NICLAS MANUEL.
[Scherer D.286,E.284.]
Geboren etwa 1484 zu Bern; Maler, Staatsmann und Soldat. Er schrieb reformatorische Tendenzdramen, einen poetischen Dialog und einen prosaischen Dialog ‘die Krankheit der Messe’ 1528. Er starb 1530. Herausgegeben von Grüneisen (Stuttgart 1837); Bächtold (Frauenfeld 1878).
Geboren etwa 1484 zu Bern; Maler, Staatsmann und Soldat. Er schrieb reformatorische Tendenzdramen, einen poetischen Dialog und einen prosaischen Dialog ‘die Krankheit der Messe’ 1528. Er starb 1530. Herausgegeben von Grüneisen (Stuttgart 1837); Bächtold (Frauenfeld 1878).
DIE KRANKHEIT DERMESSE.
Cuderli Nebelkapp.
Land üch lingen[700]ir herren, die arzet! dann die Mess ist ie lenger ie schwecher, sie kürblet[701]und lurket[702]an der red.
Doctor Schryegk[703].
Herr früemesser, bringend uns unsern herrgott, dass wir sie versorgend!
Früemesser[704].
Herr doctor, ich mag in nit erlangen! der himel ist sin stůl und die erd sin fůssschemel, wie möcht ich in erlüpfen[705]?
Doctor Schryegk.
Ich mein, du syest völler narren, dann der summer mugken! bring uns unsern herrgott, oder du můst gen Costenz uf die schiben[706],{10}bi dem gott, den ich hüt gehept und gelegt hab.
Früemesser.
Hand ir in hüt gehept, wo hand ir in hingelegt?
Doctor Heioho[707].
Ich hab in gessen, weistu’s nun? ich hab in gessen.
Früemesser.
Ich mein, ir syend völler fantasten, dann ein zotteter hund flöchen im ougsten[708], und unsinniger, dann die süw[709], die sich im meer ertrankten, Matth. am viii ca. Hand ir in hüt gessen, wo sol dann ich in nemen? Lieber, ja schickend eins wegs nach dem{20}wind, der üch fern[710]das hüetlin abwarf und heissend mich glich ouch S. Bernharts berg zum goltschmid dragen, dass er in in ein gulden ring fasse, an ein finger zů stecken! Das sind mir gůt sachen!
Doctor Heioho.
Nit vil gespeiws[711]und wenig kramanzens[712]! nemend die schlüssel und bringend uns us dem sacramenthüsli den zarten fronlichnam Christi!
Früemesser.
Er sitzt zů der gerechten sins vaters im himel, oder unsere artickel des waren christlichen gloubens, ja die ganz heilig geschrift müest falsch sin; er ist erstanden und ist nit hie. Luce am xxiiii. Grifend ir ufhin und nemend in abher, ich bin im zů kurz, ir aber sind gross Hansen[713]!
Doctor Heioho.
Schnell bring uns du, caplan, das heilig öl! die zit nahet sich.
Caplan.
{10}Ich merk wol, ir meinend das öl, das man vom bischof kouft hat; des ist nit mer im büchslin, der sigrist[714]hat die schůch mit gesalbet.
Doctor Heioho.
So ist er im ban, da mag im niemant vor sin! er můss es tür gnůg bezalen.
Doctor Schryegk.
Schnell bringend ein liecht! louf zum beinhus! bi den ampelen zünd an wunder behend!
Sixst Stichdennebel.
{20}Do ist weder für noch liecht, kerzen noch ampelen; ir send[715]sin nun nüt denken! es sind dis jars ob den zehen tusent müs und ratzen hungers tot, und küechlet[716]des kilchherrn junkfrouw nit halb als vil, als vor vier jaren.
Doctor Heioho.
So hör ich wol, man brent den lieben selen weder öle, anken[717]noch unschlit und tůt inen nüt gůts nach. Dass gott erbarm, warzů ist es komen! Wer hat die irrung hie pflanzet, oder was ist die ursach?
Pauli Wattimtauw[718].
{30}Als der römisch versprochen aplass so vil schuldig was und gelten solt, dass er mit dem schelmen vom land můst loufen, hat er vor und e den nachtliechtern grosse ding verheissen; darumb sindsie im nachzogen, aber sie werdent alle erlöschen, ob sie in betretend, sonder so sie nit zůschub, stür[719]und hitz vom fegfür hand.
Burki Reigelbett[720].
Was darf man ir, der nachtliechter? die totenschedel sehend nüt, so tanzen die hülznen götzen nit; so hat gott erschaffen alle liechter, himelisch und irdisch, bi im ist die ewig klarheit und kein finsternuss. Darumb ist es ein heidnische torheit, im understan mit liechtern zů dienen.
{10}Doctor Thoman Katzenlied[721].
Bringend uns doch ein wenig palmen[722], dass wir ein gesegneten rouch machend für das bös gespenst[723]!
Wolfgang Adlerei[724].
Die wiber hand vor vier jaren das fleisch mit gereucht und sidher kein nimmermer lassen beschweren.
Doctor Lügegk[725].
Wo nun us? sprach der fuchs in der fallen; ietz sind wir im meer on schiff und růder. Wer kan kuechlen on für und anken, oder on federen fliegen? Es wär glich als müglich, das ganz meer{20}an den regenbogen zů henken wie ein brotwurst an ein stecken, dass es tüerr und drucken[726]wurd, als diser Mess zů helfen, so sie schon verlorn hat die rechten herzadern, nemlich das fegfür, welches in siner flucht mit im hinweg gefüert hat begrebt, dritten, sibenden, drissgost[727], vigilg und jarzit, sampt iren opfern, liechtern, wiewasser, öl und palmen. Nun rat, räter gůt, wie wir unbrämpt[728]vom kessel komend, es hilft doch weder schryen noch salben.
Doctor Heioho.
Sölt sie uns undern henden sterben, so wurd uns nüt für den arzetlon; darumb wil not sin, uns von hinnen zů füegen! ob sie{30}denn in unserm abwesen stirbt, so wend wir sprechen, sie si ermördt.
Doctor Schryegk.
Ich folg, ir hand’s erraten und wol troffen! hetten wir die hamerankensalb[729], so wir verschmirbt hand, wider in der büchsen, wir wöltend uns selber mit salben. Das ist nun ein verlorne red, bringt eben als vil frucht, als vogellim im pfeffer. Ich rat, wir ritend von hinnen, und wer uns fragt: wie stat es umb die Mess? wend wir antwurten: wol, wol, marter liden wol[730]! sie hatt’ gestern ein vortanz mit dem legaten.
Doctor Lügegken knecht, Fäit Verzechdenstifel.
{10}Potz marter, herr! wo wölt ir mit den süwen[731]allen hin, die ir dise jar mit üch heim bringend? Man würt uns für fürköufer uffahen.
Doctor Schryegk.
Lass meich ungefatzt[732]! dass deich sant Veltins arbeit besteh, els[733]bůben! eich hab sunst gnůg, das meich betrübt, woltst du meich erst gespoien[734]?
Datum zů Bergkwasser wind, nebem stubenoffen, vff der zůkunfft desHerren Nachtmals.M.D. XXVIII.
Datum zů Bergkwasser wind, nebem stubenoffen, vff der zůkunfft desHerren Nachtmals.M.D. XXVIII.
Datum zů Bergkwasser wind, nebem stubenoffen, vff der zůkunfft desHerren Nachtmals.M.D. XXVIII.
Datum zů Bergkwasser wind, nebem stuben
offen, vff der zůkunfft des
Herren Nachtmals.
M.D. XXVIII.