Chapter 11

[545]Bissolati, "Das Ergebnis der ital. Wahlen", p. 958.

[545]Bissolati, "Das Ergebnis der ital. Wahlen", p. 958.

[546]Allg. Ztg. 20. und 26./9. 04; Musée soc., a. a. O. p. 483, 484;Bourdeau, p. 434.

[546]Allg. Ztg. 20. und 26./9. 04; Musée soc., a. a. O. p. 483, 484;Bourdeau, p. 434.

[547]Bömelburg, (Prot. Gewft. Kongr. Köln 05, p. 220).

[547]Bömelburg, (Prot. Gewft. Kongr. Köln 05, p. 220).

[548]Leimpeters, "Zum G-str.", p. 883.

[548]Leimpeters, "Zum G-str.", p. 883.

[549]Marazio, p. 158.

[549]Marazio, p. 158.

[550]Allg. Ztg. 20./9. 04.

[550]Allg. Ztg. 20./9. 04.

[551]Da sie sich wohl der Nutzlosigkeit eines Fortsetzungsversuches bewußt war, so empfahl sie die Wiederaufnahme der Arbeit für den 19., welcher Beschluß am 18. den übrigen Arbeitskammern Italiens mitgeteilt wurde. Nur in Mailand selbst verschob ein Volksversammlungsbeschluß die Wiederaufnahme der Arbeit noch bis auf den 21., und auch in Neapel dauerte der Streik (der Lokomotivführer und Heizer) noch einige Zeit.

[551]Da sie sich wohl der Nutzlosigkeit eines Fortsetzungsversuches bewußt war, so empfahl sie die Wiederaufnahme der Arbeit für den 19., welcher Beschluß am 18. den übrigen Arbeitskammern Italiens mitgeteilt wurde. Nur in Mailand selbst verschob ein Volksversammlungsbeschluß die Wiederaufnahme der Arbeit noch bis auf den 21., und auch in Neapel dauerte der Streik (der Lokomotivführer und Heizer) noch einige Zeit.

[552]Bissolati, a. a. O.

[552]Bissolati, a. a. O.

Der Streik endete im allgemeinen so rasch, wie er begonnen hatte. Die Arbeit wurde ohne belangreiche Schwierigkeiten wieder aufgenommen.[553]Trotzdem legte der Streik dem Proletariat "Riesenopfer", "ungeheure materielle Opfer" auf.[554]Der sogenannte Erfolg des Proletariats war also reichlich teuer erkauft.

[553]Roland-Holst, "G-str. und Sozd.", p. 71;Olberg, p. 19, 24;Bourdeau, p. 433.

[553]Roland-Holst, "G-str. und Sozd.", p. 71;Olberg, p. 19, 24;Bourdeau, p. 433.

[554]Leimpeters, p. 883;Olberg, "Die ital. Wahlen", p. 278. 6 Personen wurden infolge des Streiks durch die bewaffnete Macht getötet (4 in Genua, je 1 in Turin und Neapel); dazu zahlreiche Verwundungen, Verhaftungen, einige Hunderte von Verurteilungen.

[554]Leimpeters, p. 883;Olberg, "Die ital. Wahlen", p. 278. 6 Personen wurden infolge des Streiks durch die bewaffnete Macht getötet (4 in Genua, je 1 in Turin und Neapel); dazu zahlreiche Verwundungen, Verhaftungen, einige Hunderte von Verurteilungen.

Und auch die Nachwirkungen des Ausstands ergeben keine günstigere Bilanz. Die nur schwach besuchte Versammlung der äußersten Linken war wenig erfolgreich,[555]da der Streik die linksliberalen Parteien verstimmt, weite Kreise aber geradezu empört hatte.[556]Auf deren Drängen löste die Regierung dieKammer auf und setzte die Neuwahlen schon für den 6. November an.[557]Diese, noch unter dem frischen Eindruck des Streiks vorgenommen, hatten natürlich eine Stärkung der Rechten zur Folge.[558]Kammer und Senat mißbilligten auf's Entschiedenste die Zurückhaltung der Regierung während des Streiks.[559]Giolitti, der bereits im Wahlaufruf der Regierung den Generalstreik einen "abuso di libertà" genannt hatte, versprach, die Angestellten der Eisenbahnen und der unentbehrlichsten "pubblici servizi" im Streikrecht zu beschränken.[560]Dementsprechend verfuhr er in seinem Entwurf für den Eisenbahnrückkauf. Die Eisenbahner wehrten sich durch die originelle Erfindung der "Dienstobstruktion", die am 26. Februar 1905 begann und erst am 5. März, nachGiolittisRücktritt, beendet wurde.[561]Aber die Verstaatlichungsvorlage seines Nachfolgers (Fortis) entzog den Eisenbahnern durch Verleihung der Beamtenqualität[562]ebenfalls das Streikrecht. Die Vorlage wurde von der Kammer angenommen, obgleich die Eisenbahner ihren Protest durch einen allgemeinen Ausstand zum Ausdruck brachten.[563]Dieser Entwicklung der Dinge entsprach es auch, daß trotzGiolittisZusage wieder Militär bei Streiks zur Verwendung kam.[564]Den Folgen auf parlamentarischemGebiet entsprachen die auf kommunalem. Alle Städte, in denen die Sozialisten auch nur 24 Stunden regiert hatten, sollen sich von ihnen abgewandt haben; besonders verloren sie auch ihre Herrschaft im Mailänder Gemeinderat,[565]und viele Kommunalverwaltungen entzogen alsbald den Arbeitskammern die bisher gewährte Unterstützung.[566]

[555]Allg. Ztg. 26./9. 04.

[555]Allg. Ztg. 26./9. 04.

[556]Bissolati, "Die Entscheidung in Rom", und "Das Ergebnis der ital. Wahlen", p. 958;Marazio, p. 168, sagt: "lo sciopero generale colmò la misura, e destò un così vivo e profondo sdegno nella pubblica opinione, da indurla a mandare un grido d'orrore contro il governo, che aveva lasciato passare la furia devastatrice senza farle argine".

[556]Bissolati, "Die Entscheidung in Rom", und "Das Ergebnis der ital. Wahlen", p. 958;Marazio, p. 168, sagt: "lo sciopero generale colmò la misura, e destò un così vivo e profondo sdegno nella pubblica opinione, da indurla a mandare un grido d'orrore contro il governo, che aveva lasciato passare la furia devastatrice senza farle argine".

[557]Vgl.Olberg, "Nachträgliches zum Eisenbahnerstreik", p. 380;Bissolati, "Das Ergebnis der ital. Wahlen", p. 958;Turati, a. a. O.

[557]Vgl.Olberg, "Nachträgliches zum Eisenbahnerstreik", p. 380;Bissolati, "Das Ergebnis der ital. Wahlen", p. 958;Turati, a. a. O.

[558]Turati, a. a. O.;Bissolati, a. a. O.;Bömelburg, a. a. O. Es hatte sich infolge des G-streiks das in der Bildung begriffene Kartell der Volksparteien gelöst; Radikale und Sozialisten schritten also getrennt zur Wahl; übrigens behaupteten die Sozialisten die Zahl ihrer Mandate (soweit dieselben selbständig erworbene waren, vgl.Marazio, p. 162), verdoppelten auch die Zahl ihrer Stimmen von 164 946 (1900) auf 316 000 (vgl. Rdsch. Soz. Mh. 05, p. 88); von einem Vergleich mit den Ergebnissen der dazwischenliegenden Erneuerungswahlen, deren Zahlen auf Grund von Wahlkompromissen unverhältnismäßig angewachsen sein sollen, sei abzusehen (vgl.Olberg, "Die ital. Wahlen").

[558]Turati, a. a. O.;Bissolati, a. a. O.;Bömelburg, a. a. O. Es hatte sich infolge des G-streiks das in der Bildung begriffene Kartell der Volksparteien gelöst; Radikale und Sozialisten schritten also getrennt zur Wahl; übrigens behaupteten die Sozialisten die Zahl ihrer Mandate (soweit dieselben selbständig erworbene waren, vgl.Marazio, p. 162), verdoppelten auch die Zahl ihrer Stimmen von 164 946 (1900) auf 316 000 (vgl. Rdsch. Soz. Mh. 05, p. 88); von einem Vergleich mit den Ergebnissen der dazwischenliegenden Erneuerungswahlen, deren Zahlen auf Grund von Wahlkompromissen unverhältnismäßig angewachsen sein sollen, sei abzusehen (vgl.Olberg, "Die ital. Wahlen").

[559]Marazio, p. 160, 173, 174.

[559]Marazio, p. 160, 173, 174.

[560]vgl.Marazio, p. 170;Turati, a. a. O.

[560]vgl.Marazio, p. 170;Turati, a. a. O.

[561]Rdsch. Soz. Mh. April 05, p. 345;Lerda, "Ostruzionismo ferroviario e politica proletaria", p. 376.

[561]Rdsch. Soz. Mh. April 05, p. 345;Lerda, "Ostruzionismo ferroviario e politica proletaria", p. 376.

[562]Marazio, p. 177 ff.;Olberg, "Nachträgliches zum Eisenbahnerstreik", p. 380.

[562]Marazio, p. 177 ff.;Olberg, "Nachträgliches zum Eisenbahnerstreik", p. 380.

[563]Der Ausstand begann am 17. April und brach nach Annahme des Entwurfs in der Kammer sofort zusammen; offiziell wurde er übrigens erst am 21. April für beendet erklärt, nachdem die Versuche, die andern Gewerkschaften, besonders Tram- und Gasarbeiter zum Eintritt in einen allgem. Streik zu bewegen, völlig gescheitert waren (vgl. Rdsch. Soz. Mh. 05, p. 557-558; Soz. Praxis 1905;Marazio, a. a. O.).

[563]Der Ausstand begann am 17. April und brach nach Annahme des Entwurfs in der Kammer sofort zusammen; offiziell wurde er übrigens erst am 21. April für beendet erklärt, nachdem die Versuche, die andern Gewerkschaften, besonders Tram- und Gasarbeiter zum Eintritt in einen allgem. Streik zu bewegen, völlig gescheitert waren (vgl. Rdsch. Soz. Mh. 05, p. 557-558; Soz. Praxis 1905;Marazio, a. a. O.).

[564]1905 z. B. soll abermals eine solche "Metzelei" (vgl.Bebel, Prot. Parteitg. Jena 05, p. 306) stattgefunden haben. Auch bei dem eintägigen G-str., der am 10. Mai 06 aus Sympathie für streikende Turiner Baumwollarbeiter in einer größeren Zahl der bedeutendsten Städte Italiens ausbrach, kam es zu Zusammenstößen mit dem Militär (Soz. Prx. 17./5. 1906, Sp. 863). Auch der kurze Generalstreik vom Oktober 1907 (hauptsächlich in Mailand und Bologna) führte zu Zusammenstößen.

[564]1905 z. B. soll abermals eine solche "Metzelei" (vgl.Bebel, Prot. Parteitg. Jena 05, p. 306) stattgefunden haben. Auch bei dem eintägigen G-str., der am 10. Mai 06 aus Sympathie für streikende Turiner Baumwollarbeiter in einer größeren Zahl der bedeutendsten Städte Italiens ausbrach, kam es zu Zusammenstößen mit dem Militär (Soz. Prx. 17./5. 1906, Sp. 863). Auch der kurze Generalstreik vom Oktober 1907 (hauptsächlich in Mailand und Bologna) führte zu Zusammenstößen.

[565]Bourdeau, p. 434.

[565]Bourdeau, p. 434.

[566]Turati, a. a. O.

[566]Turati, a. a. O.

In materieller Hinsicht stellt der italienische Generalstreik also zweifelsohne eine "total verkrachte Aktion"[567]dar. Steht diesem Nachteil aber wirklich wenigstens ein "rein ideeller Vorteil"[568]gegenüber? Ein positiver Gewinn, wenn auch nur an Imponderabilien, wird in der Tatsache gefunden, daß der Generalstreik dazu beigetragen haben soll, "die Methode der Reformisten klar zu legen und dadurch zu stärken".[569]Zwar gelang es ihm nicht, das Proletariat vor einem weitern Fehlgriff, dem Eisenbahnerstreik 1905, zu bewahren. Immerhin schädigte er, als abschreckendes Beispiel, das Renommee der Syndikalisten und trug vielleicht auch einiges zum "Sieg" der Reformisten auf dem Parteitag in Rom bei. Man hat ferner auch darin einen Gewinn finden wollen, daß der Generalstreik, als schärfste Veranschaulichung des Klassenkampfs, die Partei von allen Gefühlssozialisten und kleinbürgerlichen Mitläufern gereinigt habe, so daß sie nun nur noch aus erprobten und zuverlässigen Klassenkämpfern bestehe; oder daß der Generalstreik das Solidaritätsgefühl, indem er es "vor eine Feuerprobe stellte", "unermeßlich" gesteigert habe;[570]der Generalstreik sei die "feierliche Mündigkeitserklärung" des italienischen Proletariats[571]und er bedeute, weil er sich wiederholen könne und wiederholen müsse,[572]eine nützliche "Drohung für die herrschenden Klassen".[573]Doch können solche Konstruktionen über den tatsächlichen Mißerfolg nicht hinwegtäuschen. Wenn man auch dem italienischen Generalstreik, dieser "grandiosa dimostrazione della forza proletaria",[574]die ihre Wurzel im moralischen Empfinden, im Solidaritätsgefühl von Hunderttausenden hatte, eine gewisse Bewunderung nicht versagen kann, so mußman sie doch, vom objektiven Standpunkt aus als eine vergebliche und schädliche Unternehmung aufs Tiefste bedauern. — Der Generalstreik-Agitation im Herbst 1907 gegenüber hat das italienische Proletariat übrigens viel Zurückhaltung gezeigt. Es darf hieraus wohl geschlossen werden, daß die harte Lehre des Jahres 1904 nicht spurlos an ihm vorübergegangen ist.[575]

[567]Leimpeters, a. a. O.; ähnl. Allg. Ztg. 20./9. 04.

[567]Leimpeters, a. a. O.; ähnl. Allg. Ztg. 20./9. 04.

[568]Olberg, "Die ital. Wahlen", p. 278.

[568]Olberg, "Die ital. Wahlen", p. 278.

[569]Turati, a. a. O.

[569]Turati, a. a. O.

[570]Olberg, "Der ital. G-str.", p. 21 ff.

[570]Olberg, "Der ital. G-str.", p. 21 ff.

[571]"Vorwärts", cit. bei v.Reiswitz, p. 78.

[571]"Vorwärts", cit. bei v.Reiswitz, p. 78.

[572]Olberg, "Die ital. Wahlen", p. 278.

[572]Olberg, "Die ital. Wahlen", p. 278.

[573]Olberg, "Der ital. G-str.", p. 21 ff.

[573]Olberg, "Der ital. G-str.", p. 21 ff.

[574]Aus der Erklärung einer Versammlung von 1500 Unteroffizieren im Okt. 1905 über den G-str. von 1904 (cit. beiMarazio, p. 97).

[574]Aus der Erklärung einer Versammlung von 1500 Unteroffizieren im Okt. 1905 über den G-str. von 1904 (cit. beiMarazio, p. 97).

[575]Große Zurückhaltung gegenüber den Generalstreik-Tendenzen bewies z. B. auch der Kongreß der lavoratori della terra vom März 1908 ("mentre non esclude la possibilità dello sciopero generale in determinate circostanze, lo esclude però nel caso presente"; vgl. "Il lavoro", Genua, 10. März 1908).

[575]Große Zurückhaltung gegenüber den Generalstreik-Tendenzen bewies z. B. auch der Kongreß der lavoratori della terra vom März 1908 ("mentre non esclude la possibilità dello sciopero generale in determinate circostanze, lo esclude però nel caso presente"; vgl. "Il lavoro", Genua, 10. März 1908).

So oft in Spanien ein Streik ausbricht, suchen sich die Anarchisten seiner zu bemächtigen[576]und ihn zum Generalstreik zu erweitern, wobei es wegen ihrer "violence sauvage"[577]in der Regel zu blutigen Tumulten kommt. Die spanischen Sozialisten halten sich daher auch von allen derartigen Unternehmungen möglichst fern.[578]

[576]Vgl.Bourdeau, p.431. Es sollen viele "ganze Städte und Provinzen umfassende Generalstreiks unter ungeheuren Opfern" stattfinden (vgl.Umrath, "Zur Generalstreikdebatte", p. 15).

[576]Vgl.Bourdeau, p.431. Es sollen viele "ganze Städte und Provinzen umfassende Generalstreiks unter ungeheuren Opfern" stattfinden (vgl.Umrath, "Zur Generalstreikdebatte", p. 15).

[577]P.Louis, "L'Avenir du Socialisme", p. 296.

[577]P.Louis, "L'Avenir du Socialisme", p. 296.

[578]Vgl.Iglesias(Enquête). Die spanische Literatur war mir leider unzugänglich. Die Sozialdemokratie Spaniens beteiligte sich nur ausnahmsweise beim G-str. der Minenarbeiter in Bilbao, 1903 (Roland-Holst, a. a. O. p. 18); von anarchistischer Seite wird behauptet, daß derselbe "nach 4tägiger Dauer mit dem vollständigen Sieg der Arbeiter endigte" (vgl. "Antimilitarismus und G-str.", Beilage zu Nr. 11 der "Wahrheit"), was aber doch wohl zweifelhaft erscheint.

[578]Vgl.Iglesias(Enquête). Die spanische Literatur war mir leider unzugänglich. Die Sozialdemokratie Spaniens beteiligte sich nur ausnahmsweise beim G-str. der Minenarbeiter in Bilbao, 1903 (Roland-Holst, a. a. O. p. 18); von anarchistischer Seite wird behauptet, daß derselbe "nach 4tägiger Dauer mit dem vollständigen Sieg der Arbeiter endigte" (vgl. "Antimilitarismus und G-str.", Beilage zu Nr. 11 der "Wahrheit"), was aber doch wohl zweifelhaft erscheint.

Der bedeutendste der spanischen Generalstreiks dürfte wohl derGeneralstreik in Barcelona vom Februar 1902gewesen sein. Etwa 100 000 Metallarbeiter streikten für den Neunstundentag.[579]Als der Streik nach mehrwöchentlicher Dauer zu scheitern drohte, riefen die Gewerkschaftsführer, trotz Abratens seitens der Sozialdemokratie,[580]das gesamte Proletariat von Barcelona zum Ausstand auf. Diesem Rufe wurde in weitestem Maße Folge geleistet. Unter Führung der Autonomisten und Anarchisten[581]griffen die Streikenden die Gas- und Wasserwerke an, "raubten die Bäckereien, Keller, Getreidehandlungen, Lebensmittelläden aus, verhinderten die Verproviantierung mit Brot und Fleisch. Sie waren während eines Tages die Herren der ganzen Stadt und begingen alle möglichen Ausschreitungen und Gewaltsamkeiten." Natürlich schritt die bewaffnete Macht ein, und die Folge des Ausstands war eine Gefährdung des Koalitionsrechts.[582]

[579]Rdsch. Soz. Mh. April 02, p. 315.

[579]Rdsch. Soz. Mh. April 02, p. 315.

[580]Vgl.Bourdeau, p.431. Es sollen viele "ganze Städte und Provinzen umfassende Generalstreiks unter ungeheuren Opfern" stattfinden (vgl.Umrath, "Zur Generalstreikdebatte", p. 15).

[580]Vgl.Bourdeau, p.431. Es sollen viele "ganze Städte und Provinzen umfassende Generalstreiks unter ungeheuren Opfern" stattfinden (vgl.Umrath, "Zur Generalstreikdebatte", p. 15).

[581]Bebel, a. a. O. p. 305;Bourdeau, p. 431.

[581]Bebel, a. a. O. p. 305;Bourdeau, p. 431.

[582]Vgl.Bourdeau, p.431. Es sollen viele "ganze Städte und Provinzen umfassende Generalstreiks unter ungeheuren Opfern" stattfinden (vgl.Umrath, "Zur Generalstreikdebatte", p. 15).

[582]Vgl.Bourdeau, p.431. Es sollen viele "ganze Städte und Provinzen umfassende Generalstreiks unter ungeheuren Opfern" stattfinden (vgl.Umrath, "Zur Generalstreikdebatte", p. 15).

Einen eigentümlichen und von der üblichen spanischen Manier ganz abweichenden, eintägigen Klassenstreik soll die sozialdemokratische Partei zusammen mit dem "Allgemeinen Arbeiterbund" am 20. Juli 1905 (?) veranstaltet haben, um den bis dahin erfolglosen Forderungen nach Herabsetzung der hohen Lebensmittelpreise Nachdruck zu verleihen. Es heißt, daß 100 000 Arbeiter die Arbeit verlassen hätten, um zu protestieren, und daß Tausende von Arbeitslosen sich den öffentlichen Kundgebungen anschlossen.[583]

[583]Juan A.Melia, "Der Sozialismus in Spanien".

[583]Juan A.Melia, "Der Sozialismus in Spanien".

Auch in Holland hängt die Generalstreik-Propaganda mit der bezeichnenderweise großenteils anarchistischen Gewerkschaftsbewegung zusammen. DomelaNieuwenhuisübte mit seinen abenteuerlichen Generalstreikplänen eine ziemlich große Anziehungskraft auf das holländische Proletariat aus.[584]Gerade der Generalstreikidee dankte die holländische anarchistische Bewegung, die "seit 1896 und 1897 fast vollständig daniederlag", Neuerweckung und neue Lebenskraft.[585]Erst das Fiasko desGeneralstreiks im April 1903gab "dem Glauben an die Wirksamkeit dieses Kampfmittels einen starken Sto?.[586]

[584]Das ungenügende Wahlrecht sei Schuld an dem geringen politischen Verständnis und also auch an der anarchistischen Disposition des holländischen Proletariats (vgl.Roland-Holst, "Der Kampf und die Niederlage der Arbeiter in Holland", und "Zur Lage in Holland").

[584]Das ungenügende Wahlrecht sei Schuld an dem geringen politischen Verständnis und also auch an der anarchistischen Disposition des holländischen Proletariats (vgl.Roland-Holst, "Der Kampf und die Niederlage der Arbeiter in Holland", und "Zur Lage in Holland").

[585]Vliegen, "Der Generalstreik als politisches Kampfmittel", p. 194.

[585]Vliegen, "Der Generalstreik als politisches Kampfmittel", p. 194.

[586]Dr. Gust.Mayer, "Der internationale Sozialistenkongreß", p. 446. Die Anarchisten hätten gesucht, aus dem glücklichen Eisenbahnerstreik im Jan. 1903 "für sich Kapital zu schlagen" (vgl.Gorter, "Der Massenstreik der Eisenbahner in Holland", p. 656); sie trügen auch die Hauptschuld an dem verhängnisvollen Aprilstreik.

[586]Dr. Gust.Mayer, "Der internationale Sozialistenkongreß", p. 446. Die Anarchisten hätten gesucht, aus dem glücklichen Eisenbahnerstreik im Jan. 1903 "für sich Kapital zu schlagen" (vgl.Gorter, "Der Massenstreik der Eisenbahner in Holland", p. 656); sie trügen auch die Hauptschuld an dem verhängnisvollen Aprilstreik.

Die holländischen Eisenbahner hatten im Januar 1903 zur Unterstützung streikender Amsterdamer Hafenarbeiter einen umfangreichen und bedeutenden Ausstand durchgeführt.[587]Der Hafenarbeiterstreik war ausgebrochen, weil die Docker den Ausschluß der Nichtorganisierten, der ihnen von den Unternehmern zuvor versprochen worden war, vergeblich verlangt hatten. Aus Solidarität mit den Hafenarbeitern boykottierten nun die Eisenbahner die von Arbeitswilligen beladenen Wagen, worauf einige Eisenbahner entlassen wurden. Da traten die Eisenbahner am29. Januarin einenSympathiestreik, stellten aber zugleich aucheigene ökonomische Forderungen, und zwar vereinigten sich die antiparlamentarische "Föderation" und die sozialdemokratische Gewerkschaft, die sich bis anhin bekämpft hatten, zu gemeinsamem Vorgehen. Viele Unorganisierte schlossen sich der Bewegung an. In und um Amsterdam, also auch auf den internationalen Linien, ruhte der Verkehr vollständig. Die Eisenbahner des ganzen Landes hielten sich überdies zum Anschluß an den Streik bereit. Diese plötzliche und beängstigende Verkehrserschütterung bewog die Eisenbahngesellschaften alsbald zu Konzessionen.[588]Der Sieg der Eisenbahner und der sich anschließende Erfolg des Hafenarbeiterstreiks bewirkte ein lebhaftes Wachstum der Organisationen. Unter Einfluß der anarchistischen Agitation entwickelte sich bei den Arbeitern aber auch zugleich eine starke Überschätzung ihrer tatsächlichen Macht, was ihnen in den folgenden Kämpfen noch verderblich werden sollte. Die Empörung der übrigen Gesellschaftskreise über die Wirkungen des Januarstreiks und die Besorgnis vor der Wiederholung einer solchen gefährlichen Verkehrsstockung kristallisierten sich nämlich alsbald in einer Ausstandsvorlage, die nicht nur die Schaffung einer Eisenbahnbrigade vorsah, sondern auch den Streik der Angestellten der öffentlichen Verkehrsanstalten, speziell den Streik der Eisenbahner, zur strafbaren Handlung stempelte.[589]Noch kurz vor Erscheinen der Vorlage, am 20. Februar 1903, bildete sich ein proletarisches Schutzkomitee,[590]das eine energische Agitation über das ganze Land hin entfaltete.[591]Doch weder die zahlreichen Demonstrationen, noch die sozialdemokratische Interpellation in der Kammer erreichten mehr, als eine gewisse Milderung der Vorlage,[592]deren Sieg so gut wie gewißwar. Verständnislos für die Bedeutung des parlamentarischen Kampfes, im Vertrauen auf die "revolutionäre Energie der Massen" und die im Januarstreik erfahrene Nachgiebigkeit der Gegner, beschloß nun die Versammlung der Verbands- und Vereinsvorstände, trotz der sozialdemokratischen Warnungen, für den 5. April den allgemeinen Ausstand sämtlicher bei der Beförderung von Waren und Personen beschäftigter Arbeiter. Man wollte hierdurch die Eisenbahngesellschaften zu wirtschaftlichen Konzessionen, vor allem aber die Regierung zur Zurücknahme der Streikvorlage nötigen. Der Ausstand begann auch sogleich, aber von einer Allgemeinheit der Arbeitsniederlegung war gar keine Rede.[593]Noch weniger kam es zu einer allgemeinen Verkehrsstockung, da zahlreiche Ausständige, aus Furcht vor der in Aussicht gestellten sofortigen Entlassung, schon am 7. April zur Arbeit zurückkehrten. Den Eisenbahngesellschaften standen überdies in den "Ordnungsbünden", den christlichen Gewerkschaften und im Militär genügend Arbeitswillige zur Verfügung.[594]Der Eisenbahnbetrieb wurde immer regelmäßiger,[595]der Streik immer schwächer. Daher konnte die Arbeitervertretung, als sie am 9. April mit den Eisenbahngesellschaften über die Beendigung des Streiks zu unterhandeln suchte, auch absolut keine Bedingungen stellen. Ebensowenig waren die übrigen Transportarbeiterstreiks[596]und etliche andere Hilfs-Streiks[597]dazu angetan, das öffentliche Leben und die Abgeordneten zu erschüttern. Schon begannen die Spezialdebatten über die gefürchteteVorlage; die Zeit drängte. In dieser Not proklamierte das Schutzkomitee zur Unterstützung des bereits verlöschenden Eisenbahnerausstands denGeneralstreikfür alle Betriebe des ganzen Landes. Aber nur zirka 60 000 Mann folgten dem Gebot.[598]Die Hälfte hiervon stellte Amsterdam, wo sich die Wirkungen des Ausstands daher auch am meisten fühlbar machten.[599]In den übrigen Orten, wo es nur zu vereinzelten Streiks kam,[600]ergab sich überhaupt keine wesentliche Beeinträchtigung des sozialen Daseins. Ob der Generalstreik bei längerer Dauer noch an Ausdehnung gewonnen hätte,[601]ist äußerst fraglich. Zwar protestierte eine Amsterdamer Massenversammlung mit vielem Lärm gegen den Beendigungsbeschluß, den das Schutzkomitee am 10. April mit Rücksicht auf die Annahme der Vorlage (in der zweiten Kammer, mit 81 gegen 14 Stimmen) und auf das sofortige Inkrafttreten des neuen Gesetzes faßte. Doch schon am folgenden Tag meldeten sich die noch Ausständigen wieder zur Arbeit. Die Bewegung war gescheitert.

[587]Vgl. über die holländische G-streikbewegung:Gortera. a. O.;Roland-Holst, a. a. O., und "G-str. und Sozd.", p. 121 ff.;van der Goes, "Die beiden Tendenzen in Holland und der Parteitag zu Utrecht";Vliegen, a. a. O.; Allg. Ztg. 1903.

[587]Vgl. über die holländische G-streikbewegung:Gortera. a. O.;Roland-Holst, a. a. O., und "G-str. und Sozd.", p. 121 ff.;van der Goes, "Die beiden Tendenzen in Holland und der Parteitag zu Utrecht";Vliegen, a. a. O.; Allg. Ztg. 1903.

[588]Insbesondere versprachen sie Anerkennung der Arbeiterorganisationen; vorläufige Suspendierung der Arbeit in dem boykottierten Hafen, bei weiterer Entlohnung der dort angestellten Arbeiter und Unterhandlungen mit der Regierung zwecks Streichung der bedingungslosen Güterbeförderungspflicht aus dem Eisenbahnreglement.

[588]Insbesondere versprachen sie Anerkennung der Arbeiterorganisationen; vorläufige Suspendierung der Arbeit in dem boykottierten Hafen, bei weiterer Entlohnung der dort angestellten Arbeiter und Unterhandlungen mit der Regierung zwecks Streichung der bedingungslosen Güterbeförderungspflicht aus dem Eisenbahnreglement.

[589]Diese Vorlage habe das Streikrecht von 20 000 Arbeitern bedroht (vgl.Roland-Holst, "Der Kampf und die Niederlage der Arbeiter in Holland").

[589]Diese Vorlage habe das Streikrecht von 20 000 Arbeitern bedroht (vgl.Roland-Holst, "Der Kampf und die Niederlage der Arbeiter in Holland").

[590]Das Komitee enthielt je 2 Vertreter der Hafenarbeiter und der Eisenbahner, je 1 Vertreter des "nationalen Arbeitssekretariats", der "freien Sozialisten" und der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, vorwiegend Anarchisten und Antipolitiker.

[590]Das Komitee enthielt je 2 Vertreter der Hafenarbeiter und der Eisenbahner, je 1 Vertreter des "nationalen Arbeitssekretariats", der "freien Sozialisten" und der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, vorwiegend Anarchisten und Antipolitiker.

[591]Diese erreichte am 3. März ihren Höhepunkt: im ganzen Lande fanden gleichzeitige Protestversammlungen gegen die Ausstandsvorlage mit ca. 50 000 Teilnehmern statt.

[591]Diese erreichte am 3. März ihren Höhepunkt: im ganzen Lande fanden gleichzeitige Protestversammlungen gegen die Ausstandsvorlage mit ca. 50 000 Teilnehmern statt.

[592]Das Strafmaß wurde herabgesetzt, so daß der Eisenbahnerstreik nur noch als politisches Delikt galt; zugleich wurde die Schaffung eines Schiedsgerichts vorgesehen. Die abgeänderte Vorlage ging schon Ende März der Kammer zu; dort bekämpfte sieTroelstra(S.D.) als einen Angriff auf die Arbeiterorganisationen; alle übrigen Parteien hielten zur Regierung.

[592]Das Strafmaß wurde herabgesetzt, so daß der Eisenbahnerstreik nur noch als politisches Delikt galt; zugleich wurde die Schaffung eines Schiedsgerichts vorgesehen. Die abgeänderte Vorlage ging schon Ende März der Kammer zu; dort bekämpfte sieTroelstra(S.D.) als einen Angriff auf die Arbeiterorganisationen; alle übrigen Parteien hielten zur Regierung.

[593]Trotz der schon im Februar von den Eisenbahn- und Transportarbeitern erklärten, von der Sektion Haag des Allg. Verbandes der Eisenbahn- und Straßenbahnangestellten wiederholten Streikbereitschaft, trotz des fast einmütigen Streikbeschlusses der Amsterdamer Eisenbahnerversammlung vom 2. April war die Beteiligung schwach. Die Versammlung der Ausständigen am Abend des 6. April war schlecht besucht.

[593]Trotz der schon im Februar von den Eisenbahn- und Transportarbeitern erklärten, von der Sektion Haag des Allg. Verbandes der Eisenbahn- und Straßenbahnangestellten wiederholten Streikbereitschaft, trotz des fast einmütigen Streikbeschlusses der Amsterdamer Eisenbahnerversammlung vom 2. April war die Beteiligung schwach. Die Versammlung der Ausständigen am Abend des 6. April war schlecht besucht.

[594]Die Eisenbahngesellschaften waren durch die Drohungen der Arbeiter seit Wochen gewarnt und hatten sich vorbereitet. Der Postdienst wurde durch Automobile besorgt, der Postverkehr mit dem Ausland durch militärisch bedeckte Züge; in beschränktem Maß wurde auch der Personenverkehr aufrecht erhalten; die Verkehrsreduktion überstieg überhaupt nicht 25%.

[594]Die Eisenbahngesellschaften waren durch die Drohungen der Arbeiter seit Wochen gewarnt und hatten sich vorbereitet. Der Postdienst wurde durch Automobile besorgt, der Postverkehr mit dem Ausland durch militärisch bedeckte Züge; in beschränktem Maß wurde auch der Personenverkehr aufrecht erhalten; die Verkehrsreduktion überstieg überhaupt nicht 25%.

[595]Am 8. April fehlten nur noch Rangierer und Weichensteller; für den 9. zeigten die holländ. Eisenbahngesellschaften den ausländischen Bahnen auch die Wiederaufnahme des Güterdurchgangsverkehrs an.

[595]Am 8. April fehlten nur noch Rangierer und Weichensteller; für den 9. zeigten die holländ. Eisenbahngesellschaften den ausländischen Bahnen auch die Wiederaufnahme des Güterdurchgangsverkehrs an.

[596]Nur einen Tag lang streikte das Personal der Schiffahrtsgesellschaft London-Hull, ohne sonderliche Beeinträchtigung des Verkehrs. Der am 6. April von 3 000 Dockarbeitern in Rotterdam beschlossene Hafenarbeiterstreik veranlaßte am 8. April die vereinigten Arbeitgeber des Schiffahrts- und Transportgewerbes zur Verhängung der Sperre, die 2 000 Arbeitswillige mitbetroffen haben soll. Am 8. erfolgte auch die Aussperrung in der Großfabrik für Maschinen- und Eisenbahnmaterial.

[596]Nur einen Tag lang streikte das Personal der Schiffahrtsgesellschaft London-Hull, ohne sonderliche Beeinträchtigung des Verkehrs. Der am 6. April von 3 000 Dockarbeitern in Rotterdam beschlossene Hafenarbeiterstreik veranlaßte am 8. April die vereinigten Arbeitgeber des Schiffahrts- und Transportgewerbes zur Verhängung der Sperre, die 2 000 Arbeitswillige mitbetroffen haben soll. Am 8. erfolgte auch die Aussperrung in der Großfabrik für Maschinen- und Eisenbahnmaterial.

[597]Ein Steinschneider-, sowie ein unzulänglicher Bäckerstreik.

[597]Ein Steinschneider-, sowie ein unzulänglicher Bäckerstreik.

[598]Die Metallarbeiter waren schon am 7. April in einen allg. Ausstand getreten, teilweise streikten auch bereits die Bauarbeiter, Auslader und städtischen Arbeiter in Amsterdam; ebendaselbst schlossen sich dem G-streik 8 000 Diamantarbeiter, die Mehrzahl der Bauarbeiter, ein Teil der Kommunalarbeiter (Beleuchtung, Reinigung), ein Teil der Metzger und Bäcker (letztere zum Schaden der Arbeiterschaft hauptsächlich in den Arbeiter- und Konsumbäckereien, vgl.Roland-Holsta. a. O.), und die Typographen an.

[598]Die Metallarbeiter waren schon am 7. April in einen allg. Ausstand getreten, teilweise streikten auch bereits die Bauarbeiter, Auslader und städtischen Arbeiter in Amsterdam; ebendaselbst schlossen sich dem G-streik 8 000 Diamantarbeiter, die Mehrzahl der Bauarbeiter, ein Teil der Kommunalarbeiter (Beleuchtung, Reinigung), ein Teil der Metzger und Bäcker (letztere zum Schaden der Arbeiterschaft hauptsächlich in den Arbeiter- und Konsumbäckereien, vgl.Roland-Holsta. a. O.), und die Typographen an.

[599]Die Läden in den reichen Vierteln wurden geschlossen, die Wohlhabenden verproviantierten sich in den Arbeitervierteln, wobei die Lebensmittelpreise rasch stiegen (vgl.Bourdeau, p. 432;Vliegen, a. a. O. p. 197). Der Gaskonsum mußte eingeschränkt werden (vgl. Allg. Ztg.); nur ein Teil der Straßenlaternen wurde, unter militärischer Bedeckung übrigens, angezündet. Das Elektrizitätswerk wurde mit Hilfe des Bureaupersonals in Betrieb erhalten. Der Betrieb auf den Quais, der Güterverkehr, stockte vollständig.

[599]Die Läden in den reichen Vierteln wurden geschlossen, die Wohlhabenden verproviantierten sich in den Arbeitervierteln, wobei die Lebensmittelpreise rasch stiegen (vgl.Bourdeau, p. 432;Vliegen, a. a. O. p. 197). Der Gaskonsum mußte eingeschränkt werden (vgl. Allg. Ztg.); nur ein Teil der Straßenlaternen wurde, unter militärischer Bedeckung übrigens, angezündet. Das Elektrizitätswerk wurde mit Hilfe des Bureaupersonals in Betrieb erhalten. Der Betrieb auf den Quais, der Güterverkehr, stockte vollständig.

[600]Es streikten Bauarbeiter, Metallarbeiter, Typographen. Im katholischen Süden wurde aber überhaupt nicht gestreikt.

[600]Es streikten Bauarbeiter, Metallarbeiter, Typographen. Im katholischen Süden wurde aber überhaupt nicht gestreikt.

[601]Dies nimmtRoland-Holstan.

[601]Dies nimmtRoland-Holstan.

Es folgten nun noch stürmische Auftritte in der Versammlung der Arbeitervorstände. Die Anarchisten suchten nämlich den Mißerfolg auf sozialdemokratischen "Verrat" zurückzuführen, statt die Ursachen dafür in der mangelhaften Vorbereitung, Organisation und Führung,[602]in der Überschätzung der proletarischen und Unterschätzung der staatlichen Macht, kurz, in der Unrichtigkeit des Streikbeschlusses überhaupt zu erkennen.

[602]Vgl.Roland-Holst, "Zur Lage in Holland", "Der Kampf und die Niederlage der Arbeiter in Holland" und "G-str. und Sozd.", p. 121.

[602]Vgl.Roland-Holst, "Zur Lage in Holland", "Der Kampf und die Niederlage der Arbeiter in Holland" und "G-str. und Sozd.", p. 121.

DieOpfer des Streikswaren außerordentlich groß. Es kam zwar nur zu wenigen Zusammenstößen mit der bewaffnetenMacht, da die Ausständigen im großen und ganzen gute Disziplin hielten.[603]Hingegen litten die Arbeiter auf's Empfindlichste unter den wirtschaftlichen Folgen des Streiks.[604]Die Unterstützung seitens der Organisationen[605]konnte die Gemaßregelten und deren Familien nicht vor Not und Elend bewahren.[606]Auch die Gewerkschaften erlitten einen schweren Stoß[607]und sollen sich erst neuerdings von der "ökonomischen Katastrophe" erholt haben.[608]

[603]Es kamen allerdings auch Versuche vor, den Eisenbahnbetrieb durch Unbrauchbarmachung der Maschinenwasserbehälter und Wegschaffung von Lokomotivteilen zu gefährden (vgl. Allg. Ztg. 7./4. 03); andererseits verlangte z. B. eine Dockarbeiterversammlung in Rotterdam am 6./4. Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung, insbesondere Vermeidung von Tätlichkeiten gegenüber Arbeitswilligen, um der Regierung keinen Anlaß zu scharfen Maßregeln zu geben (vgl. Allg. Ztg. a. a. O.).

[603]Es kamen allerdings auch Versuche vor, den Eisenbahnbetrieb durch Unbrauchbarmachung der Maschinenwasserbehälter und Wegschaffung von Lokomotivteilen zu gefährden (vgl. Allg. Ztg. 7./4. 03); andererseits verlangte z. B. eine Dockarbeiterversammlung in Rotterdam am 6./4. Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung, insbesondere Vermeidung von Tätlichkeiten gegenüber Arbeitswilligen, um der Regierung keinen Anlaß zu scharfen Maßregeln zu geben (vgl. Allg. Ztg. a. a. O.).

[604]In den ersten Wochen waren fast 5 000 Arbeiter ausgesperrt; zwar wurde die Sperre im Transportgewerbe am 20./4. wieder aufgehoben; aber von den Eisenbahnern, die am meisten litten, waren bis zum 21./4. bereits 1 600 Mann entlassen. "Hunger, Verzweiflung, selbst der Selbstmord hat unter den 5 000 Opfern dieses Kampfes gewütet" (Troelstra, Prot. intern. Kongr. Amsterdam 04, p. 8).

[604]In den ersten Wochen waren fast 5 000 Arbeiter ausgesperrt; zwar wurde die Sperre im Transportgewerbe am 20./4. wieder aufgehoben; aber von den Eisenbahnern, die am meisten litten, waren bis zum 21./4. bereits 1 600 Mann entlassen. "Hunger, Verzweiflung, selbst der Selbstmord hat unter den 5 000 Opfern dieses Kampfes gewütet" (Troelstra, Prot. intern. Kongr. Amsterdam 04, p. 8).

[605]Die niederländische Partei gab 22016,32 Gulden; die deutsche sozialdemokratische Partei schickte, auf den Appell der niederländischen Partei, vom 21./4., an die internationale Solidarität, 9 000 M (vgl. Bericht des Parteivorstands an den 10. Parteitag der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Hollands, Ostern 04, in Dordrecht).

[605]Die niederländische Partei gab 22016,32 Gulden; die deutsche sozialdemokratische Partei schickte, auf den Appell der niederländischen Partei, vom 21./4., an die internationale Solidarität, 9 000 M (vgl. Bericht des Parteivorstands an den 10. Parteitag der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Hollands, Ostern 04, in Dordrecht).

[606]Vgl.van der Goes, a. a. O. p. 257.

[606]Vgl.van der Goes, a. a. O. p. 257.

[607]Eine Ausnahme bilden die gut organisierten Diamantarbeiter und die Rotterdamer Hafenarbeiter. Vor allem wurde "die große, prächtige, mächtige Eisenbahnerorganisation ... zerstört" (vgl.Troelstraa. a. O.; Prot. Gewerkschaftskongr. Köln 05, p. 225;Roland-Holst, "Zur Lage in Holland").

[607]Eine Ausnahme bilden die gut organisierten Diamantarbeiter und die Rotterdamer Hafenarbeiter. Vor allem wurde "die große, prächtige, mächtige Eisenbahnerorganisation ... zerstört" (vgl.Troelstraa. a. O.; Prot. Gewerkschaftskongr. Köln 05, p. 225;Roland-Holst, "Zur Lage in Holland").


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