser vînde lîp

müge des engelten ‖ von Rüedegêres hant.

er wil si wider bringen ‖ in der Burgonde lant.

Waz hilfet, künic Etzel, ‖ daz wir geteilet hânmit im swaz er wolde? ‖ der helt hât missetân.der uns dâ solde rechen, ‖ der wil der suone pflegen.’des antwurt ir dô Volkêr, ‖ der vil zierlîche degen,

Waz hilfet, künic Etzel, ‖ daz wir geteilet hân

mit im swaz er wolde? ‖ der helt hât missetân.

der uns dâ solde rechen, ‖ der wil der suone pflegen.’

des antwurt ir dô Volkêr, ‖ der vil zierlîche degen,

‘Der rede en ist sô niht leider, ‖ vil edels küneges wîp.getörst ich heizen liegen ‖ alsus edeln lîp,sô het ir tievellîchen ‖ an Rüedegêr gelogen.er unt die sîne degene ‖ sint an der suone gar betrogen.

‘Der rede en ist sô niht leider, ‖ vil edels küneges wîp.

getörst ich heizen liegen ‖ alsus edeln lîp,

sô het ir tievellîchen ‖ an Rüedegêr gelogen.

er unt die sîne degene ‖ sint an der suone gar betrogen.

Er tet sô willeclîche ‖ daz im der künec gebôt,daz er unt sîn gesinde ‖ ist hie gelegen tôt.10nu seht al umbe, Kriemhilt, ‖ wem ir nu gebieten welt.iu hât unz an den ende ‖ gedienet Rüedegêr der helt.

Er tet sô willeclîche ‖ daz im der künec gebôt,

daz er unt sîn gesinde ‖ ist hie gelegen tôt.10

nu seht al umbe, Kriemhilt, ‖ wem ir nu gebieten welt.

iu hât unz an den ende ‖ gedienet Rüedegêr der helt.

Welt ir daz niht gelouben, ‖ man sol iuchz sehen lân.’durch ir herzen sêre ‖ sô wart duo daz getân,man truoc den helt verhouwen ‖ dâ in der künic sach.der Etzelen degenen ‖ sô rehte leide nie geschach.

Welt ir daz niht gelouben, ‖ man sol iuchz sehen lân.’

durch ir herzen sêre ‖ sô wart duo daz getân,

man truoc den helt verhouwen ‖ dâ in der künic sach.

der Etzelen degenen ‖ sô rehte leide nie geschach.

Dô si den margrâven ‖ tôten sâhen tragen,ez enkunde ein schrîber ‖ gebriefen noch gesagendie manegen ungebærde ‖ von wîbe und ouch von man,diu sich von herzen jâmer ‖ aldâ zeigen began.

Dô si den margrâven ‖ tôten sâhen tragen,

ez enkunde ein schrîber ‖ gebriefen noch gesagen

die manegen ungebærde ‖ von wîbe und ouch von man,

diu sich von herzen jâmer ‖ aldâ zeigen began.

Da rief der edle Markgraf ‖ hinüber in den Saal:‘Ihr kühnen Nibelungen, ‖ nun wehrt euch allzumal.Ihr solltet mein geniessen, ‖ ihr entgeltet mein;Einst waren wir befreundet: ‖ der Treue will ich ledig sein.’20Da erschraken dieser Märe ‖ die Nothbedrängten sehr.Es ward davon der Freude ‖ bei Niemanden mehr,Dass sie bestreiten wollten ‖ dem Jeder Liebe trug:Sie hatten von den Feinden ‖ schon Leid erfahren genug.‘Das verhüte Gott vom Himmel!’ ‖ sprach Gunther der Degen,‘Dass ihr eurer Freundschaft ‖ also thut entgegenUnd der grossen Treue, ‖ worauf uns sann der Muth:Ich will euch wohl vertrauen, ‖ dass ihr das nimmermehr thut!’‘Es ist nicht mehr zu wenden,’ ‖ sprach der kühne Mann,‘Ich muss mit euch streiten, ‖ wie ich den Schwur gethan.30Nun wehrt euch, kühne Helden, ‖ so lieb euch sei der Leib:Mir wollt es nicht erlassen ‖ des Kön’g Etzel Weib.’‘Ihr widersagt uns allzuspät,’ ‖ sprach der König hehr.‘Nun mög euch Gott vergelten, ‖ viel edler Rüdiger,Die Treue und die Liebe, ‖ die ihr an uns geübt,Wenn ihr bis an das Ende ‖ uns so gewogen auch bliebt.20‘Wir wolltens immer danken, ‖ was ihr uns gegeben,Ich und meine Freunde, ‖ liesset ihr uns leben:Ihr gabt uns hehre Gaben, ‖ als ihr uns führtet herIns Heunenland zu Etzeln; ‖ bedenkt das, edler Rüdiger!’‘Wie gern ich euch das gönnte!’ ‖ sprach Rüdiger der Degen,‘Wenn ich euch meiner Gabe ‖ die Fülle dürfte wägenNach meinem Wohlgefallen; ‖ wie gerne thät ich das,So mir es nicht erwürbe ‖ der edeln Königin Hass!’‘Lasst ab, edler Rüdiger,’ ‖ sprach da Gernot,‘Nie ward ein Wirth gefunden, ‖ der es den Gästen bot30So freundlich und so gütlich, ‖ als uns von euch geschehn:Des sollt ihr auch geniessen, ‖ so wir lebendig entgehn.’‘Das wollteGott,’ sprach Rüdiger, ‖ ‘viel edler Gernot,Dass ihr am Rheine wäret, ‖ und ich wäre todt:So rettet’ ich die Ehre, ‖ da ich euch soll bestehn;Es ist an fremden Dingen ‖ von Freunden nie so arg geschehn.’20‘Nun lohn euch Gott, Herr Rüdiger,’ ‖ sprach da Gernot,‘Eure reiche Gabe. ‖ Mich reuet euer Tod,Soll an euch verderben ‖ so tugendlicher Muth.Hier trag ich eure Waffe, ‖ die ihr mir gabet, Degen gut.Die hat mir nie versaget ‖ in aller dieser Noth;Es fiel vor ihrer Schärfe ‖ so mancher Ritter todt;Sie ist stark und lauter, ‖ herrlich und gut;Gewiss, so reiche Gabe ‖ nie wieder ein Recke thut.Und ist euch nicht zu rathen, ‖ und wollt ihr uns bestehn,Erschlagt ihr mir die Freunde, ‖ die hier noch bei mir stehn,30Mit Euerm Schwerte nehm ich ‖ Leben euch und Leib:So reuet ihr mich, Rüdiger, ‖ und euer herrliches Weib.’‘Das wolle Gott, Herr Gernot, ‖ und möchte das geschehn,Dass hier Alles könnte ‖ nach euerm Willen gehn,Und dass gerettet würde ‖ eurer Freunde Leib:Euch sollten wohl vertrauen ‖ meine Tochter und mein Weib.’20Da sprach von Burgonden ‖ der schönen Ute Kind;‘Wie thut ihr so, Herr Rüdiger? ‖ Die mit mir kommen sind,Die sind euch All gewogen; ‖ ihr greifet übel zu:Eure schöne Tochter ‖ wollt ihr verwittwen allzufruh.Wenn ihr und eure Recken ‖ mich wollt im Streit bestehn,Wie wäre das unfreundlich, ‖ wie wenig liess es sehn,Dass ich euch vertraute ‖ vor jedem andern Mann,Als ich zu einem Weibe ‖ eure Tochter mir gewann.’‘Gedenkt eurer Treue, ‖ viel edler König hehr,Und schickt euch Gott von hinnen,’ ‖ so sprach Rüdiger,30‘So soll es nicht entgelten ‖ die liebe Tochter mein:Bei aller Fürsten Tugend ‖ geruht ihr gnädig zu sein.’‘So sollt ichs billig halten,’ ‖ sprach Geiselher das Kind,‘Doch meine hohen Freunde, ‖ die noch im Saale sind,Wenn die vor euch ersterben, ‖ so muss geschieden seinDiese stäte Freundschaft ‖ zu dir und der Tochter dein.’20‘Nun möge Gott uns gnaden,’ ‖ sprach der kühne Mann.Da hoben sie die Schilde, ‖ als wollten sie hinanZu streiten mit den Gästen ‖ in Kriemhildens Saal;Überlaut rief Hagen da ‖ von der Stiege zu Thal:‘Noch harret eine Weile, ‖ viel edler Rüdiger.’Also sprach da Hagen: ‖ ‘Wir reden erst noch mehr,Ich und meine Herren, ‖ uns zwingt dazu die Noth.Was hilft es Etzeln, finden ‖ wir in der Fremde den Tod?’‘Ich steh in grosser Sorge,’ ‖ sprach wieder Hagen.‘Den Schild, den Frau Gotlinde ‖ mir gab zu tragen,30Den haben mir die Heunen ‖ zerhauen vor der Hand:Ich bracht ihn doch mit Treue ‖ her in König Etzels Land.Dass es Gott im Himmel ‖ vergönnen wollte,Dass ich so guten Schildes ‖ geniessen sollte,Als du hast vor den Händen, ‖ viel edler Rüdiger:So bedürft ich in dem Sturme ‖ keiner Halsbergen mehr.’20‘Gern wollt ich dir dienen ‖ mit meinem Schilde,Dürft ich dir ihn bieten ‖ vor Kriemhilde.Doch nimm ihn immer, Hagen, ‖ und trag ihn an der Hand:Hei! dürftest du ihn führen ‖ heim in der Burgonden Land!’Als er den Schild zu geben ‖ so willig sich erbot,Da wurden Mancher Augen ‖ von heissen Thränen roth.Es war die letzte Gabe, ‖ es durfte nimmermehrEinem Degen Gabe bieten ‖ von Bechlaren Rüdiger.Wie grimmig auch Hagen, ‖ wie zornig war sein Muth,Ihn erbarmte doch die Gabe, ‖ die der Degen gut30So nahe seinem Ende ‖ noch an ihn gethan.Mancher edle Ritter ‖ mit ihm zu trauern begann.‘Nun lohn euch Gott vom Himmel, ‖ viel edler Rüdiger.Es giebt eures Gleichen ‖ auf Erden nimmermehr,Der heimatlosen Degen ‖ so milde Gabe gebe:So möge Gott gebieten, ‖ dass eure Tugend immer lebe.’20‘O weh mir dieser Märe,’ ‖ sprach wieder Hagen,‘Wir hatten Herzensschwere ‖ genug zu tragen:Da müsse Gott erbarmen, ‖ gilts uns mit Freunden Streit!’Da sprach der Markgraf wieder: ‖ ‘Das ist mir inniglich leid.’‘Nun lohn ich euch die Gabe, ‖ viel edler Rüdiger.Was immer wiederfahre ‖ diesen Recken hehr,Es soll euch nicht berühren ‖ im Streite meine Hand,Ob ihr sie all erschlüget, ‖ Die von der Burgonden Land.’Da neigte sich ihm dankend ‖ der gute Rüdiger.30Sie weinten allenthalben. ‖ Dass nicht zu wenden mehrDieser Herzensjammer, ‖ das war eine grosse Noth.Der Vater aller Tugend ‖ fand an Rüdiger den Tod.Da sprach von der Stiege ‖ Volker, der Fiedelmann:‘Da mein Geselle Hagen ‖ euch bot den Frieden an,So biet ich auch so stäten ‖ euch von meiner Hand;Das habt ihr wohl verdienet, ‖ da wir kamen in das Land.20Ihr sollt, viel edler Markgraf, ‖ mein Bote werden hier:Diese rothen Spangen ‖ gab Frau Gotlinde mir,Dass ich sie tragen sollte ‖ bei dieser Lustbarkeit;Ihr mögt sie selber schauen, ‖ dass ihr des mein Zeuge seid.’‘Wollt es Gott, der Reiche,’ ‖ sprach da Rüdiger,‘Dass die Markgräfin ‖ euch geben dürfte mehr.Die Märe sag ich gerne ‖ der lieben Trauten mein,Seh ich gesund sie wieder: ‖ des sollt ihr ausser Zweifel sein.’Nach diesem Angeloben ‖ den Schild hob Rüdiger,Sein Muth begann zu toben: ‖ nicht länger säumt’ er mehr;30Auf lief er zu den Gästen ‖ wohl einem Helden gleich:Viel kraftvolle Schläge ‖ schlug da dieser Markgraf reich.Da wichen ihm die Beiden, ‖ Volker und Hagen, weit,Wie ihm verheissen hatten ‖ die Recken kühn im Streit.Noch traf er bei der Thüre ‖ so manchen Kühnen an,Dass Rüdiger die Feindschaft ‖ mit grossen Sorgen begann.20Aus Mordgierde liessen ‖ in das Haus ihn einGernot und Günther, ‖ das mochten Helden sein.Zurück wich da Geiselher, ‖ fürwahr, es war ihm leid:Er hoffte noch zu leben, ‖ drum mied er Rüdigern im Streit.Da sprangen zu den Feinden ‖ Die in Rüdgers Lehn,Man sah sie hohen Muthes ‖ bei ihrem Herren gehn,Schneidende Waffen ‖ trugen sie an der Hand:Da brachen viel der Helme ‖ und mancher schöne Schildesrand.Da schlugen auch die Müden ‖ manchen starken SchlagAuf die von Bechlaren, ‖ der tief und eben brach30Durch die festen Panzer ‖ und drang bis auf das Blut:Sie thaten in dem Sturme ‖ viel Wunder herrlich und gut.Das edle Heergesinde ‖ war nun in dem Saal;Volker und Hagen, ‖ die sprangen hin zumal:Sie gaben Niemand Frieden ‖ als dem Einen Mann;Das Blut von ihren Hieben ‖ von den Helmen niederrann.20Wie da der Schwerter Tosen ‖ so furchtbar erklang,Dass unter ihren Schlägen ‖ das Schildgespäng zersprang!Die Schildsteine rieselten ‖ nieder in das Blut;Da fochten sie so grimmig, ‖ wie man es nie wieder thut.Der Vogt von Bechlaren ‖ schuf hin und her sich Bahn,Wie Einer der mit Kräften ‖ im Sturme werben kann;Des Tages ward an Rüdiger ‖ herrlich offenbar,Dass er ein Recke wäre ‖ kühn und ohne Tadel gar.Wohl erwies da Rüdiger, ‖ dass er stark genug,Kühn und wohlgewaffnet; ‖ hei! was er Helden schlug!30Das sah ein Burgonde, ‖ dem schuf es Zorn und Noth:Davon begann zu nahen ‖ des edeln Rüdigers Tod.Gernot, der starke, ‖ rief den Helden an,Er sprach sum Markgrafen: ‖ ‘Ihr wollt von unserm BannNiemand leben lassen, ‖ viel edler Rüdiger:Das schmerzt mich ohne Massen; ‖ ich ertrag es länger nicht mehr.20Nun mag euch eure Gabe ‖ zu Unstatten kommen,Da ihr mir der Freunde ‖ habt so viel benommen;Nun bietet mir die Stirne, ‖ ihr edler, kühner Mann:Eure Gabe wird verdienet, ‖ so gut ich immer nur kann.’Bevor da der Markgraf ‖ zu ihm gedrungen war,Ward noch getrübt vom Blute ‖ manch lichter Harnisch klar.Da liefen sich einander ‖ die Ehrbegiergen an:Jedweder sich zu schirmen ‖ vor starken Wunden begann.Ihre Schwerter waren schneidig, ‖ es schirmte nichts dagegen.Da schlug Gernoten ‖ Rüdiger der Degen30Durch den steinharten Helm, ‖ dass niederfloss das Blut:Das vergalt ihm balde ‖ dieser Ritter kühn und gut.Da schwang er Rüdgers Gabe, ‖ die ihm in Händen lag:Wie wund er war zum Tode, ‖ er schlug ihm einen SchlagDurch des Helmes Bänder ‖ und durch den festen Schild,Davon ersterben musste ‖ der gute Rüdiger mild.20Nie ward so reicher Gabe ‖ so schlimm gelohnet mehr.Da fielen beid erschlagen, ‖ Gernot und Rüdiger,Im Sturme gleichermassen ‖ von beider Kämpfer Hand.Da erst ergrimmte Hagen, ‖ als er den grossen Schaden fand.Da sprach der Held von Tronje: ‘Es ist uns schlimm bekommen:So grossen Schaden haben ‖ wir an den Zwein genommen,Dass wir ihn nie verwinden, ‖ noch auch ihr Volk und Land.Uns Heimatlosen bleiben ‖ nun Rüdgers Helden zu Pfand.’‘Weh mir um den Bruder! ‖ der fiel hier in den Tod:Was mir zu allen Stunden ‖ für leide Märe droht!30Auch muss mich immer reuen ‖ der gute Rüdiger:Der Schad ist beidenthalben ‖ und grossen Jammers Beschwer.Als der junge Geiselher ‖ sah seinen Bruder todt,Die da im Saale waren, ‖ die mussten leiden Noth.Der Tod warb um Beute ‖ unter Rüdgers Heer;Deren von Bechlaren ‖ entgieng kein Einziger mehr.20‘Uns raubt der Tod die Besten,’ ‖ sprach Geiselher das Kind,‘Nun lasset ab mit Weinen, ‖ und gehn wir an den Wind,Dass sich die Panzer kühlen ‖ uns streitmüden Degen:Es will nicht Gott vom Himmel, ‖ dass wir länger leben mögen.’Den sitzen, den sich lehnen, ‖ sah man manchen Mann.Sie waren wieder müssig; ‖ Die in Rüdgers BannWaren all erlegen; ‖ verhallt war Drang und Stoss.Die Stille währte lange, ‖ bis es Etzeln verdross.‘O weh dieser Dienste!’ ‖ sprach des Königs Weib.‘Er ist nicht so getreue, ‖ dass unser Feinde Leib30Des entgelten müsste, ‖ von Rüdigers Hand:Er will sie wiederbringen ‖ in der Burgonden Land.‘Was hilft uns, König Etzel, ‖ dass wir an ihn verthanWes er nur begehrte? ‖ Er hat nicht wohl gethan!Der uns rächen sollte, ‖ will der Sühne pflegen.’Da gab ihr Volker Antwort, ‖ dieser zierliche Degen.20‘Dem ist nicht also, leider, ‖ viel edles Königsweib;Und dürft ich Lügen strafen ‖ ein so hehres Weib,So hättet ihr recht teuflisch ‖ auf Rüdiger gelogen:Er und seine Degen ‖ sind um die Sühne gar betrogen.So williglich vollbracht er ‖ was der König ihm gebot,Dass er und sein Gesinde ‖ hier fielen in den Tod.Nun seht euch um, Kriemhilde, ‖ wem ihr gebieten wollt:Euch war bis an sein Ende ‖ Rüdiger getreu und hold.Wollt ihr das nicht glauben, ‖ so schaut es selber an.’Zu ihrem Herzleide ‖ ward es da gethan:30Man trug den Held erschlagen hin ‖ wo ihn der König sah.König Etzels Degen ‖ so leid wohl nimmer geschah.Als sie den Markgrafen ‖ todt sahen vor sich tragen,Da vermöcht euch kein Schreiber ‖ zu deuten noch zu sagenDie ungebärdge Klage ‖ so von Weib als Mann,Die sich aus jammernden Herzen ‖ da zu zeigen begann.

Da rief der edle Markgraf ‖ hinüber in den Saal:‘Ihr kühnen Nibelungen, ‖ nun wehrt euch allzumal.Ihr solltet mein geniessen, ‖ ihr entgeltet mein;Einst waren wir befreundet: ‖ der Treue will ich ledig sein.’20Da erschraken dieser Märe ‖ die Nothbedrängten sehr.Es ward davon der Freude ‖ bei Niemanden mehr,Dass sie bestreiten wollten ‖ dem Jeder Liebe trug:Sie hatten von den Feinden ‖ schon Leid erfahren genug.‘Das verhüte Gott vom Himmel!’ ‖ sprach Gunther der Degen,‘Dass ihr eurer Freundschaft ‖ also thut entgegenUnd der grossen Treue, ‖ worauf uns sann der Muth:Ich will euch wohl vertrauen, ‖ dass ihr das nimmermehr thut!’‘Es ist nicht mehr zu wenden,’ ‖ sprach der kühne Mann,‘Ich muss mit euch streiten, ‖ wie ich den Schwur gethan.30Nun wehrt euch, kühne Helden, ‖ so lieb euch sei der Leib:Mir wollt es nicht erlassen ‖ des Kön’g Etzel Weib.’‘Ihr widersagt uns allzuspät,’ ‖ sprach der König hehr.‘Nun mög euch Gott vergelten, ‖ viel edler Rüdiger,Die Treue und die Liebe, ‖ die ihr an uns geübt,Wenn ihr bis an das Ende ‖ uns so gewogen auch bliebt.20‘Wir wolltens immer danken, ‖ was ihr uns gegeben,Ich und meine Freunde, ‖ liesset ihr uns leben:Ihr gabt uns hehre Gaben, ‖ als ihr uns führtet herIns Heunenland zu Etzeln; ‖ bedenkt das, edler Rüdiger!’‘Wie gern ich euch das gönnte!’ ‖ sprach Rüdiger der Degen,‘Wenn ich euch meiner Gabe ‖ die Fülle dürfte wägenNach meinem Wohlgefallen; ‖ wie gerne thät ich das,So mir es nicht erwürbe ‖ der edeln Königin Hass!’‘Lasst ab, edler Rüdiger,’ ‖ sprach da Gernot,‘Nie ward ein Wirth gefunden, ‖ der es den Gästen bot30So freundlich und so gütlich, ‖ als uns von euch geschehn:Des sollt ihr auch geniessen, ‖ so wir lebendig entgehn.’‘Das wollteGott,’ sprach Rüdiger, ‖ ‘viel edler Gernot,Dass ihr am Rheine wäret, ‖ und ich wäre todt:So rettet’ ich die Ehre, ‖ da ich euch soll bestehn;Es ist an fremden Dingen ‖ von Freunden nie so arg geschehn.’20‘Nun lohn euch Gott, Herr Rüdiger,’ ‖ sprach da Gernot,‘Eure reiche Gabe. ‖ Mich reuet euer Tod,Soll an euch verderben ‖ so tugendlicher Muth.Hier trag ich eure Waffe, ‖ die ihr mir gabet, Degen gut.Die hat mir nie versaget ‖ in aller dieser Noth;Es fiel vor ihrer Schärfe ‖ so mancher Ritter todt;Sie ist stark und lauter, ‖ herrlich und gut;Gewiss, so reiche Gabe ‖ nie wieder ein Recke thut.Und ist euch nicht zu rathen, ‖ und wollt ihr uns bestehn,Erschlagt ihr mir die Freunde, ‖ die hier noch bei mir stehn,30Mit Euerm Schwerte nehm ich ‖ Leben euch und Leib:So reuet ihr mich, Rüdiger, ‖ und euer herrliches Weib.’‘Das wolle Gott, Herr Gernot, ‖ und möchte das geschehn,Dass hier Alles könnte ‖ nach euerm Willen gehn,Und dass gerettet würde ‖ eurer Freunde Leib:Euch sollten wohl vertrauen ‖ meine Tochter und mein Weib.’20Da sprach von Burgonden ‖ der schönen Ute Kind;‘Wie thut ihr so, Herr Rüdiger? ‖ Die mit mir kommen sind,Die sind euch All gewogen; ‖ ihr greifet übel zu:Eure schöne Tochter ‖ wollt ihr verwittwen allzufruh.Wenn ihr und eure Recken ‖ mich wollt im Streit bestehn,Wie wäre das unfreundlich, ‖ wie wenig liess es sehn,Dass ich euch vertraute ‖ vor jedem andern Mann,Als ich zu einem Weibe ‖ eure Tochter mir gewann.’‘Gedenkt eurer Treue, ‖ viel edler König hehr,Und schickt euch Gott von hinnen,’ ‖ so sprach Rüdiger,30‘So soll es nicht entgelten ‖ die liebe Tochter mein:Bei aller Fürsten Tugend ‖ geruht ihr gnädig zu sein.’‘So sollt ichs billig halten,’ ‖ sprach Geiselher das Kind,‘Doch meine hohen Freunde, ‖ die noch im Saale sind,Wenn die vor euch ersterben, ‖ so muss geschieden seinDiese stäte Freundschaft ‖ zu dir und der Tochter dein.’20‘Nun möge Gott uns gnaden,’ ‖ sprach der kühne Mann.Da hoben sie die Schilde, ‖ als wollten sie hinanZu streiten mit den Gästen ‖ in Kriemhildens Saal;Überlaut rief Hagen da ‖ von der Stiege zu Thal:‘Noch harret eine Weile, ‖ viel edler Rüdiger.’Also sprach da Hagen: ‖ ‘Wir reden erst noch mehr,Ich und meine Herren, ‖ uns zwingt dazu die Noth.Was hilft es Etzeln, finden ‖ wir in der Fremde den Tod?’‘Ich steh in grosser Sorge,’ ‖ sprach wieder Hagen.‘Den Schild, den Frau Gotlinde ‖ mir gab zu tragen,30Den haben mir die Heunen ‖ zerhauen vor der Hand:Ich bracht ihn doch mit Treue ‖ her in König Etzels Land.Dass es Gott im Himmel ‖ vergönnen wollte,Dass ich so guten Schildes ‖ geniessen sollte,Als du hast vor den Händen, ‖ viel edler Rüdiger:So bedürft ich in dem Sturme ‖ keiner Halsbergen mehr.’20‘Gern wollt ich dir dienen ‖ mit meinem Schilde,Dürft ich dir ihn bieten ‖ vor Kriemhilde.Doch nimm ihn immer, Hagen, ‖ und trag ihn an der Hand:Hei! dürftest du ihn führen ‖ heim in der Burgonden Land!’Als er den Schild zu geben ‖ so willig sich erbot,Da wurden Mancher Augen ‖ von heissen Thränen roth.Es war die letzte Gabe, ‖ es durfte nimmermehrEinem Degen Gabe bieten ‖ von Bechlaren Rüdiger.Wie grimmig auch Hagen, ‖ wie zornig war sein Muth,Ihn erbarmte doch die Gabe, ‖ die der Degen gut30So nahe seinem Ende ‖ noch an ihn gethan.Mancher edle Ritter ‖ mit ihm zu trauern begann.‘Nun lohn euch Gott vom Himmel, ‖ viel edler Rüdiger.Es giebt eures Gleichen ‖ auf Erden nimmermehr,Der heimatlosen Degen ‖ so milde Gabe gebe:So möge Gott gebieten, ‖ dass eure Tugend immer lebe.’20‘O weh mir dieser Märe,’ ‖ sprach wieder Hagen,‘Wir hatten Herzensschwere ‖ genug zu tragen:Da müsse Gott erbarmen, ‖ gilts uns mit Freunden Streit!’Da sprach der Markgraf wieder: ‖ ‘Das ist mir inniglich leid.’‘Nun lohn ich euch die Gabe, ‖ viel edler Rüdiger.Was immer wiederfahre ‖ diesen Recken hehr,Es soll euch nicht berühren ‖ im Streite meine Hand,Ob ihr sie all erschlüget, ‖ Die von der Burgonden Land.’Da neigte sich ihm dankend ‖ der gute Rüdiger.30Sie weinten allenthalben. ‖ Dass nicht zu wenden mehrDieser Herzensjammer, ‖ das war eine grosse Noth.Der Vater aller Tugend ‖ fand an Rüdiger den Tod.Da sprach von der Stiege ‖ Volker, der Fiedelmann:‘Da mein Geselle Hagen ‖ euch bot den Frieden an,So biet ich auch so stäten ‖ euch von meiner Hand;Das habt ihr wohl verdienet, ‖ da wir kamen in das Land.20Ihr sollt, viel edler Markgraf, ‖ mein Bote werden hier:Diese rothen Spangen ‖ gab Frau Gotlinde mir,Dass ich sie tragen sollte ‖ bei dieser Lustbarkeit;Ihr mögt sie selber schauen, ‖ dass ihr des mein Zeuge seid.’‘Wollt es Gott, der Reiche,’ ‖ sprach da Rüdiger,‘Dass die Markgräfin ‖ euch geben dürfte mehr.Die Märe sag ich gerne ‖ der lieben Trauten mein,Seh ich gesund sie wieder: ‖ des sollt ihr ausser Zweifel sein.’Nach diesem Angeloben ‖ den Schild hob Rüdiger,Sein Muth begann zu toben: ‖ nicht länger säumt’ er mehr;30Auf lief er zu den Gästen ‖ wohl einem Helden gleich:Viel kraftvolle Schläge ‖ schlug da dieser Markgraf reich.Da wichen ihm die Beiden, ‖ Volker und Hagen, weit,Wie ihm verheissen hatten ‖ die Recken kühn im Streit.Noch traf er bei der Thüre ‖ so manchen Kühnen an,Dass Rüdiger die Feindschaft ‖ mit grossen Sorgen begann.20Aus Mordgierde liessen ‖ in das Haus ihn einGernot und Günther, ‖ das mochten Helden sein.Zurück wich da Geiselher, ‖ fürwahr, es war ihm leid:Er hoffte noch zu leben, ‖ drum mied er Rüdigern im Streit.Da sprangen zu den Feinden ‖ Die in Rüdgers Lehn,Man sah sie hohen Muthes ‖ bei ihrem Herren gehn,Schneidende Waffen ‖ trugen sie an der Hand:Da brachen viel der Helme ‖ und mancher schöne Schildesrand.Da schlugen auch die Müden ‖ manchen starken SchlagAuf die von Bechlaren, ‖ der tief und eben brach30Durch die festen Panzer ‖ und drang bis auf das Blut:Sie thaten in dem Sturme ‖ viel Wunder herrlich und gut.Das edle Heergesinde ‖ war nun in dem Saal;Volker und Hagen, ‖ die sprangen hin zumal:Sie gaben Niemand Frieden ‖ als dem Einen Mann;Das Blut von ihren Hieben ‖ von den Helmen niederrann.20Wie da der Schwerter Tosen ‖ so furchtbar erklang,Dass unter ihren Schlägen ‖ das Schildgespäng zersprang!Die Schildsteine rieselten ‖ nieder in das Blut;Da fochten sie so grimmig, ‖ wie man es nie wieder thut.Der Vogt von Bechlaren ‖ schuf hin und her sich Bahn,Wie Einer der mit Kräften ‖ im Sturme werben kann;Des Tages ward an Rüdiger ‖ herrlich offenbar,Dass er ein Recke wäre ‖ kühn und ohne Tadel gar.Wohl erwies da Rüdiger, ‖ dass er stark genug,Kühn und wohlgewaffnet; ‖ hei! was er Helden schlug!30Das sah ein Burgonde, ‖ dem schuf es Zorn und Noth:Davon begann zu nahen ‖ des edeln Rüdigers Tod.Gernot, der starke, ‖ rief den Helden an,Er sprach sum Markgrafen: ‖ ‘Ihr wollt von unserm BannNiemand leben lassen, ‖ viel edler Rüdiger:Das schmerzt mich ohne Massen; ‖ ich ertrag es länger nicht mehr.20Nun mag euch eure Gabe ‖ zu Unstatten kommen,Da ihr mir der Freunde ‖ habt so viel benommen;Nun bietet mir die Stirne, ‖ ihr edler, kühner Mann:Eure Gabe wird verdienet, ‖ so gut ich immer nur kann.’Bevor da der Markgraf ‖ zu ihm gedrungen war,Ward noch getrübt vom Blute ‖ manch lichter Harnisch klar.Da liefen sich einander ‖ die Ehrbegiergen an:Jedweder sich zu schirmen ‖ vor starken Wunden begann.Ihre Schwerter waren schneidig, ‖ es schirmte nichts dagegen.Da schlug Gernoten ‖ Rüdiger der Degen30Durch den steinharten Helm, ‖ dass niederfloss das Blut:Das vergalt ihm balde ‖ dieser Ritter kühn und gut.Da schwang er Rüdgers Gabe, ‖ die ihm in Händen lag:Wie wund er war zum Tode, ‖ er schlug ihm einen SchlagDurch des Helmes Bänder ‖ und durch den festen Schild,Davon ersterben musste ‖ der gute Rüdiger mild.20Nie ward so reicher Gabe ‖ so schlimm gelohnet mehr.Da fielen beid erschlagen, ‖ Gernot und Rüdiger,Im Sturme gleichermassen ‖ von beider Kämpfer Hand.Da erst ergrimmte Hagen, ‖ als er den grossen Schaden fand.Da sprach der Held von Tronje: ‘Es ist uns schlimm bekommen:So grossen Schaden haben ‖ wir an den Zwein genommen,Dass wir ihn nie verwinden, ‖ noch auch ihr Volk und Land.Uns Heimatlosen bleiben ‖ nun Rüdgers Helden zu Pfand.’‘Weh mir um den Bruder! ‖ der fiel hier in den Tod:Was mir zu allen Stunden ‖ für leide Märe droht!30Auch muss mich immer reuen ‖ der gute Rüdiger:Der Schad ist beidenthalben ‖ und grossen Jammers Beschwer.Als der junge Geiselher ‖ sah seinen Bruder todt,Die da im Saale waren, ‖ die mussten leiden Noth.Der Tod warb um Beute ‖ unter Rüdgers Heer;Deren von Bechlaren ‖ entgieng kein Einziger mehr.20‘Uns raubt der Tod die Besten,’ ‖ sprach Geiselher das Kind,‘Nun lasset ab mit Weinen, ‖ und gehn wir an den Wind,Dass sich die Panzer kühlen ‖ uns streitmüden Degen:Es will nicht Gott vom Himmel, ‖ dass wir länger leben mögen.’Den sitzen, den sich lehnen, ‖ sah man manchen Mann.Sie waren wieder müssig; ‖ Die in Rüdgers BannWaren all erlegen; ‖ verhallt war Drang und Stoss.Die Stille währte lange, ‖ bis es Etzeln verdross.‘O weh dieser Dienste!’ ‖ sprach des Königs Weib.‘Er ist nicht so getreue, ‖ dass unser Feinde Leib30Des entgelten müsste, ‖ von Rüdigers Hand:Er will sie wiederbringen ‖ in der Burgonden Land.‘Was hilft uns, König Etzel, ‖ dass wir an ihn verthanWes er nur begehrte? ‖ Er hat nicht wohl gethan!Der uns rächen sollte, ‖ will der Sühne pflegen.’Da gab ihr Volker Antwort, ‖ dieser zierliche Degen.20‘Dem ist nicht also, leider, ‖ viel edles Königsweib;Und dürft ich Lügen strafen ‖ ein so hehres Weib,So hättet ihr recht teuflisch ‖ auf Rüdiger gelogen:Er und seine Degen ‖ sind um die Sühne gar betrogen.So williglich vollbracht er ‖ was der König ihm gebot,Dass er und sein Gesinde ‖ hier fielen in den Tod.Nun seht euch um, Kriemhilde, ‖ wem ihr gebieten wollt:Euch war bis an sein Ende ‖ Rüdiger getreu und hold.Wollt ihr das nicht glauben, ‖ so schaut es selber an.’Zu ihrem Herzleide ‖ ward es da gethan:30Man trug den Held erschlagen hin ‖ wo ihn der König sah.König Etzels Degen ‖ so leid wohl nimmer geschah.Als sie den Markgrafen ‖ todt sahen vor sich tragen,Da vermöcht euch kein Schreiber ‖ zu deuten noch zu sagenDie ungebärdge Klage ‖ so von Weib als Mann,Die sich aus jammernden Herzen ‖ da zu zeigen begann.

Da rief der edle Markgraf ‖ hinüber in den Saal:‘Ihr kühnen Nibelungen, ‖ nun wehrt euch allzumal.Ihr solltet mein geniessen, ‖ ihr entgeltet mein;Einst waren wir befreundet: ‖ der Treue will ich ledig sein.’20

Da rief der edle Markgraf ‖ hinüber in den Saal:

‘Ihr kühnen Nibelungen, ‖ nun wehrt euch allzumal.

Ihr solltet mein geniessen, ‖ ihr entgeltet mein;

Einst waren wir befreundet: ‖ der Treue will ich ledig sein.’20

Da erschraken dieser Märe ‖ die Nothbedrängten sehr.Es ward davon der Freude ‖ bei Niemanden mehr,Dass sie bestreiten wollten ‖ dem Jeder Liebe trug:Sie hatten von den Feinden ‖ schon Leid erfahren genug.

Da erschraken dieser Märe ‖ die Nothbedrängten sehr.

Es ward davon der Freude ‖ bei Niemanden mehr,

Dass sie bestreiten wollten ‖ dem Jeder Liebe trug:

Sie hatten von den Feinden ‖ schon Leid erfahren genug.

‘Das verhüte Gott vom Himmel!’ ‖ sprach Gunther der Degen,‘Dass ihr eurer Freundschaft ‖ also thut entgegenUnd der grossen Treue, ‖ worauf uns sann der Muth:Ich will euch wohl vertrauen, ‖ dass ihr das nimmermehr thut!’

‘Das verhüte Gott vom Himmel!’ ‖ sprach Gunther der Degen,

‘Dass ihr eurer Freundschaft ‖ also thut entgegen

Und der grossen Treue, ‖ worauf uns sann der Muth:

Ich will euch wohl vertrauen, ‖ dass ihr das nimmermehr thut!’

‘Es ist nicht mehr zu wenden,’ ‖ sprach der kühne Mann,‘Ich muss mit euch streiten, ‖ wie ich den Schwur gethan.30Nun wehrt euch, kühne Helden, ‖ so lieb euch sei der Leib:Mir wollt es nicht erlassen ‖ des Kön’g Etzel Weib.’

‘Es ist nicht mehr zu wenden,’ ‖ sprach der kühne Mann,

‘Ich muss mit euch streiten, ‖ wie ich den Schwur gethan.30

Nun wehrt euch, kühne Helden, ‖ so lieb euch sei der Leib:

Mir wollt es nicht erlassen ‖ des Kön’g Etzel Weib.’

‘Ihr widersagt uns allzuspät,’ ‖ sprach der König hehr.‘Nun mög euch Gott vergelten, ‖ viel edler Rüdiger,Die Treue und die Liebe, ‖ die ihr an uns geübt,Wenn ihr bis an das Ende ‖ uns so gewogen auch bliebt.20

‘Ihr widersagt uns allzuspät,’ ‖ sprach der König hehr.

‘Nun mög euch Gott vergelten, ‖ viel edler Rüdiger,

Die Treue und die Liebe, ‖ die ihr an uns geübt,

Wenn ihr bis an das Ende ‖ uns so gewogen auch bliebt.20

‘Wir wolltens immer danken, ‖ was ihr uns gegeben,Ich und meine Freunde, ‖ liesset ihr uns leben:Ihr gabt uns hehre Gaben, ‖ als ihr uns führtet herIns Heunenland zu Etzeln; ‖ bedenkt das, edler Rüdiger!’

‘Wir wolltens immer danken, ‖ was ihr uns gegeben,

Ich und meine Freunde, ‖ liesset ihr uns leben:

Ihr gabt uns hehre Gaben, ‖ als ihr uns führtet her

Ins Heunenland zu Etzeln; ‖ bedenkt das, edler Rüdiger!’

‘Wie gern ich euch das gönnte!’ ‖ sprach Rüdiger der Degen,‘Wenn ich euch meiner Gabe ‖ die Fülle dürfte wägenNach meinem Wohlgefallen; ‖ wie gerne thät ich das,So mir es nicht erwürbe ‖ der edeln Königin Hass!’

‘Wie gern ich euch das gönnte!’ ‖ sprach Rüdiger der Degen,

‘Wenn ich euch meiner Gabe ‖ die Fülle dürfte wägen

Nach meinem Wohlgefallen; ‖ wie gerne thät ich das,

So mir es nicht erwürbe ‖ der edeln Königin Hass!’

‘Lasst ab, edler Rüdiger,’ ‖ sprach da Gernot,‘Nie ward ein Wirth gefunden, ‖ der es den Gästen bot30So freundlich und so gütlich, ‖ als uns von euch geschehn:Des sollt ihr auch geniessen, ‖ so wir lebendig entgehn.’

‘Lasst ab, edler Rüdiger,’ ‖ sprach da Gernot,

‘Nie ward ein Wirth gefunden, ‖ der es den Gästen bot30

So freundlich und so gütlich, ‖ als uns von euch geschehn:

Des sollt ihr auch geniessen, ‖ so wir lebendig entgehn.’

‘Das wollteGott,’ sprach Rüdiger, ‖ ‘viel edler Gernot,Dass ihr am Rheine wäret, ‖ und ich wäre todt:So rettet’ ich die Ehre, ‖ da ich euch soll bestehn;Es ist an fremden Dingen ‖ von Freunden nie so arg geschehn.’20

‘Das wollteGott,’ sprach Rüdiger, ‖ ‘viel edler Gernot,

Dass ihr am Rheine wäret, ‖ und ich wäre todt:

So rettet’ ich die Ehre, ‖ da ich euch soll bestehn;

Es ist an fremden Dingen ‖ von Freunden nie so arg geschehn.’20

‘Nun lohn euch Gott, Herr Rüdiger,’ ‖ sprach da Gernot,‘Eure reiche Gabe. ‖ Mich reuet euer Tod,Soll an euch verderben ‖ so tugendlicher Muth.Hier trag ich eure Waffe, ‖ die ihr mir gabet, Degen gut.

‘Nun lohn euch Gott, Herr Rüdiger,’ ‖ sprach da Gernot,

‘Eure reiche Gabe. ‖ Mich reuet euer Tod,

Soll an euch verderben ‖ so tugendlicher Muth.

Hier trag ich eure Waffe, ‖ die ihr mir gabet, Degen gut.

Die hat mir nie versaget ‖ in aller dieser Noth;Es fiel vor ihrer Schärfe ‖ so mancher Ritter todt;Sie ist stark und lauter, ‖ herrlich und gut;Gewiss, so reiche Gabe ‖ nie wieder ein Recke thut.

Die hat mir nie versaget ‖ in aller dieser Noth;

Es fiel vor ihrer Schärfe ‖ so mancher Ritter todt;

Sie ist stark und lauter, ‖ herrlich und gut;

Gewiss, so reiche Gabe ‖ nie wieder ein Recke thut.

Und ist euch nicht zu rathen, ‖ und wollt ihr uns bestehn,Erschlagt ihr mir die Freunde, ‖ die hier noch bei mir stehn,30Mit Euerm Schwerte nehm ich ‖ Leben euch und Leib:So reuet ihr mich, Rüdiger, ‖ und euer herrliches Weib.’

Und ist euch nicht zu rathen, ‖ und wollt ihr uns bestehn,

Erschlagt ihr mir die Freunde, ‖ die hier noch bei mir stehn,30

Mit Euerm Schwerte nehm ich ‖ Leben euch und Leib:

So reuet ihr mich, Rüdiger, ‖ und euer herrliches Weib.’

‘Das wolle Gott, Herr Gernot, ‖ und möchte das geschehn,Dass hier Alles könnte ‖ nach euerm Willen gehn,Und dass gerettet würde ‖ eurer Freunde Leib:Euch sollten wohl vertrauen ‖ meine Tochter und mein Weib.’20

‘Das wolle Gott, Herr Gernot, ‖ und möchte das geschehn,

Dass hier Alles könnte ‖ nach euerm Willen gehn,

Und dass gerettet würde ‖ eurer Freunde Leib:

Euch sollten wohl vertrauen ‖ meine Tochter und mein Weib.’20

Da sprach von Burgonden ‖ der schönen Ute Kind;‘Wie thut ihr so, Herr Rüdiger? ‖ Die mit mir kommen sind,Die sind euch All gewogen; ‖ ihr greifet übel zu:Eure schöne Tochter ‖ wollt ihr verwittwen allzufruh.

Da sprach von Burgonden ‖ der schönen Ute Kind;

‘Wie thut ihr so, Herr Rüdiger? ‖ Die mit mir kommen sind,

Die sind euch All gewogen; ‖ ihr greifet übel zu:

Eure schöne Tochter ‖ wollt ihr verwittwen allzufruh.

Wenn ihr und eure Recken ‖ mich wollt im Streit bestehn,Wie wäre das unfreundlich, ‖ wie wenig liess es sehn,Dass ich euch vertraute ‖ vor jedem andern Mann,Als ich zu einem Weibe ‖ eure Tochter mir gewann.’

Wenn ihr und eure Recken ‖ mich wollt im Streit bestehn,

Wie wäre das unfreundlich, ‖ wie wenig liess es sehn,

Dass ich euch vertraute ‖ vor jedem andern Mann,

Als ich zu einem Weibe ‖ eure Tochter mir gewann.’

‘Gedenkt eurer Treue, ‖ viel edler König hehr,Und schickt euch Gott von hinnen,’ ‖ so sprach Rüdiger,30‘So soll es nicht entgelten ‖ die liebe Tochter mein:Bei aller Fürsten Tugend ‖ geruht ihr gnädig zu sein.’

‘Gedenkt eurer Treue, ‖ viel edler König hehr,

Und schickt euch Gott von hinnen,’ ‖ so sprach Rüdiger,30

‘So soll es nicht entgelten ‖ die liebe Tochter mein:

Bei aller Fürsten Tugend ‖ geruht ihr gnädig zu sein.’

‘So sollt ichs billig halten,’ ‖ sprach Geiselher das Kind,‘Doch meine hohen Freunde, ‖ die noch im Saale sind,Wenn die vor euch ersterben, ‖ so muss geschieden seinDiese stäte Freundschaft ‖ zu dir und der Tochter dein.’20

‘So sollt ichs billig halten,’ ‖ sprach Geiselher das Kind,

‘Doch meine hohen Freunde, ‖ die noch im Saale sind,

Wenn die vor euch ersterben, ‖ so muss geschieden sein

Diese stäte Freundschaft ‖ zu dir und der Tochter dein.’20

‘Nun möge Gott uns gnaden,’ ‖ sprach der kühne Mann.Da hoben sie die Schilde, ‖ als wollten sie hinanZu streiten mit den Gästen ‖ in Kriemhildens Saal;Überlaut rief Hagen da ‖ von der Stiege zu Thal:

‘Nun möge Gott uns gnaden,’ ‖ sprach der kühne Mann.

Da hoben sie die Schilde, ‖ als wollten sie hinan

Zu streiten mit den Gästen ‖ in Kriemhildens Saal;

Überlaut rief Hagen da ‖ von der Stiege zu Thal:

‘Noch harret eine Weile, ‖ viel edler Rüdiger.’Also sprach da Hagen: ‖ ‘Wir reden erst noch mehr,Ich und meine Herren, ‖ uns zwingt dazu die Noth.Was hilft es Etzeln, finden ‖ wir in der Fremde den Tod?’

‘Noch harret eine Weile, ‖ viel edler Rüdiger.’

Also sprach da Hagen: ‖ ‘Wir reden erst noch mehr,

Ich und meine Herren, ‖ uns zwingt dazu die Noth.

Was hilft es Etzeln, finden ‖ wir in der Fremde den Tod?’

‘Ich steh in grosser Sorge,’ ‖ sprach wieder Hagen.‘Den Schild, den Frau Gotlinde ‖ mir gab zu tragen,30Den haben mir die Heunen ‖ zerhauen vor der Hand:Ich bracht ihn doch mit Treue ‖ her in König Etzels Land.

‘Ich steh in grosser Sorge,’ ‖ sprach wieder Hagen.

‘Den Schild, den Frau Gotlinde ‖ mir gab zu tragen,30

Den haben mir die Heunen ‖ zerhauen vor der Hand:

Ich bracht ihn doch mit Treue ‖ her in König Etzels Land.

Dass es Gott im Himmel ‖ vergönnen wollte,Dass ich so guten Schildes ‖ geniessen sollte,Als du hast vor den Händen, ‖ viel edler Rüdiger:So bedürft ich in dem Sturme ‖ keiner Halsbergen mehr.’20

Dass es Gott im Himmel ‖ vergönnen wollte,

Dass ich so guten Schildes ‖ geniessen sollte,

Als du hast vor den Händen, ‖ viel edler Rüdiger:

So bedürft ich in dem Sturme ‖ keiner Halsbergen mehr.’20

‘Gern wollt ich dir dienen ‖ mit meinem Schilde,Dürft ich dir ihn bieten ‖ vor Kriemhilde.Doch nimm ihn immer, Hagen, ‖ und trag ihn an der Hand:Hei! dürftest du ihn führen ‖ heim in der Burgonden Land!’

‘Gern wollt ich dir dienen ‖ mit meinem Schilde,

Dürft ich dir ihn bieten ‖ vor Kriemhilde.

Doch nimm ihn immer, Hagen, ‖ und trag ihn an der Hand:

Hei! dürftest du ihn führen ‖ heim in der Burgonden Land!’

Als er den Schild zu geben ‖ so willig sich erbot,Da wurden Mancher Augen ‖ von heissen Thränen roth.Es war die letzte Gabe, ‖ es durfte nimmermehrEinem Degen Gabe bieten ‖ von Bechlaren Rüdiger.

Als er den Schild zu geben ‖ so willig sich erbot,

Da wurden Mancher Augen ‖ von heissen Thränen roth.

Es war die letzte Gabe, ‖ es durfte nimmermehr

Einem Degen Gabe bieten ‖ von Bechlaren Rüdiger.

Wie grimmig auch Hagen, ‖ wie zornig war sein Muth,Ihn erbarmte doch die Gabe, ‖ die der Degen gut30So nahe seinem Ende ‖ noch an ihn gethan.Mancher edle Ritter ‖ mit ihm zu trauern begann.

Wie grimmig auch Hagen, ‖ wie zornig war sein Muth,

Ihn erbarmte doch die Gabe, ‖ die der Degen gut30

So nahe seinem Ende ‖ noch an ihn gethan.

Mancher edle Ritter ‖ mit ihm zu trauern begann.

‘Nun lohn euch Gott vom Himmel, ‖ viel edler Rüdiger.Es giebt eures Gleichen ‖ auf Erden nimmermehr,Der heimatlosen Degen ‖ so milde Gabe gebe:So möge Gott gebieten, ‖ dass eure Tugend immer lebe.’20

‘Nun lohn euch Gott vom Himmel, ‖ viel edler Rüdiger.

Es giebt eures Gleichen ‖ auf Erden nimmermehr,

Der heimatlosen Degen ‖ so milde Gabe gebe:

So möge Gott gebieten, ‖ dass eure Tugend immer lebe.’20

‘O weh mir dieser Märe,’ ‖ sprach wieder Hagen,‘Wir hatten Herzensschwere ‖ genug zu tragen:Da müsse Gott erbarmen, ‖ gilts uns mit Freunden Streit!’Da sprach der Markgraf wieder: ‖ ‘Das ist mir inniglich leid.’

‘O weh mir dieser Märe,’ ‖ sprach wieder Hagen,

‘Wir hatten Herzensschwere ‖ genug zu tragen:

Da müsse Gott erbarmen, ‖ gilts uns mit Freunden Streit!’

Da sprach der Markgraf wieder: ‖ ‘Das ist mir inniglich leid.’

‘Nun lohn ich euch die Gabe, ‖ viel edler Rüdiger.Was immer wiederfahre ‖ diesen Recken hehr,Es soll euch nicht berühren ‖ im Streite meine Hand,Ob ihr sie all erschlüget, ‖ Die von der Burgonden Land.’

‘Nun lohn ich euch die Gabe, ‖ viel edler Rüdiger.

Was immer wiederfahre ‖ diesen Recken hehr,

Es soll euch nicht berühren ‖ im Streite meine Hand,

Ob ihr sie all erschlüget, ‖ Die von der Burgonden Land.’

Da neigte sich ihm dankend ‖ der gute Rüdiger.30Sie weinten allenthalben. ‖ Dass nicht zu wenden mehrDieser Herzensjammer, ‖ das war eine grosse Noth.Der Vater aller Tugend ‖ fand an Rüdiger den Tod.

Da neigte sich ihm dankend ‖ der gute Rüdiger.30

Sie weinten allenthalben. ‖ Dass nicht zu wenden mehr

Dieser Herzensjammer, ‖ das war eine grosse Noth.

Der Vater aller Tugend ‖ fand an Rüdiger den Tod.

Da sprach von der Stiege ‖ Volker, der Fiedelmann:‘Da mein Geselle Hagen ‖ euch bot den Frieden an,So biet ich auch so stäten ‖ euch von meiner Hand;Das habt ihr wohl verdienet, ‖ da wir kamen in das Land.20

Da sprach von der Stiege ‖ Volker, der Fiedelmann:

‘Da mein Geselle Hagen ‖ euch bot den Frieden an,

So biet ich auch so stäten ‖ euch von meiner Hand;

Das habt ihr wohl verdienet, ‖ da wir kamen in das Land.20

Ihr sollt, viel edler Markgraf, ‖ mein Bote werden hier:Diese rothen Spangen ‖ gab Frau Gotlinde mir,Dass ich sie tragen sollte ‖ bei dieser Lustbarkeit;Ihr mögt sie selber schauen, ‖ dass ihr des mein Zeuge seid.’

Ihr sollt, viel edler Markgraf, ‖ mein Bote werden hier:

Diese rothen Spangen ‖ gab Frau Gotlinde mir,

Dass ich sie tragen sollte ‖ bei dieser Lustbarkeit;

Ihr mögt sie selber schauen, ‖ dass ihr des mein Zeuge seid.’

‘Wollt es Gott, der Reiche,’ ‖ sprach da Rüdiger,‘Dass die Markgräfin ‖ euch geben dürfte mehr.Die Märe sag ich gerne ‖ der lieben Trauten mein,Seh ich gesund sie wieder: ‖ des sollt ihr ausser Zweifel sein.’

‘Wollt es Gott, der Reiche,’ ‖ sprach da Rüdiger,

‘Dass die Markgräfin ‖ euch geben dürfte mehr.

Die Märe sag ich gerne ‖ der lieben Trauten mein,

Seh ich gesund sie wieder: ‖ des sollt ihr ausser Zweifel sein.’

Nach diesem Angeloben ‖ den Schild hob Rüdiger,Sein Muth begann zu toben: ‖ nicht länger säumt’ er mehr;30Auf lief er zu den Gästen ‖ wohl einem Helden gleich:Viel kraftvolle Schläge ‖ schlug da dieser Markgraf reich.

Nach diesem Angeloben ‖ den Schild hob Rüdiger,

Sein Muth begann zu toben: ‖ nicht länger säumt’ er mehr;30

Auf lief er zu den Gästen ‖ wohl einem Helden gleich:

Viel kraftvolle Schläge ‖ schlug da dieser Markgraf reich.

Da wichen ihm die Beiden, ‖ Volker und Hagen, weit,Wie ihm verheissen hatten ‖ die Recken kühn im Streit.Noch traf er bei der Thüre ‖ so manchen Kühnen an,Dass Rüdiger die Feindschaft ‖ mit grossen Sorgen begann.20

Da wichen ihm die Beiden, ‖ Volker und Hagen, weit,

Wie ihm verheissen hatten ‖ die Recken kühn im Streit.

Noch traf er bei der Thüre ‖ so manchen Kühnen an,

Dass Rüdiger die Feindschaft ‖ mit grossen Sorgen begann.20

Aus Mordgierde liessen ‖ in das Haus ihn einGernot und Günther, ‖ das mochten Helden sein.Zurück wich da Geiselher, ‖ fürwahr, es war ihm leid:Er hoffte noch zu leben, ‖ drum mied er Rüdigern im Streit.

Aus Mordgierde liessen ‖ in das Haus ihn ein

Gernot und Günther, ‖ das mochten Helden sein.

Zurück wich da Geiselher, ‖ fürwahr, es war ihm leid:

Er hoffte noch zu leben, ‖ drum mied er Rüdigern im Streit.

Da sprangen zu den Feinden ‖ Die in Rüdgers Lehn,Man sah sie hohen Muthes ‖ bei ihrem Herren gehn,Schneidende Waffen ‖ trugen sie an der Hand:Da brachen viel der Helme ‖ und mancher schöne Schildesrand.

Da sprangen zu den Feinden ‖ Die in Rüdgers Lehn,

Man sah sie hohen Muthes ‖ bei ihrem Herren gehn,

Schneidende Waffen ‖ trugen sie an der Hand:

Da brachen viel der Helme ‖ und mancher schöne Schildesrand.

Da schlugen auch die Müden ‖ manchen starken SchlagAuf die von Bechlaren, ‖ der tief und eben brach30Durch die festen Panzer ‖ und drang bis auf das Blut:Sie thaten in dem Sturme ‖ viel Wunder herrlich und gut.

Da schlugen auch die Müden ‖ manchen starken Schlag

Auf die von Bechlaren, ‖ der tief und eben brach30

Durch die festen Panzer ‖ und drang bis auf das Blut:

Sie thaten in dem Sturme ‖ viel Wunder herrlich und gut.

Das edle Heergesinde ‖ war nun in dem Saal;Volker und Hagen, ‖ die sprangen hin zumal:Sie gaben Niemand Frieden ‖ als dem Einen Mann;Das Blut von ihren Hieben ‖ von den Helmen niederrann.20

Das edle Heergesinde ‖ war nun in dem Saal;

Volker und Hagen, ‖ die sprangen hin zumal:

Sie gaben Niemand Frieden ‖ als dem Einen Mann;

Das Blut von ihren Hieben ‖ von den Helmen niederrann.20

Wie da der Schwerter Tosen ‖ so furchtbar erklang,Dass unter ihren Schlägen ‖ das Schildgespäng zersprang!Die Schildsteine rieselten ‖ nieder in das Blut;Da fochten sie so grimmig, ‖ wie man es nie wieder thut.

Wie da der Schwerter Tosen ‖ so furchtbar erklang,

Dass unter ihren Schlägen ‖ das Schildgespäng zersprang!

Die Schildsteine rieselten ‖ nieder in das Blut;

Da fochten sie so grimmig, ‖ wie man es nie wieder thut.

Der Vogt von Bechlaren ‖ schuf hin und her sich Bahn,Wie Einer der mit Kräften ‖ im Sturme werben kann;Des Tages ward an Rüdiger ‖ herrlich offenbar,Dass er ein Recke wäre ‖ kühn und ohne Tadel gar.

Der Vogt von Bechlaren ‖ schuf hin und her sich Bahn,

Wie Einer der mit Kräften ‖ im Sturme werben kann;

Des Tages ward an Rüdiger ‖ herrlich offenbar,

Dass er ein Recke wäre ‖ kühn und ohne Tadel gar.

Wohl erwies da Rüdiger, ‖ dass er stark genug,Kühn und wohlgewaffnet; ‖ hei! was er Helden schlug!30Das sah ein Burgonde, ‖ dem schuf es Zorn und Noth:Davon begann zu nahen ‖ des edeln Rüdigers Tod.

Wohl erwies da Rüdiger, ‖ dass er stark genug,

Kühn und wohlgewaffnet; ‖ hei! was er Helden schlug!30

Das sah ein Burgonde, ‖ dem schuf es Zorn und Noth:

Davon begann zu nahen ‖ des edeln Rüdigers Tod.

Gernot, der starke, ‖ rief den Helden an,Er sprach sum Markgrafen: ‖ ‘Ihr wollt von unserm BannNiemand leben lassen, ‖ viel edler Rüdiger:Das schmerzt mich ohne Massen; ‖ ich ertrag es länger nicht mehr.20

Gernot, der starke, ‖ rief den Helden an,

Er sprach sum Markgrafen: ‖ ‘Ihr wollt von unserm Bann

Niemand leben lassen, ‖ viel edler Rüdiger:

Das schmerzt mich ohne Massen; ‖ ich ertrag es länger nicht mehr.20

Nun mag euch eure Gabe ‖ zu Unstatten kommen,Da ihr mir der Freunde ‖ habt so viel benommen;Nun bietet mir die Stirne, ‖ ihr edler, kühner Mann:Eure Gabe wird verdienet, ‖ so gut ich immer nur kann.’

Nun mag euch eure Gabe ‖ zu Unstatten kommen,

Da ihr mir der Freunde ‖ habt so viel benommen;

Nun bietet mir die Stirne, ‖ ihr edler, kühner Mann:

Eure Gabe wird verdienet, ‖ so gut ich immer nur kann.’

Bevor da der Markgraf ‖ zu ihm gedrungen war,Ward noch getrübt vom Blute ‖ manch lichter Harnisch klar.Da liefen sich einander ‖ die Ehrbegiergen an:Jedweder sich zu schirmen ‖ vor starken Wunden begann.

Bevor da der Markgraf ‖ zu ihm gedrungen war,

Ward noch getrübt vom Blute ‖ manch lichter Harnisch klar.

Da liefen sich einander ‖ die Ehrbegiergen an:

Jedweder sich zu schirmen ‖ vor starken Wunden begann.

Ihre Schwerter waren schneidig, ‖ es schirmte nichts dagegen.Da schlug Gernoten ‖ Rüdiger der Degen30Durch den steinharten Helm, ‖ dass niederfloss das Blut:Das vergalt ihm balde ‖ dieser Ritter kühn und gut.

Ihre Schwerter waren schneidig, ‖ es schirmte nichts dagegen.

Da schlug Gernoten ‖ Rüdiger der Degen30

Durch den steinharten Helm, ‖ dass niederfloss das Blut:

Das vergalt ihm balde ‖ dieser Ritter kühn und gut.

Da schwang er Rüdgers Gabe, ‖ die ihm in Händen lag:Wie wund er war zum Tode, ‖ er schlug ihm einen SchlagDurch des Helmes Bänder ‖ und durch den festen Schild,Davon ersterben musste ‖ der gute Rüdiger mild.20

Da schwang er Rüdgers Gabe, ‖ die ihm in Händen lag:

Wie wund er war zum Tode, ‖ er schlug ihm einen Schlag

Durch des Helmes Bänder ‖ und durch den festen Schild,

Davon ersterben musste ‖ der gute Rüdiger mild.20

Nie ward so reicher Gabe ‖ so schlimm gelohnet mehr.Da fielen beid erschlagen, ‖ Gernot und Rüdiger,Im Sturme gleichermassen ‖ von beider Kämpfer Hand.Da erst ergrimmte Hagen, ‖ als er den grossen Schaden fand.

Nie ward so reicher Gabe ‖ so schlimm gelohnet mehr.

Da fielen beid erschlagen, ‖ Gernot und Rüdiger,

Im Sturme gleichermassen ‖ von beider Kämpfer Hand.

Da erst ergrimmte Hagen, ‖ als er den grossen Schaden fand.

Da sprach der Held von Tronje: ‘Es ist uns schlimm bekommen:So grossen Schaden haben ‖ wir an den Zwein genommen,Dass wir ihn nie verwinden, ‖ noch auch ihr Volk und Land.Uns Heimatlosen bleiben ‖ nun Rüdgers Helden zu Pfand.’

Da sprach der Held von Tronje: ‘Es ist uns schlimm bekommen:

So grossen Schaden haben ‖ wir an den Zwein genommen,

Dass wir ihn nie verwinden, ‖ noch auch ihr Volk und Land.

Uns Heimatlosen bleiben ‖ nun Rüdgers Helden zu Pfand.’

‘Weh mir um den Bruder! ‖ der fiel hier in den Tod:Was mir zu allen Stunden ‖ für leide Märe droht!30Auch muss mich immer reuen ‖ der gute Rüdiger:Der Schad ist beidenthalben ‖ und grossen Jammers Beschwer.

‘Weh mir um den Bruder! ‖ der fiel hier in den Tod:

Was mir zu allen Stunden ‖ für leide Märe droht!30

Auch muss mich immer reuen ‖ der gute Rüdiger:

Der Schad ist beidenthalben ‖ und grossen Jammers Beschwer.

Als der junge Geiselher ‖ sah seinen Bruder todt,Die da im Saale waren, ‖ die mussten leiden Noth.Der Tod warb um Beute ‖ unter Rüdgers Heer;Deren von Bechlaren ‖ entgieng kein Einziger mehr.20

Als der junge Geiselher ‖ sah seinen Bruder todt,

Die da im Saale waren, ‖ die mussten leiden Noth.

Der Tod warb um Beute ‖ unter Rüdgers Heer;

Deren von Bechlaren ‖ entgieng kein Einziger mehr.20

‘Uns raubt der Tod die Besten,’ ‖ sprach Geiselher das Kind,‘Nun lasset ab mit Weinen, ‖ und gehn wir an den Wind,Dass sich die Panzer kühlen ‖ uns streitmüden Degen:Es will nicht Gott vom Himmel, ‖ dass wir länger leben mögen.’

‘Uns raubt der Tod die Besten,’ ‖ sprach Geiselher das Kind,

‘Nun lasset ab mit Weinen, ‖ und gehn wir an den Wind,

Dass sich die Panzer kühlen ‖ uns streitmüden Degen:

Es will nicht Gott vom Himmel, ‖ dass wir länger leben mögen.’

Den sitzen, den sich lehnen, ‖ sah man manchen Mann.Sie waren wieder müssig; ‖ Die in Rüdgers BannWaren all erlegen; ‖ verhallt war Drang und Stoss.Die Stille währte lange, ‖ bis es Etzeln verdross.

Den sitzen, den sich lehnen, ‖ sah man manchen Mann.

Sie waren wieder müssig; ‖ Die in Rüdgers Bann

Waren all erlegen; ‖ verhallt war Drang und Stoss.

Die Stille währte lange, ‖ bis es Etzeln verdross.

‘O weh dieser Dienste!’ ‖ sprach des Königs Weib.‘Er ist nicht so getreue, ‖ dass unser Feinde Leib30Des entgelten müsste, ‖ von Rüdigers Hand:Er will sie wiederbringen ‖ in der Burgonden Land.

‘O weh dieser Dienste!’ ‖ sprach des Königs Weib.

‘Er ist nicht so getreue, ‖ dass unser Feinde Leib30

Des entgelten müsste, ‖ von Rüdigers Hand:

Er will sie wiederbringen ‖ in der Burgonden Land.

‘Was hilft uns, König Etzel, ‖ dass wir an ihn verthanWes er nur begehrte? ‖ Er hat nicht wohl gethan!Der uns rächen sollte, ‖ will der Sühne pflegen.’Da gab ihr Volker Antwort, ‖ dieser zierliche Degen.20

‘Was hilft uns, König Etzel, ‖ dass wir an ihn verthan

Wes er nur begehrte? ‖ Er hat nicht wohl gethan!

Der uns rächen sollte, ‖ will der Sühne pflegen.’

Da gab ihr Volker Antwort, ‖ dieser zierliche Degen.20

‘Dem ist nicht also, leider, ‖ viel edles Königsweib;Und dürft ich Lügen strafen ‖ ein so hehres Weib,So hättet ihr recht teuflisch ‖ auf Rüdiger gelogen:Er und seine Degen ‖ sind um die Sühne gar betrogen.

‘Dem ist nicht also, leider, ‖ viel edles Königsweib;

Und dürft ich Lügen strafen ‖ ein so hehres Weib,

So hättet ihr recht teuflisch ‖ auf Rüdiger gelogen:

Er und seine Degen ‖ sind um die Sühne gar betrogen.

So williglich vollbracht er ‖ was der König ihm gebot,Dass er und sein Gesinde ‖ hier fielen in den Tod.Nun seht euch um, Kriemhilde, ‖ wem ihr gebieten wollt:Euch war bis an sein Ende ‖ Rüdiger getreu und hold.

So williglich vollbracht er ‖ was der König ihm gebot,

Dass er und sein Gesinde ‖ hier fielen in den Tod.

Nun seht euch um, Kriemhilde, ‖ wem ihr gebieten wollt:

Euch war bis an sein Ende ‖ Rüdiger getreu und hold.

Wollt ihr das nicht glauben, ‖ so schaut es selber an.’Zu ihrem Herzleide ‖ ward es da gethan:30Man trug den Held erschlagen hin ‖ wo ihn der König sah.König Etzels Degen ‖ so leid wohl nimmer geschah.

Wollt ihr das nicht glauben, ‖ so schaut es selber an.’

Zu ihrem Herzleide ‖ ward es da gethan:30

Man trug den Held erschlagen hin ‖ wo ihn der König sah.

König Etzels Degen ‖ so leid wohl nimmer geschah.

Als sie den Markgrafen ‖ todt sahen vor sich tragen,Da vermöcht euch kein Schreiber ‖ zu deuten noch zu sagenDie ungebärdge Klage ‖ so von Weib als Mann,Die sich aus jammernden Herzen ‖ da zu zeigen begann.

Als sie den Markgrafen ‖ todt sahen vor sich tragen,

Da vermöcht euch kein Schreiber ‖ zu deuten noch zu sagen

Die ungebärdge Klage ‖ so von Weib als Mann,

Die sich aus jammernden Herzen ‖ da zu zeigen begann.


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