GEORG ROLLENHAGEN.

GEORG ROLLENHAGEN.

[Scherer D.297,E.294.]

Geboren 1542, zu Bernau bei Berlin, studierte in Wittenberg, gestorben 1609 zu Magdeburg, wo er Rector der Schule war. Er ward vorzüglich berühmt durch seine Nachahmung der Batrachomyomachie, der Froschmäusler genannt. Herausgegeben von Gödeke (2 Thle. Leipzig, 1876).

Geboren 1542, zu Bernau bei Berlin, studierte in Wittenberg, gestorben 1609 zu Magdeburg, wo er Rector der Schule war. Er ward vorzüglich berühmt durch seine Nachahmung der Batrachomyomachie, der Froschmäusler genannt. Herausgegeben von Gödeke (2 Thle. Leipzig, 1876).

BRÖSELDIEB[819]SAGT,WERMURNER[820]SEI.

Murnern, der katzaner patron,Lert mich kennen mein mutter fron;Ich bat, wie ich noch war ein kind,Wie die kinder fürwitzig sind,Sie wolts lassen einmal geschehen,Mich auch lassen die welt besehen,Dieweil ein heimgezogen[821]kindUnverstendig blieb als ein rind,10Wie sie denn oftmals diese wortVom herrn vater selbst het gehort.Sie weret ab mit hand und mund,Predigt mir viel von katz und hund,Wie die uns weren so gefer[822].Ich bat und gilfert[823]immermer,Bis sie zuletzt williget drein,Das ich ein stund möcht von ihr sein,Warnet doch mich mit ganzem fleissUnd saget von des Murners weis,20Das er versteckt im winkel sessUnd die meuslein on brot einfress,Das wern sein allerliebste speis,Den solt ich ja meiden mit fleiss.Ich schlich unter der wand herfürNach unsers schlosses vordertür,Die in des mantiers[824]haus hingieng,Davon es werme und rauch empfieng,Und kuckt[825]heimlich zuerst herausWie ein unbewanderte maus,Ob auch da wer sicher geleit,Odr ob der Murner sess zur seit.So sass im haus im sonnenscheinEin schönes weisses jungfreulein,Sein euglein glenzten hell und klar,Es leckt und schlichtet seine har,Küsset die hend und wusch sie rein10Über die zarten wengelein;Das herz im leib verlanget mir,Das ich nur möcht treten herfür,Dasselb mit adeligen sittenUm seine lieb und freundschaft bitten,Küssen ihre schneweisse hend:So het al meine sorg ein end. —Es trat aber am platz herumIm haus die leng und in die krümEin erschreckliches wundertier,20Dafür die haut erschuttert mir,Vom haupt zu fuss aller gestaltWie man ein basilisken[826]malt;Ich dacht, ob das der Murner wer,Der uns meusen ist so gefer.Vornen am kopf war er geschlacht[827],Wie man die bösen geister macht,Mit einem krummen spitzen schnabel,Hat füss, geteilt wie ein mistgabel,Und ein zweispitz geteilten bart30Nach des mantiers greulicher art,Und auf dem haupt ein glühend kronMit vil türnen[828]erhoben schon[829],Und aus dem leib giengen beisammenEin grosser hauf gelber feurflammen[830],Gekrümt unten und über sich,Übraus hesslich und erschrecklich;Damit pranget er über erd[831],Trat herein wie ein reisig[832]pferd,Und seiner trabanten wol zehenGiengen alzeit hinter ihm stehen,Doch nicht so statlich ausgemacht[833],Der könig fürt allein den pracht.Wie ich nun blieb im löchlein stecken,Dem abenteur zusehe mit schrecken,10Fengt er an dem boden zu schnablen[834],Scharret mit den zween mistgabelnUnd ruft: ‘Guck, guck, curit, merkauf!’Da erhob sich ein gross zulauf,Die trabanten waren gar schnell,Zu hören des königs befel,Reckten auch die köpf zu der stet,Zu sehn was er geschrieben het;Bis der könig mit grossem prassen[835]Sprang auf die haustür nach der gassen20Und schlug die arm auf beide seit,Sperret den rachen auf gar weitUnd rief, man hets ein meil gehort,Diese drei erschreckliche wort:‘Rück, rück ihn herausser beim kragn![836]’Als het mich der donner geschlagn,So stürzt ich zu dem loch hinein,Lief zu meinem frau mütterlein.Die erschrak und fragt, was mir wer,Das ich fast het kein atem mer30Und also ser fieng an zu beben;Wolt mir erzenei fürs schrecken geben.Ich sprach: ‘O mutter, der MurnerHat mich erschrecket also ser,Das ich schier nimmer atem hol;Wie habt ihr mich gewarnt so wol!’‘Was tat er denn?’ die mutter sprach.Ich sagt: ‘Im haus ich sitzen sachEin zartes schönes jungfreulein,Im weissen pelzlein, artig fein,Das schmückt sich mit geleckter hand;Ich het mich gern zu ihm gewandtUnd um ein kuss freundlich gebeten,So kömt der Murner hergetreten10Mit gabelfüssen, mit der kron,Mit brennenden schwanz angeton,Das mich daucht ser erschrecklich stehen.Der schelm het mich im loch gesehen,Springet auf die tür und rufet laut(Wenn ichs gedenk graust mir die haut):‘Rück, rück ihn herausser beim kragn!’Damit wolt er sein dienern sagn,Das sie mich solten nemen an[837].Und sie hettens warlich getan,20Wenn ich nicht bald entlaufen wer.Davon bin ich erschreckt so ser.’Da sagt die mutter: ‘Liebes kind,Die so schrecklich anzusehen sind,Die tun uns meusen nichts zu leid;Die aber dichten[838]freundlichkeit,So leis und lieblich einher schleichen,Die hendlein küssen, wilkom reichen,Die sind giftige creatur,Teufl unter englischer figur;30Die sind geferliche katzen,Die vorn lecken, hinten kratzen.Judaskuss ist geworden neue,Fürt gute wort, helt falsche treue;Der dich anlacht, der reist dich hin:Das ist dieser welt weis und sin.Das jungfreulein, das so schön war,Bringt uns meuschen die gröst gefar,Futtert sein pelz mit unserm blut,Gott sei dank, das er dich behüt!’

Murnern, der katzaner patron,Lert mich kennen mein mutter fron;Ich bat, wie ich noch war ein kind,Wie die kinder fürwitzig sind,Sie wolts lassen einmal geschehen,Mich auch lassen die welt besehen,Dieweil ein heimgezogen[821]kindUnverstendig blieb als ein rind,10Wie sie denn oftmals diese wortVom herrn vater selbst het gehort.Sie weret ab mit hand und mund,Predigt mir viel von katz und hund,Wie die uns weren so gefer[822].Ich bat und gilfert[823]immermer,Bis sie zuletzt williget drein,Das ich ein stund möcht von ihr sein,Warnet doch mich mit ganzem fleissUnd saget von des Murners weis,20Das er versteckt im winkel sessUnd die meuslein on brot einfress,Das wern sein allerliebste speis,Den solt ich ja meiden mit fleiss.Ich schlich unter der wand herfürNach unsers schlosses vordertür,Die in des mantiers[824]haus hingieng,Davon es werme und rauch empfieng,Und kuckt[825]heimlich zuerst herausWie ein unbewanderte maus,Ob auch da wer sicher geleit,Odr ob der Murner sess zur seit.So sass im haus im sonnenscheinEin schönes weisses jungfreulein,Sein euglein glenzten hell und klar,Es leckt und schlichtet seine har,Küsset die hend und wusch sie rein10Über die zarten wengelein;Das herz im leib verlanget mir,Das ich nur möcht treten herfür,Dasselb mit adeligen sittenUm seine lieb und freundschaft bitten,Küssen ihre schneweisse hend:So het al meine sorg ein end. —Es trat aber am platz herumIm haus die leng und in die krümEin erschreckliches wundertier,20Dafür die haut erschuttert mir,Vom haupt zu fuss aller gestaltWie man ein basilisken[826]malt;Ich dacht, ob das der Murner wer,Der uns meusen ist so gefer.Vornen am kopf war er geschlacht[827],Wie man die bösen geister macht,Mit einem krummen spitzen schnabel,Hat füss, geteilt wie ein mistgabel,Und ein zweispitz geteilten bart30Nach des mantiers greulicher art,Und auf dem haupt ein glühend kronMit vil türnen[828]erhoben schon[829],Und aus dem leib giengen beisammenEin grosser hauf gelber feurflammen[830],Gekrümt unten und über sich,Übraus hesslich und erschrecklich;Damit pranget er über erd[831],Trat herein wie ein reisig[832]pferd,Und seiner trabanten wol zehenGiengen alzeit hinter ihm stehen,Doch nicht so statlich ausgemacht[833],Der könig fürt allein den pracht.Wie ich nun blieb im löchlein stecken,Dem abenteur zusehe mit schrecken,10Fengt er an dem boden zu schnablen[834],Scharret mit den zween mistgabelnUnd ruft: ‘Guck, guck, curit, merkauf!’Da erhob sich ein gross zulauf,Die trabanten waren gar schnell,Zu hören des königs befel,Reckten auch die köpf zu der stet,Zu sehn was er geschrieben het;Bis der könig mit grossem prassen[835]Sprang auf die haustür nach der gassen20Und schlug die arm auf beide seit,Sperret den rachen auf gar weitUnd rief, man hets ein meil gehort,Diese drei erschreckliche wort:‘Rück, rück ihn herausser beim kragn![836]’Als het mich der donner geschlagn,So stürzt ich zu dem loch hinein,Lief zu meinem frau mütterlein.Die erschrak und fragt, was mir wer,Das ich fast het kein atem mer30Und also ser fieng an zu beben;Wolt mir erzenei fürs schrecken geben.Ich sprach: ‘O mutter, der MurnerHat mich erschrecket also ser,Das ich schier nimmer atem hol;Wie habt ihr mich gewarnt so wol!’‘Was tat er denn?’ die mutter sprach.Ich sagt: ‘Im haus ich sitzen sachEin zartes schönes jungfreulein,Im weissen pelzlein, artig fein,Das schmückt sich mit geleckter hand;Ich het mich gern zu ihm gewandtUnd um ein kuss freundlich gebeten,So kömt der Murner hergetreten10Mit gabelfüssen, mit der kron,Mit brennenden schwanz angeton,Das mich daucht ser erschrecklich stehen.Der schelm het mich im loch gesehen,Springet auf die tür und rufet laut(Wenn ichs gedenk graust mir die haut):‘Rück, rück ihn herausser beim kragn!’Damit wolt er sein dienern sagn,Das sie mich solten nemen an[837].Und sie hettens warlich getan,20Wenn ich nicht bald entlaufen wer.Davon bin ich erschreckt so ser.’Da sagt die mutter: ‘Liebes kind,Die so schrecklich anzusehen sind,Die tun uns meusen nichts zu leid;Die aber dichten[838]freundlichkeit,So leis und lieblich einher schleichen,Die hendlein küssen, wilkom reichen,Die sind giftige creatur,Teufl unter englischer figur;30Die sind geferliche katzen,Die vorn lecken, hinten kratzen.Judaskuss ist geworden neue,Fürt gute wort, helt falsche treue;Der dich anlacht, der reist dich hin:Das ist dieser welt weis und sin.Das jungfreulein, das so schön war,Bringt uns meuschen die gröst gefar,Futtert sein pelz mit unserm blut,Gott sei dank, das er dich behüt!’

Murnern, der katzaner patron,Lert mich kennen mein mutter fron;Ich bat, wie ich noch war ein kind,Wie die kinder fürwitzig sind,Sie wolts lassen einmal geschehen,Mich auch lassen die welt besehen,Dieweil ein heimgezogen[821]kindUnverstendig blieb als ein rind,10Wie sie denn oftmals diese wortVom herrn vater selbst het gehort.Sie weret ab mit hand und mund,Predigt mir viel von katz und hund,Wie die uns weren so gefer[822].Ich bat und gilfert[823]immermer,Bis sie zuletzt williget drein,Das ich ein stund möcht von ihr sein,Warnet doch mich mit ganzem fleissUnd saget von des Murners weis,20Das er versteckt im winkel sessUnd die meuslein on brot einfress,Das wern sein allerliebste speis,Den solt ich ja meiden mit fleiss.Ich schlich unter der wand herfürNach unsers schlosses vordertür,Die in des mantiers[824]haus hingieng,Davon es werme und rauch empfieng,Und kuckt[825]heimlich zuerst herausWie ein unbewanderte maus,Ob auch da wer sicher geleit,Odr ob der Murner sess zur seit.So sass im haus im sonnenscheinEin schönes weisses jungfreulein,Sein euglein glenzten hell und klar,Es leckt und schlichtet seine har,Küsset die hend und wusch sie rein10Über die zarten wengelein;Das herz im leib verlanget mir,Das ich nur möcht treten herfür,Dasselb mit adeligen sittenUm seine lieb und freundschaft bitten,Küssen ihre schneweisse hend:So het al meine sorg ein end. —Es trat aber am platz herumIm haus die leng und in die krümEin erschreckliches wundertier,20Dafür die haut erschuttert mir,Vom haupt zu fuss aller gestaltWie man ein basilisken[826]malt;Ich dacht, ob das der Murner wer,Der uns meusen ist so gefer.Vornen am kopf war er geschlacht[827],Wie man die bösen geister macht,Mit einem krummen spitzen schnabel,Hat füss, geteilt wie ein mistgabel,Und ein zweispitz geteilten bart30Nach des mantiers greulicher art,Und auf dem haupt ein glühend kronMit vil türnen[828]erhoben schon[829],Und aus dem leib giengen beisammenEin grosser hauf gelber feurflammen[830],Gekrümt unten und über sich,Übraus hesslich und erschrecklich;Damit pranget er über erd[831],Trat herein wie ein reisig[832]pferd,Und seiner trabanten wol zehenGiengen alzeit hinter ihm stehen,Doch nicht so statlich ausgemacht[833],Der könig fürt allein den pracht.Wie ich nun blieb im löchlein stecken,Dem abenteur zusehe mit schrecken,10Fengt er an dem boden zu schnablen[834],Scharret mit den zween mistgabelnUnd ruft: ‘Guck, guck, curit, merkauf!’Da erhob sich ein gross zulauf,Die trabanten waren gar schnell,Zu hören des königs befel,Reckten auch die köpf zu der stet,Zu sehn was er geschrieben het;Bis der könig mit grossem prassen[835]Sprang auf die haustür nach der gassen20Und schlug die arm auf beide seit,Sperret den rachen auf gar weitUnd rief, man hets ein meil gehort,Diese drei erschreckliche wort:‘Rück, rück ihn herausser beim kragn![836]’Als het mich der donner geschlagn,So stürzt ich zu dem loch hinein,Lief zu meinem frau mütterlein.Die erschrak und fragt, was mir wer,Das ich fast het kein atem mer30Und also ser fieng an zu beben;Wolt mir erzenei fürs schrecken geben.Ich sprach: ‘O mutter, der MurnerHat mich erschrecket also ser,Das ich schier nimmer atem hol;Wie habt ihr mich gewarnt so wol!’‘Was tat er denn?’ die mutter sprach.Ich sagt: ‘Im haus ich sitzen sachEin zartes schönes jungfreulein,Im weissen pelzlein, artig fein,Das schmückt sich mit geleckter hand;Ich het mich gern zu ihm gewandtUnd um ein kuss freundlich gebeten,So kömt der Murner hergetreten10Mit gabelfüssen, mit der kron,Mit brennenden schwanz angeton,Das mich daucht ser erschrecklich stehen.Der schelm het mich im loch gesehen,Springet auf die tür und rufet laut(Wenn ichs gedenk graust mir die haut):‘Rück, rück ihn herausser beim kragn!’Damit wolt er sein dienern sagn,Das sie mich solten nemen an[837].Und sie hettens warlich getan,20Wenn ich nicht bald entlaufen wer.Davon bin ich erschreckt so ser.’Da sagt die mutter: ‘Liebes kind,Die so schrecklich anzusehen sind,Die tun uns meusen nichts zu leid;Die aber dichten[838]freundlichkeit,So leis und lieblich einher schleichen,Die hendlein küssen, wilkom reichen,Die sind giftige creatur,Teufl unter englischer figur;30Die sind geferliche katzen,Die vorn lecken, hinten kratzen.Judaskuss ist geworden neue,Fürt gute wort, helt falsche treue;Der dich anlacht, der reist dich hin:Das ist dieser welt weis und sin.Das jungfreulein, das so schön war,Bringt uns meuschen die gröst gefar,Futtert sein pelz mit unserm blut,Gott sei dank, das er dich behüt!’

Murnern, der katzaner patron,

Lert mich kennen mein mutter fron;

Ich bat, wie ich noch war ein kind,

Wie die kinder fürwitzig sind,

Sie wolts lassen einmal geschehen,

Mich auch lassen die welt besehen,

Dieweil ein heimgezogen[821]kind

Unverstendig blieb als ein rind,10

Wie sie denn oftmals diese wort

Vom herrn vater selbst het gehort.

Sie weret ab mit hand und mund,

Predigt mir viel von katz und hund,

Wie die uns weren so gefer[822].

Ich bat und gilfert[823]immermer,

Bis sie zuletzt williget drein,

Das ich ein stund möcht von ihr sein,

Warnet doch mich mit ganzem fleiss

Und saget von des Murners weis,20

Das er versteckt im winkel sess

Und die meuslein on brot einfress,

Das wern sein allerliebste speis,

Den solt ich ja meiden mit fleiss.

Ich schlich unter der wand herfür

Nach unsers schlosses vordertür,

Die in des mantiers[824]haus hingieng,

Davon es werme und rauch empfieng,

Und kuckt[825]heimlich zuerst heraus

Wie ein unbewanderte maus,

Ob auch da wer sicher geleit,

Odr ob der Murner sess zur seit.

So sass im haus im sonnenschein

Ein schönes weisses jungfreulein,

Sein euglein glenzten hell und klar,

Es leckt und schlichtet seine har,

Küsset die hend und wusch sie rein10

Über die zarten wengelein;

Das herz im leib verlanget mir,

Das ich nur möcht treten herfür,

Dasselb mit adeligen sitten

Um seine lieb und freundschaft bitten,

Küssen ihre schneweisse hend:

So het al meine sorg ein end. —

Es trat aber am platz herum

Im haus die leng und in die krüm

Ein erschreckliches wundertier,20

Dafür die haut erschuttert mir,

Vom haupt zu fuss aller gestalt

Wie man ein basilisken[826]malt;

Ich dacht, ob das der Murner wer,

Der uns meusen ist so gefer.

Vornen am kopf war er geschlacht[827],

Wie man die bösen geister macht,

Mit einem krummen spitzen schnabel,

Hat füss, geteilt wie ein mistgabel,

Und ein zweispitz geteilten bart30

Nach des mantiers greulicher art,

Und auf dem haupt ein glühend kron

Mit vil türnen[828]erhoben schon[829],

Und aus dem leib giengen beisammen

Ein grosser hauf gelber feurflammen[830],

Gekrümt unten und über sich,

Übraus hesslich und erschrecklich;

Damit pranget er über erd[831],

Trat herein wie ein reisig[832]pferd,

Und seiner trabanten wol zehen

Giengen alzeit hinter ihm stehen,

Doch nicht so statlich ausgemacht[833],

Der könig fürt allein den pracht.

Wie ich nun blieb im löchlein stecken,

Dem abenteur zusehe mit schrecken,10

Fengt er an dem boden zu schnablen[834],

Scharret mit den zween mistgabeln

Und ruft: ‘Guck, guck, curit, merkauf!’

Da erhob sich ein gross zulauf,

Die trabanten waren gar schnell,

Zu hören des königs befel,

Reckten auch die köpf zu der stet,

Zu sehn was er geschrieben het;

Bis der könig mit grossem prassen[835]

Sprang auf die haustür nach der gassen20

Und schlug die arm auf beide seit,

Sperret den rachen auf gar weit

Und rief, man hets ein meil gehort,

Diese drei erschreckliche wort:

‘Rück, rück ihn herausser beim kragn![836]’

Als het mich der donner geschlagn,

So stürzt ich zu dem loch hinein,

Lief zu meinem frau mütterlein.

Die erschrak und fragt, was mir wer,

Das ich fast het kein atem mer30

Und also ser fieng an zu beben;

Wolt mir erzenei fürs schrecken geben.

Ich sprach: ‘O mutter, der Murner

Hat mich erschrecket also ser,

Das ich schier nimmer atem hol;

Wie habt ihr mich gewarnt so wol!’

‘Was tat er denn?’ die mutter sprach.

Ich sagt: ‘Im haus ich sitzen sach

Ein zartes schönes jungfreulein,

Im weissen pelzlein, artig fein,

Das schmückt sich mit geleckter hand;

Ich het mich gern zu ihm gewandt

Und um ein kuss freundlich gebeten,

So kömt der Murner hergetreten10

Mit gabelfüssen, mit der kron,

Mit brennenden schwanz angeton,

Das mich daucht ser erschrecklich stehen.

Der schelm het mich im loch gesehen,

Springet auf die tür und rufet laut

(Wenn ichs gedenk graust mir die haut):

‘Rück, rück ihn herausser beim kragn!’

Damit wolt er sein dienern sagn,

Das sie mich solten nemen an[837].

Und sie hettens warlich getan,20

Wenn ich nicht bald entlaufen wer.

Davon bin ich erschreckt so ser.’

Da sagt die mutter: ‘Liebes kind,

Die so schrecklich anzusehen sind,

Die tun uns meusen nichts zu leid;

Die aber dichten[838]freundlichkeit,

So leis und lieblich einher schleichen,

Die hendlein küssen, wilkom reichen,

Die sind giftige creatur,

Teufl unter englischer figur;30

Die sind geferliche katzen,

Die vorn lecken, hinten kratzen.

Judaskuss ist geworden neue,

Fürt gute wort, helt falsche treue;

Der dich anlacht, der reist dich hin:

Das ist dieser welt weis und sin.

Das jungfreulein, das so schön war,

Bringt uns meuschen die gröst gefar,

Futtert sein pelz mit unserm blut,

Gott sei dank, das er dich behüt!’


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