JOHANNES PAULI.
[Scherer D.298,E.295.]
Geboren, 1455 zu Pfeddersheim von jüdischen Eltern, trat zur katholischen Kirche über, wurde Franciscaner und starb 1530 zu Thann im Oberelsass. Er war ein Anhänger Geilers von Kaisersberg und sammelte dessen Predigten. Sein Buch ‘Schimpf und Ernst’ ist eine Sammlung von 700 Schwänken, Erzählungen, Fabeln, Anekdoten u. dgl. Herausgegeben von Österley (Stuttgart, 1866).
Geboren, 1455 zu Pfeddersheim von jüdischen Eltern, trat zur katholischen Kirche über, wurde Franciscaner und starb 1530 zu Thann im Oberelsass. Er war ein Anhänger Geilers von Kaisersberg und sammelte dessen Predigten. Sein Buch ‘Schimpf und Ernst’ ist eine Sammlung von 700 Schwänken, Erzählungen, Fabeln, Anekdoten u. dgl. Herausgegeben von Österley (Stuttgart, 1866).
SCHIMPF UNDERNST.
DIE BEIDENBLINDEN.
Es stunden auff ein mal zwei blinden vnder einem thor, da der künig oben in dem sal sasz vnd asz vnd mocht zů demselbigen thor sehen, vnd sahe wer da vsz vnd yn gieng. Da schrei der ein blind. O wie ist dem so wol geholffen, dem der Künig oder Keiser wil helffen. Da fieng der ander blind auch an zůschreien vnd sprach, O wie is dem so wol geholffen, dem got wil helffen! vnd also eins vmb das anders schrauwen die zwen blinden, dieweil der keiser{10}oder künig asz. Der keiser wolt doch versůchen was sie für glück hetten, vnd liesz zwen kůchen bachen, vnd in den einen thet er vil guldin, das er schwer was, in den andern thet er vil dottenbein, das er leicht was, und hiesz dem blinden den schweren kůchen geben, der da zů dem künig schrei, da ieglicher sein kůchen het, da giengen die blinden zůsammen, vnd fragten einander was im worden wer. Der ein sprach, man hat mir als ein leichten kochen geben. Da sprach der ander, so ist meiner als schwer, ich mein es sei häbere brot lieber lassen vns tuschen mit einander, ich hab alwegen gehört, brot bei der leichte, vnd kesz bei{20}der schwere. Die tuschten mit einander, morgens kam der aber vnd schrei. O wie ist dem so wol geholffen, dem der künig wil helffen. Der ander blind kem nit me, er het gnůg. Der keiser kam vnd liesz den blinden fragen, wa er den kůchen hin het gethon. Der blind sprach, er het mit dem andern blindengetuscht, wan er wer leichter gewesen dan der sein. Da sprach der künig, der ander blind hat noch recht geschruwen, das dem wol geholffen ist dem got wil helffen. Du solt nichtz haben, darumb bleib du in dem ellend.