DIE KAISERCHRONIK.
[Scherer D.82,E.74.]
Geschichte der römischen Kaiser von Julius Cæsar bis auf Konrad III und den Kreuzzug vom Jahre 1147, in einigen, aber nicht den ältern Handschriften, nur bis zum Tode Lothars von Sachsen (1137). Ein Sammelwerk mit vielen eingestreuten gelehrten Sagen und Legenden. Die älteste uns überlieferte Fassung entstand um das Jahr 1150 in Regensburg und rührt wahrscheinlich von dem Verfasser des Rolandsliedes, dem Pfaffen Konrad, her, der aber dabei ein älteres Werk überarbeitete und fortsetzte. Später ist die Chronik mehrfach in reine Reime umgearbeitet und zuletzt bis auf Rudolf von Habsburg fortgesetzt worden. Nach der ältesten Handschrift im österreichischen Stifte Vorau herausgegeben von Diemer (Bd. I Wien, 1849), nach allen Handschriften, aber unkritisch von Massmann (3 Bde. Quedlinburg und Leipzig, 1849–54).
Geschichte der römischen Kaiser von Julius Cæsar bis auf Konrad III und den Kreuzzug vom Jahre 1147, in einigen, aber nicht den ältern Handschriften, nur bis zum Tode Lothars von Sachsen (1137). Ein Sammelwerk mit vielen eingestreuten gelehrten Sagen und Legenden. Die älteste uns überlieferte Fassung entstand um das Jahr 1150 in Regensburg und rührt wahrscheinlich von dem Verfasser des Rolandsliedes, dem Pfaffen Konrad, her, der aber dabei ein älteres Werk überarbeitete und fortsetzte. Später ist die Chronik mehrfach in reine Reime umgearbeitet und zuletzt bis auf Rudolf von Habsburg fortgesetzt worden. Nach der ältesten Handschrift im österreichischen Stifte Vorau herausgegeben von Diemer (Bd. I Wien, 1849), nach allen Handschriften, aber unkritisch von Massmann (3 Bde. Quedlinburg und Leipzig, 1849–54).
Ain man hie vor was:(mîn vater sagete mir daz)der zôch im ain guoten garten,des flîzt er sich vil harte;dar inne zôch er wurze unt crût:der carte wart im inneclîchen trût.ein hierz wart sîn gewar,nahtes slaich er daruber aine stigelen nidere:dâ spranch er allez ubere,dise vil guote wurzedi dûhten in suoze,unze der garte aller wuoste gelach.daz traip er vil manigen tach.der gartenære wart sîn gewar:vil sciere gereht er sich dar;als er wider ûz solte varn,10dô rach der arme sînen scaden:daz aine ôre er im ab slûoch.diu snelle in dane truoch.der man vârte sîn aver,er erreichet im den zagel;er sluoch in im halben abe:er sprach ‘diz zaichen dû trage!smirzet iz dich iht sêre,dune chumest her wider niht mêre.’Iz gescach in luzel stunden:20dem hierze gehailten sîne wunden.er straich hin widerean sîn alte stigelen:crût unt wurzeleget er im allez wuoste.der man wart sîn inne;mit vil guoten sinnenîlt er mit nezzenden garten all umbe sezzen.alse der hirz wolte widereüber sîn alte stigelen,der man begraif sînen spiez,den hirz er dô an lief,durch den pûch er in stach,daz wart er dar nâh sprach:‘diu suoze wirt dir ze sûre:10mîner wurze arnest du vil tiure.’sînen hirz er dô entworhtesô er von rehte solte.ain vohe chargelac dâ bî in ainer vurhe:alse der man her dane entwaichdiu vohe dar zuo slaich:daz herze si im enzucte,ir wec si dâ mit ructe.Alse der man wider chom,sîn gejac geviel im aller vil wol.20do er des herzen niene vant,er sluoch zesamene mit der hant;er îlte âne zwîvel,er sagetez sînem wîbe:‘ich wil dir ain grôz mære sagen:der hirz den ich ervellet hânder was michel unt guot,wan daz er nehain herze in im entruoch.’Dô antwurte im daz wîp30‘daz west ich ê wol vor maniger zît;want der hierz lait ê den smerzen;unt het er dehain herze.do er daz ôre unt den zagel hete verlorn,er newâre niemer mêr in dînen garten chomen.’
Ain man hie vor was:(mîn vater sagete mir daz)der zôch im ain guoten garten,des flîzt er sich vil harte;dar inne zôch er wurze unt crût:der carte wart im inneclîchen trût.ein hierz wart sîn gewar,nahtes slaich er daruber aine stigelen nidere:dâ spranch er allez ubere,dise vil guote wurzedi dûhten in suoze,unze der garte aller wuoste gelach.daz traip er vil manigen tach.der gartenære wart sîn gewar:vil sciere gereht er sich dar;als er wider ûz solte varn,10dô rach der arme sînen scaden:daz aine ôre er im ab slûoch.diu snelle in dane truoch.der man vârte sîn aver,er erreichet im den zagel;er sluoch in im halben abe:er sprach ‘diz zaichen dû trage!smirzet iz dich iht sêre,dune chumest her wider niht mêre.’Iz gescach in luzel stunden:20dem hierze gehailten sîne wunden.er straich hin widerean sîn alte stigelen:crût unt wurzeleget er im allez wuoste.der man wart sîn inne;mit vil guoten sinnenîlt er mit nezzenden garten all umbe sezzen.alse der hirz wolte widereüber sîn alte stigelen,der man begraif sînen spiez,den hirz er dô an lief,durch den pûch er in stach,daz wart er dar nâh sprach:‘diu suoze wirt dir ze sûre:10mîner wurze arnest du vil tiure.’sînen hirz er dô entworhtesô er von rehte solte.ain vohe chargelac dâ bî in ainer vurhe:alse der man her dane entwaichdiu vohe dar zuo slaich:daz herze si im enzucte,ir wec si dâ mit ructe.Alse der man wider chom,sîn gejac geviel im aller vil wol.20do er des herzen niene vant,er sluoch zesamene mit der hant;er îlte âne zwîvel,er sagetez sînem wîbe:‘ich wil dir ain grôz mære sagen:der hirz den ich ervellet hânder was michel unt guot,wan daz er nehain herze in im entruoch.’Dô antwurte im daz wîp30‘daz west ich ê wol vor maniger zît;want der hierz lait ê den smerzen;unt het er dehain herze.do er daz ôre unt den zagel hete verlorn,er newâre niemer mêr in dînen garten chomen.’
Ain man hie vor was:(mîn vater sagete mir daz)der zôch im ain guoten garten,des flîzt er sich vil harte;dar inne zôch er wurze unt crût:der carte wart im inneclîchen trût.ein hierz wart sîn gewar,nahtes slaich er daruber aine stigelen nidere:dâ spranch er allez ubere,dise vil guote wurzedi dûhten in suoze,unze der garte aller wuoste gelach.daz traip er vil manigen tach.der gartenære wart sîn gewar:vil sciere gereht er sich dar;als er wider ûz solte varn,10dô rach der arme sînen scaden:daz aine ôre er im ab slûoch.diu snelle in dane truoch.der man vârte sîn aver,er erreichet im den zagel;er sluoch in im halben abe:er sprach ‘diz zaichen dû trage!smirzet iz dich iht sêre,dune chumest her wider niht mêre.’Iz gescach in luzel stunden:20dem hierze gehailten sîne wunden.er straich hin widerean sîn alte stigelen:crût unt wurzeleget er im allez wuoste.der man wart sîn inne;mit vil guoten sinnenîlt er mit nezzenden garten all umbe sezzen.alse der hirz wolte widereüber sîn alte stigelen,der man begraif sînen spiez,den hirz er dô an lief,durch den pûch er in stach,daz wart er dar nâh sprach:‘diu suoze wirt dir ze sûre:10mîner wurze arnest du vil tiure.’sînen hirz er dô entworhtesô er von rehte solte.ain vohe chargelac dâ bî in ainer vurhe:alse der man her dane entwaichdiu vohe dar zuo slaich:daz herze si im enzucte,ir wec si dâ mit ructe.Alse der man wider chom,sîn gejac geviel im aller vil wol.20do er des herzen niene vant,er sluoch zesamene mit der hant;er îlte âne zwîvel,er sagetez sînem wîbe:‘ich wil dir ain grôz mære sagen:der hirz den ich ervellet hânder was michel unt guot,wan daz er nehain herze in im entruoch.’Dô antwurte im daz wîp30‘daz west ich ê wol vor maniger zît;want der hierz lait ê den smerzen;unt het er dehain herze.do er daz ôre unt den zagel hete verlorn,er newâre niemer mêr in dînen garten chomen.’
Ain man hie vor was:
(mîn vater sagete mir daz)
der zôch im ain guoten garten,
des flîzt er sich vil harte;
dar inne zôch er wurze unt crût:
der carte wart im inneclîchen trût.
ein hierz wart sîn gewar,
nahtes slaich er dar
uber aine stigelen nidere:
dâ spranch er allez ubere,
dise vil guote wurze
di dûhten in suoze,
unze der garte aller wuoste gelach.
daz traip er vil manigen tach.
der gartenære wart sîn gewar:
vil sciere gereht er sich dar;
als er wider ûz solte varn,10
dô rach der arme sînen scaden:
daz aine ôre er im ab slûoch.
diu snelle in dane truoch.
der man vârte sîn aver,
er erreichet im den zagel;
er sluoch in im halben abe:
er sprach ‘diz zaichen dû trage!
smirzet iz dich iht sêre,
dune chumest her wider niht mêre.’
Iz gescach in luzel stunden:20
dem hierze gehailten sîne wunden.
er straich hin widere
an sîn alte stigelen:
crût unt wurze
leget er im allez wuoste.
der man wart sîn inne;
mit vil guoten sinnen
îlt er mit nezzen
den garten all umbe sezzen.
alse der hirz wolte widere
über sîn alte stigelen,
der man begraif sînen spiez,
den hirz er dô an lief,
durch den pûch er in stach,
daz wart er dar nâh sprach:
‘diu suoze wirt dir ze sûre:10
mîner wurze arnest du vil tiure.’
sînen hirz er dô entworhte
sô er von rehte solte.
ain vohe charge
lac dâ bî in ainer vurhe:
alse der man her dane entwaich
diu vohe dar zuo slaich:
daz herze si im enzucte,
ir wec si dâ mit ructe.
Alse der man wider chom,
sîn gejac geviel im aller vil wol.20
do er des herzen niene vant,
er sluoch zesamene mit der hant;
er îlte âne zwîvel,
er sagetez sînem wîbe:
‘ich wil dir ain grôz mære sagen:
der hirz den ich ervellet hân
der was michel unt guot,
wan daz er nehain herze in im entruoch.’
Dô antwurte im daz wîp30
‘daz west ich ê wol vor maniger zît;
want der hierz lait ê den smerzen;
unt het er dehain herze.
do er daz ôre unt den zagel hete verlorn,
er newâre niemer mêr in dînen garten chomen.’
Ein Mann wohnte früher hier, —mein Vater sagte mir das, —der bestellte sich einen guten Garten:dessen befleissigte er sich sehr;darin zog er Wurzeln und Kraut:der Garten war ihm sehr lieb.Ein Hirsch wurde seiner gewahr.Nachts schlich er dahinüber eine niedrige Stiegel:da sprang er immer über,diese vortrefflichen Wurzelndeuchten ihm süss.Der Garten lag ganz wüste.Das trieb er gar manchen Tag.Der Gärtner ward seiner gewahr:sehr schnell machte er sich dahin;als der Hirsch heraus gehn wollte,10da rächte der Arme seinen Schaden:das eine Ohr schlug er ihm ab.Seine Schnelligkeit trug ihn von dannen.Der Mann stellte ihm abermals nach,er erreichte ihm den Schwanz;er schlug ihn ihm halb ab,er sprach: ‘dies Zeichen trage du!schmerzet es dich etwa sehr,so kommst du nicht wieder her.’Es begab sich, dass in wenig Stunden20dem Hirsche heilten seine Wunden.Er strich wieder hinnach seiner alten Stiegel.Kraut und Wurzelnverwüstete er ihm ganz und gar.Der Mann ward es inne;mit sehr guten Sinneneilte er mit Netzenden Garten ganz zu umsetzen.Als der Hirsch zurück wollteüber seine alte Stiegel,da ergriff der Mann seinen Spiess,den Hirsch er anlief;er stach ihn durch den Bauch.Darauf sprach er das Wort:‘die Süsse wird dir sauer,10meine Wurzeln bezahlst du theuer!’da zerlegte er seinen Hirsch,wie er von Rechts wegen sollte.Ein schlauer Fuchslag dabei in einer Furche.Als der Mann von dannen gieng,schlich der Fuchs herzu,entzuckte ihm das Herzund entwich damit ihres Wegs.Als der Mann wieder kam,gefiel ihm seine Jagdbeute ganz wohl.20Da er das Herz nicht fand,schlug er zusammen mit der Hand;er eilte, ohne sich zu besinnen,und sprach zu seinem Weibe:‘Ich will dir ein grosses Wunder sagen:der Hirsch, den ich erlegt habe,der war gross und gut,aber er trug kein Herz in sich.’Da antwortete ihm die Frau:30‘das wusste ich schon vor langer Zeit,weil der Hirsch früher den Schmerz litt;und hätte er irgend ein Herz gehabt,als er das Ohr und den Schwanz verloren hatte,er wäre nie wieder in deinen Garten gekommen.’
Ein Mann wohnte früher hier, —mein Vater sagte mir das, —der bestellte sich einen guten Garten:dessen befleissigte er sich sehr;darin zog er Wurzeln und Kraut:der Garten war ihm sehr lieb.Ein Hirsch wurde seiner gewahr.Nachts schlich er dahinüber eine niedrige Stiegel:da sprang er immer über,diese vortrefflichen Wurzelndeuchten ihm süss.Der Garten lag ganz wüste.Das trieb er gar manchen Tag.Der Gärtner ward seiner gewahr:sehr schnell machte er sich dahin;als der Hirsch heraus gehn wollte,10da rächte der Arme seinen Schaden:das eine Ohr schlug er ihm ab.Seine Schnelligkeit trug ihn von dannen.Der Mann stellte ihm abermals nach,er erreichte ihm den Schwanz;er schlug ihn ihm halb ab,er sprach: ‘dies Zeichen trage du!schmerzet es dich etwa sehr,so kommst du nicht wieder her.’Es begab sich, dass in wenig Stunden20dem Hirsche heilten seine Wunden.Er strich wieder hinnach seiner alten Stiegel.Kraut und Wurzelnverwüstete er ihm ganz und gar.Der Mann ward es inne;mit sehr guten Sinneneilte er mit Netzenden Garten ganz zu umsetzen.Als der Hirsch zurück wollteüber seine alte Stiegel,da ergriff der Mann seinen Spiess,den Hirsch er anlief;er stach ihn durch den Bauch.Darauf sprach er das Wort:‘die Süsse wird dir sauer,10meine Wurzeln bezahlst du theuer!’da zerlegte er seinen Hirsch,wie er von Rechts wegen sollte.Ein schlauer Fuchslag dabei in einer Furche.Als der Mann von dannen gieng,schlich der Fuchs herzu,entzuckte ihm das Herzund entwich damit ihres Wegs.Als der Mann wieder kam,gefiel ihm seine Jagdbeute ganz wohl.20Da er das Herz nicht fand,schlug er zusammen mit der Hand;er eilte, ohne sich zu besinnen,und sprach zu seinem Weibe:‘Ich will dir ein grosses Wunder sagen:der Hirsch, den ich erlegt habe,der war gross und gut,aber er trug kein Herz in sich.’Da antwortete ihm die Frau:30‘das wusste ich schon vor langer Zeit,weil der Hirsch früher den Schmerz litt;und hätte er irgend ein Herz gehabt,als er das Ohr und den Schwanz verloren hatte,er wäre nie wieder in deinen Garten gekommen.’
Ein Mann wohnte früher hier, —mein Vater sagte mir das, —der bestellte sich einen guten Garten:dessen befleissigte er sich sehr;darin zog er Wurzeln und Kraut:der Garten war ihm sehr lieb.Ein Hirsch wurde seiner gewahr.Nachts schlich er dahinüber eine niedrige Stiegel:da sprang er immer über,diese vortrefflichen Wurzelndeuchten ihm süss.Der Garten lag ganz wüste.Das trieb er gar manchen Tag.Der Gärtner ward seiner gewahr:sehr schnell machte er sich dahin;als der Hirsch heraus gehn wollte,10da rächte der Arme seinen Schaden:das eine Ohr schlug er ihm ab.Seine Schnelligkeit trug ihn von dannen.Der Mann stellte ihm abermals nach,er erreichte ihm den Schwanz;er schlug ihn ihm halb ab,er sprach: ‘dies Zeichen trage du!schmerzet es dich etwa sehr,so kommst du nicht wieder her.’Es begab sich, dass in wenig Stunden20dem Hirsche heilten seine Wunden.Er strich wieder hinnach seiner alten Stiegel.Kraut und Wurzelnverwüstete er ihm ganz und gar.Der Mann ward es inne;mit sehr guten Sinneneilte er mit Netzenden Garten ganz zu umsetzen.Als der Hirsch zurück wollteüber seine alte Stiegel,da ergriff der Mann seinen Spiess,den Hirsch er anlief;er stach ihn durch den Bauch.Darauf sprach er das Wort:‘die Süsse wird dir sauer,10meine Wurzeln bezahlst du theuer!’da zerlegte er seinen Hirsch,wie er von Rechts wegen sollte.Ein schlauer Fuchslag dabei in einer Furche.Als der Mann von dannen gieng,schlich der Fuchs herzu,entzuckte ihm das Herzund entwich damit ihres Wegs.Als der Mann wieder kam,gefiel ihm seine Jagdbeute ganz wohl.20Da er das Herz nicht fand,schlug er zusammen mit der Hand;er eilte, ohne sich zu besinnen,und sprach zu seinem Weibe:‘Ich will dir ein grosses Wunder sagen:der Hirsch, den ich erlegt habe,der war gross und gut,aber er trug kein Herz in sich.’Da antwortete ihm die Frau:30‘das wusste ich schon vor langer Zeit,weil der Hirsch früher den Schmerz litt;und hätte er irgend ein Herz gehabt,als er das Ohr und den Schwanz verloren hatte,er wäre nie wieder in deinen Garten gekommen.’
Ein Mann wohnte früher hier, —
mein Vater sagte mir das, —
der bestellte sich einen guten Garten:
dessen befleissigte er sich sehr;
darin zog er Wurzeln und Kraut:
der Garten war ihm sehr lieb.
Ein Hirsch wurde seiner gewahr.
Nachts schlich er dahin
über eine niedrige Stiegel:
da sprang er immer über,
diese vortrefflichen Wurzeln
deuchten ihm süss.
Der Garten lag ganz wüste.
Das trieb er gar manchen Tag.
Der Gärtner ward seiner gewahr:
sehr schnell machte er sich dahin;
als der Hirsch heraus gehn wollte,10
da rächte der Arme seinen Schaden:
das eine Ohr schlug er ihm ab.
Seine Schnelligkeit trug ihn von dannen.
Der Mann stellte ihm abermals nach,
er erreichte ihm den Schwanz;
er schlug ihn ihm halb ab,
er sprach: ‘dies Zeichen trage du!
schmerzet es dich etwa sehr,
so kommst du nicht wieder her.’
Es begab sich, dass in wenig Stunden20
dem Hirsche heilten seine Wunden.
Er strich wieder hin
nach seiner alten Stiegel.
Kraut und Wurzeln
verwüstete er ihm ganz und gar.
Der Mann ward es inne;
mit sehr guten Sinnen
eilte er mit Netzen
den Garten ganz zu umsetzen.
Als der Hirsch zurück wollte
über seine alte Stiegel,
da ergriff der Mann seinen Spiess,
den Hirsch er anlief;
er stach ihn durch den Bauch.
Darauf sprach er das Wort:
‘die Süsse wird dir sauer,10
meine Wurzeln bezahlst du theuer!’
da zerlegte er seinen Hirsch,
wie er von Rechts wegen sollte.
Ein schlauer Fuchs
lag dabei in einer Furche.
Als der Mann von dannen gieng,
schlich der Fuchs herzu,
entzuckte ihm das Herz
und entwich damit ihres Wegs.
Als der Mann wieder kam,
gefiel ihm seine Jagdbeute ganz wohl.20
Da er das Herz nicht fand,
schlug er zusammen mit der Hand;
er eilte, ohne sich zu besinnen,
und sprach zu seinem Weibe:
‘Ich will dir ein grosses Wunder sagen:
der Hirsch, den ich erlegt habe,
der war gross und gut,
aber er trug kein Herz in sich.’
Da antwortete ihm die Frau:30
‘das wusste ich schon vor langer Zeit,
weil der Hirsch früher den Schmerz litt;
und hätte er irgend ein Herz gehabt,
als er das Ohr und den Schwanz verloren hatte,
er wäre nie wieder in deinen Garten gekommen.’