Chapter 6

A= 7 Uhr 12 MinutenB= 7 Uhr 15 Minuten und

A= 7 Uhr 12 MinutenB= 7 Uhr 15 Minuten und

A= 7 Uhr 12 MinutenB= 7 Uhr 15 Minuten und

A= 7 Uhr 12 Minuten

B= 7 Uhr 15 Minuten und

sehr wenige Secunden.[34]

Das Ergebniss giebt Stoff zum Denken und Reden. Das ganze Himmelsgewölbe dreht sich scheinbar

um 360° in 24 Stunden,um  15° in 1 Stunde,um  15′  in 1 Minute.

um 360° in 24 Stunden,um  15° in 1 Stunde,um  15′  in 1 Minute.

um 360° in 24 Stunden,um  15° in 1 Stunde,um  15′  in 1 Minute.

um 360° in 24 Stunden,

um  15° in 1 Stunde,

um  15′  in 1 Minute.

Wenn wir die Sonnenbreite zu ½° oder 30′ annehmen, hätten wir für die Zeitdauer des Eintauchens 2 Minuten zu erwarten. Die atmosphärische Strahlenbrechung kann die Erscheinung nur verspäten, nicht verlängern: sie beträgt für 90° Zenith-Abstand 33′; wir sehen also die Sonne noch vollständig über dem Horizont, wenn ihr oberer Scheitel schon soeben darunter gesunken ist. Woher aber die Dauer von mehr als 3 Minuten? Die Aufklärung verdanke ich unserem berühmten AstronomenAuwers.

Sonnenuntergang

Die Sonne geht unter senkrecht gegen den Horizont nur am Aequator und braucht daher dort 2 Minuten zu ihrem Untergang; in jeder anderen Breite mehr, da sie hier in ihrer täglichen Bahnschrägauf den HorizontHHzugeht, unter dem mit der geographischen Breite und den Jahreszeiten wechselnden Winkel φ. Damit der Stand der Sonne sich um den DurchmesserABerniedrige, oder dieser durch den Horizont gehe, muss die Sonne in ihrer Bahn den Weg

SS′=BB′=ABsin φ

zurücklegen. In Berlin braucht die Sonne zum Untergehen am 15. August 3 Minuten 40″, am 15. October 3′ 36″; unter 45° nördlicher Breite 3′ 9″ bezw. 3′ 6″.

Es ist merkwürdig, dass die volksthümlichen Darstellungen der Astronomie diesen Gegenstand nicht berücksichtigen, — offenbar, weil bei uns auf dem Lande die Beobachtung nur ausnahmsweise angestellt werden kann.

DasMeeresleuchtenkann Abends den aufmerksamen Beobachter stundenlang fesseln. Im dunklen Wasser tauchen grosse rundliche, bläulich glänzende Leuchtscheiben auf, in dem Augenblick und andem Ort, wo sie gerade von der weissen Welle berührt werden, die von dem das Meer durchpflügenden Schiff ausgeht: Quallen, Medusen und andere Seethiere sind die Ursache des Leuchtens. Oder die ganze weisse Meeresoberfläche des Kielwassers hinter dem Schiff erglänzt in weissem Phosphorlicht. Hierbei spielen Leucht-Bakterien die Hauptrolle.

Zum Zeitvertreib berechnet man die Ausdehnung desMeereshorizontesund findet zu seinem Staunen, dass der Halbmesser nur 5–6 Seemeilen beträgt.[35]Wie ein Kind freut sich jeder, der zum ersten Mal die Kugelgestalt der Erde sich selbst vorbeweist, indem er zunächst den Schornstein, und später, bei grösserer Annäherung, den Rumpf eines fahrenden Dampfers erblickt.

Zu denSpielkartenbrauche ich meine Zuflucht nicht zu nehmen. Ich verstehe keines der Kartenspiele, mit denen allerdings die meisten Reisenden einen Theil der „unendlichen“ Zeit hinbringen. Auf der Fahrt von Europa nach Amerika trifft man viele eingefleischteKartenspieler, namentlich unter Kaufleuten, die an Wettgeschäfte gewöhnt sind. Das milde Whist- und Skat-Spiel im Rauchzimmer wird schon von dem waghalsigen Poker verdrängt. Ja, es scheint bereits gewerbsmässige Spieler zu geben, welche die Kosten der Fahrt nicht scheuen, in Hoffnung auf weit grösseren Gewinn.

Unschuldigere Spiele werden auf Deck geübt. 1.Himmel und Hölle, doch wird es nicht wie von unseren Knaben mit Scherben und der Fussspitze, sondern mit Brettchen und einem Schieber gespielt. (Ich sah ein ähnliches Spiel auf englischen Dampfern; das Brett hat seine Eintheilung in Rechtecke mit den verschiedenen Ziffern; geworfen wird mit rundlichen Metallplatten). 2. Auf einem festen Brett ist senkrecht nach oben ein kurzer, spitziger Pfahl befestigt. Ringe aus dickem Tau sind hergerichtet und werden aus der Entfernung von 10–15 Fuss auf den Pfahl geworfen. Es gehört Kunst und Uebung dazu, um nur dreimal von 12 Würfen zu treffen. Das schöne Geschlecht betheiligt sich lebhaft. (Gelegentlich werden die Ringe auch in einen kleinen leeren Wassereimer, aus derselben Entfernung, hineingeworfen.)

VonErlebnissenoder gar von Abenteuern habe ich wenig zu melden. Das Meer war fast spiegelglatt, während der ganzen Fahrt, nur kleine weisse Wogenkämme sichtbar; der Himmel öfters blaugrau, aber doch freundlich; Abends erglänzte der Mond auf dem Wasser. Der röthlich schimmernde Mars erinnerte mich an die Lieben daheim, mit denen ich so oft an dem uns so nahe getretenen Wandelstern mich erfreut hatte, so dass selbst die kühnsten Annahmen, die einige halbgebildete Kentuckyer über die Kunstfertigkeit der Marsbewohner vorbrachten, mir die gute Stimmung nicht zu stören vermochten. Nachts vom 6./7. August tönte das Nebelhorn, ebenso am Sonntag, den 7., bis nach Mitternacht. In der Nähe der „Bänke“ von Neu-Fundlandist immer Nebel. An diesem Tage erblickten wir einen Dampfer und zwei Segler. Montag, den 8. August war entzückendes Wetter, blauer Himmel, Sonnenschein, tiefblaue See, fröhliche Stimmung bei Jung und Alt. Wie Noah einstmals voller Freuden das Oelblatt im Schnabel der Taube erblickte; so sehen wir, zum Zeichen, dass der Wasserwüste Ende nahe ist, kleine Vögelchen über den Wellen schweben. Wir sehen um 9 Uhr Vormittags das erste Fischerboot auf den Bänken; ein Dreimaster fährt in nächster Nähe an uns vorüber. Dass es auch alberne Menschen auf dem Dampfer giebt, zeigte eine Abendunterhaltung in der zweiten Cajüte: ein junger deutscher Kaufmann, der komische Begabung zu besitzen wähnte, ein amerikanischer Arzt, der in Berlin ernsteren Studien obgelegen und hier eine Neger-Predigt hielt, trugen die Kosten der Unterhaltung.

Dienstag, den 9. August, kam derLootsean Bord. Er fährt in seinem Kutter mit mehreren Matrosen weit hinaus in die offene See und kreuzt dort, um den Dampfer zu erlauern. Er erhält für das Lootsengeschäft ungefähr 150 Dollar, nämlich 5 Dollar für jeden Fuss Tiefgang des Dampfers. Natürlich sind es geprüfte Leute, die ihr Fahrwasser kennen. Sowie der Lootse an Bord ist, übernimmt er die Leitung des Schiffes und erleichtert dem Capitän die Verantwortung für den Rest der Fahrt. Es ist ja ein recht dramatischer Augenblick, wenn der gewandte Mann die Schiffsleiter emporklimmt; die Zeitungen, mit denen er die Taschen vollgestopft hat, werden ihm schleunigst abgenommen, namentlich von den Neulingen, welche möglichst rasch Nachrichten von dem Weltgetriebe, dem sie für 6 Tage entrückt waren, zu erhalten streben. Aber sehr bald legen sie enttäuscht die Blätter wieder fort; dieselben enthalten nichts Neues; wenige Stunden nach unserer Abfahrt war der Lootse von New-York abgesegelt.

Wie verschieden sind doch die Neigungen und Strebungen der Menschen? Der eine will wissen, wie es zu Hause steht, ob Frieden in Europa herrscht. Der zweite blickt nach den Kursen. Der dritte fragt nur nach dem Ausgang der Jachtwettfahrten.

Uebrigens wird auch das Erscheinen des Lootsenbootes zu einer neuen Wette benutzt. Es sind 24 Boote, jedes führt eine Nummer, von 1 bis 24, auf dem Hauptsegel. Eine Partie wird gebildet mit 24 Loosen; derjenige gewinnt, welcher die Nummer des Lootsenbootes gezogen hatte. Mein vortreffliches Doppelfernrohr[36], das bisher edleren Zwecken gedient, wurde mir von den eifrigen Spielern abgefordert, um schon aus weiter Ferne die Nummer von dem Segel abzulesen.Hierbei ereignete sich ein spassiger Auftritt. Ein Amerikaner war erstaunt und fast entrüstet, dass mein deutsches Glas mehr zeigte, als das seinige. „Was kostet das Glas?“ fragte er. „25 Dollar“ antwortete ich. „Meines kostet 100“, sagte er stolz und fügte hinzu, „aber es ist auch aus Aluminium“. „Mit dem Aluminium können Sie nicht sehen, sondern nur mit den Gläsern,“ war meine letzte Antwort. Aber der Sieg der deutschen Arbeit war doch entschieden. Er liess sich später das Instrument aus Berlin nach Boston kommen.

Nachmittags tönte wieder das Nebelhorn; und sogar ein zweites für kurze Zeit, aus grosser Nähe. Wir lothen 47 Faden. Der Capitän gestattet einigen Auserwählten, die Brücke zu betreten.

Das letzte Abendessen ist besonders fein. Grosse Baumkuchen, auf deren Spitze Marzipan-Engel mit deutschen und amerikanischen Flaggen stehen, zieren die Tafel. Die Musiker spielen ihre besten Weisen. Geht doch heute das Blatt herum, auf welchem jeder Reisende seinen Beitrag für die Musik vermerkt. Man zeichnet 10 Mark, ebenso viel giebt man dem Aufwärter bei Tische und dem in der Cajüte; man vergisst auch nicht den Badediener. Die gehobene Stimmung der glücklich vollendeten Seefahrt öffnet Herzen und Hände. Auch die weiblichen Aufwärterinnen schmunzeln, denn trotz des guten Wetters war so manche Dame erkrankt und hilfsbedürftig genug gewesen, um sich jetzt dankbar zu zeigen.

Während der Tafel steht ein Amerikaner auf und hält in dem bei ihnen landesüblichen Wortschwall eine längere Rede, die so ausschliesslich an die anwesenden Amerikaner gerichtet ist, als ob sie allein da wären. Als er fertig ist, stehe ich auf und bringe in wenigen Worten einen deutschen Toast aus auf Capitän und Officiere.

Wir müssen durchaus in der Fremde daran erinnern, dass wir Deutschen auch eine Nation sind und eine eigne Sprache besitzen. Der feierliche Ball auf Deck, den ich auf den beiden früheren Fahrten mitgemacht, fällt diesmal aus wegen des Nebels.

Auch der letzte Tag der Fahrt, Mittwoch, den 10. August, bringt uns herrliches Wetter, sogar 23° C. Ich schwitze weidlich beim Packen. Um 8½ Uhr Morgens erscheintFire-Island[37], dann Long-Island undSandyhook, vor der Einfahrt in den Hafen von New-York. Bis hierher rechnet man die Meeresfahrt. Sie hatte 6 Tage 18 Stunden gedauert.[38]

Alle Reisenden sind festlich geschmückt. Die Einfahrt in die Narrows sehe ich wieder von der Brücke aus. Wir werfen Anker, mit dem Blick auf die Bay von New-York, die Statue der Freiheit, die Riesengebäude von New-York (Washington-, World-Building) und die berühmte Hängebrücke von Brooklyn.

Die Gesundheitsbeamten kommen an Bord, aber nicht für uns. Wer den Cajütenplatz bezahlt, kann unbehelligt das Reich des allmächtigen Dollar betreten. Der Zwischendeck-Reisende aber muss sein Impf-Zeugniss vorweisen; er ist auf der Reise vom Schiffsarzt frisch geimpft worden. Es kommen Zollbeamte, die uns den berühmten Zolleid abnehmen. Es kommen Freunde. Wir landen inHobokenam westlichen Ufer des Hudsonflusses in der Riesenwerft des norddeutschen Lloyd und werden mit klingender Musik in deutschen Weisen empfangen.[39]


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