EULENSPIEGEL.

EULENSPIEGEL.

[Scherer D.266,E.261.]

Die vielfach erweiterte Geschichte eines Menschen des Namens Eulenspiegel, der wahrscheinlich im vierzehnten Jahrhundert wirklich gelebt hat. Sie wurde 1483 in Niederdeutschland niedergeschrieben und etwa um 1500 ins Hochdeutsche übertragen und zuerst gedruckt. Herausgegeben von Lappenberg (Leipzig 1854), Neudruck (Halle 1885).

Die vielfach erweiterte Geschichte eines Menschen des Namens Eulenspiegel, der wahrscheinlich im vierzehnten Jahrhundert wirklich gelebt hat. Sie wurde 1483 in Niederdeutschland niedergeschrieben und etwa um 1500 ins Hochdeutsche übertragen und zuerst gedruckt. Herausgegeben von Lappenberg (Leipzig 1854), Neudruck (Halle 1885).

WIEVLENSPIEGEL ZUBERLIN EINEMKÜRSSNERWOLFF FÜRWOLFFSPELTZMACHET.

Gros[558]listige leut sein die schwaben, vnnd wo die des ersten[559]hinkommen vmb narung vnnd die nicht finden, da vertirbet ein anderer gar. Doch sein jr etliche auch mehr geneiget auff den bierkrug vnnd auff das sauffen, denn auff jhr arbeit, deshalben jhre{20}werckstat wüst ligen u. s. w. Auff eine zeit[560]wonet ein kürssner[561]zu Berlin, das was ein schwab, seins handwercks seher künstreich, auch guter anschleg[562]; er was reich vnnd hielt ein gute werckstat, denn er mit seiner arbeit an jhm het den fürsten des landts, die ritterschaft vnnd viel guter leut vnnd bürger. Also begab es sich, dass der fürst des lands ein grossen hoff[563]mit rennen und stechen des winters halten wolt, darzu er sein ritterschafft vnnd andereherren beschreib[564]. Als denn keiner der hinderst sein wil, worden zu denselben zeiten viel wolffspeltz bei dem vorgemelten kürssner zu machen bestelt. Das war Vlenspiegel gewar, kam zu dem meister vnnd bat jhn vmb arbeit. Der meister bedorfft auff die zeit gesinde, was seiner zukunfft[565]fro, vnd fragt jhn, ob er auch Wolff machen künd. Vlenspiegel sagt: ja; er wer nicht der minst[566]jm Sachssen land bekant. Der kürssner sprach: ‘lieber knecht, du kömpst mir eben recht. Kom her, des lohns wollen wir vns wol vertragen.’ Vlenspiegel sagt: ‘ja, meister, ich sihe euch wol so{10}redlich an[567]. Ihr werdet selbs erkennen, wenn jhr mein arbeit sehet. Ich arbeit auch nicht bei den andern Gesellen; ich mus allein sein, so kan ich mein arbeit nach willen vnd ungeirt[568]machen.’ Also gab er jhm ein stüblein ein[569], vnd legt ihm für viel wolffsheut, die zu peltzen bereit waren, vnd gab jhm die mass von etlichen peltzen gros vnd klein. Also begund Vlenspiegel die Wolffsfell an zu gehn[570], schneid zu vnd macht aus allen den fellen eitel wolff vnd füllet die mit hew vnnd macht jhn bein von stecken, als ob sie all lebten. Da er nu die Fell all zerschnitten vnd die wolff aus gemacht hat, da sprach er: ‘meister, die Wolff sind{20}bereit. Ist auch etwas mehr zu thun?’ Der meister sprach: ‘ja, mein Knecht; nehe[571]sie als viel du das jmer thun kanst.’ Mit dem gieng er hinaus jnn die Stuben: da lagen die Wolff auf der erden, klein vnd gros; die sahe der meister an vnd sprach: ‘was sol das sein? dz dich der ritt schit[572]! was hastu mir grossen schaden gethan! ich wil dich fahen vnd strafen lassen.’ Vlenspiegel sagt: ‘meister, ist das denn mein lon? ich hab es doch nach ewrem eigen willen gemacht; jhr hiesset mich, doch Wolff machen. Hettet jhr gesagt: “mach mir Wolffs peltz;” das het ich auch gethan; und het ich das gewost[573], das ich nicht mehr{30}danck solt verdient haben, ich wolt so grossen vleis nicht gebraucht haben.’ Also schied der gut from Vlenspiegel von Berlin, vnd lies niergent guten rhum hinder jhm, auch ward jhm selten etwas gutes nach gesagt; vnd zog also gen Leipzig.


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