DER UNGENANNTE SPIELMANN.[Scherer D.198, 225,E.191, 217.]Seine Gedichte sind in den Handschriften unter dem Namen ‘Spervogel’ überliefert und unter diesem in Minnesangs Frühling, Nr. 6 herausgegeben.Dô der guote Wernhartan dise werlt geborn wart,do begonde er teilen al sîn guot.do gewan er Rüedegêres muot,der saz ze Bechelæreund pflac der marke manegen tac:der wart von sîner frümekeit sô mære.Wie sich der rîche betraget!sô dem nôthaften wagetdur daz lant der stegereif.daz ich ze bûwe niht engreif,dô mir begonde entspringen10von alrêrste mîn bart!des muoz ich nû mit arbeiten ringen.Weistu wie der igel sprach?‘vil guot ist eigen gemach.’zimber ein hûs, Kerlinc.dar inne schaffe dîniu dinc.die hêrren sint erarget.swer dâ heime niht enhât,wie maneger guoter dinge der darbet!Mich hungerte harte.20Ich steic in einen garten.dâ was obez innen:des mohte ich niht gewinnen.daz kom von unheile.dicke weget ich den ast:mir wart des obezes nie niht ze teile.Ein wolf sîne sünde flôch,in ein klôster er sich zôch,er wolde geistlîchen leben.dô hiez man in der schâfe pflegen:sît wart er unstæte.dô beiz er schâf unde swîn:er jach daz ez des pfaffen rüde tæte.Ein man sol haben êre,und sol iedoch der sêleunder wîlen wesen guot,10daz in dehein sîn übermuotverleite niht ze verre;swenn er urlobes ger,daz ez im an dem wege niht enwerre.Wurze des waldesund erze des goldesund elliu apgründediu sint dir, hêrre, künde:diu stênt in dîner hende.allez himeleschez her20dazn möht dich niht volloben an ein ende.Als der gute WernhartZu dieser Welt gebracht ward,Da theilt er allsogleich sein Gut.Es überkam ihn Rüdgers Muth,Der, zu Bechlarn gesessen,Die Mark verwaltet manchen Tag:Drum ward ihm Ruhms ein volles Mass gemessen.Behaglich sich der Reiche labt,Dieweil der Dürftige trabtMit losem Bügel durch das Land!Was griff nicht nach dem Pflug die Hand,Da mir begann zu sprossen10In erster Jugend mein Bart!Daraus ist heute Mühsal mir geflossen.Weisst du, wie der Igel sprach?‘Ich lob’ mir eigenes Gemach.’Kerling, zimmre dir ein HausMit Vorrath rüst’ es sorglich aus.Die Grossen wollen sparen.Wer nichts im eignen Hause hat,Wie viel Entbehrung, Noth muss der erfahren!Von Hunger schier gemartert20Stieg ich in einen Garten.Da war Obst drin gehangen:Das konnt ich nicht erlangen.Da zeigte sich mein Unheil.Häufig schüttelt’ ich den Ast:Doch ward mir von den Früchten nichts zu Theil.Ein Wolf thät in ein Kloster ziehn,Um seiner Sünde zu entfliehn;Er wollt ein geistlich Leben führenDa hiess man ihn die Schafe hüten:Da riss ihm aber die Geduld.Da biss er Schaf sowie Schwein:Und gab des Pfaffen Rüden alle Schuld.Der Mann halt’ auf Ehre,Doch soll er für die SeeleAuch Sorge tragen seiner Zeit,10Dass ihn die WeltfreudigkeitVerleite nicht zu ferne;Will er einst von hinnen ziehn,Dass ihm den Himmelsweg dann nichts versperre.Kräuter des WaldesUnd Schachte des GoldesUnd jeglicher Abgrund,Die sind dir, Herr, wohl kund:Die schützen deine Hände.Das ganze himmlische Heer20Möcht’ dich vollpreisen nicht bis an ein Ende.
DER UNGENANNTE SPIELMANN.
[Scherer D.198, 225,E.191, 217.]
Seine Gedichte sind in den Handschriften unter dem Namen ‘Spervogel’ überliefert und unter diesem in Minnesangs Frühling, Nr. 6 herausgegeben.
Seine Gedichte sind in den Handschriften unter dem Namen ‘Spervogel’ überliefert und unter diesem in Minnesangs Frühling, Nr. 6 herausgegeben.
Dô der guote Wernhartan dise werlt geborn wart,do begonde er teilen al sîn guot.do gewan er Rüedegêres muot,der saz ze Bechelæreund pflac der marke manegen tac:der wart von sîner frümekeit sô mære.Wie sich der rîche betraget!sô dem nôthaften wagetdur daz lant der stegereif.daz ich ze bûwe niht engreif,dô mir begonde entspringen10von alrêrste mîn bart!des muoz ich nû mit arbeiten ringen.Weistu wie der igel sprach?‘vil guot ist eigen gemach.’zimber ein hûs, Kerlinc.dar inne schaffe dîniu dinc.die hêrren sint erarget.swer dâ heime niht enhât,wie maneger guoter dinge der darbet!Mich hungerte harte.20Ich steic in einen garten.dâ was obez innen:des mohte ich niht gewinnen.daz kom von unheile.dicke weget ich den ast:mir wart des obezes nie niht ze teile.Ein wolf sîne sünde flôch,in ein klôster er sich zôch,er wolde geistlîchen leben.dô hiez man in der schâfe pflegen:sît wart er unstæte.dô beiz er schâf unde swîn:er jach daz ez des pfaffen rüde tæte.Ein man sol haben êre,und sol iedoch der sêleunder wîlen wesen guot,10daz in dehein sîn übermuotverleite niht ze verre;swenn er urlobes ger,daz ez im an dem wege niht enwerre.Wurze des waldesund erze des goldesund elliu apgründediu sint dir, hêrre, künde:diu stênt in dîner hende.allez himeleschez her20dazn möht dich niht volloben an ein ende.
Dô der guote Wernhartan dise werlt geborn wart,do begonde er teilen al sîn guot.do gewan er Rüedegêres muot,der saz ze Bechelæreund pflac der marke manegen tac:der wart von sîner frümekeit sô mære.Wie sich der rîche betraget!sô dem nôthaften wagetdur daz lant der stegereif.daz ich ze bûwe niht engreif,dô mir begonde entspringen10von alrêrste mîn bart!des muoz ich nû mit arbeiten ringen.Weistu wie der igel sprach?‘vil guot ist eigen gemach.’zimber ein hûs, Kerlinc.dar inne schaffe dîniu dinc.die hêrren sint erarget.swer dâ heime niht enhât,wie maneger guoter dinge der darbet!Mich hungerte harte.20Ich steic in einen garten.dâ was obez innen:des mohte ich niht gewinnen.daz kom von unheile.dicke weget ich den ast:mir wart des obezes nie niht ze teile.Ein wolf sîne sünde flôch,in ein klôster er sich zôch,er wolde geistlîchen leben.dô hiez man in der schâfe pflegen:sît wart er unstæte.dô beiz er schâf unde swîn:er jach daz ez des pfaffen rüde tæte.Ein man sol haben êre,und sol iedoch der sêleunder wîlen wesen guot,10daz in dehein sîn übermuotverleite niht ze verre;swenn er urlobes ger,daz ez im an dem wege niht enwerre.Wurze des waldesund erze des goldesund elliu apgründediu sint dir, hêrre, künde:diu stênt in dîner hende.allez himeleschez her20dazn möht dich niht volloben an ein ende.
Dô der guote Wernhartan dise werlt geborn wart,do begonde er teilen al sîn guot.do gewan er Rüedegêres muot,der saz ze Bechelæreund pflac der marke manegen tac:der wart von sîner frümekeit sô mære.
Dô der guote Wernhart
an dise werlt geborn wart,
do begonde er teilen al sîn guot.
do gewan er Rüedegêres muot,
der saz ze Bechelære
und pflac der marke manegen tac:
der wart von sîner frümekeit sô mære.
Wie sich der rîche betraget!sô dem nôthaften wagetdur daz lant der stegereif.daz ich ze bûwe niht engreif,dô mir begonde entspringen10von alrêrste mîn bart!des muoz ich nû mit arbeiten ringen.
Wie sich der rîche betraget!
sô dem nôthaften waget
dur daz lant der stegereif.
daz ich ze bûwe niht engreif,
dô mir begonde entspringen10
von alrêrste mîn bart!
des muoz ich nû mit arbeiten ringen.
Weistu wie der igel sprach?‘vil guot ist eigen gemach.’zimber ein hûs, Kerlinc.dar inne schaffe dîniu dinc.die hêrren sint erarget.swer dâ heime niht enhât,wie maneger guoter dinge der darbet!
Weistu wie der igel sprach?
‘vil guot ist eigen gemach.’
zimber ein hûs, Kerlinc.
dar inne schaffe dîniu dinc.
die hêrren sint erarget.
swer dâ heime niht enhât,
wie maneger guoter dinge der darbet!
Mich hungerte harte.20Ich steic in einen garten.dâ was obez innen:des mohte ich niht gewinnen.daz kom von unheile.dicke weget ich den ast:mir wart des obezes nie niht ze teile.
Mich hungerte harte.20
Ich steic in einen garten.
dâ was obez innen:
des mohte ich niht gewinnen.
daz kom von unheile.
dicke weget ich den ast:
mir wart des obezes nie niht ze teile.
Ein wolf sîne sünde flôch,in ein klôster er sich zôch,er wolde geistlîchen leben.dô hiez man in der schâfe pflegen:sît wart er unstæte.dô beiz er schâf unde swîn:er jach daz ez des pfaffen rüde tæte.
Ein wolf sîne sünde flôch,
in ein klôster er sich zôch,
er wolde geistlîchen leben.
dô hiez man in der schâfe pflegen:
sît wart er unstæte.
dô beiz er schâf unde swîn:
er jach daz ez des pfaffen rüde tæte.
Ein man sol haben êre,und sol iedoch der sêleunder wîlen wesen guot,10daz in dehein sîn übermuotverleite niht ze verre;swenn er urlobes ger,daz ez im an dem wege niht enwerre.
Ein man sol haben êre,
und sol iedoch der sêle
under wîlen wesen guot,10
daz in dehein sîn übermuot
verleite niht ze verre;
swenn er urlobes ger,
daz ez im an dem wege niht enwerre.
Wurze des waldesund erze des goldesund elliu apgründediu sint dir, hêrre, künde:diu stênt in dîner hende.allez himeleschez her20dazn möht dich niht volloben an ein ende.
Wurze des waldes
und erze des goldes
und elliu apgründe
diu sint dir, hêrre, künde:
diu stênt in dîner hende.
allez himeleschez her20
dazn möht dich niht volloben an ein ende.
Als der gute WernhartZu dieser Welt gebracht ward,Da theilt er allsogleich sein Gut.Es überkam ihn Rüdgers Muth,Der, zu Bechlarn gesessen,Die Mark verwaltet manchen Tag:Drum ward ihm Ruhms ein volles Mass gemessen.Behaglich sich der Reiche labt,Dieweil der Dürftige trabtMit losem Bügel durch das Land!Was griff nicht nach dem Pflug die Hand,Da mir begann zu sprossen10In erster Jugend mein Bart!Daraus ist heute Mühsal mir geflossen.Weisst du, wie der Igel sprach?‘Ich lob’ mir eigenes Gemach.’Kerling, zimmre dir ein HausMit Vorrath rüst’ es sorglich aus.Die Grossen wollen sparen.Wer nichts im eignen Hause hat,Wie viel Entbehrung, Noth muss der erfahren!Von Hunger schier gemartert20Stieg ich in einen Garten.Da war Obst drin gehangen:Das konnt ich nicht erlangen.Da zeigte sich mein Unheil.Häufig schüttelt’ ich den Ast:Doch ward mir von den Früchten nichts zu Theil.Ein Wolf thät in ein Kloster ziehn,Um seiner Sünde zu entfliehn;Er wollt ein geistlich Leben führenDa hiess man ihn die Schafe hüten:Da riss ihm aber die Geduld.Da biss er Schaf sowie Schwein:Und gab des Pfaffen Rüden alle Schuld.Der Mann halt’ auf Ehre,Doch soll er für die SeeleAuch Sorge tragen seiner Zeit,10Dass ihn die WeltfreudigkeitVerleite nicht zu ferne;Will er einst von hinnen ziehn,Dass ihm den Himmelsweg dann nichts versperre.Kräuter des WaldesUnd Schachte des GoldesUnd jeglicher Abgrund,Die sind dir, Herr, wohl kund:Die schützen deine Hände.Das ganze himmlische Heer20Möcht’ dich vollpreisen nicht bis an ein Ende.
Als der gute WernhartZu dieser Welt gebracht ward,Da theilt er allsogleich sein Gut.Es überkam ihn Rüdgers Muth,Der, zu Bechlarn gesessen,Die Mark verwaltet manchen Tag:Drum ward ihm Ruhms ein volles Mass gemessen.Behaglich sich der Reiche labt,Dieweil der Dürftige trabtMit losem Bügel durch das Land!Was griff nicht nach dem Pflug die Hand,Da mir begann zu sprossen10In erster Jugend mein Bart!Daraus ist heute Mühsal mir geflossen.Weisst du, wie der Igel sprach?‘Ich lob’ mir eigenes Gemach.’Kerling, zimmre dir ein HausMit Vorrath rüst’ es sorglich aus.Die Grossen wollen sparen.Wer nichts im eignen Hause hat,Wie viel Entbehrung, Noth muss der erfahren!Von Hunger schier gemartert20Stieg ich in einen Garten.Da war Obst drin gehangen:Das konnt ich nicht erlangen.Da zeigte sich mein Unheil.Häufig schüttelt’ ich den Ast:Doch ward mir von den Früchten nichts zu Theil.Ein Wolf thät in ein Kloster ziehn,Um seiner Sünde zu entfliehn;Er wollt ein geistlich Leben führenDa hiess man ihn die Schafe hüten:Da riss ihm aber die Geduld.Da biss er Schaf sowie Schwein:Und gab des Pfaffen Rüden alle Schuld.Der Mann halt’ auf Ehre,Doch soll er für die SeeleAuch Sorge tragen seiner Zeit,10Dass ihn die WeltfreudigkeitVerleite nicht zu ferne;Will er einst von hinnen ziehn,Dass ihm den Himmelsweg dann nichts versperre.Kräuter des WaldesUnd Schachte des GoldesUnd jeglicher Abgrund,Die sind dir, Herr, wohl kund:Die schützen deine Hände.Das ganze himmlische Heer20Möcht’ dich vollpreisen nicht bis an ein Ende.
Als der gute WernhartZu dieser Welt gebracht ward,Da theilt er allsogleich sein Gut.Es überkam ihn Rüdgers Muth,Der, zu Bechlarn gesessen,Die Mark verwaltet manchen Tag:Drum ward ihm Ruhms ein volles Mass gemessen.
Als der gute Wernhart
Zu dieser Welt gebracht ward,
Da theilt er allsogleich sein Gut.
Es überkam ihn Rüdgers Muth,
Der, zu Bechlarn gesessen,
Die Mark verwaltet manchen Tag:
Drum ward ihm Ruhms ein volles Mass gemessen.
Behaglich sich der Reiche labt,Dieweil der Dürftige trabtMit losem Bügel durch das Land!Was griff nicht nach dem Pflug die Hand,Da mir begann zu sprossen10In erster Jugend mein Bart!Daraus ist heute Mühsal mir geflossen.
Behaglich sich der Reiche labt,
Dieweil der Dürftige trabt
Mit losem Bügel durch das Land!
Was griff nicht nach dem Pflug die Hand,
Da mir begann zu sprossen10
In erster Jugend mein Bart!
Daraus ist heute Mühsal mir geflossen.
Weisst du, wie der Igel sprach?‘Ich lob’ mir eigenes Gemach.’Kerling, zimmre dir ein HausMit Vorrath rüst’ es sorglich aus.Die Grossen wollen sparen.Wer nichts im eignen Hause hat,Wie viel Entbehrung, Noth muss der erfahren!
Weisst du, wie der Igel sprach?
‘Ich lob’ mir eigenes Gemach.’
Kerling, zimmre dir ein Haus
Mit Vorrath rüst’ es sorglich aus.
Die Grossen wollen sparen.
Wer nichts im eignen Hause hat,
Wie viel Entbehrung, Noth muss der erfahren!
Von Hunger schier gemartert20Stieg ich in einen Garten.Da war Obst drin gehangen:Das konnt ich nicht erlangen.Da zeigte sich mein Unheil.Häufig schüttelt’ ich den Ast:Doch ward mir von den Früchten nichts zu Theil.
Von Hunger schier gemartert20
Stieg ich in einen Garten.
Da war Obst drin gehangen:
Das konnt ich nicht erlangen.
Da zeigte sich mein Unheil.
Häufig schüttelt’ ich den Ast:
Doch ward mir von den Früchten nichts zu Theil.
Ein Wolf thät in ein Kloster ziehn,Um seiner Sünde zu entfliehn;Er wollt ein geistlich Leben führenDa hiess man ihn die Schafe hüten:Da riss ihm aber die Geduld.Da biss er Schaf sowie Schwein:Und gab des Pfaffen Rüden alle Schuld.
Ein Wolf thät in ein Kloster ziehn,
Um seiner Sünde zu entfliehn;
Er wollt ein geistlich Leben führen
Da hiess man ihn die Schafe hüten:
Da riss ihm aber die Geduld.
Da biss er Schaf sowie Schwein:
Und gab des Pfaffen Rüden alle Schuld.
Der Mann halt’ auf Ehre,Doch soll er für die SeeleAuch Sorge tragen seiner Zeit,10Dass ihn die WeltfreudigkeitVerleite nicht zu ferne;Will er einst von hinnen ziehn,Dass ihm den Himmelsweg dann nichts versperre.
Der Mann halt’ auf Ehre,
Doch soll er für die Seele
Auch Sorge tragen seiner Zeit,10
Dass ihn die Weltfreudigkeit
Verleite nicht zu ferne;
Will er einst von hinnen ziehn,
Dass ihm den Himmelsweg dann nichts versperre.
Kräuter des WaldesUnd Schachte des GoldesUnd jeglicher Abgrund,Die sind dir, Herr, wohl kund:Die schützen deine Hände.Das ganze himmlische Heer20Möcht’ dich vollpreisen nicht bis an ein Ende.
Kräuter des Waldes
Und Schachte des Goldes
Und jeglicher Abgrund,
Die sind dir, Herr, wohl kund:
Die schützen deine Hände.
Das ganze himmlische Heer20
Möcht’ dich vollpreisen nicht bis an ein Ende.