Nachdem Ulenspiegel und Riesenkraft Sekundanten genommen hatten, sagten diese, sie sollten zu Fuß kämpfen, bis daß einer den Geist aufgäbe, wenn es dem Sieger gefiele; denn solches waren Riesenkrafts Bedingungen.
Der Kampfplatz war eine kleine Heide.
Gleich am Morgen legte Riesenkraft seine Rüstung als Schütze an. Er setzte die Pickelhaube mit Halsstück auf, ohne Visier, und zog ein Panzerhemd ohne Ärmel an. Sintemalen sein anderes Hemd in Fetzen auseinanderging, legte er es in die Pickelhaube, um, wenn es not tat, einen Verband daraus zu machen. Er versah sich mit seiner Armbrust aus gutem Ardenner Holz, einem Bündel von dreißig Pfeilen, einem langen Dolch, aber nicht mit einem zweihändigen Degen, welches der Bogenschützen Degen ist. Und er kam auf seinem Schlachtroß, das den Kriegssattel und das Zaumzeug mit Federbusch trug und ganz gepanzert war, auf den Kampfplatz geritten.
Ulenspiegel machte sich eine Ausrüstung wie ein gewappneter Edelmann, sein Schlachtroß war ein Esel; sein Sattel waren die Röcke einer Dirne, das mit Federn geschmückte Zaumzeug aus Weiden, obenauf mit schönen, trefflich flatternden Hobelspänen geziert. Der Roßharnisch war aus Speck, denn das Eisen kostet zu viel, sagte er, Stahl ist unerschwinglich, und was das Kupfer anlangt, so hat man in den verwichenen Tagen so viele Kanonen daraus gemacht, daß nicht soviel übrig ist, um ein Kaninchen in der Schlacht zu wappnen. An Stelle des Hutes setzte er einen schönen Lattichkopf auf, den die Schnecken noch nicht zerfressen hatten. Darauf ragte eine Schwanenfeder, damit er im Verscheiden singen konnte.
Sein starrer, leichter Stoßdegen war ein rechtschaffener, langer, dicker Knüttel aus Fichtenholz, an dessen Ende ein Besen aus Zweigen des gleichen Holzes war. An der linken Seite seines Sattels hing sein Messer, das gleichfalls aus Holz war, auf der rechten Seite schaukelte sein trefflicher Streitkolben aus Holunderholz, von einer Rübe gekrönt. Sein Küraß bestand ganz aus Löchern.
Als er so ausgestattet auf den Kampfplatz kam, brachen Riesenkrafts Sekundanten in Gelächter aus; aber dieser selbst behielt seine sauertöpfische Miene.
Alsdann forderten Ulenspiegels Sekundanten die Beisteher Riesenkrafts auf, der Deutsche möge seine ganze Rüstung von Panzerringen und Eisen ablegen, in Ansehung dessen, daß Ulenspiegel nur mit Lumpen gepanzert sei. Riesenkraft willigte darein. Nunmehr fragten Riesenkrafts Sekundanten die Ulenspiegels, woher es käme, daß Ulenspiegel mit einem Besen bewaffnet wäre.
„Ihr gewährtet mir den Knüttel, doch Ihr verbotet mir nicht, ihn mit Laubwerk aufzuputzen.“
„Mach’s, wie Du’s verstehst,“ sagten die vier Sekundanten.
Riesenkraft sagte keinen Ton und metzelte das kümmerliche Heidekraut mit kurzen Degenhieben ab.
Die Sekundanten forderten ihn auf, seinen Stoßdegen gleich Ulenspiegel durch einen Knüttel zu ersetzen.
Er antwortete:
„Wenn dieser Lump aus freien Stücken eine so ungewöhnliche Waffe gewählet hat, so geschieht’s, weil er vermeint, sein Leben damit verteidigen zu können.“
Da Ulenspiegel abermals sagte, daß er sich seines Besens bedienen wolle, kamen die vier Sekundanten überein, daß alles recht sei.
Sie standen sich kampfbereit gegenüber, Riesenkraft auf seinem eisengepanzerten Pferde, Ulenspiegel auf seinem speckgepanzerten Esel.
Ulenspiegel rückte bis zur Mitte des Feldes vor. Dann sprach er, seinen Besen wie eine Lanze haltend:
„Stinkender als Pest, Aussatz und Tod finde ich dies Ungeziefer von schlechten Kerls, die in einem Lager von guten Kriegskameraden keine andern Sorgen haben, als allerwegen ihre mürrische Fratze und ihr zornschäumendes Maul herumzuführen. Wo sie verweilen, wagt sich das Lachen nicht hervor, und die Lieder schweigen. Sie müssen allzeit brummen oder sich schlagen, und dergestalt führen sie neben dem berechtigten Kampf für das Vaterland den Zweikampf ein, welcher der Ruin des Heeres und die Freude des Feindes ist. Gegenwärtiger Riesenkraft tötete einundzwanzig Menschen um unschuldiger Worte willen, ohne daß er jemals in Schlacht oder Scharmützel eine glänzende Tat der Tapferkeit getan oder durch seinen Mut die geringste Belohnung verdient hätte. Darum so gefällt es mir, heute das räudige Fell dieses bissigen Hundes wider den Strich zu bürsten.“
Riesenkraft antwortete:
„Dieser Trunkenbold hat schöne Dinge über den Mißbrauch des Zweikampfes geträumt; es wird mir heute gefallen, ihm den Kopf zu spalten, um Jedermann zu zeigen, daß er nur Heu im Hirn hat.“
Die Sekundanten zwangen sie, von ihren Tieren zu steigen. Dies tuend, ließ Ulenspiegel den Lattich vom Kopf fallen, den der Esel ruhig fraß, doch er ward in diesem Geschäft durch einen Fußtritt unterbrochen, den ihm ein Sekundant gab, um ihn aus den Schranken des Kampfplatzes zu treiben. Ebenso geschah dem Pferde. Und sie gingen, anderswo in Gesellschaft zu weiden.
Alsbald gaben die Sekundanten / die besentragenden, das waren die Ulenspiegels, / und die degentragenden, das waren die Riesenkrafts / durch Pfeifen das Zeichen zum Kampfe.
Und Riesenkraft und Ulenspiegel fochten wütend miteinander.
Riesenkraft schlug mit seinem Stoßdegen und Ulenspiegel parierte mit seinem Besen. Riesenkraft fluchte bei allen Teufeln, Ulenspiegel wich ihm aus und hüpfte die Kreuz und die Quer durch die Heide, steckte die Zunge heraus und machte Riesenkraft tausend Fratzen. Diesem ging der Atem aus, und er schlug mit dem Stoßdegen ins Blaue wie ein närrisch gewordener Söldling. Ulenspiegel fühlte, daß er ihm nahe war, drehte sich plötzlich um und gab ihm mit seinem Besen einen gewaltigen Stoß unter die Nase. Riesenkraft fiel mit ausgestreckten Armen und Beinen zu Boden, wie ein Frosch, wenn er verendet.
Ulenspiegel warf sich auf ihn und fegte ihm das Gesicht ohne Erbarmen mit dem Strich und gegen den Strich. Dabei sagte er:
„Bitte um Gnade, oder Du sollst meinen Besen verschlingen.“ Und er rieb ihn ohn Unterlaß hin und her, zum großen Ergötzen der Anwesenden, und sagte immerfort:
„Schrei um Gnade, oder Du sollst ihn verschlingen!“
Aber Riesenkraft konnte nicht schreien, maßen er an der schwarzen Wut gestorben war.
„Gott habe Dich selig, armer Wüterich!“ sprach Ulenspiegel.
Und er ging fürbaß und blies Trübsal.
Es war dazumal Ende Oktober. Dem Prinzen mangelte das Geld, sein Heer hungerte. Die Söldlinge murrten. Er marschierte nach Frankreich und bot dem Herzog die Schlacht an; der aber nahm sie nicht an.
Er brach von Quesnoy-le-Comte auf, um auf Cambresis zu rücken; da stieß er auf zehn Kompanien Deutscher, acht Fähnlein Spanier und drei Schwadronen leichter Reiter, die von Don Ruffele Henricis, des Herzogs Sohne, befehligt wurden. Er war mitten in der Schlacht und rief auf Spanisch:
„Tötet, tötet! Gebt kein Quartier! Es lebe der Papst!“
Don Henricis war just der Kompanie Schützen gegenüber, in der Ulenspiegel Rottenführer war; er stürzte sich mit seinen Leuten auf sie. Ulenspiegel sagte zum Feldwaibel:
„Ich will diesem Henker die Zunge abschneiden.“
„Schneide“, sagte der Feldwaibel.
Und mit einer wohlgezielten Kugel riß Ulenspiegel Zunge und Kinnbacken des Don Ruffele Henricis, des Herzogs Sohn, entzwei.
Ulenspiegel schoß auch den Sohn des Marquis Delmarès vom Pferde.
Die acht Fähnlein und drei Schwadronen wurden geschlagen.
Nach diesem Siege suchte Ulenspiegel Lamm im Lager, aber er fand ihn nicht.
„Ach,“ sagte er, „nun ist er fort, mein Freund Lamm, mein dicker Freund. Das Gewicht seines Bauches vergessend, wird er in seinem kriegerischen Ungestüm die hispanischen Flüchtlinge haben verfolgen wollen. Außer Atem wird er wie ein Sack auf den Weg gefallen sein. Und sie werden ihn aufgenommen haben, um Lösegeld für ihn zu bekommen, ein Lösegeld für christlichen Speck. Mein Freund Lamm, wo bist Du doch, wo bist Du, mein fetter Freund?“
Ulenspiegel suchte ihn allerorten und blies Trübsal, da er ihn nicht fand.
Im November, dem Monat der Schneestürme, ließ der Schweiger Ulenspiegel zu sich entbieten. Der Prinz biß auf die Schnur seines Panzerhemdes.
„Höre und bewahre“, sagte er.
Ulenspiegel antwortete:
„Meine Ohren sind Gefängnistore; man geht leicht hinein, aber hinauszugehen ist eine schwere Sache.“
Der Schweiger sprach:
„Geh über Namur, Flandern, Hennegau, Süd-Brabant, Antwerpen, Nord-Brabant, Geldern, Oberyssel, Nord-Holland und verkünde allerorten: wenn Fortuna unsere heilige, christliche Sache auf dem Lande verrät, so wird der Kampf gegen alle ungerechten Gewalttaten auf dem Meere fortgesetzt werden. Diese Sache steht in Gottes Hand, sei es im Glück oder Unglück. In Amsterdam angelangt, wirst Du Paul Buys, meinem Getreuen, von deinem Tun und Treiben Rechenschaft geben. Hier sind drei Pässe, von Alba selbst unterzeichnet und bei den Leichen von Quesnoy-le-Comte gefunden. Mein Sekretarius hat sie ausgefüllt. Kann sein, daß Du unterwegens einen guten Gefährten findest, dem Du vertrauen kannst. Die sind gut, die auf Lerchentriller mit kriegerischem Hahnenruf antworten. Hier sind fünfzig Gülden. Du wirst tapfer und treu sein.“
„Klasens Asche brennt auf meinem Herzen,“ antwortete Ulenspiegel. Und er ging von dannen.
Er hatte vom König und vom Herzog Vollmacht, nach seinem Ermessen alle Waffen zu tragen. Er nahm seine gute Radschloßbüchse, Patronen und trockenes Pulver, legte einen zerlumpten Mantel, ein zerschlissenes Wams, eine nach hispanischer Mode durchlöcherte Hose, ein Barett mit wallender Feder und einen Degen an; so verließ er das Heer an der französischen Grenze und wandte sich nach Maastricht. Die Zaunkönige, der Kälte Boten, flogen Obdach begehrend um die Häuser. Es schneiete am dritten Tage.
Manchmal mußte Ulenspiegel unterwegens seinen Geleitbrief zeigen. Man ließ ihn passieren und er wandte sich nach Lüttich. Er war in eine Ebene gelangt. Ein starker Wind trieb ihm die Flocken in Wirbeln ins Gesicht. Vor seinen Augen breitete sich eine weiße Fläche aus, darüber die Schneewolken von Windstößen gejagt wurden. Drei Wölfe folgten ihm; doch nachdem er ihrer einen mit seiner Büchse niedergeschossen, warfen die andern sich auf den Verwundeten und entwichen in den Wald, jeder ein Stück des Kadavers mitschleppend.
Also befreit, schaute Ulenspiegel sich um, ob nicht noch eine andere Schar auf freiem Felde sei. Da erblickte er am Rande der Ebene Punkte wie graue Steinbilder, die sich zwischen den Schneewirbeln bewegten, und dahinter schwarze Gestalten berittener Soldaten. Er stieg auf einen Baum. Der Wind trug ihm ein fernes Geräusch von Klagen zu. „Vielleicht“, sprach er zu sich selbst, „sind es Pilger, in weiße Gewänder gekleidet. Ich sehe kaum ihre Körper auf dem Schnee.“
Dann gewahrte er Menschen, die nackend liefen, und sah zwei Reiter in schwarzer Rüstung, die auf ihren großen Schlachtrossen sitzend diese armselige Herde mit heftigen Peitschenhieben vor sich her trieben. Er spannte seine Büchse. Unter diesen Gegeißelten sah er junge Leute und nackte Greise, zitternd, erstarrt und gekrümmt. Sie liefen, um der Peitsche der beiden Soldaten zu entrinnen, die wohlgekleidet, von Branntwein und guter Nahrung rot waren und ihr Ergötzen daran fanden, die Körper der nackten Menschen zu geißeln, um sie zu schnellerem Lauf anzutreiben.
Ulenspiegel sagte: „Klasens Asche, Dir soll Rache werden.“ Und er tötete einen der Reiter mit einer Kugel ins Gesicht; der fiel vom Pferde. Den andern, der nicht wußte, von wannen diese unverhoffte Kugel kam, ergriff die Furcht. Wähnend, daß im Gehölz Feinde versteckt wären, wollte er mit seines Gefährten Roß entfliehen. Als er sich des Zügels bemächtigt hatte und abstieg, um den Toten auszuplündern, ward er von einer andern Kugel in den Hals getroffen und fiel gleichermaßen.
Die nackten Menschen glaubten nicht anders, als daß ein Engel vom Himmel, ein guter Scharfschütze, zu ihrer Verteidigung käme, und fielen auf die Kniee. Alsbald stieg Ulenspiegel vom Baume herab und wurde von denen aus der Schar, die gleich ihm in den Heeren des Prinzen gedient hatten, erkannt. Sie sagten zu ihm:
„Ulenspiegel, wir sind aus dem Lande Frankreich in diesem erbärmlichen Zustand nach Maastricht geschickt worden, wo der Herzog ist, um dort wie Rebellen und Gefangene behandelt zu werden, die kein Lösegeld zahlen können. Wir sind im Voraus verurteilt, gefoltert und geköpft zu werden, oder gleich Lumpen und Spitzbuben auf des Königs Galeeren zu rudern.“
Ulenspiegel gab dem Ältesten der Schar sein Obergewand und antwortete:
„Kommet, ich werde Euch bis Mézières führen, aber zuvor müssen wir diese beiden Söldner plündern und ihre Pferde mitnehmen.“
Die Wämse, Hosen, Stiefel, Helme und Kürasse der Söldner wurden unter die Schwächsten und Kränkesten verteilt, und Ulenspiegel sagte:
„Wir wollen ins Gehölz gehen, allwo die Luft dicker und weicher ist. Laßt uns laufen, Brüder.“
Plötzlich fiel ein Mann und sagte:
„Mich hungert und friert, ich werde gehen und vor Gott bezeugen, daß der Papst der Antichrist auf Erden ist.“
Und er verschied. Und die Übrigen wollten ihn forttragen, um ihn christlich zu begraben.
Dieweil sie auf der Landstraße wanderten, bemerkten sie einen Bauern, der einen Planwagen lenkte. Da er die nackten Menschen sah, hatte er Mitleid und ließ sie auf den Wagen steigen. Sie fanden Heu daselbst, um sich hineinzulegen, und leere Säcke, um sich zuzudecken. Und da ihnen warm wurde, dankten sie Gott. Ulenspiegel ritt auf einem der Reiterpferde neben dem Wagen und hielt das andere am Zügel.
In Mézières stiegen sie ab. Dort gab man ihnen gute Suppe, Bier, Brot, Käse und den Greisen und Frauen Fleisch. Sie wurden auf Kosten der Gemeinde beherbergt und von neuem gekleidet und bewaffnet. Und alle gaben Ulenspiegel den Bruderkuß des Segens, und er ließ es sich fröhlich gefallen.
Er verkaufte die Pferde der beiden Reiter zu achtundvierzig Gülden, von denen er den Franzosen dreißig gab.
Da er einsam des Weges zog, sprach er zu sich selbst: „Ich gehe durch Trümmer, Blut und Tränen, ohne etwas zu finden. Die Teufel haben mich ohne Zweifel belogen. Wo ist Lamm? Wo ist Nele? Wo sind die Sieben?“
Und Klasens Asche brannte von Neuem auf seiner Brust. Und er hörte eine Stimme gleich einem Hauche sagen:
„Such in Tod, Trümmern und Tränen.“
Und er ging von dannen.
Ulenspiegel gelangte im Märzmond nach Namur. Dort sah er Lamm, welcher, von großer Liebe für die Fische der Maas, sonderlich die Forellen, ergriffen, einen Kahn gemietet hatte und mit Verlaub der Gemeinde im Fluß fischte. Aber er hatte der Fischergilde fünfzig Gülden gezahlt. Er verkaufte und aß seinen Fisch und erwarb sich bei diesem Handwerk eine Aufbesserung seines Bauches und ein Säcklein mit Karolus.
Da er seinen Freund und Gesellen am Ufer der Maas wandeln sah, um in die Stadt zu gehen, ward er frohen Muts, stieß sein Boot gegen das Ufer, und indem er schnaufend die Böschung hinanstieg, gelangte er zu Ulenspiegel. Vor Freuden stammelnd, sagte er:
„Da bist Du also, mein Sohn, mein Sohn in Gott, denn meine Arche von Bauch könnte ihrer zwei wie Dich tragen. Wohin gehst Du? Was willst Du? Bist Du gewißlich nicht tot? Hast Du mein Weib gesehen? Du sollst von den Fischen der Maas essen, den besten, die in dieser gemeinen Welt sind. Sie machen in diesem Lande Saucen, daß man seine Finger bis zu den Schultern aufessen möchte. Du bist stolz und hoffärtig, weil Du den Sonnenbrand der Schlachten auf den Wangen hast. Da bist Du also, mein Sohn, mein Freund Ulenspiegel, der lustige Landstreicher.“
Dann leiser redend:
„Wieviel Spanier hast Du getötet? Sahest Du mein Weib nicht in ihren Wagen voller Dirnen? Und von dem Maaswein, der für verstopfte Leute so köstlich ist, sollst Du trinken. Bist Du verwundet, mein Sohn? Hier bleibst Du, frisch und gesund und munter wie ein junger Adler. Und die Aale, davon sollst Du kosten. Kein Sumpfgeschmack. Küß mich, mein Dickwanst. Gott sei gelobt, wie froh bin ich!“
Und Lamm tanzte, sprang, schnaufte und zwang Ulenspiegel zu tanzen.
Dann wanderten sie gen Namur. Am Stadttor wies Ulenspiegel seinen vom Herzog unterschriebenen Paß vor. Und Lamm führte ihn in sein Haus.
Dieweil er das Mahl bereitete, hieß er ihn seine Abenteuer erzählen, und er gab die seinen zum besten. Er hatte das Heer verlassen, sagte er, um einem Mädchen zu folgen, das ihm seine Frau zu sein dünkte. Bei dieser Verfolgung war er bis nach Namur gekommen. Und unaufhörlich sagte er:
„Hast Du sie nicht gesehen?“
„Ich habe andere sehr schöne gesehen,“ antwortete Ulenspiegel, „und sonderlich in dieser Stadt, wo alle verliebt sind.“
„Wahrlich,“ sagte Lamm, „man hat mich hundert Mal haben wollen, aber ich blieb treu, denn mein betrübtes Herz ist von einer einzigen Erinnerung geschwellt.“
„Gleichwie Dein Bauch von zahlreichen Gerichten,“ entgegnete Ulenspiegel.
Lamm versetzte: „Wenn ich betrübt bin, muß ich essen.“
„Ist dein Kummer ohne Ende?“ fragte Ulenspiegel.
„Ach ja!“ sagte Lamm.
Und indem er eine Forelle aus einem Tiegel zog, sprach er:
„Sieh, wie schön und fest sie ist. Dies Fleisch ist rosenrot wie das meiner Frau. Morgen werden wir Namur verlassen; ich habe ein Säckel voller Gülden, wir wollen uns jeder einen Esel kaufen, und also werden wir uns aufmachen und nach dem Lande Flandern reiten.“
„Dabei wirst Du viel verlieren.“
„Mein Herz zieht mich nach Damm. Es war der Ort, wo sie mich gar lieb gehabt hat. Kann sein, daß sie dorthin zurückgekehrt ist.“
„Da Du es begehrst, wollen wir morgen aufbrechen,“ sagte Ulenspiegel.
Und so geschah’s. Jeder auf einem Esel sitzend, zogen sie fort und ritten Seite an Seite.
Es wehte ein scharfer Wind. Die Sonne, in der Frühe so hell wie die Jugend, ergraute wie ein alter Mann. Regen, mit Schloßen gemischt, fiel. Als der Regen aufgehört, schüttelte sich Ulenspiegel und sprach:
„Der Himmel, der so viel Dünste trinkt, muß sich bisweilen erleichtern.“
Wiederum stürzte der Regen mit noch mehr Hagel als zuvor auf die beiden Gefährten. Lamm stöhnte:
„Wir waren trefflich gewaschen; muß man uns auch noch spülen?“
Die Sonne schien wieder, und sie ritten frohgemut.
Nun fiel ein Regen mit Hagelschloßen, so mörderisch, daß er die dürren Zweige der Bäume wie mit einem Bündel von Messern zerhackte.
Lamm sagte:
„Hoho, ein Dach! Mein armes Weib! Wo seid Ihr, gutes Feuer, süße Küsse und fette Suppen?“
Und der dicke Mensch weinte.
Doch Ulenspiegel sprach:
„Wir jammern; aber kommen nicht unsere Uebel aus uns selbst? Es regnet auf unsere Schultern, aber dieser Dezemberregen wird Maienklee machen. Und die Kühe werden vor Freude brüllen. Wir sind ohne Obdach, aber warum freien wir nicht? Will sagen, ich die kleine Nele, die so schön und gut ist und mir jetzund ein gutes Gericht Rindfleisch mit Bohnen dämpfen würde. Uns dürstet ohngeachtet des Wassers, das herunterkommt. Warum wurden wir nicht Gesellen, die einem Handwerk treu sind? Die, so Meister geworden sind, haben volle Tonnen Braunbiers im Keller.“
Klasens Asche brannte auf seinem Herzen. Der Himmel klärte sich, die Sonne erglänzte und Ulenspiegel sprach:
„Frau Sonne, Euch sei Dank, Ihr erwärmt uns das Kreuz. Klasens Asche, Du erwärmst uns das Herz und sagst uns, daß die gesegnet sind, die zur Befreiung des Vaterlandes umherirren.“
„Mich hungert,“ sprach Lamm.
Sie kehrten in einer Herberge ein und man gab ihnen in einem hohen Gemach das Nachtessen. Ulenspiegel öffnete die Fenster und sah von da aus einen Garten, in dem sich ein artig Mägdlein erging, wohlgerundet, mit vollen Brüsten, goldenen Haaren und nur mit einem Rock, einem Leibchen von weißem Linnen und einer durchlöcherten Schürze von schwarzer Leinwand angetan.
Hemden und andere Frauenwäsche bleichten auf Stricken. Das Mägdlein nahm die Hemden von den Stricken, sich immerdar nach Ulenspiegel umwendend, hängte sie wieder auf und setzte sich dann lächelnd und immerdar ausschauend auf die aufgereihte Wäsche und schaukelte sich auf den beiden zusammengeknoteten Enden.
In der Nachbarschaft hörte Ulenspiegel einen Hahn krähen und sah eine Amme, die spielte mit einem Kinde und wandte sein Antlitz einem Manne zu, der vor ihr stand; und dabei sagte sie:
„Boelkin, mach Väterchen freundliche Augen.“
Das Kind weinte.
Und das artige Mägdlein lustwandelte fürder im Garten und nahm die Wäsche ab und hängte sie wieder auf.
„Das ist eine Spionin,“ sagte Lamm.
Das Mägdlein hielt die Hände vor die Augen und durch die Finger lächelnd, blickte es Ulenspiegel an.
Dann hob es mit vollen Händen seine Brüste in die Höhe, ließ sie wieder fallen und schaukelte sich von neuem, ohne daß seine Füße den Boden berührten. Und die Hemden, die herunterflogen, machten, daß es sich gleich einem Kreisel drehte, indessen Ulenspiegel seine Arme, weiß und rund im bleichen Sonnenschein, bis an die Schultern erblickte. Es drehte sich und lächelte und schaute ihn immer an. Er ging hinaus, um es aufzusuchen. Lamm folgte ihm. Er suchte ein Loch in der Gartenhecke, um hindurchzuschlüpfen, aber er fand keines.
Da das Mägdlein sein Treiben sah, blickte es ihn wiederum lächelnd durch die Finger an.
Ulenspiegel versuchte durch die Hecke zu dringen, derweil Lamm ihn zurückhielt und sagte:
„Geh nicht, das ist eine Spionin, wir werden verbrannt werden.“
Dann lustwandelte das Mädchen im Gärtlein, bedeckte sich das Gesicht mit der Schürze und lugte durch die Löcher, zu sehen, ob ihr Freund von Ohngefähr nicht bald käme.
Ulenspiegel wollte mit einem Satz über die Hecke springen, aber Lamm hinderte ihn daran, ihn am Bein packend, daß er zu Boden fiel, und sprach:
„Strang, Schwert und Galgen! Das ist eine Spionin, geh nicht hin!“
Auf der Erde sitzend, suchte Ulenspiegel sich seiner zu erwehren. Das Mägdlein steckte den Kopf über die Hecke und rief:
„Gehabt Euch wohl, Herr, Amor möge Euch Langmütigen in der Schwebe halten.“
Und er hörte ein spöttisches Lachen erschallen.
„Wehe,“ sagte er, „das ist für mein Ohr wie ein Bund Nadeln.“
Dann wurde eine Tür zugeschmettert.
Und er ward schwermütig.
Lamm, der ihn alleweil festhielt, sprach:
„Du zählst die holden Schätze der Schönheit, die zu Deiner Schande verloren sind. Das ist eine Spionin. Du fällst gut, wenn Du fällst. Ich werde noch vor Lachen bersten.“
Ulenspiegel blieb stumm und alle beide bestiegen wiederum ihre Esel.
So zogen sie selbander, hier ein Bein und da ein Bein auf ihrem Esel. Lamm kaute an seiner letzten Mahlzeit und sog frohgemut die frische Luft ein. Unversehens zog Ulenspiegel ihm einen gewaltigen Hieb mit der Peitsche über das Gesäß, welches ein Polster im Sattel bildete.
„Was machst Du da?“ schrie Lamm kläglich.
„Was?“ antwortete Ulenspiegel.
„Dieser Peitschenhieb?“
„Welcher Peitschenhieb?“
„Den ich von Dir empfing,“ versetzte Lamm.
„Von links?“
„Ja, von links und auf meinen Hintern. Warum tatest Du das, Schalksknecht?“
„Aus Unwissenheit,“ erwiderte Ulenspiegel. „Ich weiß sehr wohl, was eine Peitsche ist, und eben so wohl, was ein Gesäß auf einem engen Sattel ist. Da ich nun dieses so breit, geschwollen und prall sah, wie es über den Sattel quoll, sagte ich mir: Da man nicht mit dem Finger hineinzwicken kann, so könnte man ihm auch nicht mit der Peitschenschnur wehe tun. Ich beging einen Irrtum.“
Da Lamm bei dieser Rede lächelte, sprach Ulenspiegel solcherart weiter:
„Aber ich bin es nicht allein in dieser Welt, der aus Unwissenheit sündigt; es ist mehr als ein Erzdummkopf, der sein Fett auf dem Sattel eines Esels zur Schau stellt, der es mir darin zuvor tun könnte. Wenn meine Peitsche an deinem Gesäß sündigte, so hast Du viel schwerer an meinen Beinen gesündigt, indem Du sie hindertest, hinter dem Mädchen herzulaufen, das im Garten auf Buhlschaft ausging.“
„Rabenfutter!“ sprach Lamm; „das war also Rache?“
„Eine ganz kleine,“ antwortete Ulenspiegel.
In Damm lebte Nele betrübt mit Katheline, die den kalten Teufel, welcher nicht kam, zärtlich rief.
„Ach,“ sagte sie, „Du bist reich, Hanske, mein Buhle, und könntest mir die siebenhundert Karolus wiederbringen. Alsdann wird Soetkin aus dem Fegefeuer lebendig auf die Erde zurückkehren, und Klas würde im Himmel lachen; wohl kannst Du es tun. Nehmt das Feuer fort, macht ein Loch, die Seele will hinaus.“
Und sie wies mit dem Finger ohn Unterlaß auf die Stelle, wo der Werg gelegen hatte.
Katheline war sehr arm, doch die Nachbarn unterstützten sie mit Bohnen, Brot und Fleisch nach ihren Mitteln. Die Gemeinde gab ihr etwas Geld. Und Nele nähte Kleider für die reichen Bürgerfrauen und ging zu ihnen, um die Wäsche zu bügeln, und verdiente dergestalt einen Gülden die Woche.
Und Katheline sagte beständig:
„Macht ein Loch, nehmt meine Seele fort. Sie pocht und will hinausgehen. Er wird die siebenhundert Karolus wiederbringen.“
Und Nele weinte, wenn sie das hörte.
Indessen kehrten Ulenspiegel und Lamm, mit ihren Pässen versehen, in eine kleine Herberge ein, die sich an die Felsen der Sambre lehnte, welche an gewissen Stellen mit Bäumen bedeckt sind. Auf dem Schild stand geschrieben: Bei Marlaire.
Nachdem sie manch Fläschlein Maaswein in Burgunder Art getrunken und viele gesalzene Fische verspeist hatten, plauderten sie mit dem Wirt, der ein Papist reinsten Wassers war, aber geschwätzig wie eine Elster, des Weines wegen, den er getrunken hatte. Unaufhörlich zwinkerte er boshaft mit den Augen. Ulenspiegel vermutete hinter diesem Zwinkern etwelches Geheimnis und ließ ihn noch mehr trinken, also daß der Wirt anhub zu tanzen und in Gelächter auszubrechen. Dann setzte er sich wieder an den Tisch und sagte:
„Gute Katholiken, ich trinke auf Euer Wohl.“
„Wir trinken auf das Deine,“ antworteten Lamm und Ulenspiegel.
„Auf die Ausrottung jeder Pest von Rebellion und Ketzerei!“
„Wir tun Bescheid,“ antworteten Lamm und Ulenspiegel und füllten ohn Unterlaß den Becher des Wirts, der ihn niemals leer sehen konnte.
„Ihr seid Biedermänner,“ sprach er. „Ich trinke auf Eure Freigebigkeit; ich verdiene am Wein, der getrunken. Wo sind Eure Pässe?“
„Hier sind sie,“ antwortete Ulenspiegel.
„Vom Herzog unterzeichnet. Ich trinke auf des Herzogs Wohl.“
„Wir tun Bescheid,“ antworteten Lamm und Ulenspiegel.
Der Wirt fuhr in seiner Rede fort:
„Worin fängt man die Ratten, Mäuse und Hamster? In Ratten-, Hamster- und Mausefallen. Wer ist der Hamster? Das ist der große Ketzer, orangefarben gleich dem Feuer der Höllen.[4]Gott ist mit uns. Sie werden kommen. Ha, ha! Zu trinken! Schenk ein, ich koche, ich brenne. Zu trinken! Sehr schöne, kleine, reformierte Prediger ... Kleine, sage ich ... schöne, kleine, tapfere, starke Soldaten, Eichen ... Zu trinken! Werdet Ihr nicht mit ihnen in das Lager des großen Ketzers gehen? Ich habe Pässe, von ihm unterzeichnet ... Ihr werdet ihren Auftrag mit Augen sehen.“
„Wir werden ins Lager gehen,“ erwiderte Ulenspiegel.
„Sie werden sich gut dazuhalten, und in der Nacht, wenn die Gelegenheit günstig ist, (und der Wirt machte pfeifend einen Mann nach, der einen andern erwürgt) wird Eisenwind die Drossel Nassau hindern, noch mehr zu pfeifen. Holla, zu trinken!“
„Du bist lustig, ob Du gleich verheiratet bist,“ entgegnete Ulenspiegel.
Der Wirt sagte:
„Das bin ich nicht, noch war ich es. Ich hüte die Geheimnisse der Fürsten. Gebt mir zu trinken. / Mein Weib würde sie mir vom Kopfkissen stehlen, um mich henken zu lassen und eher Wittib zu werden als die Natur will. So wahr Gott lebt! Sie werden kommen. Wo sind die neuen Pässe? Auf meinem christlichen Herzen. Laßt uns trinken! Da sind sie, da, in dreihundert Schritt Entfernung auf dem Wege, bei Marche-les-Dames. Sehet Ihr sie? Laßt uns trinken.“
„Trink,“ sagte Ulenspiegel zu ihm, „trink; ich trinke auf den König, den Herzog, die Prediger und auf Eisenwind. Ich trinke auf Dein Wohl und meins; ich trinke auf den Wein und auf die Flasche. Du trinkst ja nicht.“ Und bei jedem Trinkspruch füllte Ulenspiegel von neuem das Glas und der Wirt leerte es.
Ulenspiegel betrachtete ihn etliche Zeit. Dann sagte er, sich erhebend:
„Er schläft; wir wollen uns davonmachen, Lamm.“
Als sie draußen waren:
„Er hat kein Weib, uns zu verraten ... Die Nacht sinkt herab ... Du hast deutlich vernommen, was dieser Taugenichts sagte; und Du weißt, wer die drei Prediger sind?“
„Ja,“ sprach Lamm.
„Du weißt, das sie die Maas entlang von Marche-les-Dames kommen, und daß man gut tun wird, sie auf dem Wege zu erwarten, ehe denn Eisenwind zu Atem kommt.“
„Ja,“ sprach Lamm.
„Wir müssen dem Prinzen das Leben retten,“ sagte Ulenspiegel.
„Ja,“ sprach Lamm.
„Da,“ sprach Ulenspiegel, „nimm meine Büchse, geh dort in das Gebüsch zwischen den Felsen; lade sie mit zwei Kugeln und ziele, wenn ich wie ein Rabe krächze.“
„Das will ich tun,“ sprach Lamm.
Und er verschwand im Gebüsch. Alsbald hörte Ulenspiegel das Rad der Büchse knarren.
„Siehst Du sie kommen?“ fragte er.
„Ich sehe sie“; antwortete Lamm. „Es sind ihrer drei, die gleich Soldaten marschieren, und der Eine überragt die Andern um Haupteslänge.“
Ulenspiegel setzte sich mit vorgestreckten Beinen auf den Weg, indem er murmelnd einen Rosenkranz abbetete, wie die Bettler tun. Und er hatte seinen Hut zwischen den Knieen.
Als die drei Prediger vorübergingen, hielt er ihnen seinen Hut hin, sie aber legten nichts hinein.
Da stand Ulenspiegel auf und sagte kläglich:
„Ihr guten Herren, versagt einem armen Steinhauer, der sich letzthin in einer Grube des Steinbruchs die Lenden gebrochen hat, nicht einen Stüver. Sie sind hart in diesem Lande und haben mir nichts geben wollen, mein trauriges Elend zu lindern. Wehe, gebt mir einen Stüver, dann werde ich für Euch beten. Und Gott wird Eure großmütige Gnaden das ganze Leben fröhlich erhalten.“
„Mein Sohn,“ sagte einer der Prediger, ein starker Mann, „für uns wird in dieser Welt keine Freude sein, solange Papst und Inquisition darin regieren.“
Ulenspiegel seufzte gleichfalls und sprach:
„Wehe! was sagt Ihr, edle Herren? Sprecht leise, wenn es Euer Gnaden beliebt. Aber gebt mir einen Stüver.“
„Mein Sohn,“ antwortete ein kleiner Prediger mit kriegerischem Antlitz, „wir armen Märtyrer haben nur so viel Stüver, wie wir brauchen, uns unterwegs zu ernähren.“
Ulenspiegel warf sich auf die Kniee.
„Segnet mich,“ sagte er.
Die drei Prediger legten die Hand ohne Frömmigkeit auf Ulenspiegels Kopf.
Da er wahrnahm, daß sie mager waren und doch mächtige Bäuche hatten, erhob er sich, stellte sich, als ob er fiele, und stieß mit der Stirn gegen den Bauch des hochgewachsenen Predigers, wobei er ein lustiges Klingeln von Münzen vernahm.
Da richtete er sich auf und zog sein kurzes Schwert.
„Ihr schönen Väter,“ sagte er, „es ist kalt; ich bin schlecht bekleidet, und Ihr habt mehr als genug. Gebt mir von Eurer Wolle, daß ich mir daraus einen Mantel schneiden kann. Ich bin Geuse, es lebe der Geuse!“
Der große Prediger antwortete:
„Du gekrönter Geuse, Du trägst den Kamm hoch; wir werden ihn Dir abschneiden.“
„Abschneiden,“ sprach Ulenspiegel, indem er zurückwich; „aber Eisenwind wird Euch anhauchen, ehe er den Prinzen anhaucht. Geuse bin ich, es lebe der Geuse!“
Die drei Prediger sagten bestürzt untereinander:
„Woher kommt ihm die Kunde? Wir sind verraten. Drauf! Es lebe die Messe!“
Und sie zogen unter ihren Hosen schöne, scharfgeschliffene Schwerter hervor.
Doch Ulenspiegel entwich, ohne ihnen stand zu halten, nach dem Gebüsch, worin Lamm verborgen war. Als er meinte, daß die Prediger in Schußweite seien, sprach er:
„Ihr Raben, schwarze Raben, Bleiwind wird wehen. Ich singe Euer Sterbelied.“
Und er krächzte.
Ein Büchsenschuß aus dem Gebüsch streckte den größten Prediger nieder, mit dem Gesicht auf den Boden; ein zweiter Schuß warf den zweiten auf den Weg.
Und zwischen den Büschen erblickte Ulenspiegel Lamms gutes Vollmondsgesicht und seinen erhobenen Arm, der hastig die Büchse wieder lud. Und ein blauer Rauch stieg aus dem schwarzen Gebüsch auf.
Der dritte Prediger, vor männlicher Wut rasend, wollte Ulenspiegel mit aller Gewalt aus dem Busche reißen. Der aber sprach:
„Eisenwind oder Bleiwind, Du wirst aus dieser Welt scheiden und in die andere gehen, Du schändlicher Mordstifter!“
Und er griff ihn an und er wehrte sich tapfer.
Fest standen sie Aug’ in Aug’ auf dem Wege, teilten Hiebe aus und parierten sie.
Ulenspiegel war von Blut überströmt, maßen sein Gegner, ein geübter Kämpfer, ihn am Kopf und Bein verwundet hatte. Doch er griff ihn an und verteidigte sich wie ein Leu. Da ihn das Blut, so von seinem Kopf strömte, blendete, wich er in großen Schritten zurück, wischte es mit der Linken ab und fühlte, daß er schwach wurde. Er wäre getötet worden, hätte Lamm nicht auf den Prediger geschossen und ihn niedergestreckt.
Und Ulenspiegel sah und hörte ihn Lästerworte, Blut und Todesschaum ausspeien.
Und blauer Rauch stieg aus dem Gebüsch auf, darinnen Lamm wiederum sein gutes Vollmondsgesicht sehen ließ.
„Ist es vollendet?“ fragte er.
„Ja, mein Sohn,“ antwortete Ulenspiegel, „aber komm ...“
Da Lamm aus seinem Versteck trat, sah er Ulenspiegel ganz mit Blut bedeckt. Ohngeachtet seines Bauches wie ein Hirsch rennend, gelangte er zu Ulenspiegel, der neben den Getöteten auf der Erde saß.
„Er ist verwundet,“ sprach er, „mein herzlieber Freund, von diesem nichtsnutzigen Mörder verwundet.“ Und mit einem Stoß seines Absatzes zerbrach er dem nächsten Prediger die Zähne. „Du antwortest nicht, Ulenspiegel! Wirst Du sterben, mein Sohn? Wo ist der Balsam? Ha, unten in seinem Felleisen unter den Würsten. Ulenspiegel, hörst Du mich nicht? Wehe, ich habe kein lauwarmes Wasser, Deine Wunde zu waschen, und keine Möglichkeit, welches zu bekommen. Aber das Sambrewasser wird genügen. Sprich zu mir, mein Freund. Du bist doch nicht so schwer verwundet. Ein wenig Wasser, recht kalt, nicht so? Er erwacht. Ich bin es, mein Sohn, dein Freund. Sie sind alle tot. Leinwand, Leinwand, seine Wunden zu verbinden. Keine da. Also mein Hemd.“ / Er zog sich aus. / Und Lamm redete weiter: „In Stücke das Hemd. Das Blut stockt. Mein Freund wird nicht sterben.“
„Ha,“ sprach er, „es ist kalt mit nacktem Rücken in dieser frischen Luft. Kleiden wir uns wieder an. Er wird nicht sterben. Ich bin’s, Ulenspiegel, ich, Dein Freund Lamm. Er lächelt. Ich werde die Mörder plündern. Sie haben Bäuche aus Gülden. Güldene Kaldaunen. Karolus, Gülden, Taler, Stüver und Briefe. Wir sind reich. Ueber dreihundert Karolus zu teilen. Wir wollen die Waffen und das Geld nehmen. Eisenwind wird noch nicht für Seine Gnaden wehen.“
Ulenspiegel stand auf und klapperte vor Frost mit den Zähnen.
„Da bist Du wieder auf den Beinen!“ sprach Lamm.
„Das ist die Kraft des Balsams,“ antwortete Ulenspiegel.
„Balsam der Tapferkeit,“ versetzte Lamm.
Alsdann nahm er die Leichen der drei Prediger eine nach der andern und warf sie in ein Loch zwischen den Felsen; ihre Waffen und Kleider ließ er ihnen, außer dem Mantel.
Und am Himmel, rund um sie her, krächzten die Raben, die ihres Futters harrten. Und die Sambre floß wie ein eherner Strom unter dem grauen Himmel. Und der Schnee fiel und wusch das Blut fort.
Dennoch waren sie bekümmert und Lamm sprach:
„Ich töte lieber ein Huhn als einen Menschen.“
Und sie stiegen wieder auf ihre Esel.
Am Tor von Huy floß das Blut immer noch. Sie stellten sich, als fingen sie Streit an, stiegen von ihren Eseln und fochten mit ihren Schwertern, dem Ansehen nach schier grausam. Als der Kampf beendet war, saßen sie wieder auf und ritten in Huy ein, nachdem sie am Stadttor ihre Pässe vorgewiesen hatten.
Da die Frauen Ulenspiegel verwundet und blutend und Lamm auf seinem Esel den Sieger spielen sahen, betrachteten sie Ulenspiegel mit zärtlichem Mitleid; aber Lamm drohten sie mit der Faust und sagten:
„Das ist der Taugenichts, der seinen Freund verwundet.“
Voll Unruhe suchte Lamm unter ihnen sein Weib.
Es war vergebens und er blies Trübsal.
„Wohin gehen wir?“ fragte Lamm.
„Nach Maestricht,“ antwortete Ulenspiegel.
„Aber, mein Sohn, man sagt, daß des Herzogs Kriegsknechte da rund um die Stadt liegen und daß er sich selbst darinnen befindet. Unsere Pässe werden nicht hinreichen. Wenn die hispanischen Söldner sie gut befinden, werden wir darum nicht weniger in der Stadt festgehalten und verhört werden. Unterweilen werden sie den Tod der Prediger erfahren, und mit unserm Leben wird es zu Ende sein.“
Ulenspiegel antwortete:
„Die Raben, Eulen und Geier werden in Bälde mit ihrem Fleisch ein Ende gemacht haben. Ihr Gesicht ist ohne Zweifel schon unkenntlich. Was unsere Pässe angeht, so mögen sie gut sein; so man aber Kunde vom Morde erhielte, würden wir, wie Du sagst, gefangen genommen. Dessen ohngeachtet müssen wir über Landen nach Maestricht gehen.“
„Sie werden uns henken,“ sagte Lamm.
„Wir werden durchkommen,“ erwiderte Ulenspiegel.
So ratschlagend, kamen sie nach der Herberge „Zur Elster“, allwo sie gute Kost, gutes Nachtlager und Heu für ihre Esel fanden.
Am andern Morgen machten sie sich auf den Weg nach Landen.
Da sie bei einem großen Pachthofe vor der Stadt angelangt waren, trillerte Ulenspiegel wie eine Lerche und alsbald antwortete ihm von drinnen das kriegerische Trompeten des Hahnes. Ein Pächter, der ein ehrlich Gesicht hatte, erschien auf der Türschwelle.
„Freunde als Freie, es lebe der Geuse! Tretet ein!“ sprach er.
„Wer ist dieser?“ fragte Lamm.
Ulenspiegel antwortete:
„Thomas Utenhove, der tapfere Reformierte. Seine Knechte und Mägde arbeiten gleich ihm für das freie Gewissen.“
Darauf sprach Utenhove:
„Ihr seid des Prinzen Gesandte. Esset und trinket.“
Und der Schinken prasselte in der Pfanne und die Blutwürste desgleichen, und der Wein ließ nicht auf sich warten, und die Gläser füllten sich.
Und Lamm trank wie trockener Sand und aß tapfer.
Knechte und Mägde des Pachthofs kamen nacheinander und steckten die Nase durch die halbgeöffnete Tür, um der Arbeit seiner Kinnbacken zuzuschauen; und die Männer wurden eifersüchtig und sagten, daß sie es ebensogut könnten.
Nach vollendeter Mahlzeit sprach Utenhove:
„Hundert Bauern werden diese Woche von hier aufbrechen, unter dem Vorgeben, daß sie in Brügge und Umgegend an den Deichen arbeiten wollen. Sie werden in Rotten von fünf oder sechs und auf unterschiedlichen Wegen reisen. In Brügge werden Barken sein, um sie übers Meer nach Emden zu bringen.“
„Sind sie mit Waffen und Geld versehen?“ fragte Ulenspiegel.
„Sie sollen jeder zehn Gülden und große Hirschfänger haben.“
„Gott und der Prinz werden Dir’s lohnen,“ sprach Ulenspiegel.
„Ich arbeite nicht um Lohn,“ erwiderte Thomas Utenhove.
„Wie macht Ihr’s,“ sagte Lamm, während er die dicken, schwarzen Blutwürste knusperte, „wie macht Ihr’s, Herr Wirt, um ein so duftend, saftig Gericht von so zartem Fett zu erhalten?“
„Das kommt,“ sprach der Wirt, „weil wir Zimmet und Baldrian darantun.“
Dann zu Ulenspiegel redend, sagte er:
„Ist Edzard, Graf von Friesland, allzeit des Prinzen Freund?“
„Er hält seine Gesinnung geheim, wiewohl er seinen Schiffen in Emden Asyl gibt.“ Und er fügte hinzu:
„Wir müssen nach Maestricht.“
„Das wirst Du nicht können,“ sagte der Wirt; „des Herzogs Heer ist vor der Stadt und rings umher.“
Dann führte er ihn auf den Boden und zeigte ihm in der Ferne die Fähnlein und Standarten der Reiter und Fußsoldaten, die auf freiem Felde ritten und marschierten.
Ulenspiegel sprach:
„Ich werde passieren, wenn Ihr, der Ihr an diesem Ort mächtig seid, mir Erlaubnis gebt, mich zu verheiraten. Was die Frau angeht, so brauche ich eine, die anmutig, sanft und schön ist und mich freien will, wenn nicht für immer, zum wenigsten für eine Woche.“
Lamm seufzte und sprach:
„Tu’s nicht, mein Sohn, sie würde Dich allein lassen, von Liebesglut verzehrt. Dein Bett, in dem Du so ruhig schläfst, wird Dir gleich einem Pfühl von Stechpalmen sein und Dir den süßen Schlummer rauben.“
„Ich werde heiraten,“ antwortete Ulenspiegel.
Und da Lamm nichts mehr auf dem Tische fand, ward er schier betrübt. Da er jedoch Kapaune in einem Napf entdeckte, knabberte er sie melancholisch.
Ulenspiegel sagte zu Thomas Utenhove:
„Wohlan, darauf trink ich, schafft mir eine Frau, reich oder arm. Ich gehe mit ihr zur Kirche und lasse die Ehe durch den Pfarrer einsegnen. Dieser gibt uns einen Trauschein, nicht gültig, da er von einem papistischen Inquisitor kommt. Wir lassen darin feststellen, daß wir alle gute Christen sind, maßen wir gebeichtet und kommuniziert haben und gemäß den Vorschriften unsrer heiligen römischen Mutter Kirche, so ihre Kinder verbrennt, apostolisch leben. Und also rufen wir die Segnungen unseres heiligen Vaters, des Papstes, der himmlischen und irdischen Heerscharen, der heiligen Männer und Frauen, der Dechanten, Pfaffen, Mönche, Söldlinge, Bluthunde und andrer Lumpen auf uns herab. Mit besagtem Zeugnis versehen, machen wir die Vorbereitungen zur Reise, die bei der Hochzeitfeier Brauch ist.“
„Aber die Frau?“ fragte Thomas Utenhove.
„Die mußt Du für mich finden,“ antwortete Ulenspiegel. „Ich nehme also zwei Wagen, schmücke sie mit Kränzen von Fichtenzweigen, Stechpalmen und Papierblumen und besetze sie mit etlichen Bauern, die Du zum Prinzen schicken willst.“
„Aber die Frau?“ fragte Thomas Utenhove.
„Die ist gewißlich hier,“ erwiderte Ulenspiegel.
Und er redete weiter:
„Ich spanne zwei Deiner Pferde vor den einen Wagen, unsere beiden Esel vor den andern. In den ersten Wagen setze ich meine Frau und mich, meinen Freund Lamm und die Trauzeugen, in den zweiten die Spielleute mit Schellentrommeln, Querpfeifen und Schalmeien. Dann tragen wir lustige Hochzeitsbanner, und mit Trommeln, Singen und Trinken fahren wir im scharfen Trab auf der Heerstraße, die uns zum Galgenfelde oder in die Freiheit führt.“
„Ich will Dir helfen,“ sprach Thomas Utenhove. „Aber die Frauen und Mädchen werden ihren Männern folgen wollen.“
„Wir werden in Gottes Schutz gehen,“ sagte ein hübsches Mägdlein und steckte den Kopf in die halboffene Tür.
„Wenn es not tut, sind vier Wagen da, und dergestalt können wir über fünfundzwanzig Mann durchbringen.“
„Der Herzog wird übertölpelt werden,“ sagte Ulenspiegel.
„Und in des Prinzen Flotte werden etliche gute Soldaten mehr dienen,“ erwiderte Thomas Utenhove.
Dann läutete er seinen Knechten und Mägden und sprach zu ihnen: „Ihr alle, die Ihr aus Zeeland seid, Männer und Weiber, höret. Gegenwärtiger Ulenspiegel, der Vläme, will, daß Ihr in hochzeitlichen Kleidern durch des Herzogs Heer hindurchziehet.“
Männer und Frauen aus Zeeland riefen mitsammen:
„Bei Todesgefahr! Wir wollen!“
Und die Männer redeten untereinander:
„Es ist uns eine Lust, das Land der Knechtschaft zu verlassen und aufs freie Meer zu gehen. Wenn Gott für uns ist, wer kann wider uns sein?“
Die Frauen und Mädchen sagten:
„Wir wollen unsern Männern und Freunden folgen. Wir sind aus Zeeland und werden dort Zuflucht finden.“
Ulenspiegel erspähte ein junges, artiges Mägdlein, trieb seinen Scherz mit ihr und sagte:
„Ich will Dich freien.“
Und sie antwortete errötend:
„Ich will Dich, aber nur in der Kirche.“
Und mit Lachen sprachen die Frauen untereinander:
„Ihr Herz zieht sie zu Hans Utenhove, des Baas Sohn. Er geht gewiß mit ihr.“
„Ja,“ antwortete Hans.
Und der Vater sprach zu ihm:
„Du kannst es tun.“
Die Männer legten ihr Festgewand an, Wams und Hosen von Sammet und den weiten Mantel darüber; auch setzten sie große Hüte zum Schutz gegen Sonne und Regen auf. Die Weiber, in schwarzen Strümpfen und geschlitzten Schuhen, trugen den großen, güldenen Stirnschmuck, links für die Mädchen und rechts für die Ehefrauen; am Halse die weiße Krause, den Brustlatz in güldner, scharlachner und azurblauer Stickerei, der Rock von schwarzer Wolle mit breiten Sammetstreifen in der nämlichen Farbe, schwarzwollene Strümpfe und Sammetschuhe mit Silberschnalle.
Dann ging Thomas Utenhove in die Kirche, den Priester zu bitten, für zwei Reichstaler, die er ihm in die Hand steckte, ohne Verzug Tylbert, des Klas Sohn, mit Tannekin Pieters zu trauen, und der Pfarrer willigte darein.
Ulenspiegel ging also, von der ganzen Hochzeitsgesellschaft gefolgt, in die Kirche und vermählte sich allda vor dem Priester mit Tannekin, die so schön und reizend, so freundlich und rundlich war, daß er gern in ihre Wangen gebissen hätte wie in einen Liebesapfel. Und er sagte es ihr, da er aus Scheu vor ihrer sanften Schönheit es nicht zu tun wagte. Sie aber sprach schmollend zu ihm:
„Laß mich; da ist Hans, der sieht Euch an, um Euch umzubringen.“
Und ein Mägdlein, ein eifersüchtiges, sagte zu ihm:
„Such anderswo; siehest Du nicht, daß sie Angst vor ihrem Manne hat.“
Lamm rieb sich die Hände und rief aus:
„Du sollst sie nicht alle haben, Taugenichts.“
Und er freute sich baß.
Ulenspiegel nahm sein Leid in Geduld hin und kehrte mit den Hochzeitsgästen zum Pachthof zurück. Und da trank er, sang und war guter Dinge und trank dem eifersüchtigen Mägdlein zu. Des war Hans froh, aber nicht Tannekin noch des Mägdleins Bräutigam.
Bei hellem Sonnenschein und frischem Winde fuhren die Wagen um Mittag, mit Grün und Blumen geschmückt davon, mit flatternden Fahnen und beim fröhlichen Klang der Schellentrommeln, Schalmeien, Quer- und Sackpfeifen.
In Albas Lager war ein ander Fest. Nachdem die Wachen und Vorposten Alarm geblasen hatten, kamen sie nacheinander zurück und meldeten:
„Der Feind ist nahe; wir haben den Lärm der Trommeln und Pfeifen gehört und die Fahnen erblickt. Es ist eine starke Abteilung Reiterei, die dorthin gerückt ist, um Euch in irgend einen Hinterhalt zu locken. Die Hauptmacht ist ohnzweifelhaft ferner.“
Alsbald ließ der Herzog Feldmeister, Obristen und Hauptleute benachrichtigen, befahl, das Heer in Schlachtordnung aufzustellen, und ließ den Feind auskundschaften.
Plötzlich erschienen vier Wagen, die auf die Scharfschützen zufuhren. In den Wagen tanzten die Männer und Weiber, die Flaschen machten die Runde, und lustig kreischten die Pfeifen, ächzten die Schalmeien, dröhnten die Trommeln und schnarrten die Dudelsäcke.
Nachdem die Hochzeitsgesellschaft Halt gemacht hatte, kam Alba selbst auf den Lärm herbei und sah die junge Frau auf einen der vier Wagen, Ulenspiegel, ihr Ehegespons, neben ihr, ganz mit Blumen geschmückt; und alle Bauern und Bäuerinnen waren abgestiegen, tanzten herum und gaben den Soldaten zu trinken.
Alba und die Seinen verwunderten sich gewaltig der Einfalt dieser Bauern, die da sangen und feierten, wo alles um sie her in Waffen war. Und die in den Wagen waren, gaben den Soldaten all ihren Wein.
Und sie wurden von ihnen gepriesen und geehrt.
Da der Wein in den Wagen ein Ende nahm, machten sich die Bauern und Bäuerinnen beim Klange der Schellentrommeln, Quer- und Sackpfeifen wieder auf den Weg, ohne belästigt zu werden. Und frohen Muts gaben die Soldaten ihnen zu Ehren eine Salve Büchsenschüsse ab. Und dergestalt zogen sie in Maestricht ein, wo Ulenspiegel sich mit reformierten Unterhändlern ins Einvernehmen setzte, um der Flotte des Schweigers Schiffe, Waffen und Munition zu senden. Und desgleichen taten sie in Landen. Und als Tagelöhner gekleidet zogen sie allerorten hin.
Dem Herzog ward die Kriegslist kund; und es ward ein Lied darauf gemacht, welches man ihm sandte, und der Kehrreim lautete: