Nuwara Eliya.
Sonntag, den 13. November, Vormittags 10h45′, fuhr ich mit derEisenbahn[359]südwärts und bergauf nachNanu-Oya, 53 englische Meilen in 5¼ Stunden, und von da im Postwagen[360]nachNuwara Eliya, 5 englische Meilen in 1 Stunde.
Entzückend ist von der Eisenbahn aus, die dem Oberlauf des Mahaweli-Flusses folgt, der Rückblick auf Kandy mit seinen Palmenpflanzungen und den umgebenden Bergen; ganz herrlich der Pflanzenwuchs zu den Seiten der Bahn. In der Höhe[361]von 2000 Fuss über dem Meere erblickt man, im November, blühende Rosen, Camelien, Chrysanthemum, stattliche Palmen und Bananen, sodann Theepflanzungen, ferner in einigem Abstand terrassenförmig angelegte Reisfelder, die in hellstem Grün prangen, endlich noch weiter ab die undurchdringlichen Gestrüpp-Wälder. Die hohen Berge der Nachbarschaft sind bis zur Spitze grün bewaldet. In der Höhe von 4000 Fuss hören die Palmen[362]auf, die Bananen noch nicht gleich. Alöe[363]bildet mächtige Hecken längs der ganzen Eisenbahnstrasse. Aber es sind nicht die kleinen Büschel, die wir aus unseren Gärten, oder die grösseren, die wir von Neapel und Sicilien kennen; sondern gewaltige, umgekehrte Pyramiden, aus deren Mitte derBlüthenschaft, einem Baumstamm gleich, emporragt. Der Mahaweli wird reissender, seine Ufer schroffer und steiler, die malerischen Schluchten öfters mit üppigem Dschungel besetzt. Die Haupt-Haltepunkte sind Gampola und Hatton, beide berühmt durchTheepflanzungen.
Diese nehmen zu, je höher wir steigen, und erstrecken sich, soweit der Blick reicht, nur unterbrochen von den Bungalow der Besitzer, ihren Maschinen-Häusern oderFactoreien, und kleinen Gruppen von Hütten, in denen die Tamilen, die Arbeiter der Pflanzungen, mit Weib und Kind hausen.
Von weitem sieht die Theepflanzung fast wie ein Weinberg aus. Die einzelnen Sträucher sind durch Zwischenräume von einander getrennt. DieneuenPflanzungen erinnern vielfach an die Weizenfelder, die ich in Oregon und Canada gesehen: Stümpfe verbrannter Bäume sind inmitten stehen geblieben, da die Ausrodung zu mühsam und kostspielig schien, und grosse Steine liegen zwischen den Sträuchern. Hier und da sieht man auch noch eine vereinzelte Kaffe-Pflanzung.
Ich war in einen Wagen voll junger Theepflanzer gerathen. Es sind ganz tüchtige und angenehme Leute. Man sieht und hört ihnen an, dass sie thätig sind und ihr Fach verstehen. Gegen den Fremden sind sie zuvorkommend und mittheilsam. Die Missionäre werfen ihnen vor, dass viele von ihnen schwarze Frauen auf Zeit heirathen. JohnFerguson räth dem Vater, der einen jüngeren Sohn nach Ceylon sendet, auch eine Tochter mitzuschicken; and then, when planters laid the foundation of pecuniary independence,sisters would be exchanged.
Aus dem Munde meiner Reisegefährten hörte ich von Neuem, was ich schon öfters gehört und seither noch genauer gelesen,die merkwürdige Geschichte der Pflanzungen in Ceylon, welche die Aufmerksamkeit des deutschen Lesers um so eher verdient, als wir ja in den letzten Jahren gleichfalls überseeische Colonien gewonnen haben, deren Geschichte noch im Werden begriffen ist.
Vor 12–15 Jahren warKaffeder Hauptausfuhrgegenstand Ceylon’s. Der immergrüne Kaffe-Baum (Kawah der Araber, Coffea arabica des Linné) stammt aus Ostafrika (Kaffa in Abessinien) und war seit alter Zeit in Arabien (Yemen) bekannt. Aber das anregende Kaffe-Getränkist weder dort noch sonst irgendwovor dem Anfang des 15. Jahrhunderts n. Chr.erwähnt worden. Die wirksamen Stoffe sind bekanntlich dasCoffeïn, welches zu 0,8 bis 1,2 Procent in den lufttrocknen Bohnen enthalten ist und ebenfalls im Thee vorkommt, ferner Röststoffe, Gerbsäure, ein eigenthümliches flüchtiges Oel. Kaffe erregt das Nervensystem; das Herz schlägt kräftiger, das Blut kreist schneller. Die Araber sollen die Kaffe-Pflanze früh nach Indien und Ceylon gebracht, die Singhalesen aber nicht die Bohnen (Samen), sondern nur die Blätter zum Würzen des Reis und die Blüthen zum Tempelschmuck benutzt haben. Doch hat Dr.Trimen, Leiter des botanischen Gartens zu Peradenia, nachgewiesen, dass im tropischen Asien die Kaffepflanze völlig unbekannt geblieben, bis der Generalgouverneur der holländisch-ostindischen Gesellschaft,van Horn, im Jahre 1690 von arabischen Händlern Samen erhielt und dieselben in Batavia aufJava[364]anpflanzte. In demselben Jahre verpflanzten die Holländer den Kaffe auch nach Ceylon. Aber da sie den Anbau hier auf die flache Gegend beschränkten, so stieg ihre Ausfuhr nie über 1000 Centner im Jahr; und im Jahre 1739 gaben sie den Kaffe-Anbau auf Ceylon gänzlich wieder auf, um nicht den Alleinhandel Java’s zu beeinträchtigen.
Doch die Singhalesen setzten den Anbau fort, nachdem sie den Handelswerth der Waare kennen gelernt; die Mohren sammelten die Ernten der Dörfer und brachten das Erzeugniss nach Colombo undGalle. Im Jahre 1810 wurden 2170 Centner Kaffe aus Ceylon ausgeführt. Noch heute unterscheidet der Handel zwei Arten von Ceylon-Kaffe: 1) Nativa, 2) Pflanzer-Kaffe.
Als die Engländer 1815 Kandy besetzten, fanden sie dort einige Kaffe-Gärten und einzelne Kaffe-Bäume in der Nähe der Tempel.
Sowie der schöpferische Sir Edward Barnes seine Strasse von Colombo nach der Hügelgegend gangbar gemacht, gründete er 1825 die erste[365]Höhen-Pflanzungvon Kaffe-Bäumen in seiner eignen Besitzung bei Peradenia.
Das Beispiel fand Nachahmung. Die Zeit war sehr günstig. Herabsetzung des Kaffe-Zoll’s auf die Hälfte verdoppelte den Verbrauch[366]in England binnen drei Jahren; die Freilassung der Sklaven verminderte den Ertrag Westindiens.[367]
Schon im nächsten Jahre wurden 4000 Acres (= 1600 ha) Wald gefällt[368]und mit Kaffe bepflanzt; und bald überstieg der jährliche Verkauf von Kronland den Betrag von 40000 Acres.
So wurde in einem Menschenalter aus dem Militärposten Ceylon eine unternehmende Ackerbau-Colonie.Alle Hügel von Kandy bedeckten sich mit Kaffe-Pflanzungen; die letzteren stiegen empor bis Nuwara Eliya (6000 Fuss über dem Meeresspiegel) und bis an die Grundfläche des Kegels vom Adams-Pik.
Für uns Deutsche ist es besonders nützlich zu beherzigen, wieviel Weisheit seitens der Regierung, und wieviel Untemehmungskraft und Geldaufwendung seitens der Bürger zusammenkommen mussten, um solche Erfolge zu zeitigen.
Die erstenPioniere, hauptsächlich hartköpfige Schotten, lebten in Blockhäusern inmitten der pfadlosen Wildniss; bald aber entstanden behagliche Bungalow und fahrbare Strassen; die wilden Elephanten und Leoparden wichen in’s Innere der Waldgegend zurück. Im Jahre 1837 betrug die Ausfuhr an Kaffe aus Ceylon 30000 Centner. Dann wurde das „westindische System“ von Robert Boyd Tytler, dem „Vater der Kaffe-Pflanzer“, eingeführt und 1845 die Ausfuhr bis auf 200000 Centner gesteigert. In diesem Jahre erreichte dieKaffe-Begeisterungden Gipfel. Ehemalige Gouverneure sowie noch thätige Richter, Geistliche, Beamte, nicht bloss aus Ceylon, sondern auch aus Ostindien, englische Capitalisten, — Alles kaufte Kronland und barg Gold in den Boden mit derselben Wuth, mit der man es aus dem Boden drei Jahre später in Californien herauszuscharren suchte. Angeblich 100 Millionen Mark wurden in wenigen Jahren aufgewendet und — grossentheils verloren.
Plötzlich kam die Geld-Knappheit von 1845 in England, ferner die Aufhebung des Schutzzolles gegen Java und Brasilien. Eineunglaubliche Bestürzungfolgte. Land wurde zu einem Zwanzigstel des Erwerbspreises wieder angeboten; ja ein Zehntel aller Pflanzungen, da sie nicht behauptet werden konnten und unverkäuflich blieben, ganz verlassen und der wieder vordringenden Ueberwaldung preisgegeben.
Allmählich trat Gesundung der Verhältnisse ein.[369]Man lernte den Boden auszuwählen, sparsam und ordentlich zu wirthschaften, mit vernünftiger Düngung, Beseitigung schädlicher Insecten, und überwand die Schwierigkeit, Tamil-Arbeiter von Malabar und Coromandel herbeizuziehen. 1857 waren in 404 Pflanzungen 80000 Acres (= 32000 ha) unter Kaffe-Cultur und lieferten, bei Verwendung von 129000 Tamilen, jährlich 347000 Centner Kaffe. Dazu kamen noch 160000 Centner der Eingeborenen, denn die Singhalesen folgten dem Beispiel der Engländer. So kam einzweiter Zeitabschnitt des Glückes, ja schliesslich des Uebermuthes. Der Werth der jährlichen Kaffe-Ausfuhr, der 1827 £ 107000, 1857 £ 1700000 betragen hatte, stieg 1868, 1869, 1870 auf £ 4000000 (für 1 Million Centner Kaffe)! Die jüngeren Söhne, welche einige tausend Pfund Sterling besassen und dem Busch von Australien sowie dem Hinterland von Canada das romantische und dabei gewinnreiche Leben in der Hügelgegend der schönen Insel vorzogen, kamen aus England und Schottland und lebten in Ceylon wie die Fürsten. 176000 Acres (= 70400 ha) waren von den Pflanzern mit Kaffe bestellt, der Acre brachte 5 Centner, oder einen Gewinn von 7–10 £, d. h. 20–25 Procent des aufgewendeten Capitals.
1869 schienen die Aussichten ganz besonders glänzend sich zu gestalten. Da kam dasUnheil. Es war einunsichtbarerFeind,ein mikroskopischerRostpilz, der die Blätter des Kaffebaumes angriff und gewaltigen Schaden anrichtete, die kostbaren Bäume in Brennholz verwandelte, das ich noch in grossen Haufen auf den Bergen liegen sah, und den Werth der Kaffe-Ausfuhr rasch auf ein Fünftel verringerte. Dieser Pilz (Hemileja vastatrix, Uredineae) ist zuerst in Ceylon auf Kaffebaumblättern beobachtet und vonBerkleyundBroomein Gardener’s Chronicle (1869, S. 1157) beschrieben worden. Nach Dr.Thwaites, der vergeblich seine warnende Stimme erhob, aber von den Pflanzern verlacht wurde, ist der Pilz einer ceylonischen Dschungel-Pflanze eigenthümlich und hat sich dann, als er auf den Kaffeblättern so gut fortkam, in ungemessener Weise ausgebreitet. Später ist dieser Pilz auch in Mysore, Tonkin, Java, Sumatra zum Verdruss der Kaffepflanzer beobachtet worden, aber nicht in Brasilien.
Anfangs hatten die Pflanzer der Kaffeblatt-Krankheit (Coffee leave disease) keine besondere Bedeutung beigelegt und sogar wegen der steigenden Kaffe-Preise den Anbau um 50 Procent ausgedehnt. Aber die jungen Pflanzungen, welche 1870 bis 1874 unter Aufwendung von £ 3000000 bestellt wurden, gingen fast gänzlich zu Grunde. Die Blätter bedeckten sich mit orangerothen Flecken, fielen ab, der Baum ging zu Grunde. Kein Mittel half.
Der berühmte Botaniker Dr.Marshall Ward, der im Auftrage der Regierung zwei Jahre auf Ceylon verweilte, um die Kaffeblatt-Krankheit zu ergründen und womöglich zu heilen, wurde von den Pflanzern auf das heftigste angegriffen, da ihm die Heilung nicht gelang.
1878 wurden noch 825000 Centner Kaffe ausgeführt, 1888 nur 140000![370]
Viele Pflanzer wurden gänzlich zu Grunde gerichtet. Aber die Verwirrung war doch nicht so gross, wie 1845. DieGläubigerwarenvernünftiggenug, auf ihre Zinsen lieber für einige Jahre zu verzichten, als durch Unerbittlichkeit die ganze Grundschuld auf einmal zu verlieren. Man muss bedenken, dass solch’ eine Pflanzung£ 10000 werth ist. Das versicherten mir meine Reisegefährten im Eisenbahnwagen, das las ich später inTennent’sDarstellung der früheren Verhältnisse.
DiePflanzerwarenmuthiggenug, sofort eine neue Thätigkeit zu unternehmen. Sowie man einsah, dass die Kaffebäume verloren seien, wurden siegefällt, um andern Pflanzungen Raum zu geben. 1878 waren 275000 Acres (= 110000 ha) mit Kaffe bepflanzt, die höchste Ziffer, die erreicht worden ist; 1893 nur noch 35000 Acres (= 14000 ha). Die Ausfuhr an Kaffe beträgt nicht mehr 1 Million Centner, sondern den fünfzehnten Theil davon. Die Natur straft Einseitigkeit durch Krankheit; das Heilmittel liegt im Wechsel und in der Mannigfaltigkeit; die neuen Anpflanzungen sind Thee, Cinchona, Cacao.
Derimmergrüne Theestrauch(Thea) scheint aus Assam zu stammen. Die wirksamen Stoffe des Thees sind Koffeïn (= Theïn) und ätherisches Oel. Thee erregt das Nervensystem. In China und Japan ist das Theetrinken schon im 8. Jahrhundert n. Chr. bekannt gewesen, nach Europa kam es um die Mitte des 17. Jahrhunderts.
Ceylon scheint für die Theepflanzung sehr geeignet, da in den Niederungen des Westens und Südwestens sowie in der Hügelgegend fast kein Monat ohne Regen bleibt, und die Abwechselung der tropischen Sonne mit der Befeuchtung dem blattbildenden Theestrauch sehr förderlich ist. Die Blatternte erstreckt sich auf sechs und selbst auf neun Monate. Dazu gedeiht der Theestrauch von den Hügeln ab, die wenige hundert Fuss über dem Meeresspiegel emporragen, bis zur Höhe von Nuwara Eliya und darüber, d. h. bis zu der Erhebung von 6000 und selbst 7000 Fuss. 1873 waren 250 Acres mit Thee bepflanzt, 1883 schon 35000, 1887 aber 150000 und 1893 endlich 255000 Acres, das sind über 100000 Hektaren.
Die Ausfuhr von Thee aus Ceylon betrug 1876 ganze 23 Pfund, 1886 an 8 Millionen Pfund, 1892 an 78 Millionen Pfund. Das ist schon ein ansehnlicher Theil, vielleicht ein Siebentel der gesammten Ausfuhr der Erde.[371]Von dem Ceylon-Thee gelangten 1891 nach Deutschland 92000 Pfund, nach England 63 Millionen. In England ist von 1869 bis 1888 der jährliche Verbrauch von 3,63 Pfund auf4,95 für den Kopf der Bevölkerung gestiegen, der von Kaffe gesunken von 0,94 Pfund auf 0,82 Pfund.
Der Ceylon-Thee scheint mir vortrefflich, sehr rein gehalten, von feinstem Duft und Geschmack, so dass ich den deutschen Hausfrauen schon empfehlen möchte, einen Versuch damit zu machen.
Unter den Pflanzern Ceylons hat sich eine grosse Gesellschaft[372]gebildet, um durch Zusammenwirken den Weltmarkt zu erobern. Von den Theepflanzungen hängt die Zukunft der Colonie ab. Die ganze Atmosphäre von Ceylon ist gewissermaassen mit Thee gesättigt.
Uebrigens ist für die Entwicklung der Colonie die Pflanzung von Thee günstiger, als die von Kaffe. Sie wirft zwar den grossen Pflanzern[373]weniger ab, aber sie beschäftigt die doppelte Zahl von Händen. Die Arbeitslöhne, die man zur Zeit zahlte, schwankten zwischen 35 und 60 Cts.,[374]nach meinen Gewährsmännern; damit können die genügsamen Tamilen gut auskommen.
Die Regierung begünstigt ihre Einwanderung von der Malabar- und Coromandel-Küste durch sehr billige Fahrsätze auf den ihr gehörigen Eisenbahnen und den anschliessenden Dampfern. In Südindien leben viele Millionen, deren Einkommen angeblich (?) für die Familie von etwa fünf Köpfen 1½ Shilling im Monat kaum übersteigt. Für diese ist Ceylon das gelobte Land, da die Familie wöchentlich 6 bis 8 Shilling verdienen und fast die Hälfte ersparen kann. Kein Wunder, dass die Zahl der Einwohner Ceylons durch die Pflanzungen auf das doppelte, die Einfuhr von Baumwollenstoff auf das fünffache, die von Nährstoffen auf das zehnfache angestiegen ist.
Ein grosser Theil dieser Arbeiterbevölkerung ist wechselnd; nach Vollendung der Arbeit kehren sie mit ihren Ersparnissen nach ihrer Heimath, d. h. nach dem Festland, zurück. Ein Theil aber macht sich sesshaft, namentlich da, wo die hochmögenden Herren Pflanzer ihnen ordentliche Hütten bauen und für ihr Wohlergehen Sorge tragen.
Die Aufschriften an jedem Halteplatz unserer Eisenbahnlinie sind dreisprachig: englisch, singhalesisch und tamil.
Cacao(Theobroma[375]Cacao) ist ein aus Amerika stammender Baum von nicht erheblicher Grösse, dessen längliche (10–20 Centimeter lange, 5–7 Centimeter breite), röthliche, nach dem Trocknen braune Frucht in einem Muss die Samen oder Bohnen enthält, welche, geröstet und zerrieben, den Cacao, noch dazu mit Zucker und Gewürz versetzt, dieChocoladegeben. Das Wort ist mexicanisch, von Choco, d. i. Cacao, undlatl= Wasser. Die Spanier fanden 1519 den Gebrauch der Chocolade bei denMexicanernvor und brachten denselben nach Europa; im 17. Jahrhundert kam er nach Italien, Frankreich, England, Deutschland. Bontekoe, der Leibarzt unsres grossen Kurfürsten, hat bereits 1667 das Lob der Chocolade verkündigt.
Die Cacaobohnen enthalten Fett, Stärke, Zucker, Eiweiss und dasTheobromin, welches seiner Zusammensetzung nach dem Koffeïn sehr ähnlich ist.
Der Anbau des Cacaobaumes erfordert grosse Sorgfalt. Auf dem Wege von Kandy nach Matale sah ich viele Pflanzungen und lernte einen Pflanzer kennen, der die Ackerbau-Chemie unsres Liebig in englischer Uebersetzung eifrigst studirte.
Im Jahre 1886 hat Ceylon bereits für 40000 £ Cacao ausgeführt; 1878 betrug die Ausfuhr 10 Centner, 1891 aber 20000. (Die Ernte der ganzen Erde an Cacao beträgt jährlich etwa 870000 Centner.) 12000 Acres (= 4800 ha) sind auf Ceylon mit Cacao bepflanzt. Die Cacaopflanzungen können keine so grosse Ausdehnung auf Ceylon erfahren, da sie beträchtliche Dicke guten Bodens in mittlerer Höhe und sehr gute, windgeschützte Lage erfordern.
MitCinchona, dem immergrünen China- oder Fieberrindenbaum[376]aus den Cordilleren des tropischen Südamerika, waren 1872 erst 500 Acres auf Ceylon bepflanzt, 1877 schon 6000, 1883 aber, nachdem seit 1879 der Misserfolg des Kaffe ausser Zweifel stand, bereits 60000 Acres = 24000 ha. Aber die gewaltige Ausfuhr von China-Rinde aus Ceylon (15 Millionen Pfund im Jahre 1887 gegen 11000 im Jahre 1872) bewirkte einen plötzlichen Preissturz (auf 1 Shilling für die Unze = 30 Gramm[377]Chinin, von 12 Shilling), derfür die Leidenden zwar sehr glücklich, aber für die Pflanzer höchst unangenehm war, so dass sie den Anbau von Cinchona wieder theilweise durch den von Thee ersetzten. Im Jahre 1891 war die Ausfuhr von China-Rinde wieder auf 5½ Millionen Pfund gefallen.
Dazu kommt der Wettbewerb von Java, dessen Rinde weit gehaltvoller ist.[378]Immerhin bildet Cinchona eineErgänzungder Haupterzeugnisse des ceylonischen Pflanzers.
Nuwara Eliya[379]wurde 1826 von englischen Officieren auf der Elephanten-Jagd entdeckt und 1829 bereits von Sir William Barnes zu einer Heil- und Erholungs-Stätte für die Soldaten gemacht. In der That ist der Ort ein Paradies für die in den Tropen lebenden Europäer; die Höhe misst 6200 Fuss über dem Meer, die Temperatur schwankt zwischen + 2° und 21° C. (selbst + 26°) und beträgt im Mittel 13½ bis 15° C. Es giebt für die in Colombo lebenden Europäer kein grösseres Vergnügen, als die Gluthhitze des Tages und die erstickenden Nächte der Ebene zu verlassen und nach einer kurzen Tagesreisevon weniger als 100 englischen Meilen in lieblicher und dabei grossartiger Gegend „ein Fleckchen Europa, das in Asien lächelt“, und ein nordisches Haus zu finden, unter wollener Decke zu schlafen und des Morgens vielleicht gar eine Spur von Eis im gefüllten Waschbecken zu entdecken.
DasGrand Hotelvon Nuwara Eliya preist sich selber als dasschöngelegene Curhaus von Ceylonund druckt einen Brief ab von dem früheren Gouverneur der Insel (Sir William H. Gregory), nach dem die Verpflegung gut und die Rechnung sehr mässig sei.
Es gelingt ihm auch, eine leidliche Zahl heissgesottener Kaufleute und Beamte mit Frauen und Kindern aus Colombo, Südindien und selbst aus Rangoon anzuziehen und zu fesseln, denen das „englisch kühle“ Klima behagt und Abends der lauschige Sitz am prasselndenKaminfeuer, — das ich, auf meiner Reise, zum ersten Mal seitBanff im canadischen Felsengebirge wieder antraf. Aber die Aehnlichkeit mit England oder mittleren Höhen der Schweiz ist wichtiger für die in Südasien lebenden Europäer, als für die Durchreisenden.
Allerdings liegt das Haus recht schön, in der Hochebene, auf deren GrasfetteKühe (in Asien ein seltner Anblick) weiden, deren Wege mit gut gepflegten, auch europäischen Bäumen bepflanzt sind und überall Eingänge und Einfahrten zu Gärten mit hübschen Landhäusern enthalten; aus der Halle schweift der Blick über einen stattlichen, künstlichen See (Lake Gregory) zu fernen Bergen, namentlich dem Hakkagalla; die ganze Hochebene wird überragt von dem höchsten Berge der Insel, dem Pedurutallagalla.
Das Gasthaus ist einstöckig, einfach gebaut, aber sehr gut ausgestattet; Betten und Möbel besser, als ich sie sonst in Asien, mit Ausnahme von Tokyo, gefunden. Aber billig[380]ist es nicht, und die Gerichte so winzig für einen gesunden Magen, dass der Kellner, der mein Missvergnügen merkte, Käse und sonstigen Nachtisch noch einmal reichte.
Die Gesellschaft war nicht nach meinem Geschmack. Selbstsüchtiges Protzenthum ist für den Reisenden nicht anziehend, sogar als Beobachtungsgegenstand eher langweilig. Damen, welche ihren daheim schon fragwürdigen Geschmack in Asien erst recht abenteuerlich ausgestaltet haben und Tigerzähne, in Gold und Edelstein gefasst, als Halskette auf rothseidnem, gesticktem Gewand tragen, pflegen mich nicht zur Unterhaltung anzuregen.
Am nächsten Morgen ganz früh ging[381]ich, unter Führung eines einheimischen Knaben, auf den Gipfel desPedurutallagalla,[382]des höchsten Berges in Ceylon, der 8295 Fuss über dem Meeresspiegel, 2095 Fuss über dem Gasthaus emporragt und 3 englische Meilen von dem letzteren entfernt ist. Es ist „ein Gneisdom, ein ungeheurer, waldbedeckter Maulwurfshügel“.
Da ich den berühmteren Adams-Pik wegen der Jahreszeit nicht besteigen konnte, so wollte ich wenigstens den ersteren nicht versäumen.
Der Weg führt zunächst durch die Ebene, vorbei an dem Wohnsitz der Eingeborenen, dem sogenanntenMarkt(Bazar), wo wieder verschiedene englische Kirchen und Secten den Wettbewerb um die Seelen der Heiden betreiben, und steigt dann empor zu einem dichten, schattigen Wald mit zwitschernden Vögeln und murmelnden Bächen, wie wir ihn in den Bergen des Harzes oder in der Schweiz so oft mit Entzücken durchwandern.
NurLaubbäumesind zu sehen. Nadelhölzer kommen auf Ceylon nicht in Wäldern vor, sondern nur in künstlichen Anpflanzungen, z. B. in dem Garten von Hakkagalla.
Besonders bemerkenswerth sind die Himalaya-Fichten von Piniengestalt mit ganz schmalen Blättern und eine stattliche, 30 Fuss hohe Art von Rosenbaum[383]mit dunkelrothen Blüthen. Die Baumäste sind mit fusslang herabhängendenMoosbärtengeschmückt; einzelne Bäume sehen so aus, als wären sie von oben bis unten in dunklen Pelz gekleidet. Das Gebüsch zur Seite des Weges ist mannshoch, breitblättrig, undurchdringlich, ein förmlicher Urwald.
Es ist völlig einsam. Mein Führer schweigt theils aus Schüchternheit, theils aus Unkenntniss der englischen Sprache. So konnte ich ungestört der Beobachtung und Empfindung mich hingeben.
Man liest in Reisebüchern die Behauptung, dass in den Tropen der Wald nicht so poetisch sei, wie in unserm Vaterland. Aber der Wald ist seelenlos, hier wie dort; die Empfindung legenwirerst hinein und müssen sie in uns tragen.
Binnen zwei Stunden war ich auf dem Gipfel angelangt und hatte dort oben eine herrliche Aussicht auf das friedlich grüne Thal in der Tiefe mit dem kleinen Gregory-See und den schmucken Häusern, aus deren Schornsteinen der Morgen-Rauch emporwirbelte. Rings um das Thal lag dichter Nebel. Von der Ost- und West-Küste[384], vom Adams-Pik sowie von der geographischen Uebersicht eines grossen Theiles der Insel war nichts zu sehen. Bald überzieht der aufsteigende Nebel das ganze Bild; für kurze Zeit dringt die Sonne wieder durch, der Wind jagt den Nebel in Fetzen dicht bei mir vorbei, ich sehe den See, aber nicht lange. So blieb ich hier in völliger Einsamkeit mit summenden Bienen, wie einst auf Cap Sunion in Attika und wie auf Monte Pellegrino in Sicilien, bei dem kopflosen Standbild der heiligen Rosalia. Solche Erinnerungen sind unvergesslich.
In 1½ Stunden stieg ich hinab. Das Frühstück schmeckte vortrefflich, ebenso ein Fläschchen Pilsener Bier[385]und ein Mittagsschläfchen, das ich ausnahmsweise, nach dem Spaziergang in den Tropen, mir gönnte.
Nachmittags fuhr ich im Wagen[386]nach dembotanischen Gartender Regierung, der inHakkagallaliegt, 6 englische Meilen südöstlich von Nuwara Eliya und 800 Fuss tiefer. Der Weg ist sehr angenehm, für die ersten 2 Meilen führt er längs der Südwestseite des See’s, dann vorbei an der berühmten, 50 Jahre alten Farm von Sir S. Baker und schliesslich bergab durch eine enge waldige, mit prächtigenBaumfarnbesetzte Schlucht, die plötzlich vor dem Garten sich erweitert und dem erstaunten Blick die ungeheuren welligen Grasebenen und die fernen Berge der Südprovinz Uva zeigt. Dicht vor uns steht der zweigipflige Hakkagalla, d. h. Unterkiefer-Berg. Im Garten führte mich erst ein singhalesischer Gehilfe, der das Gymnasium durchgemacht, sogar griechisch gelernt, aber über die Ableitung des auf meiner Besuchs-Karte befindlichen WortesOphthalmology[387]rathlos grübelte, dann der Director selber, HerrNock, der mir alles auf das freundlichste zeigte, vor allem die ebenso mächtigen wie anmuthigen Baumfarn,[388]die der Unkundige so leicht für Palmen hält, und mir auseinandersetzte, wie dieser Garten hauptsächlich zu Versuchen bestimmt sei und z. B. für die Einbürgerung des Fieberrindenbaumes in Ceylon das Wichtigste geleistet habe.
An den Wegen fand ich hier besonders reichlich eine kleine Bekannte aus der Studienzeit, d. h. aus dem Jahre 1862, die keuscheMimose,[389]die bei der Berührung ihre Aestchen und Blätter zusammenklappt, deren Bewegungsformen unser Professor du Bois-Reymond in seinen Vorlesungen über Physiologie gründlich zu erörtern pflegt.
Herr Nock nöthigte mich in sein Haus, stellte mir seine Frau vor und die beiden kleineren Kinder, — die grösseren waren natürlich in England zur Erziehung und zur Gesundung; er bewirthete mich mit Bier und mit guten Rathschlägen, indem er mir von dem Besuch der Grasebenen (Horton plains) abrieth und Anuradhapura dringend anempfahl. Auf seinem Tisch lag Ceylon von Ferguson undHäckel’s indische Reisebriefe in englischer Uebersetzung.
MitVergnügenerinnerte er sich an den Besuch unsres berühmten Landsmanns, der 1882 hier gewesen;[390]und Jeder wird ihm beipflichten, dem es einmal, wie mir, vergönnt gewesen, den deutschen Darwin in der Musenstadt Jena aufzusuchen. Aber dasBuch von Häckelwird merkwürdiger Weise in Ceylon abfällig, ja spöttisch beurtheilt, und zwar ebenso von Deutschen wie von Engländern. Statt die grossen Vorzüge und die bewunderungswürdigen Naturschilderungen anzuerkennen, klammern sie sich, um ihm die Genauigkeit der Beobachtung abzusprechen, aneine Bemerkung, die eigentlich wohl ein Witz sein soll und vielleicht gar nicht ernst gemeint ist,[391]— vom Schlangen-Klein in der Reis-Würze.
„Babua (der Koch) schien zu ahnen, dass für mich als Zoologen alle Thierklassen ein gewisses Interesse darböten, und dass daher auch deren Verwendbarkeit für den Cörry ein wichtiges zoologisches Problem sei. Montags waren die Wirbelthiere durch delicaten Fisch im Cörry vertreten... Sonntags erschien bisweilen auch eine Schlange, die ich für einen Aal hielt.“
Seltsamer Weise spricht auchHildebrandt(Reise um die Erde, Berlin 1879, I, 44) vomSchlangen-Gerichtauf Ceylon.
„An der Mittagstafel des Hotels (zu Point de Galle) habe ich heute ein neues Gericht kennen gelernt: gesottene und geröstete Schlangen. Sie wurden in der Suppe gekocht und gebraten servirt; ihr Wohlgeschmack liess sich nicht leugnen. Anfangs hielt ich die kleinen Stücke für Aal, bis mich die grössereHärteeines Besseren belehrte.“ Ueberzeugend ist diese Beweisführung keineswegs. Vielleicht ist es ein vom Herausgeber Kossak missverstandener Witz des Reisenden.
Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, dass zum Reis Würzen (curry)[392]aus pflanzlichen (und auch aus thierischen) Theilen gemischt werden, und zwarmilde, d. h. solche, die weniger brennen, undscharfe,[393]die uns fast unerträglich sind. Curry war schon im 2. Jahrhundert v. Chr. in Gebrauch, nach der singhalesischen Chronik Rajavati; im 5. Jahrhundert n. Chr. nach Mahawanso. Der gewöhnliche Curry der Singhalesen besteht aus rothem Pfeffer, Zwiebeln, Kern der Kokosnuss, dessen Oel die Schärfe ein wenig mildert, und wird mit Pflanzenblättern (von Memecylon) gelb gefärbt. Für die Europäer fügen sie noch Fischoder Hühnerfleisch oder Eier hinzu und wählen danach den Namen, z. B. Hühner-Curry. Doch war es mir manchmal fast unmöglich, mit dem Auge oder mit der Zunge diese Beimengung zu entdecken.