DER STRICKER.[Scherer D.186, 225,E.176, 217.]Lebte in Österreich und dichtete zwischen 1225 und 1250. Unter seinen Werken ist ‘der Pfaffe Amis’, ein alter Eulenspiegel, am bekanntesten. Ausserdem sein ‘Daniel von Blumenthal’, nach dem Vorbild von Albrich von Besançon; ‘Karl’, eine Überarbeitung des Rolandsliedes vom Pfaffen Konrad, und kleine Erzählungen und Beispiele. ‘Kleinere Gedichte von dem Stricker’ herausgegeben von Hahn (Quedlinburg 1839); ‘vom Verfall der Dichtkunst in Österreich’ in Hagens Germania 2,82; ‘von den Gauhühnern’ in Pfeiffers Germania 6,457; der ‘Pfaffe Amis’ in Lambels ‘Erzählungen und Schwänke’ Nr. 1 (Leipzig 1872); ‘Karl der Grosse’ von Bartsch (Quedlinburg 1857).1.DERPFAFFEAMIS.Nû hœret waz im dô geschach.er kom da er einen probest sach,alwære und einvaltic,und was iedoch gewalticüber ein vil michel guot.dô riet dem phaffen sîn muot,möht er den betriegen,10daz wær ein nützez liegen:ez gülte im solhe miete,daz er sîn hûs berietezeinem halben jâre.an kleidern unde an hâreschuof sich der trügenæreAls er ein gebûr wære.. . . .. . . .da er den selben probest vant.der begunde in vrâgen zehant,war stüende sîn gemuot.‘ich bin ein man âne guot’,sprach der phaffe Âmîs;‘ouch stêt mîn muot ze solher wîsdaz ich niht wil nâch guote streben:wand ich wil âne sünde leben,unt wil unz an mîn ende10mîn herze unt mîne hendegegen gote bieten swenne ich mac,daz mir der ängestlîche tacze sælden müeze erschînen,sô got mit den sînendie sündære verteiletdi er nimmer mêr geheilet.’nû sprach der phaffe Âmîssô wîse wort in leien wîsdaz der probest selbe sprach20‘swaz ich leien ie gesach,so vernam ich nie sô wîsen niht.kunnet ir der buoche iht?’‘nein ich, herre,’ sprach er.‘sît gote willekomen her’,sprach der probest aber dô:triuwen, ich bin iuwer vrô.sît ir sô wîse rede gebetunt dar zuo âne sünde lebet,sô sult ir tuon des ich iuch bite:dâ wirt diz arm klôster mitegebezzert ein michel teil,unt wirt ouch iuwer sêle heil;daz ir hie bî uns belîbetund iuwer tage vertrîbetdie ir noch ze lebenne hât.ich hœre wol daz iuwer râtdiz klôster helfen sol:ir habet sô wîser sinne zol.’10dô sprach der phaffe Âmîs‘ich bin leider niht sô wîsals von rehte ein klôsterman,wan ich der phrüende niht enkansô wol gedienen als ich sol.’‘ir dienets’ ûzer mâze wol’,sprach der alwære:‘sît unser schaffære(dâ enscheide ich niht abe)über allez daz diz klôster habe20dâ ûze oder dâ inne,oder immer mê gewinne.daz gibich iu vür iuwer sünde,unt wil iwer urkündean dem jungisten tage sîn.dâ zuo besliuzet unsern schrîndâ unser silber inne lît.’dâ wider heter deheinen strît:er enphie daz amt iesâ.sus was der phaffe Âmîs dâwol vier wochen ode mê,daz des amtes sît noch ênie sô wol gephlegen wart.ez was sô rehte wol bewartdaz guot dâ mite er umbe gie,daz des jâhen alle die,die daz klôster hâte,an bû unde an râte10kunder nimmer wîser wesen,im möht diu sêle wol genesen,dô si gesâhen wes er phlac:sîn vaste diu was allen tac,und az et wazzer unde brôt;dar zuo leit er grôze nôtvon wachen unde von gebete.nuo hœret waz er tete.er vuort den probest besunder:‘ich wil iu sagen ein wunder’,20sprach der phaffe Âmîs,‘ir sît sô getriu und sô wîsdaz ichz iu wol tuon kunt.der engel ist nû drîstuntzuo mir komen dâ ich lacunde got ze vlêhen phlac:der sprichet zallen zîten,ich sül niht langer bîten,ich sül die messe singen:mir sül sô wol gelingen,30als ich daz messegewantan mich gelege, daz ich zehantder buoche ein wîser meister sî.nû râtet mir durch die namen drîwaz iuch dar umbe dunket guot.ich sagiu rehte mînen muot.ich versuocht ez gerne, meht ez sîn,sô niuwan iuwer unde mînin dem münster wære.wil unser schephæredaz ich diu buoch kunnen sol,daz kunnet ir vernemen wol.10ist daz ab ich betrogen bin,sô habet ir sô getriuwen sindaz ir mirz helfet verdagen.diz sult ir nieman sagen,unt sult swîgen durch got;ich würde anders gar ein spot,vernæme man daz mæredaz ich betrogen wære.’der probest sprach ‘des sît gewert:ich tuon vil gerne swes ir gert.20entriwen, wir sülnz versuochen.wir lesen an den buochenvon mangem der ze schuole nieweder halben tac noch ganzen gie,wan daz in got erkandeund im ze meister sandesînen geist der im in kurzer stuntalle wîsheit machte kunt.wil got, daz mac ouch hie geschehen.ist ez als ir mir habt verjehen,sô ist iu nütze unde guotdaz ir vil willeclîche tuotswaz der engel gebôt.’nû wart dem probest harte nôt10daz er in bereite dâ zuo.des anderen morgens vruovuort ern in daz münster hin,und beslôz die tür nâch in.dar nâch machter in bereit:er het im schiere an geleitdaz beste messegewant.dô huop der phaffe Âmîs zehantvon dem heilgen geiste, unde sancein messe schœne unde lanc.20dô der probest daz vernam,sîn herze in den gelouben quam,swaz er læse od sunge,daz ez mit alle erklungeûz des heilgen geistes munde;wand er niht enkunde,sô het er gesworen wol,er wær des heilgen geistes vol.do er gesanc unt gelasunz der messe ein ende was,dô vrâget er der mæreob diu messe rehte wære.der probest sprach ‘si ist sô guot,daz sich vröuwet mîn muotdeich künde iuwer ie gewan.ir sît ein heilic man.got hât grôz dinc durch iuch getân.nû sult ir mich durch got lân10in iuwerm gebete sîn.’‘ich tuon’ sprach er, ‘herre min.’der probest niht verdagte,er enbôt unde sagtediz mære swem er kunde.in einer kurzen stundekom wunder phaffen dâ hin.durch ir kärclîchen sinwolten si in versuochen.si begunden in von den buochen20starker mære vrâgen.des beschiet er si âne bâgen,unz si alle begunden jehen,si enheten gehôrt noch gesehendeheinen man sô wîsensô meister Âmîsen.sus macht er mangen affen.nuo seiten die phaffendaz mære iesâ zehantallenthalben in diu lant,daz Âmîs der schaffæreein heiliger phaffe wære;wan von gotes lêrewürde nie kein man sô sêremit dem heilgen geiste bevangen.geriten unt gegangenkômen die lantliute gelîche,beidiu arm unde rîche,10unt brâhten alle ir opher dar.daz werte vier wochen gar,daz er niuwan opher enphiencunt daz liute zuo giencbeidiu naht unde tac.dô diu zuovart gelac,nu wârn im tougenlîche bîsîner knappen zwêne oder drî.die hiez er daz si gâhtenund im diu ros brâhten.20des wurden si gemeit,und wâren der künfte gereit.si kômen an der selben naht.nû het er trunken gemahtbeidiu bruoder unde knehte,daz si lâgen rehteals ob si wæren erslagen.dô hiez der phaffe ûz tragensilber unde golt drâte,swaz man im gophert hâte,30daz des niht vergezzen wart.sus brâht er mit im an die vartwol zwei hundert marke.dô gâht er harte starkedaz er âne schaden hin quam.dô man daz mære vernam,dô wart der probest überladenmit grôzem zorne unde schaden;dar zuo leit er grôzen spot.die tumben liute lobten gotdaz im sô leide was geschehen10durch daz wan si in hôrten jehendaz sîn schaffæreein heilic phaffe wære.swaz dâ rede wart vernomen,doch was er wol hin komen.wolt ich die trügen alle sagendie er begienc bî sînen tagen,der würde mêr dan ze vil:durch daz ich michs mâzen wil.er was der êrste man20der solhes amptes ie began.Nun höret, was ihm da geschah.Er kam dahin, wo er einen Probst sah,albern und einfältig,und war doch mächtigüber ein sehr grosses Gut.Da rieth dem Pfaffen sein Sinn,könnte er den betrügen,10so wäre das ein nützliches Lügen:es gälte ihm solchen Lohn,dass er sein Haus versorgtefür ein halbes Jahr.An Kleidern und am Haarmachte sich der Betrüger,als ob er ein Bauer wäre.. . . .. . . .Als er denselbigen Probst fand,begann dieser ihn sogleich zu fragen,wonach sein Sinn stände.‘Ich bin ein Mann ohne Gut’,sprach der Pfaffe Amis;‘auch steht mein Sinn so,dass ich nicht will nach Gütern streben:denn ich will ohne Sünde leben,und will bis an mein Ende10mein Herz und meine Händezu Gott emporstrecken, so oft ich mag,damit mir der angstvolle Tagzum Heile erscheinen müsse,wenn Gott mit den Seinendie Sünder verurtheilet,die er nimmer errettet.’Nun sprach der Pfaffe Amisso weise Worte auf Laien Art,dass der Probst selbst sprach:20‘So viel der Laien ich je sah,so hört’ ich doch nie einen so weisen.Könnet ihr etwas von Büchern?’‘Nein, Herr,’ sprach er.‘Seid Gott willkommen hieher’,sprach der Probst da wieder.‘Fürwahr, ich bin eurer froh.Da ihr so weise Rede gebtund dazu ohne Sünde lebt,so sollt ihr thun, worum ich euch bitte:damit wird dies arme Klostersehr viel gebessert,und wird auch eurer Seele Heil:dass ihr hier bei uns bleibet,und eure Tage hier verlebt,die ihr noch zu leben habt.Ich sehe wohl, dass euer Rathdiesem Kloster nützen wird:ihr habt die Gabe von so weisen Sinnen.’10Da sprach der Pfaffe Amis:‘Ich bin leider nicht so weise,wie ein Klostermann von rechtswegen sein sollte,so dass ich die Pfründe nichtso gut verdienen kann, als ich sollte.’‘Ihr verdient es ausnehmend wohl’,sprach der Alberne:‘Seid unser Schaffner(davon stehe ich nicht ab)über Alles was dies Kloster hat20draussen oder drinnen,oder jemals gewinne.Das geb ich euch für eure Sünden,und will euer Zeugeam jüngsten Tage sein.Dazu verschliesset unsern Schrank,wo unser Silber drinnen liegt.’Dagegen hatte er keinen Streit:er empfieng das Amt sogleich.So war der Pfaffe Amis dawohl vier Wochen oder mehr,so dass des Amtes weder seither noch früherje so wohl gepflogen ward.Es war so recht wohl bewahrtdas Gut, womit er umgieng,dass es alle die sagten,welche das Kloster hatte,in der Verwaltung und im Rathe10könnte er weiser gar nicht sein;ihm würde die Seele wohl gedeihn,da sie sahen, was er that;sein Fasten war jeden Tag,und ass er nur Wasser und Brot;dazu litt er grosse Nothvom Wachen und vom Beten.Nun höret, was er that.Er führte den Probst abseits:‘Ich will euch ein Wunder sagen’,20sprach der Pfaffe Amis:‘Ihr seid so getreu und weise,dass ichs euch wohl kund thue.Der Engel ist nun drei Malzu mir gekommen, wo ich lagund Gott zu bitten pflegte.Der spricht zu allen Zeiten,ich soll nicht länger warten,ich soll die Messe singen:mir soll es so wohl gelingen,30sobald als ich das Messgewandanlege, dass ich sogleichein weiser Meister in den Büchern sei.Nun rathet mir bei den drei Namen,was euch darüber gut dünkt.Ich sage euch recht meinen Sinn:ich versuchte es gern, wenn es sein könnte,dass Niemand ausser euch und mirin dem Münster wäre.Will unser Schöpfer,dass ich die Bücher verstehen soll,das könnt ihr wohl sehn.10Ist es aber, dass ich betrogen bin,so habt ihr so treuen Sinn,dass ihr es mir verbergen helft.Dies sollt ihr Niemand sagenund sollt schweigen um Gottes Willen:ich würde sonst gar zum Spottvernähme man die Kunde,dass ich betrogen sei.’Der Probst sprach: ‘Seid dessen versichert:ich thue sehr gern, was ihr begehrt.20Fürwahr, wir wollen es versuchen.Wir lesen in den Büchernvon Manchem, der nie zur Schuleeinen halben Tag noch einen ganzen gieng,nur dass ihn Gott erkannteund ihm als Lehrer sandteseinen Geist, der ihm in kurzer Fristalle Weisheit kund machte.Will es Gott, das mag auch hier geschehen.Ist es so, wie ihr mir sagt,so ist es euch nütze und gut,dass ihr ganz willig thut,was der Engel gebot.’Nun ward es dem Probst sehr eilig,10dass er ihn dazu vorbereite.Des andern Morgens frühführte er ihn in den Münster hin,und schloss die Thür nach ihm.Danach machte er ihn bereit:er hatte ihm schnell angelegtdas beste Messgewand.Da begann der Pfaffe Amis sogleichvon dem Heiligen Geist und sangeine Messe, schön und lang.20Als der Probst das vernahm,da kam sein Herz zu dem Glauben,dass, was er lese und singe,durchaus erklingeaus des Heiligen Geistes Munde;da er (Amis) nichts gelernt hatte,so hätte er wohl geschworen,er wäre des Heiligen Geistes voll.Als er gesungen und gelesen,bis der Messe ein Ende war,da fragte er danach,ob die Messe richtig wäre.Der Probst sprach: ‘Sie ist so gut,dass sich mein Herz freut,dass ich jemals von euch Kunde erhielt.Ihr seid ein heiliger Mann,Gott hat grosse Dinge durch euch gethan.Nun sollt ihr mich um Gottes Willen10in euerm Gebet sein lassen.’‘Ich thue es’, sprach er, ‘mein Herr.’Der Probst verschwieg nichts,er entbot und sagtedie Märe, wem er konnte.In einer kurzen Zeitkamen viele Pfaffen dahin:durch ihre Schlauheitwollten sie ihn versuchen.Sie begannen ihn nach den Büchern20grosser Kunde zu fragen.Er gab ihnen darauf Bescheid ohne Widerrede,bis sie alle zu sagen anfiengen,sie hätten weder gehört noch gesehnirgend einen Mann so weiseals Meister Amis.So machte er manchen zum Narren.Nun sagten die Pfaffendie Geschichte sogleichallenthalben in den Landen,dass Amis, der Schaffner,ein heiliger Pfaffe wäre;durch Gottes Lehrewäre nie ein Mann so sehrmit dem Heiligen Geist begabt worden.Geritten und gegangenkamen die Leute gleich,arme und reiche,10und brachten alle ihr Opfer dar.Das währte gar vier Wochen,dass er nichts als Opfer empfieng,und die Leute herbeikamenTag und Nacht.Als der Zudrang sich legte,da waren bei ihm heimlichzwei oder drei seiner Knappen.Denen befahl er, dass sie eiltenund ihm die Pferde brächten.20Des wurden sie froh,und waren bereit zu kommen.Sie kamen in derselben Nacht.Nun hatte er trunken gemachtdie Brüder und die Diener,dass sie da lagen gerade,als ob sie erschlagen wären.Da hiess der Pfaffe heraustragenschnell Silber und Gold,Alles was man ihm dargebracht hatte,30dass davon nichts vergessen ward.So bracht’ er mit sich auf die Fahrtwohl zweihundert Mark.Da eilte er sehr stark,dass er ohne Schaden hinweg kam.Als man die Geschichte gewahr ward,da ward der Probst schwer beladenmit grossem Zorn und Schaden;dazu erlitt er grossen Spott.Die dummen Leute lobten Gott,dass ihm solches Leid geschehn10davon, dass sie ihn sagen hörten,dass sein Schaffnerein heiliger Pfaffe sei.So viel Rede man da hörte,doch war er wohl hinweggekommen.Wollte ich all die Betrügereien sagen,die er in seinen Lebtagen begieng,davon würde es mehr als zuviel:deshalb will ich mich dessen enthalten.Er war der erste Mann,20der solches Geschäft je anfieng.2.DAS MÆRE VON DENGAUHÜHNERN.Ez was hie vor ein burcstat,diu machte manegen riter mat.ein riter wolte drûffe wesenund wânde dâ vil wol genesen:er bowete dâ ein vestesô ers aller bestedrûffe gemachen kunde.in einer kurzen stundewarf si diu ertbibe nider.dô bowete er aber hin widerund verlôs ab sîne habe:si brante im der doner abe.10sus wart er dicke hûslôs.swie manic hûs er dâ verlôs,so geviel im doch daz wesen dâbaz danne iender anderswâ:er bowete ie baz unde baz.alsô lange tet er dazdaz er sîn guot verzerteund sich diu stat erwertedaz si ze jungest œde beleipund ouch den riter dâ vertreip20und vertreip vil manegen sît.nû habent gnuoge den strîtdaz si dar ûf bouwent noch,und erwert si sich in allen doch.Diu stat lât iu sîn bekant:si ist daz göuwe genant.die des geniezen woltenfür baz dan si soltenund dar ûf bouweten vesteund der ie wurden geste,der ist gewesen harte vil.swer ûf daz göuwe zimbern wilder hât vil schiere bejagetdaz man zallen zîten klagetdem landesherren über in.ze jungist sendet er dâ hinund heizet daz hûs brechen.sus kan sich daz göu rechen.dâ ist des herren gwalt10zuo der ertbibe gezalt.der herre schadet noch für baz.diu ertbibe leibet etwaz,so enleibent des herren boten niht:daz beste daz von in geschihtsô si daz göu rechent,ob si daz hûs niht brechent,sô wirt iz doch von in verbrant.dâ hât der donr dar gesantdaz fiwer daz alsô rihtet20und die krumben voite slihtet.daz göu hât sô grôze kraft,an im wirt nieman sigehaft:ez pflag ie des ez immer pfligetdaz ez in allen angesiget,die ez niezen wellent âne reht.ez sî riter oder kneht,der muot dar ûf ze hûsen hât,der sehe wie Kirchelinge stât:daz stiezen göuhüenre nider.den göuhüenren ist niht wider,die heten ie vil grôzen prîs.si lâzent rehte in tracken wîsdaz fiwer ûz dem munde gân.10in enmac ein burc niht vor gestân:ders ungenædic wellent wesendiu ist vor in vil ungenesen.ir stimme ist ein donrslac,si schrîent daz manz hœren macin dem lande über al.ir zorn machet bürge val:swie grôze veste ein burc habe,si brennents oder stôzents abe,alss Kirchelinge tâten.20man mags ungerne brâten,sît si sich alsô rechentdazs bürge nider brechent.swie œde Kirchelinge stê,der hiuse ist z’Œsterrîche mêdiez göu hât zebrochen.er hât sich sô gerochendaz sis noch alle enkoltendiez göu twingen wolten.Swer muot ze stæten dingen hâtder neme die niht an sînen râtdie in ûf daz göu reizenund in daz niezen heizen10und sprechen durch ir geslende‘herre, ir sît ellendein iuwer besten künde.daz ist ein michel sünde:ir gebâret rehte in gastes wîs.welt ir gwinnen grôzen prîs,sô erzeiget iuch des muotesdaz ir lîbes unde guotesein meister unde ein herre sît,und machet iwern gwalt wît.20habt riterlîchen mannes muot,lât iu dienen liute und guotin der gegende swes ez sî:des enlâzet ir deheinen vrî.ez kumet vil schiere an die vristdaz daz ir beste vreude istdaz si iwer hulde müezen hânund sint iu gerne undertân.sô fürhtent die rîchen iwer kraft,die armen sint iu diensthaft.wir kunnen mit gefüegen dingendie liute wol dar zuo bringendaz si iu dienent alle tagemit guotem willen âne klage.10swaz wir mit guoten minnennoch hiure ab in gewinnen,daz müezens ouch ze jâre geben:da geturrens nimmer wider streben,sô müezen siz ouch iemer tuon,swer iu hiure gît ein huon,der gît iu âne geschreize jâre driu ode zwei.sô wehset iemer mêreiwer frum und iwer êre20und werdet werder danne ê.swelich gebûre iu wider stê,den gewinnet zeinem muntman.swaz er geleisten danne kan,daz ist iemer iwer eigen.sus sult irs alle neigenmit listen unde mit gewalt,sus werdet ir mit êren alt.’Die ir herren alsô heizent leben,daz sint verworhte râtgeben:die enhânt nicht willen wan der zuodaz er sîn guot mit in vertuo.des æhtent si âne mâze,si swelhen und si vrâze.swie vaste si ûf daz göu strebenund niht wan roubes wellen leben,10si erkennent niht des göuwes kraftund der göuhüenre meisterschaft.diu kluckent etlîchem abeden hals und alle sîne habe,der gar wil sîn ein göustrûz.si kluckent manegem d’ougen ûzund füeze abe und hende.sô dôwent si daz geslende.swelch herre ir râte volgen wilder gwinnet vînde harte vil,20daz im diu hüenre werdent sûr,sînen ieglich sîn nâchgebûrsînen dienest widersagetund dem landesherren über in klaget.daz ist der göuhüenre geschrei.sô machent driu ode zweidaz er muoz suochen einen tac,dâ er niht über werden mac,ezn müeze in kosten zehen pfunt.dâ sint diu hüenre ungesunt.daz muoz er von den rîchen hân,den er daz laster hât getân.noch sint die armen übersehen,den der schade ist geschehen.10ê er den und gote gebüeze,im wirt der hüenre süezeein sô bitterlîchiu siuredaz si in dunkent ungehiure.Es war vordem ein Bauplatz für eine Burg,der setzte manchen Ritter matt.Ein Ritter wollte sich darauf niederlassenund hoffte dort sehr wohl zu fahren:er baute da eine Feste,so gut er sie daraufnur anlegen konnte.Nach kurzer Zeitwarf sie ein Erdbeben nieder.Da baute er eine zweite dahinund verlor wiederum Hab und Gut:ein Blitzstrahl äscherte sie ein.10So ward er wiederholt häuserlos.Wie manches Haus er auch da verlor,so gefiel ihm doch der Aufenthalt dabesser, als irgend wo anders:er baute immer mehr und mehr.Also lange that er das,bis er sein Gut verzehrte,während sich die Stätte behauptete,so dass sie zuletzt öde bliebund auch den Ritter vertrieb,20und vertrieb noch manchen seitdem.Auch jetzt noch bemühen sich genug,darauf zu bauen,aber sie erwehrt sich ihrer aller.Lasst euch die Stätte nennen:sie heisst der Gau.Die den mehr ausnützen wollten,als sie sollten,und darauf Burgen bautenund die stäts wieder verlassen, mussten.derer sind sehr viele gewesen.Wer auf dem Gau zimmern will,der hat sehr schnell erzielt,dass man jeder Zeit über ihnbei dem Landesherrn Klage führt.Schliesslich sendet der (seine Leute) hinund lässt das Haus brechen.So kann der Gau sich rächen.Vorhin wurde des Herren Gewalt10mit einem Erdbeben verglichen.Der Herr schadet aber noch viel mehr.Das Erdbeben schont doch noch etwas,das aber thun des Herren Boten nicht:das mindeste das von ihnen geschieht,wenn sie den Gau rächen,ist, wenn sie das Haus nicht niederbrechen,dass es von ihnen verbrannt wird.Dort hat der Blitzstrahl hingesandtdas Feuer, das also richtet20und die falschen Vögte auf den rechten Weg bringt.Der Gau hat so grosse Gewalt,über ihn erringt niemand den Sieg:es pflegte noch stäts und pflegt auch heut’über alle den Sieg davonzutragen,die ihn wider Recht ausnützen wollen.Sei es Ritter oder Knecht,wer Absicht hat darin zu hausen,der sehe, wie es mit Kirchlingen steht:das stiessen die Gauhühner nieder;den Gauhühnern widersteht nichts,die hatten immer sehr grossen Ruhm.Sie lassen ganz nach DrachenartFeuer aus ihrem Munde gehn.10Vor ihnem kann keine Burg bestehn:mit der sie es nicht gnädig machen wollen,die ist vor ihnen unrettbar verloren.Ihre Stimme ist ein Donnerschlag,sie schreien, dass man sie hören kannin dem Lande überall.Ihr Zorn bringt die Burgen zu Fall:Wie starke Befestigungen eine Burg auch habe,sie brennen oder stossen sie nieder,wie sie an Kirchlingen gethan.20Man wird sie lieber nicht braten,da sie sich so kräftig rächen,dass sie die Burgen niederbrechen.Wenn Kirchlingen verödet liegt,so sind der Häuser in Österreich mehr,die der Gau gefällt hat.Er hat sich so gerächt,dass sie es noch jeder Zeit entgolten haben,die den Gau zwingen wollten.Wer an gesicherten Verhältnissen Gefallen hat,der nehme die nicht zu Berathern,die ihn gegen den Gau aufreizenund ihn den auszupressen auffordern10und ihrer Schlemmerei zu Liebe sprechen:‘Herr, ihr seid ausgestossenaus eurer eigensten Heimat.Das ist eine wahre Sünde:ihr lebt ganz wie ein fremder Gast.Wollt ihr grossen Ruhm gewinnen,so bethätigt eure Gesinnung,dass ihr über Leib und GutMeister und Herr seidund erweitert eure Gewalt.20Zeigt ritterlichen Mannes Muth,lasst euch in der ganzen Landschaft Leute und Gutdienen gleichviel, wem es angehört:befreit keinen davon.Bald kommt es dann so weit,dass das ihre höchste Freude ist,wenn sie eure Huld besitzen,und dass sie euch gerne untergeben sind.Dann fürchten die Mächtigen eure Kraftund die Armen sind euch dienstbar.Wir wissen Mittel und Wege,die Leute dahin zu bringen,dass sie euch tagtäglichgutwillig ohne Klage dienen.10Was wir ihnen heuer nochin Liebe abgewinnen,das müssen sie auch übers Jahr geben:da wagen sie nicht mehr zu widerstreben,und dann müssen sie’s auch immer thun.Wer euch heuer ein Huhn giebt,der giebt euch ohne Geschreiübers Jahr zwei oder drei.So wächst dann mehr und mehreuer Nutzen und eure Ehre20und ihr werdet angesehener als vordem.Wenn euch ein Bauer Widerstand leistet,so gewinnt ihn zu eurem Schützling (Clienten).Was er dann erarbeiten kann,das ist immer euer eigen.So sollt ihr alle unter euer Joch beugenmit List oder mit Gewalt.Dann werdet ihr mit Ehren alt.’Die ihren Herren ein solches Leben empfehlen,das sind verwünschte Rathgeber:die haben damit keinen andern Zweck im Auge,als dass er sein Gut mit ihnen verthun soll.Das verfolgen sie masslos,die Prasser und Fresser!Wie sehr sie auch den Besitz des Gaus erstrebenund von nichts als Raub leben wollen,10so kennen sie doch nicht des Gaues Kraftund der Gauhühner Meisterschaft.Die brechen gar manchemden Hals und bringen ihn um sein Gut,der durchaus ein Gaustrauss sein will.Sie reissen manchem die Augen ausund Füsse und Hände ab.So verdauen sie das Geschmauste.Der Herr, der ihrem Rathe folgen will,der erwirbt sich viel Feinde,20wenn ihm die Hühner aufsessig werden,so dass ihm alle seine Nachbarnihren Dienst aufsagenund beim Landesherren über ihn Klage führen.Das ist der Gauhühner Geschrei;dann bewirken zwei oder drei,dass er einen Ausgleich suchen muss,wo es ihm nicht erspart bleibt,dass er zehen Pfund Strafe zahlen muss.Dann sind die Hühner ungesund.Das muss er von den Mächtigen hinnehmen,denen er den Schimpf angethan.Noch aber sind die Armen übersehen,denen auch Schade geschehen ist.10Eh er vor denen und Gott sich rechtfertigt,verwandelt sich ihm der Hühner Süssigkeitin so bittere Säure,dass sie ihm unlieblich erscheinen.
DER STRICKER.
[Scherer D.186, 225,E.176, 217.]
Lebte in Österreich und dichtete zwischen 1225 und 1250. Unter seinen Werken ist ‘der Pfaffe Amis’, ein alter Eulenspiegel, am bekanntesten. Ausserdem sein ‘Daniel von Blumenthal’, nach dem Vorbild von Albrich von Besançon; ‘Karl’, eine Überarbeitung des Rolandsliedes vom Pfaffen Konrad, und kleine Erzählungen und Beispiele. ‘Kleinere Gedichte von dem Stricker’ herausgegeben von Hahn (Quedlinburg 1839); ‘vom Verfall der Dichtkunst in Österreich’ in Hagens Germania 2,82; ‘von den Gauhühnern’ in Pfeiffers Germania 6,457; der ‘Pfaffe Amis’ in Lambels ‘Erzählungen und Schwänke’ Nr. 1 (Leipzig 1872); ‘Karl der Grosse’ von Bartsch (Quedlinburg 1857).
Lebte in Österreich und dichtete zwischen 1225 und 1250. Unter seinen Werken ist ‘der Pfaffe Amis’, ein alter Eulenspiegel, am bekanntesten. Ausserdem sein ‘Daniel von Blumenthal’, nach dem Vorbild von Albrich von Besançon; ‘Karl’, eine Überarbeitung des Rolandsliedes vom Pfaffen Konrad, und kleine Erzählungen und Beispiele. ‘Kleinere Gedichte von dem Stricker’ herausgegeben von Hahn (Quedlinburg 1839); ‘vom Verfall der Dichtkunst in Österreich’ in Hagens Germania 2,82; ‘von den Gauhühnern’ in Pfeiffers Germania 6,457; der ‘Pfaffe Amis’ in Lambels ‘Erzählungen und Schwänke’ Nr. 1 (Leipzig 1872); ‘Karl der Grosse’ von Bartsch (Quedlinburg 1857).
Nû hœret waz im dô geschach.er kom da er einen probest sach,alwære und einvaltic,und was iedoch gewalticüber ein vil michel guot.dô riet dem phaffen sîn muot,möht er den betriegen,10daz wær ein nützez liegen:ez gülte im solhe miete,daz er sîn hûs berietezeinem halben jâre.an kleidern unde an hâreschuof sich der trügenæreAls er ein gebûr wære.. . . .. . . .da er den selben probest vant.der begunde in vrâgen zehant,war stüende sîn gemuot.‘ich bin ein man âne guot’,sprach der phaffe Âmîs;‘ouch stêt mîn muot ze solher wîsdaz ich niht wil nâch guote streben:wand ich wil âne sünde leben,unt wil unz an mîn ende10mîn herze unt mîne hendegegen gote bieten swenne ich mac,daz mir der ängestlîche tacze sælden müeze erschînen,sô got mit den sînendie sündære verteiletdi er nimmer mêr geheilet.’nû sprach der phaffe Âmîssô wîse wort in leien wîsdaz der probest selbe sprach20‘swaz ich leien ie gesach,so vernam ich nie sô wîsen niht.kunnet ir der buoche iht?’‘nein ich, herre,’ sprach er.‘sît gote willekomen her’,sprach der probest aber dô:triuwen, ich bin iuwer vrô.sît ir sô wîse rede gebetunt dar zuo âne sünde lebet,sô sult ir tuon des ich iuch bite:dâ wirt diz arm klôster mitegebezzert ein michel teil,unt wirt ouch iuwer sêle heil;daz ir hie bî uns belîbetund iuwer tage vertrîbetdie ir noch ze lebenne hât.ich hœre wol daz iuwer râtdiz klôster helfen sol:ir habet sô wîser sinne zol.’10dô sprach der phaffe Âmîs‘ich bin leider niht sô wîsals von rehte ein klôsterman,wan ich der phrüende niht enkansô wol gedienen als ich sol.’‘ir dienets’ ûzer mâze wol’,sprach der alwære:‘sît unser schaffære(dâ enscheide ich niht abe)über allez daz diz klôster habe20dâ ûze oder dâ inne,oder immer mê gewinne.daz gibich iu vür iuwer sünde,unt wil iwer urkündean dem jungisten tage sîn.dâ zuo besliuzet unsern schrîndâ unser silber inne lît.’dâ wider heter deheinen strît:er enphie daz amt iesâ.sus was der phaffe Âmîs dâwol vier wochen ode mê,daz des amtes sît noch ênie sô wol gephlegen wart.ez was sô rehte wol bewartdaz guot dâ mite er umbe gie,daz des jâhen alle die,die daz klôster hâte,an bû unde an râte10kunder nimmer wîser wesen,im möht diu sêle wol genesen,dô si gesâhen wes er phlac:sîn vaste diu was allen tac,und az et wazzer unde brôt;dar zuo leit er grôze nôtvon wachen unde von gebete.nuo hœret waz er tete.er vuort den probest besunder:‘ich wil iu sagen ein wunder’,20sprach der phaffe Âmîs,‘ir sît sô getriu und sô wîsdaz ichz iu wol tuon kunt.der engel ist nû drîstuntzuo mir komen dâ ich lacunde got ze vlêhen phlac:der sprichet zallen zîten,ich sül niht langer bîten,ich sül die messe singen:mir sül sô wol gelingen,30als ich daz messegewantan mich gelege, daz ich zehantder buoche ein wîser meister sî.nû râtet mir durch die namen drîwaz iuch dar umbe dunket guot.ich sagiu rehte mînen muot.ich versuocht ez gerne, meht ez sîn,sô niuwan iuwer unde mînin dem münster wære.wil unser schephæredaz ich diu buoch kunnen sol,daz kunnet ir vernemen wol.10ist daz ab ich betrogen bin,sô habet ir sô getriuwen sindaz ir mirz helfet verdagen.diz sult ir nieman sagen,unt sult swîgen durch got;ich würde anders gar ein spot,vernæme man daz mæredaz ich betrogen wære.’der probest sprach ‘des sît gewert:ich tuon vil gerne swes ir gert.20entriwen, wir sülnz versuochen.wir lesen an den buochenvon mangem der ze schuole nieweder halben tac noch ganzen gie,wan daz in got erkandeund im ze meister sandesînen geist der im in kurzer stuntalle wîsheit machte kunt.wil got, daz mac ouch hie geschehen.ist ez als ir mir habt verjehen,sô ist iu nütze unde guotdaz ir vil willeclîche tuotswaz der engel gebôt.’nû wart dem probest harte nôt10daz er in bereite dâ zuo.des anderen morgens vruovuort ern in daz münster hin,und beslôz die tür nâch in.dar nâch machter in bereit:er het im schiere an geleitdaz beste messegewant.dô huop der phaffe Âmîs zehantvon dem heilgen geiste, unde sancein messe schœne unde lanc.20dô der probest daz vernam,sîn herze in den gelouben quam,swaz er læse od sunge,daz ez mit alle erklungeûz des heilgen geistes munde;wand er niht enkunde,sô het er gesworen wol,er wær des heilgen geistes vol.do er gesanc unt gelasunz der messe ein ende was,dô vrâget er der mæreob diu messe rehte wære.der probest sprach ‘si ist sô guot,daz sich vröuwet mîn muotdeich künde iuwer ie gewan.ir sît ein heilic man.got hât grôz dinc durch iuch getân.nû sult ir mich durch got lân10in iuwerm gebete sîn.’‘ich tuon’ sprach er, ‘herre min.’der probest niht verdagte,er enbôt unde sagtediz mære swem er kunde.in einer kurzen stundekom wunder phaffen dâ hin.durch ir kärclîchen sinwolten si in versuochen.si begunden in von den buochen20starker mære vrâgen.des beschiet er si âne bâgen,unz si alle begunden jehen,si enheten gehôrt noch gesehendeheinen man sô wîsensô meister Âmîsen.sus macht er mangen affen.nuo seiten die phaffendaz mære iesâ zehantallenthalben in diu lant,daz Âmîs der schaffæreein heiliger phaffe wære;wan von gotes lêrewürde nie kein man sô sêremit dem heilgen geiste bevangen.geriten unt gegangenkômen die lantliute gelîche,beidiu arm unde rîche,10unt brâhten alle ir opher dar.daz werte vier wochen gar,daz er niuwan opher enphiencunt daz liute zuo giencbeidiu naht unde tac.dô diu zuovart gelac,nu wârn im tougenlîche bîsîner knappen zwêne oder drî.die hiez er daz si gâhtenund im diu ros brâhten.20des wurden si gemeit,und wâren der künfte gereit.si kômen an der selben naht.nû het er trunken gemahtbeidiu bruoder unde knehte,daz si lâgen rehteals ob si wæren erslagen.dô hiez der phaffe ûz tragensilber unde golt drâte,swaz man im gophert hâte,30daz des niht vergezzen wart.sus brâht er mit im an die vartwol zwei hundert marke.dô gâht er harte starkedaz er âne schaden hin quam.dô man daz mære vernam,dô wart der probest überladenmit grôzem zorne unde schaden;dar zuo leit er grôzen spot.die tumben liute lobten gotdaz im sô leide was geschehen10durch daz wan si in hôrten jehendaz sîn schaffæreein heilic phaffe wære.swaz dâ rede wart vernomen,doch was er wol hin komen.wolt ich die trügen alle sagendie er begienc bî sînen tagen,der würde mêr dan ze vil:durch daz ich michs mâzen wil.er was der êrste man20der solhes amptes ie began.
Nû hœret waz im dô geschach.er kom da er einen probest sach,alwære und einvaltic,und was iedoch gewalticüber ein vil michel guot.dô riet dem phaffen sîn muot,möht er den betriegen,10daz wær ein nützez liegen:ez gülte im solhe miete,daz er sîn hûs berietezeinem halben jâre.an kleidern unde an hâreschuof sich der trügenæreAls er ein gebûr wære.. . . .. . . .da er den selben probest vant.der begunde in vrâgen zehant,war stüende sîn gemuot.‘ich bin ein man âne guot’,sprach der phaffe Âmîs;‘ouch stêt mîn muot ze solher wîsdaz ich niht wil nâch guote streben:wand ich wil âne sünde leben,unt wil unz an mîn ende10mîn herze unt mîne hendegegen gote bieten swenne ich mac,daz mir der ängestlîche tacze sælden müeze erschînen,sô got mit den sînendie sündære verteiletdi er nimmer mêr geheilet.’nû sprach der phaffe Âmîssô wîse wort in leien wîsdaz der probest selbe sprach20‘swaz ich leien ie gesach,so vernam ich nie sô wîsen niht.kunnet ir der buoche iht?’‘nein ich, herre,’ sprach er.‘sît gote willekomen her’,sprach der probest aber dô:triuwen, ich bin iuwer vrô.sît ir sô wîse rede gebetunt dar zuo âne sünde lebet,sô sult ir tuon des ich iuch bite:dâ wirt diz arm klôster mitegebezzert ein michel teil,unt wirt ouch iuwer sêle heil;daz ir hie bî uns belîbetund iuwer tage vertrîbetdie ir noch ze lebenne hât.ich hœre wol daz iuwer râtdiz klôster helfen sol:ir habet sô wîser sinne zol.’10dô sprach der phaffe Âmîs‘ich bin leider niht sô wîsals von rehte ein klôsterman,wan ich der phrüende niht enkansô wol gedienen als ich sol.’‘ir dienets’ ûzer mâze wol’,sprach der alwære:‘sît unser schaffære(dâ enscheide ich niht abe)über allez daz diz klôster habe20dâ ûze oder dâ inne,oder immer mê gewinne.daz gibich iu vür iuwer sünde,unt wil iwer urkündean dem jungisten tage sîn.dâ zuo besliuzet unsern schrîndâ unser silber inne lît.’dâ wider heter deheinen strît:er enphie daz amt iesâ.sus was der phaffe Âmîs dâwol vier wochen ode mê,daz des amtes sît noch ênie sô wol gephlegen wart.ez was sô rehte wol bewartdaz guot dâ mite er umbe gie,daz des jâhen alle die,die daz klôster hâte,an bû unde an râte10kunder nimmer wîser wesen,im möht diu sêle wol genesen,dô si gesâhen wes er phlac:sîn vaste diu was allen tac,und az et wazzer unde brôt;dar zuo leit er grôze nôtvon wachen unde von gebete.nuo hœret waz er tete.er vuort den probest besunder:‘ich wil iu sagen ein wunder’,20sprach der phaffe Âmîs,‘ir sît sô getriu und sô wîsdaz ichz iu wol tuon kunt.der engel ist nû drîstuntzuo mir komen dâ ich lacunde got ze vlêhen phlac:der sprichet zallen zîten,ich sül niht langer bîten,ich sül die messe singen:mir sül sô wol gelingen,30als ich daz messegewantan mich gelege, daz ich zehantder buoche ein wîser meister sî.nû râtet mir durch die namen drîwaz iuch dar umbe dunket guot.ich sagiu rehte mînen muot.ich versuocht ez gerne, meht ez sîn,sô niuwan iuwer unde mînin dem münster wære.wil unser schephæredaz ich diu buoch kunnen sol,daz kunnet ir vernemen wol.10ist daz ab ich betrogen bin,sô habet ir sô getriuwen sindaz ir mirz helfet verdagen.diz sult ir nieman sagen,unt sult swîgen durch got;ich würde anders gar ein spot,vernæme man daz mæredaz ich betrogen wære.’der probest sprach ‘des sît gewert:ich tuon vil gerne swes ir gert.20entriwen, wir sülnz versuochen.wir lesen an den buochenvon mangem der ze schuole nieweder halben tac noch ganzen gie,wan daz in got erkandeund im ze meister sandesînen geist der im in kurzer stuntalle wîsheit machte kunt.wil got, daz mac ouch hie geschehen.ist ez als ir mir habt verjehen,sô ist iu nütze unde guotdaz ir vil willeclîche tuotswaz der engel gebôt.’nû wart dem probest harte nôt10daz er in bereite dâ zuo.des anderen morgens vruovuort ern in daz münster hin,und beslôz die tür nâch in.dar nâch machter in bereit:er het im schiere an geleitdaz beste messegewant.dô huop der phaffe Âmîs zehantvon dem heilgen geiste, unde sancein messe schœne unde lanc.20dô der probest daz vernam,sîn herze in den gelouben quam,swaz er læse od sunge,daz ez mit alle erklungeûz des heilgen geistes munde;wand er niht enkunde,sô het er gesworen wol,er wær des heilgen geistes vol.do er gesanc unt gelasunz der messe ein ende was,dô vrâget er der mæreob diu messe rehte wære.der probest sprach ‘si ist sô guot,daz sich vröuwet mîn muotdeich künde iuwer ie gewan.ir sît ein heilic man.got hât grôz dinc durch iuch getân.nû sult ir mich durch got lân10in iuwerm gebete sîn.’‘ich tuon’ sprach er, ‘herre min.’der probest niht verdagte,er enbôt unde sagtediz mære swem er kunde.in einer kurzen stundekom wunder phaffen dâ hin.durch ir kärclîchen sinwolten si in versuochen.si begunden in von den buochen20starker mære vrâgen.des beschiet er si âne bâgen,unz si alle begunden jehen,si enheten gehôrt noch gesehendeheinen man sô wîsensô meister Âmîsen.sus macht er mangen affen.nuo seiten die phaffendaz mære iesâ zehantallenthalben in diu lant,daz Âmîs der schaffæreein heiliger phaffe wære;wan von gotes lêrewürde nie kein man sô sêremit dem heilgen geiste bevangen.geriten unt gegangenkômen die lantliute gelîche,beidiu arm unde rîche,10unt brâhten alle ir opher dar.daz werte vier wochen gar,daz er niuwan opher enphiencunt daz liute zuo giencbeidiu naht unde tac.dô diu zuovart gelac,nu wârn im tougenlîche bîsîner knappen zwêne oder drî.die hiez er daz si gâhtenund im diu ros brâhten.20des wurden si gemeit,und wâren der künfte gereit.si kômen an der selben naht.nû het er trunken gemahtbeidiu bruoder unde knehte,daz si lâgen rehteals ob si wæren erslagen.dô hiez der phaffe ûz tragensilber unde golt drâte,swaz man im gophert hâte,30daz des niht vergezzen wart.sus brâht er mit im an die vartwol zwei hundert marke.dô gâht er harte starkedaz er âne schaden hin quam.dô man daz mære vernam,dô wart der probest überladenmit grôzem zorne unde schaden;dar zuo leit er grôzen spot.die tumben liute lobten gotdaz im sô leide was geschehen10durch daz wan si in hôrten jehendaz sîn schaffæreein heilic phaffe wære.swaz dâ rede wart vernomen,doch was er wol hin komen.wolt ich die trügen alle sagendie er begienc bî sînen tagen,der würde mêr dan ze vil:durch daz ich michs mâzen wil.er was der êrste man20der solhes amptes ie began.
Nû hœret waz im dô geschach.er kom da er einen probest sach,alwære und einvaltic,und was iedoch gewalticüber ein vil michel guot.dô riet dem phaffen sîn muot,möht er den betriegen,10daz wær ein nützez liegen:ez gülte im solhe miete,daz er sîn hûs berietezeinem halben jâre.an kleidern unde an hâreschuof sich der trügenæreAls er ein gebûr wære.. . . .. . . .da er den selben probest vant.der begunde in vrâgen zehant,war stüende sîn gemuot.‘ich bin ein man âne guot’,sprach der phaffe Âmîs;‘ouch stêt mîn muot ze solher wîsdaz ich niht wil nâch guote streben:wand ich wil âne sünde leben,unt wil unz an mîn ende10mîn herze unt mîne hendegegen gote bieten swenne ich mac,daz mir der ängestlîche tacze sælden müeze erschînen,sô got mit den sînendie sündære verteiletdi er nimmer mêr geheilet.’nû sprach der phaffe Âmîssô wîse wort in leien wîsdaz der probest selbe sprach20‘swaz ich leien ie gesach,so vernam ich nie sô wîsen niht.kunnet ir der buoche iht?’‘nein ich, herre,’ sprach er.‘sît gote willekomen her’,sprach der probest aber dô:triuwen, ich bin iuwer vrô.sît ir sô wîse rede gebetunt dar zuo âne sünde lebet,sô sult ir tuon des ich iuch bite:dâ wirt diz arm klôster mitegebezzert ein michel teil,unt wirt ouch iuwer sêle heil;daz ir hie bî uns belîbetund iuwer tage vertrîbetdie ir noch ze lebenne hât.ich hœre wol daz iuwer râtdiz klôster helfen sol:ir habet sô wîser sinne zol.’10dô sprach der phaffe Âmîs‘ich bin leider niht sô wîsals von rehte ein klôsterman,wan ich der phrüende niht enkansô wol gedienen als ich sol.’‘ir dienets’ ûzer mâze wol’,sprach der alwære:‘sît unser schaffære(dâ enscheide ich niht abe)über allez daz diz klôster habe20dâ ûze oder dâ inne,oder immer mê gewinne.daz gibich iu vür iuwer sünde,unt wil iwer urkündean dem jungisten tage sîn.dâ zuo besliuzet unsern schrîndâ unser silber inne lît.’dâ wider heter deheinen strît:er enphie daz amt iesâ.sus was der phaffe Âmîs dâwol vier wochen ode mê,daz des amtes sît noch ênie sô wol gephlegen wart.ez was sô rehte wol bewartdaz guot dâ mite er umbe gie,daz des jâhen alle die,die daz klôster hâte,an bû unde an râte10kunder nimmer wîser wesen,im möht diu sêle wol genesen,dô si gesâhen wes er phlac:sîn vaste diu was allen tac,und az et wazzer unde brôt;dar zuo leit er grôze nôtvon wachen unde von gebete.nuo hœret waz er tete.er vuort den probest besunder:‘ich wil iu sagen ein wunder’,20sprach der phaffe Âmîs,‘ir sît sô getriu und sô wîsdaz ichz iu wol tuon kunt.der engel ist nû drîstuntzuo mir komen dâ ich lacunde got ze vlêhen phlac:der sprichet zallen zîten,ich sül niht langer bîten,ich sül die messe singen:mir sül sô wol gelingen,30als ich daz messegewantan mich gelege, daz ich zehantder buoche ein wîser meister sî.nû râtet mir durch die namen drîwaz iuch dar umbe dunket guot.ich sagiu rehte mînen muot.ich versuocht ez gerne, meht ez sîn,sô niuwan iuwer unde mînin dem münster wære.wil unser schephæredaz ich diu buoch kunnen sol,daz kunnet ir vernemen wol.10ist daz ab ich betrogen bin,sô habet ir sô getriuwen sindaz ir mirz helfet verdagen.diz sult ir nieman sagen,unt sult swîgen durch got;ich würde anders gar ein spot,vernæme man daz mæredaz ich betrogen wære.’der probest sprach ‘des sît gewert:ich tuon vil gerne swes ir gert.20entriwen, wir sülnz versuochen.wir lesen an den buochenvon mangem der ze schuole nieweder halben tac noch ganzen gie,wan daz in got erkandeund im ze meister sandesînen geist der im in kurzer stuntalle wîsheit machte kunt.wil got, daz mac ouch hie geschehen.ist ez als ir mir habt verjehen,sô ist iu nütze unde guotdaz ir vil willeclîche tuotswaz der engel gebôt.’nû wart dem probest harte nôt10daz er in bereite dâ zuo.des anderen morgens vruovuort ern in daz münster hin,und beslôz die tür nâch in.dar nâch machter in bereit:er het im schiere an geleitdaz beste messegewant.dô huop der phaffe Âmîs zehantvon dem heilgen geiste, unde sancein messe schœne unde lanc.20dô der probest daz vernam,sîn herze in den gelouben quam,swaz er læse od sunge,daz ez mit alle erklungeûz des heilgen geistes munde;wand er niht enkunde,sô het er gesworen wol,er wær des heilgen geistes vol.do er gesanc unt gelasunz der messe ein ende was,dô vrâget er der mæreob diu messe rehte wære.der probest sprach ‘si ist sô guot,daz sich vröuwet mîn muotdeich künde iuwer ie gewan.ir sît ein heilic man.got hât grôz dinc durch iuch getân.nû sult ir mich durch got lân10in iuwerm gebete sîn.’‘ich tuon’ sprach er, ‘herre min.’der probest niht verdagte,er enbôt unde sagtediz mære swem er kunde.in einer kurzen stundekom wunder phaffen dâ hin.durch ir kärclîchen sinwolten si in versuochen.si begunden in von den buochen20starker mære vrâgen.des beschiet er si âne bâgen,unz si alle begunden jehen,si enheten gehôrt noch gesehendeheinen man sô wîsensô meister Âmîsen.sus macht er mangen affen.nuo seiten die phaffendaz mære iesâ zehantallenthalben in diu lant,daz Âmîs der schaffæreein heiliger phaffe wære;wan von gotes lêrewürde nie kein man sô sêremit dem heilgen geiste bevangen.geriten unt gegangenkômen die lantliute gelîche,beidiu arm unde rîche,10unt brâhten alle ir opher dar.daz werte vier wochen gar,daz er niuwan opher enphiencunt daz liute zuo giencbeidiu naht unde tac.dô diu zuovart gelac,nu wârn im tougenlîche bîsîner knappen zwêne oder drî.die hiez er daz si gâhtenund im diu ros brâhten.20des wurden si gemeit,und wâren der künfte gereit.si kômen an der selben naht.nû het er trunken gemahtbeidiu bruoder unde knehte,daz si lâgen rehteals ob si wæren erslagen.dô hiez der phaffe ûz tragensilber unde golt drâte,swaz man im gophert hâte,30daz des niht vergezzen wart.sus brâht er mit im an die vartwol zwei hundert marke.dô gâht er harte starkedaz er âne schaden hin quam.dô man daz mære vernam,dô wart der probest überladenmit grôzem zorne unde schaden;dar zuo leit er grôzen spot.die tumben liute lobten gotdaz im sô leide was geschehen10durch daz wan si in hôrten jehendaz sîn schaffæreein heilic phaffe wære.swaz dâ rede wart vernomen,doch was er wol hin komen.wolt ich die trügen alle sagendie er begienc bî sînen tagen,der würde mêr dan ze vil:durch daz ich michs mâzen wil.er was der êrste man20der solhes amptes ie began.
Nû hœret waz im dô geschach.
er kom da er einen probest sach,
alwære und einvaltic,
und was iedoch gewaltic
über ein vil michel guot.
dô riet dem phaffen sîn muot,
möht er den betriegen,10
daz wær ein nützez liegen:
ez gülte im solhe miete,
daz er sîn hûs beriete
zeinem halben jâre.
an kleidern unde an hâre
schuof sich der trügenære
Als er ein gebûr wære.
. . . .
. . . .
da er den selben probest vant.
der begunde in vrâgen zehant,
war stüende sîn gemuot.
‘ich bin ein man âne guot’,
sprach der phaffe Âmîs;
‘ouch stêt mîn muot ze solher wîs
daz ich niht wil nâch guote streben:
wand ich wil âne sünde leben,
unt wil unz an mîn ende10
mîn herze unt mîne hende
gegen gote bieten swenne ich mac,
daz mir der ängestlîche tac
ze sælden müeze erschînen,
sô got mit den sînen
die sündære verteilet
di er nimmer mêr geheilet.’
nû sprach der phaffe Âmîs
sô wîse wort in leien wîs
daz der probest selbe sprach20
‘swaz ich leien ie gesach,
so vernam ich nie sô wîsen niht.
kunnet ir der buoche iht?’
‘nein ich, herre,’ sprach er.
‘sît gote willekomen her’,
sprach der probest aber dô:
triuwen, ich bin iuwer vrô.
sît ir sô wîse rede gebet
unt dar zuo âne sünde lebet,
sô sult ir tuon des ich iuch bite:
dâ wirt diz arm klôster mite
gebezzert ein michel teil,
unt wirt ouch iuwer sêle heil;
daz ir hie bî uns belîbet
und iuwer tage vertrîbet
die ir noch ze lebenne hât.
ich hœre wol daz iuwer rât
diz klôster helfen sol:
ir habet sô wîser sinne zol.’10
dô sprach der phaffe Âmîs
‘ich bin leider niht sô wîs
als von rehte ein klôsterman,
wan ich der phrüende niht enkan
sô wol gedienen als ich sol.’
‘ir dienets’ ûzer mâze wol’,
sprach der alwære:
‘sît unser schaffære
(dâ enscheide ich niht abe)
über allez daz diz klôster habe20
dâ ûze oder dâ inne,
oder immer mê gewinne.
daz gibich iu vür iuwer sünde,
unt wil iwer urkünde
an dem jungisten tage sîn.
dâ zuo besliuzet unsern schrîn
dâ unser silber inne lît.’
dâ wider heter deheinen strît:
er enphie daz amt iesâ.
sus was der phaffe Âmîs dâ
wol vier wochen ode mê,
daz des amtes sît noch ê
nie sô wol gephlegen wart.
ez was sô rehte wol bewart
daz guot dâ mite er umbe gie,
daz des jâhen alle die,
die daz klôster hâte,
an bû unde an râte10
kunder nimmer wîser wesen,
im möht diu sêle wol genesen,
dô si gesâhen wes er phlac:
sîn vaste diu was allen tac,
und az et wazzer unde brôt;
dar zuo leit er grôze nôt
von wachen unde von gebete.
nuo hœret waz er tete.
er vuort den probest besunder:
‘ich wil iu sagen ein wunder’,20
sprach der phaffe Âmîs,
‘ir sît sô getriu und sô wîs
daz ichz iu wol tuon kunt.
der engel ist nû drîstunt
zuo mir komen dâ ich lac
unde got ze vlêhen phlac:
der sprichet zallen zîten,
ich sül niht langer bîten,
ich sül die messe singen:
mir sül sô wol gelingen,30
als ich daz messegewant
an mich gelege, daz ich zehant
der buoche ein wîser meister sî.
nû râtet mir durch die namen drî
waz iuch dar umbe dunket guot.
ich sagiu rehte mînen muot.
ich versuocht ez gerne, meht ez sîn,
sô niuwan iuwer unde mîn
in dem münster wære.
wil unser schephære
daz ich diu buoch kunnen sol,
daz kunnet ir vernemen wol.10
ist daz ab ich betrogen bin,
sô habet ir sô getriuwen sin
daz ir mirz helfet verdagen.
diz sult ir nieman sagen,
unt sult swîgen durch got;
ich würde anders gar ein spot,
vernæme man daz mære
daz ich betrogen wære.’
der probest sprach ‘des sît gewert:
ich tuon vil gerne swes ir gert.20
entriwen, wir sülnz versuochen.
wir lesen an den buochen
von mangem der ze schuole nie
weder halben tac noch ganzen gie,
wan daz in got erkande
und im ze meister sande
sînen geist der im in kurzer stunt
alle wîsheit machte kunt.
wil got, daz mac ouch hie geschehen.
ist ez als ir mir habt verjehen,
sô ist iu nütze unde guot
daz ir vil willeclîche tuot
swaz der engel gebôt.’
nû wart dem probest harte nôt10
daz er in bereite dâ zuo.
des anderen morgens vruo
vuort ern in daz münster hin,
und beslôz die tür nâch in.
dar nâch machter in bereit:
er het im schiere an geleit
daz beste messegewant.
dô huop der phaffe Âmîs zehant
von dem heilgen geiste, unde sanc
ein messe schœne unde lanc.20
dô der probest daz vernam,
sîn herze in den gelouben quam,
swaz er læse od sunge,
daz ez mit alle erklunge
ûz des heilgen geistes munde;
wand er niht enkunde,
sô het er gesworen wol,
er wær des heilgen geistes vol.
do er gesanc unt gelas
unz der messe ein ende was,
dô vrâget er der mære
ob diu messe rehte wære.
der probest sprach ‘si ist sô guot,
daz sich vröuwet mîn muot
deich künde iuwer ie gewan.
ir sît ein heilic man.
got hât grôz dinc durch iuch getân.
nû sult ir mich durch got lân10
in iuwerm gebete sîn.’
‘ich tuon’ sprach er, ‘herre min.’
der probest niht verdagte,
er enbôt unde sagte
diz mære swem er kunde.
in einer kurzen stunde
kom wunder phaffen dâ hin.
durch ir kärclîchen sin
wolten si in versuochen.
si begunden in von den buochen20
starker mære vrâgen.
des beschiet er si âne bâgen,
unz si alle begunden jehen,
si enheten gehôrt noch gesehen
deheinen man sô wîsen
sô meister Âmîsen.
sus macht er mangen affen.
nuo seiten die phaffen
daz mære iesâ zehant
allenthalben in diu lant,
daz Âmîs der schaffære
ein heiliger phaffe wære;
wan von gotes lêre
würde nie kein man sô sêre
mit dem heilgen geiste bevangen.
geriten unt gegangen
kômen die lantliute gelîche,
beidiu arm unde rîche,10
unt brâhten alle ir opher dar.
daz werte vier wochen gar,
daz er niuwan opher enphienc
unt daz liute zuo gienc
beidiu naht unde tac.
dô diu zuovart gelac,
nu wârn im tougenlîche bî
sîner knappen zwêne oder drî.
die hiez er daz si gâhten
und im diu ros brâhten.20
des wurden si gemeit,
und wâren der künfte gereit.
si kômen an der selben naht.
nû het er trunken gemaht
beidiu bruoder unde knehte,
daz si lâgen rehte
als ob si wæren erslagen.
dô hiez der phaffe ûz tragen
silber unde golt drâte,
swaz man im gophert hâte,30
daz des niht vergezzen wart.
sus brâht er mit im an die vart
wol zwei hundert marke.
dô gâht er harte starke
daz er âne schaden hin quam.
dô man daz mære vernam,
dô wart der probest überladen
mit grôzem zorne unde schaden;
dar zuo leit er grôzen spot.
die tumben liute lobten got
daz im sô leide was geschehen10
durch daz wan si in hôrten jehen
daz sîn schaffære
ein heilic phaffe wære.
swaz dâ rede wart vernomen,
doch was er wol hin komen.
wolt ich die trügen alle sagen
die er begienc bî sînen tagen,
der würde mêr dan ze vil:
durch daz ich michs mâzen wil.
er was der êrste man20
der solhes amptes ie began.
Nun höret, was ihm da geschah.Er kam dahin, wo er einen Probst sah,albern und einfältig,und war doch mächtigüber ein sehr grosses Gut.Da rieth dem Pfaffen sein Sinn,könnte er den betrügen,10so wäre das ein nützliches Lügen:es gälte ihm solchen Lohn,dass er sein Haus versorgtefür ein halbes Jahr.An Kleidern und am Haarmachte sich der Betrüger,als ob er ein Bauer wäre.. . . .. . . .Als er denselbigen Probst fand,begann dieser ihn sogleich zu fragen,wonach sein Sinn stände.‘Ich bin ein Mann ohne Gut’,sprach der Pfaffe Amis;‘auch steht mein Sinn so,dass ich nicht will nach Gütern streben:denn ich will ohne Sünde leben,und will bis an mein Ende10mein Herz und meine Händezu Gott emporstrecken, so oft ich mag,damit mir der angstvolle Tagzum Heile erscheinen müsse,wenn Gott mit den Seinendie Sünder verurtheilet,die er nimmer errettet.’Nun sprach der Pfaffe Amisso weise Worte auf Laien Art,dass der Probst selbst sprach:20‘So viel der Laien ich je sah,so hört’ ich doch nie einen so weisen.Könnet ihr etwas von Büchern?’‘Nein, Herr,’ sprach er.‘Seid Gott willkommen hieher’,sprach der Probst da wieder.‘Fürwahr, ich bin eurer froh.Da ihr so weise Rede gebtund dazu ohne Sünde lebt,so sollt ihr thun, worum ich euch bitte:damit wird dies arme Klostersehr viel gebessert,und wird auch eurer Seele Heil:dass ihr hier bei uns bleibet,und eure Tage hier verlebt,die ihr noch zu leben habt.Ich sehe wohl, dass euer Rathdiesem Kloster nützen wird:ihr habt die Gabe von so weisen Sinnen.’10Da sprach der Pfaffe Amis:‘Ich bin leider nicht so weise,wie ein Klostermann von rechtswegen sein sollte,so dass ich die Pfründe nichtso gut verdienen kann, als ich sollte.’‘Ihr verdient es ausnehmend wohl’,sprach der Alberne:‘Seid unser Schaffner(davon stehe ich nicht ab)über Alles was dies Kloster hat20draussen oder drinnen,oder jemals gewinne.Das geb ich euch für eure Sünden,und will euer Zeugeam jüngsten Tage sein.Dazu verschliesset unsern Schrank,wo unser Silber drinnen liegt.’Dagegen hatte er keinen Streit:er empfieng das Amt sogleich.So war der Pfaffe Amis dawohl vier Wochen oder mehr,so dass des Amtes weder seither noch früherje so wohl gepflogen ward.Es war so recht wohl bewahrtdas Gut, womit er umgieng,dass es alle die sagten,welche das Kloster hatte,in der Verwaltung und im Rathe10könnte er weiser gar nicht sein;ihm würde die Seele wohl gedeihn,da sie sahen, was er that;sein Fasten war jeden Tag,und ass er nur Wasser und Brot;dazu litt er grosse Nothvom Wachen und vom Beten.Nun höret, was er that.Er führte den Probst abseits:‘Ich will euch ein Wunder sagen’,20sprach der Pfaffe Amis:‘Ihr seid so getreu und weise,dass ichs euch wohl kund thue.Der Engel ist nun drei Malzu mir gekommen, wo ich lagund Gott zu bitten pflegte.Der spricht zu allen Zeiten,ich soll nicht länger warten,ich soll die Messe singen:mir soll es so wohl gelingen,30sobald als ich das Messgewandanlege, dass ich sogleichein weiser Meister in den Büchern sei.Nun rathet mir bei den drei Namen,was euch darüber gut dünkt.Ich sage euch recht meinen Sinn:ich versuchte es gern, wenn es sein könnte,dass Niemand ausser euch und mirin dem Münster wäre.Will unser Schöpfer,dass ich die Bücher verstehen soll,das könnt ihr wohl sehn.10Ist es aber, dass ich betrogen bin,so habt ihr so treuen Sinn,dass ihr es mir verbergen helft.Dies sollt ihr Niemand sagenund sollt schweigen um Gottes Willen:ich würde sonst gar zum Spottvernähme man die Kunde,dass ich betrogen sei.’Der Probst sprach: ‘Seid dessen versichert:ich thue sehr gern, was ihr begehrt.20Fürwahr, wir wollen es versuchen.Wir lesen in den Büchernvon Manchem, der nie zur Schuleeinen halben Tag noch einen ganzen gieng,nur dass ihn Gott erkannteund ihm als Lehrer sandteseinen Geist, der ihm in kurzer Fristalle Weisheit kund machte.Will es Gott, das mag auch hier geschehen.Ist es so, wie ihr mir sagt,so ist es euch nütze und gut,dass ihr ganz willig thut,was der Engel gebot.’Nun ward es dem Probst sehr eilig,10dass er ihn dazu vorbereite.Des andern Morgens frühführte er ihn in den Münster hin,und schloss die Thür nach ihm.Danach machte er ihn bereit:er hatte ihm schnell angelegtdas beste Messgewand.Da begann der Pfaffe Amis sogleichvon dem Heiligen Geist und sangeine Messe, schön und lang.20Als der Probst das vernahm,da kam sein Herz zu dem Glauben,dass, was er lese und singe,durchaus erklingeaus des Heiligen Geistes Munde;da er (Amis) nichts gelernt hatte,so hätte er wohl geschworen,er wäre des Heiligen Geistes voll.Als er gesungen und gelesen,bis der Messe ein Ende war,da fragte er danach,ob die Messe richtig wäre.Der Probst sprach: ‘Sie ist so gut,dass sich mein Herz freut,dass ich jemals von euch Kunde erhielt.Ihr seid ein heiliger Mann,Gott hat grosse Dinge durch euch gethan.Nun sollt ihr mich um Gottes Willen10in euerm Gebet sein lassen.’‘Ich thue es’, sprach er, ‘mein Herr.’Der Probst verschwieg nichts,er entbot und sagtedie Märe, wem er konnte.In einer kurzen Zeitkamen viele Pfaffen dahin:durch ihre Schlauheitwollten sie ihn versuchen.Sie begannen ihn nach den Büchern20grosser Kunde zu fragen.Er gab ihnen darauf Bescheid ohne Widerrede,bis sie alle zu sagen anfiengen,sie hätten weder gehört noch gesehnirgend einen Mann so weiseals Meister Amis.So machte er manchen zum Narren.Nun sagten die Pfaffendie Geschichte sogleichallenthalben in den Landen,dass Amis, der Schaffner,ein heiliger Pfaffe wäre;durch Gottes Lehrewäre nie ein Mann so sehrmit dem Heiligen Geist begabt worden.Geritten und gegangenkamen die Leute gleich,arme und reiche,10und brachten alle ihr Opfer dar.Das währte gar vier Wochen,dass er nichts als Opfer empfieng,und die Leute herbeikamenTag und Nacht.Als der Zudrang sich legte,da waren bei ihm heimlichzwei oder drei seiner Knappen.Denen befahl er, dass sie eiltenund ihm die Pferde brächten.20Des wurden sie froh,und waren bereit zu kommen.Sie kamen in derselben Nacht.Nun hatte er trunken gemachtdie Brüder und die Diener,dass sie da lagen gerade,als ob sie erschlagen wären.Da hiess der Pfaffe heraustragenschnell Silber und Gold,Alles was man ihm dargebracht hatte,30dass davon nichts vergessen ward.So bracht’ er mit sich auf die Fahrtwohl zweihundert Mark.Da eilte er sehr stark,dass er ohne Schaden hinweg kam.Als man die Geschichte gewahr ward,da ward der Probst schwer beladenmit grossem Zorn und Schaden;dazu erlitt er grossen Spott.Die dummen Leute lobten Gott,dass ihm solches Leid geschehn10davon, dass sie ihn sagen hörten,dass sein Schaffnerein heiliger Pfaffe sei.So viel Rede man da hörte,doch war er wohl hinweggekommen.Wollte ich all die Betrügereien sagen,die er in seinen Lebtagen begieng,davon würde es mehr als zuviel:deshalb will ich mich dessen enthalten.Er war der erste Mann,20der solches Geschäft je anfieng.
Nun höret, was ihm da geschah.Er kam dahin, wo er einen Probst sah,albern und einfältig,und war doch mächtigüber ein sehr grosses Gut.Da rieth dem Pfaffen sein Sinn,könnte er den betrügen,10so wäre das ein nützliches Lügen:es gälte ihm solchen Lohn,dass er sein Haus versorgtefür ein halbes Jahr.An Kleidern und am Haarmachte sich der Betrüger,als ob er ein Bauer wäre.. . . .. . . .Als er denselbigen Probst fand,begann dieser ihn sogleich zu fragen,wonach sein Sinn stände.‘Ich bin ein Mann ohne Gut’,sprach der Pfaffe Amis;‘auch steht mein Sinn so,dass ich nicht will nach Gütern streben:denn ich will ohne Sünde leben,und will bis an mein Ende10mein Herz und meine Händezu Gott emporstrecken, so oft ich mag,damit mir der angstvolle Tagzum Heile erscheinen müsse,wenn Gott mit den Seinendie Sünder verurtheilet,die er nimmer errettet.’Nun sprach der Pfaffe Amisso weise Worte auf Laien Art,dass der Probst selbst sprach:20‘So viel der Laien ich je sah,so hört’ ich doch nie einen so weisen.Könnet ihr etwas von Büchern?’‘Nein, Herr,’ sprach er.‘Seid Gott willkommen hieher’,sprach der Probst da wieder.‘Fürwahr, ich bin eurer froh.Da ihr so weise Rede gebtund dazu ohne Sünde lebt,so sollt ihr thun, worum ich euch bitte:damit wird dies arme Klostersehr viel gebessert,und wird auch eurer Seele Heil:dass ihr hier bei uns bleibet,und eure Tage hier verlebt,die ihr noch zu leben habt.Ich sehe wohl, dass euer Rathdiesem Kloster nützen wird:ihr habt die Gabe von so weisen Sinnen.’10Da sprach der Pfaffe Amis:‘Ich bin leider nicht so weise,wie ein Klostermann von rechtswegen sein sollte,so dass ich die Pfründe nichtso gut verdienen kann, als ich sollte.’‘Ihr verdient es ausnehmend wohl’,sprach der Alberne:‘Seid unser Schaffner(davon stehe ich nicht ab)über Alles was dies Kloster hat20draussen oder drinnen,oder jemals gewinne.Das geb ich euch für eure Sünden,und will euer Zeugeam jüngsten Tage sein.Dazu verschliesset unsern Schrank,wo unser Silber drinnen liegt.’Dagegen hatte er keinen Streit:er empfieng das Amt sogleich.So war der Pfaffe Amis dawohl vier Wochen oder mehr,so dass des Amtes weder seither noch früherje so wohl gepflogen ward.Es war so recht wohl bewahrtdas Gut, womit er umgieng,dass es alle die sagten,welche das Kloster hatte,in der Verwaltung und im Rathe10könnte er weiser gar nicht sein;ihm würde die Seele wohl gedeihn,da sie sahen, was er that;sein Fasten war jeden Tag,und ass er nur Wasser und Brot;dazu litt er grosse Nothvom Wachen und vom Beten.Nun höret, was er that.Er führte den Probst abseits:‘Ich will euch ein Wunder sagen’,20sprach der Pfaffe Amis:‘Ihr seid so getreu und weise,dass ichs euch wohl kund thue.Der Engel ist nun drei Malzu mir gekommen, wo ich lagund Gott zu bitten pflegte.Der spricht zu allen Zeiten,ich soll nicht länger warten,ich soll die Messe singen:mir soll es so wohl gelingen,30sobald als ich das Messgewandanlege, dass ich sogleichein weiser Meister in den Büchern sei.Nun rathet mir bei den drei Namen,was euch darüber gut dünkt.Ich sage euch recht meinen Sinn:ich versuchte es gern, wenn es sein könnte,dass Niemand ausser euch und mirin dem Münster wäre.Will unser Schöpfer,dass ich die Bücher verstehen soll,das könnt ihr wohl sehn.10Ist es aber, dass ich betrogen bin,so habt ihr so treuen Sinn,dass ihr es mir verbergen helft.Dies sollt ihr Niemand sagenund sollt schweigen um Gottes Willen:ich würde sonst gar zum Spottvernähme man die Kunde,dass ich betrogen sei.’Der Probst sprach: ‘Seid dessen versichert:ich thue sehr gern, was ihr begehrt.20Fürwahr, wir wollen es versuchen.Wir lesen in den Büchernvon Manchem, der nie zur Schuleeinen halben Tag noch einen ganzen gieng,nur dass ihn Gott erkannteund ihm als Lehrer sandteseinen Geist, der ihm in kurzer Fristalle Weisheit kund machte.Will es Gott, das mag auch hier geschehen.Ist es so, wie ihr mir sagt,so ist es euch nütze und gut,dass ihr ganz willig thut,was der Engel gebot.’Nun ward es dem Probst sehr eilig,10dass er ihn dazu vorbereite.Des andern Morgens frühführte er ihn in den Münster hin,und schloss die Thür nach ihm.Danach machte er ihn bereit:er hatte ihm schnell angelegtdas beste Messgewand.Da begann der Pfaffe Amis sogleichvon dem Heiligen Geist und sangeine Messe, schön und lang.20Als der Probst das vernahm,da kam sein Herz zu dem Glauben,dass, was er lese und singe,durchaus erklingeaus des Heiligen Geistes Munde;da er (Amis) nichts gelernt hatte,so hätte er wohl geschworen,er wäre des Heiligen Geistes voll.Als er gesungen und gelesen,bis der Messe ein Ende war,da fragte er danach,ob die Messe richtig wäre.Der Probst sprach: ‘Sie ist so gut,dass sich mein Herz freut,dass ich jemals von euch Kunde erhielt.Ihr seid ein heiliger Mann,Gott hat grosse Dinge durch euch gethan.Nun sollt ihr mich um Gottes Willen10in euerm Gebet sein lassen.’‘Ich thue es’, sprach er, ‘mein Herr.’Der Probst verschwieg nichts,er entbot und sagtedie Märe, wem er konnte.In einer kurzen Zeitkamen viele Pfaffen dahin:durch ihre Schlauheitwollten sie ihn versuchen.Sie begannen ihn nach den Büchern20grosser Kunde zu fragen.Er gab ihnen darauf Bescheid ohne Widerrede,bis sie alle zu sagen anfiengen,sie hätten weder gehört noch gesehnirgend einen Mann so weiseals Meister Amis.So machte er manchen zum Narren.Nun sagten die Pfaffendie Geschichte sogleichallenthalben in den Landen,dass Amis, der Schaffner,ein heiliger Pfaffe wäre;durch Gottes Lehrewäre nie ein Mann so sehrmit dem Heiligen Geist begabt worden.Geritten und gegangenkamen die Leute gleich,arme und reiche,10und brachten alle ihr Opfer dar.Das währte gar vier Wochen,dass er nichts als Opfer empfieng,und die Leute herbeikamenTag und Nacht.Als der Zudrang sich legte,da waren bei ihm heimlichzwei oder drei seiner Knappen.Denen befahl er, dass sie eiltenund ihm die Pferde brächten.20Des wurden sie froh,und waren bereit zu kommen.Sie kamen in derselben Nacht.Nun hatte er trunken gemachtdie Brüder und die Diener,dass sie da lagen gerade,als ob sie erschlagen wären.Da hiess der Pfaffe heraustragenschnell Silber und Gold,Alles was man ihm dargebracht hatte,30dass davon nichts vergessen ward.So bracht’ er mit sich auf die Fahrtwohl zweihundert Mark.Da eilte er sehr stark,dass er ohne Schaden hinweg kam.Als man die Geschichte gewahr ward,da ward der Probst schwer beladenmit grossem Zorn und Schaden;dazu erlitt er grossen Spott.Die dummen Leute lobten Gott,dass ihm solches Leid geschehn10davon, dass sie ihn sagen hörten,dass sein Schaffnerein heiliger Pfaffe sei.So viel Rede man da hörte,doch war er wohl hinweggekommen.Wollte ich all die Betrügereien sagen,die er in seinen Lebtagen begieng,davon würde es mehr als zuviel:deshalb will ich mich dessen enthalten.Er war der erste Mann,20der solches Geschäft je anfieng.
Nun höret, was ihm da geschah.Er kam dahin, wo er einen Probst sah,albern und einfältig,und war doch mächtigüber ein sehr grosses Gut.Da rieth dem Pfaffen sein Sinn,könnte er den betrügen,10so wäre das ein nützliches Lügen:es gälte ihm solchen Lohn,dass er sein Haus versorgtefür ein halbes Jahr.An Kleidern und am Haarmachte sich der Betrüger,als ob er ein Bauer wäre.. . . .. . . .Als er denselbigen Probst fand,begann dieser ihn sogleich zu fragen,wonach sein Sinn stände.‘Ich bin ein Mann ohne Gut’,sprach der Pfaffe Amis;‘auch steht mein Sinn so,dass ich nicht will nach Gütern streben:denn ich will ohne Sünde leben,und will bis an mein Ende10mein Herz und meine Händezu Gott emporstrecken, so oft ich mag,damit mir der angstvolle Tagzum Heile erscheinen müsse,wenn Gott mit den Seinendie Sünder verurtheilet,die er nimmer errettet.’Nun sprach der Pfaffe Amisso weise Worte auf Laien Art,dass der Probst selbst sprach:20‘So viel der Laien ich je sah,so hört’ ich doch nie einen so weisen.Könnet ihr etwas von Büchern?’‘Nein, Herr,’ sprach er.‘Seid Gott willkommen hieher’,sprach der Probst da wieder.‘Fürwahr, ich bin eurer froh.Da ihr so weise Rede gebtund dazu ohne Sünde lebt,so sollt ihr thun, worum ich euch bitte:damit wird dies arme Klostersehr viel gebessert,und wird auch eurer Seele Heil:dass ihr hier bei uns bleibet,und eure Tage hier verlebt,die ihr noch zu leben habt.Ich sehe wohl, dass euer Rathdiesem Kloster nützen wird:ihr habt die Gabe von so weisen Sinnen.’10Da sprach der Pfaffe Amis:‘Ich bin leider nicht so weise,wie ein Klostermann von rechtswegen sein sollte,so dass ich die Pfründe nichtso gut verdienen kann, als ich sollte.’‘Ihr verdient es ausnehmend wohl’,sprach der Alberne:‘Seid unser Schaffner(davon stehe ich nicht ab)über Alles was dies Kloster hat20draussen oder drinnen,oder jemals gewinne.Das geb ich euch für eure Sünden,und will euer Zeugeam jüngsten Tage sein.Dazu verschliesset unsern Schrank,wo unser Silber drinnen liegt.’Dagegen hatte er keinen Streit:er empfieng das Amt sogleich.So war der Pfaffe Amis dawohl vier Wochen oder mehr,so dass des Amtes weder seither noch früherje so wohl gepflogen ward.Es war so recht wohl bewahrtdas Gut, womit er umgieng,dass es alle die sagten,welche das Kloster hatte,in der Verwaltung und im Rathe10könnte er weiser gar nicht sein;ihm würde die Seele wohl gedeihn,da sie sahen, was er that;sein Fasten war jeden Tag,und ass er nur Wasser und Brot;dazu litt er grosse Nothvom Wachen und vom Beten.Nun höret, was er that.Er führte den Probst abseits:‘Ich will euch ein Wunder sagen’,20sprach der Pfaffe Amis:‘Ihr seid so getreu und weise,dass ichs euch wohl kund thue.Der Engel ist nun drei Malzu mir gekommen, wo ich lagund Gott zu bitten pflegte.Der spricht zu allen Zeiten,ich soll nicht länger warten,ich soll die Messe singen:mir soll es so wohl gelingen,30sobald als ich das Messgewandanlege, dass ich sogleichein weiser Meister in den Büchern sei.Nun rathet mir bei den drei Namen,was euch darüber gut dünkt.Ich sage euch recht meinen Sinn:ich versuchte es gern, wenn es sein könnte,dass Niemand ausser euch und mirin dem Münster wäre.Will unser Schöpfer,dass ich die Bücher verstehen soll,das könnt ihr wohl sehn.10Ist es aber, dass ich betrogen bin,so habt ihr so treuen Sinn,dass ihr es mir verbergen helft.Dies sollt ihr Niemand sagenund sollt schweigen um Gottes Willen:ich würde sonst gar zum Spottvernähme man die Kunde,dass ich betrogen sei.’Der Probst sprach: ‘Seid dessen versichert:ich thue sehr gern, was ihr begehrt.20Fürwahr, wir wollen es versuchen.Wir lesen in den Büchernvon Manchem, der nie zur Schuleeinen halben Tag noch einen ganzen gieng,nur dass ihn Gott erkannteund ihm als Lehrer sandteseinen Geist, der ihm in kurzer Fristalle Weisheit kund machte.Will es Gott, das mag auch hier geschehen.Ist es so, wie ihr mir sagt,so ist es euch nütze und gut,dass ihr ganz willig thut,was der Engel gebot.’Nun ward es dem Probst sehr eilig,10dass er ihn dazu vorbereite.Des andern Morgens frühführte er ihn in den Münster hin,und schloss die Thür nach ihm.Danach machte er ihn bereit:er hatte ihm schnell angelegtdas beste Messgewand.Da begann der Pfaffe Amis sogleichvon dem Heiligen Geist und sangeine Messe, schön und lang.20Als der Probst das vernahm,da kam sein Herz zu dem Glauben,dass, was er lese und singe,durchaus erklingeaus des Heiligen Geistes Munde;da er (Amis) nichts gelernt hatte,so hätte er wohl geschworen,er wäre des Heiligen Geistes voll.Als er gesungen und gelesen,bis der Messe ein Ende war,da fragte er danach,ob die Messe richtig wäre.Der Probst sprach: ‘Sie ist so gut,dass sich mein Herz freut,dass ich jemals von euch Kunde erhielt.Ihr seid ein heiliger Mann,Gott hat grosse Dinge durch euch gethan.Nun sollt ihr mich um Gottes Willen10in euerm Gebet sein lassen.’‘Ich thue es’, sprach er, ‘mein Herr.’Der Probst verschwieg nichts,er entbot und sagtedie Märe, wem er konnte.In einer kurzen Zeitkamen viele Pfaffen dahin:durch ihre Schlauheitwollten sie ihn versuchen.Sie begannen ihn nach den Büchern20grosser Kunde zu fragen.Er gab ihnen darauf Bescheid ohne Widerrede,bis sie alle zu sagen anfiengen,sie hätten weder gehört noch gesehnirgend einen Mann so weiseals Meister Amis.So machte er manchen zum Narren.Nun sagten die Pfaffendie Geschichte sogleichallenthalben in den Landen,dass Amis, der Schaffner,ein heiliger Pfaffe wäre;durch Gottes Lehrewäre nie ein Mann so sehrmit dem Heiligen Geist begabt worden.Geritten und gegangenkamen die Leute gleich,arme und reiche,10und brachten alle ihr Opfer dar.Das währte gar vier Wochen,dass er nichts als Opfer empfieng,und die Leute herbeikamenTag und Nacht.Als der Zudrang sich legte,da waren bei ihm heimlichzwei oder drei seiner Knappen.Denen befahl er, dass sie eiltenund ihm die Pferde brächten.20Des wurden sie froh,und waren bereit zu kommen.Sie kamen in derselben Nacht.Nun hatte er trunken gemachtdie Brüder und die Diener,dass sie da lagen gerade,als ob sie erschlagen wären.Da hiess der Pfaffe heraustragenschnell Silber und Gold,Alles was man ihm dargebracht hatte,30dass davon nichts vergessen ward.So bracht’ er mit sich auf die Fahrtwohl zweihundert Mark.Da eilte er sehr stark,dass er ohne Schaden hinweg kam.Als man die Geschichte gewahr ward,da ward der Probst schwer beladenmit grossem Zorn und Schaden;dazu erlitt er grossen Spott.Die dummen Leute lobten Gott,dass ihm solches Leid geschehn10davon, dass sie ihn sagen hörten,dass sein Schaffnerein heiliger Pfaffe sei.So viel Rede man da hörte,doch war er wohl hinweggekommen.Wollte ich all die Betrügereien sagen,die er in seinen Lebtagen begieng,davon würde es mehr als zuviel:deshalb will ich mich dessen enthalten.Er war der erste Mann,20der solches Geschäft je anfieng.
Nun höret, was ihm da geschah.
Er kam dahin, wo er einen Probst sah,
albern und einfältig,
und war doch mächtig
über ein sehr grosses Gut.
Da rieth dem Pfaffen sein Sinn,
könnte er den betrügen,10
so wäre das ein nützliches Lügen:
es gälte ihm solchen Lohn,
dass er sein Haus versorgte
für ein halbes Jahr.
An Kleidern und am Haar
machte sich der Betrüger,
als ob er ein Bauer wäre.
. . . .
. . . .
Als er denselbigen Probst fand,
begann dieser ihn sogleich zu fragen,
wonach sein Sinn stände.
‘Ich bin ein Mann ohne Gut’,
sprach der Pfaffe Amis;
‘auch steht mein Sinn so,
dass ich nicht will nach Gütern streben:
denn ich will ohne Sünde leben,
und will bis an mein Ende10
mein Herz und meine Hände
zu Gott emporstrecken, so oft ich mag,
damit mir der angstvolle Tag
zum Heile erscheinen müsse,
wenn Gott mit den Seinen
die Sünder verurtheilet,
die er nimmer errettet.’
Nun sprach der Pfaffe Amis
so weise Worte auf Laien Art,
dass der Probst selbst sprach:20
‘So viel der Laien ich je sah,
so hört’ ich doch nie einen so weisen.
Könnet ihr etwas von Büchern?’
‘Nein, Herr,’ sprach er.
‘Seid Gott willkommen hieher’,
sprach der Probst da wieder.
‘Fürwahr, ich bin eurer froh.
Da ihr so weise Rede gebt
und dazu ohne Sünde lebt,
so sollt ihr thun, worum ich euch bitte:
damit wird dies arme Kloster
sehr viel gebessert,
und wird auch eurer Seele Heil:
dass ihr hier bei uns bleibet,
und eure Tage hier verlebt,
die ihr noch zu leben habt.
Ich sehe wohl, dass euer Rath
diesem Kloster nützen wird:
ihr habt die Gabe von so weisen Sinnen.’10
Da sprach der Pfaffe Amis:
‘Ich bin leider nicht so weise,
wie ein Klostermann von rechtswegen sein sollte,
so dass ich die Pfründe nicht
so gut verdienen kann, als ich sollte.’
‘Ihr verdient es ausnehmend wohl’,
sprach der Alberne:
‘Seid unser Schaffner
(davon stehe ich nicht ab)
über Alles was dies Kloster hat20
draussen oder drinnen,
oder jemals gewinne.
Das geb ich euch für eure Sünden,
und will euer Zeuge
am jüngsten Tage sein.
Dazu verschliesset unsern Schrank,
wo unser Silber drinnen liegt.’
Dagegen hatte er keinen Streit:
er empfieng das Amt sogleich.
So war der Pfaffe Amis da
wohl vier Wochen oder mehr,
so dass des Amtes weder seither noch früher
je so wohl gepflogen ward.
Es war so recht wohl bewahrt
das Gut, womit er umgieng,
dass es alle die sagten,
welche das Kloster hatte,
in der Verwaltung und im Rathe10
könnte er weiser gar nicht sein;
ihm würde die Seele wohl gedeihn,
da sie sahen, was er that;
sein Fasten war jeden Tag,
und ass er nur Wasser und Brot;
dazu litt er grosse Noth
vom Wachen und vom Beten.
Nun höret, was er that.
Er führte den Probst abseits:
‘Ich will euch ein Wunder sagen’,20
sprach der Pfaffe Amis:
‘Ihr seid so getreu und weise,
dass ichs euch wohl kund thue.
Der Engel ist nun drei Mal
zu mir gekommen, wo ich lag
und Gott zu bitten pflegte.
Der spricht zu allen Zeiten,
ich soll nicht länger warten,
ich soll die Messe singen:
mir soll es so wohl gelingen,30
sobald als ich das Messgewand
anlege, dass ich sogleich
ein weiser Meister in den Büchern sei.
Nun rathet mir bei den drei Namen,
was euch darüber gut dünkt.
Ich sage euch recht meinen Sinn:
ich versuchte es gern, wenn es sein könnte,
dass Niemand ausser euch und mir
in dem Münster wäre.
Will unser Schöpfer,
dass ich die Bücher verstehen soll,
das könnt ihr wohl sehn.10
Ist es aber, dass ich betrogen bin,
so habt ihr so treuen Sinn,
dass ihr es mir verbergen helft.
Dies sollt ihr Niemand sagen
und sollt schweigen um Gottes Willen:
ich würde sonst gar zum Spott
vernähme man die Kunde,
dass ich betrogen sei.’
Der Probst sprach: ‘Seid dessen versichert:
ich thue sehr gern, was ihr begehrt.20
Fürwahr, wir wollen es versuchen.
Wir lesen in den Büchern
von Manchem, der nie zur Schule
einen halben Tag noch einen ganzen gieng,
nur dass ihn Gott erkannte
und ihm als Lehrer sandte
seinen Geist, der ihm in kurzer Frist
alle Weisheit kund machte.
Will es Gott, das mag auch hier geschehen.
Ist es so, wie ihr mir sagt,
so ist es euch nütze und gut,
dass ihr ganz willig thut,
was der Engel gebot.’
Nun ward es dem Probst sehr eilig,10
dass er ihn dazu vorbereite.
Des andern Morgens früh
führte er ihn in den Münster hin,
und schloss die Thür nach ihm.
Danach machte er ihn bereit:
er hatte ihm schnell angelegt
das beste Messgewand.
Da begann der Pfaffe Amis sogleich
von dem Heiligen Geist und sang
eine Messe, schön und lang.20
Als der Probst das vernahm,
da kam sein Herz zu dem Glauben,
dass, was er lese und singe,
durchaus erklinge
aus des Heiligen Geistes Munde;
da er (Amis) nichts gelernt hatte,
so hätte er wohl geschworen,
er wäre des Heiligen Geistes voll.
Als er gesungen und gelesen,
bis der Messe ein Ende war,
da fragte er danach,
ob die Messe richtig wäre.
Der Probst sprach: ‘Sie ist so gut,
dass sich mein Herz freut,
dass ich jemals von euch Kunde erhielt.
Ihr seid ein heiliger Mann,
Gott hat grosse Dinge durch euch gethan.
Nun sollt ihr mich um Gottes Willen10
in euerm Gebet sein lassen.’
‘Ich thue es’, sprach er, ‘mein Herr.’
Der Probst verschwieg nichts,
er entbot und sagte
die Märe, wem er konnte.
In einer kurzen Zeit
kamen viele Pfaffen dahin:
durch ihre Schlauheit
wollten sie ihn versuchen.
Sie begannen ihn nach den Büchern20
grosser Kunde zu fragen.
Er gab ihnen darauf Bescheid ohne Widerrede,
bis sie alle zu sagen anfiengen,
sie hätten weder gehört noch gesehn
irgend einen Mann so weise
als Meister Amis.
So machte er manchen zum Narren.
Nun sagten die Pfaffen
die Geschichte sogleich
allenthalben in den Landen,
dass Amis, der Schaffner,
ein heiliger Pfaffe wäre;
durch Gottes Lehre
wäre nie ein Mann so sehr
mit dem Heiligen Geist begabt worden.
Geritten und gegangen
kamen die Leute gleich,
arme und reiche,10
und brachten alle ihr Opfer dar.
Das währte gar vier Wochen,
dass er nichts als Opfer empfieng,
und die Leute herbeikamen
Tag und Nacht.
Als der Zudrang sich legte,
da waren bei ihm heimlich
zwei oder drei seiner Knappen.
Denen befahl er, dass sie eilten
und ihm die Pferde brächten.20
Des wurden sie froh,
und waren bereit zu kommen.
Sie kamen in derselben Nacht.
Nun hatte er trunken gemacht
die Brüder und die Diener,
dass sie da lagen gerade,
als ob sie erschlagen wären.
Da hiess der Pfaffe heraustragen
schnell Silber und Gold,
Alles was man ihm dargebracht hatte,30
dass davon nichts vergessen ward.
So bracht’ er mit sich auf die Fahrt
wohl zweihundert Mark.
Da eilte er sehr stark,
dass er ohne Schaden hinweg kam.
Als man die Geschichte gewahr ward,
da ward der Probst schwer beladen
mit grossem Zorn und Schaden;
dazu erlitt er grossen Spott.
Die dummen Leute lobten Gott,
dass ihm solches Leid geschehn10
davon, dass sie ihn sagen hörten,
dass sein Schaffner
ein heiliger Pfaffe sei.
So viel Rede man da hörte,
doch war er wohl hinweggekommen.
Wollte ich all die Betrügereien sagen,
die er in seinen Lebtagen begieng,
davon würde es mehr als zuviel:
deshalb will ich mich dessen enthalten.
Er war der erste Mann,20
der solches Geschäft je anfieng.
Ez was hie vor ein burcstat,diu machte manegen riter mat.ein riter wolte drûffe wesenund wânde dâ vil wol genesen:er bowete dâ ein vestesô ers aller bestedrûffe gemachen kunde.in einer kurzen stundewarf si diu ertbibe nider.dô bowete er aber hin widerund verlôs ab sîne habe:si brante im der doner abe.10sus wart er dicke hûslôs.swie manic hûs er dâ verlôs,so geviel im doch daz wesen dâbaz danne iender anderswâ:er bowete ie baz unde baz.alsô lange tet er dazdaz er sîn guot verzerteund sich diu stat erwertedaz si ze jungest œde beleipund ouch den riter dâ vertreip20und vertreip vil manegen sît.nû habent gnuoge den strîtdaz si dar ûf bouwent noch,und erwert si sich in allen doch.Diu stat lât iu sîn bekant:si ist daz göuwe genant.die des geniezen woltenfür baz dan si soltenund dar ûf bouweten vesteund der ie wurden geste,der ist gewesen harte vil.swer ûf daz göuwe zimbern wilder hât vil schiere bejagetdaz man zallen zîten klagetdem landesherren über in.ze jungist sendet er dâ hinund heizet daz hûs brechen.sus kan sich daz göu rechen.dâ ist des herren gwalt10zuo der ertbibe gezalt.der herre schadet noch für baz.diu ertbibe leibet etwaz,so enleibent des herren boten niht:daz beste daz von in geschihtsô si daz göu rechent,ob si daz hûs niht brechent,sô wirt iz doch von in verbrant.dâ hât der donr dar gesantdaz fiwer daz alsô rihtet20und die krumben voite slihtet.daz göu hât sô grôze kraft,an im wirt nieman sigehaft:ez pflag ie des ez immer pfligetdaz ez in allen angesiget,die ez niezen wellent âne reht.ez sî riter oder kneht,der muot dar ûf ze hûsen hât,der sehe wie Kirchelinge stât:daz stiezen göuhüenre nider.den göuhüenren ist niht wider,die heten ie vil grôzen prîs.si lâzent rehte in tracken wîsdaz fiwer ûz dem munde gân.10in enmac ein burc niht vor gestân:ders ungenædic wellent wesendiu ist vor in vil ungenesen.ir stimme ist ein donrslac,si schrîent daz manz hœren macin dem lande über al.ir zorn machet bürge val:swie grôze veste ein burc habe,si brennents oder stôzents abe,alss Kirchelinge tâten.20man mags ungerne brâten,sît si sich alsô rechentdazs bürge nider brechent.swie œde Kirchelinge stê,der hiuse ist z’Œsterrîche mêdiez göu hât zebrochen.er hât sich sô gerochendaz sis noch alle enkoltendiez göu twingen wolten.Swer muot ze stæten dingen hâtder neme die niht an sînen râtdie in ûf daz göu reizenund in daz niezen heizen10und sprechen durch ir geslende‘herre, ir sît ellendein iuwer besten künde.daz ist ein michel sünde:ir gebâret rehte in gastes wîs.welt ir gwinnen grôzen prîs,sô erzeiget iuch des muotesdaz ir lîbes unde guotesein meister unde ein herre sît,und machet iwern gwalt wît.20habt riterlîchen mannes muot,lât iu dienen liute und guotin der gegende swes ez sî:des enlâzet ir deheinen vrî.ez kumet vil schiere an die vristdaz daz ir beste vreude istdaz si iwer hulde müezen hânund sint iu gerne undertân.sô fürhtent die rîchen iwer kraft,die armen sint iu diensthaft.wir kunnen mit gefüegen dingendie liute wol dar zuo bringendaz si iu dienent alle tagemit guotem willen âne klage.10swaz wir mit guoten minnennoch hiure ab in gewinnen,daz müezens ouch ze jâre geben:da geturrens nimmer wider streben,sô müezen siz ouch iemer tuon,swer iu hiure gît ein huon,der gît iu âne geschreize jâre driu ode zwei.sô wehset iemer mêreiwer frum und iwer êre20und werdet werder danne ê.swelich gebûre iu wider stê,den gewinnet zeinem muntman.swaz er geleisten danne kan,daz ist iemer iwer eigen.sus sult irs alle neigenmit listen unde mit gewalt,sus werdet ir mit êren alt.’Die ir herren alsô heizent leben,daz sint verworhte râtgeben:die enhânt nicht willen wan der zuodaz er sîn guot mit in vertuo.des æhtent si âne mâze,si swelhen und si vrâze.swie vaste si ûf daz göu strebenund niht wan roubes wellen leben,10si erkennent niht des göuwes kraftund der göuhüenre meisterschaft.diu kluckent etlîchem abeden hals und alle sîne habe,der gar wil sîn ein göustrûz.si kluckent manegem d’ougen ûzund füeze abe und hende.sô dôwent si daz geslende.swelch herre ir râte volgen wilder gwinnet vînde harte vil,20daz im diu hüenre werdent sûr,sînen ieglich sîn nâchgebûrsînen dienest widersagetund dem landesherren über in klaget.daz ist der göuhüenre geschrei.sô machent driu ode zweidaz er muoz suochen einen tac,dâ er niht über werden mac,ezn müeze in kosten zehen pfunt.dâ sint diu hüenre ungesunt.daz muoz er von den rîchen hân,den er daz laster hât getân.noch sint die armen übersehen,den der schade ist geschehen.10ê er den und gote gebüeze,im wirt der hüenre süezeein sô bitterlîchiu siuredaz si in dunkent ungehiure.
Ez was hie vor ein burcstat,diu machte manegen riter mat.ein riter wolte drûffe wesenund wânde dâ vil wol genesen:er bowete dâ ein vestesô ers aller bestedrûffe gemachen kunde.in einer kurzen stundewarf si diu ertbibe nider.dô bowete er aber hin widerund verlôs ab sîne habe:si brante im der doner abe.10sus wart er dicke hûslôs.swie manic hûs er dâ verlôs,so geviel im doch daz wesen dâbaz danne iender anderswâ:er bowete ie baz unde baz.alsô lange tet er dazdaz er sîn guot verzerteund sich diu stat erwertedaz si ze jungest œde beleipund ouch den riter dâ vertreip20und vertreip vil manegen sît.nû habent gnuoge den strîtdaz si dar ûf bouwent noch,und erwert si sich in allen doch.Diu stat lât iu sîn bekant:si ist daz göuwe genant.die des geniezen woltenfür baz dan si soltenund dar ûf bouweten vesteund der ie wurden geste,der ist gewesen harte vil.swer ûf daz göuwe zimbern wilder hât vil schiere bejagetdaz man zallen zîten klagetdem landesherren über in.ze jungist sendet er dâ hinund heizet daz hûs brechen.sus kan sich daz göu rechen.dâ ist des herren gwalt10zuo der ertbibe gezalt.der herre schadet noch für baz.diu ertbibe leibet etwaz,so enleibent des herren boten niht:daz beste daz von in geschihtsô si daz göu rechent,ob si daz hûs niht brechent,sô wirt iz doch von in verbrant.dâ hât der donr dar gesantdaz fiwer daz alsô rihtet20und die krumben voite slihtet.daz göu hât sô grôze kraft,an im wirt nieman sigehaft:ez pflag ie des ez immer pfligetdaz ez in allen angesiget,die ez niezen wellent âne reht.ez sî riter oder kneht,der muot dar ûf ze hûsen hât,der sehe wie Kirchelinge stât:daz stiezen göuhüenre nider.den göuhüenren ist niht wider,die heten ie vil grôzen prîs.si lâzent rehte in tracken wîsdaz fiwer ûz dem munde gân.10in enmac ein burc niht vor gestân:ders ungenædic wellent wesendiu ist vor in vil ungenesen.ir stimme ist ein donrslac,si schrîent daz manz hœren macin dem lande über al.ir zorn machet bürge val:swie grôze veste ein burc habe,si brennents oder stôzents abe,alss Kirchelinge tâten.20man mags ungerne brâten,sît si sich alsô rechentdazs bürge nider brechent.swie œde Kirchelinge stê,der hiuse ist z’Œsterrîche mêdiez göu hât zebrochen.er hât sich sô gerochendaz sis noch alle enkoltendiez göu twingen wolten.Swer muot ze stæten dingen hâtder neme die niht an sînen râtdie in ûf daz göu reizenund in daz niezen heizen10und sprechen durch ir geslende‘herre, ir sît ellendein iuwer besten künde.daz ist ein michel sünde:ir gebâret rehte in gastes wîs.welt ir gwinnen grôzen prîs,sô erzeiget iuch des muotesdaz ir lîbes unde guotesein meister unde ein herre sît,und machet iwern gwalt wît.20habt riterlîchen mannes muot,lât iu dienen liute und guotin der gegende swes ez sî:des enlâzet ir deheinen vrî.ez kumet vil schiere an die vristdaz daz ir beste vreude istdaz si iwer hulde müezen hânund sint iu gerne undertân.sô fürhtent die rîchen iwer kraft,die armen sint iu diensthaft.wir kunnen mit gefüegen dingendie liute wol dar zuo bringendaz si iu dienent alle tagemit guotem willen âne klage.10swaz wir mit guoten minnennoch hiure ab in gewinnen,daz müezens ouch ze jâre geben:da geturrens nimmer wider streben,sô müezen siz ouch iemer tuon,swer iu hiure gît ein huon,der gît iu âne geschreize jâre driu ode zwei.sô wehset iemer mêreiwer frum und iwer êre20und werdet werder danne ê.swelich gebûre iu wider stê,den gewinnet zeinem muntman.swaz er geleisten danne kan,daz ist iemer iwer eigen.sus sult irs alle neigenmit listen unde mit gewalt,sus werdet ir mit êren alt.’Die ir herren alsô heizent leben,daz sint verworhte râtgeben:die enhânt nicht willen wan der zuodaz er sîn guot mit in vertuo.des æhtent si âne mâze,si swelhen und si vrâze.swie vaste si ûf daz göu strebenund niht wan roubes wellen leben,10si erkennent niht des göuwes kraftund der göuhüenre meisterschaft.diu kluckent etlîchem abeden hals und alle sîne habe,der gar wil sîn ein göustrûz.si kluckent manegem d’ougen ûzund füeze abe und hende.sô dôwent si daz geslende.swelch herre ir râte volgen wilder gwinnet vînde harte vil,20daz im diu hüenre werdent sûr,sînen ieglich sîn nâchgebûrsînen dienest widersagetund dem landesherren über in klaget.daz ist der göuhüenre geschrei.sô machent driu ode zweidaz er muoz suochen einen tac,dâ er niht über werden mac,ezn müeze in kosten zehen pfunt.dâ sint diu hüenre ungesunt.daz muoz er von den rîchen hân,den er daz laster hât getân.noch sint die armen übersehen,den der schade ist geschehen.10ê er den und gote gebüeze,im wirt der hüenre süezeein sô bitterlîchiu siuredaz si in dunkent ungehiure.
Ez was hie vor ein burcstat,diu machte manegen riter mat.ein riter wolte drûffe wesenund wânde dâ vil wol genesen:er bowete dâ ein vestesô ers aller bestedrûffe gemachen kunde.in einer kurzen stundewarf si diu ertbibe nider.dô bowete er aber hin widerund verlôs ab sîne habe:si brante im der doner abe.10sus wart er dicke hûslôs.swie manic hûs er dâ verlôs,so geviel im doch daz wesen dâbaz danne iender anderswâ:er bowete ie baz unde baz.alsô lange tet er dazdaz er sîn guot verzerteund sich diu stat erwertedaz si ze jungest œde beleipund ouch den riter dâ vertreip20und vertreip vil manegen sît.nû habent gnuoge den strîtdaz si dar ûf bouwent noch,und erwert si sich in allen doch.Diu stat lât iu sîn bekant:si ist daz göuwe genant.die des geniezen woltenfür baz dan si soltenund dar ûf bouweten vesteund der ie wurden geste,der ist gewesen harte vil.swer ûf daz göuwe zimbern wilder hât vil schiere bejagetdaz man zallen zîten klagetdem landesherren über in.ze jungist sendet er dâ hinund heizet daz hûs brechen.sus kan sich daz göu rechen.dâ ist des herren gwalt10zuo der ertbibe gezalt.der herre schadet noch für baz.diu ertbibe leibet etwaz,so enleibent des herren boten niht:daz beste daz von in geschihtsô si daz göu rechent,ob si daz hûs niht brechent,sô wirt iz doch von in verbrant.dâ hât der donr dar gesantdaz fiwer daz alsô rihtet20und die krumben voite slihtet.daz göu hât sô grôze kraft,an im wirt nieman sigehaft:ez pflag ie des ez immer pfligetdaz ez in allen angesiget,die ez niezen wellent âne reht.ez sî riter oder kneht,der muot dar ûf ze hûsen hât,der sehe wie Kirchelinge stât:daz stiezen göuhüenre nider.den göuhüenren ist niht wider,die heten ie vil grôzen prîs.si lâzent rehte in tracken wîsdaz fiwer ûz dem munde gân.10in enmac ein burc niht vor gestân:ders ungenædic wellent wesendiu ist vor in vil ungenesen.ir stimme ist ein donrslac,si schrîent daz manz hœren macin dem lande über al.ir zorn machet bürge val:swie grôze veste ein burc habe,si brennents oder stôzents abe,alss Kirchelinge tâten.20man mags ungerne brâten,sît si sich alsô rechentdazs bürge nider brechent.swie œde Kirchelinge stê,der hiuse ist z’Œsterrîche mêdiez göu hât zebrochen.er hât sich sô gerochendaz sis noch alle enkoltendiez göu twingen wolten.Swer muot ze stæten dingen hâtder neme die niht an sînen râtdie in ûf daz göu reizenund in daz niezen heizen10und sprechen durch ir geslende‘herre, ir sît ellendein iuwer besten künde.daz ist ein michel sünde:ir gebâret rehte in gastes wîs.welt ir gwinnen grôzen prîs,sô erzeiget iuch des muotesdaz ir lîbes unde guotesein meister unde ein herre sît,und machet iwern gwalt wît.20habt riterlîchen mannes muot,lât iu dienen liute und guotin der gegende swes ez sî:des enlâzet ir deheinen vrî.ez kumet vil schiere an die vristdaz daz ir beste vreude istdaz si iwer hulde müezen hânund sint iu gerne undertân.sô fürhtent die rîchen iwer kraft,die armen sint iu diensthaft.wir kunnen mit gefüegen dingendie liute wol dar zuo bringendaz si iu dienent alle tagemit guotem willen âne klage.10swaz wir mit guoten minnennoch hiure ab in gewinnen,daz müezens ouch ze jâre geben:da geturrens nimmer wider streben,sô müezen siz ouch iemer tuon,swer iu hiure gît ein huon,der gît iu âne geschreize jâre driu ode zwei.sô wehset iemer mêreiwer frum und iwer êre20und werdet werder danne ê.swelich gebûre iu wider stê,den gewinnet zeinem muntman.swaz er geleisten danne kan,daz ist iemer iwer eigen.sus sult irs alle neigenmit listen unde mit gewalt,sus werdet ir mit êren alt.’Die ir herren alsô heizent leben,daz sint verworhte râtgeben:die enhânt nicht willen wan der zuodaz er sîn guot mit in vertuo.des æhtent si âne mâze,si swelhen und si vrâze.swie vaste si ûf daz göu strebenund niht wan roubes wellen leben,10si erkennent niht des göuwes kraftund der göuhüenre meisterschaft.diu kluckent etlîchem abeden hals und alle sîne habe,der gar wil sîn ein göustrûz.si kluckent manegem d’ougen ûzund füeze abe und hende.sô dôwent si daz geslende.swelch herre ir râte volgen wilder gwinnet vînde harte vil,20daz im diu hüenre werdent sûr,sînen ieglich sîn nâchgebûrsînen dienest widersagetund dem landesherren über in klaget.daz ist der göuhüenre geschrei.sô machent driu ode zweidaz er muoz suochen einen tac,dâ er niht über werden mac,ezn müeze in kosten zehen pfunt.dâ sint diu hüenre ungesunt.daz muoz er von den rîchen hân,den er daz laster hât getân.noch sint die armen übersehen,den der schade ist geschehen.10ê er den und gote gebüeze,im wirt der hüenre süezeein sô bitterlîchiu siuredaz si in dunkent ungehiure.
Ez was hie vor ein burcstat,
diu machte manegen riter mat.
ein riter wolte drûffe wesen
und wânde dâ vil wol genesen:
er bowete dâ ein veste
sô ers aller beste
drûffe gemachen kunde.
in einer kurzen stunde
warf si diu ertbibe nider.
dô bowete er aber hin wider
und verlôs ab sîne habe:
si brante im der doner abe.10
sus wart er dicke hûslôs.
swie manic hûs er dâ verlôs,
so geviel im doch daz wesen dâ
baz danne iender anderswâ:
er bowete ie baz unde baz.
alsô lange tet er daz
daz er sîn guot verzerte
und sich diu stat erwerte
daz si ze jungest œde beleip
und ouch den riter dâ vertreip20
und vertreip vil manegen sît.
nû habent gnuoge den strît
daz si dar ûf bouwent noch,
und erwert si sich in allen doch.
Diu stat lât iu sîn bekant:
si ist daz göuwe genant.
die des geniezen wolten
für baz dan si solten
und dar ûf bouweten veste
und der ie wurden geste,
der ist gewesen harte vil.
swer ûf daz göuwe zimbern wil
der hât vil schiere bejaget
daz man zallen zîten klaget
dem landesherren über in.
ze jungist sendet er dâ hin
und heizet daz hûs brechen.
sus kan sich daz göu rechen.
dâ ist des herren gwalt10
zuo der ertbibe gezalt.
der herre schadet noch für baz.
diu ertbibe leibet etwaz,
so enleibent des herren boten niht:
daz beste daz von in geschiht
sô si daz göu rechent,
ob si daz hûs niht brechent,
sô wirt iz doch von in verbrant.
dâ hât der donr dar gesant
daz fiwer daz alsô rihtet20
und die krumben voite slihtet.
daz göu hât sô grôze kraft,
an im wirt nieman sigehaft:
ez pflag ie des ez immer pfliget
daz ez in allen angesiget,
die ez niezen wellent âne reht.
ez sî riter oder kneht,
der muot dar ûf ze hûsen hât,
der sehe wie Kirchelinge stât:
daz stiezen göuhüenre nider.
den göuhüenren ist niht wider,
die heten ie vil grôzen prîs.
si lâzent rehte in tracken wîs
daz fiwer ûz dem munde gân.10
in enmac ein burc niht vor gestân:
ders ungenædic wellent wesen
diu ist vor in vil ungenesen.
ir stimme ist ein donrslac,
si schrîent daz manz hœren mac
in dem lande über al.
ir zorn machet bürge val:
swie grôze veste ein burc habe,
si brennents oder stôzents abe,
alss Kirchelinge tâten.20
man mags ungerne brâten,
sît si sich alsô rechent
dazs bürge nider brechent.
swie œde Kirchelinge stê,
der hiuse ist z’Œsterrîche mê
diez göu hât zebrochen.
er hât sich sô gerochen
daz sis noch alle enkolten
diez göu twingen wolten.
Swer muot ze stæten dingen hât
der neme die niht an sînen rât
die in ûf daz göu reizen
und in daz niezen heizen10
und sprechen durch ir geslende
‘herre, ir sît ellende
in iuwer besten künde.
daz ist ein michel sünde:
ir gebâret rehte in gastes wîs.
welt ir gwinnen grôzen prîs,
sô erzeiget iuch des muotes
daz ir lîbes unde guotes
ein meister unde ein herre sît,
und machet iwern gwalt wît.20
habt riterlîchen mannes muot,
lât iu dienen liute und guot
in der gegende swes ez sî:
des enlâzet ir deheinen vrî.
ez kumet vil schiere an die vrist
daz daz ir beste vreude ist
daz si iwer hulde müezen hân
und sint iu gerne undertân.
sô fürhtent die rîchen iwer kraft,
die armen sint iu diensthaft.
wir kunnen mit gefüegen dingen
die liute wol dar zuo bringen
daz si iu dienent alle tage
mit guotem willen âne klage.10
swaz wir mit guoten minnen
noch hiure ab in gewinnen,
daz müezens ouch ze jâre geben:
da geturrens nimmer wider streben,
sô müezen siz ouch iemer tuon,
swer iu hiure gît ein huon,
der gît iu âne geschrei
ze jâre driu ode zwei.
sô wehset iemer mêre
iwer frum und iwer êre20
und werdet werder danne ê.
swelich gebûre iu wider stê,
den gewinnet zeinem muntman.
swaz er geleisten danne kan,
daz ist iemer iwer eigen.
sus sult irs alle neigen
mit listen unde mit gewalt,
sus werdet ir mit êren alt.’
Die ir herren alsô heizent leben,
daz sint verworhte râtgeben:
die enhânt nicht willen wan der zuo
daz er sîn guot mit in vertuo.
des æhtent si âne mâze,
si swelhen und si vrâze.
swie vaste si ûf daz göu streben
und niht wan roubes wellen leben,10
si erkennent niht des göuwes kraft
und der göuhüenre meisterschaft.
diu kluckent etlîchem abe
den hals und alle sîne habe,
der gar wil sîn ein göustrûz.
si kluckent manegem d’ougen ûz
und füeze abe und hende.
sô dôwent si daz geslende.
swelch herre ir râte volgen wil
der gwinnet vînde harte vil,20
daz im diu hüenre werdent sûr,
sînen ieglich sîn nâchgebûr
sînen dienest widersaget
und dem landesherren über in klaget.
daz ist der göuhüenre geschrei.
sô machent driu ode zwei
daz er muoz suochen einen tac,
dâ er niht über werden mac,
ezn müeze in kosten zehen pfunt.
dâ sint diu hüenre ungesunt.
daz muoz er von den rîchen hân,
den er daz laster hât getân.
noch sint die armen übersehen,
den der schade ist geschehen.10
ê er den und gote gebüeze,
im wirt der hüenre süeze
ein sô bitterlîchiu siure
daz si in dunkent ungehiure.
Es war vordem ein Bauplatz für eine Burg,der setzte manchen Ritter matt.Ein Ritter wollte sich darauf niederlassenund hoffte dort sehr wohl zu fahren:er baute da eine Feste,so gut er sie daraufnur anlegen konnte.Nach kurzer Zeitwarf sie ein Erdbeben nieder.Da baute er eine zweite dahinund verlor wiederum Hab und Gut:ein Blitzstrahl äscherte sie ein.10So ward er wiederholt häuserlos.Wie manches Haus er auch da verlor,so gefiel ihm doch der Aufenthalt dabesser, als irgend wo anders:er baute immer mehr und mehr.Also lange that er das,bis er sein Gut verzehrte,während sich die Stätte behauptete,so dass sie zuletzt öde bliebund auch den Ritter vertrieb,20und vertrieb noch manchen seitdem.Auch jetzt noch bemühen sich genug,darauf zu bauen,aber sie erwehrt sich ihrer aller.Lasst euch die Stätte nennen:sie heisst der Gau.Die den mehr ausnützen wollten,als sie sollten,und darauf Burgen bautenund die stäts wieder verlassen, mussten.derer sind sehr viele gewesen.Wer auf dem Gau zimmern will,der hat sehr schnell erzielt,dass man jeder Zeit über ihnbei dem Landesherrn Klage führt.Schliesslich sendet der (seine Leute) hinund lässt das Haus brechen.So kann der Gau sich rächen.Vorhin wurde des Herren Gewalt10mit einem Erdbeben verglichen.Der Herr schadet aber noch viel mehr.Das Erdbeben schont doch noch etwas,das aber thun des Herren Boten nicht:das mindeste das von ihnen geschieht,wenn sie den Gau rächen,ist, wenn sie das Haus nicht niederbrechen,dass es von ihnen verbrannt wird.Dort hat der Blitzstrahl hingesandtdas Feuer, das also richtet20und die falschen Vögte auf den rechten Weg bringt.Der Gau hat so grosse Gewalt,über ihn erringt niemand den Sieg:es pflegte noch stäts und pflegt auch heut’über alle den Sieg davonzutragen,die ihn wider Recht ausnützen wollen.Sei es Ritter oder Knecht,wer Absicht hat darin zu hausen,der sehe, wie es mit Kirchlingen steht:das stiessen die Gauhühner nieder;den Gauhühnern widersteht nichts,die hatten immer sehr grossen Ruhm.Sie lassen ganz nach DrachenartFeuer aus ihrem Munde gehn.10Vor ihnem kann keine Burg bestehn:mit der sie es nicht gnädig machen wollen,die ist vor ihnen unrettbar verloren.Ihre Stimme ist ein Donnerschlag,sie schreien, dass man sie hören kannin dem Lande überall.Ihr Zorn bringt die Burgen zu Fall:Wie starke Befestigungen eine Burg auch habe,sie brennen oder stossen sie nieder,wie sie an Kirchlingen gethan.20Man wird sie lieber nicht braten,da sie sich so kräftig rächen,dass sie die Burgen niederbrechen.Wenn Kirchlingen verödet liegt,so sind der Häuser in Österreich mehr,die der Gau gefällt hat.Er hat sich so gerächt,dass sie es noch jeder Zeit entgolten haben,die den Gau zwingen wollten.Wer an gesicherten Verhältnissen Gefallen hat,der nehme die nicht zu Berathern,die ihn gegen den Gau aufreizenund ihn den auszupressen auffordern10und ihrer Schlemmerei zu Liebe sprechen:‘Herr, ihr seid ausgestossenaus eurer eigensten Heimat.Das ist eine wahre Sünde:ihr lebt ganz wie ein fremder Gast.Wollt ihr grossen Ruhm gewinnen,so bethätigt eure Gesinnung,dass ihr über Leib und GutMeister und Herr seidund erweitert eure Gewalt.20Zeigt ritterlichen Mannes Muth,lasst euch in der ganzen Landschaft Leute und Gutdienen gleichviel, wem es angehört:befreit keinen davon.Bald kommt es dann so weit,dass das ihre höchste Freude ist,wenn sie eure Huld besitzen,und dass sie euch gerne untergeben sind.Dann fürchten die Mächtigen eure Kraftund die Armen sind euch dienstbar.Wir wissen Mittel und Wege,die Leute dahin zu bringen,dass sie euch tagtäglichgutwillig ohne Klage dienen.10Was wir ihnen heuer nochin Liebe abgewinnen,das müssen sie auch übers Jahr geben:da wagen sie nicht mehr zu widerstreben,und dann müssen sie’s auch immer thun.Wer euch heuer ein Huhn giebt,der giebt euch ohne Geschreiübers Jahr zwei oder drei.So wächst dann mehr und mehreuer Nutzen und eure Ehre20und ihr werdet angesehener als vordem.Wenn euch ein Bauer Widerstand leistet,so gewinnt ihn zu eurem Schützling (Clienten).Was er dann erarbeiten kann,das ist immer euer eigen.So sollt ihr alle unter euer Joch beugenmit List oder mit Gewalt.Dann werdet ihr mit Ehren alt.’Die ihren Herren ein solches Leben empfehlen,das sind verwünschte Rathgeber:die haben damit keinen andern Zweck im Auge,als dass er sein Gut mit ihnen verthun soll.Das verfolgen sie masslos,die Prasser und Fresser!Wie sehr sie auch den Besitz des Gaus erstrebenund von nichts als Raub leben wollen,10so kennen sie doch nicht des Gaues Kraftund der Gauhühner Meisterschaft.Die brechen gar manchemden Hals und bringen ihn um sein Gut,der durchaus ein Gaustrauss sein will.Sie reissen manchem die Augen ausund Füsse und Hände ab.So verdauen sie das Geschmauste.Der Herr, der ihrem Rathe folgen will,der erwirbt sich viel Feinde,20wenn ihm die Hühner aufsessig werden,so dass ihm alle seine Nachbarnihren Dienst aufsagenund beim Landesherren über ihn Klage führen.Das ist der Gauhühner Geschrei;dann bewirken zwei oder drei,dass er einen Ausgleich suchen muss,wo es ihm nicht erspart bleibt,dass er zehen Pfund Strafe zahlen muss.Dann sind die Hühner ungesund.Das muss er von den Mächtigen hinnehmen,denen er den Schimpf angethan.Noch aber sind die Armen übersehen,denen auch Schade geschehen ist.10Eh er vor denen und Gott sich rechtfertigt,verwandelt sich ihm der Hühner Süssigkeitin so bittere Säure,dass sie ihm unlieblich erscheinen.
Es war vordem ein Bauplatz für eine Burg,der setzte manchen Ritter matt.Ein Ritter wollte sich darauf niederlassenund hoffte dort sehr wohl zu fahren:er baute da eine Feste,so gut er sie daraufnur anlegen konnte.Nach kurzer Zeitwarf sie ein Erdbeben nieder.Da baute er eine zweite dahinund verlor wiederum Hab und Gut:ein Blitzstrahl äscherte sie ein.10So ward er wiederholt häuserlos.Wie manches Haus er auch da verlor,so gefiel ihm doch der Aufenthalt dabesser, als irgend wo anders:er baute immer mehr und mehr.Also lange that er das,bis er sein Gut verzehrte,während sich die Stätte behauptete,so dass sie zuletzt öde bliebund auch den Ritter vertrieb,20und vertrieb noch manchen seitdem.Auch jetzt noch bemühen sich genug,darauf zu bauen,aber sie erwehrt sich ihrer aller.Lasst euch die Stätte nennen:sie heisst der Gau.Die den mehr ausnützen wollten,als sie sollten,und darauf Burgen bautenund die stäts wieder verlassen, mussten.derer sind sehr viele gewesen.Wer auf dem Gau zimmern will,der hat sehr schnell erzielt,dass man jeder Zeit über ihnbei dem Landesherrn Klage führt.Schliesslich sendet der (seine Leute) hinund lässt das Haus brechen.So kann der Gau sich rächen.Vorhin wurde des Herren Gewalt10mit einem Erdbeben verglichen.Der Herr schadet aber noch viel mehr.Das Erdbeben schont doch noch etwas,das aber thun des Herren Boten nicht:das mindeste das von ihnen geschieht,wenn sie den Gau rächen,ist, wenn sie das Haus nicht niederbrechen,dass es von ihnen verbrannt wird.Dort hat der Blitzstrahl hingesandtdas Feuer, das also richtet20und die falschen Vögte auf den rechten Weg bringt.Der Gau hat so grosse Gewalt,über ihn erringt niemand den Sieg:es pflegte noch stäts und pflegt auch heut’über alle den Sieg davonzutragen,die ihn wider Recht ausnützen wollen.Sei es Ritter oder Knecht,wer Absicht hat darin zu hausen,der sehe, wie es mit Kirchlingen steht:das stiessen die Gauhühner nieder;den Gauhühnern widersteht nichts,die hatten immer sehr grossen Ruhm.Sie lassen ganz nach DrachenartFeuer aus ihrem Munde gehn.10Vor ihnem kann keine Burg bestehn:mit der sie es nicht gnädig machen wollen,die ist vor ihnen unrettbar verloren.Ihre Stimme ist ein Donnerschlag,sie schreien, dass man sie hören kannin dem Lande überall.Ihr Zorn bringt die Burgen zu Fall:Wie starke Befestigungen eine Burg auch habe,sie brennen oder stossen sie nieder,wie sie an Kirchlingen gethan.20Man wird sie lieber nicht braten,da sie sich so kräftig rächen,dass sie die Burgen niederbrechen.Wenn Kirchlingen verödet liegt,so sind der Häuser in Österreich mehr,die der Gau gefällt hat.Er hat sich so gerächt,dass sie es noch jeder Zeit entgolten haben,die den Gau zwingen wollten.Wer an gesicherten Verhältnissen Gefallen hat,der nehme die nicht zu Berathern,die ihn gegen den Gau aufreizenund ihn den auszupressen auffordern10und ihrer Schlemmerei zu Liebe sprechen:‘Herr, ihr seid ausgestossenaus eurer eigensten Heimat.Das ist eine wahre Sünde:ihr lebt ganz wie ein fremder Gast.Wollt ihr grossen Ruhm gewinnen,so bethätigt eure Gesinnung,dass ihr über Leib und GutMeister und Herr seidund erweitert eure Gewalt.20Zeigt ritterlichen Mannes Muth,lasst euch in der ganzen Landschaft Leute und Gutdienen gleichviel, wem es angehört:befreit keinen davon.Bald kommt es dann so weit,dass das ihre höchste Freude ist,wenn sie eure Huld besitzen,und dass sie euch gerne untergeben sind.Dann fürchten die Mächtigen eure Kraftund die Armen sind euch dienstbar.Wir wissen Mittel und Wege,die Leute dahin zu bringen,dass sie euch tagtäglichgutwillig ohne Klage dienen.10Was wir ihnen heuer nochin Liebe abgewinnen,das müssen sie auch übers Jahr geben:da wagen sie nicht mehr zu widerstreben,und dann müssen sie’s auch immer thun.Wer euch heuer ein Huhn giebt,der giebt euch ohne Geschreiübers Jahr zwei oder drei.So wächst dann mehr und mehreuer Nutzen und eure Ehre20und ihr werdet angesehener als vordem.Wenn euch ein Bauer Widerstand leistet,so gewinnt ihn zu eurem Schützling (Clienten).Was er dann erarbeiten kann,das ist immer euer eigen.So sollt ihr alle unter euer Joch beugenmit List oder mit Gewalt.Dann werdet ihr mit Ehren alt.’Die ihren Herren ein solches Leben empfehlen,das sind verwünschte Rathgeber:die haben damit keinen andern Zweck im Auge,als dass er sein Gut mit ihnen verthun soll.Das verfolgen sie masslos,die Prasser und Fresser!Wie sehr sie auch den Besitz des Gaus erstrebenund von nichts als Raub leben wollen,10so kennen sie doch nicht des Gaues Kraftund der Gauhühner Meisterschaft.Die brechen gar manchemden Hals und bringen ihn um sein Gut,der durchaus ein Gaustrauss sein will.Sie reissen manchem die Augen ausund Füsse und Hände ab.So verdauen sie das Geschmauste.Der Herr, der ihrem Rathe folgen will,der erwirbt sich viel Feinde,20wenn ihm die Hühner aufsessig werden,so dass ihm alle seine Nachbarnihren Dienst aufsagenund beim Landesherren über ihn Klage führen.Das ist der Gauhühner Geschrei;dann bewirken zwei oder drei,dass er einen Ausgleich suchen muss,wo es ihm nicht erspart bleibt,dass er zehen Pfund Strafe zahlen muss.Dann sind die Hühner ungesund.Das muss er von den Mächtigen hinnehmen,denen er den Schimpf angethan.Noch aber sind die Armen übersehen,denen auch Schade geschehen ist.10Eh er vor denen und Gott sich rechtfertigt,verwandelt sich ihm der Hühner Süssigkeitin so bittere Säure,dass sie ihm unlieblich erscheinen.
Es war vordem ein Bauplatz für eine Burg,der setzte manchen Ritter matt.Ein Ritter wollte sich darauf niederlassenund hoffte dort sehr wohl zu fahren:er baute da eine Feste,so gut er sie daraufnur anlegen konnte.Nach kurzer Zeitwarf sie ein Erdbeben nieder.Da baute er eine zweite dahinund verlor wiederum Hab und Gut:ein Blitzstrahl äscherte sie ein.10So ward er wiederholt häuserlos.Wie manches Haus er auch da verlor,so gefiel ihm doch der Aufenthalt dabesser, als irgend wo anders:er baute immer mehr und mehr.Also lange that er das,bis er sein Gut verzehrte,während sich die Stätte behauptete,so dass sie zuletzt öde bliebund auch den Ritter vertrieb,20und vertrieb noch manchen seitdem.Auch jetzt noch bemühen sich genug,darauf zu bauen,aber sie erwehrt sich ihrer aller.Lasst euch die Stätte nennen:sie heisst der Gau.Die den mehr ausnützen wollten,als sie sollten,und darauf Burgen bautenund die stäts wieder verlassen, mussten.derer sind sehr viele gewesen.Wer auf dem Gau zimmern will,der hat sehr schnell erzielt,dass man jeder Zeit über ihnbei dem Landesherrn Klage führt.Schliesslich sendet der (seine Leute) hinund lässt das Haus brechen.So kann der Gau sich rächen.Vorhin wurde des Herren Gewalt10mit einem Erdbeben verglichen.Der Herr schadet aber noch viel mehr.Das Erdbeben schont doch noch etwas,das aber thun des Herren Boten nicht:das mindeste das von ihnen geschieht,wenn sie den Gau rächen,ist, wenn sie das Haus nicht niederbrechen,dass es von ihnen verbrannt wird.Dort hat der Blitzstrahl hingesandtdas Feuer, das also richtet20und die falschen Vögte auf den rechten Weg bringt.Der Gau hat so grosse Gewalt,über ihn erringt niemand den Sieg:es pflegte noch stäts und pflegt auch heut’über alle den Sieg davonzutragen,die ihn wider Recht ausnützen wollen.Sei es Ritter oder Knecht,wer Absicht hat darin zu hausen,der sehe, wie es mit Kirchlingen steht:das stiessen die Gauhühner nieder;den Gauhühnern widersteht nichts,die hatten immer sehr grossen Ruhm.Sie lassen ganz nach DrachenartFeuer aus ihrem Munde gehn.10Vor ihnem kann keine Burg bestehn:mit der sie es nicht gnädig machen wollen,die ist vor ihnen unrettbar verloren.Ihre Stimme ist ein Donnerschlag,sie schreien, dass man sie hören kannin dem Lande überall.Ihr Zorn bringt die Burgen zu Fall:Wie starke Befestigungen eine Burg auch habe,sie brennen oder stossen sie nieder,wie sie an Kirchlingen gethan.20Man wird sie lieber nicht braten,da sie sich so kräftig rächen,dass sie die Burgen niederbrechen.Wenn Kirchlingen verödet liegt,so sind der Häuser in Österreich mehr,die der Gau gefällt hat.Er hat sich so gerächt,dass sie es noch jeder Zeit entgolten haben,die den Gau zwingen wollten.Wer an gesicherten Verhältnissen Gefallen hat,der nehme die nicht zu Berathern,die ihn gegen den Gau aufreizenund ihn den auszupressen auffordern10und ihrer Schlemmerei zu Liebe sprechen:‘Herr, ihr seid ausgestossenaus eurer eigensten Heimat.Das ist eine wahre Sünde:ihr lebt ganz wie ein fremder Gast.Wollt ihr grossen Ruhm gewinnen,so bethätigt eure Gesinnung,dass ihr über Leib und GutMeister und Herr seidund erweitert eure Gewalt.20Zeigt ritterlichen Mannes Muth,lasst euch in der ganzen Landschaft Leute und Gutdienen gleichviel, wem es angehört:befreit keinen davon.Bald kommt es dann so weit,dass das ihre höchste Freude ist,wenn sie eure Huld besitzen,und dass sie euch gerne untergeben sind.Dann fürchten die Mächtigen eure Kraftund die Armen sind euch dienstbar.Wir wissen Mittel und Wege,die Leute dahin zu bringen,dass sie euch tagtäglichgutwillig ohne Klage dienen.10Was wir ihnen heuer nochin Liebe abgewinnen,das müssen sie auch übers Jahr geben:da wagen sie nicht mehr zu widerstreben,und dann müssen sie’s auch immer thun.Wer euch heuer ein Huhn giebt,der giebt euch ohne Geschreiübers Jahr zwei oder drei.So wächst dann mehr und mehreuer Nutzen und eure Ehre20und ihr werdet angesehener als vordem.Wenn euch ein Bauer Widerstand leistet,so gewinnt ihn zu eurem Schützling (Clienten).Was er dann erarbeiten kann,das ist immer euer eigen.So sollt ihr alle unter euer Joch beugenmit List oder mit Gewalt.Dann werdet ihr mit Ehren alt.’Die ihren Herren ein solches Leben empfehlen,das sind verwünschte Rathgeber:die haben damit keinen andern Zweck im Auge,als dass er sein Gut mit ihnen verthun soll.Das verfolgen sie masslos,die Prasser und Fresser!Wie sehr sie auch den Besitz des Gaus erstrebenund von nichts als Raub leben wollen,10so kennen sie doch nicht des Gaues Kraftund der Gauhühner Meisterschaft.Die brechen gar manchemden Hals und bringen ihn um sein Gut,der durchaus ein Gaustrauss sein will.Sie reissen manchem die Augen ausund Füsse und Hände ab.So verdauen sie das Geschmauste.Der Herr, der ihrem Rathe folgen will,der erwirbt sich viel Feinde,20wenn ihm die Hühner aufsessig werden,so dass ihm alle seine Nachbarnihren Dienst aufsagenund beim Landesherren über ihn Klage führen.Das ist der Gauhühner Geschrei;dann bewirken zwei oder drei,dass er einen Ausgleich suchen muss,wo es ihm nicht erspart bleibt,dass er zehen Pfund Strafe zahlen muss.Dann sind die Hühner ungesund.Das muss er von den Mächtigen hinnehmen,denen er den Schimpf angethan.Noch aber sind die Armen übersehen,denen auch Schade geschehen ist.10Eh er vor denen und Gott sich rechtfertigt,verwandelt sich ihm der Hühner Süssigkeitin so bittere Säure,dass sie ihm unlieblich erscheinen.
Es war vordem ein Bauplatz für eine Burg,
der setzte manchen Ritter matt.
Ein Ritter wollte sich darauf niederlassen
und hoffte dort sehr wohl zu fahren:
er baute da eine Feste,
so gut er sie darauf
nur anlegen konnte.
Nach kurzer Zeit
warf sie ein Erdbeben nieder.
Da baute er eine zweite dahin
und verlor wiederum Hab und Gut:
ein Blitzstrahl äscherte sie ein.10
So ward er wiederholt häuserlos.
Wie manches Haus er auch da verlor,
so gefiel ihm doch der Aufenthalt da
besser, als irgend wo anders:
er baute immer mehr und mehr.
Also lange that er das,
bis er sein Gut verzehrte,
während sich die Stätte behauptete,
so dass sie zuletzt öde blieb
und auch den Ritter vertrieb,20
und vertrieb noch manchen seitdem.
Auch jetzt noch bemühen sich genug,
darauf zu bauen,
aber sie erwehrt sich ihrer aller.
Lasst euch die Stätte nennen:
sie heisst der Gau.
Die den mehr ausnützen wollten,
als sie sollten,
und darauf Burgen bauten
und die stäts wieder verlassen, mussten.
derer sind sehr viele gewesen.
Wer auf dem Gau zimmern will,
der hat sehr schnell erzielt,
dass man jeder Zeit über ihn
bei dem Landesherrn Klage führt.
Schliesslich sendet der (seine Leute) hin
und lässt das Haus brechen.
So kann der Gau sich rächen.
Vorhin wurde des Herren Gewalt10
mit einem Erdbeben verglichen.
Der Herr schadet aber noch viel mehr.
Das Erdbeben schont doch noch etwas,
das aber thun des Herren Boten nicht:
das mindeste das von ihnen geschieht,
wenn sie den Gau rächen,
ist, wenn sie das Haus nicht niederbrechen,
dass es von ihnen verbrannt wird.
Dort hat der Blitzstrahl hingesandt
das Feuer, das also richtet20
und die falschen Vögte auf den rechten Weg bringt.
Der Gau hat so grosse Gewalt,
über ihn erringt niemand den Sieg:
es pflegte noch stäts und pflegt auch heut’
über alle den Sieg davonzutragen,
die ihn wider Recht ausnützen wollen.
Sei es Ritter oder Knecht,
wer Absicht hat darin zu hausen,
der sehe, wie es mit Kirchlingen steht:
das stiessen die Gauhühner nieder;
den Gauhühnern widersteht nichts,
die hatten immer sehr grossen Ruhm.
Sie lassen ganz nach Drachenart
Feuer aus ihrem Munde gehn.10
Vor ihnem kann keine Burg bestehn:
mit der sie es nicht gnädig machen wollen,
die ist vor ihnen unrettbar verloren.
Ihre Stimme ist ein Donnerschlag,
sie schreien, dass man sie hören kann
in dem Lande überall.
Ihr Zorn bringt die Burgen zu Fall:
Wie starke Befestigungen eine Burg auch habe,
sie brennen oder stossen sie nieder,
wie sie an Kirchlingen gethan.20
Man wird sie lieber nicht braten,
da sie sich so kräftig rächen,
dass sie die Burgen niederbrechen.
Wenn Kirchlingen verödet liegt,
so sind der Häuser in Österreich mehr,
die der Gau gefällt hat.
Er hat sich so gerächt,
dass sie es noch jeder Zeit entgolten haben,
die den Gau zwingen wollten.
Wer an gesicherten Verhältnissen Gefallen hat,
der nehme die nicht zu Berathern,
die ihn gegen den Gau aufreizen
und ihn den auszupressen auffordern10
und ihrer Schlemmerei zu Liebe sprechen:
‘Herr, ihr seid ausgestossen
aus eurer eigensten Heimat.
Das ist eine wahre Sünde:
ihr lebt ganz wie ein fremder Gast.
Wollt ihr grossen Ruhm gewinnen,
so bethätigt eure Gesinnung,
dass ihr über Leib und Gut
Meister und Herr seid
und erweitert eure Gewalt.20
Zeigt ritterlichen Mannes Muth,
lasst euch in der ganzen Landschaft Leute und Gut
dienen gleichviel, wem es angehört:
befreit keinen davon.
Bald kommt es dann so weit,
dass das ihre höchste Freude ist,
wenn sie eure Huld besitzen,
und dass sie euch gerne untergeben sind.
Dann fürchten die Mächtigen eure Kraft
und die Armen sind euch dienstbar.
Wir wissen Mittel und Wege,
die Leute dahin zu bringen,
dass sie euch tagtäglich
gutwillig ohne Klage dienen.10
Was wir ihnen heuer noch
in Liebe abgewinnen,
das müssen sie auch übers Jahr geben:
da wagen sie nicht mehr zu widerstreben,
und dann müssen sie’s auch immer thun.
Wer euch heuer ein Huhn giebt,
der giebt euch ohne Geschrei
übers Jahr zwei oder drei.
So wächst dann mehr und mehr
euer Nutzen und eure Ehre20
und ihr werdet angesehener als vordem.
Wenn euch ein Bauer Widerstand leistet,
so gewinnt ihn zu eurem Schützling (Clienten).
Was er dann erarbeiten kann,
das ist immer euer eigen.
So sollt ihr alle unter euer Joch beugen
mit List oder mit Gewalt.
Dann werdet ihr mit Ehren alt.’
Die ihren Herren ein solches Leben empfehlen,
das sind verwünschte Rathgeber:
die haben damit keinen andern Zweck im Auge,
als dass er sein Gut mit ihnen verthun soll.
Das verfolgen sie masslos,
die Prasser und Fresser!
Wie sehr sie auch den Besitz des Gaus erstreben
und von nichts als Raub leben wollen,10
so kennen sie doch nicht des Gaues Kraft
und der Gauhühner Meisterschaft.
Die brechen gar manchem
den Hals und bringen ihn um sein Gut,
der durchaus ein Gaustrauss sein will.
Sie reissen manchem die Augen aus
und Füsse und Hände ab.
So verdauen sie das Geschmauste.
Der Herr, der ihrem Rathe folgen will,
der erwirbt sich viel Feinde,20
wenn ihm die Hühner aufsessig werden,
so dass ihm alle seine Nachbarn
ihren Dienst aufsagen
und beim Landesherren über ihn Klage führen.
Das ist der Gauhühner Geschrei;
dann bewirken zwei oder drei,
dass er einen Ausgleich suchen muss,
wo es ihm nicht erspart bleibt,
dass er zehen Pfund Strafe zahlen muss.
Dann sind die Hühner ungesund.
Das muss er von den Mächtigen hinnehmen,
denen er den Schimpf angethan.
Noch aber sind die Armen übersehen,
denen auch Schade geschehen ist.10
Eh er vor denen und Gott sich rechtfertigt,
verwandelt sich ihm der Hühner Süssigkeit
in so bittere Säure,
dass sie ihm unlieblich erscheinen.