Chapter 14

[705]Kautsky, "Maifeier und Generalstreik"; ders. "Der Parteitag in Jena".

[705]Kautsky, "Maifeier und Generalstreik"; ders. "Der Parteitag in Jena".

[706]Vgl.Bernstein, "Politischer Massenstreik und Revolutionsromantik"; ders. "Ist der politische Massenstreik in Deutschland möglich?"; v.Elm, a. a. O. und Prot. Gwft. Kongr. Köln 05, p. 226;Timm, ebenda p. 222, 223;Kautsky, "Allerhand Revolutionäres", p. 738, 739;Pouget, "Die Gewerkschaft", p. 25 ff.; Prot. Parteitg. Bremen 04, p. 194, 196. —Bebel(Prot. Parteitg. Jena 05 p. 299) nimmt an, die Massen könnten sich für eine solche Maßregel nur nach erfolgter Orientierung über Wirkung und Zweck begeistern.

[706]Vgl.Bernstein, "Politischer Massenstreik und Revolutionsromantik"; ders. "Ist der politische Massenstreik in Deutschland möglich?"; v.Elm, a. a. O. und Prot. Gwft. Kongr. Köln 05, p. 226;Timm, ebenda p. 222, 223;Kautsky, "Allerhand Revolutionäres", p. 738, 739;Pouget, "Die Gewerkschaft", p. 25 ff.; Prot. Parteitg. Bremen 04, p. 194, 196. —Bebel(Prot. Parteitg. Jena 05 p. 299) nimmt an, die Massen könnten sich für eine solche Maßregel nur nach erfolgter Orientierung über Wirkung und Zweck begeistern.

[707]Leimpeters, "Zum Generalstreik";Bernstein, "Pol. M-str. u. pol. Lage", p. 22, und andere ähnlich.

[707]Leimpeters, "Zum Generalstreik";Bernstein, "Pol. M-str. u. pol. Lage", p. 22, und andere ähnlich.

[708]v.Elm, "Massenstreik, Sozialdemokratie und Genossenschaftsbewegung", p. 735; ders. "Partei und Gewerkschaft".

[708]v.Elm, "Massenstreik, Sozialdemokratie und Genossenschaftsbewegung", p. 735; ders. "Partei und Gewerkschaft".

[709]Vgl. Prot. Parteitg. Bremen 04, p. 195,196;Hue, "Partei und Gewerkschaft", p. 292;Olberg("Der italienische Generalstreik") meint, der Gedanke sei "nicht so zart, daß er durch die Diskussion abgegriffen würde", und die Redner des Proletariats seien "nicht so dumm", ihre "Betriebsgeheimnisse" auszuplaudern. — Freilich können die Gegner aber in der bloßen Diskussion schon eine Drohung erblicken und mit entsprechenden Gegenmaßregeln antworten (vgl.Heine, Prot. Parteitg. Jena 05, p. 316).

[709]Vgl. Prot. Parteitg. Bremen 04, p. 195,196;Hue, "Partei und Gewerkschaft", p. 292;Olberg("Der italienische Generalstreik") meint, der Gedanke sei "nicht so zart, daß er durch die Diskussion abgegriffen würde", und die Redner des Proletariats seien "nicht so dumm", ihre "Betriebsgeheimnisse" auszuplaudern. — Freilich können die Gegner aber in der bloßen Diskussion schon eine Drohung erblicken und mit entsprechenden Gegenmaßregeln antworten (vgl.Heine, Prot. Parteitg. Jena 05, p. 316).

[710]Heine, "Politischer Massenstreik im gegenwärtigen Deutschland?"

[710]Heine, "Politischer Massenstreik im gegenwärtigen Deutschland?"

[711]Heine, a. a. O. p. 754.Kolb(Prot. Parteitg. Mannheim 06, p. 263, 264) fürchtet, die Arbeiter könnten sich in einem ungünstigen Moment zum Streik provozieren lassen.

[711]Heine, a. a. O. p. 754.Kolb(Prot. Parteitg. Mannheim 06, p. 263, 264) fürchtet, die Arbeiter könnten sich in einem ungünstigen Moment zum Streik provozieren lassen.

2. DieAgitationbetrachtet es nicht als ihre Aufgabe, das Thema zu klären oder die gewonnenen Einsichten zu verbreiten, sondern die Arbeiter nachdrücklich zum Handeln aufzufordern. Teils geschieht diesgenerell: durch die Anweisung,jedeGelegenheit zum Streik zu ergreifen undjedenStreik zum Klassenstreik zu erweitern (Praxis der Anarchisten); teilsspeziell: durch planmäßige Bearbeitung der Massen bei einem sich bietenden äußern Anlaß (wie in Schweden usw.), wobei es wesentlich darauf ankommt, der Bewegung ein geeignetes, nämlich ein bestimmtes, einheitliches und einleuchtendes Ziel zu geben.[712]

[712]Je mehr Ziele zugleich auftreten, um so wahrscheinlicher ein Scheitern der Bewegung. Durch eine Verkoppelung der Wahlrechtsforderung mit dem Achtstunden-Postulat suchten seinerzeit die österr. Sozialisten die Beteiligung der Bergwerksarbeiter am geplanten Wahlrechtsstreik zu sichern, gaben aber, mit Rücksicht auf die allzu verschiedene Entwickelung der einzelnen Industrien und auf die allzu verschiedenen Erfordernisse eines ökonomischen und eines politischen Streiks, den Gedanken wieder auf (vgl. Prot. Parteitg. Wien 1894,Krejci, p. 55;Hueber, p. 58;Reumann, p. 62). —Jaurès("AusTheorie und Praxis") warf den französischen Syndikalisten vor, daß sie die Arbeiter, die für so unbestimmte Forderungen, wie "Kommunismus", nicht in den Streik treten würden, durch vorgeschobene Augenblicksziele in einen Generalstreik verlocken und diesem dann eine revolutionäre Wendung geben möchten.

[712]Je mehr Ziele zugleich auftreten, um so wahrscheinlicher ein Scheitern der Bewegung. Durch eine Verkoppelung der Wahlrechtsforderung mit dem Achtstunden-Postulat suchten seinerzeit die österr. Sozialisten die Beteiligung der Bergwerksarbeiter am geplanten Wahlrechtsstreik zu sichern, gaben aber, mit Rücksicht auf die allzu verschiedene Entwickelung der einzelnen Industrien und auf die allzu verschiedenen Erfordernisse eines ökonomischen und eines politischen Streiks, den Gedanken wieder auf (vgl. Prot. Parteitg. Wien 1894,Krejci, p. 55;Hueber, p. 58;Reumann, p. 62). —Jaurès("AusTheorie und Praxis") warf den französischen Syndikalisten vor, daß sie die Arbeiter, die für so unbestimmte Forderungen, wie "Kommunismus", nicht in den Streik treten würden, durch vorgeschobene Augenblicksziele in einen Generalstreik verlocken und diesem dann eine revolutionäre Wendung geben möchten.

Eine gewisse künstliche Förderung kann der Streikentschluß übrigens auch durch die Gegner erfahren;[713]doch spielt dies keine große Rolle.

[713]So sollen beim Lancashire-Streik 1842 die Unternehmer die Hände im Spiel gehabt haben. Beim ital. Eisenbahnerstreik 1905 sollen die Eisenbahngesellschaften hinter der Szene die Streiktendenzen gefördert haben, um die Verstaatlichung zu hindern (vgl. Soz. Prx. 14. Jahrg. Nr. 30; "Die Hilfe", 1905, Nr. 16. p. 2, polit. Notiz).

[713]So sollen beim Lancashire-Streik 1842 die Unternehmer die Hände im Spiel gehabt haben. Beim ital. Eisenbahnerstreik 1905 sollen die Eisenbahngesellschaften hinter der Szene die Streiktendenzen gefördert haben, um die Verstaatlichung zu hindern (vgl. Soz. Prx. 14. Jahrg. Nr. 30; "Die Hilfe", 1905, Nr. 16. p. 2, polit. Notiz).

Welchen unter den zahlreichen Faktoren kommt nunausschlaggebende Bedeutungzu? Die Möglichkeit unvorbereiteter Ausbrüche, wie die Vergeblichkeit künstlicher Inszenierungsversuche beweisen, daß die eigentlichen Triebfedern auf dengegebenenBedingungen, denallgemeinen Verhältnissenberuhen. Haben doch überhaupt die großen Streiks "mehr den Charakter von Naturereignissen, als von bestimmten menschlichenHandlungen", weniger den "eines gewollten Mittels zu bestimmtem Zwecke, als den der unmittelbar gewollten Demonstration".[714]Sind sie aber in erster Linie "von der Entwicklung der Verhältnisse"[715]abhängig, so läßt sich eine wirksame Förderung oder Hinderung des Streikentschlusses allein von einer Beeinflussung dieser Verhältnisse erwarten.

[714]"Sie entspringen den Stimmungen der Masse, zuweilen dem Druck der Not und Entbehrung, öfter dem allmählich angehäuften Unwillen, verletztem Ehrgefühl, sittlicher Entrüstung". (Tönnies, Über den Ruhrstreik 1905, "Freies Wort", IV, p. 894).

[714]"Sie entspringen den Stimmungen der Masse, zuweilen dem Druck der Not und Entbehrung, öfter dem allmählich angehäuften Unwillen, verletztem Ehrgefühl, sittlicher Entrüstung". (Tönnies, Über den Ruhrstreik 1905, "Freies Wort", IV, p. 894).

[715]Vgl.Legien, "In Köln am Rhein";Leimpeters(Prot. Gwft. Kongr. Köln 05, p. 223); v.Elm, "Die Gewerkschaftsdebatte auf dem Mannheimer Parteitag".

[715]Vgl.Legien, "In Köln am Rhein";Leimpeters(Prot. Gwft. Kongr. Köln 05, p. 223); v.Elm, "Die Gewerkschaftsdebatte auf dem Mannheimer Parteitag".

Aber der Streikentschluß ist dochnicht ausschließlichvom historischen Moment,[716]von dergeschichtlichen Notwendigkeit[717]abhängig. Der Effekt der gegebenen Bedingungen kann in gewissen Grenzen durch diekünstlichen Faktorenmodifiziert werden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß ein Klassenstreik um so eher losbricht, je stärker die Arbeiter daraufhin bearbeitet worden sind, und um so schwerer, je mehr man sie durch spezielle Bemühungen am Streik zu hindern sucht. Natürlich läßt er sich um so leichter heraufbeschwören, je stärker die allgemeinen Umstände das Proletariat zum Massenstreik disponieren, und um so schwerer, je weniger die Arbeiter dazu neigen. Den größten Hindernissen begegnet die künstliche Streikförderung, wenn es sich, ceteris paribus, um den überlegten Streikentschluß handelt, weil hierbei, gerade infolge der Überlegung, auch die Hemmungsvorstellungen besonders deutlich ins Bewußtsein treten müssen.

[716]Legien(Prot. Parteitg. Mannheim 06, p. 241 ff.).

[716]Legien(Prot. Parteitg. Mannheim 06, p. 241 ff.).

[717]Luxemburg, Vortrag über den pol. M-str. in einer von den sozialdemokratischen Frauen einberufenen Volksversammlung am 6. Dez. (vgl. Vorwärts, 2. Beilage, 8./12. 05).

[717]Luxemburg, Vortrag über den pol. M-str. in einer von den sozialdemokratischen Frauen einberufenen Volksversammlung am 6. Dez. (vgl. Vorwärts, 2. Beilage, 8./12. 05).

Bei der relativ geringen Bedeutung der künstlichen Faktoren erscheint derenBeeinflussungzwecks Förderung oder Hinderung des Streikentschlusses wenig verheißungsvoll. Ganz besonderswertlosaber erscheinen von diesem Gesichtspunkt aus alle Bestrebungen, die Taktik des Proletariats von vornherein festzulegen und den Klassenstreik als Folge bestimmter Ereignisse vorauszuverkünden.[718]Hängt doch der Ausbruch des Klassenstreiks an tausend Imponderabilien, deren Gruppierungen sich kaum für wenige Tage voraussehen lassen.

[718]Nichts sei verkehrter, als "eine große Aktion beschließen, für die das Angriffsobjekt noch fehlt" (Bebel, "Der Bremer Parteitg.; ders., Prot. Parteitg. Jena 05, p. 336). — Vgl. auchKautsky, "Allerhand Revolutionäres", p. 738;Bömelburg(Prot. Parteitg. Jena, p. 227, 333; Prot. Gwft. Kongr. Köln 05, p. 219); v.Elm, "Die Revisionisten an der Arbeit", p. 29;Zetkin(vgl. Vorwärts, 23. Aug. 05).

[718]Nichts sei verkehrter, als "eine große Aktion beschließen, für die das Angriffsobjekt noch fehlt" (Bebel, "Der Bremer Parteitg.; ders., Prot. Parteitg. Jena 05, p. 336). — Vgl. auchKautsky, "Allerhand Revolutionäres", p. 738;Bömelburg(Prot. Parteitg. Jena, p. 227, 333; Prot. Gwft. Kongr. Köln 05, p. 219); v.Elm, "Die Revisionisten an der Arbeit", p. 29;Zetkin(vgl. Vorwärts, 23. Aug. 05).

1. Die Durchführung eines Klassenstreiks hängt in erster Linie vomAusharrungsvermögen der Arbeiterab, und dieses selbst wird zunächst durch das Maßmaterieller Mittel, über die das Proletariat verfügen kann, bedingt.[719]Denn beim Klassenstreik leidet ja das Proletariat nicht nur unter dem normalerweise eintretenden Lohnausfall, sondern, als Teil des sozialen Körpers, auch unter dem durch den Streik herbeigeführten allgemeinen gesellschaftlichen Druck (Lebensmittelknappheit, Preissteigerung usw.), der auf ihm, als der wirtschaftlich-schwächsten Klasse, am schwersten lasten muß.[720]Wie sehr die Arbeiter auch an Entbehrungen gewöhnt sein mögen, sie können denn doch nicht, wie Bebel meint, einfach "ein paar Wochen hungern";[721]würden doch auch Frauen und Kinder in Mitleidenschaft gezogen werden. Vor demHungerverblassen alle noch so leuchtenden Ziele,[722]alle noch so heiligen Vorsätze, und das Proletariat hat dann nur die Wahl zwischen Stürmung der Lebensmittelmagazine, also Hungerrevolte,[723]und Kapitulation.[724]Der Rückzug kann entwedergemeinsam und in guter Ordnung stattfinden oder in zerstreuten Trupps. Dann versandet die Bewegung, und die letzten, die am längsten ausharren, müssen die Zeche bezahlen.[725]

[719]Über die Bedeutung der materiellen Mittel für den Kl-str. sind sich Vertreter aller Richtungen einig; vgl. die Resolutionen über Generalstreiks und über politische M-streiks, z. B. von den internationalen Kongressen in Zürich (p. 53), Amsterdam (p. 24 ff.); fernerLegien(Prot. int. Kongr. Paris 1900 p. 31 ff.); Prot. Parteitg. Bremen 04, p. 196;Jaurès, "Aus Theorie und Praxis", p. 30; Prot. Gwft. Kongr. Köln 05; Prot. Parteitg. Wien 05, p. 68, 69; v.Elm, "Massenstreik, Sozialdemokratie und Genossenschaftsbewegung", p. 734; ders., Prot. Parteitg. Jena 05, p. 331;Grimm, "Der politische Massenstreik";Branting, "Die Generalstreikprobe in Schweden", p. 421;Gorter, "Der Massenstreik der Eisenbahner in Holland", p. 656;Parvus, "Staatsstreich und politischer Massenstreik";Friedeberg, "Parlamentarismus und Generalstreik", p. 31, 32; ders., "Weltansch."

[719]Über die Bedeutung der materiellen Mittel für den Kl-str. sind sich Vertreter aller Richtungen einig; vgl. die Resolutionen über Generalstreiks und über politische M-streiks, z. B. von den internationalen Kongressen in Zürich (p. 53), Amsterdam (p. 24 ff.); fernerLegien(Prot. int. Kongr. Paris 1900 p. 31 ff.); Prot. Parteitg. Bremen 04, p. 196;Jaurès, "Aus Theorie und Praxis", p. 30; Prot. Gwft. Kongr. Köln 05; Prot. Parteitg. Wien 05, p. 68, 69; v.Elm, "Massenstreik, Sozialdemokratie und Genossenschaftsbewegung", p. 734; ders., Prot. Parteitg. Jena 05, p. 331;Grimm, "Der politische Massenstreik";Branting, "Die Generalstreikprobe in Schweden", p. 421;Gorter, "Der Massenstreik der Eisenbahner in Holland", p. 656;Parvus, "Staatsstreich und politischer Massenstreik";Friedeberg, "Parlamentarismus und Generalstreik", p. 31, 32; ders., "Weltansch."

[720]Vgl.Turati, "Lehren und Folgen des Generalstreiks in Italien", p. 866, 867;Vliegen, "Der zehnte Parteitag der niederländischen Sozialdemokratie"; ders., "Der Generalstreik als politisches Kampfmittel", p. 196, 197;Heine, "Politischer Massenstreik im gegenwärtigen Deutschland?";Kolb, "Zur Frage des Generalstreiks", p. 209;Axel Hirsch, p. 197;Grosch, "Der Generalstreik", p. 15 ff.;Leimpeters, "Zum Generalstreik", p. 883; ders., Prot. Gwft. Kongr. Köln 05, p. 223;Cohnstaedt, "Generalstreik, Massenstreik und Sozialdemokratie", p. 749;Eckstein, p. 358, 359;Düwell, "Zur Frage des Generalstreiks", p. 252, 253;Kautsky, "Allerhand Revolutionäres", p. 689. — Anderer Ansicht sind z. B.Louis, p. 301 ff., undFriedeberg, "Parlamentarismus und Generalstreik", p. 28, 29.

[720]Vgl.Turati, "Lehren und Folgen des Generalstreiks in Italien", p. 866, 867;Vliegen, "Der zehnte Parteitag der niederländischen Sozialdemokratie"; ders., "Der Generalstreik als politisches Kampfmittel", p. 196, 197;Heine, "Politischer Massenstreik im gegenwärtigen Deutschland?";Kolb, "Zur Frage des Generalstreiks", p. 209;Axel Hirsch, p. 197;Grosch, "Der Generalstreik", p. 15 ff.;Leimpeters, "Zum Generalstreik", p. 883; ders., Prot. Gwft. Kongr. Köln 05, p. 223;Cohnstaedt, "Generalstreik, Massenstreik und Sozialdemokratie", p. 749;Eckstein, p. 358, 359;Düwell, "Zur Frage des Generalstreiks", p. 252, 253;Kautsky, "Allerhand Revolutionäres", p. 689. — Anderer Ansicht sind z. B.Louis, p. 301 ff., undFriedeberg, "Parlamentarismus und Generalstreik", p. 28, 29.

[721]Vgl.Bebel, Prot. Parteitg. Jena 05, p. 305; ähnl. ebendaZietz, p. 319, und v.Elm, p. 331.

[721]Vgl.Bebel, Prot. Parteitg. Jena 05, p. 305; ähnl. ebendaZietz, p. 319, und v.Elm, p. 331.

[722]Vgl. hierüber z. B.Rob. SchmidtundDavid(Prot. Parteitg. Jena 05, p. 319, 328).

[722]Vgl. hierüber z. B.Rob. SchmidtundDavid(Prot. Parteitg. Jena 05, p. 319, 328).

[723]Vgl.Leimpeters, "Zum Generalstreik";Kampffmeyer, "Der Generalstreik und die Eroberung der ökonomischen Macht";David, "Die Eroberung der politischen Macht", III;Düwell, p. 248 ff.;Grosch, p. 16, 17.

[723]Vgl.Leimpeters, "Zum Generalstreik";Kampffmeyer, "Der Generalstreik und die Eroberung der ökonomischen Macht";David, "Die Eroberung der politischen Macht", III;Düwell, p. 248 ff.;Grosch, p. 16, 17.

[724]Vgl. z. B. Prot. int. Kongr. Zürich 1893, p. 153 ff.

[724]Vgl. z. B. Prot. int. Kongr. Zürich 1893, p. 153 ff.

[725]Vgl.David, "Rückblick auf Jena".

[725]Vgl.David, "Rückblick auf Jena".

Zur Verhütung solcher Ausgänge sind natürlich um so größere Mittel erforderlich, je mehr der Streik sich zeitlich und räumlich ausdehnt; aber je mehr er sich ausdehnt, um so schwerer wird auch die Beschaffung dieser Mittel, um so weniger genügen die Gewerkschaftskassen,[726]um so geringer fällt der Zuschuß aus, den die Nichtstreikenden gewähren können. Der Klassenstreik wird also im allgemeinen hinter der Dauer eines gewöhnlichen Streiks zurückbleiben müssen.[727]Unter den heutigen Umständen dürften die Vorräte der Arbeiter und der ihnen kreditierenden Kleinhändler sogar schon nach einer Woche erschöpft sein.[728]

[726]Vgl. z. B.Grosch.

[726]Vgl. z. B.Grosch.

[727]Vgl.Reumann, Prot. Parteitg. Wien 1894, p. 62;Branting, "Schweden vor einer neuen Stimmrechtskampagne";Eckstein, p. 358. Die Behauptung, der Klassenstreik werde die Regierung noch vor Erschöpfung der Arbeitervorräte zum Nachgeben zwingen (vgl.Zietz, Prot. Parteitg. Jena 05, p. 326), ist unbegründet.

[727]Vgl.Reumann, Prot. Parteitg. Wien 1894, p. 62;Branting, "Schweden vor einer neuen Stimmrechtskampagne";Eckstein, p. 358. Die Behauptung, der Klassenstreik werde die Regierung noch vor Erschöpfung der Arbeitervorräte zum Nachgeben zwingen (vgl.Zietz, Prot. Parteitg. Jena 05, p. 326), ist unbegründet.

[728]Vgl.Leimpeters, p. 883. "Die deutsche Arbeiterschaft ist nicht einmal im stande gewesen, 200 000 Bergleute auf einige Wochen mit Brot und Kartoffeln zu versorgen; wie soll das erst werden, wenn Millionen in Frage kommen?" ("Korrespondent" der Buchdrucker, cit. in der N. Z. Z.)

[728]Vgl.Leimpeters, p. 883. "Die deutsche Arbeiterschaft ist nicht einmal im stande gewesen, 200 000 Bergleute auf einige Wochen mit Brot und Kartoffeln zu versorgen; wie soll das erst werden, wenn Millionen in Frage kommen?" ("Korrespondent" der Buchdrucker, cit. in der N. Z. Z.)

Daher sind denn auch eine Reihe von Plänen zur Lösung desHungerproblemsaufgetaucht. Der Vorschlag einiger Chartisten, jede Arbeiterfamilie sollte sich vor Ausbruch des Streiks einen Sack mit Lebensmitteln anschaffen, aus dem sie gewiß ihre bescheidenen Bedürfnisse einen Monat lang befriedigen könnte, indes die verwöhnten Reichen bald kapitulieren müßten,[729]war ebenso rührend-naiv, wie undurchführbar. — Die Schaffung eines einigermaßen genügenden Streikfonds[730]setzt eine vorläufig unerreichbare Stärke des Gewerkschaftswesens voraus. — Verproviantierungsschwierigkeiten wären beim parzellierten Klassenstreik allerdings geringer,[731]doch könnten die Unternehmerdiese Vorteile durch Aussperrungen illusorisch machen.—  Die Unterstützung durch ausländische Arbeiter blieb bisherstets in bescheidenen Grenzen, kann die materielle Lage also auch nicht wesentlich verbessern. — Durch weitgehende Ausbildung des Genossenschaftswesens ließe sich noch am ehesten eine mehrwöchentliche, wenn auch bescheidenste Ernährung großer Arbeitermassen aufrecht erhalten;[732]übrigens könnten sich die andern Klassen ebenfalls und vermutlich reichlicher vorsehen, und vielleicht würde der Staat im Interesse der Öffentlichkeit "die proletarischen Magazine beschlagnahmen und zum allgemeinen Wohle verwenden".[733]Immerhin wäre durch die genossenschaftliche Entwicklung die Möglichkeit einer starken Ausdehnung der Streiks näher gerückt. Eine materielle Unterstützung durch andere Klassen (Bezahlung der Streiktage durch die Unternehmer, Sammlungen im großen Publikum usw.) wird immer zu den Ausnahmen gehören, pflegt auch keine bedeutenden Dimensionen anzunehmen. — Der einzige radikale Plan zur Vermeidung der Hungergefahr, nämlich die selbständige Organisation der proletarischen Produktion, oder auch Konsumtion,[734]ist im kapitalistischen Staat unausführbar.

[729]Vgl. HenriQuelch, Enquête, p. 185.

[729]Vgl. HenriQuelch, Enquête, p. 185.

[730]Vorgeschlagen vonRoland-Holst, "G-str. u. Sozd.", p. 104 ff.;Kampffmeyera. a. O.; vgl. auch FriedrichNaumann, "Innere Wandlungen der Sozialdemokratie".

[730]Vorgeschlagen vonRoland-Holst, "G-str. u. Sozd.", p. 104 ff.;Kampffmeyera. a. O.; vgl. auch FriedrichNaumann, "Innere Wandlungen der Sozialdemokratie".

[731]Das Proletariat versetze hierbei "die Gesellschaft in einen Zustand ununterbrochener Unruhe, ohne seine eigenen Kräfte völlig aufzureiben" (Roland-Holst, "Der politische Massenstreik in der russischen Revolution", p. 215). Die Arbeiter können ihre Kräfte "jeweilig an solchen Punkten konzentrieren, wo sich ihnen besonders günstige Chancen bieten" (v.Reiswitz, a. a. O., p. 83) und die Arbeitenden können die Streikenden immer wieder unterstützen (vgl. bezgl. Marseille die Allg. Ztg. 11./9. 04).

[731]Das Proletariat versetze hierbei "die Gesellschaft in einen Zustand ununterbrochener Unruhe, ohne seine eigenen Kräfte völlig aufzureiben" (Roland-Holst, "Der politische Massenstreik in der russischen Revolution", p. 215). Die Arbeiter können ihre Kräfte "jeweilig an solchen Punkten konzentrieren, wo sich ihnen besonders günstige Chancen bieten" (v.Reiswitz, a. a. O., p. 83) und die Arbeitenden können die Streikenden immer wieder unterstützen (vgl. bezgl. Marseille die Allg. Ztg. 11./9. 04).

[732]Vgl. v.Elm, a. a. O.;David, "Rückblick auf Jena"; ders., Prot. Parteitg. Jena 05, p. 328;Roland-Holst, "G-str. u. Sozd.", p. 104 ff.

[732]Vgl. v.Elm, a. a. O.;David, "Rückblick auf Jena"; ders., Prot. Parteitg. Jena 05, p. 328;Roland-Holst, "G-str. u. Sozd.", p. 104 ff.

[733]Vliegen, "Der Generalstreik als politisches Kampfmittel", p. 196.

[733]Vliegen, "Der Generalstreik als politisches Kampfmittel", p. 196.

[734]Vgl.Friedeberg, "Parlamentarismus und Generalstreik", p. 31, 32.

[734]Vgl.Friedeberg, "Parlamentarismus und Generalstreik", p. 31, 32.

Aber das Ausharrungsvermögen des Proletariats hängt nicht nur von seinen materiellen Mitteln, sondern in hohem Maße auch von seinenmoralischen Qualitätenab. Denn mit Zahl und Erregung der Ausständigen wächst die Schwierigkeit, Ruhe und Ordnung zu bewahren, mehren sich die Gelegenheiten zu Zusammenstößen und Ausschreitungen. Die gewaltsame Form des Klassenstreiks führt natürlich ohne weiteres zu revolutionären Auftritten.[735]Aber auch bei einem ganz friedlich beabsichtigten Klassenstreik sind blutige Konflikte auf die Dauer fast unvermeidlich, und zwar nicht nur infolge der physischen Notlage (erhöhte Reizbarkeit der Hungernden), sondern auch deshalb, weil hierbeidie üblichen Zusammenstöße mit Arbeitswilligen[736]durch die Klassenleidenschaften verschärft werden; weil ferner in Momenten allgemeiner Aufregung das sogenannte Lumpenproletariat, "alle Schranken der Gesetzlichkeit" durchbrechend, "auf der Bildfläche erscheint";[737]weil auch in solchen Zeiten gewalttätige Fanatiker am leichtesten Einfluß gewinnen, denn "innerhalb einer sich sinnlich berührenden Menschenmenge ... gehen unzählige Suggestionen und nervöse Beeinflussungen hin und her, die dem einzelnen die Ruhe und Selbständigkeit des Überlegens und des Handelns rauben, so daß die flüchtigsten Anregungen innerhalb einer Menge oft lawinenartig zu den unverhältnismäßigsten Impulsivitäten anschwellen und die höheren, differenzierten, kritischen Funktionen wie ausgeschaltet sind";[738]weil endlich jeder Schritt der öffentlichen Gewalt, wie Verhaftungen von Arbeiterführern, ja auch die bloße Verschärfung der staatlichen Sicherheitsmaßregeln, von den gereizten Massen schon wie eine Provokation empfunden und beantwortet werden kann. Die Gefahr liegt also äußerst nahe, daß der Klassenstreik, die Revolution der "gekreuzten Arme", die Revolution "im Sonntagsanzug", "mit den Händen in den Hosentaschen", zu ernstlichen Zusammenstößen mit der bewaffneten Macht, daß sie zur Straßenschlacht führe.[739]Dann aber ist die Niederlage des Proletariats so gut wie gewiß. Zwar läßt sich nicht in Abrede stellen, daß die Bedeutung der Armee durch den Streik selbst ausnahmsweise etwas gemindert werden kann:[740]wenn sich dieser nämlich wirklich bis in die entlegensten Flecken erstrecken, wenn er eine so "ungeheure Ausdehnung" erreichen[741]sollte, daß die Armee nicht groß genug wäre, um allerorten einzugreifen; oder wenn zudem den Soldaten wirklich einrichtiger Angriffspunkt, ein greifbarer Widerstand[742]fehlte, und wenn sie sich infolge bloßen Überwachungsdienstes gedrückt, ermüdet, unsicher fühlen würden.[743]Trotzdem aber ist auch beim Klassenstreik "die moderne Armee einem revoltierenden Volkshaufen stets weit überlegen".[744]

[735]Bernstein, "Pol. M-str. u. pol. Lage", p. 11; ders., "Der Streik als politisches Kampfmittel". — Ebenso würde der Militärstr., der übrigens von den Sozialisten fast durchweg abgelehnt wird (vgl. z. B.Plechanoff,Adler,Liebknechtauf dem int. Kongr. Zürich, Prot. p. 20 ff.), sofort blutige Zusammenstöße veranlassen.

[735]Bernstein, "Pol. M-str. u. pol. Lage", p. 11; ders., "Der Streik als politisches Kampfmittel". — Ebenso würde der Militärstr., der übrigens von den Sozialisten fast durchweg abgelehnt wird (vgl. z. B.Plechanoff,Adler,Liebknechtauf dem int. Kongr. Zürich, Prot. p. 20 ff.), sofort blutige Zusammenstöße veranlassen.

[736]Vgl.Branting, "Schweden vor einer neuen Stimmrechtskampagne";Turati, a. a. O. AuchBernstein("Ist der politische Streik in Deutschland möglich?") gibt zu, daß es nicht "ohne jedes Opfer", nicht ohne "etwas Schrammen" abgehen werde.

[736]Vgl.Branting, "Schweden vor einer neuen Stimmrechtskampagne";Turati, a. a. O. AuchBernstein("Ist der politische Streik in Deutschland möglich?") gibt zu, daß es nicht "ohne jedes Opfer", nicht ohne "etwas Schrammen" abgehen werde.

[737]Eckstein;Turati. Dies war z. B. beim belgischen und beim ital. Klassenstreik der Fall (vgl. N. Z. Z. 6./4. 02; Rdsch. Soz. Mh. Mai 1902, p. 392).

[737]Eckstein;Turati. Dies war z. B. beim belgischen und beim ital. Klassenstreik der Fall (vgl. N. Z. Z. 6./4. 02; Rdsch. Soz. Mh. Mai 1902, p. 392).

[738]Simmel, "Soziologie der Über- und Unterordnung", p. 518 ff.

[738]Simmel, "Soziologie der Über- und Unterordnung", p. 518 ff.

[739]Vgl.Lusnia, "Unbewaffnete Revolution?", p. 564 ff.;Bömelburg(Prot. Gwft. Kongr. Köln 05); ähnl. auchDeville(cit. beiWeill, p. 405),Leimpeters, p. 881,Legien, v.Elm(Prot. Parteitg. Jena 05 p. 322), und zur Zeit des Chartismus z. B.Stephens(vgl.Tildsley, p. 47, 48).

[739]Vgl.Lusnia, "Unbewaffnete Revolution?", p. 564 ff.;Bömelburg(Prot. Gwft. Kongr. Köln 05); ähnl. auchDeville(cit. beiWeill, p. 405),Leimpeters, p. 881,Legien, v.Elm(Prot. Parteitg. Jena 05 p. 322), und zur Zeit des Chartismus z. B.Stephens(vgl.Tildsley, p. 47, 48).

[740]Der Kl-str. könne "affaiblir l'armée entre les mains de la classe capitaliste" (Briand, "La grève générale et la révolution", p. 9 ff.).

[740]Der Kl-str. könne "affaiblir l'armée entre les mains de la classe capitaliste" (Briand, "La grève générale et la révolution", p. 9 ff.).

[741]"Antimilitarismus und Generalstreik", Beilage zu Nr. 11 der "Wahrheit", p. 11 ff. Der Streik müsse allgemein sein, um die Kräfte des Gegners zu zersplittern, fordert z. B.Parvus, a. a. O.; vgl. fernerAdler,Resel(Prot. Parteitg. Wien 1894, p. 70 ff.);Roland-Holst, p. 88 ff.

[741]"Antimilitarismus und Generalstreik", Beilage zu Nr. 11 der "Wahrheit", p. 11 ff. Der Streik müsse allgemein sein, um die Kräfte des Gegners zu zersplittern, fordert z. B.Parvus, a. a. O.; vgl. fernerAdler,Resel(Prot. Parteitg. Wien 1894, p. 70 ff.);Roland-Holst, p. 88 ff.

[742]Vgl.Briand, "La grève générale et la révolution", p. 9 ff.

[742]Vgl.Briand, "La grève générale et la révolution", p. 9 ff.

[743]Die Armee sei "insuffisante pour faire face à un pareil danger" (Briand. p. 9 ff.), sei in solchen Fällen "zur Ohnmacht verurteilt" (so "Antimilitarismus und Generalstreik", a. a. O.; ähnl.Kautsky, "Allerhand Revolutionäres", p. 694, 695). Durch häufige persönliche Berührungen zwischen Streikenden und Soldaten kann natürlich in letzteren das Gefühl der Interessengemeinschaft geweckt werden (Parvus, a. a. O.); doch ist es unwahrscheinlich, daß dies bei den heutigen militärischen Verhältnissen zu einer ernstlichen "Zersetzung der militärischen Disziplin" (Roland-Holst, "Der politische Massenstreik in der russischen Revolution", p. 220 ff.) führen kann; die Disziplin müßte denn schon vorher sehr gelockert gewesen sein. Für Deutschland scheint dies völlig ausgeschlossen. Übrigens hat weder die Unzuverlässigkeit der belgischen Truppen (vgl. N. Z. Z. 26./3. 1893, Allg. Ztg. 3./5. 93), noch die des russischen Heeres die Ausständigen vor blutigen Zusammenstößen bewahrt.

[743]Die Armee sei "insuffisante pour faire face à un pareil danger" (Briand. p. 9 ff.), sei in solchen Fällen "zur Ohnmacht verurteilt" (so "Antimilitarismus und Generalstreik", a. a. O.; ähnl.Kautsky, "Allerhand Revolutionäres", p. 694, 695). Durch häufige persönliche Berührungen zwischen Streikenden und Soldaten kann natürlich in letzteren das Gefühl der Interessengemeinschaft geweckt werden (Parvus, a. a. O.); doch ist es unwahrscheinlich, daß dies bei den heutigen militärischen Verhältnissen zu einer ernstlichen "Zersetzung der militärischen Disziplin" (Roland-Holst, "Der politische Massenstreik in der russischen Revolution", p. 220 ff.) führen kann; die Disziplin müßte denn schon vorher sehr gelockert gewesen sein. Für Deutschland scheint dies völlig ausgeschlossen. Übrigens hat weder die Unzuverlässigkeit der belgischen Truppen (vgl. N. Z. Z. 26./3. 1893, Allg. Ztg. 3./5. 93), noch die des russischen Heeres die Ausständigen vor blutigen Zusammenstößen bewahrt.

[744]Eckstein, p. 362; ähnl.David.

[744]Eckstein, p. 362; ähnl.David.

Sofern freilich das Heer zu den Streikenden hielte, wären alle blutigen Zusammenstöße natürlich von vornherein ausgeschlossen. Daher die Bemühungen um Einführung des Milizsystems; daher die Versuche, durch allgemeine sozialistische, wie auch durch spezielle antimilitaristische[745]Propaganda einen Einfluß auf das Heer auszuüben.[746]

[745]Vgl. "Weckruf", 28. Mai 04;Dejeante(Prot. int. Kongr. Zürich 1893, p. 28);Friedeberg, "Parlamentarismus und Generalstreik", p. 29 ff.; "Antimilitarismus und Generalstreik", a. a. O.

[745]Vgl. "Weckruf", 28. Mai 04;Dejeante(Prot. int. Kongr. Zürich 1893, p. 28);Friedeberg, "Parlamentarismus und Generalstreik", p. 29 ff.; "Antimilitarismus und Generalstreik", a. a. O.

[746]v.Elm, "Rückblick auf den 5. deutschen Gewerkschaftskongreß";Friedeberga. a. O. Die Ansicht, das Milizsystem biete den Arbeitern beim Kl.-str. größere Vorteile, wird z. B. durch die Schweiz. Streikerfahrungen widerlegt — 1902 forderten die sozialistischen Frauen in Brüssel das Militär direkt in einem Manifest auf, nicht auf das Volk zu schießen, aber mit geringem Erfolg (vgl. N. Z. Z. April 1902).

[746]v.Elm, "Rückblick auf den 5. deutschen Gewerkschaftskongreß";Friedeberga. a. O. Die Ansicht, das Milizsystem biete den Arbeitern beim Kl.-str. größere Vorteile, wird z. B. durch die Schweiz. Streikerfahrungen widerlegt — 1902 forderten die sozialistischen Frauen in Brüssel das Militär direkt in einem Manifest auf, nicht auf das Volk zu schießen, aber mit geringem Erfolg (vgl. N. Z. Z. April 1902).

Ein weniger radikales, aber praktisch nicht ganz aussichtsloses Schutzmittel (das aber keineswegs die Verhütung aller und jeder Konflikte gewährleistet),[747]besteht in der Beeinflussung der Arbeiter selbst: vor allem allgemeine Erziehung und Disziplinierung der Massen,[748]dann aber auch spezielleMaßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ordnungwährend des Streiks: wie Einrichtung eines Sicherheitsdienstes,[749]Ermahnungen einflußreicher Führer zur Ruhe und Ordnung,[750]Vorkehrungen gegen den in solchen Zeiten ganz besonders verderblichen Alkoholgenuß[751]usw. Hingegen möchte sich die vorherige Aufstellung eines detaillierten Streikplans wegen der Unberechenbarkeit der Verhältnisse als zwecklos erweisen.[752]— Natürlich kann auch durch ausnahmsweise Unterstützung aus anderen Gesellschaftskreisen die moralische Widerstandskraft der Streikenden gehoben werden.[753]

[747]Bernstein, "Der Kampf in Belgien und der politische Massenstreik"; ders., "Der politische Massenstreik und der Staatsanwalt".

[747]Bernstein, "Der Kampf in Belgien und der politische Massenstreik"; ders., "Der politische Massenstreik und der Staatsanwalt".

[748]Dies fordert z. B. die Amsterdamer Generalstreikresolution (Prot. p. 24 ff.); ebensoZietz, (Prot. Parteitag Jena 1905 p. 326);Bernstein, a. a. O., und viele andere, auchRoland-Holst("G-str. u. Sozd."; doch fordert sie [p. 119] andererseits eine solche Erregung, daß die proletarische Disziplin durchbrochen werde). Es wird eine möglichst umfassende Organisation und Vorbereitung des Proletariats verlangt, Schulung im täglichen Kampf, sodaß die Möglichkeit des Zusammenhalts und der Ordnung auch nach Gefangennahme der gewohnten Führer bestehen bleibe, Einheitlichkeit der Leitung, wobei es irrelevant sei, ob Partei oder Gewerkschaft die Führung übernehmen, sofern sie sich nur gegenseitig in die Hände arbeiten (vgl.Bernstein, "Der Streik als politisches Kampfmittel";Umrath, p. 19, 20;Kautsky, "Allerhand Revolutionäres", p. 689 ff., 732, 733; ders., "Maifeier und Generalstreik";Olberg, "Der italienische Generalstreik", p. 23;Jaurès, "Grève et Révolution";Roland-Holst, p. 107 ff.;Friedeberga. a. O.).

[748]Dies fordert z. B. die Amsterdamer Generalstreikresolution (Prot. p. 24 ff.); ebensoZietz, (Prot. Parteitag Jena 1905 p. 326);Bernstein, a. a. O., und viele andere, auchRoland-Holst("G-str. u. Sozd."; doch fordert sie [p. 119] andererseits eine solche Erregung, daß die proletarische Disziplin durchbrochen werde). Es wird eine möglichst umfassende Organisation und Vorbereitung des Proletariats verlangt, Schulung im täglichen Kampf, sodaß die Möglichkeit des Zusammenhalts und der Ordnung auch nach Gefangennahme der gewohnten Führer bestehen bleibe, Einheitlichkeit der Leitung, wobei es irrelevant sei, ob Partei oder Gewerkschaft die Führung übernehmen, sofern sie sich nur gegenseitig in die Hände arbeiten (vgl.Bernstein, "Der Streik als politisches Kampfmittel";Umrath, p. 19, 20;Kautsky, "Allerhand Revolutionäres", p. 689 ff., 732, 733; ders., "Maifeier und Generalstreik";Olberg, "Der italienische Generalstreik", p. 23;Jaurès, "Grève et Révolution";Roland-Holst, p. 107 ff.;Friedeberga. a. O.).

[749]Es wurde 1904 in Mailand eine Art Arbeiterpolizei eingerichtet (vgl.Olberg, "Der italienische Generalstreik", p. 22). Beim polit. Streik in Russisch-Polen verlangte das Arbeiterkomitee von Zawiercie in einem Manifest: Ruhe, Würde und Charakterfestigkeit, und es drohte, bei Diebstahl, Raub und Schlägerei gegen die Schuldigen einzuschreiten (vgl. Dokumente des Sozialismus, V. 9).

[749]Es wurde 1904 in Mailand eine Art Arbeiterpolizei eingerichtet (vgl.Olberg, "Der italienische Generalstreik", p. 22). Beim polit. Streik in Russisch-Polen verlangte das Arbeiterkomitee von Zawiercie in einem Manifest: Ruhe, Würde und Charakterfestigkeit, und es drohte, bei Diebstahl, Raub und Schlägerei gegen die Schuldigen einzuschreiten (vgl. Dokumente des Sozialismus, V. 9).

[750]"Es müssen die Männer, die bei der Masse Autorität haben, mögen sie den Streik billigen oder nicht, persönlich ihren ganzen Einfluß aufwenden", um ihn in gesitteten Grenzen zu halten (Turati, "Lehren und Folgen des Generalstreiks in Italien").

[750]"Es müssen die Männer, die bei der Masse Autorität haben, mögen sie den Streik billigen oder nicht, persönlich ihren ganzen Einfluß aufwenden", um ihn in gesitteten Grenzen zu halten (Turati, "Lehren und Folgen des Generalstreiks in Italien").

[751]Schon der Chartistenkonvent fragte in einem Manifest, ob das Volk bereit sei, während des heiligen Monats vom Genuß geistiger Getränke abzustehen (vgl.Tildsley, p. 46). Beim belgischen Streik warnten die Führer vor dem Alkoholgenuß (vgl. "Allg. Ztg. 16./4. 02;Destrée und Vandervelde, p. 259), der Branntweinausschank wurde eingeschränkt (Destrée und Vandervelde, p. 259): "à Verviers, les cabaretiers socialistes ne débitèrent point de genièvre (Wachholderbranntwein) pendant le temps de la grève; un peu partout, on remarqua la diminution de l'ivroguerie". Beim schwedischen Streik waren die Ausschankstellen für geistige Getränke überhaupt geschlossen (N. Z. Z. 16./5. 02). Das Komitee von Zawiercie (a. a. O.) bedrohte Betrunkene mit 20 Schlägen. In Italien forderte 1904 die Arbeitskammer von Sampierdarena die Verkäufer alkoholischer Getränke zur Einstellung des Verkaufs derselben während der Streikdauer auf (Olberg, a. a. O.).

[751]Schon der Chartistenkonvent fragte in einem Manifest, ob das Volk bereit sei, während des heiligen Monats vom Genuß geistiger Getränke abzustehen (vgl.Tildsley, p. 46). Beim belgischen Streik warnten die Führer vor dem Alkoholgenuß (vgl. "Allg. Ztg. 16./4. 02;Destrée und Vandervelde, p. 259), der Branntweinausschank wurde eingeschränkt (Destrée und Vandervelde, p. 259): "à Verviers, les cabaretiers socialistes ne débitèrent point de genièvre (Wachholderbranntwein) pendant le temps de la grève; un peu partout, on remarqua la diminution de l'ivroguerie". Beim schwedischen Streik waren die Ausschankstellen für geistige Getränke überhaupt geschlossen (N. Z. Z. 16./5. 02). Das Komitee von Zawiercie (a. a. O.) bedrohte Betrunkene mit 20 Schlägen. In Italien forderte 1904 die Arbeitskammer von Sampierdarena die Verkäufer alkoholischer Getränke zur Einstellung des Verkaufs derselben während der Streikdauer auf (Olberg, a. a. O.).

[752]Vgl.Leimpeters, "Die Taktik des Bergarbeiterverbandes" p. 488; ders. "Zum Generalstreik", p. 884.

[752]Vgl.Leimpeters, "Die Taktik des Bergarbeiterverbandes" p. 488; ders. "Zum Generalstreik", p. 884.

[753]Dies soll beim 1. belgischen Wahlrechtsstreik der Fall gewesen sein, desgl. in Rußland 1905; ähnl. auch beim Ruhrstreik.

[753]Dies soll beim 1. belgischen Wahlrechtsstreik der Fall gewesen sein, desgl. in Rußland 1905; ähnl. auch beim Ruhrstreik.

Das Ausharrungsvermögen des Proletariats ist also von der Größe seiner eigenen materiellen und geistigen Vorräte, plus event. Unterstützung aus bürgerlichen Kreisen abhängig. Die tatsächliche Inanspruchnahme dieser Mittel wird um so größer, die Differenz zwischen proletarischer Opferfähigkeit und Opferwilligkeit um so geringer, die Durchführung des Streiks um so konsequenter sein, je lebhafter das Proletariat seine konkrete Forderung als gerecht und notwendig empfindet.[754]

[754]Vgl.Jaurès, a. a. O.; ders. "Aus Theorie und Praxis", p. 99 ff.;Roland-Holst, a. a. O. p. 107 ff.;Bernstein, "Pol. M-str. u. pol. Lage", p. 34; Prot. Parteitag Wien 05, p. 68, 69. Zur Entwickelung dieser Gefühle im Proletariat wird Vorbereitung verlangt, vgl. z. B. Prot. Parteitag Wien 1894, p. 80 ff.;Luxemburg, (Vorwärts, 8. Dez. 05);Thesing, p. 334.

[754]Vgl.Jaurès, a. a. O.; ders. "Aus Theorie und Praxis", p. 99 ff.;Roland-Holst, a. a. O. p. 107 ff.;Bernstein, "Pol. M-str. u. pol. Lage", p. 34; Prot. Parteitag Wien 05, p. 68, 69. Zur Entwickelung dieser Gefühle im Proletariat wird Vorbereitung verlangt, vgl. z. B. Prot. Parteitag Wien 1894, p. 80 ff.;Luxemburg, (Vorwärts, 8. Dez. 05);Thesing, p. 334.

2. Außer vom Ausharrungsvermögen der Arbeiter hängt die Durchführung des Klassenstreiks aber noch von derWiderstandskraftihrerGegnerab.

Diese entspricht einerseits dem Umfang der Gegnerschaft überhaupt, ist also um so größer, je mehr der Streik sich gegen alle Gesellschaftsklassen wendet,[755]je weniger Sympathien er im Bürgertum wecken kann; andererseits entspricht sie den gegnerischen Machtmitteln, resp. deren Zuverlässigkeit und Anwendbarkeit.

[755]Streltzow, a. a. O. p. 136, folgert aus den russischen Streikerfahrungen, daß ein Kl.-str. ohne starke Organisationen nur möglich sei, "wenn er gegen die völlig isolierte Regierung geführt wird".

[755]Streltzow, a. a. O. p. 136, folgert aus den russischen Streikerfahrungen, daß ein Kl.-str. ohne starke Organisationen nur möglich sei, "wenn er gegen die völlig isolierte Regierung geführt wird".

Da die Zuverlässigkeit der Machtmittel durch allgemeine politische Ereignisse beträchtlich modifiziert werden kann, so hängt der Widerstand der Gegner in hohem Maße vom Zeitpunkt ab, in dem der Klassenstreik ausbricht; dieser hat also um so größere Chancen, je verwickelter die politischen Verhältnisse gerade liegen (z. B. zur Zeit eines unglücklichen Krieges, oder bei tiefgreifender Unzufriedenheit im Volk,[756]oder wenn die Regierung innerlich morsch ist);[757]denn was für den gewerblichen Streik die wirtschaftliche Hochkonjunktur, das bedeutet für den Klassenstreik die allgemeine Krise.

[756]Bernstein, "Der Streik als politisches Kampfmittel": der pol. M.-str. solle "eine latente Krisis zu einer für die Arbeiterklasse möglichst günstigen Entscheidung treiben", nicht diese Krisis selbst herbeiführen (p. 693). Ähnlich wünschteResel(Prot. Parteitag Wien 1894, p. 70) für den Wahlrechtsstreik einen Zeitpunkt, "wenn sich die politischen Verhältnisse günstig gestalten, wenn im Parlament eine Konfusion eintreten wird".

[756]Bernstein, "Der Streik als politisches Kampfmittel": der pol. M.-str. solle "eine latente Krisis zu einer für die Arbeiterklasse möglichst günstigen Entscheidung treiben", nicht diese Krisis selbst herbeiführen (p. 693). Ähnlich wünschteResel(Prot. Parteitag Wien 1894, p. 70) für den Wahlrechtsstreik einen Zeitpunkt, "wenn sich die politischen Verhältnisse günstig gestalten, wenn im Parlament eine Konfusion eintreten wird".


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