DAS ROLANDSLIED.

DAS ROLANDSLIED.[Scherer D.91,E.82.]Das Rolandslied, oder der Zug Kaiser Karls gegen die spanischen Sarazenen, wurde von dem Pfaffen Konrad nach einem französischen Vorbild gedichtet. Er schrieb es an dem Hofe des Welfen Heinrichs des Stolzen um 1130. Herausgegeben von W. Grimm (Göttingen, 1838); und von Bartsch (Leipzig, 1874).1.GENELUNSBOTSCHAFT.Ûf spranc der helt Ruolant;20er sprach ‘gevellet iz den fursten allen samt,und wil iz mîn herre gestaten,so ist Genelûn, mîn stiefvater,der aller tûristen boten einer,den ich in deme rîche chan gezeigen;er ist wîse und chuone,redehaht genuoge;er ist ein helt lussamwâ vunde man nu deheinin man,der deme rîche baz gezæme?er ist ein furste alsô mære,10man en scol ins niht erlâzen.’die fursten, alsô si sâzen,vestenden alle under in,iz ne möchte nieman sô wole sîn;er gezême wole dem rômischeme vogete,sware er in senden wolte.Genelûn erbleichte harte;hinze Ruolante er warte.er sprach: ‘nu hât mich der herre Ruolantûz disme rîche versant,20daz ich unter den heiden irsterbeund ime daz erbe werde.ach unde wê geschehe dir!waz wîzest du mir?mit bôsen geisten bist du gemuot.nu ist iz aller êrist her ûz erbluot,daz du mir ie riete an den lîb.dîn muoter ist mîn wîb:mîn sun Baldewînscholde dîn bruoder sîn.vergezzen hâst du der trûwen;iz scol dich vil sêre gerûwen,scol ich mînen lîp hân,des du nu zuo mir hâst getân.iz wirt dir vile swære.du gehœrest nûwe mære.10des gât mich ane michil nôt;in deme ellende lige ich ungerne tôt.’Karl der rîcheder manete in gezogenlîche:‘Genelûn, geswige mîn,lâ dise unrede sîn.du bist ein wîse herre;nune zurne nicht sô sêre.genc here nâher,mîne botscaph zenphâhen.vare vrôlîchen hinnen;20handele iz mit sinnen.erwirvest du deme rîche dehein êre,al dîn chunne vrowit sich iemir mêre.’Genelûn werte sich gnuoch;der keiser bôt ime ie den hantscuoch.er tete die wulvîne blicke;er rief vile dicke:‘dize hâst du, Ruolant, getân!uble muoz iz ime ergânunde sînen zwelf gesellen!nû habent si allen ir willen.’Auf sprang der Held Roland,20er sprach: ‘gefällt es den Fürsten gesammt,und will es mein Herr gestatten,so ist Genelun, mein Stiefvater,der allerbesten Boten einer,den ich in dem Reiche kann zeigen;er ist weise und kühn,beredt genug;er ist ein lustsamer (schöner) Held.Wo fände man nun irgendeinen Mann,der dem Reiche besser ziemte?er ist ein Fürst so preiswürdig,10man soll ihn dessen nicht erlassen.’Die Fürsten, wie sie sassen,bestätigten (es) alle unter einander,es möchte niemand so passend sein;er ziemete wohl dem römischen Vogte (Kaiser),wohin er ihn auch senden wollte.Genelun erbleichte sehr;hin zu Roland er schaute.Er sprach: ‘Nun hat mich der Herr Rolandaus diesem Reiche versandt,20dass ich unter den Heiden sterbeund ihm das Erbe werde.Ach und Weh geschehe dir!Was rächest du an mir?Mit bösen Geistern bist du beseelt.Jetzt ist es endlich heraus erblüht,dass du mir immer nach dem Leben standest.Deine Mutter ist mein Weib;mein Sohn Baldewinsollte dein Bruder sein.Vergessen hast du der Treue;es soll dich gar sehr gereuen,soll ich mein Leben behalten,was du nun an mir hast gethan.Es wird dir sehr schlimm.Du hörst neue Märe.Dazu zwingt mich grosse Noth;10in der Fremde liege ich ungerne todt.’Karl der gewaltige,der mahnte ihn würdevoll:‘Genelun, mein Schwager,lass die schlimme Rede sein.Du bist ein weiser Herr;nun zürne nicht so sehr.Komm her näher,meine Botschaft zu empfahen,fahre fröhlich von hinnen;20behandle es mit Verstand.Erwirbst du dem Reiche eine Ehre,all dein Geschlecht freut sich immer mehr.’Genelun wehrte sich genug;der Kaiser bot ihm den Handschuh.Er that die wölfischen Blicke;er rief sehr oft:‘Dies hast du, Roland, gethan!übel soll es ihm ergehnunde seinen zwölf Gesellen!nun haben sie ihren Willen ganz erreicht.’30HÜPPE.2.ROLANDSENDE.Ruolant chêrte gegen Yspanieverre von den erslagenen;er gesaz zuo ainem boume,dâ beit er vil chûme.In ainer sîner hanttruog er daz horn Olivant,in der anderen Durndarten.Ain haiden im gewarte:mit bluote er sich allen bestraich,vil tougenlîchen er im nâch slaich.10Dô gedâchte der haiden:‘Unter disen vir stainendâ erstirbet Ruolant;Durndarten nim ich ze mîner hantunt Olivantem;sô sage ich in dem lante,daz wir gesiget habenunt ich habe Ruolanten erslagen.Des frout sich imer mêreelliu arâbiskiu erde.’20Ruolant was von den sînen chomen,sô man geschiezen maht ainen bogen,unter den marmilstainen;dô wânte der haiden,daz er tôt wâre.Dô enthîlt sich der helt mâre,unz im der haiden sô nâhen chom;ûf zucht er daz horn,uber den helm er in sluoc,daz im daz verhbluotûz sînen ougen spranc.Er sprach: ‘Daz du habis undanc,daz du mir ie sô nâhen torstest chomen.Olivant ist zechloben!’Er rezurnte vil harte,10sus redeter ze Durndarte:‘Nu ich dîn nicht scol tragen,dune wirst niemir mennisken ze scaden.’daz swert er ûf huop,in den stain er iz sluoc;iz ne tet sîn nehain war.Er sluoc iz aver darmit paiden sînen hanten;daz swert er umbe wante,er versuocht iz zehen stunt.20Er sprach: ‘Lâgestu in des meres grunt,daz du dehainem christen manniemir mêre wurdest ze ban!scol dich dehain haiden tragen,daz wil ich imer gote chlagen!’Mit grimme er aver sluoc.dô daz swert vor im gestuontâne mâl unt âne scarte,dô redet er ave ze Durndarte:‘ich bechenne wol dînen site,daz du nicht des vermite,swâ ich dich hin gebôt,den was geraite der tôtdi wîle ich tochte.’Roland kehrte gegen Spanienfern von den Erschlagenen;er setzte sich an einem Baume nieder,da konnte er kaum den Tod erwarten.In seiner einen Handtrug er das Horn Olivant,in der andern Durndart.Ein Heide beobachtete ihn:mit Blut bestrich er sich über und über,ganz heimlich schlich er ihm nach.10Da dachte der Heide:‘Unter diesen vier Steinenda erstirbt Roland;Durndart nehme ich dann an michund Olivant;und verkünde in dem Lande,dass wir gesiegt haben,und ich Roland erschlug.Darüber freut sich immerdardie ganze arabische Welt.’20Roland war von den Seinen abgekommenso weit man mit einem Bogen schiessen kann,unter den Marmorsteinen;da wähnte der Heidedass er tod wäre.Da rührte sich der ruhmreiche Held nicht,bis ihm der Heide ganz nahe kam;empor zückte er das Horn,über den Helm schlug er ihn,dass ihm das Lebensblutaus den Augen sprang.Er sprach: ‘Verwünscht sollst du sein,dass du mir je so nahe zu kommen wagtest.Olivant ist zerschlagen!’Er erzürnte sehr heftig,10so redete er Durndart an:‘Da ich dich nun nicht länger führen soll,so wirst du nimmer mehr Menschen zu Schaden!’Das Schwert hob er empor,auf den Stein schlug er es;es that nicht dergleichen.Er schlug es wiederum daraufmit beiden Händen;das Schwert drehte er um,er versuchte es zehn mal.20Er sprach: ‘Liegest du an dem Meeresgrunde,dass du keinem Christenjemals mehr den Tod brächtest!Soll ein Heide dich führen,das will ich ewig Gott klagen!’Grimmig schlug er noch einmal.als das Schwert vor ihm Stand hieltohne Mal und ohne Scharte,da redete er wiederum zu Durndart:‘Ich kenne wohl deine Art,dass du nichts unterliessest,gegen wen ich dich auch führte,denen war der Tod bereitetso lange ich bei Kräften war.’

DAS ROLANDSLIED.

[Scherer D.91,E.82.]

Das Rolandslied, oder der Zug Kaiser Karls gegen die spanischen Sarazenen, wurde von dem Pfaffen Konrad nach einem französischen Vorbild gedichtet. Er schrieb es an dem Hofe des Welfen Heinrichs des Stolzen um 1130. Herausgegeben von W. Grimm (Göttingen, 1838); und von Bartsch (Leipzig, 1874).

Das Rolandslied, oder der Zug Kaiser Karls gegen die spanischen Sarazenen, wurde von dem Pfaffen Konrad nach einem französischen Vorbild gedichtet. Er schrieb es an dem Hofe des Welfen Heinrichs des Stolzen um 1130. Herausgegeben von W. Grimm (Göttingen, 1838); und von Bartsch (Leipzig, 1874).

Ûf spranc der helt Ruolant;20er sprach ‘gevellet iz den fursten allen samt,und wil iz mîn herre gestaten,so ist Genelûn, mîn stiefvater,der aller tûristen boten einer,den ich in deme rîche chan gezeigen;er ist wîse und chuone,redehaht genuoge;er ist ein helt lussamwâ vunde man nu deheinin man,der deme rîche baz gezæme?er ist ein furste alsô mære,10man en scol ins niht erlâzen.’die fursten, alsô si sâzen,vestenden alle under in,iz ne möchte nieman sô wole sîn;er gezême wole dem rômischeme vogete,sware er in senden wolte.Genelûn erbleichte harte;hinze Ruolante er warte.er sprach: ‘nu hât mich der herre Ruolantûz disme rîche versant,20daz ich unter den heiden irsterbeund ime daz erbe werde.ach unde wê geschehe dir!waz wîzest du mir?mit bôsen geisten bist du gemuot.nu ist iz aller êrist her ûz erbluot,daz du mir ie riete an den lîb.dîn muoter ist mîn wîb:mîn sun Baldewînscholde dîn bruoder sîn.vergezzen hâst du der trûwen;iz scol dich vil sêre gerûwen,scol ich mînen lîp hân,des du nu zuo mir hâst getân.iz wirt dir vile swære.du gehœrest nûwe mære.10des gât mich ane michil nôt;in deme ellende lige ich ungerne tôt.’Karl der rîcheder manete in gezogenlîche:‘Genelûn, geswige mîn,lâ dise unrede sîn.du bist ein wîse herre;nune zurne nicht sô sêre.genc here nâher,mîne botscaph zenphâhen.vare vrôlîchen hinnen;20handele iz mit sinnen.erwirvest du deme rîche dehein êre,al dîn chunne vrowit sich iemir mêre.’Genelûn werte sich gnuoch;der keiser bôt ime ie den hantscuoch.er tete die wulvîne blicke;er rief vile dicke:‘dize hâst du, Ruolant, getân!uble muoz iz ime ergânunde sînen zwelf gesellen!nû habent si allen ir willen.’

Ûf spranc der helt Ruolant;20er sprach ‘gevellet iz den fursten allen samt,und wil iz mîn herre gestaten,so ist Genelûn, mîn stiefvater,der aller tûristen boten einer,den ich in deme rîche chan gezeigen;er ist wîse und chuone,redehaht genuoge;er ist ein helt lussamwâ vunde man nu deheinin man,der deme rîche baz gezæme?er ist ein furste alsô mære,10man en scol ins niht erlâzen.’die fursten, alsô si sâzen,vestenden alle under in,iz ne möchte nieman sô wole sîn;er gezême wole dem rômischeme vogete,sware er in senden wolte.Genelûn erbleichte harte;hinze Ruolante er warte.er sprach: ‘nu hât mich der herre Ruolantûz disme rîche versant,20daz ich unter den heiden irsterbeund ime daz erbe werde.ach unde wê geschehe dir!waz wîzest du mir?mit bôsen geisten bist du gemuot.nu ist iz aller êrist her ûz erbluot,daz du mir ie riete an den lîb.dîn muoter ist mîn wîb:mîn sun Baldewînscholde dîn bruoder sîn.vergezzen hâst du der trûwen;iz scol dich vil sêre gerûwen,scol ich mînen lîp hân,des du nu zuo mir hâst getân.iz wirt dir vile swære.du gehœrest nûwe mære.10des gât mich ane michil nôt;in deme ellende lige ich ungerne tôt.’Karl der rîcheder manete in gezogenlîche:‘Genelûn, geswige mîn,lâ dise unrede sîn.du bist ein wîse herre;nune zurne nicht sô sêre.genc here nâher,mîne botscaph zenphâhen.vare vrôlîchen hinnen;20handele iz mit sinnen.erwirvest du deme rîche dehein êre,al dîn chunne vrowit sich iemir mêre.’Genelûn werte sich gnuoch;der keiser bôt ime ie den hantscuoch.er tete die wulvîne blicke;er rief vile dicke:‘dize hâst du, Ruolant, getân!uble muoz iz ime ergânunde sînen zwelf gesellen!nû habent si allen ir willen.’

Ûf spranc der helt Ruolant;20er sprach ‘gevellet iz den fursten allen samt,und wil iz mîn herre gestaten,so ist Genelûn, mîn stiefvater,der aller tûristen boten einer,den ich in deme rîche chan gezeigen;er ist wîse und chuone,redehaht genuoge;er ist ein helt lussamwâ vunde man nu deheinin man,der deme rîche baz gezæme?er ist ein furste alsô mære,10man en scol ins niht erlâzen.’die fursten, alsô si sâzen,vestenden alle under in,iz ne möchte nieman sô wole sîn;er gezême wole dem rômischeme vogete,sware er in senden wolte.Genelûn erbleichte harte;hinze Ruolante er warte.er sprach: ‘nu hât mich der herre Ruolantûz disme rîche versant,20daz ich unter den heiden irsterbeund ime daz erbe werde.ach unde wê geschehe dir!waz wîzest du mir?mit bôsen geisten bist du gemuot.nu ist iz aller êrist her ûz erbluot,daz du mir ie riete an den lîb.dîn muoter ist mîn wîb:mîn sun Baldewînscholde dîn bruoder sîn.vergezzen hâst du der trûwen;iz scol dich vil sêre gerûwen,scol ich mînen lîp hân,des du nu zuo mir hâst getân.iz wirt dir vile swære.du gehœrest nûwe mære.10des gât mich ane michil nôt;in deme ellende lige ich ungerne tôt.’Karl der rîcheder manete in gezogenlîche:‘Genelûn, geswige mîn,lâ dise unrede sîn.du bist ein wîse herre;nune zurne nicht sô sêre.genc here nâher,mîne botscaph zenphâhen.vare vrôlîchen hinnen;20handele iz mit sinnen.erwirvest du deme rîche dehein êre,al dîn chunne vrowit sich iemir mêre.’Genelûn werte sich gnuoch;der keiser bôt ime ie den hantscuoch.er tete die wulvîne blicke;er rief vile dicke:‘dize hâst du, Ruolant, getân!uble muoz iz ime ergânunde sînen zwelf gesellen!nû habent si allen ir willen.’

Ûf spranc der helt Ruolant;20

er sprach ‘gevellet iz den fursten allen samt,

und wil iz mîn herre gestaten,

so ist Genelûn, mîn stiefvater,

der aller tûristen boten einer,

den ich in deme rîche chan gezeigen;

er ist wîse und chuone,

redehaht genuoge;

er ist ein helt lussam

wâ vunde man nu deheinin man,

der deme rîche baz gezæme?

er ist ein furste alsô mære,10

man en scol ins niht erlâzen.’

die fursten, alsô si sâzen,

vestenden alle under in,

iz ne möchte nieman sô wole sîn;

er gezême wole dem rômischeme vogete,

sware er in senden wolte.

Genelûn erbleichte harte;

hinze Ruolante er warte.

er sprach: ‘nu hât mich der herre Ruolant

ûz disme rîche versant,20

daz ich unter den heiden irsterbe

und ime daz erbe werde.

ach unde wê geschehe dir!

waz wîzest du mir?

mit bôsen geisten bist du gemuot.

nu ist iz aller êrist her ûz erbluot,

daz du mir ie riete an den lîb.

dîn muoter ist mîn wîb:

mîn sun Baldewîn

scholde dîn bruoder sîn.

vergezzen hâst du der trûwen;

iz scol dich vil sêre gerûwen,

scol ich mînen lîp hân,

des du nu zuo mir hâst getân.

iz wirt dir vile swære.

du gehœrest nûwe mære.10

des gât mich ane michil nôt;

in deme ellende lige ich ungerne tôt.’

Karl der rîche

der manete in gezogenlîche:

‘Genelûn, geswige mîn,

lâ dise unrede sîn.

du bist ein wîse herre;

nune zurne nicht sô sêre.

genc here nâher,

mîne botscaph zenphâhen.

vare vrôlîchen hinnen;20

handele iz mit sinnen.

erwirvest du deme rîche dehein êre,

al dîn chunne vrowit sich iemir mêre.’

Genelûn werte sich gnuoch;

der keiser bôt ime ie den hantscuoch.

er tete die wulvîne blicke;

er rief vile dicke:

‘dize hâst du, Ruolant, getân!

uble muoz iz ime ergân

unde sînen zwelf gesellen!

nû habent si allen ir willen.’

Auf sprang der Held Roland,20er sprach: ‘gefällt es den Fürsten gesammt,und will es mein Herr gestatten,so ist Genelun, mein Stiefvater,der allerbesten Boten einer,den ich in dem Reiche kann zeigen;er ist weise und kühn,beredt genug;er ist ein lustsamer (schöner) Held.Wo fände man nun irgendeinen Mann,der dem Reiche besser ziemte?er ist ein Fürst so preiswürdig,10man soll ihn dessen nicht erlassen.’Die Fürsten, wie sie sassen,bestätigten (es) alle unter einander,es möchte niemand so passend sein;er ziemete wohl dem römischen Vogte (Kaiser),wohin er ihn auch senden wollte.Genelun erbleichte sehr;hin zu Roland er schaute.Er sprach: ‘Nun hat mich der Herr Rolandaus diesem Reiche versandt,20dass ich unter den Heiden sterbeund ihm das Erbe werde.Ach und Weh geschehe dir!Was rächest du an mir?Mit bösen Geistern bist du beseelt.Jetzt ist es endlich heraus erblüht,dass du mir immer nach dem Leben standest.Deine Mutter ist mein Weib;mein Sohn Baldewinsollte dein Bruder sein.Vergessen hast du der Treue;es soll dich gar sehr gereuen,soll ich mein Leben behalten,was du nun an mir hast gethan.Es wird dir sehr schlimm.Du hörst neue Märe.Dazu zwingt mich grosse Noth;10in der Fremde liege ich ungerne todt.’Karl der gewaltige,der mahnte ihn würdevoll:‘Genelun, mein Schwager,lass die schlimme Rede sein.Du bist ein weiser Herr;nun zürne nicht so sehr.Komm her näher,meine Botschaft zu empfahen,fahre fröhlich von hinnen;20behandle es mit Verstand.Erwirbst du dem Reiche eine Ehre,all dein Geschlecht freut sich immer mehr.’Genelun wehrte sich genug;der Kaiser bot ihm den Handschuh.Er that die wölfischen Blicke;er rief sehr oft:‘Dies hast du, Roland, gethan!übel soll es ihm ergehnunde seinen zwölf Gesellen!nun haben sie ihren Willen ganz erreicht.’30

Auf sprang der Held Roland,20er sprach: ‘gefällt es den Fürsten gesammt,und will es mein Herr gestatten,so ist Genelun, mein Stiefvater,der allerbesten Boten einer,den ich in dem Reiche kann zeigen;er ist weise und kühn,beredt genug;er ist ein lustsamer (schöner) Held.Wo fände man nun irgendeinen Mann,der dem Reiche besser ziemte?er ist ein Fürst so preiswürdig,10man soll ihn dessen nicht erlassen.’Die Fürsten, wie sie sassen,bestätigten (es) alle unter einander,es möchte niemand so passend sein;er ziemete wohl dem römischen Vogte (Kaiser),wohin er ihn auch senden wollte.Genelun erbleichte sehr;hin zu Roland er schaute.Er sprach: ‘Nun hat mich der Herr Rolandaus diesem Reiche versandt,20dass ich unter den Heiden sterbeund ihm das Erbe werde.Ach und Weh geschehe dir!Was rächest du an mir?Mit bösen Geistern bist du beseelt.Jetzt ist es endlich heraus erblüht,dass du mir immer nach dem Leben standest.Deine Mutter ist mein Weib;mein Sohn Baldewinsollte dein Bruder sein.Vergessen hast du der Treue;es soll dich gar sehr gereuen,soll ich mein Leben behalten,was du nun an mir hast gethan.Es wird dir sehr schlimm.Du hörst neue Märe.Dazu zwingt mich grosse Noth;10in der Fremde liege ich ungerne todt.’Karl der gewaltige,der mahnte ihn würdevoll:‘Genelun, mein Schwager,lass die schlimme Rede sein.Du bist ein weiser Herr;nun zürne nicht so sehr.Komm her näher,meine Botschaft zu empfahen,fahre fröhlich von hinnen;20behandle es mit Verstand.Erwirbst du dem Reiche eine Ehre,all dein Geschlecht freut sich immer mehr.’Genelun wehrte sich genug;der Kaiser bot ihm den Handschuh.Er that die wölfischen Blicke;er rief sehr oft:‘Dies hast du, Roland, gethan!übel soll es ihm ergehnunde seinen zwölf Gesellen!nun haben sie ihren Willen ganz erreicht.’30

Auf sprang der Held Roland,20er sprach: ‘gefällt es den Fürsten gesammt,und will es mein Herr gestatten,so ist Genelun, mein Stiefvater,der allerbesten Boten einer,den ich in dem Reiche kann zeigen;er ist weise und kühn,beredt genug;er ist ein lustsamer (schöner) Held.Wo fände man nun irgendeinen Mann,der dem Reiche besser ziemte?er ist ein Fürst so preiswürdig,10man soll ihn dessen nicht erlassen.’Die Fürsten, wie sie sassen,bestätigten (es) alle unter einander,es möchte niemand so passend sein;er ziemete wohl dem römischen Vogte (Kaiser),wohin er ihn auch senden wollte.Genelun erbleichte sehr;hin zu Roland er schaute.Er sprach: ‘Nun hat mich der Herr Rolandaus diesem Reiche versandt,20dass ich unter den Heiden sterbeund ihm das Erbe werde.Ach und Weh geschehe dir!Was rächest du an mir?Mit bösen Geistern bist du beseelt.Jetzt ist es endlich heraus erblüht,dass du mir immer nach dem Leben standest.Deine Mutter ist mein Weib;mein Sohn Baldewinsollte dein Bruder sein.Vergessen hast du der Treue;es soll dich gar sehr gereuen,soll ich mein Leben behalten,was du nun an mir hast gethan.Es wird dir sehr schlimm.Du hörst neue Märe.Dazu zwingt mich grosse Noth;10in der Fremde liege ich ungerne todt.’Karl der gewaltige,der mahnte ihn würdevoll:‘Genelun, mein Schwager,lass die schlimme Rede sein.Du bist ein weiser Herr;nun zürne nicht so sehr.Komm her näher,meine Botschaft zu empfahen,fahre fröhlich von hinnen;20behandle es mit Verstand.Erwirbst du dem Reiche eine Ehre,all dein Geschlecht freut sich immer mehr.’Genelun wehrte sich genug;der Kaiser bot ihm den Handschuh.Er that die wölfischen Blicke;er rief sehr oft:‘Dies hast du, Roland, gethan!übel soll es ihm ergehnunde seinen zwölf Gesellen!nun haben sie ihren Willen ganz erreicht.’30

Auf sprang der Held Roland,20

er sprach: ‘gefällt es den Fürsten gesammt,

und will es mein Herr gestatten,

so ist Genelun, mein Stiefvater,

der allerbesten Boten einer,

den ich in dem Reiche kann zeigen;

er ist weise und kühn,

beredt genug;

er ist ein lustsamer (schöner) Held.

Wo fände man nun irgendeinen Mann,

der dem Reiche besser ziemte?

er ist ein Fürst so preiswürdig,10

man soll ihn dessen nicht erlassen.’

Die Fürsten, wie sie sassen,

bestätigten (es) alle unter einander,

es möchte niemand so passend sein;

er ziemete wohl dem römischen Vogte (Kaiser),

wohin er ihn auch senden wollte.

Genelun erbleichte sehr;

hin zu Roland er schaute.

Er sprach: ‘Nun hat mich der Herr Roland

aus diesem Reiche versandt,20

dass ich unter den Heiden sterbe

und ihm das Erbe werde.

Ach und Weh geschehe dir!

Was rächest du an mir?

Mit bösen Geistern bist du beseelt.

Jetzt ist es endlich heraus erblüht,

dass du mir immer nach dem Leben standest.

Deine Mutter ist mein Weib;

mein Sohn Baldewin

sollte dein Bruder sein.

Vergessen hast du der Treue;

es soll dich gar sehr gereuen,

soll ich mein Leben behalten,

was du nun an mir hast gethan.

Es wird dir sehr schlimm.

Du hörst neue Märe.

Dazu zwingt mich grosse Noth;10

in der Fremde liege ich ungerne todt.’

Karl der gewaltige,

der mahnte ihn würdevoll:

‘Genelun, mein Schwager,

lass die schlimme Rede sein.

Du bist ein weiser Herr;

nun zürne nicht so sehr.

Komm her näher,

meine Botschaft zu empfahen,

fahre fröhlich von hinnen;20

behandle es mit Verstand.

Erwirbst du dem Reiche eine Ehre,

all dein Geschlecht freut sich immer mehr.’

Genelun wehrte sich genug;

der Kaiser bot ihm den Handschuh.

Er that die wölfischen Blicke;

er rief sehr oft:

‘Dies hast du, Roland, gethan!

übel soll es ihm ergehn

unde seinen zwölf Gesellen!

nun haben sie ihren Willen ganz erreicht.’30

HÜPPE.

Ruolant chêrte gegen Yspanieverre von den erslagenen;er gesaz zuo ainem boume,dâ beit er vil chûme.In ainer sîner hanttruog er daz horn Olivant,in der anderen Durndarten.Ain haiden im gewarte:mit bluote er sich allen bestraich,vil tougenlîchen er im nâch slaich.10Dô gedâchte der haiden:‘Unter disen vir stainendâ erstirbet Ruolant;Durndarten nim ich ze mîner hantunt Olivantem;sô sage ich in dem lante,daz wir gesiget habenunt ich habe Ruolanten erslagen.Des frout sich imer mêreelliu arâbiskiu erde.’20Ruolant was von den sînen chomen,sô man geschiezen maht ainen bogen,unter den marmilstainen;dô wânte der haiden,daz er tôt wâre.Dô enthîlt sich der helt mâre,unz im der haiden sô nâhen chom;ûf zucht er daz horn,uber den helm er in sluoc,daz im daz verhbluotûz sînen ougen spranc.Er sprach: ‘Daz du habis undanc,daz du mir ie sô nâhen torstest chomen.Olivant ist zechloben!’Er rezurnte vil harte,10sus redeter ze Durndarte:‘Nu ich dîn nicht scol tragen,dune wirst niemir mennisken ze scaden.’daz swert er ûf huop,in den stain er iz sluoc;iz ne tet sîn nehain war.Er sluoc iz aver darmit paiden sînen hanten;daz swert er umbe wante,er versuocht iz zehen stunt.20Er sprach: ‘Lâgestu in des meres grunt,daz du dehainem christen manniemir mêre wurdest ze ban!scol dich dehain haiden tragen,daz wil ich imer gote chlagen!’Mit grimme er aver sluoc.dô daz swert vor im gestuontâne mâl unt âne scarte,dô redet er ave ze Durndarte:‘ich bechenne wol dînen site,daz du nicht des vermite,swâ ich dich hin gebôt,den was geraite der tôtdi wîle ich tochte.’

Ruolant chêrte gegen Yspanieverre von den erslagenen;er gesaz zuo ainem boume,dâ beit er vil chûme.In ainer sîner hanttruog er daz horn Olivant,in der anderen Durndarten.Ain haiden im gewarte:mit bluote er sich allen bestraich,vil tougenlîchen er im nâch slaich.10Dô gedâchte der haiden:‘Unter disen vir stainendâ erstirbet Ruolant;Durndarten nim ich ze mîner hantunt Olivantem;sô sage ich in dem lante,daz wir gesiget habenunt ich habe Ruolanten erslagen.Des frout sich imer mêreelliu arâbiskiu erde.’20Ruolant was von den sînen chomen,sô man geschiezen maht ainen bogen,unter den marmilstainen;dô wânte der haiden,daz er tôt wâre.Dô enthîlt sich der helt mâre,unz im der haiden sô nâhen chom;ûf zucht er daz horn,uber den helm er in sluoc,daz im daz verhbluotûz sînen ougen spranc.Er sprach: ‘Daz du habis undanc,daz du mir ie sô nâhen torstest chomen.Olivant ist zechloben!’Er rezurnte vil harte,10sus redeter ze Durndarte:‘Nu ich dîn nicht scol tragen,dune wirst niemir mennisken ze scaden.’daz swert er ûf huop,in den stain er iz sluoc;iz ne tet sîn nehain war.Er sluoc iz aver darmit paiden sînen hanten;daz swert er umbe wante,er versuocht iz zehen stunt.20Er sprach: ‘Lâgestu in des meres grunt,daz du dehainem christen manniemir mêre wurdest ze ban!scol dich dehain haiden tragen,daz wil ich imer gote chlagen!’Mit grimme er aver sluoc.dô daz swert vor im gestuontâne mâl unt âne scarte,dô redet er ave ze Durndarte:‘ich bechenne wol dînen site,daz du nicht des vermite,swâ ich dich hin gebôt,den was geraite der tôtdi wîle ich tochte.’

Ruolant chêrte gegen Yspanieverre von den erslagenen;er gesaz zuo ainem boume,dâ beit er vil chûme.In ainer sîner hanttruog er daz horn Olivant,in der anderen Durndarten.Ain haiden im gewarte:mit bluote er sich allen bestraich,vil tougenlîchen er im nâch slaich.10Dô gedâchte der haiden:‘Unter disen vir stainendâ erstirbet Ruolant;Durndarten nim ich ze mîner hantunt Olivantem;sô sage ich in dem lante,daz wir gesiget habenunt ich habe Ruolanten erslagen.Des frout sich imer mêreelliu arâbiskiu erde.’20Ruolant was von den sînen chomen,sô man geschiezen maht ainen bogen,unter den marmilstainen;dô wânte der haiden,daz er tôt wâre.Dô enthîlt sich der helt mâre,unz im der haiden sô nâhen chom;ûf zucht er daz horn,uber den helm er in sluoc,daz im daz verhbluotûz sînen ougen spranc.Er sprach: ‘Daz du habis undanc,daz du mir ie sô nâhen torstest chomen.Olivant ist zechloben!’Er rezurnte vil harte,10sus redeter ze Durndarte:‘Nu ich dîn nicht scol tragen,dune wirst niemir mennisken ze scaden.’daz swert er ûf huop,in den stain er iz sluoc;iz ne tet sîn nehain war.Er sluoc iz aver darmit paiden sînen hanten;daz swert er umbe wante,er versuocht iz zehen stunt.20Er sprach: ‘Lâgestu in des meres grunt,daz du dehainem christen manniemir mêre wurdest ze ban!scol dich dehain haiden tragen,daz wil ich imer gote chlagen!’Mit grimme er aver sluoc.dô daz swert vor im gestuontâne mâl unt âne scarte,dô redet er ave ze Durndarte:‘ich bechenne wol dînen site,daz du nicht des vermite,swâ ich dich hin gebôt,den was geraite der tôtdi wîle ich tochte.’

Ruolant chêrte gegen Yspanie

verre von den erslagenen;

er gesaz zuo ainem boume,

dâ beit er vil chûme.

In ainer sîner hant

truog er daz horn Olivant,

in der anderen Durndarten.

Ain haiden im gewarte:

mit bluote er sich allen bestraich,

vil tougenlîchen er im nâch slaich.10

Dô gedâchte der haiden:

‘Unter disen vir stainen

dâ erstirbet Ruolant;

Durndarten nim ich ze mîner hant

unt Olivantem;

sô sage ich in dem lante,

daz wir gesiget haben

unt ich habe Ruolanten erslagen.

Des frout sich imer mêre

elliu arâbiskiu erde.’20

Ruolant was von den sînen chomen,

sô man geschiezen maht ainen bogen,

unter den marmilstainen;

dô wânte der haiden,

daz er tôt wâre.

Dô enthîlt sich der helt mâre,

unz im der haiden sô nâhen chom;

ûf zucht er daz horn,

uber den helm er in sluoc,

daz im daz verhbluot

ûz sînen ougen spranc.

Er sprach: ‘Daz du habis undanc,

daz du mir ie sô nâhen torstest chomen.

Olivant ist zechloben!’

Er rezurnte vil harte,10

sus redeter ze Durndarte:

‘Nu ich dîn nicht scol tragen,

dune wirst niemir mennisken ze scaden.’

daz swert er ûf huop,

in den stain er iz sluoc;

iz ne tet sîn nehain war.

Er sluoc iz aver dar

mit paiden sînen hanten;

daz swert er umbe wante,

er versuocht iz zehen stunt.20

Er sprach: ‘Lâgestu in des meres grunt,

daz du dehainem christen man

niemir mêre wurdest ze ban!

scol dich dehain haiden tragen,

daz wil ich imer gote chlagen!’

Mit grimme er aver sluoc.

dô daz swert vor im gestuont

âne mâl unt âne scarte,

dô redet er ave ze Durndarte:

‘ich bechenne wol dînen site,

daz du nicht des vermite,

swâ ich dich hin gebôt,

den was geraite der tôt

di wîle ich tochte.’

Roland kehrte gegen Spanienfern von den Erschlagenen;er setzte sich an einem Baume nieder,da konnte er kaum den Tod erwarten.In seiner einen Handtrug er das Horn Olivant,in der andern Durndart.Ein Heide beobachtete ihn:mit Blut bestrich er sich über und über,ganz heimlich schlich er ihm nach.10Da dachte der Heide:‘Unter diesen vier Steinenda erstirbt Roland;Durndart nehme ich dann an michund Olivant;und verkünde in dem Lande,dass wir gesiegt haben,und ich Roland erschlug.Darüber freut sich immerdardie ganze arabische Welt.’20Roland war von den Seinen abgekommenso weit man mit einem Bogen schiessen kann,unter den Marmorsteinen;da wähnte der Heidedass er tod wäre.Da rührte sich der ruhmreiche Held nicht,bis ihm der Heide ganz nahe kam;empor zückte er das Horn,über den Helm schlug er ihn,dass ihm das Lebensblutaus den Augen sprang.Er sprach: ‘Verwünscht sollst du sein,dass du mir je so nahe zu kommen wagtest.Olivant ist zerschlagen!’Er erzürnte sehr heftig,10so redete er Durndart an:‘Da ich dich nun nicht länger führen soll,so wirst du nimmer mehr Menschen zu Schaden!’Das Schwert hob er empor,auf den Stein schlug er es;es that nicht dergleichen.Er schlug es wiederum daraufmit beiden Händen;das Schwert drehte er um,er versuchte es zehn mal.20Er sprach: ‘Liegest du an dem Meeresgrunde,dass du keinem Christenjemals mehr den Tod brächtest!Soll ein Heide dich führen,das will ich ewig Gott klagen!’Grimmig schlug er noch einmal.als das Schwert vor ihm Stand hieltohne Mal und ohne Scharte,da redete er wiederum zu Durndart:‘Ich kenne wohl deine Art,dass du nichts unterliessest,gegen wen ich dich auch führte,denen war der Tod bereitetso lange ich bei Kräften war.’

Roland kehrte gegen Spanienfern von den Erschlagenen;er setzte sich an einem Baume nieder,da konnte er kaum den Tod erwarten.In seiner einen Handtrug er das Horn Olivant,in der andern Durndart.Ein Heide beobachtete ihn:mit Blut bestrich er sich über und über,ganz heimlich schlich er ihm nach.10Da dachte der Heide:‘Unter diesen vier Steinenda erstirbt Roland;Durndart nehme ich dann an michund Olivant;und verkünde in dem Lande,dass wir gesiegt haben,und ich Roland erschlug.Darüber freut sich immerdardie ganze arabische Welt.’20Roland war von den Seinen abgekommenso weit man mit einem Bogen schiessen kann,unter den Marmorsteinen;da wähnte der Heidedass er tod wäre.Da rührte sich der ruhmreiche Held nicht,bis ihm der Heide ganz nahe kam;empor zückte er das Horn,über den Helm schlug er ihn,dass ihm das Lebensblutaus den Augen sprang.Er sprach: ‘Verwünscht sollst du sein,dass du mir je so nahe zu kommen wagtest.Olivant ist zerschlagen!’Er erzürnte sehr heftig,10so redete er Durndart an:‘Da ich dich nun nicht länger führen soll,so wirst du nimmer mehr Menschen zu Schaden!’Das Schwert hob er empor,auf den Stein schlug er es;es that nicht dergleichen.Er schlug es wiederum daraufmit beiden Händen;das Schwert drehte er um,er versuchte es zehn mal.20Er sprach: ‘Liegest du an dem Meeresgrunde,dass du keinem Christenjemals mehr den Tod brächtest!Soll ein Heide dich führen,das will ich ewig Gott klagen!’Grimmig schlug er noch einmal.als das Schwert vor ihm Stand hieltohne Mal und ohne Scharte,da redete er wiederum zu Durndart:‘Ich kenne wohl deine Art,dass du nichts unterliessest,gegen wen ich dich auch führte,denen war der Tod bereitetso lange ich bei Kräften war.’

Roland kehrte gegen Spanienfern von den Erschlagenen;er setzte sich an einem Baume nieder,da konnte er kaum den Tod erwarten.In seiner einen Handtrug er das Horn Olivant,in der andern Durndart.Ein Heide beobachtete ihn:mit Blut bestrich er sich über und über,ganz heimlich schlich er ihm nach.10Da dachte der Heide:‘Unter diesen vier Steinenda erstirbt Roland;Durndart nehme ich dann an michund Olivant;und verkünde in dem Lande,dass wir gesiegt haben,und ich Roland erschlug.Darüber freut sich immerdardie ganze arabische Welt.’20Roland war von den Seinen abgekommenso weit man mit einem Bogen schiessen kann,unter den Marmorsteinen;da wähnte der Heidedass er tod wäre.Da rührte sich der ruhmreiche Held nicht,bis ihm der Heide ganz nahe kam;empor zückte er das Horn,über den Helm schlug er ihn,dass ihm das Lebensblutaus den Augen sprang.Er sprach: ‘Verwünscht sollst du sein,dass du mir je so nahe zu kommen wagtest.Olivant ist zerschlagen!’Er erzürnte sehr heftig,10so redete er Durndart an:‘Da ich dich nun nicht länger führen soll,so wirst du nimmer mehr Menschen zu Schaden!’Das Schwert hob er empor,auf den Stein schlug er es;es that nicht dergleichen.Er schlug es wiederum daraufmit beiden Händen;das Schwert drehte er um,er versuchte es zehn mal.20Er sprach: ‘Liegest du an dem Meeresgrunde,dass du keinem Christenjemals mehr den Tod brächtest!Soll ein Heide dich führen,das will ich ewig Gott klagen!’Grimmig schlug er noch einmal.als das Schwert vor ihm Stand hieltohne Mal und ohne Scharte,da redete er wiederum zu Durndart:‘Ich kenne wohl deine Art,dass du nichts unterliessest,gegen wen ich dich auch führte,denen war der Tod bereitetso lange ich bei Kräften war.’

Roland kehrte gegen Spanien

fern von den Erschlagenen;

er setzte sich an einem Baume nieder,

da konnte er kaum den Tod erwarten.

In seiner einen Hand

trug er das Horn Olivant,

in der andern Durndart.

Ein Heide beobachtete ihn:

mit Blut bestrich er sich über und über,

ganz heimlich schlich er ihm nach.10

Da dachte der Heide:

‘Unter diesen vier Steinen

da erstirbt Roland;

Durndart nehme ich dann an mich

und Olivant;

und verkünde in dem Lande,

dass wir gesiegt haben,

und ich Roland erschlug.

Darüber freut sich immerdar

die ganze arabische Welt.’20

Roland war von den Seinen abgekommen

so weit man mit einem Bogen schiessen kann,

unter den Marmorsteinen;

da wähnte der Heide

dass er tod wäre.

Da rührte sich der ruhmreiche Held nicht,

bis ihm der Heide ganz nahe kam;

empor zückte er das Horn,

über den Helm schlug er ihn,

dass ihm das Lebensblut

aus den Augen sprang.

Er sprach: ‘Verwünscht sollst du sein,

dass du mir je so nahe zu kommen wagtest.

Olivant ist zerschlagen!’

Er erzürnte sehr heftig,10

so redete er Durndart an:

‘Da ich dich nun nicht länger führen soll,

so wirst du nimmer mehr Menschen zu Schaden!’

Das Schwert hob er empor,

auf den Stein schlug er es;

es that nicht dergleichen.

Er schlug es wiederum darauf

mit beiden Händen;

das Schwert drehte er um,

er versuchte es zehn mal.20

Er sprach: ‘Liegest du an dem Meeresgrunde,

dass du keinem Christen

jemals mehr den Tod brächtest!

Soll ein Heide dich führen,

das will ich ewig Gott klagen!’

Grimmig schlug er noch einmal.

als das Schwert vor ihm Stand hielt

ohne Mal und ohne Scharte,

da redete er wiederum zu Durndart:

‘Ich kenne wohl deine Art,

dass du nichts unterliessest,

gegen wen ich dich auch führte,

denen war der Tod bereitet

so lange ich bei Kräften war.’


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