[84]Der Generalstreik "non sostituice, nè elimina l'uso degli altri mezzi risolutivi che la storia suggerisce, e che lo sciopero o condiziona o rafforza o potenzia"; denn der Generalstreik sei die "forma specifica della rivoluzione proletaria e delle successive conquiste che alla rivoluzione menano" (Labriola, a. a. O.).
[84]Der Generalstreik "non sostituice, nè elimina l'uso degli altri mezzi risolutivi che la storia suggerisce, e che lo sciopero o condiziona o rafforza o potenzia"; denn der Generalstreik sei die "forma specifica della rivoluzione proletaria e delle successive conquiste che alla rivoluzione menano" (Labriola, a. a. O.).
[85]Winter, a. a. O.: "die Arbeiterschaft wird schon dahinter kommen, daß mit ihm (dem Kl-str.) nicht nur politische Rechte, sondern auch nützliche ökonomische Vorteile ... erobert werden können"; ähnl. das Anarchistenblatt "Neues Leben" (cit. in der Allg. Ztg. 19./4. 02); ferner "Weckruf" (9. Jan. 04, "Wo wollen wir hin? Der Generalstreik");Berth(vgl. Notes Bibliograph. du Mouvement socialiste, I. et 15. XI. 05, p. 374 ff.).
[85]Winter, a. a. O.: "die Arbeiterschaft wird schon dahinter kommen, daß mit ihm (dem Kl-str.) nicht nur politische Rechte, sondern auch nützliche ökonomische Vorteile ... erobert werden können"; ähnl. das Anarchistenblatt "Neues Leben" (cit. in der Allg. Ztg. 19./4. 02); ferner "Weckruf" (9. Jan. 04, "Wo wollen wir hin? Der Generalstreik");Berth(vgl. Notes Bibliograph. du Mouvement socialiste, I. et 15. XI. 05, p. 374 ff.).
Ein Klassenstreik heißt aberpolitischer Massenstreik, sobald er als bloßesHilfsmittelim proletarischen Kampfe auftritt,[86]nur aus Zweckmäßigkeitsgründen angewandt,[87]dem Parlamentarismus höchstens koordiniert, fast regelmäßig subordiniert[88]wird. Dabei bedeutet er meist überhaupt nur ein ausnahmsweises Hilfsmittel, das, wieTuratisagt, "niemals zum normalen Kampfmittel des Proletariats erhoben werden darf", die "ultima ratio",[89]die letzte, äußerste Kraftanstrengung in extremen Fällen.[90]
[86]Prot. Parteitg. Jena 05,Zetkin, p. 324,Bebel, p. 338;Adler(Prot. Parteitg. Wien 1894, p. 105).
[86]Prot. Parteitg. Jena 05,Zetkin, p. 324,Bebel, p. 338;Adler(Prot. Parteitg. Wien 1894, p. 105).
[87]Hilferding, "Zur Frage des Generalstreiks", p. 141 ff.;Delory, P. O. F. (Congrès général des Organisations socialistes françaises Paris 1899, p. 246 ff.);Umrath, a. a. O.; Kommissionsresolution des int. Kongr. Zürich, 1893 (cit. Prot. Parteitg. Jena 05, p. 302).
[87]Hilferding, "Zur Frage des Generalstreiks", p. 141 ff.;Delory, P. O. F. (Congrès général des Organisations socialistes françaises Paris 1899, p. 246 ff.);Umrath, a. a. O.; Kommissionsresolution des int. Kongr. Zürich, 1893 (cit. Prot. Parteitg. Jena 05, p. 302).
[88]Prot. int. Kongr. Amsterdam 04, p. 24 ff.;Liebknecht, (Prot. Parteitg. Jena 05, p. 327);Zetkin(Prot. Parteitg. Bremen 04, p. 196);Bebel(Prot. Parteitg. Mannheim 06, p. 227-241); Resolution der ital. Integralisten (vgl.Olberg, "Der Parteitag von Rom"); Congrès général ... Paris 1899, p. VII, 236-60;Kautsky, "Die soziale Revolution", p. 50; ders. "Maifeier und Generalstreik";Zetkin(vgl. Vorwärts 23. Aug. 05);Luxemburg, "Und zum dritten Mal das belgische Experiment";Hilferding, "Zur Frage des Generalstreiks", p. 141;Umrath, a. a. O.;Jaurès, "Aus Theorie und Praxis", p. 97-121.
[88]Prot. int. Kongr. Amsterdam 04, p. 24 ff.;Liebknecht, (Prot. Parteitg. Jena 05, p. 327);Zetkin(Prot. Parteitg. Bremen 04, p. 196);Bebel(Prot. Parteitg. Mannheim 06, p. 227-241); Resolution der ital. Integralisten (vgl.Olberg, "Der Parteitag von Rom"); Congrès général ... Paris 1899, p. VII, 236-60;Kautsky, "Die soziale Revolution", p. 50; ders. "Maifeier und Generalstreik";Zetkin(vgl. Vorwärts 23. Aug. 05);Luxemburg, "Und zum dritten Mal das belgische Experiment";Hilferding, "Zur Frage des Generalstreiks", p. 141;Umrath, a. a. O.;Jaurès, "Aus Theorie und Praxis", p. 97-121.
[89]Z. B.v. Elm, (Prot. Gwft. Kongr. Köln 05, p. 226); ähnl.Adler(Prot. Parteitg. Wien 05, p. 129);Bernstein, "Politischer Massenstreik und Revolutionsromantik".
[89]Z. B.v. Elm, (Prot. Gwft. Kongr. Köln 05, p. 226); ähnl.Adler(Prot. Parteitg. Wien 05, p. 129);Bernstein, "Politischer Massenstreik und Revolutionsromantik".
[90]Z. B.v. Elm, "Die Gewerkschaftsdebatte auf dem Mannheimer Parteitag";Kautsky, "Maifeier und Generalstreik"; Prot. Parteitg. Wien 1894, p. 105 (ResolutionAdler); Prot. Parteitg. Wien 03, p. 126; Prot. Parteitg., Wien 05, p. 66 ff., 121; Prot. int. Kongr. Amsterdam, p. 8, 24 ff.
[90]Z. B.v. Elm, "Die Gewerkschaftsdebatte auf dem Mannheimer Parteitag";Kautsky, "Maifeier und Generalstreik"; Prot. Parteitg. Wien 1894, p. 105 (ResolutionAdler); Prot. Parteitg. Wien 03, p. 126; Prot. Parteitg., Wien 05, p. 66 ff., 121; Prot. int. Kongr. Amsterdam, p. 8, 24 ff.
Als solch extremer Fall erscheint einerseits diesoziale Revolution; und zwar wird dem politischen Massenstreik eine um so bedeutendere Rolle "in den revolutionären Kämpfen der Zukunft"[91]zugewiesen, je mehr das Vertrauen auf die ökonomisch-automatischeEinführung des Sozialismus verschwindet, der Glaube an den gewaltsamen Charakter der sozialen Umwälzung bestehen bleibt,[92]zugleich aber auch die "Revolution im Heugabelsinn"[93]an Kredit verliert. Durch die Entdeckung des politischen Massenstreiks soll daher das bis anhin verschwommene Bild von der proletarischen Revolution Leben und Farbe gewonnen haben.[94]Daneben wird der politische Massenstreik übrigens unter Umständen auch noch zu gelegentlicher Unterstützung des Klassenkampfs in seinen vorrevolutionären Stadien vorgesehen.[95]
[91]Kautsky, "Allerhand Revolutionäres", p. 738; ders. "Die soziale Revolution" ("Formen und Waffen der sozialen Revolution");Umrath, p. 19, 20; Enquête, p. 208;Roland-Holst, "G-str. u. Sozd.", p. 169;Parvus, "Staatsstreich und politischer Massenstreik", p. 394;Willert, Guesdist (Prot. int. Kongr. Amsterdam, 04, p. 27). — Über den Kl-str. als modernen Ersatz für die Erhebung:Bissolati, "Das Ergebnis der italienischen Wahlen", p. 958; vgl. auchEckstein, p. 360.
[91]Kautsky, "Allerhand Revolutionäres", p. 738; ders. "Die soziale Revolution" ("Formen und Waffen der sozialen Revolution");Umrath, p. 19, 20; Enquête, p. 208;Roland-Holst, "G-str. u. Sozd.", p. 169;Parvus, "Staatsstreich und politischer Massenstreik", p. 394;Willert, Guesdist (Prot. int. Kongr. Amsterdam, 04, p. 27). — Über den Kl-str. als modernen Ersatz für die Erhebung:Bissolati, "Das Ergebnis der italienischen Wahlen", p. 958; vgl. auchEckstein, p. 360.
[92]Vgl.Roland-Holst, a. a. O., p. XII ff.
[92]Vgl.Roland-Holst, a. a. O., p. XII ff.
[93]Liebknecht(Prot. Parteitg. Jena 05, p. 327); vgl. auchBriand(Congrès général ... Paris 1899, p. 156);Parvus, a. a. O.;Kautsky, "Allerhand Revolutionäres", p. 694; Prot. Parteitg. Bremen 04, p. 193; ">Der politische Massenstreik< und der Staatsanwalt", Bericht über die Verhandlung im Prozeß gegenLöbe(wegen Abdruck derBernstein'schen Rede), im Vorwärts, 1. Beilage zu Nr. 196, 23. Aug. 05.— Andere, wie z. B.Hue(vgl. "Partei und Gewerkschaft"),Vliegen(vgl. "Der zehnteParteitag der niederländischen Sozialdemokratie"),Bömelburg(vgl. Prot. Gwft. Kongr. Köln 05) glauben, daß es auch noch andere "schärfere" Mittel zur ev. Herbeiführung der Katastrophe gäbe, als den Klassenstreik, und daß der Augenblick diese schon mit sich bringen werde.
[93]Liebknecht(Prot. Parteitg. Jena 05, p. 327); vgl. auchBriand(Congrès général ... Paris 1899, p. 156);Parvus, a. a. O.;Kautsky, "Allerhand Revolutionäres", p. 694; Prot. Parteitg. Bremen 04, p. 193; ">Der politische Massenstreik< und der Staatsanwalt", Bericht über die Verhandlung im Prozeß gegenLöbe(wegen Abdruck derBernstein'schen Rede), im Vorwärts, 1. Beilage zu Nr. 196, 23. Aug. 05.— Andere, wie z. B.Hue(vgl. "Partei und Gewerkschaft"),Vliegen(vgl. "Der zehnteParteitag der niederländischen Sozialdemokratie"),Bömelburg(vgl. Prot. Gwft. Kongr. Köln 05) glauben, daß es auch noch andere "schärfere" Mittel zur ev. Herbeiführung der Katastrophe gäbe, als den Klassenstreik, und daß der Augenblick diese schon mit sich bringen werde.
[94]Dies rühmt z. B.Roland-Holst, a. a. O. p. 182 ff.
[94]Dies rühmt z. B.Roland-Holst, a. a. O. p. 182 ff.
[95]So spricht z. B.Roland-Holst(p. 95 ff.) vom pol. M-str. am Anfang (zur Erwerbung), im Verlauf des politischen Kampfes (zur Erhaltung von Rechten) und am Schluß desselben (als soziale Revolution, während z. B. nach derLeipziger Volkszeitungvom 8. März 04 (cit beiDavid, "Rückblick auf Jena") der Klassenstr. einzig für die soz. Revolution in Frage käme.
[95]So spricht z. B.Roland-Holst(p. 95 ff.) vom pol. M-str. am Anfang (zur Erwerbung), im Verlauf des politischen Kampfes (zur Erhaltung von Rechten) und am Schluß desselben (als soziale Revolution, während z. B. nach derLeipziger Volkszeitungvom 8. März 04 (cit beiDavid, "Rückblick auf Jena") der Klassenstr. einzig für die soz. Revolution in Frage käme.
Andererseits erscheint die Bedrohung dersozialen Evolutionals der extreme Fall, der die ausnahmsweise Anwendung des politischen Massenstreiks rechtfertigen könne. Und entsprechend dem Parlamentarismus, den er schützen soll, erscheint hierbei auch der politische Massenstreik entweder als wirksamster, wenn auch nicht einziger "Faktor eines stetigen, organischen Fortschritts auf dem Wege .. der proletarischen .. Emanzipation",[96]oder geradezu als Voraussetzung des Sozialismus überhaupt.[97]
[96]Bernstein, "Ist der politische Streik in Deutschland möglich?";Kampffmeyer, "Der Generalstreik und die Eroberung der ökonomischen Macht";Bernstein, "Pol. M-str. u. pol. Lage", p. 8 ff., 34; ders. "Politischer Massenstreik und Revolutionsromantik";Bernsteinals Zeuge im Prozeß gegenLöbe, a. a. O.;v. Elm(Prot. Parteitg. Jena 05, p. 323;Jaurès, a. a. O.; —Olberg, "Der italienische Generalstreik", p. 22. —Hilferding, p. 142;Destrée und Vandervelde, p. 22;Bebel(Prot. Parteitg. Jena 05).
[96]Bernstein, "Ist der politische Streik in Deutschland möglich?";Kampffmeyer, "Der Generalstreik und die Eroberung der ökonomischen Macht";Bernstein, "Pol. M-str. u. pol. Lage", p. 8 ff., 34; ders. "Politischer Massenstreik und Revolutionsromantik";Bernsteinals Zeuge im Prozeß gegenLöbe, a. a. O.;v. Elm(Prot. Parteitg. Jena 05, p. 323;Jaurès, a. a. O.; —Olberg, "Der italienische Generalstreik", p. 22. —Hilferding, p. 142;Destrée und Vandervelde, p. 22;Bebel(Prot. Parteitg. Jena 05).
[97]"Hinter dem allgemeinen Wahlrecht muß stehen der Wille zum Generalstreik" (Hilferding, a. a. O. p. 139 ff.), der Generalstr. müsse die "regulative Idee" imKlassenkampf sein; z. B. vonVliegen("Der Generalstreik als politisches Kampfmittel") als "Phrase" abgelehnt; (vgl. oben p. 14).
[97]"Hinter dem allgemeinen Wahlrecht muß stehen der Wille zum Generalstreik" (Hilferding, a. a. O. p. 139 ff.), der Generalstr. müsse die "regulative Idee" imKlassenkampf sein; z. B. vonVliegen("Der Generalstreik als politisches Kampfmittel") als "Phrase" abgelehnt; (vgl. oben p. 14).
Dem Klassenstreik sind eine Reihe anderer Aktionsmittel des Proletariats verwandt, die ebenfalls auf massenhafter Verweigerung notwendiger Funktionen beruhen oder beruhen können.
Praktisch kommt fast ausschließlich der EntzugwirtschaftlicherFunktionen in Betracht, und zwar vor allem der Entzug wirtschaftlicher Funktionen innerhalb des Produktionskreises; hierbei handelt es sich in erster Linie um die Mittel mitobligatorischerArbeitsverweigerung. Unter diesen begreift der Normalfall, dieoffeneArbeitsverweigerung, also derStreik, auch den Klassenstreik in sich. Und zwar gleicht letzterer in seinem gewerblichen Wirkungsvermögen völlig den übrigen großen Streiks, steht hierin also, wie diese, in genauem Gegensatz zum partiellen Streik.
Diegewerbliche Wirkungeines Streiks auf die Unternehmer beruht im allgemeinen auf dem Interesse derselben am Fortgang der Produktion. Dieses Interesse, das den Unternehmer unter Umständen zur Nachgiebigkeit gegenüber den Forderungen seiner Arbeiter bestimmt, ist ein doppeltes. Der Fortgang der Produktion sichert einerseits die Verzinsung des im Betrieb angelegten Kapitals, sowie den Unternehmergewinn (zugleich die Erhaltung der Betriebseinrichtungen in brauchbarem Zustand): positives Interesse, und erschwert andererseits die Verdrängung durch die Konkurrenz (Einführung neuer Verfahren, Abfangen der Kundschaft usw. während des Streiks): negatives Interesse.
Daspositive Interessewird zwar vom Massenstreik, also auch vom Klassenstreik, ähnlich berührt, wie vom partiellen Streik; etwas stärker noch insofern, als beim Massenstreik von einer Aushilfe durch die Streikversicherung viel weniger zu erwarten steht, als bei einem partiellen Ausstand; dafür vermindert sich aber beim Massenstreik (und erst recht beim Klassenstreik) die Rücksichtnahme seitens der Arbeiter auf die wirtschaftlichen Konjunkturverhältnisse,[98]so daß hierbei wohl ausnahmslos auchsolche Unternehmungen getroffen werden, denen gerade eine momentane Betriebsstockung zum Vorteil gereicht; ja, auch die dem Unternehmer gewöhnlich aus dem Streik erwachsenden Schwierigkeiten gegenüber Dritten (Nichteinhaltung von Lieferfristen, Konventionalstrafen usw.) verringern sich, je größere Dimensionen der Streik annimmt, je mehr er als Kasus angesehen werden darf.[99]
[98]Es kann beim Kl.-str. um so weniger Rücksicht auf die wirtschaftliche Konjunktur genommen werden, je mehr Rücksicht auf den politisch günstigen Moment genommen werden muß (vgl.Hanich, Prot. Parteitg. Wien 1894, p. 65); eine Berücksichtigung der wirtschaftlichen Konjunktur wird überdies um so schwerer, je größer der Streik ist, da sich bei starker gewerblicher und geographischer Differenzierung der Beteiligten kaum ein Zeitpunkt finden läßt, wo sich alle fraglichen Gewerbe und Plätze annähernd gleicher Prosperität erfreuen.
[98]Es kann beim Kl.-str. um so weniger Rücksicht auf die wirtschaftliche Konjunktur genommen werden, je mehr Rücksicht auf den politisch günstigen Moment genommen werden muß (vgl.Hanich, Prot. Parteitg. Wien 1894, p. 65); eine Berücksichtigung der wirtschaftlichen Konjunktur wird überdies um so schwerer, je größer der Streik ist, da sich bei starker gewerblicher und geographischer Differenzierung der Beteiligten kaum ein Zeitpunkt finden läßt, wo sich alle fraglichen Gewerbe und Plätze annähernd gleicher Prosperität erfreuen.
[99]Schon die gewöhnlichen Streiks, bes. Angriffsstreiks, pflegen als Casus angesehen zu werden (vgl.ab-Yberg, p. 95).
[99]Schon die gewöhnlichen Streiks, bes. Angriffsstreiks, pflegen als Casus angesehen zu werden (vgl.ab-Yberg, p. 95).
Erscheint hiernach schon das positive Interesse des Unternehmers normalerweise durch den Massenstreik eher weniger bedroht, als durch den partiellen Streik, so tritt eine völlige Umkehrung des Verhältnisses bezüglich desnegativen Interessesein. Die Unternehmerkonkurrenz spielt nämlich eine um so kleinere Rolle, je größere Dimensionen der Streik annimmt; denn je vollständiger die Einbeziehung aller miteinander konkurrierender Unternehmungen, um so geringer für jede einzelne die Gefahr der Konkurrenzstärkung während der Arbeitsunterbrechung.[100]Den kräftigeren Unternehmungen kann der Massenstreik durch die Beseitigung schwächerer Konkurrenten[101]sogar noch direkten Vorteil bringen. — Das Konkurrenzmoment als Faktor des Entgegenkommens, als Faktor des Streikerfolges, verliert also mit Ausdehnung des Streiks immer mehr an Bedeutung[102]und verschwindet überhaupt völlig, sobald die Gesamtheit der konkurrierenden Betriebe stillliegt.[103]
[100]Ähnlich liegen die Verhältnisse beim partiellen Streik gegen Monopolisten (vgl.Düwell, "Zur Frage des Generalstreiks").
[100]Ähnlich liegen die Verhältnisse beim partiellen Streik gegen Monopolisten (vgl.Düwell, "Zur Frage des Generalstreiks").
[101]Da diese sich ev. schon an den positiven Beeinträchtigungen durch den Streik verbluten; um die großen Unternehmer empfindlicher zu treffen, schlug daherEllenbogen(Prot. Parteitg. Wien 1894, p. 54) vor, den Kleinbetrieb von einem ev. Wahlrechtsstreik ausdrücklich auszunehmen.
[101]Da diese sich ev. schon an den positiven Beeinträchtigungen durch den Streik verbluten; um die großen Unternehmer empfindlicher zu treffen, schlug daherEllenbogen(Prot. Parteitg. Wien 1894, p. 54) vor, den Kleinbetrieb von einem ev. Wahlrechtsstreik ausdrücklich auszunehmen.
[102]Eckstein, p. 258, 259;Grosch, "Der Generalstreik", p. 14, 15; vgl. auchKautsky, "Allerhand Revolutionäres", p. 687 ff.
[102]Eckstein, p. 258, 259;Grosch, "Der Generalstreik", p. 14, 15; vgl. auchKautsky, "Allerhand Revolutionäres", p. 687 ff.
[103]Soweit dies nicht der Fall ist, können die Unternehmer übrigens durch internationale und nationale Vereinbarungen den Konkurrenzausschluß selbst herbeiführen (vgl.Düwell).
[103]Soweit dies nicht der Fall ist, können die Unternehmer übrigens durch internationale und nationale Vereinbarungen den Konkurrenzausschluß selbst herbeiführen (vgl.Düwell).
Der Massenstreik, und mit ihm der Klassenstreik, werden also in ihrer Wirkung auf das Unternehmertum stets hinter der Wirkung des partiellen Streiks zurückbleiben müssen, da das positive Interesse des Unternehmers an der Aufrechterhaltung des Betriebes keinesfalls stärker berührt, sein negatives Interesse aber ausgeschaltet wird. Der Massenstreik kann also keineswegsvon vornherein als der Superlativ des partiellen Streiks angesehen werden; noch weniger ist die Berechtigung seiner Anwendung aus etwaiger Erfolglosigkeit partieller Ausstände zu folgern.[104]
[104]Dies tut z. B.Briand(Prot. int. Kongr. Paris 1900, p. 32, und "La grève générale et la révolution", p. 4, 5); vgl. auchUmrath, a. a. O.;Dejeante(Congrès général ... Paris 1899, p. 257 ff.). — Die tatsächliche Zunahme der Massenstreiks und die Wahrnehmung, daß dieselben immer häufiger den Charakter politischer Ereignisse tragen (bes. im Eisenbahnbetrieb und im Bergbau: Pennsylvanien, Kolorado, Frankreich, England, Belgien, Deutschland, Österreich usw.), förderte die Überzeugung, diese Waffe, die "die technische Entwicklung den Arbeitern in die Hand gegeben" habe (Prot. Parteitg. Wien 05, p. 132), sei auch im politischen Kampf anzuwenden (vgl.Kautsky, "Der Kongreß in Köln"; ders.: "Die soziale Revolution", p. 49, 50;Roland-Holst, "G-str. u. Sozd.", p. 32 ff., 54;Bernstein, "Trust und Streik"; ders.: "Der Kampf in Belgien und der politische Massenstreik", p. 416; ders. am Parteitg. in Jena (Prot. p. 315);Stadthagen(ebenda, p. 330).
[104]Dies tut z. B.Briand(Prot. int. Kongr. Paris 1900, p. 32, und "La grève générale et la révolution", p. 4, 5); vgl. auchUmrath, a. a. O.;Dejeante(Congrès général ... Paris 1899, p. 257 ff.). — Die tatsächliche Zunahme der Massenstreiks und die Wahrnehmung, daß dieselben immer häufiger den Charakter politischer Ereignisse tragen (bes. im Eisenbahnbetrieb und im Bergbau: Pennsylvanien, Kolorado, Frankreich, England, Belgien, Deutschland, Österreich usw.), förderte die Überzeugung, diese Waffe, die "die technische Entwicklung den Arbeitern in die Hand gegeben" habe (Prot. Parteitg. Wien 05, p. 132), sei auch im politischen Kampf anzuwenden (vgl.Kautsky, "Der Kongreß in Köln"; ders.: "Die soziale Revolution", p. 49, 50;Roland-Holst, "G-str. u. Sozd.", p. 32 ff., 54;Bernstein, "Trust und Streik"; ders.: "Der Kampf in Belgien und der politische Massenstreik", p. 416; ders. am Parteitg. in Jena (Prot. p. 315);Stadthagen(ebenda, p. 330).
Was dem Massenstreik aber an gewerblicher Wirkung abgeht, das kann unter Umständen die außergewerbliche, diesoziale Wirkungersetzen, die den partiellen Streiks überhaupt fehlt, oder doch nur den exzeptionellen unproletarischen Streiks[105]zukommt.
[105]Streiks der Schüler, Advokaten, Ingenieure, Richter, Handelsgehilfen, Ärzte, Apotheker, Munizipalbeamten (Streik der Gemeinderäte bei der südfranzösischen Winzerbewegung 1907). Die österreichische Hausbesitzerversammlung soll gar den abenteuerlichen Plan gefaßt haben (sofern keine Zeitungsente vorliegt), alle Wohnungen zu kündigen, falls die Regierung nicht unverzüglich an die Abänderung der Hauszins- und Gebäudesteuer ginge (gemäß "Fremdenblatt", cit. von der Arbeiterzeitung Wien, 24. Juni 1906).
[105]Streiks der Schüler, Advokaten, Ingenieure, Richter, Handelsgehilfen, Ärzte, Apotheker, Munizipalbeamten (Streik der Gemeinderäte bei der südfranzösischen Winzerbewegung 1907). Die österreichische Hausbesitzerversammlung soll gar den abenteuerlichen Plan gefaßt haben (sofern keine Zeitungsente vorliegt), alle Wohnungen zu kündigen, falls die Regierung nicht unverzüglich an die Abänderung der Hauszins- und Gebäudesteuer ginge (gemäß "Fremdenblatt", cit. von der Arbeiterzeitung Wien, 24. Juni 1906).
Die soziale Wirkung des Massenstreiks kann von derZahlder Streikenden abhängen; denn jede Arbeitsniederlegung sehr vieler Menschen veranlaßt eine allgemeine Beunruhigung, Erregung, Unsicherheit, eine allgemeine Störung von Handel und Wandel.[106]
[106]Resel(Prot. Parteitg. Wien 1894, p. 70 ff.) Die Minderung der Kaufkraft der Ausständigen wird sich auf dem das Proletariat versorgenden Markte fühlbar machen; das Stillliegen vieler Betriebe zwingt, infolge der arbeitsteiligen Entwickelung, auch zahlreiche Dritte zur Arbeitsunterbrechung; die Verlängerung der Umschlagsdauer des Kapitals wird ein Sinken der Industriewerte nach sich ziehen usw.
[106]Resel(Prot. Parteitg. Wien 1894, p. 70 ff.) Die Minderung der Kaufkraft der Ausständigen wird sich auf dem das Proletariat versorgenden Markte fühlbar machen; das Stillliegen vieler Betriebe zwingt, infolge der arbeitsteiligen Entwickelung, auch zahlreiche Dritte zur Arbeitsunterbrechung; die Verlängerung der Umschlagsdauer des Kapitals wird ein Sinken der Industriewerte nach sich ziehen usw.
Doch es kommt nicht nur auf die Zahl der Ausständigen, sondern auch auf die sozialeBedeutungder stillgelegten Werke an, wonach sich die soziale Wirkung in qualitativer Richtung bestimmt. Unter den sozial wichtigen Unternehmungen aber wird die Arbeitsruhe derjenigen Gruppen den bedeutendsten Effekt herbeiführen, von deren fortwährenden Leistungen, also von deren ununterbrochener Inbetriebhaltung das gesellschaftliche Dasein in besonderem Maße abhängt (wie Kraft- und Lebensmittelversorgung, Transport, Sanitätsdienst usw.). Je allgemeiner in diesen Unternehmungen der Streik, um so empfindlicher seine Wirkung auf die Gesellschaft.[107]
[107]Zur Förderung des sozialen Druckes bemühen sich die Arbeiter daher auch um Fernhaltung der Konkurrenz beim Streik; so wurde z. B. beim Streik im Ruhrgebietseitens der Arbeiterschaft versucht, die belgische und englische Kohle durch Verständigung mit den dortigen Genossen fernzuhalten.
[107]Zur Förderung des sozialen Druckes bemühen sich die Arbeiter daher auch um Fernhaltung der Konkurrenz beim Streik; so wurde z. B. beim Streik im Ruhrgebietseitens der Arbeiterschaft versucht, die belgische und englische Kohle durch Verständigung mit den dortigen Genossen fernzuhalten.
Auch das staatliche Leben ist durch den Massenstreik mannigfachen Beunruhigungen, unter Umständen sogar geradezu einer Gefährdung ausgesetzt, — ganz abgesehen davon, daß der Staat durch jede gesellschaftliche Krise indirekt mitgetroffen wird.
Einerseits handelt es sich auch dem Staat gegenüber um quantitativ bestimmte Wirkungen, sofern dieser nämlich die streikenden Massen um ihrer Zahl willen nicht mehr in den Schranken von Recht und Ordnung zu halten vermag; andererseits um qualitativ bestimmte Wirkungen, wenn große Streiks "an Stellen, wo sie dem Staat und der öffentlichen Gewalt am empfindlichsten sind", ausbrechen (Verkehrs- und Nachrichtendienst, Militärverproviantierung usw.), infolge der Natur der streikenden Betriebe die eigensten Funktionen des Staates stören und eine "Desorganisation des Staatsmechanismus" einleiten würden.[108]
[108]Auf eine solche Wirkung rechnenParvus, a. a. O.;Zetkin(vgl. Vorwärts, 23. Aug. 05);Roland-Holst, a. a. O. p. 100 ff.;Kautsky, "Allerhand Revolutionäres" p. 208.
[108]Auf eine solche Wirkung rechnenParvus, a. a. O.;Zetkin(vgl. Vorwärts, 23. Aug. 05);Roland-Holst, a. a. O. p. 100 ff.;Kautsky, "Allerhand Revolutionäres" p. 208.
Wenn qualitativ und quantitativ bestimmte gesellschaftliche Wirkungen sich vereinigen, wenn der Massenstreik "der ganzen bürgerlichen Gesellschaft Unbequemlichkeiten und Verluste" zufügt,[109]"die notwendigen Funktionen der Wirtschaft" stilllegt und Störungen im öffentlichen Betrieb bewirkt,[110]den "Lebensprozeß der kapitalistischen Gesellschaft" bedroht, wenn er als "maladie publique",[111]als "nationale Kalamität"[112]auftritt oder auftreten soll, dann wird es sich kaum um deninnergewerblichen Massenstreikhandeln, dann wird in der Regel einKlassenstreikvorliegen, oder zum mindesten doch ein solcher gewerblicher Massenstreik, dem wir, eben um dieser Wirkungen willen, eine Grenzstellung anweisen, den wir alsPseudo-Klassenstreikbezeichnen müssen.
[109]Kautsky, a. a. O. p. 690.
[109]Kautsky, a. a. O. p. 690.
[110]Adler(Prot. Parteitg. Wien 05, p. 126).
[110]Adler(Prot. Parteitg. Wien 05, p. 126).
[111]M.Fazy, Zu den MotionenScherrerundSulzer(Amtl. Stenogr. Bulletin der Schweiz. Bundesversammlung, Jahrg. XVI, p. 912).
[111]M.Fazy, Zu den MotionenScherrerundSulzer(Amtl. Stenogr. Bulletin der Schweiz. Bundesversammlung, Jahrg. XVI, p. 912).
[112]Kautsky, "Die Soziale Revolution", p. 49 ff.; ähnl.Ulrich, "Die Arbeiterausstände und der Staat", p. 1, 2.
[112]Kautsky, "Die Soziale Revolution", p. 49 ff.; ähnl.Ulrich, "Die Arbeiterausstände und der Staat", p. 1, 2.
Die gewerblichen und die außergewerblichen Wirkungen des Klassenstreiks treten in verschiedenen Kombinationen auf, je nachdem es sich um Forderungen an die Unternehmer oder um solche an die Öffentlichkeit handelt. (Natürlich versuchen wir hier nur eine Schematisierung des Vorgangs, eine sozusagengeometrische Skizzierung der typischen Grundformen, die unter der vielfarbigen Übermalung durch die stets veränderliche Wirklichkeit noch hervorschimmern.)
BeiwirtschaftlichenForderungen wird die Druckkraft des Streiks bloß auf die Unternehmer zwar nicht eben bedeutende Erfolge herbeiführen; hingegen vermag vielleicht der zugleich auftretende gesellschaftliche Druck die Öffentlichkeit dermaßen zu beunruhigen, daß sie einzuschreiten versucht, den empfangenen Druck weiterleitet, ihn auf die "widerspenstigen Unternehmer" überträgt. Je weniger die Allgemeinheit unter der Erfüllung der Streikforderung zu leiden hat, je mehr sie den Standpunkt der Arbeiter teilt und den der Unternehmer tadelt (wie dies manchmal großen Monopolisten gegenüber der Fall ist), um so energischer wird sie auch die Erfüllung der proletarischen Wünsche verlangen, so daß also auf den Unternehmern außer dem allerdings nur schwachen gewerblichen Druck ev. indirekt noch der bedeutendere gesellschaftliche Druck lastet. Von der politischen Stärkeverteilung hängt es ab, ob die Unternehmer ev. auch durch gesetzliche Regelung der fraglichen Verhältnisse zur Gewährung der Forderung gezwungen werden können.[113]
[113]Ein derartiger Vorgang lag beim österr. Kohlengräberstr. vor (vgl.Kautsky, "Allerhand Revolutionäres", p. 689 ff.), wäre aber auch beim reinen Kl-str. denkbar.
[113]Ein derartiger Vorgang lag beim österr. Kohlengräberstr. vor (vgl.Kautsky, "Allerhand Revolutionäres", p. 689 ff.), wäre aber auch beim reinen Kl-str. denkbar.
BeipolitischenForderungen kommt es zwar hauptsächlich auf die Stärke des direkten gesellschaftlichen Druckes an, doch läßt sich dieser indirekt noch durch den gewerblichen Druck, den der Streik auf die Unternehmer ausübt, steigern; denn zeigen letztere auch wenig Entgegenkommen bei ökonomischen Forderungen, die sie ev. aus der eigenen Tasche befriedigen müßten, so neigen sie hier naturgemäß eher ein wenig zu Konzessionen, wo sich der immerhin auch bei Massenstreiks erwünschte gewerbliche Frieden auf Kosten dritter, nämlich auf Kosten der Regierung erkaufen läßt. Je nachdem im Arbeitgeber der Staatsbürger oder der Unternehmer vorherrscht, wird er seinen Einfluß für oder gegen die Arbeiterforderung in die Wagschale werfen.[114]
[114]Je mehr der Unternehmer seinen Schaden "auf die politische Maschine" übertragen könne, "um so wirksamer wird der Streik sein" (Adler, Prot. Parteitg. Wien 05, p. 126 ff.; ähnl.Kautsky, a. a. O.).
[114]Je mehr der Unternehmer seinen Schaden "auf die politische Maschine" übertragen könne, "um so wirksamer wird der Streik sein" (Adler, Prot. Parteitg. Wien 05, p. 126 ff.; ähnl.Kautsky, a. a. O.).
Bricht der Klassenstreik in einem revolutionären Moment aus, wenn also eine Kluft zwischen der bürgerlichen Gesellschaft und dem Staat besteht, so kann auf letzterem außer demdirekten unter Umständen auch noch der von Gesellschaft und Unternehmertum auf die Regierung überwälzte, also ein indirekter Streikdruck lasten.
Eine Überwälzung eines indirekten Streikdrucks auf die Regierung ist natürlich in wirklich demokratischen Staatswesen völlig gegenstandslos,[115]da in solchen eine Kluft zwischen Regierung und Volksmajorität prinzipiell ausgeschlossen ist. Überhaupt ist in der durchgeführten politischen Demokratie jeder politische Streik so überflüssig,[116]wie es der gewöhnliche Streik bei durchgeführter gewerblicher Demokratie sein würde.[117]Nur wer, wie die französischen revolutionären Syndikalisten, an die ausschlaggebende Bedeutung sektiererischer Minoritäten glaubt, der wird auch in der Demokratie den Streik predigen.[118]
[115]Gegen den pol. M-str. in der Demokratie äußerte sich z. B. der Schweizer. ArbeitersekretärGreulich; vgl. auch z. B.Bourdeau, p. 442.
[115]Gegen den pol. M-str. in der Demokratie äußerte sich z. B. der Schweizer. ArbeitersekretärGreulich; vgl. auch z. B.Bourdeau, p. 442.
[116]Kautsky, a. a. O. p. 732, 733.
[116]Kautsky, a. a. O. p. 732, 733.
[117]Bernstein, z. B. "Der Kampf in Belgien und der politische Massenstreik", p. 416 ff.
[117]Bernstein, z. B. "Der Kampf in Belgien und der politische Massenstreik", p. 416 ff.
[118]"La démocratie ... opprime la minorité qui porte en elle l'avenir. La tactique de combat syndicaliste n'a aucun égard à la masse, qui ne veut pas vouloir, et met au premier rang ceux qui sont décidés à agir" (Pouget, cit. beiBourdeau, p. 44; vgl. auchLagardelle, "Die syndikalistische Bewegung in Frankreich", undDeville, "Revolutionärer und reformistischer Sozialismus in Frankreich", p. 26, 27).Jaurès(vgl. "Aus Theorie u. Praxis", p. 119 ff., und "Grève et Révolution" [Humanité, 5. Nov. 05]), der diesen Standpunkt ursprünglich bekämpfte, macht den Syndikalisten doch insoweit Konzessionen, als er zugibt, "la grève générale en France ... pourra communiquer à la masse lourde de la démocratie l'animation concentrée dans la classe ouvrière organisée. Elle pourra même abreger l'agonie du régime capitaliste".
[118]"La démocratie ... opprime la minorité qui porte en elle l'avenir. La tactique de combat syndicaliste n'a aucun égard à la masse, qui ne veut pas vouloir, et met au premier rang ceux qui sont décidés à agir" (Pouget, cit. beiBourdeau, p. 44; vgl. auchLagardelle, "Die syndikalistische Bewegung in Frankreich", undDeville, "Revolutionärer und reformistischer Sozialismus in Frankreich", p. 26, 27).Jaurès(vgl. "Aus Theorie u. Praxis", p. 119 ff., und "Grève et Révolution" [Humanité, 5. Nov. 05]), der diesen Standpunkt ursprünglich bekämpfte, macht den Syndikalisten doch insoweit Konzessionen, als er zugibt, "la grève générale en France ... pourra communiquer à la masse lourde de la démocratie l'animation concentrée dans la classe ouvrière organisée. Elle pourra même abreger l'agonie du régime capitaliste".
Treten politische und wirtschaftliche Forderungen zusammen auf[119]so kann der Gesamtdruck hierdurch verringert oder verstärkt werden, je nach der Stellungnahme der Unternehmerschaft. Ist diese von vornherein zu unbedingter Ablehnung der wirtschaftlichen Forderungen entschlossen, so wird sie sich kaum für die Durchsetzung der politischen Wünsche bemühen, wenn deren Erfüllung den Streik doch noch nicht beendigen würde. Liegt den Unternehmern aber die politische Forderung selbst am Herzen, so kommen sie vielleicht ausnahmsweise den Arbeitern in ökonomischer Hinsicht entgegen, um deren Streikfähigkeit zu steigern.[120]
[119]Bei den meisten polit. M-streiks traten die Arbeiter auch mit spez. wirtschaftlichen Forderungen an die Unternehmer heran: schon beim Plug-Plot; in Belgien, usw.; auch 1894 von einem Teil der österr. Sozialdemokratie für den projektierten Wahlrechtsstreik geplant (vgl.Hueber, Prot. Parteitg. Wien 94, p. 58,Adler, Prot. Parteitg. Wien 05, p. 131).
[119]Bei den meisten polit. M-streiks traten die Arbeiter auch mit spez. wirtschaftlichen Forderungen an die Unternehmer heran: schon beim Plug-Plot; in Belgien, usw.; auch 1894 von einem Teil der österr. Sozialdemokratie für den projektierten Wahlrechtsstreik geplant (vgl.Hueber, Prot. Parteitg. Wien 94, p. 58,Adler, Prot. Parteitg. Wien 05, p. 131).
[120]Dies soll in Rußland vorgekommen sein (vgl. z. B.Roland-Holst, "Der politische Massenstreik in der russischen Revolution", p. 216).
[120]Dies soll in Rußland vorgekommen sein (vgl. z. B.Roland-Holst, "Der politische Massenstreik in der russischen Revolution", p. 216).
Ähnlich wie "zu den verschiedenen Arten des Streiks, der offenen Arbeitsunterbrechung, verhält sich der Klassenstreik zu denen der versteckten, der trotz formeller Weiterarbeit tatsächlichen Arbeitsunterbrechung, zu den Arten desverschleierten Streiks.
Seine legale Form bildet die sogenanntepassive ResistenzoderDienstobstruktion. Durch verabredete, peinlichste Befolgung eines den Betriebserfordernissen nicht, resp. nicht mehr angepaßten Dienstreglements wird der Arbeitseffekt so herabgesetzt, daß tiefgreifende Betriebsstörungen oder Betriebslähmungen eintreten, die den Wirkungen einer direkten Arbeitsverweigerung völlig gleichen. In großem Maßstab wurde diese Methode bisher nur im Eisenbahnbetrieb angewandt (in Italien und Österreich, wo sie völlig den Effekt eines Massenstreiks ausübte.[121]Die Dienstobstruktion ist wirklich eine "verteufelt schlaue Idee ..., wenn sie auch in der Praxis, weil zu fein zugespitzt, bald schartig werden kann";[122]"steht und fällt" sie doch mit dem Reglement, nach dessen zweckmäßiger Revision sie entweder erlöschen, oder den ihr eigentümlichen Boden formeller Legalität verlassen und in denSabot[123]übergehen muß. Der Sabot bedeutet "systematisch langsam arbeiten oder Pfuscharbeit liefern",[124]"Unsichermachung des Betriebs, Zerstörung von Produktionsmitteln",[125]ist also völlig verwerflich.
[121]Vgl. Rdsch. Soz. Mh. Juni 05, p. 557-558;Olberg, "Nachträgliches zum Eisenbahnerstreik", p. 380, 381; Rudolf GrafCzernin, "Die Bekämpfung der passiven Resistenz", p. 7 ff.
[121]Vgl. Rdsch. Soz. Mh. Juni 05, p. 557-558;Olberg, "Nachträgliches zum Eisenbahnerstreik", p. 380, 381; Rudolf GrafCzernin, "Die Bekämpfung der passiven Resistenz", p. 7 ff.
[122]Soz. Prx. 1905, Nr. 22.
[122]Soz. Prx. 1905, Nr. 22.
[123]Sabot = Hemmschuh, Radschuh, Bremse. —Lagardelle("Die syndikalistische Bewegung in Frankreich", p. 119) nennt das englische Ca'canny als Ursprung der Sabotage; letztere müsse man übrigens "als ein Kampfmittel der Verzweiflung betrachten, welches in das System der an sich nötigen Werkstättearbeiten, das der Syndikalismus aufstellt, nicht gehört".
[123]Sabot = Hemmschuh, Radschuh, Bremse. —Lagardelle("Die syndikalistische Bewegung in Frankreich", p. 119) nennt das englische Ca'canny als Ursprung der Sabotage; letztere müsse man übrigens "als ein Kampfmittel der Verzweiflung betrachten, welches in das System der an sich nötigen Werkstättearbeiten, das der Syndikalismus aufstellt, nicht gehört".
[124]Aus der Taktik der Confédération générale du Travail (vgl. "Antimilitarismus und Generalstreik", Beilage zu Nr. 11 der "Wahrheit").
[124]Aus der Taktik der Confédération générale du Travail (vgl. "Antimilitarismus und Generalstreik", Beilage zu Nr. 11 der "Wahrheit").
[125]"Weckruf" 05, cit. in der N. Z. Z. vom 12./10. 05, Nr. 283.
[125]"Weckruf" 05, cit. in der N. Z. Z. vom 12./10. 05, Nr. 283.
AuchDemonstrationundInsurrektionsind häufig mit Arbeitsniederlegung verknüpft und kommen dann, da sie zudem meist Ziele verfolgen, wie sie auch bei gewissen Klassenstreiks begegnen, diesen äußerst nahe.
Wenn z. B. die Versammlungs- oder Straßendemonstration durch Arbeitsruhe verstärkt wird,[126]so verwandelt sie sich beigenügender Ausdehnung und genügender Dauer in den demonstrativen Klassenstreik. Insbesondere kann dies bei derMaifeierder Fall sein. Die Maifeier war ursprünglich wohl als ein kurzer demonstrativer Weltstreik geplant.[127]Entstammt sie doch der gleichen Quelle, wie der anarchistische Generalstreik selbst;[128]möglich auch, daß der internationale Arbeiterkongreß in Paris 1889 für die internationale Kundgebung zum 1. Mai 1890 die Arbeitsruhe im Sinne hatte; doch enthielt er sich jeder Vorschrift über die Form der Kundgebung;[129]auch auf den folgenden nationalen und internationalen Kongressen wurde die Arbeitsruhe nur als "würdigste" und "wirksamste", daher erstrebenswerteste Form der Maifeier, keineswegs als deren Bedingung hingestellt.[130]Da zudem, neben Tendenzen zur Abschaffung der Maifeier[131]auch Bestrebungen aufgetaucht sind, aus praktischen Gründen von der Arbeitsruhe überhaupt ganz abzusehen,[132]so läßt sich die Maifeier höchstens als "tentative de grève générale",[133]nur ganz ausnahmsweise als wirklicher Klassenstreik ansehen.
[126]Durch die Arbeitsruhe soll die Wirkung der Demonstration in Bezug auf Eindrücklichkeit und Propagandakraft vertieft werden (vgl.Eckstein, p. 361; "'Der politische Streik' und der Staatsanwalt", a. a. O.; Bericht der Delegation der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands ... p. 51; A.Rudolph, "Zur Maifeier";Bernstein, "Pol. M-str. u. pol. Lage", p. 33, 34; ders. "Der Kampf in Belgien und der politische Massenstreik", p. 415, 416;Block, p. 563;Cohnstaedt, a. a. O.;Bömelburg(Prot. Parteitg. Jena 05, p. 233); Prot. Parteitg. Bremen 04, p. 193; Prot. Parteitg. Wien 1894, p. 62.
[126]Durch die Arbeitsruhe soll die Wirkung der Demonstration in Bezug auf Eindrücklichkeit und Propagandakraft vertieft werden (vgl.Eckstein, p. 361; "'Der politische Streik' und der Staatsanwalt", a. a. O.; Bericht der Delegation der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands ... p. 51; A.Rudolph, "Zur Maifeier";Bernstein, "Pol. M-str. u. pol. Lage", p. 33, 34; ders. "Der Kampf in Belgien und der politische Massenstreik", p. 415, 416;Block, p. 563;Cohnstaedt, a. a. O.;Bömelburg(Prot. Parteitg. Jena 05, p. 233); Prot. Parteitg. Bremen 04, p. 193; Prot. Parteitg. Wien 1894, p. 62.
[127]Die Maifeier ist eine Demonstration "für die gesetzliche Einführung des achtstündigen Arbeitstags, für die Klassenforderungen des Proletariats und für den Weltfrieden" zwecks Aufrüttelung der "öffentlichen Gewalten" (vgl. die Protokolle der int. Kongr. von Amsterdam 04, p. 53 ff.; Paris 1889, p. 123; Brüssel 1891; Zürich 1893, p. 35; London 96, p. 29; Prot. Parteitg. Jena 05, p. 141).
[127]Die Maifeier ist eine Demonstration "für die gesetzliche Einführung des achtstündigen Arbeitstags, für die Klassenforderungen des Proletariats und für den Weltfrieden" zwecks Aufrüttelung der "öffentlichen Gewalten" (vgl. die Protokolle der int. Kongr. von Amsterdam 04, p. 53 ff.; Paris 1889, p. 123; Brüssel 1891; Zürich 1893, p. 35; London 96, p. 29; Prot. Parteitg. Jena 05, p. 141).
[128]Im Dez. 1888 beschloß der Kongreß der Federation of Labour in St. Louis, am 1. Mai 1890 eine Kundgebung für die Arbeiterforderungen zu veranstalten (vgl. z. B. Flugschrift zum 1. Mai 1895 [Buchdruckerei des Schweizerischen Grütlivereins]).
[128]Im Dez. 1888 beschloß der Kongreß der Federation of Labour in St. Louis, am 1. Mai 1890 eine Kundgebung für die Arbeiterforderungen zu veranstalten (vgl. z. B. Flugschrift zum 1. Mai 1895 [Buchdruckerei des Schweizerischen Grütlivereins]).
[129]Prot. Int. Kongr. Paris 1889, p. 123.
[129]Prot. Int. Kongr. Paris 1889, p. 123.