[307]N. N. Z. 15. und 24. Mai; Allg. Ztg. 17./5.
[307]N. N. Z. 15. und 24. Mai; Allg. Ztg. 17./5.
[308]Wenn man zunächst auch nur "eine vieldeutige, tastende, sehr wenig verpflichtende Reichstagsresolution" gewonnen habe, so sei nun doch die Stimmung im Reichstag dem allg. Wahlrecht günstiger, jede Partei sich der Dringlichkeit der Reform bewußt geworden (Branting, "Die schwed. Reichstagswahlen";Bömelburg, Prot. Gwft. Kongr. Köln 1905, p. 220 ff.), wodurch die schwedische Stimmrechtsfrage "in eine neue Phase getreten" sei (Branting, "Schweden vor einer neuen Stimmrechtskampagne"); doch da es sich von Anfang an nur um eine Demonstration handelte, kann "von Gelingen oder Nicht-Gelingen hier keine Rede sein" (Vliegen, "Der Generalstreik als politisches Kampfmittel").
[308]Wenn man zunächst auch nur "eine vieldeutige, tastende, sehr wenig verpflichtende Reichstagsresolution" gewonnen habe, so sei nun doch die Stimmung im Reichstag dem allg. Wahlrecht günstiger, jede Partei sich der Dringlichkeit der Reform bewußt geworden (Branting, "Die schwed. Reichstagswahlen";Bömelburg, Prot. Gwft. Kongr. Köln 1905, p. 220 ff.), wodurch die schwedische Stimmrechtsfrage "in eine neue Phase getreten" sei (Branting, "Schweden vor einer neuen Stimmrechtskampagne"); doch da es sich von Anfang an nur um eine Demonstration handelte, kann "von Gelingen oder Nicht-Gelingen hier keine Rede sein" (Vliegen, "Der Generalstreik als politisches Kampfmittel").
[309]Die N. Z. Z. 24./5., nimmt sogar an, der Streik habe überhaupt keinen Einfluß auf die Reichstagsbeschlüsse gehabt.
[309]Die N. Z. Z. 24./5., nimmt sogar an, der Streik habe überhaupt keinen Einfluß auf die Reichstagsbeschlüsse gehabt.
Die Arbeiter scheinen nur wenig unter den Nachwirkungen des Streiks gelitten zu haben. Die unmittelbar folgenden Maßregelungen waren nicht sehr erheblich,[310]und der angedrohte Streikrechtsentzug kam um so weniger zu Stande,[311]als die Arbeiterorganisationen den Klassenstreik inzwischen "begraben" hatten. Denn obgleich die Wahlreform sich über Erwarten verzögerte, obgleich der finnische Nationalstreik seinen Eindruck auf die schwedischen Arbeiter nicht verfehlte,[312]und obgleich eine kleine "anarchosozialistische" Partei-Opposition zum Generalstreik drängte,[313]ergab eine detaillierte Umfrage bei den Arbeitern, besonders bei den gewerkschaftlich organisierten,[314]die Ablehnung zwar nicht des Klassenstreiksan sich, wohl aber des Klassenstreiks im damals vorliegenden Falle.[315]Da die bloße Wiederholung des Demonstrationsstreiks überdies gar keine Wirkung versprochen, ein mehrwöchentlicher Ausstand aber die Arbeiterschaft den größten Gefahren ausgesetzt hätte,[316]so ließ die Partei den Gedanken des Klassenstreiks vorläufig fallen.
[310]Branting("Die Generalstreikprobe in Schweden" p. 423) nimmt an, die schwedischen Arbeiter seien durch den Kampf gestärkt worden; dies ist doch wohl fraglich: ein vor dem Streik angesammelter Fonds von 80 000 Kr., um "Bürger, die ohne eigenes Verschulden vielleicht von den Behörden drangsaliert werden", zu unterstützen (Gerichtskosten und dergl.), soll "durch die Konflikte unter den Streikenden stark mitgenommen" worden sein (Branting, "Schweden vor einer neuen Stimmrechtskampagne", p. 623).Branting("Die schwed. Reichstagswahlen") gibt auch einige Fälle zu, "wo fanatische Feinde der Arbeiterbewegung die Situation für Repressalien auszunützen sich bemühten". — NachRoland-Holst("G-str. u. Sozd.", p. 62) soll es nur in einer großen Fabrik zu einer kurzen Aussperrung gekommen sein; den Gewerkschaften habe der Streik "so gut wie keine Opfer" gekostet.
[310]Branting("Die Generalstreikprobe in Schweden" p. 423) nimmt an, die schwedischen Arbeiter seien durch den Kampf gestärkt worden; dies ist doch wohl fraglich: ein vor dem Streik angesammelter Fonds von 80 000 Kr., um "Bürger, die ohne eigenes Verschulden vielleicht von den Behörden drangsaliert werden", zu unterstützen (Gerichtskosten und dergl.), soll "durch die Konflikte unter den Streikenden stark mitgenommen" worden sein (Branting, "Schweden vor einer neuen Stimmrechtskampagne", p. 623).Branting("Die schwed. Reichstagswahlen") gibt auch einige Fälle zu, "wo fanatische Feinde der Arbeiterbewegung die Situation für Repressalien auszunützen sich bemühten". — NachRoland-Holst("G-str. u. Sozd.", p. 62) soll es nur in einer großen Fabrik zu einer kurzen Aussperrung gekommen sein; den Gewerkschaften habe der Streik "so gut wie keine Opfer" gekostet.
[311]Der infolge des Streiks entstandene Gesetzentwurf gegen gemeingefährliche Streiks wurde im Mai 1905 im Reichstag behandelt, von der 2. Kammer aber abgelehnt (vgl.Axel Hirsch, "Lagförslaget mot allmänfarliga sträjker").
[311]Der infolge des Streiks entstandene Gesetzentwurf gegen gemeingefährliche Streiks wurde im Mai 1905 im Reichstag behandelt, von der 2. Kammer aber abgelehnt (vgl.Axel Hirsch, "Lagförslaget mot allmänfarliga sträjker").
[312]Es soll "das Beispiel Finnlands, das durch seinen Nationalstreik das Einkammersystem und allgemeines Stimmrecht für Männer und Frauen mit einem Schlage erreicht hat, ... auf die Arbeiter Schwedens tief gewirkt" haben (Branting, "Die liberale Episode im schwedischen Wahlrechtskampf").
[312]Es soll "das Beispiel Finnlands, das durch seinen Nationalstreik das Einkammersystem und allgemeines Stimmrecht für Männer und Frauen mit einem Schlage erreicht hat, ... auf die Arbeiter Schwedens tief gewirkt" haben (Branting, "Die liberale Episode im schwedischen Wahlrechtskampf").
[313]Die sog. "Jungsozialisten", unter Führung vonHinke Bergegren, "die nach anarchistischem Muster den Generalstreik als sozialrevolutionäre Tat feiern" und eine eifrige G-str.-Propaganda betrieben (vgl.Branting, "Schweden vor einer neuen Stimmrechtskampagne"; Rdsch. Soz. Mh. Jan. 07).
[313]Die sog. "Jungsozialisten", unter Führung vonHinke Bergegren, "die nach anarchistischem Muster den Generalstreik als sozialrevolutionäre Tat feiern" und eine eifrige G-str.-Propaganda betrieben (vgl.Branting, "Schweden vor einer neuen Stimmrechtskampagne"; Rdsch. Soz. Mh. Jan. 07).
[314]Die Umfrage wurde von der Parteileitung veranstaltet, um dem Parteitag im Februar 1905 zuverlässiges Material über die Stimmung der Massen zu liefern; schon 1904 hatte die Partei, bei allem Interesse für die Wahlreform, vorläufig von einem G-str. abgesehen (Rdsch. Soz. Mh. Mai 04, p. 410).
[314]Die Umfrage wurde von der Parteileitung veranstaltet, um dem Parteitag im Februar 1905 zuverlässiges Material über die Stimmung der Massen zu liefern; schon 1904 hatte die Partei, bei allem Interesse für die Wahlreform, vorläufig von einem G-str. abgesehen (Rdsch. Soz. Mh. Mai 04, p. 410).
[315]Rdsch. Soz. Mh. 05, p. 354, 355;Branting, a. a. O. p. 623, 624.
[315]Rdsch. Soz. Mh. 05, p. 354, 355;Branting, a. a. O. p. 623, 624.
[316]Die gefestigte Unternehmerorganisation würde sich "nicht noch einmal überrumpeln" lassen (Branting;Roland-Holst, "G-str. u. Sozd.", p. 62); auch würden die Arbeiter bei einem zweiten Streik das Publikum gegen sich gehabt haben (Branting); der Streik würde zu Konflikten mit der bewaffneten Macht geführt haben.
[316]Die gefestigte Unternehmerorganisation würde sich "nicht noch einmal überrumpeln" lassen (Branting;Roland-Holst, "G-str. u. Sozd.", p. 62); auch würden die Arbeiter bei einem zweiten Streik das Publikum gegen sich gehabt haben (Branting); der Streik würde zu Konflikten mit der bewaffneten Macht geführt haben.
In der österreichischen Wahlrechtsbewegung spielte der Klassenstreik ebenfalls eine beträchtliche Rolle, wenngleich es hier bei der bloßen Androhung sein Bewenden haben sollte. Der belgische Wahlrechtsstreik von 1893 legte der österreichischen Sozialdemokratie damals schon den Gedanken nahe, das veraltete Wahlsystem nach belgischem Muster zu bekämpfen.[317]Da die erlangte mäßige Wahlreform nicht befriedigte,[318]so zog der Wiener Parteitag von 1894[319]als letztes Auskunftsmittel den Klassenstreik in Betracht, nahm aber von dessen momentaner Ausführung wegen zu geringer Entwicklung der Organisationen noch Abstand.[320]Mit der Steigerung der Wahlrechtsbewegung[321]entwickelte sich auch wieder eine eifrigere Diskussion des Klassenstreiks, dessen Ansehen seit der von den belgischen Arbeitern 1902 erwiesenen Rückzugsmöglichkeit beträchtlich zugenommen hatte.[322]Der besonders von den Bergarbeitern längere Zeit vertretene Standpunkt,[323]den Klassenstreik nicht nur für das Wahlrecht,sondern zugleich auch für den Achtstundentag zu inszenieren,[324]wurde gänzlich aufgegeben. Doch handelte es sich für die österreichische Sozialdemokratie auch jetzt noch mehr um akademische Erörterungen.[325]Akut wurde die Frage erst, nachdem in Ungarn das allgemeine Wahlrecht zugesichert worden war. Die Kampflust des Parteitags von 1905 wurde durch die Kunde von dem gleichzeitig erlassenen russischen Oktobermanifest noch um ein Beträchtliches gesteigert; so forderte er denn die Arbeiter zur Bereitschaft für den politischen Massenstreik auf und wies die Vertrauensmänner an, denselben im entscheidenden Moment zu proklamieren.[326]Dem Drängen nicht nur des Proletariats, sondern weitester Kreise des Bürgertums[327]nachgebend, erfolgte endlich die Zusicherung der Wahlreform;[328]die Sozialdemokratie hielt daher vorerst noch mit dem Äußersten zurück.[329]Sobald indeß die Reform im Parlament auf Schwierigkeiten stieß, wurde das Arbeiterheer mobilisiert.[330]Und zwar sah das sozialistische Aktionsprogramm bei weiterer "Wahlreformverschleppung" zunächst einen dreitägigen Demonstrationsstreik nur der Wiener Arbeiterschaft vor, um dem Gegner gleichsam einen Vorgeschmack des allgemeinen Ausstands zu geben; sollte auch diese letzte Drohung keinen Eindruck machen, so hätte der Massenstreik in ganz Österreich zu folgen.[331]Die Wiener Massenmeetings und zahlreiche andere Versammlungen pflichteten diesemPlan, sowie den von den Führern getroffenen Vorbereitungen durchaus bei.[332]Die Massenstreikbereitschaft veranlaßte natürlich Gegenmaßregeln: die Regierung verstärkte die Wiener Garnison;[333]die Vereinigung der Arbeitgeber Österreichs beschloß, trotz ihrer Sympathie für das allgemeine Wahlrecht, dem dreitägigen Ausstand event. mit einer entsprechenden Aussperrung zu begegnen;[334]im Parlament wurden Stimmen laut, man solle die Wahlreform nun erst recht verweigern, als Protest gegen den beabsichtigten Druck von außen.[335]Dennoch kam sie zu Stande, und glücklicherweise ohne daß der angekündigte politische Ausstand ausgeführt wurde. Aber die Wahlreform ist nicht eigentlich der Klassenstreikdrohung zu danken, oder doch nur zum kleinsten Teil.[336]DieKlassenstreikdrohungmag den Gang der Ereignisse etwasbeschleunigthaben; diese selbst aber hatten ihre Ursache nicht in proletarischen Sonderwünschen, sondern im Gesamtempfinden des österreichischen Volkes.
[317]Vgl. Prot. Parteitg. Wien 1894, Bericht der Parteileitung, p. 4-6,Adler, p. 31, 34. Am 20. Aug. 1893 war gelegentlich einer Massendemonstration für das allg. Wahlrecht im Wiener Prater zum ersten Mal öffentlich vom "Generalstreik" die Rede.
[317]Vgl. Prot. Parteitg. Wien 1894, Bericht der Parteileitung, p. 4-6,Adler, p. 31, 34. Am 20. Aug. 1893 war gelegentlich einer Massendemonstration für das allg. Wahlrecht im Wiener Prater zum ersten Mal öffentlich vom "Generalstreik" die Rede.
[318]Nach dem Scheitern des Taaffe'schen Wahlprojekts (Bernstein, "Pol. M.-str. u. pol. Lage", p. 21).
[318]Nach dem Scheitern des Taaffe'schen Wahlprojekts (Bernstein, "Pol. M.-str. u. pol. Lage", p. 21).
[319]25.-31. März 1904. Auf Anregung der Parteivertretung und gemäß dem Beschluß einer am 8. Okt. 1893 in Wien zusammengetretenen Reichskonferenz der österreichischen Sozialdemokratie wurde "das allgemeine Wahlrecht und der Generalstreik" als dritter Punkt der Tagesordnung behandelt und eineAdler'sche Resolution hierüber angenommen.
[319]25.-31. März 1904. Auf Anregung der Parteivertretung und gemäß dem Beschluß einer am 8. Okt. 1893 in Wien zusammengetretenen Reichskonferenz der österreichischen Sozialdemokratie wurde "das allgemeine Wahlrecht und der Generalstreik" als dritter Punkt der Tagesordnung behandelt und eineAdler'sche Resolution hierüber angenommen.
[320]Prot. Parteitage Wien 1894 (p. 105), 1905 (p. 127, 128).
[320]Prot. Parteitage Wien 1894 (p. 105), 1905 (p. 127, 128).
[321]Diese nahm schon 1903 wieder recht energische Formen an und führte sogar zu blutigen Zusammenstößen mit dem Militär, z. B. in Brünn am 7./9. 03 (Prot. Parteitg. Wien 05, p. 127 ff.); in den folgenden Jahren fanden allenthalben große Wahlrechtsdemonstrationen statt, z. B. am 10. Okt 05 in Prag, (bei Eröffnung des Landtags), wobei ca. 40 000 Menschen teilnahmen, unter allgemeiner Arbeitsruhe (AlfredWeber, "Die Wahlrechtsfrage in Österreich").
[321]Diese nahm schon 1903 wieder recht energische Formen an und führte sogar zu blutigen Zusammenstößen mit dem Militär, z. B. in Brünn am 7./9. 03 (Prot. Parteitg. Wien 05, p. 127 ff.); in den folgenden Jahren fanden allenthalben große Wahlrechtsdemonstrationen statt, z. B. am 10. Okt 05 in Prag, (bei Eröffnung des Landtags), wobei ca. 40 000 Menschen teilnahmen, unter allgemeiner Arbeitsruhe (AlfredWeber, "Die Wahlrechtsfrage in Österreich").
[322]Vgl. Prot. Parteitg. Wien 1903, p. 122-133).
[322]Vgl. Prot. Parteitg. Wien 1903, p. 122-133).
[323]Bes. am Budweiser Parteitag (vgl. Prot. Parteitg. Wien 1894, p. 55, 71 ff., 97).
[323]Bes. am Budweiser Parteitag (vgl. Prot. Parteitg. Wien 1894, p. 55, 71 ff., 97).
[324]Prot. Parteitag Wien 1905, p. 131.
[324]Prot. Parteitag Wien 1905, p. 131.
[325]Prot. Parteitag Wien 1905,Adler, p. 125.
[325]Prot. Parteitag Wien 1905,Adler, p. 125.
[326]Prot. Parteitag Wien 05, p. 66-69. — An den Parteitag schlossen sich große Demonstrationen in Wien an, die sich (gemäß Parteitagsbeschluß, vgl. Prot. p. 110) am 28. Nov., dem Tag der Parlamentseröffnung, nicht nur in Wien, sondern im ganzen Lande wiederholten, wodurch eine kurze allgemeine Arbeitsruhe entstand (vgl. "Die neue Gesellschaft", Nr. 37, 1905, Glossen); in Wien beteiligten sich ca. 1/4 Million, in Prag ca. 150 000 Personen (Rdsch. Soz. Mh. Jan. 1906, p. 85). — Ein analoger Vorgang fand übrigens beim Zusammentritt desungarischenReichstags am 10. Okt. 1907 statt: vor allem in Pest, doch auch im übrigen Reich, herrschte Arbeitsruhe, da die Arbeiter, unter dem Beifall der ganzen Bevölkerung, für das allg. Wahlrecht demonstrierten. (Vgl. z. B. "Züricher Post" vom 12. Okt. 07). — Der Parteitag der ungarischen Sozialdemokratie hatte Ostern 1905 für den Massenstreik zur ev. Erkämpfung des allg. Wahlrechts votiert (Vgl. Rdsch. Soz. Mh. Juni 05, p. 551).
[326]Prot. Parteitag Wien 05, p. 66-69. — An den Parteitag schlossen sich große Demonstrationen in Wien an, die sich (gemäß Parteitagsbeschluß, vgl. Prot. p. 110) am 28. Nov., dem Tag der Parlamentseröffnung, nicht nur in Wien, sondern im ganzen Lande wiederholten, wodurch eine kurze allgemeine Arbeitsruhe entstand (vgl. "Die neue Gesellschaft", Nr. 37, 1905, Glossen); in Wien beteiligten sich ca. 1/4 Million, in Prag ca. 150 000 Personen (Rdsch. Soz. Mh. Jan. 1906, p. 85). — Ein analoger Vorgang fand übrigens beim Zusammentritt desungarischenReichstags am 10. Okt. 1907 statt: vor allem in Pest, doch auch im übrigen Reich, herrschte Arbeitsruhe, da die Arbeiter, unter dem Beifall der ganzen Bevölkerung, für das allg. Wahlrecht demonstrierten. (Vgl. z. B. "Züricher Post" vom 12. Okt. 07). — Der Parteitag der ungarischen Sozialdemokratie hatte Ostern 1905 für den Massenstreik zur ev. Erkämpfung des allg. Wahlrechts votiert (Vgl. Rdsch. Soz. Mh. Juni 05, p. 551).
[327]Selbst bei den Demonstrationen sollen Angehörige der Mittelklassen sich scharenweis beteiligt haben (Weber, a. a. O.; Soz. Mh. Rdsch. Jan. 06, p. 85).
[327]Selbst bei den Demonstrationen sollen Angehörige der Mittelklassen sich scharenweis beteiligt haben (Weber, a. a. O.; Soz. Mh. Rdsch. Jan. 06, p. 85).
[328]Arbeiter-Ztg., 12. Juni 06.
[328]Arbeiter-Ztg., 12. Juni 06.
[329]Prot. Parteitg. Wien 05, p. 132 ff., sowie Versammlungsberichte usw. in der Arbeiter-Ztg. 19. Nov. ff.
[329]Prot. Parteitg. Wien 05, p. 132 ff., sowie Versammlungsberichte usw. in der Arbeiter-Ztg. 19. Nov. ff.
[330]Vgl. Rdsch. Soz. Mh. Juni 06, p. 516. Vertreter der Partei, der Gewerkschaften und der Fraktion forderten im Manifest vom 9. (oder 10.) Juni die Arbeiterschaft zur Vorbereitung des Massenstreiks auf (Arbeiter-Ztg. 10. Juni 06).
[330]Vgl. Rdsch. Soz. Mh. Juni 06, p. 516. Vertreter der Partei, der Gewerkschaften und der Fraktion forderten im Manifest vom 9. (oder 10.) Juni die Arbeiterschaft zur Vorbereitung des Massenstreiks auf (Arbeiter-Ztg. 10. Juni 06).
[331]Arbeiter-Ztg. 12. Juni 06.
[331]Arbeiter-Ztg. 12. Juni 06.
[332]Vgl. Vorwärts, 19. Juni 06. Am 14. Juni war die von der Gesamtparteivertretung berufene und von allen Landesorganisationen und sämtlichen gewerkschaftlichen Verbänden beschickte Konferenz in Wien zusammengetreten und hatte über die Vorbereitung eines ev. Massenstreiks beraten (vgl. Arbeiter-Ztg. 15. Juni), sich mit dem Manifest vom 9. Juni einverstanden erklärt, die Arbeiter aufgefordert, unverzüglich die letzten Vorbereitungen zu treffen, sowie einem aus Mitgliedern der Parteivertretung, der Gewerkschaftskommission und der Fraktion gebildeten Zentralkomitee in Wien die Aufgabe zugewiesen, sobald die Wahlreform im Parlament stockte, sofort die Parole zum 3tägigen Wiener Ausstand, resp. zum allg. österr. Massenstreik zu geben, zu dessen Ausführung in den einzelnen Ländern dem Zentralkomitee entsprechend zusammengesetzte Landeskomitees bestanden, die sich dann direkt mit den Lokalkomitees in Verbindung setzen sollten (Arbeiter-Ztg. 15. Juni 06).
[332]Vgl. Vorwärts, 19. Juni 06. Am 14. Juni war die von der Gesamtparteivertretung berufene und von allen Landesorganisationen und sämtlichen gewerkschaftlichen Verbänden beschickte Konferenz in Wien zusammengetreten und hatte über die Vorbereitung eines ev. Massenstreiks beraten (vgl. Arbeiter-Ztg. 15. Juni), sich mit dem Manifest vom 9. Juni einverstanden erklärt, die Arbeiter aufgefordert, unverzüglich die letzten Vorbereitungen zu treffen, sowie einem aus Mitgliedern der Parteivertretung, der Gewerkschaftskommission und der Fraktion gebildeten Zentralkomitee in Wien die Aufgabe zugewiesen, sobald die Wahlreform im Parlament stockte, sofort die Parole zum 3tägigen Wiener Ausstand, resp. zum allg. österr. Massenstreik zu geben, zu dessen Ausführung in den einzelnen Ländern dem Zentralkomitee entsprechend zusammengesetzte Landeskomitees bestanden, die sich dann direkt mit den Lokalkomitees in Verbindung setzen sollten (Arbeiter-Ztg. 15. Juni 06).
[333]Vgl. Arbeiter-Ztg. 24. Juni 06.
[333]Vgl. Arbeiter-Ztg. 24. Juni 06.
[334]Arbeitgeber-Versammlung in Wien am 26. Juni 06 (vgl. Arbeiter-Ztg. 27. Juni und Frankfurter Ztg. 27. Juni 06).
[334]Arbeitgeber-Versammlung in Wien am 26. Juni 06 (vgl. Arbeiter-Ztg. 27. Juni und Frankfurter Ztg. 27. Juni 06).
[335]Arbeiter-Ztg. 24. Juni 06.
[335]Arbeiter-Ztg. 24. Juni 06.
[336]Selbst der Vorwärts, 12. Juli 06, erklärt, die österr. Wahlreform sei "weniger die Frucht des proletarischen Kampfes, als der nationalistischen Verlegenheiten der Krone" gewesen.
[336]Selbst der Vorwärts, 12. Juli 06, erklärt, die österr. Wahlreform sei "weniger die Frucht des proletarischen Kampfes, als der nationalistischen Verlegenheiten der Krone" gewesen.
Gegenüber dem Umfang dieser Wahlrechtsstreik-Propaganda treten die übrigen klassenstreikartigen Erlebnisse Österreichs beträchtlich zurück. Immerhin muß an denGeneralstreik in Triestvom Jahre 1902 erinnert werden, der übrigens seinem ganzen Charakter nach den romanischen Klassenstreiks zuzuzählen wäre. Er soll wegen "der rücksichtslosen Habgier der Lloydinteressenten"[337]ausgebrochen sein und sich "gegen ein 150 Jahre altes Gesetz über den Seedienst und gegen den Mißbrauch der Marinesoldaten zu Streikbrecherdiensten"[338]gerichtethaben. Das ganze Triester Proletariat habe sich aus Solidarität am Ausstand der Seeleute beteiligt.[339]Es kam zu blutigen Zusammenstößen;[340]doch die Arbeiter sollen die Sympathien der Gesamtbevölkerung auf ihrer Seite gehabt haben,[341]und diesem Umstand, nicht aber dem "ökonomischen Furor",[342]dürften sie den freilich teuer erkauften Sieg[343]verdanken.
[337]Rdsch. Soz. Mh., April 02, p. 318.
[337]Rdsch. Soz. Mh., April 02, p. 318.
[338]Bericht der italienischen Parteiexekutive in Triest an den Parteitag (vgl. Prot. Parteitg. Wien 1903, p. 32, 33).
[338]Bericht der italienischen Parteiexekutive in Triest an den Parteitag (vgl. Prot. Parteitg. Wien 1903, p. 32, 33).
[339]Mit diesem Ausstand dürfte wohl der G-str. inFiumein Verbindung stehen, der am 1. April unter den Hafenarbeitern und Heizern der ungarischen Schiffahrtsgesellschaft "Adria" ausbrach, dem sich am 3. April zahlreiche Fabrikarbeiter anschlossen, der aber schon am folgenden Tage als beendigt angesehen wurde (vgl. N. Z. Z. 2.-4. April 02).
[339]Mit diesem Ausstand dürfte wohl der G-str. inFiumein Verbindung stehen, der am 1. April unter den Hafenarbeitern und Heizern der ungarischen Schiffahrtsgesellschaft "Adria" ausbrach, dem sich am 3. April zahlreiche Fabrikarbeiter anschlossen, der aber schon am folgenden Tage als beendigt angesehen wurde (vgl. N. Z. Z. 2.-4. April 02).
[340]Da Ruhestörungen vorfielen, wurde der Ausnahmezustand verhängt (vgl. Prot. Parteitg. Wien 03, p. 54) und Militär gegen die Streikenden aufgeboten (vgl. Rdsch. Soz. Mh., April 02, p. 318).
[340]Da Ruhestörungen vorfielen, wurde der Ausnahmezustand verhängt (vgl. Prot. Parteitg. Wien 03, p. 54) und Militär gegen die Streikenden aufgeboten (vgl. Rdsch. Soz. Mh., April 02, p. 318).
[341]Soz. Mh., April 02.
[341]Soz. Mh., April 02.
[342]Dessen wüste Szenen der "Weckruf", April 05, Nr. 7, ausmalt (cit. vom Sekretariat desSchweizerischen Gewerbevereins, "Begleiterscheinungen bei Streiks", p. 12).
[342]Dessen wüste Szenen der "Weckruf", April 05, Nr. 7, ausmalt (cit. vom Sekretariat desSchweizerischen Gewerbevereins, "Begleiterscheinungen bei Streiks", p. 12).
[343]Die Arbeiter des Seeverkehrs sollen sich die Organisationsmöglichkeit erkämpft haben; der Streik habe 12 Menschenleben, unzählige Verwundungen und Jahre Kerkers gekostet; die Partei habe übrigens aus dem Streik nur Nutzen gezogen (Prot. Parteitg. Wien 1903, p. 32, 33, 38).
[343]Die Arbeiter des Seeverkehrs sollen sich die Organisationsmöglichkeit erkämpft haben; der Streik habe 12 Menschenleben, unzählige Verwundungen und Jahre Kerkers gekostet; die Partei habe übrigens aus dem Streik nur Nutzen gezogen (Prot. Parteitg. Wien 1903, p. 32, 33, 38).
In Deutschland begegnete der Klassenstreik-Gedanke ursprünglich energischer Ablehnung.[344]"Das Wort des GenossenAuer: Generalstreik ist Generalunsinn, wurde so ziemlich allgemein (in der sozialdemokratischen Partei) als zutreffend akzeptiert".[345]Allerdings erklärten sich anfangs der 1890er Jahre die "Jungen" (auch Berliner Opposition genannt)[346]für den "gewaltrevolutionären Generalstreik zur Niederwerfung der politischen und ökonomischen Herrschaft der Bourgeoisie";[347]sie erlitten aber mit derartigen Anschauungen auf dem Erfurter Parteitag (1891) eine vollständige Niederlage.[348]Anderthalb Jahrzehnte später beherrschte die Klassenstreikidee das ganze Parteileben der deutschen Sozialdemokratie. Freilich erschien diese Idee nicht in ihrer alten, revolutionär-anarchistischen Form, sondernzumeist in der "durch materialistische Geschichtsauffassung vertieften" Spielart,[349]als politischer Massenstreik. Eine ganze Reihe zusammentreffender Umstände haben diese Wandlung veranlaßt. Es lassen sichfünf Hauptquellen der deutschen Massenstreikbewegungnachweisen.
[344]Vgl. z. B. Edm.Fischer, "Die neueste Revision unserer Theorie und Taktik", p. 292.
[344]Vgl. z. B. Edm.Fischer, "Die neueste Revision unserer Theorie und Taktik", p. 292.
[345]Kolb, "Zur Frage des Generalstreiks", p. 207.
[345]Kolb, "Zur Frage des Generalstreiks", p. 207.
[346]Die Bewegung der "Jungen" entwickelte sich nach den Wahlerfolgen von 1890; in ihrem Tatendrang verachteten die "Jungen" den Parlamentarismus; es schwebte ihnen eine revolutionär-sozialistische Gewerkschaftsbewegung vor.
[346]Die Bewegung der "Jungen" entwickelte sich nach den Wahlerfolgen von 1890; in ihrem Tatendrang verachteten die "Jungen" den Parlamentarismus; es schwebte ihnen eine revolutionär-sozialistische Gewerkschaftsbewegung vor.
[347]Vgl.Kampffmeyer, "Der Generalstreik und die Eroberung der ökonomischen Macht", und ders., "Eine Wiedergeburt der Unabhängig-sozialistischen Bewegung?".
[347]Vgl.Kampffmeyer, "Der Generalstreik und die Eroberung der ökonomischen Macht", und ders., "Eine Wiedergeburt der Unabhängig-sozialistischen Bewegung?".
[348]Prot. Parteitg. Erfurt 1891, p. 222. Aus den G-str.-Schwärmern unter den "Jungen" wurden später vielfach überzeugte Gegner, wie z. B.Kampffmeyer; vgl. auchKloth, "Generalstreik und Maifeier auf dem Gewerkschaftskongreß in Köln".
[348]Prot. Parteitg. Erfurt 1891, p. 222. Aus den G-str.-Schwärmern unter den "Jungen" wurden später vielfach überzeugte Gegner, wie z. B.Kampffmeyer; vgl. auchKloth, "Generalstreik und Maifeier auf dem Gewerkschaftskongreß in Köln".
[349]Frankf. Ztg., Leitart. über den M-str., 5./7. 06, Nr. 183.
[349]Frankf. Ztg., Leitart. über den M-str., 5./7. 06, Nr. 183.
1. In erster Linie waren es dieinneren politischen Verhältnisse, die die Diskussion des politischen Massenstreiks heraufbeschworen. Der politische Einfluß des Proletariats entsprach keineswegs den Erwartungen, die im Jahre 1903 von der Partei an ihren 3 Millionen-Sieg geknüpft worden waren;[350]alles war beim alten geblieben,[351]ja, "die in verschiedenen Staaten versuchte oder durchgeführte" Wahlrechtsverschlechterung[352]schien sogar auf eine Verstärkung der Reaktion hinzuweisen. Je mehr die Partei sich der eigenen Machtlosigkeit bewußt wurde, um so größere Besorgnisse hegte sie hinsichtlich einer Verkürzung der politischen Rechte, insbesondere des Reichstagswahlrechts.[353]Beim sächsischen "Wahlrechtsraub" freilich hatte, nach Bebels eigenen Worten, "überhaupt noch kein Mensch an den politischen Streik ... gedacht";[354]später aber veranlaßten Enttäuschung und Besorgnis die deutschen Sozialisten, oder doch gewisse politisch führende Kreise derselben, zu einerRevisionihrerTaktik. Auf zwei Wegen konnten sie das verlorene Ansehen zurückzugewinnen versuchen: waren sie einsichtig genug, ihre Ohnmacht aus der doktrinären Intoleranz herzuleiten,[355]so mußten sie die in Dresden beschlossene Intransigenz aufgeben und, mit Benutzung der erreichbaren parlamentarischen Wege, eine praktische Sozialpolitik anstreben; sahen sie ihre Einflußlosigkeit aber gerade als Folge einseitiger Pflege oderÜberschätzung[356]des Parlamentarismus an, so mußten sie auf weitere Isolierung halten und neben (oder statt) dem für ungenügend befundenen Parlamentarismus außerparlamentarische Aktionen, "eindringlichere Kampfmittel",[357]suchen. Diesen letzteren Weg schlug die deutsche Sozialdemokratie ein, und das Resultat war die "Aufzäumung des Generalstreikgauls".[358]
[350]Vgl.Giesberts, "Die Utopie des Generalstreiks", p. 35.
[350]Vgl.Giesberts, "Die Utopie des Generalstreiks", p. 35.
[351]Dr.Liebknecht(Prot. Parteitg. Jena 05, p. 326).
[351]Dr.Liebknecht(Prot. Parteitg. Jena 05, p. 326).
[352]Vgl. "Hamburger Echo", Leitart. über "Anarcho-Sozialismus" (27. Aug. 05, Nr. 200). — Es handelte sich um "die Wahlrechtsräubereien in Sachsen, Lübeck und Hamburg, die Verschlechterung des Gemeindewahlrechts in zahlreichen Städten, die ... immer offener heraustretenden Absichten auf Einschränkung des Reichstagswahlrechts" (David, "Rückblick auf Jena", p. 841).
[352]Vgl. "Hamburger Echo", Leitart. über "Anarcho-Sozialismus" (27. Aug. 05, Nr. 200). — Es handelte sich um "die Wahlrechtsräubereien in Sachsen, Lübeck und Hamburg, die Verschlechterung des Gemeindewahlrechts in zahlreichen Städten, die ... immer offener heraustretenden Absichten auf Einschränkung des Reichstagswahlrechts" (David, "Rückblick auf Jena", p. 841).
[353]Vgl.Bömelburg(Prot. Gwft. Kongr. Köln 05, p. 215); vgl. auchCohnstaedt, "Generalstreik, Massenstreik und Sozialdemokratie", p. 748. Eine Resolution des Breslauer sozialdemokratischen Vereins vom 29. Mai 05 (vgl. Vorwärts, 1./6. 05) forderte bereits, "in solchen Fällen, wo dem Volke wirkl. Rechte genommen werden sollen", den pol. Str. ev. ernsthaft in Betracht zu ziehen. Mit dem Reichstagswahlrecht sei zugleich auch das Koalitionsrecht bedroht (Kautsky, Vorwort zuRoland-Holst, "G-str. u. Sozd.").
[353]Vgl.Bömelburg(Prot. Gwft. Kongr. Köln 05, p. 215); vgl. auchCohnstaedt, "Generalstreik, Massenstreik und Sozialdemokratie", p. 748. Eine Resolution des Breslauer sozialdemokratischen Vereins vom 29. Mai 05 (vgl. Vorwärts, 1./6. 05) forderte bereits, "in solchen Fällen, wo dem Volke wirkl. Rechte genommen werden sollen", den pol. Str. ev. ernsthaft in Betracht zu ziehen. Mit dem Reichstagswahlrecht sei zugleich auch das Koalitionsrecht bedroht (Kautsky, Vorwort zuRoland-Holst, "G-str. u. Sozd.").
[354]Prot. Parteitg. Jena 05, p. 337.
[354]Prot. Parteitg. Jena 05, p. 337.
[355]Frankf. Ztg. a. a. O.; EugenKatz, "Der politische Massenstreik" Nr. 33, p. 3.
[355]Frankf. Ztg. a. a. O.; EugenKatz, "Der politische Massenstreik" Nr. 33, p. 3.
[356]Vgl.Michels, "Le Socialisme allemand et le Congrès d'Jéna", p. 281-307.
[356]Vgl.Michels, "Le Socialisme allemand et le Congrès d'Jéna", p. 281-307.
[357]Vgl. z. B.Roland-Holst, "Zur Massenstreikdebatte", p. 685 und Dr.Liebknecht, a. a. O.
[357]Vgl. z. B.Roland-Holst, "Zur Massenstreikdebatte", p. 685 und Dr.Liebknecht, a. a. O.
[358]v.Gerlach, "Maifeier und Massenstreik".Katz, a. a. O., wirft die Frage auf, ob man den Arbeitern nicht etwa deshalb "das Opium des Massenstreiks" eingegeben habe, "damit sie die Unfruchtbarkeit der marxistischen Politik so bald nicht erkennen?"
[358]v.Gerlach, "Maifeier und Massenstreik".Katz, a. a. O., wirft die Frage auf, ob man den Arbeitern nicht etwa deshalb "das Opium des Massenstreiks" eingegeben habe, "damit sie die Unfruchtbarkeit der marxistischen Politik so bald nicht erkennen?"
2. Es ist nicht überraschend, daß man auf der Suche nach dem außerordentlichen Rettungsmittel gerade auf den Klassenstreik verfiel. PraktischeVersuche in andern Ländernstanden schon reichlich alsVorbilderzu Gebote.[359]So soll der schwedische und der italienische, sollen die belgischen Klassenstreiks einen Einfluß auf die deutsche Arbeiterbewegung ausgeübt haben.[360]Der Ruhrstreik Anfang 1906 lenkte ebenfalls die Aufmerksamkeit auf Massenaktionen mit politischer Tragweite. Später mag auch die österreichische Wahlbewegung, vor allem aber die russische Revolution[361]die Klassenstreik-Neigungen gefördert haben.
[359]Übrigens wäre, wieHeine("Politischer Massenstreik im gegenwärtigen Deutschland?" p. 754) hervorhebt, bloß um der ausländischen Versuche willen die Massenstreikdiskussion in Deutschland nicht notwendig gewesen.
[359]Übrigens wäre, wieHeine("Politischer Massenstreik im gegenwärtigen Deutschland?" p. 754) hervorhebt, bloß um der ausländischen Versuche willen die Massenstreikdiskussion in Deutschland nicht notwendig gewesen.
[360]Bracke, Enquête, p. 86;Bömelburg(Prot. Gwft. Kongr. Köln 05, p. 215);Bebel(Prot. Parteitg. Bremen 04, p. 307);Cohnstaedt, a. a. O.
[360]Bracke, Enquête, p. 86;Bömelburg(Prot. Gwft. Kongr. Köln 05, p. 215);Bebel(Prot. Parteitg. Bremen 04, p. 307);Cohnstaedt, a. a. O.
[361]Bernstein, "Politischer Massenstr. und Revolutionsromantik"; vgl. auchLensch, "Politischer Massenstreik und politische Krisis";Liebknechtin Bremen: "die Frage des Massenstreiks ist die aktuellste Frage unserer gegenwärtigen und künftigen Politik" (Prot. Parteitg. Bremen 04, p. 196);Kautsky("Zum Parteitag") rechnete schon "mit der Möglichkeit, ja Wahrscheinlichkeit revolutionärer Situationen"; Edm.Fischer, a. a. O., wirft derLeipziger Volkszeitungvor, daß sie, nach ihrem Artikel "Märzluft" vom 8. (oder 18.?) März 04, den revolutionären Generalstreik schon nahe glaube; "zum Glück", meintFischer, "denkt in unserer Partei kein Mensch daran, diese Phrasen ernst zu nehmen".
[361]Bernstein, "Politischer Massenstr. und Revolutionsromantik"; vgl. auchLensch, "Politischer Massenstreik und politische Krisis";Liebknechtin Bremen: "die Frage des Massenstreiks ist die aktuellste Frage unserer gegenwärtigen und künftigen Politik" (Prot. Parteitg. Bremen 04, p. 196);Kautsky("Zum Parteitag") rechnete schon "mit der Möglichkeit, ja Wahrscheinlichkeit revolutionärer Situationen"; Edm.Fischer, a. a. O., wirft derLeipziger Volkszeitungvor, daß sie, nach ihrem Artikel "Märzluft" vom 8. (oder 18.?) März 04, den revolutionären Generalstreik schon nahe glaube; "zum Glück", meintFischer, "denkt in unserer Partei kein Mensch daran, diese Phrasen ernst zu nehmen".
3. Einen ferneren Hinweis auf den politischen Ausstand gaben dieinternationalen Kongresse, voraus der Kongreß von Amsterdam.
4. Weit größere Bedeutung aber erlangten dieakademischen Erörterungendes Problems.[362]Sie gingen übrigens von sehr verschiedenen Seiten aus: die größten Partei-Antipoden tratengleich warm für den Klassenstreik ein; freilich dachten sie sich oft ganz verschiedene Dinge darunter, was nicht wenig zu den späteren Verwirrungen beitrug.
[362]Heine, a. a. O.; bei der geringen politischen Bedeutung der deutschen Sozialdemokratie hätten diese akademischen Erörterungen übermäßige Bedeutung erlangt.
[362]Heine, a. a. O.; bei der geringen politischen Bedeutung der deutschen Sozialdemokratie hätten diese akademischen Erörterungen übermäßige Bedeutung erlangt.
Kautskyhatte schon 1891 darauf hingewiesen, daß unter Umständen "ausgedehnte Arbeitseinstellungen große politische Wirkungen hervorrufen können".[363]— Angeregt durch den ersten belgischen Wahlrechtsstreik sprachBernsteinsich 1894 für den "Streik als politisches Kampfmittel" aus, speziell für den Streik als politisches Demonstrationsmittel.[364]1896 untersuchteParvusdie Wahrscheinlichkeit eines Staatsstreichs und kam zu dem Ergebnis, daß nur der politische Massenstreik im Stande sei, unter Umständen eine bedrohte Verfassung zu schützen.[365]Aber alle diese Anregungen, selbstParvus'"Kassandrarufe", verhallten, "ohne in der Arbeiterschaft besondere Beachtung zu finden".[366]
[363]Kautsky, "Die soziale Revolution" I, p. 50.
[363]Kautsky, "Die soziale Revolution" I, p. 50.
[364]Bernstein, "Der Streik als politisches Kampfmittel".
[364]Bernstein, "Der Streik als politisches Kampfmittel".
[365]Parvus, "Staatsstreich und politischer Massenstreik", p. 199ff. Auch 1901 noch fandParvusmit seiner aus Handelskrise und Generalstreik kombinierten Zusammenbruchstheorie, die er am 24. Sept. 1901 in der Dortmunder Arbeiter-Zeitung auseinandersetzte, wenig Anklang (vgl.Fischer, "Die neueste Revision ... usw.", p. 295).
[365]Parvus, "Staatsstreich und politischer Massenstreik", p. 199ff. Auch 1901 noch fandParvusmit seiner aus Handelskrise und Generalstreik kombinierten Zusammenbruchstheorie, die er am 24. Sept. 1901 in der Dortmunder Arbeiter-Zeitung auseinandersetzte, wenig Anklang (vgl.Fischer, "Die neueste Revision ... usw.", p. 295).
[366]Flüchtig, "Zur Frage des Generalstreiks", p. 445.
[366]Flüchtig, "Zur Frage des Generalstreiks", p. 445.
Der zweite belgische Wahlrechtsstreik brachte die literarische Diskussion des Klassenstreiks von neuem in Fluß:Bernstein[367]verwies, bei vollster Ablehnung anarchistischer Gedankengänge, auf die Möglichkeit, ja Wünschbarkeit des friedlichen Demonstrationsstreiks zu politischen Zwecken, wie speziell zur Reform des preußischen Wahlsystems, und er bemühte sich vielfach in Wort und Schrift, diesem Gedanken Geltung zu verschaffen. AuchKautskygriff den Gedanken des Klassenstreiks wieder auf, der für ihn hauptsächlich das Mittel der sozialen Revolution bedeutete. Deshalb erschien ihm auch der politische Massenausstand für Deutschland vorläufig noch unanwendbar, seine Diskussion also auch nicht dringlich, doch lehrreich und wünschenswert.[368]Diese Diskussion nahm aber erst seit 1904, "vor, während und nach dem Kongreß von Amsterdam"[369]einen lebhafteren Charakter in Presse[370]und Versammlungen an; sie erhielt imSommer 1905 durch die Veröffentlichung vonRoland-Holst's"Generalstreik und Sozialdemokratie" neue Nahrung.[371]Dieses Buch, aufKautskysVeranlassung geschrieben und von ihm in einem Geleitwort der deutschen Arbeiterschaft an's Herz gelegt, erschien gerade im geeigneten Augenblick, um einen bedeutenden, aber nicht ungefährlichen Einfluß ausüben zu können, da es sich ebenso sehr durch Übersichtlichkeit und fesselnde Darstellung, als durch Verkennung der tatsächlichen Machtverhältnisse Deutschlands auszeichnete.[372]