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Am Montag war Grindhusen zurück, und wir fingen an zu graben! Der alte Pfarrer kam wieder zu uns heraus und fragte, ob wir ihm nicht am Weg zur Kirche einen Pfosten aufmauern könnten. Er brauche den Pfosten, der schon früher dort gestanden habe, aber vom Wind umgeworfen worden sei, er benütze ihn, um Plakate und Bekanntmachungen daran anzuschlagen.

Wir stellten einen neuen Pfosten auf und gaben uns Mühe dabei, so daß er kerzengerade dastand; als Dach setzten wir eine Kappe aus Zinkblech darauf.

Während ich an dieser Blechkappe arbeitete, veranlaßte ich Grindhusen vorzuschlagen, der Pfosten solle rot angestrichen werden; er hatte noch rote Farbe von Gunhilds Haus übrig. Als der Pfarrer den Pfosten lieber weiß haben wollte, und Grindhusen ihm nur nach dem Mund redete, wandte ich dagegen ein, daß man die weißen Plakate auf rotem Grund besser sehen würde. Da lächelte der Pfarrer mit den unzähligen Falten um die Augen und sagte: Ja, da hast du recht.

Mehr bedurfte es nicht, dieses Lächeln und diese kleine Zustimmung waren genug, mich innerlich stolz und froh zu machen.

Das junge Fräulein kam hinzu, richtete einige Worte an Grindhusen, scherzte sogar mit ihm und fragte, was das für ein roter Kardinal sei, den er hier aufstelle? Zu mir sagte sie nichts und sah mich auch nicht an, als ich grüßte.

Das Mittagessen war eine harte Prüfung. Nicht weil das Essen nicht gut genug war, aber Grindhusen aß die Suppe so häßlich, und um den Mund glänzte er von Speck.

Wie wird er wohl die Grütze essen? dachte ich hysterisch.

Als Grindhusen sich auf der Bank zurücklehnte, und es den Anschein hatte, daß er in diesem fetten Zustand seine Mittagsrast halten wolle, rief ich ihm einfach zu: Aber so wisch dir doch den Mund ab, Mensch!

Er sah mich an, fuhr sich dann mit der Hand über die Lippen. Den Mund? fragte er.

Ich mußte den Eindruck wieder verwischen und sagte: Hoho, jetzt hab ich dich schön zum Narren gehalten, Grindhusen! Aber ich war unzufrieden mit mir und verließ sogleich das Brauhaus.

Das junge Fräulein möchte ich übrigens so weit bringen, daß sie mir dankt, wenn ich grüße, dachte ich; sie soll in kurzer Zeit darüber aufgeklärt werden, daß ich ein Mann von Kenntnissen bin. Da war z. B. dieser Brunnen mit der Wasserleitung, — wie, wenn ich nun mit einem vollständigen Plan hervortreten würde! Mir fehlte nur noch ein Meßapparat, um das Gefälle vom Gipfel der Anhöhe zu bestimmen, und ich begann an diesem Apparat zu arbeiten. Ich konnte mich mit einer Holzröhre behelfen, wenn ich zwei gewöhnliche Lampenzylinder daran festkittete und dann das Ganze mit Wasser füllte.

Immer mehr Kleinarbeiten gab es auf dem Pfarrhof, eine Treppenstufe sollte gerichtet werden, eine Grundmauer nachgesehen; und als die Kornernte eingebracht werden sollte, mußte die Auffahrt zur Scheune instandgesetzt werden. Der Pfarrer hielt darauf, daß alles in guter Ordnung war, und uns konnte es ja gleich sein, da wir im Tagelohn arbeiteten. Aber je länger es dauerte, desto unbehaglicher fühlte ich mich in der Gesellschaft meines Kameraden. Daß er z. B. das Brot gegen die bloße Brust stemmte und mit einem fetten Taschenmesser, das er häufig ableckte, davon herunterschnitt, verursachte mir große Pein; dazu kam, daß er sich die ganze Woche hindurch, von Sonntag zu Sonntag, niemals wusch. Am Morgen, noch ehe die Sonne kam, und am Abend, wenn sie untergegangen war, hing ihm ein blanker Tropfen an der Nase. Und Nägel hatte er! Und seine Ohren waren so häßlich!

Ach, ich war ein Emporkömmling, der in Caféhäusern gelernt hatte fein zu sein.

Da ich mich nicht enthalten konnte, die Unreinlichkeit meines Kameraden zu bekritteln, schuf ich eine wachsende Mißstimmung zwischen uns, und ich fürchtete, daß wir uns eines Tages trennen würden. Wir sprachen nur das Notwendigste miteinander.

Der Brunnen war immer noch ungegraben. Der Sonntag kam, und Grindhusen war heimgegangen.

Ich hatte nun mein Peilrohr fertig, und so stieg ich am Nachmittag auf das Dach des Hauptgebäudes und befestigte dort meinen Apparat. Ich sah sofort, daß die Peilung mehrere Meter unterhalb des Gipfels auf die Anhöhe traf. Gut. Wenn ich nun auch noch einen ganzen Meter bis zum Wasserspiegel im Brunnen abzog, würde doch Druck im Überfluß vorhanden sein.

Während ich dalag und peilte, wurde ich vom Sohne des Pfarrers entdeckt. Er hieß Harald Meltzer. Was ich da oben treibe. Den Hang vermessen, warum das? Wozu müsse ich die Höhe wissen? Laß mich auch messen!

Später nahm ich eine Leine von zehn Metern und maß den Hang von oben bis unten aus. Harald half mir dabei. Als wir wieder zum Hof hinunterkamen, meldete ich mich beim Pfarrer und trug ihm meinen Plan vor.


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