GUDRUN.[Scherer D.132,E.124.]Nicht viel später gedichtet als das Nibelungenlied. Nur in einer Handschrift der berühmten Ambraser Sammlung, die für Kaiser Maximilian I. (1502–1515) angefertigt wurde, erhalten. Herausgegeben von Vollmer (Leipzig, 1845), Bartsch (Leipzig, 1865), Martin (Halle, 1872; 1883), Symons (Halle, 1883). Übersetzungen von Simrock, A. v. Keller, Niendorf u. a.1.HORANDSGESANG(372–389 ed. Martin).Daz kam an einen âbent ‖ daz in sô gelanc,daz von Tenemarke ‖ der küene degen sancmit sô hêrlîcher stimme, ‖ daz ez wol gevallenmuose al den liuten. ‖ dâ von gesweic der vogellîne schallen.10Daz hôrte der künic gerne ‖ und alle sîne man,dâ von von Tenen Hôrant ‖ der vriunde vil gewan.ouch hete ez wol gehœret ‖ diu alte küniginne.ez erhal ir durch daz venster, ‖ dâ si was gesezzen an der zinne.Dô sprach diu schœne Hilde ‖ ‘waz hân ich vernomen?diu aller beste wîse ‖ ist in mîn ôren komen,die ich ze dirre welte ‖ von ieman hân ervunden.daz wolte got von himele, ‖ daz si mîne kamerære kunden!’Dô sprâchen Hagenen helde ‖ ‘herre, lât vernemen.nieman lebet sô siecher, ‖ im möhte wol gezemenhœren sîne stimme, ‖ diu gêt ûz sînem munde.’‘daz wolte got von himele’ ‖ sprach der künec, ‘daz ich si selbe kunde!’Dô er drî dœne ‖ sunder vol gesanc,alle die ez hôrten ‖ dûhte ez niht sô lanc.10si hætens niht geahtet, ‖ einer hende wîle,obe er solte singen, ‖ daz einer möhte rîten tûsent mîle.Diu tier in dem walde ‖ ir weide liezen stên.die würme die dâ solten ‖ in dem grase gên,die vische die dâ solten ‖ in dem wâge vliezen,die liezen ir geverte. ‖ jâ kunde er sîner vuoge wol geniezen.Es geschah an einem Abend, ‖ dass ihnen so gelang,Dass vom Dänenlande ‖ der kühne Degen sangMit so herrlicher Stimme, ‖ dass es WohlgefallenMusste all den Leuten: ‖ davon geschwieg der kleinen Vöglein Schallen.Der König hört’ es gerne ‖ und Die in seinem Bann;Horand der Däne ‖ sich manchen Freund gewann.20Auch ward die alte Königin ‖ seines Singens inne;Es erscholl ihr durch das Fenster, ‖ als sie oben sass an der Zinne.Da sprach die schöne Hilde: ‖ ‘Was ist das für Gesang?Die allerschönste Weise ‖ zu meinen Ohren drang,Die ich je auf Erden ‖ von Jemand hörte singen:Wollte Gott vom Himmel, ‖ dass sie könnten meine Kämmerlinge.’20Da sprachen Hagens Helden: ‖ ‘Herr, wir thun euch kund,Niemand kann so siechen, ‖ er würde bald gesund,Wenn man ihm sein Singen ‖ anzuhören gönnte.’‘Wollte Gott vom Himmel,’ ‖ sprach der König, ‘dass ichs selber könnte!’Als er schon das dritte ‖ Lied zu Ende sang,Allen die es hörten, ‖ währt’ es nicht zu lang:Es deuchte sie in Wahrheit ‖ nur spannenlange Weile,Wenn er immer sänge, ‖ während Einer ritte tausend Meilen.Die Thier’ im Walde liessen ‖ ihre Weide stehn;Die Würme, die da sollten ‖ in dem Grase gehn,30Die Fische, die da sollten ‖ in dem Wasser fliessen,Verliessen ihre Fährte: ‖ wohl dürft’ ihn seiner Künste nicht verdriessen.2.GUDRUN ALSWÄSCHERIN.Nû swîgen wir der degene, ‖ ich wil iuch lân vernemen,die wol mit vreuden wæren, ‖ wie den daz mac gezemen,daz si müezen waschen ‖ in den vremeden landen.Kûdrûn unde Hildeburc ‖ die wuoschen alle zît ûf einem sande.Ez was in einer vasten ‖ umb einen mitten tach.ein vogel kam gevlozzen. ‖ Kûdrûn dô sprach‘owê vogel schœne, ‖ du erbarmest mir sô sêre,daz dû sô vil gevliuzest ‖ ûf diseme vluote’ sprach diu maget hêre.Dô sprach der engel hêre ‖ ‘dû maht dich wol versehen,maget vil ellende: ‖ dir sol grôz liep geschehen.10wilt dû mich vrâgen ‖ von dîner mâge lande,ich bin ein bote der dîne, ‖ wan got ze trôste mich dir here sande.’Dô sprach diu gotes arme ‖ ‘sît dich Krist hât gesantuns vil ellenden ‖ ze trôste in ditze lant,dû solt mich lâzen hœren, ‖ bote dû vil guoter:lebet noch inder Hilde? ‖ diu was der armen Kûdrûnen muoter.’Dô sprach der vil hêre ‖ ‘ich wil dir verjehen.Hilden dîne muoter ‖ hân ich gesunt gesehen,dô si ein her grœzer ‖ dir vrumte her ze lande,dan witewe oder künne ‖ durch lieber vriunde willen ie gesande.’Dô sprach diu maget edele ‖ ‘bote dû vil hêr,lâ dich des niht verdriezen, ‖ ich wil dich vrâgen mêr.10lebet noch indert Ortwîn, ‖ der künec von Ortlande,und Herwîc mîn vriedel? ‖ diu mære ich harte gerne bekande.’Dô sprach der engel hêre ‖ ‘daz tuon ich dir wol kunt.Ortwîn unde Herwîc ‖ die sint wol gesunt.die sach ich in den ünden ‖ ûf des meres muoder.die ellenthaften degene ‖ zugen vil gelîche an einem ruoder.’Si sprach ‘sô hôrte ich gerne, ‖ hâst dû daz vernomen,sol von Tenemarke ‖ Hôrant here komenmit den sînen helden, ‖ die mich in sorgen liezen?den weiz ich alsô biderben, ‖ deich armiu maget sîn möhte wol geniezen.’Dir kumt von Tenemarke ‖ Hôrant der neve dînûf urliuge starke ‖ er und die recken sîn.er sol daz Hilden zeichen ‖ tragen in sînen handen,sô die Hegelinge ‖ koment zuo den Hartmuotes landen.’Dô sprach aber Kûdrûn ‖ ‘kanst dû mir gesagen,lebet noch Wate von Stürmen? ‖ sô wolte ich niht klagen.10des vreuten wir uns alle, ‖ swenne daz geschæhe,daz ich ouch Fruoten ‖ den alten bî mînem zeichen gesæhe.’Dô sprach aber der engel ‖ ‘dir kumt in ditze lantWate von den Stürmen. ‖ der hât an sîner hantein starkez stierruoder ‖ in einem kiel bî Fruoten.bezzer vriunde deheiner ‖ darftû niht bî urliuge muoten.’Dô muoste von in scheiden ‖ der bote vil hêr.die ellenden vrouwen ‖ vrâgten dô niht mêr.jâ was in mit gedanken ‖ liep unde swære,die in dâ helfen solten, ‖ wâ daz vil werde ingesinde wære.Schweigen wir der Degen ‖ und vernehmen nunWie es denen anstand, ‖ die billig sollten ruhn,Dass sie waschen mussten ‖ in dem fremden Lande:Gudrun und Hildeburg, ‖ die wuschen alle Tage bei dem Strande.Es war in den Fasten ‖ und um den mitten Tag,Ein Vogel kam geschwommen: ‖ nun hört wie Gudrun sprach:‘O weh, schöner Vogel, ‖ du musst mich auch erbarmen,Dass du einher geschwommen ‖ kommst auf diesen Fluten,’ sprach die Arme.20Da sprach der hehre Engel: ‖ ‘Du magst dich Glücks versehn,Arme Heimatlose, ‖ das soll dir bald geschehn.Willst du mich fragen ‖ von deinem Heimatlande,Ich bin der Deinen Bote; ‖ Gott schickt mich dir zum Trost zu diesem Strande.’Da sprach die Unselige: ‖ ‘Hat Christus dich gesandtUns armen Heimatlosen ‖ zum Trost in dieses Land,Du sollst mich hören lassen, ‖ Bote, du mein guter,Ist Hilde noch am Leben? ‖ sie war der armen Gudrun Mutter.’20Da sprach der hehre Bote: ‖ ‘Das will ich dir sagen:Hilde, deine Mutter ‖ sah ich gesund vor Tagen,Als sie dir ein grösser ‖ Heer zu Hülfe sandte,Als jemals liebem Kinde ‖ eine Mutter oder Nahverwandte.’Da sprach die edle Jungfrau: ‖ ‘Edler Bote hehr,Lass dich es nicht verdriessen, ‖ ich frage dich noch mehr:Ist Ortwein der König ‖ von Ortland noch am Leben?Und Herwig, mein Geliebter? ‖ der Frage hört ich gerne Antwort geben.’Da sprach der hehre Engel: ‖ ‘Das mach ich dir wohl kund:Ortwein und Herwig ‖ sind beide noch gesund.30Ich sah sie heute fahren ‖ auf des Meeres Wegen;An Einem Ruder zogen ‖ mit gleicher Kraft die beiden starken Degen.’Sie sprach: ‘So hört’ ich gerne, ‖ sofern es dir bekannt,Soll auch Horand kommen, ‖ der Held von Dänenland?Mit seinen kühnen Helden, ‖ die mich liessen hier in Sorgen:Ich weiss ihn so tapfer, ‖ ich armes Mägdlein wäre wohlgeborgen.’20‘Auch Horand dein Neffe ‖ kommt von DänemarkZu manchem heissen Treffen ‖ mit seinen Recken stark.Er soll in seinen Händen ‖ tragen Hildens Zeichen,Wenn die Hegelingen ‖ kommen zu Hartmuthens Reichen.’Da sprach wieder Gudrun: ‖ ‘Kannst du mir sagen,Lebt Wate noch von Sturmland? ‖ so wollt ich nicht klagen.Des freuten wir uns alle, ‖ wenn das geschähe,Dass ich auch Herrn Frute ‖ den alten bei meinem Banner sähe.’Da sprach der Engel wieder: ‖ ‘Dir kommt in dieses LandWate von Sturmland: ‖ der hält in seiner Hand30Ein starkes Steuerruder ‖ in Einem Kiel mit Fruten:Bessre Freunde darfst du ‖ zum Krieg nicht wünschen in deinem Muthe.’Da musste sie verlassen ‖ der Gottesbote hehr;Die heimatlosen Frauen ‖ fragten da nicht mehr.Doch lag auf ihren Herzen ‖ noch grossen Kummers Schwere,Wo nun ihrer Helfer ‖ werthes Ingesinde wäre.3.DERENTSCHEIDUNGSKAMPF.Nû nâhent ez dem strîte. ‖ der helt ûz Sturmlantbegunde ein horn blâsen, ‖ daz manz über sant10wol von sînen kreften ‖ hôrte drîzic mîle.die von Hegelingen ‖ begunden zuo dem Hilden zeichen îlen.Dô blies er ander stunde. ‖ daz tete er umbe daz,daz iegelîcher recke ‖ in den satel sazund daz si ir schar schikten ‖ dar si wolten kêren.man gevriesch in den strîten ‖ nie alten recken alsô hêren.Er blies ze dritten stunden ‖ mit einer krefte grôz,daz im der wert erwagete ‖ und im der wâc erdôz.Ludewîges eckesteine ‖ ûz der mûre möhten rîsen.dô hiez er Hôranden ‖ der schœnen Hilden zeichen dannen wîsen.20Si vorhten Waten sêre. ‖ dâ wart nieman lût.man hôrte ein ros ergrînen. ‖ daz Herwîges trûtstuont obene in der zinne. ‖ statelîche rîtensach man die küenen, ‖ die mit Hartmuoten wolten strîten.Nû was komen Hartmuot ‖ unde sîne manze vlîze wol gewâpent ‖ ûz der porten dan.von vremeden und von kunden ‖ durch die venstersteineerglasten in die helme. ‖ jâ was ouch Hartmuot dâ niht eine.Dô sach man Hartmuoten ‖ rîten vor der schar.ob er ein keiser wære, ‖ sô kunde er nimmer gar10vlîziclîcher werben. ‖ ez lûhte gên der sunnenallez sîn gewæte. ‖ im was noch hôhes muotes unzerunnen.Dô hete Ortwînen ‖ Hartmuot erkorn.swie er sîn niht erkande, ‖ doch houte er mit den spornsîn ros, daz spranc vil wîte. ‖ er reit ûf Ortwînen.ir sper si neigten bêde: ‖ dâ von man sach liehte brünne erschînen.Diu ros ûf gesprungen. ‖ dô huop sich michel klancvon der künege swerten. ‖ man mohte in sagen danc,daz si den strît erhuoben ‖ sô rehte ritterlîchen.si wâren beide küene. ‖ si wolten einander niht entwîchen.Dô sach von Tenen Hôrant ‖ Ortwînen wunt.dô begunde er vrâgen, ‖ wer hæte ungesuntgemachet in dem strîte ‖ sînen lieben herren.Hartmuot der lachte: ‖ jâ wârens von einander vil unverren.Ortwîn sagete im selbe ‖ ‘daz tete her Hartmuot.’dô gap daz Hilden zeichen ‖ von im der degen guot,10daz er wol kunde bringen ‖ nâch maneger grôzer êreze schaden sînen vînden. ‖ des dranc er nâch Hartmuoten sêre.Hartmuot bî im hôrte ‖ ungevüegen schal.er sach daz bluot rîlîchen ‖ vliezen hin ze talvil manegen ûz den wunden ‖ nider zuo den vüezen.dô sprach der degen küene ‖ ‘den schaden sol ich mînen helden büezen.’Dô kêrte er sich hin umbe ‖ da er Hôranden sach.von ir beider ellen ‖ balde daz geschach,daz viur von den ringen ‖ in drâte vür die ougen.sich bugen swertes ecke ‖ von ir handen ûf den helmbougen.Er wunte Hôranden, ‖ als ouch ê geschachdem küenen Ortwînen, ‖ daz im ein rôter bachvlôz ûz sînen ringen ‖ von Hartmuotes handen.er was sô rehte biderbe: ‖ wer solte muoten dô nâch sînen landen?Lûte ruoft dô Herwîc ‖ ‘ist iemen daz erkant,wer ist jener alte? ‖ der hât mit sîner hant10sô vil der tiefen wunden ‖ allez hie gehouwenvon sînem starken ellen, ‖ daz ez beweinen müezen schœne vrouwen.’Daz erhôrte Ludewîc, ‖ der voget ûz Ormanîn.‘wer ist der in der herte ‖ hât gevrâget mîn?ich bin geheizen Ludewîc ‖ von Ormanîerîche.möhte ich mit den vînden ‖ gestrîten wol, daz tæte ich sicherlîche.’‘Ich bin geheizen Herwîc: ‖ dû næme mir mîn wîp.die muost dû geben widere, ‖ oder unser eines lîpmuoz dar umbe sterben, ‖ dar zuo der recken mêre.’dô sprach der künic Ludewîc ‖ ‘dû dröust mir in mîm lande gar ze sêre.Dû hâst mir dîne bîhte ‖ âne nôt getân.ir ist hie noch mêre, ‖ den ich genomen hânir guot unde ir mâge. ‖ des solt dû mir getrouwen,ich sol ez alsô schaffen, ‖ daz dû nimmer küssest dîne vrouwen.’Nâch dem selben worte ‖ liefens einander an,die zwêne rîche künege. ‖ swerz dâ guot gewan,10der holte ez unsanfte. ‖ von ir jungelingenvon ir beider zeichen ‖ sach man manegen guoten zuo in springen.Herwîc was biderbe ‖ und küene genuoc.der vater Hartmuotes ‖ den jungen künic sluoc,daz er begunde strûchen ‖ vor Ludewîges handen.er wolte in hân gescheiden ‖ von sînem lîbe und von sînen landen.Wæren niht sô nâhen ‖ die Herwîges man,die im mit vlîze hulfen, ‖ sô kunde er nimmer danâne sîn ende ‖ von im sîn gescheiden.alsô kunde Ludewîc ‖ der alte den kinden bî im leiden.Die hulfen Herwîge, ‖ daz er dâ genas.dô er sînes valles ‖ wider komen was,dô blikte er harte schiere ‖ ze berge gegen der zinne,obe er indert sæhe ‖ dar inne stên sîns herzen triutinne.Er gedâhte in sînem muote ‖ ‘ach wie ist mir geschehen!ob mîn vrou Kûdrûn ‖ ditze hât gesehen,10gelebe wir daz immer ‖ deich si sol umbevâhen,si tuot mir itewîze, ‖ sô ich bî mîner vrouwen lige nâhen.Daz mich der alte grîse ‖ hie nider hât geslagen,des scham ich mich vil sêre.’ ‖ sîn zeichen hiez er tragenhin nâch Ludewîge ‖ mit den sînen mannen.si drungen nâch den vînden: ‖ si wolten in lâzen niht von dannen.Ludewîc der hôrte ‖ hinder im den schal.dô kêrte er wider umbe ‖ gegen im ze tal.dô hôrte man ûf den helmen ‖ swerte vil erdiezen.die dâ bî in wâren, ‖ die mohte ir beider grimmes wol verdriezen.Der Kûdrûnen vriedel ‖ under helme über ranterreichte Ludewîgen ‖ mit ellenthafter hant.er wundet in sô sêre, ‖ daz er niht mohte gestrîten.dâ von muoste Ludewîc ‖ des grimmen tôdes dâ vor im erbîten.Er sluoc im ander stunde ‖ einen vesten swanc,daz des küneges houbet ‖ von der ahsel spranc.10er hete im wol vergolten, ‖ daz er was gevallen.der künic was erstorben: ‖ des muosten schœniu ougen über wallen.Dô sprach ze sînen mannen ‖ Hartmuot der degen‘nû wendet mit mir dannen. ‖ ir ist hie vil gelegen,die uns slahen wolten ‖ in den herten strîten.nû kêret zuo der bürge, ‖ unz wir bezzerre wîle erbîten.’Si heten vil der degene ‖ hinder in verlân.wær daz lant ir eigen, ‖ si enkunden hân getânniht bezzers in dem strîte. ‖ si wolten zuo der selde.Wate sûmte starke ‖ si mit tûsent sîner guoten helde.Er was unz an die porte ‖ mit grôzer kraft gegân,dâ Hartmuot hine wolte ‖ mit den sînen man.si kundenz niht verenden: ‖ in zowet es harte kleine,si sâhen ab der mûre ‖ werfen mit manegem lâzsteine.Dô sach in her Hartmuot ‖ vor dem bürge tor.er sprach ‘daz wir verdienet ‖ haben hie bevor,10daz wil sich wærlîche ‖ hiute an uns erzeigen,die gesunden haben sorge. ‖ jâ lît hie harte vil der veigen.Ich mac niht gevliegen: ‖ veder hân ich niht.ich enmac ouch under die erde, ‖ swaz anders mir geschiht.wir mugen ouch vor den vînden ‖ niht zuo den ünden.den besten mînen willen ‖ wil ich iu bescheidenlîchen künden.Sîn mac niht anders werden, ‖ ir edele ritter guot.erbeizet zuo der erden ‖ und houwet heizez bluotûz den liehten ringen: ‖ des lât iuch niht verdriezen.’si stuonden von den satelen: ‖ diu ros si hinder sich ze rugge stiezen.‘Nû zuo, ir mæren helde!’ ‖ sprach dô Hartmuot.‘gêt nâher zuo der selde. ‖ ez sî übel oder guot,ich muoz ze Waten dem alten. ‖ swie mir dâ gelinge,ich wil doch versuochen, ‖ ob ich in hôher von der porten bringe.Mit ûf geworfen swerten ‖ begunden si dô gânHartmuot der küene ‖ unde ouch sîne man.10do bestuont er Waten den grimmen: ‖ daz was dem helde ein êre.dô hôrte man swert erklingen. ‖ dô starp guoter ritter dester mêre.Schiere kam Ortrûn ‖ von Ormanîelantdiu junge küniginne ‖ mit windender hantze vroun Kûdrûnen. ‖ diu junge maget hêreviel ir vür die vüeze. ‖ si klagete ir vater Ludewîgen sêre.Si sprach ‘lâ dich erbarmen, ‖ edelez vürsten kint,sô vil mîner mâge, ‖ die hie erstorben sint,und gedenke, wie dir wære, ‖ dô man sluoc den vater dînen.edele küniginne, ‖ nû hân ich hiute vloren hie den mînen.Nû sich, maget edele: ‖ diz ist ein grôziu nôt.mîn vater und mîne mâge ‖ sint aller meiste tôt.nû stêt der recke Hartmuot ‖ vor Waten in grôzer vreise.verliuse ich den bruoder, ‖ sô muoz ich immer mêre sîn ein weise.Und lâz mich des geniezen’ ‖ sprach daz edele kint:‘so dich nieman klagete ‖ der aller, die hie sint,10dû hetest niht vriunde mêre ‖ danne mich vil eine.swaz dir ieman tæte, ‖ sô muoste ich ze allen zîten umb dich weinen.’Dô sprach diu Hilden tohter ‖ ‘des hâst dû vil getân.ich weiz niht, wie ich möhte ‖ den strît understân,ich enwære danne ein recke, ‖ daz ich wâpen trüege:sô schiede ich ez gerne, ‖ daz dir dînen bruoder nieman slüege.’Si weinte angestlîche. ‖ wie tiure si si bat,unze daz vrou Kûdrûn ‖ in daz venster trat.si winkte mit der hende ‖ und vrâgte si der mære,ob von ir vater lande ‖ ieman guoter dar komen wære.Des antwurte Herwîc, ‖ ein edel ritter guot‘wer sît ir, juncvrouwe, ‖ diu uns vrâgen tuot?’si sprach ‘ich heize Kûdrûn ‖ und bin daz Hagenen künne.swie rîche ich hie vor wære, ‖ sô sihe ich hie vil wênec dehein wünne.’Er sprach ‘sît ir ez Kûdrûn, ‖ diu liebe vrouwe mîn,sô sol ich iu gerne ‖ immer diende sîn:10sô bin ich ez Herwîc ‖ und kôs iuch mir ze trôste,und lâze iuch daz wol schouwen, ‖ deich iuch von allen sorgen gerne lôste?’Si sprach ‘welt ir mir dienen, ‖ ritter ûz erkorn,sô sult ir uns vervâhen ‖ daz vür deheinen zorn.mich bitent vlîziclîche ‖ hie die schœnen meide,daz man Hartmuoten ‖ von Waten dem alten ûz dem strîte scheide.’‘Daz sol ich gerne leisten, ‖ vil liebiu vrouwe mîn.’lûte ruoft dô Herwîc ‖ zuo den recken sîn‘nû sult ir mîniu zeichen ‖ ze Waten vanen bringen.’dô sach man Herwîgen ‖ unde al die sîne sêre dringen.Ein herter vrouwen dienest ‖ wart von im getân.Herwîc ruoft dô lûte ‖ den alten Waten an.er sprach ‘Wate, lieber vriunt, ‖ gunnet daz man scheidedisen strît vil swinden: ‖ des bitent iuch die minniclîche meide.’Wate sprach mit zorne ‖ ‘her Herwîc, nu gêt hin!solt ich vrouwen volgen, ‖ war tæte ich mînen sin?10solte ich sparn die vînde? ‖ daz tæte ich ûf mich selben.des volge ich iu nimmer. ‖ Hartmuot muoz sîner vrevele engelden.’Durch Kûdrûnen liebe ‖ zuo in beiden sprancHerwîc der küene. ‖ der swerte vil erklanc.Wate was erzürnet: ‖ er kunde daz wol leiden,daz in strîte nieman ‖ in von sînen vînden torste scheiden.Dô sluoc er Herwîgen ‖ einen tiuren slac,der dâ wolte scheiden, ‖ daz er vor im lac.dô sprungen sîne recken ‖ und hulfen im von dannen.genomen wart dô Hartmuot ‖ vor Herwîge und vor allen sînen mannen.Es nahte nun zum Streite: ‖ der Held von SturmlandBegann ein Horn zu blasen, ‖ dass man es von dem StrandDurch seine starken Kräfte ‖ wohl hörte dreissig Meilen.Die von Hegelingen ‖ sah man zu Frau Hildens Banner eilen.Er blies zum andern Male: ‖ das that er deswegen,Dass sich in die Sättel ‖ schwängen all die Degen,Und die Scharen richteten, ‖ wohin sie sollten reiten;Solchen greisen Recken ‖ sah man nie so herrlich in den Streiten.Er blies zum dritten Male ‖ mit einer Kraft so voll,Dass ihm die Flut erbebte ‖ und rings der Strand erscholl;30Die Ecksteine wollten ‖ aus der Mauer fallen.Er gebot Horanden, ‖ dass er Hildens Banner liesse wallen.Sie bangten all vor Waten: ‖ da wurde Niemand laut;Man hört’ ein Ross wohl wiehern. ‖ König Herwigs BrautStand oben in den Zinnen. ‖ Stolz von dannen reitenSah man die Kühnen, ‖ die mit König Hartmuth wollten streiten.20Nun zog auch König Hartmuth ‖ und Die in seinem BannMit allem Fleiss gewappnet ‖ aus dem Thor heran.Man sah die Helme glänzen ‖ durch die FenstersteineDen Heimischen und Fremden; ‖ wohl war auch König Hartmuth nicht alleine.Da sah man Hartmuthen ‖ reiten vor dem Heer;Wenn er ein Kaiser wäre, ‖ er könnte nimmermehrSich stattlicher gehaben; ‖ ihm glänzten in der SonnenDie lichten Eisenkleider; ‖ hoher Muth war ihm noch unzerronnen.Da hatte sich Ortweinen ‖ Hartmuth auserkorn;Obwohl er ihn nicht kannte, ‖ doch trieb er mit den Sporen30Sein Ross in weiten Sprüngen ‖ heran zu Ortweinen.Die Speere neigten Beide: ‖ da sah man bald die lichten Panzer scheinen.Aufsprangen ihre Rosse: ‖ da hub sich lauter KlangVon der Könge Schwertern; ‖ sie verdienten beide Dank,Dass sie den Kampf erhuben ‖ mit so scharfen Streichen.Es waren kühne Helden: ‖ Keiner wollte vor dem andern weichen.20Da sah Horand der Däne ‖ Ortweinen wund;Da hub er an zu fragen: ‖ ‘Wer mir ungesundDen lieben Herren machte ‖ im Streit, das wüsst ich gerne.’Hartmuth der lachte; sie waren ‖ sich einander nicht zu ferne.Da sagt ihm Ortwein selber: ‖ ‘Das that Herr Hartmuth.’Da gab Frau Hildens Zeichen ‖ hinweg der Degen gut,Das er wohl tragen konnte ‖ sich selbst zu grosser EhreUnd dem Feind zum Schaden: ‖ Hartmuthen eilte hinterdrein der hehre.Hartmuth in seiner Nähe ‖ vernahm gar lauten Schall;Dabei sah er stürzen ‖ des rothen Blutes Schwall30Manchem aus den Wunden ‖ nieder zu den Füssen.Da sprach der kühne Degen: ‖ ‘Meiner Helden Schaden sollt ihr büssen.’Da wandt er sich hinwieder ‖ wo er Horand sah.Durch der Helden Stärke ‖ bald geschah es da,Dass Funken aus den Ringen ‖ vor ihre Augen flogen,Und auf den Helmspangen ‖ sich die geschwungnen Schwerterspitzen bogen.20Wie erst dem kühnen Ortwein, ‖ so schlug er darnachNun Horand eine Wunde, ‖ dass ihm ein rother BachVon Hartmuthens Händen ‖ entsprang den Panzerringen.Der Degen war so tapfer: ‖ wer wollt ihm da sein Land noch aberzwingen?Laut rief da Herwig: ‖ ‘Ist das hier wem bekannt:Wer ist jener Alte? ‖ der hat mit seiner HandSo viel der tiefen Wunden ‖ schon allhie gehauenMit seinen starken Kräften, ‖ dass es beweinen müssen schöne Frauen.’Das erhörte Ludwig, ‖ der Vogt der Normandie.‘Wer ist es, der im Kampfe ‖ nach mir fragte hie?30Ich bin geheissen Ludwig ‖ von Normandie dem Reiche:Wüsst ich mit den Feinden ‖ noch zu streiten, säh man mich nicht weichen.’‘Herwig bin ich geheissen: ‖ du nahmest mir mein Weib:Die musst du wieder geben, ‖ sonst büsst es der LeibEines von uns beiden ‖ und Manches der Getreuen.’Da sprach der König Ludwig: ‖ ‘Willst du mir so in meinem Lande dräuen?’20‘Du hast mir deine Beichte ‖ hier ohne Noth gethan.Hier ist noch mancher Andre, ‖ dem ich abgewannSein Gut und seine Freunde: ‖ du darfst mir zugetrauen,Ich will es also schaffen, ‖ dass du nimmer küssest deine Fraue.’Nach dieser Rede liefen ‖ sich einander anDie beiden reichen Könige. ‖ Wer Glück bis jetzt gewannDem ergiengs nun übel ‖ durch seines Herrn Misslingen.Von ihren Bannern sah man ‖ manchen Helden hin zu ihnen springen.Herwig war tapfer ‖ und war auch kühn genug;Der Vater Hartmuthens ‖ den jungen König schlug,30Dass er von Ludwigs Händen ‖ nieder musste fallen;Er hätt ihn gern geschieden ‖ von seinem Leib und seinen Landen allen.Waren nicht so nahe ‖ Die in Herwigs Heer,Die ihm zu Hülfe sprangen, ‖ so konnt er nimmermehrBis zu seinem Ende ‖ von Ludwigen scheiden:So wusste der Alte ‖ den Jungen seine Nähe zu verleiden.20Sie halfen Herwigen, ‖ dass er am Leben blieb.Als er sich nun erholte ‖ von des Alten Hieb,Empor sah man ihn blicken ‖ zu des Schlosses Zinnen,Ob auch seine Traute ‖ von dort herab gesehn auf sein Beginnen.Er gedacht in seinem Muthe: ‖ ‘Ach, wie ist mir geschehn!Wenn Gudrun meine Herrin ‖ Solches hat ersehn,Erleb ich je die Stunde, ‖ dass ich sie soll umfahen,So wird sie mirs verweisen, ‖ wenn ich sie zu küssen will ihr nahen.Dass mich der greise Alte ‖ hier nieder hat geschlagen,Des muss ich sehr mich schämen.’ ‖ Sein Banner liess er tragen30Gegen König Ludwig ‖ vor allen seinen Mannen.Sie folgten ihrem Feinde: ‖ der sollte nun mit Nichten mehr von dannen.Ludwig erhörte ‖ hinter sich den Schall,Da wandt er sich zurücke ‖ wider ihn zumal;Da hört’ er auf den Helmen ‖ Schwerter viel erschallenDie da bei ihm waren, ‖ denen mochte wohl der Könge Grimm missfallen.20Gudrunens Trauter ‖ unter Helm und SchildesrandErreichte Ludwigen ‖ mit kraftreicher Hand:Er schlug ihm solche Wunde, ‖ er konnte sich nicht rühren:Da musste König Ludwig ‖ hier den grimmen Tod von ihm erküren.Er schlug ihm gleich zur Stunde ‖ so festen Schwertesschwang,Dass das Haupt dem König ‖ von der Achsel sprang.Er hatt ihm wohl vergolten, ‖ dass er war gefallen.Der König war erstorben: ‖ da mussten schöne Augen überwallen.Da sprach zu seinen Mannen ‖ Hartmuth der Degen:‘Nun kehrt mit mir von dannen: ‖ so Mancher ist erlegen,30Die uns erschlagen wollten ‖ in diesem harten Streiten:Wir wollen heim zum Schlosse: ‖ da mögen wir wohl harren bessrer Zeiten.’Sie hatten viel der Degen ‖ gelassen hinter sich;Wär das Land ihr eigen, ‖ sie hätten sicherlichNicht besser sich gehalten; ‖ nun zogen sie vom Felde.Da sammelte sich Wate ‖ wohl mit tausend seiner kühnen Helden.20Er zog bis an die Pforte ‖ heran mit grosser Kraft,Wo Hartmuth einziehn wollte ‖ mit seiner Ritterschaft—Doch könnt ers nicht vollbringen. ‖ Er liess sichs nicht verdriessen,Dass sie von der Mauer ‖ manchen Laststein sahen niederschiessen.Da sah ihn Herr Hartmuth ‖ vor der Veste Thor.Er sprach: ‘Was wir verdienet ‖ haben hiebevor,Das will sich heute wahrlich ‖ mit Zorn an uns bekunden:Die Gesunden haben Sorge ‖ und ringsum liegen viel der Fährlichwunden.Ich kann jedoch nicht fliegen; ‖ Federn hab ich nicht.Noch durch die Erde kriechen, ‖ wär es gleich hier Pflicht.30Uns wehren auch die Feinde, ‖ dass wir ans Wasser kämen:Meinen Rath den besten ‖ lass ich euch bescheidentlich vernehmen.Es kann nicht anders werden, ‖ ihr edeln Ritter gut,Steigt nieder zu der Erden ‖ und hauet heisses BlutAus den lichten Ringen! ‖ das lasst euch nicht verdriessen.’Sie sprangen aus den Sätteln, ‖ indem sie rasch zurück die Rosse stiessen.20‘Nun zu, ihr Ehrenfesten,’ ‖ sprach da Hartmuth:‘Geht näher zu der Veste! ‖ seis übel oder gut,Ich muss zum alten Wate: ‖ wie mir da gelinge,Ich will doch versuchen, ‖ ob ich den nicht von der Pforte bringe.’Mit aufgehobnen Schwertern ‖ schritten sie heran,Hartmuth der kühne ‖ und Die in seinem Bann.Er bestand den grimmen Wate: ‖ des freute sich der Degen.Man hörte Schwerter klingen: ‖ da sind der Helden desto mehr erlegen.Eilends kam da Ortrun, ‖ die bang die Hände wand,Die junge Königstochter ‖ von der Normannen Land,30Zu Gudrun der schönen: ‖ die junge Maid, die hehre,Fiel ihr zu Füssen klagend, ‖ dass ihr Vater Ludwig erschlagen wäre.Sie sprach: ‘Lass dich erbarmen, ‖ edles Fürstenkind,So vieler von den Meinen, ‖ die hier erstorben sind;Gedenke, wie zu Muthe ‖ dir war, als man dir deinenVater hat erschlagen: ‖ nun hab ich hier verloren heut den meinen.20Nun sieh, edle Königin, ‖ wie gross ist diese Noth:Mein Vater, meine Freunde, ‖ schier Alle sind sie todt;Nun seh ich auch den Bruder ‖ Waten mir gefährden!Wird Hartmuth auch erschlagen, ‖ so muss ich ganz zu einer Waise werden.Vergilt nun meine Liebe’ ‖ sprach das edle Kind,‘Als Niemand dich beklagte ‖ von Allen, die hier sind,Und du zum Freunde hattest ‖ niemand als mich alleine;Man that dir viel zu Leide; ‖ zu allen Zeiten musst ich um dich weinen.’Da sprach die Tochter Hildens: ‖ ‘Das hast du oft gethan;Doch weiss ich nicht, wie diesem ‖ Streit ich wehren kann:30Wär ich nur ein Recke, ‖ dass ich Waffen trüge,Ich wollt ihn gerne scheiden, ‖ dass den Bruder Niemand dir erschlüge.’Mit ängstlichen Klagen ‖ flehte sie und bat,Bis da endlich Gudrun ‖ in das Fenster trat:Sie winkte mit der weissen Hand ‖ und fragte laut um Märe,Ob aus ihrer Heimat ‖ nicht hier jemand in der Nähe wäre?20Da gab ihr Herwig Antwort, ‖ ein edler Ritter gut:‘Wer seid ihr, edle Jungfrau, ‖ die solche Frage thut?’Sie sprach: ‘Ich heisse Gudrun, ‖ die Enkelin des Hagen:Wie reich ich war vor Zeiten, ‖ hier seh ich anders nichts als leide Tage.’Er sprach: ‘Seid ihr es, Gudrun, ‖ die liebe Herrin mein?Euch zu dienen will ich ‖ stets beflissen sein;Ich aber heisse Herwig, ‖ den eure Huld soll trösten:Ich lass euch das wohl schauen, ‖ dass ich euch gern aus allem Leid erlöste.’Sie sprach: ‘Wollt ihr mir dienen, ‖ Ritter auserwählt,So hoff ich, dass ihr solches ‖ mir nicht zum Unrecht zählt:30Mich bitten hier so dringend ‖ diese schönen Maide,Dass man Hartmuthen ‖ von dem Grimm des alten Wate scheide.’‘Das will ich gerne leisten, ‖ liebe Herrin du.’Laut rief da Herwig ‖ seinen Recken zu:‘Nun bringt zu Watens Feinden ‖ mein Banner hin geschwinde.’Da drängte durch die Scharen ‖ sich Herwig und all sein Ingesinde.20Da ward von Herwig Grosses ‖ im Frauendienst gethan;Mit lauter Stimme rief er ‖ den alten Wate an:‘Wate,’ sprach er, ‘lieber Freund, ‖ vergönnet uns zu scheidenDieses grimme Streiten: ‖ das bitten euch die minniglichen Maide.’Wate sprach im Zorne: ‖ ‘Herr Herwig geht doch hin!Soll ich nun Frauen folgen? ‖ wo hätt ich meinen Sinn,Wenn ich die Feinde sparte? ‖ da wär ich wohl zu schelten;Darin folg ich euch nimmer: ‖ Hartmuth muss seiner Frevel hier entgelten.’Gudrun zu Liebe ‖ zu den Kämpfern sprangHerwig der kühne; ‖ da vernahm man Schwerterklang.30Wate war erzürnet, ‖ er mocht es niemals leiden,Wenn es Jemand wagte, ‖ ihn im Kampf von seinem Feind zu scheiden.Da schlug er Herwigen ‖ einen grimmen Schlag,Dass Der sie scheiden wollte ‖ vor ihm am Boden lag.Da sprangen seine Recken ‖ und halfen ihm von dannen.Gefangen ward da Hartmuth ‖ Herwig zum Trotz und allen seinen Mannen.
GUDRUN.
[Scherer D.132,E.124.]
Nicht viel später gedichtet als das Nibelungenlied. Nur in einer Handschrift der berühmten Ambraser Sammlung, die für Kaiser Maximilian I. (1502–1515) angefertigt wurde, erhalten. Herausgegeben von Vollmer (Leipzig, 1845), Bartsch (Leipzig, 1865), Martin (Halle, 1872; 1883), Symons (Halle, 1883). Übersetzungen von Simrock, A. v. Keller, Niendorf u. a.
Nicht viel später gedichtet als das Nibelungenlied. Nur in einer Handschrift der berühmten Ambraser Sammlung, die für Kaiser Maximilian I. (1502–1515) angefertigt wurde, erhalten. Herausgegeben von Vollmer (Leipzig, 1845), Bartsch (Leipzig, 1865), Martin (Halle, 1872; 1883), Symons (Halle, 1883). Übersetzungen von Simrock, A. v. Keller, Niendorf u. a.
Daz kam an einen âbent ‖ daz in sô gelanc,daz von Tenemarke ‖ der küene degen sancmit sô hêrlîcher stimme, ‖ daz ez wol gevallenmuose al den liuten. ‖ dâ von gesweic der vogellîne schallen.10Daz hôrte der künic gerne ‖ und alle sîne man,dâ von von Tenen Hôrant ‖ der vriunde vil gewan.ouch hete ez wol gehœret ‖ diu alte küniginne.ez erhal ir durch daz venster, ‖ dâ si was gesezzen an der zinne.Dô sprach diu schœne Hilde ‖ ‘waz hân ich vernomen?diu aller beste wîse ‖ ist in mîn ôren komen,die ich ze dirre welte ‖ von ieman hân ervunden.daz wolte got von himele, ‖ daz si mîne kamerære kunden!’Dô sprâchen Hagenen helde ‖ ‘herre, lât vernemen.nieman lebet sô siecher, ‖ im möhte wol gezemenhœren sîne stimme, ‖ diu gêt ûz sînem munde.’‘daz wolte got von himele’ ‖ sprach der künec, ‘daz ich si selbe kunde!’Dô er drî dœne ‖ sunder vol gesanc,alle die ez hôrten ‖ dûhte ez niht sô lanc.10si hætens niht geahtet, ‖ einer hende wîle,obe er solte singen, ‖ daz einer möhte rîten tûsent mîle.Diu tier in dem walde ‖ ir weide liezen stên.die würme die dâ solten ‖ in dem grase gên,die vische die dâ solten ‖ in dem wâge vliezen,die liezen ir geverte. ‖ jâ kunde er sîner vuoge wol geniezen.
Daz kam an einen âbent ‖ daz in sô gelanc,daz von Tenemarke ‖ der küene degen sancmit sô hêrlîcher stimme, ‖ daz ez wol gevallenmuose al den liuten. ‖ dâ von gesweic der vogellîne schallen.10Daz hôrte der künic gerne ‖ und alle sîne man,dâ von von Tenen Hôrant ‖ der vriunde vil gewan.ouch hete ez wol gehœret ‖ diu alte küniginne.ez erhal ir durch daz venster, ‖ dâ si was gesezzen an der zinne.Dô sprach diu schœne Hilde ‖ ‘waz hân ich vernomen?diu aller beste wîse ‖ ist in mîn ôren komen,die ich ze dirre welte ‖ von ieman hân ervunden.daz wolte got von himele, ‖ daz si mîne kamerære kunden!’Dô sprâchen Hagenen helde ‖ ‘herre, lât vernemen.nieman lebet sô siecher, ‖ im möhte wol gezemenhœren sîne stimme, ‖ diu gêt ûz sînem munde.’‘daz wolte got von himele’ ‖ sprach der künec, ‘daz ich si selbe kunde!’Dô er drî dœne ‖ sunder vol gesanc,alle die ez hôrten ‖ dûhte ez niht sô lanc.10si hætens niht geahtet, ‖ einer hende wîle,obe er solte singen, ‖ daz einer möhte rîten tûsent mîle.Diu tier in dem walde ‖ ir weide liezen stên.die würme die dâ solten ‖ in dem grase gên,die vische die dâ solten ‖ in dem wâge vliezen,die liezen ir geverte. ‖ jâ kunde er sîner vuoge wol geniezen.
Daz kam an einen âbent ‖ daz in sô gelanc,daz von Tenemarke ‖ der küene degen sancmit sô hêrlîcher stimme, ‖ daz ez wol gevallenmuose al den liuten. ‖ dâ von gesweic der vogellîne schallen.10
Daz kam an einen âbent ‖ daz in sô gelanc,
daz von Tenemarke ‖ der küene degen sanc
mit sô hêrlîcher stimme, ‖ daz ez wol gevallen
muose al den liuten. ‖ dâ von gesweic der vogellîne schallen.10
Daz hôrte der künic gerne ‖ und alle sîne man,dâ von von Tenen Hôrant ‖ der vriunde vil gewan.ouch hete ez wol gehœret ‖ diu alte küniginne.ez erhal ir durch daz venster, ‖ dâ si was gesezzen an der zinne.
Daz hôrte der künic gerne ‖ und alle sîne man,
dâ von von Tenen Hôrant ‖ der vriunde vil gewan.
ouch hete ez wol gehœret ‖ diu alte küniginne.
ez erhal ir durch daz venster, ‖ dâ si was gesezzen an der zinne.
Dô sprach diu schœne Hilde ‖ ‘waz hân ich vernomen?diu aller beste wîse ‖ ist in mîn ôren komen,die ich ze dirre welte ‖ von ieman hân ervunden.daz wolte got von himele, ‖ daz si mîne kamerære kunden!’
Dô sprach diu schœne Hilde ‖ ‘waz hân ich vernomen?
diu aller beste wîse ‖ ist in mîn ôren komen,
die ich ze dirre welte ‖ von ieman hân ervunden.
daz wolte got von himele, ‖ daz si mîne kamerære kunden!’
Dô sprâchen Hagenen helde ‖ ‘herre, lât vernemen.nieman lebet sô siecher, ‖ im möhte wol gezemenhœren sîne stimme, ‖ diu gêt ûz sînem munde.’‘daz wolte got von himele’ ‖ sprach der künec, ‘daz ich si selbe kunde!’
Dô sprâchen Hagenen helde ‖ ‘herre, lât vernemen.
nieman lebet sô siecher, ‖ im möhte wol gezemen
hœren sîne stimme, ‖ diu gêt ûz sînem munde.’
‘daz wolte got von himele’ ‖ sprach der künec, ‘daz ich si selbe kunde!’
Dô er drî dœne ‖ sunder vol gesanc,alle die ez hôrten ‖ dûhte ez niht sô lanc.10si hætens niht geahtet, ‖ einer hende wîle,obe er solte singen, ‖ daz einer möhte rîten tûsent mîle.
Dô er drî dœne ‖ sunder vol gesanc,
alle die ez hôrten ‖ dûhte ez niht sô lanc.10
si hætens niht geahtet, ‖ einer hende wîle,
obe er solte singen, ‖ daz einer möhte rîten tûsent mîle.
Diu tier in dem walde ‖ ir weide liezen stên.die würme die dâ solten ‖ in dem grase gên,die vische die dâ solten ‖ in dem wâge vliezen,die liezen ir geverte. ‖ jâ kunde er sîner vuoge wol geniezen.
Diu tier in dem walde ‖ ir weide liezen stên.
die würme die dâ solten ‖ in dem grase gên,
die vische die dâ solten ‖ in dem wâge vliezen,
die liezen ir geverte. ‖ jâ kunde er sîner vuoge wol geniezen.
Es geschah an einem Abend, ‖ dass ihnen so gelang,Dass vom Dänenlande ‖ der kühne Degen sangMit so herrlicher Stimme, ‖ dass es WohlgefallenMusste all den Leuten: ‖ davon geschwieg der kleinen Vöglein Schallen.Der König hört’ es gerne ‖ und Die in seinem Bann;Horand der Däne ‖ sich manchen Freund gewann.20Auch ward die alte Königin ‖ seines Singens inne;Es erscholl ihr durch das Fenster, ‖ als sie oben sass an der Zinne.Da sprach die schöne Hilde: ‖ ‘Was ist das für Gesang?Die allerschönste Weise ‖ zu meinen Ohren drang,Die ich je auf Erden ‖ von Jemand hörte singen:Wollte Gott vom Himmel, ‖ dass sie könnten meine Kämmerlinge.’20Da sprachen Hagens Helden: ‖ ‘Herr, wir thun euch kund,Niemand kann so siechen, ‖ er würde bald gesund,Wenn man ihm sein Singen ‖ anzuhören gönnte.’‘Wollte Gott vom Himmel,’ ‖ sprach der König, ‘dass ichs selber könnte!’Als er schon das dritte ‖ Lied zu Ende sang,Allen die es hörten, ‖ währt’ es nicht zu lang:Es deuchte sie in Wahrheit ‖ nur spannenlange Weile,Wenn er immer sänge, ‖ während Einer ritte tausend Meilen.Die Thier’ im Walde liessen ‖ ihre Weide stehn;Die Würme, die da sollten ‖ in dem Grase gehn,30Die Fische, die da sollten ‖ in dem Wasser fliessen,Verliessen ihre Fährte: ‖ wohl dürft’ ihn seiner Künste nicht verdriessen.
Es geschah an einem Abend, ‖ dass ihnen so gelang,Dass vom Dänenlande ‖ der kühne Degen sangMit so herrlicher Stimme, ‖ dass es WohlgefallenMusste all den Leuten: ‖ davon geschwieg der kleinen Vöglein Schallen.Der König hört’ es gerne ‖ und Die in seinem Bann;Horand der Däne ‖ sich manchen Freund gewann.20Auch ward die alte Königin ‖ seines Singens inne;Es erscholl ihr durch das Fenster, ‖ als sie oben sass an der Zinne.Da sprach die schöne Hilde: ‖ ‘Was ist das für Gesang?Die allerschönste Weise ‖ zu meinen Ohren drang,Die ich je auf Erden ‖ von Jemand hörte singen:Wollte Gott vom Himmel, ‖ dass sie könnten meine Kämmerlinge.’20Da sprachen Hagens Helden: ‖ ‘Herr, wir thun euch kund,Niemand kann so siechen, ‖ er würde bald gesund,Wenn man ihm sein Singen ‖ anzuhören gönnte.’‘Wollte Gott vom Himmel,’ ‖ sprach der König, ‘dass ichs selber könnte!’Als er schon das dritte ‖ Lied zu Ende sang,Allen die es hörten, ‖ währt’ es nicht zu lang:Es deuchte sie in Wahrheit ‖ nur spannenlange Weile,Wenn er immer sänge, ‖ während Einer ritte tausend Meilen.Die Thier’ im Walde liessen ‖ ihre Weide stehn;Die Würme, die da sollten ‖ in dem Grase gehn,30Die Fische, die da sollten ‖ in dem Wasser fliessen,Verliessen ihre Fährte: ‖ wohl dürft’ ihn seiner Künste nicht verdriessen.
Es geschah an einem Abend, ‖ dass ihnen so gelang,Dass vom Dänenlande ‖ der kühne Degen sangMit so herrlicher Stimme, ‖ dass es WohlgefallenMusste all den Leuten: ‖ davon geschwieg der kleinen Vöglein Schallen.
Es geschah an einem Abend, ‖ dass ihnen so gelang,
Dass vom Dänenlande ‖ der kühne Degen sang
Mit so herrlicher Stimme, ‖ dass es Wohlgefallen
Musste all den Leuten: ‖ davon geschwieg der kleinen Vöglein Schallen.
Der König hört’ es gerne ‖ und Die in seinem Bann;Horand der Däne ‖ sich manchen Freund gewann.20Auch ward die alte Königin ‖ seines Singens inne;Es erscholl ihr durch das Fenster, ‖ als sie oben sass an der Zinne.
Der König hört’ es gerne ‖ und Die in seinem Bann;
Horand der Däne ‖ sich manchen Freund gewann.20
Auch ward die alte Königin ‖ seines Singens inne;
Es erscholl ihr durch das Fenster, ‖ als sie oben sass an der Zinne.
Da sprach die schöne Hilde: ‖ ‘Was ist das für Gesang?Die allerschönste Weise ‖ zu meinen Ohren drang,Die ich je auf Erden ‖ von Jemand hörte singen:Wollte Gott vom Himmel, ‖ dass sie könnten meine Kämmerlinge.’20
Da sprach die schöne Hilde: ‖ ‘Was ist das für Gesang?
Die allerschönste Weise ‖ zu meinen Ohren drang,
Die ich je auf Erden ‖ von Jemand hörte singen:
Wollte Gott vom Himmel, ‖ dass sie könnten meine Kämmerlinge.’20
Da sprachen Hagens Helden: ‖ ‘Herr, wir thun euch kund,Niemand kann so siechen, ‖ er würde bald gesund,Wenn man ihm sein Singen ‖ anzuhören gönnte.’‘Wollte Gott vom Himmel,’ ‖ sprach der König, ‘dass ichs selber könnte!’
Da sprachen Hagens Helden: ‖ ‘Herr, wir thun euch kund,
Niemand kann so siechen, ‖ er würde bald gesund,
Wenn man ihm sein Singen ‖ anzuhören gönnte.’
‘Wollte Gott vom Himmel,’ ‖ sprach der König, ‘dass ichs selber könnte!’
Als er schon das dritte ‖ Lied zu Ende sang,Allen die es hörten, ‖ währt’ es nicht zu lang:Es deuchte sie in Wahrheit ‖ nur spannenlange Weile,Wenn er immer sänge, ‖ während Einer ritte tausend Meilen.
Als er schon das dritte ‖ Lied zu Ende sang,
Allen die es hörten, ‖ währt’ es nicht zu lang:
Es deuchte sie in Wahrheit ‖ nur spannenlange Weile,
Wenn er immer sänge, ‖ während Einer ritte tausend Meilen.
Die Thier’ im Walde liessen ‖ ihre Weide stehn;Die Würme, die da sollten ‖ in dem Grase gehn,30Die Fische, die da sollten ‖ in dem Wasser fliessen,Verliessen ihre Fährte: ‖ wohl dürft’ ihn seiner Künste nicht verdriessen.
Die Thier’ im Walde liessen ‖ ihre Weide stehn;
Die Würme, die da sollten ‖ in dem Grase gehn,30
Die Fische, die da sollten ‖ in dem Wasser fliessen,
Verliessen ihre Fährte: ‖ wohl dürft’ ihn seiner Künste nicht verdriessen.
Nû swîgen wir der degene, ‖ ich wil iuch lân vernemen,die wol mit vreuden wæren, ‖ wie den daz mac gezemen,daz si müezen waschen ‖ in den vremeden landen.Kûdrûn unde Hildeburc ‖ die wuoschen alle zît ûf einem sande.Ez was in einer vasten ‖ umb einen mitten tach.ein vogel kam gevlozzen. ‖ Kûdrûn dô sprach‘owê vogel schœne, ‖ du erbarmest mir sô sêre,daz dû sô vil gevliuzest ‖ ûf diseme vluote’ sprach diu maget hêre.Dô sprach der engel hêre ‖ ‘dû maht dich wol versehen,maget vil ellende: ‖ dir sol grôz liep geschehen.10wilt dû mich vrâgen ‖ von dîner mâge lande,ich bin ein bote der dîne, ‖ wan got ze trôste mich dir here sande.’Dô sprach diu gotes arme ‖ ‘sît dich Krist hât gesantuns vil ellenden ‖ ze trôste in ditze lant,dû solt mich lâzen hœren, ‖ bote dû vil guoter:lebet noch inder Hilde? ‖ diu was der armen Kûdrûnen muoter.’Dô sprach der vil hêre ‖ ‘ich wil dir verjehen.Hilden dîne muoter ‖ hân ich gesunt gesehen,dô si ein her grœzer ‖ dir vrumte her ze lande,dan witewe oder künne ‖ durch lieber vriunde willen ie gesande.’Dô sprach diu maget edele ‖ ‘bote dû vil hêr,lâ dich des niht verdriezen, ‖ ich wil dich vrâgen mêr.10lebet noch indert Ortwîn, ‖ der künec von Ortlande,und Herwîc mîn vriedel? ‖ diu mære ich harte gerne bekande.’Dô sprach der engel hêre ‖ ‘daz tuon ich dir wol kunt.Ortwîn unde Herwîc ‖ die sint wol gesunt.die sach ich in den ünden ‖ ûf des meres muoder.die ellenthaften degene ‖ zugen vil gelîche an einem ruoder.’Si sprach ‘sô hôrte ich gerne, ‖ hâst dû daz vernomen,sol von Tenemarke ‖ Hôrant here komenmit den sînen helden, ‖ die mich in sorgen liezen?den weiz ich alsô biderben, ‖ deich armiu maget sîn möhte wol geniezen.’Dir kumt von Tenemarke ‖ Hôrant der neve dînûf urliuge starke ‖ er und die recken sîn.er sol daz Hilden zeichen ‖ tragen in sînen handen,sô die Hegelinge ‖ koment zuo den Hartmuotes landen.’Dô sprach aber Kûdrûn ‖ ‘kanst dû mir gesagen,lebet noch Wate von Stürmen? ‖ sô wolte ich niht klagen.10des vreuten wir uns alle, ‖ swenne daz geschæhe,daz ich ouch Fruoten ‖ den alten bî mînem zeichen gesæhe.’Dô sprach aber der engel ‖ ‘dir kumt in ditze lantWate von den Stürmen. ‖ der hât an sîner hantein starkez stierruoder ‖ in einem kiel bî Fruoten.bezzer vriunde deheiner ‖ darftû niht bî urliuge muoten.’Dô muoste von in scheiden ‖ der bote vil hêr.die ellenden vrouwen ‖ vrâgten dô niht mêr.jâ was in mit gedanken ‖ liep unde swære,die in dâ helfen solten, ‖ wâ daz vil werde ingesinde wære.
Nû swîgen wir der degene, ‖ ich wil iuch lân vernemen,die wol mit vreuden wæren, ‖ wie den daz mac gezemen,daz si müezen waschen ‖ in den vremeden landen.Kûdrûn unde Hildeburc ‖ die wuoschen alle zît ûf einem sande.Ez was in einer vasten ‖ umb einen mitten tach.ein vogel kam gevlozzen. ‖ Kûdrûn dô sprach‘owê vogel schœne, ‖ du erbarmest mir sô sêre,daz dû sô vil gevliuzest ‖ ûf diseme vluote’ sprach diu maget hêre.Dô sprach der engel hêre ‖ ‘dû maht dich wol versehen,maget vil ellende: ‖ dir sol grôz liep geschehen.10wilt dû mich vrâgen ‖ von dîner mâge lande,ich bin ein bote der dîne, ‖ wan got ze trôste mich dir here sande.’Dô sprach diu gotes arme ‖ ‘sît dich Krist hât gesantuns vil ellenden ‖ ze trôste in ditze lant,dû solt mich lâzen hœren, ‖ bote dû vil guoter:lebet noch inder Hilde? ‖ diu was der armen Kûdrûnen muoter.’Dô sprach der vil hêre ‖ ‘ich wil dir verjehen.Hilden dîne muoter ‖ hân ich gesunt gesehen,dô si ein her grœzer ‖ dir vrumte her ze lande,dan witewe oder künne ‖ durch lieber vriunde willen ie gesande.’Dô sprach diu maget edele ‖ ‘bote dû vil hêr,lâ dich des niht verdriezen, ‖ ich wil dich vrâgen mêr.10lebet noch indert Ortwîn, ‖ der künec von Ortlande,und Herwîc mîn vriedel? ‖ diu mære ich harte gerne bekande.’Dô sprach der engel hêre ‖ ‘daz tuon ich dir wol kunt.Ortwîn unde Herwîc ‖ die sint wol gesunt.die sach ich in den ünden ‖ ûf des meres muoder.die ellenthaften degene ‖ zugen vil gelîche an einem ruoder.’Si sprach ‘sô hôrte ich gerne, ‖ hâst dû daz vernomen,sol von Tenemarke ‖ Hôrant here komenmit den sînen helden, ‖ die mich in sorgen liezen?den weiz ich alsô biderben, ‖ deich armiu maget sîn möhte wol geniezen.’Dir kumt von Tenemarke ‖ Hôrant der neve dînûf urliuge starke ‖ er und die recken sîn.er sol daz Hilden zeichen ‖ tragen in sînen handen,sô die Hegelinge ‖ koment zuo den Hartmuotes landen.’Dô sprach aber Kûdrûn ‖ ‘kanst dû mir gesagen,lebet noch Wate von Stürmen? ‖ sô wolte ich niht klagen.10des vreuten wir uns alle, ‖ swenne daz geschæhe,daz ich ouch Fruoten ‖ den alten bî mînem zeichen gesæhe.’Dô sprach aber der engel ‖ ‘dir kumt in ditze lantWate von den Stürmen. ‖ der hât an sîner hantein starkez stierruoder ‖ in einem kiel bî Fruoten.bezzer vriunde deheiner ‖ darftû niht bî urliuge muoten.’Dô muoste von in scheiden ‖ der bote vil hêr.die ellenden vrouwen ‖ vrâgten dô niht mêr.jâ was in mit gedanken ‖ liep unde swære,die in dâ helfen solten, ‖ wâ daz vil werde ingesinde wære.
Nû swîgen wir der degene, ‖ ich wil iuch lân vernemen,die wol mit vreuden wæren, ‖ wie den daz mac gezemen,daz si müezen waschen ‖ in den vremeden landen.Kûdrûn unde Hildeburc ‖ die wuoschen alle zît ûf einem sande.
Nû swîgen wir der degene, ‖ ich wil iuch lân vernemen,
die wol mit vreuden wæren, ‖ wie den daz mac gezemen,
daz si müezen waschen ‖ in den vremeden landen.
Kûdrûn unde Hildeburc ‖ die wuoschen alle zît ûf einem sande.
Ez was in einer vasten ‖ umb einen mitten tach.ein vogel kam gevlozzen. ‖ Kûdrûn dô sprach‘owê vogel schœne, ‖ du erbarmest mir sô sêre,daz dû sô vil gevliuzest ‖ ûf diseme vluote’ sprach diu maget hêre.
Ez was in einer vasten ‖ umb einen mitten tach.
ein vogel kam gevlozzen. ‖ Kûdrûn dô sprach
‘owê vogel schœne, ‖ du erbarmest mir sô sêre,
daz dû sô vil gevliuzest ‖ ûf diseme vluote’ sprach diu maget hêre.
Dô sprach der engel hêre ‖ ‘dû maht dich wol versehen,maget vil ellende: ‖ dir sol grôz liep geschehen.10wilt dû mich vrâgen ‖ von dîner mâge lande,ich bin ein bote der dîne, ‖ wan got ze trôste mich dir here sande.’
Dô sprach der engel hêre ‖ ‘dû maht dich wol versehen,
maget vil ellende: ‖ dir sol grôz liep geschehen.10
wilt dû mich vrâgen ‖ von dîner mâge lande,
ich bin ein bote der dîne, ‖ wan got ze trôste mich dir here sande.’
Dô sprach diu gotes arme ‖ ‘sît dich Krist hât gesantuns vil ellenden ‖ ze trôste in ditze lant,dû solt mich lâzen hœren, ‖ bote dû vil guoter:lebet noch inder Hilde? ‖ diu was der armen Kûdrûnen muoter.’
Dô sprach diu gotes arme ‖ ‘sît dich Krist hât gesant
uns vil ellenden ‖ ze trôste in ditze lant,
dû solt mich lâzen hœren, ‖ bote dû vil guoter:
lebet noch inder Hilde? ‖ diu was der armen Kûdrûnen muoter.’
Dô sprach der vil hêre ‖ ‘ich wil dir verjehen.Hilden dîne muoter ‖ hân ich gesunt gesehen,dô si ein her grœzer ‖ dir vrumte her ze lande,dan witewe oder künne ‖ durch lieber vriunde willen ie gesande.’
Dô sprach der vil hêre ‖ ‘ich wil dir verjehen.
Hilden dîne muoter ‖ hân ich gesunt gesehen,
dô si ein her grœzer ‖ dir vrumte her ze lande,
dan witewe oder künne ‖ durch lieber vriunde willen ie gesande.’
Dô sprach diu maget edele ‖ ‘bote dû vil hêr,lâ dich des niht verdriezen, ‖ ich wil dich vrâgen mêr.10lebet noch indert Ortwîn, ‖ der künec von Ortlande,und Herwîc mîn vriedel? ‖ diu mære ich harte gerne bekande.’
Dô sprach diu maget edele ‖ ‘bote dû vil hêr,
lâ dich des niht verdriezen, ‖ ich wil dich vrâgen mêr.10
lebet noch indert Ortwîn, ‖ der künec von Ortlande,
und Herwîc mîn vriedel? ‖ diu mære ich harte gerne bekande.’
Dô sprach der engel hêre ‖ ‘daz tuon ich dir wol kunt.Ortwîn unde Herwîc ‖ die sint wol gesunt.die sach ich in den ünden ‖ ûf des meres muoder.die ellenthaften degene ‖ zugen vil gelîche an einem ruoder.’
Dô sprach der engel hêre ‖ ‘daz tuon ich dir wol kunt.
Ortwîn unde Herwîc ‖ die sint wol gesunt.
die sach ich in den ünden ‖ ûf des meres muoder.
die ellenthaften degene ‖ zugen vil gelîche an einem ruoder.’
Si sprach ‘sô hôrte ich gerne, ‖ hâst dû daz vernomen,sol von Tenemarke ‖ Hôrant here komenmit den sînen helden, ‖ die mich in sorgen liezen?den weiz ich alsô biderben, ‖ deich armiu maget sîn möhte wol geniezen.’
Si sprach ‘sô hôrte ich gerne, ‖ hâst dû daz vernomen,
sol von Tenemarke ‖ Hôrant here komen
mit den sînen helden, ‖ die mich in sorgen liezen?
den weiz ich alsô biderben, ‖ deich armiu maget sîn möhte wol geniezen.’
Dir kumt von Tenemarke ‖ Hôrant der neve dînûf urliuge starke ‖ er und die recken sîn.er sol daz Hilden zeichen ‖ tragen in sînen handen,sô die Hegelinge ‖ koment zuo den Hartmuotes landen.’
Dir kumt von Tenemarke ‖ Hôrant der neve dîn
ûf urliuge starke ‖ er und die recken sîn.
er sol daz Hilden zeichen ‖ tragen in sînen handen,
sô die Hegelinge ‖ koment zuo den Hartmuotes landen.’
Dô sprach aber Kûdrûn ‖ ‘kanst dû mir gesagen,lebet noch Wate von Stürmen? ‖ sô wolte ich niht klagen.10des vreuten wir uns alle, ‖ swenne daz geschæhe,daz ich ouch Fruoten ‖ den alten bî mînem zeichen gesæhe.’
Dô sprach aber Kûdrûn ‖ ‘kanst dû mir gesagen,
lebet noch Wate von Stürmen? ‖ sô wolte ich niht klagen.10
des vreuten wir uns alle, ‖ swenne daz geschæhe,
daz ich ouch Fruoten ‖ den alten bî mînem zeichen gesæhe.’
Dô sprach aber der engel ‖ ‘dir kumt in ditze lantWate von den Stürmen. ‖ der hât an sîner hantein starkez stierruoder ‖ in einem kiel bî Fruoten.bezzer vriunde deheiner ‖ darftû niht bî urliuge muoten.’
Dô sprach aber der engel ‖ ‘dir kumt in ditze lant
Wate von den Stürmen. ‖ der hât an sîner hant
ein starkez stierruoder ‖ in einem kiel bî Fruoten.
bezzer vriunde deheiner ‖ darftû niht bî urliuge muoten.’
Dô muoste von in scheiden ‖ der bote vil hêr.die ellenden vrouwen ‖ vrâgten dô niht mêr.jâ was in mit gedanken ‖ liep unde swære,die in dâ helfen solten, ‖ wâ daz vil werde ingesinde wære.
Dô muoste von in scheiden ‖ der bote vil hêr.
die ellenden vrouwen ‖ vrâgten dô niht mêr.
jâ was in mit gedanken ‖ liep unde swære,
die in dâ helfen solten, ‖ wâ daz vil werde ingesinde wære.
Schweigen wir der Degen ‖ und vernehmen nunWie es denen anstand, ‖ die billig sollten ruhn,Dass sie waschen mussten ‖ in dem fremden Lande:Gudrun und Hildeburg, ‖ die wuschen alle Tage bei dem Strande.Es war in den Fasten ‖ und um den mitten Tag,Ein Vogel kam geschwommen: ‖ nun hört wie Gudrun sprach:‘O weh, schöner Vogel, ‖ du musst mich auch erbarmen,Dass du einher geschwommen ‖ kommst auf diesen Fluten,’ sprach die Arme.20Da sprach der hehre Engel: ‖ ‘Du magst dich Glücks versehn,Arme Heimatlose, ‖ das soll dir bald geschehn.Willst du mich fragen ‖ von deinem Heimatlande,Ich bin der Deinen Bote; ‖ Gott schickt mich dir zum Trost zu diesem Strande.’Da sprach die Unselige: ‖ ‘Hat Christus dich gesandtUns armen Heimatlosen ‖ zum Trost in dieses Land,Du sollst mich hören lassen, ‖ Bote, du mein guter,Ist Hilde noch am Leben? ‖ sie war der armen Gudrun Mutter.’20Da sprach der hehre Bote: ‖ ‘Das will ich dir sagen:Hilde, deine Mutter ‖ sah ich gesund vor Tagen,Als sie dir ein grösser ‖ Heer zu Hülfe sandte,Als jemals liebem Kinde ‖ eine Mutter oder Nahverwandte.’Da sprach die edle Jungfrau: ‖ ‘Edler Bote hehr,Lass dich es nicht verdriessen, ‖ ich frage dich noch mehr:Ist Ortwein der König ‖ von Ortland noch am Leben?Und Herwig, mein Geliebter? ‖ der Frage hört ich gerne Antwort geben.’Da sprach der hehre Engel: ‖ ‘Das mach ich dir wohl kund:Ortwein und Herwig ‖ sind beide noch gesund.30Ich sah sie heute fahren ‖ auf des Meeres Wegen;An Einem Ruder zogen ‖ mit gleicher Kraft die beiden starken Degen.’Sie sprach: ‘So hört’ ich gerne, ‖ sofern es dir bekannt,Soll auch Horand kommen, ‖ der Held von Dänenland?Mit seinen kühnen Helden, ‖ die mich liessen hier in Sorgen:Ich weiss ihn so tapfer, ‖ ich armes Mägdlein wäre wohlgeborgen.’20‘Auch Horand dein Neffe ‖ kommt von DänemarkZu manchem heissen Treffen ‖ mit seinen Recken stark.Er soll in seinen Händen ‖ tragen Hildens Zeichen,Wenn die Hegelingen ‖ kommen zu Hartmuthens Reichen.’Da sprach wieder Gudrun: ‖ ‘Kannst du mir sagen,Lebt Wate noch von Sturmland? ‖ so wollt ich nicht klagen.Des freuten wir uns alle, ‖ wenn das geschähe,Dass ich auch Herrn Frute ‖ den alten bei meinem Banner sähe.’Da sprach der Engel wieder: ‖ ‘Dir kommt in dieses LandWate von Sturmland: ‖ der hält in seiner Hand30Ein starkes Steuerruder ‖ in Einem Kiel mit Fruten:Bessre Freunde darfst du ‖ zum Krieg nicht wünschen in deinem Muthe.’Da musste sie verlassen ‖ der Gottesbote hehr;Die heimatlosen Frauen ‖ fragten da nicht mehr.Doch lag auf ihren Herzen ‖ noch grossen Kummers Schwere,Wo nun ihrer Helfer ‖ werthes Ingesinde wäre.
Schweigen wir der Degen ‖ und vernehmen nunWie es denen anstand, ‖ die billig sollten ruhn,Dass sie waschen mussten ‖ in dem fremden Lande:Gudrun und Hildeburg, ‖ die wuschen alle Tage bei dem Strande.Es war in den Fasten ‖ und um den mitten Tag,Ein Vogel kam geschwommen: ‖ nun hört wie Gudrun sprach:‘O weh, schöner Vogel, ‖ du musst mich auch erbarmen,Dass du einher geschwommen ‖ kommst auf diesen Fluten,’ sprach die Arme.20Da sprach der hehre Engel: ‖ ‘Du magst dich Glücks versehn,Arme Heimatlose, ‖ das soll dir bald geschehn.Willst du mich fragen ‖ von deinem Heimatlande,Ich bin der Deinen Bote; ‖ Gott schickt mich dir zum Trost zu diesem Strande.’Da sprach die Unselige: ‖ ‘Hat Christus dich gesandtUns armen Heimatlosen ‖ zum Trost in dieses Land,Du sollst mich hören lassen, ‖ Bote, du mein guter,Ist Hilde noch am Leben? ‖ sie war der armen Gudrun Mutter.’20Da sprach der hehre Bote: ‖ ‘Das will ich dir sagen:Hilde, deine Mutter ‖ sah ich gesund vor Tagen,Als sie dir ein grösser ‖ Heer zu Hülfe sandte,Als jemals liebem Kinde ‖ eine Mutter oder Nahverwandte.’Da sprach die edle Jungfrau: ‖ ‘Edler Bote hehr,Lass dich es nicht verdriessen, ‖ ich frage dich noch mehr:Ist Ortwein der König ‖ von Ortland noch am Leben?Und Herwig, mein Geliebter? ‖ der Frage hört ich gerne Antwort geben.’Da sprach der hehre Engel: ‖ ‘Das mach ich dir wohl kund:Ortwein und Herwig ‖ sind beide noch gesund.30Ich sah sie heute fahren ‖ auf des Meeres Wegen;An Einem Ruder zogen ‖ mit gleicher Kraft die beiden starken Degen.’Sie sprach: ‘So hört’ ich gerne, ‖ sofern es dir bekannt,Soll auch Horand kommen, ‖ der Held von Dänenland?Mit seinen kühnen Helden, ‖ die mich liessen hier in Sorgen:Ich weiss ihn so tapfer, ‖ ich armes Mägdlein wäre wohlgeborgen.’20‘Auch Horand dein Neffe ‖ kommt von DänemarkZu manchem heissen Treffen ‖ mit seinen Recken stark.Er soll in seinen Händen ‖ tragen Hildens Zeichen,Wenn die Hegelingen ‖ kommen zu Hartmuthens Reichen.’Da sprach wieder Gudrun: ‖ ‘Kannst du mir sagen,Lebt Wate noch von Sturmland? ‖ so wollt ich nicht klagen.Des freuten wir uns alle, ‖ wenn das geschähe,Dass ich auch Herrn Frute ‖ den alten bei meinem Banner sähe.’Da sprach der Engel wieder: ‖ ‘Dir kommt in dieses LandWate von Sturmland: ‖ der hält in seiner Hand30Ein starkes Steuerruder ‖ in Einem Kiel mit Fruten:Bessre Freunde darfst du ‖ zum Krieg nicht wünschen in deinem Muthe.’Da musste sie verlassen ‖ der Gottesbote hehr;Die heimatlosen Frauen ‖ fragten da nicht mehr.Doch lag auf ihren Herzen ‖ noch grossen Kummers Schwere,Wo nun ihrer Helfer ‖ werthes Ingesinde wäre.
Schweigen wir der Degen ‖ und vernehmen nunWie es denen anstand, ‖ die billig sollten ruhn,Dass sie waschen mussten ‖ in dem fremden Lande:Gudrun und Hildeburg, ‖ die wuschen alle Tage bei dem Strande.
Schweigen wir der Degen ‖ und vernehmen nun
Wie es denen anstand, ‖ die billig sollten ruhn,
Dass sie waschen mussten ‖ in dem fremden Lande:
Gudrun und Hildeburg, ‖ die wuschen alle Tage bei dem Strande.
Es war in den Fasten ‖ und um den mitten Tag,Ein Vogel kam geschwommen: ‖ nun hört wie Gudrun sprach:‘O weh, schöner Vogel, ‖ du musst mich auch erbarmen,Dass du einher geschwommen ‖ kommst auf diesen Fluten,’ sprach die Arme.20
Es war in den Fasten ‖ und um den mitten Tag,
Ein Vogel kam geschwommen: ‖ nun hört wie Gudrun sprach:
‘O weh, schöner Vogel, ‖ du musst mich auch erbarmen,
Dass du einher geschwommen ‖ kommst auf diesen Fluten,’ sprach die Arme.20
Da sprach der hehre Engel: ‖ ‘Du magst dich Glücks versehn,Arme Heimatlose, ‖ das soll dir bald geschehn.Willst du mich fragen ‖ von deinem Heimatlande,Ich bin der Deinen Bote; ‖ Gott schickt mich dir zum Trost zu diesem Strande.’
Da sprach der hehre Engel: ‖ ‘Du magst dich Glücks versehn,
Arme Heimatlose, ‖ das soll dir bald geschehn.
Willst du mich fragen ‖ von deinem Heimatlande,
Ich bin der Deinen Bote; ‖ Gott schickt mich dir zum Trost zu diesem Strande.’
Da sprach die Unselige: ‖ ‘Hat Christus dich gesandtUns armen Heimatlosen ‖ zum Trost in dieses Land,Du sollst mich hören lassen, ‖ Bote, du mein guter,Ist Hilde noch am Leben? ‖ sie war der armen Gudrun Mutter.’20
Da sprach die Unselige: ‖ ‘Hat Christus dich gesandt
Uns armen Heimatlosen ‖ zum Trost in dieses Land,
Du sollst mich hören lassen, ‖ Bote, du mein guter,
Ist Hilde noch am Leben? ‖ sie war der armen Gudrun Mutter.’20
Da sprach der hehre Bote: ‖ ‘Das will ich dir sagen:Hilde, deine Mutter ‖ sah ich gesund vor Tagen,Als sie dir ein grösser ‖ Heer zu Hülfe sandte,Als jemals liebem Kinde ‖ eine Mutter oder Nahverwandte.’
Da sprach der hehre Bote: ‖ ‘Das will ich dir sagen:
Hilde, deine Mutter ‖ sah ich gesund vor Tagen,
Als sie dir ein grösser ‖ Heer zu Hülfe sandte,
Als jemals liebem Kinde ‖ eine Mutter oder Nahverwandte.’
Da sprach die edle Jungfrau: ‖ ‘Edler Bote hehr,Lass dich es nicht verdriessen, ‖ ich frage dich noch mehr:Ist Ortwein der König ‖ von Ortland noch am Leben?Und Herwig, mein Geliebter? ‖ der Frage hört ich gerne Antwort geben.’
Da sprach die edle Jungfrau: ‖ ‘Edler Bote hehr,
Lass dich es nicht verdriessen, ‖ ich frage dich noch mehr:
Ist Ortwein der König ‖ von Ortland noch am Leben?
Und Herwig, mein Geliebter? ‖ der Frage hört ich gerne Antwort geben.’
Da sprach der hehre Engel: ‖ ‘Das mach ich dir wohl kund:Ortwein und Herwig ‖ sind beide noch gesund.30Ich sah sie heute fahren ‖ auf des Meeres Wegen;An Einem Ruder zogen ‖ mit gleicher Kraft die beiden starken Degen.’
Da sprach der hehre Engel: ‖ ‘Das mach ich dir wohl kund:
Ortwein und Herwig ‖ sind beide noch gesund.30
Ich sah sie heute fahren ‖ auf des Meeres Wegen;
An Einem Ruder zogen ‖ mit gleicher Kraft die beiden starken Degen.’
Sie sprach: ‘So hört’ ich gerne, ‖ sofern es dir bekannt,Soll auch Horand kommen, ‖ der Held von Dänenland?Mit seinen kühnen Helden, ‖ die mich liessen hier in Sorgen:Ich weiss ihn so tapfer, ‖ ich armes Mägdlein wäre wohlgeborgen.’20
Sie sprach: ‘So hört’ ich gerne, ‖ sofern es dir bekannt,
Soll auch Horand kommen, ‖ der Held von Dänenland?
Mit seinen kühnen Helden, ‖ die mich liessen hier in Sorgen:
Ich weiss ihn so tapfer, ‖ ich armes Mägdlein wäre wohlgeborgen.’20
‘Auch Horand dein Neffe ‖ kommt von DänemarkZu manchem heissen Treffen ‖ mit seinen Recken stark.Er soll in seinen Händen ‖ tragen Hildens Zeichen,Wenn die Hegelingen ‖ kommen zu Hartmuthens Reichen.’
‘Auch Horand dein Neffe ‖ kommt von Dänemark
Zu manchem heissen Treffen ‖ mit seinen Recken stark.
Er soll in seinen Händen ‖ tragen Hildens Zeichen,
Wenn die Hegelingen ‖ kommen zu Hartmuthens Reichen.’
Da sprach wieder Gudrun: ‖ ‘Kannst du mir sagen,Lebt Wate noch von Sturmland? ‖ so wollt ich nicht klagen.Des freuten wir uns alle, ‖ wenn das geschähe,Dass ich auch Herrn Frute ‖ den alten bei meinem Banner sähe.’
Da sprach wieder Gudrun: ‖ ‘Kannst du mir sagen,
Lebt Wate noch von Sturmland? ‖ so wollt ich nicht klagen.
Des freuten wir uns alle, ‖ wenn das geschähe,
Dass ich auch Herrn Frute ‖ den alten bei meinem Banner sähe.’
Da sprach der Engel wieder: ‖ ‘Dir kommt in dieses LandWate von Sturmland: ‖ der hält in seiner Hand30Ein starkes Steuerruder ‖ in Einem Kiel mit Fruten:Bessre Freunde darfst du ‖ zum Krieg nicht wünschen in deinem Muthe.’
Da sprach der Engel wieder: ‖ ‘Dir kommt in dieses Land
Wate von Sturmland: ‖ der hält in seiner Hand30
Ein starkes Steuerruder ‖ in Einem Kiel mit Fruten:
Bessre Freunde darfst du ‖ zum Krieg nicht wünschen in deinem Muthe.’
Da musste sie verlassen ‖ der Gottesbote hehr;Die heimatlosen Frauen ‖ fragten da nicht mehr.Doch lag auf ihren Herzen ‖ noch grossen Kummers Schwere,Wo nun ihrer Helfer ‖ werthes Ingesinde wäre.
Da musste sie verlassen ‖ der Gottesbote hehr;
Die heimatlosen Frauen ‖ fragten da nicht mehr.
Doch lag auf ihren Herzen ‖ noch grossen Kummers Schwere,
Wo nun ihrer Helfer ‖ werthes Ingesinde wäre.
Nû nâhent ez dem strîte. ‖ der helt ûz Sturmlantbegunde ein horn blâsen, ‖ daz manz über sant10wol von sînen kreften ‖ hôrte drîzic mîle.die von Hegelingen ‖ begunden zuo dem Hilden zeichen îlen.Dô blies er ander stunde. ‖ daz tete er umbe daz,daz iegelîcher recke ‖ in den satel sazund daz si ir schar schikten ‖ dar si wolten kêren.man gevriesch in den strîten ‖ nie alten recken alsô hêren.Er blies ze dritten stunden ‖ mit einer krefte grôz,daz im der wert erwagete ‖ und im der wâc erdôz.Ludewîges eckesteine ‖ ûz der mûre möhten rîsen.dô hiez er Hôranden ‖ der schœnen Hilden zeichen dannen wîsen.20Si vorhten Waten sêre. ‖ dâ wart nieman lût.man hôrte ein ros ergrînen. ‖ daz Herwîges trûtstuont obene in der zinne. ‖ statelîche rîtensach man die küenen, ‖ die mit Hartmuoten wolten strîten.Nû was komen Hartmuot ‖ unde sîne manze vlîze wol gewâpent ‖ ûz der porten dan.von vremeden und von kunden ‖ durch die venstersteineerglasten in die helme. ‖ jâ was ouch Hartmuot dâ niht eine.Dô sach man Hartmuoten ‖ rîten vor der schar.ob er ein keiser wære, ‖ sô kunde er nimmer gar10vlîziclîcher werben. ‖ ez lûhte gên der sunnenallez sîn gewæte. ‖ im was noch hôhes muotes unzerunnen.Dô hete Ortwînen ‖ Hartmuot erkorn.swie er sîn niht erkande, ‖ doch houte er mit den spornsîn ros, daz spranc vil wîte. ‖ er reit ûf Ortwînen.ir sper si neigten bêde: ‖ dâ von man sach liehte brünne erschînen.Diu ros ûf gesprungen. ‖ dô huop sich michel klancvon der künege swerten. ‖ man mohte in sagen danc,daz si den strît erhuoben ‖ sô rehte ritterlîchen.si wâren beide küene. ‖ si wolten einander niht entwîchen.Dô sach von Tenen Hôrant ‖ Ortwînen wunt.dô begunde er vrâgen, ‖ wer hæte ungesuntgemachet in dem strîte ‖ sînen lieben herren.Hartmuot der lachte: ‖ jâ wârens von einander vil unverren.Ortwîn sagete im selbe ‖ ‘daz tete her Hartmuot.’dô gap daz Hilden zeichen ‖ von im der degen guot,10daz er wol kunde bringen ‖ nâch maneger grôzer êreze schaden sînen vînden. ‖ des dranc er nâch Hartmuoten sêre.Hartmuot bî im hôrte ‖ ungevüegen schal.er sach daz bluot rîlîchen ‖ vliezen hin ze talvil manegen ûz den wunden ‖ nider zuo den vüezen.dô sprach der degen küene ‖ ‘den schaden sol ich mînen helden büezen.’Dô kêrte er sich hin umbe ‖ da er Hôranden sach.von ir beider ellen ‖ balde daz geschach,daz viur von den ringen ‖ in drâte vür die ougen.sich bugen swertes ecke ‖ von ir handen ûf den helmbougen.Er wunte Hôranden, ‖ als ouch ê geschachdem küenen Ortwînen, ‖ daz im ein rôter bachvlôz ûz sînen ringen ‖ von Hartmuotes handen.er was sô rehte biderbe: ‖ wer solte muoten dô nâch sînen landen?Lûte ruoft dô Herwîc ‖ ‘ist iemen daz erkant,wer ist jener alte? ‖ der hât mit sîner hant10sô vil der tiefen wunden ‖ allez hie gehouwenvon sînem starken ellen, ‖ daz ez beweinen müezen schœne vrouwen.’Daz erhôrte Ludewîc, ‖ der voget ûz Ormanîn.‘wer ist der in der herte ‖ hât gevrâget mîn?ich bin geheizen Ludewîc ‖ von Ormanîerîche.möhte ich mit den vînden ‖ gestrîten wol, daz tæte ich sicherlîche.’‘Ich bin geheizen Herwîc: ‖ dû næme mir mîn wîp.die muost dû geben widere, ‖ oder unser eines lîpmuoz dar umbe sterben, ‖ dar zuo der recken mêre.’dô sprach der künic Ludewîc ‖ ‘dû dröust mir in mîm lande gar ze sêre.Dû hâst mir dîne bîhte ‖ âne nôt getân.ir ist hie noch mêre, ‖ den ich genomen hânir guot unde ir mâge. ‖ des solt dû mir getrouwen,ich sol ez alsô schaffen, ‖ daz dû nimmer küssest dîne vrouwen.’Nâch dem selben worte ‖ liefens einander an,die zwêne rîche künege. ‖ swerz dâ guot gewan,10der holte ez unsanfte. ‖ von ir jungelingenvon ir beider zeichen ‖ sach man manegen guoten zuo in springen.Herwîc was biderbe ‖ und küene genuoc.der vater Hartmuotes ‖ den jungen künic sluoc,daz er begunde strûchen ‖ vor Ludewîges handen.er wolte in hân gescheiden ‖ von sînem lîbe und von sînen landen.Wæren niht sô nâhen ‖ die Herwîges man,die im mit vlîze hulfen, ‖ sô kunde er nimmer danâne sîn ende ‖ von im sîn gescheiden.alsô kunde Ludewîc ‖ der alte den kinden bî im leiden.Die hulfen Herwîge, ‖ daz er dâ genas.dô er sînes valles ‖ wider komen was,dô blikte er harte schiere ‖ ze berge gegen der zinne,obe er indert sæhe ‖ dar inne stên sîns herzen triutinne.Er gedâhte in sînem muote ‖ ‘ach wie ist mir geschehen!ob mîn vrou Kûdrûn ‖ ditze hât gesehen,10gelebe wir daz immer ‖ deich si sol umbevâhen,si tuot mir itewîze, ‖ sô ich bî mîner vrouwen lige nâhen.Daz mich der alte grîse ‖ hie nider hât geslagen,des scham ich mich vil sêre.’ ‖ sîn zeichen hiez er tragenhin nâch Ludewîge ‖ mit den sînen mannen.si drungen nâch den vînden: ‖ si wolten in lâzen niht von dannen.Ludewîc der hôrte ‖ hinder im den schal.dô kêrte er wider umbe ‖ gegen im ze tal.dô hôrte man ûf den helmen ‖ swerte vil erdiezen.die dâ bî in wâren, ‖ die mohte ir beider grimmes wol verdriezen.Der Kûdrûnen vriedel ‖ under helme über ranterreichte Ludewîgen ‖ mit ellenthafter hant.er wundet in sô sêre, ‖ daz er niht mohte gestrîten.dâ von muoste Ludewîc ‖ des grimmen tôdes dâ vor im erbîten.Er sluoc im ander stunde ‖ einen vesten swanc,daz des küneges houbet ‖ von der ahsel spranc.10er hete im wol vergolten, ‖ daz er was gevallen.der künic was erstorben: ‖ des muosten schœniu ougen über wallen.Dô sprach ze sînen mannen ‖ Hartmuot der degen‘nû wendet mit mir dannen. ‖ ir ist hie vil gelegen,die uns slahen wolten ‖ in den herten strîten.nû kêret zuo der bürge, ‖ unz wir bezzerre wîle erbîten.’Si heten vil der degene ‖ hinder in verlân.wær daz lant ir eigen, ‖ si enkunden hân getânniht bezzers in dem strîte. ‖ si wolten zuo der selde.Wate sûmte starke ‖ si mit tûsent sîner guoten helde.Er was unz an die porte ‖ mit grôzer kraft gegân,dâ Hartmuot hine wolte ‖ mit den sînen man.si kundenz niht verenden: ‖ in zowet es harte kleine,si sâhen ab der mûre ‖ werfen mit manegem lâzsteine.Dô sach in her Hartmuot ‖ vor dem bürge tor.er sprach ‘daz wir verdienet ‖ haben hie bevor,10daz wil sich wærlîche ‖ hiute an uns erzeigen,die gesunden haben sorge. ‖ jâ lît hie harte vil der veigen.Ich mac niht gevliegen: ‖ veder hân ich niht.ich enmac ouch under die erde, ‖ swaz anders mir geschiht.wir mugen ouch vor den vînden ‖ niht zuo den ünden.den besten mînen willen ‖ wil ich iu bescheidenlîchen künden.Sîn mac niht anders werden, ‖ ir edele ritter guot.erbeizet zuo der erden ‖ und houwet heizez bluotûz den liehten ringen: ‖ des lât iuch niht verdriezen.’si stuonden von den satelen: ‖ diu ros si hinder sich ze rugge stiezen.‘Nû zuo, ir mæren helde!’ ‖ sprach dô Hartmuot.‘gêt nâher zuo der selde. ‖ ez sî übel oder guot,ich muoz ze Waten dem alten. ‖ swie mir dâ gelinge,ich wil doch versuochen, ‖ ob ich in hôher von der porten bringe.Mit ûf geworfen swerten ‖ begunden si dô gânHartmuot der küene ‖ unde ouch sîne man.10do bestuont er Waten den grimmen: ‖ daz was dem helde ein êre.dô hôrte man swert erklingen. ‖ dô starp guoter ritter dester mêre.Schiere kam Ortrûn ‖ von Ormanîelantdiu junge küniginne ‖ mit windender hantze vroun Kûdrûnen. ‖ diu junge maget hêreviel ir vür die vüeze. ‖ si klagete ir vater Ludewîgen sêre.Si sprach ‘lâ dich erbarmen, ‖ edelez vürsten kint,sô vil mîner mâge, ‖ die hie erstorben sint,und gedenke, wie dir wære, ‖ dô man sluoc den vater dînen.edele küniginne, ‖ nû hân ich hiute vloren hie den mînen.Nû sich, maget edele: ‖ diz ist ein grôziu nôt.mîn vater und mîne mâge ‖ sint aller meiste tôt.nû stêt der recke Hartmuot ‖ vor Waten in grôzer vreise.verliuse ich den bruoder, ‖ sô muoz ich immer mêre sîn ein weise.Und lâz mich des geniezen’ ‖ sprach daz edele kint:‘so dich nieman klagete ‖ der aller, die hie sint,10dû hetest niht vriunde mêre ‖ danne mich vil eine.swaz dir ieman tæte, ‖ sô muoste ich ze allen zîten umb dich weinen.’Dô sprach diu Hilden tohter ‖ ‘des hâst dû vil getân.ich weiz niht, wie ich möhte ‖ den strît understân,ich enwære danne ein recke, ‖ daz ich wâpen trüege:sô schiede ich ez gerne, ‖ daz dir dînen bruoder nieman slüege.’Si weinte angestlîche. ‖ wie tiure si si bat,unze daz vrou Kûdrûn ‖ in daz venster trat.si winkte mit der hende ‖ und vrâgte si der mære,ob von ir vater lande ‖ ieman guoter dar komen wære.Des antwurte Herwîc, ‖ ein edel ritter guot‘wer sît ir, juncvrouwe, ‖ diu uns vrâgen tuot?’si sprach ‘ich heize Kûdrûn ‖ und bin daz Hagenen künne.swie rîche ich hie vor wære, ‖ sô sihe ich hie vil wênec dehein wünne.’Er sprach ‘sît ir ez Kûdrûn, ‖ diu liebe vrouwe mîn,sô sol ich iu gerne ‖ immer diende sîn:10sô bin ich ez Herwîc ‖ und kôs iuch mir ze trôste,und lâze iuch daz wol schouwen, ‖ deich iuch von allen sorgen gerne lôste?’Si sprach ‘welt ir mir dienen, ‖ ritter ûz erkorn,sô sult ir uns vervâhen ‖ daz vür deheinen zorn.mich bitent vlîziclîche ‖ hie die schœnen meide,daz man Hartmuoten ‖ von Waten dem alten ûz dem strîte scheide.’‘Daz sol ich gerne leisten, ‖ vil liebiu vrouwe mîn.’lûte ruoft dô Herwîc ‖ zuo den recken sîn‘nû sult ir mîniu zeichen ‖ ze Waten vanen bringen.’dô sach man Herwîgen ‖ unde al die sîne sêre dringen.Ein herter vrouwen dienest ‖ wart von im getân.Herwîc ruoft dô lûte ‖ den alten Waten an.er sprach ‘Wate, lieber vriunt, ‖ gunnet daz man scheidedisen strît vil swinden: ‖ des bitent iuch die minniclîche meide.’Wate sprach mit zorne ‖ ‘her Herwîc, nu gêt hin!solt ich vrouwen volgen, ‖ war tæte ich mînen sin?10solte ich sparn die vînde? ‖ daz tæte ich ûf mich selben.des volge ich iu nimmer. ‖ Hartmuot muoz sîner vrevele engelden.’Durch Kûdrûnen liebe ‖ zuo in beiden sprancHerwîc der küene. ‖ der swerte vil erklanc.Wate was erzürnet: ‖ er kunde daz wol leiden,daz in strîte nieman ‖ in von sînen vînden torste scheiden.Dô sluoc er Herwîgen ‖ einen tiuren slac,der dâ wolte scheiden, ‖ daz er vor im lac.dô sprungen sîne recken ‖ und hulfen im von dannen.genomen wart dô Hartmuot ‖ vor Herwîge und vor allen sînen mannen.
Nû nâhent ez dem strîte. ‖ der helt ûz Sturmlantbegunde ein horn blâsen, ‖ daz manz über sant10wol von sînen kreften ‖ hôrte drîzic mîle.die von Hegelingen ‖ begunden zuo dem Hilden zeichen îlen.Dô blies er ander stunde. ‖ daz tete er umbe daz,daz iegelîcher recke ‖ in den satel sazund daz si ir schar schikten ‖ dar si wolten kêren.man gevriesch in den strîten ‖ nie alten recken alsô hêren.Er blies ze dritten stunden ‖ mit einer krefte grôz,daz im der wert erwagete ‖ und im der wâc erdôz.Ludewîges eckesteine ‖ ûz der mûre möhten rîsen.dô hiez er Hôranden ‖ der schœnen Hilden zeichen dannen wîsen.20Si vorhten Waten sêre. ‖ dâ wart nieman lût.man hôrte ein ros ergrînen. ‖ daz Herwîges trûtstuont obene in der zinne. ‖ statelîche rîtensach man die küenen, ‖ die mit Hartmuoten wolten strîten.Nû was komen Hartmuot ‖ unde sîne manze vlîze wol gewâpent ‖ ûz der porten dan.von vremeden und von kunden ‖ durch die venstersteineerglasten in die helme. ‖ jâ was ouch Hartmuot dâ niht eine.Dô sach man Hartmuoten ‖ rîten vor der schar.ob er ein keiser wære, ‖ sô kunde er nimmer gar10vlîziclîcher werben. ‖ ez lûhte gên der sunnenallez sîn gewæte. ‖ im was noch hôhes muotes unzerunnen.Dô hete Ortwînen ‖ Hartmuot erkorn.swie er sîn niht erkande, ‖ doch houte er mit den spornsîn ros, daz spranc vil wîte. ‖ er reit ûf Ortwînen.ir sper si neigten bêde: ‖ dâ von man sach liehte brünne erschînen.Diu ros ûf gesprungen. ‖ dô huop sich michel klancvon der künege swerten. ‖ man mohte in sagen danc,daz si den strît erhuoben ‖ sô rehte ritterlîchen.si wâren beide küene. ‖ si wolten einander niht entwîchen.Dô sach von Tenen Hôrant ‖ Ortwînen wunt.dô begunde er vrâgen, ‖ wer hæte ungesuntgemachet in dem strîte ‖ sînen lieben herren.Hartmuot der lachte: ‖ jâ wârens von einander vil unverren.Ortwîn sagete im selbe ‖ ‘daz tete her Hartmuot.’dô gap daz Hilden zeichen ‖ von im der degen guot,10daz er wol kunde bringen ‖ nâch maneger grôzer êreze schaden sînen vînden. ‖ des dranc er nâch Hartmuoten sêre.Hartmuot bî im hôrte ‖ ungevüegen schal.er sach daz bluot rîlîchen ‖ vliezen hin ze talvil manegen ûz den wunden ‖ nider zuo den vüezen.dô sprach der degen küene ‖ ‘den schaden sol ich mînen helden büezen.’Dô kêrte er sich hin umbe ‖ da er Hôranden sach.von ir beider ellen ‖ balde daz geschach,daz viur von den ringen ‖ in drâte vür die ougen.sich bugen swertes ecke ‖ von ir handen ûf den helmbougen.Er wunte Hôranden, ‖ als ouch ê geschachdem küenen Ortwînen, ‖ daz im ein rôter bachvlôz ûz sînen ringen ‖ von Hartmuotes handen.er was sô rehte biderbe: ‖ wer solte muoten dô nâch sînen landen?Lûte ruoft dô Herwîc ‖ ‘ist iemen daz erkant,wer ist jener alte? ‖ der hât mit sîner hant10sô vil der tiefen wunden ‖ allez hie gehouwenvon sînem starken ellen, ‖ daz ez beweinen müezen schœne vrouwen.’Daz erhôrte Ludewîc, ‖ der voget ûz Ormanîn.‘wer ist der in der herte ‖ hât gevrâget mîn?ich bin geheizen Ludewîc ‖ von Ormanîerîche.möhte ich mit den vînden ‖ gestrîten wol, daz tæte ich sicherlîche.’‘Ich bin geheizen Herwîc: ‖ dû næme mir mîn wîp.die muost dû geben widere, ‖ oder unser eines lîpmuoz dar umbe sterben, ‖ dar zuo der recken mêre.’dô sprach der künic Ludewîc ‖ ‘dû dröust mir in mîm lande gar ze sêre.Dû hâst mir dîne bîhte ‖ âne nôt getân.ir ist hie noch mêre, ‖ den ich genomen hânir guot unde ir mâge. ‖ des solt dû mir getrouwen,ich sol ez alsô schaffen, ‖ daz dû nimmer küssest dîne vrouwen.’Nâch dem selben worte ‖ liefens einander an,die zwêne rîche künege. ‖ swerz dâ guot gewan,10der holte ez unsanfte. ‖ von ir jungelingenvon ir beider zeichen ‖ sach man manegen guoten zuo in springen.Herwîc was biderbe ‖ und küene genuoc.der vater Hartmuotes ‖ den jungen künic sluoc,daz er begunde strûchen ‖ vor Ludewîges handen.er wolte in hân gescheiden ‖ von sînem lîbe und von sînen landen.Wæren niht sô nâhen ‖ die Herwîges man,die im mit vlîze hulfen, ‖ sô kunde er nimmer danâne sîn ende ‖ von im sîn gescheiden.alsô kunde Ludewîc ‖ der alte den kinden bî im leiden.Die hulfen Herwîge, ‖ daz er dâ genas.dô er sînes valles ‖ wider komen was,dô blikte er harte schiere ‖ ze berge gegen der zinne,obe er indert sæhe ‖ dar inne stên sîns herzen triutinne.Er gedâhte in sînem muote ‖ ‘ach wie ist mir geschehen!ob mîn vrou Kûdrûn ‖ ditze hât gesehen,10gelebe wir daz immer ‖ deich si sol umbevâhen,si tuot mir itewîze, ‖ sô ich bî mîner vrouwen lige nâhen.Daz mich der alte grîse ‖ hie nider hât geslagen,des scham ich mich vil sêre.’ ‖ sîn zeichen hiez er tragenhin nâch Ludewîge ‖ mit den sînen mannen.si drungen nâch den vînden: ‖ si wolten in lâzen niht von dannen.Ludewîc der hôrte ‖ hinder im den schal.dô kêrte er wider umbe ‖ gegen im ze tal.dô hôrte man ûf den helmen ‖ swerte vil erdiezen.die dâ bî in wâren, ‖ die mohte ir beider grimmes wol verdriezen.Der Kûdrûnen vriedel ‖ under helme über ranterreichte Ludewîgen ‖ mit ellenthafter hant.er wundet in sô sêre, ‖ daz er niht mohte gestrîten.dâ von muoste Ludewîc ‖ des grimmen tôdes dâ vor im erbîten.Er sluoc im ander stunde ‖ einen vesten swanc,daz des küneges houbet ‖ von der ahsel spranc.10er hete im wol vergolten, ‖ daz er was gevallen.der künic was erstorben: ‖ des muosten schœniu ougen über wallen.Dô sprach ze sînen mannen ‖ Hartmuot der degen‘nû wendet mit mir dannen. ‖ ir ist hie vil gelegen,die uns slahen wolten ‖ in den herten strîten.nû kêret zuo der bürge, ‖ unz wir bezzerre wîle erbîten.’Si heten vil der degene ‖ hinder in verlân.wær daz lant ir eigen, ‖ si enkunden hân getânniht bezzers in dem strîte. ‖ si wolten zuo der selde.Wate sûmte starke ‖ si mit tûsent sîner guoten helde.Er was unz an die porte ‖ mit grôzer kraft gegân,dâ Hartmuot hine wolte ‖ mit den sînen man.si kundenz niht verenden: ‖ in zowet es harte kleine,si sâhen ab der mûre ‖ werfen mit manegem lâzsteine.Dô sach in her Hartmuot ‖ vor dem bürge tor.er sprach ‘daz wir verdienet ‖ haben hie bevor,10daz wil sich wærlîche ‖ hiute an uns erzeigen,die gesunden haben sorge. ‖ jâ lît hie harte vil der veigen.Ich mac niht gevliegen: ‖ veder hân ich niht.ich enmac ouch under die erde, ‖ swaz anders mir geschiht.wir mugen ouch vor den vînden ‖ niht zuo den ünden.den besten mînen willen ‖ wil ich iu bescheidenlîchen künden.Sîn mac niht anders werden, ‖ ir edele ritter guot.erbeizet zuo der erden ‖ und houwet heizez bluotûz den liehten ringen: ‖ des lât iuch niht verdriezen.’si stuonden von den satelen: ‖ diu ros si hinder sich ze rugge stiezen.‘Nû zuo, ir mæren helde!’ ‖ sprach dô Hartmuot.‘gêt nâher zuo der selde. ‖ ez sî übel oder guot,ich muoz ze Waten dem alten. ‖ swie mir dâ gelinge,ich wil doch versuochen, ‖ ob ich in hôher von der porten bringe.Mit ûf geworfen swerten ‖ begunden si dô gânHartmuot der küene ‖ unde ouch sîne man.10do bestuont er Waten den grimmen: ‖ daz was dem helde ein êre.dô hôrte man swert erklingen. ‖ dô starp guoter ritter dester mêre.Schiere kam Ortrûn ‖ von Ormanîelantdiu junge küniginne ‖ mit windender hantze vroun Kûdrûnen. ‖ diu junge maget hêreviel ir vür die vüeze. ‖ si klagete ir vater Ludewîgen sêre.Si sprach ‘lâ dich erbarmen, ‖ edelez vürsten kint,sô vil mîner mâge, ‖ die hie erstorben sint,und gedenke, wie dir wære, ‖ dô man sluoc den vater dînen.edele küniginne, ‖ nû hân ich hiute vloren hie den mînen.Nû sich, maget edele: ‖ diz ist ein grôziu nôt.mîn vater und mîne mâge ‖ sint aller meiste tôt.nû stêt der recke Hartmuot ‖ vor Waten in grôzer vreise.verliuse ich den bruoder, ‖ sô muoz ich immer mêre sîn ein weise.Und lâz mich des geniezen’ ‖ sprach daz edele kint:‘so dich nieman klagete ‖ der aller, die hie sint,10dû hetest niht vriunde mêre ‖ danne mich vil eine.swaz dir ieman tæte, ‖ sô muoste ich ze allen zîten umb dich weinen.’Dô sprach diu Hilden tohter ‖ ‘des hâst dû vil getân.ich weiz niht, wie ich möhte ‖ den strît understân,ich enwære danne ein recke, ‖ daz ich wâpen trüege:sô schiede ich ez gerne, ‖ daz dir dînen bruoder nieman slüege.’Si weinte angestlîche. ‖ wie tiure si si bat,unze daz vrou Kûdrûn ‖ in daz venster trat.si winkte mit der hende ‖ und vrâgte si der mære,ob von ir vater lande ‖ ieman guoter dar komen wære.Des antwurte Herwîc, ‖ ein edel ritter guot‘wer sît ir, juncvrouwe, ‖ diu uns vrâgen tuot?’si sprach ‘ich heize Kûdrûn ‖ und bin daz Hagenen künne.swie rîche ich hie vor wære, ‖ sô sihe ich hie vil wênec dehein wünne.’Er sprach ‘sît ir ez Kûdrûn, ‖ diu liebe vrouwe mîn,sô sol ich iu gerne ‖ immer diende sîn:10sô bin ich ez Herwîc ‖ und kôs iuch mir ze trôste,und lâze iuch daz wol schouwen, ‖ deich iuch von allen sorgen gerne lôste?’Si sprach ‘welt ir mir dienen, ‖ ritter ûz erkorn,sô sult ir uns vervâhen ‖ daz vür deheinen zorn.mich bitent vlîziclîche ‖ hie die schœnen meide,daz man Hartmuoten ‖ von Waten dem alten ûz dem strîte scheide.’‘Daz sol ich gerne leisten, ‖ vil liebiu vrouwe mîn.’lûte ruoft dô Herwîc ‖ zuo den recken sîn‘nû sult ir mîniu zeichen ‖ ze Waten vanen bringen.’dô sach man Herwîgen ‖ unde al die sîne sêre dringen.Ein herter vrouwen dienest ‖ wart von im getân.Herwîc ruoft dô lûte ‖ den alten Waten an.er sprach ‘Wate, lieber vriunt, ‖ gunnet daz man scheidedisen strît vil swinden: ‖ des bitent iuch die minniclîche meide.’Wate sprach mit zorne ‖ ‘her Herwîc, nu gêt hin!solt ich vrouwen volgen, ‖ war tæte ich mînen sin?10solte ich sparn die vînde? ‖ daz tæte ich ûf mich selben.des volge ich iu nimmer. ‖ Hartmuot muoz sîner vrevele engelden.’Durch Kûdrûnen liebe ‖ zuo in beiden sprancHerwîc der küene. ‖ der swerte vil erklanc.Wate was erzürnet: ‖ er kunde daz wol leiden,daz in strîte nieman ‖ in von sînen vînden torste scheiden.Dô sluoc er Herwîgen ‖ einen tiuren slac,der dâ wolte scheiden, ‖ daz er vor im lac.dô sprungen sîne recken ‖ und hulfen im von dannen.genomen wart dô Hartmuot ‖ vor Herwîge und vor allen sînen mannen.
Nû nâhent ez dem strîte. ‖ der helt ûz Sturmlantbegunde ein horn blâsen, ‖ daz manz über sant10wol von sînen kreften ‖ hôrte drîzic mîle.die von Hegelingen ‖ begunden zuo dem Hilden zeichen îlen.
Nû nâhent ez dem strîte. ‖ der helt ûz Sturmlant
begunde ein horn blâsen, ‖ daz manz über sant10
wol von sînen kreften ‖ hôrte drîzic mîle.
die von Hegelingen ‖ begunden zuo dem Hilden zeichen îlen.
Dô blies er ander stunde. ‖ daz tete er umbe daz,daz iegelîcher recke ‖ in den satel sazund daz si ir schar schikten ‖ dar si wolten kêren.man gevriesch in den strîten ‖ nie alten recken alsô hêren.
Dô blies er ander stunde. ‖ daz tete er umbe daz,
daz iegelîcher recke ‖ in den satel saz
und daz si ir schar schikten ‖ dar si wolten kêren.
man gevriesch in den strîten ‖ nie alten recken alsô hêren.
Er blies ze dritten stunden ‖ mit einer krefte grôz,daz im der wert erwagete ‖ und im der wâc erdôz.Ludewîges eckesteine ‖ ûz der mûre möhten rîsen.dô hiez er Hôranden ‖ der schœnen Hilden zeichen dannen wîsen.20
Er blies ze dritten stunden ‖ mit einer krefte grôz,
daz im der wert erwagete ‖ und im der wâc erdôz.
Ludewîges eckesteine ‖ ûz der mûre möhten rîsen.
dô hiez er Hôranden ‖ der schœnen Hilden zeichen dannen wîsen.20
Si vorhten Waten sêre. ‖ dâ wart nieman lût.man hôrte ein ros ergrînen. ‖ daz Herwîges trûtstuont obene in der zinne. ‖ statelîche rîtensach man die küenen, ‖ die mit Hartmuoten wolten strîten.
Si vorhten Waten sêre. ‖ dâ wart nieman lût.
man hôrte ein ros ergrînen. ‖ daz Herwîges trût
stuont obene in der zinne. ‖ statelîche rîten
sach man die küenen, ‖ die mit Hartmuoten wolten strîten.
Nû was komen Hartmuot ‖ unde sîne manze vlîze wol gewâpent ‖ ûz der porten dan.von vremeden und von kunden ‖ durch die venstersteineerglasten in die helme. ‖ jâ was ouch Hartmuot dâ niht eine.
Nû was komen Hartmuot ‖ unde sîne man
ze vlîze wol gewâpent ‖ ûz der porten dan.
von vremeden und von kunden ‖ durch die venstersteine
erglasten in die helme. ‖ jâ was ouch Hartmuot dâ niht eine.
Dô sach man Hartmuoten ‖ rîten vor der schar.ob er ein keiser wære, ‖ sô kunde er nimmer gar10vlîziclîcher werben. ‖ ez lûhte gên der sunnenallez sîn gewæte. ‖ im was noch hôhes muotes unzerunnen.
Dô sach man Hartmuoten ‖ rîten vor der schar.
ob er ein keiser wære, ‖ sô kunde er nimmer gar10
vlîziclîcher werben. ‖ ez lûhte gên der sunnen
allez sîn gewæte. ‖ im was noch hôhes muotes unzerunnen.
Dô hete Ortwînen ‖ Hartmuot erkorn.swie er sîn niht erkande, ‖ doch houte er mit den spornsîn ros, daz spranc vil wîte. ‖ er reit ûf Ortwînen.ir sper si neigten bêde: ‖ dâ von man sach liehte brünne erschînen.
Dô hete Ortwînen ‖ Hartmuot erkorn.
swie er sîn niht erkande, ‖ doch houte er mit den sporn
sîn ros, daz spranc vil wîte. ‖ er reit ûf Ortwînen.
ir sper si neigten bêde: ‖ dâ von man sach liehte brünne erschînen.
Diu ros ûf gesprungen. ‖ dô huop sich michel klancvon der künege swerten. ‖ man mohte in sagen danc,daz si den strît erhuoben ‖ sô rehte ritterlîchen.si wâren beide küene. ‖ si wolten einander niht entwîchen.
Diu ros ûf gesprungen. ‖ dô huop sich michel klanc
von der künege swerten. ‖ man mohte in sagen danc,
daz si den strît erhuoben ‖ sô rehte ritterlîchen.
si wâren beide küene. ‖ si wolten einander niht entwîchen.
Dô sach von Tenen Hôrant ‖ Ortwînen wunt.dô begunde er vrâgen, ‖ wer hæte ungesuntgemachet in dem strîte ‖ sînen lieben herren.Hartmuot der lachte: ‖ jâ wârens von einander vil unverren.
Dô sach von Tenen Hôrant ‖ Ortwînen wunt.
dô begunde er vrâgen, ‖ wer hæte ungesunt
gemachet in dem strîte ‖ sînen lieben herren.
Hartmuot der lachte: ‖ jâ wârens von einander vil unverren.
Ortwîn sagete im selbe ‖ ‘daz tete her Hartmuot.’dô gap daz Hilden zeichen ‖ von im der degen guot,10daz er wol kunde bringen ‖ nâch maneger grôzer êreze schaden sînen vînden. ‖ des dranc er nâch Hartmuoten sêre.
Ortwîn sagete im selbe ‖ ‘daz tete her Hartmuot.’
dô gap daz Hilden zeichen ‖ von im der degen guot,10
daz er wol kunde bringen ‖ nâch maneger grôzer êre
ze schaden sînen vînden. ‖ des dranc er nâch Hartmuoten sêre.
Hartmuot bî im hôrte ‖ ungevüegen schal.er sach daz bluot rîlîchen ‖ vliezen hin ze talvil manegen ûz den wunden ‖ nider zuo den vüezen.dô sprach der degen küene ‖ ‘den schaden sol ich mînen helden büezen.’
Hartmuot bî im hôrte ‖ ungevüegen schal.
er sach daz bluot rîlîchen ‖ vliezen hin ze tal
vil manegen ûz den wunden ‖ nider zuo den vüezen.
dô sprach der degen küene ‖ ‘den schaden sol ich mînen helden büezen.’
Dô kêrte er sich hin umbe ‖ da er Hôranden sach.von ir beider ellen ‖ balde daz geschach,daz viur von den ringen ‖ in drâte vür die ougen.sich bugen swertes ecke ‖ von ir handen ûf den helmbougen.
Dô kêrte er sich hin umbe ‖ da er Hôranden sach.
von ir beider ellen ‖ balde daz geschach,
daz viur von den ringen ‖ in drâte vür die ougen.
sich bugen swertes ecke ‖ von ir handen ûf den helmbougen.
Er wunte Hôranden, ‖ als ouch ê geschachdem küenen Ortwînen, ‖ daz im ein rôter bachvlôz ûz sînen ringen ‖ von Hartmuotes handen.er was sô rehte biderbe: ‖ wer solte muoten dô nâch sînen landen?
Er wunte Hôranden, ‖ als ouch ê geschach
dem küenen Ortwînen, ‖ daz im ein rôter bach
vlôz ûz sînen ringen ‖ von Hartmuotes handen.
er was sô rehte biderbe: ‖ wer solte muoten dô nâch sînen landen?
Lûte ruoft dô Herwîc ‖ ‘ist iemen daz erkant,wer ist jener alte? ‖ der hât mit sîner hant10sô vil der tiefen wunden ‖ allez hie gehouwenvon sînem starken ellen, ‖ daz ez beweinen müezen schœne vrouwen.’
Lûte ruoft dô Herwîc ‖ ‘ist iemen daz erkant,
wer ist jener alte? ‖ der hât mit sîner hant10
sô vil der tiefen wunden ‖ allez hie gehouwen
von sînem starken ellen, ‖ daz ez beweinen müezen schœne vrouwen.’
Daz erhôrte Ludewîc, ‖ der voget ûz Ormanîn.‘wer ist der in der herte ‖ hât gevrâget mîn?ich bin geheizen Ludewîc ‖ von Ormanîerîche.möhte ich mit den vînden ‖ gestrîten wol, daz tæte ich sicherlîche.’
Daz erhôrte Ludewîc, ‖ der voget ûz Ormanîn.
‘wer ist der in der herte ‖ hât gevrâget mîn?
ich bin geheizen Ludewîc ‖ von Ormanîerîche.
möhte ich mit den vînden ‖ gestrîten wol, daz tæte ich sicherlîche.’
‘Ich bin geheizen Herwîc: ‖ dû næme mir mîn wîp.die muost dû geben widere, ‖ oder unser eines lîpmuoz dar umbe sterben, ‖ dar zuo der recken mêre.’dô sprach der künic Ludewîc ‖ ‘dû dröust mir in mîm lande gar ze sêre.
‘Ich bin geheizen Herwîc: ‖ dû næme mir mîn wîp.
die muost dû geben widere, ‖ oder unser eines lîp
muoz dar umbe sterben, ‖ dar zuo der recken mêre.’
dô sprach der künic Ludewîc ‖ ‘dû dröust mir in mîm lande gar ze sêre.
Dû hâst mir dîne bîhte ‖ âne nôt getân.ir ist hie noch mêre, ‖ den ich genomen hânir guot unde ir mâge. ‖ des solt dû mir getrouwen,ich sol ez alsô schaffen, ‖ daz dû nimmer küssest dîne vrouwen.’
Dû hâst mir dîne bîhte ‖ âne nôt getân.
ir ist hie noch mêre, ‖ den ich genomen hân
ir guot unde ir mâge. ‖ des solt dû mir getrouwen,
ich sol ez alsô schaffen, ‖ daz dû nimmer küssest dîne vrouwen.’
Nâch dem selben worte ‖ liefens einander an,die zwêne rîche künege. ‖ swerz dâ guot gewan,10der holte ez unsanfte. ‖ von ir jungelingenvon ir beider zeichen ‖ sach man manegen guoten zuo in springen.
Nâch dem selben worte ‖ liefens einander an,
die zwêne rîche künege. ‖ swerz dâ guot gewan,10
der holte ez unsanfte. ‖ von ir jungelingen
von ir beider zeichen ‖ sach man manegen guoten zuo in springen.
Herwîc was biderbe ‖ und küene genuoc.der vater Hartmuotes ‖ den jungen künic sluoc,daz er begunde strûchen ‖ vor Ludewîges handen.er wolte in hân gescheiden ‖ von sînem lîbe und von sînen landen.
Herwîc was biderbe ‖ und küene genuoc.
der vater Hartmuotes ‖ den jungen künic sluoc,
daz er begunde strûchen ‖ vor Ludewîges handen.
er wolte in hân gescheiden ‖ von sînem lîbe und von sînen landen.
Wæren niht sô nâhen ‖ die Herwîges man,die im mit vlîze hulfen, ‖ sô kunde er nimmer danâne sîn ende ‖ von im sîn gescheiden.alsô kunde Ludewîc ‖ der alte den kinden bî im leiden.
Wæren niht sô nâhen ‖ die Herwîges man,
die im mit vlîze hulfen, ‖ sô kunde er nimmer dan
âne sîn ende ‖ von im sîn gescheiden.
alsô kunde Ludewîc ‖ der alte den kinden bî im leiden.
Die hulfen Herwîge, ‖ daz er dâ genas.dô er sînes valles ‖ wider komen was,dô blikte er harte schiere ‖ ze berge gegen der zinne,obe er indert sæhe ‖ dar inne stên sîns herzen triutinne.
Die hulfen Herwîge, ‖ daz er dâ genas.
dô er sînes valles ‖ wider komen was,
dô blikte er harte schiere ‖ ze berge gegen der zinne,
obe er indert sæhe ‖ dar inne stên sîns herzen triutinne.
Er gedâhte in sînem muote ‖ ‘ach wie ist mir geschehen!ob mîn vrou Kûdrûn ‖ ditze hât gesehen,10gelebe wir daz immer ‖ deich si sol umbevâhen,si tuot mir itewîze, ‖ sô ich bî mîner vrouwen lige nâhen.
Er gedâhte in sînem muote ‖ ‘ach wie ist mir geschehen!
ob mîn vrou Kûdrûn ‖ ditze hât gesehen,10
gelebe wir daz immer ‖ deich si sol umbevâhen,
si tuot mir itewîze, ‖ sô ich bî mîner vrouwen lige nâhen.
Daz mich der alte grîse ‖ hie nider hât geslagen,des scham ich mich vil sêre.’ ‖ sîn zeichen hiez er tragenhin nâch Ludewîge ‖ mit den sînen mannen.si drungen nâch den vînden: ‖ si wolten in lâzen niht von dannen.
Daz mich der alte grîse ‖ hie nider hât geslagen,
des scham ich mich vil sêre.’ ‖ sîn zeichen hiez er tragen
hin nâch Ludewîge ‖ mit den sînen mannen.
si drungen nâch den vînden: ‖ si wolten in lâzen niht von dannen.
Ludewîc der hôrte ‖ hinder im den schal.dô kêrte er wider umbe ‖ gegen im ze tal.dô hôrte man ûf den helmen ‖ swerte vil erdiezen.die dâ bî in wâren, ‖ die mohte ir beider grimmes wol verdriezen.
Ludewîc der hôrte ‖ hinder im den schal.
dô kêrte er wider umbe ‖ gegen im ze tal.
dô hôrte man ûf den helmen ‖ swerte vil erdiezen.
die dâ bî in wâren, ‖ die mohte ir beider grimmes wol verdriezen.
Der Kûdrûnen vriedel ‖ under helme über ranterreichte Ludewîgen ‖ mit ellenthafter hant.er wundet in sô sêre, ‖ daz er niht mohte gestrîten.dâ von muoste Ludewîc ‖ des grimmen tôdes dâ vor im erbîten.
Der Kûdrûnen vriedel ‖ under helme über rant
erreichte Ludewîgen ‖ mit ellenthafter hant.
er wundet in sô sêre, ‖ daz er niht mohte gestrîten.
dâ von muoste Ludewîc ‖ des grimmen tôdes dâ vor im erbîten.
Er sluoc im ander stunde ‖ einen vesten swanc,daz des küneges houbet ‖ von der ahsel spranc.10er hete im wol vergolten, ‖ daz er was gevallen.der künic was erstorben: ‖ des muosten schœniu ougen über wallen.
Er sluoc im ander stunde ‖ einen vesten swanc,
daz des küneges houbet ‖ von der ahsel spranc.10
er hete im wol vergolten, ‖ daz er was gevallen.
der künic was erstorben: ‖ des muosten schœniu ougen über wallen.
Dô sprach ze sînen mannen ‖ Hartmuot der degen‘nû wendet mit mir dannen. ‖ ir ist hie vil gelegen,die uns slahen wolten ‖ in den herten strîten.nû kêret zuo der bürge, ‖ unz wir bezzerre wîle erbîten.’
Dô sprach ze sînen mannen ‖ Hartmuot der degen
‘nû wendet mit mir dannen. ‖ ir ist hie vil gelegen,
die uns slahen wolten ‖ in den herten strîten.
nû kêret zuo der bürge, ‖ unz wir bezzerre wîle erbîten.’
Si heten vil der degene ‖ hinder in verlân.wær daz lant ir eigen, ‖ si enkunden hân getânniht bezzers in dem strîte. ‖ si wolten zuo der selde.Wate sûmte starke ‖ si mit tûsent sîner guoten helde.
Si heten vil der degene ‖ hinder in verlân.
wær daz lant ir eigen, ‖ si enkunden hân getân
niht bezzers in dem strîte. ‖ si wolten zuo der selde.
Wate sûmte starke ‖ si mit tûsent sîner guoten helde.
Er was unz an die porte ‖ mit grôzer kraft gegân,dâ Hartmuot hine wolte ‖ mit den sînen man.si kundenz niht verenden: ‖ in zowet es harte kleine,si sâhen ab der mûre ‖ werfen mit manegem lâzsteine.
Er was unz an die porte ‖ mit grôzer kraft gegân,
dâ Hartmuot hine wolte ‖ mit den sînen man.
si kundenz niht verenden: ‖ in zowet es harte kleine,
si sâhen ab der mûre ‖ werfen mit manegem lâzsteine.
Dô sach in her Hartmuot ‖ vor dem bürge tor.er sprach ‘daz wir verdienet ‖ haben hie bevor,10daz wil sich wærlîche ‖ hiute an uns erzeigen,die gesunden haben sorge. ‖ jâ lît hie harte vil der veigen.
Dô sach in her Hartmuot ‖ vor dem bürge tor.
er sprach ‘daz wir verdienet ‖ haben hie bevor,10
daz wil sich wærlîche ‖ hiute an uns erzeigen,
die gesunden haben sorge. ‖ jâ lît hie harte vil der veigen.
Ich mac niht gevliegen: ‖ veder hân ich niht.ich enmac ouch under die erde, ‖ swaz anders mir geschiht.wir mugen ouch vor den vînden ‖ niht zuo den ünden.den besten mînen willen ‖ wil ich iu bescheidenlîchen künden.
Ich mac niht gevliegen: ‖ veder hân ich niht.
ich enmac ouch under die erde, ‖ swaz anders mir geschiht.
wir mugen ouch vor den vînden ‖ niht zuo den ünden.
den besten mînen willen ‖ wil ich iu bescheidenlîchen künden.
Sîn mac niht anders werden, ‖ ir edele ritter guot.erbeizet zuo der erden ‖ und houwet heizez bluotûz den liehten ringen: ‖ des lât iuch niht verdriezen.’si stuonden von den satelen: ‖ diu ros si hinder sich ze rugge stiezen.
Sîn mac niht anders werden, ‖ ir edele ritter guot.
erbeizet zuo der erden ‖ und houwet heizez bluot
ûz den liehten ringen: ‖ des lât iuch niht verdriezen.’
si stuonden von den satelen: ‖ diu ros si hinder sich ze rugge stiezen.
‘Nû zuo, ir mæren helde!’ ‖ sprach dô Hartmuot.‘gêt nâher zuo der selde. ‖ ez sî übel oder guot,ich muoz ze Waten dem alten. ‖ swie mir dâ gelinge,ich wil doch versuochen, ‖ ob ich in hôher von der porten bringe.
‘Nû zuo, ir mæren helde!’ ‖ sprach dô Hartmuot.
‘gêt nâher zuo der selde. ‖ ez sî übel oder guot,
ich muoz ze Waten dem alten. ‖ swie mir dâ gelinge,
ich wil doch versuochen, ‖ ob ich in hôher von der porten bringe.
Mit ûf geworfen swerten ‖ begunden si dô gânHartmuot der küene ‖ unde ouch sîne man.10do bestuont er Waten den grimmen: ‖ daz was dem helde ein êre.dô hôrte man swert erklingen. ‖ dô starp guoter ritter dester mêre.
Mit ûf geworfen swerten ‖ begunden si dô gân
Hartmuot der küene ‖ unde ouch sîne man.10
do bestuont er Waten den grimmen: ‖ daz was dem helde ein êre.
dô hôrte man swert erklingen. ‖ dô starp guoter ritter dester mêre.
Schiere kam Ortrûn ‖ von Ormanîelantdiu junge küniginne ‖ mit windender hantze vroun Kûdrûnen. ‖ diu junge maget hêreviel ir vür die vüeze. ‖ si klagete ir vater Ludewîgen sêre.
Schiere kam Ortrûn ‖ von Ormanîelant
diu junge küniginne ‖ mit windender hant
ze vroun Kûdrûnen. ‖ diu junge maget hêre
viel ir vür die vüeze. ‖ si klagete ir vater Ludewîgen sêre.
Si sprach ‘lâ dich erbarmen, ‖ edelez vürsten kint,sô vil mîner mâge, ‖ die hie erstorben sint,und gedenke, wie dir wære, ‖ dô man sluoc den vater dînen.edele küniginne, ‖ nû hân ich hiute vloren hie den mînen.
Si sprach ‘lâ dich erbarmen, ‖ edelez vürsten kint,
sô vil mîner mâge, ‖ die hie erstorben sint,
und gedenke, wie dir wære, ‖ dô man sluoc den vater dînen.
edele küniginne, ‖ nû hân ich hiute vloren hie den mînen.
Nû sich, maget edele: ‖ diz ist ein grôziu nôt.mîn vater und mîne mâge ‖ sint aller meiste tôt.nû stêt der recke Hartmuot ‖ vor Waten in grôzer vreise.verliuse ich den bruoder, ‖ sô muoz ich immer mêre sîn ein weise.
Nû sich, maget edele: ‖ diz ist ein grôziu nôt.
mîn vater und mîne mâge ‖ sint aller meiste tôt.
nû stêt der recke Hartmuot ‖ vor Waten in grôzer vreise.
verliuse ich den bruoder, ‖ sô muoz ich immer mêre sîn ein weise.
Und lâz mich des geniezen’ ‖ sprach daz edele kint:‘so dich nieman klagete ‖ der aller, die hie sint,10dû hetest niht vriunde mêre ‖ danne mich vil eine.swaz dir ieman tæte, ‖ sô muoste ich ze allen zîten umb dich weinen.’
Und lâz mich des geniezen’ ‖ sprach daz edele kint:
‘so dich nieman klagete ‖ der aller, die hie sint,10
dû hetest niht vriunde mêre ‖ danne mich vil eine.
swaz dir ieman tæte, ‖ sô muoste ich ze allen zîten umb dich weinen.’
Dô sprach diu Hilden tohter ‖ ‘des hâst dû vil getân.ich weiz niht, wie ich möhte ‖ den strît understân,ich enwære danne ein recke, ‖ daz ich wâpen trüege:sô schiede ich ez gerne, ‖ daz dir dînen bruoder nieman slüege.’
Dô sprach diu Hilden tohter ‖ ‘des hâst dû vil getân.
ich weiz niht, wie ich möhte ‖ den strît understân,
ich enwære danne ein recke, ‖ daz ich wâpen trüege:
sô schiede ich ez gerne, ‖ daz dir dînen bruoder nieman slüege.’
Si weinte angestlîche. ‖ wie tiure si si bat,unze daz vrou Kûdrûn ‖ in daz venster trat.si winkte mit der hende ‖ und vrâgte si der mære,ob von ir vater lande ‖ ieman guoter dar komen wære.
Si weinte angestlîche. ‖ wie tiure si si bat,
unze daz vrou Kûdrûn ‖ in daz venster trat.
si winkte mit der hende ‖ und vrâgte si der mære,
ob von ir vater lande ‖ ieman guoter dar komen wære.
Des antwurte Herwîc, ‖ ein edel ritter guot‘wer sît ir, juncvrouwe, ‖ diu uns vrâgen tuot?’si sprach ‘ich heize Kûdrûn ‖ und bin daz Hagenen künne.swie rîche ich hie vor wære, ‖ sô sihe ich hie vil wênec dehein wünne.’
Des antwurte Herwîc, ‖ ein edel ritter guot
‘wer sît ir, juncvrouwe, ‖ diu uns vrâgen tuot?’
si sprach ‘ich heize Kûdrûn ‖ und bin daz Hagenen künne.
swie rîche ich hie vor wære, ‖ sô sihe ich hie vil wênec dehein wünne.’
Er sprach ‘sît ir ez Kûdrûn, ‖ diu liebe vrouwe mîn,sô sol ich iu gerne ‖ immer diende sîn:10sô bin ich ez Herwîc ‖ und kôs iuch mir ze trôste,und lâze iuch daz wol schouwen, ‖ deich iuch von allen sorgen gerne lôste?’
Er sprach ‘sît ir ez Kûdrûn, ‖ diu liebe vrouwe mîn,
sô sol ich iu gerne ‖ immer diende sîn:10
sô bin ich ez Herwîc ‖ und kôs iuch mir ze trôste,
und lâze iuch daz wol schouwen, ‖ deich iuch von allen sorgen gerne lôste?’
Si sprach ‘welt ir mir dienen, ‖ ritter ûz erkorn,sô sult ir uns vervâhen ‖ daz vür deheinen zorn.mich bitent vlîziclîche ‖ hie die schœnen meide,daz man Hartmuoten ‖ von Waten dem alten ûz dem strîte scheide.’
Si sprach ‘welt ir mir dienen, ‖ ritter ûz erkorn,
sô sult ir uns vervâhen ‖ daz vür deheinen zorn.
mich bitent vlîziclîche ‖ hie die schœnen meide,
daz man Hartmuoten ‖ von Waten dem alten ûz dem strîte scheide.’
‘Daz sol ich gerne leisten, ‖ vil liebiu vrouwe mîn.’lûte ruoft dô Herwîc ‖ zuo den recken sîn‘nû sult ir mîniu zeichen ‖ ze Waten vanen bringen.’dô sach man Herwîgen ‖ unde al die sîne sêre dringen.
‘Daz sol ich gerne leisten, ‖ vil liebiu vrouwe mîn.’
lûte ruoft dô Herwîc ‖ zuo den recken sîn
‘nû sult ir mîniu zeichen ‖ ze Waten vanen bringen.’
dô sach man Herwîgen ‖ unde al die sîne sêre dringen.
Ein herter vrouwen dienest ‖ wart von im getân.Herwîc ruoft dô lûte ‖ den alten Waten an.er sprach ‘Wate, lieber vriunt, ‖ gunnet daz man scheidedisen strît vil swinden: ‖ des bitent iuch die minniclîche meide.’
Ein herter vrouwen dienest ‖ wart von im getân.
Herwîc ruoft dô lûte ‖ den alten Waten an.
er sprach ‘Wate, lieber vriunt, ‖ gunnet daz man scheide
disen strît vil swinden: ‖ des bitent iuch die minniclîche meide.’
Wate sprach mit zorne ‖ ‘her Herwîc, nu gêt hin!solt ich vrouwen volgen, ‖ war tæte ich mînen sin?10solte ich sparn die vînde? ‖ daz tæte ich ûf mich selben.des volge ich iu nimmer. ‖ Hartmuot muoz sîner vrevele engelden.’
Wate sprach mit zorne ‖ ‘her Herwîc, nu gêt hin!
solt ich vrouwen volgen, ‖ war tæte ich mînen sin?10
solte ich sparn die vînde? ‖ daz tæte ich ûf mich selben.
des volge ich iu nimmer. ‖ Hartmuot muoz sîner vrevele engelden.’
Durch Kûdrûnen liebe ‖ zuo in beiden sprancHerwîc der küene. ‖ der swerte vil erklanc.Wate was erzürnet: ‖ er kunde daz wol leiden,daz in strîte nieman ‖ in von sînen vînden torste scheiden.
Durch Kûdrûnen liebe ‖ zuo in beiden spranc
Herwîc der küene. ‖ der swerte vil erklanc.
Wate was erzürnet: ‖ er kunde daz wol leiden,
daz in strîte nieman ‖ in von sînen vînden torste scheiden.
Dô sluoc er Herwîgen ‖ einen tiuren slac,der dâ wolte scheiden, ‖ daz er vor im lac.dô sprungen sîne recken ‖ und hulfen im von dannen.genomen wart dô Hartmuot ‖ vor Herwîge und vor allen sînen mannen.
Dô sluoc er Herwîgen ‖ einen tiuren slac,
der dâ wolte scheiden, ‖ daz er vor im lac.
dô sprungen sîne recken ‖ und hulfen im von dannen.
genomen wart dô Hartmuot ‖ vor Herwîge und vor allen sînen mannen.
Es nahte nun zum Streite: ‖ der Held von SturmlandBegann ein Horn zu blasen, ‖ dass man es von dem StrandDurch seine starken Kräfte ‖ wohl hörte dreissig Meilen.Die von Hegelingen ‖ sah man zu Frau Hildens Banner eilen.Er blies zum andern Male: ‖ das that er deswegen,Dass sich in die Sättel ‖ schwängen all die Degen,Und die Scharen richteten, ‖ wohin sie sollten reiten;Solchen greisen Recken ‖ sah man nie so herrlich in den Streiten.Er blies zum dritten Male ‖ mit einer Kraft so voll,Dass ihm die Flut erbebte ‖ und rings der Strand erscholl;30Die Ecksteine wollten ‖ aus der Mauer fallen.Er gebot Horanden, ‖ dass er Hildens Banner liesse wallen.Sie bangten all vor Waten: ‖ da wurde Niemand laut;Man hört’ ein Ross wohl wiehern. ‖ König Herwigs BrautStand oben in den Zinnen. ‖ Stolz von dannen reitenSah man die Kühnen, ‖ die mit König Hartmuth wollten streiten.20Nun zog auch König Hartmuth ‖ und Die in seinem BannMit allem Fleiss gewappnet ‖ aus dem Thor heran.Man sah die Helme glänzen ‖ durch die FenstersteineDen Heimischen und Fremden; ‖ wohl war auch König Hartmuth nicht alleine.Da sah man Hartmuthen ‖ reiten vor dem Heer;Wenn er ein Kaiser wäre, ‖ er könnte nimmermehrSich stattlicher gehaben; ‖ ihm glänzten in der SonnenDie lichten Eisenkleider; ‖ hoher Muth war ihm noch unzerronnen.Da hatte sich Ortweinen ‖ Hartmuth auserkorn;Obwohl er ihn nicht kannte, ‖ doch trieb er mit den Sporen30Sein Ross in weiten Sprüngen ‖ heran zu Ortweinen.Die Speere neigten Beide: ‖ da sah man bald die lichten Panzer scheinen.Aufsprangen ihre Rosse: ‖ da hub sich lauter KlangVon der Könge Schwertern; ‖ sie verdienten beide Dank,Dass sie den Kampf erhuben ‖ mit so scharfen Streichen.Es waren kühne Helden: ‖ Keiner wollte vor dem andern weichen.20Da sah Horand der Däne ‖ Ortweinen wund;Da hub er an zu fragen: ‖ ‘Wer mir ungesundDen lieben Herren machte ‖ im Streit, das wüsst ich gerne.’Hartmuth der lachte; sie waren ‖ sich einander nicht zu ferne.Da sagt ihm Ortwein selber: ‖ ‘Das that Herr Hartmuth.’Da gab Frau Hildens Zeichen ‖ hinweg der Degen gut,Das er wohl tragen konnte ‖ sich selbst zu grosser EhreUnd dem Feind zum Schaden: ‖ Hartmuthen eilte hinterdrein der hehre.Hartmuth in seiner Nähe ‖ vernahm gar lauten Schall;Dabei sah er stürzen ‖ des rothen Blutes Schwall30Manchem aus den Wunden ‖ nieder zu den Füssen.Da sprach der kühne Degen: ‖ ‘Meiner Helden Schaden sollt ihr büssen.’Da wandt er sich hinwieder ‖ wo er Horand sah.Durch der Helden Stärke ‖ bald geschah es da,Dass Funken aus den Ringen ‖ vor ihre Augen flogen,Und auf den Helmspangen ‖ sich die geschwungnen Schwerterspitzen bogen.20Wie erst dem kühnen Ortwein, ‖ so schlug er darnachNun Horand eine Wunde, ‖ dass ihm ein rother BachVon Hartmuthens Händen ‖ entsprang den Panzerringen.Der Degen war so tapfer: ‖ wer wollt ihm da sein Land noch aberzwingen?Laut rief da Herwig: ‖ ‘Ist das hier wem bekannt:Wer ist jener Alte? ‖ der hat mit seiner HandSo viel der tiefen Wunden ‖ schon allhie gehauenMit seinen starken Kräften, ‖ dass es beweinen müssen schöne Frauen.’Das erhörte Ludwig, ‖ der Vogt der Normandie.‘Wer ist es, der im Kampfe ‖ nach mir fragte hie?30Ich bin geheissen Ludwig ‖ von Normandie dem Reiche:Wüsst ich mit den Feinden ‖ noch zu streiten, säh man mich nicht weichen.’‘Herwig bin ich geheissen: ‖ du nahmest mir mein Weib:Die musst du wieder geben, ‖ sonst büsst es der LeibEines von uns beiden ‖ und Manches der Getreuen.’Da sprach der König Ludwig: ‖ ‘Willst du mir so in meinem Lande dräuen?’20‘Du hast mir deine Beichte ‖ hier ohne Noth gethan.Hier ist noch mancher Andre, ‖ dem ich abgewannSein Gut und seine Freunde: ‖ du darfst mir zugetrauen,Ich will es also schaffen, ‖ dass du nimmer küssest deine Fraue.’Nach dieser Rede liefen ‖ sich einander anDie beiden reichen Könige. ‖ Wer Glück bis jetzt gewannDem ergiengs nun übel ‖ durch seines Herrn Misslingen.Von ihren Bannern sah man ‖ manchen Helden hin zu ihnen springen.Herwig war tapfer ‖ und war auch kühn genug;Der Vater Hartmuthens ‖ den jungen König schlug,30Dass er von Ludwigs Händen ‖ nieder musste fallen;Er hätt ihn gern geschieden ‖ von seinem Leib und seinen Landen allen.Waren nicht so nahe ‖ Die in Herwigs Heer,Die ihm zu Hülfe sprangen, ‖ so konnt er nimmermehrBis zu seinem Ende ‖ von Ludwigen scheiden:So wusste der Alte ‖ den Jungen seine Nähe zu verleiden.20Sie halfen Herwigen, ‖ dass er am Leben blieb.Als er sich nun erholte ‖ von des Alten Hieb,Empor sah man ihn blicken ‖ zu des Schlosses Zinnen,Ob auch seine Traute ‖ von dort herab gesehn auf sein Beginnen.Er gedacht in seinem Muthe: ‖ ‘Ach, wie ist mir geschehn!Wenn Gudrun meine Herrin ‖ Solches hat ersehn,Erleb ich je die Stunde, ‖ dass ich sie soll umfahen,So wird sie mirs verweisen, ‖ wenn ich sie zu küssen will ihr nahen.Dass mich der greise Alte ‖ hier nieder hat geschlagen,Des muss ich sehr mich schämen.’ ‖ Sein Banner liess er tragen30Gegen König Ludwig ‖ vor allen seinen Mannen.Sie folgten ihrem Feinde: ‖ der sollte nun mit Nichten mehr von dannen.Ludwig erhörte ‖ hinter sich den Schall,Da wandt er sich zurücke ‖ wider ihn zumal;Da hört’ er auf den Helmen ‖ Schwerter viel erschallenDie da bei ihm waren, ‖ denen mochte wohl der Könge Grimm missfallen.20Gudrunens Trauter ‖ unter Helm und SchildesrandErreichte Ludwigen ‖ mit kraftreicher Hand:Er schlug ihm solche Wunde, ‖ er konnte sich nicht rühren:Da musste König Ludwig ‖ hier den grimmen Tod von ihm erküren.Er schlug ihm gleich zur Stunde ‖ so festen Schwertesschwang,Dass das Haupt dem König ‖ von der Achsel sprang.Er hatt ihm wohl vergolten, ‖ dass er war gefallen.Der König war erstorben: ‖ da mussten schöne Augen überwallen.Da sprach zu seinen Mannen ‖ Hartmuth der Degen:‘Nun kehrt mit mir von dannen: ‖ so Mancher ist erlegen,30Die uns erschlagen wollten ‖ in diesem harten Streiten:Wir wollen heim zum Schlosse: ‖ da mögen wir wohl harren bessrer Zeiten.’Sie hatten viel der Degen ‖ gelassen hinter sich;Wär das Land ihr eigen, ‖ sie hätten sicherlichNicht besser sich gehalten; ‖ nun zogen sie vom Felde.Da sammelte sich Wate ‖ wohl mit tausend seiner kühnen Helden.20Er zog bis an die Pforte ‖ heran mit grosser Kraft,Wo Hartmuth einziehn wollte ‖ mit seiner Ritterschaft—Doch könnt ers nicht vollbringen. ‖ Er liess sichs nicht verdriessen,Dass sie von der Mauer ‖ manchen Laststein sahen niederschiessen.Da sah ihn Herr Hartmuth ‖ vor der Veste Thor.Er sprach: ‘Was wir verdienet ‖ haben hiebevor,Das will sich heute wahrlich ‖ mit Zorn an uns bekunden:Die Gesunden haben Sorge ‖ und ringsum liegen viel der Fährlichwunden.Ich kann jedoch nicht fliegen; ‖ Federn hab ich nicht.Noch durch die Erde kriechen, ‖ wär es gleich hier Pflicht.30Uns wehren auch die Feinde, ‖ dass wir ans Wasser kämen:Meinen Rath den besten ‖ lass ich euch bescheidentlich vernehmen.Es kann nicht anders werden, ‖ ihr edeln Ritter gut,Steigt nieder zu der Erden ‖ und hauet heisses BlutAus den lichten Ringen! ‖ das lasst euch nicht verdriessen.’Sie sprangen aus den Sätteln, ‖ indem sie rasch zurück die Rosse stiessen.20‘Nun zu, ihr Ehrenfesten,’ ‖ sprach da Hartmuth:‘Geht näher zu der Veste! ‖ seis übel oder gut,Ich muss zum alten Wate: ‖ wie mir da gelinge,Ich will doch versuchen, ‖ ob ich den nicht von der Pforte bringe.’Mit aufgehobnen Schwertern ‖ schritten sie heran,Hartmuth der kühne ‖ und Die in seinem Bann.Er bestand den grimmen Wate: ‖ des freute sich der Degen.Man hörte Schwerter klingen: ‖ da sind der Helden desto mehr erlegen.Eilends kam da Ortrun, ‖ die bang die Hände wand,Die junge Königstochter ‖ von der Normannen Land,30Zu Gudrun der schönen: ‖ die junge Maid, die hehre,Fiel ihr zu Füssen klagend, ‖ dass ihr Vater Ludwig erschlagen wäre.Sie sprach: ‘Lass dich erbarmen, ‖ edles Fürstenkind,So vieler von den Meinen, ‖ die hier erstorben sind;Gedenke, wie zu Muthe ‖ dir war, als man dir deinenVater hat erschlagen: ‖ nun hab ich hier verloren heut den meinen.20Nun sieh, edle Königin, ‖ wie gross ist diese Noth:Mein Vater, meine Freunde, ‖ schier Alle sind sie todt;Nun seh ich auch den Bruder ‖ Waten mir gefährden!Wird Hartmuth auch erschlagen, ‖ so muss ich ganz zu einer Waise werden.Vergilt nun meine Liebe’ ‖ sprach das edle Kind,‘Als Niemand dich beklagte ‖ von Allen, die hier sind,Und du zum Freunde hattest ‖ niemand als mich alleine;Man that dir viel zu Leide; ‖ zu allen Zeiten musst ich um dich weinen.’Da sprach die Tochter Hildens: ‖ ‘Das hast du oft gethan;Doch weiss ich nicht, wie diesem ‖ Streit ich wehren kann:30Wär ich nur ein Recke, ‖ dass ich Waffen trüge,Ich wollt ihn gerne scheiden, ‖ dass den Bruder Niemand dir erschlüge.’Mit ängstlichen Klagen ‖ flehte sie und bat,Bis da endlich Gudrun ‖ in das Fenster trat:Sie winkte mit der weissen Hand ‖ und fragte laut um Märe,Ob aus ihrer Heimat ‖ nicht hier jemand in der Nähe wäre?20Da gab ihr Herwig Antwort, ‖ ein edler Ritter gut:‘Wer seid ihr, edle Jungfrau, ‖ die solche Frage thut?’Sie sprach: ‘Ich heisse Gudrun, ‖ die Enkelin des Hagen:Wie reich ich war vor Zeiten, ‖ hier seh ich anders nichts als leide Tage.’Er sprach: ‘Seid ihr es, Gudrun, ‖ die liebe Herrin mein?Euch zu dienen will ich ‖ stets beflissen sein;Ich aber heisse Herwig, ‖ den eure Huld soll trösten:Ich lass euch das wohl schauen, ‖ dass ich euch gern aus allem Leid erlöste.’Sie sprach: ‘Wollt ihr mir dienen, ‖ Ritter auserwählt,So hoff ich, dass ihr solches ‖ mir nicht zum Unrecht zählt:30Mich bitten hier so dringend ‖ diese schönen Maide,Dass man Hartmuthen ‖ von dem Grimm des alten Wate scheide.’‘Das will ich gerne leisten, ‖ liebe Herrin du.’Laut rief da Herwig ‖ seinen Recken zu:‘Nun bringt zu Watens Feinden ‖ mein Banner hin geschwinde.’Da drängte durch die Scharen ‖ sich Herwig und all sein Ingesinde.20Da ward von Herwig Grosses ‖ im Frauendienst gethan;Mit lauter Stimme rief er ‖ den alten Wate an:‘Wate,’ sprach er, ‘lieber Freund, ‖ vergönnet uns zu scheidenDieses grimme Streiten: ‖ das bitten euch die minniglichen Maide.’Wate sprach im Zorne: ‖ ‘Herr Herwig geht doch hin!Soll ich nun Frauen folgen? ‖ wo hätt ich meinen Sinn,Wenn ich die Feinde sparte? ‖ da wär ich wohl zu schelten;Darin folg ich euch nimmer: ‖ Hartmuth muss seiner Frevel hier entgelten.’Gudrun zu Liebe ‖ zu den Kämpfern sprangHerwig der kühne; ‖ da vernahm man Schwerterklang.30Wate war erzürnet, ‖ er mocht es niemals leiden,Wenn es Jemand wagte, ‖ ihn im Kampf von seinem Feind zu scheiden.Da schlug er Herwigen ‖ einen grimmen Schlag,Dass Der sie scheiden wollte ‖ vor ihm am Boden lag.Da sprangen seine Recken ‖ und halfen ihm von dannen.Gefangen ward da Hartmuth ‖ Herwig zum Trotz und allen seinen Mannen.
Es nahte nun zum Streite: ‖ der Held von SturmlandBegann ein Horn zu blasen, ‖ dass man es von dem StrandDurch seine starken Kräfte ‖ wohl hörte dreissig Meilen.Die von Hegelingen ‖ sah man zu Frau Hildens Banner eilen.Er blies zum andern Male: ‖ das that er deswegen,Dass sich in die Sättel ‖ schwängen all die Degen,Und die Scharen richteten, ‖ wohin sie sollten reiten;Solchen greisen Recken ‖ sah man nie so herrlich in den Streiten.Er blies zum dritten Male ‖ mit einer Kraft so voll,Dass ihm die Flut erbebte ‖ und rings der Strand erscholl;30Die Ecksteine wollten ‖ aus der Mauer fallen.Er gebot Horanden, ‖ dass er Hildens Banner liesse wallen.Sie bangten all vor Waten: ‖ da wurde Niemand laut;Man hört’ ein Ross wohl wiehern. ‖ König Herwigs BrautStand oben in den Zinnen. ‖ Stolz von dannen reitenSah man die Kühnen, ‖ die mit König Hartmuth wollten streiten.20Nun zog auch König Hartmuth ‖ und Die in seinem BannMit allem Fleiss gewappnet ‖ aus dem Thor heran.Man sah die Helme glänzen ‖ durch die FenstersteineDen Heimischen und Fremden; ‖ wohl war auch König Hartmuth nicht alleine.Da sah man Hartmuthen ‖ reiten vor dem Heer;Wenn er ein Kaiser wäre, ‖ er könnte nimmermehrSich stattlicher gehaben; ‖ ihm glänzten in der SonnenDie lichten Eisenkleider; ‖ hoher Muth war ihm noch unzerronnen.Da hatte sich Ortweinen ‖ Hartmuth auserkorn;Obwohl er ihn nicht kannte, ‖ doch trieb er mit den Sporen30Sein Ross in weiten Sprüngen ‖ heran zu Ortweinen.Die Speere neigten Beide: ‖ da sah man bald die lichten Panzer scheinen.Aufsprangen ihre Rosse: ‖ da hub sich lauter KlangVon der Könge Schwertern; ‖ sie verdienten beide Dank,Dass sie den Kampf erhuben ‖ mit so scharfen Streichen.Es waren kühne Helden: ‖ Keiner wollte vor dem andern weichen.20Da sah Horand der Däne ‖ Ortweinen wund;Da hub er an zu fragen: ‖ ‘Wer mir ungesundDen lieben Herren machte ‖ im Streit, das wüsst ich gerne.’Hartmuth der lachte; sie waren ‖ sich einander nicht zu ferne.Da sagt ihm Ortwein selber: ‖ ‘Das that Herr Hartmuth.’Da gab Frau Hildens Zeichen ‖ hinweg der Degen gut,Das er wohl tragen konnte ‖ sich selbst zu grosser EhreUnd dem Feind zum Schaden: ‖ Hartmuthen eilte hinterdrein der hehre.Hartmuth in seiner Nähe ‖ vernahm gar lauten Schall;Dabei sah er stürzen ‖ des rothen Blutes Schwall30Manchem aus den Wunden ‖ nieder zu den Füssen.Da sprach der kühne Degen: ‖ ‘Meiner Helden Schaden sollt ihr büssen.’Da wandt er sich hinwieder ‖ wo er Horand sah.Durch der Helden Stärke ‖ bald geschah es da,Dass Funken aus den Ringen ‖ vor ihre Augen flogen,Und auf den Helmspangen ‖ sich die geschwungnen Schwerterspitzen bogen.20Wie erst dem kühnen Ortwein, ‖ so schlug er darnachNun Horand eine Wunde, ‖ dass ihm ein rother BachVon Hartmuthens Händen ‖ entsprang den Panzerringen.Der Degen war so tapfer: ‖ wer wollt ihm da sein Land noch aberzwingen?Laut rief da Herwig: ‖ ‘Ist das hier wem bekannt:Wer ist jener Alte? ‖ der hat mit seiner HandSo viel der tiefen Wunden ‖ schon allhie gehauenMit seinen starken Kräften, ‖ dass es beweinen müssen schöne Frauen.’Das erhörte Ludwig, ‖ der Vogt der Normandie.‘Wer ist es, der im Kampfe ‖ nach mir fragte hie?30Ich bin geheissen Ludwig ‖ von Normandie dem Reiche:Wüsst ich mit den Feinden ‖ noch zu streiten, säh man mich nicht weichen.’‘Herwig bin ich geheissen: ‖ du nahmest mir mein Weib:Die musst du wieder geben, ‖ sonst büsst es der LeibEines von uns beiden ‖ und Manches der Getreuen.’Da sprach der König Ludwig: ‖ ‘Willst du mir so in meinem Lande dräuen?’20‘Du hast mir deine Beichte ‖ hier ohne Noth gethan.Hier ist noch mancher Andre, ‖ dem ich abgewannSein Gut und seine Freunde: ‖ du darfst mir zugetrauen,Ich will es also schaffen, ‖ dass du nimmer küssest deine Fraue.’Nach dieser Rede liefen ‖ sich einander anDie beiden reichen Könige. ‖ Wer Glück bis jetzt gewannDem ergiengs nun übel ‖ durch seines Herrn Misslingen.Von ihren Bannern sah man ‖ manchen Helden hin zu ihnen springen.Herwig war tapfer ‖ und war auch kühn genug;Der Vater Hartmuthens ‖ den jungen König schlug,30Dass er von Ludwigs Händen ‖ nieder musste fallen;Er hätt ihn gern geschieden ‖ von seinem Leib und seinen Landen allen.Waren nicht so nahe ‖ Die in Herwigs Heer,Die ihm zu Hülfe sprangen, ‖ so konnt er nimmermehrBis zu seinem Ende ‖ von Ludwigen scheiden:So wusste der Alte ‖ den Jungen seine Nähe zu verleiden.20Sie halfen Herwigen, ‖ dass er am Leben blieb.Als er sich nun erholte ‖ von des Alten Hieb,Empor sah man ihn blicken ‖ zu des Schlosses Zinnen,Ob auch seine Traute ‖ von dort herab gesehn auf sein Beginnen.Er gedacht in seinem Muthe: ‖ ‘Ach, wie ist mir geschehn!Wenn Gudrun meine Herrin ‖ Solches hat ersehn,Erleb ich je die Stunde, ‖ dass ich sie soll umfahen,So wird sie mirs verweisen, ‖ wenn ich sie zu küssen will ihr nahen.Dass mich der greise Alte ‖ hier nieder hat geschlagen,Des muss ich sehr mich schämen.’ ‖ Sein Banner liess er tragen30Gegen König Ludwig ‖ vor allen seinen Mannen.Sie folgten ihrem Feinde: ‖ der sollte nun mit Nichten mehr von dannen.Ludwig erhörte ‖ hinter sich den Schall,Da wandt er sich zurücke ‖ wider ihn zumal;Da hört’ er auf den Helmen ‖ Schwerter viel erschallenDie da bei ihm waren, ‖ denen mochte wohl der Könge Grimm missfallen.20Gudrunens Trauter ‖ unter Helm und SchildesrandErreichte Ludwigen ‖ mit kraftreicher Hand:Er schlug ihm solche Wunde, ‖ er konnte sich nicht rühren:Da musste König Ludwig ‖ hier den grimmen Tod von ihm erküren.Er schlug ihm gleich zur Stunde ‖ so festen Schwertesschwang,Dass das Haupt dem König ‖ von der Achsel sprang.Er hatt ihm wohl vergolten, ‖ dass er war gefallen.Der König war erstorben: ‖ da mussten schöne Augen überwallen.Da sprach zu seinen Mannen ‖ Hartmuth der Degen:‘Nun kehrt mit mir von dannen: ‖ so Mancher ist erlegen,30Die uns erschlagen wollten ‖ in diesem harten Streiten:Wir wollen heim zum Schlosse: ‖ da mögen wir wohl harren bessrer Zeiten.’Sie hatten viel der Degen ‖ gelassen hinter sich;Wär das Land ihr eigen, ‖ sie hätten sicherlichNicht besser sich gehalten; ‖ nun zogen sie vom Felde.Da sammelte sich Wate ‖ wohl mit tausend seiner kühnen Helden.20Er zog bis an die Pforte ‖ heran mit grosser Kraft,Wo Hartmuth einziehn wollte ‖ mit seiner Ritterschaft—Doch könnt ers nicht vollbringen. ‖ Er liess sichs nicht verdriessen,Dass sie von der Mauer ‖ manchen Laststein sahen niederschiessen.Da sah ihn Herr Hartmuth ‖ vor der Veste Thor.Er sprach: ‘Was wir verdienet ‖ haben hiebevor,Das will sich heute wahrlich ‖ mit Zorn an uns bekunden:Die Gesunden haben Sorge ‖ und ringsum liegen viel der Fährlichwunden.Ich kann jedoch nicht fliegen; ‖ Federn hab ich nicht.Noch durch die Erde kriechen, ‖ wär es gleich hier Pflicht.30Uns wehren auch die Feinde, ‖ dass wir ans Wasser kämen:Meinen Rath den besten ‖ lass ich euch bescheidentlich vernehmen.Es kann nicht anders werden, ‖ ihr edeln Ritter gut,Steigt nieder zu der Erden ‖ und hauet heisses BlutAus den lichten Ringen! ‖ das lasst euch nicht verdriessen.’Sie sprangen aus den Sätteln, ‖ indem sie rasch zurück die Rosse stiessen.20‘Nun zu, ihr Ehrenfesten,’ ‖ sprach da Hartmuth:‘Geht näher zu der Veste! ‖ seis übel oder gut,Ich muss zum alten Wate: ‖ wie mir da gelinge,Ich will doch versuchen, ‖ ob ich den nicht von der Pforte bringe.’Mit aufgehobnen Schwertern ‖ schritten sie heran,Hartmuth der kühne ‖ und Die in seinem Bann.Er bestand den grimmen Wate: ‖ des freute sich der Degen.Man hörte Schwerter klingen: ‖ da sind der Helden desto mehr erlegen.Eilends kam da Ortrun, ‖ die bang die Hände wand,Die junge Königstochter ‖ von der Normannen Land,30Zu Gudrun der schönen: ‖ die junge Maid, die hehre,Fiel ihr zu Füssen klagend, ‖ dass ihr Vater Ludwig erschlagen wäre.Sie sprach: ‘Lass dich erbarmen, ‖ edles Fürstenkind,So vieler von den Meinen, ‖ die hier erstorben sind;Gedenke, wie zu Muthe ‖ dir war, als man dir deinenVater hat erschlagen: ‖ nun hab ich hier verloren heut den meinen.20Nun sieh, edle Königin, ‖ wie gross ist diese Noth:Mein Vater, meine Freunde, ‖ schier Alle sind sie todt;Nun seh ich auch den Bruder ‖ Waten mir gefährden!Wird Hartmuth auch erschlagen, ‖ so muss ich ganz zu einer Waise werden.Vergilt nun meine Liebe’ ‖ sprach das edle Kind,‘Als Niemand dich beklagte ‖ von Allen, die hier sind,Und du zum Freunde hattest ‖ niemand als mich alleine;Man that dir viel zu Leide; ‖ zu allen Zeiten musst ich um dich weinen.’Da sprach die Tochter Hildens: ‖ ‘Das hast du oft gethan;Doch weiss ich nicht, wie diesem ‖ Streit ich wehren kann:30Wär ich nur ein Recke, ‖ dass ich Waffen trüge,Ich wollt ihn gerne scheiden, ‖ dass den Bruder Niemand dir erschlüge.’Mit ängstlichen Klagen ‖ flehte sie und bat,Bis da endlich Gudrun ‖ in das Fenster trat:Sie winkte mit der weissen Hand ‖ und fragte laut um Märe,Ob aus ihrer Heimat ‖ nicht hier jemand in der Nähe wäre?20Da gab ihr Herwig Antwort, ‖ ein edler Ritter gut:‘Wer seid ihr, edle Jungfrau, ‖ die solche Frage thut?’Sie sprach: ‘Ich heisse Gudrun, ‖ die Enkelin des Hagen:Wie reich ich war vor Zeiten, ‖ hier seh ich anders nichts als leide Tage.’Er sprach: ‘Seid ihr es, Gudrun, ‖ die liebe Herrin mein?Euch zu dienen will ich ‖ stets beflissen sein;Ich aber heisse Herwig, ‖ den eure Huld soll trösten:Ich lass euch das wohl schauen, ‖ dass ich euch gern aus allem Leid erlöste.’Sie sprach: ‘Wollt ihr mir dienen, ‖ Ritter auserwählt,So hoff ich, dass ihr solches ‖ mir nicht zum Unrecht zählt:30Mich bitten hier so dringend ‖ diese schönen Maide,Dass man Hartmuthen ‖ von dem Grimm des alten Wate scheide.’‘Das will ich gerne leisten, ‖ liebe Herrin du.’Laut rief da Herwig ‖ seinen Recken zu:‘Nun bringt zu Watens Feinden ‖ mein Banner hin geschwinde.’Da drängte durch die Scharen ‖ sich Herwig und all sein Ingesinde.20Da ward von Herwig Grosses ‖ im Frauendienst gethan;Mit lauter Stimme rief er ‖ den alten Wate an:‘Wate,’ sprach er, ‘lieber Freund, ‖ vergönnet uns zu scheidenDieses grimme Streiten: ‖ das bitten euch die minniglichen Maide.’Wate sprach im Zorne: ‖ ‘Herr Herwig geht doch hin!Soll ich nun Frauen folgen? ‖ wo hätt ich meinen Sinn,Wenn ich die Feinde sparte? ‖ da wär ich wohl zu schelten;Darin folg ich euch nimmer: ‖ Hartmuth muss seiner Frevel hier entgelten.’Gudrun zu Liebe ‖ zu den Kämpfern sprangHerwig der kühne; ‖ da vernahm man Schwerterklang.30Wate war erzürnet, ‖ er mocht es niemals leiden,Wenn es Jemand wagte, ‖ ihn im Kampf von seinem Feind zu scheiden.Da schlug er Herwigen ‖ einen grimmen Schlag,Dass Der sie scheiden wollte ‖ vor ihm am Boden lag.Da sprangen seine Recken ‖ und halfen ihm von dannen.Gefangen ward da Hartmuth ‖ Herwig zum Trotz und allen seinen Mannen.
Es nahte nun zum Streite: ‖ der Held von SturmlandBegann ein Horn zu blasen, ‖ dass man es von dem StrandDurch seine starken Kräfte ‖ wohl hörte dreissig Meilen.Die von Hegelingen ‖ sah man zu Frau Hildens Banner eilen.
Es nahte nun zum Streite: ‖ der Held von Sturmland
Begann ein Horn zu blasen, ‖ dass man es von dem Strand
Durch seine starken Kräfte ‖ wohl hörte dreissig Meilen.
Die von Hegelingen ‖ sah man zu Frau Hildens Banner eilen.
Er blies zum andern Male: ‖ das that er deswegen,Dass sich in die Sättel ‖ schwängen all die Degen,Und die Scharen richteten, ‖ wohin sie sollten reiten;Solchen greisen Recken ‖ sah man nie so herrlich in den Streiten.
Er blies zum andern Male: ‖ das that er deswegen,
Dass sich in die Sättel ‖ schwängen all die Degen,
Und die Scharen richteten, ‖ wohin sie sollten reiten;
Solchen greisen Recken ‖ sah man nie so herrlich in den Streiten.
Er blies zum dritten Male ‖ mit einer Kraft so voll,Dass ihm die Flut erbebte ‖ und rings der Strand erscholl;30Die Ecksteine wollten ‖ aus der Mauer fallen.Er gebot Horanden, ‖ dass er Hildens Banner liesse wallen.
Er blies zum dritten Male ‖ mit einer Kraft so voll,
Dass ihm die Flut erbebte ‖ und rings der Strand erscholl;30
Die Ecksteine wollten ‖ aus der Mauer fallen.
Er gebot Horanden, ‖ dass er Hildens Banner liesse wallen.
Sie bangten all vor Waten: ‖ da wurde Niemand laut;Man hört’ ein Ross wohl wiehern. ‖ König Herwigs BrautStand oben in den Zinnen. ‖ Stolz von dannen reitenSah man die Kühnen, ‖ die mit König Hartmuth wollten streiten.20
Sie bangten all vor Waten: ‖ da wurde Niemand laut;
Man hört’ ein Ross wohl wiehern. ‖ König Herwigs Braut
Stand oben in den Zinnen. ‖ Stolz von dannen reiten
Sah man die Kühnen, ‖ die mit König Hartmuth wollten streiten.20
Nun zog auch König Hartmuth ‖ und Die in seinem BannMit allem Fleiss gewappnet ‖ aus dem Thor heran.Man sah die Helme glänzen ‖ durch die FenstersteineDen Heimischen und Fremden; ‖ wohl war auch König Hartmuth nicht alleine.
Nun zog auch König Hartmuth ‖ und Die in seinem Bann
Mit allem Fleiss gewappnet ‖ aus dem Thor heran.
Man sah die Helme glänzen ‖ durch die Fenstersteine
Den Heimischen und Fremden; ‖ wohl war auch König Hartmuth nicht alleine.
Da sah man Hartmuthen ‖ reiten vor dem Heer;Wenn er ein Kaiser wäre, ‖ er könnte nimmermehrSich stattlicher gehaben; ‖ ihm glänzten in der SonnenDie lichten Eisenkleider; ‖ hoher Muth war ihm noch unzerronnen.
Da sah man Hartmuthen ‖ reiten vor dem Heer;
Wenn er ein Kaiser wäre, ‖ er könnte nimmermehr
Sich stattlicher gehaben; ‖ ihm glänzten in der Sonnen
Die lichten Eisenkleider; ‖ hoher Muth war ihm noch unzerronnen.
Da hatte sich Ortweinen ‖ Hartmuth auserkorn;Obwohl er ihn nicht kannte, ‖ doch trieb er mit den Sporen30Sein Ross in weiten Sprüngen ‖ heran zu Ortweinen.Die Speere neigten Beide: ‖ da sah man bald die lichten Panzer scheinen.
Da hatte sich Ortweinen ‖ Hartmuth auserkorn;
Obwohl er ihn nicht kannte, ‖ doch trieb er mit den Sporen30
Sein Ross in weiten Sprüngen ‖ heran zu Ortweinen.
Die Speere neigten Beide: ‖ da sah man bald die lichten Panzer scheinen.
Aufsprangen ihre Rosse: ‖ da hub sich lauter KlangVon der Könge Schwertern; ‖ sie verdienten beide Dank,Dass sie den Kampf erhuben ‖ mit so scharfen Streichen.Es waren kühne Helden: ‖ Keiner wollte vor dem andern weichen.20
Aufsprangen ihre Rosse: ‖ da hub sich lauter Klang
Von der Könge Schwertern; ‖ sie verdienten beide Dank,
Dass sie den Kampf erhuben ‖ mit so scharfen Streichen.
Es waren kühne Helden: ‖ Keiner wollte vor dem andern weichen.20
Da sah Horand der Däne ‖ Ortweinen wund;Da hub er an zu fragen: ‖ ‘Wer mir ungesundDen lieben Herren machte ‖ im Streit, das wüsst ich gerne.’Hartmuth der lachte; sie waren ‖ sich einander nicht zu ferne.
Da sah Horand der Däne ‖ Ortweinen wund;
Da hub er an zu fragen: ‖ ‘Wer mir ungesund
Den lieben Herren machte ‖ im Streit, das wüsst ich gerne.’
Hartmuth der lachte; sie waren ‖ sich einander nicht zu ferne.
Da sagt ihm Ortwein selber: ‖ ‘Das that Herr Hartmuth.’Da gab Frau Hildens Zeichen ‖ hinweg der Degen gut,Das er wohl tragen konnte ‖ sich selbst zu grosser EhreUnd dem Feind zum Schaden: ‖ Hartmuthen eilte hinterdrein der hehre.
Da sagt ihm Ortwein selber: ‖ ‘Das that Herr Hartmuth.’
Da gab Frau Hildens Zeichen ‖ hinweg der Degen gut,
Das er wohl tragen konnte ‖ sich selbst zu grosser Ehre
Und dem Feind zum Schaden: ‖ Hartmuthen eilte hinterdrein der hehre.
Hartmuth in seiner Nähe ‖ vernahm gar lauten Schall;Dabei sah er stürzen ‖ des rothen Blutes Schwall30Manchem aus den Wunden ‖ nieder zu den Füssen.Da sprach der kühne Degen: ‖ ‘Meiner Helden Schaden sollt ihr büssen.’
Hartmuth in seiner Nähe ‖ vernahm gar lauten Schall;
Dabei sah er stürzen ‖ des rothen Blutes Schwall30
Manchem aus den Wunden ‖ nieder zu den Füssen.
Da sprach der kühne Degen: ‖ ‘Meiner Helden Schaden sollt ihr büssen.’
Da wandt er sich hinwieder ‖ wo er Horand sah.Durch der Helden Stärke ‖ bald geschah es da,Dass Funken aus den Ringen ‖ vor ihre Augen flogen,Und auf den Helmspangen ‖ sich die geschwungnen Schwerterspitzen bogen.20
Da wandt er sich hinwieder ‖ wo er Horand sah.
Durch der Helden Stärke ‖ bald geschah es da,
Dass Funken aus den Ringen ‖ vor ihre Augen flogen,
Und auf den Helmspangen ‖ sich die geschwungnen Schwerterspitzen bogen.20
Wie erst dem kühnen Ortwein, ‖ so schlug er darnachNun Horand eine Wunde, ‖ dass ihm ein rother BachVon Hartmuthens Händen ‖ entsprang den Panzerringen.Der Degen war so tapfer: ‖ wer wollt ihm da sein Land noch aberzwingen?
Wie erst dem kühnen Ortwein, ‖ so schlug er darnach
Nun Horand eine Wunde, ‖ dass ihm ein rother Bach
Von Hartmuthens Händen ‖ entsprang den Panzerringen.
Der Degen war so tapfer: ‖ wer wollt ihm da sein Land noch aberzwingen?
Laut rief da Herwig: ‖ ‘Ist das hier wem bekannt:Wer ist jener Alte? ‖ der hat mit seiner HandSo viel der tiefen Wunden ‖ schon allhie gehauenMit seinen starken Kräften, ‖ dass es beweinen müssen schöne Frauen.’
Laut rief da Herwig: ‖ ‘Ist das hier wem bekannt:
Wer ist jener Alte? ‖ der hat mit seiner Hand
So viel der tiefen Wunden ‖ schon allhie gehauen
Mit seinen starken Kräften, ‖ dass es beweinen müssen schöne Frauen.’
Das erhörte Ludwig, ‖ der Vogt der Normandie.‘Wer ist es, der im Kampfe ‖ nach mir fragte hie?30Ich bin geheissen Ludwig ‖ von Normandie dem Reiche:Wüsst ich mit den Feinden ‖ noch zu streiten, säh man mich nicht weichen.’
Das erhörte Ludwig, ‖ der Vogt der Normandie.
‘Wer ist es, der im Kampfe ‖ nach mir fragte hie?30
Ich bin geheissen Ludwig ‖ von Normandie dem Reiche:
Wüsst ich mit den Feinden ‖ noch zu streiten, säh man mich nicht weichen.’
‘Herwig bin ich geheissen: ‖ du nahmest mir mein Weib:Die musst du wieder geben, ‖ sonst büsst es der LeibEines von uns beiden ‖ und Manches der Getreuen.’Da sprach der König Ludwig: ‖ ‘Willst du mir so in meinem Lande dräuen?’20
‘Herwig bin ich geheissen: ‖ du nahmest mir mein Weib:
Die musst du wieder geben, ‖ sonst büsst es der Leib
Eines von uns beiden ‖ und Manches der Getreuen.’
Da sprach der König Ludwig: ‖ ‘Willst du mir so in meinem Lande dräuen?’20
‘Du hast mir deine Beichte ‖ hier ohne Noth gethan.Hier ist noch mancher Andre, ‖ dem ich abgewannSein Gut und seine Freunde: ‖ du darfst mir zugetrauen,Ich will es also schaffen, ‖ dass du nimmer küssest deine Fraue.’
‘Du hast mir deine Beichte ‖ hier ohne Noth gethan.
Hier ist noch mancher Andre, ‖ dem ich abgewann
Sein Gut und seine Freunde: ‖ du darfst mir zugetrauen,
Ich will es also schaffen, ‖ dass du nimmer küssest deine Fraue.’
Nach dieser Rede liefen ‖ sich einander anDie beiden reichen Könige. ‖ Wer Glück bis jetzt gewannDem ergiengs nun übel ‖ durch seines Herrn Misslingen.Von ihren Bannern sah man ‖ manchen Helden hin zu ihnen springen.
Nach dieser Rede liefen ‖ sich einander an
Die beiden reichen Könige. ‖ Wer Glück bis jetzt gewann
Dem ergiengs nun übel ‖ durch seines Herrn Misslingen.
Von ihren Bannern sah man ‖ manchen Helden hin zu ihnen springen.
Herwig war tapfer ‖ und war auch kühn genug;Der Vater Hartmuthens ‖ den jungen König schlug,30Dass er von Ludwigs Händen ‖ nieder musste fallen;Er hätt ihn gern geschieden ‖ von seinem Leib und seinen Landen allen.
Herwig war tapfer ‖ und war auch kühn genug;
Der Vater Hartmuthens ‖ den jungen König schlug,30
Dass er von Ludwigs Händen ‖ nieder musste fallen;
Er hätt ihn gern geschieden ‖ von seinem Leib und seinen Landen allen.
Waren nicht so nahe ‖ Die in Herwigs Heer,Die ihm zu Hülfe sprangen, ‖ so konnt er nimmermehrBis zu seinem Ende ‖ von Ludwigen scheiden:So wusste der Alte ‖ den Jungen seine Nähe zu verleiden.20
Waren nicht so nahe ‖ Die in Herwigs Heer,
Die ihm zu Hülfe sprangen, ‖ so konnt er nimmermehr
Bis zu seinem Ende ‖ von Ludwigen scheiden:
So wusste der Alte ‖ den Jungen seine Nähe zu verleiden.20
Sie halfen Herwigen, ‖ dass er am Leben blieb.Als er sich nun erholte ‖ von des Alten Hieb,Empor sah man ihn blicken ‖ zu des Schlosses Zinnen,Ob auch seine Traute ‖ von dort herab gesehn auf sein Beginnen.
Sie halfen Herwigen, ‖ dass er am Leben blieb.
Als er sich nun erholte ‖ von des Alten Hieb,
Empor sah man ihn blicken ‖ zu des Schlosses Zinnen,
Ob auch seine Traute ‖ von dort herab gesehn auf sein Beginnen.
Er gedacht in seinem Muthe: ‖ ‘Ach, wie ist mir geschehn!Wenn Gudrun meine Herrin ‖ Solches hat ersehn,Erleb ich je die Stunde, ‖ dass ich sie soll umfahen,So wird sie mirs verweisen, ‖ wenn ich sie zu küssen will ihr nahen.
Er gedacht in seinem Muthe: ‖ ‘Ach, wie ist mir geschehn!
Wenn Gudrun meine Herrin ‖ Solches hat ersehn,
Erleb ich je die Stunde, ‖ dass ich sie soll umfahen,
So wird sie mirs verweisen, ‖ wenn ich sie zu küssen will ihr nahen.
Dass mich der greise Alte ‖ hier nieder hat geschlagen,Des muss ich sehr mich schämen.’ ‖ Sein Banner liess er tragen30Gegen König Ludwig ‖ vor allen seinen Mannen.Sie folgten ihrem Feinde: ‖ der sollte nun mit Nichten mehr von dannen.
Dass mich der greise Alte ‖ hier nieder hat geschlagen,
Des muss ich sehr mich schämen.’ ‖ Sein Banner liess er tragen30
Gegen König Ludwig ‖ vor allen seinen Mannen.
Sie folgten ihrem Feinde: ‖ der sollte nun mit Nichten mehr von dannen.
Ludwig erhörte ‖ hinter sich den Schall,Da wandt er sich zurücke ‖ wider ihn zumal;Da hört’ er auf den Helmen ‖ Schwerter viel erschallenDie da bei ihm waren, ‖ denen mochte wohl der Könge Grimm missfallen.20
Ludwig erhörte ‖ hinter sich den Schall,
Da wandt er sich zurücke ‖ wider ihn zumal;
Da hört’ er auf den Helmen ‖ Schwerter viel erschallen
Die da bei ihm waren, ‖ denen mochte wohl der Könge Grimm missfallen.20
Gudrunens Trauter ‖ unter Helm und SchildesrandErreichte Ludwigen ‖ mit kraftreicher Hand:Er schlug ihm solche Wunde, ‖ er konnte sich nicht rühren:Da musste König Ludwig ‖ hier den grimmen Tod von ihm erküren.
Gudrunens Trauter ‖ unter Helm und Schildesrand
Erreichte Ludwigen ‖ mit kraftreicher Hand:
Er schlug ihm solche Wunde, ‖ er konnte sich nicht rühren:
Da musste König Ludwig ‖ hier den grimmen Tod von ihm erküren.
Er schlug ihm gleich zur Stunde ‖ so festen Schwertesschwang,Dass das Haupt dem König ‖ von der Achsel sprang.Er hatt ihm wohl vergolten, ‖ dass er war gefallen.Der König war erstorben: ‖ da mussten schöne Augen überwallen.
Er schlug ihm gleich zur Stunde ‖ so festen Schwertesschwang,
Dass das Haupt dem König ‖ von der Achsel sprang.
Er hatt ihm wohl vergolten, ‖ dass er war gefallen.
Der König war erstorben: ‖ da mussten schöne Augen überwallen.
Da sprach zu seinen Mannen ‖ Hartmuth der Degen:‘Nun kehrt mit mir von dannen: ‖ so Mancher ist erlegen,30Die uns erschlagen wollten ‖ in diesem harten Streiten:Wir wollen heim zum Schlosse: ‖ da mögen wir wohl harren bessrer Zeiten.’
Da sprach zu seinen Mannen ‖ Hartmuth der Degen:
‘Nun kehrt mit mir von dannen: ‖ so Mancher ist erlegen,30
Die uns erschlagen wollten ‖ in diesem harten Streiten:
Wir wollen heim zum Schlosse: ‖ da mögen wir wohl harren bessrer Zeiten.’
Sie hatten viel der Degen ‖ gelassen hinter sich;Wär das Land ihr eigen, ‖ sie hätten sicherlichNicht besser sich gehalten; ‖ nun zogen sie vom Felde.Da sammelte sich Wate ‖ wohl mit tausend seiner kühnen Helden.20
Sie hatten viel der Degen ‖ gelassen hinter sich;
Wär das Land ihr eigen, ‖ sie hätten sicherlich
Nicht besser sich gehalten; ‖ nun zogen sie vom Felde.
Da sammelte sich Wate ‖ wohl mit tausend seiner kühnen Helden.20
Er zog bis an die Pforte ‖ heran mit grosser Kraft,Wo Hartmuth einziehn wollte ‖ mit seiner Ritterschaft—Doch könnt ers nicht vollbringen. ‖ Er liess sichs nicht verdriessen,Dass sie von der Mauer ‖ manchen Laststein sahen niederschiessen.
Er zog bis an die Pforte ‖ heran mit grosser Kraft,
Wo Hartmuth einziehn wollte ‖ mit seiner Ritterschaft—
Doch könnt ers nicht vollbringen. ‖ Er liess sichs nicht verdriessen,
Dass sie von der Mauer ‖ manchen Laststein sahen niederschiessen.
Da sah ihn Herr Hartmuth ‖ vor der Veste Thor.Er sprach: ‘Was wir verdienet ‖ haben hiebevor,Das will sich heute wahrlich ‖ mit Zorn an uns bekunden:Die Gesunden haben Sorge ‖ und ringsum liegen viel der Fährlichwunden.
Da sah ihn Herr Hartmuth ‖ vor der Veste Thor.
Er sprach: ‘Was wir verdienet ‖ haben hiebevor,
Das will sich heute wahrlich ‖ mit Zorn an uns bekunden:
Die Gesunden haben Sorge ‖ und ringsum liegen viel der Fährlichwunden.
Ich kann jedoch nicht fliegen; ‖ Federn hab ich nicht.Noch durch die Erde kriechen, ‖ wär es gleich hier Pflicht.30Uns wehren auch die Feinde, ‖ dass wir ans Wasser kämen:Meinen Rath den besten ‖ lass ich euch bescheidentlich vernehmen.
Ich kann jedoch nicht fliegen; ‖ Federn hab ich nicht.
Noch durch die Erde kriechen, ‖ wär es gleich hier Pflicht.30
Uns wehren auch die Feinde, ‖ dass wir ans Wasser kämen:
Meinen Rath den besten ‖ lass ich euch bescheidentlich vernehmen.
Es kann nicht anders werden, ‖ ihr edeln Ritter gut,Steigt nieder zu der Erden ‖ und hauet heisses BlutAus den lichten Ringen! ‖ das lasst euch nicht verdriessen.’Sie sprangen aus den Sätteln, ‖ indem sie rasch zurück die Rosse stiessen.20
Es kann nicht anders werden, ‖ ihr edeln Ritter gut,
Steigt nieder zu der Erden ‖ und hauet heisses Blut
Aus den lichten Ringen! ‖ das lasst euch nicht verdriessen.’
Sie sprangen aus den Sätteln, ‖ indem sie rasch zurück die Rosse stiessen.20
‘Nun zu, ihr Ehrenfesten,’ ‖ sprach da Hartmuth:‘Geht näher zu der Veste! ‖ seis übel oder gut,Ich muss zum alten Wate: ‖ wie mir da gelinge,Ich will doch versuchen, ‖ ob ich den nicht von der Pforte bringe.’
‘Nun zu, ihr Ehrenfesten,’ ‖ sprach da Hartmuth:
‘Geht näher zu der Veste! ‖ seis übel oder gut,
Ich muss zum alten Wate: ‖ wie mir da gelinge,
Ich will doch versuchen, ‖ ob ich den nicht von der Pforte bringe.’
Mit aufgehobnen Schwertern ‖ schritten sie heran,Hartmuth der kühne ‖ und Die in seinem Bann.Er bestand den grimmen Wate: ‖ des freute sich der Degen.Man hörte Schwerter klingen: ‖ da sind der Helden desto mehr erlegen.
Mit aufgehobnen Schwertern ‖ schritten sie heran,
Hartmuth der kühne ‖ und Die in seinem Bann.
Er bestand den grimmen Wate: ‖ des freute sich der Degen.
Man hörte Schwerter klingen: ‖ da sind der Helden desto mehr erlegen.
Eilends kam da Ortrun, ‖ die bang die Hände wand,Die junge Königstochter ‖ von der Normannen Land,30Zu Gudrun der schönen: ‖ die junge Maid, die hehre,Fiel ihr zu Füssen klagend, ‖ dass ihr Vater Ludwig erschlagen wäre.
Eilends kam da Ortrun, ‖ die bang die Hände wand,
Die junge Königstochter ‖ von der Normannen Land,30
Zu Gudrun der schönen: ‖ die junge Maid, die hehre,
Fiel ihr zu Füssen klagend, ‖ dass ihr Vater Ludwig erschlagen wäre.
Sie sprach: ‘Lass dich erbarmen, ‖ edles Fürstenkind,So vieler von den Meinen, ‖ die hier erstorben sind;Gedenke, wie zu Muthe ‖ dir war, als man dir deinenVater hat erschlagen: ‖ nun hab ich hier verloren heut den meinen.20
Sie sprach: ‘Lass dich erbarmen, ‖ edles Fürstenkind,
So vieler von den Meinen, ‖ die hier erstorben sind;
Gedenke, wie zu Muthe ‖ dir war, als man dir deinen
Vater hat erschlagen: ‖ nun hab ich hier verloren heut den meinen.20
Nun sieh, edle Königin, ‖ wie gross ist diese Noth:Mein Vater, meine Freunde, ‖ schier Alle sind sie todt;Nun seh ich auch den Bruder ‖ Waten mir gefährden!Wird Hartmuth auch erschlagen, ‖ so muss ich ganz zu einer Waise werden.
Nun sieh, edle Königin, ‖ wie gross ist diese Noth:
Mein Vater, meine Freunde, ‖ schier Alle sind sie todt;
Nun seh ich auch den Bruder ‖ Waten mir gefährden!
Wird Hartmuth auch erschlagen, ‖ so muss ich ganz zu einer Waise werden.
Vergilt nun meine Liebe’ ‖ sprach das edle Kind,‘Als Niemand dich beklagte ‖ von Allen, die hier sind,Und du zum Freunde hattest ‖ niemand als mich alleine;Man that dir viel zu Leide; ‖ zu allen Zeiten musst ich um dich weinen.’
Vergilt nun meine Liebe’ ‖ sprach das edle Kind,
‘Als Niemand dich beklagte ‖ von Allen, die hier sind,
Und du zum Freunde hattest ‖ niemand als mich alleine;
Man that dir viel zu Leide; ‖ zu allen Zeiten musst ich um dich weinen.’
Da sprach die Tochter Hildens: ‖ ‘Das hast du oft gethan;Doch weiss ich nicht, wie diesem ‖ Streit ich wehren kann:30Wär ich nur ein Recke, ‖ dass ich Waffen trüge,Ich wollt ihn gerne scheiden, ‖ dass den Bruder Niemand dir erschlüge.’
Da sprach die Tochter Hildens: ‖ ‘Das hast du oft gethan;
Doch weiss ich nicht, wie diesem ‖ Streit ich wehren kann:30
Wär ich nur ein Recke, ‖ dass ich Waffen trüge,
Ich wollt ihn gerne scheiden, ‖ dass den Bruder Niemand dir erschlüge.’
Mit ängstlichen Klagen ‖ flehte sie und bat,Bis da endlich Gudrun ‖ in das Fenster trat:Sie winkte mit der weissen Hand ‖ und fragte laut um Märe,Ob aus ihrer Heimat ‖ nicht hier jemand in der Nähe wäre?20
Mit ängstlichen Klagen ‖ flehte sie und bat,
Bis da endlich Gudrun ‖ in das Fenster trat:
Sie winkte mit der weissen Hand ‖ und fragte laut um Märe,
Ob aus ihrer Heimat ‖ nicht hier jemand in der Nähe wäre?20
Da gab ihr Herwig Antwort, ‖ ein edler Ritter gut:‘Wer seid ihr, edle Jungfrau, ‖ die solche Frage thut?’Sie sprach: ‘Ich heisse Gudrun, ‖ die Enkelin des Hagen:Wie reich ich war vor Zeiten, ‖ hier seh ich anders nichts als leide Tage.’
Da gab ihr Herwig Antwort, ‖ ein edler Ritter gut:
‘Wer seid ihr, edle Jungfrau, ‖ die solche Frage thut?’
Sie sprach: ‘Ich heisse Gudrun, ‖ die Enkelin des Hagen:
Wie reich ich war vor Zeiten, ‖ hier seh ich anders nichts als leide Tage.’
Er sprach: ‘Seid ihr es, Gudrun, ‖ die liebe Herrin mein?Euch zu dienen will ich ‖ stets beflissen sein;Ich aber heisse Herwig, ‖ den eure Huld soll trösten:Ich lass euch das wohl schauen, ‖ dass ich euch gern aus allem Leid erlöste.’
Er sprach: ‘Seid ihr es, Gudrun, ‖ die liebe Herrin mein?
Euch zu dienen will ich ‖ stets beflissen sein;
Ich aber heisse Herwig, ‖ den eure Huld soll trösten:
Ich lass euch das wohl schauen, ‖ dass ich euch gern aus allem Leid erlöste.’
Sie sprach: ‘Wollt ihr mir dienen, ‖ Ritter auserwählt,So hoff ich, dass ihr solches ‖ mir nicht zum Unrecht zählt:30Mich bitten hier so dringend ‖ diese schönen Maide,Dass man Hartmuthen ‖ von dem Grimm des alten Wate scheide.’
Sie sprach: ‘Wollt ihr mir dienen, ‖ Ritter auserwählt,
So hoff ich, dass ihr solches ‖ mir nicht zum Unrecht zählt:30
Mich bitten hier so dringend ‖ diese schönen Maide,
Dass man Hartmuthen ‖ von dem Grimm des alten Wate scheide.’
‘Das will ich gerne leisten, ‖ liebe Herrin du.’Laut rief da Herwig ‖ seinen Recken zu:‘Nun bringt zu Watens Feinden ‖ mein Banner hin geschwinde.’Da drängte durch die Scharen ‖ sich Herwig und all sein Ingesinde.20
‘Das will ich gerne leisten, ‖ liebe Herrin du.’
Laut rief da Herwig ‖ seinen Recken zu:
‘Nun bringt zu Watens Feinden ‖ mein Banner hin geschwinde.’
Da drängte durch die Scharen ‖ sich Herwig und all sein Ingesinde.20
Da ward von Herwig Grosses ‖ im Frauendienst gethan;Mit lauter Stimme rief er ‖ den alten Wate an:‘Wate,’ sprach er, ‘lieber Freund, ‖ vergönnet uns zu scheidenDieses grimme Streiten: ‖ das bitten euch die minniglichen Maide.’
Da ward von Herwig Grosses ‖ im Frauendienst gethan;
Mit lauter Stimme rief er ‖ den alten Wate an:
‘Wate,’ sprach er, ‘lieber Freund, ‖ vergönnet uns zu scheiden
Dieses grimme Streiten: ‖ das bitten euch die minniglichen Maide.’
Wate sprach im Zorne: ‖ ‘Herr Herwig geht doch hin!Soll ich nun Frauen folgen? ‖ wo hätt ich meinen Sinn,Wenn ich die Feinde sparte? ‖ da wär ich wohl zu schelten;Darin folg ich euch nimmer: ‖ Hartmuth muss seiner Frevel hier entgelten.’
Wate sprach im Zorne: ‖ ‘Herr Herwig geht doch hin!
Soll ich nun Frauen folgen? ‖ wo hätt ich meinen Sinn,
Wenn ich die Feinde sparte? ‖ da wär ich wohl zu schelten;
Darin folg ich euch nimmer: ‖ Hartmuth muss seiner Frevel hier entgelten.’
Gudrun zu Liebe ‖ zu den Kämpfern sprangHerwig der kühne; ‖ da vernahm man Schwerterklang.30Wate war erzürnet, ‖ er mocht es niemals leiden,Wenn es Jemand wagte, ‖ ihn im Kampf von seinem Feind zu scheiden.
Gudrun zu Liebe ‖ zu den Kämpfern sprang
Herwig der kühne; ‖ da vernahm man Schwerterklang.30
Wate war erzürnet, ‖ er mocht es niemals leiden,
Wenn es Jemand wagte, ‖ ihn im Kampf von seinem Feind zu scheiden.
Da schlug er Herwigen ‖ einen grimmen Schlag,Dass Der sie scheiden wollte ‖ vor ihm am Boden lag.Da sprangen seine Recken ‖ und halfen ihm von dannen.Gefangen ward da Hartmuth ‖ Herwig zum Trotz und allen seinen Mannen.
Da schlug er Herwigen ‖ einen grimmen Schlag,
Dass Der sie scheiden wollte ‖ vor ihm am Boden lag.
Da sprangen seine Recken ‖ und halfen ihm von dannen.
Gefangen ward da Hartmuth ‖ Herwig zum Trotz und allen seinen Mannen.