43. Die Feinde der Katze.

Zu der vorstehenden naturwahren Schilderung möchte ich bemerken, daß es ganz irrig wäre, den Unterricht der Menschen und den der Tiere gleichzustellen. Der Unterricht bei den Tieren hat immer Erfolg. Er kann auch ganz fehlen und bezweckt demnach nur eine Beschleunigung des Lernens. Von dem Unterricht der Menschen läßt sich nicht das gleiche behaupten. Unser Unterricht steht vielmehr der Dressur der Tiere gleich, die häufig genug erfolglos ist.

Wie uns Fräulein Bachmann erzählt, hat ihr Hans wiederholentlich Kämpfe mit Hunden ausgefochten. Namentlich ist es zu Zusammenstößen gekommen, wenn sie ihn nach dem Kohlenplatz brachte. Einmal habe sie rettend eingreifen und ihren Liebling flink in einen Korb stecken müssen. Sonst aber habe er sich seinen Gegnern überlegen gezeigt.

Außer den Hunden hat die Katze in allen Hundeartigen Feinde. Der Wolf zerreißt sie sicherlich, denn der viel schwächere Fuchs macht Jagd auf Katzen. Erfahrene Förster haben mir immer wieder versichert, daß man eine Fuchsfalle mit keinem besseren Leckerbissen versehen könne als mit einem Stück Katzenfleisch. Zwei Füchse überwältigen jede Katze, wenn sie sich nicht schnell auf einen Baum rettet. Die einzelne Katze ist vor dem Fuchs nur sicher, wenn sie sehr stark ist.

Noch schlimmere Feinde drohen der Katze in ihrer eigenen Verwandtschaft. Wie der starke Wolf nicht der Freund des Fuchses ist, sondern ihn verzehrt, wenn er ihn packen kann, so sind die größeren Katzenarten die gefährlichsten Feinde der kleineren. Ein Naturforscher, der einen gezähmten Luchs besaß, berichtet, daß er gegen nichts größeren Haß besaß als gegen Hauskatzen. Alle auf seinem Besitztum befindlichen Katzen wurden von ihm zerrissen, ebenso die Katzen in der Nachbarschaft.

Jede Katze weiß auch, daß ihr Gefahr von einer größeren Katzenart droht. Der Bildhauer Urs Eggenschwyler, von dem wir früher erzählten, daß ein Ziehhund mit seinem zahmen Löwen raufen wollte, hat das oft beobachtet. Während der Ziehhund infolge seines schwachen Gesichts den jungen Löwen gar nicht als Löwen erkannte, flüchteten alle Katzen schon von weitem, sobald sie den gefährlichen Verwandten zu Gesicht bekamen.

Auch hier kann man wiederum beobachten, daß die Katze ein ausgezeichnetes Sehvermögen besitzt, ganz im Gegensatz zum Hunde. Uebrigens ist dem Volk das längst aufgefallen, wie wir aus dem später angeführten Sprichwort ersehen.

Die kleinen Raubtiere unserer Heimat, wie das Wiesel, tötet die Hauskatze. Mit dem Marder gerät sie manchmal in Streit, der für eine schwache Katze gefährlich wird.

Schlimme Feinde besitzt die Katze auch unter den großen Raubvögeln. Wenn der Adler und der Uhu nicht fast gänzlich ausgerottetwären, so würde es lange nicht so viele wildernde Katzen geben. Heute kommt unter den Raubvögeln eigentlich nur noch der Habicht in Betracht. Ein starker Habicht ist ein gefährlicher Gegner für eine schwache Katze. Junge Katzen raubt er ohne weiteres.

Die starke Katze macht sich sofort kampfbereit, wenn sie einen Habicht erblickt hat, während schwächere flüchten.

Bereits beim Hunde haben wir erwähnt, daß man alle Geschichten von Hundebesitzern erst vorsichtig prüfen soll. Selbst durchaus wahrheitsliebende Menschen ziehen aus ihren Beobachtungen ganz falsche Schlüsse, weil sie immer vom menschlichen Standpunkte ausgehen.

Als Kind auf dem Lande hat man oft Gelegenheit zu sehen, daß Hunde ihren Unrat vergraben. Fragte man einen Erwachsenen nach dem Grunde, so bekam man die Antwort, daß der Hund das aus Reinlichkeitsgründen besorge.

Zunächst hat man das geglaubt. Als man aber später sah, daß derselbe Hund, der angeblich für Reinlichkeit schwärmt, sich mit Wonne auf Unrat wälzt, da erkannte man, daß die herrschende Erklärung unmöglich richtig sein könnte.

Ein vortreffliches Beispiel hierfür ist auch unser Hans von Fräulein Bachmann. Die Dame ist eine vollständig wahrheitsliebende Persönlichkeit. Nur läßt sie ihre Liebe zu den Tieren häufig falsche Schlüsse ziehen.

So wollte ich mich durch meinen Besuch mit eigenen Augen davon überzeugen, was an der Geschichte wahr sei, die mir als größte Merkwürdigkeit von Hans mitgeteilt worden war. Er sollte von Hause aus ein so reinliches Tier sein, daß er ohne jeden Unterricht seine Bedürfnisse in dem Abguß der Wasserleitung erledige.

Wir konnten uns alle persönlich davon überzeugen, daß diese Angabe durchaus auf Wahrheit beruht. Der Kater setzt tatsächlich an dieser Stelle seinen Unrat ab.

Wie ich bereits vermutet hatte, ist die Lösung des Rätsels furchtbar einfach. Die Katze hat wie der Hund den uralten Trieb, ihren Unrat zu vergraben. Das tun sie nicht aus Sauberkeit, sondern weil sie wissen, daß alle Pflanzenfresser die Gegend meiden, wo ihnen ihre feine Nase mitteilt, daß gefährliche Feinde in der Nähe weilen. Gerade die Katze hat zum Vergraben besondere Gründe, weil ihr Unrat besonders stark riecht.

Auch der junge Hans wollte es wie die anderen Katzen machen, aber es gab in der Wohnung seiner damaligen Herrin keinen Sand. Hat das Raubtier keine Möglichkeit, den Abgang zu vergraben, so sucht es wenigstens eine Höhlung für ihn auf.

Da in der Wohnung die einzige Höhlung, die für die Katze in Betracht kam, der Ausguß der Wasserleitung war, so sprang sie in diesen hinein.

Hans hat nur den Gedanken der Beseitigung gehabt. Das konnte man ganz unzweifelhaft daran erkennen, daß er nach der Beendigung mit den Pranken zu scharren anfing, obwohl doch in dem eisernen Behälter seine Hin- und Herbewegungen mit den Pfoten ebenso nutzlos waren wie das Scharren der Hunde mit den Hinterfüßen auf dem steinharten Bürgersteig.

Wie wird nun von einfachen Leuten ein so vollständig einleuchtender Vorgang ausgeschmückt.

Hiernach hat Hans folgenden Gedankengang gehabt. Wir müssen uns die klugen Menschen zum Vorbilde nehmen. Diese wissen dadurch die größte Reinlichkeit zu wahren, daß sie einen mit Wasserspülung versehenen Trichter benutzen. Leider kann ich mit meiner Katzengestalt ihnen das nicht nachmachen. Aber ich will den Menschen wenigstens darin nacheifern, daß auch bei mir Wasserspülung für die größte Reinlichkeit sorgt. Deshalb springe ich in den Abguß der Wasserleitung.

Dieser Gedankengang entspricht etwa den Anschauungen der meisten Tierfreunde. Sie werden hierin durch folgende Erwägung bestärkt. Der Großstädter ist klüger als die andere Bevölkerung. Die Tiere sehen dem Menschen kluge Maßregeln ab. Warum soll nun nicht eine Großstadtkatze, die in der Wohnung Klosetts mit Wasserspülung sieht, den Menschen nachzuahmen suchen.

In Wirklichkeit ist das eine vermenschlichende Anschauung, die dem Tiere vollkommen fernliegt. Der klügste Affe ist, wie ich schon erwähnt habe, nicht zur Stubenreinheit zu bewegen. Reinlichkeit in unserem Sinne kennt überhaupt das Tier nicht. Reinlichkeit ist eine Vorbedingung für die Gesundheit. Wir halten uns Unrat, verweste Dinge, tote Tiere und dergleichen fern, weil sie unserer Gesundheit schädlich sind. Da sie der Gesundheit des Hundes nichts schaden, so kann der Hund nicht denselben Reinlichkeitssinn besitzen wie wir.

Bei der Katze liegt die Sache ähnlich. Wie oft habe ich gesehen, daß meine Katzen sich auf schmutziger Wäsche mit Wonne sielten. Wo sitzt denn da die Reinlichkeit nach unseren Begriffen?

Zum Schlusse unseres Besuches zeigt uns Hans noch eine Glanzleistung. Er ist in der Küche, wo wir uns befinden, auf ein Brett gesprungen, wo zahlreiche kleine Gläser stehen. Man muß immer wieder die ungeheure Geschicklichkeit einer Katze bewundern, wie sie ihre vier Füße zu setzen weiß, ohne im geringsten anzustoßen. So wandert auch Hans durch die Gläser, ohne den geringsten Schaden anzurichten.

Bei der Jagd kann man oft die gleiche Geschicklichkeit der Katze beobachten. Wildernde Katzen wissen, daß der Jäger ihnen eifrig nachstellt. Sie verbergen sich deshalb sofort in der Saat oder im Klee oder einer anderen Deckung. Man sollte meinen, daß die Pflanzen sich bewegen müßten, wenn eine Katze hindurchgeht. Aber wenn man oben auf die Saat oder den Klee schaut, so kann man niemals eine Bewegung feststellen. So rettet die Katze durch ihre Geschicklichkeit ihr Leben, da der Jäger nicht weiß, wohin sie geflüchtet ist.

Eine andere Eigentümlichkeit der Katzen besteht darin, daß sie darauferpicht sind, in jede Höhlung zu kriechen. Es ist daher nicht unbedingt notwendig, daß die Katzenfallen mit einem Köder versehen sind. Die Katze kriecht auch in einen Kasten, wenn kein Leckerbissen darin ist. Aus meiner Studentenzeit ist mir noch folgender Vorfall in der Erinnerung geblieben, der den Beweis hierfür liefert. Ich wohnte bei Leuten, die sehr große Tierfreunde waren und eine schwarze Katze besaßen. Die Katze war mehr bei mir als bei ihnen. Eines Tages war es sehr kalt und es sollte deshalb geheizt werden. Als Feuer angemacht war, fiel es mir auf, daß ich die Katze nicht sah. Auch war es mir so vorgekommen, als wenn ich ganz leise Laute aus dem Ofenloche vernommen hätte. Meine Wirtin bestritt zwar, daß die Katze im Ofenloch sitzen könne, sah aber doch nach und gewahrte zu ihrem Schrecken die Katze hinter dem Feuer. Rasch entschlossen riß sie das Feuer aus dem Ofen und zog die Katze heraus, die glücklicherweise nur einige versengte Stellen am Pelze aufwies. In dem Ofen war nur Asche, und zwar nicht einmal warme Asche, da ich in diesen Jahren nur ganz ausnahmsweise heizen ließ. Nur die Höhlung hatte es der Katze angetan, hier sich aufzuhalten. Wahrscheinlich tauchte vor dem Ofenloch die Erinnerung an die Felsenhöhlen ihrer Vorfahren in ihr auf.

Der Naturforscher, der von der Jagdleidenschaft seiner Hunde so schön plauderte, hat auch mit seinen Katzen mancherlei erlebt. Eine Katze, die er sich angeschafft hatte, mit Namen Ripp, war ungeheuer scheu. Erst im Laufe des Sommers, erzählte er, da ich mit meiner Familie sehr viel vor dem Hause war, gelang es uns, Ripp so zutraulich und zahm zu machen, daß sie immer am liebsten in unserer Gesellschaft verweilte, sich streicheln und tragen ließ, uns weit weg begleitete, wenn wir fortgingen, und uns weithin und voller Seligkeit entgegenkam, wenn wir zurückkehrten. Ripp war kohlpechrabenschwarz mit einem prächtigen weißen Stern auf ihrer treuen Brust, und da die Welt damals gerade voller Mäuse war, so hatte ich auch noch einen einfarbig blaugrauen Kater angeschafft, dem die Kinder den Namen Hänschen gaben. Nach Jahr und Tag fand ich Gelegenheit, von einem Freunde ein schönes Kätzchen zu beziehen, dessen Großvater ein schöner Angorakater war. Jetzt ward der Entschluß, das liebe alte Pärchen wegzuschaffen, gefaßt. Zuerst ward Hänschen im Käfig gefangen, und während er mit schwermütigem Blicke, als ob er dem Wetter nicht recht traute, in ihm auf und ab ging, fuhr ein kleiner Korbwagen vor, der Käfig ward hineingestellt, mit einem Tuche gut bedeckt, dies rings dicht mit Stroh umbanst, und nun Glück auf, da zog der neue Besitzer des schönen blaugrauen Katers wohlgemut den Wagen, listig allerlei Umwege durch den Wald wählend, seiner Heimat zu, die auf geradem Wege ein halbes Stündchen von uns entfernt ist. Dort angelangt, wurde der Wagen ins Haus gezogen, die Türen wurden hinten und vorn verriegelt, der Käfig behutsam herausgehoben, enthüllt, – aber, ach, der war ganz leer und keine Spur vom Kater zu sehen, obgleich der Wagenlenker ihn doch mit eigenen Augen beim Einpacken imKäfig gesehen hatte und sorgfältig verwahrt zu haben glaubte. Genaue Prüfung des Tatbestandes ergab, daß man im Vertrauen auf die Decke die Tür des Käfigs zuzubinden versäumt hatte und daß der reisende Kater inmitten der Reise unbemerkt die Türe geöffnet und Reißaus genommen haben mußte. Als der Wagen zurück und die Trauerbotschaft an mich kam, da erschrak ich, hielt gleich Haussuchung und fand Hänschen auf dem Heuboden, wo er ganz ruhig in seinem gewöhnlichen Bettchen lag, mir freundlich grüßend entgegenkam und mit dem Ergebnis seiner Waldpartie ganz zufrieden schien. Er ging auch gleich am folgenden Tage wieder getrost in den Käfig, ward wieder eingesperrt, zu Wagen gebracht, aufs Allersorgfältigste verpackt, gelangte auf neu ersonnenen Umwegen richtig an den Ort seiner Bestimmung, begrüßte mich aber doch am nächsten Morgen schon wieder ganz unbefangen in der lieben Heimat, weil er von dem Dachboden, wohin man ihn gesperrt, durch ein Loch entwichen war, das er selber entdeckt hatte und das der Hausbesitzer hinterdrein auch noch bei dieser Gelegenheit zu sehen bekam. Das nächste Mal ward Hänschen in entgegengesetzter Himmelsrichtung nach einem Orte, der eine Stunde weit entfernt und durch Berg und Tal, Wiese, Wasser und Wald von hier getrennt ist, zu befreundeten Seelen kutschiert, kehrte aber nach Verlauf zweier auf Reisen zugebrachter Wochen heim ins Vaterhaus und saß an einem schönen Morgen im Strahle der aufgehenden Sonne, reicher an Welt- und Menschenkenntnis, aber ärmer an Fett, in Hungersnot sanft quäksend und freundlich winkend unter meinem Fenster. – Auch die gute Ripp war während aller dieser merkwürdigen Ereignisse schon zweimal in die Welt hinein kutschiert und beidemal erfahrungsreicher heimgegangen. – Nun aber wurde zum dritten- und letztenmal Anstalt zur Auswanderung getroffen. Das liebe Pärchen mußte auf einem ganz neuen Wege eine gute geographische Meile weit zu Leuten fahren, die den ernstlichen Willen kundgegeben hatten, die zwei Auswanderer wenigstens zwei Wochen lang hinter Schloß und Riegel gut zu verpflegen. Nach drei Wochen kam die Nachricht, daß sich der Kater Hänschen zwar aus dem ihm angewiesenen Hause weggeschlichen, aber bei einem Nachbar festes Quartier genommen, daß Ripp dagegen geblieben, ganz einheimisch, zufrieden und sehr beliebt sei.

Unser Gewährsmann schildert weiter, daß auch Ripp nach einiger Zeit wieder zu ihm zurückgekehrt ist.

Der wunderbare Ortssinn der Tiere, von dem schon die Rede war (Kap.9), zeigt sich auch bei der Katze stark ausgebildet.

Geldkatze ist ein hohler Gurt, der als Geldbeutel dient und gewöhnlich von Katzenfell hergestellt wird.

Willst du lange leben gesund,Iß wie die Katze, trink' wie der Hund

Willst du lange leben gesund,

Iß wie die Katze, trink' wie der Hund

sind schon besprochen worden. Ein Beweis der im Volke herrschenden Ansicht von der Falschheit der Katzen ist der Vers:

Hüte dich vor den Katzen,die vorn lecken und hinten kratzen.

Hüte dich vor den Katzen,

die vorn lecken und hinten kratzen.

Die Katze sorgt vorsichtig, daß ihr keine Schmerzen zugefügt werden. Daher die Redensart:

Drum herumgehen, wie die Katze um den heißen Brei.

Richtiger heißt es wohl:

Gleichwie die Katzen um den Herd,tätens sich umherreiben.

Gleichwie die Katzen um den Herd,

tätens sich umherreiben.

Die Katze als Nachttier wünscht am warmen Herd ihren Körper zu erwärmen.

Der Katze die Schellen umhängen.

Nach einer Fabel wollten sich die Mäuse dadurch vor der Katze schützen, daß sie ihr Schellen umhängten. Dieser Plan scheiterte jedoch daran, daß sich niemand zu seiner Ausführung meldete.

Wenn die Katze aus dem Hause ist, springen die Mäuse über Stuhl und Bänke.

Ist der gebietende Teil nicht anwesend, also z. B. Lehrer, Eltern, dann erlauben sich Kinder manche Freiheiten.

Die Katze im Sack kaufen.

Nach Grimm heißt es: Die Katze im Sacke kaufen statt eines Hasen. Andere verstehen darunter: etwas unbesehen kaufen.

Bei Nacht sind alle Katzen grau.

Die Dunkelheit verwischt die Unterschiede, so daß man dann auch eine weniger gute Sache anziehen kann.

Die Katze erhält die Abfälle der Mahlzeiten. Daher sagt man für Wertloses:

Das ist für die Katz!

Nach anderen erklärt sich die Redensart damit, weil die Katze ein verachtetes Geschöpf ist. Man gebraucht also die Redensart dann, wenn man für eine Handlung auf Undank rechnen muß.

Katzenjammer

soll die bekannte Magenverstimmung deshalb heißen, weil sie der Stimmung beim Anhören eines Katzenkonzerts gleicht.

Uebrigens hat man schon in früheren Zeiten erkannt, daß die Katze im Gegensatz zum Hunde ein ausgezeichnetes Sehvermögen besitzt. Das geht aus dem Vers hervor:

Nimm die Augen in die Hand und die Katz aufs Knie,was du nicht siehst, das sieht sie.

Nimm die Augen in die Hand und die Katz aufs Knie,

was du nicht siehst, das sieht sie.

Der Glaube, daß Hexen sich in Katzen verwandeln, rührt von dem nächtlichen Leben der Tiere her und ihren im Dunkeln leuchtenden Augen, sowie ihrem lautlosen Schleichen.

Junge Katzen Halbangora-KatzeJunge Katzen     Halbangora-Katze

Junge Katzen     Halbangora-Katze

Silberfarbige Cypernkatze mit JungenSilberfarbige Cypernkatze mit Jungen

Silberfarbige Cypernkatze mit Jungen

In der Großstadt werden jetzt die Pferde vielfach durch andere Kräfte ersetzt. Manche sind der Ansicht, daß in nicht zu ferner Zeit das Pferd gänzlich von den Straßen verschwinden werde. Das ist wenig wahrscheinlich, weil manche Genüsse, beispielsweise das Reiten, durch keine Maschinentätigkeit ersetzt werden können.

Immerhin müssen wir jetzt schon, um uns ein paar Omnibuspferde anzusehen, auf die Suche gehen, denn es wird nur noch eine Strecke mit dem Pferdeomnibus befahren. Bequemer ist es daher, wenn wir bei einem Droschkenpferde haltmachen und es uns etwas besehen, da der Kutscher sich in dem benachbarten Lokal gerade stärkt. Er hat aber auch seinen treuen Gehilfen nicht vergessen, sondern ihm vorher den gefüllten Futterkübel umgehängt.

Aus meiner Jugendzeit fallen mir verschiedene schlechte Witze ein, die damals über das Berliner Droschkenpferd üblich waren. Einer von ihnen lautete: Was ist schneller als ein Gedanke? Die Antwort war: Das Droschkenpferd, denn, wenn man denkt, es fällt, dann liegt es schon.

Wie so viele Pferde ist unser Droschkenpferd von brauner Farbe mit schwarzer Mähne und schwarzem Schwanz. Auffallend ist die Beweglichkeit seiner Ohren, die sich sofort nach der Seite öffnen, von der aus ein Geräusch ertönt. Die Augen des Pferdes stehen nicht wie beim Menschen vorn, sondern mehr auf der Seite. Die Fliegen müssen dem Tiere ziemlich zusetzen, denn alle Augenblicke schlägt es mit dem Schwanze nach ihnen. Von Zeit zu Zeit tritt es auch mit den Hufen stark auf, um sie zu verscheuchen. In der Zwischenzeit zuckt es mit dem Felle, um die Plagegeister zu vertreiben. Vielen Erfolg scheinen die Abwehrmittel nicht zu haben, da die Fliegen wohl fortfliegen, aber ebenso sicher auch zurückkehren.

Von seinen Hufen, die ungespalten sind, hat das Pferd den Namen Einhufer erhalten. Wir staunen, daß ein so großer Körper so sicher auf den kleinen Hufen steht.

Ebenso wundern wir uns über den außerordentlich langen und starken Hals, wenn wir ihn mit dem Halse des Menschen vergleichen. Im Verhältnis zur Länge des Halses ist wiederum der Kopf nur klein. Während unser Kopf rund ist, hat das Pferd einen länglichen Kopf.

Inzwischen ist beim Fressen durch das Schnauben des Pferdes eine ganze Menge Häcksel aus dem Kübel geflogen. Dieses Fortpusten des Häcksels betrachten viele als ein Zeichen dafür, daß das Pferd ein sehr kluges Tier ist. Der Häcksel, den ihm sein Herr vorsetzt, paßt ihm nicht, und deshalb pustet es einfach eine Menge davon fort.

Mit der Zeit scheint das Futter sich seinem Ende zu nähern, denn das Pferd schüttelt den Kübel hin und her, um sich ja nicht etwas von dem Futter entgehen zu lassen. Hieraus dürfen wir wohl den Schluß ziehen, daß es ihm nicht gerade schlecht schmecken kann.

Wir wissen, daß wir, um das Benehmen des Pferdes und sein Aussehen zu verstehen, seine wilden Verwandten uns näher ansehen müssen. Früher waren die Vorfahren unseres Hauspferdes unbekannt. Seit Anfang dieses Jahrhunderts sind sie jedoch entdeckt, und von den gefangenen Fohlen sind ein Männchen und ein Weibchen, also ein Hengst und eine Stute, nach dem Zoologischen Garten von Berlin gekommen. Leider ist die Stute vor einigen Jahren gestorben. Der Hengst aber lebt zurzeit noch, wenngleich er schon einen recht alten Eindruck macht. Anscheinend ist er auch schon erblindet, wenigstens auf einem Auge dürfte er ganz blind sein.

Der Wildhengst ist kleiner als unser Droschkenpferd, da er nicht größer als ein Zebra ist. Ueberhaupt sehen wir, daß alle Einhufer des Zoologischen Gartens nach unseren Begriffen klein sind. Das kommt daher, weil wir unsere Pferde absichtlich auf Größe gezüchtet haben, so daß unser Auge an große Pferde gewöhnt ist.

Auch das Wildpferd ist braun mit schwarzer Mähne und schwarzem Schwanz. Ueberdies läuft noch ein schwarzer Streifen auf dem Rücken entlang. Auch bei unseren Hauspferden kommt er manchmal vor und wird als Aalstrich bezeichnet.

Diese Zeichnung des Wildpferdes ist natürlich seinen Lebensgewohnheiten angepaßt. Es lebt noch heute in Mittelasien. Und zwar ist das Wildpferd ein Bewohner der Steppe, wo es in Rudeln angetroffen wird. Diese Rudel werden von einem Hengste geleitet, der fortwährend achtgibt, ob irgendwo Gefahr droht. Naht sich ein größeres Raubtier, so ergreift das Rudel eiligst die Flucht. Gegen kleinere Raubtiere kämpft der Hengst mutig, und zwar schlägt er mit seinen Vorderhufen und packt sie mit dem Gebiß.

Jetzt verstehen wir, weshalb es heute noch bissige Pferde gibt. Das Beißen ist eine ursprüngliche Waffe der Pferde. Wir haben absichtlich alle Pferde, die sich durch Beißen auszeichneten, von der Zucht ausgeschlossen, so daß unsere heutigen Pferde nur ausnahmsweise beißen.

Das Ausschlagen ist an sich ebenfalls eine natürliche Waffe des Pferdes. Niemals soll man sich einem fremden Pferde von hinten nähern. Das Pferd, das im allgemeinen ängstlich ist, hört ein Geräusch hinter sich und schlägt naturgemäß nach hinten aus. Dadurch sind schon unzählige Unglücksfälle verursacht worden.

Wie die braune Lerche sich von der Erde kaum abhebt und deshalb leicht übersehen wird, ebenso der braune Hase, so verschwimmt auch das Wildpferd mit seiner braunen Farbe in der endlosen braunen Steppe. Wäre jedoch das Wildpferd nur braun, so würde ein so großer brauner Fleck in der Natur auffallen. Deshalb ist durch die schwarze Mähne, den Aalstrich und den schwarzen Schweif der braune Fleck geteilt und nicht mehr so auffällig groß.

Die Frage, weshalb das Pferd eine Mähne besitzt, scheint sehr leicht zu beantworten zu sein. Einfach zu dem Zwecke, damit der Reiter sich daran festhält, wenn er sich auf das Pferd schwingt.

Jetzt betrachten wir daraufhin das Wildpferd und sehen, daß es oben auf dem Halse nur kurze Borsten wie ein Zebra hat. Die Mähne unserer Hauspferde, die sehr bequem für den Reiter ist, hat also bei dem Wildpferde gar nicht die Länge, um als geeigneter Handgriff zu dienen.

Die Mähne hat also bei dem Wildpferde andere Zwecke zu erfüllen. Der große und starke Pferdehals sieht wie ein großes Viereck aus und muß in der weiten Steppe sehr auffallen. Durch die schwarze Mähne oben auf dem Halse wird dieses Viereck weniger auffallend. Die Hauptfeinde der Wildpferde sind in Asien der Tiger und der Mensch. Beide sind Augentiere, denen gegenüber die Schutzfärbung von großer Bedeutung ist. Weniger kommt sie in Betracht bei den Wölfen, da diese sich wie die Hunde in erster Linie nach ihrer Nase richten.

Immer wieder taucht die Fabel auf, daß die Pferde sich gegen die Wölfe dadurch verteidigen, daß sie einen Kreis bilden mit den Köpfen nach innen, während die nach außen gerichteten Hinterbeine den Angreifer niederschmettern. In der Mitte des Kreises sollen sich die Fohlen aufhalten.

Naturforscher und Reisende, die Gelegenheit hatten, die Angriffe der Wölfe auf Pferdeherden zu beobachten, haben aber nicht das geringste von diesem Kreisbilden wahrnehmen können. Der Wolf sucht sich vielmehr an die Pferdeherden anzuschleichen, um ein Füllen zu packen, manchmal auch ein einzelnes Pferd. Merken die Pferde den Wolf, so gehen sie auf ihn los und bearbeiten ihn mit den Vorderhufen, die Hengste auch mit den Zähnen.

Ein amerikanischer Reisender schildert folgenden Kampf zwischen Wölfen und Pferden: Als ich mich am Spokanfluß aufhielt, ging ich nach der Pferdeprärie, um die Manöver zu beobachten, welche die Wölfe bei ihren vereinten Angriffen auf die Pferde anwenden. Ihre erste Ankündigung bestand in einem gellenden, hundeähnlichen Gebell, das sie von Zeit zu Zeit hören ließen, gleich dem Abfeuern der Gewehre der verschiedenen Vorposten bei kleinen Gefechten. Dieses Gebell wurde von der entgegengesetzten Seite durch ein ähnliches erwidert, bis sich die Töne immer mehr näherten, und endlich aufhörten, als die Parteien sich vereinigten. Wir setzten unsere Flinten in Stand und verbargen uns hinter einem dicken Gebüsch. Indes scharrten die Pferde, welche die Gefahr merkten, mit den Hufen auf dem Boden auf, schnaubten, hoben die Köpfe in die Höhe, sahen wild um sich und gaben alle Zeichen von Furcht. Ein paar Hengste erwarteten mit anscheinender Ruhe den Feind. Endlich erschienen die Verbündeten in einem Halbkreis, dessen Enden sie ausdehnten, um ihre Beute einzuschließen. Es waren zwischen 300 bis 400 an der Zahl. Die Pferde schienen ihre Absicht zu erraten, und da sie sich fürchteten, einer solchen Anzahl entgegenzutreten, galoppierten sie nachder entgegengesetzten Seite; die Wölfe stürzten nach, ohne ihre Stellung im Halbkreis zu verlieren. Die Pferde, welche nicht im besten Stande waren, wurden schnell eingeholt und fingen an, nach ihren Verfolgern auszuschlagen, wovon manche heftige Schläge erhielten. Doch würden sie bald über die Pferde Herr geworden sein, wären wir nicht zur rechten Zeit aus unserm Hinterhalte hervorgetreten, und hätten des Feindes Zentrum eine tüchtige Ladung Kugeln zugeschickt, die mehrere davon töteten. Sogleich schwenkte sich das ganze Bataillon und lief in der größten Eile und Unordnung den Bergen zu, während die Pferde, sowie sie die Schüsse hörten, ihren Lauf änderten, und auf uns zu galoppierten. Unser Erscheinen rettete einige aus den Zähnen der Wölfe, und sie schienen durch ihr Wiehern ihre Freude und Dankbarkeit ausdrücken zu wollen.

Auch in dem vorstehenden Falle ist von einem Kreisbilden der Pferde keine Rede. Wohl aber haben ihre Feinde, die Wölfe, einen Halbkreis mit verlängerten Enden um sie gebildet, damit kein Pferd entweichen konnte.

An kalten Wintertagen, wo der Atem sichtbar wird, kann man deutlich erkennen, daß das Pferd nur durch die Nase atmet. Aus den Nüstern kommen fortwährend Wolken wie Dampf, aber aus dem Maule nicht.

Auch hier gibt die Lebensweise der Wildpferde Aufschluß über die Eigentümlichkeit. In der Steppe herrschen in der Winterzeit furchtbare Schneestürme. Diese würden für die Pferde besonders nachteilig sein, da sie die Gewohnheit haben, stets gegen den Wind zu laufen. Sie tun das natürlich nicht aus Vergnügen, sondern um ihre Feinde rechtzeitig wahrzunehmen. Denn wie der Hund, so ist das Pferd ein Nasentier, das eine sehr feine Nase, aber am Tage nur ein schwaches Sehvermögen besitzt. Lauern nun vor ihnen irgendwo Feinde, so wird das hervorragende Geruchsvermögen sie dem Pferde verraten.

Das Laufen gegen eisige Winterstürme würde aber der Gesundheit der Pferde nachteilig sein, falls das Atmen durch das Maul erfolgte. Deshalb kann das Pferd nur durch die Nase atmen, damit es stets angewärmte Luft einatmet.

Die Furcht vor seinen Feinden spielt also beim Pferde die größte Rolle. Immer sind deshalb die Ohren in Bewegung, damit es ja nicht etwas Gefährliches überhört. Kipp- und Hängeohren wird man bei den Pferden kaum jemals antreffen, obwohl sie bei Hunden und anderen Haustieren häufig sind. Die Angst läßt die Ohren immer gespitzt halten.

Das Fortpusten des Häcksels aus dem Futterkübel geschieht also nicht deshalb, weil das Pferd sehr klug ist, sondern wegen seiner Nasenatmung. In der Freiheit fliegt dadurch kein Futter fort, weil die Gräser festgewachsen sind.

Kinder spielen gern Pferd und ahmen ihrem Vorbild durch Schnauben und Prusten nach. Auch dieses Prusten beruht nur auf der Nasenatmung, weshalb beispielsweise Kühe und Schafe nicht Prusten.

Ein scheuendes Droschkenpferd wird man nicht häufig zu sehen bekommen. Einmal hat sich ein Großstadtpferd mit der Zeit an die tollsten Geräusche gewöhnt. Sodann wird ein Pferd um so ruhiger, je älter es wird. Und die meisten Droschkenpferde haben eine ganze Anzahl von Jahren auf dem Rücken. Immerhin habe ich erst im vorigen Jahre ein durchgehendes Droschkenpferd beobachten können. Aus welchem Grunde es gescheut hatte, konnte ich nicht ermitteln. Es raste die Straßen entlang, und der alte Kutscher suchte nach Möglichkeit einen Zusammenstoß zu vermeiden. Zum Glück war die Straße fast leer, und zum weiteren Glück stürzte das Pferd zu Boden. Die Wucht, mit der es gerast war, zeigte sich darin, daß das gestürzte Tier eine große Strecke auf dem Asphaltpflaster dahingeschleudert wurde. Die menschliche Haut würde eine solche Rutschpartie nicht aushalten, aber die Pferdehaut vertrug sie ohne Schaden.

Durch den Sturz und das Gleiten auf dem Asphalt war das Pferd wieder einigermaßen ruhig geworden und blieb stehen, als es aufgerichtet war.

Ein großer Verlust wäre es für den Droschkenkutscher gewesen, wenn das Pferd sich ein Bein gebrochen hätte. Denn obwohl solche Brüche bei anderen Haustieren, z. B. Schweinen, sehr gut heilen, kann ein Pferd nach einem Bruch trotz aller ärztlichen Kunst nicht mehr zum Ziehen oder Reiten, sondern nur zur Zucht verwendet werden.

Was veranlaßte nun das Droschkenpferd zu einer so sinnlosen Raserei? Wahrscheinlich ein nach unseren Begriffen ganz harmloser Vorfall. Beispielsweise schwenkt jemand plötzlich eine Fahne – und schon ist das Unglück geschehen.

Wir müssen bei der Beurteilung eines solchen Falles gerecht sein und uns klar darüber werden, daß, wenn alle Wildpferde vorher eine gründliche Untersuchung anstellen wollten, wie die Sache eigentlich liegt, kein einziges mehr lebte. Vergegenwärtigen wir uns das Leben eines Wildpferdrudels in der Steppe. Trotz der Schutzfärbung hat es ein Tiger wahrgenommen. Unter Beobachtung der Windrichtung hat er sich nach Katzenart ganz leise herangeschlichen. Stundenlang hat es gedauert, bis er in Sprungweite war. Jetzt schnellt er wie ein Ball auf das ihm zunächst stehende Tier.

Die einzige Rettung für das Pferd besteht jetzt darin, ohne jedes Besinnen davonzujagen. Wie der Hund, so hat auch das Pferd ein Auge, das Bewegungen sehr leicht wahrnimmt. Den anspringenden Tiger hat es durch seine Bewegung erkannt, oder vielmehr erkannt, daß ein großer bunter Ball urplötzlich hinter ihm flog.

Hätte das Pferd erst überlegt, was der bunte Ball eigentlich sei, so war ihm der Tod durch die große Katze sicher. Es war sein Heil, daß es noch im letzten Augenblick davonraste. Denn der Tiger sprang infolgedessen zu kurz. Und ein flüchtiges Wildpferd kann er nicht einholen.

Für das Scheuen des Pferdes bestehen also folgende Ursachen:

1. Das schwache Sehvermögen des Pferdes vermag wirkliche und scheinbare Gefahren nicht zu unterscheiden.

2. Unter natürlichen Verhältnissen läuft deshalb das Pferd gegen den Wind, um zu wissen, ob Gefahr besteht. Dieses Laufen gegen den Wind kann aber der Mensch bei der Benutzung der Pferde nicht immer durchführen. So kommt es, daß das Pferd vor ganz harmlosen Sachen scheut, einem Stück Papier, einem weißen Stein und dergleichen.

Das Durchgehen, das dem Scheuen häufig folgt, hat die Ursache, daß es die natürliche Rettung des Pferdes in der Steppe ist.

In der Steppe gibt es keine Häuser oder Bäume, gegen die ein Pferderudel stürzen kann. Deshalb kann das sinnlose Laufen in der Steppe auch keinen Schaden anrichten.

Bei uns kann natürlich ein durchgehendes Pferd das größte Unheil verursachen. Die Insassen des Wagens werden häufig herausgeschleudert, fremde Personen überfahren usw. Auch das Pferd selbst geht oft zugrunde, weil es gegen einen Baum oder anderen festen Gegenstand gerannt ist. Durch Gewalt ist bei einem durchgehenden Pferde wenig auszurichten, da die Kraft des Tieres in diesem Zustande ganz außerordentlich ist.

Bei einem Ochsengespann wird ein Scheuen und Durchgehen der Tiere nur selten vorkommen. Das rührt daher, weil das Rind im Gegensatz zum Pferd eine Rettung nicht in der Flucht sucht, sondern mutig auf den Gegner einstürmt. Das Pferd ist also, wie Hirsche, Rehe, Hasen ein sogenannter fliehender Pflanzenfresser, während das Rind mit den Elchen, Büffeln, den größten Affenarten zu den wehrhaften Pflanzenfressern gehört. Die wehrhaften Pflanzenfresser flüchten nur ausnahmsweise vor einem sehr starken Raubtiere, und zwar die Weibchen leichter als die viel stärkeren Männchen.

Ein Berliner Droschkenpferd wird selten zur Bodenscheu neigen. Das kommt daher, weil es nicht aus Gegenden stammt, wo noch Wölfe heimisch sind. Deshalb findet man unter den ungarischen und russischen Pferden am häufigsten Bodenscheu.

Unter Bodenscheu versteht man die unbegründete Furcht eines Pferdes vor dunklen Stellen auf dem Erdboden.

Bereits von dem berühmten Pferde Alexanders des Großen, das Bukephalus hieß, wird uns erzählt, daß es sich vor seinem eigenen Schatten gefürchtet habe. Das heißt mit anderen Worten, daß es bodenscheu war. Man sieht daraus, daß ein hervorragend tüchtiges Pferd auch diese Eigentümlichkeit besitzen kann.

Mit Klugheit oder Dummheit hat das gar nichts zu tun, während gerade Kutscher mit Vorliebe auf die Bodenscheu hinweisen, als Beweis dafür, daß das Pferd ein furchtbar dummes Geschöpf ist. Wie oft habe ich Gespräche etwa folgenden Inhalts anhören müssen: »Wenn irgend jemand daran zweifelt, daß das Pferd zu den dümmsten Tieren gehört, so soll er sich meinen Gaul ansehen. Was ist mir erst heute wieder mitihm passiert? Hat da jemand auf dem Asphalt einen Eimer Wasser ausgegossen. Denken Sie, ich bekomme das dumme Tier an dem nassen Fleck vorbei? So hat man häufig seinen Aerger wegen der furchtbaren Dummheit des Pferdes. Kann es etwas Dümmeres geben, als sich vor einer nassen Stelle zu fürchten?«

So einfach liegt die Sache nicht, wie der Kutscher meint. Dummheit liegt nicht vor, wenn die Schwäche eines Sinnes zu sonst üblichen Leistungen unfähig macht. So ist der Knabe nicht dumm, der nicht angeben kann, wieviel die Turmuhr zeigt, weil er kurzsichtig ist.

Umgekehrt ist das Pferd nicht klüger als der Mensch, weil es sich in der Dunkelheit besser zurechtfindet, als wir es vermögen. Unzählige Reiter oder Wageninsassen sind durch ihre Pferde gerettet worden. Die Menschen konnten in der Dunkelheit nicht mehr die Hand vor den Augen sehen. Trotzdem fanden sich die Pferde zurecht und brachten ihre Herren glücklich nach Hause.

Wie würde es uns Menschen gefallen, wenn man uns diese Unfähigkeit, uns in der Dunkelheit zurechtzufinden, als Dummheit anrechnen würde?

Das Auge des Pferdes kann bei Tageslicht nicht gut sehen. Deshalb kann es nicht genau erkennen, was der dunkle Fleck eigentlich bedeutet. In wolfreichen Gegenden haben die Pferde es oft erlebt, daß dieser an der Erde befindliche Fleck ein sich auf den Boden drückender Wolf war, der ihnen plötzlich an die Kehle sprang. So unbegründet ist also die Furcht des Pferdes vor den dunklen Stellen am Boden durchaus nicht.

Weil in England seit Jahrhunderten im Grase lauernde Wölfe unbekannt sind, ebenso auch bei uns in dem weitaus größten Teil unserer Heimat, deshalb neigen englische und deutsche Pferde wenig zur Bodenscheu, dagegen mehr die russischen und ungarischen Pferde.

Etwas anderes ist es natürlich, wenn ein Pferd in moorigen Gegenden nasse oder dunkle Stellen meidet, weil es einzusinken fürchtet.

Da Droschkenpferde, wie schon erwähnt wurde, meistens bejahrte Tiere sind, so werden wir uns hüten, den Droschkenkutscher zu bitten, uns das Gebiß seiner »Liese« oder wie sie sonst heißt, zu zeigen. Er würde uns in seiner Urwüchsigkeit mit einer Antwort dienen, die sich gewaschen hat, und wegen der Seltsamkeit des Ansinnens gewiß glauben, daß wir aus dem Irrenhause entsprungen sind.

So müssen wir uns ohne ihn behelfen. Die allbekannte Redensart »Einem geschenkten Gaul sieht man nicht ins Maul« erklärt sich in folgender Weise.

Was verschenkt der Mensch am liebsten?

Es ist traurig, aber wahr, daß er am liebsten wertlose Gegenstände verschenkt. Man kann sogar behaupten, daß viele erst auf den Gedanken, etwas zu verschenken, kommen, weil sie einen wertlosen Gegenstand lossein wollen. Sie wissen, daß sie kaum etwas dafür erhalten, und sagen sich, daß es doch einen guten Eindruck macht, wenn man etwas verschenkt.

Es ist also eine alte Erfahrung, daß verschenkte Pferde meistens alte Pferde sind.

Nun gehört das Pferd zu den Tieren, dessen Alter man mit einer leidlichen Genauigkeit an den Zähnen erkennen kann.

Es ist leicht verständlich, daß Zähne durch den Gebrauch abgenützt werden. Da die Zähne des Pferdes Vertiefungen, sogenannte Kunden haben, so ist klar, daß, je weniger die Kunden abgenützt sind, desto jünger das Pferd, je mehr, desto älter es sein muß.

Man soll also einem geschenkten Gaul deshalb nicht in das Maul sehen, weil man dann an den Zähnen erkennen würde, daß man ein recht bejahrtes Tier von dem Schenker erhalten hat. –

Unser Droschkenpferd trägt Hufeisen, und zwar an jedem Hufe eins. Wildpferde besitzen natürlich keine Hufeisen. Es fragt sich, weshalb der Mensch dem Tiere diese Eisen aufgenagelt hat.

Im Altertum waren, wie wir wissen, die Pferde unbeschlagen. Auch bei uns läßt man auf dem Lande, namentlich in sandigen Gegenden, die Pferde häufig unbeschlagen.

Das läßt sich deshalb durchführen, weil die Abnutzung des Hufes auf sandigem Boden nicht groß ist und durch Nachwachsen wieder ersetzt wird. Anders liegt aber die Sache in den Städten mit Steinpflaster. Pferde, die auf solchem Pflaster schwere Lasten zu ziehen haben, müssen deshalb beschlagen werden, um die vorzeitige Abnutzung der Hufe zu verhindern.

Das richtige Aufnageln der Hufe will natürlich verstanden sein. Deshalb sind tüchtige Hufschmiede mit Recht auf ihre Fertigkeit stolz.

Bei Glätte und Eis können die Pferde mit ihren eisernen Schuhen besonders leicht ausgleiten. Um das zu verhindern, gibt es allerlei Vorkehrungen, beispielsweise das Einschrauben von Stollen.

Wir sahen, daß das Droschkenpferd durch Schlagen mit dem Schweif sich die Fliegen abwehrt. Vergleichen wir den Schwanz unserer Hauspferde mit dem der Wildpferde, so können wir feststellen, daß die Behaarung bei unseren Pferden reichlicher geworden ist.

Diese Beobachtung können wir überall machen. So behaarte Geschöpfe wie der Pudel und der Kolly, die Angorakatze, die Hausschafe, kommen in der freien Natur nicht vor.

Immerhin muß uns folgendes auffallen. Das Pferd benutzt den Schwanz, um Fliegen abzuwehren. Warum tun nicht Hund und Katze das gleiche? Beide haben doch einen schönen langen Schwanz. Warum schlagen sie niemals damit nach Fliegen? Wiederum schlägt die Kuh mit ihrem Schwanz nach Fliegen. Warum hat sie einen so viel längeren Schwanz als das Pferd?

Wenn wir uns die Tierwelt daraufhin näher ansehen, welche Bedeutung bei ihnen der Schwanz hat, so finden wir darunter zahlreiche, bei denen er ein lebenswichtiges Organ ist. Ein Känguruh ohne Schwanz ist kein Känguruh mehr, weil es den Schwanz als drittes Bein eines Schusterschemels benutzt. Ebenso ist es bei den Klammeraffen. Krokodile, Walfische, ferner alle Fische sind ohne Schwanz Todeskandidaten.

Umgekehrt gibt es Tiere, bei denen der Schwanz gleichgültig ist, so bei Hasen, Hirschen, Rehen, Ziegen u. dgl. Wird einem Hirsch sein kurzer Schwanz, der »Wedel« genannt wird, abgeschossen, so stört ihn das nicht weiter in seinem Befinden.

In der Mitte stehen die Tiere, bei denen der Schwanz auf ihre Lebensweise von mehr oder minder wichtigem Einfluß ist. So sehen wir beispielsweise im Zoologischen Garten, daß der Löwe vor einem Sprunge seinen Schwanz schnell dreht. Sehr richtig sagt unser Dichter Schiller in dem Gedicht: »Der Handschuh« von dem grollenden Tiger, den man auch als Waldlöwen bezeichnen kann:

schlägt mit dem Schweifeinen furchtbaren Reif.

schlägt mit dem Schweif

einen furchtbaren Reif.

Wir können auch verstehen, weshalb der Löwe seinen Schweif so eilig dreht. Er will einen ganz genauen Sprung machen, um sein Opfer zu packen. Selbstverständlich will das bedrohte Geschöpf der Gefahr entrinnen und sucht nach der einen oder anderen Seite zu entkommen. Nach welcher es sich wenden wird, kann der Löwe vorher nicht wissen. Das entscheidet sich erst im letzten Augenblick. Darum tut der Löwe am klügsten, wenn er den Schweif im Kreise dreht. Mag das bedrohte Tier springen, nach welcher Seite es auch will, stets wird der Löwe durch die Kreisdrehung imstande sein, richtig zu steuern.

Weil es auf die richtige Steuerung beim Sprunge sehr ankommt, deshalb haben alle Katzenarten einen langen Schwanz. Die alten Griechen haben also sehr fein beobachtet, als sie die Katze »Ailurus«, d. h. Drehschwanz, nannten. Ausnahmsweise haben einige Katzen nur einen kurzen Schwanz, nämlich solche, die, wie z. B. der Luchs, hauptsächlich auf Bäumen lauern, wo für das Drehen des Schwanzes kein Platz ist. Auf der Insel Man lebt eine Katze, die hauptsächlich von Vögeln lebt und deshalb auf Bäumen heimisch ist. Auch sie hat keinen Schwanz.

Die Hundearten brauchen zwar zum Springen keinen langen Schwanz, wohl aber zum schnellen Umkehren. Der Hase sucht sich vor dem schnelleren Hund durch Hakenschlagen zu retten, indem er ganz plötzlich die Richtung ändert. Der Hund, der in rasender Eile dem Hasen folgt, ist dermaßen in Schwung, daß er noch eine ganze Strecke fortschießt, nachdem der Verfolgte seinen Haken geschlagen hat. Dadurch erhält der Hase einen Vorsprung, bis der Hund ihm wieder bedenklich auf das Fell rückt. Dann kann das Spiel von neuem beginnen.

Um seinen Körper plötzlich herumzuwerfen, bedarf der Hund wie alle Hetzraubtiere, also Wölfe, Wildhunde u. dgl., eines langen Schwanzes. Besonders wichtig ist er für den Windhund, da dieser der eifrigsteHasenhetzer ist. Ein Windhund ohne Schwanz ist undenkbar. Vielmehr zeichnet sich gerade diese Hunderasse durch einen langen Schwanz aus.

Für alle Katzenarten ist also ein langer Schwanz zum richtigen Steuern und für alle Hundearten zum schnellen Herumwerfen ihres Körpers von Wichtigkeit. Ebenso sehen wir bei Raubvögeln lange Schwänze, damit sie bei der Verfolgung schnell die Richtung ändern können. Außerdem erleichtert der ausgebreitete lange Schwanz ihnen das Tragen der Beute.

Hasen, Hirsche, Rehe, Elche usw. brauchen dagegen keine Schwänze, weil sie keine anderen Tiere verfolgen. Das Hakenschlagen kann der Hase ohne Schwanz sehr gut machen, da er ja vorher die Absicht hat, die Richtung zu ändern. Würde auch der Hund vorher diese Absicht haben, so käme er auch ohne Schwanz aus.

Gegen die Insektenplage helfen sich die Pflanzenfresser dadurch, daß sie Oertlichkeiten aufsuchen, wo weniger Insekten vorhanden sind.

Nur den Pferden und den Rindern nützen die Wanderungen nicht viel. Das Pferd ist auf seine Heimat, die Steppe, angewiesen. Viel schlimmer ist das Rind daran. Es ist gerade in üppig bewachsenen Niederungen heimisch, wo es sehr viel Insekten gibt. Deshalb hat auch das Rind den längsten Schwanz zum Vertreiben der Fliegen, während das Pferd, weil es in der Steppe nicht so schlimm ist, sich mit einem erheblich kürzeren Schweif begnügen muß.

Der Schwanz dient also bei Pferd, Rind, Hund und Katze ganz verschiedenen Zwecken. Bei den beiden erstgenannten ist er Fliegenabwehrer, bei dem Hunde soll er den Körper herumwerfen helfen, und bei der Katze soll er das richtige Steuern beim Sprunge besorgen. Ein Hund ohne Schwanz kann keinen Hasen mehr einholen. Gegen Fliegen braucht die Katze ihren Schwanz nicht als Abwehrmittel, da sie von ihnen gemieden wird. Die Hundearten liegen am Tage in einem dichten Gebüsch und ruhen. Hier ist von einer großen Belästigung durch Fliegen nicht die Rede, weshalb der Hund nach ihnen nur mit dem Maule schnappt, aber nicht mit dem Schwanze danach schlägt.

Ein unausrottbarer Aberglaube ist es, daß das Pferd alles doppelt sieht. Wie schön wäre es für unsern Droschkenkutscher, wenn das der Fall sein würde. Er brauchte seiner Liese nur das halbe Futter zu geben, und sie glaubte, das ganze zu erhalten.

Die Größe eines Gegenstandes bemessen wir nach dem Gesichtswinkel und der Entfernung. Ist uns die Entfernung unbekannt, so schwanken wir in den Angaben der Größe. So sagt mancher Landbewohner, der Mond sähe so aus wie ein früherer Taler. Ein anderer sagt wiederum, er erscheine ihm so groß wie ein Heuwagen. Sehen wir ganz in der Ferne einen Vogel fliegen, so ist oft der beste Tierkenner im Zweifel, wie groß der Vogel eigentlich ist. Bei unbekannten Entfernungen kann es also vorkommen, daß man etwas für größer hält als es ist.

Das meint das Volk aber gar nicht, sondern es ist der Ueberzeugung, daß das Pferd alle Gegenstände um sich, wo es sich also um ganz bekannte Entfernungen handelt, doppelt so groß sieht. Namentlich soll der Mensch in den Augen des Pferdes doppelt so groß, wie er ist, erscheinen.

Es ist klar, daß diese Vorstellung vollkommen unhaltbar ist. Sehe ich alles doppelt so groß, so sehe ich mich selbst ebenfalls doppelt so groß, und dann hat das Größersehen nicht den geringsten Erfolg.

Nichts deutet darauf hin, daß das Pferd, falls man die Größenverhältnisse in Betracht zieht, anders sieht als der Mensch. Es hält einen großen Hund nicht für ein Pferd, es verwechselt eine Hütte nicht mit seinem Stall, es mißt die Weite eines Grabens und die Höhe eines Hindernisses vortrefflich ab. Der Aberglaube, daß das Pferd alles doppelt sieht, ist nur aus folgendem Gedankengange entstanden. Der einfache Mann legt sich folgende Frage vor: Wie ist es möglich, daß ein so großes und starkes Tier, wie es das Pferd ist, sich von einem Schwächling, wie es der Mensch ist, beherrschen läßt? Um das zu erklären, verfiel man auf den anscheinend klugen Gedanken: Es wird den Menschen doppelt so groß sehen, wie er ist.

Hierbei haben die Leute aber ganz übersehen, daß in der Tierwelt häufig ein David einen Riesen Goliath in Schrecken versetzt. Die großen und starken Rinder flüchten, wenn die kleinen Rinderbremsen kommen (vgl. Kap.86), und andere große Tiere sowie auch Menschen ergreifen die Flucht vor kleinen Giftschlangen oder gewissen Arten von Ameisen.

Alle Tage können wir erleben, daß sich große Pferde vor dem Gekläff kleiner Hunde fürchten. Es ist daher nicht im mindesten auffallend, daß es sich dem Menschen unterordnet.

Die seitliche Stellung der Augen hat für das Pferd große Vorteile. Kürzlich sah ich ein Bild, auf dem der Künstler die Stellung seiner Meinung nach verbessert hatte. Das Pferd hatte nämlich, fast wie ein Mensch, die Augen vorn.

Wir wollen uns einmal vorstellen, daß sich ein Pferd gegen einen von hinten anschleichenden Wolf verteidigen will. Das kann in seiner Heimat alltäglich oder allnächtlich vorkommen. Bei der Stellung der Menschenaugen könnte das Pferd den anschleichenden Räuber nicht sehen. Es würde wahrscheinlich daneben hauen, und der unverletzte Wolf sich in sein Opfer verbeißen.

Man erkennt daraus, daß die Natur doch etwas besser versteht, wie die einzelnen Gaben beschaffen sein müssen, die sie den Tieren verliehen hat.

Durch die Stellung der Augen hat das Pferd den Vorteil, die Peitsche des Kutschers zu sehen oder wenigstens die Bewegungen, die er macht, wenn er schlagen will. Denn auch das Pferdeauge kann wie das Hundeauge Bewegungen sehr gut wahrnehmen. Weil nun manche Pferde aus Furcht vor dem Schlage plötzlich schnell anzogen und dadurch eine gleichmäßige Fahrt erschwerten, so war dies einer der Gründe, weshalb man Scheuklappen anbrachte. Durch die Scheuklappen wurden die Pferde verhindert, nach hinten zu sehen.

Ueber die Scheuklappen ist sehr viel geschrieben worden, weil sie den Augen des Pferdes sehr nachteilig sein sollten. Man sieht sie auch jetzt viel weniger als früher. Immerhin hat man sich um eine Sache mehr aufgeregt, als sie wert war. Denn das Auge hat für das Pferd nicht die Bedeutung wie für den Menschen.

Ganz unerklärlich ist es uns, daß ein durchgehendes Pferd nicht die Häuser und Bäume, gegen die es gerannt ist, vorher gesehen hat. Aber wir müssen uns in die Lage des Pferdes hineinversetzen, dann wird der Zusammenstoß viel leichter verständlich. Das Pferd glaubt, daß von hinten ein Feind droht, weshalb es davonstürmt. Hierbei schaut es stets nach hinten, nicht nach vorn. In diesem Zustande kommt es leicht zu einem Zusammenprall mit vor ihm befindlichen Gegenständen, weil der Blick nach hinten gerichtet ist. Ueberhaupt kann das Pferd wegen der Stellung seiner Augen nicht so bequem nach vorn sehen wie der Mensch.

In der Zwischenzeit hat sich der Droschkenkutscher gestärkt und will sich wieder auf seinen Bock schwingen. Liese hat an dem gewichtigen Schritt gehört, daß ihr Lenker naht, und macht sich reisefertig. Der Futterkübel wird ihr abgenommen und verstaut, ferner das Gebiß in die sogenannte Lade, d. h. den zahnlosen Raum zwischen Vorderzähnen und Backzähnen gelegt. Eine Decke war nicht abzunehmen. Vielleicht hat der Kutscher nur kurze Zeit fortbleiben wollen. Auch ist es warm, und das Pferd hat anscheinend vorher keine größere Anstrengung leisten müssen. Peitschenhiebe sind nicht nötig. Liese setzt sich in Bewegung, und wir nehmen von ihr Abschied.

Ein dem Pferde angehängter Freßnapf hat natürlich seine Nachteile. Das Wildpferd frißt regelmäßig vom Boden und nur ausnahmsweise von Bäumen. Daher ist die Fütterung aus Futterkübeln immer noch naturgemäßer als die aus Raufen, wie sie in den Ställen üblich sind. Das fortwährende Hochheben des Kopfes wirkt auf die Pferde nachteilig ein und ist besonders für Fohlen (junge Pferde) geradezu gesundheitsschädlich.

Durch das Atmen durch die Nase pustet das Pferd oft Futter aus dem Kübel hinaus. Es ist daher vorteilhaft, Wasser zu dem Futter zuzugießen Dann kann kein Häcksel fortfliegen. Aber für die Pferde hat diese Naßfütterung Nachteile. Denn das Wildpferd frißt seine Nahrung trocken. Erst wenn es sein Trockenfutter genossen hat, läuft es nach einer Tränkstelle.

Sehr oft habe ich Ansprachen des Kutschers an sein Pferd gehört, die geradezu komisch waren. Der Kutscher wollte sein Pferd füttern, aber es sollte vorher trinken. Das Pferd weigerte sich aber hartnäckig zu trinken. Immer wieder nahm es den Kopf fort. Der Kutscher glaubte, diese Weigerung durch gute Lehren zu bekämpfen, und sagte etwa folgendes: »Aber, du dummer Peter, willst du denn gar nicht trinken? Weißt du denn gar nicht, wie schön das Essen schmeckt, wenn man vorher getrunken hat?«

Es ist richtig, daß man ein Haustier vor manchem Schaden behüten muß. Ein freilebendes Tier weiß sich allein zu helfen, aber ein Haustier hat diese Fähigkeit verloren. So überfressen sich Hauspferde, wenn sie an die Haferkiste gelangen. Da das Pferd im Verhältnis zu seiner Größe nur einen kleinen Magen hat, der obendrein noch eine Klappe hat, so sind schon viele Pferde am Ueberfressen gestorben.

Solche Dinge jedoch, ob ein Pferd vor dem Fressen trinken soll oder nicht, weiß das Pferd besser als der Mensch. Der Deutsche schwärmt für eine Flüssigkeit vor dem Essen. Deshalb wird bei uns das Essen mit einer Suppe eingeleitet. Auch im Zoologischen Garten müssen Tiger und Löwen vor dem Fraße Wasser trinken, obwohl alle naturgeschichtlichen Werke darüber einig sind, daß sie erst nach ihrer Mahlzeit ihren Durst löschen.

Erhitzten Tieren müssen wir, wenn sie stehen bleiben, eine Decke auflegen, um gesundheitliche Schäden abzuwehren. Ein Wildpferd braucht eine solche Decke nicht. Zunächst ist es abgehärteter als das Hauspferd, das in der Nacht geschützt im Stalle steht. Sodann ist es jederzeit in der Lage, durch Laufen die etwa erforderliche Wärme sich zu beschaffen.

Kaum ist unser Droschkenkutscher entschwunden, so erhalten wir Ersatz. Ein schwerbeladener Rollwagen kommt auf uns zu. Hu, was müssen die Pferde ziehen und wie oft erhalten sie Peitschenhiebe. Ein Glück ist es, daß sie jetzt am Ziele sind und sich ausruhen dürfen. Wir können uns also in Ruhe die beiden Gäule ansehen.

Zunächst fällt uns die Größe und der Bau der Glieder auf. Das Droschkenpferd Liese war fast klein und zart gegen diese beiden ungeschlachten Riesen. Auch waren Lieses Hufe klein und hatten oberhalb kaum oder wenig Haare, während die beiden Frachtpferde Riesenhufe mit mächtigen Haarbüscheln besitzen.

Diese ganz verschiedenen Formen des Pferdes erklären sich folgendermaßen. Als die schönsten Pferde werden von Kennern die arabischen bezeichnet. Das arabische Pferd hat in seiner Heimat einen trockenen und steinigen Boden, ferner sehr wenig Wasser. Diese Unfruchtbarkeit hat auf das arabische Pferd großen Einfluß ausgeübt, denn es ist sehr genügsam. Kein Lot Fleisch ist an ihm zuviel, die Knochen sind hart, die Hufe klein und fest. Die orientalische oder morgenländische Rasse, zu der das arabische Pferd in erster Linie gehört, erinnert also sehr an den dürren, behenden und bedürfnislosen Beduinen.

Im Vergleich hierzu ist das abendländische Pferd das gerade Gegenteil. In den wasserreichen und fruchtbaren Gegenden Westeuropas bildete sich eine Pferderasse, die etwa an einen übermäßig viel Bier trinkenden Menschen erinnert. Riesig groß und umfangreich sowie mächtige Glieder, aber wegen der Aufgedunsenheit weniger schön. Die Hufe wurden auf dem nassen Boden weich und groß. Zum Schutze gegen die Schneemassen im Winter bildete sich ein starker Haarschutz.

Die Rollwagenpferde sind richtige Abendländer, wie es die belgischen, dänischen Pferde und die Percherons sind. Sie sind Riesen mit gewaltiger Kraft. Sie gehören dem sogenannten kaltblütigen Schlage an, weil sie gelassen und ruhig sind. Von der ewigen Unruhe des Arabers haben sie keine Spur.

So fromme Tiere sind natürlich dem Landwirt und der Industrie viel willkommener als die schwer zu behandelnden Orientalen. Die Riesen sind so schwer und unbeholfen geworden, daß sie kaum noch durchgehen können, selbst wenn sie es wollen.

Woher kommt es nun, daß wir in Deutschland nicht lauter abendländische Pferde haben?

Die Antwort ist sehr einfach. Ein Reiter will schnell vorwärts kommen, ebenso sollen Kutschpferde rasch eine Strecke zurücklegen, sonst könnte man lieber selbst gehen. Man braucht also zu vielen Zwecken ein Pferd mit raschen Bewegungen.

Nun haben die Engländer seit vielen Jahrhunderten ihre heimischen Tiere mit arabischen gekreuzt. Hieraus ist allmählich das Vollblut entstanden, das äußerst beweglich ist. Mit englischen Pferden haben wir wiederum unsere heimischen Pferde gekreuzt, so daß wir ein Mittelding zwischen morgenländischer und abendländischer Rasse besitzen, wie es z. B. des Droschkenkutschers Liese war.

Ueber die Farben der Pferde wäre bei dieser Gelegenheit folgendes zu sagen. Braune haben, wie wir bei der Liese sahen, eine schwarze Mähne und schwarzen Schweif. Auch die Füße sind gewöhnlich schwarz. Füchse sind braunrötlich, und zwar sind Mähne und Schweif ebenfalls braunrötlich, wodurch sich eben der Fuchs vom Braunen unterscheidet. Falbe haben gelbliche Färbung und zerfallen in eine Reihe von Unterarten. Pferde mit kohlschwarzem Haar heißen Rappen. Im Gegensatz hierzu heißen Pferde mit weißem Haar Schimmel. Doch werden Schimmel nur ausnahmsweise gleich weiß geboren, wie auch die Rappen zunächst grau sind. Schimmel mit schwarzen Punkten heißen Fliegenschimmel, solche mit apfelgroßen dunklen Flecken Apfelschimmel. Pferde, die weiß und dunkel gefärbt sind, heißen Schecken. Manche Schecken haben ein oder zwei Glasaugen. Während sonst nämlich alle Pferde ein dunkelbraunes Auge besitzen, sieht die Iris oder Regenbogenhaut bei den Glasaugen hell aus.

Es ist schwer festzustellen, wie die Sehkraft des Glasauges beschaffen ist. Möglicherweise sieht ein Pferd mit dem Glasauge gar nichts. Da man sich vorsehen muß, daß man nicht ein blindes Pferd kauft, so kann ein Pferd zwei Glasaugen besitzen und trotzdem zur Arbeit verwendbar sein. Auch beim Hunde ist, wie schon erwähnt wurde (Kap.9), Blindheit nicht leicht festzustellen.

Das Alter des Pferdes kann höchstens auf vierzig Jahre angegeben werden. Gewöhnlich ist es schon viel früher verbraucht, bei Warmblut mit 20, bei Kaltblut mit 15 Jahren. Die Tragezeit der Stute beträgt 11 Monate. Zwillinge sind bei Pferden selten und nicht erwünscht. Das Fohlen läßt man gewöhnlich erst mit drei Jahren arbeiten.

Wie den Huftieren überhaupt, so fehlt auch den Pferden das Schlüsselbein.

Das Gebiß des männlichen Pferdes besteht aus 40 Zähnen, das des weiblichen aus 36 Zähnen. Den weiblichen fehlen gewöhnlich 4 Hakenzähne. Beide haben 12 Schneidezähne und 24 Backenzähne.

Die Größe der Pferderassen ist sehr verschieden. Das englische Brauerpferd wird über 2 Meter groß, wobei die Höhe des Widerristes, der höchsten Stelle des Rückens, gemessen wird. Der Shetlandpony dagegen wird nur 60 Zentimeter hoch. Schwere Pferde wiegen bis zu 15 Zentnern, mittlere 7 bis 9 Zentner.

Die Zugfähigkeit des Pferdes ist größer als seine Tragfähigkeit. Die höchste Rennleistung eines Pferdes ist die Zurücklegung eines Kilometers in einer Minute.

Ein Irrtum ist es, daß der Mensch den Pferden die Schnelligkeit angezüchtet hat. Es ist richtig, daß die Zebras keine Dauerrenner sind. Es fehlen in Afrika die Hetzraubtiere. Aber die asiatischen Wildpferde werden von Wölfen gehetzt und sind deshalb von Hause aus Dauerrenner.

Ein Rollwagen, wie wir ihn vor uns haben, braucht natürlich zur Beförderung seiner schweren Lasten zwei Pferde. Hiervon abgesehen, muß es aber auffallen, daß zwei Pferde vor dem Wagen weit häufiger sind als ein einzelnes. Woran liegt das?

Auch hier gibt uns wieder das Leben der Wildpferde Auskunft. Sie leben in Rudeln und niemals einzeln. Ein einzelnes Pferd findet sich auch heute nicht annähernd so wohl wie in Gesellschaft.

Den Reitern ist diese Eigentümlichkeit des Pferdes, lieber in Gesellschaft anderer zu sein, manchmal sehr unerwünscht. Sie wollen sich z. B. von ihren Bekannten, mit denen sie zusammen geritten sind, trennen. Aber das Pferd will nicht. Es gefällt ihm in Gesellschaft der anderen Pferde viel besser. Es »klebt«, wie man es nennt. Der Reiter hat oft große Mühe, einen solchen Kleber zu seiner Ansicht zu zwingen.

Bei Rennen ist es schon vorgekommen, daß ein führendes Pferd eine falsche Richtung einschlug, und die nachfolgenden Pferde aus Geselligkeitstrieb ebenfalls nachfolgten. Selbstverständlich gingen dadurch die auf die Pferde gesetzten Beträge verloren, wodurch ärgerliche Auftritte entstanden.

Pferde, die nicht allein sein können, vermögen ihren Besitzer zur Verzweiflung zu bringen. So hatte beispielsweise ein Forstwart ein ausrangiertes Militärpferd gekauft. Dieses wollte durchaus nicht im Stalle sein und schlug alles kurz und klein. Erst als sein Herr ihm eine Ziege als Gesellschafterin gab, beruhigte es sich und war zufrieden. Nach zwei Jahren wollte der Forstwart die Ziege verkaufen. Er mußte jedoch darauf verzichten, da sein Pferd wiederum zu rasen begann.

Die Javaner zeigen sich als gute Tierbeobachter dadurch, daß sie Affen in Pferdeställen halten, damit die Pferde Gesellschaft haben.

Nebeneinanderstehende Pferde schaben sich gern. Hierauf werden wir beim Putzen der Pferde zu sprechen kommen.

Wir haben gesehen, daß die beiden Pferde trotz der heftigsten Peitschenhiebe nicht schrien. Dagegen heulen geprügelte Hunde manchmal derartig, daß das ganze Haus zusammenläuft. Wie erklären sich diese Unterschiede?

Es wäre für das Pferd sehr vorteilhaft, wenn es schrie, sobald es Schmerz empfindet. Dann würden die zahllosen Tierquälereien, namentlich die Pferdeschindereien bei Neubauten, nicht so häufig vorkommen. Der Grundsatz: Schreien hilft, gilt nicht nur für die Menschen, sondern auch für die Tiere.

Wir wissen von den Zebras und andern Wildpferden, daß sie nicht aufschreien, wenn sie von der Kugel des Forschungsreisenden getroffen sind. Das Schreien und Brüllen sowie Heulen finden wir überhaupt nur bei den Tieren, die sich gegenseitig beistehen. Deshalb schreit die Katze nicht, da sie allein lebt. Umgekehrt heult der Hund, damit ihm die anderen Hunde beistehen. Man kann auch oft erleben, daß Hunde in einem kleinen Orte sehr unruhig werden, falls ein Kamerad von ihnen andauernd geprügelt wird.

Die Kuh brüllt, wenn ihr das Kalb genommen wird, denn wilde Rinder stehen sich bei. Dagegen schreit die Stute nicht, falls ihr das Fohlen geraubt wird. Denn Wildpferde flüchten, stehen sich aber nicht bei.

Nur ganz ausnahmsweise schreien Pferde. Aber es kommt so selten vor, daß selbst große Pferdekenner es noch niemals gehört haben.

Seine Freude dagegen drückt das Pferd durch Wiehern aus. Ueberhaupt deutet das Wiehern an, daß das Pferd einen Wunsch hat.

Das Pferd besitzt keine Schnurrhaare wie die Katze, da es niemals in Löcher kriecht. Dagegen sehen wir am Kinn Tasthaare. Welchen Zwecken mögen diese dienen?

Die Wildpferde sind wie die Wildhunde in der Nacht tätig. Im Gegensatz zu den rein nächtlichen Tieren, wie den Katzenarten, sieht man Zebras auch am Tage. Aber selbst wenn sie wollten, können sie in der Nacht nicht schlafen. Zur Nachtzeit geht ihr gefährlichster Feind, der Löwe, auf Raub aus.

Die Menschen können sich vor dem Löwen schützen, indem sie sich in Höhlen zurückziehen und diese verschließen oder auf Bäume klettern, wie die Affen es tun. Aber die Wildpferde können weder in Höhlen flüchten noch auf Bäume klettern.

Wann schlafen denn die Wildpferde, wenn sie in der Nacht auf ihre Feinde aufpassen müssen und am Tage tätig sind?

Ein Schlafen, wie es den Menschen eigentümlich ist, finden wir nicht bei allen Tierarten. Jeder weiß, daß Pferde, die wenig zu arbeiten haben, z. B. auf der Weide sind, sehr wenig schlafen. Kommt man zur Nachtzeit in den Pferdestall, so wundert man sich, daß so viele Pferde wach sind.

Die Zebras schlafen in Wirklichkeit nur in den Mittagsstunden, wo sie regungslos unter den Bäumen stehen. Daraus erklärt sich auch die Zeichnung ihrer Haut, die mit den Schatten der Baumäste übereinstimmt.

Wildpferde weiden viel in der Dunkelheit. Da das Pferd infolge der Stellung der Augen das vor seinem Maule Befindliche nicht besonders gut erkennen kann, so haben die Kinnhaare eine große praktische Bedeutung. Wenn es den Kopf senkt, um zu weiden, so zeigen ihm die Kinnhaare an, daß es auf Gräser gestoßen ist.

Kinnhaare soll man also bei Pferden nicht abschneiden.

Ebenso ist es nicht ratsam, einem abendländischen Pferde die Kötenschöpfe abzuschneiden, damit die Leute denken sollen, es sei ein morgenländisches. Unter Köte versteht man die hintere Seite der Zehe, und die an den Köten befindlichen Haare werden als Kötenschöpfe bezeichnet, wie wir sie an den Rollkutscherpferden sehen können, wo sie sehr üppig wachsen. Jedenfalls soll man sie nicht im Winter abschneiden, da sie gegen Schnee und Schneewasser einen vortrefflichen Schutz bilden und dadurch die Mauke, die Entzündung der Köten, verhindern.

Unterdessen ist die Sonne ziemlich hochgestiegen und scheint den Tieren ordentlich auf den Leib. Ist es nun nicht eine Tierquälerei, die Pferde in der prallen Sonne stehen zu lassen?

Selbstverständlich wird man sie bei glühender Sonnenhitze in den Schatten bringen, wenn man eine schattige Stelle in der Nähe hat. Im übrigen vertragen unsere Haustiere die Hitze ganz verschieden. Ein Schwein kann schon daran sterben, wenn man es an einem glühend heißen Sommertage auf den Wagen befördert.

Dagegen können Pferde furchtbar viel Hitze vertragen. Das kommt daher, weil ihre Vorfahren seit Urzeiten den erbarmungslosen Strahlen der Sonne in der Steppe standhalten müssen.

Niemals wird es daher vorkommen, daß Wettrennen deswegen abgesagt werden, weil es an dem Tage zu heiß ist. Dabei müssen sich die Pferde bei den Rennen aufs äußerste anstrengen. Würde ihnen die Hitze nachteilig sein, so ließe kein Rennstallbesitzer seine Pferde laufen. Denn er würde sich hüten, sich großen Verlusten auszusetzen.

Es war von den Tierschutzvereinen sehr gut gemeint, als sie vor etwa zehn Jahren den Omnibuspferden Strohhüte aufsetzten. Aber sie waren, wie wir sahen, ganz überflüssig und sind deshalb auch nach kurzer Zeit verschwunden.

Uebrigens nennt man bei einem Zweigespann das vom Kutschersitz rechts befindliche Pferd Handpferd, das linke dagegen Sattelpferd. Denn bei ziehenden Pferden wird der Reiter stets links sitzen. Das linke Pferd trägt also Sattel und Reiter, der mit der Hand das rechts befindliche Pferd lenkt. So erklären sich die Bezeichnungen Sattelpferd und Handpferd.


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